zu den Oberhessischen UMachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den 4. Dezember. Im Hause des Grafen Isenreut hatte vom frühen Morgen an eine allgemeine Verstörtheit geherrscht. Der Herr des Hauses sah ungewöhnlich majestätisch und dazu finster wie eine Gewitter— wolke aus. Komtesse Helo und Baronesse Maria weinten, Kom⸗ tesse Elma schien sehr erzürnt auf Beide; Gräfin Paula kehrte von ihrer Morgenfahrt in der übelsten Laune heim, und dann wieder gab es heftige Scenen mit Onno von Hooglander, mit Maria, mit Helo;— die Dienstboten steckten unruhig und voll Neugier die Köpfe zusammen, horchten, flüsterten und versäumten die täg⸗ lichen Pflichten, worüber dann wieder neue ärgerliche Scenen ent⸗ I standen. „Just als wären sie Alle verhext!“ sagte der Koch, dem man das Frühstück unberührt wieder zurückschickte. N Und in diese Zustände hinein fiel nun die Nachricht, Fräulein Lätitia habe ein Schlagfluß getroffen. Was sie später von der Meipeter erfuhren, war für Graf Bolko ein neuer, bitterer Verdruß, und als dann der Arzt Lätitia's sich gegen Abend dahin vernehmen ließ, daß die alte Dame noch ge⸗ gnaesen könne, war Onnod der Einzige, der sich ehrlich darüber freute. Soweit es sein Dienst erlaubte, blieb er an ihrem Bette, wo der Arzt ab und zu ging und günstige Symptome fand. Onno fand in dieser Nacht, die er in Lätitia's Zimmern ver⸗ brackte, vollauf Zeit, nachzudenken über seine Lage, über alle die scharfen Worte, die Graf Bolko ihm im Zorn entgegen geschleudert, und über die Absicht desselben, ihn und Helo zu trennen, nicht nur, indem er und Gräfin Paula der Verlobung der Beiden ent⸗ schieden ihre Anerkennung versagten, sondern auch in räumlicher Hinsicht, da sie gedroht, Helo sofort in eine Pension zu schicken. Onno hatte seinem Burschen Befehl gegeben, nicht aus seinem Zimmer zu weichen und ihm jeden ankommenden Brief zu jeder 0 Stunde— bei Tag oder Nacht— zu bringen. Aber die er⸗ hofften und sehnlich erwarteten Zeilen von Helo blieben aus. Als er am andern Morgen früh zum Dienst hinaus ritt, sah er auch vergeblich nach ihrem Fenster empor. Sie, die sonst fast niemals verfehlte, ihm von dort den Morgengruß zu winken, er⸗ schien nicht. 5 Der Kopf war ihm ganz wüst und wirr von der so unerquick— lich durchwachten Nacht. ö 5 „Sie dürfen sich ohne meine Erlaubniß vor der Patientin nicht zeigen, wenn das Bewußtsein ihr wiederkehren sollte,“ sagte ihm der Arzt, setzte aber zutraulich hinzu:„Ich kenne die alte Dame zwar und weiß, daß sie ihren Haß mit Vorliebe gehegt und ge⸗ pflegt hat;— aber ich weiß auch, wie ihr verbittertes Herz an Ihnen hängt,— und was ich vermag, werde ich mit Freuden zu Gunsten ihrer Liebe thun. Bin auch'mal jung gewesen, Herr Eine gute Vartie. Roman von L. Haidheim. (Fortsetzung.) von Hooglander, und habe nicht vergessen, wie mir damals um's Herz war!“ Onno hatte herzlich des liebenswürdigen Mannes Hand gedrückt. — Jetzt galt es den Dienst und davor mußten alle anderen Ge— danken einstweilen in den Hintergrund treten. Maria hatte bei der Nachricht, die Tante Lätitia sei todt, für einige Zeit ihre eigene Lage und die Onno's vergessen. Müde und abgespannt war sie eben von dort zurückgekehrt, als ihr Verlobter gemeldet wurde und sie sich mit einem Schlage wieder an sich selbst erinnerte. Eine heiße Angst überkam sie. „Wahrheit! Wahrheit!“ riefen ihr Herz und ihr Rechtsgefühl. Wahrheit schuldete sie ihrem Verlobten. Aber dann fiel ihr ein, wie kalt und obenhin Onkel Bolko heute früh das Geständniß ihres inneren Zwiespalts als eine Ab— surdidät betrachtet, wie er dann ihre„romantischen Launen“ aber sofort völlig vergessen hatte über der ihn weit tiefer berührenden „Liebelei“ Onno's und Helo's. Er hatte kaum auf ihre Klage gehört; der Groll auf Onno's „Leichtsinn“, auf seinen„Vertrauensbruch“ war allzu neu. Wie konnte Maria sich einbilden, daß er in dieser Stimmung, noch obendrein sie als die Hehlerin betrachtend, sie mit nachsichtigem Verständniß anhören würde.— Jetzt wartete Totzenbach im kleinen Salon auf sie. Angstvoll krampfte sie die Hände ineinander.— Nun der Augenblick da war, schien es ihr unendlich schwer, das auszusprechen, was sie die lange, schlaflose Nacht sich so oft vorgesagt und was ihr da so unwider⸗ leglich richtig erschienen war. Sie raffte sich mit gewaltsamem Entschluß empor und ging, Totzenbach zu begrüßen. Ob sie sprechen wollte,— könnte,— darüber war sie noch völlig unklar. Er hatte ihr am Morgen herrliche Blumen geschickt, jetzt fiel ihr ein, daß das Bouquet unbeachtet in ihrem Zimmer liegen ge— blieben war, den ganzen Tag hindurch. „Welcher Anfang unserer Glückszeit, Maria!— Tod und wieder Tod!“— begrüßte er sie ernst. Sie sagte ihm mit wenig Worten, wie es stand und daß der Arzt noch auf Genesung hoffe. Er ließ sich Alles erzählen und erfuhr nun auch Onno's und Helo's heimliches Verlöbniß, die Art, wie Graf Bolko dasselbe gestern entdeckt hatte— er war nämlich unbemerkt Zeuge gewesen, wie die Beiden sich geküßt— sowie die Aufnahme, welche die Mit⸗ theilungen Tante Paula's bei Lätitia gefunden. Während Maria berichtete, wirbelten ihr die Gedanken an die eigene Situation immer durch den Kopf. 2386. 5 Dann hatte sie geendet und saß, da er schwieg, stumm und unruhigen Herzens neben ihm. Er hatte sie, schon seit er kam, aufmerksam beobachtet. „Du hast keine gute Nacht gehabt, ließest Du mir auf meine Frage sagen, und nun einen schlimmen Tag,“ unterbrach er nach einer Weile die Pause zwischen ihnen. Sie seufzte unwillkürlich tief auf. Mit einer leichten Wendung brachte er Maria's Gesicht dem Spiegel gegenüber und sagte ernst und mit unterdrückter Aufregung: „Maria— sieh Dein Bild! Ist es das einer glücklichen Braut? Die Leiden der Anderen— ihr Mißgeschick kann Dich betrüben;— aber— es ist ein Blick in Deinen Augen, welcher nicht um der Anderen willen klagt! Er redet von einem unfrohen Herzen,— er verräth Dich!“ Sie senkte den Kopf wie eine Sünderin vor dem Ankläger und sagte nichts. Eine namenlose Furcht überkam sie. Sein Gesicht wurde plötzlich ganz fahl,— selbst seine Lippen erblichen; ihr scheuer Blick bemerkte es und sie erschrak davor noch mehr.. Sich ungestüm vor seinem Sitze neben ihr erhebend, lehnte er sich gegen die Säule des Spiegels, in dem Maria eben selbst mit kritischem Blick ihr Bild wenig bräutlich hatte finden müssen. „Auch ich,“ sagte er mit jener Selbstbeherrschung, die ihn kalt scheinen ließ,„habe die Nacht nicht Ruhe finden können, Maria;— glücklich Liebende sollen oft schlaflos sein,— aber die süßen Er⸗ innerungen und Zukunftsträume sind holde Gefährten solcher einsam verwachten Stunden.