8 1 2 1 * 73 zu den Oberhessischen Machrichten. Zeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nr. 43. Gießen, den 24. Oktober. 166. Don Gesualdo. Von Ouida, deutsch von Arthur Roehl. (Schluß.) Heit der Beichte des Fuhrknechtes hatte der Pfarrer Generosa nicht mehr aufzusuchen gewagt. Er mochte nicht in ihre gequälten Augen schauen, wo er sie mit einem Wort in Freiheit setzen konnte, mit einem Worte, das er aber nie aussprechen durfte. Er fürchtete, daß er angesichts des Leidens dieser Frau, die so viel Gewalt über ihn besaß, seiner heiligen Pflicht untreu werden und sich sein Ge— heimniß entschlüpfen lassen könnte. Ohne Ahnung von dem Wachsen der öffentlichen Meinung gegen sich, nur ganz von dem einen übermächtigen Gedanken eingenommen, verwaltete er mechanisch sein Amt und ging durch alle Ceremonien hindurch, ohne recht eigentlich mehr bei der Sache zu sein als die Kerzen, die sein Küster ansteckte. Die Beichte, die ihm gemacht worden, ließ ihn Tag und Nacht keine Ruhe. Er sah sie wie in blutigen Zügen geschrieben an den weißen Wänden seiner Schlaf⸗ kammer, seiner Sakristei, seiner Kirche. Der Mörder ging offen und frei umher, arbeitete wie andere in dem hellen, klaren Sonnen⸗ schein, sprach und lachte, aß und trank und schlief und wachte, keiner trat ihm zu nahe. Und während dessen schmachtete Generosa im Gefängniß. Ihr blieb nur die eine Hoffnung auf den Freispruch der Geschworenen. Doch selbst dann würde sie die Schande eines allerdings nicht bewiesenen Verbrechens mit sich durch das Leben schleppen müssen. Hatte doch selbst ihr Liebhaber erklärt, daß er, wenn das freisprechende Urtheil auch nur einen Funken Verdacht auf ihr ließe, mit ihr nichts mehr zu thun haben könnte, noch durfte. Alle Welt würde gegen sie sein. Die Kinder würden mit den Fingern auf sie zeigen, als auf die Frau, die des Mordes ihres Mannes beschuldigt gewesen. Eines Tages suchte er Falko Melegari auf, als dieser gerade über seinen Rechnungsbüchern in einer tiefen Fensternische des Schlosses saß. „Sie wissen, daß sie am zehnten nächsten Monats zur Ab⸗ urtheilung kommt?“ fragte er mit halberstickter Stimme. Der junge Mann lehnte sich an den Rücken seines Holzstuhles zu⸗ rück und nickte. 8 „Und Sie?“ meinte Gesualdo mit einem neugierigen Ausdruck in seinen Augen.„Wenn sie nun freigesprochen werden wird, werden Sie dann den Muth haben, Ihren Glauben an ihre Unschuld zu beweisen? Werden Sie sie heirathen, wenn sie freikommt?“ Die Frage kam plötzlich und unerwartet. Falko wechselte die Farbe. Er zögerte. N „Sie werden es nicht thun,“ sagte Gesualdo. i „Das sagte ich nicht,“ antwortete der junge Mann ausweichend. „Ich weiß nicht einmal, ob sie es überhaupt verlangen würde.“ Es verlangen! Gesualdo verstand nicht viel von der Menschen— natur, aber er wußte, was dieses kalte Wort besagen wollte. „Ich dachte, Sie liebten sie. Ich irrte mich,“ sagte er bitter. Ein rosiger Hauch trat plötzlich auf die wächserne Blässe seines Gesichtes. Falko Melegari sah ihn keck an. „Ein Mann der Kirche sollte sich nicht in derlei Dinge mischen! Ob ich sie liebe? Sicher! Der Gedanke, sie dort unten zu wissen, nagt an meinem Leben. Ich ließe mir gerne meine rechte Hand abschlagen, könnte ich sie damit retten. Aber sie zu heirathen, wenn sie so freigesprochen wird— das ist etwas anderes. Ja, wenn die Richter auch den wirklich Schuldigen entdeckten, damit ihre Unschuld vor aller Welt klar erwiesen dasteht, und ich sie erhobenen Hauptes in meine Familie einführen könnte—“ Er stand auf und stieß ungeduldig seinen schweren Holzstuhl fort. Er schämte sich seiner eigenen Worte, doch selbst in den stürmischsten italienischen Naturen sind Vorsicht und Selbstliebe stets die stärksten Instinkte. Gesualdo sah ihn mit tiefer Verachtung im Grund seiner dunklen, leuchtenden Augen an. Dieser schöne und männliche Liebhaber der Müllerin erschien ihm als eine recht armselige Kreatur. „Im Grunde Ihrer Seele zweifeln Sie selber an ihr,“ sagte er mit Strenge und Verachtung, wie er sich von dem Schreibtisch ab⸗ wandte und durch die Glasthür wieder in den Garten hinausging. „Nein, so wahr Gott lebt, ich zweifle an ihr nicht,“ rief ihm Falko Melegari nach.„Keine Stunde, keinen Augenblick lang. Doch auch anderen den Glauben beizubringen— das ist der schwierige Punkt. Ich werde ihr stets eine Stütze und ein Freund sein, wenn sie freikommt. Aber sie heirathen— sie in meine Familie ein⸗ führen— mir sagen lassen, daß meine Frau des Mordes verdächtigt gesessen hat, das kann ich nicht, das kann kein Mann, der auf seinen Ruf noch etwas giebt. Man liebt eben aus Liebe, aber man heirathet für die Welt.“ Er sprach zu der Luft. Es hörte ihn weiter keiner mehr an als die kleinen Eidechsen, die aus ihren Löchern in der Steintreppe unter dem Glasfenster herausgeschlüpft waren. Gesualdo hatte sich über das Gras des Gartens entfernt und war hinter der hohen Lorbeerhecke seinen Augen entschwunden. Der junge Mann nahm seine Arbeit wieder auf, doch er war ruhelos und das Rechnen wollte ihm nicht mehr gelingen. Er nahm seine Büchse, pfiff seinen Hund herbei und ging in die Berge hin⸗ aus, wo die Hasen im Heidekraut und die Schnepfen im Stech— ginster wohnen. Seine Laune war hin, er war in heftiger Ge⸗ reiztheit gegen seinen Gast von eben. Er fühlte es, daß er dem Kirchenmann als ein rechter Wicht erschienen war. Indeß hatte er nach allem doch nur gesprochen, wie jeder andere Mann es an seiner Stelle auch gethan haben würde. 5 5 9 . 2338. ee e e In der Sympathie ihres gemeinsamen Leids hatte sein Herz sich eine Weile für Gesualdo als für den einzigen, der außer ihm an das Schicksal der Frau Tasso Tassilo's dachte, erwärmt; doch nun, da der Argwohn in ihn einkehrte, kam ihm damit auch all der bittere anerzogene Haß gegen die Kirche wieder, den der sanfte Charakter des Priesters von Marca eine Zeit lang in ihm ein— geschläfert hatte. „Natürlich, er ist ein Lügner und Heuchler,“ dachte er ingrimmig. „Vielleicht hat er gar selbst den Mord begangen.