zu den Oberhessischen Uuchrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nr. 2. Gießen, den 9. Januar. Er hat einen Fehler. Humoreske von A. v. Winterfeld. Vor dem Spiegel eines eleganten Boudoirs stand ein schönes, junges Weib und ordnete sich das Haar. Da trat von der anderen Seite ein Herr ein und legte eine Düte Konfekt auf den Tisch. Er war schon bei Jahren, wohl Mitte der Funfzig, aber noch jugendlich angezogen, tadelloses Beinkleid, kurzes Jacket mit abge— rundeten Schößen und ein rothes Bändchen um den welken Hals, gelbe Handschuhe, gelbes Gesicht und graues Haar. Unter der Nase ein gedrehtes Bärtchen und im Auge einen matten Glanz. Er hatte die junge Dame nicht bemerkt, aber sie ihn— in dem Spiegel— nun wandte sie sich und nickte ihm zu; „Guten Morgen, Herr Schneider!“ Der alte Herr, der sich allein geglaubt, fuhr ordentlich ein Bischen zusammen. „Ah, sieh da! Frau von Arumfeld,“ gab er lächelnd zurück, „auf das Vergnügen war ich nicht vorbereitet. Seit wann sind Sie denn von Ihrer Reise zurück?“ „Seit drei Tagen.“ „Und Sie kommen mindestens aus China, wie?“ „Nein, ganz bescheiden aus Wien, wo mein Mann noch durch Geschäfte zurückgehalten wird.“ „Und Ihr erster Besuch galt Frau von Wildenberg?“ „Natürlich! Ich habe mich hier schon. dentlich eingenistet, aber wollen Sie nicht Platz nehmen?“ Däbei setzte sie sich auf die Causeuse, während Herr Schneider i einen Sessed sank. „Aber wo ist denn Frau von Wildenberg?“ fragte er. „Noch bei der Toilekke, te macht sich schön, wie wir Frauen uns ausdrücken, es kommt ja bald die Zeit, wo sie Herrn von Lüburg, Ihren Pathen, zu empfangen pflegt.— Das war doch wenigstens etwas Neues, was ich bei meiner Rückkehr nach Berlin erfuhr.“ „Was belieben Sie zu meinen, wenn ich fragen darf?“ „Nun, die bevorstehende Verheirathung des Herrn von Lüburg mit meiner Freundin, Frau von Wildenberg.— Weshalb machen Sie denn solch' erstauntes Gesicht? Sie, der Pathe des Zukünftigen, sollten nichts wissen?“ „O, gewiß,“ war die Antwort,„ich weiß leider nur zuviel.“ Die junge Frau wartete ein wenig, sie hatte sich wohl übereilt und dem alten Hausfreund dadurch wehgethan. „Richtig!“ lenkte sie daher ein,„es war mir ganz entfallen, daß Sie selbst einmal um Lucien's Hand geworben, doch ich glaubte, daß Sie die Sache aufgegeben, dennoch war es nicht ganz zart von mir.“ „Aufgegeben!“ unterbrach Schneider, indem er ordentlich kraus wurde,„o, bitte, da kennen Sie mich schlecht, gnädige Frau; im Gegentheil werde ich mich aller mir zu Gebote stehenden Mittel bedienen, um dieser Verbindung entgegenzutreten.“ „Sie glauben also wirklich noch Aussicht zu haben?“ fragte die Dame. „Weshalb nicht, gnädige Frau! So lange ein Kranker noch nicht todt ist, kann er gerettet werden; so lange man eine Heirath noch nicht vollzog, ist sie auseinander zu bringen.“ „Selbst die Heirath Ihres Pathen?“ „Selbst die Heirath meines Pathen!“ „Die bereits in wenigen Wochen stattfinden soll, wie man mir gesagt?“ Der alte Herr wiegte bedenklich sein graues Haupt.„Es ist wahr,“ meinte er,„die Zeit zum Handeln ist etwas kurz. Und wenn ich bedenke, daß ich den Schlingel selbst der Frau von Wilden— berg vorgestellt habe!“ setzte er dann mit ernsterem Nicken hinzu. „Das war allerdings ein Fehler!“ sagte die junge Frau. „Natürlich! Aber wie soll man auch auf den Gedanken kommen, daß eine Frau den so schlechten Geschmack haben kann, mir diesen sechsundzwanzigjährigen Milchbart vorzuziehen, nachdem sie vor Jahresfrist einen Sechzigjährigen verloren, der Abstand ist ja viel zu groß, da passe ich doch jedenfalls besser mit meinen Dreiund⸗ fünfzigen.— Es ist, um des Teufels zu werden! Als Lucien's alter Mann gestorben war, besuchte ich sie jeden Abend, den der Herr werden ließ und nahm schließlich auch meinen Pathen mit, aus Rücksicht und Pflichtgefühl. Da er sich bei mir einquartiert, wollte ich ihn nicht allein lassen, und allein ausgehen sollte er auch nicht, in meiner Gesellschaft war er doch immer am besten aufge⸗ hoben, und mir war er ebenfalls ganz angenehm; zu Dreien unterhält man sich doch besser als zu Zweien, da beweinten wir dann in aller Eintracht meinen armen Freund Wildenberg, den ich ihr übrigens auch vorgestellt hatte.“ „Das war wieder ein Fehler!“ meinte die junge Frau. Herr Schneider gab's ja zu. „Gewiß war's ein Fehler; aber wie konnte ich glauben, daß Lucie mir einen Greis vorziehen würde.“ „Weshalb erklärten Sie sich denn nicht?“ „Na ja! Das würde ja Alles geschehen sein; aber gerade als ich um ihre Hand anhalten wollte, brachte ich in Erfahrung, daß sie bereits an Wildenberg vergeben sei.“ „Den Sie vorgestellt hatten.“ „Allerdings! Was war da weiter zu thun?— Die Hochzeit fand statt, und man hatte wenigstens die Rücksicht mich einzuladen. Im Anfang wollte mir das Herz brechen; dann ward ich ruhiger und wartete, bis meine Zeit kam; endlich kam sie, Freund Wildenberg starb, und ich glaubte nun nichts gewisser, als daß meine Liebe jetzt Belohnung finden würde, aber gesegnete Mahlzeit! Da muß sich gerade mein Schlingel von Pathe bei mir einquartieren, ich muß auf die Unglücksidee kommen, ihn Lucie vorzustellen, er muß ihr gleich den Kopf verdrehen—“ „Und sie heirathen,“ fiel die Dame ein,„so ist es!“ * . C 10 „O, bitte!“ legte sich aber jetzt der alte Herr in's Mittel,„so weit sind wir noch lange nicht, und so weit kommen wir auch nicht. Diese Hochzeit soll und darf nicht stattfinden, so wahr ich—“ Da knarrte eine Thür und ließ ihn seine Rodomontade nicht zu Ende bringen. „Lucie!“ sagte die junge Frau, und Beide standen auf. Die reizendste junge Wittwe, die man sehen konnte, frisch, heiter, neckisch, mit einem Wort, zum Anbeißen. „Bitte, wollen die Herrschaften aber nicht Platz behalten,“ sagte sie, der Freundin die Hand gebend und dem Freund zunickend; „wie geht's Ihnen denn, Herr Schneider?“ Statt der Antwort nahm dieser die Düte, die er vorhin auf den Tisch gelegt und präsentirte sie der Angebeteten seines Herzens. „Darf ich mir erlauben, schöne Frau?“ Diese pellte mit ihren zarten Fingerchen das zusammengekniffte Papier auseinander, blickte hinein und offerirte dann zuerst der Freundin, die aber dankte. Lucie nahm selbst einen Bonbon und schmollte dann ein wenig dem freundlichen Geber:„Immer noch Thorheiten, lieber Pathe. Sie sollen sich ja meinetwegen nicht in Unkosten setzen.“ Mit den Worten legte sie die Düte wieder aus der Hand; doch Schneider schien mit der Aufnahme seines Geschenks nicht ganz ein— verstanden. „Ihr Pathe?“ wiederholte er,„ich bin ja garnicht Ihr Pathe!“ „Weshalb denn nicht? Wenn Sie Peter's Pathe sind, und „Peter mein Gatte wird— oder widersetzen Sie sich noch immer?“ „Mit allen meinen Kräften!“ war die energische Antwort. „Peter ist mein Pathe und mein Mündel zu gleicher Zeit, ich werde alle mir zu Gebote stehenden Mittel anwenden, ich werde mein Ver— mögen durchbringen, er ist mein Erbe, ich kann ihn enterben.