. — Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. zu den Oberhessischen Uuchrichten. Nr. 40. Gießen, den 2. Oktober. Eine gute Vartie. Roman von L. Haidheim. „Horch, Maria, wie der Regen gegen die Scheiben prasselt! Welch schreckliches Oktoberwetter! Welche feuchtkalte Luft in diesen Sälen!“ sagte gedrückten Tones eine blasse, nervös aussehende Dame, die Baronin Valerie von Hooglander, zu ihrer, vor einer Staffelei sitzenden Tochter, indem sie die weiche Schlafdecke fester um sich zog. Die Tochter erhob sich und trat an den großen Kaminofen. „Kein Wunder, wenn Dich friert, arme Mama! Das Holz ist feucht und schwelt, ohne Flamme und Wärme zu geben. Daß man auch nicht besser für uns sorgt! Aber es ist eben nirgend hier Ordnung— zwanzig faule Schlingel sieht man herum stehen und Keiner von ihnen thut seine Pflicht. Das ist die Sache des In⸗ spektors, Papa sollte ihn entlassen!“ Sie legte eigenhändig das Feuer zurecht und dieses machte wirklich Miene ein wenig aufzuflackern.— „Siehst Du, Mama, es brennt jetzt;— in einer Viertelstunde wird es hier ganz gemüthlich. Uns wird es natürlich schwer, uns auf dem alten Gißra einzuleben, aber Papa wollte es ja durchaus, und Du giebst ihm eben immer nach. Dir wäre gerade jetzt die milde Luft von San Remo so gut gewesen! Ach, wie ich mich zurücksehne nach dem sonnigen Italien!“ Dabei trat Maria von Hooglander, nachdem' sie eine Weile auf die triefenden Parkbäume hinabgeblickt, an die andere Fensterseite des Eckzimmers. Auf dem Hofe, den sie von hier aus übersah, standen große Regenpfützen,— der Weg, der an demselben vorüber führte, schien fast nur unergründlicher Schlamm,— die Fontaine in der Mitte eines großen Rasenrondels war defekt, ihr Bassin bildete nur ein Reservoir für den seit gestern gefallenen Regen. Die Dachrinnen, ganz durchlöchert, bildeten an den Gebäuden entlang ergiebige Traufen, — hier und dort hing eine Fensterluke lose in den Angeln,— auf den Dächern fehlten Ziegel, kurz, der Hof mit seiner Umgebung machte einen ebenso unordentlichen Eindruck, wie der Park— eines der Lieblingssteckenpferde des Barons— der stets wohlgepflegt und ohne Rücksicht auf Kosten erhalten war, obgleich die Familie seit Jahren nicht in Gißra gewesen. Der Park von Gißra bildete eine Sehenswürdigkeit dieses ent⸗ legenen Grenzdistrikts, und man war dem Baron, der als ein leut⸗ seliger Herr einer großen Beliebtheit genoß, sehr dankbar, daß er dem Publikum jederzeit den Besuch der in der That herrlichen An⸗ lagen gestattete. „Ich begreife Papa gar nicht,“ sagte die Tochter, indem sie zu der Mutter zurückkam,„daß er unsere Ankunft nicht vorbereiten ließ! Aber so ist er immer! Und Du, liebste Mama, duldest schweigend alle dies Unbehagen, diese Unordnung.“ Ein langer, sprechender Blick war die einzige Antwort der Mutter. Das junge Mädchen senkte den Kopf voll wirrer rabenschwarzer Locken; die grauen, tiefliegenden Augen verdüsterten sich noch mehr. „Verzeih Mama, ich vergesse immer, kann es noch gar nicht auf— nehmen in mein Bewußtsein!“ Die Mutter seufzte leise und lehnte sich wieder zurück in die Kissen der Chaiselongue, die am Kamin stand und in denen sie schon seit Stunden unthätig lag und nur in dies schwelende Feuer oder den niederrieselnden Regen zu sehen schien. Sie war gewiß einst ein sehr schönes Mädchen gewesen,— jetzt waren die Züge des feinen Gesichts scharf, und die große Magerkeit und Abspannung desselben ließen auf ein körperliches Leiden ebenso bestimmt schließen, wie der tief unglückliche Ausdruck der Augen auf einen seelischen Schmerz. An demselben Fenster, durch welches die Blicke der Mutter in den Regen hinaussahen, stand Maria bei jedem Gange durch den Salon still, sah düster und gedankenvoll hinaus, wandte sich seufzend wieder um und begann ihr ruheloses Auf- und Abgehen von Neuem. Mutter und Tochter hatten im Aeußeren wenig Aehnlichkeit, dennoch fanden die der Familie Nahestehenden dieselbe sehr groß, und da es unwiderleglich war, daß Maria nicht die regelmäßigen Züge, das weiche braune Haar und die braunen Augen der Mutter geerbt, sondern, daß sie das krause, schwarze Haar ihrer Großmutter, die strahlenden, dunkelgrauen Augen und die unregelmäßigen Züge ihres Vaters hatte, so mußte diese so oft hervorgehobene Aehnlichkeit in dem Wesen und den Bewegungen liegen, wie auch ganz besonders in der Stimme und Ausdrucksweise, so verschieden die Charaktere von Mutter und Tochter auch wiederum zu sein schienen. „Wenn ich nur etwas thun könnte, Mama, es ist furchtbar, sich dem Schicksal willenlos zu unterwerfen!“ rief das junge Mädchen, plötzlich in seinem Gange innehaltend und mit einer raschen Wendung zu der Mutter tretend. Aus den bisher gesenkten Augen funkelte ein glühender Blick voll verzehrender Sehnsucht! Er traf der Mutter freudlose Augen, und ein Zug tiefen Mitleids überflog nun des Mädchens leidenschaftlich erregtes Gesicht. „Sieh', Maria, wohin es mich gebracht hat, daß ich durchaus etwas thun wollte!“ sagte die Mutter matt. „Und Du konntest also gar nichts ändern? Du sahest es also, batest ihn, beschworst ihn, wie Du sagst, und es war Alles vergebens?“ Die Baronin schüttelte den Kopf;— es lag Alles in der einen Geberde,— völlige Verzweiflung, völlige Ermattung; die Tochter warf den ihrigen trotzig empor.„Du hattest ihn gewiß zu lieb, Mama, Du bist so weich, so gütig und nachgiebig!“ „Könntest Du ihm böse sein, Maria?“ fragte die Mutter langsam. „Böse? Ich habe kein Recht dazu! Aber ich kann mich nicht enthalten, eine Kritik zu üben!“ „Er wird Dich entwaffnen, Maria, wie er mich stets ent⸗ waffnet hat!“ N V— FE —. 5 88 314 E „Du solltest nicht sagen:„entwaffnet“, Mama,“ rief die Tochter, die Mutter leidenschaftlich umarmend.„Hast Du denn je Waffen gehabt gegen ihn? Wehrlos bist Du gewesen von Anfang an, wehrlos bin ich, sein Kind, ebenso wie Du! Was sollten wohl Deine Bitten, Deine schwachen Versuche, ihn zu zügeln, genützt haben? Und was sollen sie, denkst Du, jetzt über ihn vermögen? Er lacht, er macht Scherz aus dem tiefsten Ernst, er ist völlig unzugänglich für zornige Vorwürfe wie für Vorstellungen, er sagt zu Allem und Allem ja und—“ „Ist die Herzensgüte selbst, das Wohlwollen, die vollständigste Liebenswürdigkeit; ist das Alles zu jeder Stunde, zu jeder Zeit; kannst Du es leugnen, Maria?“ „Nein, aber ich meine doch, es giebt Fälle, wo das Alles ein rasches Ende nimmt.“— „Und wann? Wie so?“ fragte die Baronin. „Wenn sein eigenes Wohlbefinden dabei in Frage kommt!“ sagte hart die Tochter. „Maria!