eee N 455 e e zu den 8 Oberhessischen Machrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. n Gießen, den 28. März. 1886. Wilna. Deutsch von Jenny Piorkowska. Zu Ehren des jungen Grafen von Linden, der seinen Geburts— tag feierte, fand auf dem Landsitz der Familie, auf Schloß Linden, ein großes Kostümfest statt. Der schöne, alte Bau strahlte in hellstem Lichterglanz, alle Räume waren von einem Blumenduft er⸗ füllt, als wäre es Sommer und nicht Mitte Dezember; muntere Musik forderte zum Tanze auf, und von den Wänden schauten die Porträts verstorbener Familienmitglieder aus ihren Rahmen herab auf eine bunte Menge von Feen, Dämonen, Rittern und Edel— damen. Unter den Kapalieren stach ganz besonders ein hübscher junger Mann von schlanker vornehmer Gestalt hervor, der in seinem eleganten Kostüm aus der Zeit Ludwigs des Fünfzehnten die schönsten Augen im Saale auf sich zog. Er trug ein Wams von purpurnem Sammt, lilaseidene Strümpfe, gelblederne Schuhe, einen schwarzen Sammtmantel mit weißem Atlas gefüttert, einen Federhut und ein juwelengeschmücktes Schwert. Eben tanzte er, Konrad von Rosen, mit einer reizenden, kleinen Elsässerin Quadrille, und war in lebhafter Unterhaltung mit der⸗ selben begriffen, als ihm plötzlich Jemand auf die Schulter klopfte und ihm leise zuflüsterte: „Machen Sie sich so bald als möglich aus dem Staube— Sie haben einen langen Riß im Strumpfe!“ „Schändlich!— er, der Held des Balles, sollte zum Gespött der Gesellschaft werden. Da war's mit einem Mal vorbei mit seiner Heiterkeit; die kleine Elsässerin machte ein ärgerliches Gesicht und zuckte verächtlich ihre hübschen Schultern, als ihr letzter Scherz taube Ohren traf. Gleich einem Märtyrer tanzte der arme Rosen seine Quadrille zu Ende, in der nächsten Minute war er aber auch, hastig eine unverständliche Entschuldigung stammelnd, aus dem Saale verschwunden. Der Diener, an den er sich wandte, wies ihn den langen Korridor hinab; da, am letzten Ende desselben, im letzten Zimmer zu seiner Linken, werde er eine Jungfer finden, die den Schaden an dem Strumpfe heilen werde. Rosen, des Dieners Weisung folgend, trat in ein großes, nur matt erleuchtetes Zimmer. Er kam näher und war eben im Be⸗ griff, etwas zu sagen, als er, halb erstaunt, halb erschrocken, einen Schritt zurücktrat und die Lippen wieder schloß. Dieses reizende Mädchen mit dem blonden Haar, das da im Halbdunkel saß, war sicher keine Jungfer; in dem hellblauseidenen Kleid, reich mit echten Spitzen garnirt, sah sie eher wie eine junge Fürstin aus. Sie konnte höchstens sechszehn Jahre zählen, und das zarte, edle Gesicht, welches sich über eine feine Handarbeit neigte, war so schön, wie Rosen wohl noch keines je gesehen hatte. „O weh, hier bin ich in falsches Zimmer gerathen!“ sprach er leise vor sich hin, und wollte sich schnell, unbemerkt und ungehört wieder entfernen, als er plötzlich strauchelte, und die junge Dame erschrocken den Kopf nach ihm wandte. „Verzeihung!“ stammelte Rosen,„ich suchte nach der Jungfer. Ich wollte dieselbe bitten, mir einen Riß in meinem Kleid zu nähen; doch wie es scheint, verfehlte ich das rechte Zimmer.“ „O nein, Sie sind ganz richtig hier; ich schickte die Jungfer vor einer halben Stunde zu Bett, da sie sich unwohl fühlte. Könnte ich aber nicht das Gewünschte nähen?“ setzte die junge Dame mit reizendem Lächeln hinzu. „O, danke; nicht um alles in der Welt möchte ich Sie be— mühen! Ich werde schon anderswo Jemand finden,“ entgegnete Rosen in einiger Verlegenheit. Davon aber wollte die junge Dame durchaus nichts hören, und bevor er noch recht wußte, was sie that, hatte sie einen lila Seiden⸗ faden eingefädelt und kniete auf dem weichen Teppich, auf dem er stand, vor ihm nieder. Mit schneller, geschickter Hand besserte sie den Riß in dem Strumpfe aus. „Wie sehr bin ich Ihnen für Ihre Liebenswürdigkeit verbunden,“ hub der junge Mann an,„ich hätte gewiß..“ „Eine solche Kleinigkeit bedarf doch keines Dankes,“ fiel die junge Dame ihm lächelnd ins Wort.„Jetzt können Sie zu der kleinen Elsässerin zurückkehren, mit der Sie schon den ganzen Abend kokettirten.“ „Wieso, haben Sie mich heute Abend schon gesehen?“ „Ich befand mich auf der Gallerie unter den Zuschauern. Meine Tante erklärte mich für zu jung, um an dem Feste theil zu nehmen— ist das nicht schändlich? Ich werde nächstens sechszehn Jahr und tanze für mein Leben gern!“ „O, das ist ja ganz unverzeihlich!“ rief Rosen lebhaft, als er in die veilchenblauen Augen schaute, die mit so bedauerndem Aus⸗ druck zu ihm aufsahen.„Beschreiben Sie mir Ihre Tante, und ich will nicht eher ruhen, bis ich sie gefunden und für Sie plä— dirt habe.“ „O nein, thun Sie das nicht, Herr von Rosen,“ sagte das junge Mädchen, Konrad's Aermel leicht mit: ihrer kleinen weißen Hand berührend,„das ganze Haus wäre in Aufruhr, wenn man erführe, daß Sie hier bei mir gewesen sind. Es ist freundlich, sehr freundlich von Ihnen, daß Sie sich meiner so annehmen wollen, aber jetzt ist es zu spät dazu.“ „Ich muß mich Ihrem Wunsche fügen,“ entgegnete Rosen galant. „Wie schmeichelhaft aber für mich, daß es Ihnen der Mühe lohnte, meinen Namen zu entdecken.“ „Nun möchten Sie gewiß auch gern wissen, wie ich heiße,— das aber sag' ich Ihnen nicht,“ sprach sie mit muthwilligem Lächeln, „nennen Sie mich Penelope, oder geben Sie mir den Namen irgend Einer, die fleißig bei der Arbeit ist, während Andere sich amüsiren, 2 * 1 D r ER 98—õ- und spinnen Sie irgend einen interessanten Roman um diese Be⸗ gegnung. Jetzt aber gehen Sie, ich bitte Sie darum. Ich freue mich, Ihnen einen kleinen Dienst geleistet zu haben und wünsche Ihnen für den übrigen Abend noch viel Vergnügen!“ „Tausend Dank,“ erwiderte Rosen herzlich und drückte ihre kleinen weißen Hände an seine Lippen. Doch, zurückgekehrt in den Salon, schien das Fest allen Reiz für ihn verloren zu haben; die Stimmen der Gäste berührten ihn nach der zarten, weichen Sprache, welcher er soeben gelauscht hatte, scharf und unangenehm; und das schönste Gesicht im Saal verblaßte vor der zarten Anmuth des lieblichen jungen Mädchens. Er zog sich für den Rest des Abends zurück und fragte sich wohl hundert Mal, wer die reizende, kleine Fee wohl gewesen sein möge, die ihm das Schicksal in den Weg geführt hatte. Am folgenden Tage herrschte ernste, trübe Stimmung auf dem Schloß— die Gräfin Linden war plötzlich heftig erkrankt, und die Gäste verließen das gastliche Haus. Auch Rosen blieb keine andere Wahl, als sich mit den Anderen zu verabschieden, so sehr ihn da⸗ nach verlangte, zu erfahren, wer seine kleine Wohlthäterin wohl war, von deren sauften, veilchenblauen Augen und anmuthig⸗-rosigem Gesicht er die ganze Nacht hindurch geträumt hatte.— b Wenige Wochen später mußte Rosen zur Vertheidigung seines Vaterlandes in den Krieg gegen die Franzosen ziehen, und in der Aufregung dieses kriegerischen Lebens blieb ihm nicht Zeit, der reizenden kleinen Unbekannten viel zu gedenken, die ihn einst so entzückt hatte. In der Schlacht bei Wörth ward er verwundet, zwar nur leicht, doch so, daß er für mehrere Wochen dienstunfähig wurde. Man brachte ihn nach der Besitzung des Barons von Remsbach, ein großes, altes Schloß, das offenbar schnell seinem Ruin entgegen⸗ ging. Der Garten war ungepflegt, die Statuen verfielen, die Sträucher und Büsche wucherten und ihre Zweige lagen ungehindert über die Wege. Und drinnen, im Innern des Schlosses, sah es nicht minder traurig aus. Die kostbaren Möbel und Tapeten waren verblichen und defekt, nur noch wenig Bedienstete waren im Schloß, und, wie Rosen zu Ohren kam, sollte der Baron von Remsbach tief in Schulden stecken.