rer ß e e e ee, e e F ie — 5 R Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. zu den Oberhessischen Machrichten. Ur. 2. Gießen, den 23. Mai. Die Stiefmutter. Roman von M. Elton. (Fortsetzung.) VII. Jahre waren vergangen. In Mandsfelt saß einsam im Zimmer ein Mann, dessen volles Haar bereits weiß geworden. Es stürmte um das alleinstehende Gutshaus; dichte Schneeflocken wirbelten in der Luft und erhellten ein wenig die düstere Nacht. Der Gutsbesitzer hatte den kleinen Tisch mit der Lampe nahe an den Ofen gerückt und sein Blick flog zerstreut über die Zeitungen. Nun schlug es sechs Uhr auf der großen Schwarzwälder Uhr draußen im Hausgang; er saß schon zwei Stunden lang bei der Lampe, noch vier endlose Stunden, bis es zehn war, und dann kam die trostlose Nacht ohne Schlaf. So lebte er schon lange Jahre, im Sommer in rastloser Arbeit, im Winter jeden neuen Tag fürchtend. Es war bereits der achte Winter, den er allein in Mandsfelt zubrachte und nicht ein einziges Mal war seine Adeline gekommen, ihn zu sehen. Das Wanderleben des Lords mußte ihr wohl ge— fallen, sie beklagte sich nicht darüber, daß sie ihre Winter in Italien, Griechenland oder Spanien zubrachte. Ihre Briefe, die im ersten Jahre oft und immer voll glänzender Schilderungen ihrer Existenz bei dem einsamen Manne angekommen, trafen jetzt nur selten ein. Zum ersten Male seit ihrer Verheirathung brachte der Lord mit seiner Frau einen Winter in Deutschland zu. Adelinens letzter Brief kam aus Berlin. Sie hatte nicht geschrieben, daß sie ihn besuchen werde, aber er war überzeugt davon, daß sie nach Mands— felt komme, und er horchte in den stürmischen Dezemberabend hinein und meinte, sie werde ihm eine Ueberraschung bereiten und in Sturm und Schnee fröhlich in die alte Heimath einziehen. Das drängte den peinigenden Gedanken, der ihn Tag und Nacht ver⸗ folgte, in den Hintergrund. Ich hatte eine Frau besessen, schön und engelgut, mit einem Herzen, das Dich liebte, und Du hast sie von Dir getrieben. Sie war gegangen, weil sie sich überflüssig fühlte zum Lebensglück ihres Mannes; es blieb ihm ja seine Adeline; aber auch sie war gegangen, glücklich, übermüthig, ohne ein Wort des Bedauerns. So war er denn allein, allein seit Jahren. Ob er noch an Juliens Schuld glaubte! Niemals hatte er eigentlich daran geglaubt; ihr Wesen war zu offen, zu ehrlich. Adelinens nervöse, aufgeregte Natur hatte ihn für den Augenblick beherrscht; er durfte sich seinem, ihm so treu anhängenden Weibe nicht feind— lich schroff zeigen, wie er gethan,— aber nun war Alles vorüber, und ein Geheimniß steckte hinter der Sache,— warum nur mußte sie vor ihm ein Geheimniß haben! Das arme Kind, das er so wenig beachtet und dessen Stimmchen er noch vom Fenster zu hören glaubte, als es ihm zum letzten Male„Papa“ zugerufen, wo war es? Er schloß die Augen, er meinte, Julia's weiche kleine Hand Haar,—„es ist weiß geworden, Julia,“ flüsterte er und hielt die Augen noch immer geschlossen,„im Herzenskummer um Dich und meine kleine Ellinor.“ Da, wirklich, fuhr ein Wagen über den gepflasterten Hof. „Julia,“ rief er aufspringend,—„Adeline!“ und er zitterte so heftig, daß er einen Augenblick sich gegen den hohen Porzellan— ofen lehnen mußte, ehe er die Lampe ergriff, um hinaus zu eilen. Aber der Luftzug blies ihm das Licht schon in der Thüre aus, und während er nach Streichhölzern tastete, hörte er Schritte, die sich durch den dunkeln Hausgang nach dem Wohnzimmer be— wegten. Nicht Julia's oder Adelinens leichter Fuß war dies, son— dern ein schwerer wohlbekannter, der ihn zittern machte. „Bleib' vor der Thüre, Klas,“ sagte eine Stimme,„Du weißt, daß der Alte die Vornehmthuerei liebt. Was, Alles dunkel? im ganzen Haus kein Licht? Ei, ist der am Ende schon um sechs Uhr ins Bett gekrochen?“ Es blitzte die Flamme eines Streichholzes auf und Lindner zündete mit bebenden Händen die Lampe an. Sein Sohn trat ver⸗ legen einen Schritt zurück und schloß Klas die Thüre vor der Nase zu. Dann lachte er laut auf.„Es war nicht so schlimm gemeint, Vater, Du kennst ja meine Ausdrucksweise, aber man weiß immer, wie man mit mir steht.“ a „Mit Dir hält man am Besten garnicht, Bursche,“ fuhr Lindner auf;„ich weiß nicht, wie Du Dich unterstehen kannst, mir über die Schwelle zu treten. Mache Dich nur schnell wieder hinaus, sonst lasse ich Dich von den Knechten vors Thor bringen.“ „Nun, nun, sei nur nicht so wild,“ sagte Georg.„Wenn Du ein bischen nachdenkst, wie ich immer der Bruder Uebrig hier ge— wesen bin, und wie von Jugend auf meine Schwester Alles nahm, so solltest Du Dich nicht darüber wundern, daß ich ein wenig scharf vorgehen mußte, um mein Eigenthum zu erlangen. Du hattest Adeline so prompt ihr mütterliches Vermögen bei der Verheirathung mit dem Lord ausgeliefert, und was Alles nicht noch dazu. Ich habe ein Auge zugedrückt; aber als ich mich selbständig machen und das Gut in Lengen kaufen wollte, da machtest Du allerlei Ausflüchte. So dumm war ich doch nicht, daß ich nicht begriff, woran das hing. Warumm hattest Du Dich bei Adelinens Heirath so tief hinein gerannt? Das kannst Du mir nicht übel nehmen, daß Besorgnisse in mir aufstiegen, und ich mir den Rechtsanwalt zu Hilfe nahm, um doch etwas herauszukriegen.“— „Schweig, Du Ungeheuer!“ schrie Lindner auf.