“ Er wußte, daß diese Idee ein Wahnsinnsgedanke war. Gesualdo hatte nie— auch nur einer Fliege wehe thun können. Das war allbekannt. Sein weiches Gemüth hatte ihn oft genug zum Gelächter der Kinder von Marca gemacht, wenn er Vögel, Schnecken oder Frösche aus ihren marternden Fingern befreite und den Kleinen verbot, Steine auf die Lämmer zu werfen, die sie auf die Weide trieben. Es war Tollheit zu glauben, daß solch ein Mann, der weich wie eine Frau und scheu wie ein Lamm war, Tasso Tassilo so in der Nähe der Kirche, fast auf geweihtem Boden, angefallen haben konnte. Und doch wuchs und wuchs der Verdacht im Geiste des jungen Mannes, bis er am Ende die ganze Kraft einer wirklichen Ueberzeugung gewann. Heißt man doch keinen Argwohn so eifrig willkommen, als wenn er mit unseren Vorurtheilen harmonirt. „Ich glaube, Sie wissen mehr als sonst Jemand,“ sagte er eines Tages geradezu zu ihm, als er dem Priester auf einem schmalen Feldweg begegnete, und seine Augen sprühten dabei argwöhnisch über das niedergeschlagene Gesicht Gesualdo's, der, als ob er einen Schlag bekommen hätte, zurückfuhr und schwieg. Er hatte in einem unbedachten Impuls gesprochen und wäre wohl selbst kaum im Stande gewesen, zu sagen, was er eigentlich meinte; doch wie er die deutliche Verlegenheit des anderen sah, schien ihm seine zufällige Aeußerung seltsam bestätigt. „Wenn Sie irgend etwas wissen, was Generosa retten könnte und Sie sprechen nicht,“ sagte er leidenschaftlich,„so mögen alle Teufel, an die Sie glauben, Sie in alle Ewigkeit foltern.“ Gesualdo schwieg noch. Er schlug nervös das Zeichen des Kreuzes und ging weiter. „Verdammt seien diese Pfaffen,“ sagte der junge Mann bitter, wie er ihm nachsah,„könnte man nur mit ihnen umspringen wie mit anderen Menschen— doch in ihrer Gemeinheit und Schwäche schützt sie gleich Weibern ihr Rock.“ IV. Inzwischen gab sich Gesualdo übermenschliche Mühe, den wirklichen Schuldigen zum offenen lauten Geständniß dessen zu bringen, was jener ihm unter dem Siegel der Beichte anvertraut hatte. Er suchte den Menschen heimlich auf, ermahnte ihn und sprach ihm zu und beschwor ihn in Gottes und aller Heiligen Namen, aber der Girellone war verstockt und hörte auf kein Bitten und auch kein Drohen. Ihn ließ all das Leid, das er verschuldet hatte und das er, wenn er weiter schwieg, noch verschulden würde, vollkommen kalt. Was ging ihn das alles an? Der Gedanke an die Einkerkerung der Müllers— frau machte ihm obendrein Spaß. Er hatte die Putzsüchtige gehaßt, die Hungerleiderstochter, was war sie besser als er? Dann und wann hatte Generosa ihm in ihrer achtlosen, herrischen Weise be— fohlen, Wasser oder Holz für sie zu tragen, ohne je ein„Schön Dank“ oder einen„Guten Tag“ für ihn gehabt zu haben. Das hatte stets seinen Stolz verletzt und er hatte sich oft selbst über— winden müssen, sie nicht ganz laut in ihrem eigenen Haus eine feige Betteldirne zu schimpfen. Gesualdo kämpfte mit all' der Kraft seines Glaubens für die Seele dieses verstockten Bösewichtes und warnte ihn vor der ewigen Strafe. Doch er hätte ebenso gut zu den großen Mühlsteinen sprechen können, die in dem Flußwasser ausruhten. Warum nur hatte der Unmensch die Last seines gemeinen Geheimnisses auf un— schuldige Schultern geworfen? Es war ihm ein bitter stechender Schmerz, keinerlei Schuldgefühl in dem Gewissen des Uebelthäters erwecken zu können. Der Mensch war theilweise in einem vagen abergläubischen Impuls, einem Rest von Glauben aus der Kind— heit her zu ihm gekommen, theilweise aus dem Bedürfniß, sich zu Jemand auszusprechen— per sfogarsi, wie er sagte; es hatte ihm eine Erleichterung geschienen, den Priester zum Mitwisser seiner Schuld zu machen. „Sie werden aber ewig im Fegefeuer bleiben, wenn Sie so weiter in Ihrer Sünde hinleben,“ meinte Gesualdo immer wieder und wieder zu ihm. „Das muß ich riskiren,“ antwortete der Mensch,„aber die Hölle ist weit und die Galeeren sind nahe.“ „Indeß wenn Sie nicht glaubten an meine Kraft, Ihnen Ihre Schuld zu vergeben oder Ihnen zu fluchen, was beichteten Sie mir überhaupt?“ rief Gesualdo. „Weil ich das Geheimniß von der Leber herunter haben wollte,“ antwortete der Girellone,„und ich wußte, Sie können es doch Nie— mandem weiter sagen.“ Und aus dieser Stellung trieb ihn nichts heraus. Kein Bitten, kein Flehen, kein Drohen, kein Fluchen rührte ihn. Er hatte ge— beichtet„per sfogarsi,“ das war alles. Einen Abend jedoch, nachdem Gesualdo ihn wieder einmal so zur Rede gestellt, packte ihn Schrecken— Schrecken vor den Dingen dieser, nicht jener Welt. Er hatte sein Geheimniß preisgegeben; wer konnte wissen, ob er nicht doch in Gefahr stand? Jeden Augen— blick fürchtete er, die Hand des Gesetzes auf sich zu fühlen. So oft er die Carabinieri durch das Dorf traben hörte oder die weißen Säbelgürtel und die Federhüte der Gensdarmen im Sonnenlicht der Felder erblickte, überlief es ihn eiskalt vor Angst, der Priester könnte doch gesprochen haben. Er wußte, daß er es nicht konnte, nicht durfte und doch lebte er in beständiger Furcht. Er zählte sich das bischen Geld auf, das er sich gespart hatte, ein paar zerknitterte, schmutzige Banknoten und fragte sich, ob das bis Amerika ausreichen würde. Es war nur herzlich wenig, aber seine Furcht trieb ihn, sich auf das Wenige zu verlassen. Er dachte sich eine Geschichte aus, wie sein Bruder von Drüben ihm Geld geschickt hätte, daß er nachkäme und dann packte er seine sieben Sachen und verschwand. In der Mühle und im Dorf wurde seine Abreise lebhaft besprochen. Der Girellone hatte Glück, hieß es, aber zurückwünschen würde sich ihn keiner. Gesualdo hörte von der Flucht im Laufe des Tages. „Mein Gott— er— verschwunden— außer Landes gegangen!“ rief er unwillkürlich mit bleichen Lippen. Die Leute, die das hörten, verwunderten sich. Was that es ihm, daß der Fuhrknecht über das Meer zog, sein Glück zu suchen! Der Girellone war weder ein so guter Arbeiter, noch ein so guter Kamerad gewesen, daß ihn irgend einer in der Mühle oder im Dorf vermissen würde. „Amerika kriegt allen unseren Schund,“ sagten die Leute.„Mag er der neuen Welt wohl bekommen.“ Und mittlerweile wanderte der Mörder Tasso Tassilo's ungehindert über Land bis an die Meeresküste, und im Hafen von Livorno be— zahlte er einen Platz in einem Auswandererschiff, und Marca sah ihn nimmer wieder. Die Last seiner Blutschuld aber hatte er zurückgelassen, sie lastete auf einer schuldlosen Seele mit der Schwere einer Welt. So lange der Mensch in Marca geblieben war, hatte Gesualdo immer noch die Hoffnung, ihn überreden zu können, daß er sich dem Gerichte stellte oder daß irgend ein Zufall zur Entdeckung seiner Schuld führte, doch jetzt, wo er auf dem Meere schwamm, war es auch mit dieser Hoffnung vorbei, und Gesualdo machte sich die entsetzlichsten Vorwürfe, zu zag in seinem Kampf um die Seele des Bösewichtes gewesen zu sein. Der für den Prozeß festgesetzte Tag rückte heran, es war der zehnte Mai. Ein heißer Tag, an dem die Bienen zwischen den Akazieublüthen summten, die grünen Laubfrösche oben in den Stein— eichenwipfeln jauchzten und die Eidechsen hinein und herausliefen aus den Sina-Rosenhecken auf den Straßen. Eine Masse Leute