SBeilage Ouerhessischen Uuchrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nr. 10. Gießen, den 6. März. 1887. Zum Nachdenken hatte Erich nicht Zeit. Froysberg nahm ihn beim Arm und führte ihn mit sich. Zunächst in den Pferdestall, wo er ihn bat, die braune Stute„Schönchen“ von ihm als Geschenk an⸗ zunehmen, es solle ihm dies als Gewähr aufrichtiger Versöhnung dienen, versicherte Froysberg. Nichts hätte Erich unangenehmer berühren können. Aber sein Vetter hatte so ganz und gar kein Verständniß für derartige Empfindungen, daß er in der liebenswürdigsten Weise ihm das Ablehnen des Ge— schenkes völlig unmöglich machte. So blieb er ungern. Der Tag ging hin wie die anderen. Nach Mittag kam der Förster und be⸗ richtete, er habe einen Fuchsbau entdeckt; die ganze Familie sei daheim. Froysberg war wie elektrisirt; auch Erich kam die Jagd gelegen. Die Teckel mußten indeß erst vom Vorwerk geholt werden, wo der Jäger sie dressirte. Welch herrliche Gelegenheit, die Thiere arbeiten zu sehen. Man verabredete, daß man sich gegen Abend im Walde treffen wolle. Die Ausgänge des Baues waren vom Förster ge⸗ schlossen und eine Wache gestellt. Man durfte in Ruhe die kühlere Abendzeit erwarten, um so mehr, als die Hitze fast unerträglich war. Der Mond stand schon ein Weilchen über dem Horizont, als die beiden Vettern Abends zurückkamen. Sie traten in den Park, sehr vergnügt, sehr animirt von der erfolgreichen Jagd und voll Eifer, die ihnen entgangene Füchsin in den nächsten Tagen aufzuspüren. Froysberg glaubte bestimmt zu wissen, wohin das Thier sich geflüchtet habe. Auf einem vom Monde beschienenen freien Platze suchte er Erich das Terrain an der besagten Stelle zu schildern und zeichnete mit einem Blumenstocke, den er aus einem der nahen Beete zog, die Krümmung des Baches, die Höhe daneben, die Fläche des Kiefern- bestandes auf die Erde. Da horchte er plötzlich auf. Erichs Frage, was es gebe, blieb ohne Antwort. Ein wilder wüthender Ausdruck trat in sein eben noch so heiteres Gesicht, mit einem raschen Satze sprang er in das sie rings umgebende Boskett.— Ein Schuß— ein Laut, ein Schrei, nicht Stöhnen und doch Beides.— Dann ein Rascheln des Gezweiges wie von einem Fall.—— Erich stand noch und sah verständnißlos auf seines Vetters Thun. Was macht er? Was fällt ihm ein? Wonach schießt er? Wie ein Blitz fuhr der Gedanke ihm durch den Kopf, Froysberg habe auf einen Menschen geschossen, dann glaubte er die Füchsin sei erschienen. Die Jagdlust flammte wieder auf und er eilte zum Gebüsch. Alles still! r Froysberg. Er wollte es rufen. Es lag hier der Schatten großer Bäume über dem breiten Streifen Gebüsch, dicht daneben auf einer Rasenfläche blendender Mondschein. „Froysberg!“ Da stolperte er fast über etwas, das auf der Erde lag.— Ein Erna. Novelle von L. Haidheim. (Fortsetzung.) Baumstamm?— Nein, es war weich! Stoffe, menschliche Formen berührte sein Fuß. Ehe er das Alles ausdenken konnte, hatte er erschreckt sich gebückt. Unter seiner Hand fühlte er Lederriemen und die Patrontasche. „Herr Gott, Froysberg? Bist Du es? Bist Du verletzt? Bist Du verwundet?“ rief er und sah sich rings um, ob da ein Mensch sei. „Froysberg, mein Junge, sprich doch! Es ist nicht ernstlich?“ rief er nochmals und suchte, das dichte Gebüsch zur Seite schiebend, seinen Vetter aufzuheben. Schwer wie Blei— stumm— regungslos!„Herr Gott, Mensch! Er ist doch nicht? Froysberg, Froysberg, sage nur eine Sylbe— sprich!—“ Mit der Kraft der äußersten Aufregung hatte er seinen Vetter emporgehoben. Kein Athemzug, kein Herzschlag? Ein unbeschreibliches Entsetzen packte ihn. „Barmherziger Gott, es war ja unmöglich, er konnte doch nicht todt sein? Und was war denn das? Was hielt denn da die Büchse zurück? Endlich, das Schloß hatte sich förmlich in den Zweigen ver⸗ wickelt. Ohne Zweifel— der Unglückliche hatte den Hahn nicht in Ruhe gesetzt. Er hielt ihn auf den Armen und schleppte ihn keuchend die paar Schritte aus dem Gesträuch. Da lag der Körper im hellen Mondschein auf dem Rasen. Aber er war ja ganz warm,— nirgend eine Wunde,— nirgend Blut. — Doch, doch, hier!— Ein ganz schmaler Streifen, ein Tropfen fast nur— unter dem Ohr. „Froysberg, Mensch, sprich! So wach doch auf!“ Alles still, „Hülfe! Hülfe! Hülfe!“ schrie Erich von Willwarth durch den Park. Wie viele Male mußte er es wiederholen, dies Hülfe, Hülfe. Dazwischen fühlte er mit Entsetzen das Erkalten der Finger Froysbergs. Bald sprang er auf, um selbst Hülfe zu holen, da sie nicht kam, bald stürzte er wieder zurückkehrend neben dem Unglück⸗ lichen auf die Knie und legte sein Ohr auf dessen Brust. Alles still und stumm. „Hülfe! Hülfe!“— Endlich Stimmen. Von allen Seiten kamen sie jetzt: Der Gärtner, die Stall— knechte, Schloßdiener und Mägde.— Ein lautes Geschrei erhob sich.„Einen Arzt!“ „Ist er denn todt?“ fragte Erich Willwarth den alten Gärtner; 115 fast noch bleicher, als das stille, schmerzlose Antlitz zu seinen üßen. Der alte Mann nickte stumm; er hatte schon oft Todte gesehn, Erich von Willwarth noch niemals. a „Zu Pferde! Zu Pferde! schafft einen Arzt herbei!“ 71 — 9 3 n N CCC FFT „Herr Baron, lassen Sie uns den armen gnädigen Herrn herein— tragen!“ mahnte der Verwalter. Erich von Willwarth war völlig fassungslos. Er schluchzte an des alten Mannes Schulter. stunde noch so voll Leben und Freude, und nun todt! Es konnte ja nicht sein, es war unmöglich. Er erzählte in abgebrochenen, aufgeregten Worten schon zum dritten oder vierten Male, wie dies Alles gewesen, wie es gekommen. Seine Erschütterung nahm mit der Gewißheit von Froysbergs Tode zu. Inzwischen hatten die Leute eine Bahre und Matratzen geholt; so trug man den Herrn, den man gesund und heiter vor ein paar Stunden sein schönes Schloß verlassen gesehen, in dasselbe zurück. Ein Haufen von Menschen umgab die Leiche. Von allen Seiten strömten sie herbei. Jeder fragte, jeder wollte Näheres wissen. Baron von Willwarth war der Einzige, welcher Auskunft geben konnte. Jetzt stand er mit dem Arzt bei der Leiche. Todt! Völlig todt! Die Kugel war unter dem Ohr herein⸗ gegangen und in's Gehirn gedrungen. Das Gericht wurde benachrichtigt. Erich ließ den alten Ver⸗ walter schalten, wie derselbe es für gut fand. Gegen Morgen wurde er aufgeschreckt. Er mußte neben der Leiche eingenickt sein. Die Gerichtsherren mit dem Kreisphysikus waren da. „Birkner!