2 ———9———— en von 1 e * Martina Erwiderung finden könne, getäuscht zu haben. vergangenen Tages besinnen konnte. N ü tauchten in ihm auf; er durfte nicht so scharf und unvermittelt mit e ee 500 zu den Obherhessischen Machrichten. Jeder Nachdruck aus dem Juhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nr. 35. Gießen, den 29. August. Die Erbin. Von Josephine Gräfin Schwerin. (Fortsetzung.) XI. Heddenheim hatte es sich schon auf der Heimfahrt von Orns— hagen gesagt, daß er Martina nicht wiedersehen dürfe, jetzt war ein neuer Moment dazu gekommen; auch das Gespräch in der Stadt, das ihren und seinen Namen zusammen nannte, mußte ver— stummen. Er machte sich die bittersten Vorwürfe, leichtsinnig nicht an die Zukunft gedacht, in dem Glück der Gegenwart sich über die Tiefe seines eigenen Gefühls, über die Möglichkeit, daß es bei Jetzt gab es nur Eines, was ihm Ehre und Pflicht geboten: Trennung. Er konnte sich eines Gefühls unaussprechlich süßen Glückes nicht erwehren, das ihn bei dem Gedanken erfüllte, von ihr geliebt zu sein; freilich durfte er sich diesem Gedanken nicht hingeben, denn es zog ihn gewaltsam zu ihr und doch durfte er sie nicht wieder⸗ sehen, er mußte fern bleiben und schweigen. Was sie von ihm denken, welche falschen, unedlen Gründe sie seiner Handlungsweise unterlegen würde— er mußte es tragen, ihm blieb keine Wahl. Martina, das wußte er gewiß, würde die Unsicherheit seiner Zukunft nicht schrecken, doch Frau von Hartwitz. Wie hart hatte er sie über Berting urtheilen hören, der es gewagt, Anneliese in sein zweifel⸗ haftes Geschick hineinzureißen, und hier war es noch tausendfach schlimmer; er trat als der reiche Mann vor sie hin, der seiner Gattin ein Loos bot, das an jedem Tage eine vollkommen andere Gestalt annehmen konnte. Nein, er durfte, er wollte es nicht, es wäre unehrenhaft. Eine Erklärung für sein Verhalten konnte er ihr nicht geben, so mochte sie ihn verachten und dann— vergessen. Wie er Martina kannte, mit ihrem starken, stolzen Sinn, würde sie s bald überwinden, sie würde nicht an einer unglücklichen Liebe hinsiechen, den Mann, der sie plötzlich und scheinbar grundlos ver⸗ ließ, noch ferner zu lieben, würde ihr Stolz ihr verbieten. Er hatte sich so sicher gefühlt, hatte gemeint, die Liebe könnte ihm nichts anhaben, und nun hatte sie ihn doch mit ungeahnter Gewalt erfaßt. Er hatte noch lange, in Nachdenken versunken, in seinem Wohn⸗ zimmer gesessen, erst spät stellte sich endlich die Müdigkeit ein. Als er in das Schlafzimmer trat, fiel sein Blick auf Martinas Rosen, die er, als er sich zum Diner angekleidet, dort gelassen hatte, um sie nicht fremden Blicken preiszugeben. Er nahm sie in die Hand, drückte einen Kuß darauf und legte sie dann sorgsam in sein Taschen⸗ buch— sie sollten ein Erinnerungszeichen an eine kurze, glückliche Zeit sein. g Er erwachte am nächsten Morgen mit einem schweren und wüsten Kopf, und es dauerte eine Weile, bis er sich auf die Erlebnisse des Allerlei Gedanken und Pläne Ornshagen brechen, wenn er allmählich seltener hinausführe und dann endlich ganz fernbliebe, würde es nicht auffällig scheinen. Würde er denn aber stark genug sein, Martina wiederzusehen, nach— dem er ihr süßes Geheimniß wußte und sich über sein eigenes Herz klar war, ohne sich zu verrathen, und wenn selbst, wäre es denn nicht nur eine stets erneute Qual für ihn und für sie, ein immer länger ausgedehnter Schmerz? Am besten dünkte es ihn zu verreisen, ein kurzer Abschiedsbesuch würde ihm möglich sein; er konnte dann eine dringende Geschäftsreise, plötzlich erwachende Reiselust, irgend etwas vorschützen und ging dann fort, weit fort, das mußte den Alp von seiner Brust nehmen. Doch augenblicklich ließ es sich kaum thun, daß er das Geschäft verließ; große Sendungen wurden erwartet und waren zu expediren und überdies war ja nichts als ein Auf— schub gewonnen, sobald er zurückkehrte, mußte sich der Bruch voll— ziehen, der durch die Reise nicht bewirkt war. So blieb er. Einige Tage später forderte ihn Weber auf, ihn nach Orns⸗ hagen zu begleiten, er wolle nach Willy sehen, der neulich etwas gehustet habe. Heddenheim machte sich an seinem Schreibtisch zu thun, während er es unter einem nichtigen Vorwande ablehnte. Weber schwieg, doch traf den Freund ein prüfender Blick. Die Ablehnung wiederholte sich zum zweiten Mal. Weber nahm sie wieder ohne Einwand hin, doch berichtete er am nächsten Tage, Frau von Hartwitz habe sich einigermaßen verwundert ge— äußert, daß Heddenheim so lange nicht draußen gewesen, ja, Fräulein Martina sei sichtlich ein wenig gereizt darüber, sie lasse ihm sagen, man dürfe seine Freunde nicht also schlecht behandeln, es habe wie ein Scherz klingen sollen, aber eine gewisse zornige Erregung sei nicht zu verkennen gewesen. Darauf folgte eine minutenlange Pause, dann sagte Weber: „Ich kann hinter diesem plötzlichen thörichten, ganz unberechtigt thörichten Zurückziehen nur die Wiederkehr Deiner alten Grillen, die ich überwunden glaubte, sehen. Sage einmal, Konrad, willst Du wirklich Dein und eines lieben, vortrefflichen Mädchens Glück einem Phantom opfern?“ „Phantom?“ fuhr Heddenheim auf,„als ob es sich nicht um ein sehr Thatsächliches handelte! Du hast recht, mir einen Vorwurf zu machen, ich mache ihn mir bitterer, als irgend ein Anderer es kann, darüber, daß ich leichtsinnig die Beziehungen mit Ornshagen angeknüpft und fest gehalten habe, daß ich mich über mein Gefühl für Martina selbst täuschte, ja, täuschen wollte. Ich bin ja kein Stein, kein Eisblock, ich hätte es ja wissen müssen, daß ich nicht die Nähe dieses Mädchens, die süße Vertraulichkeit mit ihr tragen konnte, ohne der Gefahr zu erliegen. Ich ging lange wie ein Blinder umher, als ich aber sehend wurde, da blieb mir nur Eines: den grausamen Schnitt zu vollziehen, so lange es noch Zeit war, bevor ich daran verblutete.“ 7,8— 274.. 00 80 „Und Martina?“ fragte Weber statt der Antwort. „Sie ist ein starkes Mädchen, sie wird es nicht allzu schwer überwinden— ihr Stolz wird ihr helfen, mich zu vergessen.“ „So,“ murmelte Weber vor sich hin. Heddenheim sah ihn forschend an.„Du meinst nicht?“ Weber zuckte die Achseln.„Wie soll ich es wissen! Ich bin kein Frauenkenner. Nur halten starke Naturen das einmal Er⸗ griffene bisweilen fester als schwache.“ „So hätte ich durch meine Sorglosigkeit eine um so größere Schuld auf mich geladen.“ „Die Du sehr leicht zu zahlen im Stande bist, mein Sohn,“ erwiderte Weber mit gutmüthigem Humor. „Niemals kann ich Martina's Loos an mein unsicheres binden, und wenn ich es wollte, ich dürfte ebenso wenig meines Onkels streng gehütetes Geheimniß preisgeben, wie ohne das um ihre Hand werben.“ „Chimäre!“ war Webers einzige Antwort. „Denke darüber wie Du willst,“ entgegnete Heddenheim,„ich weiß, was mir meine Anschauungen von Recht und Pflicht gebieten.