aus Marca waren als Zeugen vorgeladen, und diese begaben sich auf Maulthierfuhrwerken und altmodischen, mit dem Ackerpferd be— spannten Chaisen zur Stadt. Sie murrten, daß ihnen ein Tag Arbeit auf dem Felde verloren ging und waren doch höchst ver— gnügt und befriedigt bei dem Gedanken, Generosa auf der Armen⸗ fünderbank zu sehen und gegen sie auftreten und aussagen zu können, was sie wußten und mehr als sie wußten. Falko Melegari ritt in aller Frühe allein hinüber, und Gesualdo, seine Haushälterin und sein Küster fuhren mit der von San Arturo abgehenden Post und rollten über die staubigen Straßen und die 3 A 5 — 9K N ö 339 D Brücken an Heiligenbildern, Schänken und Schmieden vorbei hin zur Stadt. Der Pfarrer verlor kein Wort während der vier langen Stunden, die der wackelige überfüllte Wagen mit seinen elenden halbverhungerten Pferden zu der Fahrt in dem kühlen Morgensonnenlicht brauchte. Er hielt sein Brevier in der Hand zum Scheine, und da er so in Gedanken vertieft aussah, störten ihn seine geschwätzigen Nachbarn nicht, sondern plauderten für sich und füllten die kleeduftige Luft mit dem Geruch ihres Knoblauchs, ihres Weins und ihres gemeinen Tabaks an. „Candida blickte dann und wann ängstlich auf den Pfarrer hin, von— sie wußte selbst nicht welch einer vagen Ahnung heimgesucht. Sein Gesicht sah ganz eigenthümlich aus, dachte sie, und seine fest— geschlossenen Lippen waren weiß wie die Lippen einer Leiche. Als die Postkutsche über das Pflaster der Straßen hinweg in die Stadt hineingeklappert war, stiegen sämmtliche Passagiere vor der ersten Weinschänke aus, die sie auf der Piazza sahen, um zu essen und zu trinken, er jedoch winkte stumm seine Haushälterin beiseite, als sie ihm eine Erfrischung anbot, und trat in die große Kirche auf dem Platz, um einsam zu beten. Die Stadt war heiß und staubig und spärlich bevölkert. Sie hatte braune Ringmauern, hohe unbewohnte Sandsteinpaläste und Ziegelthürme, die in den Himmel hineinragten. Kunstfreunden war der Ort lieb und werth wegen der paar schönen Gemälde aus der Senesischen Schule, die hier in den Kirchen hingen. Das Gerichts- gebäude stand auf einem der leeren, staubigen, stillen Plätze des Ortes. Es war einst der Palast des Podesta gewesen und zeigte die mit Schießscharten versehenen Wände und die zinnengekrönten Thürme einer vergangenen stolzeren Zeit. Der Gerichtssaal war ein großer, gewölbter, feierlich⸗düsterer, von Marmorsäulen getragener Raum voller Landleute. Der Gerichtspräsident saß zwischen seinen Kollegen, eine Renaissancefigur in schwarzem Barett und schwarzem Talar, da. Die Angeklagte saß auf der umgitterten Anklagebank, von Gendarmen bewacht. Gesualdo blickte einmal durch eine Seiten⸗ thür hinein, doch fuhr er gleich wieder mit einem Geräusch in seinen Ohren wie das Zischen der See zurück und blieb im Wartesaal draußen, wo ein frischer Luftzug von der Treppe her an seine Stirn drang und wartete, bis sein Name aufgerufen wurde. Die Verhandlung nahm ihren Anfang. Es war und blieb alles beim Alten. Dieselben Aussagen, die bei der Voruntersuchung gemacht worden waren, wurden hier nur wiederholt. Die Leute von Marca hatten in der Zwischenzeit allerdings manches vergessen, die Lücken füllten sie mit eigenen Erfindungen aus; doch im großen Ganzen war ihr Zeugniß nur unerheblich von dem einstigen verschieden. Gesualdo kam erst am dritten Tag zur Vernehmung. Diese siebenzig oder achtzig Stunden des Wartens waren ihm eine fürchterliche Zeit. Kaum daß er dann und wann sein Fasten unter⸗ brach oder überhaupt sich dessen, was er that, bewußt war. Er brachte diese ganze Zeit stumm auf dem Gericht lauschend oder in den Kirchen betend zu. Als er endlich aufgerufen wurde, badete ein kalter Schweiß sein Gesicht und sein Haar. Seine Hände flogen; er antwortete den Richtern und den Advokaten so verwirrt, daß man an seinem Verstand zweifeln konnte und er erklärte sie so leidenschaftlich und so nachdrücklich für unschuldig, daß der Eindruck, den er auf die Zuhörer machte, gerade ein dem gewünschten entgegen— gesetzter war. 5 „Dieser Priester weiß, daß sie schuldig ist,“ dachte der Präsident. „Er weiß es, vielleicht weiß er sogar mehr— vielleicht war er ihr Komplice.“ Seine Aussage, sein Aussehen, seine ungestümen sich wider⸗ sprechenden Worte schadeten ihrer Sache so sehr, wie er sich mühte, ihr zu nützen. Von anderen Zeugen aus Marca hatte der Richter gehört, daß zwischen dem Pfarrer von San Bartolo und Generosa Fe stets eine große Freundschaft bestanden, und daß an dem Morgen, an dem der Mord entdeckt wurde, der Priester die Leiche, der Polizei zuvorkommend, von dem Orte der That in die Sakristei geschafft hatte. Eine gewaltige Voreingenommenheit herrschte gegen ihn im Saal und im Zuhörerraum; und sein bleiches, erregtes Gesicht, seine unzusammenhängenden Worte, seine wilden Augen, die beständig die Angeklagte suchten, das alles gab ihm wirklich das Aussehen eines Schuldbewußten. Der Präsident nahm ihn erbarmungslos ins Kreuzverhör und that sein Möglichstes, die Wahrheit, die nach seiner Ansicht Gesualdo verheimlichte, aus ihm herauszuziehen. Doch ohne Erfolg. Wirr und halb blödsinnig, wie er schien, verrieth er mit keiner Silbe, was er wirklich wußte. Nur wenn seine Augen auf Generosa ruhten, lag solche Todesangst in ihnen, daß jene selbst darüber stutzig wurde. „Hätte ich je geglaubt, daß es ihm so nahe gehen würde,“ dachte sie.„Aber freilich, er war ja stets eine so zarte Seele, und konnte nie auch nur ein Thier zur Schlachtbank führen sehen.“ Gescholten und zurechtgewiesen wurde Gesualdo endlich aus seiner Folter entlassen. Blind und schwindelnd ging er durch die Menge hinaus, an den Beamten vorbei, die Treppe hinunter und an die frische Luft. Die Piazza stand voller Menschen, die keinen Platz in dem Gerichtsgebäude hatten finden können. Das Murmeln ihrer raschen lauten Stimmen schlug wie das Brausen einer See an sein Ohr. Sie waren alle einer und derselben Ansicht.