905 zu den Oberhessischen Uuchrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Frau und Tochter geladen worden. Gräfin Paula hatte es noch immer zu verhindern gewußt, mit Maria Besuche zu machen und war heute mehr als je dieser ihrer Klugheit froh, denn Elma bekam selbstverständlich den Assessor von Lornow zum Tischnachbarn, und dieser zeigte sich so animirt, so vergnügt, daß sich in dem Herzen der sorgenden Mutter nach und nach ein wahrer Sonnenschein ausbreitete. Auch Komtesse Elma gab sich von ihrer liebenswürdigsten Seite, und seltsam berührte es Lornow zu bemerken, daß sie, bewußt oder unbewußt, etwas von Maria's eigenartigem Wesen angenommen, was ihr gar nicht übel stand. Zu ergründen, ob die Liebe für Maria oder die Schlauheit der jungen Dame dies zu Stande gebracht, war für Lornow ein sehr interessantes Studium; zuletzt wurde es ihm aber doch schwer, seine Heiterkeit zu bewahren, denn Komtesse Elma konnte sich trotz aller ihrer Klugheit nicht versagen, in der gutmüthigsten und harmlosesten Weise Streiflichter auf Maria fallen zu lassen, welche neben der⸗ selben die Tochter eines so auf's Beste geordneten Hauses, wie es das Graf Bolko's war, in der vortheilhaftesten Weise erscheinen ließen. „Denn meinen Sie nicht auch, Herr von Lornow, daß die Er⸗ ziehung und das Beispiel der ersten Jugendjahre dem Menschen sein eigentliches Gepräge geben?“ fragte sie. W Wo ich den Beweis vor Augen habe, darf ich doch nicht zweifeln, Komtesse,“ erwiderte er mit einer Verbeugung. Sie nahm als Kompliment, was er sagte und pries dann die Tugenden ihrer Eltern, wie nur eine begeisterte Tochter es vermag, und er horchte darauf und beobachtete sie mit einer Aufmerksamkeit, welche ihr so schmeichelhaft erschien, daß sie selbst sich zuletzt mit einigem Vergnügen reden hörte, ohne zu sehen, daß Lornow's Lächeln immer maskenhafter wurde, seine Scherze immer gezwungener. Unterdeß saß Maria neben Frau von Lautenberg, welche am Morgen, hilfebereit, wie immer, zu Gräfin Paula gesagt hatte: „Geben Sie mir Maria mit, dann ist sie für den Abend versorgt, und das Theater liebt sie ja leidenschaftlich.“ Gewiß, das war die beste Aushilfe, Gräfin Paula hatte durch⸗ aus nicht Lust, Maria bei ihrer Gönnerin Lätitia mit Totzenbach zusammentreffen zu lassen, andrerseits wurde ihr der intime Verkehr derselben mit Helo auch schon lästig, denn das sonst so arglose „Kind“ begann in letzter Zeit oft sonderbar genau Dingen nach⸗ zufragen, welche mit der strikten Wahrheit nicht vollkommen über⸗ einstimmten, und dazu hatten Helo's Augen jetzt öfter einen be— lästigenden Forscherblick. Maria nahm freudig den ihr gemachten Vorschlag an. Eine Lornow's Chef gab das Diner, zu welchem Graf Bolko mit N Gießen, den 6. November. Eine gute Vartie. Roman von L. Haidheim. (Fortsetzung.) berühmte Tragödin gab die Brunhild Geibel's; sie wünschte schon lange, dieselbe zu sehen. So fuhr sie also, ehe Helo heimkehrte, mit Baronin Lautenberg zu dieser, und die alte Intrigantin war so liebenswürdig gegen Maria, plauderte heute so fesselnd von dieser großen Gesellschaft, welcher Maria noch fern stand, daß diese erst im Theater zu einem flüchtigen Nachdenken und einer noch flüchtigeren Kritik des Ge⸗— hörten kam. Dann trat die große Künstlerin auf und Maria war ganz und gar von dem Spiel in Anspruch genommen. Sie sah nicht, wie von fern Baron von Totzenbach ihre Be— gleiterin begrüßte, wie diese ihm mit dem Fächer huldvoll, aber verstohlen winkte, und als im Zwischenakt dann die bekannten Herren die Baronin zu begrüßen kamen, da war es Totzenbach, dem die Auszeichnung zu Theil wurde, neben Maria zu sitzen. Er theilte ihre Begeisterung für die Heroine und hatte ihr nie so gut ge⸗ fallen wie heute, denn zum ersten Male gab er sich in natürlicher Lebhaftigkeit, ganz offen und ohne Reserve. Als der Vorhang wieder aufging, hatten sich die übrigen Herren, sehend, daß sie Totzenbach nur stören würden, entfernt. Er war ein liebenswürdiger Kamerad, man machte ihm willig Platz und gönnte dem schönen, armen Mädchen die reiche Partie.— Der Baron schien so in seine Unterhaltung mit Maria vertieft, daß die Lautenberg Pst! Pst! machte und ihn auf seinen Sessel drückte, als er Miene machte aufzustehen. „Nur keine Störung,“ bedeutete sie ihn, und er blieb ruhig, wie eine Bildsäule, aber keinen Blick von Maria lassend, die reizend aussah in ihrem schlichten erémefarbenen Seidenkleide, das zu ihrem Teint so vortrefflich paßte. Was ging ihn heute die Tragödin an! Er sah Maria schon als sein trautes Weib und nahm sich vor, sehr gut gegen sie zu sein. Er gelobte sich, sein heftiges Temperament energischer zu zügeln und seine Launenhaftigkeit zu beherrschen, denn er kannte seine Fehler genau; seine Mutter hatte ihm einst erzählt, daß ihr eine alte Verwandte berichtet, die Leute hätten nie anders von den Frauen der Totzenbach gesprochen als: Die arme Baronin! Die arme Baronesse! Stets hatte man dieselben beklagt, denn die Männer waren allezeit ein wildes, rücksichtsloses Geschlecht, und mehrere von ihnen übel genug berufen gewesen als prozeßsüchtige Nachbarn oder als gefürchtete, gewaltthätige Menschen. Ihm wurde heute seltsam weich zu Muthe. Sein Weib,— dieses schöne junge Wesen da vor ihm sollte kein Mensch mit Recht die„arme“ Baronin Totzenbach nennen. Dann kam der Zwischenakt. „Sie müssen mir in einer Geschäftssache Glück wünschen, Baronesse Maria, wenn Sie so gütig gegen mich sein wollen!“ sagte er zu ihr. 0 8 2354 W. „Zu einer Geschäftsangelegenheit? Und welcher?“ fragte sie. „Man hat mir seitens des Fiskus keine Schwierigkeiten gemacht, die Ehrsteiner Waldungen zu erwerben. Sie arrondiren mir meine Herrschaft Bredelow, es war längst mein Wunsch sie anzukaufen, aber der Minister zeigte sich meinem Gesuch nicht günstig. Jetzt ist sein Nachfolger glücklicherweise anderer Ansicht.“— „Und das Schlößchen auch?“ fragte Maria. „Auch das, es liegt ja mitten in dem zu verkaufenden Gebiet! Ursprünglich war es ein Jagdschloß,— ich werde es restauriren lassen.“— „Da bin ich geboren,— ich habe dort meine Kindheit verlebt, erst mit elf Jahren verließ ich es!“ rief sie erregt. „Damals hatte Ihr Papa den Prozeß verloren, nicht wahr, Liebe?“ tönte die blecherne Stimme der Baronin Lautenberg dazwischen. „Ja, gnädige Frau! Ich erinnere mich noch sehr gut, wie traurig Mama und ich waren, als wir abreisten. Papa war schon voraus, um in Scheveningen Quartier zu bestellen;— dort gefiel es den Eltern aber nicht, wir gingen nach Brighton und dann sind wir jahrelang umher gereist und nicht einmal nach Gißra gekommen.“ Sie erging sich schweigend in Erinnerungen.— Dann aber wurde sie wieder durch die Vorstellung abgelenkt.