r in e „ bleiben gelt 9 9 7 1 9 1 ——— z oder e 15 würde er in sollte sie dann haben. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden, zu den Oberhessischen Uuchrichten. Nr. 30. Gießen, den 25. Juli. Die Erbin. Von Josephine Gräfin Schwerin. (Fortsetzung.) . Heddenheim hatte sich noch einmal in dieser einsamen Abend— stunde von der Exinnerung überwältigen lassen, noch einmal war die Geschichte seiner Liebe in flüchtigen Bildern an ihm vorüber— gegangen, dann plötzlich richtete er sich auf, öffnete halberschrocken die Augen, die er geschlossen gehalten, und schüttelte sich, aufspringend, als wolle er damit, alle die unreinen, schmählichen Erinnerungen vertreiben. Vorbei— es sollte vorbei sein, ein anderes, neues Leben sollte beginnen. Ein Gedanke war es, der quälend an ihn heranschlich. Blanche war seine Frau, sie trug seinen Namen, jetzt hatte sie ihn verlassen, aber konnte sie nicht doch einmal zurückkehren, seine Hilfe fordern, von Rechten und Pflichten sprechen, konnte es denn nicht doch zu dem öffentlichen Skandal kommen, vor dem er sich um jeden Preis bewahren wollte?— Ach bah, es war eine thörichte Furcht, sie hätte es ja nur um's Geld gethan und das Zunächst handelte es sich darum, Gerüchte, die etwa hierher gedrungen und durch seine plötzliche Rückkehr nach D. Nahrung gefunden, zum Schweigen zu bringen. Und er war der Mann, dem solche Absicht wohl gelingen konnte. Am nächsten Morgen trat er in das Komtoir und übernahm die persönliche Leitung des Geschäfts. Der Eindruck, den er an diesem Tage dem gesammten Personal, vom Herrn Kühlwetter an bis zu dem jüngsten Lehrling herab machte, kühl, freundlich und gerecht, vornehm und unnahbar, voll Energie und Klugheit, blieb dauernd. Jeder schätzte in ihm den tüchtigen, umsichtigen, uner⸗ müdlich thätigen Kaufmann, der mit seiner gleichmäßig angestrengten Thätigkeit seinen Untergebenen mit gutem Beispiel voranging; keiner hätte sich über ihn je zu beklagen gehabt, aber keiner hörte je ein Wort von ihm, das über das rein Geschäftliche hinausging. Wenig anders lautete das Urtheil, das die übrige Welt über ihn fällte. Man nannte ihn einen Ehrenmann, aber stolz, kalt, ver— schlossen, ungesellig, ein Kaufmann von bestem Ruf, aber zum Um⸗ gang nicht eben angenehm. Er suchte solchen auch nur im aller⸗ beschränktesten Maße, nur gerade so weit als seine Geschäftsver⸗ bindungen und der ziemlich kleine Verwandtenkreis, den er noch hatte, es nöthig machte. Hier und da nahm er eine Einladung an, die er nicht gut ablehnen konnte, hier und da gab er ein Diner, dals sich dann durch eine außerordentliche Feinheit auszeichnete, doch knüpfte er keinerlei nähere Beziehungen an, sondern lebte durchaus ab— geschlossen in seinem höchst comfortable und luxuribs eingerichteten Hause. So kam es, daß Herr Gustav Heddenheim halb und halb für einen Sonderling galt; hatte man anfangs seine plötzliche Rückkehr nach D. mit jenen Gerüchten über eine seltsame Liebes und Heiraths⸗ geschichte in Verbindung gebracht, so war man später gewiß, sie mehr als eine Sonderlingslaune zu betrachten und es auch als solche anzusehen, daß der reiche Mann, dem die glänzendsten Parthien zu Gebote gestanden hätten, unvermählt— wie man meinte— blieb. Eine unliebsame Andeutung darüber zu ihm hätte sich Niemand erlaubt, dazu war Herr Heddenheim viel zu vornehm und unnahbar. Nach neun Jahren wurde überhaupt nicht mehr darüber gedacht und gesprochen, das Haus am Markt, das eine Zeit lang das all⸗ gemeine Interesse in Anspruch genommen hatte, wurde in keinem andern Sinne mehr betrachtet, als in dem rein kaufmännischen, denn die Firma Heddenheim war seitdem noch um Vieles in ihrer Be— deutung gestiegen. Was bei Heddenheim anfangs Absicht gewesen, war allmählig Gewohnheit geworden, er verlangte nicht nach Menschen und be— durfte ihrer nicht; er war nur durch und durch Geschäftsmann und fand Befriedigung in dem eisernen Fleiß, mit dem er sich der Arbeit widmete. Selbst die Erinnerung an jene bittere Erfahrung in seiner Liebe und Ehe war allmählig verblaßt; sein ganzes Verhältniß zu Blanche erschien ihm mehr und mehr in dem Lichte einer verspäteten Jugendthorheit und die Möglichkeit, daß sie noch einmal wieder er⸗ scheinen könnte, die ihn anfangs gepeinigt hatte, hörte auf, ihn zu beunruhigen. So rüstig und ungeschwächt in seiner Arbeitskraft er sich auch fühlte, war er doch äußerlich früh gealtert und als er eines Tages entdeckte, daß sein Haar vollständig ergraut war, fiel ihm das Versprechen ein, das er einst seinem Vater schriftlich ge— geben, dafür zu sorgen, daß die Firma F. R. Heddenheim zum mindesten durch einen Adoptivsohn erhalten werde. Mit der schnellen Entschlossenheit, die ihm stets eigen war, dachte er sofort zur That zu schreiten. Freunde hatte er nicht, so lag es am nächsten für ihn, sich unter seinen Verwandten umzuschauen, mit denen allen er zwar nicht in nahen Beziehungen stand, von deren Leben und Familien⸗ verhältnissen er doch immerhin wußte. Die wenigen, die er über⸗ haupt besaß, hatten entweder keine Söhne, oder sie waren bereits in einen festen Beruf eingetreten; so blieb ihm nur übrig, einer ihm gänzlich unbekannten Cousine, die verwittwet und in ziemlich beschränkten Verhältnissen in einem Pommerschen Städtchen lebte, den Vorschlag zu machen, ihm ihren Sohn in's Geschäft zu geben. „Ich denke, es wird Ihnen recht sein, der Sorge für ihn vorläufig überhoben zu sein,“ schrieb er ihr,„und läßt der Junge sich tüchtig an, so ist seine Zukunft im Kaufmannsstande gesichert.“ Die Antwort lautete, wie er erwartet hatte, dankbar annehmend, und vier Wochen später traf Konrad Held bei ihm ein. „Ich hoffe, Du bist gern gekommen,“ sagte Heddenheim zu dem hoch aufgeschossenen 18jährigen Jüngling, der ihn aus großen dun⸗ keln Augen offen ansah. „Nein, Onkel,“ war die ohne Besinnen gegebene Antwort,„ver— zeihe, aber ich kann nicht lügen.“ 0 234 * „Hoho, das klingt ja seltsam! Und weshalb kamst Du ungern?“ „Ich hätte gern mein Examen gemacht und dann studirt; es hätte der Mutter viel Sorge gemacht, aber trotzdem hatte sie darein gewilligt. Da kam Dein Brief und nun wünschte sie so sehr Deinen gütigen Vorschlag anzunehmen, daß ich nachgab, weil ich einsah, daß es vernünftig war.“ „Ich bin aber strenge und werde viel von Dir fordern, das merke Dir, junger Herr,“ erwiderte Heddenheim, nicht eben freundlich. „Sei außer Sorge, Onkel, ich werde fleißig sein; nun ich hier bin, will ich ein tüchtiger Kaufmann werden.