“ Erich stürzte förmlich auf diesen zu. Er bemerkte es kaum, daß derselbe blaß und ernst seine Umarmung nicht er— widerte, sondern an ihm vorüber nach der Leiche sah. Dann kam der Pastor aus dem Dorfe, dessen Patron Froysberg gewesen. So begann das Verhör. Man ging in den Garten. Erich mußte alles erklären. Da waren noch die Linien, die Froysberg gezogen— hier lief er in's Gebüsch. Warum? Ja, dafür hatte Erich keine Erklärung.„Die Füchsin,“ dachte er jetzt. Es fanden sich keine Spuren eines Thieres, auch nicht die eines Menschen. Das Gewehr Froysbergs hatte sich entladen, so war schon diese Nacht die Meinung aller gewesen. Dasselbe wurde abermals unter⸗ sucht— ein Lauf war abgeschlossen. An dem blankpolirten Hahn— es war die Büchse— befand sich eine starke Schramme, wie etwas Hartes sie auf feinstem Stahl hervorbringen kann. Der Hahn war nicht in Ruhe gesetzt worden, in dem ver— wachsenen Buschwerk konnte das Unglück sehr leicht geschehen. Das Blumenstöckchen wurde zerbrochen im Gebüsch entdeckt. Dann nahm man die Sektion vor. Die Kugel paßte in Froysberg's Gewehr, sie war die seinige. Das Protokoll wurde geschlossen. Die Frau des Verwalters hatte schon in ihrer Stube ein Frühstück vorbereitet.— Die Herren nahmen es dankbar an, sie waren sehr angegriffen. Erich zog sich auf sein Zimmer zurück. Gleich darauf trat Birkner nach vor— heriger Meldung ein. Jetzt fiel es Erich doch auf, wie herzlich der alte Junge war. „Du armer Kerl! Na, natürlich, daß Dich dies mitgenommen hat! Und so schnell ist er dahin! Kaum Vierzig und fort— weggeblasen! Aus so einem herrlichen Besitz!“ Zum ersten Mal schoß Erich der Gedanke durch den Kopf, daß er der Erbe sei. Birkner sah dies, er las in Erich's Gesicht, was in ihm vor— ging.„Ja wahrhaftig! Du bist der Erbe und es sieht Dir ganz ähnlich, mein Junge, daß Dir das erst jetzt einfällt.“ Eine stürmische leidenschaftliche Erregung überwältigte Erich momentan. Der Erbe! Alles sollte ihm gehören, ihm in seiner Noth, in seinem Elend? Aber dann kam schon wieder das andere Gefühl: 11 der fröhliche, lebenslustige Vetter, hatte deswegen sterben müssen. „Verzeih, Birkner! Ich, dies Alles— ich muß mich erst fassen—“ brachte er mühsam hervor.— Ein sonderbar schreckliches Gefühl überkam ihn, als müsse er laut aufschreien vor Freude und als sträubten sich seine Haare vor Entsetzen. Er klemmte die Zähne aufeinander und ballte die Hände, um dem krampfhaften Antrieb, zu lachen und zu schreien, Widerstand zu leisten. „Ja wohl, Du hast Recht, ich kam nur, um Dir zu sagen, daß, wenn Du Hülfe— Rath brauchst—.“ „Ich danke Dir— aber jetzt—.“ Nun brach das Schluchzen Vor Minuten,— vor einer Viertel- hervor aus seiner Brust. Er winkte nur noch mit der Hand, ö Birkner ging mit einem theilnehmenden Blick, und Erich von Willwarth blieb in einer unbeschreiblichen Aufregung zurück. Sollte er Gott danken? Danken für die Rettung, die seines Vetters Tod ihm brachte? Nach einer Weile öffnete sich abermals leise seine Thür. Es war der Verwalter mit dem Arzt, welche eintraten. Erich war schon aufgesprungen.— Wenn auch die Spuren dieser Stunden unverkennbar in seinen Zügen und den feuchten Augen lagen, er hatte doch seine Ruhe wieder. 1 „Gnädiger Herr, wir ängstigen uns um Sie!“ entschuldigte sich der Verwalter. „Herr Assessor Birkner veranlaßte mich, Ihr Alleinsein zu stören,“ sagte der Arzt in demselben Sinne. „Ich gestehe, daß ich mich in der That sehr erregt und er⸗ schüttert fühle. Es ist der erste Todesfall, den ich in meiner nächsten Nähe erlebe,“ sagte Erich. Der Verwalter ergriff seine Hand.„Der Herr Baron ist nun unser Herr,“ brachte er nur mit Mühe, zitternd, hervor. So folgte eine aufregende Szene der andern. Es kamen von allen Seiten im Laufe des Tages die Gutsnachbarn, die Freunde und Bekannten.. Der General und Diringer trafen gegen Abend ein, immer wieder mußte Erich erzählen. Dazwischen wurde der Todte auf— gebahrt. Telegraphisch oder brieflich ging die Schreckenskunde nach allen Seiten. Das Begräbniß Froysberg's war vorüber. Erich von Willwarth hatte die Honneurs des Hauses gemacht und der Eindruck, den Alle von ihm empfangen, war ein sehr günstiger gewesen. Dagegen blieb es aber nach dem Lauf der Welt nicht aus, daß das tragische Ende des so früh Dahingerafften einen Glorienschein um sein An⸗ denken wob, daß seine liebenswürdigen Eigenschaften, das freundliche Gehenlassen, welches er für alle Andern hatte, wenn man ihm nur nicht seine Bahnen kreuzte, erst jetzt zu voller und auch übertriebener Anerkennung gelangte, und daß man gänzlich vergaß, wie oft man über des Lebenden Frren und Fehlen die Achseln gezuckt und herben Tadel ausgesprochen hatte. 5 Es ging Erich ganz ebenso. Seine tiefe Erschütterung ließ hin nur Worte des aufrichtigsten Lobes für seinen Vetter finden und gewann ihm die allgemeine Sympathie.— Der Einzige, welcher auch jetzt wieder einen peinlichen Mißton in diese Stimmung warf, war Erich's Schwager Kyburg, der, ganz blaß und angegriffen von der schnellen Reise, in der Nacht vor dem Begräbniß auf dem Schlosse anlangte. Die Depesche hatte ihn richtig auf dem Axenstein getroffen. Nach ein paar Stunden des Schlafes war er aber wieder frisch, und nachdem er allen An⸗ forderungen an eine würdevolle Trauer bei dem Begräbniß gerecht geworden, athmete er, sobald man nach demselben im Schlosse wieder anlangte, erleichtert auf und beglückwünschte jetzt Erich lächelnd mit den Worten:„Le roi est mort, vive le roi! Du siehst mein Junge,“ fuhr er dann fort,„wenn Einem das Wasser bis an die Kehle geht, findet sich der rettende Strohhalm!“ Und dabei machte er eine groß⸗ artige Geste, welche auf das stattliche Erbe ringsumher deutete. Die Umstehenden mochten die Art und Weise Kyburgs vielleicht nicht halb so peinlich empfinden wie Erich, der General und Diringer. Es war sehr natürlich, daß man, meist nur mit einem Händedruck Kyburg's Beispiele folgte, aber auch ebenso begreiflich, daß man dann auf dem Heimwege davon redete, es scheine doch wirklich etwas Wahres daran zu sein, daß der nunmehrige Besitzer der Herrschaft Froysberg am Ruin gestanden habe. * *. Die nächsten Tage brachten Erich das heißersehnte Alleinsein. Wie befreit kam er sich vor, als sie alle fort waren. Kyburg mit guter Manier loszuwerden, hatte schwere Mühe gekostet, und als Erich meinte, nun endlich ganz sich selbst zu gehören, da machten sich schon die Ansprüche geltend, welche das Leben stellt. Der Verwalter kam ihm jetzt zunächst mit dem Gutsinventarium. „Lassen Sie mir noch etwas Zeit, lieber Baum, mir ist, als thäte ich meinem armen Vetter Unrecht, wenn ich nehme, was sein — „T. 2 75 0 war,“ sagte Erich und sein Ton sprach zu dem Herzen des alten Mannes. Der Letztere war schon an der Thür, als er noch einmal um⸗ kehrte.