„Stehe nicht da mit Deiner unschuldigen betrübten Miene, die Du bei Gelegen— heit so gut heucheln kannst. Ich habe Dir mehr gegeben, als Du beanspruchen kannst, und Du thatest mir die Schmach an, — 11 berühre schmeichelnd seine Stirn und er lege sich auf sein volles — — — — — 19 11 1 1 115 1 1 110 15 6 459 11 1 —.. ᷣͤ ** 162 ——— —r!!. mich vor's Gericht zu ziehen.— Gehe, sage ich Dir, ich will Dich nie mehr vor Augen sehen.“ „Ich habe kein Glück,“ sagte Georg und schüttelte langsam den Kopf.„Alles was Du mir da vorwirfst, war nicht böse gemeint. Es ist wahrhaftig ein Wetter, man möchte keinen Hund vor die Thüre schicken, und ich komme in der Nacht, in dem Schneegewirbel, um Dir Nachrichten von Adeline zu bringen. Ich bin bei ihr ge⸗ wesen und bin erst heute Morgen von Berlin zurückgekommen.“ Er hielt inne und bemerkte, wie der Vater seinen Widerwillen zu bekämpfen suchte. Um etwas von seiner lieben Tochter zu hören, mußte er die Gegenwart dieses Burschen dulden, den er nicht mehr vor Augen sehen konnte. „Ja, ich habe sie in gutem Wohlsein angetroffen,“ fing Georg nach einer kleinen Weile an.„Sie wohnt wie eine Fürstin in der Millionär⸗Straße. Ich muß mich ein bischen setzen, Vater; Du möchtest Alles recht ausführlich hören, und Du sollst auch Alles er⸗ fahren, nur mußt Du mir erlauben, daß ich die Beine ein wenig am warmen Ofen ausstrecke. So, nun wird's erst gemüthlich,— setze Dich doch; es wird Deinen alten Beinen nichts schaden— Du willst nicht? Auch gut! Du magst wohl Tags über ein gut Theil Zeit absitzen. Es sieht nicht darnach aus, als ob die schöne Frau wiederkommen wollte. Noch immer keine Nachrichten von der Stiefmama?“ „Was geht es Dich an, Bursche. Den Menschen nur hier sitzen zu sehen, der mich entehrt hat, bringt mich außer mir. Mache es kurz, wie geht es Adeline?“ Der Gutsbesitzer trat in die entfernteste Ecke und wendete seinem Sohn den Rücken zu. Adeline braucht mehr in einem Tage, wie Dein Sohn im ganzen Jahr, darauf kannst Du Gift nehmen. Ich ging Morgens in das schöne große Haus und hatte meinen besten Anzug angelegt. Unverschämte Bediente hat Adeline, das muß man sagen. Es war wohl noch ein wenig frühe, als ich die mit prächtigen Teppichen belegte Treppe hinaufging. Diese Burschen stäubten und kamen mir mit dem Fliegenwedel so nahe und betrachteten mich so im— pertinent, daß ich es gerathen fand, ihnen zu sagen, ich sei der Lady leiblicher Bruder. Da hättest Du sehen sollen, wie frech das Gelichter mich auslachte. Sie ließen mich im Hausgang stehen und sagten, Milady empfinge erst gegen ein Uhr. Ich setzte mich auf eine Art Divan nieder und wartete drei geschlagene Stunden. Gegen Mittag hatte ich die Freude, meiner Schwester Stimme zu hören. Diesen Genuß hatte ich so lange entbehrt, daß ich mir nicht versagen konnte, recht nahe an die Thüre zu treten, aus der ihre Stimme drang. Das war doch etwas. Die Sehnsuͤcht nach ihr ließ mich die Thüre ein ganz klein wenig öffnen und ich sah sie mit einer Tasse Chokolade vor sich in einem Sessel. Sie sah sehr vornehm aus in dem langen gestickten Kleide, wie sie so die kleinen Füße mit den Atlaspantöffelchen auf einen weichen Schemel streckte, aber ihr Gesicht war bleich und farblos, um zwanzig Jahre gealtert. An ihrer Seite befand sich der Lord.“ Er hielt einen Augenblick inne und schielte nach seinem Vater. Lindner hatte sich rasch umgewendet und sah angstvoll nach seinem Sohne. „Sie sprachen rasch und heftig zusammen in gutem Deutsch, leise und zischend,“ fuhr Georg fort.„Verstehen konnte ich ja nicht Alles, das mußte sich auf Vorhergehendes beziehen; ich fischte nur heraus:„Ruin“,„unverbesserlicher Spieler“, und hörte den Schwager laut lachen. Geräusch kam die Treppe herauf und ich zog mich zurück.“ Der Gutsbesitzer war schnell an den kleinen Tisch herangetreten; er sah bleich und verstört aus und athmete schwer. „So erregt, wie Du jetzt bist, war auch ich, als ich mich be— hutsam von der Thüre hinwegschlich; denn man hat doch eine einzige geliebte Schwester nicht umsonst,“ sagte Georg.„Ruin! Das eine Wort nur giebt mir immer eine Gänsehaut. Um ein Uhr öffneten sich die Flügelthüren und die Portieren in der glänzenden Reihe der Zimmer, und ich spazierte selbstverständlich zuerst hinein. Ich sah vor Möbel und hohen Pflanzen fast meine Schwester nicht; sie lag auf einer bunten Ottomane und schien zu lesen; ich sah aber, daß sie sich nur so stellte. Nun sah sie frisch und schön aus, wie ehe— mals und schien mäßig erfreut, mich wiederzusehen. Auch konnte ich ihr kaum mittheilen, wie es zu Hause gehe, da strömte es von geputzten Leuten zu der Thüre herein, und von der andern Seite trat der Herr Schwager ein, recht sehr von den Jahren mitgenommen. Derselbe erwiderte sehr steif und vornehm meinen Gruß. Als ich aber auf ihn zutrat und mich zu erkennen gab, da wurde er über⸗ aus freundlich. Adeline kümmerte sich jetzt nur noch um die Be— sucher und der Herr Schwager drängte mich auch ein wenig nach der Thüre und sagte, es sei gerade kein guter Moment zum Aus⸗ sprechen, ich solle ihm nur sagen, wo ich abgestiegen sei, er würde mich besuchen. Abends dachte ich, es sei doch in der ganzen Christenheit Sitte, daß man den ersten Abend bei einer Schwester zubringe, die man so lange nicht gesehen hat. Im Hause derselben war Alles erleuchtet und prächtig wie in einem Feenmärchen und die Säle waren dicht gedrängt voll Menschen. Zu Adeline konnte ich garnicht gelangen, so umringt war sie; der Schwager aber drückte mir die Hand und flüsterte mir zu:„Morgen um elf Uhr werde ich Sie in Ihrem Hotel besuchen.