“ Des Jünglings offene und ruhige Art gefiel Heddenheim, er fand etwas von Charakter darin. Konrad hielt Wort; er war unermüdlich fleißig, in keinem Moment hätte man aus seinen Leistungen entnehmen können, daß er nicht aus Neigung den kaufmännischen Beruf ergriffen, und wie es zu ge— schehen pflegt, daß man für das, woran man seine ganze Kraft und Treue setzt, auch Interesse gewinnt, so wurde Konrad allmählig sein Beruf lieb. Heddenheim, für den der Handel als Förderer der Kultur und des Wohlstandes eine hohe Bedeutung hatte, und der, in den Kauf— mannsstand hineingeboren und erzogen, ihn viel höher stellte als Studium und Gelehrtenstand, sagte oft zu Konrad:„Es wäre wirklich schade darum gewesen, Junge, wenn Dein praktischer Sinn in der Studirstube hätte verkümmern sollen, wenn Du auch einer von den vielen unnützen Stubenhockern und Bücherwürmern ge— worden wärest.“ Dann lächelte Konrad und erwiderte:„Vielleicht hätte ich eine große Entdeckung gemacht und wäre durch sie ein Wohlthäter der Menschheit und ein berühmter Mann geworden— aber es ist nun einmal wie es ist.“ Heddenheim hatte, als er Konrad zu sich berief, in der Absicht, wenn er sich brav und tüchtig erwiese, ihn zu seinem Adoptivsohn und Erben zu machen, nur der Pflicht des reichen Mannes genügen wollen, für die Erhaltung seines Vermögens und seiner Firma zu sorgen; an einen persönlichen Gewinn hatte er dabei nicht gedacht. Nun fand er ihn unerhofft, denn Konrad gegenüber wandelte sich seine kalte, in sich abgeschlossene Natur— er hatte ihn lieb. Freilich blieb er äußerlich auch zu ihm meist kühl und verschlossen, selten, daß ein Wort etwas von seinem Gefühl verrieth, doch gab es genug Anzeichen, die seine Liebe bewiesen. Vielleicht, daß er sich noch daran erinnerte, was er selbst unter der harten Erziehung seines Vaters, der von ihm nur Arbeit forderte, ohne das Recht der Er— holung anzuerkennen, entbehrt hatte; so sah er es gern, wenn Konrad sich nach gethaner Arbeit den Freuden der Jugend hingab, sich die Erheiterungen und Genüsse bereitete, an denen er selbst keine Freude mehr fand, sie kaum jemals gefunden hatte. Ein Zuviel war nicht zu befürchten, da Konrad eine vorwiegend ernste Richtung hatte und sich mit vollem Eifer der Arbeit widmete. Nach einigen Jahren war die Adoption vollzogen. Konrad führte nunmehr den Namen Heddenheim und war in volle Sohnes— rechte eingetreten. Seine Umsicht und Geschäftskenntniß machten ihn je mehr und mehr Heddenheim unentbehrlich, der bald nichts mehr ohne Konrad's Rath und Beistand unternahm, so daß dieser, ohne den Namen eines Compagnons des Onkels zu tragen, doch gewisser⸗ maßen zu einem solchen geworden war. So hatte sich im Laufe der Zeit das Verhältniß Beider zu einem sehr innigen und befriedigenden gestaltet und Heddenheim fand in demselben ein Glück und ein Genügen, wie er es für sich nicht mehr erhofft hatte. Kenrad war ihm ganz und gar zum Sohn geworden, den er mit freudigem Herzen als seinen Erben und Geschäftsnach— folger ansah. Zehn Jahre waren vergangen, seit er ihn zu sich berufen. Konrad war 28 Jahre alt geworden und Heddenheim sah die Nothwendig— keit ein, ihn auf Reisen zu schicken, er durfte nicht seine Geschäfts— kenntniß und seine Welt- und Lebensanschauung allein aus dem alten D. und seiner engen Begrenzung schöpfen. Er war zu sehr Verstandesmensch, um selbst da, wo sein eigenes Herz und Glück darunter litt, nicht der richtigen Ueberlegung zu folgen und selbst bei dem Abschied von dem geliebten Sohn blieb er scheinbar kühl und ruhig. Die anregenden Berichte Konrads aus der Ferne halfen ihm ein wenig über die Einsamkeit hinweg, die ihm schwerer wurde, als er es sich selbst gestehen mochte. Ein Jahr hatte er für die Reise 1 bestimmt; Konrad sollte sich hier und dort eine längere Zeit auf. halten, um gleichzeitig für das Geschäft thätig zu sein. Er war in Deutschland, in Frankreich, sogar eine kurze Zeit in Spanien gewesen, nur in England nicht, Heddenheim hatte das— für Konrad ganz unerklärlicher Weise, nicht gewünscht. Nach einem Jahr kehrte er voll reicher Eindrücke, froh und be- friedigt zurück. Er war draußen glücklich gewesen, doch die alten dunkeln Häuser heimelten ihn an und als er durch die schwere Eichen⸗ thür des Hauses am Markt in den großen Flur trat und dann die Treppe hinaufeilte, in das große wohlbekannte Wohnzimmer, war es ihm wiedersehensfreudig zu Muthe. N „Willkommen, mein Sohn,“ klang es ihm von Heddenheim's Lippen entgegen. 5 9 „Lieber Onkel!“ Er sah ihm in die Augen und erschrak vor der Veränderung, die gebeugte Haltung, das durchfurchte Gesicht— Heddenheim war ein Greis geworden. „Du findest mich verändert,“ sagte er,„Du brauchst mir das nicht verhehlen zu wollen, mein Sohn; ein Mann in meinen Jahren muß gefaßt darauf sein, daß es bergab geht, etwas früher oder später, darauf kommt es nicht an.“ Damit war es abgethan, Konrad durfte nichts darauf erwidern, das fühlte er. Allmählig milderte sich auch der erste erschreckende Eindruck; der Onkel fragte so lebhaft, hörte so sichtbar interessirt seinen Mittheilungen zu, berichtete dann selbst mit der ihm eigenen, klaren Kürze über mancherlei Vorgänge im Geschäft, die brieflich nicht berührt waren, daß Konrad ihn völlig unverändert fand, und meinte, sich anfangs getäuscht zu haben. Sie saßen am Mittagstisch. Trotzdem Konrad jetzt viel ge⸗ sehen und sich an Luxus aller Art gewöhnt hatte, berührte ihn doch die solide Eleganz dieses Speisezimmers wohlthuend: die dunkeln Tapeten, die in vollständiger Harmonie dazu stehenden schweren Fenstervorhänge und Ueberzüge der Sophas und Sessel, das große Büffet von Eichenholz, mit einigen schönen Kannen und Krügen darauf, die schweren Eichenstühle mit den hohen, geschnitzten Lehnen und die große Hängelampe über dem Eßtisch,, die— es war im Winter und fünf Uhr— ein helles, angenehmes Licht über das Zimmer verbreitete— alles das bildete ein geschmackvolles Ganze, dessen Eindruck Konrad befriedigt empfand. Der Diener hatte, sacht auf dem dicken Teppich hin- und hergehend, die letzten Schüsseln abgeräumt und nun das Zimmer verlassen. Nur die Weinflaschen waren noch auf dem Tisch geblieben; Heddenheim füllte zuerst Konrad, dann sich selbst das Glas, lehnte sich bequem in den Stuhl zurück und sagte dann:„Wir sind jetzt allein, wie steht es mit den Frauen?“ „Ich habe so manche schöne und liebenswürdige gesehen, Onkel, weiter nichts,“ versicherte Konrad. f „Keine, die Dein Herz gefesselt hätte, oder die Du wohl gar zu Deiner Frau wünschtest?“. Konrad schüttelte den Kopf.„Bewahre.“ Heddenheim athmete auf.„Mir ist es recht, lasse Dich warnen, mein Junge, bedenke Dich lange, ehe Du einer Frau Macht über Dein Herz und damit denn allemal auch über Deinen Verstand einräumst und ehe Du Dich bindest, Dich entschließt, eine zu Deiner Gattin zu machen, berathe Dich mit der Vernunft; was Schönheit und Liebe und Zärtlichkeit Dir verheißen, halten sie dann alle zu— sammen doch nicht.“ Konrad lachte.„Die Frauen haben sich eben nicht für Dein Urtheil zu bedanken, Onkel.“. „Aber sie verdienen es, glaube mir,“ versetzte Heddenheim.