2 ee— 2 zu den Oberhessischen Uachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Ur. 17. Gießen, den 25. April. 1886. — EE E e ee eee „Laß es heute sein,“ flüsterte Eduard ihr zu.„Du bist unbarm⸗ herzig, Adeline, warum zögerst Du so lange, mich glücklich zu machen?“ Sie sah ihn mit einem zerstreuten Lächeln an und antwortete erst, als er dringender wurde.„Das Versprechen, das ich Dir ar heute auf Dein Drängen gäbe, müßte ja in Deinen Augen die 7 Hälfte seines Werthes verlieren. Warte doch, daß ich es Dir im 441 Drange des Herzens gebe. Die Zeit wird ja kommen; aber heute 25 fühle ich eine gewisse Angst davor, mich schon für das Leben zu 1 binden; ich bin noch so jung, Eduard, noch nicht zwanzig Jahre + 5 alt, und die Gegenwart ist so schön. Sind wir nicht glücklich in dem gedankenlosen Dahinleben? Warum willst Du Alles in feier— „lichen Ernst verkehren und tausend Fragen über Etablissement und Einrichtung anregen, die unsere poetische Sorglosigkeit recht in die Lebensprosa hinunter ziehen.“— 16˙„Du liebst mich nicht,“ murmelte er und erbleichte. „Das ist immer der Refrain und die Schlußfolgerung,“ ent— gegnete sie ungeduldig.„Denke Dir doch selbst, wie es morgen sein wird, wenn wir uns heute verloben. Wir werden nichts mehr zu hören bekommen, wie Ausstattung und Mitgift; Deine Mutter wird die schweren Stücke Leinwand aufmarschiren lassen, so hoch aufgeschichtet, daß sich kaum mehr unsere Blicke begegnen können, — mein Vater wird rechnen und Tag und Nacht keine Ruhe haben, * bis mein mütterliches Vermögen mir bei Heller und Pfennig aus⸗ 5 gezahlt ist; und wir werden in dies Durcheinander hineingezogen * und können dieser flachen Prosa nicht mehr entrinnen. Sehen wir uns jetzt nicht ungehindert, so oft wir wollen, und umweht und schützt uns nicht der Reiz des Geheimnisses vor allen unbefugten Einmischungen?“ Er sah sie zärtlich an und drückte ihre kleine schmale Hand. „Wenn Du nur einen Zeitpunkt festsetzen wolltest,“ flüsterte er ihr mit heißem schnellem Athem in das niedliche Ohr. „Warte nur den Frühling ab, dann sollst Du sehen—“, sie beendigte den Satz nicht; ihr Blick fiel auf die geöffnete Flügel— thür, in der zwei Herren standen, der eine der Landrath des Kreises, Graf Lübken, und der andere, mit dem er sich eifrig unterhielt, ein Fremder,— wohl für Adeline kein Fremder, denn sie erbleichte und ihre Lippen bebten. Eduard van Mossel war ihre Bewegung J nicht entgangen. 5 „Was ist Dir?“ rief er und folgte der Richtung ihres Blickes. „Man ist durch die häufigen Theaterbrände, von denen man täglich in den Zeitungen liest, ganz nervös geworden. Ich glaubte da unten eine gewisse Aufregung und erschreckte Gesichter zu be— merken und dachte schon, wir wären von Flammen eingeschlossen,“ antwortete sie mit einem erzwungenen Lachen. Sie beobachtete, wie Die Stiefmutter. Roman von M. Elton. (Fortsetzung.) der Landrath den Fremden verschiedenen Damen und Herren vor— stellte, auch ihrem Vater; sie sah, wie die feurigen Augen des eleganten hochgewachsenen Mannes sie suchten und wie er dann in Begleitung ihres Vaters auf sie zukam. Er verneigte sich tief vor dem freudig erröthenden Mädchen und reichte ihr darauf die Hand. Eduard van Mossel war rasch aufgestanden und hatte sich entfernt und der Fremde nahm seinen Platz ein. Adelinens schöne Augen strahlten in einem nie gesehenen Glanze, als er sich im leisen, ver— traulichen Gespräch an sie wandte.— Der Gutsbesitzer suchte seine Frau, die mit einigen Herren und Damen in einen anderen Saal gegangen war, um der Hitze im Tanzsaal zu entgehen. Er näherte sich ihr mit geröthetem Gesicht und nahm ihren Arm, sie in den Tanzsaal zurückzuführen. N „Lord Graham, eine Bekanntschaft meiner Adeline von vorigem Winter in Berlin, möchte Dir vorgestellt sein,“ sagte er hastig. „Ich wollte ihn nicht alle diese Zimmer passiren lassen, um so viel wie möglich Aufsehen zu vermeiden; es wird schon ohnedies schnell genug bekannt werden, warum er gekommen ist.“ Julia sah ihren Mann fragend an. i „Ja, ja; der Lord kommt mit der Absicht hierher, Adeline zur Lady Graham zu machen,“ versetzte Lindner erregt. Er zog Julia so schnell durch die Räume, an so vielen Menschen vorüber, daß sie kein Wort auf die außerordentliche Neuigkeit zu erwidern ver— mochte. Der Lord kam dem Gutsbesitzer entgegen und als er vor der jungen Frau stand, sah er, wie sie ihr todtbleiches Gesicht hinter dem Fächer zu verbergen suchte. Auch über Lord Graham's Ge— sicht glitt es, als wäre er etwas Unerwartetem begegnet, er faßte krampfhaft den dunkeln Schnurrbart, warf einen prüfenden Seiten— blick auf den Gutsbesitzer, und als dieser ahnungslos Julia's tödt⸗ liches Erschrecken nicht wahrgenommen, gewann auch der Lord seine ganze Sicherheit wieder. „Die Luft ist erstickend hier, gnädige Frau,“ sagte er rasch; „erlauben Sie, daß ich Sie wieder zurück in die kühleren Räume geleite.“ Sie wußte nicht, was sie that; sie legte den bebenden Arm in seinen zuvorkommend dargereichten. Lindner folgte lächelnd den Beiden auf dem Fuße. „Kein Zweifel, Du bist's, Julia,“ stieß er zwischen den Zähnen hervor, während kein Zug seines Gesichtes die innere Aufregung verrieth,„ich bitte Dich, keine Szenen; Du könntest Dir nur schaden und mich würdest Du dem Verderben anheimgeben.“ „Ich muß Dich sprechen, unverzüglich,“ flüsterten ihre bleichen Lippen bebend;„aber wo? um Gotteswillen, wo?“ „Ich habe es Herrn Lindner schon gesagt, ich werde morgen Nachmittag ihm einen Besuch machen, da kannst Du mich ja sprechen.“ 130 bitte Dich,“ bat sie dringend. „Wenn Du nur vernünftig sein wolltest, Julia! Also morgen in Mandsfelt, wo willst Du mich sprechen?“ „Es ist ein Tannenwäldchen an dem Wege dahin; da erwarte ich Dich, nachdem Du Mandsfelt verlassen haben wirst.“ „Sie können nicht weiter, Lord Graham, hier hören die Zimmer auf,“ rief der Gutsbesitzer, als die Beiden in dem raschen kurzen Gespräch an eine geschlossene Portiere herangetreten waren, die aber keine Thür umkleidete.„Du bist wirklich sehr bleich, liebe Julia; Du bist so wenig an's Tanzen gewöhnt.“ „Ich möchte nach Hause,“ sagte Julia in einer auffallenden Hast.„Frau van Mossel fährt eben zurück, ich möchte mit ihr gehen; sie wird mich im Vorüberfahren in Mandsfelt absetzen.“ Lindner war verdrießlich; aber er konnte Adeline nicht zumuthen, jetzt schon den Ball zu verlassen. „Ich bedauere außerordentlich,“ sagte der Lord,„und werde mir erlauben, morgen nach dem Befinden der gnädigen Frau mich zu erkundigen.“ Als Lindner seine Frau an den Wagen begleitete, sah er, daß auch Eduard van Mossel mit dem Ueberzieher auf dem Arm die breite Treppe hinunter kam.„Du willst doch nicht schon den Ball verlassen, mein Junge? wir gehen doch zusammen,“ sagte er.— Eduard aber stieg mit den beiden Damen in den Wagen. Als der Gutsbefitzer langsam zurückkehrte, waren zwei düstere Falten auf seiner Stirne.„Der Junge wäre mir dennoch lieber als Schwieger⸗ sohn gewesen als der Lord,“ sagte er.