“ Da sie nicht antwortete, noch widersprach, fuhr er fort: „Mir war das Herz gestern schwer, als ich Dich verließ;— ich wußte selbst nicht, warum?— Erst die Nacht und das Nach— denken haben mir's klar gemacht. Doch dann kam der Tag mit seinem Sonnenschein.— Ich ritt stundenlang hinaus und schalt mich selbst einen Thoren, die Weisheit meines Herzens hypochondrische Schwarzseherei. Heimkehrend erfuhr ich dann, als ich zu Dir geeilt war und Dich nicht traf, die Erkrankung Deiner Tante.— So verging mir der Tag in Sehnsucht nach Dir und in wachsendem Bangen, denn immer wieder raunte der ruhige Verstand mir zu: Sei auf deiner Hut!— Nun, Maria,“— er schritt ein, zwei Mal rasch und erregt im Salon hin und her,—„nun wohl, Maria, die Sorge frißt an meinem Herzen und die Wahrheit will ihr Recht, fordert Klarheit von mir, zu Dir;— von Dir— zu mir.“ Sie saß in grenzenloser Angst und Aufregung vor ihm,— nur fühlend, daß seine Augen sie nicht verließen. Aber in ihr erhob sich plötzlich der Wunsch, er möchte nicht weiter sprechen, möchte nicht diese Wahrheit fordern.— In demselben Augenblick, wo er auf eine Entscheidung drang, fing ihr an zu grauen vor den Folgen,— denn seine klare vornehme Bestimmtheit, diese Energie kleideten ihn gut, machten tiefen Eindruck auf sie, ohne daß sie es sich eingestand. Er hatte wieder einen Gang durch das Zimmer gemacht; dann stand er vor ihr still, ergriff ihre Hand und zwang sie, sich empor zu richten und ihn anzusehen, indem er fortfuhr:„Maria, ich bitte Dich, sei wahr gegen mich! Schone mich nicht, denke, Du ständest vor Gott. Willst Du?“ „Ja!“ hauchte sie ganz überwältigt. „Nun wohl, Maria, Du liebst mich nicht?“ Wie undeutlich, gleichsam erstickt die Frage klang und doch wie gebieterisch. Liebte sie ihn denn nicht? Sie schwankte sichtlich. Ihrem stolzen und offenen Wesen war das nicht gemäß. „Maria, Wahrheit!— Nur ja,— oder nein! Begreifst Du denn nicht, daß ich kein Weib umarmen will, welches mich nicht liebt? Soll ich eine Sklavin an mich ketten, die mit ihrem Herzen — Gott weiß wo, ist?“ loderte er auf. Sie fühlte plötzlich, als dürfe sie nicht„nein“ sagen;— dies Nein wollte nicht über ihre Lippen. „Liebtest Du mich, so hättest Du längst an meiner Brust ge— legen! Sage also: Nein! Sprich die Wahrheit!“ „Nein!“ hauchte sie zitternd. Er schwankte wie unter einem furchtbaren Schlage und sah sie an, als komme ihm diese Antwort doch völlig unerwartet. Er faßte ihre Hand und zerdrückte sie fast in seiner Aufregung.“ an, Beide waren bleich und fassungslos. „Vergebung! Vergebung! Ich—! Es ist—!“ Sie be⸗ reute schon. 4 „Maria! Maria! Ist es so liebe, beglückende Briefe!“ 5 Sie nickte mechanisch.„Mir war auch so um's Herz,“ sagte sie leise. 3 „Dir war—? Und dann?— So findest Du Dich in mir getäuscht? So bin ich persönlich dem Bilde unähnlich, daß Du Dir von mir machtest? Aber Du kanntest mich doch!“ 1 Sie hatte heftig verneinend den Kopf geschüttelt und weinte jetzt leidenschaftlich. „Ah! Es ist ein Anderer im Spiel? Bekenne! Sprich Ich will es!“ Und wieder packte er mit wilder Heftigkeit ihre Hände.„S mich an! Wahrheit! Es ist—? Du liebst einen Andern?“ Sie schwieg. 3 „Weib! Wer ist's? Du, die mir gehört? Und er liebt Dich und Ihr seid im Reinen, während Du mir Liebesbriefe schreibst, mir Treue gelobst?“ 5 „Nein! nein! nein!“ Das war Alles, was sie seiner rasen-⸗. den Leidenschaft gegenüber sagen konnte. Und doch suchte er diese Wuth zu bändigen, die sie aus seinen Augen flammen sah und in seiner Stimme beben hörte. 1 „Nein?— Was nein? Wer ist's?“ Sie schwieg wieder. 2 „Ohne Sorge,— ich thue ihm kein Leid!“ rief er höhnisch. „Er liebt Dich also?“ „Ich— ich weiß nicht— ich glaube—!“ 3 „Du weißt nicht,— glaubst?“ a Maria bedeckte in glühender Beschämung ihr Gesicht mit beiden Händen. Jetzt erst erkannte sie die ganze Mißlichkeit ihrer Lage. Unterdeß hatte Totzenbach hochaufathmend sein Erstaunen üben diese Wendung der Bekenntnisse überwunden. Er sah nachdenklich vor sich hin. Endlich fragte er, ihre bebenden Hände jetzt sanfter, aber immerhin strengen Gesichts, festhaltend:„Du hast einen Andern lieb und mir doch gesagt, daß Du mich allein lieben wolltest. Maria, Du hast mich mit Absicht nicht belogen, noch betrogen,— sonst wärest Du jetzt nicht so wahr—; die Erkenntniß ist Dir also erst kürzlich gekommen? Soll ich den Namen des denn wuhr? Du schriebest mir doch Glücklichen errathen?“ 1 Die Ader auf seiner Stirn war dick geschwollen, seine Augen glühten. 2 „O, nur das nicht! Barmherzigkeit, Totzenbach, schonen Sle mich!“ fuhr sie mit flehenden Mienen empor. l Sie nennt mich schon„Sie“! sagte er bitter vor sich hin. Dann erhob er sich plötzlich; er war blaß wie der Tod, sein Gesicht starr wie aus Marmor gemeißelt. 1 „Ich danke Dir, Maria, für die Wahrheit! Sie schmerzt sehr, — aber ich habe sie gefordert, Du thatest nur, was Recht war. Und so hieße unser nächstes Wort also: Trennung!“ Er stand mitten im Zimmer still und starrte wie betäubt vor sich hin, leise wiederholend:„Trennung! Trennung!“ 5 „O, mein Gott,“ rief sie weinend,„wollen Sie denn gar nicht hören, daß ich Sie nicht betrogen habe? Ich war ehrlich! Ich wollte Ihnen eine gute Frau werden. Ich glaubte, Sie von Herzen lieben zu können— jeder Brief machte mich Ihnen mehr zu eigen.“ 15 „Und dann kam ich,“ unterbrach er sie bitter,„und der ver- schönernde Schleier, den die Entfernung wob, zerriß— und der Adonis—!“ 5 ö „Nein, nein! Aber kann ich denn dafür? Ich weiß selbst nicht, wie—?“ „Dein Herz ist mein Richter, Maria. Kein Wort mehr davon sagte er mit stolzerhobenem Kopfe. Alle Erregtheit, alle H keit war besiegt, seine herrschende sichere Weise allein trat jetzt me noch als sonst hervor. g „Du kannst nicht dafür, Maria! Ich glaube es wohl! ist eben mein Schicksal und ich müßte Dir eigentlich noch da daß Du so ehrlich bist. Verzeihe mir, daß ich es etzt nicht das Erwachen aus meinem kurzen Traum von Glück und Se keit ist allzu bitter.“ 7 Wieder stand er zögernd vor ihr still. Sie blickte ihn 5 2 r 2 r e 2 3 8. N. 387. „Werden Sie mir je vergeben können?“ fragte sie zaghaft. „Ich weiß es nicht, Maria!— Mir ist, als ob ich—! Ich wollte, ich wäre todt!“ stieß er rauh und in leidenschaftlicher Klage heraus. Sie wollte weinend seine Hand ergreifen, aber er entzog sie ihr. Genug! Leben Sie wohl, Maria! Möge Sie Ihr Herz richtig leiten.“— „O, Gott! Was soll ich thun?“ rief sie ganz außer sich. Er verneigte sich stumm und ging, ohne ihren Ruf hören zu wollen. Nie hatte sie ihn so hochgehalten, wie in dieser Minute. Als sie müde und wider ihren Willen mehr als je unzufrieden mit sich, halb schon bereuend, nach ihrem eigenen Zimmer schlich, blieb sie plötzlich wie angewurzelt stehen, ihr Herz hörte auf zu sschlagen und es war ihr, als krampfe es sich unter einer Eisenfaust ziusammen. Aus dem Salon klang fröhliches, helles Lachen von zwei jungen Stimmen zu ihr—. Lornow und Elma! Er konnte so leichten Herzens lachen? 