“ 5 „O, laß mich, Mutter, laß mich einmal aussprechen, was in mir tobt. Es ist keine Kleinigkeit, mit einem Schlage von der harten Faust Onkel Bolkos aufgerüttelt, zu sehen, daß der Traum von Licht und Glanz und Sonnenschein eitel Chimäre war! Und Papa sollte das Alles nicht geahnt haben? Er sollte nicht gewußt haben, was der Onkel so hart betonte, daß er schon seit vielen Jahren mehr verbrauchte, als er hatte? Und dann dazu das Be⸗ wußtsein, daß Onkel Bolko ein solches„leichtsinniges“ Schulden- machen einfach„ehrlos“ nennt. „Es ist schrecklich, sich unter dem kalten, funkelnden Strahl seiner Augen zu fühlen und von ihm mitleidslos an den Abgrund gestellt zu werden, an dem man bisher ahnungslos hintaumelte, und dann seine harte Stimme sagen zu hören:„Sieh her, er ist hundert⸗ tausend Fuß tief, und wenn ich nicht wäre, so läget Ihr Alle dort unten!“ „Wenn ich noch antworten könnte:„Nun wohl, lieber dort, als von Deiner Gnade hier oben gehalten!“— Ich sagte es so gern, rief es ihm so gern trotzig und stolz zu; aber ich kann es nicht, Mama, ich habe ja keine Wahl, denn mir würde der Muth fehlen, mich hinabzustürzen. Gerade jetzt fühle ich, daß das Leben doch so schön ist, und ich bin noch so jung;— ich sehne mich so nach Glück und Freude! Und dann wieder— ich kann den Gedanken nicht ertragen, daß unsere ganze Zukunft von Almosen abhängig sein soll! Wir, die so reich waren! O, ich erinnere mich noch so gut an den Großpapa, wie er mir oft sagte:„Du bist ein kleines Goldherz, und ein Goldfischlein bist Du dazu!“ Mir gefiel das so gut, ein Goldfisch zu sein— wie sie draußen im Fontainenbassin. so lustig spielten! Was würde Großpapa wohl jetzt sagen? Er, der so viel Sorge hatte, seinen neuen Adel und sein vieles Geld auf einen alten Stammbaum zu pfropfen! Nun bin ich eine Baronesse Hooglander-Isenreut— nun sage mir, wo soll ich betteln gehen, als beim Onkel Bolko, der doch„um der Familie und des Namens willen“, wie er sagt,— um Gotteswillen nicht„aus weichherziger Schwäche“— der Stich galt Dir, Mama! uns am Leben er⸗ halten wird?“ Die bittere, leidenschaftliche Rede der Tochter war der Mutter offenbar sehr peinlich;— sie bedeckte die Augen mit der feinen, mageren Hand und stöhnte leise.— Kaum aber erreichte der qual— volle, zitternde Ton das Ohr Marias, als sie inne hielt und, neben der Mutter niederkniend, ebenso leidenschaftlich zu weinen anfing. Sie war noch jung, vielleicht achtzehn oder neunzehn Jahre alt; bis vor wenigen Monden hatte sie den Kummer garnicht gekannt, und obgleich sie seine Spuren täglich auf dem Antlitz der Mutter sah— ja, vielleicht gerade deshalb— nie darüber nachgedacht, warum die Mutter immer so bedrückt sei, warum sie so sorgenvoll seufzte? Die Tochter ahnte bis dahin garnicht, welch ernster Grund zu Sorge und Kummer vorlag;— sie hielt diese Leiden für rein körperliche und flog unter dem Schutze des ewig heiteren, liebens⸗ würdigen, eleganten Vaters von einer Freude, einem Amüsement zum andern. Baron Hooglander-Isenreut war ein großer Herr und lebte wie ein solcher.— Im Sommer war Schloß Gißra früher zu—⸗ weilen für einige Wochen der Aufenthalt der Familie,— die übrige Zeit brachte sie auf Reisen zu oder in Bädern; den Winter in ciner fremden Hauptstadt, die, zugleich Residenz des Fürstenhauses, Feste und Zerstreuungen in Menge bot. Dies war der erste Herbst, den Maria auf Schloß Gißra sah. Eine Katastrophe war urplötzlich hereingebrochen, und das Ergebniß derselben wurde jetzt eben unter den Männern der Familie im Bibliothekzimmer berathen.—— Zum ersten Male trat der Ernst in seiner vollen Gewalt in des Mädchens Leben.. Maria begriff sehr genau die ganze Sachlage, und der grelle Widerspruch zwischen den durch ihres Vaters Leichtsinn herbeigeführten Zuständen und seinem früheren und jetzigen Benehmen machte auf seine Tochter die Wirkung eines verheerenden Blitzes.——— Im Bibliotheksaal, einem Raume, der neben dem vornehmsten Geschmack eine außerordentliche Behaglichkeit der Einrichtung bot, herrschte womöglich eine noch gedrüͤcktere Stimmung als im Salon. An dem großen runden Mitteltisch saßen drei Herren; ein vierter, der Baron Hooglander-Isenreut, hatte offenbar eben in zorniger Er⸗ regung seinen Platz verlassen und stand, mit dem Rücken nach dem Zimmer gewandt, am Fenster. Sein Stuhl, ein schwerer Stuhl von geschnitztem Eichenholz, lag umgeworfen auf der Erde, ein sehr fein gearbeitetes Lineal von Elfenbein in Stücken daneben, es war ohne Zweifel im Zorn mitten durchgebrochen worden.— Neben dem einen der sitzenden Herren, Sr. Excellenz dem Staatsminister Bolko von Isenreut, war noch ein anderer, ganz mit Papieren bedeckter Tisch, an welchem ein fünfter Herr, der Rechtsanwalt Meinrad, eifrig Zahlen addirend, saß. Eben legte er die Feder nieder und überreichte dem Grafen das ganz mit Zahlen bedeckte Papier. Die sehr finstere Stirn desselben furchte sich bei dem Anblick der Schlußsumme noch tiefer; er fuhr mit der Hand durch sein dichtes, weißes Haar, und es schien fast, als versteinerten sich seine scharfen Züge, so eisig starr und kalt wurde der Ausdruck derselben, während die großen graublauen Augen Funken sprühten. „Es ist, wie Sie die Güte hatten mir zu sagen, Herr Geheimer Kommerzrath, die Summe übersteigt meine schlimmsten Erwartungen,“ sagte Se. Excellenz zu dem neben ihm sitzenden Herrn. Dieser, ein alter Mann mit feinen, geistvollen Zügen, zuckte bekümmert die Achseln und warf einen halb bittenden, halb fragenden Blick auf seinen Sohn, den derzeitigen Inhaber des berühmten Bankhauses Hooglander. 8 Derselbe erhob sich, machte mit einem unangenehmen Lächeln die Geberde des Taschenzuknöpfens und sagte gemessen: „Es war mir völlig zweifellos, was das Resultat dieser Revision sein würde, Excellenz, und ich sehe ein, wie schwer Sie dieses treffen muß; daß ich meinerseits jede Einmischung in die Verhältnisse des Herrn Barons“— er machte eine flüchtige Verbeugung nach diesem, der sich indeß nicht umwandte—„ablehnen muß, habe ich von vornherein erklärt, und wenn ich mich Ihrem Wunsche fügte, Excellenz, so kam ich nur, um Ihnen meinen Rath und meine geschäftliche Hilfe zur Disposition zu stellen!“ „Martin!“ bat der alte Herr. „Ich bitte Dich, Papa, erspare uns Beiden hier weitere Er · örterungen; mein Entschluß ist unerschütterlich; ich habe dem Herrn Baron zwei Mal—“ a „Ich weiß, ich weiß; mein Bruder hat zwei Mal sehr bedeutende Summen von Ihnen erhalten, Herr Hooglander, Sie werden nicht glauben, daß ich die Absicht hatte—“ „Nicht Sie, Excellenz, gewiß nicht; aber der Papa dort kann es gar nicht begreifen, daß ich nicht für die Ehre des Namens mir selbst zu nahe treten will!