“ Seitdem berührte Weber diesen Gegenstand nicht mehr und Heddenheim, so heiß es ihn verlangte, von Martina zu hören, fragte nicht nach ihr. Seine Sehnsucht steigerte sich unter diesem ge⸗ waltsam geübten Zwange zu einem krankhaften Empfinden und wenn er es sich auch stündlich sagte, daß es am besten sei, wenn er nichts mehr von ihr hörte, so hätte er doch viel darum gegeben, wenn Weber sein Schweigen gebrochen. Diesem entging des Freundes Zustand nicht und er sah in demselben das sicherste Zeichen baldiger Rückkehr zur Vernunft,“ wie er es nannte. Beinahe drei Wochen waren so vergangen. Heddenheims ge⸗ schäftliche Verhältnisse gestatteten ihm jetzt möglicher Weise ein längere Abwesenheit und nachdem der Bruch mit Ornshagen vollzogen war, versprach er sich von der Entfernung und von neuen Eindrücken das Beste. Er beabsichtigte nach England zu gehen, vielleicht, daß er dort auch über seines Onkels Verheirathung und den Verbleib von dessen Gattin in diskreter Weise Erkundigungen einziehen konnte. Er mochte es sich selbst nicht gestehen, daß sich die Hoffnung leise in ihm regte, er möchte vielleicht erfahren, daß Jeanne todt sei, dann stand ja seinem Glück nichts im Wege. Die Vorbereitungen zur Abreise waren schon getroffen; in einigen Tagen meinte er aufbrechen zu können. Er hatte eben eine längere Rücksprache mit seinem ersten Buchhalter gehabt und diesem mitgetheilt, daß er eine längere Zeit, vielleicht einige Monate abwesend bleiben werde; derselbe hatte es mit sichtlicher Ueberraschung aufgenommen, dasselbe Erstaunen, sagte er sich, würde seine Reise, von der er selbst Weber noch nichts angedeutet, noch bei Unzähligen erregen. Er ging grübelnd im Zimmer auf und ab; die Gedanken wirbelten in seinem Kopf durch— einander, das Herz lag wie ein Stein in seiner Brust, ihm wurde das Athmen schwer. Er stieß den Fensterflügel weit auf, doch auch das wollte nichts helfen, es war ja nur eine dumpfe, staubige Stadt⸗ luft, die sich da hereinwälzte. Ihm fiel plötzlich ein, daß, seit er zuletzt in Ornshagen gewesen, er die Stadt nicht mehr verlassen hatte, wie war es ihm nur möglich gewesen das zu ertragen! Er klingelte und befahl anzuspannen. Es war nicht eigentlich angenehmes Wetter, ein heftiger Wind wehte und als er hinauskam, entdeckte er, daß es seitdem Herbst geworden war. Das Laub hatte sich ge⸗ färbt, der ganze Ton und Charakter der Landschaft war nicht mehr sommerlich, es lag wie ein Hauch des Abschiednehmens und Sterbens über der ganzen Natur; das wirkte nicht befreiend, aber die Luft that ihm doch wohl. Er wollte an die See, das Rollen und Brausen der Wogen hören, sich von dem Winde durchwehen, von dem Schaum bespritzen lassen. Zehn Minnten vor dem eleganten Seebad, das der Stolz der Bewohner D.'s war, bog vor der Hauptstraße ein Seitenweg ab, der nach kaum halbstündiger Fahrt direkt an den Strand führte. Es erhob sich hier eine nach der See hin steil abfallende Höhe, von der aus man einen herrlichen Fernblick über das Meer, den Strand und in's Land hinein genoß. Es war dieselbe ein häufiges Ziel der zu Fuß und zu Wagen unternommenen Ausflüge der Kur— gäste jenes Seebades, und infolge dessen hatte sich am Fuße der Höhe auch ein kleines, freilich ziemlich primitives Gasthaus etablirt. In dieser vorgeschrittenen Jahreszeit durfte Heddenheim indeß nicht fürchten, die Einsamkeit, die er suchte, durch Andere gestört zu sehen, der Badeort war wahrscheinlich vollständig leer, von der Stadt fuhr kaum Jemand hierher und überdies ließ sich die Höhe umgehen und ihn aufzusuchen. man gelangte dann durch eine Art Schlucht unmittelbar an den Strand. Hierhin lenkte Heddenheim die Fahrt. Vor dem Gast⸗ hause, das nicht viel besser als irgend ein armseliges Fischerhaus aussah, ließ er halten, sprang aus dem Wagen und befahl dem Kutscher zu warten; dann schlug er zu Fuß den Weg zum Strande ein. Die grün schillernden, schaumgekrönten Wogen kamen wuchtig und breit dahergerollt, um dann am Strande hoch aufspritzend zu zerschellen, ein großartig schöner Anblick, der sich Heddenheim bot, während er die Schlucht passirte. frische, feuchte Luft, ihm that es wohl, sich den Wind um Haupt und Brust streichen zu lassen; am Ende der Schlucht blieb er stehen, das mächtige Schauspiel vor sich betrachtend. Eine dunkle Wolkenwand stieg am Horizont empor, der Wind jagte als Vor⸗ läufer einzelne Wolkenfetzen über den lichtblauen Himmel und wie sie über die Sonne, diese verdunkelnd, hinflogen und sie dann doch wieder siegreich hervorbrach, wechselte auch die Farbe der Wellen, vom dunkeln Grün zum tiefsten Blau und Violett. Der Anblick mußte von der Höhe aus noch schöner sein und Heddenheim be⸗ dauerte schon, nicht doch lieber den Weg hinauf eingeschlagen zu haben. Da erinnerte er sich, daß auch von der Seeseite aus ein zwar steiler und unbequemer, aber für gute Fußgänger doch immer⸗ hin benutzbarer Pfad hinaufführte und beschloß nun auch sogleich, Kaum daß er, aus der Schlucht hinaustretend, sich rechts wandte, als er in einer durch die See ausgewaschenen Vertiefung der steil aufsteigenden Höhe eine weibliche Gestalt sitzen sah. Sie hatte das Gesicht auf die verschlungenen Hände gegen die Erdwand gestützt, das Tuch, das sie um den Kopf geschlungen, war herabgeglitten— es war ein Bild tiefen Schmerzes; diese schlanke, biegsame Gestalt, dieses nachtschwarze Haar— er fühlte seinen Herzschlag stocken— konnte er sich täuschen?! Mit einem Schritt war er an ihrer Seite. „Martina!“ Sie fuhr auf und starrte ihn einen Moment wie eine Er— scheinung an, dann stand sie auf ihren Füßen.„Wie kommen Sie hierher?“ Der Ton schwankte zwischen Schreck und Freude, ihre Augen hingen an ihm, sie hatte nicht einmal daran gedacht, die Thränen von den Wangen zu wischen und duldete es, daß er ihre Hände ergriff. Es dünkte ihr, er müsse sie gesucht haben, um ihretwillen hergekommen sein. Ohne ihre Frage zu beantworten, stammelte er:„Sie hier, Martina, in Sturm und Wetter und, o mein Gott, Sie haben geweint?“ Es war so unverkennbare Ueberraschung, die aus seinen Worten sprach, daß sie aus dem süßen Hoffnungstraum, der sie einen Augenblick umfangen gehalten, jäh erwachte. Sie entzog ihm rasch ihre Hände und zog das Tuch über den Kopf.„Mich hatte wieder einmal die Krankheit der Traurigkeit überfallen,“ sagte sie mit fester, beinahe harter Stimme,„weiter nichts, die See ist mein Heilmittel.“ „Auch ich suchte, wenn nicht Heilung, so doch Beruhigung, der Sturm draußen sollte den Sturm in mir dämpfen,“ drängte es sich ohne Ueberlegung und Besinnung über seine Lippen,„und nun plötzlich stehen Sie vor mir, Martina, nach deren Anblick ich mich esehnt—“ 5„Bitte, nicht weiter,“ unterbrach sie ihn,„Sie sollten wenigstens so viel Achtung vor mir haben, mich nicht mit Phrasen abfinden zu wollen.“ Sie war, ihn mit stolzem Blicke messend, einen Schritt zurückgetreten und setzte jetzt achselzuckend hinzu:„Diese Sehnsucht wäre leicht zu befriedigen gewesen, wenn Sie Ornshagen nicht be— harrlich gemieden hätten.“ f Vergessen war, was er sich wochenlang gesagt und vorgesetzt, vergessen, daß er gemeint, ihre Verachtung tragen zu müssen, daß er schweigen gewollt, um jeden Preis.„Martina!“ rief er,„o Sie zürnen mir; doch wenn Sie wüßten, was ich in dieser Zeit gelitten, wenn Sie wüßten, was mich zwang—“ „Ich weiß es.“ „Sie wissen—?“ „Ich meine, allzu dunkel war Ihre Handlungsweise nicht.“ Ein spöttisches Lächeln zuckte um ihre Lippen.„Da der Zufall uns aber, wider meinen Wunsch, noch einmal zusammengeführt hat, will ich Ihnen Eines sagen: wer den wenig rühmenswerthen Muth hat, Vertrauen zu täuschen, der sollte denn auch den Muth haben, den Schein zu wahren und zu thun, als wüßte er nichts.“ Er athmete in tiefen Zügen die r mer.. etend, hen en en die wür lanke, seinen cht e Er⸗ n Sie ihte „ die r ihte „un hiet, haben orten, einen rasch wieder ie mit mein 9 der 85 sc D nun 0 mich igen finden chtit hnsuct t be gseh, 10 5 10 Ei liter, nicht. uf it ha Muh habe, 1 FFF — 5 8 e e e 275. N „Martina, Sie ahnen, Sie wissen— daß ich das Buch nahm—?