0 Und nun— er unterbrach sich und sang in Tone:„Sei die Meine, holdes Mädchen!“ Maria kannte das kleine Lied;— sie hatte es öfter von ihm gehört und ihr hatte dann, wie seine Augen ihr sagten, dieser Refrain gegolten. Heute war er an ihre Cousine gerichtet. war heute sein Ton. Sie schauerte zusammen, es wurde ihr eiskalt um's Herz. Konnte Lornow so lachen und Uebermuth treiben, wenn er sie wahrhaft liebte, um sie litt? Mit einem Schlage erkannte sie plötzlich sein Wesen, es fiel ihr wie eine Binde von den Augen. übermüthigem Und wie so anders Am nächsten Tage schon wurden in dem Hause des Grafen die Koffer Helo's und Maria's gepackt. Graf Bolko weigerte sich, sein Lieblingskind zu sehen,— ein Zeichen seines höchsten Zornes,— und Helo mußte gegen Mittag unter dem Schutze ihrer einstigen Gouvernante abreisen, ohne die Vergebung ihrer Eltern erlangt zu haben und ohne Abschied von Onno zu nehmen. Die alte Lautenberg war wie immer am Platze, wenn es bei den Isenreut's zu„helfen“ gab, d. h. wenn dort etwas vorging, was ihre Neugierde reizte. Lätitia— Onno— Helo— Maria, alle diese Kapitel hatte sie mit Gräfin Paula gestern Abend bis zwölf Uhr in jeder erdenklichen Variante durchgesprochen— schließ⸗ lich waren beide Damen zu dem Resultat gekommen, daß Helo unter keinen Umständen verlobt werden konnte, ehe Elma ver⸗ heirathet war, wozu sich gerade jetzt so günstige Chancen boten. Arco hatte an Graf Bolko geschrieben, er hoffe auf ein baldiges, hocherfreuliches Wiedersehen mit ihm und seiner Familie; das war deutlich genug, und Lornow schien plötzlich so sehr beeifert um Elma!— War er doch gestern, als Alle wegen Lätitia's sich auf⸗ regten, mit ihr eine volle Stunde im Park spazieren gegangen!— Die Strenge der Eltern gegen Onno erbitterte die sanfte Helo, und weit entfernt, sich lenksam und nachgiebig wie sonst allezeit zu zeigen, weckte sie ihren Trotz und das Gefühl, daß sie um so fester und treuer zu dem gekränkten Onno halten müsse. f Sie und Maria hatten unter vielen Thränen Abschied von ein. ander genommen und zwei Stunden später fuhr diese, statt wie Helo nach dem Süden, mit dem Courierzuge der Ostgrenze des Landes zu. 4 Die alte Lautenberg fühlte gegen Maria den gerechten Zorn einer welterfahrenen, herzenskalten Fran. i ö „Ich fürchte, liebe Maria,“ sagte sie zum Abschiede,„Sie haben eine unverzeihliche Narrheit begangen. Jedenfalls hoffe ich, Sie zu Elma's Hochzeit mit Lornow wiederzusehen. Ei, Sie stutzen? Wußten Sie denn das nicht? Arco hat sozusagen schon um Elma flüͤr seinen Adoptivsohn angehalten und Lornow ist ein liebens⸗ würdiger, aber noch mehr ein kluger Mann! Er wird Karriere machen und Elma neben ihm demnächst als Frau Gesandtin sicher am Platze sein.“ 8 Maria war, als tanzten Häuser und Bäume und Alles um ie.—— Als sie später allein im Koupe saß, hatte sie volle Zeit, darüber nachzudenken, was ihre Mutter zu den Neuigkeiten sagen würde, welche sie ihr brachte. Arme Mutter! Arme Mutter! Wochen waren vergangen. Baronesse Valerie lag seit Maria's Rückkehr apathisch im Bett. Sie klagte nie,— denn wie hätte sie ihre abgöttisch geliebte Maria noch mit einem Vorwurf belasten sollen, die sich ohnehin völlig gedrückt fühlte! Der Arzt machte seine täglichen Besuche und wiederholte immer von Neuem:„Wenn die gnädige Frau nur einmal ihre Energie zusammenraffen möchte zu einem Wollen! Wenn doch nur ein äußerer Anstoß käme!“— Aber ach, nun sie von den neuen Schicksalsschlägen ganz dar⸗ nieder lag, nun kam kein Anstoß befreiender, ermunternder Art! „Das Unglück hängt über uns,— wir sollen kein Glück haben!“ das war ihr Gedanke und wie ein von den Stürmen zerschlagenes Wrack ließ sie sich treiben,— den Tod nicht wünschend, nicht fürchtend,— in dumpfer Lethargie stumm und stumpf daliegend. Maria war in Verzweiflung, aber auch sie ging stumm durch das Schloß, saß meist an der Mutter Bette und zwang sich nur zu einer momentanen, erlogenen Heiterkeit in des Vaters Gegen— wart, denn er mochte keine verstimmte Gesichter und larmoyante Mienen sehen. „Ich habe Dir keinen Vorworf gemacht, liebes Kind, Du hast ganz nach eigenem Ermessen gehandelt, nun sei aber auch mit Dir zufrieden!“ hatte er gleich im Anfang einmal zu Maria gesagt und er forderte ja auch von ihr nur, was er selbst leistete;— sie durfte sich nicht beklagen. Im Uebrigen ging das Leben ganz so fort, wie es vor Maria's Rückkehr gewesen;— die Herren tranken viel und amüsirten sich so gut sie konnten; der Baron fand immer neue Hülfsmittel sich zu zerstreuen und Below schmachtete jetzt Maria an, nachdem die Baronin den Blicken ihrer Hausgenossen unsichtbar geworden. Maria wagte nicht, sich Rechenschaft zu geben über das, was in diesen letzten Winterwochen in der Einsamkeit von Gißra in ihr vorging. Von Totzenbach hatte sie seit ihrer Trennung nicht wieder ge— hört; Onno schrieb, er sei aus der Residenz verschwunden, von einem Bruch zwischen ihm und Maria werde geflüstert, aber da die Verlobung keine öffentliche gewesen, so sei auch dieses plötzliche Ende derselben vielleicht weniger getadelt als willkommen. Onno selbst schien in der niedergeschlagensten Stimmung und voll bitterem Trotz. Seine Versetzung in ein Infanterie-Regiment war beschlossene Sache, seit er den Zuschuß der Tante Lätitia nicht mehr erhielt. Dieselbe war so weit von ihrem Schlaganfall ge⸗ nesen, daß sie ihn durch ihren Rechtsbeistand hatte fragen lassen können, ob er sich ihrem Willen, die Verlobung mit Helo auf— zugeben, ohne Vorbehalt unterwerfen wolle oder nicht. Für ihn konnte es nur eine Antwort geben und Lätitia machte noch an demselben Tage ein neues Testament, worin sie ihn ent⸗ erbte und all ihr Hab' und Gut einer Stistung für Afrika— erforschung zuwandte.— Eine Abschrift dieses Testaments ließ sie ihm zugehen, und damit waren zwischen ihnen alle Beziehungen abgebrochen; aber wie er von der ihm zufällig begegnenden Meipeter erfahren, ging es Lätitia übel genug. Mit gelähmten Gliedern, geistig indeß ganz in der alten Verfassung, verbitterte sie sich immer mehr und wurde ihrer Umgebung eine kaum zu ertragende Tyrannin. Zwischen Helo und ihm war dann eine Beide tief erschütternde Korrespondenz geführt worden;— er gab sie frei,— sie flehte ihn an, ihr treu zu bleiben und schwur mit der ganzen Festigkeit ungeprüfter Herzen, alles Leid mit ihm tragen zu wollen, was ihre Liebe über sie Beide gebracht. g Graf Bolko hatte auch jetzt wieder, trotz der tiefen Verstimmung gegen Onno, mit gewohnter NMoblesse sich dessen allerdings von der Noth gebotenen Entschlüssen widersetzt und seine Hülfe statt der Lätitias angeboten, ohne Bedingungen daran zu knüpfen.