„Sie werden sie verurtheilen,“ meinten sie und wunderten sich dann, wie hoch die Strafe ausfallen würde. Ob auf lebenslänglichen Kerker oder aber weniger. Gesualdo ging durch die schwatzende, neugierige, gedankenlose Menge. Der Ermordete war ihnen allen ein höchst gleichgültiger Mann gewesen, und seine Frau hatte keinem von ihnen etwas zu Leide gethan, und doch war nicht einer in dem Gedränge, der ehrlich eine Freisprechung gewünscht hätte, obgleich die allgemeine Stimmung dahinging, daß die Angeklagte nur etwas ganz Natürliches gethan. Die dunkle Gestalt des Priesters glitt durch die erregten lauten Gruppen. In der Luft lag die Hitze des Sommers, der Himmel oben war blau und wolkenlos, die Wände der Kirche und der Häuser glühten in der Sonne. In einer Ecke des Platzes stand eine Fontaine,— ein Ueberrest aus alten besseren Zeiten der Stadt— in der blaßgrünes Wasser kalt und frisch um Marmordelphine herum— sprang. Gesualdo bückte sich und trank daraus durstig, als wollte er nie aufhören zu trinken, dann ging er seinen Weg weiter, stieß den Ledervorhang der Kirchenthür auf und trat in die Kühle und die Einsamkeit dieser Zufluchtsstätte. Hier warf er sich im Gebet vor das Kreuz und weinte bittere, brennende Thränen um seine Hilflosigkeit. Doch selbst vor dem Altar seines Gottes ward ihm die Ruhe versagt. Eilige, laute, ungestüme Tritte ven schweren Stiefeln er— schallten auf dem alten, ausgetretenen Marmorboden der Kirche. Falko Melegari tauchte hinter ihm auf und legte seine Hand schwer auf seine Schultern. Des jungen Mannes Antlitz glühte, seine Augen funkelten wild, sein Athem war schnell und ungleichmäßig; er achtete nicht der Heiligkeit des Ortes. „Stehen Sie auf und höreu Sie mich an,“ sagte er rauh. „Es heißt allgemein, das Urtheil wird gegen die Angeklagte lauten. Sie wissen es.“ Gesualdo nickte. „Wohlan,“ sagte der Verwalter durch seine zusammengebissenen Zähne,„wenn dies wirklich so eintrifft, so schwöre ich Ihnen bei meinem Leben, daß ich Sie statt ihrer bei den Richtern anzeigen werde.“ Gesualdo antwortete nicht. Er stand in nachdenklicher Haltung da, die Arme über die Brust gekreuzt. Er drückte weder Staunen noch Entrüstung aus. „Ich werde Sie anzeigen,“ wiederholte Melegari, wüthend über das Schweigen.„Was hatten Sie bei Nacht unter den Pappeln an der Straße nach der Mühle zu thun? Warum schafften Sie die Leiche vom Fundorte weg? Spricht nicht das ganze Dorf von Ihrem seltsamen Wesen und Ihren veränderten Gewohnheiten? Bei Gott, Anhalt genug, um selbst einen besseren Menschen als Sie auf die Galeren zu bringen. Auf alle Fälle, seien Sie sicher, daß ich Sie anzeige, wenn Sie nicht bis morgen dem Präsident alles haarklein gestanden haben, was Sie wissen, Sie heuchlerischer, schwarzröckiger Schurke!“ Eine flüchtige Röthe trat auf das bleiche Gesicht Gesualdos, aber er schwieg. Der junge Mann, der ihn mit haßerfüllten Augen musterte, sah sein Schuldbewußtsein in diesem hartnäckigen Schweigen. „Sie wagen nicht zu leugnen, wiewohl Sie ein geschulter Lügner sind,“ rief er mit leidenschaftlichem Hohn.„Der Bösewicht, der sich einen Diener Gottes nennen will und erbärmlich und feig seine Schuld auf das Haupt einer schwachen, unschuldigen Frau zu wälzen sucht!— Ah, hören Sie mich an— Keiner kann sagen, daß ich nicht mein Wort einlöse; und hier bei diesem Kreuz, das über uns e PP. ˙·0‚A 9 — 2340. 9 Deo e hängt, schwöre ich hoch und heilig, daß, sollte sie verurtheilt werden und Sie nicht freiwillig Ihr Gewissen erleichtern, ich Sie dem Gesetz anzeigen werde; und wenn das Gesetz sich der Gerechtigkeit verschließt, dann bringe ich Sie um, wie Tasso Tassilo umgebracht wurde. Verstehen Sie mich?“ Dann schritt er ohne ein weiteres Wort zur Kirche hinaus, der goldige Nachmittagssonnenschein drang durch die bunten Fenster ein und fiel auf sein blondes Haar, auf sein glühendes Gesicht und auf seine flammenden Augen, seine ganze Erscheinung ver— klärend, daß er aussah wie der Racheengel aus Tintoretto's Paradies. Gesualdo stand regungslos in der leeren Kirche, die Arme über⸗ einander geschlagen, den Kopf gesenkt. Ein großer Entschluß, ein hehrer Gedanke war ihm unter den wüthigen Worten seines Widersachers gekommen. Der Himmel selbst schien ihn erleuchtet zu haben. Er konnte nicht das Geheimniß aufgeben, das ihm in dem Beichtstuhl anvertraut worden war, aber er durfte sich selber opfern. Er durfte es den Märtyrern nachthun. Warum sollte er sich ihrer heiligen Schaar nicht anreihen? Nein, sich auch nur in Gedanken an ihre Seite zu stellen, dazu war er viel zu demüthig. Seine That, sagte er sich, würde höchstens die Sünde sühnen, die er glaubte damit begangen zu haben, daß er eine wenn auch noch so harmlose irdische Neigung sich in sein Herz hatte einschleichen lassen. Er gehörte eben mit seinem frommen, gläubigen Sinn durchaus nicht in die Welt hinein, die ihn um— gab; er war um Jahrhunderte zu spät geboren. Seinem Sinn schien das Opfer, das sich plötzlich so vor ihm erhob, der einzige Ausweg, sich zugleich mit der Gottheit, die er be— leidigt hatte, wie mit der Menschheit, die er zu hintergehen ver— sucht war, zu versöhnen. Seinem von langem körperlichen Fasten erschöpften Geiste schien diese Selbstaufopferung ein direkter Himmels— befehl. Er wollte sein eigenes Leben in Elend und Schande be— schließen. Und warum nicht? Hatten nicht die großen Märtyrer und Gründer seiner Kirche ebenso oder noch mehr geduldet? Wurde nicht durch solche freiwillig hingenommene und auf Erden ertragene Folter die Gnade Gottes erkauft? Er hatte sich wirklich zu einer Lüge entschlossen. Er wollte Schande auf den Namen der Kirche herabziehen. Er wollte die Welt glauben machen, daß ein gesalbter Priester ein gemeiner Mörder war; doch an das Alles dachte er nicht. In der Betretenheit seiner geängstigten Seele schien ihm die Vision eines Opfers, in dem er der einzig Duldende war, in dem die Unschuldige gerettet wurde und das ihm anvertraute Geheimniß bewahrt wurde, eine ihm vom Himmel eingegebene Lösung der Zweifel und Schwierigkeiten auf seinem Wege. In inbrünstigem Gebet vor einem der Nebenaltare der Kirche knieend, wähnte er in den Nachmittags-Sonnenstrahlen, die durch die hohen Fenster auf sein Antlitz fielen, das Licht einer himmlischen Welt zu sehen, und in der Stille und in der Hitze der weihrauchgeschwängerten Luft glaubte er eine Stimme zu hören, die ihm zurief:„Das thue und es wird Dir Alles vergeben!