“ „Ich sah, daß eine fremde Hand es berührt hatte.“ „O, vergeben Sie!“ Es giebt Dinge, die ein Mädchen niemals vergiebt— hören Sie wohl, niemals— leben Sie wohl!“ Sie wandte sich zum Gehen; er stürzte ihr nach und ergriff ihre Hand.„Sie dürfen nicht gehen, so nicht, nicht bevor Sie mich gehört haben; jetzt ist das Siegel gelöst, mag kommen was da wolle, ich muß— muß reden und Sie müssen mich hören.“ Sie war stehen geblieben; seine Stimme, die so geliebte Stimme, redete so überzeugend und doch— Er bemerkte ihr Schwanken. „Bleiben Sie, Martina,“ bat er,„wenn Sie mich gehört haben, dann gehen Sie und verdammen mich, wenn Sie's dann noch können. Ich hatte von Tag zu Tag hingelebt, in dem Glück Ihrer Nähe nur an die Gegenwart gedacht, und hatte mich nicht gefragt, was es war, was mich so tief beseligte— vielleicht weil ich die Antwort fürchtete und nur glücklich sein, nicht weiter denken wollte. Da, als ich an Ihrer Verwirrung erkannte, daß jenes Buch ein Geheimniß Ihres Herzens enthielt, tauchte jäh der Gedanke in mir auf, Sie könnten Weber lieben, weshalb nicht, er verdiente Ihre Liebe tausendfach. Und wie die wahnsinnige Eifersucht, nur bei der Möglichkeit, mich überfluthete, wußte ich auf einmal, was ich mir so lange verhehlt, daß ich Sie liebte, heiß, leidenschaftlich, unaussprechlich! Ich mußte Gewißheit haben, ich ergriff das Buch und fand, was mich unendlich selig machte und mich doch zugleich auf immer von Ihnen verbannte, denn der Mann, dem das un— sägliche Glück zutheil wurde, von Ihnen geliebt zu sein und der doch nicht wagen durfte, das höchste Geschenk aus Ihrer Hand zu begehren, der— durfte Sie nicht wiedersehen. O, Martina, ich hoffte und fürchtete zugleich, daß Sie mich, wenn ich so verschwand, als ein Unwürdiger, der Ihrer Liebe nicht werth war, vergessen, verachten würden, und nun— o, Martina, sagen Sie mir das Eine: haben Sie um mich geweint?“ Einen Augenblick zögerte sie, dann sagte sie, tief aufathmend: „Ich bin zu stolz zu lügen— ja.“ „Geliebte, Einzige, glauben Sie es jetzt, daß ich Sie liebe, daß ich namenlos gelitten habe, während ich Ihnen fern blieb?“ Sie wandte sich um und erhob einen Moment die Augen zu ihm.„Und weshalb blieben Sie weg?“ kam es leise, wie ein Hauch über ihre Lippen. „Weil ich— o, Martina, weil ein ungewisses Loos über mir schwebt, ein Verhängniß, die Möglichkeit, daß ich einmal nicht mehr der bin, der heute vor Ihnen steht, sondern ein armer, nichts be⸗ sitzender Mann. Deshalb muß ich unvermählt bleiben, darf ich des geliebten Mädchens Schicksal nicht an das meine binden.“ Es ging wie ein helles Leuchten über ihr Gesicht.„Und das ist Alles? O, Sie thörichter Mann, so gering von eines Mädchens Herz zu denken! Liebe ich denn Ihren Namen, Ihre Stellung, Ihr Vermögen? Bleiben Sie denn nicht mit und ohne dies derselbe?“ „Martina, Theure, Geliebte!“ „Gehen Sie, ich sollte Ihnen zürnen und— kann es doch nicht, weil ich so glücklich bin.“ „So mag denn kommen, was da will, ich liebe Sie, liebe Sie, Martina und will nichts denken und fühlen, als das Eine!“ rief er außer sich und bedeckte ihre Hände mit Küssen.„Trostlos kam ich her und reich, überreich und selig kehre ich heim.“ „Auch ich,“ sagte sie mit strahlendem Lächeln,„Sie böser, lieber Mann.“ „Und doch— Sie müssen Alles Sie schüttelte lächelnd den Kopf. daß Sie mich lieben.“ „Doch Frau von Hartwitz muß es erfahren, ihr muß ich Alles sagen, vielleicht— urtheilt diese anders als Sie.“ Das Lächeln schwand nicht von Martina's Lippen.„Sorgen Sie nicht, ich kenne meine Tante. Und nun leben Sie wohl.“ Sie hatten Beide nicht darauf geachtet, daß die dunkeln Wolken unterdeß heraufgekommen waren und allmählich den ganzen Himmel bedeckten und nun rauschte plötzlich ein gewaltiger Regen, von heftigem Winde gepeitscht, herab. b „um Gotteswillen, so dürfen Sie nicht nach Hause,“ rief Heddenheim,„ich bringe Sie in meinem Wagen nach Ornshagen.“ „Nein, nein,“ wehrte sie ab,„nicht mit Ihnen, jetzt nicht.“ „So fahren Sie allein, ich warte hier.“ wissen, Martina.“ „Nichts will ich wissen, als „Bewahre,“ schlug sie auch das ab, sollte mir ein bischen Regen schaden!“ Sie hüllte sich fest in ihren Mantel. Adieu, bis morgen.“ „Bis morgen.“ Sie sahen sich an, und nun plötzlich lagen sie sich in den Armen und ihre Lippen fanden sich in einem heißen Kuß. Der Wind heulte um sie her und der Regen strömte auf sie nieder. Sie riß sich los. „Er ist gekommen in Sturm und Regen,“ jauchzte sie. wohl.“ „Lebe wohl.“ N Mit raschem, elastischem Schritt ging sie die Schlucht entlang. Er blieb stehen, so lange er die geliebte Gestalt noch sehen konnte, als sie hinter dem Berge verschwand, wandte er sich zum Gehen. Nach wenigen Minuten hatte er seinen Wagen erreicht und fuhr heimwärts, in wie anderer Stimmung, als er vor einer Stunde denselben Weg zurückgelegt hatte. Die herbstliche Landschaft, die ihn zuvor an Sterben und Verlieren gemahnt, dünkte ihn nun ein Bild unaussprechlicher Schönheit, in Farbenglanz und Lieblichkeit getaucht. Später, als sich der Sturm des Empfindens in ihm sänftigte, kehrten auch die Kämpfe wieder; hatte er nicht doch unrecht ge— than, von dem zu lassen, was er so lange für Recht und Pllicht gehalten? Was war denn nun anders geworden, als daß der ge— liebte Mund es ihm selbst ausgesprochen, was er schon gewußt! Vielleicht freilich brach das Gefürchtete nie über ihn herein und wenn— hatte Martina nicht gelächelt über seine Bedenken, war sie nicht stark und gut und würde mit ihm tragen, was dann kam? und die Liebe mußte ja auch das Schwere leicht machen, so wollte er nichts als glücklich sein.. (Fortsetzung folgt.) „ich bin wetterfest, was „So, ich bin's gewöhnt. „Lebe ii Novelle von Frida Schanz. (Fortsetzung.) IV. Die Oede und Leere, die noch lange Zeit seit des blonden Knaben Abreise aus dem Kloster den einsam gebliebenen Silas um⸗ fing, lenkte dessen Gedanken zu der Erkenntniß, wie sehr er noch immer„Mensch“ sei und wie auch der in Gott versenkteste und vertiefteste Geist dem hold schmeichelnden Zauber der Welt, wie er ihn selbst in Gestalt des geliebten, jungen Freundes beschlichen hatte, unbewußt zugänglich sei und bleibe, so lange die körperliche Hülle ihn umfange. So traf er seine Träume, die dem Geschiedenen in die Ferne folgten, wieder und wieder auf den irdischen Bahnen, die er so lange gemieden hatte, und in einer Art von Erbarmen gegen sich selbst gönnte er seinem Denken den erdwärts gerichteten Flug. Zu seinem eigenen Trost gewahrte er, wie dieses Näherrücken an das Vergängliche sein inniges, kindliches Verhältniß zu dem Herrn nicht trübte, wie er vielmehr das Walten Gottes besser und tiefer ver— stand, jemehr er es mit der Welt in Einklang und Zusammenhang zu rücken strebte. Als belächelnswerthe Thorheit aber drängte er den Wunsch zu⸗ rück, der ihm bei Wilram's Botschaft wie ein übermüthiger Lenz— falter den ernsten Sinn umflatterte. Die Lust, des Gehringer's Einladung zu befolgen und Franz wiederzusehen, kam ihm schier übermächtig an's Herz, und er mußte einen wahren Strom auf; quellender Gedanken zurückdrängen, bis er die traurige Antwort fand, daß er nicht mehr in die Welt passe. Seiner Sehnsucht nach dem Entfernten stellte er die heimliche Hoffnung entgegen, daß dieser wohl selbst einmal den Weg zu dem treuen Herzen seines Pflegers zurückfinden werde.