— Nachher sagte Totzenbach:„Es würde mich sehr interessiren, Baronesse, von Ihnen zu hören, wie die Einrichtung des Schlosses war? Es ist immer möglich, daß ich es später länger bewohne.“— Sie bemerkte seinen Blick nicht und dachte nicht daran, auf den Ton Acht zu geben, in dem er sprach. „Ich glaube es war sehr hübsch.— Mama's Zimmer besonders gefielen mir.— Ich durfte, wenn ich wild und unordentlich aus dem Garten herein kam, nicht hinein, denn dort war Alles so hell und rosenfarbig, so feenhaft!— Später hatte ich ein Nähkästchen zum Geschenk bekommen, mit einer Ausstattung von Silber auf rosa wattirtem Atlas;— wir waren damals schon lange fort von Ehrstein, das Kästchen aber erinnerte mich immer an Mama's Boudoir, und wenn ich es noch heute einmal in die Hände bekomme, steht das liebe alte Ehrstein gleich vor meiner Seele!“— „Und haben Sie sich je wieder dahin gesehnt, aus Ihrem an⸗ regenden und genußreichen Reiseleben fort?“ fragte Totzenbach.— „O, wohl;— aber ich durfte nie davon reden, denn Mama konnte den Verlust nicht verschmerzen!“ „Da werde ich mir wie im Unrecht gegen Sie vorkommen, wenn ich es kaufe! sagte der Baron. „Ich wünsche Ihnen von Herzen Glück zu der Erwerbung, Herr Baron!“ „Es wird seines schönsten Reizes ermangeln, Baronesse Maria, wenn ich allein dort leben soll,“ sagte er leise und gepreßt. Sie erschrak sehr. Weniger die Worte, wie der begleitende Blick und sein Ton sagten ihr, was er wünschte und hoffte.— Daran hatte sie nie gedacht.— Weil aber ihr eigenes Herz nichts dabei empfand, so vergaß sie den Eindruck schnell wieder, denn noch als Totzenbach sprach, begann der fünfte Akt. Maria weinte; das Spiel ergriff sie auf das Tiefste. Wäre sie die ausgemachteste Koquette gewesen, sie hätte nichts ersinnen können, ihren Verehrer noch mehr zu entflammen.———— Es schien sich ganz von selbst zu verstehen, daß Baron Totzenbach bei den Damen blieb, als das Theater beendet war. Er hing ihnen die Mäntel um, und plötzlich stand Lornow neben den Dreien. Die Augen der alten Dame funkelten vergnügt;— jetzt gewann die Geschichte einen noch hoheren Reiz. Sie nahm Lornow's Be. grüßung sehr gnädig auf. „Wie kommen Sie denn hierher? Das Stück ist ja aus, trinken Sie lieber Beide Thee bei mir,— hernach lasse ich die Baxonesse nach Haus fahren.“ Lornow und Totzenbach hatten Beide gesehen, wie Maria plötzlich erröthete, als der Eistere neben ihnen stand. Lornow jubelte und sein Rival wüthete, denn wo man ihm in stiller Rücksichtnahme seinen Weg von keiner Seite kreuzte, da kam dieser Mensch, dieser Lornow und drängte sich auch hier in Maria's Nähe. Gleichzeitig batten sie sich mit dankbarem Lächeln verbeugt;— das Koupe der Baronin bot den Herren keinen Platz, sie nahmen eine Droschke und fuhren plaudernd und eilig eine Zigarre rauchend hinter den Damen her.— Totzenbachs Hochmuth lehnte sich auf gegen die eifersüchtige Regung auf Lornow, der ja überhaupt nicht daran denken konnte, ein armes Mädchen zu heirathen.— f „Nun, Lornow,“ fragte er malitiss,„wie weit sind Sie mit Ihren Erfolgen bei Fräulein Rüdersberg?“ Die junge Dame war die Tochter eines Börsenfürsten, dort hatten sie sich gestern bei einer Soiree getroffen. l „Ich danke Ihnen für Ihre Theilnahme und kann Sie be⸗ ruhigen;— meine Prätensionen gehen nicht nach der Seite!“ er⸗ widerte Lornow, der sehr wohl die Absicht verstand. Glücklicherweise konnte Baron Totzenbach nicht sehen, wie gut sein Pfeil traf. Eine heiße Röthe trat in Lornows Gesicht, denn er wußte nur zu wohl, wie thöricht es von ihm war, Maria immer von Neuem zu sehen. Und doch zog es ihn magnetisch zu ihr, doch fand er nirgends Ruhe, als unter dem Glanz ihrer Augen. Ebenso erkannte er auch Totzenbachs Berechtigung an, als Marias Bewerber aufzutreten. Und dennoch hätte er in diesem Augenblick am liebsten mit dem Baron auf Tod und Leben ringen mögen um das geliebte Mädchen. Was gab Totzenbach ein näheres Recht? Sein Reichthum. O, es war schmählich!— Aber konnte es anders sein? Was hatte er, der mit seiner Zukunft ganz von seinem Onkel abhing, Maria zu bieten? Alles das sagte er sich. Aber jeder Blick auf Totzenbach regte seinen eifersüchtigen Trotz mehr auf. Sie stiegen die Treppe hinan, der Diener empfing sie im Vor- zimmer, dort legten sie ihre Mäntel ab und bereiteten sich, bei der Baronin einzutreten.— b Diese war noch nicht im Salon;— Maria allein und sie sah aufgeregt aus. 9 Während sie über das Theaterstück und das Diner bei Lornows f Chef redeten, fühlte der Baron, wie Marias mühsam beherrschte 1 Erregung ihn ansteckte.. Was hatte sie? Waren es seine Andeutungen, welche sie be. schäftigten, oder war es Lornows Nähe? Er wußte diesen mit der ausgesuchtesten Höflichkeit an die Seite der Hausfrau zu bringen und die Baronin Lautenberg half ihm bereitwillig. ö „Kommen Sie, Herr von Lornow,“ knarrte ihre Stimme— Sie müssen mir anvertrauen, welche eigenthümliche Fensterparaden Sie der Obristin von Grutzow machen? 5 „Ach, nebenan wohnt Fräulein Rüdersberg!“ rief Totzenbach darein, der glücklich zwischen Maria und Lornow saß, den fünften Platz nahm eine Kollegin und Schicksalsgenossin von Fräulein Maipeter ein. f „Wissen Sie denn schon, liebe Maria, daß unser liebenswürdiger Assessor die reichste Dame der Stadt heimführen wird,“ knarrte die Baronin. 1 „Verzeihung, gnädige Frau, ich bin unschuldig an der Fabel,“ rief Lornow. „Sie erinnern mich an die vom Wolf, der das Lamm gefressen: „Ich bin jetzt krank und esse wenig Und kann es nicht gewesen sein!“ Habe ich denn gestern Abend nicht selbst Augen im Kopf gehabt!“ fuhr sie fort, da Totzenbach lachte und selbst Maria, die nichts von diesem Klatsch glaubte, mitlachte.— „Meine Freunde sind offenbar übereingekommen, mich eine gute Partie machen zu lassen!“ sagte Lornow verdrossen. „Da meinen es Ihre Freunde offenbar gut mit Ihnen, vielleicht besser als Sie selbst.— Der zukünftige Graf kann nur ein reiches Mädchen beirathen;— eine sogenannte Liebesheirath wäre Ihr Ruin, mon cher!— Das unglückliche Wesen ohne Vermögen, welches Sie heimführten, würde eine Last sein, welche Sie nieder- zöge bis zu Boden.— Ach, ach, machen Sie mir keine Phrasen, bester Freund.— Ich bin alt und habe viel gesehen; besonders oft, daß so ein thörichtes Liebespaar ohne Geld hinterher Zeter schrie nach dem wohlgefüllten Portemonnaie, das als Rettungsgürtel dienen sollte in den Wogen des Lebens.— Aber natürlich!— Amor hat keine Taschen, er denkt deshalb nicht daran, seine Opfer zu be- rücksichtigen; sie müssen aber zur rechten Zeit selbst Verstand haben.“ „Gnädigste Frau, ich werde die Lektion auswendig lernen, um Sie, die Spenderin, nie zu vergessen.