„Du bist ja, wie Du weißt, mein Erbe im ganzen Umfange. Laut meines Testaments wird Dir mein Vermögen, dies Haus und das ganze Geschäft gehören. Solltest Du unvermählt bleiben, so würdest Du, gleich mir, einen Adoptivsohn zu Deinem Erben machen.“ „Lieber Onkel, das Alles hat ja noch lange Zeit,“ wehrte Konrad ab,„Du bist rüstig und—“ „Doch nicht, mein Sohn,“ unterbrach ihn Heddenheim.„Ich habe in letzter Zeit mehrere Anfälle gehabt, die einmal zu einem schnellen Ende führen könnten. Eine Art Herzkrampf oder etwas dergleichen.“ f „Hast Du mit dem Arzt gesprochen?“ fragte Konrad besorgt.“ „Natürlich; er hat mir einige Mittel angerathen, die ich auch brauche, doch weiß ich genau, was ich von diesen Verordnungen zu halten habe— sie sind nicht viel werth. Im Uebrigen brauchst Du zu Niemanden von diesen Anfällen zu reden, außer dem Arzt, — n 0 Jeit auf . ar Epmien * Inrad und be⸗ die alten e Eichen; dann die lier, war denhein chrak vor escht— mir das n Nhren her oder erwiden, chrekende intertssit eigenen, briefich and, und viel ge⸗ ihn dach dunkeln schweren as große Ktigen n Lehnen war inn iber das Ganze, r halte, Schüssen flaschen Konrnd, ll rück rauen?“ „Oukel, vFohl gar würlen, ct über Verstand Deinet inet zu⸗ 3 alle 4 „ ür Din 4 . Du J ut, und das 5 würdet . Konnd, 11 ch 1 1 u en K u — 4 7 1 * 235 weiß nur ein Diener darum, ich liebe es nicht, wenn dergleichen von aller Welt besprochen und man von Jedermann als Todes— kandidat angesehen wird.“ „Du siehst zu schwarz, Onkel,“ versuchte Konrad ihn zu be— ruhigen,„ich bin überzeugt, Du bist in einigen Wochen wieder ganz gesund, oder wenn nicht, so macht eine Badecour im Sommer alles gut.“ „Ich zweifle, mein Sohn; doch warten wir ab. was da muß; bereit sein, das ist alles. daß Du eben jetzt zurückkamst.“ „Warum beriefst Du mich nicht früher?“ fragte Konrad eifrig, „wenn Du meine Gegenwart wünschtest?“ Heddenheim hob abwehrend die Hand.„Du weißt, daß ich kein Aufsehen liebe; Du solltest auch die volle Zeit genießen, ohne Störung und Verkürzung.“ Es trat eine Pause ein. Die frohe Reisestimmung Konrads war schnell verweht; der erste, halb überwundene Eindruck, den er von Heddenheim empfangen, kehrte noch stärker wieder; er sah sehr alt und verfallen aus. So wußte er nicht recht das Wort zu finden, das in ein ruhig harmloses Gespräch hinüberleitete. Heddenheim schwieg eine Weile nachdenklich. Endlich begann er:„Du bist wie gesagt mein Erbe in vollem Umfange, es ist das Alles testamentarisch festgestellt. Du mußt es aber wissen, daß ich eine Tochter habe.“ Konrad sah überrascht auf. Heddenheim nickte. Namen zu tragen.“ „Und wo lebt sie? Weshalb ist sie nicht bei Dir?“ Heddenheim schloß einen Moment die Augen, dann erwiderte er mit sichtlicher Anstrengung:„Ich hatte meine Frau in London unter eigenthümlichen Verhältnissen kennen gelernt; sie gehörte nicht meinem Lebenskreise, meinem Stande an. Wie es Alles kam, ist gleichgiltig, genug, ich liebte sie leidenschaftlich und sie wurde mein. Daß ich mich später, mit Rücksicht auf unser noch ungeborenes Kind — ich hoffte, es würde ein Sohn sein— entschloß, ihr auch meinen Namen zu geben, war vielleicht ein Mißgriff, vielleicht auch das, daß ich vor der Schwierigkeit, sie als meine Gattin in mein Haus und in die Gesellschaft einzuführen, zurückschreckend, sie mit dem Kinde in der Villa ließ, die ich ihr zuerst gemiethet hatte. Die Details erläßt Du mir wohl, sie gehören ja auch nicht hierher, genug, als ich von einer kurzen Reise zurückkehrte, war Blanche ent— flohen, zweifellos mit einem Herrn Renard, den sie früher als mich gekannt und den ich, seit er wieder in London war, beargwohnte. Die kleine Jeanne hatte sie mitgenommen. Ich überließ sie ihrem Geschick; es gelüstete mich nicht, sie zwangsweise zu mir zurückzu⸗ führen und gleichzeitig meinen reinen Namen mit diesem Skandal zu besudeln. Ich verließ sofort London und siedelte wieder hierher über. In nunmehr 19 Jahren habe ich nichts von ihr und meiner Tochter gehört; ich war's zufrieden. Seltsam, in diesen letzten Monaten ist der Gedanke an mein Kind bisweilen in mir aufge⸗ taucht, wer weiß, was Blanche aus ihr gemacht, vielleicht ist sie verworfen wie diese, vielleicht ist sie in Noth und Elend.“ Konrad schwieg. Ihn traf diese Mittheilung des Onkels so überraschend, daß er sich nicht gleich darein zu finden wußte. „Es wäre nun doch möglich,“ fuhr Heddenheim fort,„daß das Mädchen, meine kleine Jeanne, Dir begegnet, dann sollst Du wissen, daß sie wirklich mein Kind ist und Du wirst sie dann nicht in Noth lassen. „Ich muß sie suchen, Onkel, ich kann doch niemals einen Besitz antreten, wenn die rechtmäßige Erbin da ist.“ „Nicht doch,“ erklärte Heddenheim,„Du bist der rechtmäßige Besitzer, laut meines Testaments, durch meinen Willen und meine Liebe für Dich. Du bist mein Sohn, Du sollst Jeanne nicht suchen — kannst es auch nicht, wo solltest Du das seit beinahe 20 Jahren verschollene Kind finden— Thorheit! Ihre Mutter hat jedes Recht für sich und ihr Kind verwirkt, tausendfach verwirkt. Du solltest nur darum wissen, daß meine Tochter— vielleicht lebt und wenn sie Dir einmal begegnet, so wirst Du für sie sorgen.“ Er bot Konrad die Hand, in die dieser die seine hineinlegte. Heddenheim lächelte.„Sonderbar,“ sagte er,„hier und da ist der Gedanke in mir aufgetaucht, Du könntest Jeanne heirathen und dann lebten meine Kinder beide hier in diesem Hause und wären meine Erben, Jeanne ebenso wie Du.“ Er fuhr mit der Hand Mag kommen Doch war es mir lieb, „Eine Tochter?“ „Eine Tochter, die berechtigt ist, meinen, über die Stirn.„Du siehst, ich werde alt und kindisch, das sind Hirngespinnste eines Greises. Ein Kind von Blanche, das von ihr erzogen ist, darf niemals Deine Frau werden. Du sollst glücklicher sein als ich, mein Sohn, und wenn Du je eine Gattin wählst, so müßte sie aus einer würdigen Familie, ein wohlerzogenes Mäd— chen sein.“ „Onkel, wir wollen Jeanne suchen,“ bat Konrad beklommen, „es bedrückt mich, als Dein einziger, berechtigter Erbe aufzutreten, wenn eine andere, viel berechtigtere da ist.“ 5 „Nein, nein, mein Kind,“ lautete die lebhaft abwehrende Er— widerung Heddenheims,„es bleibt so, wie ich es bestimmt, Du bist mein Erbe und nach meinem Tode mein Nachfolger in vollstem Umfange. Ich will dieses Kind einer unglücklichen Verbindung, die eine Verirrung war, nicht suchen, Du sollst sie nicht suchen, sie wird nicht besser sein als ihre Mutter, nur, wenn sie einmal Deinen Weg kreuzt und— sich meine Tochter nennt, dann sollst Du wissen, daß sie ein Recht dazu hat. Mehr nicht, das ist vernünftig und besonnen.“ Es schien als ob er ängstlich die wärmere Aufwallung eines Augenblicks zurückdrängen wollte. „Sei versichert, daß ich nie vergessen werde, was ich Deiner Tochter schulde,“ saßte Konrad. „Gut, mein Sohn, jetzt ist es abgethan,“ entgegnete Hedden— heim,„nun lasse uns nicht mehr davon reden.