— Aber Onno wollte nicht mehr auf„Armengeld“ gesetzt sein;— wie er bitter an Maria schrieb. „Ich quittirte am liebsten gänzlich, aber wovon soll ich leben, — 2388. was thun? Zu betteln schäme ich mich und arbeiten kann ich nicht, bei Euch in Gißra leben und Gnadenbrot essen, das kann ich auch nicht.“ Er hatte Maria trotzdem mit keinem Wort getadelt, als sie Totzenbach aufgegeben.„Du bist ehrlich gewesen,— das ist die Hauptsache;— Du hast Dich nicht dem schnöden Mammon ver⸗ kauft; ich kann Dir nur sagen: Du stehst in meinen Augen um so höher,“ so schrieb er damals, und in einem späteren Briefe sagte er:„Die Lautenberg sprach davon, daß man Dir einen Stiftsplatz aus wirken wolle, damit Du wenigstens ein Nadelgeld bezögest.“ Ja, hatte sie denn auch Recht gethan?— Das Rechtthun giebt Befriedigung, ihr aber war elend zu Muthe; sie hatte den rechten Weg gehen wollen, so mühselig hatte sie ihn sich nicht vorgestellt. Denn seltsam! Sie, welche Totzenbach zurückgewiesen, sie dachte jetzt Tag und Nacht nur an ihn und wie er so würdig und männ— lich in jener Stunde die bittere Wahrheit hingenommen. Wahrheit? Ja,— hatte sie Lornow denn wirklich so sehr geliebt? Das war eine Frage, an der sie sich fast krank grübelte, und sie wußte nun schon längst, daß Selbsttäuschung, geschmeichelte Eitel. keit sie beherrscht, daß Lornow's schmiegsames, sympathisches Wesen, seine elegante Eischeinung sie bestochen hatten und daß sie ihn zu hoch, viel zu hoch, Totzenbach zu niedrig geschätzt. Woher ihr diese Erkenntniß kam? Und kam sie ihr wirklich erst jetzt? Hatte nickt eben der von Lätitia und Tante Paula geweckte Widerspruch viel dazu beigetragen, sie für den ärmeren Verehrer günstiger zu stimmen? Zog nicht ihre eigene Armuth ihre Sympathie auf Lornow's Seite? Diese Betrachtungen ließen sie jetzt nie in sich zur Ruhe kommen und nur eins stand ihr ganz fest, Totzenbach hatte sie mehr, weit mehr geliebt als Lornow, von dem ihr ebenso wenig seit ihrer Abreise ein Lebenszeichen zugekommen war. Wie sie jetzt klarer sah, erschien ihr der Groll, den sie bei jenem Zusammentreffen im Freien gegen Lornow in sich gefühlt, nichts anderes als die laute mahnende Stimme ihres guten Geistes. O, daß sie zu spät,— ach— für ewig zu spät erkannte, was sie in Totzenbach's Liebe besessen! Um ihrer selbst willen litt sie bei diesem Gedanken kaum so sehr als um seinetwillen; sie mußte eben ihre Buße tragen, aber daß sie ihn so gekränkt, ihm so schneidendes Unrecht gethan! Es machte kaum noch Eindruck auf sie, daß sie in diesen Tagen die offizielle Verlobungsanzeige von Lornow und Elma erhielt. Tante Paula schrieb:„Er hat sie so lange schon geliebt.“ Maria lachte. Sie ging einige Zeit darauf im Park spazieren, die ersten Schneeglöckchen und Crocus, Maaßliebchen und Leberblümchen er⸗ blühten im Strahl der Frühlingssonne, der Gärtner und seine Burschen arbeiteten emsig und von der Wiese her erscholl ein lautes fröhliches Hurrah von Knabenstimmen. Der Baron ließ die Dorf— jugend exerziren— er und seine beiden Freunde waren mit vollem Eifer bei der Sache. Maria aber schritt in tiefem Herzweh zwischen den Bouquets umher. Ueberall begann es zu grünen und zu treiben. Eine Geringfügigkeit— eine Magnolia, die über und über voll noch dichtgeschlossener Knospen saß, erinnerte sie an Ehrstein, und von da war wieder der Gedanke an Totzenbach der nächste. „Ich Unselige! Liebe ich ihn denn?“ schoß es ihr plötzlich durch den Sinn. Mit beiden Händen fuhr sie wie verwildert nach den Schläfen und starrte vor sich in's Leere.— Ja, ja,— da war wieder sein Bild, wie er so ernst und traurig sagte:„So leben Sie denn wohl, Munia, ich danke Ihnen, daß sie mir die biltere Wahrheit nicht vorenthalten haben!“— Was kam denn nun über sie, daß sie jetzt erst den Werth dieses Mannes erkannte? War es, weil Lornow sie„sitzen ließ“? Nein! Sie hatte sich nur geschämt, daß sie auf ihn gehört,— Trauer oder Schmerz fühlte sie nicht um ihn, nur die Demüthigung, daß er glauben konnte, sie habe, um ihm entgegen zu kommen, mit Totzenbach gebrochen.— Und nun fiel die Reue sie an. Wo sie ging und stand, bei Nacht und bei Tage, immer klang ihr das schreckliche„Zu spät!“ in die Ohren und immer mehr sehnte sie sich nach dem Manne, den sie verschmäht. Sie las seine Briefe wieder und wieder, sie stellte sich sein Bild vor,— rief sich seine Schwächen geflissentlich in's Gedächtniß— und weinte heimlich glühende Thraͤnen.— Es war ihr, als klinge plötzlich jedes seiner Worte in jener unseligen U Scene von Neuem durch ihr Herz. Damals weckten dieselben kein Echo— und jetzt— in ihrer Verlassenheit, jetzt erst wußte sie, was dieser Mann ihr hätte sein können.— Aus ihrem schmerzlichen Grübeln weckte sie der Diener. Ihr Vater schickte nach ihr. schon lebhaft entgegen. „Ich komme eken von der Mama, Marie, sie meint, in den Bodenkammern müßten ganze Schränke voll alter Uniformen von mir und Deinem Bruder hängen. Wir haben eine reizende Idee gehabt, Kleine, wir wollen die Jungen uniformiren; geh' doch hinauf und lasse den Gottlieb herunter tragen, was Du an alten Uniformen und Jagdröcken findest.— Seit uns die Schrader verlassen hat, muß ich mich an Dich halten.“ Der Baron war wie immer von seiner„Idee“ ganz und gar erfüllt und Marie beeilte sich, ohne Weiteres seinen Wunsch zu befriedigen. a Sie war sehr selten in diese Vorraths- und Rumpelkammern des Schlosses gekommen,— nie mit ernsterem Nachdenken über das, was dieselben den Augen boten. Heute konnte sie nur seufzen über das, was sie dort oben fand. Diese große Mansarde— eine Doppelreihe geräumiger Kammern war über und über vollgestopft mit Sachen aller Art, welche meistens nicht durch Abnutzung unbrauchbar geworden, sondern die man einfach beseitigte, um Platz für neue Anschaffungen zu gewinnen. Und Alles verstaubt und vernachlässigt! Ganze Familieneinrich⸗ tungen hätten sich beschaffen lassen von all' diesen Möbeln und Kunstgegenständen. Je länger sie sich dort oben umsah, um so mehr erkannte sie, wie unverzeihlich man mit dem Gelde umgegangen sein mußte, als man nur der Mode oder Laune zu Liebe diese einst sehr werthvollen Sachen unbenutzt bei Seite brachte. Gottlieb war mit ganzen Bergen von Uniformen und Jagd- röcken, sogar auch mit verschiedenen Maskenanzügen und Onno's Pagenkleidern die Treppen hinabgestiegen; der Baron empfing ihn höchst vergnügt und sortirte unter dem Beistand des eiligst herbei⸗ geholten Dorfschneiders den ganzen Vorrath, indem er seinen Freunden in angeregtester Heiterkeit tausend lustige Erlebnisse erzählte, an welche ihn dieses oder jenes Kleidungsstuͤck gemahnte. Marie wußte, ihr Vater hatte nun tagelang nichts Anderes im Sinne als die Knabenuniformen. Gottlob! Jedes neue Steckenpferd für ihn war willkommen. Beim Thee kam ihr die Erinnerung an den Inhalt der Dachkammer wieder.