. — zu den Gberhessischen Hachrichteen. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Mr. 9. Gießen, den 28. Februar. 1886. Hein bester Freund. Novelle von Karl Wartenburg. (Fortsetzurg und Schluß.) „Heit diesem Briefe erhielt ich keine weiteren Nachrichten aus der Heimath. Meine Briefe an den Postmeister blieben unbeant— wortet, die Meinigen hatten nie etwas von sich hören lassen. Endlich, als der Zug der Sehnsucht nach dem alten Vaterlande unwider— stehlich wurde und ich mik Findling aus dem Westen in New— York ankam, um mich hier nach Europa einzuschiffen, erfahre ich durch die„Nachrichten aus Deutschland und der Schweiz“, ein Organ, welches hauptsächlich Familiennachrichten bringt, daß der Postmeister gestorben sei. Jene dunkle Ahnung, die ihn durch— schauerte, als er mit mir auf Wiedersehen in dem freien und ge— einigten Vaterland anstieß und sein Glas dabei zerbrach, hatte sich erfüllt. Gleichzeitig erfuhr ich den Tod meines Vaters. Ob er mit mir versöhnt gestorben, weiß ich nicht.“ Frank hielt, vom Sprechen erschöpft, inne und blickte hinaus auf den Hof. „Und Iduna, die Baronin von Grüner?“ fragten wir Beide. „Die Baronin von Grüner?“ wiederholte er mit einem ironischen Lächeln.„Alsbald nach meiner Ankunft in Deutschland erkundigte ich mich nach ihr bei einem Universitätsfreund, der in Berlin, dem letzten mir bekannten Wohnort der Baronin, als Arzt lebt. Vor wenigen Wochen erst erhielt ich seine Auskunft. Die Nachricht war in gewisser Hinsicht tröstlicher, als ich nach dem Briefe meines guten Postmeisters erwarten konnte. Möglich, daß die Baronin anfänglich über die Lebensweise ihres Mannes sich etwas unglücklich gefühlt hat. Jedenfalls hatte sie das bald überwunden. Bei solchen Naturen pflegen derartige Unbilden nicht tief zu verletzen. So lange sie ihrer Eitelkeit fröhnen, kokettiren können, geht ihnen anderes Ungemach nicht sehr zu Herzen. Die Baronin wußte sich zu trösten. Sie hatte eine Menge Anbeter, ging jährlich nach Baden-Baden oder Ostende, wurde in den letzten Jahren sehr stark und starb vor einem halben Jahre an Fettherz— der bekannten Krankheit der männlichen und weiblichen Bonvivants.“ „Haben Sie, seitdem Sie nach Deutschland zurückgekehrt sind, Ihre Vaterstadt und die Ihrigen wiedergesehen?“ fragte mein Freund. „Nein,“ antwortete Frank.„Meine Verwandten hatten auf— gehört, die Meinigen zu sein, als sie mich von sich stießen. Was hatte ich mit ihnen noch gemeinsam? Den Zufall der Abstammung! Aber nichts, was ich die geistige oder seelische Brüderschaft nenne. Sie hatten sich von mir losgesagt, weil ich anderer politischer Mei— nung war. Das hätte ich ihnen verziehen. Aber sie opferten mich auch ihrer Selbstsucht. Sie wollten nichts mehr von mir wissen, keine Gemeinsamkeit mit mir haben, weil sie glaubten, daß dies ihrem Fortkommen schade. Meine Vaterstadt wiederzusehen hatte ich noch andere Bedenken. Der Steckbrief, den man hinter mir losgelassen hatte, ist heute noch nicht zurückgenommen. Noch heute verfolgt werden. Darum ließ ich mich hier nieder, um die wenigen Jahre, die mir noch beschieden, im friedlichen Stillleben mit meinem treuen Freund zu verbringen. Das feindselige Geschick, das mich so oft verfolgt hat, wollte es anders. Es führte mich mit jenem Baron Grüner zusammen, der schon einmal eine so verhängnißvolle Rolle in meinem Leben gespielt hatte,— und das Uebrige wissen Sie. Ich glaube an keinen Zufall, weder im Leben der Völker, wie in dem der einzelnen Menschen. Nehmen Sie an, daß im Leben der Menschheit wie in dem der Völker und der Einzelnen das blinde Ungefähr herrscht, der täppische oder kluge Einfall des Augenblicks, mit einem Wort: der Zufall, dann muß man jede Entwickelung nach bestimmten Zielen leugnen, Alles von der Laune eines unberechenbaren Etwas abhängig machen. Nehmen Sie aber den bestimmenden Einfluß höherer Gewalten und Gesetze für das Ganze an, so müssen Sie dies auch für den Einzelnen annehmen, denn die Schicksale der Menschheit werden bestimmt durch das Wollen und Thun der Einzelnen. Darum habe ich auch nie zu jenen Enthusiasten gehört, die für die Menschheit schwärmten, aber an dem Schicksale des Einzelnen kalt und theilnahmlos vorübergingen. Das Loos des Einzelnen lindern, heißt das der Menschheit verbessern; denn aus Einzelnen setzt sich die Menschheit zusammen.“ Er schwieg. Seine Erzählung hatte uns mächtig erregt und ihm unsere ganze Sympathie gewonnen. Es war ein Mann, der für seine Ueberzeugungen alles das eingesetzt hatte, was die Welt die Güter des Lebens nennt. Solche Männer sind selten, es sind die Edelsten der Menschheit. „Und nun meine Herren“, schloß Frank, uns die Hände zum Abschied entgegenstreckend,„wissen Sie, wem Sie morgen einen letzten Dienst erweisen. Das Sprechen hat mich angegriffen, ich bedarf jetzt der Ruhe. Aber es ist mir wohl um's Herz. Wenn ich morgen falle und man mich verunglimpfen sollte, so wissen Sie, wer ich war und werden nicht dulden, daß man den Namen eines Mannes beschimpfen wird, der vielleicht vielfach irrte, der aber sein Vaterland und seine Ueberzeugung mehr liebte als alles Andere. Und nun nochmals meine Herren, gute Nacht und auf Wiedersehen morgen.“ Wir schüttelten ihm die Hände und gingen bei dunkelndem Abend wieder hinein in den ewig drängenden, geräuschvollen Ver— kehr der innern Stadt, deren Gaslicht uns durch feinen Schneenebel entgegenleuchtete. Wir schritten stumm nebeneinander unter dem Eindruck der eben gehörten Lebensgeschichte. Es war uns verständlich geworden, wie dieser Mann, angewidert durch die Kleinlichkeit, Engherzigkeit und Selbstsucht der Menschen, enttäuscht durch den traurigen Ausgang einer großen und idealen Bewegung und ge— zwungen, fern vom Vaterlande in den einsamen Prairien Amerikas kann ich wegen Betheiligung an dem Frankfurter Septemberaufstand * 5 0 * 5 E55 W 66 D e zu leben, in seinem treuen Thier seinen besten Freund finden konnte, dessen grausamen Tod er blutig zu rächen entschlossen war. Punkt sieben Uhr Morgens am andern Tag hielten wir mit einer Droschke vor dem Hause Franks. Wir trafen ihn beim Kaffee und er lud uns ein, an seinem einfachen Frühstück Theil zu nehmen. Frank sah angegriffen und überwacht aus, im Uebrigen war er ruhig und heiter. 5 „Ich habe wenig und schlecht geschlafen,“ sagte er,„habe bis gegen Mitternacht geschrieben und als ich mich zu Bett legte, quälten mich Brustschmerzen und Husten, so daß ich nur einige Stunden Ruhe fand. Indessen, das schadet nichts,“ fügte er mit einem sanften Lächeln bei,„ich werde bald Zeit haben, Alles nach— zuholen.“ Die Anspielung war verständlich und der Kurhesse versuchte, ihm den Gedanken auszureden. Auch machte er noch einmal den Versuch, Frank von den scharfen Duellbedingungen abzubringen. Doch dieser wollte von alledem nichts wissen.„Ich habe meinen Freund zu rächen,“ murmelte er. Wir stiegen in den Wagen, es war halb acht Uhr. „Nach dem Fasanenwäldchen!