“— 355 „Thaten, lieber Lornow, mit schönen Worten erlangt man keine Belobung von mir.“ „Gut, so bitte ich um die Butterbrode,“ lachte Lornow. Er fühlte die Absicht zu deutlich und sah, daß auch Maria sie erkannte, das machte ihn so heiter, wie er es seiner Natur nach war. Und nun ließ er Totzenbach mit Maria plaudern, so viel dieser wollte und machte seinerseits der alten Dame den Hof, die klug genug war, ihr Thema nicht weiter zu verfolgen, denn sie sah, was Lornow entging, daß Marias Augen einen melancholischen Ausdruck angenommen hatten. Sie wußte genau— Maria dachte nach über das, was an Lornow gerichtet war. „So junge excentrische Mädchen opfern sich lieber, als daß sie sich zu dem Gewicht machen, welches den Geliebten niederzieht,“ dachte sie und war sehr zufrieden mit ihrem heutigen Abend. Sie stiftete Heirathen und trennte die innigsten Liebesbande in völlig uneigennütziger Weise, nur um konvenable Partien zu Stande zu bringen und Thorheiten zu verhüten. Hier galt es aufpassen. Totzenbach mußte Maria haben— ohne Frage. Der Baron strahlte. lassen, daß er sie liebe. Dies genügte ihm für jetzt; er war nicht der Mann, im Ueber⸗ eifer sein Ziel zu verfehlen. Es war ihm gelungen, Maria fühlen zu Der andere Morgen! Wie hat sich die Physiognomie des Er⸗ lebten oder Geschehenen bis dahin verändert! Gestern Abend fühlte sich Onno von Hooglander, als er von Helo geschieden, als beneidenswerther Sterblicher und im vollen Recht; heute lag über seiner Glückseligkeit ein Schleier, wie aus dichten Nebeln gewoben, er war sich derselben bewußt, aber er sah und empfand nur den Ernst seiner Lage, sagte sich, daß die klugen Leute ihn einen Thoren nennen, daß Onkel Bolko mit tiefer Bitterkeit einen Undankbaren in ihm sehen würde, und daß Tante Lätitia alle Ursache hatte, das Schlimmste von ihm zu denken, ganz abgesehen von der Wuth, in welche sie überhaupt eine Verbindung ihres Neffen mit der verhaßten Verwandten bringen mußte. Und wenn das Alles nichts war, was seine Liebe zu seiner holden Braut berühren konnte, so blieb Eins bestehen: Er, der seine un⸗ gewisse Lage gut genug kannte, hatte das noch so junge und un⸗ erfahrene Mädchen an sein von Lätitia abhängiges Schicksal gekettet. War das recht? Konnte er als ein gewissenhafter Mann dies ver⸗ antworten? Gestern schon waren sie Beide ihrer schlechten Aussichten sich ganz klar bewußt gewesen, aber gestern woben die Liebe und das Herzensglück ein Strahlennetz und warfen das goldige Gespinnst über alle bedrohenden Schatten. „Helo! meine süße, geliebte Helo! Welches Leid habe ich in Dein ohnehin nicht freuden reiches Leben getragen!“ klagte er sich mit tiefem Schmerz an und versank dann doch minutenlang in wonnige Träumereien und fühlte nur, sie liebten sich, und es war Alles so gekommen, fast gegen seinen Willen. Da war es doch wohl Schicksalsschluß? Es störte ihn aus seinen Gedanken auf, daß ein alter Mann dicht vor ihm stehen blieb und erfreut rief:„Ach, da treffe ich ja den gnädigen Herrn!“ Er blickte auf und sah in das blasse und verhärmte Gesicht desselben. Der alte Herr trug einen Trauerflor um Hut und Arm und sagte, als er Onno's fragenden Blick bemerkte, erklärend und mit einer Devotion, welche aus seinem vieljährigen Dienst sich ergab und nichts Serviles hatte: „Revisor Mentink, Herr Lieutenant von Hooglander; meine arme Frau ist todt. Es war damals ein Schlagfluß, sie lebte nur noch vierundzwanzig Stunden nach jenem Spaziergang.“ „Ach, Herr Revisor, Verzeihung, ich war in Gedanken. Die würdige Dame ist gestorben? Das thut mir sehr leid für Sie,“ hatte Onno gesagt und demselben die Hand gegeben. „Ich war auf dem Wege zu dem Herrn Lieutenant,“ sagte Mentink, nachdem er sich ein paar Thränen abgewischt. „Zu mir? Und womit kann ich Ihnen dienen, Herr Revisor?“ „Verzeihung, es war in Ihrer eignen Sache, Herr Lieutenant, wegen Ehrstein.“ „Wegen Ehrstein? Aber es gehört uns längst nicht mehr, Herr Revisor, und— Doch bitte, stehen Sie nicht still, soll ich Sie begleiten oder können Sie mit mir kommen?“ Onno sprach zu dem alten Manne freundlich und theilnehmend und dieser sah dankbar aus. Er erklärte, mit dem gnädigen Herrn gehn zu wollen, er habe Zeit, ach leider nur allzu viel Zeit. Und er seufzte schmerzlich. „Sie wissen, Herr Revisor, daß mein Papa Ehrstein verloren,“ suchte Onno ihn auf sein Anliegen zurückzubringen. „Ja, ja, ich weiß. Darum grade!“ fuhr der Alte aus seinem Kummer auf.„Ich habe damals schon wochenlang nach der Urkunde gesucht und fest geglaubt, sie sei nur verlegt. Nachher kam mir die Sache aus dem Sinn; ich trat in andere Dienste, und es war ja auch Alles zu spät. Da sah ich neulich die jungen Herrschaften wieder! Sie, gnädiger Herr, haben den Mentink nur wenig ge— sehen, weil Sie damals schon im Kadettenhause waren, aber die gnädige Baronesse, ich erkannte sie auf den ersten Blick, nur daß sie so schön geworden! Und seit nun meine Frau todt ist, und ich immer so allein herumgehe und allein in der Stube sitze,— und die langen Nächte kann ich auch nicht schlafen,— da habe ich wieder an Alles gedacht, und ich will es noch heute beschwören, der Herr Baron, Ihr Vater, hat das Dokument mit mir in der Re⸗ gistratur gesucht, und wir fanden es auch. Das war, als der Prozeß anfing, und zuerst stritten sie ja gar nicht um den ganzen Besitz, sondern nur darüber, ob die herzogliche Regierung die Baume allein oder auch den Grund und Boden, worauf sie standen, Ihrem Herrn Großvater verpfändet habe.“ „Ich weiß von dem Prozeß selbst nur wenig, Herr Revisor, und ich halte ihn für rettungslos verloren, denn mein Vater konnte sein Recht nicht nachweisen,“ unterbrach Onno in heimlicher Un— geduld den alten Mann. „Das ist es ja grade, Herr Lieutenant, der gnädige Herr Papa waren sorglos und achtlos, ein so lieber Herr sonst. Der gnädige Herr wußten ja, als es zum Schwur kommen sollte, nicht einmal mit Gewißheit mehr, ob wir das betreffende Aktenstück oder irgend ein Anderes gesucht und gefunden. Und wo er es hingethan, das wußte er erst recht nicht. Ich aber denke jetzt Tag und Nacht darüber nach, und da ist mir eingefallen, daß wir damals grade ein Kapital leihen mußten. Wir bekamen es aus dem gräflich Hohenthal'schen Fideikommiß, und es wurde auf Gißra eingetragen. Sehen Sie, ich habe alle meine alten Notizbücher hervorgesucht, Herr von Hooglander, und da steht es— hier,— nein da,— sehen Sie: Reise nach Berlin, Anleihe bei dem gräflich Hohenthal⸗ schen Fideikommiß und hier, einige Seiten weiter, da steht so: Hypothek für gräflich Hohenthal'sches Fideikommiß auf Gißra bestellt; Gerichtskosten ꝛc. ꝛc.