— Statt des Stillerhofften klopfte aber in längeren und kürzeren Zeitabschnitten nur dessen fröhlicher Knappe mit immer neuer, immer dringlicherer Bitte wieder an die Thür des Mönches, der sich über die treuherzigen Berichte desselben zwar immer von Neuem innig freute, den beharrlich wiederholten Einladungen nach der Burg aber stets denselben sanften und bestimmten Bescheid entgegensetzte. Es schien, als habe Franz wirklich den Pfad zum Kloster vergessen oder 8 8 f 276 als wolle er in kindischem Liebestrotz erproben, wie lange der Mönch kronen, ob er gleich alles nur als ein gesammtes, unerklärbares seinen Bitten widerstehen könne und ob nicht endlich Freundschaft]Behagen empfand, den letzten Rest von Nachdenklichkeit verscheucht, und Sehnsucht über den schwermüthigen Vorsatz siegen werde. und der Mönch mußte ihn zuletzt mit strafendem Blick an seine Schon zum zweiten Male blühten die Veilchen an der Kloster⸗ Gefühllosigkeit mahnen, als er bei der Mittagsrast am plaudernden mauer, seit der junge Adler aus dem Nest geflogen war, und noch Gießbach sich lang in die Farren streckte und mit ungefüger Stimme immer war des Mönches Wunsch, einmal wieder in die schönen, zu singen begann: ehrlichen Augen seines Lieblings zu schauen, unerfüllt geblieben.„O Mägdlein mit den Augen blau, Da tönte an einem Malabend der Hufschlag von Wilmar's Hab' Dank für Deine Treu! Schecken auf's Neue vor dem Klosterthor, und die Brüder, die im Wie lustig dampft der Trunk zum Mahl! milden Licht der scheidenden Sonne im Hofe standen oder wandelten, Der Kienspan flammt mit 5 Strahl, ließen sich durch des Pförtners fröhlichen Willkommgruß nicht un— Dein Spinnrad geht dabei!“— 4 gern aus ihren stillen, frommen Betrachtungen wecken. Doch das Als der zweite Reisetag sich senkte, bog die Straße, auf welcher gutmüthige Gesicht des Boten war heut trüb und nachdenklich, und die Reiter daherkamen, nach des Gehringer's Schloß ab. obgleich im tiefsten Grunde seiner Schelmenaugen auch heut bei„Ist Euch daran gelegen, eine Viertelstunde Weges zu er⸗ allem Ernst ein Rest seiner unverwüstlichen Laune zu blitzen schien, sparen,“ sagte Wilram,„so reiten wir auf dem schmalen Waldsteig, so sah man doch der steifen Würde seiner Haltung deutlich an, der freilich Knorren und Wurzeln hat, aber doch näher zum Ziele daß er bedeutsame Kunde bringe. Zwei große, in dem frisch ge- führt, als die Landstraße.“ rötheten Gesicht seltsam wirkende Thränen trübten auch die letzte Der Mönch lenkte sein Roß schweigend durch das Haselgestrüpp, Spur des frischen Muthes, die seine Blicke noch bewahrt hatten, das den Eingang des Pfades überwölbte; sein Auge war feucht als er den Gottesleuten den Grund seines Rittes zu wissen gab:[und jede Muskel seines Gesichts erwartungsvoll gespannt.— Da N Sein armer, junger Herr lag, von heißem Fieber überfallen, erschaute er bei einer Wegbiegung ein schlichtes, an einen Baum⸗ 1 todtkrank daheim und war drum und dran, das liebe, fröhliche stamm geheftetes Kreuzbild zwischen einem lachenden Flor von 1 Leben dahingeben zu müssen, wenn der blasse Schnitter Tod sich Schwarzdorn und Schlehenblüthen. 14 nicht scheute, solch ein hoffnungsfrisches Reis zu mähen. In Traum„Reitet voraus!“ sagte er ernst zu Wilram,„meldet mein und Wachen, trotz Fieberangst und Schmerzenspein, seufzte er wie Kommen; in wenig Augenblicken folge ich Euch!“ Der Knappe ein eigenwilliges Kind nach seinem frommen Freund; ihn einmal ließ seinem Schecken freien Lauf, und während er fröhlich über noch vor dem Tode zu sehen, war sein Flehen, sein glühendstes Sehnen. Steine und Ranken dahinsprengte, ließ er einen schrillen, klaren Silas, der, während Wilram erzählte, stillschweigend zu der Pfiff durch die hallende Abendluft ertönen. a Gruppe der lauschenden Mönche getreten war, fühlte sein Herz bei Silas aber lag, gleichsam an der Schwelle der Welt, in innigem, der Trauerbotschaft wie von eiskalter Hand gestreift, seine zitternden[flehendem Gebet vor seinem Herrn. Eine tiefe, wunderbare Zu⸗ Finger legten sich bittend auf des Knappen markige Faust. versicht durchströmte sein innerstes Sein, und die Strahlen des „Ich gehe mit Euch, Wilram!“ sagte er.„Stärkt Euch eilig sinkenden Tagesgestirnes, die roth und golden über die zarten zum Heimritt, indeß ich des Abtes Einwilligung erbitte.“— Frühlingsblumen flammten, ließen sein gebeugtes, mildes Antlitz wie Ein fast übermüthiges Freudenlächeln ließ Wilram's Thränen- verklärt erscheinen. Eine solche Ruhe überkam den Beter, daß er paar vertrocknen.„Das nenne ich Freundschaft!“ sagte er.„Roß nicht gewahrte, wie die Zweige hinter dem Bild des Heilands sich und Lanze will ich verwetten, daß Euer Kommen dem Kranken theilten und eine wehende, lichte Locke zum Vorschein kam. Mit schnellere und bessere Heilung schafft, als all' die Tränke und Pillen, einem tiefen, warmen Athemzug erhob sich der Getröstete;— da die man ihn zu schlucken zwingt.— Was Rast und Stärkung hallte plötzlich ein jauchzender, seliger Freudenruf an sein Ohr, und anbelangt, so verzichte ich heut gern auf beides, denn Ihr werdet ehe er Zeit gefunden hatte, sich umzuschauen, lag ein lieber, wohl. ermessen, daß mir der Boden unter den Füßen brennt. Ich und bekannter, blonder Männerkopf an seiner Brust, zwei lachende, über⸗ mein Scheck, wir werden der Anstrengung nicht erliegen, und der strömende Augen blitzten ihm mit unsäglicher Liebe entgegen, und geduldige Braune, den mein Roßbube für Euch daherritt, wird zwei zitternde Lippen flüsterten jubelnd und demüthig zugleich: seinem Herrn zu lieb wohl auch seiner guten Pflege Ehre machen.“[„Vergieb mir, Silas, vergieb mir!“ Trotz seines selbstlosen Verzichtes ließ sich der Brave den gold— Es dauerte lange, bis der Mönch sich so weit zu fassen ver— klaren Trunk, den der Kellermeister ihm herbeibrachte, indeß der mochte, daß er nur ein Wort zur Begrüßung des Ungestümen fand. Mönch nach des Abtes Zelle schritt, fröhlich munden. Silas Zu- Der Sturm, mit dem das still erflehte Glück sich an sein Herz stimmung schien ihn von aller Angst befreit zu haben; kein Heiliger[legte, war zu jäh und zu laut, als daß er ihn schnell zu verstehen hätte sich festeres Zutrauen wünschen können, als der gute Gesell' vermochte. Erst als Franz den Betroffenen traulich in's Moos es in die Heilmacht des ernsten Mannes setzte. herniederzog und mit ehrlicher, liebevoller Stimme wieder und wieder Die beiden Hengste, die im Tannenschatten des Waldrandes sich für den Ueberfall um Verzeihung bat und die ganze fromme, gut⸗ die jungen, würzigen Kleeblüthen und das zarte Maigras schmecken[gemeinte Lüge, mit der er den Widerstrebenden nun doch zu sich ließen, waren mit der Eile, in der Silas sich zum Aufbruch ge- hergelockt hatte, dessen langmüthiger Milde anheimstellte, da schmolz 5 rüstet hatte, offenbar nicht sonderlich einverstanden, so wenig wie die wortlose Zurückhaltung, und die Freude des lang ersehnten 9 der Knabe, der den Braunen hergeritten und der nun— unein- Wiedersehens zog rein und voll auch in sein dankbares Herz. 5 gedenk des kranken Herrn— das letzte Stück, das er Wilram ab—„Ich lernte einsehen, daß kein Bitten und Drängen Dich aus gelauscht, den Finken des Waldes vorpfiff. Deinen heiligen Mauern hervorlocken werde, Du Unbeugsamer,“ Gewandter, als Wilram vermuthet hatte, schwang sich der Mönch sagte der Gehringer,„und doch wünschte ich so dringend, so sehn— auf das Roß, und der Knabe, der hinter dem Knappen auf dem füchtig, Dich einmal, nur ein einziges Mal, losgelöst von der breiten Rücken des Schecken ein Plätzchen fand, sah mit Bewunderung, ehrwürdigen Umgebung, im frischen Tagesstrahl des freien Lebens wie sicher die weiße, schmale Hand den Zügel führte, die sich seit[zu genießen, um Deiner selbst willen, der Du Deinen Ernst einmal, Jahren nur zum Gebet gefaltet. einmal nur vergessen sollst, um hier harmlos heiter den Duft des In des blassen Reiters Brust wechselte die Stille des gläubigen Daseins ins Herz zu trinken,— und meinetwegen, der ich Dich Gottvertrauens mit dem heißen Wogen des Schmerzes. So sehr so innig liebe und mein Recht auf Dich endlich einmal unbeeinflußt er auch das mit dem Ewigen vertraute Herz gegen das bittere, und ganz allein geltend machen möchte!