“ Konrad wußte, daß ein solches Wort Heddenheims gleich einem Befehl war. Er fügte auch wirklich schnell eine Frage nach Konrads Reiseerlebnissen hinzu, und bald war das Gespräch auf ein völlig anderes Gebiet hinübergeleitet. In Konrad freilich klang das eben Gehörte nicht nur heute nach; es hatte den sichern Boden, auf dem er sich bisher gefühlt, erschüttert, ihn dünkte, daß eine zweifelhafte Zukunft vor ihm lag. Vier Wochen später war Heddenheim todt; ein Herzschlag hatte ihn getroffen, während er in seinem Arbeitszimmer vor dem Schreib— tisch saß, seine Ahnung hatte ihn nicht getäuscht. Jetzt ruhte der rastlos thätige Mann unter den alten Bäumen des Kirchhofs von San Salvator neben seinem Vater. In dem alten Hause am Markt blieb Alles unverändert; kein Stück Möbel in der oberen Etage wurde gerührt; in den Geschäfts— räumen des unteren Stockwerks ging die Arbeit ruhig fort, das Messingschild an der schweren Eisenthür trug nach wie vor den Namen der Firma: F. A. Heddenheim, und an der Börse sagte Einer zum Andern: das Haus Heddenheim wird ein sicheres Haus bleiben, Herr Konrad Heddenheim ist ein ebenso tüchtiger Kaufmann als sein Onkel es war. (Fortsetzung folgt.) Mutter und Sohn. Novellette von Cordelia, deutsch von Konrad Telmann. (Fortsetzung.) WII Valeria hatte bemerkt, daß Mario ein Auge auf sie geworfen habe, aber als vernünftiges Mädchen, das sie war, versuchte sie, nicht zuviel an ihn zu denken. Für sie wäre das zu viel gewesen, sie hätte an eine solche Verbindung nicht denken dürfen, wenigstens dachte sie so, da sie viel zu bescheiden war, und obgleich sie ein kleines Vermögen besaß, wußte sie doch, daß er sehr reich war, und dann war er schön, ein vollendeter Kavalier, und hatte eine gute, soziale Stellung; kurz: sie durfte an ein solches Glück nicht denken, und es war besser, wenn sie es nicht that. Dennoch hatte sie gewahrt, daß er oft durch die Straße kam, in der sie wohnte, daß er immer irgend einen Vorwand suchte, um in ihr Haus zu kommen, entweder um ihren Bruder abzuholen, oder um ihm ein Buch zu bringen, da sie Freunde und Studien— genossen waren, daß er, wenn er nur irgend konnte, sich im kleinen Salon aufhielt, um ein paar Worte mit ihr zu sprechen, und sie mußte es sich auch gestehen, daß seine Besuche bei ihr eine gewisse Erregung verursachten. Wenn sie seinen Blick fest auf sich gerichtet fühlte, wurde sie glühend roth und beugte den Kopf herab, als ob sie ganz in ihre Arbeit versunken wäre, um ihn erst wieder auf— zuheben, wenn sie wußte, daß Mario's Aufmerksamkeit auf Anderes 236 abgelenkt sei. Wenn sie hörte, mit welcher Zärtlichkeit er von seiner Mutter sprach, dachte sie:„Wie gut er ist, der Herr Mario, und wie glücklich die sein wird, die er zur Gattin wählen wird!“ Dann dachte sie an ihren Vater, der immer krank war und an ihr Haus, an ihre Jugend, die sie ohne die Liebkosungen einer Mutter hatte verbringen müssen, und, ganz in ihre häuslichen Sorgen versenkt, beschäftigte sie sich mit nichts Anderem mehr. Ganz jung noch war sie mutterlos geworden, aber sie war nun auch nicht wie Andere, ein furchtsames Mädchen geworden, sondern hatte sich schnell zur Herrin im Hause gemacht und verstand es, sich Dies Gerücht gelangte auch Herrn Comelli— Valerias Vater — zu Ohren, der seinem Sohn nunmehr verbot, Mario in das Haus zu führen oder einzuladen. „Aber würde denn Schlimmes dabei sein,“ hatte der Sohn ihm geantwortet,„wenn Mario Valeria heirathete?“ „Ich begreife wohl, daß dies bei den jetzigen Zeiten keine schlechte* Partie sein würde,“ hatte Comelli erwidert,„aber da ist gar keine Gefahr, er thut ausschließlich den Willen seiner Mutter, und Frau Klara ist zu stolz, ich kenne sie, sie würde dergleichen nie zugeben. Meine Tochter würde ganz umsonst kompromittirt werden. Auch Otto I. von Bayern. nach sich selber zu richten. Sie hatte eine alte Kammerfrau, welche gleichsam die Gouvernante bei ihr spielte, aber Valeria ließ sich von Niemandem befehlen, und wollte, daß im Hause Alles von ihr oder von ihrem Vater abhinge, so daß die Kammerfrau, die es beklagte, einem so jungen Mädchen unterstellt zu sein, und nicht im Hause, so wie sie wollte, die Herrin spielen zu dürfen, wie sie gehofft hatte, wünschte, Valeria möchte heirathen, um unbeschränkte Gebieterin zu bleiben. Sie hatte die Bemühungen des Herrn Mario bemerkt und darüber mit einigen Nachbarinnen geredet, so daß Alle in Kürze darauf Acht hatten, wie oft er durch die Straße käme, bemerkten, daß seine Blicke sich immer auf die kleine Terrasse richteten, wo Valeria zu gehen pflegte, um frische Luft zu schöpfen, und daß sich das Gerücht verbreitete, die beiden jungen Leute hätten sich unter— einander bereits verständigt. ich habe meine Eigenliebe, und würde Valeria Keinem geben, der ihren Werth nicht zu schätzen weiß.“ Warum kam Mario nicht mehr in ihr Haus? Warum begrüßte Frau Klara, wenn sie ihr auf der Straße begegnete, sie nicht mehr mit der gewöhnlichen Freundlichkeit, sondern zeigte ihr gegenüber vielmehr eine gewisse Kälte? Das waren zwei Fragen, die Valerias Köpfchen in Anspruch nahmen, und die sie um jeden Preis hätte lösen mögen, aber sie wagte nicht, Jemanden darnach zu fragen, sondern behielt Alles bei sich verschlossen. Mario dagegen war sehr schmerzlich bewegt; er hatte mit Herrn Comelli gesprochen, hatte ihm die Sachlage ernsthaft auseinander gesetzt, und daß nichts mehr fehle, als die Einwilligung seiner Mutter, um sein Glück verwirklichen zu können; aber Herr Comelli hatte ihm erwidert, daß er ihm nur als Bräutigam Valerias erlauben würde, wieder einen Fuß in sein Haus zu setzen; wenn Frau Klara 3 5 — ee ee eee eee ccc r e mit jener Heirath nicht zufrieden sei, um so schlimmer für sie, seine Tochter verdiene es, mit offenen Armen in einem Hause aufgenommen zu werden, und anders würde er ihre Hand niemals Jemandem gewähren. Und Mario mußte sich darein fügen, fern von seinem geliebten Mädchen zu bleiben, indem er nur hoffte, daß die Zeit die Exeig— nisse klären werde. Diese Ungewißheit machte Valeria sehr traurig, und oft, wenn Ein Freund der Plastik. sie in ihre Arbeit vertieft war, rannen ihr die Thränen aus den Augen und trübten ihr den Blick; es schien ihr sehr seltsam, aber seit dem Augenblick, wo Mario nicht mehr in ihr Haus kam, dachte sie viel mehr an ihn, wie früher, und mit Hülfe des Nachdenkens in ihrem kleinen Kopfe und mit jener Divinationsgabe, die verliebte Mädchen beinahe immer haben, hatte sie bald Alles errathen, ohne daß Mario ihr etwas schrieb oder sagte. Aus einigen verstreuten Worten, aus einigen nicht damit übereinstimmenden Handlungen hatte sie sich eine Art von kleinem Roman aufgebaut und war voller 237. Hoffnung, weil sie ganz sicher war, daß ihre Vorahnung sie nicht täuschen konnte. Eines Tages hatte sie z. B. zu ihrem Vater gesagt: „Wie lange ist's schon her, daß sich Herr Mario nicht mehr sehen läßt?