“ „Seien Sie doch logisch!“ sagte Frau von Wildenberg, sich zu der Freundin auf's Sopha setzend, während Schneider wieder in seinen Fauteuil sank;„wenn Sie Ihr Vermögen durchgebracht haben, hilft Ihnen ja das Enterben nichts mehr.“ Der alte Herr war aber nun mal im Eifer, er steigerte noch. „Gut!“ krähte er,„dann werde ich mich verheirathen, ich werde Kinder bekommen, was glauben Sie denn?“ wiederholte er, als die Armfeld lachte,„ich werde gewiß Kinder bekommen.“ „Wie reizend!“ scherzte die junge Wittwe,„dann können sie mit den Unsrigen spielen, später verheirathen wir sie mit einander.“ Der Frau war nicht beizukommen. Schneider rüstete daher ab und schlug einen anderen Ton an. Die Drohungen halfen da ja nichts, ihr Liebreiz entwaffnete ihn gleich wieder, auf Alles hatte sie eine Antwort.— Herr Schneider besann sich eine Weile, ehe er wieder anfing. „Sie lieben also den Schlingel wirklich?“ fragte er. „Gewiß!... Verdient er das nicht in vollem Maße?“ Der alte Herr zuckte lächelnd die Achseln. „Der äußere Anschein ist oft trügerisch!“ gab er darauf. „Was wollen Sie damit sagen, Herr Schneider?“ Der Ton hatte etwes Ernstes gehabt, und Frau von Armfeld glaubte, sich deshalb einmischen zu müssen... ein wirkliches Ueber— werfen mußte doch unter allen Umständen verhindert werden. „Sagen Sie es doch offen heraus,“ wandte sie sich deshalb an den Projektenmacher,„was haben Sie denn Ihrem Pathen vorzuwerfen?“ Verläumden wollte Schneider ja nicht... aber es war doch eben alles möglich, und diesen Möglichkeiten nachzuforschen, konnte ihm nicht verdacht werden... Jeder ist sich selbst doch am Ende der Nächste... „Persönlich ist mir Peter erst seit einem Jahre bekannt,“ ant— wortete er deshalb,„und innerhalb dieser Zeit hat er freilich nichts gethan, was mich berechtigen könnte, eine schlechte Meinung von ihm zu haben. Aber, ehe er nach Berlin kam, hat er seine Jugend in Königsberg verlebt. Wer kann wissen, was er da gemacht hat! Seine Tante, die verwittwete Generalin von Krackwitz, könnte gewiß interessante Mittheilungen darüber machen, wenn sie wollte...“ „Weshalb sollte sie das nicht wollen?“ fragte Lucie, als Schneider schwieg und vor sich hinlächelte;„sie wird unter allen Umständen sprechen, wenn es gilt, mir einen Liebesdienst zu erweisen. Die Sache ist übrigens schon eingeleitet und kann jeden Augenblick zum Austrag kommen. Ich habe nämlich der Tante meine Verbindung mit Peter augezeigt, und sie zu gleicher Zeit um ihr ganz auf— richtiges Urtheil über den zukünftigen Gatten gebeten... natürlich pro forma; denn ich weiß ja im Voraus, wie die Zensur lauten Wii In dem Moment trat der Diener ein, überreichte einen Brief und ging dann wieder. „Sollte das vielleicht schon die Antwort sein?“ fuhr Lucie fort, „wahrhaftig, Poststempel Königsberg,“ dann zerriß sie das Kouvert und faltete das Papier auseinander...„Du erlaubst doch, liebe Bertha?“ Diese machte ein zustimmendes Zeichen, und Schneider brannte sichtbar vor Neugier. Luciens Finger zitterten ebenfalls vor Un— geduld... wer weiß, was sie da alles zu hören bekam... aber Muth! „Sie reis't zu ihren Verwandten nach Petersburg,“ sagte sie während des Lesens,„und kann deshalb meiner Hochzeit nicht bei— wohnen... schon morgen soll aufgebrochen werden... nun spricht sie über Peter, den sie seit seiner Geburt auf das Genaueste kennt... welches Lob sie ihm spendet, die gute Generalin!“... „Lies doch einmal die betreffende Stelle,“ sagte Bertha. Frau von Wildenberg, die schon ein Stück weiter gewesen war, ging auf dieselbe zurück: „Mit einem Wort, ich kenne nur einen Fehler an ihm.“ Hier stotterte sie. „Welchen denn?“ fragte Bertha ungeduldig. Er if Abermaliges Stottern. „Er ist!“ drängte die Freundin,„nun, was ist er denn?“ „Ich kann das Wort nicht lesen,“ war Lucien's Entgegnung, „ich bin schon darüber hinweggegangen, beim Zerreißen des Kouverts ist die Stelle lädirt worden.“ Schneider und Bertha machten lange Hälse, um in den Brief hineinzusehen; die Freundin hielt ihn in das günstigste Licht; aber es war unmöglich. Nur ein einziges Wort von Wichtigkeit stand in dem ganzen Brief und dieses eine Wort war nicht zu lesen. „Lies doch weiter,“ rieth die Armfeld;„vielleicht wird es in der Folge klar.“ Lucie fuhr fort:„Ich weiß sehr gut, daß dieser Fehler eigentlich gar nicht als Fehler zu rechnen ist, weiß auch, daß viele Frauen den Wunsch hegen würden, ihre Männer möchten meinem Neffen ähnlich sein; dabei kann ich mir aber nicht verschweigen, daß jener vorerwähnte Fehler gewissen Naturen gegenüber eine schwere, wenn nicht unverzeihliche Ahndung finden würde. Uebrigens wirst Du bei Deiner längeren Bekanntschaft mit Peter diesen enormen Fehler wahrscheinlich bereits entdeckt haben und mir Recht geben, wenn ich behaupte, daß mein Neffe gerade so ist, wie ich ihn Dir geschildert habe.“— Weiter steht nichts über Herrn von Lüburg darin.“ Nach dem Vorlesen des Briefes entstand eine kleine Pause. „Jedenfalls sehr gütig von der Generalin,“ begann Schneider dann wieder die Unterhaltung,„daß sie dem lieben Pathen nur einen Fehler zuspricht.“ „Wenn man Sie gefragt hätte,“ unterbrach ihn Lucie heftig, „würden Sie ihm allerdings eine ganze Menge beigelegt haben, aber ich kann nicht in dieser Ungewißheit bleiben, Peter hat einen Fehler, sogar einen enormen Fehler, der gewissen Naturen gegenüber schwere, wenn nicht unverzeihliche Ahndung finden würde.— „Herr Schneider!“ wandte sie sich direkt an diesen,„Sie müssen wissen, was das für ein Fehler ist.“ Der alte Herr zuckte mitleidig die Achseln. „Sie sagten soeben selbst, daß ich ihm eine ganze Menge Fehler zutraue,“ entgegnete er,„da wird der von der Generalin gemeinte wahrscheinlich darunter sein.“ „Spezifiziren Sie gefälligst, wenn ich bitten darf.“ Schneider senkte den Kopf, als wenn er nachdächte. „Erstens heißt er Peter,“ kam es endlich heraus. „Aber, so heißen Sie ja auch!“ warf Bertha ein. „Bitte um Entschuldigung,“ gab der Pathe zurück,„ich heiße Pedro, weil mein Vater einmal nach Spanien reisen wollte, Pedro klingt vornehm, Peter dagegen komisch.— Das ist ein Unterschied.“ Lucie machte eine Bewegung, als wenn sie nicht mehr hören wollte. „Bertha!“ wandte sie sich an diese,„Du hast ja einen Mann, der muß doch auch manchen Fehler haben, nenne mir mal ein paar von ihm.“ „Ich sehe ihn so selten,“ entschuldigte sich die junge Frau. 1 11 W. „Die oftmalige Abwesenheit wäre aber bereits ein Fehler.“ „Der Deinem Peter bis jetzt nicht vorzuwerfen ist, denn er kommt täglich zweimal.“ „Suchen wir also weiter!“ drängte Lucie. Bertha legte das feine Fingerchen an die Nase. „Ja, wenn es Herr Schneider wäre,“ meinte sie dann,„bei Damen wäre der Fehler leichter zu finden.“ Das nahm der aber übel. „Aber, ich bitte Sie!“ rief er ärgerlich;„wie können Sie das so gerade heraussagen?“ „Da haben wir gleich einen,“ notirte die junge Frau,„also Nummer eins. Sie werden heftig und wüthend, ich bin überzeugt, daß Sie auch eifersüchtig sein könnten.