— Als Rosen an einem schönen, sonnigen Tag durch den ver— wilderten Garten schritt, froh in dem Gedanken, sich nun bald wieder zu seinem Regiment begeben zu können, kam ihm ein junges Mädchen entgegen, das er auf dem Schlosse bisher nicht gesehen hatte. Wo aber hatte er diese Augen schon gesehen? Träumte er, oder war das wirklich dieselbe kleine Fee, die ihm auf dem Kostümball seinen Strumpf genäht hatte?— „Guten Morgen, Herr von Rosen!“ begrüßte sie ihn mit dem reizenden Lächeln, dessen er sich so gut erinnerte.„Wie freue ich mich, Sie wieder so weit hergestellt zu sehen. Ich habe mich täglich nach Ihnen erkundigt, nur hatte ich bisher nicht das Ver— gnügen, Sie zu sehen; hoffentlich haben Sie mich nicht ganz ver— gessen.“ „O nein!“ rief der junge Offizier lebhaft, indem er die kleine Hand zurückhielt, die sie ihm so ungenirt hingestreckt hatte. „Wie komisch, daß wir uns jetzt so ganz zufällig wiedersehen! Aber ich vergesse ganz, daß Sie mich noch nicht kennen— ich muß mich Ihnen jetzt wohl selbst vorstellen? Ich bin Wilna von Remsbach, die Tochter Ihres Wirthes.“ „So erfahre ich endlich nun den Namen der schönen Un⸗ bekannten, die mir auf dem Linden'schen Ball aus der großen Verlegenheit half! Wie oft habe ich selbst mich vergebens gefragt, wie Sie wohl heißen mögen.“ f Selisam, wie viel diese Zwei, die einander bisher nur ein einziges Mal gesehen, sich zu erzählen hatten! Von diesem Tage an kannte der junge Offizier für seine völlige Genesung keine bessere Kur als eine Promenade durch den halb verwilderten Garten— selbst, wenn das Wetter feucht und unfreundlich war; meist wollte es der Zufall dann, daß er in den schattigen Gängen die schöne Tochter seines Wirthes traf und lebhaft plaudernd mit ihr weiterging. Einst saßen die Zwei am Ende des schattigen Gartens auf einer halb von Ginster und Epheu umschlungenen Bank; sie mit leicht gerötheten Wangen, das blonde, leicht gelockte Haar zurückgestrichen von der edlen Stirn, die veilchenblauen Augen gleich Diamanten funkelnd, während seinen Zügen die Blässe der jüngst gehabten Krankheit einen neuen Reiz verlieh. Wilna hatte einen Strauß köstlich duftender Veilchen gepflückt; sie zeigte Rosen ihre Schätze, und dieser neigte seinen Kopf leicht über den ihren, als plötzlich eine keineswegs sanfte Stimme sie erschreckte.. „Herr Lieutenant, es ist sehr leichtsinnig von Ihnen, sich als Rekonvaleszent dieser feuchten Luft auszusetzen. Und Du, Wilna, komm herauf zu mir, ich bedarf Deiner.“ 8 Mit halb ängstlichem Blick folgte diese ihrem Vater, der ihr téte-A-téte mit Rosen so unbarmherzig unterbrochen hatte. Am nächsten Tage blieb Rosen allein auf seiner Wanderung durch den Garten; und gegen Abend ließ Baron von Remsbach ihn auf sein Zimmer bitten. Er empfing den jungen Offizier mit ausgesuchter Höflichkeit und theilte ihm dann mit, daß eine Ordre für ihn gekommen sei, sich wieder zu seinem Regiment zu begeben; er bedauere sehr, einen so liebenswürdigen Gast so bald zu ver⸗ lieren, doch ließe sich nichts dagegen thun. „Apropos,“ fuhr der alte Herr fort, vielleicht interessirt es Sie, zu hören, daß meine Tochter Wilna sich in allernächster Zeit mit einem entfernten Vetter von mir, Major von Pleyel, verloben wird. Es ist mir eine große Befriedigung, ihre Zukunft an der Seite eines allerdings älteren, aber hochehrenwerthen und reichen Mannes gesichert zu wissen.“ Rosen erstarb der wohl erwartete Glückwunsch auf den Lippen. Ein jedes Wort des alten Herrn war den Hoffnungen, die der junge Offizier zu hegen gewagt hatte, ein grausamer Schlag. So schnell er konnte, verließ er das Zimmer seines Wirthes wieder und ging, ein Opfer trübseliger Gedanken, erregt und ruhelos den schattigen Weingang auf und ab. Er konnte sich nicht verhehlen, daß er das junge Mädchen von ganzem Herzen liebte, und aus einem deit⸗ weiligen Blick, einem Wort von ihr glaubte er hoffen zu dürfen, daß auch ihr Herz ihm warm entgegenschlage. Aber ach! was halfen ihnen jetzt diese schönen Träume? Er, ein junger Offizier, der nicht viel mehr sein Eigen nennen konnte als sein Gehalt und einen kleinen Jahreszuschuß seines Vaters, wie hätte er als Rival des reichen Grafen von Pleyel auftreten können, wo der Vater der Ge— liebten am Rande des Bankerotts stand. O, wie er den Fremden haßte, der den Preis, nach dem ihm selbst so verlangte, davon— tragen würde! Als er an einem halbverfallenen Pavillon, der etwas vom Wege zurück stand, vorüberkam, drang plötzlich der Ton von unterdrücktem Schluchzen an sein Ohr— in der nächsten Minute stand er in dem Pavillon und schaute— Wilna's beide Hände in den seinen— mit einer ganzen Welt von Liebe und Liebeskummer in ihr von Thränen überströmtes schönes Antlitz nieder. „Darf ich Ihnen nicht Glück wünschen zu Ihrer Verlobung?“ sprach er mit einem bitteren Klang in seiner Stimme. „O nein, nein!“ rief sie abwehrend und erregt.„Ich bin so unglücklich! Aber was soll ich thun? Wir sind arm, sehr arm; und ich kann meinem Vater nicht den Kummer bereiten, nein zu sagen.“ „Lieben Sie irgend einen Anderen?“ fragte der junge Offizier, sie aufmerksam betrachtend. Statt aller Antwort sank ihr schöner Kopf an seine Brust. Am folgenden Tage verabschiedete sich der junge Offizier,— mit schwerem Herzen bei dem Gedanken, daß er Wilna vielleicht niemals wiedersehen würde; aber trotz der Hoffnungslosigkeit seiner Liebe erfüllte das Bewußtsein, daß auch sie ihn liebte, seine Brust mit dem Gefühl stolzen Triumphes. Es hatte ein scharfes Gefecht zwischen den Deutschen und Franzosen stattgefunden und, eine neue Attaque am folgenden Morgen erwar⸗ tend, blieben die Deutschen noch am Ausgange des kleinen Dorfes liegen. 5 Mit Einbruch der Nacht lagerte Rosen sich mit noch einigen Kameraden um ein schwaches Feldfeuer in der Hoffnung, ein paar Stunden schlafen zu können. i a „Wenn wir in dieser bitterkalten Nacht nur etwas mehr zum Verbrennen hätten!“ meinte einer der Offiziere.„Berger, laufen Sie'mal nach dem rothen Haus da drüben und sehen Sie, ob sich da nichts Brennbares findet.“ Der Bursche gehorchte und kehrte bald mit einem Arm voll alter, verstaubter, werthloser Papiere und Schriften zurück. Ke 3 g 1 0 „ U 5 0 0 t E 7 5 5 b. 5 3 1 it i 2 2 1 1 . e l 5* 3 15 . n, n er ö u 2 10 n 4 l 3 2 R m „ 1 in 5 9 u 5 51 3 5. o 1 1 W 5 9 ct 1 er . 0 1 17 en 2 Al; 19 fes 2 4 en 5 Jar 4 In 4 fen 9 ch 2 l l 4 ef ö es 8 99=. „Das ist alles, was noch zu finden war“, sprach er,„aber es ist derbes Papier, das ein gutes Feuer abgeben wird.“ Und bald flackerte das Feldfeuer, neu genährt, wieder lustig auf. „Das giebt doch etwas mehr Wärme ab“— bemerkte ein Offizier, der, fest in seinen Mantel gehüllt, in Rosen's Nähe lag. Dieser betrachtete forschend die dunklen lebhaften Augen und den fast weißen Bart— seltsam, daß er diesen Offizier bisher noch gar nicht gewahrt hatte. Nach einer Weile spielte er zerstreut mit einigen Zeitungsblättern, die neben ihm am Boden lagen, als seine Auge plötzlich auf den Namen Wilna fiel. „Wilna“— sprach er halb zu sich selbst—„ein hübscher, seltener Name.