“ sagte mit demselben überlegenen Lächeln Herr Martin Hooglander. Man sah es dem Grafen Isenreut an, des reichen Geldmannes verdroß. g Er richtete sich noch straffer in die Hohe und sagte mit einem Tone, der gelassen sein sollte und der ohne sein Wissen scharf und hochmüthig klang, zu dem alten Herrn gewandt: „Sie verpflichten mich, Herr Geheimer Kommerzrath, wenn Sie diesen Wunsch fallen lassen; die Summe, um die es sich handelt, übersteigt weitaus diejenige, welche wir Beide zu opfern bereit sind, um die Verhältnisse meines Bruders von Neuem zu regeln. bleibt uns nichts übrig, als ein Arrangement mit den Gläubigern; sie werden sich billig finden, wenn sie sehen, daß man ihnen wie ihn das Benehmen 9 b 2315 D giebt, was man geben kann. Wenn Sie, Herr Hooglander, uns zur Erreichung dieses Zweckes Ihre werthvolle Hilfe leihen wollten, so werde ich Ihnen sehr dankbar sein. Mein Anwalt, Herr Doktor Meinrad, würde alles Weitere übernehmen“— der bezeichnete Advokat 5 5 sich zustimmend—„und ich könnte beruhigt wieder ab⸗ reisen. „Mit Vergnügen, oder vielmehr, reisen Sie immerhin ab, Herr Graf, der Herr Baron wird meines Erachtens sehr zufrieden sein mit dieser Art, ihm das Leben leicht zu machen!“ meinte Herr Martin Hooglander. „Um so mehr, als ich Ihrem Rathe zufolge und mit Zustimmung Ihres Herrn Vaters entschlossen bin, meinen Bruder vor einer aber— maligen Wiederholung dieser—— Seenen zu schützen,“ sagte Graf Bolko, die Malicen des Bankiers überhörend. Der am Fenster stehende Baron Hooglander wandte sich um. Nicht eine Spur von Heftigkeit und Zorn lag mehr in dem frischen, leicht gerötheten Antlitz desselben. Die nicht unschönen, aber etwas aufgedunsenen Züge verriethen keinerlei Gemüthsaufregung, sondern nur eine fast naive Neugierde. Offenbar hatte ihn das Wort des älteren Bruders, er werde ihn vor einer ferneren Wiederholung dieser Scenen zu schützen suchen, ganz angenehm überrascht. Baron Hooglander haßte Scenen, wenigstens unangenehme; ihm konnte nichts lieber sein, als wenn man ihn damit verschonen wollte; ihn sollte nur wundern, wie man das anzufangen dachte. „Und wie meinen Sie, Excellenz?“ hatte der alte Herr gefragt, während sein Sohn, als errathe oder wisse er, was folgen werde, mit seinem fatalen Lächeln den Baron fixirte, um zu beobachten, wie dieser sich jetzt benehmen werde. „Ich will mir gestatten, meine Vorschläge zu machen, mein Herr Geheimer Kommerzrath,“ erwiderte dieser, und trotz der äußeren Ruhe bebte seine Stimme doch.„Ehe ich dieses aber thue,“ fuhr er dann nach einer kleinen Pause, in welcher er seine Erregung zu unterdrücken suchte, etwas gefaßter fort,„lassen Sie mich als Haupt meiner Familie Ihnen danken für die Großmuth, mit welcher Sie wiederum meinem Bruder Ihre Hilfe leihen.“ „Valerie ist meines einzigen Bruders einziges Kind, wir waren so stolz auf die Ehren, die er sich durch seine Tüchtigkeit errungen hatte!“ sagte leise, wie entschuldigend, der alte Herr, denn seines Sohnes Blick drückte keineswegs Zustimmung zu des Vaters Ver⸗ fahren aus. „Eben um meiner verehrten Schwägerin willen muß Alles geschehen! Ihre Zukunft und die ihrer Tochter muß gesichert werden und damit auch die meines Bruders,“ sprach Graf Bolko würde⸗ voll weiter. Des Barons Hooglander Gesicht überflog ein Lächeln; er trat mit einer hocherfreuten Miene wieder zurück an den Tisch, den er so ungestüm verlassen, und rief, ohne sich um die peinliche Ueber- raschung und das verdutzte Aussehen Graf Bolko's zu kümmern, oder vielmehr, ohne sie nur zu sehen: „Das ist wahrhaft brüderlich, das ist edel gesprochen, Bolko! 1 Glaubt nur, ich verkenne Eure Güte keinen Augenblick und bin Euch dankbarer, als ich sagen kann, denn ich versichere Euch, ich habe nicht im Traum gedacht, daß ich so tief im Pech säße! Ich begreife gar nicht, wo alle diese Schulden herkommen; das wächst immer gleich wie eine Lawine, und Ihr dürft es mir nicht übel nehmen, daß ich vorhin grob wurde. Alle Teufel, es ist kein Spaß, so in der Patsche zu sitzen! Und dann sich noch zu allem Unglück aus⸗ schelten zu lassen, das geht doch über die Puppen! Wenn Ihr nun noch einmal mich herausreißt, so verspreche ich Dir, Bolko, es soll anders werden. Ich will Valerie gewähren lassen, sie soll das Regiment haben, und sie ist so sparsam, daß sie es möglich macht, Euch wenigstens die Zinsen zu zahlen. Ich selbst will mich in aller Weise einschränken; ich werde die Pferde abschaffen— auf der Rennbahn habe ich die beiden letzten Jahre doch nichts als Verlust gehabt; dagegen werde ich mich der Wirthschaft annehmen, den Ober⸗ inspektor entlassen und selbst arbeiten.“ a „Möchtest Du Dich nicht erinnern, lieber Franz, daß Du eine ganz ähnliche Ansprache an uns hieltest, als wir zu ganz ähnlichem Zwecke vor drei Jahren hier versammelt waren?“ fragte sehr ruhig und gemessen Graf Bolko, aber es war, als ob jedes Wort eine Messerklinge wäre. Ein tiefes Roth der Verlegenheit überflog das Gesicht des Barons.„Wirklich? Habe ich?“ stotterte er jetzt sichtlich gedemüthigt. Dann aber fuhr er, trotzig werdend, fort:„Es mag sein, daß ich es that, ich hatte es vergessen! Man läßt mich tief genug fühlen, sollt' ich denken, daß ich des Wohlwollens der Meinen bedarf; es wäre vielleicht größer und edelmüthiger, wenn man mir dieses Wohl⸗ wollen in einer gütigeren Form erwiese! Was ich damals versprach, hoffte ich sicherlich zu halten, jedoch es ist nicht allen Menschen gegeben, als Muster zu glänzen, wie Du eins bist, das gebe ich ja gern zu.— Aber was kann ich dafür, daß ich kein Glück habe, daß ich— ich meine nur— Valerie—“ Das Haupt der Familie Isenreut starrte förmlich von Eis, und unter diesem erkältenden Eindruck stockte der Erguß des Barons Franz mehr und mehr; er senkte den Kopf wie ein Schuljun ge, der es klar einsieht, daß das Maaß seiner Schuld nun übervoll ist. „Du würdest mich sehr verpflichten, wenn Du mich meine wohl— erwogenen Vorschläge machen lassen wolltest,“ sagte Graf Bolko feierlich, und da der Baron mit verlegenem Gesichte schwieg, so fuhr er fort:„Sie werden die schmerzlichen Erfahrungen, meine Herren, die wir betreffs der— sagen wir: mangelnden finanziellen Begabung meines Bruders zu machen hatten, wiederholt zu machen hatten, als eine Berechtigung ansehen, ja als eine strenge und schmerzliche Mahnung, die Ehre und den Besitz unserer beiderseitigen Familien vor weiterer Gefährdung durch ihn zu schützen.“ „Du gehst zu weit, es ist schonungslos, so zu reden!“ grollte Baron Franz. „Du wirst mir gestatten müssen, zur Motivirung meiner Pläne der Wahrheit die Ehre zu geben!“ erwiderte unbeirrt Graf Bolko. „Es ist eine Thatsache, daß Deine Schulden nicht etwa die Ergebnisse Deiner an sich doch immer noch berechtigten Standesanforderungen, sondern Schulden der allerschlimmsten Art sind; ich muß dieses Faktum, wenn auch mit schmerzlichsten Gefühlen, konstatiren, um den Herrn Geheimen Kommerzrath, den Bruder Deines verstorbenen Schwieger⸗ vaters, zu einer mir unvermeidlich erscheinenden Zustimmung zu meinem Vorschlage zu bringen. Außerdem auch scheinst Du völlig vergessen zu haben, daß Dein Sohn ein Anrecht auf dies mütterliche Vermögen hatte—“ „Für Onno sorgt seine Großtante Lätitia!