4 1 e eee eee ** zu den Oberhessischen Uachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Ur. 4. Die Schweftern. 5 Von Frida Schanz. (Fortsetzung.) Die kurze Strecke von Bamberg bis Hof legten wir in Gesellschaft einiger bayrischen Reiteroffiziere zurück, die es sich so angelegen sein ließen, meinen lieblichen Schützling mit Pferde-, Hunde- und Tauben⸗ sport zu unterhalten, daß ich Zeit und Muße gewann, dem nahen Wiedersehen mit Mariannen, die uns in Hof mit dem Wagen zu erwarten versprochen, entgegen zu träumen. Dabei überkam mich zum ersten Mal der Gedanke an die ge— waltige, für Zeit und Ewigkeit bindende Bedeutung des verantwortungs— reichen Eides, der mich in kurzer Zeit an die Geliebte fesseln sollte. Es war mir, als sei ich nach der Aufregung der letzten acht Wochen zum ersten Mal fähig, ruhig die ganze Tragweite des unverdienten Glückes zu ermessen, dem ich entgegenging. Mitten in dem bunten Lärm, den das Rasseln der Eisenbahnräder, das Plaudern der jungen Leute, das melodische Lachen Käte's und das Aufrauschen eines in der schwülen Wärme der Luft erwachenden Wettersturmes verursachte, stellte ich mir zum ersten Mal aus tief— bewegtem Gemüth die Frage:„Werde auch ich sie glücklich machen können?“ Gleich einer beruhigenden Antwort senkte sich im nächsten Augenblick die Erinnerung an die seligen, gemeinsam durchlebten Tage, an das schöne, verständnißreiche Lächeln Mariannens und den treuen Blick ihrer sanften Augen in mein erregtes Herz;— mit dem Bewußtsein, daß ihre hochherzige Liebe mir helfen werde, die Hochfluthen des Lebens in gleichem Maße wie die Schwächen des eigenen Herzens zu besiegen, erwachte mir eine große, heiße, fast andachtvolle Sehnsucht nach ihr. In das Tosen des Sturms und das Donnergrollen, das sich, ehe wir Hof erreichten, von Minute zu Minute steigerte, mischte ich, weit aus dem Fenster gebeugt, leise und ungehört ihren Namen. Nur in Anbetracht alles dessen vermag ich mir jetzt die große, beklemmende Enttäuschung zu erklären, die ich empfand, als statt des theuren, ersehnten Angesichts nur das behaglich grinsende Antlitz Görgs, des Kutschers, uns in Hof begrüßte. Selbst das Briefchen, das mein Mädchen mir durch den gemüthlichen Boten übersandte und das nebst den herzlichsten Liebesworten die Nachricht enthielt, daß sie leider der vielen eingetroffenen und noch erwarteten Gäste wegen das Haus nicht für einen ganzen Tag verlassen könne, ver— mochte den thörichten Unmuth, der mich mit einem Male übermannte, nicht ganz zu verscheuchen. Und doch entströmt jenem Brief ein holder, warmer Liebeshauch, der ihn heute noch, da das Rosenroth des Papiers verblaßt und sein Veilchenduft verweht ist, zum rührendsten Ausdruck einer fein— gestimmten Seele macht. „Während ich schreibe, fahren die Erwarteten in den Hof,“ heißt es am Schluß,„ich könnte ihnen wirklich böse sein,— wenn es nicht eben Hochzeitsgäste wären, Hochzeitsgäste, deren Dasein mich zwingt, an die Wirklichkeit dessen zu glauben, was mir noch wie ein Traum erscheint. Siehst Du, wie meine Hand zittert?— Ich liebe Dich so sehr und freue mich so unendlich, Dich wieder zu sehen.“— Wie ich aus so warmen, schönen Worten etwas anderes als Glück herauszulesen vermochte, verstehe ich heute kaum,— und doch muß mein Gesicht deutlich den Stempel einer sorgenvollen Ver— stimmung getragen haben, denn während ich, an einen Pfeiler des Perrons gelehnt, den Brief durchflog, legte sich eine zarte Mädchen— hand auf meinen Arm und eine theilnahmsvolle Stimme sagte: „Ist Marianne krank, daß Du so traurig aussiehst?“ Jene Worte gaben mich mir selbst wieder. „Nein, Kätchen, Gott sei Dank, nein,“ gab ich aufathmend Antwort. „So komm und nimm Dich unserer Koffer an. Görg mag die Pferde nicht so lange einem anderen überlassen,“ bat sie munter. „Wie ungastlich, daß man uns hier mit Blitz und Donner em— pfängt.— Da ist mein Recipiß, ich werde im Wagen auf Dich warten.“ Als ich fünf Minuten danach in Begleitung eines stämmigen Gepäckträgers die Stufen der Wartehalle hinabschritt, sah ich sie graziös und stolz neben Görg auf dem Kutschersitz thronen und die Zügel der beiden edlen Rappen halten. „Ich werde kutschiren,“ rief sie mir mit blitzenden Augen zu. „Aber Käte—“ warf ich zögernd ein. Du hast Recht, es ist nicht ganz lady- like, zum mindesten müßte es ein Gig sein,“ sagte sie mit reizendem Erröthen, während sie die Zügel dem Alten zuwarf und sich mit einem flinken Sprung von ihrer Höhe herniederschwang.„Aber mein Gott,“ fuhr sie in demselben Athem fort, auf den herankeuchenden Packer deutend, „was ist das für ein Pappsarg, den er unter dem Arm trägt? Gehört er Dir? Wo sollen wir das lange Ungethüm unterbringen?“ „Es verdient den schönsten Platz im Wagen, denn es enthält das reizendste und duftigste Geheimniß,“ sagte ich. „So legen wir's über den Rücksitz, und Du zeigst mir beim Fahren seinen Inhalt!“ „Schwerlich,“ sagte ich mit leisem Lachen. „O, sicher wirst Du,“ entgegnete sie mit schelmischem Blitzen ihrer großen Augen. Unter dem Aufzucken der blauen Blitze, die das Gewölk während unserer Fahrt durchkreuzten und die Käte auch nicht die leiseste Spur von Besorgniß einflößten, mußte ich wirklich einen Theil der Bindfäden von dem„Pappsarg“ lösen, und ihr unter einer auf— gehobenen Ecke des Deckels einen Blick auf das Geheimniß preis zur o. N 26 W geben. Ein Bausch von Spitzen, weißem, schimmerndem Flor und Seidenstoff wurde sichtbar. „Mariannens Brautkleid,“ rief sie mit dem Ausdruck staunenden Entzückens. „Wie Du rathen kannst! Ich habe dem Pariser Schneider selbst die Zeichnung dazu entworfen!“ „Weiß es Marianne?“ „Natürlich, Närrchen.“ „Wie schön es sie kleiden muß!“ sagte sie nachdenklich, indem sie den Kopf in die Kissen des Wagens zurücklehnte. Lange blieb sie nun still und träumerisch; ihre Lider senkten sich bis über die glänzenden Augen, und nur ein flüchtiger Blick, den sie zuweilen, wenn der Ruf eines Hähers uns zu Häupten ertönte, ins Weite sandte, verrieth, daß sie nicht schlummerte. Während dieser schweigsamen Fahrt waren die Donnerschläge allmälich verhallt und die Blitze verglüht,— kühler und labender wehte der Wind, aber tiefer und gleichförmiger breitete sich das fahle Gewölk, das über uns lastete, am Himmel aus. „Ich fürchte, daß wir's mit einem herzhaften Regen zu thun bekommen, Kätchen,“ sagte ich nach langem Stillsein, um ihre Stimme wieder zu hören. „Ganz gewiß!“ entgegnete sie, indem sie sich aufrichtete und die Locken, mit denen der Wind gespielt, aus dem Gesicht strich.