“ „Es freut mich, daß er Ihnen gefällt“, sprach der dunkeläugige Fremde an seiner Seite;„auch meine Braut heißt Wilna.“ Ueberrascht sah Rosen zu dem Redenden auf, und plötzlich kam ihm der Gedanke, daß er seinen verhaßten Nebenbuhler vor sich habe. Ihn selbst nach seinem Namen fragen mochte er nicht; doch so bald die Gelegenheit sich bot, fragte er einen seiner Kameraden, wer der Offizier mit den stechenden Augen und dem grauen Bart wohl sei. „Major von Pleyel“, ward ihm zur Antwort. f In der folgenden Nacht mußte eine wichtige Botschaft nach dem nächsten, ungefähr eine Stunde entfernten Feldlager gebracht werden. Der Weg dahin war ziemlich gefährlich; er führte durch ein Dorf, in welchem sich eine beträchtliche Zahl französischer Soldaten befand. Man wählte Major von Pleyel und sonderbar, zu seinem Begleiter machte das Loos Konrad von Rosen. Mit Einbruch der Nacht begaben die Zwei sich auf ihren ge— fahrvollen Weg, der Aeltere nichts ahnend von dem Haß, den der Jüngere gegen ihn empfand. Nur bemüht, in der pechfinsteren Nacht einander nicht zu ver— lieren, schritten sie schweigend einer vor dem andern her. Als sie am Ende des Dorfes ein schmales Thor zu passiren hatten, streifte Rosen's Säbel das Eisengitter und verursachte einen klirrenden Ton. „Wer da?“ klang da des Feindes Ruf. Und in der nächsten Sekunde ertönte ein heftiger Knall. „Thor, in dieser Finsterniß sein Pulver zu vergenden!“ mur⸗ melte Rosen, ruhig vorwärts schreitend. Doch nach einer kleinen Weile gewahrte er, daß er allein war. Er rief den Namen seines Begleiters und da keine Antwort erfolgte und er Verfolgung befürchten mußte, so eilte er weiter, langte un— versehrt in dem Feldlager an, entledigte sich seiner Botschaft und kehrte dann zu seinem Regiment zurück. Zu seinem Erstaunen ward ihm da die Kunde, daß sein Gefährte, Major von Plevyel, noch nicht zurückgekehrt sei.— Am nächsten Morgen machte er sich auf, und ging denselben Weg wie Tags zuvor. An dem kleinen Eisen⸗ gitter, am Ende des nunmehr gänzlich verödeten Dorfes angelangt, sah er zu seiner großen Verwunderung Major von Pleyel auf einer rohgezimmerten Bank vor einer Hütte sitzen. „Was in aller Welt treiben Sie da?“ hub er an, doch das Wort erstarb ihm auf den Lippen, als er näher trat; Major von Pleyel war todt, eine Kugel war ihm mitten durch den Kopf ge⸗ gangen. Der Schuß in vergangener Nacht hatte ihn getroffen und ohne auch nur einen Schrei auszustoßen, war er auf die Bank ge⸗ sunken, wo die Mauer des Hauses den Todten vor dem Fallen ge⸗ schützt hatte. Als Lohn für seine Tapferkeit wurde Rosen zum Hauptmann ernannt. Der Erste, dem er Mittheilung von seinem Glücke machte, war Baron von Remsbach; gleichzeitig hielt er in dem Brief förm— lich um die Hand Wilna's an. Als Antwort kam ein von Glück und Wonne überströmender Brief von der Geliebten selbst. Und als der Sommer wiederkehrte, kam auch der tapfere Offizier zu seiner Braut zurück, um sie nach wenig Monden mit Kranz und Schleier zu dem Altar zu führen und von ihren zarten Lippen das ewig bindende und beglückende„Ja“ zu hören. wegung mit dem runden Kinderarm. Knaben, Frohsinn in jedem Zug des Gesichtchens. Hie kaugke nichts. Von H. Schobert. „Du bist ein ungezogener Junge, Ludwig! Warte nur, der liebe Gott schreibt das Alles in sein dickes Buch und eines Tages bekommst Du Deine Strafe dafür!“ Der kleine, kaum sechsjährige Knabe, an den die derbe Köchin, die eifrig am Waschfaß hantirte, diese Worte richtete, hatte beide Ellenbogen auf den hölzernen Rand desselben gestützt, den Kopf auf die kleinen Fäuste gedrückt, und sah mit blitzenden braunen Augen, die Wangen mit flammendem Roth übergossen, zu der Sprechenden auf. f „Das lügst Du, Anna,“ sagte er überzeugt und frotzig,„der liebe Gott weiß gar nichts von mir, ich kann thun, was ich will.“ „Jesus Maria, wie Du nur sprichst.“ Das Mädchen streifte den Seifenschaum von den nackten Armen und warf die Wäsche in den Kessel.„Warum sollte der liebe Gott gerade von Dir nichts. wissen?“ Er blickte sie nachdenklich an. „Weil ich keine Mama mehr habe, die ihm Alles erzählt, und Dir, unserer Köchin, glaubt der liebe Gott garnicht, wenn Du es auch versuchst.“ „So? Na, wer weiß! Aber wo ist denn Deine Mama U 7 Ludwig?“ „Ganz fort, Anna, irgendwohin“— und er macht eine Be⸗ „Papa und Tante Marie sagen, sie taugte nichts. Weißt Du, was das ist, wenn eine Mama nichts taugt?“ „Herr meines Lebens, wie das Kind spricht! Ja, es ist ein böses Ding, wenn Einer sein eigen Fleisch und Blut verläßt. Ich brächt' es nicht über's Herz. Gelt, Du kannst Recht haben, armer Wurm, sie taugte nichts!“ Einsam, ganz einsam ist es um die schlanke blasse Frau.— Aus dem Dämmer, das die sinkende Helle noch in dem Atelier zurückgelassen, leuchten Gypsabgüsse in allen Größen, allen Formen, Modelle aus Thon, und mitten darin ein Marmorblock, vorsichtig verhängt, seiner Ausarbeitung entgegensehend. Ueberall die Spuren ernsten Schaffens, strengen Fleißes. Mit leisem Schritt, als wolle sie ihre Schöpfungen nicht stören, durchmißt die Künstlerin den Raum und nimmt von einer der kleinen Eckkonsolen eine zierliche Statuette, die Figur eines spielenden Sie küßt sie und legt sie sorgsam in ihren Schoß, während sie die schlanken Finger um dieselbe faltet. Langsam löst sich eine Thräne von der Wimper und fällt gerade in die todten Augen der Statue, und leise rinnt sie bis auf die kalten Lippen. Die Dämmerung wird tiefer, aber die Einsame merkt es nicht. Still, den Kopf an die Lehne des Sessels gedrückt, sitzt sie da und hört auf die Stimmen in ihrer Brust, die sie sanft forttragen in das tiefe Meer der Erinnerung und ihr für die Zukunft den Lorbeer um die Schläfe winden. Ein Glockenton erweckt sie.— Er kündigt ihr ihren alten Lehrer, der gern die fünf Stock hinaufsteigt, um mit seiner be⸗ gabten Schülerin ein paar Worte zu plaudern. „Nun, Frau Felicia, ob Sie fleißig gewesen sind, brauche ich nicht erst zu fragen, Sie beschämen darin alle meine jungen Leute.“ „Vielleicht habe ich auch mehr Ursache dazu wie Jene,“ sagt sie mit sanftem Lächeln. „Wenn ein Weib ehrgeizig ist, wie Sie, Frau Felicia, setzt sie immer viel mehr ein, wie der Mann,“ entgegnet ihr Gast und sieht kopfschüttelnd in ihr bleiches Gesicht,„aber Sie müssen sich mehr Ruhe gönnen, selbst im hastigsten Lauf läßt sich Ruhm nicht sofort ersagen. Haben Sie denn gar keine Zeit?“ „Nicht viel.“ „Und warum nicht? Sie drückt?“ „Anvertrauen?“ Sie lächelt bitter.„Es ist so wenig, was ich zu sagen habe, Tausende erleben vielleicht dasselbe wie ich.— Als ich heirathete, liebte ich meinen Gatten, als ich ihn verließ, wußte ich, daß die Ehe auch erniedrigende Bande bergen kann.“ Wollen Sie mir nicht anvertrauen, was 3 100 „Also suchen Sie in der Arbeit Vergessen?“ „Nein, o nein, viel mehr!“ ruft sie erregt und lehnt mit dem Rücken an dem Marmorblock.