„Warum habt Ihr die guten Sachen nur nicht verkauft, sie müssen sehr theuer gewesen sein!“ sagte sie. Der Baron zuckte die Achseln. „Du lieber Gott, Kind, wenn man sich das ganze Leben hin⸗ durch fragen sollte: Warum?“— Dann kamen sie auf Anderes zu sprechen. Am nächsten Morgen war der Baron von einer neuen„Idee“ erfüllt. „Marie! Ich habe einen wundervollen Gedanken gehabt. Wir werden eine Versteigerung veranstalten;— der ganze Plunder, von dem Du sprachst, soll unter den Hammer. Die Städter und all' die Dörfler ringsum werden bieten wie toll, wenn sie von unseren Sachen kaufen können! Dann wird auch oben im Hause Platz und ich lasse mir ein Atelier dort anlegen,— ich will wieder malen.“— Dies Letztere war nur ein Vorwand, den er für seine Freunde sich zurecht gelegt. Ihn lockte ganz etwas Anderes: das Geld, der Erlös, den er aus der Versteigerung erhoffte. Seine letzten Versuche, sich wie gewöhnlich Geld zu schaffen, waren sämmtlich fehlgeschlagen. Maria erschrak.— Sie sah den Lärm und die Unruhe für die Mutter mit Schrecken voraus.— Aber sie wagte kein Widerstreben. Der Baron war seit dieser„Idee“ in der besten Stimmung. Da hatte Maria ihn auf eine koͤstliche Manier gebracht, sich Geld zu verschaffen. Ei, ei! Wie viel konnten sie da versteigern, ehe man in dem überfüllten Schloß eine Lücke bemerkte. Als sie im Schlosse ankam, trat er ihr Beschäftigt mit ihren Gedanken und Gefühlen und fast immer ö 1 1 0 N 0 0 — „Se FFFFFFF—————————F————F—FFFFW„FFFWFF—F—F—F——F—FF—F——————————— SFSSSSSSbDbDbDbDUbDUUVfnnf???:? er... 1 e eee F N 8 0 A 390. am Bett der apathischen Mutter sitzend, vergaß Maria dies Alles über den steten angstvollen Versuchen, die Stimme ihres Herzens zu betäuben. So gingen wohl zwei Wochen hin. Ein Theil der Uniformen war fertig und die Jungen sahen nicht nur ganz stolz und glücklich, sondern auch hübsch darin aus. Man exercierte in dem herrlichen Frühlingswetter jeden Tag. Auf einmal begann eine lebhafte Un⸗ ruhe das Schloß zu erfüllen, und als Maria nach der Ursache des Lärmes fragte, erfuhr sie von Gottlieb, die Mansarden würden ausgeräumt und der ganze dort aufgesammelte Hausrath auf die Dreschtenne gebracht, wo die Auktion stattfinden sollte. Zum ersten Male dachte sie wieder daran.— Ganz betäubt von der Nachricht, die ihr wie eine Herabwürdigung erscheinende Versteigerung solle wirklich stattfinden, sah sie selbst nach. Richtig— es war so.— Der sonst so unpraktische Baron ließ Alles vom Staube säubern, putzen und auffrischen, so gut es in der Eile ging, viele Hände waren dabei geschäftig, vom Dorfe waren Frauen hercitirt. Eine heiße Röthe des Zornes und der Scham stieg der Baronesse in's Gesicht. Sie mußte wieder täglich Demüthigungen ihres Stolzes schwei⸗ gend überhören und übersehen, und diese unaufhörlichen Nadelstiche machten sie reizbar, wie sie nie gewesen. Die heutige traf sie bis in's Herz, denn sie wußte sofort, ihr Vater that dies nur, um Geld zu erhalten, von welchem seine Kuratoren und Wohlthäter vor der Hand nichts erfuhren. f Da kam er auch schon selbst. Ein kleiner, dicker Mann von ordinärem Aussehen ging neben ihm her. Beide traten dann in die Scheune und Maria erfuhr von Gottlieb, das sei der Auktionator. Am Abend spielten die drei Herren mit glühenden Augen wieder einmal um Geld, was sie seit Wochen schon aufgegeben, denn sie hatten eben keins mehr. Maria sah, ihres Vaters Hände waren mit Goldstücken gefüllt, sein Gesicht glänzte vor Vergnügen. „Er wird Alles versteigern, was wir haben!“ dachte sie, ob⸗ gleich eigentlich jedes Stück ihres Besitzes dem Onkel Bolko und den Hooglanders gehört.. Anderen Tages mußte ein Ackerwagen zur Stadt geschickt werden. Gottlieb und einer der Verwalter fuhren hinein und brachten Körbe voll Wein, Delikatessen aller Art und tausend Dinge mit, welche der Baron entvehrt zu haben behauptete. Er wollte jetzt ein Fest geben und dasselbe durch ein Liebhaber⸗ Theater verherrlichen. Die Töchter des Pastors, die Verwalter, ein paar andere junge Herren aus der Nachbarschast und vor Allem Maria sollten spielen— die Bekannten von den umliegenden Gütern würden unendlich erfreut sein, einmal wieder mit ihnen in Be⸗ rührung zu kommen. Maria lehnte diesmal ohne jede gewohnte Rücksicht auf des Vaters Wünsche ihre Beiheiligung entschieden ab. Ihr war, Gott wußte es, nicht danach zu Muthe, als erste Liebhaberin darin zu glänzen„und mit diesen Leuten!“ Ihr Hochmuth sträubte sich heftig gegen eine derartige Gemein- schaft und doch schämte sie sich im nächsten Augenblicke dieser Regung, denn wie zart, wie rücksichtsvoll und ehrfürchtig begegneten ihr alle die jungen Leute. Sie war ihnen eine entthronte Königin, aber immer Königin, und als sie jetzt begann nachzudenken, fielen ihr plötzlich tausend kleine unscheinbare Erlebnisse der letzten Wochen ein, in welchen sie diese stille, sie jetzt tief rührende Sympathie mit ihrem Unglück erkannt. Ach, in ihrem hochfahrenden Sinne hatte sie auf diese Men⸗ schen, die„so tief unter ihr standen“, kaum je geachtet. Ein freundlicher Gruß, ein flüchtiges Wort, bei dem sie sich nichts dachte, war Alles gewesen, was sie ihnen gab, und nun erkannte sie plöͤtz⸗ lich, daß jeder Einzelne für sie und ihr Behagen gesorgt, sei es auch nur durch Kleinigkeiten. Dennoch beharrte sie bei ihrer Weigerung wie ihr Vater bei seiner„Idee“. Sie erinnerte ihn daran, daß dies Alles die Mama sehr stören würde, aber eine ärgerliche Antwort von ihm ließ sie dann schweigen. Wenigstens solle sie helfen für die Kostüme zu sorgen— in den Schraͤnken und Koffern oben, habe sie gesagt, liege noch so unendlich viel unnütz gewordener Staat, den solle sie herabschaffen lassen und ihm nicht die armselige kleine Freude verbittern. Seufzend that sie nach seinem Befehl. Es war eben jetzt immer: Ihr Vater hatte sich einfach nicht geändert. Wie konnte sie das auch erwarten? f Sie hatte das beste Streben, sich nicht entmuthigen zu lasser Onno schrieb ihr neulich:„Es ist sehr leicht zu sagen: Ich nehme die Konsequenzen meines Thuns auf mich, ach, aber wenn diese Konsequenzen durch ein ganzes Leben währen—! Und doch, Maria, glaub mir, ich bereue nicht für mich;— wenn man gethan hat, was Recht ist, dann kommt doch trotz Allem ein freudiger Stolz uns zu Hülfe und wir sagen uns, ohne das Recht auf diesen Stolz wäre das Leben ja ein elendes!