“ rief der Baron. „Sie ist außer Stande, für mehr zu sorgen, als für realen Besitz!“ erwiderte Graf Bolko scharf. „Was kannst Du denn wollen?“ murmelte sichtlich betroffen der Baron. „Nach dem, was wir bisher erfahren, muß es der Familie Deiner Frau, wie mir, geboten erscheinen, Deinem unverbesserlichen Leicht— sinn geeignete Schranken zu setzen. Wir können, um der Ehre unserer Häuser willen, nicht wünschen, zu sehen, daß dieser Angelegen⸗ heit eine uns Alle tief verletzende Oeffentlichkeit gegeben werde. Eine Einmischung der Gerichte wäre also meines Erachtens streng zu vermeiden, dagegen sind Vorkehrungen erforderlich, welche es Dir, meinem Bruder, unmöglich machen, auf dem bisherigen Wege fort⸗ zufahren.— Sie werden begreifen, Herr Geheimer Kommerzrath, daß ich von einer Familienkuratel rede, von einer Kuratel, welcher, so streng sie auch sein mag, mein Bruder sich unterwerfen muß, wenn wir ihm und den Seinen fernerhin ein, wenn auch enger beschränktes, doch standesgemäßes Leben ermöglichen sollen.“ „Das werde ich nie! Niemals! Was fällt Dir ein? Glaubst Du, ich werde mir selbst die Kravatte um den Hals legen?“ brauste der Baron wüthend auf. Der alte Herr schwieg und sah düster vor sich hin. „Es ist der einzige Weg, meine Kousine und ihre Tochter vor wirklichem Elend zu schützen!“ sagte mit seiner blechernen Stimme Martin Hooglander. „Der einzige!“ stimmte Graf Bolko zu, ohne im Mindesten auf seines Bruders zorniges Auf- und Abrennen zu achten.„Baron Franz von Hooglander⸗Isenreut wird uns sein Ehrenwort geben, Park und Schloß Gißra und das Jagdrevier Ebersbach, welches sich an den Park schließt, ohne besondere Ermächtigung der Kuratoren nie zu verlassen. Wir werden Sorge tragen, daß er und Baronin Valerie ihre gewohnte häusliche Lebensweise fortführen können. Herr Doktor Meinrad wird monatliche Haushaltsgelder an Baronin Valerie und ein angemessenes Taschengeld an meinen Bruder zahlen. Die Verwaltung des Guts werden wir tüchtigen Händen übergeben. Was sich noch retten läßt von dem Vermögen der gnädigen Frau, das muß ihr und ihrer Tochter verbleiben!“ „Es wird wenig genug sein!“ murmelte Herr Hooglander. 6 0 1 1 —— — 5 1 316 * „Ich will nichts von Euch! Ich will nicht wie ein gebundenes Schaf zur Schlachtbank geführt werden! Laßt mich meine Sachen allein machen, ich habe Euch nicht gerufen! Das sollte mir fehlen! Schöne Hilfe, schöne Helfer! Das sollte mir einfallen, mein Ehren⸗ wort zu geben! Als wenn das eine Kleinigkeit wäre! Meinst Du denn, mein sogenannter, von Dir so brüderlich an's Licht gestellter Leichtsinn ginge so weit, daß ich meinen Kopf mir nichts, dir nichts in die feine, dauerhafte Schlinge des Ehrenworts steckte!“ tobte Baron Franz. „Wir können Dich nicht zwingen; aber vielleicht erinnerst Du Dich, daß dies Schriftstück hier, welches man mir präsentirte, und welches mich veranlaßte, ohne jede Rücksicht auf andere Pflichten hierher zu eilen, doch eine genügende Berechtigung zu meinem Ver⸗ fahren giebt!“ rief jetzt, auch seinerseits ausbrechend, Graf Bolko. Ein neugieriger Blick des Bankiers heftete sich auf das zusammengefaltete Blatt Papier, welches in Graf Bolko's Händen zitterte und raschelte. Eine fahle Blässe überflog das Gesicht des Barons, seine Augen fuhren scheu hin und her; sichtlich ging ein großer, wenn auch kurzer Kampf in ihm vor. „Wenn ich unterschreibe, giebst Du mir dann das verfluchte Ding da zurück?“ „Ja Der Baron zögerte. „Du wärest doch der Letzte, der davon gegen den eigenen Bruder Gebrauch machen würde,“ er⸗ widerte er mit scheuem, wü⸗ thenden Blick, halb fragend. „Ich würde, giebst Du nicht Dein Ehrenwort, Gißra nicht zu verlassen, mit tiefstem Kum⸗ mer dies Papier dem König vorlegen, und dieser wird die Ehre meines Namens zu schützen wissen,“ sagte Graf Bolko dro⸗ hend, fest. „Gut, so hol' der Teufel diese Quälerei! Gebt mir die Feder.— Hier! Nur her mit dem satanischen Ding!“ rief wüthend der Baron und schrieb hastig seinen Namen unter das schon bereit gehaltene Dokument. „Und nun Dein Ehrenwort!“ „Ich gebe es! Ja, ja!— Hat die Geschichte jetzt ein Ende?“ „Ja, hier ist das Papier!“ sagte Graf Bolko mit ernstem Blick, „verstreue ähnliche nicht wieder!“ „Werde mich hüten. Ohne dieses vermaledeite Ding hättet Ihr mich lange bitten können!“ lachte wüthend der Baron und wollte das Blatt in die Tasche stecken. Graf Bolko wurde ganz blaß.„Du bist und bleibst unver⸗ besserlich!“ sagte er leise in bitterem Aerger zu seinem Bruder, in- dem er, rasch an ihn herantretend, ihn zum Kamin führte.„Hast Du denn gar kein Verständniß für—? Wirf es da hinein und danke Gott, wenn es zu Asche gebrannt ist. Und— um des All— mächtigen Willen, Franz, es ist doch kein zweites vorhanden, nichts Aehnliches?“ Der Baron schien von dem, was der Graf sagte, überzeugt; er machte ein bedrücktes Gesicht, warf das Papier auf die glühende Asche und sah befriedigt, wie es hell brannte; dann sagte er ebenso leise:„Sei doch nur still, es ist ja das Einzige, ich werde mich hüten, mir je wieder die Finger zu verbrennen. Und nun sage mir doch noch eins:„Bin ich denn nun Gefangener auf Lebenszeit, ohne Pardon?“ „Dein Wort bindet Dich für immer, bis an den Tod, es sei denn, daß ich und Hooglander Dich davon lösen,“ sagte Graf Bolke langsam und hart. Westfälische Dorfbraut. Nach dem Gemälde von Johanna v. Pritzelwitz. „Und wenn ich es breche?“ sagte, bebend vor Wuth, der Baron. Der Graf sah seinen Bruder an, als schlüge ein Blitz vor ihm nieder, aus blauem Himmel kommend. Er wurde so bleich, wie ein Sterbender. Der Andere schaute trotzig in das entsetzte Gesicht und auf den wortlosen Schrecken Graf Bolko's.„Nun, thu' nur nicht, als wüßtest Du allein, was ein Ehrenwort ist!“ sagte er dann brüsk und drehte sich kurz um. Unterdessen hatten die beiden Herren Hooglander ebenfalls mit einander leise gesprochen; der jüngere mit einem unsäglich verächt⸗ lichen Blick auf den Baron Franz und dem Vater bittere Worte über denselben sagend. Dieser schien sehr angegriffen. Das feine, kränkliche Gesicht trug den Ausdruck tiefen Kummers. „Sage das doch nicht, Martin,“ bat er,„er ist nicht so schlimm, wie es scheint. Sein Herz ist gut, und Valerie versichert ja, er trage sie auf den Händen, er sei sehr gütig und liebevoll gegen sie und Maria.“ Der Sohn zuckte die Achseln. „Ich wünschte, der selige Onkel sähe, was er angerichtet, als er durchaus für Valerie einen adligen Gemahl wollte!