„Ich habe mir redliche Mühe ge— geben, nicht anders zu sein, wie man es von mir verlangte, wenig fordernd und wenig gebend; kann ich dafür, wenn ich anders ver— anlagt war? Wenn die wie ein Fruchtbaum am Spalier gezogene Weiblichkeit immer wieder von der Kraft durchbrochen wurde, die einmal gegen meinen Willen in mir lebt? Sagen Sie mir was Sie wollen, es läßt sich nicht jeder Vogel in denselben Käfig sperren. — Und doch, vielleicht wäre ich ruhig drinnen geblieben, hätte selbst die Flügel geschlossen um meines Kindes willen, aber man raubte mir die Seele des Kindes, man entzog mir seine Liebe, weil ich anders dachte und fühlte wie Jene.“ Zögernd hielt sie einen Augenblick inne. „Und dann?“ „Und dann?— Ach, es kam nicht plötzlich über mich! Ganz allmählich reifte die Erkenntniß in mir, daß ich einen aufreibenden Kampf umsonst kämpfte! So sehr ich mich auch zwang, mit keinem Gedanken die Grenzen zu überschreiten, die mir als Hausfrau und Mutter gesteckt waren, mein Sehnen nach etwas Höherem, nach der Kunst, blieb dasselbe, ob ich wollte oder nicht. Mein Gatte begriff das nicht und seine Familie noch weniger. Man tadelte mich hart. War ich ohnehin schon vereinsamt in meinem Denken und Fühlen, so nahm man mir nun noch das Einzigste, was ich besaß und um dessentwillen ich bisher geduldig ausgeharrt, die Liebe meines Kindes! Man spottete über mich in seiner Gegenwart, man bedauerte ihn mit halben Worten. O— und Kinder empfinden so fein!— Ich fühlte es, wie er mir allmählich entzogen wurde. Die kleinen Spiel⸗ sachen, die ich ihm zu seiner und meiner Freude zuweilen bossirte, warf er in den Winkel, nachdem sie ihm sein Vater verhöhnt hatte und wurde laut und lärmend, seitdem er nicht mehr ruhig neben mir saß und mir zusah. Und was wollte ich denn so Großes? Weshalb betrachtete man mich mit fast feindseligen Blicken? Ich konnte mich nicht willig mit den Erbärmlichkeiten begnügen, mit denen die Anderen zufrieden waren. Ich vernachlässigte meine Pflichten nicht, aber sie bildeten nicht allein den Inhalt meines Denkens. Das war mein Verbrechen!— Als ich dann endlich ging, den Platz räumte, den ich nach dem Urtheil der Andern nicht mit Seele und Leib ausfüllte, da wußte ich, daß man mein Kind nun lehren würde, mich zu mißachten und zu verdammen. Und ich hatte doch niemals etwas Böses gethan. Aber um späterhin einmal das Recht zu haben, ihm zu sagen: Sieh, ich war nicht das, was man Dir erzählte, ich war mehr wie meine Neider und Feinde! Deshalb strebe und arbeite ich so rastlos, deshalb habe ich keine Zeit zu verlieren, denn erst der Erfolg entsühnt.“ Hochathmend hält sie jetzt inne, und der alte Mann mit den grauen Locken nickt zustimmend. 5 „Ja, ja, nicht das Streben, der Erfolg allein entsühnt! Sie werden ihn erreichen, Frau Felicia.“ Ihre Augen strahlen, ihre Lippen lächeln und leise zieht sie die Hülle von dem Marmorblock.. Ein heller Mondstrahl beleuchtet den Kopf der Ariadne. Nicht in zitterndem bangem Schmerz, mit ungläubig groß geöffneten Augen blickt sie in die Ferne, sondern dumpfe Verzweiflung, wider— standslose Resignation liegt in diesen halbgeschlossenen Augen, in diesem gepreßten Mund und in dieser gefalteten Stirn. Ein Aus⸗ druck, so naturwahr und ergreifend, daß den Beschauer unwillkürlich Mitleid mit der so schwer und verzweifelt Leidenden erfaßt. „Bravo!“ sagt der Professor leise,„der Erfolg steht greifbar vor Ihnen, Frau Felicia.“ Sie ergreift seine Hand und küßt sie dankbar.„Wenn es so wäre! Daß mein Knabe einstmals meinen Namen mit Liebe und Hochachtung nennt, das ist mein Ziel!“ g Die Ariadne wurde nicht vollendet.— Eine Krankheit befiel die Künstlerin, von der sie nicht wieder genas und der einzige Leid— tragende hinter dem schmucklosen Sarge war der alte Professor, der tief um die Frau, aber noch tiefer um das große zerstörte Talent vor ihm trauerte. Da sich Niemand um sie oder ihre Hinterlassen⸗ schaft kümmerte, nahm er die unvollendete Ariadne in sein Atelier, verhing sie sorgfältig und nur selten, in einsamen, weihevollen Stunden ließ er seine Augen auf dem Kunstwerk ruhen, gedachte des rastlosen Strebens seiner Schöpferin und der eisernen Härte des gehabt.— Aber sie wurde nicht wieder lebendig— und seufzend zog er die grüne Hülle wieder über den Marmor.. Nach Jahren— als auch er gestorben, einsam, wie er gelebt, nahm einer seiner Lieblingsschüler den verhängten Marmorblock aus dem Atelier des verehrten Meisters zur Erinnerung. Er meinte lächelnd, er hoffe, daß ihm dieser verschleierte Block, den auch er nicht enthüllen werde, Glück und Ruhm bringe. Mehr wollte er nicht von ihm. 5 Eines Abends riß er absichtslos die Decke zu Boden, und als die schmerzgebrochene Ariadne ihren stummen, verzweifelten Blick auf ihn heftete, da beugte er in stiller Ehrfurcht sein Haupt vor dem gewaltigen Genius seines Schöpfers und ein Schauer des Entzückens überrieselte ihn. Der junge Künstler schwieg über seine Entdeckung, aber im Geheimen begann er rastlos zu forschen, hier und da zu fragen, aber Niemand hatte eine Ahnung von diesem Ariadnekopf. Hinter der grünen Decke war sicher ein Geheimniß geborgen gewesen, aber ein unenträthselbares, und die es kannten, lagen wohl Alle im Grabe. Was aber nützte der Kopf, wenn der Körper unvollendet blieb? Zuerst scheu, dann immer dreister, that er einige Hammerschläge, er kam sich fast vor wie ein Dieb, und doch war Niemand da, der ein Eigenthumsrecht geltend machte. Der Kopf ließ ihm auch keine Ruhe, Tag und Nacht sah er ihn vor sich, bittend, ihn aus seiner Dunkelheit zu befreien. Er ar⸗ beitete weiter, und täglich wurde aus der gefundnen Ariadne mehr und mehr seine Ariadne; zuletzt vergaß er ganz, daß er sie nicht geschaffen, zum Mindesten liebte er sie wie ein Kind seiner Phantasie. Und sie lohnte es ihm.— Er wurde ein berühmter Mann. Die ganze Welt huldigte ihm, man nannte seinen Namen unter den Besten. Der Kopf der Ariadne erregte Bewunderung und Enthusiasmus; er trieb den Frauen Thränen in die Augen, den a erweckte er ein verschwiegenes Gefühl von Schuld und We, N N Wenn die späteren Werke des Künstlers nicht ganz auf derselben Höhe zu stehen schienen, entsühnte man ihn durch die Erinnerung an das Herrlichste, was er doch einmal geschaffen— an den Kopf der Ariadne.— Niemals erfuhr Jemand, daß ihn der Künstler gefunden und nicht selbst gemeißelt, ebenso wenig wie er jemals den wahren Schöpfer. Die Götter hatten ihm das Geschenk gemacht, er nahm es dankbar an, und nannte die Ariadne mit Stolz sein bestes Werk. Auf dem großen Kirchhof der großen Stadt liegt ein ver⸗ wildertes, eingesunkenes Grab. Wer ahnt, wen es birgt? Es sind ihrer so viele!— Sonne und Mond gleiten darüber hin und Licht und Schatten. Im Sommer singt ein Vogel in den Zweigen des nächsten Baums, im Winter braufen Schneestürme über dasselbe. Die darin schläft, stört es nicht.