„Die Idee ist mir immer angenehm gewesen; ich hätte meine Adeline in der Nähe behalten. Und nun fängt der Mensch an, eine Komödie zu spielen, die schlechteste, elendeste, die es geben kann. Adeline lacht mich aus, wenn ich von Eduard's Courmacherei spreche, und was sonst nicht den jungen Mädchen nachzusagen ist, sie stellt es entschieden in Abrede, daß er je gedacht hat, aus der Tändelei Ernst zu machen. Warum verläßt Eduard nun den Ball, da Julia mit Frau van Mossel nach Hause fährt? Adeline scherzt darüber und berührt dies Alles so oberflächlich, und ich bin unruhig darüber und glaube fast an ein Komplott. Julia ist von einer kräftigen Gesundheit; es ist sonst nicht Sitte bei ihr, wegen ein Bischen dumpfer Luft zu er⸗ bleichen. Hm, hm, wenn ich es so recht bedenke, so finde ich Julia sehr verändert. Ihre heitere Stimmung ist ganz verschwunden, sie ist zurückhaltend gegen mich, ja scheu, möchte ich sagen. Freilich, ich bin ein alter Mann, dessen Haare bereits grau werden. Es war damals in Baden eine Ueberrumpelung; sie sah mich, im Hinter⸗ grund die alte träumerische Ruine in der eigenartigen poetischen Beleuchtung, jung und ideal, wie den Helden eines Märchens. Ich habe es wohl bemerkt, wie bald die Enttäuschung in Mandsfelt gekommen ist, als der Vater seiner Kinder ihr in dem trüben Lichte des alltäglichen Lebens erschien. Ich bin ein alter Mann gegen das schöne blühende Weib, ja, schön ist sie, das habe ich heute Abend erfahren, zu schön für einen alten Mann. Der Jugend gefällt gewöhnlich nur die Jugend und die Huldigung des jungen enthusiastischen Dichters reißt sie mit fort,— das sehe ich nur zu deutlich— Alles abgekartete Sache heute Abend, und Frau van Mossel wird gern ein Auge zudrücken und die Leidenschaft für eine verheirathete Frau wird ihr gerade ganz gelegen kommen, so bleibt ihr der Sohn unverheirathet und sie noch recht lange die Herrin in Nauscheit. 10 In aufgeregter Stimmung betrat er wieder den T il. Er sah seine Tochter am Arme des Lords vorüberschweben un er be— ruhigte sich nach und nach. Man mußte Adeline tanzen sehen, gerade im Tanze zeigte sich so recht ihre natürliche Grazie und Anmuth. Auch der Vater war hingerissen, wie sie in einem leichten Duft von erémefarbenen Spitzen und Atlas dahinflog, mit blaß⸗ rothen Rosen das wellige schwarze Haar und die zarten blendenden Schultern geschmückt. Der Lord, der durch seine beständigen Wan— derungen ein Kosmopolit geworden war und eigentlich gar nicht an den Engländer erinnerte, bewegte sich im Tanze in dem ruhigen vornehmen Selbstbewußtsein, das ihm überhaupt eigen war. Nach— dem er Adeline zurückgeleitet, blieb er an ihrer Seite; sie schlug alle weiteren Aufforderungen zum Tanze ab, da der Lord, der gerade kein Jüngling mehr war, kaum am Tanzen Vergnügen fand. Man sprach nur von der auffallenden Erscheinung des Lords in einer Stadt, die so ferne dem Strome der Touristen lag und in die sich „Komme nicht nach Mandsfelt, thue keinen Schritt weiter, ich selten ein Fremder verirrte. Die Adelsfamilien, die mit ihren Töchtern zum Balle gekommen waren, die fünf bis sechs Stunden zurückgelegt, um hier zu erscheinen, sahen sprachlos vor Staunen, mit sichtbarem Verdruß, wie dieses Fräulein Lindner sich die Hul⸗ digungen und die ausschließliche Aufmerkf amkeit des vornehmen Eng⸗ länders gefallen ließ, wie ihre Augen, halb verdeckt von den langen schwarzen Wimpern, nachlässig geringschätzend die Gräfinnen und Baronessen übersah. Denn ein vornehmer Lord war er, sonst hätte ihn ganz gewiß nicht der adelsstolze Graf eingeführt und ihn als seinen verehrten Freund vorgestellt. Wenn der Lord auch eine Bade⸗ bekanntschaft des Grafen war, so konnte man versichert sein, daß er keinen Abenteurer zu sich in sein Haus eingeladen. Der Ball endigte früher wie sonst, man trennte sich nicht in der besten Stimmung; solche drastische Vorkommnisse wirkten beleidigend in der Landstadt. Julia war in einer unbeschreiblichen Stimmung nach Hause gekommen. Es war ein Glück, daß Frau van Mossel die un— erwartete Erscheinung des Lords, wohl ihres Sohnes wegen, mit keiner Silbe erwähnte. Eduard versuchte unbefangen und munter zu erscheinen; aber seiner Mutter entging es nicht, in welchem Zu⸗ stand er war. Er sowohl wie seine Mutter hatten es gesehen, daß der Lord keine neue Bekanntschaft für Adeline war, und Eduard war der Blick des Triumphes 105 entgangen, der so freudig nach dem Erkennen aus Adelinens Auge aufgeleuchtet. Auch aus den Bemerkungen, die ihm boshaft von allen Seiten zuflogen, konnte er entnehmen, welcher Zweck den Lord hierher führte. Nun erklärte er sich ihr Zögern, ihre Zurückhaltung,— sie erwartete den Lord. Er wagte fast nicht, seiner Mutter in die Augen zu sehen; ihr klarer Geist durchschaute die Situation, ihr stilles duldendes Wesen seither mußte ihm ja die Gewißheit aufdrängen, daß sie ihn nur als ein Opfer der Gefallsucht des schönen Mädchens betrachte. Es war gut, daß die beiden Damen sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt waren, seine forcirte Munterkeit hätte ihnen auffallen müssen. Julia sprach fast nichts; ihr bleiches Gesicht aber gab die beste Entschuldigung. Zum ersten Male vergaß sie bei ihrer Rück— kehr an das Bettchen des schlafenden Kindes zu eilen. Es war heller Mondschein, sie trat nicht ins Haus, als der Wagen davon— fuhr, sie mußte Luft haben und eilte in den Garten. Es war ein Uhr Nachts, die alten großen Lindenbäume warfen tiefe Schatten in dem hellen Mondschein, es herrschte Grabesstille ringsum. Julia fühlte sich endlich frei von den beobachtenden Blicken, sie wendete voll das schöne reine Angesicht dem Nachthimmel zu und seufzte aus tiefer Brust. Ihre Lippen bewegten sich kaum sichtbar, der Nachtwind entfesselte das volle blonde Haar, in dem die Rosen bleich erzitterten und ein angstvolles dringendes Gebet stieg zum Sternenhimmel empor. Stundenlang eilte sie in den breiten Wegen umher, bis sie endlich schaudernd vor Kälte ihr Schlafzimmer be⸗ trat und, wie aus einer anderen Welt kommend, das kleine Bett anstarrte, in dem das Kind so friedlich schlief. N Am folgenden Tage herrschte große Aufregung in Mandsfelt; Lord Graham wurde Nachmittag erwartet, und da auf dem Lande ein kurzer Besuch nicht gebräuchlich ist, besonders nicht für die Besucher, die aus der entfernten Stadt kommen, so wurde es als selbstverständlich angenommen, daß Lord Graham zum Abendessen bleiben werde. Es war Julia nicht möglich, an den Vorbereitungen zu seinem Empfang theil zu nehmen, und da Ellinor in der Nacht Erbrechen bekommen hatte, so suchte sie hierin einen Vorwand, an ihrem Bettchen bleiben zu 1 Lindner kam im Laufe des Morgens einmal ins Zimmer und fragte nur:„Sollen wir die lieben Nachbarn nicht heute Abend zu Lord Graham bitten?“ Julia sah ihn traurig an, sein Ton hatte etwas ganz Besonderes. „Wie Du willst,“ entgegnete sie zerstreut. „Ich sollte eigentlich dem dummen Jungen, diesem Eduard, einmal den Standpunkt klar machen; es ist unanständig, wie er seit Adelinens Rückkehr ihr den Hof gemacht hat, doch ohne die Absicht, ihr eine Erklärung zu machen,“ sagte er ärgerlich. „Adeline wird es nicht gewünscht haben,“ bemerkte sie sanft. „Nicht gewünscht haben!“ fuhr er auf.„Gewiß hätte sie es = e e e eee, e N * 5 a 8131. hun den men Hul. van Mossel bestimmt haben, gewissermaßen einen Windschirm aus vor ihr.„Höre mich an: was immer von kleinlichen Eifersüchteleien in Deinem sonderbaren Benehmen liegen mag, Du solltest es wissen, 17 daß ich nicht der Mann bin, mich daran zu kehren. Deine Stief— gewünscht, in der Nähe ihres Vaters zu bleiben, schon um meinetwillen hätte sie es gewünscht. Da sind aber andere Gründe, die den Herrn . meiner Tochter zu machen, um seine eigentlichen Absichten dahinter tochter ist entzückend; ich fühle mich jung und zu neuem Leben geboren ngen zu verbergen.“ und Adeline Lindner wird meine Frau,— verstehst Du mich?“ ind Sie erhob die sanften blauen Augen zu ihm; sie hatte ihn nicht„Nur zu wohl,“ antwortete sie dumpf und bebte an allen bitte verstanden, war zu sehr mit andern Gedanken beschäftigt, als daß Gliedern.„Wie viel Geld brauchst Du? wie viel willst Du haben lz sie seinen Worten irgend welche Deutung gegeben hätte. für das Versprechen, Deine Vorsätze hier aufzugeben und Dich für Jade⸗ Lindner verließ schnell das Zimmer und Julia sah ihn erst wieder, immer hier aus der Gegend zu entfernen?