“ sagte er bitter. Der Advokat hatte seine Akten⸗ stücke zusammengepackt und sich bis zum Diner, welches die Herren dann wieder zusammen⸗ führen sollte, empfohlen. Die beiden Hooglander und Graf Bolko von Isenreut hatten noch eine kurze Weile mit einander von der Baronin Valerie geredet, und der Letztere es übernommen, dieselbe, deren Zustimmung er sich unter der Hand vorher ver⸗ sichert hatte, von dem gewonne⸗ nen Resultate in Kenntniß zu setzen. Sie sahen alle Drei ganz erleichtert aus, denn wenn⸗ gleich aus den Augen des jünge⸗ ren Hooglander etwas wie Feindseligkeit gegen den Baron sprach, so hatte doch auch er sich zu gratuliren, daß die Wieder⸗ holung so schwerer Opfer, wie der Leichtsinn des Barons sie sei⸗ nem Vater auferlegt, jetzt ein für allemal unmöglich gemacht war. Unerquicklich, wie derartige Familienhandlungen immer sind, war die heutige jedenfalls eine der schlimmsten gewesen, und schon, daß man endlich klar sah, das Uebel an den Wurzeln fassen konnte, war ein Gewinn für Alle. Baron Hooglander nahm von der weiteren Anwesenheit der Herren keine Notiz; er ging gedankenvoll im Zimmer auf und ab, und während sein Gesicht nach und nach wieder den gewohnten Ausdruck der behaglichsten Selbstzufriedenheit erhielt, hörten die Herren ihn Anfangs leise, dann lauter ein Liedchen pfeifen. Mit einem Blick der souveränsten Verachtung sah Graf Bolko auf den Bruder, und doch lag daneben etwas wie unruhige Sorge, ja Furcht in seinen Augen. Da ging derselbe, die Hände in den Taschen seines eleganten Morgenjaquets, das Bild des heitersten Friedens, auf und ab; ihn nur ansehen, war zum Rasendwerden! Gott sei Dank, daß man ihn jetzt fest hatte! Kaum waren die Herren fort, so blieb der Baron stehen, streckte und dehnte sich wie ein Mensch nach schwerer Arbeit, ua. man sah ihm an, wie lieb es ihm war, endlich allein zu sein. Fr holte seine Cigarren, wählte mit Bedacht eine besonders f.ee und zündete sie an, dann klingelte er und befahl dem eint etenden Kammerdiener, ihn zu frisiren. 2 2317. 5 5 Nach dem Gemälde von L. Schönchen. Kartoffelernte in den Dünen von Norderney. 3 . e.„„ Maria von Hooglander war von der Mutter hinausgeschickt in„Arme Valerie!“ den Park, sobald der Regen ein wenig nachließ. Die Baronin„Ja, nicht wahr, Or itte das gedacht, als ich einst wollte allein sein, um Graf Bolko, den sie jede Minute erwartete, jung und schön war?“ sag am. f 0 unter vier Augen zu sprechen, und Maria fühlte nur zu gut, wie„Martin kann es imm yt vergessen, daß Dein Vater 9 berechtigt der Wunsch der Mutter sei. Zudem konnte sie Onkel ihn abwies!“ 8 0 Bolko gar nicht leiden:„Ich kann seine Jupitermanieren nicht aus⸗„Aber er ist ja jetzt s Und, Onkel, wenn Papa es. stehen; statt zu reden, orakelt er nur immer, und wenn seine Glas. nicht gethan, ich hätte es statt thun müssen!“ f augen mich so durchbohrend ansehen, so hilft mir mein reines Ge⸗„Ich habe mir das i ht, Du hättest an Martin's wissen gar nicht, ich fühle mich sofort wie auf dem Armensünder⸗ Seite auch kein Glück gefu e der alte Herr. Dann setzte 1 bänkchen. Und gar, wenn er mich einmal allergnädigst anredet, so er lebhafter hinzu:„Aber Valerie, wen ich wieder ge⸗ f wirken seine huldvollen Worte wie eine Verdummungsmaschine auf sehen habe?“ ö mich, ich fühle ordentlich, wie hölzern und absurd ich mich benehme.“ Der Geheime Komme te einen Namen, den Maria b Das war Maria's Ansicht über das hochrespektable Haupt des Hauses, nicht verstand. s und alle Versuche der Mutter, die Tochter gerechter urtheilen zu„Unmöglich, Onkel! W f die Baronin interessirt, wenn 2 lassen, nützten gar nichts, um so mehr, als der Vater ihr seit, Jahren auch ihre Stimme immer„traurigen Klang behielt. 5 side 5 unbekannten Onkel nur im Lichte der Lächerlichkeit ge⸗ l A weshalb Du seine heiße Liebe f ildert hatte. zurückwiesest—! Jetzt n„ Du—.“ Draußen war es heller geworden, der Wind hatte sich gedreht;„Jetzt wäre ich die Frau des berühmten Reitergenerals, ja! Aber f einzelne Stückchen blauen Himmels wurden zwischen den rasch ziehenden wie könnte ich bereuen, was ich mit Ueberlegung that?“ ‚ Wolken sichtbar und das Wetter schien sich ändern zu wollen. f„Wenn man nur begriffe, was Ihr Weiber an den Männern ö Wer das junge Mädchen so dahingehen sah, mußte sich freuen liebt? Und Du hast Deine Illusionen längst erkannt— und willst über die Anmuth ihres Ganges und über den geschmeidigen, schlanken nun dennoch bei Deinem Gatten bleiben?“ 4 Wuchs. Maria von Hooglander dachte selbst keine Minute daran,„Das ist einfach meine Pflicht; aber beruhige Dich, Onkel—[ daß sie ein schönes Mädchen sei. Zum ersten Male war jetzt der es bleibt von einer rechten, echten Liebe immer ein Rest im Herzen t Gedanke an eine Zukunft an sie herangetreten, an ihre Zukunft; zurück; bei mir ist es eine Art mitleidsvoller mütterlicher Liebe, oder P würde sie eine haben? Eine andere als sie hätte vielleicht die trübe, wenn Du lieber willst, eine Freundschaft, welche—.“ 15 f erschreckende Wirklichkeit mit allerlei phantasiereichen Träumen von„Mein Gott— ist es möglich? Seit er damals durch seinen unerwarteten Glückseligkeiten, von dem Märchenprinzen, der unfehlbar unerhörten Leichtsinn den Prozeß um Ehrstein verlor— seitdem—![ kommen mußte, sich die seiner sehnsüchtig harrende Braut zu holen, Aber Ihr Frauen habt die Barmherzigkeit der Engel!“ 0. erhellt und das eigene Herz mit süßen, lügnerischen Bildern nur zu gern Die Baronin Hooglander hatte eine abwehrende Bewegung mit f beruhigt. Maria von Hooglander war so hart aufgeschreckt worden der Hand gemacht. f aus ihrer Arglosigkeit und erträumten Sicherheit, daß sie die Wirklich-„Erinnere mich nicht an Ehrstein, Onkel, das ist eine Herzens⸗ 1 keit besser erkannte, wie vielleicht gar ältere Leute gethan hätten, wunde, die sich nie bei mir schließt. Die beiden Kinder wären ge. 0 denn das ihr gewordene Licht war so grell, daß es wie ein lang⸗ borgen, wenn der Fiskus nicht den Prozeß gewann. Lätitia ist dauernder Blitz auch nicht das leiseste Irren mehr gestattete. Onno's Retterin, aber wer wird Maria erretten?“ f Immer rascher, immer hastiger wurde der Gang des Mädchens, FC Fortsetzung folgt.) f ö je schneller die Bilder in ihr wechselten, je unruhiger die Seele unter! der fieberhaften Thätigkeit des Geistes arbeitete. Ihre bleichen Wangen 8 1 rötheten sich tiefer und tiefer, die Augenlider gesenkt, die breite, glatte Stirn umwölkt, lief sie fast in einer langen Allee auf und f Zoi 5 ab, bis sie es nicht mehr aushalten konnte und, 1 den quälenden Kleine Frauen Zeilung. 1 Gedanken zu entfliehen, nach dem Schlosse zurückeilte. Die Mutter. ö mußte längst wieder allein sein, mit ihr konnte sie wenigstens sprechen, Die Mode.. 1 und das war eine unendliche Erleichterung. i i a i 11 11 z/. 1 den Fenstern des Salons war eine breite glasbedeckte Veranda, wo und a u Ding 25. 9 5 75 4 05 5 diam e 4 i 1 a i egenstände, welchen man keineswe a. ibu on oder kleidsam bei⸗ 5 ö 87 0 ee 1 5 1 7 775 72 05 n—.