— ö In weiter Ferne ist aus einem kleinen, braunäugigen Knaben ein großer, schlanker Mann geworden. Einen Frauenverächter nennt noch vermag er die Liebe einer Frau zu würdigen, er versteht nur, sie zu verhöhnen. den Weg zu etwas Höherem gezeigt. Nur einmal, als er vor dem berühmten Meisterwerk der Ariadne saß, und in ihre tieftraurigen Augen sah, überkam ihn ein dumpfes Gefühl von Sehnsucht und Reue. Er mußte an seine vergessene ein Hauch seine Stirn und küßte ihm die harten Augen, wie sie es dem Kinde so oft gethan. Und vor dieser Ariadne fragte er sich zum ersten Mal, ob man sie nicht grausam und ungehört ver⸗ dammt habe, ob sie auch wirklich jenes harte:„sie taugte nichts“ verdient habe. und die Zukunft hatte der Armen den Lohn versagt. fast scheuen Blick nach dem Ariadnekopf zurück, als er ging. Er vergessen schnell, und auch dieser vergaß. Schicksals. Nur noch wenige Monate und sie hätte ihr Ziel erreicht 0 man ihn. Er glaubt weder an das Gute und Edle im Leben, ö Das macht, er hat keine Mutter gehabt, die ihm 5 Mutter denken, immer und immer wieder; es war ihm, als streife Das konnte er nicht wissen, und doch warf er noch einen letzten, 0 nahm sich vor, nach der Vergessenen zu forschen, aber— Männer 9 Aber Niemand gab ihm Antwort, und auch die leise Stimme in seinem Innern erstarb wieder. Die Vergangenheit war fort, 0 106 U 1290 8 5 und ren 0 ihm eck. Dirndl und Dachserl. vel⸗ sind ten. s, it, ben ent ben, nul, ihm ue pes sene gif e 1 pel⸗ 15 mme fott, ten, 6. nner e e 102. Kleine Irauen-Zeitung. Die Mode. Wenn der Frühling über das Land zieht, so lassen nicht nur die ge⸗ fiederten Sänger der Lüfte ihre Jubellieder ertönen, nein, auch auf Erden klingen von kundigen und unkundigen Sängern die Lenzeshymnen wieder, und tausend Federn regen und bewegen sich, das Erwachen der Natur zu verkünden. Und so müßte ich füglicherweise meinen Bericht heut mit einer Frühlingsschilderung einleiten. Aber erlassen Sie mir, ich bitte, diese Prä⸗ liminarien! Sehen sie sich doch alle einander gleich. Sie wünschen von der Mode zu hören, die, unbeständig wie das Glück, hierhin, dorthin flattert und sich kaum Zeit zu einer kurzen Rast gönnt. Ich beginne. An Ueberraschungen reich, bringt sie uns für die Frühlingssaison des Neuen in Fülle, wenngleich sie auch das Aeltere in frischer Schöne wieder erstehen läßt. Und wir brauchen uns über letzteres nicht zu beklagen, denn es wäre schade, noch gut Erhaltenes, das uns vom vergangenen Jahre blieb, so schnell bei Seite zu legen. Das Genre Guipüre bewahrt in den Kleider⸗ stoffen seine früheren Rechte und um dasselbe gruppiren sich alle die ihm verwandten Durchbruchs-Gewebe in reiner Wolle wie in einem Gemisch von Seide und Wolle, welche sich in den reizendsten Dispositionen präsentiren. Die Mode dieser Stoffe, welche ein seidenes Unterkleid erfordert, begünstigt, ebenso wie die Mode der Vereinigung verschiedener Gewebe in einem Kostüm, ganz besonders das Aufarbeiten und Arrangiren älterer Toiletten. Man hat einen Rock aus Seide, welcher vielleicht verblichen oder etwas abgenutzt ist; nichts Besseres, als davon ein Unterkleid für einen Anzug aus durch⸗ brochenem Wollenstoff zu fertigen. Oder man hat eine Tunika und Drape⸗ rien aus Seide und man wird leicht das sich ihnen Anpassende zur Ver— vollständigung der Toilette unter den neuen Fabrikaten finden. Viel, viel Pekings, mit welchem Sammelnamen man alle gestreiften Stoffe bezeichnet, mögen sie nun mit guipüre⸗artig durchbrochenen oder anderen spitzengemusterten Streifen, mit verschlungen oder verschnürt durch⸗ brochenen Streifen, oder mit festen Bouclé-, mit festen, auf die mannig⸗ fachste Art fagonnirten Streifen, mit Bandstreifen oder auch mit mattbunten Streifen auf Voile oder Etaminegrund durchwebt sein! Die großen und schlanken Damen werden mit Vergnügen und der neuesten Mode gemäß die Streifen der Quere nach, also im Genre„Bajadere“, tragen, während die— jenigen von kleiner oder stärkerer Figur Vortheil aus den Langstreifen zu ziehen wissen, welche sie größer und schlanker machen. Für jeden fagonnirten und durchbrochenen Stoff giebt es, als dazu gehörig, ein schlichtes Gewebe, das mit dem Fond von jenem übereinstimmt. Unsere Toilette wird also wie bisher— und ich deutete dies oben bereits an— aus zwei Stoffen zusammengestellt sein. Die Voile und die Etamine! diese Namen dürften Ihnen nicht mehr neu genug klingen, aber sie sind bezeichnend für die Webearten, und so ist man übereingekommen, Alles, was fest, fein und dicht, unter„Voile“, was grobfadig und etwas loser, unter„Etamine“, aber selbstverständlich mit ver⸗ schiedenen Attributen zu klassificiren. Diese beiden Arten umschließen zahl⸗ lose Wandlungen, welche das Auge auf den ersten Blick mit„neu“ be— grüßen wird. f Keine von den bisher angenommenen Farben ist von der Mode eigentlich ausgeschlossen, doch begünstigt sie in Kleiderstoffen vornehmlich die mannig⸗ fachen Beigetöne,„Eichenholz“ in zwei Nüancen, einer hellen und einer dunkleren und Schwarz. Ein größerer Farbenreichthum macht sich freilich in den Frühlings⸗ und Sommerhüten bemerkbar, und man spricht davon, daß man nicht mehr die strenge Einheit in der Toilette wahren, d. h. nicht mehr den Hut ꝛc. mit dem Kleide in gleicher Farbe tragen will, obschon von anderer Seite wiederum dagegen Opposition gemacht wird. Hier hält man gern an der sein mag: beide Geschmacksrichtungen werden zum Ausdruck kommen und welche den Siegespreis erhält— bleibt abzuwarten. Etwas ganz Originelles in Kleiderstoffen bieten die grau⸗bläulichen Melange⸗Diagonals mit bunt seidenen Kaschmirstreifen, begleitet von schlichtem Wollen⸗Diagonal und von bunten Kaschmirstoffen persischen oder türkischen Stils. Der letztere Stoff wird entweder zu dem Jaquett-Leibchen oder zu dem kurzen Straßen⸗Jagquett, ganz anliegend oder mit losen Vordertheilen, gewählt, während der schlichte Diagonal das Kleid abgiebt und der gestreifte zu den Garniturtheilen dient. Die Vigognes und Beiges in naturfarbenen(d. h. graubräunlichen) und in einzelnen grauen Nüancen sind auch wieder zu neuen Erfolgen berufen. Sie zeigen sich in neuem Gewande mit kleinen Bouclé⸗, wie mit großen abschattirten Carreaur, mit Bajaderenstreifen, mit feinen Langstreifen und mit kleinen Gittercarreaur. Gehören zu derartigen Dispositionen ebenfalls schlichte Stoffe derselben Gattung, so bilden diesenigen mit feinen Streifen und Gittercarreaux eine Gruppe für sich, da sie beide vereint zur Ver— wendung gelangen. Jedem Wunsche wird also durch die neue Kleidermode genügt werden und Diejenigen, welche nicht die Phantasieen lieben, dürften in dem nuch hüher im Aueh das gegenwärtig so hoch geschätzt und bestimmt ist, noch höher im Ansehen zu steigen, die Befriedigung ihres Geschmackes für ein mäßigeres Genre finden. Und die Zierrathen, Bordüren und Gehänge aus schwarzem Jet sind es, welche dem schwarzen Kleide seine Triumphe sichern. Man bereitet sehr schöne neue Plastrons und Epaulettes aus Jetperlen, die verschiedenen Parüren darin in Form von Stehkragen nicht zu vergessen. Aber auch die farbigen Perlen⸗Colliers hören nicht auf, sich die große Gunst, die man ihnen geschenkt, zu erhalten. Alle Formen sind darin schönen und vornehmen Mode der Farbengleichheit fest. Wie dem nun zugelassen: das einfache, gerade Band, über und über mit kleineren oder größeren Perlen benäht— der Schnebben-Stehkragen mit einem Gitterwerk oder mit kleinen Gehängen von Perlen bedeckt und oben und unten von einer Perlenschnur eingerahmt— das sogenannte„collier de sauvage““: ein Perlenstehkragen mit breiten, niederfallendem Gitterwerk und Gehängen — diese wie jene Formen insgesammt seitwärts mit einer Schleife aus schmalem oder breitem Picotbande geschlossen. Man