“ „Das will ich nicht in Abrede stellen,“ war die Antwort,„wenn man einen spanischen Namen hat.“ „Aha! also Fehler Nummer zwei! man muß bei den Männern nur anklopfen, dann fallen die Fehler wie die Aepfel vom Baume. Natürlich spielen Sie auch, rauchen viel, und was Sie sonst noch Alles machen mögen!“ Schneider senkte verschämt den Blick, so etwas hören die Herren eigentlich gern, selbst auf die Gefahr hin, daß es ihnen schaden könnte. „Von Ihren galanten Abenteuern spricht die ganze Stadt!“ fuhr die grausame Bertha fort. Das hatte wieder getroffen. Der alte Herr wackelte, halb albern, halb eitel, mit dem Oberkörper. „Man übertreibt, gnädige Frau,“ sagte er, mit einem Seiten⸗ blick auf Lucie,„man greift aus der Luft, vielleicht früher einmal, ein kleines Verhältniß.“ „Oh! oh!“ triumphirte die Armfeld.„Fehler Nummer drei, Eitelkeit! Die Mißgunst kennen wir schon.“ Schneider nahm aus Verlegenheit einen Bonbon aus der Düte und steckte ihn in den Mund. „Nun sind sie gar nicht mehr zu zählen!“ klang es im hellen Jubel,„also auch ein Näscher, Leckermaul! Sie bringen uns Bonbons und verzehren sie allein, das ist reizend!“ Lucie hatte bisher ernst nachgedacht. „Wenn Ihr die Zeit mit Schwatzen hinbringt,“ tadelte sie,„dann werdet Ihr allerdings nichts finden. „Richtig! ein Schwätzer ist er auch noch!“ rief die Armfeld. „Ich habe eine Idee!“ rief Schneider,„wenn wir noch einmal an die Generalin schrieben?“ „Das geht nicht,“ wies Lucie ab,„da sie morgen nach Peters— burg reist, würde sie den Brief gar nicht mehr erhalten.“ „Dann telegraphiren wir,“ verbesserte der alte Herr,„in einer halben Stunde haben wir die Antwort.“ Lucie zeigte sich einverstanden damit, doch Bertha trug Bedenken. Zwei Frauen von Geist sollten sich nicht die Fähigkeit zutrauen, einen Fehler an einem jungen Mann zu finden, der noch obenein verliebt ist? Zuletzt gab sie aber dennoch nach. Mochte Herr Schneider telegraphiren, so viel er wollte, die Sache der Damen sollte es da— gegen sein, zum Ziel zu kommen, ehe die Rückantwort eingelaufen. Da war allerdings keine Zeit zu verlieren, deshalb machte sich Pedro sofort an die Arbeit, nahm sein Notizbuch heraus und entwarf die Depesche:„Brief empfangen, Wort lädirt, Fehler unbekannt, welcher, Fragezeichen, erwarte Antwort bei Lucie. Bitte um Vergebung, daß ich Sie nicht gnädige Frau titulirt habe; aber das steigert unnütz die Kosten.“ „Geizig sind Sie also auch noch?“ unterbrach Bertha. Schneider ließ sich dadurch nicht stören, sondern schrieb die Adresse: „An die Generalin von Krackwitz in Königsberg(Ostpreußen).“ Dann stand er auf, nahm den Hut, vergaß den Stock, empfahl sich eiligst und stürzte auf's Telegraphenbureau. Als die beiden Frauen allein waren, gingen sie auch sofort an den Entwurf ihres Feldzugsplans. Lucie machte den ersten Vor⸗ schlag: Sie wollten ihm im Lauf der Unterhaltung auf den Zahn fühlen, ihm Gewissensfragen vorlegen, doch Bertha verwarf das Mittel als schlecht und glaubte durch Ueberraschung besser den Zweck zu erreichen, es kam nur darauf an, die geeigneten Fälle zu finden, sie dachte eine Minute nach, da hatte sie schon etwas. „Schreibe einmal Deinen Namen und Adresse auf dies Couvert,“ sagte sie, der Freundin ein solches zuschiebend und ihr eine Feder in die Hand gebend.„Du kannst unbesorgt sein, ich stehe für Alles.“ Als die Arbeit gethan war, faltete Bertha einen leeren Bogen, steckte ihn in das Couvert und klebte es zu. Dann klingelte sie dem Diener und gab ihm den Brief.„Fünf Minuten nach Eintritt des Herrn von Lüburg übergeben Sie dies Schreiben Ihrer Herrin mit dem Bemerken, daß der Diener des Grafen Busow es gebracht.“ „Weshalb vom Grafen Busow?“ fragte Lucie, als Johann ge— gangen.„Du weißt doch, daß er mir etwas den Hof macht.“ „Eben deshalb, liebes Kind, Herr von Lüburg ist vielleicht eifer⸗ süchtig. Dadurch werden wir es erfahren.— Dann muß feine Galanterie auf die Probe gestellt werden; zu diesem Kunststück müßtest Du mich aber mit ihm allein lassen.“ Lucie blickte sie fragend an. „Nun!“ folgte sofort die Erklärung,„es könnte ja doch sein, daß er warm würde.“ Doch davon wollte Lucie nichts wissen, sondern erhob lebhaften Einspruch, bis die Freundin das Projekt fallen ließ. Ihr konnte es ja gleich sein; wenn sie's nicht wissen wollte, war das lediglich ihre Sache. Bertha kam aber sofort auf etwas anderes, indem sie sich mit den Zündhölzchen beschäftigte. „Was machst Du denn da?“ fragte die Wittwe. „Du siehst es ja, ich mache die Streichhölzer naß, es könnte doch kommen, daß wir uns etwas anzünden lassen wollten.“ Während der Heiterkeit, die hieraus entstand, trat ein schöner, junger Mann ins Zimmer. „So lustig, meine Damen?“ sagte er,„habe die Ehre, einen guten Morgen zu wünschen.“ Dann legte er ohne Aufforderung ab. Der Angriffsplan der beiden Verbündeten wurde sofort in's Werk gesetzt. „Guten Morgen, Herr von Lüburg! erwiderte Lucie den Gruß. „Sie sehen ja heut' so hübsch aus.“ „Ja, das finde ich auch!“ stimmte die Freundin ein. „Woher kommen Sie denn eigentlich in dem Staat?“ fuhr Erstere fort. „Ich komme aus der Kirche,“ war die Antwort,„und zwar von einer Hochzeit.“ Dann setzte er sich, ohne daß es ihm erlaubt worden war. Das Fragen nahm ungestört seinen Fortgang. „Wen haben Sie denn verheirathet?“ kam Lucie zuerst. „Einen Freund von mir, den kleinen Baron Spiegel.“ „Und mit wem, wenn man fragen darf?“ „Mit 600,000 ehrlichen Mark.“ „Hm! Und sind diese 600,000 Mark wenigstens hübsch?“ „Das kommt auf den Geschmack an; sie schielen ein wenig und haben rothes Haar.“ „Sie gehören also ohne Zweifel zu den Hochzeitsgästen?“ „Leider, meine gnädige Frau!“ „Weshalb dazu die Trauermiene?“ „Sie sehen ja aus, als wenn Sie zum Begräbniß müßten.“ Herr von Lüburg zog die Handschuhe aus. „Es gäbe vielleicht ein Mittel, sich davon zu dispensiren,“ sagte er. „Aber weshalb denn? Sie werden ein trefflich Diner haben.“ „Was ich mir daraus mache!“ Die beiden Freundinnen wechselten einen schnellen, verstohlenen Blick. Dann ging das Examen aber mit ungeschwächten Kräften weiter. N „Sie haben abgelehnt?“ fragte Lucie. Dann ging es, ohne die Entgegnung abzuwarten, im schnellen Tempo weiter. „Das wäre doch aber eine Gelegenheit gewesen, um gut zu essen.“ „Und zu trinken.“ „Grade jetzt, wo es so schönes Wildpret giebt.“ „Und so herrliche Fische!“ „Und so köstliches Obst! „Und Gemüse aller Art!“ „Und Trüffeln, mögen Sie Trüffeln?“ „Mit Champagner befeuchtet.“ Herr von Lüburg hatte während des gegen ihn anrasenden Sturmes ruhig dagesessen und von der Einen auf die Andere geblickt. „Aber, meine Damen,“ sagte er endlich, als eine kleine Pause entstand,„Sie sind ja außerordentlich gourmand.