“ Er aber hatte erwidert: f „Darüber bin ich sehr froh, wo junge Mädchen sind, da ist's ö N 0 besser, wenn nicht zu viel junge Leute aus- und eingehen.“ Ein ander Mal war sie mit folgenden Worten herausgekommen: „Ich weiß nicht, was Frau Klara mit mir hat; wenn sie mir begegnet, sieht sie nach der anderen Seite, um mich nicht zu grüßen.“ Und ihr Vater hatte ausgerufen: „Dabei ist nichts zu verwundern, das ist so eine Hochmüthige!“ Und dabei fuhr Mario damit fort, immer vor ihrem Hause vorüber zu gehen, und sah immer in die Höhe, wie wenn er den Himmel um Rath fragen wolle, und doch hob sie niemals die 238 Augen von den verschiedenfarbigen Nelkentöpfen herauf, die sie auf dem Balkon pflegte. Er muß wohl eine besondere Leidenschaft für die Nelken haben, so redete sie sich selber ein und dachte sich damit zu täuschen, aber ihr kleines Herz wiederholte ihr statt dessen unablässig: „Die Nelken interessiren ihn eigentlich gar nicht, sondern er geht nur vorüber, um ein gewisses, blondes Köpfchen zu sehen, das man häufig mitten aus den Pflanzen auftauchen sieht. Frau Klara will vom blonden Köpfchen aber nichts wissen, und der Papa will von Frau Klara nichts wissen, deshalb empfängt er Mario im Hause nicht, so muß es wohl sein, oder vielmehr: so ist es, dar⸗ über ist gar kein Zweifel.“ Gut, gut, nun weiß ich Alles, sagte das junge Mädchen, und schlug mit triumphirender Miene die Hände zusammen, und stand, so oft sie nur konnte, auf dem Balkon, weil ihre Blumen ihr so gefielen, und wußte sich geliebt und glücklich; für den Augenblick verlangte sie nicht mehr. VII. Man befand sich im Anfang des Jahres 1866 und Gerüchte vom Kriege liefen in Italien um. Diese Gerüchte setzten die Be⸗ völkerung der ganzen Halbinsel in Bewegung, aber besonders die— jenige Venetiens, die auf eine nahe Befreiung hoffte. In Venedig war die Erregung allgemein und um so intensiver, als jenes von Natur mittheilungssüchtige Volk sich zusammennehmen und die Er⸗ regung bei sich verborgen halten mußte, um Oesterreich, das es unterdrückt hielt, keinen Grund zum Verdacht zu bieten. Dennoch las man auf allen Gesichtern die verborgene Hoffnung und die großen Ereignisse, die sich vorbereiteten, schwebten in der Luft. Der Gon⸗ dolier wagte es im Schweigen der Nacht manchmal, irgend einen von jenen Gesängen anzustimmen, die er im Jahre 1849 gesungen, und ihm war's, als lebten sie in jenen Tagen der Begeisterung und der Hoffnungen wieder auf. 1 In den Cafes plauderte man leise, und die Freunde wechselten ausdrucksvolle Blicke, in den Salons las man heimlich die Journale, die aus der Lombardei kamen, machte Kommentare dazu, und die Damen bereiteten mit bebenden Herzen Banner und Kokarden in den Nationalfarben vor. Alle erinnerten sich der Opfer von 1848, der Enttäuschungen von 1859, hielten sich besserer Tage vergewissert, und keiner dachte mehr an sich oder an Privatangelegenheiten; der Gedanke an das Vaterland absorbirte alles. Frau Klara blickte auf diesen ganzen Wirrwarr mit scheelem Auge; auch sie war Italienerin bis in die Tiefe ihres Herzens, aber sie liebte ihren Sohn noch mehr als das Vaterland und diese Liebe machte sie furchtsam und klug. Sie sah Mario ganz erfüllt vom Enthusiasmus für die Sache der Freiheit, sich in den Dis— kussionen erhitzen, nur noch von den Nachrichten leben, die aus den erlösten Provinzen kamen, und zitterte davor, daß ihm der Gedanke kommen könne, die Waffen zu ergreifen und hinzugehen, um für sein Land zu kämpfen. Sie konnte Adelaide Cairoli nicht begreifen, die alle ihre Söhne in den Krieg schickte, sie bewunderte sie, wie eine Heldin, aber sie sagte von ihr, daß sie kein Mutterherz haben könne. Hätte sie viele Söhne gehabt, sie hätte sich darein gefunden, wenn auch immer blutenden Herzens, einen davon ausziehen zu sehen, aber da sie nur einen einzigen hatte, fühlte sie, daß sie das niemals würde überstehen können. Sie suchte in allen ihren Gesprächen mit ihrem Sohn diesem beizubringen, daß es seine Pflicht sei, sie nicht zu verlassen, daß auch der Staat die einzigen Söhne respektire und sie nicht unter die Waffen rufe; dann, daß das Alles vielleicht nur Wallungen des Kopfes wären, und daß man nichts ausrichten werde, und endlich, daß die Sache, wenn sie überhaupt reif sei, gelingen werde, einer mehr oder weniger aber dabei nicht zähle. Mario begriff das Ziel der Gespräche seiner Mutter, aber ob— gleich er entschlossen war, sein Blut für das Vaterland zu vergießen, wollte er es doch nicht thun, wenn er nicht auch die Nothwendigkeit davon einsähe, und seiner Mutter nicht ohne Nutzen einen derartigen Schmerz bereiten. So lange es sich nur um müßiges Geschwätz handelte, verhielt er sich ganz ruhig, am Tage aber, wenn aus dem Geschwätz Thaten werden würden, wollte auch er seine Pflicht thun, aber inzwischen fuhr er fort, sein gewöhnliches Leben weiterzuführen, und die Ereignisse abzuwarten. Frau Klara, die ihn bisweilen so ruhig und gleichmüthig sah, tröstete sich damit, daß sie dachte, der Gedanke wäre ihm noch gar sandten ihnen zum Geschenk Futterale mit Fingerhut, 9 Scheere, um zu beweisen, daß sie sie als schwache Weibsbilder be⸗ trachteten, und daß diese Geräthschaften sich am besten für sie ziemten, wo sie nicht einmal die Flinte ergreifen wollten, um ihr Vaterland nicht einmal in den Kopf gekommen, sie zu verlassen, und vielleicht wäre es nun gut, daß sie ihn an alle Bequemlichkeiten gewöhnt und mitten in aller Sorgfalt aufgezogen habe, denn so würde er sich wohl zweimal bedenken, ehe er die Annehmlichkeiten seines Hauses und die Sorge einer liebenden Mutter verließ, um ins Feld hinaus⸗ zulaufen, schlecht zu essen und auf der nackten Erde zu schlafen; wenn es möglich war, umgab sie ihn mit noch neuer Sorgfalt und suchte ihm das Haus noch angenehmer zu machen, damit ihm der Gedanke, sie zu verlassen, unerträglich würde. Inzwischen rückten die Ereignisse vor, die Wahrscheinlichkeiten eines Krieges vermehrten sich oder hatten sich vielmehr zur Gewißheit um— gewandelt. Wie der Dampf, der in der Luft sich verflüchtigt, ein Nichts ist und man nur einen leisen Hauch davon spürt, und wenn er verdichtet und zusammengedrängt ist, zu einer mächtigen Kraft wird, so hatten sich die anfangs vereinzelten und schwachen Ideen, Stimmen und Wünsche vereinigt und bildeten jetzt eine furchtbare Macht. Keiner hätte mehr gegen den Willen eines ganzen Volkes anstürmen können, gegen die Wünsche einer Gesammtnation, die von Neuem eine erste, noch schwache Hoffnung heraufdämmern sah. Der! 1 Krieg war unvermeidlich. N Aus den venetischen Provinzen zogen sie fort, allein, in