“ rief der Kurhesse dem Kutscher zu und vorwärts ging es durch die noch stillen Straßen der Vorstadt in den winterlichen Morgen hinein, in welchen die Frühsonne einen blassen kalten Schein warf. Es war kälter als am vorigen Tage. Die kahlen Bäume und blätterlosen Gesträuche waren mit weißem starken Reif überzogen, über der Landschaft selbst aber lag ein grau— silberiger Nebelschleier, durch dessen Maschen hie und da ein schwacher Sonnenstrahl schlüpfte, der an den Aesten und Zweigen tausende von Krystallen aufblitzen ließ. Ringsum tiefe Stille. Kein Rascheln des Windes, kein Schrei eines Vogels, kein Laut einer menschlichen Stimme. Selbst die Räder unseres Wagens rollten fast unhörbar auf der flachen Landstraße dahin. Wie im Traumschlaf lag Alles; hinter uns die große Stadt mit den in der Morgensonne blitzenden Thurmkuppeln, ringsum Feld, Wald und Busch. N Da bog die Landstraße nach einem Seitenweg ab. Er führte zu dem Fasanenwäldchen. Wir hatten uns doch etwas verspätet. Unser Gegner war mit seinem Sekundanten und einem Arzt schon zur Stelle. Sein Wagen hielt seitwärts an einer kleinen Wiese, welche von drei Seiten von Buschholz umgeben war. Die Pferde dampften noch von der schnellen Fahrt und pusteten ihren heißen, dampfigen Athem in die kalte Morgenluft hinaus. Wir begrüßten unsere Gegnerpartei. Nur Frank nahm von dem Baron keine Notiz, sondern ging, das Taschentuch vor den Mund haltend, auf dem gefrorenen Rasen auf und nieder, die Augen hinein in den Wald gerichtet, dessen Baumstämme, von silbernen Spinnfäden umwoben, hell glitzerten. Der Baron warf einen scheuen Seitenblick auf seinen Gegner. Ich sah, wie der große starke Riese mit dem dunkelgefärbten Gesicht und dem dichten rothblonden Schnurrbart, erbleichte, als er die Gleichgültigkeit Franks bemerkte. Diese an Unempfindlichkeit streifende-Ruhe Franks hatte sichtlich etwas Unheimliches für ihn. Plötzlich bemerkte der Baron, daß ich ihn beobachtet. Er suchte nun auf einmal ein sorgenloses unbekümmertes Wesen herauszustecken. Er zog sein Cigarren Etui, brannte sich eine Havanna an und ging, ein Liedchen trällernd und leicht mit den Fingern schnippend, auf und nieder. Aber es entging weder mir, noch meinem Freunde, daß hinter dieser affektirten, gleichgiltigen Haltung sich eine innere, nervöse Unruhe verbarg. i Die Sekundanten des Barons, der Assessor und ein Offizier, machten noch einen Versuch, Frank zu milderen Bedingungen zu bestimmen, und wir schlossen uns ihren Bemühungen an, obwohl wir voraussahen, daß es fruchtlos war. Frank hörte die Herren und uns ruhig an. er den Kopf. „Es geht nicht, meine Herren,“ antwortete er, während aus Dann schüttelte seinen blauen, fieberhaft leuchtenden Augen ein Blitz hinübersprang zu dem am entgegengesetzten Wiesenrand auf und ab gehenden Baron, „der Herr Baron hat meinen besten Freund erschlagen und außer⸗ dem, ich habe eine alte Rechnung mit ihm von Frankfurt am Main her auszugleichen.“ „Sie kennen den Baron?“ fragten die Sekundanten Grüner's, Baron. ebenso überrascht, wie wir es gestern waren. Frank aber schnitt i jede weitere Erklärung ab. 2 f 8 „Ja, ich kenne ihn zu gut, um nicht zu wissen, daß wir un⸗ versöhnliche Gegner sind. Ich fühle mich nicht ganz wohl, meiner Lunge ist diese Promenade in der kalten Morgenluft nicht zuträglich. Erledigen wir rasch unsere Angelegenheit.“ 5. g Die Herren verbeugten sich stumm und gingen hinüber zu dem Nur der Arzt blieb in unserer Nähe. 5. Zu ihm wendete sich Frank, der auffällig blaß während der letzten Minuten geworden war. N„ „Herr Doktor... 2“ fragte er, den Hut lüftend. „Doktor Schrader,“ ergänzte der Arzt, Frank's Gruß erwidernd. „Haben Sie vielleicht etwas Essig bei sich?“ fügte Frank hastig hinzu.„Ich habe einen faden, süßlichen Geschmack im Munde. Es ist bei mir immer der Vorbote, daß meine Lunge rebellisch wird.“ „Sie leiden an Blutstürzen,“ sagte der Arzt, einen prüfenden Blick auf Frank werfend und dabei ein Besteck aus seinem Flacon ziehend,„hier, nehmen Sie das!“ und er gab Frank ein Stück Zucker, auf welches er ein paar Tropfen konzentrirte Citronensäure geträufelt hatte. 5 a. „Es ist nur eine Galgenfrist,“ lächelte Frank,„aber sie genügt, um diesen Handel zum Abschluß zu bringen,“ und er deutete auf die andere Gruppe, die sich jetzt uns näherte. Der Baron hatte zwar noch die Cigarre im Munde, aber aus seinem Gesicht war jedes Atom Blut verschwunden. Er sah asch⸗ farben aus, wie das böse Gewissen, und seine Blicke ruhten mit sonderbarem Ausdruck auf Frank, der, das Taschentuch vor den Mund haltend, zu ein paar hohen Birken hinaufsah, auf deren dünnen schwanken Zweigen ein paar Vögel saßen, ein paar vor⸗ witzige Staare, Quartiermacher der großen Zugvogelarmee aus dem Süden. Sie schienen verdutzt über den kalten, winterlichen Empfang, ägerlich über sich selbst, daß sie zu früh aus den warmen Ländern nach der nordischen Heimath aufgebrochen waren. Sie saßen still mit aufgepustetem Gefieder da und sahen verdrießlich vor sich hin. „Es geht den armen Burschen wie mir,“ lächelte Frank,„sie haben drüben am Tschad⸗-See das Heimweh nach Deutschland be⸗ kommen, wie ich am Mississippi. Eine sonderbare Krankheit, über deren Ursprung ich oft nachgesonnen habe, ohne dadurch in's Klare zu kommen. Die Sache ist um so wunderbarer, da es uns Deutschen, die wir vorzugsweise an der Krankheit leiden, wahrlich nicht so gut im Vaterlande geht, daß wir uns nach ihm deshalb sehnen.“ „Ein Schwarm von Dohlen und Krähen flog laut schreiend über den Wald. Die Staare sahen, verwundert über die lustigen Kumpane, zu ihnen empor, als wollten sie fragen:„Warum seid Ihr schwarzes Volk so fidel bei der Kälte und den Schneewolken droben?“ „Ich wüßte nicht,“ wandte sich Frank, dem Flug der Vögel mit den Augen folgend, zu mir, und auf seinen Mienen erschien ein frohes Lächeln, das mich an die Heiterkeit eines gutherzigen Kinder⸗ gesichts erinnerte,„welcher Ton für mich einen größeren Reiz hätte, als der fröhliche Schrei eines Vogels, der in stiller Frühe unter dem Himmel dahinstreicht. Es ist ein Urlaut, der Schöpfung, den ich zu vernehmen glaube. Es ist Gott, dessen Stimme ich aus Denn er war es, der ihnen den lebendigen Odem einblies, wie aller Kreatur. Ich weiß, was Sie sagen wollen,“ wandte er sich gegen den Kurhessen.„Sie wollen mir von der neuen Theorie des Engländers, des Nr. Darwin, sprechen. Thun Sie es getrost. Sie kommen mit Darwin wie mit Laplace nur bis an die ersten Keime des Lebens. Ueber den Ursprung des Lebens selbst kann weder der Eine noch der Andere Ihnen Aufschluß geben. Sie sind aber auch viel zu klug, es thun zu wollen, das thun nur die Halbwisser.“ Während Frank in dieser Weise sich ruhig, als befänden wir uns auf einem Spaziergang, unterhielt, hatte sich bei unseren Gegnern, wie wir später erfuhren, eine andere kurze, aber bedeutungsvolle Szene abgespielt. Die Sekundanten des Barons hatten diesem die entschiedene Weigerung Franks, mildere Kampfbedingungen anzunehmen, mit⸗ getheilt. 