„Verzeihung, gnädiger Herr, da ist die Kathrin, sie sagt, daß Sie ihr ein gutes Wort beim seligen gnädigen Herrn hätten einlegen wollen— und wenn sie selbst jetzt auch gern bleiben würde, so ist der Fritz da, der sie heirathen will.“ „Ja, ja, ich verstehe sckon, der Bursch ist des Mädchens Schatz. Es war am letzen Tag. Ich sollte meinen Vetter bitten— habe es auch gethan. Froysberg wies mich aber zurück. Sagen Sie, lieber Baum, ist der Fritz ein ordentlicher Mensch?“ „Ein ganz ordentlicher, tüchtiger Junge, gnädiger Herr.“ „Indessen,— der Fritz muß sich doch vergangen haben?“— Der Verwalter machte ein verlegenes Gesicht.„Ja, sehen Sie, gnädiger Herr, das war wegen der Kathrin.“ „So, so! Also es liegt seitens des Burschen nichts Unehrenhaftes vor? Nun so lassen Sie das Mädchen gehen. Ich hörte, der Fritz sei bei Herrn Calander in Dienst getreten,“ brach Erich hastig ab. „Das ist auch so, aber die Kathrin ist die Tochter von der Amme des gnädigen Fräuleins, die Herrschaften halten viel auf die Kathrin und so hat der Fritz Erlaubniß, sich zu verheirathen. Erich entließ den Verwalter. Zum ersten Mal fiel ihm jetzt ein, daß er Calander zwar bei dem Begräbniß, aber nicht im Schlosse gesehen. Calander war auch nicht gekommen, als die Schreckens⸗ kunde sich verbreitete, während alle andern Nachbarn herbeieilten. Warum? Erich dachte mit peinlicher Unruhe daran, wie freundlich Calander ihm entgegengekommen war und wie schroff er sich da⸗ gegen gezeigt. i Er warf sich auf's Pferd. Ein stundenlanger Ritt brachte ihn zu dem befreundeten Pastor, wo man ihn in altgewohnter Herzlichkeit empfing. Er selbst war unterdessen in sich ruhiger und klarer geworden. Bei den lieben alten Freunden ging ihm das Herz auf und er sprach über Alles, was ihn bewegte und erfüllte. Nur über Erna Calander fiel kein Wort, wie auch der Pastor dieselbe nicht erwähnte. Nach drei einsamen, stillverlebten Wochen und seine Gemahlin, Theo und Emmy an, um einige Zeit bei Erich auf dem Lande zu verleben. Den schweren Kreppkleidern der Damen entsprach sehr wenig die Stimmung derselben. Die Generalin fand mit tiefer Rührung Gottes Willen, den keines Menschen Thun zu beugen vermöge, darin, daß Erich nun doch der Erbe des Gutes geworden. Theo, ähnlich denkend, fühlte zumeist nur die stolze Befriedigung über die Stellung, welche Erich als Besitzer der Herrschaft einnahm, und Emmy, in weißen Morgen— kleidern, Jetschmuck an Hals und Armen und schwarze Sammet— schleifen im blonden Haar, unterdrückte nur mit Mühe das Singen und Trällern, wenn sie durch den Park lief und sich unzählige Bougquets pflückte, oder die schöne Einrichtung des inneren Schlosses bewunderte. Ab und zu kamen Cäste nach Schloß Froysberg— im Ganzen lebte man, wie es die Trauer gebot, sehr still und häuslich. „Es ist unartig von diesen Calanders, daß sie gar keine Notiz von unserer Anwesenheit nehmen,“ sagte Emmy eines Tages beim Morgenkaffee. Erich fuhr das Wort wie ein Stich durch's Herz. Wie oft hatte er dasselbe gedacht, um sich jedes Mal zu antworten:„Das hast Du selbst verschuldet.“ Inzwischen hatte Theo zugestimmt. „Ich war gleich dagegen, daß Du mit Fräulein Calander intime Beziehungen anknüpftest. Aber sie ist ein reizendes Mädchen,“ begütigte die Generalin. f „Nun,— vielleicht ist es nur Mangel an Lebensart,“ gab Theo nach. „Das Letztere jedenfalls nicht,“ hatte Erich scharf entgegnet. „So hältst Du es für Absicht— für Unart? Das sollte mir für Emmy leid thun, es schmerzt immer, wenn freundliches Ent⸗ gegenkommen zurückgewiesen wird,“ sagte die Generalin. „Ich fürchte, daß ich selbst die Ursache ihrer Zurückhaltung bin.“ „Du?— Aber sie sprach ja mit sichtlicher Dankbarkeit davon, daß Du ihr, der Unbekannten, einen Dienst geleistet, ich glaube Geld geliehen.“— Es that Erich so wohl zu hören, sie habe von ihm gesprochen. „Aber was hast Du denn verschuldet? Es sind über den See herüber die nächsten Nachbarn und ein freundliches Verhältniß mit solchen immer wünschenswerth,“ fragte nun auch der General. Eine heiße Röthe trat in Erichs Stirn. „Ich möchte lieber nicht darüber reden, es ist etwas— ich glaube, daß ich mich gegen den alten Herrn—“ Er stockte. Eine große Aufregung malte sich in seinen Zügen. „Vielleicht stehst Du mit Fräulein Calander besser!“ scherzte der General. „Im Gegentheil!“ stieß er heraus und trat in die offene Balkonthür. Die Andern blickten sich ganz betroffen an. Was konnte Erich denn verschuldet haben gegen Menschen, welche er kaum kannte, gegen eine hochgebildete, junge Dame und den ehrenfesten, älteren errn? Er selbst ging jetzt eben die Freitreppe hinunter in den Garten; offenbar wollte er nichts weiter hören.— Erich von Willwarth wußte nachher nicht wie es gekommen, daß er dann plötzlich im Kahn saß und mit einer Art wilder Energie hinüber ruderte nach dem jenseitgen Ufer und dem epheubewachsenen Thürmchen. Er konnte schon in ziemlicher Entfernung sehen, es saß Niemand in der offenen Halle, kein hellfarbiges Kattunkleidchen schimmerte durch das Gitter. Er lachte bitter über sich selbst, daß er solch ein Thor war. Und dann kam ihm das Verlangen, sie vom Ufer aus, versteckt durch das Gebüsch, zu erspähen. Vielleicht, ja vielleicht erging sie sich im Garten. i Wie mochte derselbe aussehen? Wo wohnte sie? Ein brennendes Verlangen überfiel ihn nach einem einzigen Wiedersehen, nach einem Blick in ihre lieben sanften Augen. Da hörte er Stimmen. Großer Gott, das war sie! Eine antwortete. 5 Erich von Willwarth schnellte in seinem Kahn in die Höhe und suchte in der Richtung der Stimmen hin einen Blick auf die nächsten Wege des Parks zu gewinnen. Aber vergebens. Die Stimme Erna's, die er aus Tausenden erkannt hätte, war ganz dicht am Ufer erklungen, jetzt kein Laut mehr!— Aber der Mann, der Mann, welcher bei ihr gewesen? Er mußte ihn sehen! In größter Hast trieb er den Kahn mit ein paar Ruderschlägen ganz dicht an das Ufer. In einiger Entfernung hörte er ein reizendes Lachen.