kleinen Haufen, in großen Schwärmen, die jungen Leute und bildeten ganze Regimenter. Die Frauen beneideten die Männer, die in den Kampf ziehen konnten, und blickten diejenigen mit Verachtung an, die saum⸗ selig zurückblieben, ohne den Muth zu haben, davonzurücken, und 75 zu befreien. Auch Mario hatte seinen Entschluß gefaßt; eines Morgens beim Herausgehen aus dem Hause sagte er zu Frau Klara, daß er drin⸗ gende Arbeiten außerhalb der Stadt habe, und daß er vielleicht zur Essenszeit nicht zurück sein würde. Manchmal war er gewöhnt, draußen zu speisen, so daß diese Worte keinen besonderen Eindruck auf Frau Klara machen konnten, dennoch konnte sie nicht umhin, ihm mit einem fragenden Blick fest in's Gesicht zu sehen. „Es sind die Brückenarbeiten, von denen ich Dir neulich ge— sprochen habe,“ erwiderte Mario, ohne sich zu verfärben. In der That war seine Miene ruhig, und über seine Lippen glitt das gewohnte Lächeln. „Beeile Dich also, so viel Du kannst,“ fiel die Mutter ein, „wenn ich Dich nicht sehe, so bin ich immer unruhig.“ Dann dachte sie, kaum daß Mario hinausgegangen:„Welch' große Närrin ich doch bin, mir gehen gewisse Gedanken durch den Kopf, die nicht einen Schatten von Berechtigung haben.“ nahm ihre gewöhnlichen Beschäftigungen wieder auf, aber sie war etwas unruhiger und erregter als gewöhnlich. Zur Essensstunde kam Mario nicht zurück; er hatte es ihr ja gesagt und sie konnte sich daher kein Kopfzerbrechen darüber machen, aber, als sie ihn auch am Abend noch nicht einmal kommen sah, fing sie an, sich ernstlich zu beunruhigen. Sie ging in sein Zimmer, aber dort gab es gar nichts Neues, alles befand sich auf der ge⸗ wöhnlichen Stelle, nur, war es ihr sehr auffällig, den Schreibtisch so ganz in Ordnung zu sehen, wie wenn er niemals etwas daran zu thun gehabt hätte; diese Ordnung erweckte Verdacht bei ihr, und ihr Herz begann vor Unruhe zu klopfen, ie wendete den Blick nach überall hin und bemerkte nun auf der kleinen Komode einen Brief ohne Adresse. Sie war gewohnt, an alle Papiere, die ihr Sohn in seinem Zimmer ließ, Hand zu legen, aber diesen Brief zu öffnen, wagte sie doch nicht, sie hätte geglaubt, sich die Finger dabei zu verbrennen; da sie aber Mario nicht wiederkehren sah, dachte sie, die Ungewiß— heit sei schlimmer als alles und wagte es, den Briefumschlag zu zerreißen. Es waren wenige, an sie gerichtete Worte, in denen Mario ihr seine Absicht anzeigte, die Waffen zu ergreifen für die Befreiung seines Vaterlandes und sie bat, sich wegen seiner Entfernung nicht zu betrüben, ihm zu verzeihen, ihm ihren Segen zu geben und guter Hoffnung zu leben, daß alles gut ausgehen werde. Frau Klara las diesen Brief immer wieder und wieder, sie meinte, ihn nicht zu verstehen und verblendet zu sein, dann, als sie dadeln und Und sie Pc „ 5 . 2 2 e ccc 77 239. eit ahnt e er uses mus. en; und der eines um⸗ ein wenn ut deen, kbar. lk von Der 9 einen ö n amp f fun. d und 1 r be. uten, rand“ bein drin, t zur diese unten, c fes 0 g Lippen b ein, Welk“ 0 den nd s e e wt ihr 1 lache, . ful, 0 imme, det ge⸗ eilt Dan i ih, n Bk einen feinen wahle ennel; eu 59 1 flo it fein 0 ict f an. un“ F de, se. al sich die volle Wahrheit in ihrem Hirn klar machte, fühlte sie, wie ihr ein Schauer durch die Adern rann, wie ihr Blick sich verdüsterte und ihrer Besinnung beraubt, fiel sie auf Mario's Bett nieder. In diesem Zustande fand sie endlich die Kammerfrau, die sie durch das ganze Haus gesucht hatte, und ließ den Arzt rufen, der bei ihr alle, von der Wissenschaft eingegebenen Mittel anwendete, und für den Augenblick ließen diese sie wieder in's Leben zurück— kommen. Aber sie wurde von einem so heftigen Fieber ergriffen, daß sie für etliche Tage zu Bette bleiben mußte, dann erst besiegte es ihre körperliche Kraft und sie erhob sich geheilt, aber mit schmerz— zerrissener Seele. Sie weinte den ganzen Tag, sie wanderte durch ihr Haus, das ihr wie eine Wüste erschien, und tausend bange Sorgen regten sie beständig auf, sie hatte noch keine Nachrichten vom Sohn gehabt, und sie wußte nicht, ob er sich in Sicherheit befand, auch ihren Schmerz mußte sie geheim halten, und durfte mit Niemandem da— von sprechen, aus Angst, daß die Regierung das Fortgehen ihres Sohnes erfahren und ihm auf die Spuren kommen werde,— die arme Frau war wie wahnsinnig. Sie hatte erfahren, daß Mario zusammen mit Arrigo fort— gegangen sei, aber da sie zu Valeria nicht in guten Beziehungen stand, hatte sie auch nicht den Muth, sie um Nachrichten zu bitten. Endlich gelangten auf privatem Wege zwei Zeilen an sie, die in Eile mit dem Bleistift hingeworfen waren. Er war in Sicher— heit gekommen und befand sich wohl. (Fortsetzung folgt.) Lose Blätter. Unsere Illustrationen. Otto J. von Bayern, dessen Bildniß wir den Lesern vorstellen, gehört zu den Königen, welche niemals den Thron besteigen. Sein Reich liegt im einsamen Schloß Fürstenried und schwerlich wird er diesen Aufenthaltsort mit einem andern vertauschen als mit der Gruft seiner Väter. König Otto, der jüngere Bruder Ludwigs II., wurde in München am 27. April 1848 geboren und widmete sich der militärischen Laufbahn. An den Kriegen der Jahre 1866 und 1870 nahm er als bay⸗ rischer Offizier Theil und erhielt nach dem Krieg in Frankreich das eiserne Kreuz. Bald darauf wurde er zum Inhaber des fünften Chevauxlegers— Regiments und General der Kavallerie ernannt. Wie sein Bruder, so war auch Prinz Otto durch männliche Schönheit und reiche Geistesgaben aus— gezeichnet, allein bald nach dem deutsch-französischen Kriege zeigten sich Spuren einer Geisteskrankheit, welche rasche Fortschritte machte. Zuerst wurde der kranke Prinz auf Schloß Nymphenburg, in der Nähe von München, von jedem Verkehr abgeschlossen und der ärztlichen Pflege anheimgegeben. Als er hier aber in einem unbewachten Augenblick von dem Balkon des Schlosses herab Chevauxlegers, welche auf dem Schloßhofe standen, zur Hilfe aufrief und diese flehentlich beschwor, ihn doch aus der Gefangen⸗ schaft zu befreien, wurde der Kranke auf das einsame Fürstenried geschafft. Hier empfing er die Nachricht vom Tod des königlichen Bruders und von seiner Erhebung zum König von Bayern, allein die Botschaft durchdrang kaum feine Geistesnacht. Wenn man den jüngsten Nachrichten Glauben schenken darf, so schreitet der körperliche Verfall des neuen Königs rapide fort und bald wird derselbe seinem Bruder in die Gruft nachfolgen. a „Ein Freund der Plastik“ nennt der Genremaler H. Bolz sein Bild. Die dargestellte Scene ist leicht verständlich. Ein Gipefigurenhändler bietet im Wirthshaus feine Figuren zum Kaufe aus. Das Bäuerlein hat ein besonderes Gefallen an den schönen Körperformen einer Venus, während seine Gattin den Friedensengel anständiger findet. Die, hübsche Kellnerin blickt auf den neckischen