“ Er war weder ein kluger, noch ein starker, noch ein hochgebildeter Mann. Er hatte das Herz eines Dichters und das Gemüth eines Kindes, einen aufopferungsfähigen Muth und einen innigen Glauben. Er war jung, weltunerfahren und schwach, im Grunde seines Her— zens aber schlummerte ein gewisser Heroismus und Liebe zu dieser Frau, die Liebe, die, wie er glaubte, all' das Unglück auf sein Haupt beschworen. Als er endlich aufstand und zur Kirchenthür hinausging, war er fest mit sich entschlossen. Eine hehre Ruhe, wie er sie lange nicht mehr gekannt hatte, war über ihn gekommen. Der Tag neigte sich, die Sonne war niedergegangen, die Menge hatte sich zerstreut. Stille herrschte auf dem leeren Platz, nur ge— brochen von dem Rauschen des Wassers, das sich aus den Rachen der Delphine in das Marmorbassin ergoß. Wie er dies heimliche Rauschen vernahm, ward es ihm wehe um's Herz und die hellen Thränen traten in seine Augen. Würde er doch nie mehr, fiel ihm ein, das Wasser des Marca-Flusses an kühlen Herbsttagen an seinen grünen pappelbesetzten Ufern vorbeiströmen hören, nie mehr in seinem Heimathsort die grau⸗grünen Arnowellen durch das Rohrdickicht in das Meer schießen sehen! Um drei Uhr am folgenden Tag wurde das Urtheil auf dem Gerichte gefällt. Generosa Fe ward für schuldig des Gattenmordes erklärt und zu zwanzig Jahren Einzelhaft verurtheilt. Sie sank hilflos zusammen, als sie dieses Urtheil vernahm und ward ohnmächtig von der An⸗ klagebank fortgetragen. Ihr Liebhaber schrie wie ein gefoltertes Thier auf, fuhr mit dem Kopf gegen die Wand und rang wie ein Wahnsinniger mit den Leuten, die ihn zu halten versuchten. Ge⸗ sualdo, der draußen auf dem großen Treppenflur wartete, verzog keine Miene; er hatte sich auf dies Urtheil gefaßt gemacht und war bereit, die Folgen desseben zu tragen. 5 Eine tiefe Ruhe war über ihn gekommen und in seinen Zügen lag jene Gelassenheit, die allein von einer mit sich in Frieden lebenden Seele kommt. Der schwüle Nachmittag warf sein gelbes Licht auf die braune und graue, staubige Stadt. Die Menge strömte erregt und ge— schwätzig, sich drängend und stoßend, und jetzt, da die Unglückliche verurtheilt war, ihre Parthei nehmend, aus dem Gerichtsgebäude hinaus. Der Priester allein rührte sich nicht; er blieb auf seinem Stuhl unter dem Recht und Gerechtigkeit veranschaulichenden Schnitz⸗ werk an der Wand sitzen. Er achtete nicht des Drängens der Menge und der Hast, mit der die Beamten ihre Akten zusammen⸗ nahmen, um ihr Tagewerk zu beschließen. Er blieb, von der Sonne schrägen Strahlen beschienen, ruhig sitzen. Seine Hände hielten mechanisch sein Brevier. Seine Lippen murmelten mechanisch eine lateinische Gebetsformel. Als sich alles entfernt hatte und ihn einer der Wächter beim Arm faßte und ihm sagte, daß man den Saal schließe, hob er seinen Kopf, als erwachte er aus einem Traum und sagte ruhig zu dem Mann: „Ich möchte auf einen Augenblick den Gerichtspräsidenten sehen. Wäre dies möglich?“ Nach längerem Zögern und Bedenken führte man ihn in ein kleines Kabinet des Palastes zu dem Vorsitzenden, wie er gewünscht. „Was wünschen Sie?“ fragte der Richter und sah nervös auf das bleiche Gesicht und die müden Augen seines ungebetenen Gastes. Gesualdo antwortete:„Ich will Ihnen erklären, daß Sie eine Unschuldige verurtheilt haben.“ Der Richter sah ihn spöttisch und verächtlich an. „Wohlan,“ fragte er,„wenn sie unschuldig ist, wollen Sie mir den Schuldigen nennen?“ „Ich bin es,“ antwortete der Priester. N *.* Bei seinem Prozeß sprach er kein Wort. t Den Kopf gesenkt und die Hände gefaltet stand er hinter dem Gitter, wo sie gestanden und antwortete mit keiner Silbe auf die Fragen seiner Richter. Eine Menge Zeugen waren vorgeladen und alle erklärten, dieser Selbstanklage Glauben beizumessen. Die, welche ihn stets dunkel im Verdacht gehabt, alle die, die sein Be— nehmen beim Auffinden der Leiche gesehen, die Maulthiertreiber, die ihn bei Nacht unter den Pappeln graben sahen, der Küster, der von ihm an jenem Morgen so zeitig geweckt wurde, selbst seine alte Haushälterin, die ihn freilich sonst als ein Lamm, einen Engel, einen Heiligen ausmalte, alle, alle sagten absichtlich oder unabsichtlich Dinge aus, die nur sein Geständniß bestätigten. Die Männer des Gesetzes ließen obendrein die Erde unter den Pappeln aufgraben, und als man dort das blutbefleckte Messer vorfand, schien selbst die Erde gegen ihn zu sprechen. Nach langen Wochen eifriger Untersuchung ward Generosa Fe endlich freigelassen und er statt ihrer verurtheilt. Ihr Liebhaber heirathete sie und zog mit ihr in die heimathliche lombardische Ebene. Dort lebten sie glücklich und gediehen und Marca sah Generosa niemals wieder. Manchmal sagte sie zu ihrem Mann:„Ich kann mir nicht denken, daß er schuldig ist, da steckt ein Geheimniß dahinter.“ Ihr Gatte aber lachte dann stets und antwortete:„Sei ruhig, er ist der Schuldige, ich habe ihn zu diesem Geständniß gezwungen.“ Generosa glaubte es gleichwohl nicht recht, doch sie stieß den Zweifel von sich und spielte mit ihren hübschen Kindern. Und nach allem, dachte sie, warum auch zweifeln? Hat er nicht selbst seine Schuld angezeigt, und hatte nicht die ganze Einwohnerschaft von Marca laut bezeugt, daß sie ihn stets im Verdacht gehabt und so lange nur aus Respekt vor der Kirche geschwiegen hatte? Der Verurtheilte selbst lebte noch zwei lange Jahre unter den Galeerensklaven der Westküste. Während der ganzen Zeit that er nie den Mund auf; man hielt ihn in der Anstalt für geistesgestört. eee eee ae eee ee 1 ů— —— 4 4 1 di ucg zwo ehen eg; 2342. In der Kälte und in der Nässe des dritten Winters siechte er zu— sehends dahin und im Frühjahr darauf starb er an der Auszehrung. In seinen letzten Augenblicken verklärte eine unendliche Freude sein Antlitz. „Erlöse mich, Amen,“ murmelte er, als er starb. Ein Vöglein kam und sang an dem schmalen Fenster seiner Kerkerzelle, als er den Geist aufgab. Es war eine Nachtigall; viel⸗ leicht dieselbe, die einst in Sommernächten in den wilden Rosen— hecken von Marca geschlagen. Die Stimmen der Natur. Aus dem Französischen. Abend wurde es. Der Tag war heiß und sonnig gewesen, nach Reiner Reihe von Regentagen der erste schöne Tag, der endlich den so lang ersehnten Sommer einzuleiten schien. Die Sonne war bereits untergegangen; aber trotzdem, unermüdlich in ihrer Freude und ihren Liedern, ließen die Distelfinken, Grasmücken, Buchfinken und Drosseln ihren Sang ertönen. Zahllose Nester wiegten sich in den Hecken, auf den Gipfeln der hohen Bäume girrten süß und melancholisch die Holztauben, jenseits aber über dem Walde am fernen Horizont stieg langsam der Vollmond empor, umwoben von zitternden, schimmernden Wölkchen, während in den Büschen dicht beim Landhause wunderbar und entzückend die Nachtigall in tausend— fachen Harmonieen die Nacht pries. Ab und zu schwieg Alles auf kurze Zeit, und der aufmerksam N Lauschende hörte dann das Rascheln des Laubes und die fliegenden Würmchen, wie sie auf ihrem Flug unachtsam gegen Zweige und Aeste stießen. Auch das Schwirren und Summen der Maikäfer war vernehmbar. In dichten Schwärmen zogen sie durch die Luft, über die die letzten Strahlen des scheidenden Tages goldenen Schimmer warfen. Endlich verstummte das Geräusch, Alles schien zu schlafen, da plötzlich begann von Neuem der Zauberschlag der Nachtigall. Aber ganz still war es vorhin doch nicht gewesen; denn dort zwischen den Heuhaufen, unter den Gräsern und Kräutern der Waldlichtung tönte wie die Grundmelodie des heutigen vielstimmigen Konzertes, unermüdlich, ohne Unterbrechung ein leiser Sang— das Zirpen der Grille. Die letzten Strophen der Grasmücke, die Dacapos der Nachtigall, das Girren der wilden Tauben, das Summen der Käfer, die ein— förmigen Rufe der Unke, die wie vereinzelte Glockenschläge sich an— hörten, das Quaken der Frösche am Weiher, Alles das schwieg mitunter wie auf Verabredung, lauschte eine Zeit lang, um dann im verstärkten Chor abermals zu beginnen, ein wirres und bizarres Accompagnement zu dem unermüdlichen Sang der Grille. Ihr Stimmchen so demüthig, ruhig und bescheiden gleich der Milde der Dämmerung und Nacht, aber trotzdem herrschte sie hier in der zahllosen Menge als unbeschränkter Souverän, sie gab hier den Ton an und durfte selbst dann fingen, wenn alle Andern schwiegen. 