“ „Aber was sollte mir das, Herr Revisor— ich weiß von dieser Hypothek durch meinen Onkel—“ „Könnte es nicht möglich sein, daß jene Verkaufsurkunde in den Akten gelegen hätte und wäre mit nach Berlin gewandert?“ fragte der Alte. „Sie selbst hätten das doch sehen müssen?“ „Ja, freilich, gnädiger Herr, da kommen Sie schon auf des Pudels Kern, mit Erlaubniß zu sagen. Als ich nämlich in Berlin war, kam plötzlich der Herr Baron mir nachgereist. Mir war nur Auftrag auf 20 000 Thaler gegeben;— der Herr Baron aber mochte sich unterdeß anders besonnen haben.— er ließ mich noch einmal so viel fordern und für die zweiten 20 000 Thaler Hypothek auf das Vorwerk Barenburg legen,— das war aber schon belastet und Herr Ephraim, Sie wissen vielleicht Herr Lieutenant?“— „Ja, ja— ich weiß, Herr Ephraim hat meinem Vater das Leben leicht gemacht, so lange der Krug eben zu Wasser ging!“— „Ja, so war es!“ nickte der Revisor Mentink ernst, fuhr dann aber fort:„Herr Ephraim und der Herr Baron machten es nun so zurecht, das Herrn Ephraims Hypothek von Barenburg auf den Meierhof in Offenau gelegt wurde, der dann bald darauf unter den Hammer kam.“— „Hm! ja! Ephraim parzellirte ihn später!“— N „Richtig— und soll mehr als das Doppelte des Taxwerthes daraus gelöst haben.“— „Und nun meinen Sie, jene Urkunde sei mit den Papieren, die mein Vater—?“ 2356 5 „Der Herr Baron brachte einen ganzen Koffer voll mit, und hatten mit Herrn Ephraim viele Konferenzen.“— „Und wenn es nun so gewesen wäre, Herr Revisor,— wo mag jetzt nach fünfzehn Jahren jenes Papier sein?“ „In Ehrstein ist es nicht geblieben, Herr Lieutenant; ich habe damals Tag und Nacht danach gesucht;— der Herr Baron ver⸗ sprachen mir tausend Thaler, wenn ich es fände, und ich wollte gern heirathen! Meine Frau und ich waren schon an elf Jahre verlobt und ich kriegte graue Haare in meinen Bart, sodaß ich dachte, es sei hohe Zeit, jetzt Hochzeit zu machen.“ „Nun, Sie fanden es also nicht! Kam Ihnen damals nicht der Gedanke, daß die Urkunde verschickt sein könnte?“ „Ja, aber ich dachte nicht an Berlin, weil ich selbst dort die Sachen ordnete.“ „An jene Geldgeschäfte mit Ephraim dachten Sie nicht?“ „Nein, und ich glaube auch, Herr Ephraim hätte sofort eine solche Entdeckung gemacht, denn er ist ein ordentlicher Geschäftsmann; ihm kann in seine Papiere nichts Ungehöriges sich einschmuggeln, er hätte, wenn er es fand, dem Herrn Baron das Papier sogleich—“ „Also Sie meinen—?“ „In dem Hohenthal'schen Archiv—! „Und wenn Sie Recht hätten?“ „So wird der Prozeß von Neuem angestrengt und gewonnen!“ „Aber dazu gehört Geld, Herr Revisor, und Sie wissen—“ Onno erröthete. Noch nie waren ihm seine Verhältnisse so beschämend erschienen, als in dieser Aufregung, in welche ihn die verschiedenartigsten Gedanken versetzten. Mentink kannte seiner Eltern früheres überaus großartiges, sorgloses Leben,— wußte aber augen⸗ scheinlich nicht, wie tief sie herabgekommen waren.— Dazu wogte plötzlich eine Hoffnung in ihm auf, die er selbst Wahnwitz nannte, und dann fiel ihm wieder ein, daß er Helo an seine Armuth gefesselt. „Das Geld wäre wohl da!“ sagte der alte Mann inzwischen und begann von seinem eignen Leben zu reden. Anfangs wollte Onno ihn ungeduldig unterbrechen, dann rissen ihn die eigenen Gedanken fort und nun schloß der Revisor mit der Erzählung von einer Erbschaft, die er ganz unerwartet vor mehreren Jahren gethan: „Das Geld liegt da, ich habe nicht einmal die Zinsen alle ge⸗ braucht und wir gönnten uns doch, was uns gut dünkte.— Jetzt!— Was soll ich alter Mann damit thun? Kinder haben wir nicht,— nicht einmal nahe Verwandte;— das Geld könnte der Herr Lieutenant von Hooglander— natürlich zu üblichem Zins,— natürlich! es ist ja ganz einerlei, wer es herleiht;— Sie würden nichts dagegen haben, gnädiger Herr!— Es wäre so gut angelegt.“— Onno hatte ihn betroffen und sehr ablehnend angesehen. Die bedrückte Verlegenheit des alten Herrn, der ihm dies lebhafte Interesse entgegenbrachte, rührte ihn aber und er sagte nur obenhin: „Sie sind sehr gütig!— Ich würde niemals daran denken, werther Herr!— Nehmen Sie meine Offenheit nicht übel. Und am Ende, wir haben ja das corpus delicti noch gar nicht.“ Und etzt lachte er sogar heiter auf über den Eifer des liebenswürdigen alten Mannes; aber sein Lachen war so freundlich und voll Wärme, daß der Revisor keine Kränkung darin sah. „Würden Sie gestatten, daß ich auf eigene Hand suche, Herr Lieutenant?“ fragte dieser, und als Onno zögerte, setzte er traurig hinzu:„Ich weiß meine Zeit auf keine Weise hinzubringen, lesen mag ich nicht, denn ich kann die Gedanken nicht festhalten, sie gehen immer nach meiner armen Frau.— Und dabei sah er so bittend aus, und die altmodischen Locken, die er von seinen dünnen weißen Haaren gedreht hatte, gaben ihm ein so ehrwürdiges Ansehn.— „Ich kann am Ende nichts dagegen haben,“— meinte Onno von Hooglander gutmüthig. Aber sein Vater hätte eine Vollmacht ausstellen müssen,— doch der befand sich unter Kuratel.— Und das dem alten Mentink zu sagen, vermochte Onno nicht über sich.—— „Lassen Sie mich Ihre Mittheilungen überlegen,“ entschied er, indem er an Onkel Bolko dachte, der hier allein eine Vollmacht ertheilen konnte. als er fort war, dachte Onno weiter an Onkel Bolko und seine jüngste Tochter. Es war ein quälender Widerstreit in ihm und die Unruhe und Aufregung machten ihm Kopfweh; trotz aller Vernunftgründe sehnte 4 er sich nach Helo ganz unaussprechlich. Er hatte sich tausendmal Der Revisor Mentink fühlte, daß er nun gehen müsse,— und gefragt, wie das gestern so plötzlich gekommen;. ach, es war nicht b gestern gekommen,— es war gewesen,— er wußte nicht seit wann, und meinte jetzt, daß er Helo unbewußt seit Jahren geliebt. g (Fortsetzung folgt.) 1 1 Noch nicht verloren. Novelle von Hermann Birkenfeld. (Gortsetung.) 9 Krohne empfand tiefes Mitleid mit ihm, obwohl Saalfeld seine Achtung nie in hohem Grade genossen hatte. Seine Tochter kannte N Vater, mit dem er in seiner Erbschaftsangelegenheit zu verhandeln hatte, stand, wie er wußte, allgemein in wohlverdientem Ansehn. Er war deshalb um so heftiger entrüstet über den Bubenstreich des Leutnants. Aber zugleich graute ihm vor der Gefahr, in welcher vielleicht die Landräthin und Adele schwebten. Jetzt verstand er 1 Waldemars Worte vollkommen. 1 „Es ist reine Wahrheit, was Sie mir erzählen, Herr Saalfeld?“ Dieser zuckte ergrimmt die Achseln. „Glauben Sie, ich liefe hier im Regen herum, um Märchen 1 zu dichten?“ 5 Die Beiden waren vor der Brauerei angekommen. Der Wucherer achtete kaum auf den Abschiedsgruß des jungen Mannes. „Herr Du meines Lebens, wie sehen Sie ous!“ rief Gertrud Schmiedecke, als ihr Herr in die offene Hausthür trat.