“ fragte sie mit einer daß als er kam, sie zur Begrüßung des geehrten Gastes zu holen. War Festigkeit, oder vielmehr einem Trotz, der ihrem Gesicht einen ganz Ball es der schwarze Sammet ihrer Toilette, sie war ganz auffallend bleich, fremden Ausdruck gab. esten als der Lord sie ehrfurchtsvoll, aber mit einem prüfenden Blick„Du hast eine ganz niederträchtige Meinung von mir; wer N in begrüßte. Adeline war in einer dunkelrothen, purpurfarbenen Sammet⸗ durfte dies anders erwarten?“ fragte er mit einem wegwerfenden toilette und war ganz außergewöhnlich reizend in ihrer pikanten Achselzucken.„Ich liebe Deine unvergleichliche Stieftochter und dae Schönheit. Auch machten des Lords feurige Blicke kein Geheimniß woher wolltest denn Du die Summe nehmen, die mir mein Glück 10 aus seiner Bewunderung. Im Verlaufe des Abends bei dem in abkaufen könnte, wenn es überhaupt zu verkaufen wäre?“ 8 nit der Eile etwas zu lukullisch bereiteten Mahle, das N als ein im⸗ i„Kümmere Dich nicht darum, nenne sie mir,“ entgegnete sie nter provisirtes gelten sollte, ließ Lord Graham seine Absichten deutlich mit derselben unerschütterlichen Festigkeit. J- durchschimmern. Er schien zu wissen, daß er als Sieger den Platz„Nein, mein liebes Kind, ergehen wir uns nicht länger in der— verlassen werde und deshalb auch nicht beabsichtige, lange Unter— artigen Unmöglichkeiten,“ sagte er lachend und schlang den Arm daß 1 handlungen zu pflegen. Sobald das lange Souper vorüber war, um sie. Julia trat, von seiner Berührung erschreckt, hastig zurück. 155 eilte Julia zu Ellinor, die schon eingeschlafen war. Sie war ganz—„Ich werde Dein Schwiegersohn, mein Schatz,— man hat 5 außer sich, rang die Hände und flüsterte leise hastige Worte. schon komischere Situationen im Leben gesehen, wie diese,“ lachte 115 Plötzlich horchte sie erschreckt auf,— das Pferd des Lords wurde er laut auf. f ö 5 1 schon von einem der Knechte in den Hof geführt. Hastig, ergriff„Du wirst meines Mannes Schwiegersohn,“ sagte sie bebend, bund Julia einen Mantel, verhüllte das Gesicht mit einem Schleier und[„und eines schönen Tages erfährt der arme Mann—“ ihr eilte aus dem Hause. Der Mond war noch nicht völlig aufgegangen,„Ver wird es ihm sagen?“ fragte er erbleichend. geen sie kam ungesehen in den Garten und von da durch das Pförtchen e rief sie außer sich. 1 g g 5„ am Ende des Gartens ins freie Feld. Sie horchte in die Nacht„Du, Julia, Du?“ schrie er auf.— Es trat eine lange Pause 15 1 hinaus; sie hörte noch nichts vom dem Reiter. Ihre kleinen Zähne ein; der Lord blickte finster auf das junge Weib, das jetzt herzzerreißend 05 z zitterten auf einander vor Kälte und Angst. Was konnte sie dem schluchzte. nien 1 gefürchteten Manne sagen, nachdem er seinen Entschluß heute Abend Nach und nach milderten sich seine Züge; sie nahmen den Aus⸗ ln so deutlich zu verstehen gegeben? Würden nicht ihre Bitten umsonst druck zärtlicher Weichheit an und sein Blick ruhte traurig und 5 die sein seiner Hartnäckigkeit gegenüber? Nach einer Viertelstunde stand vorwurfsvoll auf ihr. Nit. sie an dem Fichtenwald. Die hohen schlanken Stämme strebten empor„Gieb mir Deine Hand, Julia,“ sagte er langsam.„Ver⸗ zeihe mir, trage mir keinen Haß nach, ich bin schon unglücklich . wie ein Wald von schlanken Säulen; eine heilige Ruhe von er— genug. Ich bin bereit, Dir ein Opfer zu bringen; wie nun mein 1 greifender, angstvoller Wirkung herrschte in dem düstern Dome, war 4 dessen Hintergrund sich in Nacht verlor. Das tiefschwarze mächtige Leben nachher werden wird, das kaunst Du Dir denken. Lebe aten Dach, welches das dunkle Laubwerk bildete, ließ hier und da den Mond wohl, Julia, wir sehen uns nicht wieder!“ Jula leuchtend durch das tiefe Schwarz blicken und gab dem Ganzen einen Sie hielt seine Hand.„Kann ich fest darauf bauen, daß Du dete ö unheimlich überwältigenden Reiz, der selbst auf Julia seine Wirkung gehen wirst?“ fragte sie fieberhaft.„Werden zehn- bis zwölftausend fte nicht verfehlte. Sie vergaß einen Augenblick lang, gefesselt von dem Thaler Dir genügen, Dir irgendwo eine Zukunft zu gründen?“ der großartig wunderbaren Anblick, ihre Noth und Angst und starrte— Er bewegte als Antwort nur wegwerfend Kopf und Schultern sosen in die sich nach und nach im Dunkel verlierenden Säulen. Da fuhr und ging durch die hochragenden Stämme seinem Pferde zu, das zum sie auf, der Hufschlag eines Pferdes wurde in der stillen Nacht gehört. er in einiger Entfernung angebunden hatte. gegen Sie zog den Mantel fester um sich und wartete zitternd auf das„Morgen Abend zehn Uhr an dieser Stelle werde ich Dir die x be⸗ Näherkommen des Reiters. Er war nur noch wenige Schritte ent-] Summe einhändigen,“ flüsterte sie ihm nach. Bett fernt, als sie ihm entgegen aus dem Schatten des Fichtenwaldes trat. Er war verschwunden, er mußte wohl das Pferd auf einer andern „Siehe da, ich dachte es mir wohl, als ich Dich nicht mehr sah, daß Du auf der Zusammenkunft bestehen würdest,“ flüsterte er, indem er vom Pferde stieg und es vorsichtig in den Säulenwald hinein⸗ Stelle aus dem Walde geführt haben. Julia athmete auf und starrte in den dunkeln Fichtenwald hinein, durch den der Mond hier und da einen Blick warf. führte.„Was hast Du mir nun zu sagen, mein Schätzchen, das„Ei, guten Abend! Das nenne ich ein unverhofftes Begegnen,“ wichtig genug sein könnte, Dich alle Gefahren vergessen zu lassen, rief eine Stimme dicht hinter ihr. In tödtlichem Erschrecken Lord die eine solche Unvorsichtigkeit über uns Beide zu verhängen im wendete sie sich um und sah ihren Stiefsohn Georg.—„Ich ein Stande ist?“ glaubte von Weitem, Adeline und der Papa wären mir entgegen⸗ cher,„Ich für meine Person achte keiner Gefahr,“ sagte sie leiden— gekommen; beim Näherkommen bemerkte ich aber, daß Du es warst adlich schaftlich erregt,„ich werde kein Mittel scheuen, Dich zu überzeugen, und daß die andere Person— nur ein, Schatten gewesen ist,“ er⸗ 65 daß Du nicht einen Schritt weiter gehen darfst. Ich bin außer mir, klärte g. dem er einen prüfenden Blick an den Fichtenwald warf. ng wie Du heute Abend vorgegangen bist; um Gotteswillen, gehe, Frau fand vor Schreck kein Wort.„Ich bin eitel genug, liebe n mache uns nicht unglücklich.“— Der Lord stand mit verschränkten Mama, mir einzubilden, daß Du meinetwegen den Spaziergang eilen 5 Armen vor Julia, es blitzte in seinen Augen auf, er zog die Lippen unternommen, hast. Mein Brief muß ja doch in Mandsfelt an⸗ 1 ein und erwiderte eine Zeitlang kein Wort. gekommen sein; ich erwartete aber umsonst den Wagen in der und Julia athmete schwer und ihre Augen irrten ruhelos über die Stadt. und dachte schließlich, ich wollte mich auf den Weg machen, 9 1 winterliche Erde.—„Wirst Du morgen abreisen?“ fragte sie endlich der Wagen müsse mir doch begegnen.“ 1 9 mit flehendem Blick. Julia murmelte etwas von Besuch und Souper und einem ders 5„Ganz gewiß nicht,“ antwortete er rasch; ich bin nicht gewohnt, heftigen Kopfweh, das sie in die kühle Nachtluft hinausgetrieben. daß mir ein Mensch auf Erden seinen Willen diktirt, und von den„So weit solltest Du Dich aber doch nicht wagen; in einer i Launen einer Frau habe ich mich nie abhängig gemacht.“ so hellen Mondscheinnacht könnten irrende Ritter auf Abenteuer n„O Du hättest besser daran gethan, die Bitten treuer Liebe ausgehen, und da Du zum Geschlecht der Hochedelgeborenen ge— ien anzuhören,“ rief sie und brach in Thränen aus. hörst, so könnte es einem leicht einfallen, meinen Vater zum Stroh⸗ en„Nun noch Vorwürfe!“ rief er ungeduldig.„Wenn Ihr nur wittwer zu machen.“ Er lachte laut über seinen groben Witz f 122 1 wüßtet, wie dieses Gewinsel uns zuwider ist! Laß die Vergangenheit und Julia zitterte vor dem Gedanken, daß Georg den Lord ge— g 1 10 ruhen, Julia, ich rathe es Dir,“ sagte er drohend und stand dicht sehen haben möge.