— Sie mußte am Ufer entlang gehen. Ganz dicht unter demselben hin— fahrend, tauchte Erich mit Vorsicht seine Ruder ins Wasser, immer horchend auf die redenden Stimmen und bemüht, denselben einen Vorsprung abzugewinnen. Das gelang ihm aber nicht, denn er mußte eine buschbewachsene Landzunge umfahren. Jetzt schienen die Stimmen ferner, dann ganz nahe;— es war zweifellos ein noch junger Mann, mit dem Erna redete,— man hörte es an dem Klang seines Lachens, in das sie jetzt einstimmte. Wie die Beiden sich amüsirten! Wahrscheinlich— nein, gewiß, einer der vielen Anbeter und offenbar kein ungünstig aufgenommener. Wie Erichs Herz klopfte! f Jetzt hatte der Lauscher die Spitze der Landzunge erreicht— und zugleich ertönte ganz nahe wieder Ernas fröhliches, triumphirendes Lachen. In diesem selben Augenblick kleine Bucht— ein hübsches, frische helle Männerstimme sah Erich zu seiner Linken eine offenes Boothaus, vor welchem mehrere Kähne angekettet lagen. Ein kleiner fremdartiger Kahn, sehr bunt bemalt und nur Platz für zwei Personen bietend, schoß, von einem kräftigen Ruderschlage getrieben, in den See, und Erna Calander, wieder in einem ihrer hellen einfachen Morgenkleidchen, erblickte ihn, machte ein sehr überraschtes Gesicht und blieb reglos, indessen ihr Begleiter— in der That ein junger Herr in modischem Morgenanzuge— am Ufer stand und zornig rief: „Das war schändlich, abscheulich! Verrätherei!“ f Sie war diesem Begleiter entschlüpft, die Situation bedurfte keiner Erklärung, und wäre aus dem grade nicht geistreich drein⸗ schauenden Gesicht des jungen Mannes zu lesen gewesen, wenn Erich, daran gedacht hätte, ihn zu beobachten, der jetzt nach den andern Kähnen lief, um dann wieder in komischer Wuth zu rufen:„Alle Schlüssel haben Sie mitgenommen. Das ist Absicht! Ich bin überflüssig!“ 1 76 D Erna Calander deutete inzwischen Erich's Betroffenheit und seine verlegenen Mienen ganz falsch und da er, im ersten Schrecken, er⸗ tappt zu sein, eine Rückbewegung mit seinem Ruder gemacht, so glaubte sie, er wolle ihr ausweichen. Ihr eben noch so lächelndes, schadenfrohe Schelmerei verrathendes Gesicht nahm blitzschnell einen kalten, fremden Ausdruck an; mit kurzem Gruß erwiderte sie den seinigen, und ein nächster Ruderschlag trieb ihren Kahn zurück nach dem Boothause. „Nun, kommen Sie nur, Graf Ritberg, ich will barmherzig sein,“ rief sie ihrem Begleiter zu. Und ohne sich um Erich weiter zu kümmern, nahm sie Jenen in ihren kleinen Nachen auf. Die Nußschale schwankte hin und her, als jenen unbesonnen hineinsprang. War sie vor Schrecken plötzlich so bleich geworden? Erich von Willwarth fühlte sich entrüstet über die Art, wie sie ihm abermals den Rücken gewandt und über die Unvorsichtigkeit ihres Gefährten. Dann zürnte er sich selbst wieder. Warum sah er sie an wie ein erschrockener Birnendieb? Sie konnte freilich nicht anders glauben, als daß ihm die Begegnung ärgerlich sei. Und welcher abweisende Hochmuth trat plötzlich in das liebe Gesichtchen,— in diese für gewöhnlich so sanften braunen Augen! Sollte er nun weiter fahren, an ihrem kleinen Boot vorüber, oder umkehren? Und mit diesem Zögern und Ueberlegen hatte er schon die Zeit verpaßt. Die Beiden schwammen in dem winzigen Boot auf den See hinaus, während er hier hinter dem Buschwerk blieb. Eine schreckliche Angst, das Fahrzeug Ernas könne umschlagen, befiel ihn plötzlich, der Graf verstand sichtlich nichts vom Rudern und die Nußschale schwankte. Er wußte selbst nicht, was er that, als er, jedes Bedenken außer Augen setzend, so schnell er konnte, hinter den Andern herruderte. Da Erna allein ihr Boot zu führen hatte, gelang es ihm sehr bald, sie einzuholen. Seine Hast, die bestimmte Richtung auf sie zu, mußten sie und ihren Begleiter glauben machen, daß er die Absicht habe, mit ihnen zu reden. „Was mag der Herr wollen? Wer ist es? Halten Sie einen Augenblick, gnädiges Fräulein, der Herr wünscht etwas zu sagen,“ meinte jetzt auch der Graf Ritberg bestimmt. Und sie legte die Ruder nieder, in der Absicht, ihn herankommen zu lassen. Ihn aber befiehl nun plötzlich wieder das Gefühl seiner Thorheit, die Erinnerung an ihre mehrfachen Zurückweisungen und statt jetzt anzuhalten und sein Nachsetzen zu erklären, gab er seinem Boot wüthende Stöße und schoß vorüber in toller Hast.— „Was soll das? Wer ist es denn? Was fällt dem Manne ein?“ fragte der Graf. Erna Calander sah verlegen und erschrocken aus.— „Ich weiß nicht. Ich glaube, er dachte, wir seien in Gefahr, als das Boot schwankte,“ stotterte sie. „Wer ist dieser blöde Ritter?“ lachte Graf Ritberg. 255 ist der Baron Willwarth,“ erwiderte sie leise und zögernd. „Der—?“ Eine ganze Geschichte lag in dem Wort. Sie blickte auf. „Kein Wort von all' dem Gerede dürfen Sie glauben, Herr Graf,“ sagte sie erregt. „Sie hörten indessen gestern Abend, gnädiges Fräulein—“ „Ja und ich erschrak vor diesen Verdächtigungen und Anklagen, die gleichwohl Niemand aussprechen wollte.“ „Natürlich! Und man wird sich hüten, dergleichen Muthmaßungen als Wahrheit zu geben. Ist der Mann unschuldig—“ „Herr Graf!“ Ein zorniger Vorwurf lag in der Stimme des jungen Mädchens und wieder schwankte der kleine Kahn hin und her, weil sie eine heftige Bewegung machte in der Abwehr dieses Zweifels.— „Nun wohl, meine Gnädige, so hat er also immer den Schein in bedenklicher Weise gegen sich.“ „Sie hörten aber doch, Herr Graf, daß Papa erklärte, er habe Das Protokoll der Untersuchung gelesen; jeder Zweifel an der Todes— ursache des Herrn von Froysberg sei ausgeschlossen, nur Bosheit und Sensationssucht können derartige Gerüchte in Umlauf setzen und kolportiren,“ versetzte sie. „Ich bin weit entfernt, den Baron anzuklagen. Im Gegen- theil, Ihres Herrn Vaters Wort genügt vollkommen. Es ist dann also nur sehr bedauerlich für den Baron, daß die Umstände so unglücklich⸗glücklich zusammentreffen. Sie haben auch gestern Abend mehrfach protestirt, gnädigstes Fräulein, aber die fatalen That⸗ sachen sind leider konstatirt und wenn der eigne Schwager, sei es selbst in der Weinlaune, erklärt, dieser Todesfall sei sehr zu rechter Zeit gekommen, er habe Willwarth's gestrandetes Schiff wieder flott gemacht——“ „Halten Sie ein, Graf, es empört mich, einen Kavalier, wie Sie, diese heimtückischen Verdächtigungen wiederholen zu hören!“ „Ich wiederhole sie Ihnen— einer Ohrenzeugin, nicht den Anderen. Aber Sie müssen doch begreifen, Fräulein Erna, daß Willwarth unter diesen Umständen nicht gerade eine erwünschte Bekanntschaft ist. Und von diesem Punkte ging ja gestern das Gespräch aus. Rochlitz forderte Zehnin und mich auf, mit nach Froysberg zu fahren. Zehnin lehnte ab und während ich ihm zu— stimmte, widersprachen Ihr Herr Vater, Rochlitz und die Anderen. Gleichwohl mußte Ihr Herr Vater zugeben, daß er selbst keinen Umgang mit dem nächsten Nachbar habe und wenn er rücksichtsvoll und edeldenkend genug ist, sich als den Schuldigen in diesem Punkte zu erklären, so erkennt man hier doch die wahren Gründe leicht genug.