„Und schon so früh zurück? Wir hatten Sie erst zu Abend erwartet. Und zu Fuß. Der gute Anzug ist doch nun rein verdorben. Will nur geschwind ein bischen Feuer in den Ofen legen, damit Sie sich wenigstens nicht erkälten.“ Kopfschüttelnd eilte die gute Seele in's Wohnzimmer.„Und das Alles um diese hochmüthige Bagage! Früher guckte uns das nicht an. Nur die Gerta.... Aber nun! Und das schöne Geld! Rahdebrok hat längst gewittert, wo es hin wandert.“ Darin hatte Jungfer Schmiedecke allerdings Recht; für Rahdebrok gehörte ja auch nicht viel Scharfsinn dazu, es zu errathen. Dennoch hatte er, wenn auch brummend, geschwiegen. Das Geld, welches aus seinem Schranke in die Tasche des„Herrn Sausewind“ wanderte, war ja nicht sein Eigenthum, und ein paar tausend Mark konnte das Geschäft schon einmal entbehren. Als er aber am Morgen nach Gertruds Monologe so ganz beiläufig befragt wurde, ob er in Zeit von drei oder vier Tagen wohl sechs- bis achttausend Thaler an; schaffen könnte, schnellte er doch von seinem Drehschemel herunter, als habe ihn eine Tarantel gestochen. a „Sechs—— achttausend Thaler!— Herr Alfred, das— das ist eine große Summe zum—— zum Wegwerfen!“ Herr Alfred aber behielt wunderbarer- und ganz ausnahmsweise die denkbar solideste Gemüthsruhe, nur daß ein Bischen Empfindlichkeit in seiner Entgegnung durchklang: „Ich beabsichtigte das Geld nicht wegzuwerfen, auf die beste Art zu verwenden.“ Was der nur unter„bester Art“ verstand! begann sich gelinde zu sträuben. g „Die Landräthin Heußner,“ fuhr Krohne gelassen fort— so hatte ihn Rahdebrok noch nie reden hören—„braucht das Geld dringend. Und eine Bitte habe ich an Sie: Sie müssen es nach Schön- holz schaffen.“ 14 „Als wenn wir's schon hätten!“ dachte der Alte.„Um nächstee Woche wieder mit ein paar tausend hinauszuwandern?“ knurrte er aber statt dessen.„Wenn wir so fortwirthschaften, so können wirf ja wohl in ein paar Monaten das letzte Faß Bier verkaufen.“* „Wir werden nicht so fortwirthschaften. Ich habe allerdings die kleineren Beträge letzthin—“ 4 „Kleinere Beträge!“ seufzte Rahdebrok. In seinen Büchern standen sie mit recht netten, runden Ziffern. 1 „Die kleineren Beträge habe ich allerdings zu ähnlichen Zwecken 4 verwandt, das heißt, an Waldemar Heußner ausgeliehen. 1 Summe aber, um die es sich hier handelt, ist vorauesichtlich die letzte, durch welche Heußners— unterstützt werden müssen.“ Der Doktor brachte die Worte zuletzt doch nur mit gelindem Wider ⸗ streben heraus; sich näher zu erklären, hätte er nicht über sich ver⸗ mocht.„Wollen Sie mir den Gefallen thun, Rahdebrok? Ich mag er wenig, besser erinnerte er sich der lebhaften Frida Ringwitz. Ihr Rahdebrok, sondern 1 Rahdebroks Haar N ö 1 Fischeridyll. Nach dem Originalgemälde von Falkenberg. 2358 4 nicht gern selbst—“ Er mochte allerdings nicht gern selbst mit dem Gelde nach Schönholz gehen, jetzt vor Allem nicht. Waldemar aber war er fest entschlossen, nichts mehr anzuvertrauen. „Ist es wirklich die Landräthin, welche das Geld braucht?“ „Warum fragen Sie?“ rief Alfred verwundert. „Nicht der— saubere Herr Sohn?“ „Ob sie oder der Lieutenant, bleibt sich in diesem Falle wohl leich.“— 5 5 erstaunenswerther Fixigkeit drehte sich Karl Rahdebrok ein⸗ mal um sich selbst. Was zu bunt war, war zu bunt! „Das bleibt sich micht gleich! Besitzerin von Schönholz ist die Landräthin Heußner; für die leichtsinnigen Schulden ihres Sohnes aber ist sie mit ihrem Vermögen nicht haftbar. Sollte mir auf⸗ richtig leid thun, wenn sie's sein wollte!“ Alfred ward nachdenklich. „Ich weiß nicht, wer Schuldner ist, ob Waldemar oder seine Mutter. Doch gleichviel! Die Frage ist zunächst: können Sie das Geld anschaffen?“ „Balzer nebenan hat zum ersten Oktober einiges Kapital flüssig gemacht—“ antwortete der Alte zögernd. „So meinen Sie, daß er——“ „Hm! Wahrscheinlich. Freilich—“ Rahdebrok sah ziemlich nieder⸗ geschlagen drein—„so auf der Suche nach Geld zu gehen—— ich hab's seit dreißig Jahren nicht mehr nöthig gehabt.“ „So denken Sie heute einmal, Sie thäten es zu einem guten Zweck,“ sagte Alfred nicht ohne Bewegung. Dann reichte er dem alten Rechnungsführer die Hand und ging auf sein Zimmer. Rahdebrok schaute von seinem Pult aus noch eine Weile ge⸗ dankenschwer dem Wirbelspiele gefallener Herbstblätter draußen zu. Wie der Sturm das Laub von den Bäumen, so blättert ihm der Sausewind die Kassenscheine von dem schönen Vermögen herunter. Sieh da! Lupus in fabula!— Auch was! Eben schritt Lieutenant Heußner über den Hof. „Herr Doktor zu Hause?“ „Wird wohl oben sein.“ Die Schmiedeken hielt für ganz überflüssig, sich umzudrehen. Wenn sie aber glaubte, dadurch dem Lieutnant„Eins versetzt“ zu haben, so irrte sie gewaltig. Wenigstens hüpfte Waldemar sehr behaglich leise pfeifend die Treppe hinauf, sagte im Vorbeigehen der drallen Kathrin, die oben den Flur fegte, eine militärische Liebenswürdigkeit und betrat wenige Sekunden später nach knappem Klopfen Alfreds Zimmer. Zu behaupten, er sei nach zwanzig Minuten gleich sorglos wieder abgegangen, wäre freilich eine wunderlich sanguinische Hyperbel. Er nahm zwar die Versicherung mit sich, daß die fünftausend Thaler, welche seine Mutter im Juli übernommen hatte, vor dem Fälligkeits⸗ termine auf Schönholz abgeliefert werden würden, daneben aber die andere, daß er zur Tilgung seiner Privatschuld an Saalfeld und etlicher anderer„ganz bagateller“ Pöstchen, im Ganzen nahezu viertausend Thaler, auf keinen Heller zu rechnen habe. „Was von meiner Seite— von seiten des krüppelhaften Wasser⸗ poeten— noch geschieht, thue ich Deiner Mutter und— Deiner Schwester wegen. Für Dich rühre ich nicht die Hand mehr.“ Das war so ungefähr der Endbescheid, den Alfred Krohne ihm gegeben. Er hätte ihm seinen Degen durch die Brust rennen mögen. Er knirschte vor Wuth. Dieser Lärm um die paar Tausend, die er im letzten Frühjahrsrennen verloren. Und er hatte nicht einmal selbst mitgemacht! Nur ein bischen pointirt. Das Geld, welches seine Mutter zu zahlen hatte, kümmerte ihn wenig, aber das andere. Bis heute wußte sie von dieser Schuld noch garnicht. Er hatte ja so sicher auf den Doktor gerechnet, so gerade zur rechten Zeit war dieser als Erbe eines anständigen Vermögens in Rohrstädt erschienen! Und jetzt!