“ schaudervolle Leid von Tod und Sterben gestählt zu haben glaubte, Der sanfte Vorwurf erstarb auf des Mönches Lippen, als er so schneidend berührte der Gedanke, daß Franz, dieser Vollbegriff[dem lieben selbstsüchtigen Weltkinde ins Auge sah. blühenden irdischen Lebens, sterben könne, ihm den gottgefaßten Sinn.„Wie braun und männlich Du geworden bist und wie froh Licht und hoffnungsreich brach nach dem Zwielicht der Mond. Du dreinschaust, wilder Vogel!“ sagte er zärtlich.—„Das Leben nacht der Morgen herein. muß Dir herrlich Wort gehalten haben; deshalb fandest Du wohl Wilram versuchte ein paar Mal vergeblich, die schweigsame auch das ferne Waldthal nicht wieder, in dem Du doch heimlich N Schwermuth des Gefährten durch muntere Worte zu bannen;— ersehnt wurdest, seit Du an jenem braunen Herbsttag den Fuß übe 1 ihm hatte der Duft des Forstes, das zitternde, thautropfende Gras, die Schwelle setztest!“— 1 1 der übermüthige Vogelruf und das wonnige Rauschen der Baum—„Ich wußte, daß ich Dir ein wenig fehlen würde, und eben * d 0 8⸗Kunstausstellung in Berlin: empel von Pergamon mit dem Obelisken. aum, 2 Von der Jubil Der Originalzeichnung von G. Theu er kauf. 278 darauf baute ich meine Hoffnung, Dich hierher zu schmeicheln.— Du hast mir tausendmal gefehlt; denn obgleich das Leben mir hold und verschwenderisch seine Gaben streute, so war mir doch das Herz unter Deiner Hut etwas zu weich geworden, so daß es sich an mancher Ecke blutig stieß, die Andre gar nicht gewahrten. Aber trotz der kleinen Schmerzen erscheint mir das Leben heut noch wie damals, da ich so selig seinen geöffneten Thoren zuschwärmte, als ein wundervolles Geschenk, das nur Thorheit oder überfrommer Eifer hinter düstern Mauern begräbt.“— Im milden Abendschein schritten die Beiden nach dem Schlosse.— Franz gab dem Freund ein lebensvolles, buntes Bild der verflossenen Zeit, fragte zwischendrein nach den Klostergenossen, nach der Moos⸗ bank unter der Tanne und den Waldtauben, denen er Futter ge— streut hatte. „Wie gut Du bist, daß Du aus Liebe zu mir Antheil nimmst an Waffen und Pferden und Falken,“ sagte er plötzlich, indem er des Mönches Hand ergriff.„Doch noch Eins, was das Herz süßer bewegt als Jagd und Kampf, mußt Du mit mir theilen,— ach, daß Dein hoher, heiliger Sinn auch dieses Eine verstehen lernte!“— Kein Fürst hätte sich einen ehrenvolleren, freundlicheren Empfang wünschen können, als er dem schlichten, bescheidenen Gast bei seinem Eintritt in den Burghof zutheil ward. Der stolze Gehringer kam ihm von der Bank unter der Linde, wo er wartend gesessen, ent⸗ gegen geschritten und bot ihm mit ehrsurchtsvollem Gruß die Hand; die Schloßfrau neigte sich wie vor keinem Waffengenossen ihres Gemahls, vor dem Manne, dessen Liebe und Theilnahme ihres Sohnes Prüfungszeit erwärmt und erhellt hatte; lächelnd und feuchten Auges wehrte Silas die Ehrenbezeugungen ab, mit denen man ihn überschüttete. Der Jüngling ließ es sich nicht nehmen, den theuren Lehrer, von dessen Seite er nicht wich, heut noch durch alle Räume der Burg, durch Garten und Hof zu führen. Bewundernd sah der Mönch vom Söller aus die weite, prächtige Schau, die sich im verbleichenden Tageslicht wie ein gesegnetes Traumland zu seinen Füßen dehnte. Das letzte Roth des gesunkenen Maitages verrann. in der unbewegten Abendluft und in großen Bogen kreisten die Schwalben hoch über den Zinnen, zwischen denen ihre traulichen Nester hingen. „Wie groß! Wie schön!“ sagte Silas, und sein Auge suchte den Blick des jungen Gefährten. Franz aber hatte den lockigen Kopf gesenkt und sah in dem ganzen, lieblichen Bilde nur eins; drunten im Gärtlein, wo die Blätter der Apfelblüthen wie leichter Schnee ins Gras wogten, beugte sich ein feines, schwermüthiges Mädchengesicht über den Kelch einer Lilie, deren schimmerndes Weiß von dem blassen Rosenlicht des Himmels überhaucht war. Die Hand des Mädchens hielt einen Krug, aus dem sie die Wurzeln der Blume getränkt hatte, und wie sie nun mit dem goldenen Haar und dem lichten, luftigen Gewand träumerisch neben dem schlanken Blüthen— stengel stand, glich sie einem Engel, der seine Heimath über den Wolken verlassen, um seine Lieblinge auf Erden mit Thau zu netzen. Eine lichte Blutwelle überzog des jungen Gehringers Wangen, als er des Mönches Blick freundlich forschend auf sein Antlitz ge— heftet sah. Noch lange, nachdem des Mädchens Schritt drunten auf dem Sande der Gartenwege verhallt war, standen die beiden Männer auf dem Altan, und der Eine barg in die treue Brust des Andern das liebliche Geheimniß seiner jungen frühlingsduftigen Liebe, von der noch kein Laut zu dem schönen, stillen Mädchen er⸗ klungen war, die er still und heimlich gehegt und die nun im sonnigen Lenz traumhaft ihren geheimnißvollen Wunderkelch erschloß. Silas hörte das zagende Geständniß liebreich an; spät Abends, als er allein am Fenster seines Zimmers stand, als die Schwalben längst in ihren Nestern schliefen und der Mond licht und bleich über den dunklen Stämmen des Hochwalds stand, zogen die Bilder des Tages noch einmal an seiner Seele vorbei; statt des schönen, blassen Maoäͤdchens aber drängte sich ein frischeres, rosigeres Bild aus ferner, ferner Zeit in den Rahmen seiner Gedanken, und ob er gleich das Antlitz in inbrünstigem Gebet auf die gefalteten Hände senkte, um den Zauber zu beschwören, so umklang es ihn doch wie süßes, seliges Kinderlachen und umwehte ihn berauschend wie der Duft längst ver— blaßter, verwehter, nun plötzlich frisch und prächtig erblühter Rosen. Nach unruhvoller Nacht fand ihn der frühe Morgen über sein Gebetbüchlein geneigt, auf dessen letztes, leergebliebenes Blatt er mit zitternder Hand schrieb: „Schon hat dich leise mit goldenem Trug Des Lebens Zauber umfangen. Du zuckendes Herz, nun ist es genug! Komm heim, ach spanne die Schwingen zum Flug, Eh dir im Wirbel das Bangen Nach der Heimath verloren gegangen. Im Lichte breiten die Fernen sich aus, Komm heim, du mein Herz, komm nach Haus, nach Haus! Auf Erden nur bist du ein irrer Gast, Dem sehnend die Schwingen sich dehnen. Komm, eh du dein Heimweh verloren hast, Eh das Leben mit seiner Bergeslast, Mit seinen Räthseln und Thränen Erstickt dein glühendes Sehnen! Im Lichte breiten die Fernen sich aus, Komm heim, du mein Herz, komm nach Haus, nach Haus!