“ „Ich kann nur wiederholen, Herr Graf, Sie irren. Herr von Willwarth ist es, der uns eine Schroffheit entgegengesetzt hat, welche jeden Verkehr mit uns ausschloß.“ 7 „Entschuldigen Sie, gnädiges Fräulein, man erzählt sich eine reizende kleine Geschichte von einem vergessenen Portemonnaie und einem liebenswürdigen Ritter; man weiß ferner, daß Baron Willwarth einer gewissen jungen Dame seine Huldigungen darbrachte.“— Und damit zeigte Graf Ritberg, klug und überlegen lachend, nach dem Thürmchen am See, an welchem sie in einiger Entfernung vorüber kamen. Sein Blick, sein Ton waren nicht mißzuverstehen. Er war einer jener Herren gewesen, welche damals im Boote an ihr und Erich vorüberfuhren. Erna wurde roth. Man glaubte also, sie habe Willwarths Bewerbung abgewiesen. Man spionirte jeden Umstand aus, der sie betraf und deutete ihn nach Belieben. Und klang nicht aus Graf Ritbergs Ton noch ein Anderes? War es denn gar nicht möglich, daß ein lediger Mann sich mit ihr beschäftigte, ohne diesen Hintergedanken der Heirath und war sie ausersehen vom Schicksal, jeden Tag sich sagen zu müssen: „Du bist es nicht, die man so umschwärmt.“ Ach, alle Unbefangenheit hätte ihr längst verloren gegangen sein müssen, wenn nicht die un— versiegliche Jugendkraft neue Sprossen aus ihrem Herzen hervor⸗ getrieben. „Kehren wir jetzt zurück, Herr Graf!“ bat sie mit demselben schroffen Ton, der Erich so verletzt hatte. (Fortsetzung folgt.) Der Lear des Dorfes. Erzählung von Wilhelm Grothe. „Adieu! Adieu! Morgen wieder lustig!“ Noch ein Händedruck, dann wandte sich Jeder, um den Heimweg in der Nacht anzutreten. „Morgen Abend nicht zu spät.“ „Was ist das?“ rief Kurd Blenke und deutete nach dem nahe— gelegenen Walde, über den sich am Himmel eine helle Röthe ergoß. „Das ist Feuer.“ „Das muß Peter Goritz' Gehöft jenseits des Sees sein,“ be— merkte Karl Walter. „Rasch zum Küster, wir wollen die Schlüssel zum Thurm holen! — Wir müssen Sturm läuten.“ „Ich hole die Pferde aus der Brauerei!“ ließ sich der junge Inspektor und Braumeister Gebhard Knaus vernehmen.„Meine Füchse sind schneller, als der lahme Schimmel. Zieht inzwischen die Spritze aus dem Häuschen.“ Er eilte davon. Bald ertönte die Glocke, während die Spritze ebenfalls von den Nachtschwärmern aus dem Schuppen geholt und in Bereitschaft gesetzt wurde. Bald war auch Gebhard Knaus mit den Pferden aus der Brauerei zur Stelle. „Nun werden die Philister vielleicht ein Einsehen bekommen, daß es nicht gut ist, mit den Hühnern zu Nest zu kriechen,“ sagte er.„Faßt an; wir dürfen keine Zeit verlieren.“ 1 8 it f ol ee el r . ige ine Allein in der Welt. Von Knorr. r— 3 1 VT f N * b 78. Ehe noch einer der eigentlichen Spritzenleute erschien, waren die Füchse angespannt, hatte sich der junge Braumeister auf das Leit-, Kurt Blenke auf das Handpferd geschwungen. Die Uebrigen hatten die Plätze auf der Spritze und der Wassertonne eingenommen, und der Zug setzte sich in Bewegung. Rasch ging es den Weg um den See durch den Wald der Brand⸗ stätte zu. Von Sekunde zu Sekunde verstärkte sich der rothe Schein am Firmament. Aufsteigende Rauchwolken unterbrachen nur theil⸗ weise die feurige Gluth, auf welche die Blicke sich fort und fort wendeten. Jetzt war der Waldes rand erreicht, vor den Augen der Nachtschwärmer lag das Gehöft des reichen Hüfners Peter Goritz, inmitte des dazu gehörigen, jetzt schon abgemähten fetten Ackers, allein für sich, als genüge es sich selbst. Die Scheune, die Ställe standen in Flammen. Dazwischen sah man das schöne Wohnhaus, dessen Bewohner erschreckt emporgefahren waren und jetzt schreiend und die Hände ringend in fast unbekleidetem Zustande auf dem Felde umherliefen. Die Besinnung schien nur einen Knecht nicht verlassen zu haben, der trotz der Gefahr die Ställe aufriß, um das Vieh zu retten. Auf den ersten Blick war es Jedem deutlich geworden, daß der Brand nicht zufällig entstanden sei, da er an drei verschiedenen Stellen zugleich aufgelodert sein mußte. Vielleicht waren die Augen Gebhard Knaus allein ausschließlich auf die Feuersbrunst gerichtet; denn er wies seitwärts auf eine Stelle des Waldrandes, während er zu seinem Freunde Kurt Blenke sagte:„Schau, da steht ein Kerl unbeweglich an der Lisiere.“ „Kümmern wir uns nicht um müßige Gaffer,“ lautete die Antwort. Die Spritze rasselte durch den Thorweg auf den geräumigen Hof, der von drei Seiten mit brennenden Scheunen und Ställen umgeben war.—„Was zuerst?“ riefen die Nachtschwärmer. „Das Wohnhaus schützen!“ kommandirte Gebhard Knaus.„Der Giebel dort raucht schon. An die Pumpen!“ Der Wasserstrahl traf die bedrohte Stelle; aber so kräftig die jungen Leute arbeiteten, die Gewalt des Elementes war größer, um so mehr, als die Hitze den Hof zu verlassen nöthigte und die Kräfte der ruhelos Thätigen erschlafften. Inzwischen langte auch die eigentliche Spritzenmannschaft an. Auch Hilfe aus den nächsten Dörfern traf ein, als der Dachstuhl des Wohnhauses zu brennen begann. „Vielleicht gelingt es uns, noch einiges Hausgeräth zu retten,“ meinte der Brauereiinspektor zu Karl Walter, als sie sich verschnauft hatten.—„Ich bin dabei,“ lautete die Erwiderung. Die Beiden eilten in das brennende Haus und erschienen bald mit einer Lade wieder. Als sie damit auf dem Felde anlangten, rief Frau Goritz ihnen zornig zu:„Die Truhe hättet Ihr auch verbrennen lassen können; die gehört dem Alten, der sich nun schon acht Tage fern vom Hause umhertreibt.“ f Die jungen Männer stutzten; ihnen war Peter Goritz als ein mäßiger und häuslicher Bauer bekannt. „Ja, ja,“ stimmten die beiden Töchter der Mutter bei,„die Lade konnte verbrennen.“ Der Ton erbitterte Gebhard Knaus. ist, rege ich keinen Finger mehr.“ Dann wandte er sich an Kurt Blenke. reiten, hier erblüht uns nur Undank.