„Wir kommen kaum bis- Wunsiedel; jedenfalls entscheidet sich's bis da⸗ hin;— wird's arg, so müssen wir warten,— schon der Koffer enn Wie um ihre Kinderklugheit zu bestätigen, verzögerte sich die Entscheidung wirklich bis kurz vor das besagte Städtchen; erst als dessen ragender Kirchthurm in Sicht kam, fielen die ersten Tropfen, die sich so schnell verstärkten, daß wir noch für die kurze Strecke bis zum Gasthaus das Dach der Kutsche herablassen mußten, um den leichten Kleiderkarton nicht preiszugeben. Das Intermezzo regte alle Lebensgeister des beweglichen Kindes auf's Neue an. Das Resultat eines langen, weisen Zwiegesprächs mit dem Hausknecht der„goldenen Krone,“ daß der Himmel wenigstens drei Stunden brauche, um sich abzuregnen, schien ihr für's erste maß— gebend. a „Auf jeden Fall werden wir hier übernachten müssen,“ sagte sie in dem Ton, mit welchem ein lustiger Knabe ein lockendes Abenteuer begrüßt. „Es wäre doch möglich, daß Weiterreisen bekämen,“ warf ich, wegt, ein. „Wir können es ja abwarten; auf jeden Fall Zimmer bestellen, um auszuruhen.“ Daß eine kurze Rast kein Luxus für sie war, zeigte der blaue Schatten unter ihren schimmernden Augen und die durchsichtige Blässe ihres holden Gesichts.— Und doch schien ihr,— nach der Art leicht-erregbarer, nervenzarter Naturen— als wir nach dem einfach⸗kräftigen Abendmahl allein in einem kleinen Wirthszimmer in's Plaudern kamen, der Wunsch nach Schlaf in eben dem Maße zu schwinden, als sie dessen zu bedürfen schien. Ihr reizendes naives Fragen lockte mir tausend alte halbver— blaßte Erinnerungen an's Licht.— Ich mußte ihr von meiner Jugendzeit, von den Geschwistern erzählen, den vier kleinen Gräbern auf dem Friedhof, die ich mit der Mutter zur Weihnachtszeit mit brennenden Tannenbäumchen geschmückt, dann von der Eltern Schei— den und meinem einsamen Ringen, von Gottlieb, von meinen Bildern und meinen Erfolgen.— „Auch was Du an Oktav gethan hast, weiß ich,“ sagte sie endlich ganz schüchtern;„ich war die erste, die es erfuhr,— gleich nachdem es geschah, denn wir hatten uns die Hand darauf gegeben, Oktav und ich, uns in unseren Briefen nichts zu verschweigen.“ „Der thörichte Junge! Wieviel Wesen er macht um ein Nichts!“ Sie lächelte.„Nun weiß ich beinahe alles aus Deinem Leben, nur Eins noch nicht. Du würdest es mir aber doch nie sagen und gewiß sehr böse sein, wenn ich Dich darnach fragte! „Frage nur!“ „Nein, nein!“ „Ich werde Dir niemals böse sein!“ „Sicher nicht?— Aber lache auch nicht!— Wie war es, als Du Marianne lieb gewannst, als Du um sie warbst? War Dir's wir eine mondhelle Nacht zum von Ungeduld und Unruhe be— wollen wir uns vom ersten Augenblick an klar, daß Du ohne sie nicht leben konntest; — war es so, wie man's in den Büchern liest?“ Ich starrte ihr fast erschrocken in's Angesicht;— jene Neufahrs⸗ nacht fiel mir ein mit ihren wirren Träumen, mit Oktav's Offen⸗ barungen.— Es war mir, als habe plötzlich eine erbarmungslose Hand einen Schleier zerrissen, der über meine Seele gebreitet lag. — Was hätte ich jetzt dahin gegeben, um einen Blick in meines Mädchens Augen zu senken, um im Liebreiz ihres stillen Gesichtes den Trost zu lesen, daß ich mir meiner lebendigen Liebe zu ihr auch ohne des Knaben Vermittelung früher oder später noch bewußt geworden wärde. „Nun sieh, Du bist mir doch böse,“ sagte Käte demüthig. „Nein, nein, Du stellst nur sehr überraschende Fragen, Kleine. — Weißt Du, Bücher sind ein schlechter Maßstab. Ich kann Dir nur das Eine sagen, daß es viel tausend Mal schöner war, als Du es je in Büchern lasest.“ „Wirklich?“ sagte sie, indem sie mir unter zitternden Wimpern hervor mit den großen, strahlenden Augen zulächelte. „Aber Du bist mir doch bös; Du siehst mich ja so streng an.“ „Gewiß nicht!“ „Ach, Veit,“ jubelte sie im nächsten Moment, einem ihrer tollen Einfälle folgend,—„ich habe noch eine Bitte an Dich; wenn Du wüßtest, wie glücklich mich ihre Erfüllung machte!— Ich habe vielleicht nie im Leben etwas so brennend gewünscht.“ 5 „Wieder eine Gewissensfrage?“ fragte ich mit etwas mißtrauischen Gefühlen. „Nein, nein!“ lachte sie lustig zwischen den blitzenden Zähnen und den zartrothen Lippen hervor.„Ach, wenn ich nur wüßte, wie Du es aufnimmst.“— 5 „Wage es nur!“ „Nun denn,“ fragte sie leise und geheimnißvoll, indem sie meine Hand mit ihren feinen, schöngeformten Fingern umspannte und ihr junges Haupt dem meinen so weit näherte, daß ihr Gelock meine Stirn streifte.—„Laß' mich einen Augenblick lang, einen einzigen, kleinen, flüchtigen Augenblick lang Mariannens Brautkleid anziehen!“ Noch heute empfinde ich bei der Erinnerung an jene Szene einen Nachhall des thörichten, verblüffenden Schreckens, der mich dem tollen Kinde gegenüber ergriff.— Ich muß sie so betroffen, so ungläubig angesehen haben, daß auch sie erschrak, denn ihre großen, lachenden Augen wurden feucht und mit unterdrücktem Schluchzen kämpfend, sagte sie:„Mein Gott, so sprich doch ein Wort,— ist es denn etwas so unpassendes, so unmögliches, um das ich Dich bitte?“ Als ich sie weinen sah, kam ich zur Besinnung und fühlte nun eine Art beschämender Reue, wie ich sie einst als Knabe empfunden hatte, da ich im schwerfälligen Uebereifer einem schönen Vöglein, das mir aus dem Bauer in's Zimmer entwischt war, den schillern— den Flügel zerschlagen hatte.— War es nicht die lächerlichste Pe— danterie, die in dem unschuldigen Mädchenwunsch eine übermüthige Entweihung des Heiligsten gesehen hatte? Warum war mir nicht der leiseste derartige Skrupel aufgetaucht, als ich die Probirmamsell des Pariser Schneiders mit dem kokettfrisirten Kopf und dem stu⸗ dierten Lächeln im Schmucke des weißen Gewandes erblickt, über dessen Faltenwurf ich mein Gutdünken ablegen sollte.— Der letzte Gedanke nahm mir den Rest von Bedenken. 5 So munter ich es konnte, redete ich der Kleinen zu, die, dem Ueberreiz ihrer jungen Nerven nachgebend, noch immer unter dem feinen Battisttuch, womit sie ihr Gesicht bedeckt hatte, zu schluchzen fortfuhr. „Du weißt endlich hervor. „Ich hatte Deine Frage gar nicht recht gehört, Kätchen, und dachte an etwas anderes, was mir Sorge macht.— Wer könnte Dir bös sein!— Du bist übermüdet und überreizt vom Fahren! nicht, wie Du mich eben angesehen,“ brachte sie Lege dich schlafen, und wenn Du noch munter genug bist, so nimm getrost das Kleid einen Augenblick aus seinem Kasten und überzeuge Dich, wie es Dir steht. Der Karton steht so wie so in Deinem Zimmer.“ 1 „Wäre es wirklich kein Unrecht?“ fragte sie mit einem Anflug ihres Schelmenlächelns. „Wenn Du es ganz vorsichtig und behutsam wieder einpackst, gewiß nicht!“ „Ich werde jede Nadel wieder an Ort und Stelle befestigen!“ + . 