— Er lief von einem Kameraden zum andern, er telegraphirte an Saalfeld und bat dringend um Aufschub. Der„Jude“, wie er ihn nannte, hatte ihm ja wenige Tage zuvor versichert, er hoffe, ihm die größeren Wechsel prolongiren zu können, wenn er saͤhe, daß die kleineren prompt eingelöst würden— nun blieb er doch uner⸗ bittlich. Immer schwüler wurde für Waldemar die Atmosphäre. Er schrieb an ein paar auswärtige Bekannte, welche in der Regel leidlich bei Kasse waren— die Summen, um die er bat, waren zu beträchtlich für sie, oder sie wollten nicht helfen. Darüber vergingen ein paar Tage. Zuletzt wandte er sich an Knopploch. Der Händler verhöhnte ihn. was Du mir angethan hast. fandest, aber Deines— Deines müßte ich erst haben, ehe ich meines lasse. wie die eines wilden Thieres. Der Offizier prallte einen Schritt zurück. Der Lumpensammler 9 war Liebhaber von Jettchen Saalfeld! Träumte er denn?!— Er faßte nach seiner Stirn. Noch lange, nachdem er das kleine Haus in der Stubengasse verlassen, glaubte er Antons gellendes Lachen in seinen Ohren zu hören. Dann, nach einer halben“ Ein Gedanke! Er griff nach dem Kalender, der in gesticktem Rahmen an der Wand hing. Haha! Morgen Sonntag! So oder— eine Auf seinem Zimmer knickte er zusammen. Stunde der Verzweiflung, fuhr er wie elektrisirt empor. Kugel. „Heinrich!“ „Herr Leutnant?“ „Meine Civilkleidung! Und dann anspannen, aber schnell! Ich 0 fahre nach Schönholz und komme vielleicht erst morgen Abend oder Montag früh zurück. Verstanden?“ „Jawohl, Herr Leutnant.“ Der Bursche eilte, den Befehl auszuführen. Eine Viertelstunde später fuhr sein Herr in gestrecktem Trab 0 aus dem Thore. Auf der Chaussee begegnete ihm Rahdebrok. „Haha!“ Ein kurzes Lachen. Unbarmherzig hieb der Offizier auf den 1 wackern Braunen. Zwei Tage darauf, fast um dieselbe Stunde, befand sich Doktor Auch er hatte bange, furchtbar bange Tage verlebt. Mehr als einmal war er daran gewesen, seine Härte gegen Waldemar Heußner zu bereuen, gegen Adelens Bruder, er wollte Rahdebreck veranlassen, auch ihm die verlangte Summe zu bringen, er selbst konnte dann ja zu ihm gehen und ihm Vor- Am Gelde lag ihm ja nichts; aber dann kam sein gekränkter Stolz, und sein ganzes Mannes bewußtsein Waldemar Heußner „Er mißbraucht Sie, Krohne auf dem nämlichen Wege. stellungen machen. bäumte sich auf gegen solche Nachgiebigkeit. hatte ihn hinterrücks verächtlich geschmäht. Sein zukünftiger Schwiegervater Saalfeld werde ihn doch nicht in der Patsche sitzen lassen. Heußner ward bleich vor Zorn, er hob die Hand zum Schlage, aber er ließ sie sinken, als der Andere sich vor ihm niederduckte wie zum Sprunge. „Schlag' zu, und es ist um Dich geschehen! Du weißt nicht, Schlag zu! An meinem Leben liegt mir ohnehin nichts, das hast Du mir vergiftet, als Du ein an⸗ ständiges Mädchen für Deinen noblen Leutnantsspaß gut genug Du meinst, ich hätte keine Ehre, wie?— Jum dritten: schlag' doch zu!“ Die Augen in dem rothen, groben Gesichte funkelten und hat er Sie in's Verderben gehetzt, läßt er Sie kalt am Wege liegen,“ hatte Gerta gesagt. Krüppel, der„Schrumpel“ seiner Knabenjahre. Schönholz glaubte er sich ja nun selbst abgeschnitten zu haben. Den Weg nach Schönholz, auf den es ihn mit Zaubergewalt 1 ä wieder und wieder hinzog, damit er von ihr sich Gewißheit hole. Die Hoffnung, die sie ihm vor fünf Tagen gegeben, genügte ihm nicht mehr: was war ihm ein kümmerliches Hoffnungssurrogat gegen die Seligkeit der Gewißheit des Besitzes!— oder?— In nastloser Unthätigkeit dämmerte er dahin. sammentreffen mit ihm gescheut zu haben. Rüstig arbeitete er sich durch den aufgeweichten Boden des kurzen Feldwegs, der von der Chaussee ab nach der Besitzung führte. Er athmete tief auf, als er durch das Thor trat, ihm war warm ge worden. Da sah er jenseits des leichten Gitters, welches den Garten vom Hofraum trennte, eine dunkle Frauengestalt. Mit hastigem Schritt trat er durch die Pforte, dann immer langsamer, immer zaghafter weiter auf den Sandwegen des Gartens. Endlich hatte er sie doch erreicht. Sie fuhr zusammen, als er sie anredete: „Adele!“ Er war ihr auf wenige Schritte genaht. „Es hielt mich nicht länger. Ich mußte Gewißheit haben.“ Sie rührte sich nicht vom Fleck. Nur eine Handbewegung machte sie, fast heftig, fast gebieterisch. Um so besser! Sein Geld war dem Offizier gut genug, er selbst für diesen nur der Bierbrauer, der„Poet“, der Und er blieb da⸗ heim und verzehrte sich in qualvollem Zweifel; den Weg nach* Zuletzt hatte e ihn nicht mehr gehalten, mochte ihm draußen der Lieutenant begegnen oder nicht! Und er schalt sich einen Feigling, überhaupt ein Zu- 1 * „Gehen Sie!“ Einen Augenblick schwieg er. „Vielleicht bin ich zur unrechten Zeit gekommen. Ihre Frau Mutter hat schwere Sorgen, ich weiß es, und Sie tragen Ihr Kindestheil daran. Aber, wollen Sie nicht auch mich daran tragen lassen, darf ich Ihnen nicht beistehen, wo ich kann, darf ich? Be⸗ trachten Sie die Frist, welche Sie mir an Ihrem Geburtstage steckten, nicht als abgelaufen? Wollen Sie nicht das entscheidende Wort—“ „Ja“. Eisigkalt klang es in seinem einzigen Laute.„Sie sollen es hören. Verlassen Sie mich, ich bitte— und fragen Sie nicht wieder“. Er war einen Schritt zurückgewichen, geredet. „Es ist Ihr Ernst, sein Hirn durchfahren. dlider „Mein Bruder?“ Es war schon zu dunkel geworden, sonst hätte er die schmerz⸗ lich bittere Falte bemerkt, welche die Mundwinkel des marmor⸗ bleichen Gesichtes umzuckte. Mit einer hastigen Wendung wollte sie ihn verlassen. Er trat ihr gegenüber. 4„Sie haben mir wenigstens— des Trosles?“ Grimms beschlich ihn, er dachte an Franz von Bergfeld. dlaube, ich habe das nicht um Sie verdient.“ Willen entfuhren ihm die Worte. 9 Sie schlug die trockenen Augen auf und die starrten ihn an, so richtend, so niederschmetternd.. „Verdient?— Glauben Sie, nachdem Sie uns an den Rand des Ruins gebracht haben, würden Sie mit offenen Armen als Retter begrüßt? Trauen Sie uns wirklich so wenig Stolz zu, daß Sie—— doch nein, ich—— achte Sie, wie man einen guten Freund, einen Bruder, schätzt und achtet, aber—“ Er stand wie versteinert. Redete eine Irrsinnige zu ihm? Plötzlich lachte sie auf. Wie ein zweischneidiges Messer durch⸗ fuhr es sein Herz. „Glauben Sie denn, ich hätte auch nur einen Augenblick daran gedacht, jemals die Ihre zu werden? Haha! Adele Heußner auf der Berglust! Soll wohl den Gästen einschenken? An der Seite eines halben—“ f Das Uebrige verstand er nicht. Ihm summte und brauste es in den Ohren, als nahte der füngste Tag und die Wälder er⸗ zitterten und der Erde Fugen öffneten sich mit Gekrach, die Mensch⸗ heit zu verschlingen. Nur noch eine wilde Lache vernahm er, und später war ihm, als sei Adelens dunkle Gestalt vor ihm in Nebel zerflossen. Halb ohnmächtig sank er auf eine Bank am Wege. Nachher raffte er sich empor und wankte aus dem Thore, ein todt⸗ so bestimmt hatte sie Adele?“— Er stockte; ein Gedanke hatte „Sie befinden sich in einer Stimmung sagte er halblaut. nichts mehr zu sagen, Adele? Kein Wort, Ein Gefühl der Bitterkeit, des „Ich Wider seinen müder Leib. Der Hut war ihm vom [dem Haar, das ihm wirr um Bodens heftete sich an seine Kleider.. Kopfe gefallen, der Wind spielte mit die eckige Stirn hing, der Lehm des er tappte daher wie ein Trunkener. „Alles verloren!