trägt derartige Colliers aus Jet⸗, Stahl-, Blei-, Goldperlen, aus goldbraunen, dunkelblauen 2c. Perlen am Tage zu hohen Leibchen, aus feinen Wachsperlen, rosa, weiß, creme, himmelblau, grau; am Abend zu hohen, herzförmig geöffneten oder ausgeschnittenen Leibchen. Ganz neu und reizend, besonders für junge Mädchen, ist das Collier, das vorn aus fünf niederhängenden Schnüren solcher Wachsperlen, hinten aus einem Atlas- oder Moircebande besteht. An letzterem sind auf der einen Seite die Perlenschnüre befestigt, während diese auf der anderen Seite eine entsprechende Bandschleife erhalten, unter welcher das Band, resp. das Collier schließt. In blaßrosa Wachsperlen mit gleichgetöntem Moiréebande, in creme Wachsperlen mit gleichfarbigem oder Hane Moircebande ist das Collier besonders empfehlenswerth. Die französische Faille wird in den Seidenstoffen herrschen, der Sammet zu den beliebtesten Garnituren gehören. Und so werden wir letzteren wiederum vielfach auf den Leibchen sehen. Dasjenige mit schmaler Weste oder mit Plastron ist die Mode der Gegenwart und wird die Mode der Zukunft sein. Doch variirt man auch und bereitet neuerdings Leibchen: über der Brust etwas eng, um es hier offen zu lassen, oben am Halse mit einem einzigen großen und schönen Knopf aus Perlmutter, Elfenbein, bemalt oder geschnitten, aus ciselirter und vergoldeter Bronze ꝛc., zusammengehalten, und dann die erwähnte Oeffnung mit einem kleinen, schmalen Bausch aus Surah oder Krepp, roth, weiß, jonquillengelb, himmelblau, kurz in irgend einer beliebigen Farbe ausgefüllt. Unter der Brust schließt das Leibchen bis zur Schnebbe unsichtbar mit Haken und Oesen oder mit einer Knopfpatte. Den Hals umgiebt ein kleines Moiré- oder Atlasband, seitwärts zu einer Schleife gebunden, in der Farbe des Bausches. In dem Leibchenschnitt scheint sich übrigens eine Umwälzung vorzu⸗ bereiten. Die Pariser Modisten haben nämlich ein Leibchen ohne Eimäßer versucht, das sich der Figur, selbst einer starken, wie ein Handschuh an⸗ schmiegen soll. Und was ist hierbei ihr Geheimniß? Dasselbe besteht einzig und allein darin, den Stoff richtig zu legen, zu schneiden und zu präpariren. Der Schnitt findet nur Anwendung bei den Leibchen mit Westen- oder Plastrontheil; unter dem Arm wird nach vorn ein besonderer Seitentheil angebracht und diesem ein vollständig schräg geschnittener Vordertheil an⸗ gesetzt, welchen man mit dem Westen- oder Plastrontheil vom Halse bis zum Schooßrand durch eine ausgehohlte Naht verbindet. Diese Naht ver⸗ tritt die Stelle des Einnähers und sichert den festen Anschluß. Ein solcher Schnitt ist besonders bei gestreiften Stoffen kleidsam, da der schräg laufende Vordertheil sich eigenartig zu dem gerade gehenden Plastron ausnimmt. Die Mantelets und Visiten, welche man aus Noppestoffen, klein karrirten Tuchen und Cheviots in graubräunlichen Tönen, noch mehr aber aus schwarzen, etamine- und armüreartigen, größer oder kleiner gemusterten Wollgeweben herstellt, bieten noch mehr Phantasien als im vergangenen Jahre. Ich will nur im Allgemeinen deren Form angeben: geschweifter Rücken, sehr kurz, viel kürzer als die Vordertheile, Aermel oder der„An— schein“ dafür: sehr hoch und der Schulter beginnend, sich um den Obertheil des Armes schmiegend und nach unten häufig zu einer Schlinge um⸗ geschlagen, das Ganze die Büste und Taille fest einhüllend. Was die Details betrifft, so werden sie bis in's Unendliche variiren. Man wird schmale, plissirte Vordertheile aus Faille bereiten, die von dem Fagonné der übrigen Theile des Mantelets abstechen, Westentheile aus Faille, breite Plüsch⸗ oder Sammetstreifen oder solche Einfassungen, Theile aus Stickereien oder Perlenstoffen, Bausche aus Spitzen, Spitzenvolants, eckig gespaltene Schöße, welche flach auf den Hüften liegen und den Rücken vom Vorder⸗ theil trennen,— glatte Mantillenenden oder bauschig zusammengefaßte Zipfelenden als Vordertheile, hochgenommene Draperien im Rücken, Schleifen, hier und dort wie durch Zufall ingen vor Allem aber in der Mitte des Rückenschooßes, an welcher Stelle sie sich oft zu einer richtigen Schärpe verlängern. Und zwischen all' diesen Schnitt- und Garniturtheilen flimmern und glitzern die leichten wie die ganz schweren Gehänge aus Jetperlen. Im Uebrigen bleibt man dem Jaquette treu, das die Mode auch vornehmlich den jungen Mädchen zudiktirt. Es ist im Rücken kürzer als vorn, und man trägt es eutweder knapp anschließend, vorn gerade herunter geknöpft und mit hohem Stehkragen, oder mit losen Vordertheilen, ohne Abnäher und seitwärts oder in schräger Richtung geschlossen und mit um⸗ eschlagenem Stehkragen. Dies sind die bekannten Formen, wie wir sie bereite hatten und wie sie immer noch modern. Doch bringt man Neues durch die Art und Weise der Ausstattung hinein. Die Jaquettes, zu welchen man dieselben graubräunlichen Stoffe wie zu den Mantelets verwendet, ferner noch schwarze, dunkelblaue, dunkelbraune, bronzebraune und russisch— grüne Cheviots, Tuche, Kammgarngewebe, Loden, Zickzack⸗Diagonals, erhalten bei anschließender Form, in dunkler Farbe, häufig eine Weste aus rahm⸗ gelber oder graubräunlicher Wollenarmüre,— in hellerem oder mittlerem Ton: eine gefaltete Weste in dunkler Faille und diese begrenzt von Seiden⸗ oder Plüschrevers, während die Jaquettes mit losen Vordertheilen zuweilen Plüsch⸗ oder Sammetrevers allein zeigen, welche von dem entsprechenden Kragen ausgehen. Im Allgemeinen herrschen aber hier als einzige Zierde die Knöpfe, welche man entweder einfach und stilvoll, aus echtem Schild— patt oder aus ciselirtem Metall, oder, originell, aus gereifeltem oder baum⸗ stammartig geschnittenem Holz oder aus Holz und Metall wählt. Als Uebergangshut wird man densenigen aus schwarzem oder dunkel⸗ farbigem Seidentüll und Spitzen, mit Perlenstickereien und Perlenschnüren, mit Sammetbouillonnes und Schleifen aus Sammet oder Picotband in Atlas und Faille, ferner den schwarzen Strohhut mit gleichem Schleifen⸗ schmuck tragen, die Blumen hier und dort nicht zu vergessen, und später, 4 5 * eee beer e cr e 103 später dete eine alte Mode wieder: die Mode der hellen Strohhüte, ihm einige Pfunde Tabak und eine Flasche Rum ab.— Eine Eigen⸗ l vornehmlich der weißen und rahmgelben Brüsseler und der gelben italienischen thümlichkett die Stammes ist, daß Je und Beduinen ihn nicht zu mit buntfarbiger oder schwarzer Garnirung. sich rechnen, obgleich er zwischen Beiden steht, daß er auch die Vermischung * mit ihnen verabscheut. Europäern sind dagegen die Gurbismädchen gewogen. 1 W. G. 8—̃—-— l 0 u Lo se 1. Stiefel muß sterben. Der junge Magister Stiefel, der als Lehrer * a. 0 8 la t ter einer Dorfgemeinde bei Wittenberg lebte, kam 1535 eilic 1 in der 14 5 5 1 Dirndl und Dachserl.(Siebe Illustration). Adolf Eberle's Jäger sind Aufregung zu Martin Luther.„Der Weltuntergang ist nahe,“ rief er dem K nach erfolgreicher Jagd mit der Beute heimgekehrt und das Dirndl will Reformator zu.„Woher wißt Ihr das, Magister?“ fragte Luther.—„Aus 1 dieselben mit Speise erquicken. Als der Napf auf den Tisch gestellt wird, meinen Berechnungen,“ versetzte Stiefel.—„Und sind diese untrüg⸗ . lockt der Duft das Dachserl an. Das treue Thier hat im Herrendienst seine lich?