1 1 4 1 1 5 ee. e—— 7 3 3 Reichthum des weichen mündete, der Frage, die mein Inneres seit ein paar jubelte sie. Im nächsten Augenblick, da sie mir zum Gutenacht— gruß die Hand reichte, wurde sie wieder ernst. „Ich werde mir's doch noch überlegen, ob ich's thue;— ich bin wirklich müde,“ sagte sie unter leisem Frösteln!“ „So schlafe gut, kleine Schwägerin! Ich will noch flüchtig die Tageblätter durchsehen, dann gehe auch ich zur Ruhe.“— Ein Viertelstündchen saß ich noch allein beim schlechten Lichte der Petroleumampel und müßte mich, den Zeitungsnotizen, die ich aus einem Wiener Blatte auflas, einiges Interesse abzugewinnen. Die Aufforderung eines jungen Kellnerburschen, der mich vielleicht aus Mitleid über meine Einsamkeit, vielleicht, um seinem Wirth die Beleuchtungskosten sparen zu helfen, zu den Stammgästen in's Nebenzimmer lud, brachte mir endlich zum Bewußtsein, wie ab⸗ gespannt, unruhig und zerstreut ich war. Mit einem Seufzer, den weder der Inhalt meiner Lektüre, noch die Zuvorkommenheit des geschmeidigen Garcon's rechtfertigte, legte ich das umfangreiche Blatt aus der Hand und wandte mich zum Gehen. Eine wirkliche Sehnsucht nach Schlaf kam über mich; es war mir, als könne nur die Erquickung einer mehrstündigen, voll— kommenen Gedankenrast mir die Klarheit des Geistes wiedergeben, die ich unter der Gewalt der neuen Eindrücke, unter der unruhe— vollen Sehnsucht nach Mariannen und der Verstimmung über unsere Reiseunterbrechung verloren zu haben meinte. Der Weg nach meinem Zimmer führte mich durch einen langen Gang, in welchem unter anderen die Thür des kleinen Salons den der Wirth meinem jungen Schützling zur Wohnung Unwillkürlich dämpfe ich in der Nähe jener Thür meine Schritte;— ein weiches, fast mitleidiges Gefühl für das arme junge Ding, das hier so allein, so für immer fern von einem schützenden Mutterauge von der Uebermüdung seines zarten, jungen Körpers ausruhte, bewegte mir wider Willen die Seele.— Unwill⸗ kürlich legte ich mir in diesem Augenblicke Zeugniß darüber ab, daß die Welt doch nichts Lieblicheres und Heiligeres berge, als solch' eine Mädchenknospe mit aller ihrer Beweglichkeit und Nachdenklich keit, mit ihrem Herzklopfen vor den Ueberraschungen der Welt, mit den Resten ihrer kindlichen Thorheit und demüthigen Gläubigkeit und mit den berauschenden Ahnungen ihres kommenden Frauenglücks. Inmitten dieser pfeilschnell auftauchenden Betrachtungen, die mir bisher so fern gelegen, weil ich nie das jungfräuliche Erblühen einer Schwester oder einer jungen Bekannten darauf hingelenkt, über— raschte mich das Knarren einer Thür und der zitternde Schein eines schmalen, goldenen Lichtstriches, der auf der Matte vor meinen Füßen entstand. „Bist Du es, Veit?“ flüsterte eine schüchterne Stimme, die vor geheimnißvoller, unterdrückter Lustigkeit zu beben schien. „„Schläfst Du noch nicht, Käte?“ war meine einzige ver— wunderte Antwort. f Ehe ich mehr sagen konnte, thaten die Flügel, die den winzigen Lichtstreifen hindurchgelassen hatten, sich so weit auseinander, daß sie die schlanke Gestalt des Mädchens, an der die schweren, spitzen— bedeckten Falten des silberweißen Hochzeitskleides herniederrauschten, wie ein Rahmen umschlossen. Welch' ein Bild! Wie verschieden von dem des schlafenden Miögdeleins, von dem ich soeben im Gehen geträumt hatte! „Mein Gott, wie Du Deiner Mutter gleichst!“ rief in augen⸗ blicklicher Erkenntniß der Thatsache, daß diese zarte, leuchtende Blässe, dies große, märchenhafte Augenpaar, dies Lächeln und dieser goldene Gelocks nur ein Ebenbild auf Erden habe das Porträt der todten Freifrau sei. Weile auf Dich,“ jubelte sie, als sie mein Entzücken bemerkte.„Ich sah es im Spiegel, wie gut es mir paßte und dachte es mir, daß Du Dich darüber freuen müßtest.“ „Es steht Dir wirklich unvergleichlich reizend,“ sagte ich rückhaltlos. Mit süßem, gedankenvollen Sinnen sah sie an dem gleißenden Gewand nieder. „Es war trotz alledem kindisch, daß ich es anzog. Nun muß ich es wieder ausziehen und behutsam zusammenlegen, und dabei angewiesen hatte. und daß dieses eine Ebenbild „Ich warte schon eine ganze werde ich immer daran denken müssen, wie glücklich Marianne darin sein wird.“ „Meinst Du, daß sie glücklich sein wird?“ sagte ich, indem ich Stunden so heiß be— schäftigte, Ausdruck gab. „Natürlich,“ gab sie mit frühreifem, prophetischem Ernst zur Antwort.„Du liebst sie ja, und sie liebt Dich. Ihr werdet Beide glücklich sein.“ a „Hab' Dank für dies Wort! Gott möge es erfüllen!“ Unwillkürlich hatte ich ihre schlanke Hand erfaßt und drückte sie leise.— Es war einer jener unbeschreiblichen, feierlichen Momente, in denen sich tausend erwachende Gedanken in vier feuchten Augen spiegeln, in denen unvorbereitet und unvermuthet eine Welt von Wünschen und Segnungen von Herzen zu Herzen fließt. Der mahnende Ton einer fernen Nachtglocke brachte uns dann Beiden die vergessene Müdigkeit in's Gedächtniß zurück. Die unausgesprochene Rührung des Augenblickes aber bebte un— willkürlich in unseren Stimmen nach, als wir uns nun zum zweiten Male„Gute Nacht“ wünschten. Das Frühgeläut des nächsten Tages erscholl über sonnige, feucht⸗ blitzende Dächer und Giebel, über das verjüngte Grün frischduften— der Gärten und Wiesen hinweg. „Wie solch' eine Wetternacht das Angesicht der Welt verändert,“ sagte Käte sinnend, als wir unter dem wolkenlosen, morgenhellen Sommerhimmel unsere Reise fortsetzten.— Wir waren Beide, wie Görg voller Respekt und Stolz dem verschlafenen Hausknecht beim Fortfahren erzählt, schon angekleidet und reisefertig erschienen, als er uns verabredeterweise im Dämmerlicht zu wecken gekommen war. „Du bist ein prächtiger Reisekamerad, Kätchen,“ sagte ich, da ich dankbar wahrnahm, wie wohl die kräftige Kühle der Luft meinen überwachten Sinnen that.„Es ist nach der gestrigen Anstrengung wirklich ein Heldenstück, daß Du vor Tagesanbruch munter warst.“ „Es war mir nicht so schwer, als Du denkst,“ gestand sie lächelnd.—„Ganz offen gesagt: ich bin so munter wie gestern Abend.— Ich freue mich viel zu sehr auf den Vater, auf Marianne, auf Oktav und meinen treuen Algol, um mit all' dieser Freude einschlafen zu können.— Zudem regte ich mich auch ein wenig mit dem Einpacken des Kleides auf; es war unbeschreiblich mühsam, viel tausendmal schwieriger, als ich es mir gedacht, es in die alten Falten zu legen.— Aber sieh' mich nicht so besorgt an, es ist mir schließlich doch prächtig gelungen.“ „Ich zweifle nicht daran, nur daß Du nicht schliefst, mir Sorge.“ „Wirklich?“ fragte sie mit liebenswürdigem, glücklichen Lachen. „Ich werde Dir beweisen, wie frisch ich bin und wie wenig Du mich zu bedauern brauchst.