“ Ich trieb mich noch ein Bischen unter den Leuten herum, die mich anglotzten, wie die Kuh das Scheunenthor, und dachte, die Abendmahlzeit müsse nun bald beginnen, denn die Bedienten trugen flink die silbernen Schüsseln auf. Da kam Adeline gerade auf mich zu und sagte:„Georg, ich kann Dich nicht einladen, ohne meinen ganzen Tisch zu derangiren, Du kennst keinen Menschen hier und würdest Dich schrecklich langweilen.— Laß sehen!— Für die nächsten fünf Tage sind wir gebeten; aber nächsten Sonntag, wenn mir keine Abhaltung kommt, dann speise en famille mit uns. Gute Nacht, Georg.“ Und fort war sie wieder, ehe ich ihr nur ein Wort erwidern konnte. Wiedergesehen habe ich sie nicht mehr; wenn ich kam, hieß es, sie sei aus oder sie empfange nicht; und da mein Zweck allem Anschein nach gescheitert war, reiste ich von Berlin ab.“ „Hat Adeline nicht gesagt, sie würde diesen Winter nach Mands— felt kommen?“ fragte Lindner. i „Kein Wort; was sollte sie auch in Mandsfelt anfangen?“ er⸗ widerte Georg und lachte laut.„Aber der Herr Schwager war recht pressirt, mir den Gegenbesuch zu machen. Mit dem Schlage elf Uhr trat der vornehme Mann in mein bescheidenes Zimmer. Ganz schlicht und gemüthlich, wie ein anderer Mensch, belachte er meine Späße und schimpfte mit mir über Berlin. Ich hatte jetzt den Schwager auf dem besten Wege und konnte bei ihm mein An— liegen vorbringen,— da mußten wir denselben Gedanken und die— selbe Absicht haben und schnitten uns jämmerliche Gesichter zu, als es ans Tageslicht kam. Die ersten fünf Jahre auf einem Gute soll der Henker holen; ich steckte Geld hinein, es kommt aber kaum etwas heraus!“ N „Auch nach zwanzig Jahren kommt nichts auf Deinem Gute heraus. Doch das geht mich nichts mehr an; was wollte der Lord bei Dir?“ „Geld wollte er haben,“ rief Georg und lachte grimmig;„und als ich ihm sagte, ich sei zu demselben Zwecke nach Berlin ge⸗ kommen, um mir fünfzehn bis zwanzigtausend Mark zu borgen, da zuckte er ungeduldig mit den Schultern und sagte, Adeline müsse ihrem Vater wegen eines Darlehns schreiben, denn er bedürfe einer ziemlich bedeutenden Summe, er sei in großer Verlegenheit. Nun bin ich, ehe ich zu Dir kam, bei meinem Rechtsanwalt gewesen und habe mich befragt, wie ich mich zu benehmen habe, im Falle Du dem Schwiegersohn die unsinnigen Summen vorschießen wolltest. Du wirst es nicht thun, Vater, denn ich würde ganz bestimmt Dir jede Möglichkeit dazu abschneiden. Ich wollte Dich nur von vorn herein von meinem Vorhaben benachrichtigen; Du weißt, ich bin immer genau von dem unterrichtet, was Du thust, heimlich halten kannst Du nichts. Du kümmerst Dich so viel darum, was die Leute sagen, deshalb zwinge mich nicht mehr, Dich in's Gerede und vor's Gericht zu bringen und nimm Dich in acht, denn Du kennst mich und weißt, daß ich nach Niemand frage. Offen und ehrlich, wie ich bin, komme ich, Dir zu sagen, daß ich das Recht, was mir zusteht, gebrauchen werde; Du bist nun gewarnt, ich spiele offenes Spiel, und Wenige an meiner Stelle—“ „Hinaus!“ schrie der Gutsbesitzer mit bebender Stimme;„hin— aus! sage ich Dir! Betritt die Schwelle meines Hauses nicht wieder, das rathe ich Dir!“— Er riß weit die Thüre auf und erhob außer sich den Stock gegen den eiligst durch die Thüre flüchtenden Sohn. Der Gutsbesitzer rang nach Athem; er hörte, wie Georg draußen zu Klas, der Schildwacht gestanden, sagte:„Du siehst, ich habe einmal kein Glück bei meinem Vater; meine besten Absichten werden von ihm verkannt.“ i * e eee eee eee D D 3 c 163= „Das sind Ansichten, Herr Georg,“ hörte man die tiefe deutliche Stimme des Gefährten.„Der Herr Vater und die Welt sehen es eben mit andern Augen an.“ „Was soll das heißen, Dummkopf?“ flüsterte ihm Georg zu, während sie aus dem dunkeln Hausflur traten.„Willst Du Dich bei dem Alten beliebt machen, weil Du so schreiest?“ Sie stiegen in den offenen Wagen und fuhren dem drei Meilen entfernten Lengen zu. Georg war übler Laune und sprach kein Wort. Es fiel ihm ein, daß er ganz unüberlegt gehandelt, indem er seinem Vater von des Lords Absicht gesprochen. Der Letztere wandte sich vielleicht garnicht an Lindner und Georg hatte nur seinen Vater in Bezug auf seines Lieblings Lage höchlichst beunruhigt und ihm gewisser— maßen die Anregung gegeben, Adeline nun fortwährend kleine Zu— schüsse zu schicken, die seiner, Georg's, Ueberwachung entgingen. „Dumm! dumm!“ brummte er vor sich hin und rieb sich die niedre Stirn. i Der Gutsbesitzer blieb wie gebrochen in dem Wohnzimmer zurück. Er saß bewegungslos und starrte vor sich hin; es war ein trauriger Ausdruck in seinem Gesicht. Es war ihm Nebensache, daß der ungerathene Sohn ihn mit neuen Beschimpfungen bedrohte; aber er fürchtete, daß Adelinens glänzende Existenz früher oder später mit völligem Ruin endigen mußte. War Graham wirklich ein Spieler, dann war Alles verloren. Der Vater hatte es längst zwischen den Zeilen aus den Briefen seiner Tochter gelesen, daß etwas, was sie nicht sagen konnte, ihrem Glück im Wege stand. Er mußte sie sehen, er mußte sogleich nach Berlin aufbrechen. Sogleich morgen mußte er einen Verwalter für das Gut suchen, der volle Be— fugniß erhielt, den Gutsbesitzer von Lengen, wenn nöthig, selbst polizeilich von Mandsfelt fern zu halten, so lange der Besitzer von Mandsfelt abwesend war. Nun mußte sich Lindner vor dem Menschen, der in seiner Unverfrorenheit und Unverschämtheit wahrhaft zynisch wurde, zu schützen suchen; der Welt gegenüber war ja überhaupt nichts mehr zu wahren; dafür hatte Georg gesorgt.