“ (Schluß folgt.) Kleine Frauen-Zeitung. Die Mode. Wir sind in den Hochsommer eingetreten und somit zu der Periode gelangt, welche in dem Leben der Mode die stillste Jahreszeit bedeutet. Es mangelt also in gegenwärtiger Saison etwas an Neuheiten. Man hat Alles ausgegeben, und man beschäftigt sich schon mit den kommenden Moden für Herbst und Winter. Diese heut schon näher zu betrachten, erscheint mir aber noch zu früh. ö Schauen wir uns daher lieber ein bischen in der Gegenwart um. Auf dem Lande und in den Bädern werden große Sonnenhüte getragen, ganz durchsichtig und so leicht, daß sie nur einige Gramm wiegen: Capelines aus Spitzen, welche die Luft durchziehen und um den Kop wehen lassen. Ein Spitzenvolant, rings um die Passe gekräuselt, fällt auf das Haar und wirft einen leichten, kleidsamen Schatten über das Gesicht. Aus Paris schreibt man uns, daß einige vornehme Damen zu Festlich⸗ keiten an Stelle der Aigretten oder Blumen einen Turban aus weißem Seidentüll als Kopfputz gewählt und daß dies vielen Beifall gefunden. Es erinnert an die Porträts der Madame de Stasl, welche„à la sultane“ frisirt. Ist diese Mode hübsch? Jedenfalls sehr originell, und es giebt Gesichter, welche jene duftige Wolke über der Stirn vortheilhaft kleidet. Schon hat man dieselbe an Hüten versucht. Ein italienischer Strohhut, Form Pamela, der mir als eins der letzten Sommermodelle gezeigt, war im Innern mit einem derartigen Turban ausgestattet, welchen eine Agraffe hielt. Außen wand sich ein Kranz bunt gemischter Rosen um den Hut, und das Ganze wurde von einem Gewoge weißen Seidentülls umhüllt, von welchem zugleich die Kinn-Echarpes ausgingen.— Der karrirte und der einfarbige Batist bilden hübsche und leichte Sommertoiletten für junge Mädchen, und die Zusammenstellung von ein⸗ farbig rosa und rosa und weiß karrirtem Batist ist sehr beliebt. Noch luftiger indeß wirkt der Linon-Batist: eine der anmuthigsten Neuheiten der gegenwärtigen Saison. wie sein Vorgänger, in einfarbigem und gemustertem Gewebe, wird aber in abgepaßtem Genre am meisten begehrt. Er findet in allen hellen Tönen Verwendung und erhält eine Unterlage aus gleichnüancirter Satinette. So sah ich zwei hübsche Anzüge aus Batist⸗Linon, den einen mattblau, den anderen blaßrosa, diesen einfarbig, oberhalb des Saumes von Rock und Tunika mit einer Guirlande weißer Maaßliebchen bedruckt, jener mit Korn⸗ blumen überstreut, welche sich in dreifacher Guirlande über dem Rocksaum wiederholten. Das Leibchen, mit 11 Schnebbe, öffnete sich vom Hals bis zur Taille über einem gefältelten Chemisett aus Krepp, eingerahmt von einer Draperie aus Linon, die ein Fichü bildete. Bandschleifen in über⸗ einstimmender Farbe zierten die Schultern und unten die Aermel und rafften, zu einem umfangreichen Büschel geordnet, die Tunika seitwärts in eine graziöse Draperie. Vervollständigt wurden diese Toiletten durch runde Hüte aus weißem Paillasson, bauschig gefüttert, hier mit blaßrosa, dort mit himmel⸗ Dieser seidige und leichte Stoff erscheint ebenfalls, blauem Tüll und je nachdem geschmückt, der eine mit Kornblumen, der andere mit Heckenrosen, welche Blumen eine Wolke aus weißem Tüll point d'esprit einhüllte. Von noch einfacherem Gepräge und der letzten Sommermode entsprechend sind die Toiletten„Paysannes“, und in den Bädern tragen. Diese Toiletten bestehen aus einem Rock nebst Tunika laveuse, z. B. in dunkelblauer Satinette, bedruckt mit rahmgelben Erbsen, und aus einem Schnebbenleibchen von einfarbiger Satinekte in indischem Roth, umrahmt von einem Matrosenkragen aus rahmgelber Satinette mit dunkelblauen Erbsen. Als Kopfbedeckung zu solcher Toilette dient ein Strohhut, e mit rothen Schleifen und Kornblumen, oder mit Mohn⸗ blumen und rahmgelben Schleifen. Dieses unbedeutende„Nichts“ ist so chic und kleidsam wie möglich. Zu Röcken aus feinem Mohair, leichtem Flanell oder Wollenserge, rahmgelb oder weiß, welche in dicke, breite und lose Quetschfalten geordnet und von einer langen, drapirten Tunika begleitet werden, ist bei den jungen Mädchen die Blouse aus mohnblumen⸗ oder purpurrothem Satin merveilleux Die Blouse wird an eine Passe oder auch nur an den Stehkragen fein gekräuselt, und in letzterem Falle wird das Gekräuselte in in großer Gunst. der vorderen und hinteren Mitte in eine breite Falte arrangirt, welche vorn e welche die jungen Mädchen auf dem Lande TTT heride tet. Mu nerd 60 ragen, pelines lauen ar d t weihen . G Ita? b gilt klebe ohh, t, vn 5 8 u. Hu 8 nhl leich on ei, oc ten dee senfalb, id an Tun te. 1 15 uu, del k d it Kon. woc m bi nt vun in br ruft in kill de Hi 1 1 8 — 2 9 — . ene, ben un welle al. 50 11 ile, e n 279. den Knopfschluß erhält. Ein rother Gürtel umspaunt die Blouse, welche immer in einen Schooß ausläuft. Zu einem derartigen Anzug nimmt sich ein Matrosenhut aus weißem Stroh mit einem großen Schleifen-Arrangment aus rothem Satin merveilleux und solchem Futter sehr hübsch aus. 5 Wiederholt schon habe ich auf die Vorliebe hingewiesen, deren sich die weißen Kleider aus Etamine, Sommerbure, Voile ꝛc. erfreuen, und nun hat sich diese Vorliebe auch auf die Toiletten aus weißem Mull übertragen, welche zu den sommerlichen Festlichkeiten eine Rolle spielen. Das Unterkleid, welches dem Mull als Stütze dient, wird aus Seide oder, falls man die⸗ selbe zu kostspielig findet, aus Batist hergestellt. Auf diesem Rock kräuselt man einen sehr hohen Mullvolant, besetzt mit einer Spitze, welche tiefe Hohlfalten beschreibt. Wenn man die Spitze glatt annähte, so würde sie nicht Spielraum genug haben und„angekräuselt“ findet man„zu oft da⸗ gewesen“. Deshalb ist man auf die Idee gekommen, sie in tiefe Hohlfalten zu arrangiren, indem man zwischen jeder derselben einen Raum läßt, zwei mal so breit wie die Falte. Das giebt bei dem flatternden Volant ein hübsches und gefälliges Gewoge. In gleicher Weise wird die Tunika aus⸗ gestattet, welche man vorn faltig, binten puffig drapirt. Das Leibchen zeichnet einen kurzen geschweiften Schoß mit Schnebbe vorn und mit Falten im Rücken. Vorn ist es auf den Achseln eingekräuselt und in der Mitte mit einem bauschigen Plastron aus Spitzentüll oder mit einem fein gefalteten Plastron aus Krepp geschmückt. 5 Ich liebe die Mullkleider, welche frisch wie die Jugend und der Früh⸗ ling sind und zugleich ein Air von Distinktion und einfacher Eleganz haben. Man klagt darüber, daß sie sich leicht drücken, aber ich denke, bei der jetzigen Machart lassen sie sich schnell ausbügeln und dadurch frisch gestalten. Auf der Reise, an der See, in den Bergen sind die Regenmäntel wie die Staubmäntel unentbehrlich. Um beide Arten von Mänteln miteinander u verschmelzen und sie zugleich diesem wie jenem Zweck dienstbar zu machen, bat man ein neues Gewebe producirt: den Hygienestoff, leicht, solide und undurchdringlich. Derselbe ist dem Kautschukstoff bedeutend vorzuziehen, da letzterer leicht reißt und immer einen unangenehmen Gummigeruch ausströmen läßt. Man hat den Hygienestoff in heller Beigefarbe und in hellem Grau, ebenso in den ernsteren und noch praktischeren Tönen wie Dunkel-Beige, Marengo und Otterbraun. Im Uebrigen wird zu den modernen Reise⸗ und Staubmänteln der winzig schwarz- und weiß- oder schwarz- und grau⸗ karrirte englische Mohair bester Qualität verwendet, welcher ebenfalls dem Regen, falls dieser nicht gar zu heftig niederprasselt, Stand hält. Und für das elegante Genre in jenen Umhüllungen bleibt der Bast(rohe Seide) be⸗ liebt, dem sich der schöne und weiche, grob gewebte Seidenstoff„Louisine“, ebenfalls in minutiösen schwarzen und weißen oder schwarzen und grauen Carreaux, an die Seite stellt. Die Form ist entweder die des Paletots mit anschließendem Rücken und losen Vordertheilen oder diejenige des richtigen 8 mit kurzer Pelerine nebst Capüchon und sogenannten Bandagen⸗ ermeln.