“ In der That schien das Nachdenken, das ihren beweglichen Sinn seit dem Beginn unserer Morgenfahrt gefesselt hatte, mit den letzten Frühnebeln in der klaren Luft zu verflattern. Der heimathliche Charakter der waldigen Hügelgegend, die wir durchmaßen, machte sie wieder völlig zum Kinde, und was ihr als Niederschlag ihrer ersten, ernsten Mädchenstimmung trotz aller Munterkeit' noch ver— blieb, das ging in der glückseligen Freude und Ueberraschung unter, die uns Oktav, der goldene Junge, an der Grenze des Sassen'schen Waldgebietes durch sein unvermuthetes Erscheinen bereitete: Mit einem hallenden Jauchzer brach er mit seinem Falben aus einem Seitenweg, der zwischen buschigen Fichten in die Landstraße mündete. — Seine stolze, sichere Haltung auf dem feurigen Pferd, die Jugend— schönheit seiner schmalen, Glanz seiner fröhlichen Augen schien Käten in demselben Maße zu entzücken, wie ihn der zarte Liebreiz des Mädchens. „Es ist unglaublich, wie Du Dich verändert hast,“ sagten sie beide wie aus einem Munde. Unaufhörlich plaudernd, fragend und lachend sprengie der ge— schmeidige, junge Reiter neben unserem Wagen her.— Wieviel Wichtiges hatte er zu berichten! Er war am vergangenen Morgen mit Gottlieb in Sassen eingetroffen und hatte schon dem Gärtner geholfen, den Flor der Gewächshäuser nach der Kapelle zu trans— portiren und um den Altar aufzustellen. „Die großen Myrten- und Orangenbäume stehen alle in Blüthe, es ist wie für Euch geschaffen,“ sagte er.„Marianne begann fast zu weinen, als ich ihr's zeigte, so wunderschön ist es. Und welch' ein buntes Leben im Haus! Ich glaube fast, Marigune hätte es gern ein wenig stiller. Vater findet sie blaß, und ich glaube, es wird ihr manchmal schwer, den vielen lustigen Vettern und Basen, die jede Minute ein anderes Anliegen haben, immer ein lachendes Gesicht zu zeigen.— Das wird nun Alles anders, da Ihr kommt. Veit hilft Mariannen fröhlich sein, und Käte hilft den Anderen, macht ausdrucksvollen Züge und der leuchtende ihre Polterabend-Ueberraschungen in Szene zu setzen.— Wie sie] Stimme zur Ruhe singen mußte, um mich zu dem zu machen sich alle über Dich wundern werden, Kleine,“ setzte er mit einem der ich vor Wochen gewesen war. g 5 n eden Bui auf, das schöne Mädchen hinzu. Als sich ihre feine Gestalt aus meinen Armen wand, war das In der That äußer: sich der Eindruck, den Käten's Erscheinung Stimmengewirr um uns verklungen. in Sassen hervorrief, 2 in einer freudigen und unverhohlenen Verwun— derung. Jeder fand sie für die verhältnißmäßig kurze Zeit ihres Fort— seins merkwürdig ge⸗ wachsen, entwickelt, jungfräulich geworden. Der alte Freiherr schloß sie mit stummer Rüh— rung in die Arme und Marianne, die, als der Wagen vor's Haus fuhr, mit dem weißen Hausschürzchen und dem klappernden Schlüssel— bund am Gürtel die breite Freitreppe herab— flog, schien mich und mein Anrecht auf ihren ersten Willkommengruß in dem entzückten Stau⸗ nen über die unbeschreib— lich reizende Begrü— ßungsszene zwischen Käten und deren ge— fleckter Lieblingsdo zu vergessen. Erst mein Zuruf brachte sie zum Bewußt— sein meiner Anwesen⸗ heit.— Während„die Kleine,“ von Oktav und den Vettern umringt, sich des fröhlich-heulen— den Jagdhundes zu er— wehren suchte, lag die, nach deren treuen Augen ich so sehnsuchtsvoll ge— bangt, mitten im lauten Trubel eine Minute lang traulich und selbst⸗ vergessen an meiner Brust und bestätigte mir mit leisen Worten und feuchten Blicken, wie sehr sie mein eigen war. „Däucht r nicht wie ein Märchen, daß wir uns von morgen an ganz und für immer ge— hören sollen?“ flüsterte sie.„Und Du,— bist Du auch der Alte ge— blieben, haft Du mir Deine volle Liebe wieder mit heim gebracht?“— In dem Lärm und Summen um uns her bemerkte sie nicht, daß ich ihr nur deshalb mit einem Kuß die Lippen schloß, weil mir im Augenblick das rechte Wort der Erwiderung 2 fehlte, das Wort, welches ihr genau und bezeichnend gesagt hätte,„Sie sind Alle schon oben,“ sagte Oktav, der noch neben dem in welchem Sinne ich mich nach ihr gesehnt, wieviel ich von ihrem Wagen stand und die Diener beim Abladen der Koffer beaufsichtigte milden, reinen Einfluß erhoffte, wieviel unruhige, brausende Fragen„Käte wollte Dich begrüßen, Marianne,“ sagte er,„ich sah, in meinem Innern sie mit der sanften Musik ihrer seelenvollen[wie sie neben Euch stand;— ihr hattet Beide kein Auge für sie.“ „Das süße Geschöpf,“ rief Marianne, indem sie sich eilig, wie um ein Unrecht gut zu machen, nach dem Hause wandte.— Eine fröhliche Mahlzeit vereinte eine Stunde später die ganze, zahlreiche, muntere Gesellschaft. Käte war fast noch mehr als Marianne selbst der Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit. —„Bist Du nicht wohl, Kätchen?“ fragte der Freiherr ein paar Mal, von ihrer Blässe betroffen. „Ein wenig überanstrengt vielleicht,“ entgegnete sie in leichtem Ton. „Ein Ritt in den Wald wird Dich erfrischen,“ schlug Oktav vor,„wie lange saßen wir nicht zusammen zu Pferde!“ „Ach ja, ein Ritt in den Wald!“ stimmte sie bei, den Ernst vergessend, der sie seit der Ankunft in Sassen übermannt hatte. „Komm auch Du mit uns, Veit! Du kannst meinen Algol haben, ich reite den kleinen Fuchs!“— Ein Chor von lachen— den Stimmen protestirte gegen diesen Plan.— In geheimnißvollen An— spielungen gab man es Käten zu verstehen, wie nöthig ihre Gegenwart bei den Vorbereitungen zu den geplanten Abend⸗ überraschungen sei. Ihre liebliche Erscheinung schien die unterneh⸗ mungslustigen Vettern zu allerlei neuen Ideen begeistert zu haben. Mit stillem, etwas abge⸗ spannten Lächeln gab sie ihre Einwilligung zu allen den geflüsterten Vorschlägen. „Vor allen Dingen hätte ich Dich gern ein Stündchen, Kleine,“ sagte Marianne.„Ich habe Dich so lange nicht gesehen und werde Dich nun wieder so lange entbehren müssen.“ „Ach, und ich habe Dir viel zu sagen, Dich so viel zu fragen!“ er⸗ widerte sie nachdenklich. „So kommst Du gleich nach dem Essen ein halbes Stündchen in mein Zimmer. Wir packen mein Brautkleid zusammen aus und Du hilfst mir, es anprobiren. Willst Du?“ Das Gebell der Hunde, die in diesem Augenblick einen neu vorfahrenden Wagen meldeten, lenkte die all— gemeine Aufmerksamkeit von dem erröthenden Mädchen ab. Nur Ma⸗ rianne, die ihre Blicke voll und fragend auf das weiche Oval des lieben, langentbehrten Angesichtes geheftet hielt, fing! das Zucken des schönen Mundes, den schnell aufthauenden N ö NN Von Franz Defregger. Der Erstgeborene. Photographie im Verlage von Fr. Hanfstängl in München. Augen auf. Welche Deutung sie jenem Mienenspiel unterlegte, weiß ich nicht und vergebens forschte ich in ihren Zügen danach;— ein leises Lächeln, das um ihre Lippen irrte, war der einzige Wiederschein einer inneren Bewegung.——— Während dann die Schwestern Arm in Arm den neuen Gästen Schimmer der beredten' 1 N 4 8 „ 5 5 25 1 8 2. 