— kann, und doch bringen es dieselben durch deren Protektion zu großen 1 f er Glastber war getsnens mie tuner nicht allein. Maria Erfolzen. Sei es durch Nachgiebigkeitslust, sei es, daß das Auge sich daran ö warf sich in einen Sessel, denn ihr Herz klopfte wie ein Hammer gewöhnt: man endet damit, daejenige hübsch zu finden, was man Ansangs 3 von all' der Aufregung und dem raschen Gange. Erst jetzt unter- zurückwies, 5 I schied sie die Stimmen der Sprechenden, es war der Großonkel, der 5; So ist es mit den hohen Stehkragen, den r 1 1. 1 liebe, alte, treue Mann. Er schien die Mutter zu trösten. die bei pielen Damen se schön mur graziese Biezun das Halse dern 5 34. 1, 5 5 e trächtigen und verbergen, ja, den ganzen Hals einzwängen und verdecken. 31„Ach, ich denke nicht an mich, Onkel,“ sagte diese jetzt lebhafter, Als diese Mode vor mehreren Jahren auftauchte, lehnten sich freilich einige 1„ich denke an das Kind, an Maria, was soll aus ihr werden?“. Damen dagegen auf; aber was half dieser Widerstanz! 1 1„Der Graf hatte auch daran gedacht, Valerie, er will Maria Es e sich. 1 der„Neuheit“. wurde 5,. f 1 haben, eine gute Partie zu machen, und das sei jedenfalls für ein so die Weißwaaren gefährdet, und soviel Versuche die Modisten angestellt, de. . armes und so anspruchsvoll erzogenes Mädchen das Wünschenswertheste. Umschlagkragen, die Spitzenwogen, das Genre flou“ die Chemisets, kurz,. 5%%% ͤœ—IC½., ,., 1„Eine gute Partie! Als wenn wir nicht in einer Zeit lebten, Abend. Toiletten wie 5 Tagesanzügen. Ob man allmählich damit u 1 N 0 welche jeden Mann, auch den bestsituirten, zwingt, eine möglichst dringen wird, muß die Folge lehren. 1 1 gute Partie seinerseits zu suchen. Und Onnsd ist durch den Dienst Die modernen Casino. Toiletten für die fashionablen Badeorte(bekanntlich. 1 so in Anspruch genommen!“ seufzte die Baronin. erstrekt sich die Saison vieler solcher Orte bis zum Oktober), ebenso andere 0 g„Maria ist schön eine durchaus ei enartige Erscheinung; offen Abendkleider fertigt man also in Paris neuerdings mit etwas weitem Hals- 4 f g ö 8 f* gene ge G 85 0 ausschnitt, umrahmt von einer gekräuselten Spitze, welche man au das 3 1 1 wir, daß sich die Wünsche Graf Isenreut's erfüllen!“ meinte der Leibchen niederschlägt. Hierzu trägt man um den Hals ein schwarzes 1 N 1 alte Herr.„Mir ist nur sehr schmerzlich, daß Du sie entbehren Sammetband, häufig im Rücken geschlossen mit einer kleinen Doppelschnalle— 1 N falt g, dete ene e le dg u at. de Jer ee e 0 1„Ich? 88 Gewiß, sie wird mir fehlen; aber dennoch, ich glaube, penser que dyred oder Jaime qui 2„Bien lane et laisser 3 es würde mich erleichtern, sie dort zu wissen, wo sich ihr Chancen dire“ ete. Die jungen Mädchen sticken diese Devisen für sich oder ihre 1 bieten, wo sie für ihre Jugend und Lebenslust Freude und Anregung Freundinnen vielfach mit kleinen imitirten Topasenperlen mit rosa Glas- findet. Es würde viel härter für mich sein, das Kind hier ver— perlen, oder mit Gold, oder Silberflittern. Zuweilen wählen sie anstattf 5 blühen zu sehen, als sie zu vermissen und mich an dem Gedanken der Devise auch nur ein einzelnes Wort wie Espérance, Courage, Fol, 0 ö 0 4 sie 3 missen u Simplicité, Franchise ete. Ich gebe Ihnen diese Neuheit, wie sie ent ⸗ . zu laben, daß sie wenigstens glücklich ist.“ standen, in französischen Worten und Wörtern an, da ich nicht vorher-P“ 1 n* Fan y 2319.. zusagen weiß, ob dieselbe sich Devise oder deutschen Wörtern Die Mode der Sammet⸗ Winter mit Diamanten bestich geschlagenen Kragen. Schon sieht man dieselben schwarzem oder dunkelfarbigem des guten Geschmacks gelten soll farbenem Tüll point d'esprit b Aber, wie gesagt, das sind an den hohen Stehkragen fest. Verzierung zu kahl und häßlich allerliebste und geschmackvolle jenigen in rahmgelber Farbe di tragen. Neuerdings ist indeß und Aermel⸗Garnituren in die? Taffet und Faille, mit zwei S Zierrathen oder mit Stahlflitt, dann freilich noch Gold⸗ und S auch für die rahmgelben und an meistentheils die doppelte Blen Schnurpicots und mit kleinen und zur einfachen alltäglichen zierliche und frische Garnituree in bunter Mischung, wiederht Die reizenden rabmgelben wie weißen Spitzenkrausen sind kei bei Seite gedrängt; sie zeigen sich immer in anmuthigen Disposit ca. Momentan liebt man dazu die recht klaren und luftigen schmalen Spitzen in Valencienner und Brüsseler Art wie in antiken Mustern. Die gesuchtesten sind nur 1¼— 1½ Centimeter breit und werden meist in dicke Tollfalten gelegt. Auch der Tüll point d'esprit, jener feine Tüll, der über und über mit Punkten bestickt ist, leiht sich, wie wir gesehen haben, zu allerliebsten Krausen. Ich weiß nicht, ob ich Ihnen schon mitgetheilt, daß derselbe überhaupt zu den wiedererstandenen Nouveautés gehört. Man verwendet ihn, gerade gesäumt oder mit Zäckchenrand versehen, zur Ausschmückung der verschieden⸗ artigsten Wäschegegenstände. Besonders gern wählt man ihn zu den eleganten Unterröcken aus weißem Surah oder weißen Waschstoffen, an welchen er um den unteren Saum, in Form eines ungefähr sechs Centimeter hohen ge⸗ kräuselten oder krausgefältelten Volants, das wolkige und wirre Froufrou bildet, das man so liebt. Ein solcher Volant dient als Stütze der anderen Garnirung, welche, sei es nun ein Surahpolant oder ein gestickter Batist⸗ volant, am unteren Rande noch von einem zwei Centimeter breiten, doppelt genommenen Streif aus Tüll point d'esprit begrenzt wird, so daß dieser Rand auf den Tüllvolant fällt und sich mit ihm mischt. Man bereitet auch farbige Surah⸗Unterröcke mit mehreren Volants, deren jeder mit solchem Doppelstreif aus Tüll point d'esprit abschließt. Aber wie die Mode sich selten damit begnügt, eine neue Erfindung oder Phantasie einem einzigen Zweck dienstbar zu machen, so hat sie das, was zuerst auf Unterröcken angebracht wurde, auch an anderen Gegenständen versucht: an Kleidern aus Satinette und Andrinople, an Matinéen aus rosa, malvenlila, blaßblauem Surah, an Nacht⸗ und Taghemden, an den mit Banddurchzug garnirten Beinkleidern. Selbst in der Ausstattung für kleine neugeborne Kinder führt man den Tüll point d'esprit ein, zu Mützchen, Kapoten, zur Ausschmückung der Pelerinen, der Steckkissen, der Taufkleidchen, wie zu letzteren selbst ꝛc. In den Kasinos werden von den verheiratheten Damen reizende Toiletten aus einfarbigem Seidencrepon getragen, fast immer creme, lila, rosa, blaß⸗ blau. Das Unterkleid ist dann aus gleichnüancirter Faille, am unteren Rande garnirt mit mehreren kleinen Volants aus ausgezähntem Tüll point d'esprit oder mit einem ziemlich großen Puff aus demselben Tüll. Als eine Neuheit gilt auch die Robe aus Tüll mit brochirten Erbsen, welche in allen Farben über einem Unterkleide aus gleichgetönter Seide hergestellt