— Als sie am Gutsgebäude anlangten, war e 9 3 0 1 a 8132. e noch Alles hell erleuchtet und Adeline sang mit erregter vibrirender Stimme zum Klavier. „Die Schwester ist ja lustig,“ sagte Georg.„Es war gewiß ein Freier heute Abend da; es wird ihr wohl nicht daran fehlen.“ Er ging in den Salon und Julia rettete sich eilends in die Nähe ihres Kindes, an dessen Bett die Bonne eingeschlafen saß.„Ist Jemand während meiner Abwesenheit hier gewesen?“ fragte Julia. „Keine Seele,“ antwortete das Mädchen mit schlaftrunkenen Wee (Fortsetzung folgt.) Auf den Vassern. Novelle von Konrad Telmann. (Fortsetzung.) Joseph fühlte, daß er eine Befangenheit zur Schau trug, die seinem Wesen sonst völlig fremd war und die er sich auch jetzt nicht zu erklären vermochte, es sei denn, daß er unter Erna's Blick, der zuweilen dem seinen begegnete, seine Ungezwungenheit verlor! Er richtete kaum einmal das Wort an sie, während die lebhafte und zugleich geistvolle Unterhaltung Herminens auch ihn bald in ihren Bereich zog, aber er fühlte, daß sein Herz lauter schlug, wenn er ihre klare glockenhelle Stimme vernahm oder wenn ihr blaues Auge unter den langen Wimpern sich gegen ihn emporhob. Er wurde allmählich selbst schweigsam, hörte dem Geplauder der Uebrigen zu, das bei dem Eifer, mit welchem die Offiziere es betrieben, niemals zu versiegen drohte, und begnügte sich damit, sich ganz in den Lieb⸗ reiz der Züge Erna's zu vertiefen. Er erfuhr im Laufe des Ge— sprächs, daß die Damen einen längeren Herbstaufenthalt in Lugano zu nehmen gedachten und erwiderte auf die Frage, wie lange er selbst noch bleiben werde, ohne Besinnen:„So lange es mir hier gefällt, Frau Gräfin, und— nach dem heutigen Nachmittage zu urtheilen — beißt das soviel, als; solange ich das Vergnügen Ihrer Gesell⸗ schaft genießen werde.“ Herr von Seewis schoß infolgedessen einen ingrimmigen Blick auf Joseph hinüber, aber die Gräfin lächelte sehr huldvoll und ver⸗ sprach, ihn beim Worte nehmen zu wollen. Ein paar Stunden rannen in heiterem Geplauder hin, bis die Herren ihren Abschied nahmen, aber nicht, bevor sie das feierliche Versprechen abgelegt hatten, ihre Besuche häufig und ungeladen zu wiederholen, da man sonst“ nach der Versicherung der Gräfin, absolut vor Langeweile sterben werde. Joseph langte nach einer kurzen Verabschiedung von den beiden Offizieren, von denen ihm Seewis versicherte, daß nur über seine Leiche der Weg zum Altar mit Gräfin Hermine gehe, wie von einem Rausch befangen in seinem Zimmer an. Die letzten Stunden hatten Alles in ihm gewandelt, er dachte nicht mehr an die Abreise, kaum daß ihm blitzgleich auf Sekunden der Gedanke an Alba zurückkam. Erna's holdselig lächelndes Bild drängte sich immer wieder vor seine Phantasie und nahm alle Kräfte seiner Seele in Anspruch, wirbelte alle seine Sinne zu wildem Aufruhr empor. Draußen rauschte jetzt der Regen in gleichmäßigem Tropfenfall nieder, die Wolken hatten sich so tief gesenkt, daß von den Bergen kaum ein flüchtiger Umriß sichtbar blieb und ein kalter Wind zerrte das gelbe Laub von den Linden und Akazien, mit denen der Quai bepflanzt war. Wo war der Frühling geblieben, den man sich im Norden anstatt des Herbstes im Süden träumte und der noch gestern bei der Fahrt über den jetzt dunkelgrauen See ihn entzückt hatte? Ein naßkalter Spätherbsttag— gerade, wie sie um diese Zeit die heimathlichen Hügel und den entfärbten Buchenwald melancholisch umlagern. Es war auch nur ein Traum gewesen, mit dem Frühling des Südens, gerade wie mit dem des Herzens— vorüber! vorüber! Er saß an der offenen Balkonthür und blickte in die nebelgraue Landschaft hinaus, aber ein Lächeln lag um seine Lippen ausgeprägt. Der Himmel schien durchaus keinen Grund einzusehen, weshalb er sich mit dem einen Regentage begnügen solle und weshalb der Horizont sich nach Ablauf desselben durchaus aufklären müsse, was man mit einer Bestimmtheit voraussetzte, welche der Allerweltsweisheit der Touristen zwar einen neuen Nimbus zu verleihen schien, aber den Himmel in keiner Weise in seinen Entschlüssen wankend zu machen im Stande war. Die letzteren mochten dahin gehen, daß eine neue Sintfluth dem verderbten Menschengeschlechte nur heilsam sein könne, denn nachdem es den ersten Tag geregnet hatte, regnete es den zweiten weiter, und der dritte setzte das Geschäft seines Vor⸗ gängers mit erneuten Kräften fort, und als man am vierten er⸗ wachte und mit vollster Sicherheit die Sonne am Himmel stehen glaubte, regnete es noch immer, ohne daß sich mit Bestimmtheit 1 angeben ließ, ob dies ein neuer Regentag oder nur die Fortsetzung des früheren war, was im Grunde auch ziemlich gleichgiltig sein konnte. Das einzige Unterscheidungsmerkmal des vierten Regen⸗ tages von seinen Vorgängern bestand darin, daß es jetzt nicht mehr nur regnete, sondern schüttete, und das mit einem Eifer und einer Unermüdlichkeit, daß man hätte annehmen sollen, es käme etwas darauf an, eine möglichst bedeutende Wassermenge in möglichst kurzer Zeit auf die Erde zu bringen, für die Nothwendigkeit welches Vor⸗ habens aber Niemand das Motiv finden zu können erklärte. Das Traurigste bei dem ganzen Ereigniß war, daß man am Ende des vierten Tages statt des erhofften Steigens ein nicht unerhebliches Fallen des Quecksilbers in den verschiedenen Barometern konstatiren mußte und deshalb kaum ein Zweifel darüber übrig blieb, daß man es mit einer richtigen längeren Regenzeit zu thun haben werde. Die Hilfsmittel zur Bekämpfung eines solchen Feindes sind auf Reisen nicht eben zahlreich an die Hand gegeben, und nirgends stellt sich die üble Laune schneller und unausstehlicher ein, als eben dort, wo gutes Wetter eines der Haupterfordernisse, ja, neben Zeit, Geld und Gesundheit wohl das erste unter allen ist, um die Ent⸗ fernung von der Heimath und liebgewordenen Beschäftigungen zu einer Annehmlichkeit zu erhöhen. Am ersten Tage tröstet man sich mit einem Buch und der Lektüre früher liegengelassener Zeitungen, der Flügel wird mehr als sonst in Anspruch genommen, und hie und da thun sich Gruppen zusammen, die sich das Versprechen geben, die Unbill des Wetters gemeinsam zu ertragen und so viel als möglich sich darüber hinwegzuhelfen. Am zweiten Morgen findet man diesen beständigen Regen bereits langweilig und ist der An— sicht, daß es wirklich aufhören könne. Man liegt auf dem Kanapee und gähnt, man denkt, wie viel gemüthlicher es jetzt zu Hause sein würde, man ärgert sich über den mangelnden Komfort in den Hotels und flieht sogar die Geselligkeit mit ihrer sich wie eine Motte um das Licht immer um denselben Brennpunkt kreisenden Unterhaltung, um im Zimmer auf seine eigene Hand verdrießlich zu sein. Am dritten Tage macht sich bereits eine Art tiefgreifender Verzweiflung geltend, welche die Gerechtigkeit eines höchsten waltenden Wesens in gelinde Zweifel zu ziehen beginnt, ja, hie und da greift die Panik so weit um sich, daß man den Glauben an einen Umschlag des Wetters überhaupt aufgiebt und, nachdem sämmtliche Briefschulden erledigt sind, einen anderen Ort in der bestimmten Erwartung auf⸗ sucht, daß es nicht überall, also auch dort nicht regnen könne, eine so schwankende Logik, daß es von Rechts wegen Niemanden über⸗ raschen dürfte, wenn sie, wie gewöhnlich, täuscht oder der erhoffte Witterungswechsel doch gleicherzeit auch an dem verlassenen Aufent⸗ haltsort eintritt. Am vierten Tage tritt allgemeine Flucht ein, und die Engländer verzeichnen in ihren Tagebüchern, daß das regnerige Klima des betreffenden Orts denselben zu längerem Aufenthalt durch— 5 aus ungeeignet erscheinen lasse. Wer nach einer vollen Regenwoche seinen Aufenthalt noch nicht gewechselt hat, legt dadurch entweder ein Zeugniß von ungewöhnlicher Geistesgröße ab, oder ist gegen die Einflüsse der