“ 8 Sie fühlte nichts von diesem Stolz, sie war in der tiefsten Seele zusammengebrochen. f. Wie sich ihre Zukunft gestalten würde, daran wagte sie nicht einmal zu denken. Inzwischen gewährte es ihr zuletzt doch eine flüchtige Zerstreuung,, die lebenslustigen Töchter des Pastors für ihre Rollen mit aus. statten zu helfen.„ Im großen Saale wurde unter Below's Aufsicht eine Bühne gezimmert und am dritten Tage die Auktion gehalten, zu welcher,, wie der Baron richtig spekulirt, die ganze Umgegend gewandert kam. 1 Er selbst war immer mitten zwischen den Leuten. Wie ein Heißhungriger stürzte er sich in das Gewühl, wo er überall alte Bekannte traf, und in seiner Freude einmal wieder Menschen zu sehen, gegen jeden Handwerker, jeden Bauer in der Leutseligkeite seiner früheren Tage sprach, so daß nur eine Stimme der herz- 55 lichsten Theilnahme für ihn in der Menge war. 19 N Seine Standesgenossen nannten ihn unter sich einen„Pracht ⸗ 5 9 kerl“, der nichts dafür konnte, daß ihm das Pech so auf den Fersenn saß; die Benach barten versprachen gerne, zu dem kleinen Feste zu kommen, welches er plante. 34 Von allen Seiten machte man ihm liebenswürdige Vorwürfe,, daß er und die Damen so unsichtbar seien. Er erklärte dies trübe lächelnd mit Valeria's Zustand, der keine Geselligkeit er ⸗ laube;— sie selbst habe aber für Maria eine kleine Zerstreuung gewünscht. Von einem 3 Fenster der oberen Etage aus blickte Maria auf das Gewühl. Sie kannte wenige von all diesen Menschen, aber ihr Vater kam sehr animirt zu Tisch, nachtem der Verkauf vorüber, und er und der Hauptmann saßen noch lange beim schweren Weine. i Das war auch eine von Maria's großen Sorgen— ihr Vater trank aus Langeweile, und zwar auch alle möglichen Spirituosen. Daß ihm dies nicht bekam, war ersichtlich. 2 „Wie oft habe ich ihn gebeten, es zu lassen! Wann hätte er aber jemals auf uns gehört? Du ärgerst ihn nur!“ war die Ant wort der Mutter gewesen.——— 1 (Schluß folgt.). Eine Krokodiljagd. Humoreske von Wilh. Grothe. Die edle Waidmannskunst zieht Unglaubliches groß, und die Geschichten, die der selige Münchhausen seinen andächtigen Zuhörern auftischte, ind nicht das Großartigste, was die gewaltigen Nimrode 5 geleistet haben. So war auch der Forstmeister Panzow nicht nut ein Jäger, der ein ganzes Rudel Wolfe allein zu bestehen der Mann war, sondern auch ein Kriegsheld, der mancherlei erlebt hatte, wovon 8 sich die kühnste Dichterphantasie kaum etwas träumen läßt. Sein eisernes Kreuz, das er sich im Kriege gegen den ersten Napoleon erworben hatte, bewies, daß er kein Feigling gewesen war, und 7 das bestätigte auch mein Onkel Fritz, der von seinem Vater, einem Kolberger, gehört hatte, Panzow habe zu den verwegensten Leuten des Schillschen Korps gehört. Das außergewöhnlich Natürliche war ihm aber zu gewöhnlich, um es der Mühe werth zu halten, seine Lungen deswegen anzustrengen. 5 Nach der Schlacht von Jena war Panzow bis zur pommerschen Festung gekommen, wo er sich dem Kommandanten von Loucad vorstellte und, von diesem zurückgewiesen, in Schills Schaar 5 Aus jener Zeit erzählte Panzow mit Vorliebe, wie er, von Seinen abgeschnitten, drei Tage und Nächte in der zugefroren Persante gestanden habe und so der Gefangenschaft entgangen Bei solchen Geschichten pflegte mein Onkel Fritz im höͤchf 2391].... 1 hinein und war verschluckt. Federmesser das Krokodil von innen zu bearbeiten. wich fast zerdrückt. Rasch entschlossen, ließ auf das Knie gefallen. Maße ernst zu bleiben und sodann auch von seinen Kriegsabenteuern zu erzählen, obgleich er, wie Alle wußten, niemals Soldat gewesen war. Kam ein Dummkopf ihm dann mit einer Frage in die Quer, wie dies und das möglich gewesen sei, so berief sich mein Onkel Fritz auf den Forstmeister, und Panzow ließ ihn nie im Stich, sondern stimmte ihm bei, indem er sogleich eine ähnliche That aus seinem Leben erfand. Eines Tages hatte der Forstmeister erzählt, wie er in Rußland einen Bären mit seinem Taschenmesser überwunden habe, wobei er dasselbe vorzeigte.— Sogleich zog mein Onkel Fritz sein Feder⸗ messer aus der Westentasche und bemerkte einem Ungläubigen:„Wie können Sie zweifeln! Was ich mit dieser Waffe ausgeführt habe—“ hier hielt er das Federmesser hoch—„ist nicht weniger staunens⸗ werth und wahr, als unseres Freundes Erlebniß.“—— „Erzählen! erzählen!“ rief man von allen Seiten, während ein Skeptiker meinte, er habe geglaubt, mein Onkel Friß habe Deutschland niemals verlassen. Dieser warf ihm einen Blick des Mitleids zu, räusperte sich, ohne auf die Bemerkung des Zweiflers zu antworten, und begann: „Als ich vor zwanzig Jahren bei meinem Freunde, dem damaligen Khedive, zum Besuch war, fragte mich dieser eines Tages:„Alter Sohn, hast Du schon einer Krokodiljagd beigewohnt?“ „Was werde ich nicht?“ lautete meine Antwort. „Dann halte Dich morgen bereit,“ ließ sich mein Freund, der Khedive, vernehmen. Am folgenden Morgen zogen wir aus. gepanzerten Eidechsen von sieben Meter Länge aufgetrieben. kam uns entgegen und klapperte unheimlich mit ihren Kiefern. „Alter Sohn!“ rief mir der Khedive zu:„Willst Du es mit dem Burschen allein aufnehmen?“ Sogleich war ich von meinem Dromedar gesprungen und machte dem Fürsten eine tiefe Verbeugung, während ich mein Gewehr bei Seite an eine Sykomore stellte und versetzte:„Ja, ich will dieses Krokodil sogar ohne Schußwaffen mit einem Federmesser allein be— kämpfen.“—„Thu' s!“ sagte der Khedive. Unterdessen war das ungeschlachte Reptil so nahe gekommen, daß ich den Ausdruck seiner Augen bemerkte; es sah mich an, als wollte es sagen:„Das ist mir ein guter Braten.“ Ich leugne es nicht, daß ich in diesem Augenblicke gern nach meiner Büchse gegriffen hätte; aber das durfte ich aus point d'honneur nicht. Nun schoß das Krokodil auf mich zu, daß selbst die erfahrensten Jäger einen Schrei des Entsetzens ausstießen. Da half kein Be⸗ sinnen, ich unternehme einen wohl an drei Meter hohen Sprung, bei dem ich mich wende. Das Krokodil schießt unter mir fort, ich komme so auf den Rücken des Thieres, daß ich nittlings sitze. Damit hatte ich gewonnenes Spiel; denn jetzt begann ich meine Kunst des Zureitens bei ihm zu versuchen. Vergebens wälzt es sich anfangs in dem heißen Wüstensande— ich saß fest; umsonst schlug es mit dem Schweife um sich— ich zügelte es. Der Khedive war entzückt, er rief mir zu:„Vortrefflich, alter Kronensohn! Ganz vortrefflich! Ich werde eine Schwadron Krokodil— husaren errichten, deren Oberst Du sein sollst.“ f Als die Bestle sich in ihr Schicksal gefügt zu haben schien, ließ ich dem Reptil etwas mehr Freiheit, so daß es den Kopf hob und sich umschaute. Du gewahrte es den Nil. Es begann nun einige Liter Krokodilthränen zu vergießen; dann schoß es voll Heimtücke dem Wasser zu, indem es einen eigenthümlichen Ton, der wie das Weinen eines kleinen Kindes klang, ausstieß. 