5 5 . a 2 N 8 28 5 5 a F. 3 3 7 9 8 5 i 0 5 12 7 5 . . N 4 5 5 1 5 15 5 5 K 9 55 CCW 4 entgegen aus dem Zimmer gingen, winkte mich der Freiherr mit einem freundlichen Blicke zu sich heran. „Ich suche Dich in einem Weilchen in Deinem Zimmer auf, wenn es Dir recht ist; wir müssen doch noch vielerlei ordnen und besprechen;— willst Du indeß ein Stündchen ruhen, statt die Neuangekommenen zu begrüßen, so will ich Dich gern entschuldigen.“ Wie freudig ich ihm gehorchte! Ach ja,— ruhen! Es war wirk— lich der Scharfblick der Liebe, der mir das Bedürfniß von der Stirn gelesen hatte. Nur Uebermüdung, Ueberanstrengung konnte es sein, was dies Gewirr von quälenden, fremdartigen Gedanken in meinem Hirne schuf, was mich zum ersten Mal im Leben so haltlos machte, was mir angesichts des kommenden Glücks jene bange, drückende Furcht vor der Zukunft verlieh. Aber je heißer die Sehnsucht nach Schlaf und Vergessen in mir ward, um so wilder revoltirten die empörten Nerven gegen ihre Er— füllung.— Stundenlang lag ich ruhelos mit geschlossenen Augen und brennenden Wangen auf dem Ruhebett in meinem Zimmer. Eine dumpfe Betäubung hielt indessen meine Glieder in dem Maße gefesselt, daß ich nicht Kraft und Selbstüberwindung genug besaß, um mich zu erheben oder die Augen zu öffnen, als ich des Freiherrn Tritte vernahm. Leise, wie er gekommen, hörte ich den nachsichtigen Nann wieder die Thür schließen und davongehen, und statt Scham und Bedauern beschlich mich nur ein peinliches Gefühl freudigen Triumphes, auf's Neue allein zu sein und mit den durch die An— strengung geschärften Sinnen jenes halblaute unverständliche Ge— flüster wahrnehmen zu können, das mit dem berauschenden Duft des Gaisblattgeranks aus Mariannens entferntem Zimmer durch die offenen Fenster zu mir her drang. Allmälich verlor sich das melo— dische Klingen,— laute bittende Stimmen wurden hörbar,— dann wurde es still, und nur dumpf und leis wie ein fallender Tropfen ließ sich von Zeit zu Zeit ein undeutlicher Seufzer vernehmen, der in dem Schall leichter, ruheloser Tritte erstarb. (Schluß solgt.) Kleine Frauen-Zeitung. Die Mode. Beim Anfange eines neuen Jahres blicke ich unwillkürlich darauf zu⸗ rück, wie die Mode in dem abgelaufenen Jahr sich entwickelt, sich gestaltet hat. Bei der großen Wandelbarkeit derselben muß es aber dennoch Wunder nehmen, daß Vieles geblieben wie es war. Verschiedenartige Veränderungen haben sich ja darin bewirkt, aber es besteht so Manches 12 5 an dem wir heut noch Gefallen finden, und Einzelnes nur ist in Acht und Bann gethan. Betrachten wir zunächst die Balltoiletten! Wir haben, neben ein paar neuen oder mit neuen Dispositionen versehenen Geweben, die nämlichen Stoffe, welche wir früher dazu angenommen, wennschon der eine oder andere mehr bevorzugt wird, und dieser Vorzug ebenso wie das Arrangement drücken ihnen den Stempel des Neuen auf. Die Ballkleider für die tanzlustige Jugend werden sehr leicht und luftig, diejenigen für die Damen, welche nicht mehr tanzen, sehr reich und schwer sein. Man nehme aber dies„leicht und luftig“ nicht gar zu wörtlich, denn Unterkleider von Taffet, Surah und Atlas, Röcke von französischer Faille, Moire und Créepe de Ohine dürften sich darunter einschleichen und einerseits von jungen Mädchen, andererseits von jungen Frauen getragen werden. Wenn ich meine Stimme geltend machen darf, so würde ich, wenigstens was die jungen Mädchen betrifft, immer für die durchsichtigen ätherischen 1 1 plaidiren, denn für den Tanz kann Alles nicht luftig und duftig genug sein. Sehr beliebt werden— und ich glaube, dies letzthin schon angeführt zu haben— die Plüschleibchen zu Afkeden Röcken sein, und man wird sie den Sammetleibchen, welche sich trotzdem noch erhalten, vorziehen. Ueberhaupt hat der Plüsch, welchen man seit einiger Zeit etwas vernach⸗ lässigt, die Rolle, welche er einst in der weiblichen Toilette gespielt, wieder aufgenommen. Man erhebt ihn über den Sammet, und indem man sein künstlerisches, majestätisches Air, seinen unvergleichlich schönen Spiegel, seinen weichen, matten Flaum rühmt, hofft man, ihm das Attribut un⸗ vergänglich“ zuzudiktiren, das ihn nicht mehr den Launen der Mode unterwirft. Plüschschleppen werden zu Röcken aus Atlas mit Perlenstickereien oder zu Röcken aus alten Brokaten, aus Moirs bereitet, dunklere Plüschröcke mit Schleppen oder einem Tunika-Arrangement uebst Leibchen aus hellen Seiden⸗ stoffen ausgestattet, und man prophezeit derartigen Kompositionen die glücklichsten und glänzendsten Erfolge. 5 Kommen wir indeß auf die Plüschleibchen zurück! Man fertigt dieselben ausgeschnitten und mit Schnebbe vorn und im Rücken, die Hüften frei lassend, und wählt sie in dunklen oder in brillauten Tönen, je nachdem zu weißen Spitzenröcken oder zu weißen und hell-nüanzirten Röcken aus ge⸗ stickten oder perlenfunkelnden Tüllen, aus Gazearten ze. Von den be⸗ günstigten Farben in Plüsch nenne ich Ihnen: kupferroth, alt⸗, wein⸗ und rubinroth, feuerfarben, sevresblau, moosgrün, flaschengrün, otter-⸗ braun, chaudron und polysanderbraun. Der Ausschnitt der Ballleibchen ist ee herz- oder fichüförmig, 9 doch auch rund, obwohl dies seltener. streif und vermittelt dessen festeren Anschluß. Diese kleine Tüllwolke ist kleidsam und dem Teint des Halses sehr günstig. Wählt man das Leibchen aus luftigem Gewebe, so zieht man, besonders für junge Mädchen, die Form à la vierge vor, d. h. in krausgezogene Falten geordnet, mit Schnebbe oder rund und in letzterem Falle mit einem Atlasgürtel versehen, welchen eine Schnalle oder eine kleine Schleife schließt. Unter den ätherischen Stoffen lebt ein alter zu neuem Glanze wieder. auf: der Krepp. Ich möchte ihn seiner Zartheit, seines Duftes wegen ein jungfräuliches Gewebe nennen, das so recht für die Jugend geeignet. Und man glaube nicht etwa, daß er seiner minutiösen Feinheit halber leicht ver⸗ gänglich; nein, ein derartiges Kleid läßt sich gewiß auf vier Bällen tragen. Nicht die gleichen Eigenschaften der Dauer kann man dem Crépe lisse nachrühmen, der ebenfalls modern ist; ihm schließen sich noch die mit ge⸗ kräuselten goldenen und silbernen Lahnfäden durchzogenen Krepps, Tülle und Gazearten an, die brochirten Gazes, die schlichten Tülle(sehr gesucht), die gestickten Tülle, die Seidenmuslins, der fragile, mit Chenillemouches durchwebte Illusienstüll, der neue, weiße Tüll point d'esprit, welcher ab⸗ wechselnd feine Falten in glattem Tüll und Tüll-Einsätze mit kleinen weißen Glasperlen zeigt. Dieser letztere wird nur mit einem anderen Stoff verwendet, mit Seide, glattem oder gesticktem Tüll, 5 Die weiße Farbe, welche das Elfenbeingelb und das Rahmgelb stets dicht im Gefolge hat, herrscht