“ Lucie warf Bertha einen vielsagenden Blick zu. Der erste Anlauf war abgeschlagen, bei der Nennung von allen den Leckerbissen hatte der junge Mann nicht eine Miene verzogen, der Fehler der Fein— schmeckerei war ihm also wohl keinenfalls vorzuwerfen. Jetzt trat ————————— . aber ein neuer Moment ein und Bertha machte die Freundin auf— merksam darauf. Herr von Lüburg schien in Gedanken, die linke Hand lag auf dem Tisch und die Finger trommelten auf der Platte herum, dabei kamen sie der Düte mit den Bonbons zu nahe, die Damen zitterten vor Aufregung, die Düte wurde näher gezogen und ein Blick hinein gethan, dann ein Bonbon herausgenommen wenn Sie erst mein Gatte sind.“ und aufmerksam besehen. Berthas Fuß suchte sich unter dem Tisch den ihrer Freundin und berührte ihn leis. Die Spannung war fieberhaft. Da warf Lüburg den Bonbon in die Düte zurück und schob sie beiseit— also wirklich?— Zuletzt war die Hoffnung noch einmal aufgeglimmt, aber nur um desto vollständiger zu erlöschen. „Wenn Sie also nicht zum Diner gehen,“ fing Lucie dann wieder an,„werden Sie wenigstens den Ball besuchen?“ „Nein,“ war die sehr entschiedene Antwort;„ich denke mir das nicht amüsant genug.“ Wieder abgeschlagen, aber Luciens Wangen glühten schon, sie mußte den schwachen Punkt finden, kostete es, was es wollte. „Ich für meine Person hasse das Spiel,“ setzte sie abermals an,„desto mehr liebe ich aber den Tanz, und ich hoffe, daß Sie auf dem Ball nicht verzweiflungsvoll nach der Uhr sehen werden, Herr von Lüburg küßte seiner Dame zärtlich die Hand.„O, wenn wir verheirathet sein werden, gestaltet sich ja die Sache ganz anders,“ meinte er,„dann werde ich den Ball nicht mehr als einen verlorenen Abend betrachten; denn ich werde Sie schön und strahlend sehen, von Huldigungen umgeben, und wenn dann doch, von Zeit zu Zeit, aus diesem glänzenden Zirkel heraus, ein Blick auf mich fällt, dann wird er mein Glück sein; denn der Blick ist mir Beweis, daß Sie ein wenig an mich gedacht.“ (Schluß folgt.) Jugendlust. Nach dem Oelgemälde von E. Keyser. „Wie?“ fiel Bertha ein,„wenn man 600,000 Mark heirathet, wird man doch etwas darauf gehen lassen.“ „Es wird sehr hübsch sein— natürlich!“ gab der junge Mann mit ironischem Lächeln zurück,„es werden mindestens fünfhundert, Menschen in einem Lokal zusammenkommen, wo höchstens hundert Platz haben; es werden eine Menge junger Leute herumlaufen, die nach Pommade riechen und sich gegenseitig auf die Füße treten; es werden Mütter dort sein, die sich die Gelbsucht an den Hals ärgern, wenn ihre Tochter sitzen bleiben, und unglückliche Väter, die verzweiflungs- der Phantasie des Malers mag eine jener orientalischen Frauen- voll nach der Uhr sehen und vor Müdigkeit kaum noch die Augen aufmachen können, und das Alles von den leckenden Wachskerzen an— muthig beträufelt, unter allen Umständen ein entzückendes Bild.“ „Sehr schön!“ bemerkte Bertha;„aber Sie haben den Gegen— stand noch nicht erschöpft, in den anstoßenden Gemächern werden sich auch seyr ernsthafte Männer befinden, wie Sie, zum Beispiel, die einen Tisch umgeben, auf dem Geld ausgebreitet ist, dort wird gespielt, Pharao oder Landsknecht.“ „Das reizt mich nicht im mindesten,“ unterbrach Lüburg,„ich kenne keine Karte, ich habe noch nicht einmal Patience gelegt.“ in Paris, mit Vorliebe schilderte. Sichel's Irauengestalten. Auf der großen Jubiläumsausstellung zu Berlin erweckte unter den Hunderten von Figurenbildern eines ganz besonderes Interesse durch den vornehmen Reiz des Kolorits und die fremdartige, phan— tastische Schönheit der jugendlichen Gestalt. Dies war Sichel's„Almee“. In Egypten bezeichnet man die Straßensängerinnen als Almeen, und gestalten vorgeschwebt haben, wie sie einst sein Meister, Landelle Allein Sichel's Pinsel zeigt eine idealisirende Tendenz, und er erhob seine Almee über den Staub und Schmutz der Gasse, versetzte sie in das lauschige dämmerhafte Gemach eines maurischen Palastes, und so erschien uns das jugend— schöne Weib, mit den languiden traumhaften Augen, wie eine der Märchengestalten aus„Tausend und einer Nacht“. Die Harfe, über welche ihre zartgegliederte Hand weggleitet, läuft in eine Sphinxbüste aus, und diese erhöht noch den Märchenzauber, der die Sängerin umwebt. Solche Mädchengestalten, glaubt man, müßten vor Jahr⸗ 2 tausenden mit ihrem Harfenspiel die Töchter der Ramseniden in den Frankfurt während einiger Jahre Bildnisse und siedelte im Jahre Schlaf gelullt, oder die stolze Cleopatra auf ihren Nilfahrten be- 1878 nach Berlin über, wo er bis heute dauernd seinen Wohnsitz hat. gleitet haben. Unser Bild giebt Sichel's Almee in der Zeichnung Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat Sichel eine Anzahl von wieder, aber leider heißt es einem Schmetterling den Farbenschmelz Frauentypen geschaffen, welche durch den Stich und die Photographie von den Flügeln eine weite Verbrei⸗ streifen, wenn man tung erlangten. einem Sichel schen Seine Medea, sein Bilde das Kolorit Fellahmädchen, seine nimmt. In der fei⸗ Wasserträgerin, seine nen harmonischen Salome und die Farbenstimmung Träumerin sind Fi⸗ liegt der vornehmste guren, deren Schön⸗ Reiz seiner Bilder, heit im Strahl der und den Glanz und heißen Orientsonne Reichthum seiner Pa⸗ gereift zu sein scheint. lette hat er sich in Auch seine Almse ge— Rom und Paris er⸗ hört in die Galerie rungen. der drientalischen N. Sichel ist im Schönheiten, bei de⸗ Jahre 1844 am nen sich mit dem Rhein geboren und sinnlichen Reiz ein zwar im goldenen traumhafter Zug ver⸗ Mainz. Früh er⸗ bindet, der ungemein kannten seine Ange⸗ poetisch wirkt. Neu⸗ hörigen die entschie⸗ erdings hat Sichel dene Begabung für einige glückliche Mo⸗ die Malerei und tive auf der Bühne sandten ihn auf drei gefunden. Die Ophe⸗ Jahre nach Berlin, lia des Frl. Sorma wo er die Akademie und die Portia des besuchte, und wo er Frl. Meyer vom Kgl. durch Professor Ju— Schauspielhaus in⸗ lius Schrader vor⸗ spirirten ihn zu zwei zugsweise eine ener⸗ Gemälden, von de⸗ gische Förderung sei⸗ nen das Erstere die nes Talents erfuhr. kindliche Lieblichkeit Im Jahre 1866 er⸗ der Wahnsinnigen, hielt Sichel für sein das zweite die Grazie Bild„Joseph deutet und den Adel der vor— die Träume des Pha⸗ nehmen Italienerin rao“ den großen betont. Vielleicht Preis für Rom. So aber ist die jüngste wurde es ihm durch seiner Frauengestal⸗ Staatshülfe möglich, ten zugleich die reiz⸗ den Alterssitz der vollste. Wilden⸗ Künste am Tiber zu bruchs„Karolinger“ besuchen. In Rom gaben dem Künstler blieb er zwei und ein die Anregung zu halbes Jahr, dann diesem neuen Werk. siedelte er nach Paris Jene Maurin, welche über in der Absicht, beim Beginn der sich hier unter Lei⸗ Tragödie, gegen eine tung der großen Hi⸗ Säule gelehnt, von storienmaler gleich- der Heimath falls zum Geschichts⸗ schwärmt, hat er in maler auszubilden. einem warmtönigen Während seines fünf⸗ Gemälde geschildert. jährigen Aufenthalts Eine in der Berliner in der Seinestadt Gesellschaft wohl⸗ malte er Geschichts— bekannte Schönheit bilder wie:„Car⸗ lieh ihm für dies dinal de Guise em⸗ Gemälde ihre