550 Ich lauschte dem Zirpen der Grille, ich dachte daran, daß ich sie einst im Luftballon auf mehr als 800 Meter Distanze gehört hatte, ich dachte weiter daran, daß sie ohne Stimme spricht, daß ihr Mund stumm ist, und daß sie um mehr als Millionen Jahre früher da war als alle diejenigen Geschöpfe, welche einst als die Ersten auf Erden zu singen anfingen.(Ihre Entstehung datirt aus der primären geologischen Epoche, während das Auftreten der ersten Vögel aus der sekundären datirt.) Ich dachte ferner der süßen Stunden der Kindheit, dachte an die Märchen, die Abends die alte Groß— mutter mit lächelnder Miene uns Kindern zu erzählen wußte, wie wir, dicht um sie gedrängt, entzückt und gespannt lauschten, während in der Ferne hinter uns das Heimchen sang. Ich verglich diese ver— gangene Zeit mit der gegenwärtigen Stunde, und die kleine un— scheinbare Grille hörte auf mir unbedeutend zu scheinen, ich horchte ihrer Stimme und dachte an die, welche nicht mehr sind, an die, welche unter dem Gras des Kirchhofs schlafen, an deren Gräbern auch das Heimchen zirpt. ae Dann gingen mir all die verschiedenen Stimmen der Natur durch die Gedanken in seltsamer Weise wie nie zuvor. Sie sprachen alle zu mir in ihrer Sprache, und ich verstand es. Die Grille, welche die Hitze im Backofen des Bäckers aufsucht, welche unserm Sonnenschein die Dunkelheit der Nacht, die Abenddämmerung, das Düster dichter Gebüsche vorzieht, glaubt sich noch immer unter der heißen und finstern Atmosphäre der primären Wälder, welche ihre Wiege schützten. Zur Zeit, wo dieser Urahn aller Insekten in der Stille der sich gebärenden Landschaft zum ersten Mal seine Flügel- decken rieb und ertönen machte, war die Sonne riesengroß aber neblig, und die Erde viel heißer als heut zu Tage. Es gab weder Jahreszeiten noch Klima. Eine gleichmäßig laue Temperatur herrschte überall, die Atmosphäre jener ersten Tage war die eines Treibhauses. Bis dahin war die Natur stumm gewesen, die Grille(im Volks- munde Heimchen) und die Cikade sind die beiden Patriarchen des Gesanges. Die Erde hatte nur erst die niedersten Thierarten hervor— gebracht, Zoophyten, Mollusken, einzelne Aneliden, Arachniden, Tausendfüße und eine einzige Klasse von Wirbelthieren, die der Fische(doch waren es nur Knorpelfische, Ganoiden mit unvoll— kommenem Skelett), eine Welt also von Taubstummen, wenn man es so nennen will. Die Grille, die Cikade, die Motte, die Libelle sind die ältesten Insekten, die man in einzelnen fossilen Trümmern aus der Zeit der devonischen Epoche aufgefunden hat, einer Epoche, die selbst der Aera der Steinkohlenformation vorausgeht und wohl an zehn Millionen Jahre älter ist als die Menschheit. Die voll— kommneren Insekten, die eleganten Schmetterlinge, die arbeitsamen Bienen, die intelligenten Ameisen, die Hymenopteren, Dipteren und Lepidopteren sind erst um viele Jahrhunderte später entstanden mit der fortschreitenden Entwickelung der Arten. Die Grille scheint also das erste Wesen gewesen zu sein, welches einen Ton von sich geben konnte. Aus Mangel einer Stimme freilich, die damals noch nicht existirte, rieb sie ihre Flügeldecken und zum ersten Mal kündete sie laut den ersten Wesen, die zu hören vermochten:„Ich bin da!“ Die Stimmen haben Ton und auch Farbe; die einen sind hell, die andern finster, einige farblos, man möchte sagen grau: der monotone und einfache Schrei der Grille zählt zu den grauen, und von gleicher Beschaffenheit ist auch ihre Intelligenz. Stultior grillo! dummer als eine Grille! sagten vor 1000 Jahren schon die alten Lateiner.— Ganz primitiv und aller List unfähig läßt sie sich selbst ganz leicht von Kindern fangen. Durch ihre Stimme allein macht sie sich bemerkbar und entzieht sich auch der Verfolgung; beim geringsten Geräusch schweigt sie, horcht einen Moment, um bald von Neuem zu beginnen. g Es klingt wie ein Echo längst verblichener Zeiten, eine ferne Erinnerung an die Vergangenheit. Dies einfache Insekichen erzählt uns die ganze Geschichte der Natur. Es hat hintereinander all den verschiedenen Stadien der Erdentwickelung abe Es war Zeuge der Entstehung der Kontinente, es hat zu verschiedenen Malen dies Land, auf dem wir leben, aus den Wassern auftauchen, unter— gehen und wieder sich emporheben sehen. Es hat von Jahrhundert zu Jahrhundert den Anblick der Welt in ihren seltsamen Meta— morphosen der Entwickelung gehabt, es hat seine Zeitgenossen, die Batrachien geschaut, die Frösche, Kröten, Salamander, Labyrintho— donten(jene Frösche, größer als unsere Ochsen), wie sie unumschränkt die Ufer beherrschten, im Brüllen der Wogen, inmitten der Orkane, im Grunde der entstehenden Wälder, wie sie das Heulen des Sturms und den krachenden Donner durch ihre ersten unartikulirten Schreie zu überbieten suchten— und welche Schreie, wenn man sich vor— stellt, daß Geschöpfe von der Größe der Ochsen quaken konnten. Unabsehbare Wälder verwandelten sich in Steinkohle, mächtige Stämme wuchsen aus der Mitte undurchdringlicher Dichtungen, Farnkräuter, seltsam und großartig, kündeten die Aera der vegetalen Welt an, und die ersten Insekten entwickelten sich in ihr und be— völkerten dieselbe. Aber damals gab es noch keine Blumen, keine Vögel. Eine furchtbare, eine wilde Welt, welcher eine Welt furcht— barer noch folgte, die der sekundären Periode, die der Ichthyosauren, Plesiosauren, Iquanoden, Megalosauren, Atlantosauren— riesiger Geschöpfe von dreißig Meter Länge, Kolosse von einem Gewicht bis zu 30 000 Kilogramm. Sie weideten in den düstern Wäldern, e en eee eee „7 ein im on ne ft deln bal len ert ta⸗ die e ne, I ie or⸗ ige en, len be⸗ ine 1 ell, get 0 —————————— 4 1 ö r 7 343 F sie zu