— Am andern Morgen, als der Schnee dicht und geschlossen den Boden bedeckte und ein eisiger Wind wehte, überlegte Lindner noch einmal und wurde unschlüssig. Wenn der Lord ein Spieler war, so konnte er ihm doch die Hilfe nicht bringen, auf die jener rechnete und seine Tochter würde nur unter seiner Anwesenheit zu leiden haben. Wenn er zu Hilfe kam, so sollte es zu ihrem Vor⸗ theil wenigstens sein. Er überlegte nach allen Seiten und es wurde ihm trüb zu Muthe, wenn er an die Reihe hoher weiter Gemächer dachte, in denen wohl auch er ein fremder Gast sein werde. Er schrieb also vorerst seiner Tochter und bat sie in den rührendsten Ausdrücken, sich dem Vater zu vertrauen und in allen Lebenslagen versichert zu sein, in ihm den treuesten Freund und Verbündeten zu finden. Es wollte ihm dünken, daß seine Worte allzu sehr die Ueberzeugung durchleuchten lassen, daß sie unglücklich sei und der Lord seinen Pflichten wohl nicht nachkomme. So wartete er, eingeschneit in seine Berge. Stundenlang saß er mit fieberhafter Ungeduld oben in Adelinens Stube, wo Alles unverändert geblieben war, und zitterte vor Kälte. Von dem Eeck⸗ zimmer aus konnte er den ganzen Weg übersehen, auf dem der Post⸗ bote täglich kam und Briefe und Zeitungen brachte. Der dichte Schnee verzögerte dessen Ankunft und Lindner gerieth nach und nach in einen Zustand nervöser Erregung, die ihn für den Rest des Tages ganz krank machte. Wurde dann endlich der Postbote sichtbar, dann wurde ihm das Herz leichter, bis er erfuhr, daß wieder kein Brief von seiner Tochter für ihn angekommen war. Nach drei Wochen vergeblichen Wartens hielt er es nicht mehr aus. Was war vorgefallen? Vielleicht war Adeline garnicht mehr in Berlin. Sein Haus war bestellt; ein gut empfohlener Verwalter war mit Instruktionen gegen jegliche An- und Eingriffe versehen,— er konnte abreisen. Den Weg hatte er zum letzten Mal zurückgelegt, als er zaghaft nach Armünde reiste, mit der schwachen Hoffnung, seine Frau und sein Kind in die Heimath zurückzuführen. Ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust: er hatte ruhig zugesehen, wie Adeline rücksichtslos die arme Julia aus dem Felde geschlagen.— Endlich kam er in Berlin an, ein Wagen brachte ihn nach seiner Tochter Woh⸗ nung. Es war acht Uhr Abends, als er zögernd den Portier nach Lord Graham fragte. Er athmete auf, sie hatten Berlin nicht verlassen! „Wenn meine Tochter zu Hause ist, so will ich sie sprechen; übergeben Sie ihr sogleich meine Karte,“ sagte Lindner zu einem Diener. Jener entfernte sich mit der Ka und kam auch alsbald zurück. „Wollen Sie einen Augenblick warn,“ bedeutete er dem Guts— besitzer, indem er die Thüre eines kenen Salons öffnete. Lindner trat ein und wartete. Keine, Kndarbeit seiner Tochter Jag ultf' or vergoldeten Tischchen; Alls war frostig, ungewüthlilch. Es verging eine Viertelstunde undeindner wurde ur ruhig; er ging wieder in den hellerleuchteten Frridor, einen n Bedienten zu fragen, ob seine Tochter vielleicht kreäsc' sei; denn so mußte es sein, sonst hätte sie ihn nicht warten lassen. Als er rathlos sich umsah, öffnete sich auf der andern Seite des Korridors eine Thüre und ein junger Herr mit bräunlicher Gesichtsfarbe trat in den hellerleuchteten Gang. Jener grüßte Lindner mit außerordentlicher Höflichkeit und in seiner Un— ruhe und Besorgniß fragte der Vater den Fremden:„Können Sie mir wohl sagen, ob Lady Graham endlich zu sprechen ist?“ Der Herr sagte etwas, das Lindner nicht verstand. Der Be— diente kam herbei und sagte mit ziemlicher Impertinenz:„Die Herren werden sich schwerlich verständigen, da Signor Conte Peccatti kein Deutsch versteht. Sie haben warten müssen,“ wendete er sich an Lindner;„ich will nachsehen, die gnädige Frau wird Sie jetzt em— pfangen können.“ Der Gutsbesitzer folgte dem Diener auf dem Fuße; er schlug die schwere Portiere zurück und vor ihm in einem warmen hell— erleuchteten Boudoir stand seine Adeline! Er breitete weit seine Arme aus und rief:„Adeline, mein geliebtes Kind!“ Er fühlte auf seiner rechten Wange, dann auf seiner linken eine flüchtige Berührung ihrer Lippen und nahm sie fest in seine Arme. „Nun laß Dich anschauen, mein Kind,“ sagte er tief bewegt,„wie lange ist mir dieser Anblick nicht mehr geworden.“ Und mit einem langen innigen Blicke umfaßten seine Augen die elegante Erscheinung. „Ei, ich hätte kaum gedacht, daß so lange Zeit seit unsrer Trennung vergangen sei, wenn ich nicht mit Staunen sähe, wie weiß Dein Haar geworden ist,“ sagte Adeline und ließ sich wieder auf der Causeuse nieder. „Das freut mich, mein Kind, daß Dir die Jahre kurz geworden; dies beweist mir, daß sie glücklich für Dich gewesen sind,“ erwiderte er mit Innigkeit und ergriff warm die feine, von Diamanten blitzende Hand. Verändert hatte sie sich fast nicht; wenn auch das erste mädchenhafte Aufblühen vorüber war, so erschien sie ihm kräftiger und ihre Augen waren strahlender und schöner wie je. „Ach ja, die Zeit geht gar zu rasch vorüber,“ antwortete sie leichthin. Die Unterhaltung ging fort, der alte herzliche Ton aber wollte sich nicht wieder finden lassen. „Sage mir nur, daß Du glücklich bist, mein Kind,“ unterbrach Lindner ihre Beschreibung des Lebens in Italien;„aus Deinen Briefen konnte ich es nicht so recht heraus lesen.