Witterung überhaupt unempfindlich, wenn er nicht etwa zu den Wenigen gehört, die, durch frühere Erfahrungen ge— witzigt, sich von dem Wechsel des Wohnorts nicht zugleich einen Witterungswechsel versprechen. Zu diesen Letzteren gehörten die Gräfin Helustein mit ihren Töchtern, sowie die drei Herren, die sich täglich in ihrem Salon zusammenfanden und, während draußen der Sturm raste, der Regen klirrend gegen die Scheiben schlug und der sonst so friedliche See weißköpfige, dunkelgraue Wellen mit lärmendem Getöse gegen die Ufer trieb, mit allerlei Kurzweil die schleichenden Stunden hin⸗ brachten. Man versuchte sich anfangs in kindlichen, später in ernsteren Spielen, ging dann zu musikalischen Genüssen über und endete den Tag regelmäßig damit, daß man abwechselnd irgend ein neu er⸗ schienenes Buch vorlas. Das dauernde Beisaumensein im engen Salon, dessen Traulichkeit durch das draußen wüthende Unwetter nur noch erhöht wurde, brachte eine innigere Beziehung innerhalb weniger Tage zwischen den Anwesenden hervor, als sie im gewöhn⸗ lichen Leben während mehrerer Monate hätte Platz greifen können. e 5 1 e 5 eee eee. e 28 D r uf us den eit, nt. z h en, hie en, as det Au⸗ pee sein tels um g, An ung in anik des lden guf⸗ eine lber oftte fent⸗ und rige urch⸗ yoche eder egen nicht 1 ge⸗ einen Ihen alon legen e 1 die sin⸗ stetel e den U ei- engen pettel ubalb vohl⸗ nen. * 1 * 0 Seseph h. 0 h hatte si— als hier. sich kaum je in ei 2 N 1 1 5 da 1 0 Kreise so heimi— 1 der eigentliche 1 in die Ee alle e gefühlt, von T. Held der kleiner e treten li eiten seiner ge- b 1 Tage fr— 0 n Versammlungen 15 rasch genug 0 gegen e f ih. Er spielte v Tage seiner V ph dahi 5 ihm ruh 5 spielte vor⸗ 1 Verlobung. 11 5 Seewis sich n 3 5 aß J hach aht erst am ießen züglich Sch „Schach, j i 0 1 Auel 11 15 Whist eine ungewöhnl e Astind nit vol euer gewöhnliche e de Urtheil 15 1 7 uber e Wunderl 1 5 zugeb 2 1 i 8 inderlicher ds der 9 5 wat 15 1 5 Joseph 1 1 sch das Vechäl 1 necken versta„und auch Hermine gegen ihn sich ihr zu äber rhältniß zu E stand, ließ ihre en fuse 1155 nur a e desto muellthaltende Je mehr ugen sich dem 1 auf sich 11 er ihre Ne wurde sie Ohr zauberisch 1 6 60 7 lee nen Augen u it meichelnden S ang mit Amer fi Stimme, ab weichen, aber es währte s 134. jedesmal lange, ehe sie sich entschloß, sich hören zu lassen, und seit Joseph ihr einmal einige Schmeicheleien über ihren Vortrag gesagt hatte, verstummte sie gänzlich. Sie wußte es jedesmal so einzu⸗ richten, daß sie bei der Whistpartie, an der er Theil nahm, nicht betheiligt war, und behauptete, vom Schachspiel kaum mehr die Züge zu kennen, so oft er in sie drang, sich mit ihm zu messen. Aber gerade dies scheue Zurückziehen von ihrer Seite übte einen magischen Reiz auf ihn aus, und je fremder sie sich ihm gegenüber⸗ stellte, desto glühender verlangte er, sie ganz zu besitzen. In den Stunden, wo er allein war, schwebte ihm ihr Bild unauslöschlich und im Vollbesitz aller Anmuth und Holdseligkeit vor den Blicken, ein Rausch hatte sich seiner Sinne bemächtigt, indem er nur noch den einen Gedanken zu fassen im Stande war: wie er dies Mädchen sich gewinnen könne. i Jede Erinnerung an Alba war in ihm erloschen, der ganze Liebestraum, der ihn an ihrer Seite beglückt, lag weltfern hinter ihm, und wenn ein flüchtiger Strahl der Vergangenheit in ihm aufblitzte, war es, als wenn er auf eine lange entschwundene, ver⸗ Brücke zu dem Leben sich hinüberschwang, in dem er jetzt voll Hoffnung und Bangen einer goldenen Zukunft entgegensah. Wie sich draußen plötzlich die ganze Welt gewandelt hatte, daß man sich aus einem Frühling des Südens mitten in einen nordischen Spät⸗ herbst versetzt glaubte, so war in ihm eine Wandlung vorgegangen, über deren Tragweite er sich selbst kaum Rechenschaft zu geben ver— mochte. Er sann über nichts andres mehr nach, als über den Zauber, der ihn hier jetzt unwiderstehlich gefesselt und über das Räthsel, das Ernas Wesen ihm gegenüber zeigte. Zuweilen war die Furcht in ihm aufgestiegen, sie möge für Phuhlsteins Bewerbungen, die ziemlich offen zur Schau getragen wurden, nicht unempfindlich sein oder es bestehe gar zwischen den Beiden bereits ein heimliches Verhältniß, das nur des Augenblicks seiner Offenbarung harrte. Aber der Gedanke trat immer wieder in ihm zurück, wenn er Erna in ruhiger, liebenswürdiger Art mit dem jungen Offizier verkehren und seine Aufmerksamkeiten mit höchster Unbefangenheit annehmen sah. Vielleicht war es auch eine Regung von Eitelkeit in ihm, die ihm vorspiegelte, daß Erna ihm den Lieutenant nicht vorziehen könne, aber ein Trost oder eine Hoffnung konnte sich auch darauf für ihn nicht gründen. Er hatte schon oft den Entschluß gefaßt, allem Zweifel durch eine offene Erklärung ein Ende zu machen und sein Schicksal sich entscheiden zu lassen, da er unter dieser Ungewißheit unsagbar zu leiden begann, aber er sah Erna niemals anders, als im Kreise der Uebrigen, und jedes Wort, das er zu ihr sprach, mußte un— befangen genug sein, um von allen gehört werden zu können. So knüpfte sich für ihn an die Hoffnung eines baldigen Witterungs— wechsels zugleich die andre, sich dann Erna unter vier Augen aus⸗ sprechen zu können. Aber so oft er auch sehnsuchtsvoll zu dem grauen Wolkenhang um die Berghäupter aufblickte, die Sonne brach sich noch immer wieder nicht Bahn, und der Sturm zerrte die letzten Blätterreste von den triefenden Bäumen. Die Verstimmung, die sich seiner infolge der jeden Morgen neuen Enttäuschungen be— mächtigke, machte allmälich einer Art Melancholie Platz, von der Seewis mit unverhohlenem Ingrimm bemerkte, daß sie den Damen noch mehr gefalle als die anfängliche Heiterkeit. „Bester Freund,“ sagte Joseph mit halbem Lachen,„weshalb eigentlich diese Umschweife, weshalb erklären Sie sich nicht einfach und bringen durch die Neuheit eines bräutlichen Verhältnisses Ab— wechselung in die Monotonie unseres Daseins? Sie sind uns von Rechtswegen schuldig, wenn wir Ihre Drohungen für den Fall einer anderweitigen Bestimmung des Schicksals nicht für leere Re— nommisterei halten sollen.“ Aber Seewis zupfte schwermüthig an seinen unscheinbaren Schnurrbartspitzen und entgegnete:„Sie haben gut reden, Sie Glückskind. Aber als Unterlieutenant— mit einer Gage von hundert Gulden monatlich und Schulden von zweihundert in der gleichen Zeit—“ Joseph lachte.„Dann können Sie eben nichts Gescheidteres thun, als eine reiche Frau heirathen, Bester, und Ihnen wird am wenigsten unbekannt sein, daß sich das Vermögen der Helmsteins auf Hundert— tausende beläuft.“ 5(Fortsetzung folgt.) schmerzte und verrauschte Jugendzeit zurückschaute, von der keine Kleine Frauen- Zeitung. Die Mode. Der Ueberfluß an Gütern ist im Allgemeinen eine angenehme Sache, aber das Angenehme hält nicht Stand, wenn es sich hierbei um die Mode handelt. Dieser Ueberfluß in Allem schadet insofern, als er die Einbildungs⸗ kraft immerfort anregt und anspornt, Massen von Dingen zu erzeugen, um jeden Preis Neuheiten zu erfinden und das oft auf Kosten des guten Geschmacks. ö Den augenscheinlichen Beweis für das Bedürfniß, im Neuen zu leben, aufzuleben; bilden die Hüte. Man will ihnen durchaus einen besonderen Charakter leihen, und dies führt dazu, sie originell oder excentrisch zung stalten. Die übermäßig hohen und zugespitzten Hutköpfe, die gigantischen Schleifen-Aigrettes sind keine glücklichen Reuerungen, im Gegentheil, sie er- weisen sich— ohne hier die Kleidsamkeit oder Unkleidsamkeit in Betracht zu ziehen— als eine Unbequemlichkeit, zumal an den Vergnügungsorten: in den Matinéen, Konzerten, Theatern. An letzteren Orten fehlt es auch nicht an Remonstrationen, und mit Recht! Die Köpfe der hinter jenen Pyramiden sitzenden Personen müssen