achten, längs der Flüsse, unter ihrem enormen Gewicht Sträucher und Bäume zerknickend, während über ihnen die fliegenden Reptile, die Pterodaktylen, riesige Fledermäuse, scheußliche Ausgeburten der träumenden Erde, ihren Flug begannen, indem sie schwerfällig von Zweig zu Zweig sprangen oder sich an Vorsprüngen der nackten Felswände anklammerten. Die lebenden Geschöpfe waren bis zum Ende der primären Zeit stumm gewesen. Beim Branden der Wogen, beim Rauschen des Windes, beim Tosen der Gewitter, beim Prasseln des Blitzes, beim Heulen der Orkane und Unwetter blieben die Mollusken, Krustaceen und Fische stumm. Jetzt aber begannen die Insekten zu summen, die Cikaden rieben ihre Flügeldecken, die Frösche quakten, die Riesen— saurier brüllten oder heulten und schließlich fing der Vogel zu singen an. Die Vervollkommnung der Stimmen glich dem Bilde der fort— schreitenden Verbesserung des Lebens. Im Blöken des Schafs, das sein Lamm ruft, im Miauen der Katze, im Bellen des Hundes, im Brüllen des Löwen, wie endlich im Gesang der Vögel läßt sich das Sprechen der Natur vernehmen, kann man die Uranfänge einer Sprache hören. Zu dieser Zeit sind wir zweifellos noch weit entfernt ven der Menschheit, aber wir sind ihr doch bei weitem näher als zu den stummen Zeiten der Fische und Zoophyten. Alle diese Stimmen sind wie ein Echo der sich aneinanderreihen— den Versuche der Natur, und im Grunde dieses Echos hört man die älteste aller Stimmen, die der Grille, welche diese Millionen Jahre der Geschichte durchlebt hat, ohne etwas davon zu merken. Weiß sie, daß wir existiren? Nein, sicherlich nicht. Ihre Gattungs— genossen und sie selbst leben wie ehedem. Sie macht in der Stille des Abends ihr einfaches Geräusch, ohne alle Modulationen, ganz wie damals zur Zeit, als sie allein mit dem Wind in den Einöden sich hören ließ. Die Schabe, ihre Verwandte, verzehrt das Mehl des Bäckers, wie sie das Mehl der Pflanzen der primären Epoche verzehrte, der Leuchtkäfer hat sein Lämpchen, welches er in den sekundären Wäldern mit sich trug, auch heute nicht ausgelöscht, der Frosch quakt noch grade wie zur Zeit der Labyrinthodonten, und Abends im Summen der Insekten erkennen wir ihre instinktive Freude, die neblige Dämmerung der Primitivzeiten wiederzufinden und in diesem Wirrwarr von Tönen und Harmonieen können wir die Note jedes Zeitalters bemerken, das Echo jeder einzelnen Etappe der fortschreitenden Entwickelung des Lebens auf der Erde. Und wie sollten wir sie nicht wiedererkennen, wie sollten wir sie nicht empfinden? Ist nicht der Mensch, der Letztgeborene, der erhabenste Inbegriff der ganzen Schöpfung? Sind wir nicht mit tausend unzerreißbaren Banden an die Natur geknüpft, spricht sie nicht in der Stille der Wälder, in der Würze der Thäler, im Duft der Wiesen, im Plätschern der Quellen, in der Majestät des Meers und Gebirges zu uns in seltener mysteriöser Sprache, und läßt uns den Spiegel unsrer Gedanken, das Echo unsrer Träume wiederfinden? Kinder der ewigen Natur leben wir stets in ihr und von ihr, und in Freude und Trauer, in Hoffnung und Verzweiflung ist sie es stets, welche in uns spricht, welche uns führt, welche uns stützt und uns tröstet. Wir können das von ihr sagen, was der Evangelist von Gott sagte: In ea vivimus, movemur et sumus; in ihr leben, weben und sind wir. (Schluß folgt.) Lose slätter. Lata. Ueber diese eigenthümliche Krankheit der Japaner berichtet Heury Forbes in seinen„Wanderungen eines Naturforschers im malaischen Archipel“:„Sie ist hysterisch und findet sich vorzüglich bei Frauen, doch habe ich auch Männer davon befallen gesehen. Die Ursache ihres Auftretens ist ein beftiger Schreck. Die Ergriffenen verlieren die Herrschaft über sich und ahmen Alles nach, was sie thun sehen, während sie den Gegenstand Je nach der Heftigkeit des Schreckes schwindet die Krankheit in kürzerer oder längerer Frist. Wenn der Zustand nicht heftig ist, so verhindert er die Kranken nicht an der Verrichtung ihrer ge⸗ wöhnlichen Geschäfte. Das Merkwürdigste an den Kranken ist die Nach⸗ ahmung jeder Handlung, die sie sehen. Bei einer Gelegenheit, als ich gerade eine Banane aß, begegnete mir plötzlich eine Dienerin, die ein Stück Seife in der Hand hielt. Ich bemerkte, daß sie lata war, aber ohne auf biß ich im Vorübergehen kräftig in die Frucht, worauf sie legte ich einige Pflanzen Ich knipste sie fort, und ihres Schreckes hervorschreien. sogleich auch in die Seife biß. Ein anderes Mal auf Papier und bemerkte eine Raupe auf ihnen. sie fiel auf das Kleid der Dienerin. Sogleich stieß sie einen entsetzlichen 9 Schrei aus— erregen doch die Raupen den Javanern den größten Ab— scheu— riß sich die Kleider vom Leibe und stürzte mit dem Geschrei: „Raupe! Raupe!“ auf die Straße, bis Erschöpfung sie zum Stillstehen eden und der Krampf zu Ende ging. Einer meiner Diener, der un— edenklich Schlangen in die Hand nahm, wurde auch lata, als er zufällig eine große Raupe berührt hatte.“ Forbes führt noch einige Fälle an, die auf das Deutlichste beweisen, die Krankheit habe mit epileptischen Anfällen Aehnlichkeit, ohne selbst Fallsucht zu sein; jedenfalls aber ist sie so eigen— thümlich in ihren Aeußerungen wie in ihrem Entstehen. W. G. Friedrich Wilhelm IV. trat eines Morgens unerwartet aus seinen Ge— mächern, und überraschte auf dem Korridor ein Fegemädchen, das, in der einen Hand den Besen, in der andern die„Bezauberte Rose“ von Ernst Schulze, haltend, in dem Buche las. Als sie den König erblickte, entfiel ihr vor Schreck der Besen— aber der König, welcher das Buch erkannt hatte, hob den Besen auf und, indem er denselben dem Mädchen reichte, rezitirte er die schönen Worte des Dichters:„Ich gebe mit Entzücken Dir selbst Dich selbst zurück.“ v. N. Auf einer Cour im Königlischen Schlosse zu Berlin unterhielt sich der damals schon etwas korpulente König Friedrich Wilhelm IV., fast mitten im weißen Saale stehend, mit einer großen, mehr als schlanken Dame, welche sich dabei in einer ehrerbietigen Entfernung hielt. Ein junger Artillerie⸗ Offizier, der sich wohl zum ersten Male auf einem Hoffeste befand, wurde von einem Kameraden aufgefordert, nach der andern Seite des Saales zu kommen, um einen alten Bekannten wieder zu sehen. In seiner Freude eilt der junge Offizier, ohne sich weiter zu orientiren, zwischen dem Könige und der Dame hindurch nach der andern Seite, wird aber dort gleich auf seinen Fehler aufmerksam gemacht und veranlaßt, den König um Vergebung zu bitten, was er auch bei eingetretener Pause sofort that. Friedrich Wilhelm IV. hört ihn freundlich an, und indem er ihm auf die Epauletten klopfte, sagte er:„Thut nichts mein Lieber, Ich bin es von Meiner Artillerie gewohnt, daß sie durch Dick und Dünn geht.