“ „Wir Frauen der großen Welt sind wirklich so über Gebühr beschäftigt und angestrengt, daß wir keine Muße finden, uns ganz über diesen Punkt klar zu machen,“ sagte sie mit ihrem alten hellen Lachen, das Lindner überaus wohlthat. „Wann gehst Du schlafen, liebes Kind,“ sagte er, als die Uhr zehn schlug,„ich möchte nicht Deine Gewohnheiten stören, ich bin nur zu glücklich, Dich zu Hause gefunden zu haben.“ „Wann ich schlafen gehe, guter Papa? nun so gegen drei oder vier Uhr,“ antwortete sie, und stand ebenfalls auf.„Leider muß ich jetzt Toilette machen für eine Soirke, die ich nicht versäumen darf; ich hoffe Dich aber morgen um elf Uhr zum Frühstück zu sehen.“ Sie gab ihm die Hand und reichte ihm die Wange zum Kusse hin. „Werde ich Deinen Mann heute nicht mehr sehen?“ fragte er einigermaßen verwundert über den prompten Abschied. „Er ist Abends nie zu Hause, Du wirst ihn wohl morgen an— treffen,“ antwortete sie gleichgültig. „Nun noch ein Wort vor dem Abschied, mein Kind; sei mir nicht böse, daß ich noch einmal darauf zurückkomme: Du hast die Frage nicht beantwortet, die ich Dir in meinem Briefe vorlegte: wie steht es mit Deinem Vermögen, überhaupt mit Euern Ver— hältnissen,“ sagte er in fast bittendem Tone und hielt ihre beiden Hände fest. Ein fragender erstaunter Blick traf ihn, ein Blick so sonderbar, daß Lindner sich eingeschüchtert fühlte. „Mir sind von jeher derartige Geschäftssachen außerordentlich widerlich gewesen, und ich bin dem Lord dankbar dafür, daß er unser 0 re 5 161. ihm wieder der junge Herr Vermögen nach Gutdüren verwalten läßt und nie mit mir darüber spricht,“ antwortete ste n einem Tone, der Lindner mißfiel. Er ging und wider Zillen drängte sich ihm die Frage auf: des seine Adeline, die ihn so eifersüchtig geliebt hatte, daß — Frau nichr gönnte, um Welt, wie sie selbst sich gegangen? Etwas 90 er sagte sich, daß wohl irgend eine Unanney e ung den Empfang verdorben und ihn in seinen Erwartungen scht habe. Seine unruhige, übersprudelnde Adeline konnte unmöglich zu der ruhig— kühlen vornehmen Dame geworden sein, die Lindner vor sich ge⸗ sehen; ihr Herz mußte ihm gegenüber aufthauen, wenn nur wieder einmal die Wärme, die zwischen ihm und seinem Kind bestan⸗ den, sie ganz durchdrang. Am nächsten Morgen um elf Uhr erschien er wieder in dem prunk— haften Hause. Als er die Treppe hinauf ging, begegnete — luce o 5 mit der gebräunten Gesichts— farbe, den er schon am Tage vorher gesehen. Wieder grüßte jener sehr höflich und verließ das Haus. Diesmal fand Lindner den Lord im Salon; Beide standen sich einen Au— genblick gegenüber und dann erst erkannten sie sich gegen— seitig. „Das ist ein ganz unver⸗ hofftes Vergnügen,“ versicherte der Lord mit ausgesuchter Ar— tigkeit;„welche Ueberraschung für Lady Graham, oder war dieselbe von Ihrem Vorhaben benachrichtigt?“ „Wir haben uns schon gestern Abend gesehen,“ erklärte Lind— ner und betrachtete den Gatten seiner schönen jugendlichen Tochter, der Alles gethan, was die Kunst vermag, um die Spuren des Verfalls zu über— decken. „Benachrichtigen Sie Mi— lady von der Ankunft des Herrn Papa's,“ rief der Lord einem Bedienten zu, und als dieser gegangen war, warf er leicht hin:„Der kleine Conte Pec— catti wird bei Adeline sein; ein guter Junge, der hier und da ein wenig lästig wird, den man aber nicht so ohne Weiteres abschütteln kann.“ Lindner glaubte zu verstehen. Wahrscheinlich ein junger un⸗ erfahrener Mensch, den der Spieler brauchen konnte; vielleicht ein Gläubiger, und seine arme Adeline mußte sich in die Lage der Dinge fügen. Der Conte that dem Lord gewiß nicht zu wehe, dessen Erscheinung, dessen verschwommene Augen genug von den durchwachten Nächten erzählten. Nach einigen Augenblicken erschien Adeline in reicher ausgewählter Morgentoilette mit langer Schleppe. Sie warf einen schnellen forschenden Blick auf die beiden Männer, begrüßte ihren Vater und reichte dem Lord ihre Hand, die dieser flüchtig seinen Lippen näherte. Der Diener öffnete die Thür nach dem Speisesaal und die schöne Frau legte den runden weichen Arm in den Arm ihres Vaters und schritt mit ihm durch die Reihe der Zimmer; der Lord folgte. Es war ein prunkvoll servirtes Frühstück, an eine intime Unterhaltung war nicht zu denken, denn die Diener schritten um sie herum. Einmal richtete der Lord eine Frage an seine Frau in italienischer Sprache und sie antwortete in derselben Sprache mit sprühenden Augen und verächtlich zusammen⸗ gezogenem Munde. Lindner schien es, als wäre der Name„Peccatti“ was ihr doch zukam? Toby Nosenthal. vorgekommen. Ueberhaupt machte ihm das eheliche Verhältniß einen peinigenden Eindruck; es herrschte eine gewisse Gereiztheit zwischen Beiden. Als die kleine Gesellschaft nach dem Frühstück wieder in den Salon zurückgekehrt war, schleppte sich die Unterhaltung über nichtssagende Dinge dahin. Lindner blieb, bis der Diener Besuche ankündigte, dann aber stand er auf, verdrießlich, mißgestimmt, seiner Tochter wieder so ferne geblieben zu sein. In Gegenwart des verlebten alten Lords hatte er das trostlose Gefühl, als sei seine Tochter unwiederbringlich für ihn verloren. Man hatte ihn nicht aufgefordert, am Abend wiederzukommen, und so blieb er, allein in dem Zimmer des Gasthofes, doppelt trostlos, da er seine Tochter so nahe wußte. Am folgenden Tage schlenderte er bei dem frischen hellen Wetter in den Straßen Berlin's um⸗ her; er wollte wenigstens war⸗ ten, bis es zehn Uhr geworden, ehe er zu seiner Tochter ging. Ein Wagen fuhr an ihm vor⸗ darin? hatte derselbe