Züge pfängt den Kopf des und die schöpferische Coligny in Rom“, 5 195 1 Phantasie des Ma⸗ ferner Maria Stu- Almee. Nach einem Gemälde von N. Sichel. lers hat durch den art's Abschied von(Aus der Jubiläums⸗Kunstausstellung in Berlin.) schmachtenden Aus⸗ Melville“, eine druck des holden Ant⸗ Szene aus der Geschichte des Don Carlos und andere mehr. litzes, durch die träumerische Haltung der üppigen formenschönen Allmählich jedoch gewann Landelle, der ausgezeichnete Schilderer des Gestalt, durch die Pracht der maurischen Gewänder und die schim— südlichen Volkslebens, den entscheidenden Einfluß auf seine Kunst⸗ mernden Säulen des Palastes die schöne Wirklichkeit romantisch richtung. Im Orient suchte er hinfort sein Schönheitsideal. erhöht. Solche Frauengestalten mögen einst durch die Alhambra Eine Reihe von verlockenden Aufträgen führte Sichel zunächst eines Boabdil geschritten sein. von Paris nach der Heimath zurück und er malte in Mainz und Sichel gehört jedenfalls zu den bedeutendsten Koloristen der Gegen— 1 0 Deo * 14. wart, denn er versteht es meisterhaft, seine Frauengestalten durch die Farbe zu charakterisiren. Seine reiche Farbenskala wirkt wie die wohllautgesättigte Sprache eines Heine schen Gedichts und so muthen uns seine Frauengestalten an, als seien sie vom Zauber der Poesie umflossen. Mag man zuweilen Ausstellungen an Zeichnung und Modellirung zu machen haben, das reiche blühende Kolorit seiner Bilder wird auf jeden Beschauer eine große Wirkung üben. Seiner kräftigen Phantasie hat sich das Schönheitsideal erschlossen und Frauen⸗ schönheit übt in der plastischen Kunst dieselbe Wirkung aus wie „Versöhnung in der Tragödie,“ sagte Hebbel. Sichels holde Frauen— gestalten verbreiten stets eine märchenhafte Stimmung, sie erheben uns also über die gemeine Wirklichkeit und das ist die Mission eines echten Kunstwerks. R. E. Ich und mein Nachbar Joddel. Frei nach dem Englischen von Jenny Piorkowska. Von den kleinen Villen in der Ostvorstadt gehört mir Nummer Eins, Foddel Nummer Zwei. Es sind ganz hüͤbsche Häuser, aber ich gäbe sonst etwas darum, wenn mir Jemand den Miethskontrakt von Nummer Eins abnähme. Und daran ist Niemand anders schuld, als Betchen— Betchen ist nämlich meine Frau Beate;— die war ganz entzückt von dem kleinen Hause, weil da alles so hübsch bei— sammen ist, wie sie meinte; und weil es— wie sie sagte,— so niedrig sei, daß man, falls einmal Feuer ausbräche, so leicht fort könnte; und darin— das muß ich sagen— hat sie recht; denn aus der Schlafstube konnte man ganz bequem zum Fenster hinaus— springen. Damals war Foddel noch nicht da, sonst wäre ich lieber sonst wohin gezogen, ehe ich diesen Miethskontrakt unterzeichnet hätte. Aber acht Tage nach mir kam Foddel und zog neben mir ein, so wurden wir Nachbarn. Ohne mir schmeicheln zu wollen, darf ich wohl sagen, daß ich eigentlich ein ganz gutmüthiger Mensch bin, bei dem Namen Foddel steigt mir aber die Galle, und ich kann ihn nicht nennen, ohne irgend ein Beiwort hinzuzufügen und wäre es nur der„verflixte“ Foddel. Es kann sich aber auch kein Mensch eine Vorstellung davon machen, wie dieser Mann mein armes kleines Betchen und mich geärgert und schikanirt hat. Gleich am ersten Abend, als er eingezogen war, schickte er seine Rieke und ließ sagen,„ihr Herr lasse schön grüßen, aber er habe seine vorige Wohnung nur des vielen Mustzierens halber verlassen und ließe uns bitten, mit Singen und Pfeifen aufzuhören.“ Das nur als ein Beispiel. Verging doch kein Tag, an dem dieser kleine, runde, unangenehme, kahlköpfige, alte Junggeselle oder seine zitronengelbe Schwester, die ihm die Wirthschaft führte, sich nicht über irgend etwas zu beklagen gehabt hätte! Das allein wäre nun schon noch zu ertragen gewesen, aber der Aerger über die Wohnung selbst nahm auch nie ein Ende, etwas war immer in Unordnung. Da war der Klingeldraht gerissen, dann platzte das Rohr am Ausguß, dann blieb der Schwengel am Brunnen hängen, dieser Schwengel war mir überhaupt immer ein Dorn im Auge! Kurz, so regelmäßig wie die Uhr stellte sich täglich irgend etwas ein, worüber ich mich ärgern mußte, bis diese Unannehmlich— keiten eines Tages ihren Höhepunkt erreichten, und dieses neue Aergerniß kostete mich baare hundert Mark und machte Nachbar Foddel auf ewig zu meinem geschworenen Feinde. Ich war eben aus dem Bureau heimgekommen, hatte es mir bequem gemacht und labte mich bereits an dem Duft des Mittag— essens, der aus der Küche heraufstieg. Betchen saß an ihrem Näh— tisch und war fleißig. Alles war rosig und behaglich, als ich plötzlich schnupperte. Dann schnupperte Betchen. „Riecht es nicht furchtbar brandig?“ bemerkte ich endlich. „Das ist wieder dem gräulichen alten Foddel sein Schornstein, der raucht,“ sagte Betchen;„ach, Rebbchen,(ich heiße nämlich Robert;) „ach, Rebbchen, laß uns doch ausehen, diese Foddels sind zu un— angenehme Leute, s'ist kaum zu glauben, aber denke Dir, neulich, wie ich am Fenster saß, schnitt mir die alte Jungfer thatsächlich Gesichter.— Herein!“ unterbrach se sich darauf selbst, als es an die Stubenthüre klopfte. die Eintretende. „Nun, Christel, was giebt's?“ fragte sie „Ach, Madame, wenn Sie doch mal herunter kommen wollten!“ „Was ist denn geschehen, Christel?“ „Ich habe, wie Sie mir sagten, unten im Eßzimmer ein tüchtiges Feuer angemacht, und nun kracht und braust es so, daß ich mich ängstige.“ „Du wirst uns das Dach über den Köpfen angebrannt haben!“ rief ich heftig, die Zeitung auf den Tisch werfend. „Das meinte der Friedrich auch schon,“ gab sie zur Antwort. Ich lief eilends im Schlafrock die Treppe hinab in das besagte Zimmer, und wirklich, zu meinem großen Schrecken krachte und loderte es ganz unheimlich, und riesengroße Rußflecken kamen durch die Esse heruntergeflogen. Wenn nicht eilends etwas gethan wurde, kam mir die Feuerwehr noch über den Hals, und wir konnten sechzig Mark zahlen, wenn uns nicht gar das Haus wegbrannte— „Da würde aber der alte Foddel mit abbrennen,“ dachte ich— und einen Moment durchzuckte eine teuflische Freude meine Brust. Aber von Natur gutmüthig, verscheuchte ich schnell wieder diesen schadenfrohen Gedanken, griff nach dem Salznäpfchen, schüttete dieses auf's Feuer, schickte unsere Christel in die Küche, daß sie die große Salzbüchse hole, und stürzte auch diese auf dem Feuer um. Da das aber nichts zu helfen schien, rief ich unserer Christel zu, sie solle ein paar Eimer voll Wasser bringen, die trug ich mit ihr die Treppe hinauf, stieg eine kleine Leiter in die Höhe, öffnete die Bodenthüre, stieg aufs Dach und ließ mir die Eimer zureichen. „Das wird einen heillosen Schmutz geben,“ dachte ich, wie ich mir so den Ruß anguckte, der in dem langen engen Schlot herum— tanzte;— denn die Esse war eben so klein und eng wie alles in diesem Hause. „Ja, einen heillosen Schmutz wird das geben,“ dachte ich,„aber was liegt daran? besser eine schmutzige Stube als sechzig Mark an die Feuerwehr zahlen,“ fuhr ich in meinem Selbstgespräch fort— „Ha, das Salz hat gewirkt! jetzt giebt es keine Funken mehr: das von Chlornatrium durch die Hitze erzeugte Chlorgas hat das Feuer erstickt! nun noch einen guten Schluß!