sich in beständiger Bewegung halten, um von dem Vorgange auf der Bühne etwas zu sehen, und man müßte, wenn man nun einmal den Uebertriebenheiten der Mode folgen will, wenigstens das richtige Gefühl haben, die thurmhohen Hüte im Wagen und auf der Straße zu tragen. Für das Theater(denn nur im Opern- und im Schauspielhause wie im deutschen Theater erscheint man, richtiger, ohne Hut, wohingegen es in den anderen größeren oder kleineren Theatern für allein passend erachtet wird, sich mit einem solchen zu zeigen) ist die kleine Kapote die modernste und schicklichste Kopfbedeckung; hübsch und kleidsam, bei mäßiger Höhe, ist sie die wirkliche Abendcoiffüre. Aber sie bleibt auch,. trotz all' der verschiedenartigen Formen in Genre- und runden Hüten, welche man für die Frühjahrs⸗ und Sommersaison hervorgerufen, der Lieblingshut für Besuche, für die Straße, und man bereitet sie vielfach in Schwarz, einerseits gänzlich aus Jetperlen und Jetkabochons(eigentlich„ungeschliffene Steine,“ doch versteht man neuerdings als Modeausdruck darunter allerlei“ geschliffene Perlen-Ornamente wie Steinchen, Ovale, Platten ꝛc.), welche auf Draht gereiht, andererseits aus Chantillyspitzen-Tüll, aus seiden⸗ und perlengestickten Tüllen und aus Spitzen. Ich sah eine schwarze Tüll⸗Kapote, deren Fond mit einem durchbrochenen Gitterwerk aus Jet überdeckt war und auf deren Passe sich eine Schleife aus moosgrünem Sammet hochthürmte, durchsteckt mit einer großen Schildpattnadel, welche als Kopf eine ge- schliffene Jetkugel hatte. ö 1 Die Jetkugeln sind nämlich mehr als je beliebt. Man bereitet für die Kapotehüte sogenannte Chapelets oder Rosenkränze aus Jetperlen von sich abstufender Größe. Die größten, welche Sie sich von dem Umfange einer Nuß vorstellen müssen, liegen in der Mitte und bilden ein Diadem; die kleinsten vereinigen sich am Nackenschirm oder hinteren Hutrand. Ver⸗ gegenwärtigen Sie sich einen Hut aus schwarzem Malinestüll und solchen Spitzen, welcher als Ausputz nichts weiter zeigt, als einen derartigen Chapelet am Rande und einen Blumenstrauß zur Seite.. Eine besondere Gunst hat man in diesem Winter den Toques zu Theil werden lassen, und man fährt fort, ihnen dieselbe auch für die Folge zu wahren. Ich habe hübsche Toques bemerkt, glatt mit schwarzem Seiden⸗ tüll überspannt, oder mit Kleeblättern(trekles) aus Jet bestickt. Der Kopf ist hoch, aber von mäßigem Umfange und mit kleinem, etwas eingedrücktem Fond ausgestattet, welchen eine Schnur Jet-Kleeblätter umkränzen und markiren. Ein krauser, voller Puff aus schwarzem Sammet zieht sich um den unteren Rand des Kopfes, und die Garnitur wird durch eine Aigretten- Schleife aus Sammet, rahmgelb, dunkelroth, moosgrün, saphirblau, oder durch eine Aigrette aus Jet oder aus feinen Gräsern und bunten Wald⸗ und Wiesenblümchen gebildet. f Als eine der Hauptgarnituren für die Hüte der wärmeren Jahreszeit können wir wieder die Blumen begrüßen, und unter ihnen giebt man den Rosen, zumal aus Sammet, den gelben Kamillen, dem Flieder und den abschattirten Veilchen den Vorzug. Besonders gern wählt man darin die aigrettenartig und die„natürlich“ gebundenen Sträuße großen Formats, doch kommt auch die Mode der kleinen, gleichmäßig gewundenen Blumen- kränze wieder auf. Dieselben werden aus Blumen ohne Laub arrangirt, oder vielmehr, das Laub kommt nur in der Mitte in Form einer Aigrette zur Geltung, oder man unterdrückt es gänzlich und ersetzt die Aigrette durch einen Federbusch. Nichts Reizenderes als solche Kränze aus Theerosen oder Mohnblumen in Sammet und Seide! Man bringt sie seitwärts nach vorn auf den Hüten an. Im Herbst bereits habe ich die Wiederkehr der lebhaften oder pro- nonzirten Farben verkündet, und diese werden nun großere Verbreitung finden, sich freilich mehr in hellen als in dunklen Farben zeigen. Das Auge fängt an, sich daran zu gewöhnen, zumal sie nicht grell erscheinen. Die blauen Nüancen werden besonders gesucht sein, unter ihnen ein reines Himmelblau, das man gern mit den verschiedenartigen Beige⸗ tönen— dieselben bleiben uns trotz jener Vorliebe in all' ihren Schattirungen erhalten und gehören ebenfalls der neuesten Mode an— mit Braun und mit Schwarz zusammenstellt. Eine Modistin, welche hier den Ton angiebt, hat schwarze 9 mit einer Garnirung von himmelblauem Gazeband bereitet und hofft, dieselben in Aufnahme zu bringen.— Rosa und ein blasses Grün verbinden sich in glücklicher Harmonie, und solche Kompositionen dürfte man ebensowohl auf schwarzen Spitzen⸗ wie auf schwarzen, weißen, kremefarbenen und gelben Strohhüten sehen. Denn Sie werden wohl schon gehört haben, daß den hellen Stroh⸗ hüten wieder eine neue Glanzepoche beschieden sein soll. Und hierbei greift man betreffs des Ausputzes ebenfalls auf eine frühere Mode zurück, nämlich: dieselben mit dunkler, ja mit schwarzer Garnirung auszustatten, welche bei ————ñ—ñ— Sache, A0 9 Ange 1 „ um guten lebe, enn u. ichn sie er, tract orten; auch jenen alten, ni, wil, n und 15 und ohne n füt kleine idsan, auc, welche eb war lifene erle welche „ Ulld dapote, ar und ürmte, le ge⸗ für die n sich einet u; die Ver⸗ solchen tigen Thel ge zu feiden, x Kohf rückten n und ich un retten „ ode Wall ⸗ reit an dn 1d bÜ rin die gumatl, lum ang lige e duc 1 en ober ö 5 b un r reitung Dal eiue J en l Beige“ ihn an 7 welch 0 be 1 ite 15 05 135 den runden Hüten aus Band und Straußfedermassen besteht. Oft ersetzt man aber auch die Federn durch ein enormes Blumenbouquet. In den dunklen Farben sind Blau, Braun und Altroth beliebt. Man verwendet zu den Schleifen am meisten das Pikotband, das vor⸗ nehmlich in Faille, Altlas und atlasgestreifter Gaze unsere Frühlings- und Sommerhüte umflattert. Die letzteren werden vielfach in durchbrochenem Stroh erscheinen: in wirklichen Strohspitzen mit Guipüremustern, welche ein Seidenfutter in zarten Nüancen durchschimmern lassen. Man hat das durchbrochene Stroh, das zu vollständigen Hüten wie zu Hutfonds und Passen gewählt wird, außerordentlich fein gearbeitet in Goldbraun, Gelb, Weiß und in allen Schattirungen der Beigefarbe. Betreffs der Formen in runden und in Genrehüten kann man im All⸗ gemeinen sagen, daß sie das tiefe Problem in sich vereinigen, dieselben zu bleiben, indem sie ohne Aufhören wechseln. Da giebt es Varianten vom Rubens, Rembrandt, Tizian, vom Rabutin, vom Charles IX, insgesammt mit hohem Kopf, hier mit schmaler, dort mit breiter Krämpe, hinten wie seitwärts scharf aufgeschlagen, oder allein hinten oder an der Seite dc. Und die Genrehüte erweisen sich am kleidsamsten mit ihrer diademförmig urückgeschlagenen Schnebbenpasse oder ihrem aureolenartig gestalteten Rande: 55 welche einer eleganten Wirkung stets sicher sind.