5 8 „Wir hielten es für unsere Pflicht,“ erklärte der Assessor,„noch einen Versuch zu machen, um einem Zweikampf vorzubeugen, der für beide Theile nur tödtlich sein kann. Aber es war umsonst. dem Geschrei der Vögel höre. Also, wenn ich bitten darf, meine Herren! 5 3 — —— ——— —. Schramme. Wir können fortfahren.“ lauten Kommandorufe: Herr Frank sagte, daß er außerdem mit Ihnen noch eine alte Rech— nung, von Frankfurt am Main her, auszugleichen habe.“ „Von Frankfurt am Main?“ stotterte der Baron erblassend. „Ich verstehe das nicht.“ Die Sekundanten zuckten die Achseln. Sie hatten den Sinn der Worte ebenso wenig begriffen. „Und weiter sagte er nichts?“ fuhr der Baron dann fort, dabei in seinen Erinnerungen herumstöbernd, um eine Aufklärung für die Bemerkung seines Gegners zu finden. Da bemerkten seine Sekundanten, wie er plötzlich erbleichte. „Sollte dieser Herr Frank...“ murmelte er zwischen den Zähnen.„Doch nein, nein,“ unterbrach er sich, seine Umgebung vergessend und wie verloren in seinen Erinnerungen,„der hatte einen anderen Namen, und dennoch...“ Er verstummte und starrte in Gedanken versunken vor sich hin, bis ihn der Assessor erinnerte, daß die Vorbereitungen beendet seien. Die geringe Entfernung von fünf Schritten war abgesteckt und durch dürre Baumzweige markirt. Die Waffen, glattläufige Pistolen, wurden geladen und den beiden Duellanten gegeben. Baron Grüner affektirte nicht mehr seine nachlässige Haltung. Er hielt zwar noch immer die Cigarre zwischen den Lippen, doch war ihr Feuer erloschen. a i Frank hatte in der Rechten die Pistole, in der Linken sein Taschentuch, das er gegen den Mund drückte, um einen Hustenreiz zu unterdrücken. i Er sah so ruhig aus wie im Cafe hinter seinen Zeitungen. Nur als der Baron seinen Platz einnahm und den Lauf seiner Waffe betrachtete, flog ein drohender Blick aus seinen Augen hin⸗ über zu dem Gegner, scharf, schneidend, tödtlich. Ich weiß nicht, ob auch die Anderen diesen Blick sahen, der der Kugel voraneilte. Hatten sie ihn bemerkt, so sagte er ihnen, daß sie nicht auf eine Großmuthsszene rechnen durften, daß Frank vielleicht, nachdem er den Baron unter der Mündung seiner Waffe hatte beben sehen, in die Luft feuern würde! Es war Alles fertig. Der Unparteiische nahm seinen Platz ein. g Frank drückte mir und dem Kurhessen noch einmal die Hand, die Augen des Barons starrken mit einem unheimlichen, entsetzten Ausdruck auf seinen Gegner. Wenn die beiden Gegner ihre Arme gerade ausgestreckt hätten, so würden sich die Mündungen ihrer Pistolen berührt haben, so gering war der Abstand. 5 „Fertig!“ kommandirte der Unparteiische mit halblauter Stimme. »Lautlose Stille lag über der Wiese und dem Wäldchen. „Feuer!“ Ein Schuß krachte, die beiden Staare flogen erschrocken auf, eine dünne Pulverwolke zerflatterte in der Morgenluft. „Schlechte Munition,“ murrte Frank, dem Unparteiischen seine Pistole zurückgebend,„das Zündhütchen hat versagt.“ Dabei drückte er sein Taschentuch gegen die linke Halsseite. Der Baron hielt sein rauchendes Pistol gesenkt in der bebenden Hand. Er sah verstört aus. Ja, seine Hand hatte gezittert, sonst. wäre Frank verloren gewesen. So hatte die Kugel nur Franks Hals gestreift, wie wir bemerkten, als dieser das Tuch auf einen Augenblick entfernte. 5 Der Arzt untersuchte die Wunde. i „O, es ist nichts,“ lächelte Frank verächtlich,„eine leichte Er sagte es, als handele es sich um eine Partie Billard. Die Sekundanten des Barons meinten indessen, es sei genug— die Ehre gesühnt.. „Die Ehre!“ rief Frank, und eine dunkele Röthe schoß über sein bleiches Gesicht.„Glauben Sie, meine Herren, ich bin ge— kommen, um hier einen Ehrenhandel auszufechten? Der Herr Baron hat meine Bedingungen angenommen, Kugelwechsel, bis einer der Gegner kampfunfähig wird. Ich bin es nicht. Sollte es vielleicht der Herr Baron sein? Er sieht allerdings sehr blaß aus.“ Der versteckte, aber beißende Spott dieser Worte trieb dem Baron alles Blut nach dem Gesicht. N „Meine Herren, ich bitte,“ rief er mit einer Stimme, die rauh und heiser klang,„keine unnöthigen Bemühungen.“ f Die Sekundanten sahen, daß jede weitere Vermittelung über— flüssig war. f. Die Waffen wurden wieder in Stand gesetzt. Dieselbe bange Stille, wie beim ersten Gang, dann rasch hinter einander die halb—⸗ „Fertig! Feuer!“ Zwei Pulverblitze, ein fast gleichzeitiges Krachen der Pistolen, das durch die feuchte Nebelluft gedämpft wurde, ein unterdrückter dumpfer Aufschrei, ein schwerer Fall— und der zweite Gang war vorüber. Richtiger, es war Alles vorüber. Wieder wogten ein paar dünne Rauchwölkchen über den fahlen, braungrünen Rasen, auf welchem der Baron lag, den Oberkörper etwas erhoben und die rechte Hand in die Seite gestützt, schwer athmend, die Augen halb geschlossen. Frank stand aufrecht, seine Waffe hatte er bei Seite geworfen. Sein Gesicht sah noch einen Schein bleicher aus wie sonst. Aber in seinen Augen war weder Mitleid noch Bedauern über das Ge⸗ schehene zu lesen. Nur eine gewisse Spannung drückten seine Mienen aus. Der Arzt untersuchte, unterstützt von den Sekundanten des Barons, die Wunde des Letzteren. rechten Achselrings eingedrungen. Man sah einen kleinen bläulichen Flecken und wenige Blutstropfen. Von Weste und Hemd waren einige Fetzen in die Wunde eingedrungen. Die Untersuchung war schmerzhaft— der Baron biß die Zähne zusammen, daß sie knirschten. Die Kugel wurde nicht gefunden. Der Doktor legte einen Noth verband an. Unterdessen kam der Wagen des Barons heran und man hob den Verwundeten langsam und vorsichtig hinein. 5 „Ist die Wunde gefährlich?“ forschte der Kurhesse den Doktor leise aus, während die Sekundanten des Barons zu diesem in den Wagen stiegen. f Der Arzt zuckte die Achseln.„Der Schulterknochen ist verletzt und es kann Blutvergiftung eintreten, wenn die Kugel sich tiefer senken sollte! 1 Frank hatte die letzten Worte gehört. Mit einem bitteren, ironischen Lächeln wandte er sich nach mir und dem Kurhessen und sagte halblaut, dem langsam fortrollenden Wagen nachsehend:. „Dem Einen vergiftet man das Leben durch schändliche Ver— dächtigung und Angeberei, dem Andern das Blut durch eine bleierne Kugel. Was ist schlimmer? Doch der dort wird Niemand mehr todtschlagen und Keinem mehr das Leben vergiften,“ fügte er hinzu, dem Wagen des Barons elnen drohenden Blick nachsendend.„Aber wenn ich bitten darf, meine Herren, so steigen wir ein,“ setzte er mit nervöser Ungeduld hinzu,„ich fühle...“ Er vollendete nicht. Sein Gesicht entfärbte sich, er fuhr mit dem Taschentuch gegen den Mund, an welchem sich einige blutige Schaumperlen zeigten. Der Arzt, der im Begriff war, dem Wagen des Verwundeten nachzueilen, sprang hinzu und fing den Schwankenden in seinen Armen auf. „Geben Sie mir den Flacon da,“ rief der Doktor uns hastig zu, auf den kleinen Medizinkasten, der noch auf dem Rasen stand, deutend. 