sich nicht eiligst in den Hintergrund zurück gebeugt, als er seines Schwiegervaters ansichtig ge— worden? „Desto besser, dann finde ich meine Tochter wenigstens allein,“ dachte Lindner und kehrte um. Da begegnete er einem seiner Gutsnachbarn; derselbe hatte ihm so viel zu erzählen, warum er in Berlin sei; ganz im Geheimen wollte er es ihm unter den Linden, wo sie sich gerade befanden, bei einem guten Glase Wein mittheilen: Es handelte sich um eine Heirath des Sohnes und es schien, daß die Er⸗ kundigungen ein befriedigen⸗ des Resultat bringen würden. Lindner ging mit. Als er nach einigen Stunden die Wohnung des Lords betrat, war seine Tochter nicht mehr zu Hause und Abends machte er wieder den Gang verge⸗ bens. Er wurde recht ver⸗ drießlich, es war seine Schuld, daß er sie verfehlt hatte. Am folgenden Morgen aber ganz frühe, es war kaum neun Uhr, ging er eiligst nach der be— kannten Straße. Es herrschte eine Grabesstille in der großen Wohnung. Lindner stand im Korri⸗ dor, da trat ein Mann ein mit einem Papier in der Hand, dann noch einer, und so kam ein halbes Dutzend zusammen. „Alles ausgeflogen?“ fragte der Eine den Andern. „Ich hoffe doch nicht,“ antwortete ein Anderer und klopfte und rüttelte an allen Thüren. „Wir haben ein bedeutendes Guthaben; es beläuft sich auf Tausende; wir haben Alle in der Nacht kein Auge zugethan, die Geschichte ist schlimm genug,“ sagte ein junger Mensch aus einer Delikatessen⸗Handlung. „Alles verlieren können wir doch nicht,“ rief ein Schneider mit dünner, weinerlicher Stimme.„Wenn er denn kein Lord ist, 0 8 er doch ein deutscher Graf und muß wohl irgendwo Besitzungen haben.“ ö „Ja, Besitzungen,“ krächzte ein Juwelier.„Ein verdammter Abenteurer ist er, ein liederlicher Spieler, ein vor zwanzig Jahren gerichtlich verfolgter Fälscher, und so Einer wagt sich unter ehrliche Leute und betrügt dieselben noch einmal gründlich! Wenn Ihr mir Alle Eure Forderungen zur Stunde verkaufen wolltet, ich gäbe Euch noch keinen Pfennig für's Hundert.“ über, saß nicht Lord Graham 3——§ĩ 3 . A e eee e * r eee e eee——„ — . uobubbobenv i anz ——Ümæmr¹ — 0 . 60 5 *—— 166= Es erhob sich ein Tumult unter den Leuten, sie traten und stießen gegen die verschlossenen Thüren und Lindner verging Hören und Sehen. „Nun, Mann, halten Sie sich wenigstens aufrecht! Sie sehen ja aus, als wollten Sie sterben,“ redete ihn ein Kommis an. „Unser Geschäft ist gewiß hart mitgenommen; aber den Kopf oben behalten, sage ich.“ Der Gutsbesitzer setzte sich ganz betäubt auf einen Divan nieder; er hörte das Schimpfen und das Poltern, als wenn es aus weiter Ferne zu ihm dränge. Als er wie aus einem beängstigenden Traume plötzlich auffuhr, war es stille um ihn geworden. Er stürzte auf die offenstehende Thüre, die nach der Treppe ging und schloß sie fest zu. Was wollte er hier? das fragte er sich. Ja, gestern in der Frühe, in dem schnell dahineilenden Wagen, da hatte der un⸗ selige Mensch gesessen und sich vor ihm verborgen. War auch seine Tochter bei ihm gewesen, die unglückliche, betrogene Frau, war sie mit dem Menschen geflohen? Wer konnte ihm Klarheit in der schmachvollen Geschichte geben! Er saß stundenlang da und zermarterte sich den Kopf mit dem Gedanken, was nun zu thun sei. Es schreckte ihn dann und wann ein heftiges Schellen oder laute Stimmen aus seinem trostlosen Hinbrüten, dann fiel wieder Alles in die lautlose Stille zurück. Plötzlich glaubte er einen langen schmerzlichen Seufzer zu hören. Athemlos horchte er, und wieder durch das tiefe Schweigen drang es zu ihm wie ein fernes Stöhnen. Er schlich bebend nach der eingeführt worden war. Endlich, als der Morgen graute, stand der Fremde vom Spiele auf und betrachtete den Lord mit einem langen sonderbaren Blicke. „Sie werden mir Kredit bis morgen auf mein Ehrenwort geben, Baron,“ sagte der Lord nachlässig und erhob sich ebenfalls. „Auf Ihr Ehrenwort?“ lachte der Andere laut auf.„Ei, nicht eine Stunde, nicht eine Minute, mein Herr Graf Hermani.“ Der Lord wurde todtenbleich und taumelte einen Schritt zurück. Ein dumpfes Gemurmel, laute Ausrufe wurden um ihn laut und der Fremde sah triumphirend um sich. „Ja, meine Herren,“ sagte dieser laut und durchdringend.„Der hier anwesende Herr heißt nicht Lord Graham, sondern er ist der— selbe Graf Hermani, der vor zwanzig Jahren in Ischl wegen Fälschungen gerichtlich verfolgt wurde. Die meisten von Ihnen, meine Herren, sind noch zu jung, um sich der Sache entsinnen zu können. Der Herr Graf wußte sich der Gerechtigkeit zu entziehen, auch kam nach einigen Jahren ein Attest seines Todes über die See her an den Magistrat von Ischl, was verdächtig genug aussah. Nun sehe ich den Herrn ganz unvermuthet in der Haupt⸗ stadt Deutschlands wieder. Ich mußte mit ihm spielen, um mich genau von seiner Identität zu überzeugen,— er ist es, darüber bleibt kein Zweifel möglich.“ a Der Lord war keines Wortes fähig, er sah sich scheu und un— ruhig um, die Herren waren mit tiefer Verachtung in den Blicken aus seiner Nähe gewichen, der Weg war frei und er wankte zur —. — 2 5 —::.,... — Alles blieb ruhig in dem Zimmer, Lindner's Herz pochte laut.„Nun, so lebe denn wohl, mein Kind,“ sagte er nach einer Weile mit bebender Stimme.„Vielleicht thut es Dir noch einmal wehe, Deinen Vater vor Deiner Thüre ab⸗ gewiesen zu haben.