— Schon sendet die Sonne ihre Skrahlen so warm hernieder, daß des Fächers Schutz nicht mehr ausreicht und wir gern zu dem Sonnenschirm greifen. Aber der wetterwendische April läßt uns nicht gar zu sicher dem Sonnenschein trauen, und da hilft uns der praktische Entoutcas aus der Verlegenheit. Man trägt denselben in schwarzem, marineblauem, braunem, bronzefarbenem, rothem und changirtem Seidenstoff, ohne Futter, oder mit solchem in gleicher Nüance, mit einer Schleife oder einem Pomponbüschel um den Stock aus Naturholz. Dann sieht man wieder als modern die großen schwarzen und farbigen Faille⸗ und Atlasschirme mit abstechend farbigem oder changirtem Futter, je nachdem mit Spitzen⸗Ueherzug oder nur Spitzen⸗Umrandung und mit altdeutschem Stock. Das Neueste, Eleganteste und Originellste indeß sind die Schirme mit wirklicher Malerei. Ich habe ein entzückendes Exemplar darin gesehen, dessen Bild, auf das reizendste und graziöseste von Künstlerhand ausgeführt, dem Schirm einen besonderen Werth gab. Der Bezug war aus dunkelbraunem Satin merveilleux hergestellt, und über drei Felder desselben zog sich ein oliven⸗ grün schattirter Baumzweig, auf welchem ein Vogelnest mit jungen Vögelchen angebracht. Ein Vogel flog hinzu und brachte denselben Futter, während zu dem anderen Ende des Baumzweiges ein zweiter Vogel herangeflattert am. Der Stock war braun und gelb geflammt, schildpattartig, und mit iner immensen Bernsteinkugel ausgestattet. Ein volles Büschel dunkel⸗ brauner Chenilleschlingen wand sich um den Stock. a An den eleganten Schirmstöcken sind nämlich die großen Kugeln sehr zesucht und comme il faut. Man hat sie auch in geschlagenem Silber und in solcher Weise sehen sie an schwarzen Stöcken sehr schön aus, welche u Eutoutcas mit schwarzem Bezug vielfach Verwendung finden; der Bezug muß dann freilich vom besten Seidenstoff sein, um dem Schirme sein a bre Air zu wahren. In den Promenaden⸗Unterröcken für das Frühjahr sehen wir vor⸗ läufig das Hergebrachte mit einigen Modifikationen wiederholt. Der bunt⸗ zestreifte Skirting ist dazu noch immer beliebt, doch erscheinen derartige föcke neuerdings mit dem Ausputzrahm gelber Spitzen, vornehmlich dentelles le Saxe, welche in zwei gekräuselten Volants den Rock unten umgeben, e aus einem kleinen Aufnäher hervorkommend. Ferner präsentiren sich die Bajaderen-Unterröcke in neuem Genre: mit Chenillebordüren in sich ab⸗ tufenden Breiten oder mit ganz breiter fünfstreifiger, eingewebter Wollen⸗ bordüre. Im Allgemeinen behauptet sich aber der schwarze Unterrock, weil er eine sehr bequeme und ökonomische Tracht ist, als der bevorzugte, aus Atlas oder Surah mit Spitzenvolants für die elegante Toilette, aus Mohair mit breitem Plissé, überragt von einer Blende, für den einfachen Geschmack. Das ist nichts Neues, aber stets etwas Beliebtes. Die Kleiderröcke werden besonders viel in Plisses geordnet werden und sich häufig auf der einen Seite über einem Einsatztheil oder einer Quille öffnen. Auf dem Leibchen wird sich dann der Stoff der Quille in einer Weste oder einem kleinen herzförmigen Plastron wiederholen. Man begünstigt immer noch viel die drapirten Tunikas, meist in langer Form, was aber keineswegs die kurzen ausschließt. Wenig Tournüre, sehr wenig, für die mit Geschmack begabten Damen, welche sich nicht zu Sklavinnen der Mode machen, sondern diesabe mäßigen! Umfangreiche Tournüre für Diejenigen, welche sich nicht in jenem Kreise bewegen und die Mode noch übertrumpfen. 5 i 0 Für junge Mädchen bereitet man gegenwärtig allerliebste Gesell⸗ schaftskleider aus indischem Kaschmir, himmelblau, beige oder heliotrop, oder aus grober, leichter Wollenserge, diese mit breiten Streifen für den Rock, . B. himmelblau und rahmgelb, heliotrop und rahmgelb, beige und rosa, und einfarbig rahmgelb oder beige für Leibchen und Draperie. Das leibchen, seitwärts geknöpft, erhält einen hohen Stehkragen, ganz mit Perlenstickerei bedeckt, oder es ist vorn etwas geöffnet und von einem Fichü aus Tüll oder Krepp umrahmt, noch etwas heller himmelblau oder heliotrop als der Rock oder das Kleid, und bei Beige blaßrosa. Der Rock wird in breite Plisses oder in breite Quetschfalten geordnet und oben mit einer egeren Draperie ausgestattet, welche sich an den Seiten verliert. 5 Einige Abonnentinnen erbitten betreffs der Haarfrisuren meinen Rath, und ich lese wiederholt die Frage: wie soll sich die Frau frisiren, welche nicht mehr jung ist und welcher der Haarknoten oben auf dem Kopfe keineswegs steht Ich antworte hierauf: eine Frau, welche nicht mehr jung ist, thut am besten, die Frisur zu behalten, welche sie schon seit einigen Jahren trägt, und muß sich wohl hüten, darin den neuen Moden zu folgen, welche sogar für viele junge Gesichter sich nicht einmal vortheilhaft dieselbe freier lassend, mit seitwärts zurückgenommenem Haar ist immer hübsch, einfach und ohne Prätension und er kleidet gut die Schläfe. Ein schmaler, a e Chignon, welcher sich über den Hinterkopf zieht, oder ein hübsch geformter Knoten, ebenfalls hier angebracht, nehmen sich gut zu dem Scheitel aus und sind dem Alter gemäß. Beharrt man indeß darauf, der Mode von heut oder morgen zu folgen und die Koiffüre à la Diane anzunehmen, d. h. das Haar vom Nacken heraufgekämmt und auf dem Wirbel festgesteckt, so kann man dieses Arrangement, das für das reifere Alter so wenig kleidsam ist, dadurch verbessern, daß man eine schwarze Spitzenbarbe hinzufügt, deren Enden seitwärts oder hinten herabfallen. Man trägt keine Häubchen mehr, aber es giebt eine Menge kleiner Koiffüren aus Spitzen und Band, Spitzen und Blumen oder Federn, welche der Frisur etwas Anmuthiges und Ernstes zugleich geben. Lose Blätter. Beim Pfandleiher.(Siehe Illustration.) Im Süden Frankreichs bezeichnet der Volksmund das Leihhaus als Mont de piété(Berg der Frömmigkeit). Man darf daraus schließen, daß derartige Anstalten durch den Wobhlthätigkeitssinn edler Menschenfreunde ins Leben gerufen wurden. Kaum aber hatte der Mitleidige den Weg gezeigt, wie dem Armen in schwerer Stunde zu helfen sei, so erkannte der Gewinnsüchtige, daß er auf demselben Wege von der Nothlage des Bedrückten profitiren könne. Es entstanden Pfandleihgeschäfte, welche gegen hohe und drückende Zinsen Geld auf sichere Pfandobjekte herliehen. Tausende von wenig bemittelten Personen sind durch Pfandleiher schwer besteuert oder gar um den letzten Rest ihrer Habe gebracht worden, denn in der Regel genügte das karge Darlehen nicht, um dem von Geldmitteln Entblößten über die Bedrängniß fortzu⸗ helfen. Der Weg zum Leihhaus ist sehr oft mit Thränen besät. Manch' liebes Augedenken, manch' werthvolles Familienstück wird unter Seufzen und Stöhnen dahin getragen. Auch jene arme Frau, welche ihren Ring in den Lichtkreis der Lampe legt, um dafür einige Silbermünzen einzutauschen, mag unter Thränen den Weg zum Pfandleiher gewandert sein. Bevor sie den Pfandschein unter⸗ zeichnet, wendet sie sich schmerzlich bewegt dem schlafenden Kinde zu. Was mag in der Seele einer Frau vorgehen, welche den Trauring als letztes Werthobjekt auf den Tisch des Pfandleihers legt? Welche Stürme mögen bereits iber ihren Lebenspfad dahingebraust sein, bevor sie, an ihrer Kraft verzweifelnd, das theuerste Kleinod fortgab? Mit diesem Ring verbinden sich gewiß die schönsten Erinnerungen ihres Lebens. Als sie denselben er⸗ hielt, blühte ihr Liebesfrühling auf. Da breitete die Hoffnung ihren Rosen⸗ schimmer über die sonnige Welt, da sah sie den Geliebten in prangender Schönheit und Jugendfrische, da tönte ein Gelöbniß von seinen Lippen, das ihr eine Welt des Glückes und der Seligkeit zu verbürgen schien.— Und jetzt? Zerronnen ist der Glückstraum. Der Mann starb und ließ sie allein zurück in diesem Thal der Thränen. Nun soll sie den Kampf um's Dasein weiterführen für sich und für das kleine hülflose Wesen in ihren Armen. O, wie schwer wird es dem schwachen Weibe, das tägliche Brot zu erringen! Für die bescheidensten Bedürfnisse reicht ihr Erwerb nicht aus und so wandert aus der Wohnung ein Stück ihrer häuslichen Einrichtung nach dem andern in die Hände fremder Menschen, bis ihr nichts Ent⸗ behrliches mehr geblieben ist als der Trauring. Die schmerzlichsten Ge⸗ fühle durchwogen ihr Herz, bevor sie sich von diesem Liebespfand trennt. Ein letzter Blick auf das Antlitz ihres bleichen hungernden Kindes befestigt ihren herben Entschluß. Der Pfandleiher ahnt, was in der Seele des Weibes vorgeht, allein an seinem Tisch haben so viele bleiche Gestalten schon mit Thränen gekämpft, während zitternde Hände ihm Uhren und Ringe übergaben, daß ihn fremdes Unglück nicht mehr berührt. Er handelt mit Pfandobjekten und nicht mit Gefühlen, darum sieht er im Ring nur den Goldwerth. Der Frau und Mutter umschließt der Reif eine Welt des Glücks, die für immer verloren ging. R. E. Sebastian Bach's Trauung.