Cupido und den jugendlichen Händler. Der Maler läßt es unentschieden, ob der Cupido oder dessen Verfertiger der frischen Dirne mehr in die Augen sticht. R. E. Eine phrenologische Reminiscenz. Als vor einigen Jahrzehnten die phre— nologischen Studien, über die man jetzt zu lächeln pflegt, eine große Rolle spielten, hielt ein Dr. King in der„Brighton litterary aud scientific institution“ einen Vortrag über Phreuologie und deren immensen Nutzen. Schon jetzt, sagte er unter Anderem, fängt man in England an, den großen Vortheil dieser Wissenschaft einzusehen, und diejenigen Leute, welche an ihrer eigenen Besserung arbeiten, betasten sich fleißig die Köpfe zu deut⸗ licherer Selbsterkenntniß. Die Aeltern werden aufmerksam auf die Fehler ihrer Kinder und gründen die Leitung ihrer Erziehung auf eine solidere Basis, als dies bisher möglich war. Die Menschen schließen nur noch Freundschaften, wenn sie 15 Hirnschädel mit einander übereinstimmend gefunden haben. Und die Richter bestimmen die Strafe je nach Bildung des Kopfes ihrer Inculpaten. Wie lächerlich müssen Euch Euere Aeltern und Erzieher vorkommen, die sich abmühten, durch sorgfältige und lang⸗ jährige Beobachtungen Euere natürlichen Anlagen und Fähigkeiten zu ent⸗ ecken, während sie ein einziger Griff unter Euere Haare darüber hätte in's Klare bringen können. Die, welche auf Freiersfüßen gehen, werden in Zukunft nicht Jahre lang in Zweifel sein, welche unter den Schönen sie wählen, welche sie verwerfen sollen, da, wenn nur erst das Gebäude der ganzen menschlichen Gesellschaft auf gesunde phrenologische Principien be⸗ gründet ist, jedes junge Mädchen, welches Lust zu der Partie hat, ihr Köpfchen dem Heirathslustigen darbieten wird, um ihm ihre guten Facul⸗ täten handgreiflich zu beweisen.„Ich sehe schon,“ schloß Dr. King seinen Vortrag,„das aufgeklärte Jahrhundert nahen, wo jedem Richter es zur Pflicht gemacht werden wird, seinem Verbrecher vor allen Dingen den Kopf zu befühlen, und wo man es nicht mehr begreifen wird, daß es eine Zeit gab, in der man sich, wie jetzt, damit begnügen konnte, blos den Verbrecher zu fragen:„What is your name?“—„Where are you born?“— „What is your profession?“— Wie leicht, wie klar, wie einfach wird dann die Antwort auf viele Fragen sein, auf die man jetzt vergebens eine Auskunft sucht! Wie einfach wird das ganze gesellige Leben werden! Ich bringe diesen schönen gemischten Kopf, der mit besonderer Sorgfalt ge— arbeitet ist, dem Sir Robert Peel zum Geschenk. Und ich werde es ihm 11 Pflicht machen, ihn in seinem Arbeitszimmer aufzustellen und alle korgen, ehe er an die Geschäfte des Regierens geht, einmal mit der Hand darüber hinzufahren, um die Hauptpunkte, welche er beim Regieren eines solchen Nationalkopfes zu beachten hat, nicht aus den Augen zu ver⸗ lieren. Ich habe hier ganz kleine Copieen desselben Kopfes bei mir, die ich Ihnen, meine verehrten Anwesenden, schenken will und die Sie auf Ihren Reisen, damit sie Ihnen in vorkommenden Fällen aus der Verlegenheit helfen mögen, immer in der Westentasche tragen können, wie Reinhold, das Wunderkind, seine drei Bärenhaare, seine drei Adlerfedern und seine drei Fischschuppen bei sich trug. 8 Franz Drake brachte bekanntlich die Kartoffel 1580 aus Virginien nach England, wo sie die Königin Elisabeth am Weihnachtstage desselben Jahres zuerst auf ihrer Tafel sah. In ganz Deutschland hat sie zuerst Berlin, und zwar schon vor 1651, gezogen. Aber nur allmählig ward sie als Volksnahrung im Großen benutzt. Friedrich Wilhelm I. von Preußen wendete sie für den Unterhalt der Armen und Kranken in der Charité an, und wollte sie auch in Pommern einführen, wo er aber die Vorurtheile der Pommern mit Gewalt unterdrücken mußte. Die Geistlichen mußten nun für die Kartoffeln predigen, wie einst gegen die Perrücken und den Taback. Selbst als Friedrich II. im Jahre 1744 unentgeltlich in Pommern Saatkartoffeln vertheilen ließ, hatte dies keinen sonderlichen Erfolg.— In Schlesien mußte der dort dirigirende Minister, Graf Schlabrendorf, in den ersten Jahren des siebenjährigen Krieges die Domänenbauern durch Exeku⸗ tion zum Anbau der Kartoffeln nöthigen. Ja, noch im Jahre 1763 befahl Friedrich II. den Kammern, durch Landdragoner darauf zu sehen, daß die Bauern Kartoffeln pflanzten Schlabrendorfs Bemühungen wirkten aus Schlesien nach Böhmen hinüber. Noch später geschah die Anpflanzung der Kartoffeln in Frankreich, wo Turgot in Jahre 1761 als Intendant von Limoges die Aufforderung dazu erließ. Und noch vierzehn Jahre später erachtete Adam Smith in seinen„Untersuchungen über den, Nationalreich— thum“ die Empfehlung des Werthes der Kartoffeln gegen die des Weizens und des Reis für Großbritannien nicht für unnöthig.„Sollte,“ sagte er, „diese Wurzel jemals in einem Theile Europas, so wie der Reis in einigen Ländern, das allgemeine und beliebteste vegetabilische Nahrungsmittel des Volkes werden, so würde die Volksmenge wachsen und die Landrenten weit höher steigen, als sie zur Zeit sind.“ AI. In China besteht die Prophezeiung, daß eine Tochter des himmlischen Reiches von einem Ausländer einen Sohn gebären werde, der zum Ver⸗ räther seines Vaterlandes bestimmt sei, so daß es den Fremden anheim⸗ fallen müsse. Lange Zeit durfte deshalb keine Chinesin die Grenzen über⸗ schreiten und diejenige, welche einem Fremden ihre Gunst gewährte, war dem Tode verfallen. Erst im Jahre 1831 wurde das Gesetz aufgehoben. W. G. Der ersten Polizeispione, 1 St. Aulaire in seiner Geschichte der Fronde, bediente sich der Cardinal Mazarin gegen den Prinzen von Conde; die Sache war jedoch damals so neu, daß man Niemanden als Leute, die bereits zum Galgen oder zur Galeere verurtheilt waren, zu dem Amte finden konnte, und selbst diesen mußte man Diplome ausstellen, worin man ihnen für Alles, was sie im Dienste des Minister-Cardinals ausführten, Straf— losigkeit zusicherte. W. G. Prinz Louis Armand de Conti war ungemein verwachsen. Auf einem Maskenball des Hofes erschien Jemand in derselben Maske wie der Prinz, auch mit ebenso ausgestopftem Höcker. Conti nahte sich der Maske und fragte sie, wer sie sei.„Prinz Conti!“ war die Antwort. Ohne sich dar⸗ über zu entrüsten, nahm Louis Armand seine Larve ab.„Wie man sich täuschen kann,“ erwiderte er.„Da habe ich bisher dreißig Jahre hindurch geglaubt, ich sei der Prinz.“ W. G. Weltweisheit. Man fragte einen Herru, was ihm wohl hauptsächlich seinen großen Ruf als ausgezeichneten Weltmann eingetragen habe. Die Antwort war:„Ich habe es verstanden, mich, wenn es erforderlich war, in Frauen von vierzig Jahren zu verlieben, und Greisen von achtzig zuzuhören.“ W. G Valentin Tschudi, Pfarrer zu Glarus, trat 1750 zur reformirten Kirche über. Man sagte ihm, er solle seine Stelle niederlegen; er erwiderte:„Nein, ich werde den Gottesdienst für die Katholiken wie nach Zürcher Sitte halten.