— In den Morgenkleidern wechseln die anschließenden wie die halb⸗ auschsießenden Prinzeßroben mit den Röcken nebst Jaquette ab. Die ersteren sind vorn entweder gänzlich geschlossen und mit Reverstheilen oder abgepaßten Bordüren versehen, oder sie sind über einem gefalteten, gebauschten oder mit Stickereien oder Spitzen verzierten Einsatztheil gänzlich geöffnet oder nur bis zur Taille oder bis unterhalb der Taille und dann mit einem Plastron ausgestattet, das oft schnebbenförmig von Revers eingerahmt wird. In den Grundzügen also immer dasselbe und doch wie viel Varianten webt die Mode in die Details hinein, hierdurch dem Wiederholten ein ganz neues Ansehen gebend. Türkische, persische und einfarbige Wollenstoffe, ebenso wie einfarbige und bedruckte, vielfach mit Bordüren abgepaßte Cretonnes liefern die Stoffe zu den Morgenkleidern. Sind letztere von einem Jaquette begleitet, so zeigen sie häufig den Doppelrock: den Fond, welcher sechs bis acht Centimeter vorsieht, und den oberen Rock mit Abschluß einer Spitze oder der erwähnten gedruckten Bordüre und gänzlich in russische Falten gelegt oder in der Form„paysanne“, d. h. am oberen Rand in krause Falten gezogen. Das Jaquett ist kurz oder halblang; es wiederholt an den Rändern den Rockbesatz und öffnet sich 1 über abstechenden, das heißt gemusterten, resp. einfarbigen Westent eilen. Man befestigt das Jaquett in der Taille über der Weste mit einer gebundenen Bandschleife, deren Bänder je an den Vorderrand des Jaquetts genäht. Das ist das ein⸗ fache Genre. Dem luuriösen Geschmack bleiben die Morgenkleider aus weißem und rahmgelbem Batist(schottischer, Schweizer und indischer Art) mit seidener Unterlage, seidenen Einsatztheilen, mit Spitzen und Stickereien und einem Gewoge von Bandschleifen vorbehalten. Und für die kühleren Tage verwendet man die weiße Voile.— Wenn wir im Gebiet der feinen Lingerien einmal Umschau halten so sehen wir, daß die bauschigen und gefältelten Plastrons aus Krepp und Tüll mit Perlengehängen, aus Spitzen, aus gestickter Spinnweb⸗Gaze, mit Schleifen von Gazebändern und Kometenbändern, aus mohnblumenrothem, dunkelblauem und rahmgelbem Surah noch immer an der Tagesordnung sind, daß die ge⸗ steiften Chemisetts, genre monsieur, aus Batist mit feinen Langfalten und gestickten Einsätzen, ausgestattet mit einem hohen Stehkragen und ganz schmaler Herrenkravatte, die in eine kurze Schleife gebunden, zur Morgentoilette in den Bädern, namentlich am Strande, viel getragen werden. Und in Hals⸗ und Aermelgarnituren erscheinen wiederholt reizende Neuheiten: flache wie polle dreireihige Krausen aus plissirtem und in Tollfalten geordnetem Crépe lisse und wirklichem Krepp, Krausen aus Valencienner und aus rohgelben, antiken, duftigen Spitzen, Hohlrollen aus fein gefaltetem und schräg gewundenem Crépe lisse und Krepp, mit und ohne Perlen, Doppelblenden aus rahmgelbem englischen Krepp(jenem grobfurchigen und doch luftigem Gewebe, das sich in jener milden Nuance so glücklich für den Teint erweist und so vortrefflich kleidet), die hübschen und 1 8 Blenden und Passepoils aus gemustertem Rippspiqus nicht zu vergessen.. i . dem Wide 1 die Damen viel. Der Geschmack für die Reit⸗ kunst, welche der Gesundheit so zuträglich, verbreitet sich mehr und mehr. Ju der Stadt zu reiten ist freilich ein Unternehmen, das Schwierigkeiten bietet. Wenn man nicht ein großes Vermögen besitzt, so wird es ein kost⸗ spieliger Luxus. Aber auf dem Lande läßt sich das viel leichter und wohl⸗ feiler bewerkstelligen; auch ist die Etikette weniger groß. Die Geschicklichkeit, die Sicherheit, der Muth entwickeln sich beim Reiten und lassen sich bald erlangen; es ist eine angenehme Motion: das Leben im Freien, das in Thätigkeit gebrachte Athmen geben den jungen Frauen und jungen Mädchen der Stadt lebhaftes Blut und frische Farben. Der Appetit wird erweckt und— gute Gesundheit und guter Appetit haben durchaus nichts Gewöhn⸗ liches; ja, sie künden oft gleichmäßige Stimmung und guten Charakter an. Auf dem Lande also trägt man das Amazonenkostüm weniger streng, wiewohl es auch hier eine in jeder Beziehung korrekte Machart erfordert. Man wählt es in Grau, Dunkelblau, Dunkelgrün und Maronenbraun, mäßig lang oder, wenn man mich richtig versteht, nenne ich es für das Reitkleid „kurz“, immer sehr anliegend, mit ausgearbeitetem Knie im Rock oder ohne dasselbe. Nach Belieben kann man die weiße Weste aus Piqus oder Tuch mit Herrenkravatte dazu annehmen. Das Beinkleid ist stets aus gleichem Tuch wie die Robe. Als Kopfbedeckung hat man den leichten, runden Filz⸗ hut in niedriger Form oder die Toque adoptirt, grau oder in der Farbe des Kostüms, umschlungen von einem luftigen Gazeschleier. In der Stadt jedoch ist es eine andere Sache. Da ist, zu dem Amazonenkleide aus schwarzem Tuch, der Cylinderhut der Herren Vorschrift. momentan grau, rings umwunden mit einem grauen oder blauen Schleier. Der graue Schleier, in gleichem Ton mit dem Hut, hat indessen mehr„cachet“. Lose Blätter. Das klassische Dreieck.(Siehe Illustration.) In jenem Theil des Berliner Ausstellungs⸗Parkes, den der Urberliner als nasses Dreieck zu be⸗ zeichnen pflegte, wurden Dank der Initiative der Bauräthe Kyllmann und Heyden und der finanziellen Unterstützung einiger Kunstfreunde Schöpfungen ins Dasein gerufen, welche uns ein schönes Stück antiker Welt versinnlichen und die das nasse Dreieck in ein klassisches verwandelten. In der Westspitze des Parks erhebt sich jetzt auf mächtigem Unterbau eine Nach⸗ bildung der östlichen Giebelhalle des Zeustempels zu Olympia. Die breite Riesentreppe, welche zu derselben hinaufführt, ist von jenen großartigen Hoch⸗ relieffriesen flankirt, welche einst den Aschenaltar des Zeus in Pergamon schmückten. Der Bildhauer Tondeur hat nach den vorhandenen Originalen diese Hochreliefs nachgebildet und ergänzt und nun sehen wir auf den mächtigen Treppenwangen Zeus und Pallas Athene mit den Giganten kämpfen. Die Giebelhalle mit den sechs mächtigen dorischen Säulen, mit der Pronaos, mit den kolossalen Bronzethüren, mit der von Paionios ge⸗ schaffenen Statuengruppe, mit der vergoldeten Nike über dem Giebel ent⸗ spricht ganz jener des ehemaligen Olympiatempels. Bildhauer Grüttuer hat die Reliefs und Gruppen gebildet und Geselschap die Statuen bemalt. Durch die broncirten Flügelthüren der Halle treten wir in's Innere und sehen Pergamon vor uns, jenes Halbpanorama, welches die Maler Kips und Max Koch geschaffen 11 1 Ob dasselbe dem Pergamon aus der Glanzzeit der Atkaliden vollkommen entspricht, vermag Niemand zu ent⸗ scheiden. Jedenfalls haben die Maler den Charakter der Landschaft wieder⸗ gegeben, haben die Trümmer der alten Stadt auf dem Burgberg gesehen und sorgfältige Studien gemacht, um die versunkene Residenz der Atkaliden wieder aufbauen zu können— im Bilde. Und was sie uns vor's Auge führen, ist eine imposante, glänzende und ideale Welt. Schade, daß ein leichter Brand diese Schöpfung beschädigte! Doch die versengten Stellen sind wieder ausgebessert worden und das Panorama hat nach der Restau⸗ ration nichts an Schönheit verloren. Die Mitte des freien Platzes vor dem Olympia-Tempel nimmt der von Kyllmann und Heyden erbaute Obelisk ein, dessen Höhe dem des Obelisken von Luxor auf dem Konkordig⸗-Platz zu Paris entspricht. Der⸗ selbe war als ein Denkmal auf dem Platz vor dem Potsdamer Thor ge— plant, zum Gedächtuiß des Wiedereinzugs des Kaisers nach dem Attentat. Unsere Illustration führt dem Leser Obelisk und Giebelhalle vor's Auge. An der nordöstlichen Seite des klassischen Dreiecks erhebt sich dann noch jener stolze altegyptische Tempelbau, in welchem sich die auf die Afrika⸗ forschung und Kolonisation bezüglichen Dioramen befinden R. E. Thomas Kiligrew, der Kammerherr Karls I., war voller Laune und Witz, weshalb er sich manches herausnehmen konnte, als wäre er der könig⸗ liche Hofnarr(so bezeichneten ihn auch seine Feinde). Eines Tages be⸗ hauptete er, Karls Nase habe sich sehr verändert.