„Den 17. Oktober 1707 ist der Ehren⸗ veste Herr Johann Sebastian Bach, ein lediger Gesell und Organist zu St. Blasti in Mühlhausen, des weyland Wohl-Ehrenvesten Herrn Ambroisi Bachen, berühmten Stadtorganisten und Musici in Eisenach Seel. nach⸗ gelaßener Eheleibl. Sohn, mit der tugendsamen Igfr. Marien Barbara Bachien, des evgl. Wohl⸗Ehrenvesten und Kunstberühmten Herrn Johann Michael Bachens, Organisten im Amt Gahren Seel. nachgelaßene jüngste Igfr. Tochter, allhier in unserm Gotteshause, auf gnädiger Herrschaft Ver⸗ günstigung, nachdem sie zu Arnstadt aufgebothen worden, kopuliret worden.“ So steht es im Kirchenbuche des Dörfchens Dornheim bei Arnstadt und giebt Aufschluß über die Trauung des großen Komponisten, der sich vor seiner Uebersiedelung nach Mühlheim(1707) noch verheirathete. Bach war seit drei Jahren Organist in Arnstadt und muß mit dem damaligen Pfarrer in Dornheim Gollardt befreundet gewesen sein, weshalb er auch von diesem mit seiner Cousine Marie Barbara kirchlich eingesegnet sein wollte, was auch geschah, nachdem die Braut in Arnstadt, ihrem Wohnorte, nach alter Sitte aufgeboten war, wozu freilich der gnädigen Herrschaft Vergünstigung noth⸗ wendig war. W. G. Zerstreutheit. Der Astronom Johaun Elert Bode(geb. 19. Januar 1747, gestorben 23. November 1826) saß in seinem Arbeitszimmer und berechnete die Bahn eines Kometen, als sein Dienstmädchen eintrat und dem„Herrn Professor“ einen Studenten meldete. Ohne von seiner Arbeit aufzublicken, rief der große Gelehrte:„Kann in dreihundert Jahren wieder— kommen.“ W. G. erweisen. Der leicht gewellte Scheitel, tiefer in die Stirn gekämmt oder eee ee 9 1 22 Silben-Räthsel. Aus folgenden Silben: a aur al an an bert bob bra ce dar de del der di di do dro e e ein er fisch gau gen ger haa ham hu in ir ko lan lan lech les li mar maz me mil min na ne neu ni ni nie o paal pée po pos ran rin ro scher schwert se se süd ta ta tah thal te te tel tins troweu us wa wand zi zo sollen 27 Worte gebildet werden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten, und deren Endbuchstaben, von unten nach oben gelesen, die Anfangs— und Schlußzeile eines Heine' schen Liedes ergeben. Die 27 Worte bedeuten: 5 1. Einen Wiederkäuer. 2. Ein Territorium in den Vereinigten Staaten von Nord⸗Amerika. 3. Einen berühmten deutschen Schauspieler. 4. Einen biblischen Namen, 5. Einen Bewohner des Mittelmeers. 6. Eine Stadt in Mexiko, am stillen Ozean. 7. Die sagenhafte Gründerin von Karthago. 8. Eines der größten Meere. 9. Einen Kanton in der Schweiz. 10. Eine hohe Felswand bei Junsbruck. 11. Einen männlichen Vornamen. 12. Einen römischen n 13. Eine Spinnenart. 14. Ein Alpenthal der Schweiz. 15. ine türkische Stadt. 16. Ein Dorf in Oesterreich, an der Weichsel. 17. Eine englische Kolonie in Neuholland. 18. Einen Buch⸗ taben des griechischen Alphabele. 19. Den Namen einer verstorbenen deut⸗ 5 5 Schritteelerin. 20. Eine Stadt in Bayern. 21. Eine Blume. Einen Nebenfluß der Donau. 23. Benennung für einen reichen Inder. 24. Ein Königreich. 25. Den Namen eines italienischen Volksführers. 26. Einen männlichen Vornamen. 27. Einen altdeutschen Schlachtengott. Magisches Quadrat. Die nachfolgenden Buchstaben: * A E EU E 1 8 6 I. Lo 0. sind so zu ordnen, daß sie, von links nach rechts und von oben nach unten gelesen, in den korrespondirenden Reihen gleiche Wörter ergeben und zwar: J. Eine Wasserpflanze. 2. Eine Art von Werthscheinen. 3. Eine Art Bier. 4. Ein Einhufer. Rälhsel. 800 bedien' euch, Menschen, Thiere! Ich verkünde Tag und Nacht. Niemand ohne mich erführe, Wie so hold die Schöpfung lacht In der Frühlingssonne⸗Pracht. Trotz der Kunst, den Weg vorauszugehen Und mit Blitzesflug zurückzuspähen, Bleib' ich und ver 115 niemals dich. Kannust du mich bei Andern sehen, Dann ist's ein Beweis, du habest mich. Um das Näthsel selbst dir anzusagen, Stellt es hier vor deine Augen sich; Bist du nicht mit Blindheit ganz geschlagen, So erräthst du mit zwei Andern mich. Auflösung des Kapsel-Räthsels in voriger Nummer: 1. Der. 2. Esau; — der dreisilbigen Charade: Vogelfrei;— des Arithmogriph: Die Todten reiten schnell. 1. Dattel. 2. Isaschar. 3. Everest. 4. Toulouse. 5. Ophelia. 6. Don Juan. 7. Türkis. 8. Eduard. 9. Neuenburg. 10. Riesengebirge. 11. Etüden. 12. Iser. 13. Typhus. 14. Euphrat. 15. Neapel. 16. Sardou. 17. Eilicien. 18. Helgoland. 19. Nelke. 20. Eris. 21. Luise. 22. Lerche; — des Kreuz-Räthsels: 2 2 2 * E B E E B * 2 Schach. Problem Nr. 384, von J. Bayersdorfer in München. Schwarz. n , D 79 5 Weiß. Weiß zieht an und setzt mit dem fünften Zuge Matt. Partie Nr. 220, gespielt in New⸗ Orleans am 1. März d. J. alg elste des Wettlampfeg. 5 Weiß: J. H. Zukertort. Schwarz: W. Steinitz. 1) e2—e4 eb 18) D357 Kh7—g8 2) 8g1-13 Sbs—c6 19) Tes—h3 176 3) 8b1—03 88816 20) Dhö-h7 fs) Kgs 76) 4) LfI—b5 LIS ba 2 0 Dh7-—h5“ KIT—e7“) 5) 0—0 0—0 22) TJb3—e 37 Ke7—f8 6) Se3—45 St6— ds: 23) Dhö— hst Id5— 38 7) e4- ds: ebe) 24) LfA-h6s) Tes—e7 8) d5- c: 43: 25) Te3—e7: KfS-er: 9) Dd1- 13: d7-c: 26) Lhé6—-g7: Da5 15 10) Lb5- ds Lb4-d 27) ITkl—elf Ke7 7 11) b2— 3 DdS- g5 28) 1 5-7 12) 1 Dg5—d2: 29) Dhs-h7f Lgs—h7: 13) Lb2— ls Ddz—a5 30) 02-4 aT ah 14) Lel 4 Lese 31) Lh6-es(6-65 16 1515 1 5 32) Tel dl aß—a4 16 el—e e6— iß ai i f 17 Las- Kgs hi: Weiß giebt die Partie auf. 1) Die Fortsetzung Sd 8) Sdg: ed 9) f 45 10) Le? Le7 11) df entspricht einer Va- riante in Bardeleben's„Kritik der Spanischen Partie“, welche die Spiele ausgleicht. 2) Mackenzie hält das Bauernopfer, zu dem Weiß sich hier entschließt, für das Beste unter den gegebenen Umständen. 5 5 3) Um sowohl Dhs als Ditz zu verhindern.. 1 4) Den Bauern a? zu nehmen wäre mindestens verwegen, z. B. Dag: 16) Del 6 g 17) Dad Lfan 18) Tal Tds 19) Dds: Tas: 20) Tas, und Weiß hat die Qualität gegen Tg entscheidet Lo] 23) Ddr Tgs 24) Tei! Ddé 25) P TiIsI 26) Life: Dis:[nicht Te: 20) Ldé: dé 21) 02 e c. 7) Hier folgte zunächst eine fünfmalige Wiederholung der Zügereihe Kir Db5- hg f, zwei Bauern, daher wohl, K 16) Ld2[droht 17) Tat Dbe 18) Leal mit Damen gewinn! Dag 17) bal 86 18) Die Lba: 19) Le Los 20) Tes Leb, 21) Deb 6 22) Dose Khgl Lauf wegen 27) Tes] 27) Der: ꝛc. 12 6 5 5) Weiß könnte hier auf Gewinn des Läufers spielen für seinen geopferten Osfizie 0 6) Nun ist die Gelegenheit, den Offizier wiederzugewinnen, vorüber, indem Schwarz auf oel mit Tes antworten und auf das Schach der Dame den Läufer vorsetzen kann. KIs-T hs 57, die nur den Zweck n zu gewinnen und hier weggelassen ist. 8) Wird der Läufer genommen, so kann Weiß mit Dféf und hof Remis halten. a Auflösungen. Problem Nr. 375 von J. Obermann in Leipzig. 1) DbS 8 Kd4 05 2) Te2—e4 do ed:(a4) 3) 803—b3(DfS)f 1 Varianten: 1).. 06 ob 2) Df7!l Ke(bo- ba oder aß at) 3) Tek resp. Daf: oder Did Matt. I).. do at 2) Dh Kei oder be b5 3) Dbz resp. Df. Matt. 1).. Ke 2) Tea 3) 8 oder D giebt Matt.— In dem versteckten ae der Dame nach g8 liegt die wefentlichste en der Aufgabe— eine werthvolle Zugabe zum Hauptspiel bilden die Erledigungen der Gegenzilge aß at und 605.— Die Lösung wurde angegeben von W. Kron in B., Dr. Wehrmeister in M, W. Scheuler in S., R. Blümel in S., F. Osten in G. Problem Nr. 376 von E. Enderle in London. 1 1) Kd6-d5 20 3 5—9 33 Kd5— e4(Ke, o5) 86—g7(8% Le), 1 Auch auf alle andern Gegenzülge folgt 2) Teg- dg und je nach den Königszilgen Kos. Ker oder Keb das Matt durch 3) ds. Las; Lei resp. 12.— Die Lösung wurde angegeben von W. Kron in B., Dr. Webrmeister in M., R. Blilmel in S., F. Osten in G., W. Scheulern in S. und H. Michaelis in Th.„ 2 Druck und Verlag der„Volts-Zeitung“, Akt.-Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur; R. Elch o in Berlin, Lützowstr. 105.