5 Der Kurhesse reichte ihm denselben, aber noch ehe der Arzt ihn an den Mund Franks bringen konnte, entquoll ein starker Blutstrom dessen Brust. 8 „Das ist der Tod,“ flüsterte der Kurhesse bei dem Anblick dieses erbleichenden Gesichts und der geschlossenen Augen. Der Arzt antwortete nichts. „Holen Sie die Decke aus dem Wagen,“ raunte er dem Kur⸗ hessen zu, während er und ich den Sterbenden in den Armen hielten. Die Decke wurde auf dem Rasen ausgebreitet, und wir ließen Frank langsam niedergleiten. 5 Der Doktor wischte ihm wiederholt das Blut vom Mund und suchte ihm etwas Essig einzuflößen, der rothe Lebensstrom aber kam nicht ins Stocken. „Es ist vergebens,“ murmelte der Arzt,„eine große Arterie ist zerrissen.“. Ein Sonnenstraͤhl drang durch den grauen Nebelschleier, der noch an den Spitzen der Bällsze hing und huschte über die nassen Gräser, an denen tausend Perlen glitzerten. Ein paar Krähen flogen hoch oben unter den Wolken mit lautem Schrei dahin. Der Sterbende schlug die Augen auf. Er rang nach Luft. Das Blut sickerte nur noch in einzelnen Tropfen über die blassen Lippen. „Die Vögel fliegen mir voran,“ flüsterte er kaum hörbar.„Ich folge meinem alten treuen Freunde bald. Er wird sich freuen. Ich danke Ihnen. Es ist wie in der Nacht vor Friedericia.“ Ein Schauer, ein Strecken der Glieder— und es war zu Ende. Tief Die Kugel war unterhalb des 1 5 A 68 D 0 erschüttert standen wir um den Todten. Der Kutscher warf einen Dann sagte der Kommissar, sich an uns wendend: scheuen, ängstlichen Blick herab und die Pferde, denen aller Blut⸗„Spricht die Frau die Wahrheit!“ f geruch zuwider ist, schauderten zusammen und wieherten ängstlich.„Es ist die Wahrheit.“ 1 Dann hoben wir den Leblosen auf und trugen ihn auf der Decke„Dann ist unser Auftrag erledigt,“ wandte der Beamte sich zu 5 in den Wagen. seinem Begleiter, fügte aber gegen uns sich kehrend hinzu: 5„Kennen Sie den Freund, von dem er sprach?“ fragte der Arzt„Der Mann lebte hier unter einem falschen Namen. Er war leise den Kurhessen. steckbrieflich verfolgt wegen Betheiligung an dem Morde des Fürsten „Ja, es war sein Hund, den der Baron erschlug. Sein Be— Lichnowsky.“ 5 N „ gleiter in der Verbannung.“ Der Kurhesse zeigte auf die stillen, friedlichen Züge des Ent— * Langsam fuhren wir der Stadt zu, mit dem todten stillen Mann schlafenen. 5 neben uns auf den Kissen.„Ist das das Antlitz eines Mörders, Herr Kommissar? Der 5—. Mann, den Sie suchen, steht jetzt vor seinem Richter. Aber ich .. Es war des andern sage Ihnen, daß er 5[Tags in der abend⸗ die Seele eines Kindes, das Herz eines tapferen Mannes hatte, und seine Hand rein von jenem Blut war. Wer erhob diese Anklage gegen ihn?“ Der Polizeikommis⸗ sar schwieg, uns fixi⸗ rend. Dann antwor⸗ tete er, wie zur Ent⸗ schuldigung: „Sie mögen Recht haben, aber es war unsere Pflicht. Wir erhielten eine ano⸗ nyme Anzeige. Von wem diese Anzeige kam, wußten wir, doch wir schwiegen.“ Da pol⸗ terten wieder Männer⸗ tritte draußen auf Treppe und Vorsaal. Diesmal waren es die Leichenträger. Auf dem stillen Friedhof senkten wir ihn ein und sprachen ein„Fahr wohl.“ Vom dunklen Abend— himmel schwebten Schneeflocken nieder, sie fielen auf den Lor⸗ beerkranz, den wir dem edlen Todten auf's Grab gelegt und hüll— ten bald den frischen Erdhügel in einen weißen Mantel ein. lichen Dämmerstunde. Der Kurhesse, ich und einige andere Bekannte von der Tafelrunde des Café national hat⸗ ten uns in der Nähe des kleinen Hauses auf dem Sternwartenweg versammelt, um dem heimgekehrten Flücht⸗ ling das Geleit zur letzten Ruhestätte zu geben. Der Kurhesse ging mit mir hinauf in das Wohnzimmer Franks, wo dieser aufgebahrt im Sarge lag. In dem Zimmer brannten zwei Kerzen und war⸗ fen ihr trübes flackern⸗ des Licht auf das fried⸗ liche stille Antlitz des Todten. Die Leichen⸗ frau und die alte Wir⸗ thin Franks wachten bei der Leiche. Die Wirthin saß am Tische und las im Gesangbuch, während die Leichen— frau an einem schwar⸗ zen Strumpf strickte. In dem Zimmer war nichts sonst verändert. Auf dem Schreib— tisch lag ein zusammen⸗ gefaltetes und versie— geltes Schriftstück mit der Aufschrift:„Das ist mein letzter Wille.“ Neben dem Ofen stand ein Tisch mit Gläsern * Walter Frank hatte Recht. Der Baron und einer Flasche Grüner vergiftete Kei— Branntwein für die nem das Leben mehr Leichenträger. Da Der Drususbogen in Rom. g und schlug Niemand polterte es draußen wieder todt. Er lag auf der engen hölzernen Treppe.„Das sind die Leichenträger,“ meinte mehrere Monate an der Wunde auf dem Siechbett, dann starb er die alte Wirthin, das Gesangbuch weglegend und die Brille abnehmend. an Blutvergiftung. Was aus Franks Hinterlassenschaft geworden, Aber statt der Leichenträger erschienen zwei Polizeibeamte in darüber habe ich lange nichts erfahren können. Aber später hörte Uniform in der geöffneten Thür. 5 ich, daß seine Verwandten sein Testament, welches nicht formell Bei dem Anblick des Sarges mit der Leiche stutzten sie. Dann rechtsgiltig gewesen, angegriffen hätten. fragte der Vorderste: Von ihm selbst hatten sie sich einst losgesagt. Nach seinem „Wohnt hier ein gewisser Walter Frank aus Nordamerika?“ Gelde aber griffen sie mit gierigen Händen. Wenn ich recht be— „Er wohnte hier, ja, Herr Kommissar,“ sagte die alte Frau, richtet bin, so leben sie heute noch und erfreuen sich der vollen sich die Augen wischend. Achtung ihrer Mitbürger und der Erbschaft des unpraktischen „Wo ist er?“ Schwärmers, wie sie ihn nannten. g „Dort,“ und sie zeigte auf den Sarg. 8 8 Die Polizeibeamten blickten sichtlich betroffen bald uns, bald. die Leiche an. m überdies, was wir auch in 1 Römische Denkmäler. Wenn heutzutage, und es ge— schieht ja nicht eben selten, irgendwo einem verdienten Manne, dessen Ruhm vielleicht nicht über den ganzen Erdkreis reicht, der aber in seinem engeren Wirkungskreise Großes und Bleibendes geschaffen hat, ein Denk⸗ mal errichtet wird, sei es nun eine Statue oder Büste oder sonst der⸗ gleichen, so erhebt sich alsbald bei blasirten Leuten ein wegwerfendes Gespött über die„Denkmalsseuche“ unserer Zeit. Abgesehen davon, daß das Vorhandensein einer solchen ganz besonders ausgebildeten Denkmals⸗ seuche für diese unsere Zeit durchaus bestritten werden muß, freuen wir uns im Gegentheil dieser Erschei— nung. Möglich, daß der Eine oder der Andere ein derartiges Denkmal nicht verdient hat, möglich auch und in der Hälfte der Fälle wahrschein⸗ lich, daß ein solches Denkmal in künstlerischer Beziehung sehr frag⸗ würdig ausfällt— ein Volk, das seine Todten ehrt, ehrt sich selbst, und es ist besser und lobenswerther, wenn in diesem Punkte zu viel ge⸗ than wird, als wenn aus Furcht vor der Bank der Spötter Unterlassungs⸗ sünden begangen werden, welche die Nachwelt nicht wieder gut machen kann. Und noch einen andern und größeren Werth haben diese Denkmäler— einen