“ Als sie zurückritten, bemerkte Knaus wieder den Mann, der un— verwandt von derselben Stelle, die er früher inne hatte, dem Feuer zuzuschauen schien. Die Beiden hielten jetzt auf ihn zu und er— kannten beim Näherkommen den Hufner Peter Goritz; doch lebte er nicht mehr— er hatte mittelst eines Strickes seinem Leben ein Ende gemacht. Die Entdeckung lenkte um so mehr die allgemeine Aufmerksamkeit auf den Teodten, als jeder die Nutzlosigkeit des Löschens und Rettens einsah. Die Scheunen waren heruntergebrannt, das Wohnhaus stand in Flammen und der einzige Brunnen versagte. Man lief zusammen, schnitt die Leiche ab, und ein anwesender Barbier schlug vergebens an dem schon Erkalteten die Ader. Während dies geschah, hatte Gebhard Knaus seine Blicke auf die Frau und Töchter des Todten gerichtet. Er sah sie die Achseln zucken; doch machte keine von ihnen eine Bewegung, sich der Leiche zu nähern. Sie hatten sich auf die Trümmer ihrer Habe gesetzt und schienen diese, Möbel, Betten und dergleichen zu bewachen. „Wenn es also gemeint „Komm', laß uns zurück— von Peter am meisten geliebt, so daß die beiden Andern sich zurück. „Hier scheint sich eine Tragödie abgespielt zu haben,“ meinte der Braumeister zu seinem Freunde.. „Oder noch zu spielen,“ versetzte Kurt Blenke. nach Hause.“ 5 g Thatsächlich hatte das Trauerspiel, das in jener Nacht sein furcht⸗ bares Ende erreichte, schon bereits vor mehreren Jahren in dem Gehöft des todten Hufners begonnen, wie sich aus einer Schrift ergab, welche die Leiche in der Rocktasche trug, und in welcher der Dahingeschiedene seine That zu rechtfertigen bestrebt gewesen war. „Reiten wir Peter Goritz war schon ein reicher Mann, als seine erste Frau starb, die ihm nicht nur Vermögen, sondern auch Arbeitsamkeit und Sparsamkeit zugebracht hatte. Ergriffen saß er an ihrem Sterbe— bette, ihre abgemagerte Hand mit seiner sonnverbrannten liebevoll umschließend. Da zuckte sie zusammen. 5 „Was hast Du?“ fragte er sie.„Willst Du Arznei?“ Sie schüttelte den Kopf.„Mir kam nur soeben etwas in den Sinn,“ erwiderte sie. „Und was ist das?“ fragte er weiter. Sie athmete tief auf, dann entgegnete sie:„Peter, Du bist mir stets ein lieber Mann gewesen, wir sind mit einander alt ge— worden, und ich dachte oft, daß man uns zusammen hinaustragen sollte, die Füße voran. Das soll nicht sein, Du wirst noch viele Jahre leben. Wohl; doch, Peter, das Eine versprich mir, Dich nicht wieder zu verheirathen. Unsere Töchter sind erwachsen, es thut nicht gut, daß Du ihnen eine Stiefmutter giebst.“ Peter blickte die Sterbende an, dann gab er ihr das Versprechen, sich nicht wieder zu verheirathen und seinen drei Töchtern keine Stiefmutter zu geben. Das schien ihr wohl zu thun, und sie starb beruhigt. Die Verstorbene hatte ihrem Manne im Laufe der Jahre acht Kinder geschenkt; fünf derselben waren ihr aber vorausgegangen, und nur die Aeltesten, Marie, Anna und Gertrud zurückgeblieben, von denen Anna damals zwanzig, Marie achtzehn und Gertrud sechszehn Jahre zählte. Letztere war die Hübscheste und wurde auch gesetzt meinten. Die Mutter hatte Alles auszugleichen gesucht; als sie jedoch gestorben war, fehlte das besänftigende Oel aaf den er⸗ regten Wogen des Unwillens, der je länger desto mehr in Haß überging. a f Gertrud ahnte nicht, daß die Schwestern ihr übel wollten, und ahnte sie es, so fürchtete sie doch nichts, besaß sie doch die Liebe ihres Vaters. Da kam ein Moment, in dem Peter's Zuneigung zu seiner Tochter plötzlich erlosch. Schon früher hatten Marie und Anna ihm zugeraunt, daß Gertrud eine Liebschaft zu haben scheine; doch wollte er davon nichts wissen. Das Kind— so nannte er die jetzt Achtzehnjährige— wisse nicht, was das sei, auch sei sie 1 ihm zu sehr zugethan, um noch eine andere Zärtlichkeit zu empfinden. 4 Die beiden ältesten Mädchen meinten, sie allein seien ihm zu— gethan, er irre sich in seinem Liebling. a Der durch dergleichen Reden aufgereizte Vater ließ nun Gertrud kommen und fragte sie, wie es mit ihrem Herzen stehe, und ob die Schwestern Recht hätten. Das schöne Mädchen vertheidigte sich nicht, sondern erklärte kurz und bündig mit gesenkten Augen und hochrothen Wangen: sie habe den Jagdgehilfen Ferdinand Rasch im Walde ge— troffen, darauf habe der sie an die Hand genommen und ihr in N 8 das Auge geschaut, und dann seien sie sich um den Hals gefallen und hätten sich Treue gelobt, wollten sich auch, sobald Ferdinand Rasch eine Försterstelle erhielte, wozu nahe Aussicht vorhanden sei, heirathen. So einfach und rührend Gertrud dieses Bekenntniß ablegte, so versetzte dasselbe den Vater in wilden ungerechten Zorn. Er nannte sie eine schamlose Dirne und fragte, ob sie nicht an ihn, den alten Mann, gedacht habe, den Vater, der sie stets geliebt habe. Unter Thränen gestand Gertrud, daß dies nicht der Fall ge⸗ wesen sei. Des von den ältesten Töchtern schon aufgereizten Vaters Wuth kannte keine Grenzen; er überschüttete das liebende und wahrheits⸗ getreue Mädchen mit einer Fluth der niedrigsten Schimpfworte, schlug sie auch und jagte sie endlich aus dem Hause.. Höhnisch schauten Anna und Marie der Versteßenen nach, die schluchzend, mit zerschlagenem Angesicht, das Gehöft des grausamen 5 er u 50 e⸗ ol en itk⸗ 1 0 und unbarmherzigen Vaters verließ, über den jedoch bald die Ver— geltung hereinbrechen sollte. Gertrud flüchtete sich zu dem Geliebten, der sie bei einer Ver⸗ wandten unterbrachte, bis er ihr nach einem Jahre die Hand zum Ehebunde reichte. Er ersuchte damals Peter Goritz um den väter⸗ lichen Konsens und empfing denselben ohne ein versöhnliches Wort, obgleich der alte Hufner seine Heftigkeit und Ungerechtigkeit bereute. „Gut,“ sagte Ferdinand Rasch zu Gertrud,„gut, daß ich Dir nicht erlaubt habe, den unsinnigen Alten aufzusuchen. Ich glaube, er hätte sich wieder an Dir vergriffen.“ Das war nicht zu befürchten gewesen; hätte die Tochter sich im Gegentheil genaht, so wäre eine aufrichtige Versöhnung erfolgt. Durch Gertrud's Fernbleiben erhielten die älteren Töchter völlige Gewalt über den Vater. Um sich der zu entziehen, glaubte Goritz in einer zweiten Ehe das geeignete Mittel zu finden. Seine Augen fielen auf die fünfundzwanzigjährige Sabine Stein. Er wandte sich an deren Mutter, statt sich mit ihr selbst auszusprechen. Die Mutter sah in der Heirath mit dem reichen Manne ein großes Glück für ihre Tochter. Sabine mußte ihrer Neigung für einen jungen, armen Bewerber entsagen. Mit Grimm und Feindschaft im Herzen reichte sie Peter Goritz die Hand und bestimmte ihn, im Bunde mit ihren Stieftöchtern, bald darauf, obgleich diese noch nicht verheirathet waren, ihnen das Gut zu überlassen. Von dem Augenblick trat eine furchtbare Wandlung ein; aus den Schmeichlerinnen wurden Despotinnen. Die Knechte, die zu ihm hielten, wurden entlassen, neue in Dienst genommen, denen man sogleich auftrug, sich rücksichtslos gegen