“—„Ohne allen Zweifel.“ Er begann nun Luther überzeugen zu W Pflicht ganz und voll erfüllt und begehrt nun auch das, was dem Menschen wollen. Als ihm dies nicht gelang, verließ er in Unmuth Wittenberg. a geboten wird, Erquickung durch Speise und Trank. Dachserl ist auf den Gläubigere Seelen fand er in seinem Dorfe. Die Bauern verthaten ihr 1 Schooß seines Herrn gesprungen und strebt mit gierigen Blicken dem vollen Gut und harrten dem verhänguißvollen Tage entgegen. Als an demselben u Napf zu. Das Dirndl aber sucht lachend die eben bereitete Speise vor dem die Welt aber nicht unterging, war ihre Geduld zu Ende. Sie ergriffen raschen Angriff zu bewahren. Die beiden Löffel in der Hand lassen darauf Stiefel und brachten ihn gebunden nach Wittenberg, damit er dort gerichtet 4 schließen, daß die Mahlzeit für die beiden Jäger und nicht für den Hund werde. Auf dieses Ereigniß dichtete ein Student das Lied:„Stiefel muß 1 bestimmt ist. Zuweilen verrathen Löffel oder Gabel, daß das, was für den sterben, ist noch so jung“ Stiefel mußte thatsächlich nicht sterben, aber 1 1 Hund bestellt wurde, vom Herrn genossen wird. So sah einst ein Lieutenant das Lied, das er überall hören mußte, trieb ihn aus Sachsen. Er ging 1 um Fenster hinaus und als er seinen magern Hund erblickte, rief er dem nach Königsberg, wo er in hohem Alter starb. W. G 4 Ae 5 55 elt 1 150 le i Jolichen scheint am—— 0 1 end noch nicht gefrübstückt zu haben. Hole für das arme Vieh eine 15 ö ach; f 5. 1 Kartoffeln aus der Cantine.“ Der Bursche will sich entfernen, um aber 1555 ane dan e ihre 5 5 en Auftrag auszuführen, da ruft der Lieutenant noch hinterher:„Johann, thüringischen Dorfe Görsbach in der sogenannten„goldenen Aue“. Dort ring' auch 4 0 5 1. 5 515 bring auch n Gabel mit finden wir bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts eine Familie„Worst“, 9 Unser Holzschnitt giebt die kernigen Gestalten des Eberle'schen Genre- rNdabildes mit 91 Schärfe wieder und die beiter Scene muthet 5 Beschauer. e 0 e. 5 * sicher recht freundlich an. 11 5 dieser frühen Zeit einen Haus Worst den Alten neben einem Hans Worst E. 180 dem Jungen finden. Nach einer noch vorhandenen Urkunde verkaufte am r. 19. August 1471 Heinrich Graf zu Stolberg„seinem lieben Getreuen, dem 0 g Der neue Christus. Zur Zeit des Königs Sigismund Augustus gerieth ersamen Hansen Worste, wohnhaft zu Gerspidi, seinen Schafhof am Ende u. der polnische Edelmann Jakob Mielstynski auf den Gedanken, die Rolle des Dorfes für einen Kaufschilling von 75 Gulden Die Worst'sche Familie er des neuerstandenen Jesus Christus zu spielen. Zwölf Zechbrüder fanden sich war durch Ansehen und Vesitz ausgezeichnet, aber auch durch ihr originelles „ bereit, ihn dabei als Apostel zu unterstützen. Sie fanden auch Dummköpfe, Wesen, das sich besonders in Prahlerei und Händelsucht kundgab, nicht z die ihnen Glauben beimaßen und opferbereit waren. Wo sie keine frei⸗ gerade zum Besten beleumdet. Ju der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderte l. willige Aufnahme fanden, griffen sie zum Betrug. In Plock stellte sich lieferte die Familie einen wirklichen Hofnarren Hane Worst, von dem ein er Einer wie ein von bösem Geiste Besessener, lief in die Kirche und stahl eigenhändige Schriftstück voller zotiger Späße, das im Gräflich Stolberg schen l das eben gesammelte Geld, es in die Brusttasche steckend. Nun erschien Familienarchive verwahrt wird, noch vorhanden ist. R. F. . 1 d 15 een Kledern f 1 5 e als jenem statt— u es Geldes Steine aus den Kleidern fielen. Eines Tages kam die Bande f e e f' J; ü zu einer Dame, von der sie Leinewand forderte. Sie that ihr den Willen führten Ae 0 de An 5 0 0 56 ae ben 11 „ hicht, da setzte sie ihr den rothen Hahn auf das Dach. Die Nachbarn liefen e bre 18 0 5 15575 1 Eren 1 1 tt 15 1 5 ee e „ jziusammen und verfolgten die Uebelthäter. Plöglich blieb Mielstynski stehen derbesserte, 1„ 8 1 1 85. berbesserte und vervollständigte die neue Erfindung und ließ sich im Jahre t. und redete die Anderen an, sie möchten bleiben; er werde es allein mit 185; erbesserte Mal i 11 Ab 3; 8 den Bauern aufnehmen. Sie trauten seinen Worten nicht. Er blieb jedoch e en 955. eee e 195 en der e, he 5 2 5 und begann auf den Händen zu gehen. Die Bauern ließen sich dadurch finder darf Howe nicht angesehen werden, vielmehr hatte schon mehrere 0 zicht abschrecken, sondern prügelten ihn zu Tode. W. G 2 a(Bee 7 der Nh 100 atze Pee e aus en. 5 72 8 mplepuis(Departement der Rhone) Namens Barthelemy Timonnier zu 1 1 571 Etienne mit een 8 ae glänzende ionen er„. 5 1 175 975 er Brauchbarkeit derselben abgelegt, welche auf sein Ansuchen 6 1. Wie sich die Zeiten. ändern. Der erste Präsident des französischen ansischen 0 1 1 1. 5 1 5 l. 9 Parlaments unter Heinrich II. Giles le Maitre setzte in den Pachtkonkrakt 5 1. seines bei Paris gelegenen Landgutes:„Der Pächter hat an den vier großen 3 585. 75 Festen der; Christenheit wie zur Weinlese einen Karren(charette) in die Wegemesser. Die Erfindung der Wegemesser, die man in unseren W Stadt Paris zu schicken, um Frau und Tochter des Vermiethers, des gnädigen Tagen bei dem öffentlichen Fuhrwerk 1 Städte zur Kontrole der 1 Herrn Präsidenten, abzuholen, da die Ehre der Damen es nicht gestattet, Kutscher in Vorschlag gebracht hat, war bereits den alten Römern bekannt. 1 auf Eseln zu reiten. Für die Zofe ist aber ein gut; zugerittener Esel zu Schon Vitruvius(X. 14) berichtet von„Hodometern“, die in Fuhrwerken 1 stellen und ein Maulthier für den Vermiether, Mr. Giles le Maitre.“ und Schiffen angebracht waren, um die Länge des zurückgelegten Weges zu W. G. messen. Julius Capitolinus führt in seiner Lebensbeschreibung des Kaisers Pertinax unter dem nach dem Tode des Kaisers Commodus versteigerten Nachlasse desselben l auf, welche„die Stunden und die Entfernungen“ anzeigen. In den folgenden fünfzehn Jahrhunderten haben verschiedene englische und französische Mechaniker den Ruhm, einen Hodometer erfunden zu haben, für sich in Anspruch genommen, aber es ist und bleibt unbestrittene historische Thatsache, daß die Renn- und Triumphwagen eines römischen Kaisers unseren heutigen Droschken und Fiakern das erste Vorbild eines Wegemessers gegeben haben. R. F. Die Gurbis(Gourbys).„Nach dreizehnstündiger Austrengung gelangten wir zu der Oase Biskara,“ erzählte der Saharareisende Kapitain Lacroix: „Dieselbe ist von Gurbis bewohnt, die eine tief schwarze Haut besitzen, ohne die Gesichtsbildung dieser Rasse zu haben. Noch ehe wir die Grenze er— reichten, erschienen plötzlich am Horizonte eine Anzahl Reiter. Eingedenk der Beduinenüberfälle, griffen wir zu den Waffen. Unsere Befürchtungen waren jedoch unbegründet; wir hatten es mit Gurbis zu thun, die von der Gazellensagd kamen. Sie empfingen uns mit echt arabischer Gastfreund⸗ schaft. Umgeben von den herrlichsten Palmen standen ihre Wohnungen zum Theil auf gemauertem Grunde, zum Theil bestanden sie aus Schilfhütten. Die Oase ist ein herrliches Stück Erde, das von drei nie versiegenden Bächen durchrieselt ist. Neben den Palmen wuchsen in üppiger Fülle Sträucher mit köstlichen Pfirsichen, Aprikosen und großen gelben Pflaumen neben weißen Johannisbeeren und wilden Trauben.