“— Er horchte wieder, und gerade als er sich anschicken wollte zu gehen, da schob eine Hand den Riegel innen zurück und Lindner stand vor seiner Tochter. War dieses Bild des Jammers wirklich seine Tochter! Bleich, abgehärmt, mit vernachlässigter Kleidung warf sie sich auf einen Stuhl und brach in ein herzbrechendes Weinen aus. Lindner stand tief erschüttert. Er nahm sie wie ein Kind in seine Arme, strich ihr das verworrene Haar aus der Stirne und wärmte ihre eisigen Hände in den Seinen.„Die Schmach, die unerhörte Schmach!“ schrie sie auf und rang die Hände.„Könnte ich doch in die Erde versinken, damit ich den verhaßten Blicken der Menschen entginge!“ Ueber das bleiche Gesicht des tief gebeugten Mannes flog etwas wie Freude.„Ich führe mir mein Kind wieder in die Heimath zurück,“ rief er mit einem so freudigen Ausdruck, daß Adeline ihn ganz verwirrt anschaute. „Wie glücklich werde ich sein, mein Liebling,“ fuhr Lindner fort,„wenn ich mein Kind wieder habe! Wie friedlich und schön sollen uns die Tage verfließen, wie—“ „O sprich nicht von Frieden und Glück zu mir; bedenke doch die schmachvolle Lage, in der ich bin,“ sagte sie heftig und brach wieder in leidenschaftliches Weinen aus. „Sage mir nur, daß Du mit mir nach Mandsfelt gehen willst, sogleich, heute noch. Je eher ich Dich allen diesen Wirrnissen ent⸗ ziehe, desto besser ist es. Komme sogleich mit mir in den Gasthof, 1 N Du hier in der verödeten Wohnung!“ sagte Lindner ittend. „Ich habe sie heute am frühen Morgen alle entlassen, diese Menschen, die gestern schon laut genug flüsterten und impertinent ihren Lohn forderten. Sie wußten schon Alles, als ich noch nichts Mensch hier, wie nur er.“ ahnte und gestern Abend in der Soiree der Gräfin Rochen erschien,“ sprach sie trostlos und verbarg laut stöhnend das Gesicht in ihren Händen. Lindner fragte nicht um die nähern Umstände. gebrochenen Sätzen errieth er den Zusammenhang. Am vorgestrigen Abend war Lord Graham nach Mitternacht in dem Spielklub, den er jede Nacht, oft noch um zwei, drei Uhr Morgens besuchte, erschienen. Ein Spieler von Profession, der meistens mit Glück spielte, verlor er in dieser Nacht erhebliche Aus ihren ab⸗ 0 Richtung, aus der es drang und horchte,— da ließ es sich ganz Thür hinaus. N N deutlich hören, es mußte aus dem Zimmer kommen, vor dessen Thüre(Fortsetzung folgt.) f er stand.„Adeline!“ rief er,„Adeline, mein Kind, bist Du es? 5 ö Aus Barmherzigkeit öffne Deinem Vater Deine Thüre; es ist kein„„ N 4 ö N 179 14 1 Tobu Aosenthal. In den beiden letzten Jahrzehnten hat Deutschland nicht nur eine ungeahnte politische Machtstellung errungen, sonderu es erfreut sich auch auf dem Kunstgebiete so großen Ansehens, daß heute Aus— länder in großer Zahl nach den Pflegestätten seiner Kunst pilgern, um von deutschen Lehrern unterrichtet zu werden. Am mächtigsten äußert sich der pädagogische Einfluß deutscher Meister auf dem musika⸗ lischen Gebiete. Während vor wenigen Jahrzehnten noch deutsche Instrumental⸗Musiker, Sänger und Sängerinnen in Massen nach Paris und Italien wanderten, um sich dort belehren zu lassen, bildet heute Deutschland in seinen mustkalischen Pflegestätten Berlin, Leipzig und Dresden ein musikalisches Centrum für die ganze Welt. In den Salons der berliner Musikfreunde begegnet man heute jungen Spaniern, Amerikanern, Skandinaviern und Russen, ja selbst Fran⸗ zosen in Menge, welche sich bei deutschen Lehrern und Lehrerinnen unterrichten lassen und der deutschen Musik den ersten Rang willig zugestehn. Eine ähnliche Wandlung hat sich auf dem Gebiet der Malerei vollzogen. Zu Anfang unseres Jahrhunderts suchten Cor- nelius und Overbeck das Heil in Rom, später wandten sich unsre Bildniß⸗ und Genremaler nach Paris und nur selten suchte ein Aus⸗ länder deutsche Malerschulen behufs seiner künstlerischen Ausbildung auf. Heute aber werden in Düsseldorf und Berlin die Kunst⸗ akademieen recht zahlreich von norwegischen, schwedischen, russischen und englischen Malern besucht, schüler aber wenden sich München zu. Dort finden sie in der That an Piloty und Defregger Lehrer und Vorbilder, wie sie kaum ein anderer Kunstort aufzuweisen hat. Der münchener Schule verdankt ein amerikanischer Maler seine glückliche künstlerische Entwicklung, dessen Bildniß wir unsern Lesern vors Auge führen. Toby Rosenthal verspricht eine hervorragende Stellung in der Kunstwelt einzunehmen und sein Lebensgang ist so eigenthümlicher Art, daß wir demselben wohl eine eingehendere Be⸗ trachtung widmen dürfen. Toby Edward Rosenthal wurde im März 1848 zu Newhaven im Staate Connecticut geboren. Seine Eltern führten einen sehr harten Kampf ums Dasein und siedelten aus dem Osten Amerikas nach dem Westen über; hier ließen sie sich in San⸗ Franzisko nieder. Leider verbesserten sich auch in der Stadt am goldnen Thore des stillen Oceans die Verhältnisse der Familie Rosenthal nicht und der kleine Toby mußte, wie Edison in seiner Kindheit that, zum Unterhalt der Familie als Zeitungsverkäufer und Laufbursche r eee erer dee ee ce die meisten ausländischen Kunst. FFP Summen an einen älteren Herrn, der heute zum ersten Male hier thätig sein, statt die Schule zu besuchen. Trotz der starken Arbeit- G5 3. en st⸗ gat ein ine ern de le; rz ern en VVyVyyWyyTyhPPPTPPrDPTW„TTFTc ee 167. e b last, welche dem Knaben zufiel, suchte sich derselbe mit aller Energie die zu seinem Fortkommen nothwendigen Bildungsmittel zu ver⸗ schaffen. Er besuchte die Abend- und Sonntagsschulen und erhielt glücklicherweise trefflichen Unterricht im Zeichnen. Die überraschenden Fortschritte, welche