“ Er that dies, wedhalb mau über seine Ruchlosigkeit großes Ge⸗ schrei erhob; doch ruhig erwiderte er den Erbosten:„Glaubt Ihr denn, wenn man des Morgens die Messe liest und des Abends reformirt predigt, man könne dann nicht den ganzen Tag ein guter Christ sein?“ W. G. —— 550 1 . 9 13 Rösselsprung. und und weiß len ner ei⸗ ro⸗ schwer le⸗ brül⸗ recht wenu ihr be- kam⸗ her⸗ oft⸗ kat⸗ stra⸗ was bens sei⸗ ja hes ner und von quä— un⸗ durch ich zen⸗[ßen un- trun⸗ mer ze let mor- wah— hör“ mals sers die in nie- bit⸗ sie ihn dem weh nennt ganz ten haft der- ter mer dank ken uns gens ren un⸗ grau'n schen nen, 0 recht fällt thun ju⸗ den ge- er's kopf⸗ sai⸗ die die ver- jam⸗ in⸗ und such ren nen ren tie⸗ men⸗ ken⸗ nern len bens un- ri⸗ schmer- zen-[fen heu- ci⸗ fei⸗ nur sie schen im zen- ich mer mi- katzen⸗] kat⸗ schwe⸗ stil⸗ ge⸗ uns en die e ze jam⸗ thun zart men⸗ ver⸗ kat⸗ au⸗ 0 wir Räthsel. Nimmst du das letzte Zeichen fort Und giebst ihm vorne seine Stelle, So findest du auf alle Fälle Sofort ein neues, andres Wort. (Ein Verhältnißwort— Einen Nebenfluß der Donau). Räthsel. Mit Ehrfurcht werd' ich oft genannt, Und diene dann in manchem Land Dem Menschen als die schönste Zier, Die aber Weiber stets vermissen, Doch mag sie's eben nicht verdrießen. Man schwört auch öfters wohl bei mir; Doch Vielen bin ich eine Plage Und um mich rennt dann alle Tage Ein Menschenkind von Ort zu Ort, Und säbelt mich mit Freuden nieder, Und trägt mich sans fagon mit fort Doch alle Tage kehr' ich wieder.— Fehl' ich an einem Instrument, Das Jeder von Euch Lesern kennt, So kommt ihr nicht in's Haus hinein, Und müßt dann nach dem Wächter schrein. Auflösung der zweisilbigen Charade in voriger Nummer: Grabschrift;— des Silben-Räthsels: In diesen heil'gen Hallen kennt man die Rache nicht. 1. Isaak. 2. Natalie. 3. Degen. 4. Insekten 5. Erft. 6. Sodom. 7. Elba. 8. Neptun. 9. Herold. 10. Efendi. 11. Invektive. 12. Luther. 13. Georgia. 14. Erec. 15. Nazareth. 16. Henriade. 17. Augen. 18. Lodi. 19. Languedoc. 20. Erich. 21. Nordbrabant;— des Räthsels: Bernstein;— des Buchstaben⸗Räthsels: A sr 15 in e a me E 8 Na de I h OI Uri seIAe Oos 7 1 ö SIe Fzsesh ni 6 a ron ne 11 2 t n Problem Nr. 403 von F. Hofmann in München. Schwarz. A Mi ee e 4, 0 8 5 e, W Weiß. Weiß zieht an und setzt mit dem vierten Zuge Matt. Das vorstehende Problem ist einem Werkchen entnommen, das kürzlich unter dem Titel 101 ausgewählte Schachaufgaben von F. Hofmann in dem Verlage von M. Rieger in München(Universitätsbuchhandlung) erschien. Die Auswahl der Pro⸗ bleme— zum weitaus größten Theile Drei⸗ und Vierzüger— ist eine sehr sorgfältige. Der originelle Ideengehalt und die sehr geschickte Ausführung der Probleme machen das Studium derselben für den Kenner ebenso genußvoll wie für den Anfänger lehrreich. Die Sammlung, welche für den sehr mäßigen Preis von Mark 1,50 zu beschaffen ist, sollte in der Bibliothek keines Problemfreundes fehlen. D N D J N N b Auflösungen. Problem Nr. 384 von J. Bayersdorfer in München. Weiß: Kd7, Dh, Lhi, Sfa, Bbs, es, f5, g5, h. Schwarz: Khę, Bb. 1) Kd7-ds! Kh2—g3 2) Dhb7-a7 Kg3—f4: 3) Da7- gl KA- e5 4) Dg1-es Ke5- dé 5) e4—e5f Varianten: 2).. Kg4 3) Df2 K gs: 4) Dg3rT K le(hé:) 5) Dg7(ge) Matt. 2).. Kha 3) Dez Kgal 4) Sgs Khö 5) Lis Matt Die übrigen Vertheidigungszüge gestatten eine Mattführung in vier Zügen: 1).. K gl 2) Dart KtI(hi) 3) Daz 4) be resp. g2 Matt und 1).. Khi: 2) Daf Kh2 3) Df2 4) Dge Matt.— Die Idee des Königsmarsches liegt bier in einer Ausführung vor, die vor derjenigen der Nr. 79 der Kohtz und Kockelkorn'schen Sammlung wesentlich verschieden, sich durch 1 Einfachheit auszeichnet und den Vorzug eines prächtigen ideegemäßen Einleitungszuges besitzt.— Angegeben von W. Kron in B. Problem Nr. 394 von C. May in Braunschweig. 1) Dhꝰ/-c7: Sbs- d7 2) Lh5—g4 Ses bõ 3) Der- c Kd5-es: 4) 134—faf f Varianten: 2).. Kei 3) Deéf Sds 4) 2—f3 Matt. 2).. 847 zieht 3) Ddet 4) Deß resp. 5 Matt. 2). beliebig 3) Dbzf 4) Db! Matt. Das bedeutendste Nebenspiel ergiebt sich aus dem Gegenzuge 1).. See, nämlich 2) Lf3 7 Ses! 3) Db! 4) Des resp. 7 Matt und 2).. Ke: 3) Dbtz 4) Dob oder b Matt. Auf beliebige andere Züge folgt das Drohspiel 2) Lig f 3) DPf7 Matt.— Die Lösung wurde angegeben von W. Kron in B., Dr. Wehr⸗ meister in M., H. Hundt in A. und F. Osten in G. Problem Nr. 395 von W. Steinmann in Parchim. 1) De5—bs Ke bõ 2) Lb7-es Kbö5- cé:(a6, 4) 3) b4—b5(Db7, bö5)f 7 Varianten: 1).. cbt: 2) La6 f Keß 3) De7 Matt. 1).. Kb: 2) Leef 3) giebt Matt. Die Pointe des Problems liegt wesentlich im 8. Wehen— Angegeben von F. Osten in G, W. Kron in B., Dr. Voelkel in M., Dr. Wehrmeister in M., H. Hundt in A., C. Roys in H. Aus der Schachwelt. Chess Players Chronicle berichtet von dem enthusiastischen Empfange, der Dr. Zuker⸗ tort bei seiner Rückkehr aus Amerika im City ok London Schachklub zu Theil wurde und ihm zu der solgenden Ansprache Veranlassung gab:„Meine N vor etwa sieben Mo⸗ naten erwiesen Sie mir die Ehre, mir in diesem Club ein Fest zu geben. Ich war im Be⸗ griffe nach Amerika abzureisen, um mich in einen schweren Gegner einzulassen. Der Erfolg des Kampfes hat vielleicht Ihren Erwartungen nicht ent⸗ sprochen, aber ich wünsche nicht hier Entschuldigungen vorzubringen. Im Gegentheil drängt es mich, Ibnen zu sagen, daß ich mich seitens der Amerikaner der zuvorkommendsten und gastlichsten Aufnahme zu ersreuen hatte. Ich wünsche auch zu sagen, daß mein Gegner von Anfang an bis zu Ende in durchaus ehrenhafter Weise handelte. Ich liebe die Amerikaner, ich war mit meinem Gegner zufrieden, aber ich kann nicht sagen, daß ich von den Ver⸗ änderungen des Klimas, die ich durchzumachen hatte, entzückt gewesen wäre. Unter den See⸗ winden in New⸗York befand ich mich durchaus wohl, aber in St. Louis, im Innern des Continenis, fühlte ich mich weniger behaglich, und zu New⸗ Orleans, im Busen von Mexiko, gab meine Constitution völlig nach(I siraplx broke down). In New-ork stand ich 4 zu 1, in St. Louis wurde unser Stand ausgeglichen und in New Orleans gänzlich gegen mich gewendet. Der Wechsel des Klimas stellte natürlich meinen Gegner auf eine ebenso harte Probe, die Anstrengung war die gleiche für uns beide, und ich gestehe gern zu, daß mein Gegner die Feuerprobe besser bestanden hat als ich. Ich hoffe indessen, daß wir in nicht allzulanger Zeit wieder zusammentreffen werden, um unsere Geschicklichkeit im Schachspiel, nicht unsere Constitution, zu erproben, und ich hofse, daß diese Probe auf englischem Boben, * ettkampf mit einem furchtbaren unter Umständen, die uns beiden gleich angenehm und gleich günstig find, stattfinden werde“ Druck und Verlag der„Volts-Zeitung“, Akt-Ges in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105. — ... A—.