“ noch nicht verloren.“ Er zuckte zusammen, fast ohne es zu wissen. „Noch nicht verloren!“ sagte dieselbe helle Stimme neben ihm noch einmal.„Noch nicht verloren, wenn man nur nicht kraftlos den Spaten bei Seite wirft, weil der Schatz nicht gleich an's Tages⸗ licht kommen will. Ja, sehen Sie mich nur an wie eine Erscheinung [ aus dem Fegfeuer mindestens, ich bin drum doch dieselbe wie früher. Und es ist gut, daß ich Sie treffe. Gertrud Schmiedeke wollte mich schon in Röhrstädt behalten, bis Sie zurückkämen, aber ich 1 dankte; Sie wären am Ende noch ein paar Stunden hier in der Dunkelheit herumgestolpert. Hätte Sie zwar auch nicht nöthig gehabt, wenn Rahdebrock nicht so'n alter Grobian wäre und Papa Balzer sich nicht um die paar tausend Staatspapiere, die er mir ab⸗ kaufen sollte, angestellt hätte, als ging's ihm an den Kragen. Nun 0 gehen Sie aber nur ein bischen eiliger mit zurück!“ 0 Der Doktor „Nein, ließ sich durchaus willenlos abführen. „Wenn Sie sich ohne Hut erkälten, ist's lediglich Ihre Sache; f warum setzen Sie keinen auf? Ein Oktoberabend wie dieser läßt nicht mit sich spaßen. Ich aber auch nicht, und augenblicklich gilt's 359 ernstere Dinge als einen Schnupfen, und überdies ist an der ganzen Konfusion kein Mensch schuld als der alte Rahdebrok und Sie. Ich hab' mir's doch fast so vorgestellt: es ist ganz gut, daß ein Poet nichts thut als fühlen und Verse machen; denn sobald er etwas Anderes angreift, giebt's allemal eine Dummheit. Was brauchen Sie die fünftausend Thaler nach Schönholz zu liefern, und wie konnte Rahdebrok in seinen alten Tagen noch so unschlau handeln, das Geld für Sie hinzuschleppen, anstatt es direkt an Saalfeld zu schicken? Hätte er das gethan, so konnte Monsieur Waldemar nicht seinen eigenen Leichtsinn damit bezahlen und auf französisch verduften.“ (Fortsetzung folgt.) Lose Blätter. Das Geheimniß der Cremoneser Geigen. Die Notiz, welche in Nr. 41 des Sonntagsblattes das Bild„Ein Nothverkauf“ begleitete, ent⸗ hielt Angaben über den hohen Werth alter Geigen mit dem wörtlichen Zusatz:„Die Geigenmacher der Gegenwart stehen den Arbeiten der be⸗ rühmten Meister Cremonas wie einem ungelösten Räthsel gegenüber; sie vermögen äußerlich die Form nachzuahmen, aber den Klang können sie ihren Instrumenten nicht geben.“— Dieser Satz hat mehrere Leser des Sonntagsblattes angeregt, einen Beitrag zur Lösung des Räthsels zu liefern. Der Eine verweist uns auf das neuentdeckte Holz einer amerikanischen Balsamfichte, welches Geigenmacher in Cincinnati mit gutem Erfolg ver⸗ wenden, ein Anderer auf das Material uralter Kirchenstühle, welches ganz besonders geeignet für den Geigenbau sei. Ein dritter Leser ist so freund⸗ lich, den Geigenmachern folgenden Wink zu geben:„Man verwendet zum Geigenbau heutzutage das Holz von Bäumen, welche im Winter geschlagen werden, also zu einer Zeit, wo der Saft aus dem Baume zum großen Theil zurückgetreten ift. Klangvolles Holz erhält man aber nur von Bäumen, die, im vollen Saft stehend, gefällt werden. Die Meister in Cremona werden diesen Umstand gekannt und in ihren Werkstätten nur Holz von vollsaftigen Bäumen verwandt haben, die im Frühjahr geschlagen wurden.“ Gern theilen wir diese Winke mit, allein wir fürchten, daß den zeit⸗ genössischen Geigenmachern damit nichts Neues gesagt wird. Im Laufe der Zeit sind ganz gewiß Versuche mit allen erdenklichen Holzarten angestellt worden, aber uns will es erscheinen, als ob das Geheimniß der Klangfülle und Klangschönheit der Instrumente weniger im Material als in der Kunst⸗ fertigkeit der berühmten Meister zu suchen sei. Wohl mögen dieselben einen ganz besonderen Lack besessen haben, für dessen Zubereitung noch immer das Rezept gesucht wird, aber den Klang vermochte nur die besondere Bauart hervorzubringen. Ein Beweis dafür scheint uns in folgenden That⸗ sachen zu liegen. Instrumente ersten Ranges haben nur Amati und dessen Schüler Stradivari hervorgebracht. Beide aber fertigten selber ganz un⸗ gleichartige Geigen an. Von Stradivari, der seinen Meister überflügelte, sind noch Instrumente von geringem Werth aus seiner ersten Schaffeus⸗ periode vorhanden, außerdem aber Instrumente von höchstem Werth aus der Blüthezeit seines Wirkens. Amati besaß mehrere Söhne, welche Jahr⸗ zehnte lang gemeinsam mit dem Vater in derselben Werkstatt arbeiteten, von denen aber keiner den Stradivari erreichte und die nur Geigen zweiten oder dritten Ranges hervorbrachten, trotz der sorgsamsten Unterweisung ihres Vaters. Wir haben in der Geige also ein Kunstwerk vor uns, dessen Vor⸗ trefflichkeit von der Individualität ihres Erschaffers abhängt. Bekannt dürfte der Umstand sein, daß ausgezeichnete Geigenmacher, wie Gand in Paris oder Riechers in Berlin, jede antike Geige auf das Täuschendste zu kopiren vermögen. Dem Ersteren übergab eines Tages Paganini seinen Stradivarius, damit Gand eine geringe Ausbesserung vor⸗ nehme. Gand fertigte heimlich nach dem Muster eine zweite Geige an, die dem Stradivarius täuschend ähnlich sah. Als der berühmte Geiger sein Instrument wieder abholen wollte, legte ihm Gand die beiden Geigen vor. Paganini stutzte und war unfähig sein Eigenthum wiederzuerkennen. Nach⸗ dem er lange in der Wahl geschwankt hatte, griff er zur— Copie. Er setzte den Bogen an, that einen Strich auf der Asaite und bemerkte dann lächelnd:„Ihre Kunstfertigkeit hat mein Auge getäuscht, aber mein Ohr werden Sie niemals irre leiten.“— Gand erwiderte traurig:„Ich kann den Körper nacherschaffen, aber die Seele nicht.“ R. E. Luftverkäuser. In China giebt es Gaukler, die den Schiffern Wind zur Reise verkaufen. Gewöhnlich sitzen sie am Ufer und bieten den See⸗ fahrern ihre Dienste an. Man findet fast immer zwei beisammen; der eine sitzt mit einem Buche in der Hand, aus welchem er zuweilen einiges hermurmelt, zwischen zwei zusammengebundenen Schilfbüscheln, trägt auf dem Kopfe eine platte oder flache Haube und über den Leib einen weiten Rock mit tausendfachen Falten. Der andere sitzt zwischen zwei Fischkörben und hat gleichfalls eine platte Haube auf dem Kopfe; der Oberkörper ist meistentheils unbedeckt. Mit der rechten Hand hält er das vorderste Ende eines Schlauches, der ihm über die Achsel herabhängt und mit Luft ge⸗ fällt ist; aus diesem läßt er, je nach dem Gelde, das man ihm giebt, mehr oder weniger Luft, In der linken Hand führt er einen großen hölzernen Hammer, womit er etliche Mal auf die Erde schlägt, damit der Geist der Winde, welcher ihrer Meinung nach auf einem großen Vogel in der Gestalt eines Mannes mit einem breiten Hute und weitem Rocke in der Luft schwebt, hernieder kommen möge. M. Arenuzräthsel. Aus nachfolgenden Buchstaben: G 111 R R R 8 5 sind neun Worte zu bilden und in derselben Weise zu ordnen, so daß die mittleren Reihen, von oben nach unten und von links nach rechts gelesen, gleiche Worte ergeben.. g Die neun Reihen ergeben folgende Worte: 1. Eine Himmelsgegend. 