wird. Für junge Mädchen ist indeß einer der kleidsamsten und graziösesten Abendanzüge: das weiße Voilekleid, aufgehoben über einem Rock aus Changeanttaffet. Eine sehr moderne, einfach⸗geschmackvolle Konzert⸗ Theater- oder Besuchs⸗ toilette für eine Frau, jung oder im reiferen Alter, ist folgende: Rock aus schwarzem Seidenstoff, verschleiert durch Plissevolants aus schwarzem Tüll point d'esprit; hierüber fällt eine Polonaise aus Foulard, schwarzer Grund mit indischen Mustern. Die Aermel, zur Hälfte aus Tüll point d'esprit, zur Hälfte aus Foulard, lassen den Oberarm durchschimmern, und eine plissirte Rüsche aus schwarzem Tüll point d'esprit gestattet dem Oberhals eine freie Bewegung. N b 5 Es war doch gut, daß ich letzthin nicht gar zu diktatorisch das Ende der Picotbänder verkündete. Wie ich es ausgesprochen: die Faillebänder mit schmalen Atlasrändern, die changirten und die einfarbigen Moirébänder sind„spezielle Neuheiten“, aber trotzdem hält die Mode an den Picotbändern fest, ja, führt solche mit schmalen gemusterten Picoträndern ein. Und neben diesen Bändern sieht man solche, wie wir sie ebenfalls früher hatten: aus Sammet und aus Plüsch mit Atlaskehrseite, ferner in ganz breitem Maaß⸗ stabe aus Atlas mit feingerippter Faillekehrseite. Und wiederum unter die „ersten Nouveautés“ reihen sich die changirten Bänder mit schmalem Gold⸗ schnurrand und nach der Mitte zu mit zwei Moirestreifen, die satinirten Faillebänder, auf der einen Seite mit breiterem, auf der anderen Seite mit schmalem Moireérand. 5 5 17 Das Jersey- oder Tricotleibchen, in der heißen Saison durch gefällige Blousen aus Foulard, Surah, Satin merveilleus ersetzt, scheint die früher ihm gewährte Gunst im Herbst wieder zu erlangen. Dieses für Viele un⸗ entbehrliche Kleidungsstück leistet fast gleiche Dienste wie das Jaquette; man trägt es auf dem Lande und in der Stadt, auf der Keise und im Hause zu allen Arten von Röcken, besonders zu solchen, welche wa aufbrauchen“ acher Weise oder mit deutscher he man oft großen Toilette im rdert selbstverständlich die um⸗ Herbst⸗Kostümen, hier zwar in oelche Kragen als der Ausdruck ies Plisse aus weißem oder ereme · einen solchen Kragen am Halse. rsuche, und man hält immer noch en aber ohne jegliche Abschluß⸗ ig“ wirken, hat man wiederum ntstehen lassen, unter denen die— n Sieg über alle anderen davon. aue Nüance für jene Hals- und nen, besonders in Krepp, Foulard, zeihen, mit winzigen Stahlperlen⸗ Diese Zuthaten, zu welchen sich und solche Flittern gesellen, gelten u Einheftstreifen, welche, wie jene, wahren. Die Bänder mit großen iden ebenfalls dazu Verwendung, t man, zumal für junge Mädchen, aschstoffen, einfarbig und bedruckt will. Aber das Jerseyleibchen kann niemals das geputzte oder bessere Genre in der Toilette vertreten, so viel Eleganz man demselben durch die Aus⸗ stattung zu geben bemüht ist: durch Soutache⸗ und Perlenstickereien, Brande⸗ bourgs, eine helle Weste oder einen hellen Chemisettheil, eine abstechende Passe ꝛc. Wohl sind diese Garniturtheile von hübschem, jugendlichem An⸗ sehen, aber trotzdem können derartig ausgestattete Jerseyleibchen immer nur einen negligeanken Anzug vollenden, welchen man für das Haus oder des Morgens beim Ausgehen wählt. Als neue Form führe ich die Jerseyblouse an aus fingerbreit gestreiftem Tricot: weiß und roth, weiß und blau, weiß und schwarz, welche an eine entsprechende, indeß quergestreifte Passe ge⸗ kräuselt, ferner die Jerseyblouse, bei welcher die gekräuselten Falten nur auf die vordere Mitte reduzirt sind, hier vom Halse bis zur Taillenbiegung den Schluß einrahmend, und schließlich die Blouse aus dunkelblauem Tricot mit drei glatten Quetschfalten vorn wie im Rücken und mit großem, um geschlagenem Kragen, der herzförmig geöffnet. Der letztere wie die Aermel⸗ Aufschläge sind aus blauem Foulard mit weißen Erbsen. Ein dunkelblauer e mit Perlmutterschnalle geschlossen, hält eine solche Blouse zusammen. Schon macht sich der Herbst, wollen wir auch noch nicht in der Natur an ihn glauben, in den verschiedenartigsten Toiletten⸗Gegenständen bemerk⸗ bar, und es läßt sich mit Gewißheit voraussagen, daß die einfarbigen, vielfach in sich gemusterten und gestreiften, wie die in abstechenden Farben gestreiften Wollenstoffe in den Kleidern herrschen werden. Man gedenkt die Soutache⸗ Stickerei wieder vielfach anzuwenden: als Bordüre oder als Panneau auf Röcken, ferner auf Leibchen, Schößen, Westen, Plastrons, großen Kragen und Revers rc. Die Soutache wird immer hoch⸗ stehend aufgenäht, und derartige Verschnürungen erfordern selbstverständlich nur einfarbige, ungemusterte Stoffe. Das feine, leichte Damentuch will man dazu besonders bevorzugen. Von einer„Herbstsaison“ in den Mänteln läßt sich eigentlich nicht gut sprechen. Es sind die Frühjahrs⸗Mantelets und„Jaquettes, die dann ihr Wiedererscheinen feiern, und nur ganz vereinzelt taucht eine Neuheit auf, wie z. B. die langen Herbstmäntel aus hellbräunlich und aus hellgrau ge⸗ streiften Hennen en Auch in den Regenmänteln giebt sich eine Variante kund; dieselbe gipfelt in der über und über soutachirten Pelerine, welche die anschließenden Regenpaletots aus Tuch vervollständigt. Lose Blätter. Aus Kindermund. Der kleine Eberhard kommt aus der Schule, wirft Buch und Schiefertafel auf den Tisch und springt auf den Stuhl, auf⸗ merksam durch's Fenster sehend.„Nun, Eberhard,“ ruft die Mutter,„was giebt's denn auf der Straße? Willst Du nicht Dein Vesperbrod?“—„Ach, ich möchte gern den Menschenfresser sehen, der heute kommt.“—„Menschen⸗ fresser? Dummes Zeug, Kind; die giebt's nicht hier.“—„O doch, Mutter,“ behauptet der Kleine.„Der Lehrer hat uns gesagt, heute käme der große Judenfresser,(Cremer wurde erwartet) und die Juden sind doch auch Menschen.“ Ein anderes Mal bringt der Kleine, dessen Vater, ein Landwirth, gerade sehr besorgt um die Heuernte war, etwas im Hütchen in's Kinderzimmer getragen.„Kind,“ fragt die Mutter„was bringst Du wieder in Deinem Hut?“—„Das Heu aus meinem Garten, liebe Mutter. Unten fressen es mir die— Schnecken.— Dem kleinen Eberhard ist als dreijähriges Kind im Winter erzählt worden, wie die Blumen jetzt schlafen und erst im Frühjahr durch die warmen Sonnenstrahlen erweckt würden. Einige Monate später zeigt sich eine herrliche Kaktusblüthe am Stock im Fenster. Die Pracht derselben mag die Erinnerung an das Erzählte wieder zurückgerufen haben. Leise schleicht er an das Fenster, hebt sich auf die Fußspitzen und sich vorsichtig der Blüthe zuneigend fragt er:„Blume, hat Dich auch die Sonne geküßt und hat der Engel gerufen: wach auf?“— Fritz und Lieschen haben vor wenig Tagen eine Stiefmutter bekommen und sind bei der Trauung in der Kirche zugegen gewesen. Jetzt spielen sie Beide, noch entzückt von der Festlichkeit, mit dem Baukasten Hochzeit.