geschicht⸗ lichen und kulturhistorischen Werth, der sich unmittelbar neben jenen der überlieferten Litteratur stellt und deren Lücken und Dunkelheiten sehr häufig in willkommener Weise ergänzt und aufhellt. Wir lesen in diesen Chroniken von Erz und Stein wie in einem aufgeschlagenen Buche, und eine einfache Inschriftentafel weiß uns häufig mehr und Wichtigeres zu erzählen, als ein ganzes Kapitel des Livius oder Sueton. Wer die Städte der Alten mit offenem Sinne durch— wandert, wird grade aus ihren Kunstdenkmälern die größeste Belehrung schöpfen, und jenen Dank wissen, daß sie auch unwichtigere Ereig— nisse der Verewigung nicht blos durch die Schrift, son— dern gerade auch durch Erz und Stein für werth hielten. Wenn man es denn Denk— malsseuche nennen will, so war sie im Alterthum jeden⸗ falls unendlich mehr ent⸗ wickelt, als bei uns, und Das Grabmal des Eurysaces. größeren Leistungsfähigkeit der Kunst, wenn beispielsweise die Siegesdenk⸗ mäler Jener, mit denen sie vielleicht etwas mehr kargten als wir, in der Regel besser ausfielen, als die un⸗ serigen— ein architektonisches Mon⸗ strum wie etwa die Siegessäule auf dem Königsplatz in Berlin, hatte das alte Rom schwerlich aufzuweisen. Nun mag es auch Jenen sehr häufig begegnet sein, daß sie Denk⸗ mäler errichteten, wo es im Grunde recht überflüssig gewesen wäre; der Byzantinismus und die liebe Eitel⸗ keit spielten damals ihre Rolle wie heute, es gab Köche, die sich riesige Pyramiden über ihrer Grabkammer errichten ließen, wie es geschlagene Feldherren gab, die sich aus eigener Machtvollkommenheit einen Triumph⸗ zug bewilligten. Doch auch diese Mo⸗ mente sprechen mit bei der Be⸗ urtheilung des kulturellen Stand⸗ punktes eines Volkes, wie die Denk— mäler unserer Zeit der Nachwelt er⸗ zählen werden, ob wir den öffent⸗ lichen Dingen einen großen und freien oder einen engherzigen und beschränk⸗ ten Sinn entgegengetragen haben— und was gar die künstlerische Seite anbetrifft, so kümmert uns nicht sowohl der Entstehungsgrund eines Denkmals, als die Form, in welcher es in die Erscheinung tritt. Wir haben es zunächst mit den Ehrendenkmälern zu thun, welche zu Ehren einer bestimmten Per⸗ son oder zur dauernden Er⸗ innerung an ein für wichtig gehaltenes Ereigniß errichtet worden sind. Man wählte dazu, speziell bei den Rö⸗ mern, die verschiedenartig⸗ sten architektonischen Formen, Tempel, Hallen, Theater, in erster Linie aber Säulen und Triumphbogen. Von den Säulen sind uns in Rom noch zwei erhalten, die des Trajan auf dem Trajaus⸗ forum und die des Mare Aurel auf der Piazza Co⸗ lonna. Freilich sind die heid— nischen Kaiser von ihrer Spitze verschwunden, und das Papstthum hat Petrus und Paulus mit Schwert und Schlüssel an ihre Stelle ge— setzt. Wir wissen nicht, welche Gefühle die Brust der eher— nen Apostel durchstürmen, wenn sie auf das heutige Rom niederschauen, das ihnen, wo nicht die Schlüssel, so doch das Schwert längst aus der Hand gewunden.— In ar⸗ chitektonischer Beziehung, und das gilt nebenbei von allen derartigen freistehenden Säu⸗ len, sogar von der Berliner diesem Punkte thun mögen, wir ahmen doch nur jenen Alten nach. Es liegt an der Der Trajansbogen in Benevent. Siegessäule, nennt Burck— hardt in seinem hier schon öfter angezogenen„Cicerone“ — ä 227 e S 0 G 70 5 diese Ehrendenkmäler„sehr unglückliche Versuche, einer ungeheuren Italien eine ganze Reihe und zumeist in vortrefflichem Zustande Masse bildlicher Darstellungen einen möglichst kompendiösen Träger erhalten. In den Provinzen finden wir die Bogen des Augustus oder Raum zu verschaffen.(Beide sind nämlich von Marmorreliefs zu Aosta, Susa und Rimini, auch jener in Fano ist ihm ursprüng⸗ 8 mit Szenen aus den Kriegen gegen die Dazier und Markomannen lich geweiht gewesen und jener in Pola stammt aus seiner Zeit; 8 bedeckt, die sich in ununterbrochenen Spiralen von 20 resp. 22 er wurde von Salvia Posthuma ihrem Gemahl, dem Tribun Sergius 55 Windungen um den Schaft der Säule ziehen— eine Art der An— Lepidius, errichtet, als derselbe siegreich aus Illyrien zurückkehrte. 5 bringung, welche das genaue Betrachten der Skulpturen im höchsten Trajansbogen finden wir in Benevent und Ancona. In Rom selbst 5 Maße erschwert, wo nicht unmöglich macht.) Die Säule mußte stehen noch mehr oder minder gut erhalten die Bogen des Drusus, hierzu ihrer Bestimmung, welche das Tragen eines Gebälkes ist, des Titus, des Septimius Severus, des Constantin, des Gallienus entfremdet und mit spiralförmigen, also fast wagerechten Linien umn⸗ und ferner der Bogen der Goldschmiede und der räthselhafte Janus⸗ geben werden, die ihrem inneren Sinne geradezu widersprechen. bogen. Unsere Abbildungen zeigen den Drususbogen in Rom und Doch muß man anerkennen, daß wenigstens das Kapitäl sehr an⸗ den Trajansbogen in Benevent. a 5 f gemessen als bloßer verzierter Säulenabschluß, nicht als Ueberleitung Gerade der Drususbogen ist der unscheinbarste von allen, und der Tragkraft gebildet ist.“ zudem läßt sich keineswegs mit unbedingter Sicherheit behaupten, Eine sehr viel wichtigere Rolle als diese Säulen spielen indeß daß er wirklich das ist, wofür er sich ausgiebt. Er liegt in Rom die Triumphbogen, deren wir zwei in der Abbildung bringen— unmittelbar vor der in die Aurelianische Mauer eingebauten Porta „eine echt italische und zwar etruskische Form des Prachtbaues, San Sebastiano, und man muß ihn durchschreiten, wenn man die welche uns zugleich den Sinn römischer Dekoration deutlicher offen- alte Via Appia, die Gräberstraße, besuchen will. Somit liegt er bart, als die meisten sonstigen Ueberreste. Das einfache oder drei⸗ gewissermaßen an deren Anfang(ursprünglich lief sie von der weiter fache Thor erhielt eine Bekleidung architektonischer und plastischer nach der Stadt zurück liegenden Porta Capena aus), wie der Trajans⸗ Art, die allerdings nicht aus dem Innern kommt, sondern wie eine bogen in Benevent ihren Endpunkt oder, wenn man will, ihren glänzende Hülle herumliegt, in dieser Gestalt aber die Kunst doch Mittelpunkt bezeichnet. Die berühmte Via Appia wurde nämlich immer beherrschen wird.“ 312 v. Chr. vom Censor Appius Claudius Caecus als Militär⸗ Aus diesen Bemerkungen Burckhardt's ersehen wir zugleich, daß straße angelegt und führte ursprünglich nur bis Capua, von wo e sich der Triumphbogen in seiner äußeren Konstruktion unmittelbar später nach Benevent und Brundisium verlängert wurde. Ob nun i an den Thorbau anlehnt; das zweifache Thor war dabei aus⸗ der Drususbogen wirklich das im Jahre 8 v. Chr. dem Claudius geschlossen, weil es sich zumeist darum handelte, für einen siegreichen Drusus Germanicus errichtete Denkmal ist oder nicht, unterliegt Feldherrn einen Hauptdurchgang zu schaffen. Guhl und Koner sagen starken Zweifeln; in seinem gegenwärtigen Zustande, der durch die darüber in ihrem vortrefflichen„Leben der Griechen und Römer“ Ziegelreste einer von Caracalla zu seinen Thermen über ihn hinweg: (5. Aufl. Berlin 1883. S. 503 ff.), daß gerade diese Denkmäler, geführten Wasserleitung keineswegs verschönt wird, gleicht er wirk⸗ wie sie meist durch die eigenthümlichen politischen Verhältuisse des lich allem Anderen eher, als einem Ehrendenkmal. Immerhin läßt römischen Volkes bedingt erschienen seien, recht eigentlich den Stempel sich die Konsteuktion dieser einthorigen Bogen an ihm vortrefflich der römischen Kunst an sich trügen.