in all' den genaunten Geweben vor. Weiß über Weiß oder über zartfarbigen Unterkleidern bildet immer reizende Ball⸗ toiletten. Im Uebrigen begünstigt mau von den Farben die blassesten. Im Reiche der Ballkleider-Stoffe habe ich Ihnen noch von einer Neuheit zu erzählen, welche sich durch Originalität hervorthut und dem mit Perlen überschütteten Tüll Konkurrenz macht Es sind Tülle in verschiedenen. Farben, übersäet mit flimmernden— Edelsteinen Nein, glauben Sie es nicht, ganz so kostbar ist diese Mode nicht! Denn wir haben unter diesen Steinen weder Diamanten, noch Rubine, Topase, Saphire oder Smaragden, wohl aber reizende Imitationen aus Glas: kleine Linsen, in Facetten ge⸗ schnitten, 1 5 auf die Tülle gestreut sind und aus der Mitte kleiner, mit offner Seide gestickter Räder hervorstrahlen. Je nach der Farbe giebt man derartigen Tüll-Draperien und Wogen ein Atlas⸗Unterkleid, weiß, rosa, bernsteingelb, blaßblau, nilgrün. Dies gilt für kleidsamer und für mehr comme il faut als die Gewebe mit Flittern. Dieselben Steinchen, aber ohne Stickereien, funkeln auch auf dichten, einfarbigen Stoffen, wie Sammet, Plüsch und schwerer Seide, welche man zu Diner- oder anderen Abendroben verwendet. Um nun auch das einfache Genre, das ich sonst immer betone, in den— Vordergrund treten zu lassen, will ich mich wieder der Toilette der jungen Mädchen zuwenden. Zu den sogenannten„Tanzkränzchen“ wüßte ich den⸗ selben nichts Hübscheres, Bescheideneres und Sparsameres zu empfehlen, als ein Kleid aus leichtem Wollenstoff, dem immer wieder modernen Voile, Wollenmuslin, aus Etamine oder Crépon, weiß, rosa oder blaßblau; ver— ziert mit einigen Bändern, welche man leicht erneuern kann, bleibt ein der— artiges Kleid lange Zeit hindurch frisch. Blumen werde als Schmuck hierzu nicht gewählt, wohl aber zu allen anderen Arten von Ballkleidern aus den oben erwähnten Stoffen. Die „natürlich gebundenen Blumensträuße,“ d. h. solche, welche, mit den Stielen, nach unten gerichtet, anscheinend kunstlos zusammengefaßt find, erfreuen sich als Zierde für das Haar und als Brust- oder Schulterbouquet einer hohen Begünstigung; ja, man bringt sie in größerem Format selbst auf den Kleiderröcken an, die im Uebrigen auch vielfach mit Blumenzweigen, Agxaffen; und leichten Guirlanden ausgestattet werden. Ferner ist die Blumenberthe und das Blumencordon, welche den Ausschnitt des Leibchens so grazibs um⸗ 0 rahmen, sehr beliebt. Kurz, man wählt dasjenige Arrangement, das Einem am besten gefällt, Einen am hübschesten kleidet, und wenn die Mode als Kopfputz den erwähnten Strauß bevorzugt, so ist damit nicht gesagt, daß man nicht ebenso gut den Blumenkamm, den legeren Zweig, das kleine Watteaukränzchen oder den größeren runden Kranz annehmen kann: Coiffüren, welche man insgesammt in den Magazinen als„Neuheiten“ ausgestellt und auf den Bällen tragen sieht. 5 Unter den in diesem Winter bevorzugten Blumen erblicke ich an erster Stelle die Rosen, welche in allen ihren natürlichen Farben, in allen Formen und Gatlungen blühen und duften, von der stolzen Ceutifolie bis zum wilden Heckenröslein, roth, gelb, rosa in allen Abstufungen bis zur blassesten Theerose, weiß, in buntem Gemisch oder jede Schattirung enn für sich gewunden. Ganz neu und eigenartig sind die wundervollen Sammetrosen, ferner die seidenen Moosrosenknospen, von einem Sammetblatt umschlossen; dann liebt man den Flieder, die gelben Sammetkamillen; die Eriken, die sogenannten„natürlichen“ Maiglöckchen ꝛc. ꝛc. N 5 Man umschlingt die Blumen wieder vielfach mit Bandschleifen, und die verheiratheten Damen tragen zur Balltoilette auch gern Vögel- und Federgarnituren mit Silberaigretten. ö 9 Als ein anmuthiges Modell für Ballkleider kann folgendes dienen: fußfreier Rock aus farbigem Tüll, blaßrosa oder blaßblau, verhüllt von einem zweiten in gleicher Länge, bedeckt mit Rüschen und Puffen. Darüber erhebt sich eine sehr weite Tunika, mit kleinen Blumenbüscheln in bauschige Wogen und Paniers gerafft, oben in Falten gekräuselt und dem Taillen⸗ rande angesetzt. Das Schneppenleibchen aus Plüsch wird, je nachdem, wein⸗ oder altroth, sevres- oder saphirblau sein. dan umrahmt den Ausschnitt gern“ mit einen kleinen, feingefälteten Tüllstreif, welcher der Linie desselben folgt und vorn ein kleines gekreuztes Fichü simulirt, dessen Enden selbstverständlich innen verlaufen. Zuweilen zieht sich eine Perlenschnur oben um den Tüll? ß c — 78 . 355 ie ——— 1 231. Gold, welche zwei schwarzen Schuhe auf ihrem kleinen, Die Handschu 0 schwedischem Leder, noch immer sehr lang, oder sie sind kürzer und dann mit einem Aermeltheil aus durchbrochene Seide(wohl verstanden: die ledernen Handschuhe) in gleicher Nuance, oder, noch eleganter, mit einem solchen aus gleichfarbiger Seidenspitze ausgestattet, auf welchem sich oft noch Im Allgemeinen werden die Strümpfe in der Farbe des Kleides, die ausgeschnittenen Schuhe in derfenigen des Leibchens getragen. Auf den Schuhen bringt man sehr wenig an: eine kleine Schnalle aus Straß oder ganz flache und ebenfalls kleine e e hält. Die aus Atlas oder Sammet zu schwarzen Kleidern zeigen ugespitzten Vorderblatt schwarze Perlenstickereien. 5 für die Ball⸗ und Soireetoilette sind aus hellem Perlenstickereien ausbreiten. Die letztgenannten Handschuhe gehören gegen⸗ blasses Gelb mit — Blumenmalereien. Das können wir, jungen Hausfrau Erstgeborenen zu auf dem Stuhle seiner Freude an Lamartine. bewohnte. Lamb N hielt, sein erstes große Summen. 90 9 widerte dieser;„ 9 Handschuhe zu ganz weißen Toi schuhe zu schwarzen Toiletten Vorschrift. Was die Ball⸗Umhüllungen(Entrées oder Sorties de bal) betrifft, so gestalten sie sich für junge Mädchen selbstverständlich viel einfacher als für verheirathete Damen. Wenn man auch derartige Mäntelchen farbig ver⸗ sucht, so wählt man sie doch am liebsten weiß und für junge Mädchen besonders in Dolmanform, aus indischer Voile, garnirt mit Schwan. Die jungen Frauen tragen verschiedenartige Formen, oft die Visite, oft das wärtig zu den modernsten und vornehmsten. Man streift die Armbänder über die Handschuhe. Die Lieblingsfarbe ist die Nüance„sudcle“, also ein rosigem oder 19 1 Schimmer, doch sind die weißen etten angenommen, die schwarzen Hand— Mantelek mit Capuchon und weiten, gerundeten oder eckigen Aermeln: aus Plüsch, Atlas oder Brokat. Und die Fächer?! Wo soll ich den Raum hernehmen, um Ihnen noch all' die reizenden Kunstwerke zu schildern, welche die Fächerindustrie hervor⸗ gebracht? Es genüge, darauf hinzuweisen, daß man als besondere Neuheit die Fächer in ovaler Schildform aus weißen oder zartfarbigen Marabuts hat, über deren weiches Federbett sich ein Flug kleiner Vögel hinzieht, oder auf welchen ein Straußfederbouquet mit Reiherfedern, ausgestreute Blumen ꝛc. liegen. Den Elfenbeingriff umgiebt eine weiße oder zartfarbige Band⸗ schleife. Im Uebrigen scheinen die durchsichtigen Fächer zu den aus⸗ erkorenen Lieblingen zu gehören: Fächer aus zarten Spitzengeweben, denen ein oder mehrere ätherische Gaze- oder Kreppfonds mit Genrebildchen ein— gefügt,— Fächer aus Gaze oder Krepp, geschmückt mit den schönsten Zum Glück ist der Fächer, dieses graziös⸗kokette Geräth, nicht von den Capricen der Mode abhängig. Läßt letztere auch immer Neu⸗ heiten darin entstehen, so haben diejenigen Fächer, welche nicht gar zu originell, zu exklusiv sind, doch das Privilegium langjähriger Gültigkeit. nicht wahr, verehrte Leserinnen, von unseren noch immer schönen und uns liebgewordenen Atlasfächern mit ihren anmuthigen Blumen⸗ malereien sagen, die schon viele Saisons erlebt. Lose Blätter. Der Erstgeborene.