den„unvernünftigen Alten“, wie die drei Weiber ihn hießen, zu benehmen. Peter Goritz suchte vergebens das Joch zu brechen; jede Be⸗ mühung führte ihn nur noch in schwerere Sklaverei. Knirschend innerlich, äußerlich sich fügend, sann er Tag und Nacht, sich aus den unwürdigen Banden zu befreien. Endlich vertraute er sich dem Pfarrer, der ihm die Sache zu ordnen versprach, auch wirklich auf dem Hofe erschien. Hier kamen ihm die drei Weiber mit freund⸗ licher Heuchelei entgegen, bestritten die Aussagen des Vaters, der schwach und schon seit Jahren halb irrsinnig sei, wie das auch schon sein Benehmen gegen Gertrud bewiesen habe. Dabei berief sich die eine Schwester auf das Urtheil der andern und Frau Sabine auf das ihrer Stieftöchter, so daß der würdige Geistliche sich un⸗ willig über Goritz entfernte. Kaum war dies geschehen, so eilten die drei Frauen zu dem Unglücklichen und überhäuften ihn mit Vorwürfen, ja Frau Sabine schlug ihn in das Angesicht und zwang ihn, Abbitte zu thun. Die Mißhandlungen der unnatürlichen Geschöpfe steigerten sich von Tag zu Tag, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr. Die drei Frauen drohten ihn in das Irrenhaus zu bringen. Da übermannte ihn die Verzweiflung, er entfloh und irrte eine Woche im Walde und auf der Haide umher. Der Gedanke, sein Leben zu enden, bemächtigte sich seiner mit immer größerer Gewalt. Ja, ich will sterben,“ rief er aus;„aber zuvor will ich Rache. Nichts soll den Schändlichen von ihrem Raube bleiben.“ In einem Wirthshause verfaßte er, da er der Führung der Feder nicht gewohnt war, mit großer Mühe die Schrift, die ihn rechtfertigen und die Seinen anklagen sollte, steckte sie dann in die Brusttasche und schrieb noch einen Brief an die jüngste Tochter, in dem er sie um Verzeihung bat. „Was habt Ihr da Alles geschrieben!“ fragte der Wirth. „Eine Bittschrift und eine Anklage,“ lautete seine Antwort. Er bezahlie dann die Zeche und verließ den Krug, um bei einem Seiler einen Strick und bei einem Kaufmann Zündhölzer und Schwefelfäden zu kaufen. Das war gegen Abend um neun Uhr. Seitdem sah Niemand ihn lebend mehr. In drei Stunden mußte er zwei Meilen zurückgelegt und mit der Ausführung seines Rache⸗ planes nicht gezögert haben. Mit den Räumlichkeiten des Hofes wohlbekannt und von den Hunden nicht verrathen, wurde es ihm leicht, Feuer zu legen. Nur in das Wohnhaus hatte er sich nicht gewagt. Als die Flamme aufschlug, legte er sich die Schlinge um den Hals, um im Anschauen seines untergehenden Eigenthums zu sterben. Als die Schrift in dem Dorfe bekannt wurde, ergrimmte die Bauernschaft der Umgegend gegen Sabine und die Töchter, deren Nichtswürdigkeit Gertrud aus dem Hause getrieben und des eignen Vaters Tod verschuldet hatte. Von Verwünschungen verfolgt, ver⸗ mochten sich die drei Frauen vor dem allgemeinen Zorne nur durch die Flucht zu retten. Man sah sie in der Gegend nicht wieder. Das Feld verwilderte, bis Gertrud und ihr Gatte es in Besitz nahmen und so dem allgemeinen Drängen nachkamen. Man schoß ihnen auch das Geld zum Wiederaufbau des Gehöftes vor, was sie bald in die besten Verhältnisse brachte. Auf dem Kirchhofe des Dorfes erhebt sich aber die Grabstätte des Hufners Peter Goritz, ein einfaches Sandsteinmonument, auf dem die Worte stehen: f „Dem Lear des Dorfes von den Nachtschwärmern.“ Die Inschrift rührt von dem Braumeister Gebhard Knaus her. Lose Blätter. Allein in der Welt.(Siehe Illustration.) Der königsberger Genre⸗ maler Knorr sucht in der kleinen Personengruppe, welche den nahenden Eisenbahnzug erwartet, die Wehmuth und das Leid Heimathloser zum Aus⸗ druck zu bringen. Das junge, schwarzgekleidete Mädchen wird wahrscheinlich durch den Tod der Eltern aus einem warmen behaglichen Nest getrieben. Die Blumen in ihrer Hand sind vielleicht auf Gräbern gepflückt oder be⸗ deuten ein letztes Liebespfand von treuen Freunden. Ihr thränenschwerer Blick ruht so traurig auf der Schienenstraße, als wolle sie sagen:„Bald trägt mich der brausende Zug fort von dem einzigen Orte der Welt, an dem ich glücklich war. Wohin mich mein Schicksal auch führt, nirgends wird mir ein Glück erblühen, wie es die schönen Tage der Kindheit im Elternhause gebracht!“ Das schlanke Mädchen im Trauergewand ist wohl zum ersten Mal im Leben genöthigt, unter fremden Menschen sein Brod zu suchen, und da schleicht sich jetzt schon jenes tiefe Weh in ihr Herz, für welches der Deutsche den bezeichnenden Ausdruck„Heimweh“ gefunden hat. Ihr zur Seite aber hält ein alter Jude aus den Ostseeprovinzen mit seinem Töchterchen und beide starren so trübe in die Welt, daß mau wohl errathen kann, sie lassen keine schöne Heimath hinter sich. Als Wandervögel ziehen sie über die Erde und suchen das Glück. Sie scheiden vielleicht ohne Be⸗ dauern, aber wie ein Schatten breitet sich der Gedanke über ihre Seele: „Was bringt uns die nächste Zukunft?“— Wohl dem, der eine schöne Heimath hat, der nicht allein durch die Welt zu jagen braucht im heißen Kampfe ums Dasein. Mag die Fremde dem Auge viel Schönes und Neues bringen, das Herz des Menschen wurzelt in der Heimath, und ewig wahr bleibt der nordische Spruch: Besser ist's, im Heimathland Wasser aus dem Schuh zu trinken, Als in einem fremden Land Honigseim aus goldner Schaale. K. E. Die Granate. Die Einnahme von Schweidnitz durch Friedrich II. am 9. Oktober 1762, wodurch sich das ganze Schicksal dieses letzten Feldzuges des siebenjährigen Krieges entschied, wurde durch einen ganz unbedeutenden Zufall herbeigeführt resp. gefördert. Ein junger, zur preußischen Armee be⸗ rufener Feuerwerker, der eine siebenpfündige Haubitze in der zweiten Pa⸗ rallele bediente, bemerkte, daß auf der einen Seite eines angegriffenen Forts laborirt wurde. Diese Arbeit verrichteten die feindlichen Artilleristen, die bei offener Thür einer den Pulvervorrath enthaltenden Kasematte Kanonen⸗ Kartuschen verfertigten, während die Besatzung des Forts sich, des starken Regens wegen, in die daran stoßenden Kasematten zurückgezogen hatte.— Er richtete daher sein Geschütz nach diesem Punkte, und hatte das Glück, daß die Granate gerade innerhalb des Wallganges vor der Kasematte nieder⸗ fiel, beim Krepieren das Pulver anzündete, und so die ganze Seite mit der Besatzung in die Luft sprengte. Die Festung ergab sich gleich darauf. M. Heldenmüthige Weiber. Im Jahre 1812 nahm der spanische General Goyenochi die im Freistaate Buenos⸗Ayres gelegene Stadt Coshabamber mit Sturm. Dem blutdürstigen Tilly in Magdeburg gleich, wütheten er und seine mordsüchtigen Soldaten drei Tage in der unglücklichen Stadt. Eine Anzahl Frauen und Mädchen waren auf den Wällen mit den Waffen in der Hand gefallen.