“ Mit diesen Worten ergriff ich einen der Eimer und goß seinen Inhalt in die rauchende Esse hinab, dann trat ich schnell zurück, um den erstickenden Dämpfen zu entgehen, setzte den leeren Eimer nieder und griff nach dem vollen. „Heute brauchen wir keine Löschmannschaften hier,“ sagte ich, vergnüglich lachend, und wie so ein gurgelnder Ton durch den Schorn— stein zu mir heraufkam, goß ich einen zweiten Eimer voll hinunter und stieg dann wieder hinab. „Wünschen Sie noch mehr Wasser?“ fragte Christel, als ich wieder unten angelangt war. „Ich glaube nicht,“ entgegnete ich. Eßzimmer, mein liebes Betchen?“ „Es hat aufgehört, so zu lodern, Rebbchen,“ sagte meine Frau; und wie wir in das Zimmer traten, sah ich zu meiner angenehmen Ueberraschung, daß das Feuer hell brannte, während das beängstigende Prasseln aufgehört hatte, und Alles ganz schön sauber war. „Aber, mein geliebtes Betchen...“ hub ich an, da ging das merkwürdige Geräusch von Neuem los, aber diesmal nicht in unserer Esse, sondern vor unserer Stubenthüre, klang es doch, als wenn Jemand dieselbe von draußen einzuschlagen beabsichtigte. „Laß mich öffnen,“ sagte ich, indem ich Christel hastig beiseite schob,„es wird die Feuerwehr sein.“ Fest entschlossen, jedem Feuerwehrmann, der es wagen sollte, sich gewaltsam Eintritt in mein Haus zu verschaffen, muthig entgegen; zutreten, ging ich nach der Thüre und öffnete sie vorsichtig, aber nur um schnell wieder zurückgetrieben zu werden von einem wider— lichen kleinen Wesen, in Gestalt meines Nachbars Foddel: rund, wüthend, schwarz wie Ruß, naß wie eine Wasserratte und mit vor Zorn schäumendem Munde. Vor ihm fürchtete ich mich nicht, aber er war so schmutzig, daß ich erschrocken in die äußerste Ecke flüchtete, wo ich, mich mit den vier Beinen eines Stuhles vor seiner Nähe schützend, anhoͤrte, was er mir zu sagen hatte, während mein Betchen und unsere Christel sich ängstlich in einen Winkel drückten. „Sie verwünschter Schurke!“ keuchte er aus der Mitte seines spaßhaft schwarzen Gesichts heraus, während er mit seiner schwarz— berußten Hand an dem naßschwarzen Vorhemd und an der bedenklich „Wie ist es denn unten im D ˙ — N N50 D, weißen Piquéeweste zog.„Sie verwünschter Schurke! Sie Elender! das ist einer Ihrer boshaften Streiche! Aber ich räche mich, ich räche mich! Sie sollen Ihre Strafe haben!“ „Vielleicht haben Sie die Güte, mir zu erklären, welche Gründe—“ hub ich in voller Unschuld an. „Welche Gründe?— Gründe?— Sie scheinheiliger Heuchler Sie!“ fiel er mir wuthschnaubend ins Wort.„Gut, Sie sollen die Gründe hören! Vor zehn, nein, vor fünf Minuten stehe ich, wie das so meine Gewohnheit ist, meine Zeitung lesend und mir den Rücken wärmend, am Ofen, als eine Lawine, eine schmutzige Fluth, ein wahrer Wasserfall durch meine Esse herabgestürzt kommt, mich, meinen türkischen Teppich, kurz, meine halbe Stube überschwemmt und mir mein Feuer auslöscht!“— Sobald ich mich einigermaßen von meinem Schrecken erholt habe, stecke ich den Kopf in die Esse und brülle Ihnen zu, daß Sie aufhören sollen mit diesem Unsinn, als— verwünscht!— eine zweite Lawine herabkommt und— und— zum Teufel!— Hier, sehen Sie, wie Sie mich zugerichtet haben!“ Ich muß gestehen, der arme Kerl sah in der That zum Er— barmen aus. f „Und nun, mein Herr,“ brüllte er wüthend,„jetzt sagen Sie mir, was das zu bedeuten hat?“ „Das hat zu bedeuten,“ versetzte ich gelassen mit mitleidigem Lächeln,„daß ich das Wasser vermuthlich den falschen Schornstein hinuntergegossen habe!“ Lose Blätter. Die englische Sonntagsfeier. Als König Jakob J. einmal durch Lancashire reiste, wurde ihm angezeigt, daß die Grafschaft von„Quäkern und anderm überspannten Volke 9 5 7 sei“, das sich des Sonntags der Arbeit und der Vergnügungen enthalte. Nach seiner Rückkehr erließ er ein Edikt, das die strenge Sonntagsfeier als gefährlich bezeichnete für Staat, Religion, Gesellschaft und ee Für den Staat, weil die Menschen den Sonntag über grübeln und auf unzufriedene Gedanken kommen würden; für die Religion, weil die Menschen keinen Gefallen finden können an einer Religion, die ihnen solche Langweiligkeit auflegt; für die Gesellschaft, weil Müßiggang zum Trunk führe; für das Heerwesen, weil die Race sich schnell verschlechtern würde, wenn sie nicht einmal die Woche„tanze, froschhüpfe, Mohrentänze aufführe u. s. w.“ Geistliche und weltliche Obrigkeiten wurden angewiesen, die Uebelgesinnten zu verwarnen und, wenn dies nicht hülfe, aus dem Lande zu treiben. Diese Verordnung, wegen des darin enthaltenen Kataloges von Spielen das Book ok Sports genannt, wurde von Karl J. erneuert, auf Befehl des langen Parlaments von Henkershand verbrannt. Die heutige e in England, angeblich eine Hauptsäule von Thron und Altar, ist ein Vermächtniß der Republik. Er. Der Ehescheue. Der Herzog von Bridgewater, welcher gegen das Ende des achtzehnten Jahrhunderts sich durch die Förderung nützlicher Kanalbauten auszeichnete, legte einen großen Widerwillen gegen das eheliche Leben an den Tag, welcher dem erklärlich war, welcher seine Vergangenheit kannte. Als er soeben die Universität Cambridge verlassen hatte, lud ihn einer seiner Studiengenossen mit auf's Land ein, wo er Gelegenheit erhalten sollte, die Schöne zu bewundern, welche letzterer nach wenigen Monaten heimzuführen entschlossen war. Die junge Dame war bildschön, aber eben so leichtsinnig als schön. Obschon seit mehreren Jahren Braut und anscheinend ihrem Verlobten mit der größten Zärtlichkeit ergeben, legte sie doch eine große Zuneigung zu dem Herzog an den Tag, den sie erst seit wenigen Tagen kannte. Vielleicht war an dieser schnell auflodernden Liebe der Titel Herzog mit Schuld. Der Herzog, welchen ihr leichtsinniges Betragen gegen seinen Freund tief erschütterte, faßte einen solchen Widerwillen gegen das schöne Geschlecht, daß er sich entschloß, nie zu heirathen und seinem Gelübde auch treu blieb. Th. Bd. Der Camsin, ein südamerikanisches Insekt, richtet solche Zerstörungen an, daß er in einer Nacht sich durch das dickste Holz durchfressen kann. Man hat gesehen, daß es in dieser Zeit einen Ballen Papier von 24 Ries durch⸗ bohrte. Wenn man nicht die größte Wachsamkeit anwendete, um es von Magazinen abzuhalten, würde es in denselben die größten Verwüstungen an⸗ richten. Es knüpft sich an dieses Insekt eine besondere Anekdote.— Man hatte einst von Spanien eine große Menge Kisten mit Flintensteinen über Panama nach Lima geschickt; da sie nicht ankamen, so forderte der Vice⸗ könig von Peru Aufschluß von dem Gouverneur von Panama. Dieser gab folgenden Bescheid:„Der Camsin habe alle Kisten in den königlichen Magazinen vernichtet.