— Mir wurde die Ehre zu Theil, in der Wohnung des Marabuts Sidi Namu Aufnahme zu finden. Der heilige Mann zündete sich eine Pfeife meines Tabaks an und verschmähte auch einen Schluck Punschessenz nicht, die ihm dergestalt mundete, daß er seine Familie eines gleichen Glückes theilhaftig zu werden e Don Ruy Gomez de Silva, der spanische Gesandte am Hofe Heinrichs IV. von Frankreich, wurde von diesem selbst in dem Garten von Fontainebleau umhergeführt. Der König zeigte ihm vorzüglichen Kohl; der Gesandte zuckte die Achseln.„Im Escurial,“ sagte er,„ziehen wir Kohlpflanzen, daß eine Kompagnie Reiter in ihrem Schatten ausruhen könnte.“„Ja, ja,“ versetzte Heinrich,„die Natur bringt Wunderbares her⸗ vor. Mit solchen Kohlstauden können wir nicht aufwarten; aber ich habe den Befehl gegeben, einen Topf herzustellen, der so hoch wie die Notre— Dame von Paris ist.“ Der Gesandte fragte betroffen:„Und wozu?“ wünschte. Fatime, seine Frau, eine recht hübsche, schwarze Dame, war die Erste, die auf seinen Ruf erschien und die bläulichen Lippen an den Rand der Flasche setzte. Die Familie Sidi Namu, die aus sieben Personen be— stand, trank in den zwei Tagen meines Aufenthaltes drei Flaschen des starken Getränkes aus und würde vielleicht noch mehr geleistet haben, wenn ich in Betracht meiner Weiterreise ihnen den fortgesetzten Genuß nicht ver⸗ weigert hätte.— Die Gurbis sind ein friedlicher, gutmüthiger Volksstamm, der nur von Viehzucht und Jagd lebt und den Karawanen Nahrungsmittel, Thiere und Früchte verkauft. Als Merkwürdigkeit gilt auch, 9 einige „Um Euren Kohl darin kochen zu lassen,“ lautete die Antwort Heinrichs des Vierten. W. G. Beaumarchais nannte die Compilatoren in der Bücherwelt die Lumpen⸗ sammler, jene Gattung Schriftsteller, aber, die einen literarischen Teig in jede beliebige Form bringen, die Bäcker der Belletristik. W. G. „ Eugenie Gobelin, eine der bekanntesten Balettänzerinnen der dreißiger 5 Theile der Oase mit Reis und Mais bestellt sind, während der Beduine Jahre, hinterließ bei ihrem Tode 83 persische Shawls, 116 französische u, niemals Ackerbau treibt. Als ich von den Gurbis Abschied nahm, verehrte Caschemirs, 52 Mäntel, 874 Kleider und 365 Handschuhe, aber nur 5 u mir der Marabut einen aus Talkstein geschnittenen Pfeifenkopf, wofür ich[Paar Strümpfe und 3 Hemden. W. G. n.52 5. e n „ Abe N 17 7 8 3 Rösselsprung. ster⸗ ße mei⸗ eh' je⸗ nen letz⸗ mir auch seuf⸗ ne gro- den ein nem gold⸗ un⸗ ne nacht 85 weh'n ten trunk du zend sschenksth chen- kelch die 9 5 er zau⸗ mär⸗ ter⸗ in durch welt ber⸗ bist mal du a⸗ ler⸗ geh'n aus brust sten schau⸗ e 15 mein mei⸗ bens ein⸗ des bend⸗ al⸗ ter je⸗ laß voll⸗[ne le⸗ Kapsel-Räthsel. Versuch's, das Ende von dem einen, Den Anfang von dem nächsten Wort Geschickt zu neuem Wort zu einen, Und was du suchst, hast du sofort. 1. Eine Pflanze. 2. Ein altes italienisches Fürstenhaus. Der König Karl fuhr über Meer Mit seinen zwölf Genossen; Zum heil'gen Lande steuert er Und ward vom Sturm verstoßen. Viersilbige Charade. Die beiden ersten Silben nennen Im Norden Dir die schönste Jahreszeit; Da, wo der Sonne Strahlen heißer brennen, Bringt Segen sie und Fruchtbarkeit. Willst Du auf dieser Welt das Hohe gern erlangen, So klimm auf meinen letzten kühn hinan. Das Ziel erreichst Du, nur nicht bangen, Wer niedrig weilt und denkt, den gehen sie uicht au. Das Ganze ist ein Schrecken aller Damen, Dagegen noch kein Mittel uns bekaunt. Schon schaudern sieht man sie bei seinem Namen, Und forschend wird zum Glas der Blick gewandt. Wohl Schmeichler f agen ihren Schönen, „Wie alles, so verschönt auch dies Ihr Angesicht!“ Doch, Mädchen, trauet nicht den Schmeicheltönen, Ihr werd't entstellt, drum scheuet Vorsicht nicht. Auflösung des Citaten-Räthsels in voriger Nummer: Der Knabe Don Carl fängt an mir fürchterlich zu werden.— des Rösselsprungs: Wohl fühl' ich, wie das Leben rinnt, Und g ich endlich scheiden muß, Daß endlich doch das letzte Leid Und endlich kommt der letzte Kuß. Noch häng' ich fest an deinem Mund' In schmerzlich bangender Begier; Du giebst der Jugend letzten Kuß, Die letzte Rose giebst du mir. — des Magischen Quadrates: (Schluß folgt.) e e ES N n e Problem Nr. 378, 5 von B. G. Laws in London. 5 15* 11. 5 1 5 Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Partie Nr. 216, gespielt in St. Louis am 5. Februar d. J. als siebente des Wettkampfes. Weiß: J. H. Zukertort. Schwarz: W. Steinitz. 1) Steinitz wählt bier zum ersten Mal den von der Theorie empfohlenen Zug. 2) Dieses erweist sich als Tempoverlust, der Thurm konnte sofert nach di gehen. 3) Sehr gewagt! Auf 21) Dis hätte folgen können: h6 22) Lt6: LfG: 23) Se4 Lg7 resp. 23) g4 g5 24) Dea Sdé c. 4) Weiß darf den Bauern offenbar nicht nehmen, da nach 29) Lhi: Lh: 30) Dh7: Ddr ein Offizier verloren wäre, doch ist nicht ersichtlich, weshalb Lbz: nicht den Vorzug verdienen sollte; z. B. 28).. Ib2: 19) Des Dai 30) Kgz auf 30) Khs folgt Lest 31) Kg2 Pd 2c. resp. 310) 42152 32) Ldal und Matt oder Damenverlust! Dd5 f 32) Daß: Les und Schwarz bleibt im Endspiel bei gleichfarbigen Läufern mit einem Bauern im Vortheil— oder 29) Des Ddl 30) K h2 Leöf 31) fꝛ—t4 Ddzf 32) Kga! lauf 32) Lg2 würde LA.. folgen, gegen 32) Kg aber entscheidet Lada in wenigen Zügen] Pezu 3) Kg2 Def 34) Kga Lud 35) haha! Lf2r 26) Kha[sonst L ha. ꝛc.] Pi 37) Lgel 55 28) Khz Lg3. und Matt in spätestens drei Zügen, resp. 35) Lk3 LdaI 34) Dog(oder 40 35) Delf und Matt im nächsten Zuge oder 34) ha—h5 Df2 7 35) Khs Dfat 36) Kh2 Dg2 37) Kha Dritt und Matt in fünf Zügen. 5) Hiermit giebt der Läufer die N auf, ziemlich sicher war wohl der Rückzug 29) Les denn 31) Lb: 2c. oder 29). was sich sofort als verderblich erweist; Lb: 30) Dbi! Kg7 les drohte Dg6.f] 35) KfI ꝛc. 6) Jetzt ist Verlust unvermeidlich, z. B. 30) Les Les 31) KfI Dhaf ac. 7) Den Läufer vorzusetzen, war nicht statthaft wegen Lö! 8) Auf 32) Les wird die Dame, wie folgt, erobert: Dh 33) Kg Dg2r 340 Kha Lib 35) 85 lg ½ 36) Ig5: Lg 37) PDg5. Pfzrf 38) Dgsl gé—- 39) Kg4 Ld 7, zc. 9) Wird der Läufer genommen, 15 ist die Dame wieder verloren, denn Db ꝛc. 10) Der entscheidende Fuß des fehr eleganten Manövers, welches nun in: 36) Kha Delf 37) Dg3 g5 4 2c. oder auch Derr 38) g4—g5 Delf 39) D 4 Delf 40) Dgs hg 410 Kg4 Deaf und Matt in zwei Zügen seinen Abschluß findet. Die dreizehnte Partie des Wettkampfes wurde am 5. März gespieltgund von Zukertert, der den Anzug hatte, nach 86 Zügen und mehr als achtstündigem Spiel gewonnen. Der Stand des Matches ist nun: Steinitz 6, eee 5 bei zwei Remispartien. 1) 42-—d4 d7-d5 29) Ld5—045) De 2-36) 2) ec el— eli) 30) Del—e3 Df— d 3) 8b1—63 Sgs- 6 31) Kgl--har) Lese 4) e2—e3 0 5 32 129. 0 0 Lg7- e540) i 0 1116 054. 35) K2—g3 Dhl- gli) 9 5 0 1 Weiß giebt die Partie auf. 10 17108 Les d Stellung nach dem 28. Zuge von Weiß. i e 13) Le4—a2 TfS— ds 1 95. 11* e eee 1175 1 . 18.,, ʒ5. 12 3 19 100 Pes—42 Des* 15 1 — N 85 1.. i 20 ee 8834.. 1 0 e Se e* 1 1 5 5 l. „ 18. e 20 La2—-45. Dab—e2. 1 9 28) 52-3 7-6) Welß. Dbs 30) Des ꝛc., doch auch das folgende Spiel bot sehr große Remis⸗ chancen 29) Dd2 Dd: 30) Lud 2: Lb: 31) Lb7: Lag 32) Las Los! 33) Lhé: e 34) Ldz⁊ Kf7 Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105. —ͤ—