“— v. N. Grillparzer schrieb der schönen schwäbischen Tänzerin Therese Heberle folgende Strophe in ihr Stammbuch: Freund Amor, sag mir nur, Seit wann bist Du ein Schwäberle? Ob Adelung auch bebe, Statt Rose sagst Du Reserle Und Heberle statt Hebe. W. G. Skat-Aufgabe Ur. 3. Mittelhand sagt auf: Trefle-Solo an und gewinnt Schneider. Wie war die Lage der Karten und der Gang des Spiels? Auflösung der Skat-Aufgabe Nr. 2 0 e 10 0 N eee. 55 Im Skat liegen: Coeur 7, Carreau 7. Vorhand spielt Trefle aus. Hinterhand trumpft und bringt Pique. Nun trumpft Vorhand und läßt sämmtliche Trefle folgen. Hinterhand wirft sämmtliche Coeur ab und Mittelhand behält noch seine letzten drei Asse. Vorhand spielt dann Carreau König, Hinterhand trumpft und Vorhand macht die beiden letzten Stiche durch seinen Buben und die Carreau-Dame. 134 4 10 5 5 1 U 93 KAreuzräthsel. Aus nachfolgenden Buchstaben: Se sind neun Worte zu bilden und in derselben Weise zu ordnen, so daß die mittleren Reihen, von oben nach unten und von links nach rechts gelesen, gleiche Wörter ergeben. Die neun Reihen ergeben folgende Worte: „Berg in der asiatischen Türkei. „Eine Stadt in Unterfranken. .Die Abkürzung eines männlichen Vornamens. Den Namen eines verstorbenen deutschen Dichters. „Ein in letzter Zeit vielgenanntes Fürstenthum. Den Namen einer N von Assyrien, 2000 v. Chr. . Einen englischen Titel. Einen biblischen Namen. . Stadt in Central⸗Amerika,(San Salvador). Zweisilbige Charade. Mein Erstes stärkt des müden Körpers Kräfte, Und scheucht die Müdigkeit fac Des Zweiten weise Wahl erfris cht die Säfte, Und hält die Lebensgeister reg'. Doch, wer mein 10 will anwenden, Verlang' es nur aus Arztes Händen. Arithmogriph. Aus folgenden Ziffern sind zehn Worte zu bilden, deren Anfangs⸗ buchstaben, von oben nach unten, und deren Endbuchstaben, von unten nach oben gelesen, die Namen zweier verstorbener deutscher Schriftsteller ergeben. 12345678 9 5 3 10— Eine Bergstadt in Böhmen. 3 11 3 12 4 5 6 13— Eine Gesetzlosigkeit. 14 3 10 15— Ein vierfüßiges Thier. 2 10 16 7 17 6 3 18 13— Zeitabschnitt bei den Griechen. 15 3 16 12 13 19 9 5— Eine Stadt in Oberfranken. 20 19 3 18 3 10 3 21 6 3 12— Ein Fluß in Spanien. 12 2 22 19 13 9 9 13— Den Namen eines deutschen Dichters. 6 11 20 2 10 8 9 3 189— Eine Festung in Bayern. 2 11 3 12 4 5 6 13— Eine Staatsform. 13 8 2 9 16 17— Ein Miner Dreisilbige Charade. Mein Erstes Wasser und mein Zweites Holz; Mein Ganzes aber Fleisch und Bein. Mein Erstes fließt, bald trüb, bald rein, Mein Zweites lenkt der Knabe stolz; Mein Ganzes fliegt Thal aus, Thal ein. Auflösung des Silben⸗Räthsels in voriger Nummer: Undank ist der 175 Lohn— Stille Wasser sind tief. I. Umlauf. 2. Novelle. 3. Dairi. 4. Achat. 5. Neufundland. 6. Karien. 7. Ili. 8. Servatius. 9. Tenor. 10. Drake. 11. Eris. 12. Rhinoceros. 13. Werra. 14. Enhallow. 15. Lilie. 16. Tarantel. 17. Lavendel. 18. Oculi. 19. Hundert. 20. Nostradamus;— der dreisilbigen Charade: Vogelherd;— der Königs— promenade: Ich steh' mit dir am Bergesrande, Zu unsern Füßen rauscht die See, Mein Arm, er hält dich fest umschlungen, Verschwunden ist das Leid, das Weh. Wir denken nicht mehr an das Scheiden, Das für uns birgt der Schooß der Zeit, Wir fühlen: uns're Herzen bleiben Vereint für alle Ewigkeit. Dein Haupt an meine Brust gelehnet, Das Auge zu dem Auge spricht: Konnt' Schicksals Hand uns Alles nehmen, Doch uns're Liebe nimmt es nicht! Schach. Problem Nr. 416 Motto:„Träumerei“. Schwarz. 8 40. 8 42. 2225 5 5 5 2 eee 8*. Weiz. Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Dieses Problem gehört einer Sendung an, welche im zweiten Problemturnier der Bri⸗ tischen Schach ⸗Association mit dem ersten Preife gekrönt wurde; demselben wurde überdies der Preis filr tas beste Problem des Turniers zuerkannt. Partie Nr. 239, gespielt auf dem Kölner Schachfest am 23. August d. J. Weiß: W. e 8 C. Lesieee e2—e4 Ie) Kees bss) d2-d eb d: Set 0 Sc ab: Dd1- da: SbS-c Deza KbSs es Ddd—es 7-46 Da7 aß: Sh5—g3: Leid N 8 g7 Daa KeS-d Ld2— 3 8g8—16 Das-b 7:7) Kd7-e7 8b1—42 86—g4 Sb5-d6:s) 8Sg3—e2 9 Des 13 Se e Ke 1-b 1 10) Se2—c37! Df3—g3 d7- dé Kbl-al t!) Sc3-d: h2—531) 8g4—16 Sd6-es 12 Ke 7 ed: 12— 45 816—b5 Db7- ef Dg7-e7 Lg 7-61 De4—13 Sdl es Sed c Kalb! Ke8—18 Les-es. Thl—el ds-es If eg: 14—15 g6 5: DdS 16 5 113-4 De7- eß 6—ͤ0—0 D4—g5 De5- g7 D6—d4 Dg5—14 Tes-e 17—15 14-12 Dg7—-g2 Ddä4—g7 3) Tel—e2 Dg2—12: Le6-c:s)) 1e2—f2: 15—f4 15—e4: und Schwarz gewinnt. ThS-es) 1) 214 war durch Lis mit der Drohung Lhal zu pariren. 2) Auf Let wäre auch zunächst She gefolgt. 3) e einen Bauern, der jedoch schwer zu vertheidigen ist. 4) Durch bs würde das Nebmen des e-Bauern ebenfalls verhindert und dem rach⸗ 5 Angriff von Weiß vorgebeugt worden sein; denn 24) 84 946 20 Sei: Tes! Durch as war der Verlust eines Bauern nicht abzuwenden,— 55 1 b7-b, doch auch 100 diesem Zu je behielt Weiß ein gutes Angriffsspiel: z. B. 26) b6 25) at a5 26) Sbo-dérf e dé 27) Tdé: ꝛc. 6) In Betracht kam Daf, wonach Weiß mit 26) Scbif Des: 27) Dafzf Kes 28) Das Kd7 29) Seiden Angriff sesthielt. 7) Tdé: wäre mit Kcs beantwortet worden, wonach die einzige f Bern fer 30) Tas: Tds: 30) Db: Shi 32) Detzf Küs 33) Db Ddr böchstens Remis chancen für eiß 7 8) Mit 30) Sor: KIs 31) Des blieb Weiß nur wenig im Vortheit, desgleichen bei 30). Tbs 31) Sesecf Tbr: 32) Sgs: Shi: 33) ThI: Kt 34) Tdl zc. 9) Sehr richtig! Der Tburm durfte nicht genommen werden wegen 31) Derr K ts 32) Derr nebst est und TbI: resp. 31). Ta 7? 32) Stoff zc. 10) Der richtige Zug war Kd! 11) Das kostet die Partie, der König mußte zurück nach 12) Pedzf geht nicht wegen der Antwort A und der Malidrohung durch Db2. Aus der Schachwelt. Nach einer Mittheilung in der„Neuen Illustrirten Zeitung“ legt der bisberige verdienst⸗ volle Redacteur der Schachzeitung, err J. Minckwiß, mit Ende dieses Jahres die Re⸗ daction nieder; dieselde geht in die Hände der Herren Cvon Bardeleben und H. von Gottschall über. Von zwei Correspondenzpartien, welche vor einigen Monaten zwischen den Schach⸗Ver⸗ einen ven Philadelphia und New⸗Nork vereinbart und begonnen wurden, ging die eine, ein Steinitzgambit, für den Gambitgeber(New ⸗Vork) schon nach 15 Zügen verloren. Züge waren: 1) el e5 2) Seg Ses 3) 14 erf 55 da Dhat 5) Keꝛ dö 6) ed Lg. 7) 813 0-0 8) dio Les 9) erbt Kbs 10) cs: Stel 11) Dds: f Tds: 12) Ldz Tesft 150 Kdi Dʃ2 14) Kol LIZ: 15) g:f Dfa: Weiß giebt auf. . — m9 ö Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105.