“ Sogleich kam von dem strengen Vicekönig, welcher das Insekt nicht kannte, an den Gouverneur der Beschl besagten Camsin festzunehmen und in Ketten und Banden nach Spanien zu schicken. 1 Wittwentrauer. Nach einem alten Gebrauche mußte eine Königin von Frankreich nach dem Tode ihres Gemahls sechs Wochen in einem Zimmer, das nur durch Kerzenlicht erhellt war, zu Bett bleiben. Anna von Bretagne soll die erste gewesen sein, welche bei dem Tode ihres Gemahls Karl VIII. dem Herkommen entgegentrat, das aber nach dem Tode Ludwigs XII.(1515) wieder von dessen Wittwe Marie Besch wurde. Dagegen mußte eine Königin von Spanien nach einem Beschlusse der Kirchenversammlung von Saragossa(1691), sobald der Tod ihres Gatten eingetreten war, in ein Kloster gehen. W. G. Bei den Tulpen ist es nicht selten, daß sich Brutzwiebeln auch an den Stengeln zeigen. Während die an der alten Zwiebel aber die Färbung der Mutterpflanze beibehalten, ist dies bei denen am Stengel nicht der Fall; sie blühen einfarbig und zeigen keine grelle Farbe. Erst wenn sie jährlich aus der Erde genommen werden, beginnen sie sich nach zwei Jahren zu zeichnen, meistentheils jedoch anders als die Mutterpflanze, so daß man auf diese Art sehr werthoolle neue Abarten erhalten kann. W. G. Das weiße Huhn. Noch im vorigen Jahrhundert herrschte allgemein in den Vogesen die Sitte, einer jungfräulichen Braut ein weißes Huhn vorzutragen. Dieses wurde mit einer Spindel an einer langen Stange be⸗ festigt und mit Blumen und bunten Bändern geschmückt. Nach dem Kirch⸗ gange wurde es geschlachtet und den beiden Vermählten vorgesetzt.„Ich will lieber kein Haus haben, als des weißen Huhnes bei der Hochzeit ent— behren,“ pflegten die jungen Mädchen zu sagen. W. G. Die Niesenpyramide. Eines der größten Denkmäler der Vorzeit ist die Riesenpyramide des Königs Cheops in Mittel-Aegypten. Um einen Begriff von der Größe dieses Monuments zu geben, darf nur angeführt werden, daß alten Ueberlieferungen zufolge 360 000 Aegypter volle 26 Jahre mit Erbauung desselben ununterbrochen beschäftigt waren. Napoleon ließ, bei seiner Anwesenheit in diesem Lande der Ruinen, neben der Pyramide ein Denkmal von Trümmern aufrichten, und den obersten Stein mit einer Inschrift versehen.— Nach dem Abzuge der französischen Truppen zerstörten die Araber dieses ganze Denkmal in einem einzigen Tage, während an der Riesen-Pyramide mehrere tausend Jahre, wie die Wogen an einem Meeres- felsen, ohnmächtig vorübergerauscht sind. Der Stein, auf welchem sich die Inschrift befand, wurde unter dem Schutte wieder aufgefunden und soll nach Paris transportirt und im Pantheon aufgestellt worden sein. x. Die liebe„süße Jugend“ der Vereinigten Staaten. Als Vertilger von Süßigkeiten steht Jung- Amerika unerreicht in der Welt da. Dabei unterliegt es keinem Zweifel, daß die amerikanischen„Ladies“ die jungen Männer noch bedeutend übertreffen. Auf jede Candyfabrik und auf jede Conditorei in den Vereinigten Staaten kommen je 100 Zahnärzte— und Kurpfuscher gehen mit in den Kauf. Der ursächliche Zusammenhang ist leicht zu ergründen.„Bruder Jonathan“ oder„Onkel Samuel,“ wie man ihn auch wohl nennt, ist von Kindesbeinen an ein unersättlicher Süßigkeits— vertilger, ein sogenanntes Lutschmaul und bleibt es fast immer bis an sein seliges Ende. Die Unmasse des in Nordamerika verschlungenen„Candy“ erscheint uns Europäern ganz unglaublich. Sie beträgt weit mehr als das Doppelte des in der gesammten übrigen Welt zusammengenommen vertilgten Quantums, und sogar das Vierfache dessen, was das zweitsüßeste Land der Welt, Frankreich, das Vaterland des Bonbons, konsumirt. New Jork und Boston produziren über 15000 Tonnen Candies aller Art Jahr für Jahr, wozu etwa 75 000 Faß Zucker, 150 Zentner Farbestoffe und 12 000 Zentner Gummi ꝛc. verbraucht werden. Philadelphia und Baltimore produziren circa 10 000, Chicago und St. Louis ungefähr 7000, Cincinnati und Detroit an 4000 und alle andern Städte der Union zusammen wenigstens 24000 Tonnen Candies im Jahr. Selbstverständlich verdanken diesen in den Vereinigten Staaten alljährlich aufgenaschten 60 000 oder noch mehr Tonnen Bonbons oc. die nordamerikanischen 15000 bis 16 000 Zahnkünstler ihre Existenz. Geben wir dabei zu, daß dies auch mit einen Grund bildet, warum die amerikanische Zahnheilkunde so großartige Fortschritte gemacht hat. Jedenfalls wirken aber jene Unmassen von Süßigkeiten nebenbei auch noch verderblich, indem sie bedeutend zur Entwicklung der nordamerikanischen Nationalkrankheit, der Dyspepsie, mitwirken, was nur den Aerzten und Apothekern, sowie zahl— losen Kurpfuschern zu gute kommt. Th. Bd. Das älteste Taschenbuch stammt wohl aus dem Jahre 1510. Sein Titel lautet: f Aus einem closter in dem Rieß Kompt dieses Taschenbüchlein süß, Das der Mensch sol bey jm tragen, Und damit sein Vämd verjagen. Es ist in Augsburg bei„maister Hansen otmar“ gedruckt und mit vierzehn Holzschnitten geziert. W. C. Dem Hofschneider König Heinrichs IV. fiel es einst ein, seinem Monarchen einen Plan über die beste und zweckmäßigste Staatsverwaltung zu überreichen. Heinrich machte sich darüber lustig und, wenn er sich ein neues Kleid machen ließ, pflegte er dann öfter zu sagen:„Laßt mir den Minister kommen, damit er mir ein Kleid anmesse.“ N. Rösselsprung. ach sich seolan te no⸗ die um die 0 1 me zieht den lüf⸗ I sen⸗ F ken lind 1 le wand⸗ wir lin⸗ ra ö ö leib 0 mer⸗ und ter sind bend sel' ka's träu⸗ mit mühl⸗ mer⸗ fin⸗ len bäu⸗ na nim⸗ und ah; —— 35—— flüs⸗ gen a⸗ gem und le dunk-⸗ sens gehn den- mehr der ge 5 bach 15 170 1 70 auf wäl⸗ me don⸗ nung la⸗ bo⸗ be. führ ren un⸗ e stol⸗ ka's schö⸗ spa⸗ bend sagt la⸗ 1 15 le⸗ mur⸗ am sa⸗ res und ner wo⸗ ches ge⸗ bö⸗ ich gie⸗ ten hol⸗ zes man⸗ mit zie⸗ nen se sa⸗ li- re- melt ih⸗ la- mei⸗ gen Hab'] mir dort arm len man ein mei- den einst eren 1 wird doch ich auf e 2 Silben-Aüth % nicht wäl⸗ ängst⸗ nen Aus folgenden Silben: ba bau brunn cent da dolf dro é e e eis ek ern esth eu feld ge grub hu i i land le li li mag na nal ni pi ro ru ru saint sar schön see ta tyr us vin wer sind 17 Worte zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten und deren Endbuchstaben von unten nach oben gelesen zwei Exeignisse ergeben, welche für ein junges Mädchen von großer Bedeutung sind. Die 17 Worte ergeben: 1. Einen biblischen Namen. 2. Eine französische Stadt an der Mosel. 3. Eine Landschaft in Italien. 4. Einen Marktflecken im böhmischen Kreise Brünn. 5. Einen verstorbenen deutschen Schriftsteller. 6. Britische Insel der kleinen Antillen. 7. Einen ec en 1(684 v. Chr.). 8. Ein offenes einmastiges Fahrzeug. 9. Eine. Blume. 10. Einen Nebenfluß der Donau. 11. Einen Raubvogel. 12. Einen verstorbenen Lustspieldichter. 13. Eine Ostseeprovinz. 14. Kaiserliches Lustschloß hei 15 Javanisches Feldmaß. 16. Einen männlichen Vornamen. 17. ö u Valienischen Alpensee. Magisches Guadrat. Aus folgenden Buchstaben: A A H FT l e N R 8 W. sind vier Wörter zu bilden, die von oben nach unten und von links nach rechts gelesen, gleiche Wörter ergeben. 