(Siehe Illustration.) Franz Defregger ver⸗ steht es, dem Leben der Tyroler Landbevölkerung die heiterste, sounigste Seite abzugewinnen. Bald schildert er die freudige Bewegung, welche die Ankunft des„Urlaubers“ in einer Familie hervorbringt, bald den fröhlichen Empfang hübscher Dirnen auf dem Tanzboden, bald die Neckereien, denen ein Salon⸗ tyroler seitens lustiger Sennerinnen ausgesetzt ist, bald die Wirkung des Zitherspiels auf naiv empfindende Frauen. Immer sind es kerngesunde Menschen, welche der Tyroler Maler in solch' heitere Situationen bringt. Auch sein neues Genrebild„Der Erstgeborene“ spricht für die heitere und gemüthvolle Auffassung des bäuerischen Familienlebens. Auverwandte der und Mutter sind im Bauernbause eingekehrt, um den bewundern. Der kleine Stammhalter ist eben gebadet worden und präsentirt sich in frischer Wäsche und guter Laune. Der Alte ist wahrscheinlich der Großpapa des Kindes; er macht demselben durch Scherzworte Luft. Das reine Mutterglück aber liegt auf den schönen Zügen der junge Frau und diese findet die wärmste Antheilnahme bei allen Besuchern es Hauses. R. F. Der Pfarrer Lambeau befand sich eines Tages zum Be⸗ suche auf einem Schlosse, das eine der ausgezeichnetsten Frauen Frankreichs eau wollte sich ungewöhnlich früh entfernen; man fragte nach der Ursache.—„Ich muß meine Predigt für morgen noch ausarbeiten.“ [„Eine Predigt?“ fiel ihm ein zwölfjähriger Knabe in's Wort,„eine Predigt?— Sagen Sie mir den Text, und ich will sie für Sie schreiben.“ Jedermann lachte über diese Aeußerung.—„Nun, versuchen wir's,“ sagte Lambeau scherzhaft, und gab dem Knaben das Thema.„Ich will noch einige Stunden warten, ich werde meine Predigt doch noch vollenden können — Der Knabe machte sich sogleich an die Arbeit, während die Gesellschaft, die Sache als einen Scherz nehmend, sich lebhaft um ihn herum unterhielt. Als Lambeau gegen Abend aufbrechen wollte, gab ihm der Knabe ein Papier mit den Worten:„Da ist Ihre Predigt.“ Lächelnd nahm Lambeau das Maunustript und sagte:„So, nun da wollen wir doch gleich einen Versuch mit der schönen Rede machen,“ und las die ersten Zeilen mit pathetischem Tone; bald ward er jedoch ernster und gleich allen Zuhörern von Erstaunen und Bewunderung ergriffen; er konnte es nicht fassen, wie ein zwölfjähriger Knabe so tiefe Gedanken haben könne.— Dieser Knabe war Alphonse Lamartine und die Predigt, welche der Geistliche wirklich des andern Tages M. 1 Werk. In einer Gesellschaft verspielte ein Graf, der sehr verschuldet war, Einer, der ihm zusah, sagte zu einem Andern: Sehen Sie, wie der Graf sich wieder hineinreitet?—„Das ist wohl wahr,“ er⸗ aber er reitet auf Miethspferden; die schont man eben nicht.“ 5 ———— l der Kaiser Heinrich IV. nach Merseburg kam, erinnerte man ihn daran, daß er sich an dem Orte befinde, wo sein furchtbarer Gegner Rudolf von Schwaben sein Grab gefunden habe.„Ich an Eurer Stelle“ ließ sich ein Ritter des reisigen Gefolges vernehmen,„zerstörte das pracht— volle Monument, das uns förmlich zum Hohn gesetzt ist, und zerstreute die Gebeine des Fürsten, den man Euch als Gegenkaiser aufzustellen wagte“ — Fund der uns in zwei Schlachten besiegte,“ fiel der Kaiser ein:„Nein, nein, ich störe nicht 15 Ruhe. Wollte Gott, daß alle meine Feinde so prächtig bestattet wären.“ W. G. Eine Anekdote von H. Detmold. Detmold, einer der witzigsten Schrift— steller unsres Jahrhunderts, der Verfasser der geistvollen Alg zur Kunstkennerschaft“, der„Randglossen“ und des Textes zu den leider ver⸗ gessenen v. Bonin⸗Schrötterschen Zeichnungen zu dem„Leben und Thaten des Abgeordneten Pipmeyer“, war Advokat in Hannover und wegen seines kaustischen Sarkasmus allgemein gefürchtet. Als Anfangs der vierziger Jahre an den Schaufenstern der dortigen Buchhandlungen eine Lithographie aushing, welche den damaligen hannöverschen Finanzminister darstellte mit einer Papierrolle in der linken Hand, während er die Rechte an das Herz drückt, bemerkte Detmold:„Das ist sehr treffend: der Minister hält das Budget in der einen, und mit der anderen Hand deckt er das Defizit. R. F. Die alte Pikesche. Es ist allgemein bekannt, daß Herzog Karl August von Weimar, der Freund Goethe's, die Einfachheit im Aeußern, namentlich in der Kleidung liebte. In späteren Jahren ging dies sogar so weit, daß es Ueberredung seiner Umgebung bedurfte, sollte er ein neues Kleidungs⸗ stück anlegen. Die alte Garderobe erhielt sein Kammerdiener Hecker, der sie auf dem Trödel verkaufte. Eines Morgeus brachte Hecker ihm eine neue Pikesche.„Was ist das?“ rief der Fürst:„Das ist ja ein neuer Rock. Gleich bringe mir die alte Pikesche.“—„Königliche Hoheit,“ er⸗ widerte der alte Kammerdiener,„die war doch allzu schlecht geworden, schon oft geflickt. Sie war in der That nicht mehr zu tragen.“— Wo hast Du sie hingethan. Du hast sie wohl gar schon verkauft?“—„Nein, noch nicht, königliche Hoheit. Ich habe sie noch zu Hause.“„Hecker, sag' mir ehrlich, was Du für solche alte Lumpen erhältst.“—„Höchstens einen Thaler. Ihre Röcke sind sämmtlich höchst abgetragen.“—„Nun, daß Du nicht zu Schaden kommst, hier ist ein Thaler. Jetzt holst Du mir aber sogleich die alte Pikesche.