„Die Gewohnheit festlicher studiren. Er ist aus Travertinquadern erbaut und theilweis mit Aufzüge zu Gunsten irgend welcher glücklichen Ereignisse mochte Marmor„ e die beiden noch erhaltenen Säulen sind schon frühzeitig darauf führen, auch festliche Pforten zu errichten, aus Marmor. Der früher den Abschluß bildende Giebel ist unter durch welche der Zug hindurchschreiten, an denen der Gefeierte Caracalla's Wasserleitung unden In dem„Winkel am empfangen werden konnte. Zu dem sehr natürlich sich darbietenden⸗ Thore“ zur Rechten liegt übrigens romantisch genug die Veranda Schmuck der Stadtthore konnte sich leicht die Errichtung freistehender einer kleinen Weinschänke, in welcher dem vom Besuche der heißen Pforten gesellen, deren statuarischer Schmuck dem vergänglicheren, und staubigen Via Appia erschöpften Wanderer ein vortrefflicher den man den Stadtthoren bei solchen Gelegenheiten hinzufügte, goldfunkelnder Genzano um ein B ligstes kredenzt wird. gleichsam eine monumentale Dauer zu geben bestimmt war.“ Jedes Alngleich besser erhalten ist der ebenfalls einthorige Trajansbogen Verdienst um das Staats- und Bürgerwohl konnte mit derartigen in Benevent mit seinem überreichen Skulpturenschmuck, in seiner Ehrenpforten gefeiert werden, wie wir aus den in Italien, in den Form den Titusbogen auf dem römischen Forum am nächsten Provinzen wie in Rom, erhaltenen Bogen deutlich genug ersehen stehend. Er heißt im Volke Porta aurea, das goldene Thor und können. Vor Allem aber ist hier eine ganz bestimmte Veranlassung wurde dem Kaiser Trajan 14 n. Chr. wegen Vollendung der appischen zu erwähnen, die in engem Zusammenhange mit dem kriegerischen Straße nach Brundisium errichtet. Das Material ist edelster Sinne des Volkes und dessen Lust an kriegerischen Ehrenfeiern, sehr parischer Marmor, die Höhe des Durchgangs 8,6 Meter, des Ge⸗ häufig zur Errichtung von Ehrenpforten— wie bei uns von sammtbaues 15,6 Meter. Die Statue des Kaisers mit dem Vier⸗ Siegesdenkmälern— geführt hat. Es ist dies die Sitte, einem gespann, welche ihn einst krönte, ist verschwunden, dagegen sind die siegreichen Feldherrn nach Beendigung eines Krieges, dessen Wichtig- Inschrift und die Mehrzahl der Skulpturen ausgezeichnet konservirt. keit den Maßstab für die zu erweisende Ehre abgab, einen feier⸗ Unser Bild zeigt die der Stadt abgekehrte Seite des Bogens. In lichen Einzug in die Stadt zu gewähren, bei welchem derselbe auf den Zwickeln über dem Durchgange lagern die Gestalten zweier prächtigem Wagen an der Spiße des festlich geschmückten Heeres Flüsse, der durchgehende Fries schildert den germanischen Triumph⸗ einherfuhr, um zugleich den Göttern zu danken und dem Volke zug Trajans. Rechts und links von der Inschrift erblicken wir eine seinen Sieg und dessen Bedeutung theils in bildlichen Darstellungen, Götterversammlung, welche die Adoption Trajans durch Nerva be⸗ theils in wirklichen Beweisstücken an Beute und Gefangenen vor- schließt und den dazischen König Dezebalus zu Trajans Füßen. zuführen. Diese als höchste Ehre angestrebten Triumphzüge sind In weiterer Folge von oben nach unten sehen wir zur Linken den recht eigentlich als ein Erzeugniß des römischen Volksgeistes und Triumph Trajans über Dazien und die Einverleibung Armeniens der Verhältnisse des römischen Volkslebens zu betrachten. Kein als römische Provinz, zur Rechten die Vermählung Hadrians mit Wunder, daß auch der Baukunst, die mehr oder weniger bewußt Sabina und orientalische Gesandte vor Trajan. Aehnliche Dar⸗ alle Seiten des nationalen Lebens zu verkörpern und künstlerisch zu stellungen enthalten der Durchgang und die Innenseite. gestalten wußte, eine neue Aufgabe daraus hervorging. Der Triumph⸗ Neben die reinen Ehrendenkmäler treten als Monumente ähn⸗ zug rief den Triumphbogen hervor, durch welchen die festliche bompa lichen Zweckes und Geistes die Grabdenkmäler. Auch diese kannte des Soldatenzuges hindurchging und in welchem er gleichsam seine das alte Rom in verschiedenartigster und höchst reicher Entwickelung, monumentale Verewigung finden sollte. So stellten die Reliefs und von anderen Stätten abgesehen, sind dieselben auf der Via dieser Denkmäler nicht selten Szenen des Zuges, den sie hindurch⸗ Appia und auf der Gräberstraße vor dem herkulanischen Thore in lassen sollten, in voller Anschaulichkeit dar, und am Bogen des Titus Pompeji in solcher Fülle und Mannichfaltigkeit vertreten, daß sie ist ein Relief enthalten, welches dieses Denkmal selbst darstellt, das dem Studium in allen ihren Erscheinungsformen offen liegen. Die es zu zieren bestimmt ist. Nirgends zeigt sich überdies der Bogen⸗ ältesten, etruskischen und altitalischen, unter denen das freilich wohl bau und das Prinzip der Wölbung— die eigentlichen Charakteristika in späterer Zeit entstandene Grabmal der Horatier und Curatier der römischen Baukunst— so schlicht und zugleich so wirkungsreich bei Albano hervorgehoben sein möge, sind, falls sie nicht in Fels⸗ wie im Triumphbogen.“ grotten oder Gewölbe bestehen, meist in Kegelform gehalten. Daran Von diesen so wichtigen Kunstdenkmälern sind uns nun in anknüpfend ging die Architektur späterer Tage zum Rundbau mit 855 71=. 4 bau sich erhebt mit regelmäßigen runden falls als liegende Kornmaße gebildet sind. ist, hierauf folgen zwei durch wegten Knetmaschine der Teig geknetet, wesentlich griechischen Formen über. Ein glänzendes Beispiel davon bietet das berühmte Grab der Cäcilia Metella bei Rom, ein ge— waltiger Rundbau, der von mittelalterlichen Baronen, den Gastani, zu einer Burg umgewandelt und mit den noch theilweis vor— handenen, sehr unschönen Zinnen gekrönt wurde, und dessen herr— licher Fries aus Blumengewinden und Stierschädeln ihm im Volks- munde den Namen Capo di bove— Ochsenkopf verschafft hat. Aehnlich, aber weit minder gut erhalten, ist das Mausoleum der Kaiserin Helena auf dem Wege nach Tivoli. Sind schon diese Grabmäler von außergewöhnlichen Dimensionen, so steigen diese bei den Mausoleen, welche die Kaiser für sich und ihre Familien bauen ließen, ins Riesenhafte, und noch heute bewundern wir in Gestalt der Engelsburg das gewaltige Grabmal des Hadrian, das mit seiner ehemaligen terrassenförmigen Abstufung und den bis zur Kuppel emporsteigenden rund umlaufenden Säulenhallen einen großartigen Anblick gewährt haben muß. Eine bei den Römern seltene und wohl nur der Schrulle Einzelner ihr Dasein verdankende Grabform war die Pyramide. An