1. Ein Symbol. 2. Ein Raubthier. 3. Ein Fluß in Rußland. 4. Ein zerbrechlicher Gegenstand. Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Es ist nun mal'ne alte schöne Sitte, Die wie ein Schmuck sich durch das Leben schlingt, Daß man beim Jahreswechsel aus der Mitte Der Seinen, Jedem einen Glückwunsch bringt. Auch hier ihn freundlich anzunehmen, Ihn zu errathen, sich bequemen, Darum bitt' ich recht inniglich Nochmals du lieber Leser dich. Dir bringe ich mein Glas heut dar Wünsch' dir ein frohes neues Jahr! — des Logogriph: Pflaster— Laster—Aster;— des Sprichwörter-Räthsels: Problem Nr. 428 von W. A. Shinkman in Grand Rapids. 7 Schwarz. 1 2 2. A 2 Y 8 DD W Weiß. Weiß zieht an und setzt mit dem vierten Zuge Matt. 1 2— Problem wurde in einem im November v. J. zur Entscheidung gelangten böh⸗ mischen Problemturnier, in welchem die Herren J. Dobrusky, J. Paclt und J. Pilnacek das Richteramt verwalteten, der dritte Preis für Viersüger zuerkannt; die ersten Preisträger sind Jan Kotre und J. Pospisil, beide aus Prag. Für Dreizüger erhlelten Preise: 1. Pospisil, 2. J. Cernousky und 3. K. Pospisil. Unter den acht Bewerbungen, welche durch ehrende Erwähnung ausgezeichnet wurden, sind die der bekannten Problem⸗ komponisten G. Chocholous, C. Planck, E. Pradignat und J. Drtina. Aus einem Aussatze J Berger's über Problemkomposition, der im Dezemberhefte des Chess Monthly als Entgegnung auf die Ausführungen C. Planck's erschien, geben bah 10. eine Uebersetzung desjenigen Theiles, der das Allgemeine des Themas ehandelt. Ueber Problemkonstruktion. Die seit ungefähr zwanzig Jahren in England und Amerika bei der Mebrzabl der Pro⸗ blemkomponisten beliebte Konstruklioneweise beweist, daß Mannigfaltigkeit für wichtiger ge⸗ balten wird als Oekonomie und Maltreinheit, während die deutschen oder österreichischen Problemkomvonisten nur insofein Mannigfaltigkeit anstreben, als die Oekonomie und Matl⸗ reinheit im Hauptspiel nicht beeinträchtigt wird. Indem ich mich der deutschen Methode an⸗ schloß, suchte ich zugleich durch Vertiefung und sorgfältige Ausarbeitung des Inbalts zu zeigen, daß ich bereit sei, von der andern Schule etwas anzunehmen. Die deutsche Methode zu wählen, wurde ich durch die Erkenntniß gezwungen, daß das Bestreben, vor allem durch Mannigfaltigkeit zu glänzen, zu Künsteleien führen mülsse. Soll das Schachproblem mehr als ein bloßer Zeitvertreib sein, wie ein Rätbsel, so muß es dauernden klluftlerischen Werih zu erlangen, ein Schachgedicht zu werden, suchen. Alles Schöne, was die Meister des prak⸗ tischen Spieles, die Analytiker und die Versasser von Endspielen bervorbringen, muß vom Problemkomponisten in kurzer Handlung, dramatisch dargestellt werden. Er muß alles durch eigene Erfindung vervollkommnen, denn in seiner Wahl liegt es, die Züge zu schaffen und das Material seinen ideellen Zwecken dienstbar zu machen. Gewisse Freiheiten sind ihm ge⸗ stattet, aber ebenso wie ein Künstler auf irgend einem andern Felde, darf er nicht von seiner Wirklichkeit, der Partie, abschweifen. Wie der wahre Dichter wahre Menschen zu schildern hat mit allen ihren boben und niedrigen Eigenschaften, so hat der Schachdichler seine Be⸗ wegungen mit genauer Beziebung— 1 das praftische Spiel einzurichten. Die ein gewisses Maaß ülberschreitende Mannigfaltigkeit ist unnatürlich und ebenso unnatürlich ist die Unter⸗ drllckung der duals auf Kosten der Kombination selbst, der exakten Ausführung(Oekonomie und Mattreinbeit) oder der natürlichen Aufstellung, weil duals in den Kombinationen des praktischen Spieles vorkommen und deshalb eine Eigenbeit des Schachspiels sind. Das Ideenspiel, wie es in deutschen und österreichischen Problemen ökonomisch und in größt⸗ möglicher Reinheit zur Darstellung kommt, bat eine kaum zu 3 Bedeutung. Das Vorhandensein eines solchen zwingt den Kompon sten, jedem seiner Erzeugnisse eine Seele einzuhauchen, und es kann nicht vorkommen, wie so häufig in England und Amerika, daß ein Komponist nur unsaubere Varianten, obne Feinheit und Eleganz bietet, den Löser über die Idee völlig im Dunkeln lassend, welche dem Komponisten zu einem Konstruktions⸗ versuche Anregung gab Ist der Inhalt jedes Problems deutlich, so ist jeder Bearbeiter einer alten Idee genöthigt. eine feinere Ausfübrunz, einen Fortschritt zu versuchen; denn das mechanische Hinzufügen von Varianten, um die Benutzung fremder Ideen zu verdecken, wllrde von der Kritit schonungslos blosgelegt werden. Dürfen prinupiell nur so viele An- griffsfiguren verwendet werden, als das Hauptsviel bedarf, so ist die größte Geschicklichkeit des Komvonisten erforderlich, um Varianten zu bilden; denn es ist weit leichter Mannigfaltig⸗ keit zu erzielen, wenn man nach freier Wahl Offiziere aus dem Kasten nimmt, als wenn man auf eine bestimmte Anzahl derselben beschränkt ist. Die Beschränkung sichert die innere Harmonie eines Problems, nur solche Varianten entsteben, die mit dem Hauptspiele auf na türliche Weise verknüpft sind. Wie in einem guten Gemälde ist es verboten, daß die Mitte die Haupthandlung, durch Seitengruppen beeinträchtigt were. Dies alles ist durch me⸗ tbodische Grandsätze erklärt, die auf allen Gebieten der Kunst in Krast sind. Ich könnte noch weitere Beweisgründe anführen, aber ich darf die Geduld der Leser nicht zu sehr auf die Probe stellen. Vie deutschen und österreichischen Komponiflen halten sich strenge an die Figurenökonomie, sie wissen jedoch, daß Mattreinbeit nicht immer verlangt werden da Wenn die Komposition hauptfächlich eine Darstellung von Angriff und Vertheidigung be⸗ zweckt, so wird die Matireinheit nur so weit sie möglich ist, verlanat. Wenn aber der Schwerpunkt auf Opfervarianten und die Darstellung einer schöner Schlußwendung ue. wird, wie in Planck's Aufgabe, so ist Maltreinheit unerläßlich. Wenn Preisrichter wieder ⸗ bolt eine ercentrische Geschmacksrichtung erkennen ließen, so beweist dies gerade, daß die Woite von Minckwitz nicht ohne Wahrbeit sind, daß es keinen nationalen, sondern nur einen guten und einen schlechten Stil gebe. Wollen aber wir Komponisten aller Länder nicht blos Rou⸗ tine zeigen, sondern auch volles Verständniß für unsere Probleme und echten künstlerischen 1 so dürfen wir nicht unterlassen, den besten Stil zu definiren und 3. en ihm treu bleiben.. Berger. Die nächsten Hefte des Chess-Monthly bringen voraussichtlich noch weitere Beiträge zu der hier besprochenen Frage, indem auch J. Minckwitz auf die für das Dezemberheft der Wer im Sommer nicht will schneiden, muß im Winter Hunger leiden; Schachheitung in Ausftidt gestellte Entgegnung zu Gunten elner zyten Gegenäußerung in der zweisilbigen Charade: Wieland. 5 A 9 9 zu Gunst 7 S* — Sed R 5 5* 5 Druck und Verlag der„Volts⸗Zeitung“, Akt-Ges. in Berlin, Lützowstr. 105 Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105.