— Um das Gedächtniß dieser Heldinnen zu ehren, wurden noch bis in letzter Zeit bei den Regimentern, in deren Mitte sie gefochten, bei jedem Appell ihre Namen verlesen, und die Hauptleute der Kompagnien antworteten dann mit gesenktem Degen:„Gefallen auf dem Bette der Ehre für Freiheit und Vaterland!“ II. Allgemein wurde eine schöne Gegend von einer Reisegesellschaft be— wundert. Ein Mitglied derselben setzte sich zuletzt auf einen Stein, zog sein Frühstück hervor und begann zu essen.„Wie kann man bei einem so entzückenden Schauspiele an das Essen denken,“ rief eine Dame. Die Er⸗ widerung des Essenden lautete:„Mein guter Appetit beweist mir, daß ich mich an diesem Schauspiele nicht s attsehen kann.“ W. G. * 18 * 15 77 1 11 0 7 JJ = 80 3 Neg. Schach. 5 8 de. Problem Nr. 437 ö je⸗ 3 freund den wärts den schatz g doch von W. Steinmann in Parchim. lich j ich i d 1 3 0 ee u je⸗ reich“ in er au'n, ler⸗ frei. 7 „ 7. 0 dem brust ne an fen je, 2., 5 b sich N ge⸗ rech- 5 je ten 5 je⸗ ten je- bei sicht :! ö trau⸗ dein ccrn er⸗ währ“ bald im nem 2 5 3 * doch 1 der. herz 8 ver⸗ ö kei⸗ 0 be⸗ hat 2— Zweisilbige Charade. Hinten rund und vorne rund, Keinen Kopf und doch'nen Mund. Rechts ein Bauch und links'nen Bauch, Ohne Beine lauf' ich auch. Oben breit und unten breit, Durch und durch voll Seligkeit. Magisches Quadrat. Die folgenden Buchstaben: 0„ e D 5 0 8 0 E sind so zu ordnen, daß sie von links nach rechts und von oben nach unten gelesen, in den korrespondirenden Reihen gleiche Wörter bilden. 15 vier Reihen geben folgende Wörter: 1. Fruchtbaren Ort in der Wüste. 2. Einen Gott. 3. Bezeichnung des Geldes für geleistete Dienste. 4. Ein Weltkörper. Hhomonym. Ich bin ein Körpertheil, am Menschen und am Thier, Auch streb' ich stolz empor im grünen Waldrevier. Logogriph. Ich bin ein spielend, heit'res Kind, Wohl dir, wenn ich Dir mitgegeben, Ich scherze Dich durch's ernste Leben, Und Grillen meine Feinde sind. Fehl' ich beim Mahl, fehl' ich beim Feste, So sitzen stumm und steif die Gäste. Doch denke nicht, weil ich so hold, Die Mehrzahl bringe gleiche Freuden,* Sie ist die Quelle bittrer Leiden, In Blei verwandelt sie das Gold, Kommt schadenfroh an guten Tagen, Gleich bösen Geistern Dich zu plagen. Auflösung der dreisilbigen Charade in voriger Nummer: Taschengeld; — des Silben-Räthsels: Karlsruhe. 2. Eboli. 3. Inn. 4. Niccolini. 5 Missunde. 6. Eduard. 7. Normandie. 8. Schröder. 9. Carlow. 10. Holtei. 11. Wachtel. 5 Isel. 13. Lucretius. 14. Laufach. 15. Ebro. 16. Tarlatan. Wallace. 18. Artot. 19. Saratow. 20. Werra. 21. Elbrus. 92, Memultg 23. Drake. 24. Eli. 25. Nanou. Kein Mensch will etwas werden, ein jeder will schon etwas sein;— der viersilbigen Charade: Regenbogen. ee 7725 2 a ren N Weiß 5 Weiß zieht an und setzt mit dem dritten 905 Matt. e, 2 , 7 0 Partie Nr. 251, gespielt am 22 August v. J. auf dem Jubiläumsfeste des Kölner Schachklubs Weiß: A. Flad aus Wiesbaden Schwarz: Rittmeister Taistrzik aus Köln 1) e2—e4 1e 22) Ke2—d2 g7—g5 0 2) 81-13 SbSs c 23) 707 b7: b7—-h6 3) LI bo d7- dé 24) g2—g3 f4—g3: 4) 42-44 LeS-d 25) 52-3: 86315 5) 0—0 LfS-e? 26) To7-a7.8) St5—g3: 6) 8b-es 8g8—f6 27) Jal-g1 8g3—e2 7) TfI—el 6—0 28) 7JgI—el 8Se2—d4 8) Lb-e Ld7-c: 29) Tele 7s) Sd4- 3 9) d4—e5 dé-es: 30) Kdæ-— es 813—h4 10) Dd-ds TaS- dds: 31) Ke3—f2 Tes- I8 11) Sf3—e5 Leé e: 32) K2—g1 11816 12) Sc3—e4 S6—e4: 33) Tei—g7 KgS 8 13) Se5 431) 7151 34) Tg 7-7 KI8—g8 14) 12—13 Le7- cb? 35) 147—g77 Kg8—18 15) Kg fl Leb- b 36) az a7, TdS dals) 16) Lel—e3 2) Lb6 es: 37) 8d3—12 Sh4—f3 17) Tel—es Se4— d 38) Kgl- g2 1d4—d2 18) b2—b3 15—4 39) Jg7—7 8fs—h4 19) Tes—e7 8d6 15 40) Kab! Kf8—g81 20) Te7 er: St5— e371 Remis. 718—e8 21) Kl—e2s) 5 1). war Lf4 und auf den Rückzug des Springers(nach ks oder de) 14) Setz! 6 15) Te7 c,. 2) f3- el: hätte Weiß keineswegs Vortheil gebracht, da nach 16) es fest 17) Ste 8 18) 85 25 der Offizier zurückgewonnen wurde. 8) Weicht der König nach 12 aus, so folgt 802: 22) Te: Tag: 4) Den Bauer 22 zu nehmen, ist jetzt eben so wenig statthaft 15 im nächsten Zuge, Wei würde mit Tei antworten. 5) Weit besser als 88—g4 oder 781, worauf Sd gefolgt wäre und der Bauer 13 oder 2 verloren wäre. 6) Test kam sehr in Betracht, z. B. 2) Test Tes 80) Sei Teer 31) Kds Tel: 82) Kdaf 152 93) Tas TgI 34) fi und Weiß n 7 Auf ses hätte Schwarz das Matt wie folgt erzwungen: 33). Ida 37) Kh2 7: 35) 5 Thi 3% Kg fa 4% K 5 88 41 Kgé Ses Matt auf Ses, dagegen würde 85 n 37) Kh2 772 3% Kg 732 40) Kh5 Stör(oder 18, die Entscheidung gebracht abe! 5 8) Schwarz droht mit 7g und Matt in wenigen Zügen, der Springerzug nach 2 ist somit oa 2 Aus der Schachwelt. Dem in der Generalversammlung der Berliner e chaft vom 11. Januar d. J. erstatteten Jahresberichte sind die folgenden Angaben über erein entnommen. Die Schachgesellschaft zählt gegenwärtig 86 Mitglieder, zu denen noch als e die Herren Jean Dufresne in Berlin und S. Winawer in Warschau hinzukommen. Vorstand 1 aus den Herren E. Schallo pp, Vorsitzender; B Richter, Stellvertreter des Vor⸗ sitzenden; L. Keferstein, Schatzmeister; E. Pinner, Schriftführer; C. Ahlhausen, 8 thekar. Die Mitglieder kommen jeden Dienstag und Freita Abends von 6 Uhr ab im Architektenhaus⸗Restaurant, Wilhelmstr 92 93 zusammen Der Jahresbeitrag beträgt 12 Mark, das Eintrittsgeld 3 Mark. Jahres sind zu erwähnen: zwei Klubturniere, in deren erstem die Herren Caro, Specht, Schallopp, Renneforth und, Pinner in der angegebenen Reihenfolge Sieger blieben, 12 gleichzeitige Korrespondenzpartien gegen die Leipziger Augustea, die schon bis 1115 40. Zuge fortgeschritten sind ein Blindlingsspiel des Herrn von Bardeleben vom 16. vemder mit dem für den Blindlingsspieler rühmlichen Resultate von vier gewonnenen, einer unentschiedenen und nur einer verlorenen Partei, eine Simultanproduktion vom 30. November, in welcher* Schallopp etwa die Hätfte seiner 5 Gegner besiegte, und eine 71 e partie am c d zwischen den 9 Schallopp, Caro, Seifert und von Hiller Weiß), von Bardeleben, Alexi, Pinner und ee— die mit dem Siege der Anziehenden endigte. Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Vütowstr. 105— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105 Von größeren Veranstaltungen des Vereins während des verflossenen J 1