2. Eine Tonart. 3. Ein vierfüßiges Thier. 4. Ein Fest in der Christen. heit. 5. Eine Person aus einer deutschen Heldensage. 6. Einen mittel- amerikanischen Freistaat. 7. Eine Stadt in Mesopotamien. 8. Ein Vieh⸗ futter. 9. Einen weiblichen Vornamen. Dreisilbige Charade. Die Erste wäre, glaub' es, Leser mir, l Ein warm Getränk, wenn nicht das letzte Zeichen fehlte; Die beiden andern gar ein männlich Thier, Wenn ihm nur nicht das erste Zeichen sehlte.— Sind nach vollbrachtem Tagsgeschäfte Erschöpft des Geistes und des Körpers Kräfte, Dann eilen mit vergnügtem Sinn Wir oft wohl nach dem Ganzen hin. Dort sehn wir idealisch vor uns schweben, Was sich begiebt im ird'schen Leben, Mit Lust und Schmerz wird unser Herz erfüllt, Durch's Ganze oft der eig'ne Schmerz gestillt. Es kommt, daß man bald weint, bald lacht. Das Auge staunt oft, ob des Ganzen Pracht, Allein nur Schein ist's, was das Auge blendet; Und ist das Ganze dann beendet, So sinkt es schnell in finstre Nacht. Silben-Räthsel. Aus folgenden Silben: a a au bel chow del e gus ips les lo mal o pel pers rap re ru sei si si strut tam tam te tbe un wich wyl sollen elf Worte gebildet werden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, je ein Schiller'sches Drama ergeben. Die elf Worte nennen: 1. Eine Stadt in Mecklenburg Schwerin. 2. Einen verstorbenen berühmten italienischen Architekten. 3. Ein Städtchen am Züricher See. 4. Eine Stadt in England. 5. Einen weiblichen Vor⸗ namen. 6. Ein Flüssigkeitsmaß. 7. Ein astatisches Musikinstrument. 8. Einen Fluß in Thüringen. 9. Eine Pflanze. 10. Eine russische Münze. 11. Eine Stadt in Ungarn. Jueisilbige Charade. Ward dir die Erste beschieden, Sei mit dem Schicksal zufrieden, Du kannst Bequemlichkeiten Dann haben in der Zweiten, Das Ganze ist ein Handlungsort, Und zwar in Holstein— such' es dort. Auflösung des Arithmogriph in voriger Nummer: Charlotte Wolter. 1. Camerungebirge. 2. Hermann. 3. Armband. 4. Rüdesheim. 5. Laertes. 6. Odenwald. 7. Topas. 8. Toskana. 9. Erlkönig. 10. Walchensee. 11. Oeta. 12. Langenbeck. 13. Tannhäuser. 14. Elisabeth. 15. Mosmarin; — des Homonym: Strauß;— des Räthsels: Oder, Rode;— des Buch— staben ⸗Räthsels: 6 E E 1 L 1 P 1 E N D Schach. Problem Nr. 475, von F. Hoffmann in München. Schwarz. 1 e „„ A h Weiß. Weiß zieht an und setzt mit dem fünften Zuge Matt. Auflbsungen. Problem Nr. 469 von H. von Gottschall in Leipzig. 62-03 Ke5—f4 Sag— c! 15—e4: Sc4— ez! Keg., Keb, fo resp. ed Dg7 hs resp. De7 oder 8g2f 1 4 2).. Ke4 3) D821 Kt) es Matt. 2). h 8) Dgsf kel) Ds Matt und 2)„ 3) Df: Ke4: ꝛc. 4) Deb resp. f5: Matt. Nach dem ersten Zuge hat das Problem noch die folgenden drei guten Varianten: 1).. 5— 2: 2) Sof Kdö 8) Segt Kes oder beliebig 4) 1 Matt resp. 2).. K 15 3) b3 4) Dg4 Matt oder 2.. K 14 3) Seg ꝛc. wie im Hauptsplel. 1).. 5— ft 2) Db7! fa 18 3) Scat Kf4% ht Matt resp. 2) 6— 5 3) 5871 4) Dat(e7) Matt und 1).. Kei: 2) Dgzf Kfi zc. 8) Sci 4) 23 Matt. N 4b kann das Drohspiel 2) Det Kea. 3) Desz 4) Ddâ Matt zur Ausführung jedoch wäre auch schon der Zugzwang ohne diese r für die Lösung ausr urch b3-h wie durch jeden andern Gegenzug eine Matkführung eröffnet wird, und 2) Dgar Ket 8) Df gt Kea 4) Sea Matt al. 2W t 3) Scat Kei: 40 df Matt. Beseitigung der hierdurch entbehrlich werdenden Drohung ebenso wenig wie ein noch versteckterer Einleitungezug mit der ganzen Anlage der Aufgabe zu vereinbaren war. d cht nachzuweisen sein; die hohe Auszeichnung aber, die diesem feinen Probsem in dem Tu i lei 1 5 ösung wurde angegeben von G. Schnitzler in L., W. Kron in B., Dr. Dr. Wehrmeister in M., Th. Kraus in B, H. Rosenkranz in B. 4) Aus dem Hagsgnhe nach dem. Zuge von Weiß ergeben sich drei weitere„. 4 Problem Nr. 470 von H. vou Gottschall in Leipzig. 1) Sea4—2 Kd5-d4: 2) Dg6— de e- dé:(Ke ꝛc) 3) eb-—dé:(Dd2, ds) f Varianten: 1).. K 5: 2) eb— ect Kb4(de) 3) 8c2(Dgg) Matt. 1).. Ke(af- 8 oder e7— et) 2) Test Ke4(es resp. Keb) 3) 778(obe resp Les) Matt.— Die dreist Linienöffnung im Mattzuge wird durch das vorhergehende Damenopfer vortrefflich angebahnt. Ist die Herbeiführung der wohlbekannten Schlußwendung auch sehr problemgemäß und origin Bargen o läßt doch auch dieses Problem, wenngleich. als die unz bekannten arstellungen des Schieusenmatts, noch immer einen völlig befriedigenden Einleitungszug ver⸗ missen. Dem nach dem ersten Zuge wirksamen und 8 einigen guten Varianten Zugzwange verdankt die 2 einen großen Theil ibrer Schwierigkeit.— Die.— wurde angegeben von W. Kron in B., Dr.— 0 in G, H. Rosenkranz in B., G. Schnitzler in L., Dr. Wehrmeister in M., Th. Kraus in B. Aus der Schachwelt. Der Crefelder Schachklub hat durch den Tod seines tüchtigen Präsidenten des Herrn F. A. ipp, der 30 Jahre hindurch dem Vereine vorgestanden, einen empfindlichen Verlust erfahren. In allen rheinischen Schachkreisen durch sein reges Interesse für das Schachspiel und sein lie⸗ denswürdiges Auftreten bekannt und gern gesehen, hat der Verstorbene auch dem Wesldeutschen Schachdunde seit—.— Gründung und später dem Bergisch⸗Märkischen Schachverbande als rühriges Vorstandsmitglied bis kurz vor seinem Tode seine selbstlose Thätigkeit gewidmet. Die Frankfurter Schachzeitung macht bekannt. daß die 1 2 des Frankfurter Schachklubs seit dem 15. Oktober täglich im Cafe Milan stattfin Im Laufe des Winters soll im Club ein Turnier in fünf Klassen ausgefochten werden, wobei die Gruppen⸗ sieger unter entsprechender Vorgabe um die Preise zu stechen haben werden. Nach einem im britischen Schachllub Aer Beschlusse wird die brilische Schachassociation ihren diesjährigen Kongreß mit einem nationalen Meisterturnier„welches am 29. No⸗ vember seinen Anfang nehmen soll— ein internationales Meisterturnier ist in den Sta⸗ tuten des Bundes für jedes zweite Jahr vorgesehen. Die Beendigung des Weltkampfes zwischen Bladburne und Gunsberg mußte infolge von eingetretenem Unwohlsein des erstgenannten Meisters bis auf weiteres vertagt werden; der gegenwärtige Stand ist Gunsberg 4, Bladburne 2, bei 6 Remispartien. Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105. Verantwortlicher Redakteur; R. Elch o in Berlin, Lüstowstr. 105 3 geworden ist, hat dasselbe durch sein vorzügliches Variantenspiel vollauf verdient. 0 e Knopf in 1