der Porta S. Paolo in Rom, in der Nähe des Monte testaccio und des protestantischen Kirchhofs, im Zuge der aurelianischen Mauer, steht noch heute, von Cypressen umschattet, einsam und düster, die Pyramide des Cestius, die so den Namen eines höchst unter— geordneten Mannes der Nachwelt überliefert und unsterblich gemacht hat. Kein Geringerer als Platen singt von ihr: Oeder Denkstein, riesig und ernst beschaust Du, Trümmer bloß, Grabhügel, den Scherbenberg dort, Hier die weltschuttführende, weg von Rom sich Wendende Tiber! i Stolze Prunksucht thürmte dich einst, o Grabmal... Sonst war, wir folgen hier der gedrängten Darstellung Burck— hardt's, für reichere Privatgräber die viereckige Kapelle mit einer Halle von vier Säulen, oder zwei Pfeilern und zwei Säulen, oft auf hohem Untersatz, der beliebteste Typus. Das Innere bestand entweder blos aus einer kleinen unteren Grabkammer mit Nischen, oder auch noch aus einem oberen gewölbten Raume. Meist sind es Kollektivgräber und enthalten nach der schönen Sitte des Alter— thums die Nischen für die Aschenkrüge ganzer Familien, auch wohl ihrer Freigelassenen, auf einem verhältnißmäßig kleinen Raume bei— sammen. Hierher gehören auch die sogenannten Columbarien, unter— irdische Kammern mit bisweilen bis zu 150 übereinanderliegenden Nischen zur Aufnahme der Aschenkrüge. Die Gründe, welche Burck— hardt bei dieser Gelegenheit für das Kollektivgrab anführt, sind nicht zu verachten. Er meint, daß wir uns aus unserer geschmacklosen „Gräberanarchie“ nie retten würden, wenn wir nicht ein ähnliches Prinzip annähmen. Freilich sei das Kollektivgrab nur bei der Leichen— verbrennung mit mäßigen Kosten schön auszuführen, während unsere Sitte beharrlich die Beerdigung verlange, ohne darauf zu achten, welches Schicksal später die Gebeine zu treffen pflegt, sobald ein Kirchhof einer andern Bestimmung anheim fällt, und wieviel sicherer die Aschenkrüge in einem verschlossenen kleinen Gewölbe geborgen sind. Das Grabmal, welches unsere Abbildung bringt, ist an und für sich eine Abnormität, eine Spielerei, trotzdem aber von hohem kulturgeschichtlichem Interesse. Es ist das Grab des Eurysaces vor der Porta Maggiore in Rom, welches dieser brave Bäcker und Hof— lieferant für sich und seine Frau Atistia setzen ließ. Bei Guhl und Koner wird es genau beschrieben:„In Berücksichtigung seines Gewerbes ließ dieser komische Kauz seine Ruhestätte auf eine ziem⸗ lich absonderliche Weise mit den Emblemen seines Handwerkes schmücken und gab derselben den Namen eines Brotkorbes(panarium). Auf einem Unterbau erhebt sich eine Anzahl hohler Säulen ohne Basen und Capitäle, je zwei und zwei durch einen Pfeiler getrennt, deren jede aus drei Tambours in Gestalt von Kornmaßen besteht; darüber folgt ein mit Inschristen bedeckter Fries, auf dem ein Ober⸗ Vertiefungen, welche gleich- Der ganze Bau aber wird von einem Fries gekrönt, auf dem zuerst die Abschließung eines Vertrages über eine Brot— oder Getreidelieferung dargestellt Esel in Bewegung gesetzte Mühlen, Mehles und zwei Kornmesser. in einer durch Pferdekraft be— während Sklaven an zwei Brote formen; auf einer zwei Siebetröge zum Durchsieben des Auf der entgegengesetzten Seite wird dritten Seite des theilweise zerstörten Frieses wird die in Körben herbeigebrachte Waare unter Aufsicht von Beamten zugewogen. Gewiß war die Errichtung dieses Grabmals seinerzeit Schrulle und Spielerei; heute indeß betrachten wir das anders und wir sehen, wie viel die Nachwelt aus solchen scheinbaren Nichtigkeiten lernen kann. Ein einziger solcher plastischer Fries mit der Darstellung eines bestimmten Gewerbebetriebes bereichert unsere Kenntniß mehr, als manches dickleibige philosophische Werk eines alten Alexandriners. Davon abgesehen ist die Mitwelt keineswegs von solchen Schrullen und Spielerein frei, und um beim Handwerk zu bleiben, haben wir neu— lich auf dem prachtvollen Campo santo in Genua die lebensgroße, durch und durch naturalistisch ausgeführte Marmorstatue einer behäbigen, fetten Bäckerfrau gefunden, welche einen mit Bretzeln, Semmeln und Broten gefüllten Brotkorb am Arme trägt. Den Werth hat auch diese schnurrige Statue, daß die Nachwelt ersehen wird, was die Genueser von heute in den Frühkaffee zu stippen pflegten. H oe Stüler. Schmerzlose Operationen. Der berühmte Physikus und Mathematiker Dionysius Papin aus Blois, der in den Jahren 16871708 als Professor in Marburg lehrte, verfaßte daselbst eine„Abhandlung über schmerzlose Operationen“, welche, man weiß nicht aus welchem Grunde, nicht durch den Druck veröffentlicht wurde. Als er Deutschland verließ, schenkte er das Manuskript dem ihm befreundeten Arzte Dr. Börner, in dessen Familie dasselbe vererbt wurde, bis es für einige Louisdors für die kurfürstliche Bibliothek in Kassel erworben wurde.— Bis zu seiner Zeit hatte der „Mandragora⸗Wein“ als Betäubungsmittel bei schmerzhaften Operationen gegolten. Ein damals berühmtes Werk des Engländers Glanville(1548) verzeichnet wunderbare Erfolge von dem Genusse dieses Getränkes, das be⸗ reits von den Aerzten des Alterthums mit sicherem Erfolge zur Anwendung gebracht worden(Plin. Histor. nat. V, 158). In der 39. Novelle von Bocaccio's„Decameron“ finden wir das Alter und die Wirksamkeit des Mandragoraweins bestätigt. In Le Brun de la Rochette's„Proces civils et criminels“(1647, pag. 167) und in Eymericks„Anweisung für In⸗ quisitoren«(1578, S. 481) wird das lebhafte Bedauern ausgesprochen, daß die zur peinlichen Frage verurtheilten Verbrecher und Ketzer die Schmerzen der Torkur durch Genuß von Mandragora betäubten. Im Jahre 1832 versuchte ein französischer Arzt Dauriol von Toulouse das alte Mittel in seiner chirurgischen Praxis wieder zur Anwendung zu bringen, und, wie versichert wird, mit sehr großem Erfolge; aber die Erfindung des Aetherns durch Chloroform ꝛc. brachte das alte Mittel um seinen bewährten Ruf. Jedenfalls ist es sehr interessant, auch auf dem Gebiete der Chirurgie die Wahrheit des alten Chaucer'schen Ausspruches:„Es giebt nichts Neues, was nicht veraltet ist,“ bestätigt zu finden. R. F. Die ältesten Feuerspritzen. Schon in den Pandekten finden wir Dig XXXII Hit. VII cap. XII von dem berühmten Rechtslehrer Ulpianus Erwähnung einer Feuerspritze(ipho oder Ctesibiea machina), die sich n der That auf dieselben Prinzipien gründet, welche wir noch heute bei der Kon⸗ struktion derartiger Maschinen anwenden. Der jüngere Plinius(Ep. X, 35) erwähnt derselben und nennt Ctesibias von Alexandrien, den Lehrer des Heron, als Erfinder derselben Im vorigen Jahrhundert wurde ein Exem⸗ plar solcher Spritze in der Nähe von Civita⸗Vecchig aufgefunden, welche genau der Beschreibung des Vitruvius(X., 7) entspricht und in Antony Rich's Römischen Alterthümern(Seite 571 der deutschen Uebersetzung) ab— gebildet ist. Zur Bedienung dieser Feuerspritzen waren in den größeren römischen Städten besondere Feuerwächter einem praekectus vigilum unter- stellt. Der jüngere Plinius wollte in Bythinien ein Korps von 150 Hand⸗ werkern für den Löschdienst bei Feuersgefahr organisiren, aber Kaiser Trajan lehnte den Vorschlag ab. Erst am Ende des Mittelalters finden wir wieder einen völlig organisirten Feuerlöschdienst in den holländischen Städten, wo die Spritzen gleichzeitig zur Reinigung der Häuserfagaden verwendet wurden. Ende des 17. Jahrhunderts fanden die holländischen Feuerspritzen in Frank— reich Eingang. Eine wesentliche Besserung erfuhren die bis dahin allge— mein gebräuchlichen Löschapparate im Jahre 1721 durch einen Augsburger Bürger Leonhardt Gunzinger.