5 In dem Augenblicke erhoben seine Brüder und Vettern ihre Bald war eine jener Sie langen Hechtschnauzen über das Wasser und klapperten vor Ver⸗ gnügen mit den Kiefern, als freuten sie sich des ungebratenen Bratens. Das war ein furchtbarer Moment, in dem meinem Freunde, dem Khedive, die Pfeife ausging. Verlor ich die Be⸗ sinnung, so war ich verloren und wurde mit Haut und Haaren verspeist. Ich verlor sie aber nicht, sondern sprang ab. Die ge⸗ panzerte Eidechse glaubte mich nun sicher zu haben, denn ich war Es rieß seine Kiefern auf, daß sein Rachen wie ein Scheunenthor erschien— zu seinem Verderben; ich schoß Der Rhedive schrie auf, hatte jedoch keine Ursache sich zu ängstigen; denn jetzt begann ich mit meinem Ich that den erst itt, da krampfte sich sein Magen zusammen und hätte 5 1 0 ich dem ersten Schnitt den zweiten folgen und fuhr so fort, bis die personifizirte Heimtücke bis in das Herz getroffen endete und ich aus dem Innern gesund und munter hervorkam. „Bravo, alter Sohn,“ rief mein Freund und wollte mir eine Million schenken, woran ihn aber sein englisch-französisches Ministerium hinderte. Die Million habe ich deshalb nicht erhalten, aber das Ministerium seine Absetzung. Ich war die Ursache und mein Krokodilsieg.“ Nach diesen Worten stand mein Onkel Fritz auf, nahm seinen Hut und verließ die Gesellschaft, die ihm lebhaft Beifall klatschte. Der Forstmeister Panzow sah ihm aber kopfschüttelnd nach und sagte: „Schade, daß unser Freund sich das Lügen angewöhnt— ich glaube von der ganzen Geschichte kein einziges Wort.“ Lose Blätter. New⸗York.(Siehe Illustration.) Es giebt große Hafenorte, wie Neapel, Konstantinopel oder Rio de Janeiro, welche die Metropole Nord— amerikas an landschaftlicher oder pittoresker Schönheit überragen mögen, aber keine Stadt der Welt bietet uns beim ersten Anblick ein so über⸗ wältigendes Bild der Machtfülle, des Reichthums, der Blüthe des Landes und der Größe seines Volkes als Newyork. Wenn der Reisende nach langer Fahrt auf dem offenen Meere den Leuchtthurm von Sandy Hook aus den Fluthen emporsteigen sieht, glaubt er, die ganze Küste müsse flach, kahl und öde sein. Allmählich aber läuft das Schiff in die Lower Bay ein und er gewahrt rechts von dem weiten Wasserbecken das flache aber bewaldete Ufer von Long⸗Island, an dem noch die Wogen des Oceans hinaufrollen und links das anmuthige Staten⸗Island. Die letztgenannte Insel erhebt sich in mäßiger Höhe aus dem Wasser, ist gleichfalls bewaldet, aber an seinen Ufern mit zahllosen Villen und prächtigen Gartenanlagen bedeckt. An manchen Landungsstellen drängen sich die Villen so zusammen, daß man ein Städtchen vor sich zu sehen glaubt, auf der Höhe aber flattern Fahnen von den Thürmen und man vermuthet dort einsame Waldschlösser. Der friedliche idyllische Charakter Staten-Islands wird selbst durch die Batterien des Fort Richmond und Fort Tompkins nicht zerstört, welche die Narrows oder„Engen“, das heißt den Eingang zum eigentlichen Hafen Newyorks beschützen. Hat das Schiff diesen wohlbewehrten Hafeneingang passirt, so gelangt es aus der untern in die obere Bucht und in dieser öffnet sich ihm der Blick auf die gewaltige Metropole des Westens. Die kompakte Häusermasse, welche den Kern dieses ungeheuren Hafenplatzes bildet, liegt auf der Manhattan-Insel, welche rechts vom North⸗River, links vom Hudson begrenzt wird. Aber zur Linken wie zur Rechlken setzt sich in den Vororten Brooklyn und Hoboken die ungeheure Stadt fort und bietet dem einlaufenden Seefahrer ein Panorama von überwältigender Größe und Mannigfaltigkeit. Da steigt das hellrothe Fort Lafayette aus den blauen Wassern des weiten Beckens hervor. Da erhebt sich von dem Bedloe-Inselchen das Riesenstandbild der Bartholdi'schen„Freiheit“, deren Rechte eine Fackel trägt, die weithin mit ihrem elektrischen Licht die Nacht durchstrablt und dem Reisenden wie ein wunderbares Gestirn erscheint; da schimmern ihm die ungeheuren Häusermassen von Jersey Hoboken, New⸗ hork, Brooklyn und Williamsburg entgegen; da drängen sich die Ostindien⸗ fahrer, die Oceandampfer und Dampffähren mit ihren Riesenleibern zu den Landungsstellen hin. Bauten, wie Cityhall, die neue Post, der Marmor⸗ palast des„Newyork-Herald“ und Trinity⸗Church, ragen nur wenig über die ungeheure Häusermasse hervor, aber die Pfeiler der Eastriver„Brücke springen über Kuppeln, Dächer und Schiffe heraus, gleich zwei Giganten über ein Heer von Zwergen. Diese Hängebrücke ist ein Wunderbau der Gegenwart und man staunt bei seinem Anblick und fragt sich, ob Menschen dies Baudenkmal des neunzehnten Jahrhunderts errichten konnten. Im Hafen giebt sich überall die lebhafteste Schifffahrtsbewegung kund; da jagen kleine Lootsendampfer, mit fliegendem Adler auf dem Bugspriet, in das offene Meer hinaus, da ziehen traumhaft die Schooner mit sturmzerfetzter Takelage vorüber, da rauschen Ferry-Boote durch die Fluth, welche schwim. menden Monstre-Hötels gleichen, da brausen mächtige Oceandampfer an dem Standbild der„Freiheit“ vorüber und lassen uns die riesigen Pro⸗ portionen dieses Monuments erkennen: Und je mehr wir uns der Stadt nähern, desto gewaltiger wird die Bewegung, desto größer die Fülle der Erscheinungen. Von der Landungebrücke her vernehmen wir bald ein Brausen, das uns an das Rauschen der Meereswogen im Sturm erinnert. Der Lärm der Millionenstadt dringt an unser Ohr und wenn wir die Quais und Hafenstraßen passiren, so müssen wir uns sagen, daß weder London noch Paris, noch irgend eine andere Stadt der Welt, ein ähnliches Gewühl von Menschen, Wagen und Lastfuhren aufzuweisen hat wie New⸗ york. Dieser Riese des Westens wächst in völlig unheimlicher Weise, ohne etwas von seiner strotzenden Kraft und Lebensfülle einzubüßen. R. E. Unter den Männern von gutem Appetit ragt ein Gärtner Jakob Kahle aus Wittenberg hervor, der im Volke„Freßkahle“ genannt wurde. Schon als dreijähriger Knabe verschlang er Steine, um seinen Hunger zu dämpfen. Als Soldat mußte er bei Einquartirungen für acht Mann ge⸗ rechnet werden. Zum Frühstück verzehrte er ein Spanferkel, zu Mittag einen Hammel sammt den Knochen. Er ließ sich öffentlich sehen— ein Gegenstück zu unseren jetzigen Hungercelebritäten. W. G. Magisches Quadrat. Aus folgenden Buchstaben: A 1 0 1 N 8 1 8 d rter zu bilden und so zu ordnen, daß dieselben, von oben 5 0 55 links nach rechts gelesen, in den korrespondirenden Rechen gleiche Worte ergeben. Die fünf Reihen ergeben: 15— 5 Kabi 2. Ein Raubthier. n 3. Die östliche Zunge der chalcidischen Halbinsel. 4. Tochter des Tantalus. 