“ W. G. Auflösungen der Räthsel. Auflösung des ersten Räthsels in voriger Nummer: Aether;— des zweiten Räthsels: Schatten;— des Rösselsprungs: Ich mag den alten, weißen Herrn, Den deuͤtschen Winter gar zu gern, Er macht ein grimmiges Gesicht Und meint es doch so böse nicht, Droht wohl nach guter Väter Art; Doch straft die Kinder niemals hart. Und birget unter kaltem Kleid Gar warme Lieb' und Herzlichkeit. Schön ist's wohl, wo im fernen Süd' Die Mandel und Orange blüht, Wo hell am Tag', klar in der Nacht Ein ewig blauer Himmel lacht; Doch tauscht' ich Wärm' und Sonnenschein Nie gegen meinen Winter ein, Weil er das höchste Glück verleiht: Familiensinn— Gemüthlichkeit. — des Magischen Quadrats: 8 U 2 I E E 2 E. Zweisilbige Charade. Die erste Silb', ein kleines Wort Muß mit dem dritten Falle dort, Hier wieder mit dem vierten sein Und wird so der Grammatik Pein. Der Vogel sträubt sich ängstlich, bang, Wenn Dir die zweite Silb' gelang, Sie ist des Fischers hohe Luft, 5 Erfüllt mit Stolz des Häschers Brust. Es giebt auf Erden wohl kein Ding, Sei's groß, sei's klein, vornehm, gering, Das Dich betrübt, erfreut und labt, Das nicht das Ganze einst gehabt. 3 r Rösselsprung. nel⸗ bu⸗ doch stoh⸗] sie that ich tanz te blu⸗ die am als zum trug bends sen⸗ ken len men ver⸗ a- und te die pflück⸗ latz sten und da kam te te lieb⸗Jlach⸗ von und schick⸗ sach⸗ mor⸗ te wer⸗ schau⸗ das und lein nicht sa⸗ der mich wem wand ihr ich gens sträuß⸗ und ich ich an früh ein gen ließ Silben-Käthsel. Aus nachfolgenden Silben: an ant ar au ba be ber bi bin bir bri burg cha co dau de e en en er er frau ge ge go ho i i i ker ko lauf le len Ii Ii ling 10 lob lu lu mo na nar ne ne nes neu no nold o ra roc ru sa schaf schan ser si sis sto tal teau then ti ton tu um un vi ving wa wa wel ze znaim sind 29 Wörter zu bilden, deren Aufangsbuchstaben von oben nach unten, und deren Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ein Citat aus Goethe's „Tasso“ ergeben. Die Wörter ergeben: 1. Einen berühmten britischen Feldherrn und i 2. Einen amerikanischen Freistaat. 3. Bewegliche Dampfmaschinen. 4. Verstorbenen engl. Afrikareisenden. 5. Besuchte Stadt der sächsischen Schweiz. 6. Musi⸗ kalisches Blechinstrument. 7. Eine alte römische Silbermünze. 8. Die Be⸗ wegung der Planeten um die Sonne. 9. Altey germanischen Volksstamm. 10. Einen weiblichen Vornamen 11. Engliche Kolonie an der Ostküste Südafrika's. 12. Einen männlichen Vornamen. 13. Ein Apothekergewicht. 14. Inselgruppe im Karolinen⸗Archipel. 15. Einen Vogel. 16. Einen Minnesänger. 17. Ein Weinmaß. 18. Stadt 910 den Sandwich sigel. 19. Einen Edelstein. 20. Einen Baum. Kanton der Schweiz. 22. Russisches Gouvernement. 23. Vestel 11 5 Opernkomponisten. 24. Ein Säugethier. 25. Heißen Wind. 26. Eine ägyptische Göttin. 27. Französische Stadt im Departement„Niederloire.“ 28. Stadt in Mähren. 29. Gebirge in Deutschland. Areuz-Räthsel. Aus nachfolgenden Buchstaben: AAA B B B D ET ET E E E H TETT IE E E F F G GHL M M M M N N O R R R R R 8 N W Y V sind neun Worte zu bilden und in derselben Weise zu mittleren Reihen, von oben nach unten und von links gleiche Wörter ergeben. Die neun Reihen geben folgende Wörter: Einen Badeort. „Ein vierfüßiges Thier. N Fut im westlichen England. tadt an der Elbe. Einen berühmten Komponisten. Den höchsten Berg Europas. Kopfbedeckung der Orientalen. Eine Märchenerscheinung. Ein Flächenmaß. ordnen, so daß die nach rechts gelesen, D D D N D= Problem Nr. 369. Der Potsdamer Schachgesellschaft dedicirt von R. Blümel in Schlegel. Schwarz. l 2 e e. 285. 1 2 e 2 3 g h 85 Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Auflösungen. Problem Nr. 359 von Ph. von Klett. 1) Des—e2 2) entsprechend Matt. Angegeben von 550 Kron in B., G. Schnitzler in L., F. Osten in 955 Dr. Voelkel in B., Schachklub Thun, C May in B., Dr. Wehrmeister in M. O. S. in B., G. Kist in K., H. Greifenhagen in W., Oehme in S5 J. Seidenberg in K, Fr. Aue in J., H. Michaelis in Th., N. Bock in B. und R. Keller in B. Problem Nr. 360 von G. Laws in London. 1) Dg8-g5 2) entsprechend Matt. Angegeben von sämmtlichen Lösern der vorhergehenden Nummer. Problem Nr. 361 von J. Kohtz und C. Kockelkorn. 1) Lb4—e7 2) entsprechend Matt. Angegeben von sämmtlichen Lösern der beiden vorhergehenden Aufgaben. Problem Nr. 362 von J. Kohtz und C. Kockelkorn. 1) De4—-g4 2) entsprechend Matt. Angegeben von allen Lösern der drei vorhergebenden Nummern und von F. Werther in D.— 1) Das scheitert natürlich an der Entgegnung 85—g41 Die nachstehende poetische Lösung des Herrn von Bilow, des berühmten Verfassers des Schachstruwelpleters, ist dem Braunschweiger Schachwochenblatt e entnommen. Mit dem poetischen Schwunge, durch den der Dichter hier seinem Beifall Ausdruck giebt, kann indessen nach der Meinung der Verfasser des anspruchlosen Zweizügers ihre Leistung keinen Schritt halten. Kohtz⸗Kockelkorn, Caissen in Gefolg für Fünfer⸗Feier, Erweichten ihren harten Sinn Und machten endlich Zweier, Leer Brett, drei Mats und 517 schön— Ward das im Zweier je gesehn?— Und witz ger Zug: man schaue Auch hier die Löwenklaue. Mir, lang Problem-Blasirtem, sticht Solch„Junker an der Schwelle (Mit Klett 1 9 in's Gesicht Beim Frühstück:„Welcher Quelle 8 0 0 das? Welchem Schönheitsborn? Ja so! von Kohtz und Kockelkorn“— Den Schwellenjunker müssen Wir, traun! als Lieut'nant b f Bilow. Problem Nr. 363 von C. 1) Dhi—h4 ULbs- d:! 2) Dha4 ef Kdö5— ea(Led): 3) Les-c(Lf7)f Varianten: 1).. Kd5-—dé;(es) 2) Derr Kd5 3) Les Matt. 1). (hig6) 2) Dfs 3) D, L oder 8 giebt Matt. Auch auf andere setzung 2) De, welche nach dem ersten Zuge droht. Die Schlußwen 9125 15 Hauptspiels ist schon so oft und in verschiedenster Weise dargestellt worden, daß es sehr schwer fa derselben noch eine originelle Seite abzugewinnen. Der Verfasser hat diese Absicht durch die Drohung des ersten Zuges und die Erzwingung des Läuferzuges nach de, der das Mattnetz für eine Wendung des Hauptspiels vervollständigt, zu erreichen gesucht. Das Problem leidet übrigens unter der Ueberdeckung des Feldes et im Hauptspliel und dem Mangel an Verführungszügen.— Die Lösung wurde angegeben von W. Kron in B.; F. Osten in G.; Schachklub Thun; J. Seidenberg in B.; Dr. Voelkel in B.; 5. Michaelis in Th. May in Braunschweig. dio? oder Lg: Aus der Schachwelt. Das von Herrn A. Heyde in Braunschweig redigirte Schachwochenblatt erscheint seit Neujahr im Druck(Preis Mk. 1,25 per Quartal) unter dem Titel: a Organ 5 die Pflege des Schachspiels“— Beiträge sind an den Redakteur, Braun ch weig, arstall 21, zu richten. Zukertort ist bereits am 13. Dezember in New⸗York 1 5 wo der Wett⸗ kampf mit Stein itz um die Schachmeisterschaft der Welt in der ersten Woche des Januar im Manbattan⸗Club seinen Anfang nehmen soll. Sobald jeder der beiden Gegner vier Ge⸗ winnpartien zu verzeichnen hat, wird das Spiel in St. Louis fortgesetzt, bis von jeder Seite drei weitere Partien gewonnen sind; zum Schauplatz für den Schlußact des Dramas ist der Schachclub von New-Orleans ausersehen. üge entscheidet die Fort⸗ Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Att. Ges. in Berlin, Lützowstr. 105. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Phillips in Berlin, Lützowstr. 105. —— rege