— Hierbei sei bemerkt, daß bereits die alten Römer ein Verfahren kannten, Holz und Stoffe unverbrennbar zu machen durch Ueberzug mit einer Alaunauflösung. Aulus Gellius(noett. Attie XV, I) und Ammianus Marcaellius(e. XII) liefern für das Alter dieses Verfahreus die historischen Beläge. R P. Künstliche Mineralwässer. Schon das siebzehnte Jahrhundert hatte Fabrikanten künstlicher Mineralwässer. Ein gewisser Tillesac in Paris, Rue de la Boucherie wohnhaft, verfertigte dergleichen, und La Bruyere er— ählt uns in seinen weltberühmten„Caraetères“ in dem von„Charlatans“ adele Kapitel, daß ein gewisser Barbereau durch Anfertigung und Verkauf künstlicher Mineralwässer zu einem steinreichen Manne geworden sei So ist denn unsere moderne Chemie auch um den Ruhm dieser Er— findung gebracht und die Herren Struve und Soltmann, deren vortrefflichen Imitationen nur eben der Segen der Quellnymphe fehlt, sind mit ihrem Dank an die„Charlatans“ vergangener Jahrhunderte zu verweisen. R. F. neben dem Backofen stehenden Tischen die 1 f 8 72.. Problem Nr. 374. von F. Hofmann in München. ö Schw aus un⸗ es hier] gen⸗ sei⸗ dich hut 8 5,, 4 „„* 5 1 1 1. wandt⸗ bens sei⸗ nes ei⸗ warst licht in 1 8 17 4 5. es sprach] ver- au- sam sanft ne nahm 97 7 5 7 5 3 9 2 82 f . i ä 25 2 4 . a schmuckk nem le⸗ nem sei⸗ auf ein- der. 8 1 5 . 1 45 8 ö 8 schlug] an sein ruht ver- grab er blüm⸗ 1 11. N 4 5 5 0 25* 2.. nicht und einst ich war- chen drun⸗ sam. 25* g. 5 te herz nun giß] er liegt ein gluth 1, 1 2 5 ö f i e* e, zier[ihn schau⸗ in stand mer ein- ten, 1— K. 1 0 1.. e— Rösselsprung. „ R 225 2 * 22 est e ka, ere. 5 5 2 0 maß 7 Silben-Räth se 5 Weiß zieht an und setzt mit dem vierten Zuge Matt. 5 Aus folgenden Silben: N * g aar, bag, bel, ben, ca, da, dan, diz, e, ei, erb, ger, go, gran, hu, ke, Partie Nr. 212, g 1 . king, ma, mi, nan, 2 55 0 hal, bel 1 re, ren, ru, ru, se, gespielt am 15. Januar d. J. in New⸗York als dritte des Wetlkampfes. 4 1 70 sind 18 Worte zu bilden und so in ein Quadrat zu stellen, daß die beiden Weiß: J. H. Zukertort. Schwarz: W. Steinitz. 0 . Diagonalen von links oben nach rechts unten, und von rechts oben nach 1) d2—d4 d7-dõ 35) Kg1—g2 +bS—b3 0 links unten, eine Stadt, den Fluß, an welchem dieselbe liegt und einen. 2) 264 7 c6 36) Tal—hI KgS- g 7 5 See ein und desselben Landes ergeben. 3) e es Les f 37) Taz—a1 Le- ds * Die 18 Wörter bezeichnen:. 8 4) 22231) 7 es 38) g3—4 h5— 4:96) 79 1. Reihe: 1. Ein Gebirgsthal im Kanton Wallis. 5) 4-5 a-a5 39) St2—g4: LdS a5 7) 5 2 2. Eine Stadt in China. 3. Einen Nebenfluß des Rhein. 6) Ddt— bs Dds-e 40) TbI- bs) Kg7—f8 0 3 4. Den Namen eines berühmt. franz. Arztes. 5. de 7) Sbl- cs: 8SbS- d7 41) 17-84 K[8g 7 Wurfspieß. 8) Ses a 89816 42) Ths—-h7) Kg 7-18 1 6. Ein Metall. 7. Einen biblischen Namen. 9) Sg1—e2 18e 43) Dd2 2 La5- dS 10) 1 8. Eine russische Silbermünze. 9. Eine Oper. 10) 8e2-g3 15—6 44) 8g4—e5 Kf8—g8 15) 6.„ 10. Eine Hülsenfrucht. 11. Einen 1 deutschen Ge⸗ 11) Lel-dz 0—0 45) Tal—b! LdS-f6 schichtschreiber. 12) Lil e TS bS 46) Tb7 f Tas—f8 12) a 1 1 des menschlichen Körpers. 13. Einen männlichen 13) 0—0 b7-b 47) 7716.15) aufgegeben. 5 ornamen. 5 14) cs bs: Sd7b6é: 1 ö 1 8 14. Eine Blume. 15. Ein Fichtenharz. 15 Saab: 1b8- bs: Stellung nach dem 38. Zuge von Weiß. 9.„ 16. Einen Schlachtenort aus dem Naeh französischen Kriege. 16) Db3 03 De7—b7 2 1 17. Eine spanische Provinz. 17) Tal—22 86 d7 1. 105 18. Ein anderes Wort für Auswanderer. 18) Le2—4d1 C6 c 7 9 3 0 19) Ldl aa 0504,. 50% pa 5410 5. 75. 18 1 21) 2—0 Ler- d Logogriph. f 2 85 Db bs 1 4 f Wir sollen es an jedem unsrer Tage, 23) 3140 Lg6— ds, e 145 j Bis, wenn ein 9250 7 5 in 1 1 Wort 24) IEI—el b7—b5. 1 44, 1153 1 441 Hoe wird 8 2 11 d. Frage. 5 12 00 11 11 11* 8 7 1 ann können's Andre, fä 1 2— 81—. 1 fällt der Anfang fort. 27) Del—42 155.55* 12 2 2 52 7 28) Dd2 12 Ldé6- e7 2. 1 Auflösung des Silben Nathele in voriger Nummer: I. Körner. 30 1 7 2. Elde. 3. Isolani. 4. Norwich 5. Erechtheum. 6. Rossini. 1 8 95 1, 7. Unger. 8. 8 9. Ei. 10. Biene. 11. Erich. 12. Isabella. 32 255 3 125 95. 7 1 22 4 13. Turkestan. 14. Ameland. 15. Geisenheim. 16. Ulrike. 17. Ngami. 37 977 1 5 18 2 18. Distelorden. 19. Nachtigall. 20. Akazie. 21. Cherub. 22. Hyacinthe. 10 911. Weiß. 23. e— 2 Ruhe bei Tag und Nacht— Reich' mir die Hand, ö 25. 4 0 s 9 5 5 ogogriph: Mode Ode; des Buchstabenräthsels: 15 0 On der ersten Partie geschah hier Sog, die Abweichung in diesem und dem nächsten 4 4 Zuge[ez—e5 um den Laufer von ct abzuhalten] giebt der Partie einen anderen Charalter. 2. R 2) Das Vorgehen des Bauern ist erzwungen, da el wegen Vd nicht anging. 3) Der Randbauer wird hierdurch gefährdet indessen mußte hö-h e werden. 1 0 d a 3) Nothwendig, um den Springer von g4 abzuhalten. — 5) Der Verlust des Bauern war auch durch andere Züge nicht zu vermeiden. 1 Deen 6) Bei diesem Abtausch scheint dis Thurmopfer im 40. Zuge übersehen zu sein; es— 9 0 3 2 mußte sefort Las geschehen, nun sind die günstigen Aussichten von Schwarz verscherzt. 4 B 2 e* 1 uU n 0 8) Ein Versuch, den Geg ler zu dem Fehlzug Ke7 zu verlocken, worauf durch Tas; ein 3 Offizier gewonnen war, da Lobt wegen 41) Faint nicht statthast war. Db 2 m 1 b f 1 flug) Nun würde Schwarz auf Pas: den Offizierverlust durch Le? vermeiden. 1 10) 1 e eee, Deckung nicht zu erwarten; auf alle Gefahr A d 1 0 1 1. 8 11. 1 2— 1 hin. 109 Ta hätte 45) Lba f und Oualitätsverlust zur Folge gehabt. 12) Gegen Leß: en sscheidet 47) fed Das! 48) 04 g5 49) Tus f Khs: 50) Pet ꝛc. 13) Nimmt Schwarz den Thurm, so folgt natürlich 48) Dbà. Entscheidend war auch B N 155 e. E M 2 2 Bei der Fos tsetzung des Wettkampfes in St. Louis gewann n am 3. Februar —— im 61. Zuge nach 5½½ stündigem Kampfe die sechste Partie Ruy-Lopez- Eröffnung); am We b. Februar hatte er einen neuen Sieg zu verzeichnen, Zukertort gab schon im 37. Zuge auf. Die achte Partie wurde Remis, die neunte dagegen, ein abgelehntes Damengambit von 38 Zügen, wurde wieder von Stein itz gewonnen. Jeder der Spieler bat nunmehr vier Partien gewonnen und die Fortsetzung und Beendigung des Wettkampfes erfolgt in New⸗Orleans. Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt. Ges. in Berlin, Lützowstr. 105— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr 105.