„Wie das?“ fragte der König.„Es ist nicht möglich, daß sie in ihrer früheren Gestalt geblieben ist, ziebt man Sie doch schon lange daran herum,“ lautete die Antwort. W. G. Ein Pariser Banquier sah den bekannten Bildhauer Coustou auf der Straße. Er trat an ihn heran und sagte:„Ich habe für Sie eine Be— stellung.“—„Gut, und die ist?“—„Eine Pagode, Sie werden sie doch rasch liefern können.“—„Gewiß, nur müssen Sie mir dazu als Modell sitzen,“ erwiderte der Künstler und entfernte sich von dem betroffenen Börsen⸗ fürsten. W. G. In Guinea findet man eine Spinnengattung, welche in einen eiförmigen Sack eine ungeheure Anzahl gelblichbrauner Eier legt. Die Neger treiben mit großem Eifer die Spinnenzucht. Aus den Eiersäcken gewinnen sie eine Art Seide zur Verfertigung ihrer Ueberwürfe und aus den Eiern machen sie eine Art Caviar, der allgeme'n als Leckerbissen gesucht und verzehrt wird. 85 N Rösselsprung. 5 nach mähen men⸗ ker⸗ aN mit rück- les ü⸗ 55 1 hig flam⸗ zen ken schla⸗ ent⸗ 1 te spit⸗ sich vor⸗ ee de 5 9175 N flamm⸗ ze fort⸗ gen dich 1 1 5 180 lie⸗wärts zu ße wird gen ge⸗ dei⸗ dem eit⸗ zu⸗ seh⸗ die sa⸗ va⸗ les die 5 fü⸗ ent⸗ tra- nend Ich bin des Menschen hohes Gut, Er brauchet mich zu vielen Dingen, Ich kann ihm Ruhm u. Schande bringen, Von Feigheit zeug' ich, wie von Muth. Bald bin ich kalt, bald liebeswarm; Es kann zum schmeicheln, zum belehren, Zum scherzen niemand mich entbehren; Wer mich nicht hat, ist furchtbar arm. Zwar hat Natur mich dir gegeben, Doch mußt du mich zu lernen streben. Logogriph. Versuche, ohne Kopf und Schwanz Als eine Silbe mich zu lesen. Ich bin nicht, was ich einst gewesen— Verändert siehst du mich nicht ganz, Ich künde dir auch Schmerz und Lust, Verwunderung und leise Klage; Das stille Hoffen und die Frage, Zwei Zeichen nur am Anfang streich', Und so wie mit verhalt'nem Drohen In dem Vulkan die Flammen lohen, Bis prasselnd der Vernichtung Reich In Gluth und Asche sie entsandt, So harr' ich in des Busens Tiefen. Wenn böse Geister wach mich riefen, Wirkt nur Verderben meine Hand. O, hüte dich, mich zu beschwören, Nicht And're, dich wirst du zerstören. Problem Nr. 408 von G. Chocholous in Bodenbach. Schwarz. 15 5* i . 8 95 3 , 151 1 9 55 2 s 115 15 8775 3 1 5 11 1* 1 Weiß Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Partie Nr. 233, gespielt am 22. Juli d. J. im Meisterturnier zu London. Weiß: S. Lipschütz.— Schwarz: E. Schallopp. 1 25) Le4—b3 Kgs—h87) Kurz, was bewegt des Menschen Brust, Durch mich vermagst Du auszudrücken, Was oft viel Silben nicht will glücken. Boeiflbige Charade. Mein Erstes ist gar sehr geduldig, Doch seid ihr vielen Dank ihm schuldi Denn hört's, ihr Männer, hört's, ihr cee Woher nähm't ihr die schönen Kleider, Wenn ich nicht wär'?— Mein Zweites hat Mein Erstes auch. Doch in der That, 20 88145 VF 1115 3) LII—bs 888—16 27) Tez— ess) Der- dps 4) d2— d3 Seh- e 7) 28) De2— 44110) aufgegeben. 5 1 17 450 Stellung nach ee von Wa N 5 0 2 2 4 e eee e 11) Sb3 eg 90—.. 1. 5. 144 1 le l 3 1 12 2 10 15 905 5 4 e.* 5 17 Ddl—b5 8al cs:s)..,. 18) b2—63. Das 46, 15 2 5 ö 19) Teles Tl—e8. 1 1 20) Tal el Tes—8. 8,.. 70 % eee, eee, 1 9 23) Las c: DdE—e7,. 8 Tag- cs Weiß. 24) Dh6 e? 1) Bekannter ist die von Anderssen beliebte Fertsetzung 4). g6 nebst Lg7 ꝛc. 2) Seß; gebt nicht an wegen 5).. et 3) Dieses Aufgehen involvirt den Verlust des e-Bauern und erscheint aus diese 6 5) Les T bieé 6) b. 6) Le Dat und Deb: Du Leser hast nach altem Brauch Gewiß mein rundes Zweites auch; Du räthst mich nicht, mein lieber Christ, Wenn du vielleicht das Ganze bist. F . 8 Pin 0 2 a u h u A t n„ P* 1„ m a 1 1e e hi Ie K aft ty Auna Se KI S tu a rt Abe 1 11 u g e u o tt en Auflösung des Logogriph in voriger Nummer: Traum— Raum;— des Räthsels: Leib— Blei;— des Silben-Räthsels: Zukertort. Grunde verfrilbt. 5 4) Die Deckung durch Jide genügte offenbar nicht; denn 11) Seß: Seß: 12) da ꝛc. 5) Auch nach diesem Abtausch bleibt Weiß entschieden im Vortbeil, sowohl durch den Mehrbesitz eines Bauern, als durch die Schwäche des vereinzelten Bauern 45. 1 Rückzug verschlimmert die Lage noch, ind em er den Angriff auf das Feld ermöglicht. 7) Der drohende Thurmzug nach e7 war nur durch Sas zu verhindern, worauf We mit b5 antworten konnte und schließlich auch den Gewinn erzwang. 8) Weiß droht mit Des und Matt auf gs; der Abtausch des Thurmes gewährt keine Deckung, denn 27) Tes: Des 28) Ddé Df7! ꝛc. 9) Nur durch Del war sofortiger. nech abzuwenden, es solgte dann 28) Tes: Des; und etwa 29) De7 S8g6 30) 017 2 10) Elegant und entscheidend! Das Matt ist nur noch um einen Zug aufzuhallen. Die ganze Partie zeugt von dem gediegenen Spiele des amerikanischen Kämpen, der bier zum ersten Male an einem Meisterturnier theilnimmt und über den das Obess Month in folgenden anerkennenden Worten sich äußert:„Unter den jüngeren Spielern ist Lipschi ein Ungar von Geburt, zweifellos der boffnungsvollste. Er ist erst dreiundzwanzig 3 alt, aber kerrekt und vorsichtig wie ein alter Meister. Sein Stil ist ähnlich demje Burn's; auch er gehört der neuern Schule an und ist ein tüchtiger Repräsentant derselbe Es ist das erste Mal, daß er gegen Meister gespielt hat und es ist zu boffen, daß er b künftigen Gelegenheiten mehr Selbstvertrauen haben wird. Er; würre einen der bessern Preise davongetragen haben, bätte er nicht ein sast schon gewonnenes Spiel gegen Pollock und e recht gutes gegen Gunsberg noch verloren. Und dabei hatte er keine jener glücklichen Chanc von enen einige der andern Spieler begülnstigt wurden. Für ihn gab es nur schwere— N Hätte er einen Preis gewonnen, so wäle es ein wohl verdienter gewesen.“. Aus der Schachwelt. Dem eben erst beendeten Meisterturniere zu London felgte ein zweites in Notting ba welches, von der Counties Chess Association veranstaltet, am 3. August seinen unlar 1 nahm. Die ausgesetzten vier Preise sind in Minimalhöhe von 40, 20, 10 und 5 Pfund. Zei Meister haben sich zu dem neuen Turniere gestellt, es sind die Herren: Bird, Gunsberg und Zukertort' aus Londen, Burn aus Liverpool, Hanham aus New⸗York, Poll, 00 und Tyorold aus Bath, R vad aus Dublin, Schallopp aus Berlin, aubenba aus Paris.— Sieger waren J. Burn; II. Schalloppz III. und IV. Gunten n Druck und Verlag 7 Volts Zeitung“, Akt.⸗Ges in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elch o in Berlin, Lützowstr. 105.