„Das ist die Kirche, das der Altar,“ erklärt Fritz dem jüngeren Schwesterchen.—„Aber Fritz.“ fragt die Kleine, in das Spiel vertieft,„wo er denn die Eltern?“— „Siehst Du nicht, Lieschen,“ zeigt Fritz,„die Säule ier das ist die Mama, und der größte Klotz, das weißt Du doch, der größte Klotz ist allemal der— Papa.“ Aber auch ernstere Fragen beschäftigen das Gemüth der Kleinen und mancher ihrer kindlichen Aussprüche kann uns zu denken geben.„Tante,“ bittet mich vor kurzer Zeit meine kleine, siebenjährige Nichte, welche seit ziemlich einem Jahre die Schule besucht,„Tante, darf ich Dich etwas fragen, was mich schon lange quält?“ Und dabei machte das sonst so lustige kleine Ding ein ganz besorgtes Gesichtchen.—„Frage nur zu, mein Liebling.“— „Tante, ist es wirklich wahr, giebt es eine Hölle und einen Teufel?“ M- tz. Wie und wo der Dünger zu Ehren kommt. Im schwäbischen Welzheim pflegt man„im wunderschönen Monat Mai“ die stattlich ausgeputzten„Mai⸗ bäume“ zu Ehren der Tochter oder des Hausmädchens auf den Dünger⸗ haufen zu stecken, wahrscheinlich weil man hier auf die große Wichtigkeit des Düngers Rücksicht nimmt, den man als den eigentlichen Schatz des Bauers betrachten kann. Man pflegt dort auch soviel Birken als Rinder, und soviel Tannen als Pferde sich 1 dem Hofe befinden, auf den Dünger zu pflanzen, wahr⸗ scheinlich in der Ueberzeugung, daß ein solches Vorgehen dem Vieh wohl bekomme, wie man in Irland am ersten Maiabend jede Kuh über an⸗ gezündetes Stroh oder Reisig springen läßt. Th B. 1 2320.. Kapsel-Räthsel. Versuch's, das Ende von dem einen, Schach. Saen n von 1. Wort. Problem Nr. 470 eschickt zu neuem Wort zu einen, i ipzi id wos de sueß daf vn fer— 1. Einen Raubvogel. 2. Einen e der Donau. 3. Den Namen Schroarz. eines e Aan en Staatsmannes. 4. Kreisstadt im preuß. Re⸗ 2 gierungebezirk Breslau, Wenn sich zwei Herzen scheiden,. 23.,, 8 Die sich dereinst geliebt, 72. ,,.. Das ist ein großes Leiden, 1, 4., 7 . Wie's größ'res nimmer giebt;. 4 e N Es klingt das Wort so traurig gar: 2,,, f Ven, 175 5 5 e e 2, 9.,, 6 enn zwei Herzen scheiden,,. Die sich dereinst gelleht 7....,... 5,.. 5 e 2, 2 Räthsel. 8 i ö Es ist ein kleines Ding, ihr habt es vor euch stehn, 5—, 4 Und vielemale ist's hier groß und breit zu sehn; 8,, 2, ,. Allein ihr sehet es doch in dem Auge nimmer, e, 3 5 3 Wiewohl es jederzeit zu schauen in dem Zimmer.. S, 1 Die Hölle hat es nicht, im Himmel muß es sein,, 7 g Im Wasser fehlt es auch, doch nie im Bier und Wein,,, e, 2 a In deinem Kopfe ist es niemals zu erspähen,,,, 1 1 Doch auf der Stirn, da kannst du's klar und deutlich sehen, e, e i g Recht in der Mitte wirst du es gewiß dort schau'n,.* N. 1 4 Doch in der Mitte selbst, du darfst mir sicher traun, f. e 1 Du siehst es eben selbst, ist's in der Mitte nicht. Im Kath 7 es, 55 es das— g 4 1 g U Im Räthsel aber wirst u's nimmermehr ergründen, 3 5 Doch hast du Sinn, wirst du sogleich im Sinn es finden. Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. 1 a 2 Partie Nr. 269, 5 Silben— Räthsel. gespielt im Meisterturnier zu Frankfurt am Main. . Aus folgenden Silben: Weiß: B. Englisch aus Wien. Schwarz: Schiffers aus Petersburg. 1 a a an as bag burg da drid er ez gau ger gott ha he hir karls 1) dz da d- dõ 28) Df3— cg De2—e5 13 land land leip li ma ma ma man mi na ne pa rad ran ren ren rho 2) ee 7e 29) De3—13 LdS-bG ö ri ro ru so ster su sy ta then tor ul za zig 20 3) 8b1-es 8g8 16 30) Le2- da h6—h5 sind 18 Worte zu bilden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten ge- 4) Lel—85 18—e7 31) b3.—b4 Lbé— da lesen, den Namen eines Künstlers und dessen Geburtsstadt, und deren End. 5) 3 5 32) Pl3— dlz Ld 4-2 buchstaben, von unten nach oben gelesen, ein Werk desselben ergeben. 60 5 78 es 35) Kg 12.0) De Die 18 Worte bezeichnen: 9 5 9 8 1 di 18 1. Eine Stadt im schwedischen Lappland. 2. Eine Inselgruppe im 9 e Sd7—18 Stel 5 45 41 ie Partie am 5 Sibafile. 1 8 abt in luß in 1 ach Ein Negervolk in 10 Ddl—bs 9) 81896 ellung nach* gabe von Schwarz. Südafrika ine Stadt in Spanien. in mächtiges altes Volk in 2— f Asien. 7. Eine Stadt im Großherzogthum Baden. 8. Ein ungarisches 12 185 20 1 2 2.. L* f Komitat. 9. Eine Stadt in 5 10. Eine Festung in Preußen. 13) Le2—d3 Sg6—h4 a 11. Eine Stadt in Mittelägypten. Schwedische dandschaf am bott⸗ 14) Stag: Lié—ha: 1947, 1 nischen Meerbusen. 13. Stadt in Sachsen 14. Eine Stadt in Numidien. 15) e3—e4 d. 5 15. Königreich in Zentralafrika. 16. Provinz i im nördlichen Irland. 17. Fluß 16) Lds—e: Tha—f6 5 4 2 n 4 1 in der Schweiz. 18. Schwedische 885 in der Ostsee. 17 8 Dds—o7 5 ö 18) Db3—f3 Les-d 1 1 * 3 ue,„ e er der. Charade in voriger Nummer: Wehmuth; 5 e 15—45 2 8 f — der dreisilbigen Charade: Tagedieb;— der Königspromenade: 21 Tel—b! 17—f9— ö 1 Holder Lenz, du bist dahin! 22) Se2—3 Ld7 es 2 4. Nirgends, nirgends darfst du bleiben! 23) 8g3—e2 e6—e5 ,, 1 Wo ich seh' dein frobes Blüh'n, 24) da4—e5: Der- 68 3. 2 8 1 Braust des Herbstes banges Treiben. 25) 3 35 Fg 2 1. A N 1 Wie der Wind so traurig fuhr 200 8 3— 1 2e5—e2 2 2 Durch den Strauch, als ob er weine, 27) 1408. Lg5-— ds: Weiß. 1 Sterbeseufzer der Natur f 5 5 Schauern durch die welken Haine. 1) In der deutschen Schachzeitung werden hier die Fortsetzungen Li: nebst el es und 1 (Wieder ist, wie bald! wie bald! 8 0 de e n 5 Mir ein Jahr dahin geschwunden. as Nehmen ist sofort verderbli war geboten. 8 1 Fragend rauscht es aus dem Wald: die 2 Test nebst 745 F erobert wb. 1 ande an eng „Hat dein Herz sein Glück gefunden?“. 1 N Waldesrauschen, wunderbar 0 Hast du mir das 775 getroffen! Aus der Schachwelt. . Treulich bringt ein jedes Jahr 1 einem 0 14. und. au 9 abgehaltenen Congresse der böhmischen Schach. 1 1 Welkes Laub und welkes Hoffen! Nitolaus Lenau.) 7—— J. Kotrc den ersten und oucka den zweiten Preis im Hauptturnier davon. 5 N.. in Simultanspiel des berühmten Pro lemtomponisten J. Dobrusky ergab das glänzende 1 171— des magischen Quadrats: Resultat von neun gewonnenen Partien, bei einem Remis und nur zwei verlorenen Partien. 1 5 3 1 1 1. 1 12 Der Wettkampf zwischen Mackenzie und Blacdburne ist durch des Erstern Rückreise nach 1 . ar e e e Amerila vorläufig unmöglich geworden.. 4[EA n 1 „ I. II X E 7. N 1— 5 Am 18. September feierte der stölner Schachklub sein diesjähriges Stiftungsfest durch ver⸗. . B AN D schiedene Turniere, ein erstes für stärkere, ein zweites für weniger flarle Spieler nur ein freies 0 133 Tambola-⸗Turnier, über deren Verlauf erst in nächster Nummer berichtet werden lann. 14* ö——. 1 12 N D E 1 1 in 1 1—— rens 14 durch diesen Sieg alz— layer“ für 0 eg als„champion player- fü Druck und Verlag der„Volls-Zeitung“, Akt.-⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in 2 ö