5. Sohn Jakobs. Arithmogriph. enden Ziffern sind einundzwanzig Worte zu bilden, deren Aus fol f aben, von oben nach unten gelesen, ein bekanntes Sprichwort Auen ergeb 45— Einen berühmten verstorbenen Komponisten. 10 2 1148 5— Einen 5 Kanton. 12 9 13— Pordamerikanischer Freistaat. 5 5 8— Strom im südwestlichen ankreich. 2 5 7— Ein Trauerspiel von Goethe 29 4— Einen männlichen Vornamen. 112 5 4— Verstorbenen Schauspieler und Bühnendichter. 15 12— Einen isrgelitischen König. 19— Einen Edelstein. 19 8 11— Einen Vogel. 8— Verstorbenen berühmten Astronomen. 19— Name eines berühmten niederländischen Malers. 11— Stadt in der Schweiz. 2 218 71— Einen weiblichen Vornamen. 6 8 11 12 14 8 5— Deutschen S anskum 15 15 8 11— Ein militärisches Musikinstrument. 8 6— Eine Pflanze. 9 25— Ein russis. es Gouvernement. 0 20 8 115— Stadt an der Oder. 11 11 12— Ein Musikinstrument. 1 2 2 19 8— Bexühmten Schauspieler der Gegenwart. viersilbige Charade. O, wie lieb' ich doch die ersten Beiden, Wenn in der Natur sie frei sich regen, Ihre Töne sanft das Herz bewegen, Lind'rung bringend uns für Gram und Leiden. Oft beneid' ich der zwei Letzten Freuden, Die, beschirmt vom reinen, blauen Himmel, Kennen nicht das wilde Weltgetümmel, Die stets Glanz und falsche Ruhmsucht meiden. Freiheit, der Erschaffnen höchste Wonne, Sollte Jedem auch beschieden sein; Jedem Wesen läch'le ihre Sonne, Darum sei auch nie das Ganze mein. Auflösung des Homonym und Logogriph in voriger Nummer: Flügel, Lüge;— des Kapsel⸗Räthsels: 1. Unser. 2. Sieg. 3. Stein. 4. Thal. 5. Uri. 6. Reigen;— des Logogriph: Pfeffer, Pfeffel;— der Königs- promenade: Raum braucht der Strom der Gegenwart, Was ausgelebt, muß untergehen; Des Himmels Maͤchte wollen hart Ein ewig Sterben und Verwehen. Auch mein war einst ein gold ner Tag, Was ist von ihm mir noch geblieben! Dahin! ach, mit der Stunden Schlag Der Sonne Glanz, des Herzens Lieben! Dahin das letzte Abendroth, Schon will die Nacht sich niedersenken, Und sind die alten Gluthen todt, Was frommt der Seele das Gedenken? Stephan Milow. Problem Nr. 479, von F. Dubbe in Rostock. Im Problemturnier des deutschen Schachbundes preisgekrönt. Schwarz. 2 N 2 n 1 72 *** n 1 282. 1 2* L 90 1 1* — 2 5 N mal Weiß zieht an und setzt mit dem vierten Zuge Matt. Auflösungen. Problem Nr. 473 von F. Dubbe in 8 Ke4— es: 1) Ke4 5 2) Da7-d7 16—f5(Ke!) 2) Leö—bs Keb, ed od. g 3) Dd7—e7(eG) 3) Sd, Sg: resp. Db7f Diesen beiden gleichwerthigen und äußerst zierlichen 8 steht— ein d* 2 8Sd4—e2 115 zur Seite: 1).. 445: 2 8g Kt 3) 12 M Auf 1).. 16 5 folg durch dd.— Wenn auch der Zugzwang nach dem ersten 1 2 von Weiß bei der geringen von möglichen Gegenzügen hier von unsergeordneter Bedeutung ist. so bedingt er doch dle b. wesenheit einer deutlichen groben Drohung, und dieses ist ein Vorzug, der dem Problem nicht minder zu gute kommt, als die einfache Aufstellung,— ein nlemlich 1 Grad 5 Schwierig ⸗ keit.— Die 11 wurde angegeben von 15 schaelis in Th, Dr. Knopf in G. in B., R. Blümel in S., H. Rosenkranz in B., Dr. Wehrmeistek in M., Th. Kraus in B. Problem Nr. 474 von F. Krieger in München. 1) DgS 17: Ke-d: 1 125—9() 2) 8e4—f2 Kes:, Se3:, Lf7 2c. 2) Se4— 67 eß— dd 68559 3) Sd6—15(Tea 3) Da7, f6 resp. Teaf Auf 1).. Lh7!(5) folgt 2) Ldet K dd:(5 8) De7(b: odet 18) Matt. König oder Sprin er im ersten Zuge, so lg schon im 1 Di: auf andere Gegenzüge aber muß eine der beiden g eichzeitig drohenden Fortsetzungen 2) Ldsf 3) Dar resp. Ps oder 2) Beit 8) Leb resp. 205 att zur Aus u 8 5 47. Lh7 erzwingt das erste, e2—e1(wird Springer! das—4 me b 0 en Hauptspiele, dessen bekannte Grund ⸗Idee durch idre Eleg immer wieder— 3 esticht, schließt sich ein zweites, nahezu ebenbürtiges S N Wal es sich aus der An⸗ nahme des Ablenkungsopfers ergiebt, an. Als Mängel des Pro lems—1 5—— um ersten Zuge die doppelte Schachdrohung und das Einstehen beider Thürm 9 Lösung wurde angegeben von W. Kron in B., Dr. Knopf in G., H. Michael in Th., Th. Kraus in B., H. Rosenkranz in B. Die Lösungen zu den Nr. 471 und 472 wurden noch angegeben von O. Weißgerber in G. 1 Aus der Schachwelt. In der von Mr. Pelerson geleiteten Schach spalte des 1 Megali „Venowine News“ ist ein internationales Problemturnier für Zwei f nachstehenden Bedingungen ausgeschrieben worden: Man lonkurrirt mit pöchstens sechs Pro- blemen(zwei- oder* die Probleme sind mit besonderem Motto für 1 vollständiger Lösung und Adresse des Verfassers l 2 um 1 April nächsten an Mr. aeg Milwaukee, Wie. C. S. P. 0. 2, einzusenden. Die Preise für Dreizüger sind: dach, vier und zwei Dollars, sowie ale Pierer Preis noch ein 3 4 der Lenowine Neus; 15 r Zwelzüger: drei und jwel Dollars und ebenfalls ein Jahrgang selben Blattes.— Das Lösungsturnier beginnt mit der Veröffentlschung der ersten zum Türnier eingesendelen Problene am 13. November d. J, und werden vorläufig wöchentlich zwei% bleme erscheinen, deren Losung en jedes mal fees vierzehn— nach Empfang dez einzusenden sind Als erster Nesungeprels st eine goldene Medallle im Werte von f Dollars ausgesetzj. — Die Leitung der Schachspalte in dem neuen illustrirten Blatte„Zur gulen Stunde? ist von Herrn Schallopp übernommen worden. — In dem vierten Problemturnier des British Chess Magazine“ fielen die J für Dreszüger an die Herren A. Adama in Schweden(erster Preis), J. Keim in Man (zweiter Preis), H. Meyer in Sydenham(ortter Preis.— In— 2 ürzl Entscheidung gelangten Turnier des Aret Om“!s“ wurden die Vier mann 6 8595 E Lindquist(Detasund, N Stal db* N — und A. F. Mackenzie(Jamaika) preisgekrönt. — Durch den Gewinn der dreizehnten Partie hat Gunsberg den Match mit e zu seinen Gunsten mit fünf zu zwei bei sechs Remispartien enischden. 5 — Nach einer Mittheilung in der Brüderschaft e 1 Irrritry Turnier d. 8 Schachgesellschaft die folgenden vierzehn Herren iheil 55. Cord 7 ähn, Harmonist, Deyde, Holländer, Hülsen, 031. ethner, Miles, Aaknesdeie Specht und Dr. Simon son. Die von Bardeleben, Schallop Ansort und von Scheve, welche an dem Turnier des vorigen Winters deen men* theils durch Berufsfücsichten, theils durch krankbteit dieses Mäl an der Bethelligung v. — Die Subskription auf das in nächster Zeit erscheinende Rand des funf. n Kong resses des deutschen 89 zu Frankfurt 5.85 1887, 0 geschlossen. Bestellungen auf das Buch nimmt der General sekretär, 4 H. Sed en Leipfig. Alexander straße 46, entgegen.— Noch im Lause des Dezemberz 12 die. 8 böhmischer Autoren an die Substribenten zur Versendung; ez at dem e eine de Uedersetzung der einleitenden Abhandlung über Problemkomposttion 42 n Druck und Verlag der„Volks-Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Echo in Berlin, Lüzowstr. 105. - und Dreizüger unter —— Zuge Matt durch ag 8 1 ... 2