der Knabe im Zeichnen machte, fanden eine Würdigung seitens eines, in San-Franzisko lebenden italienischen Malers, Namens Arriola. Dieser nahm den begabten Knaben als Schüler an und wußte bald einigen reichen amerikanischen Familien Interesse für das junge Talent einzuflößen. Als Toby 17 Jahre zählte, brachten seine Eltern und Freunde eine Summe Geldes zu— sammen, welche es ihm ermöglichte, von San-Franzisko nach München zu reisen und dort die Akademie zu besuchen. Nachdem er drei Jahre unter Raupp's Leitung studiert hatte, gelang es ihm, in Piloty's Atelier aufgenommen zu werden und dieser treffliche Meister förderte seine künstlerische Ausbildung in bester Weise. Schon im Jahre 1868 wurde ein Bild des jungen Malers,„die letzte Liebesgabe“ günstig beurtheilt, den ersten großen Erfolg jedoch erzielte er mit jenem Bilde, welches vom Museum zu Leipzig er⸗ worben wurde:„Die Morgenandacht Sebastian Bach's im Kreise seiner Familie.“ Im Jahre 1871 schrieb die münchener Akademie Preise für Gemälde aus, welche Scenen aus dem deutsch⸗französischen Kriege behandelten. Rosenthal trat mit einem Gemälde„Saar— brücker Frauen, die Verwundeten vom Kampfplatz tragend“ in die Preisbewerbung ein und errang die silberne Medaille. In demselben Jahre suchte er seine Eltern in San-Franzisko auf und verblieb daselbst ein Jahr. Hier führte er einige sehr lohnende Aufträge aus und kehrte dann nach München zurück, um mit allem Eifer an ein Sujet zu gehen, welches lebhaft seine Phantasie beschäftigte. Ein amerikanischer Kunstfreund hatte ihn beauftragt, ein Motiv aus der Tennysonschen Ballade:„Elaine“ zu behandeln. Der Maler stellte ein junges Mädchen dar, das der Tod in der Jugendblüthe hingerafft hatte. Die Entschlafene ruht mit Blumen geschmückt in einem Kahn und wird von einem düsterblickenden rauhen Fährmann über den in Dämmerung gehüllten Strom gefahren. Die zarte, blumenhafte Schönheit der Todten, der melancholische Blick des Steuermanns, die graue Dämmersphäre, welche den fluthenden Strom umhüllt— alles das wirkte seltsam elegisch und man mußte ge⸗ stehen, daß es dem Maler gelungen war, genau dieselbe Wirkung hervorzubringen, wie der Dichter. Es war ein Stück gemalter Poesie, welches Toby Rosenthal hier auf die Leinwand gezaubert hatte. Das Gemälde erregte bei seiner Ausstellung in San⸗ Franzisko ungeheures Aufsehen. Seine kalifornischen Freunde machte es stolz, daß aus dem kunstarmen Lande ein so vielversprechender Maler hervorgegangen war. Es ist bezeichnend für das reiche Darstellungstalent des amerika⸗ nischen Künstlers, daß er humoristische Motive mit eben so viel Glück behandelt, wie sentimentale. Auf„Elaine“ folgten zwei Genrebilder(Pendants)„Wer zuletzt lacht, lacht am besten.“ In diesen beiden Gemälden offenbart sich ein Humor, der jenem Grützner's sehr nahe verwandt ist. Auf dem ersten Bilde stellt Rosenthal einen Schusterjungen dar, der, die Ingredienzien zu einem Frühstück in der Hand tragend, von einem lüsternen Hunde bedroht wird. Die Angst, welche der um sein Frühstück und seine persönliche Sicherheit besorgte Bursche äußert, reizt einen Genossen, der gleichfalls sein Frühstück trägt, zu ausgelassener Heiterkeit. Das Pendantgemälde schildert nun den Fall des Spötters. Dieser ist die Treppe herab- gestürzt, sein Milchtopf, Brot und andre Lebensmittel sind den Armen entglitten und zu seinem Entsetzen muß der Gefallene sehen, daß jener Hund, der seinen Gefährten bedrohte, nun über die Reste seines Frühstücks herstürzt, und daß der gute Kollege seinerseits in ein triumphirendes Gelächter ausbricht. Ebenso erheiternd wie diese humoristischen Gemälde wirkte ein anderes, welches er als„das alarmirte Pensionat“ bezeichnete. Er stellt folgende Scene dar: die weiblichen Schutzbefohlenen einer sehr würdig und ernst aussehenden Pensionsvorsteherin haben sich mit Besen, Feuerzangen, Stöcken und Regenschirmen bewaffnet und nähern sich mit schreckensbleichen Gesichtern und furchtsamen Mienen einem Küchenschranke, aus welchem das alarmirende Geräusch hervor— tönt. Man sieht es der dürftig bekleideten Mädchengruppe an, daß alle Mitglieder des Pensionats in voller Hast die Betten ver⸗ lassen hatten und daß sie einen Einbrecher, Mörder oder gar ein Gespenst im Innern des weiten Schrankes vermuthen. Mit zitternden Händen hat die Vorsteherin den Schrank halb geöffnet und wir sehen durch die Spalte, daß in dem, mit Porzellangeschirren ge— füllten Raume eine eingesperrte Katze ihr Unwesen treibt. Einen weiteren Beweis für die reiche Empfindungs⸗ und Dar⸗ stellungsgabe des Malers bilden zwei Gemälde, welche im Jahre 1884 in Berlin ausgestellt waren. Das eine schildert den Abschied eines Knaben aus dem Elternhause und hier ist es Toby Rosenthal vorzüglich gelungen, die wehmuthsvollen Empfindungen der Familien⸗ angehörigen in ergreifender Weise zum Ausdruck zu bringen. Einen heiteren Gegensatz zu diesem sentimentalen Motive bildet das zweite Genrebild„Mutter ist ausgegangen“. Wir stellen dasselbe den Lesern in der Zeichnung vor. Der amerikanische Maler schildert hier mit Humor die traurigen Folgen des Ausgangs der Mutter. Diese hat ihr Töchterchen zur Hüterin des Hauses bestellt, allein wir sehen, wie leichtfertig dasselbe die übernommenen Pflichten erfüllt. Statt auf das Kind in der Wiege und den auf dem Feuer stehenden Suppentopf zu achten, vertieft sich die gebildete Tochter in die an⸗ ziehende Lektüre eines Buches. Nun kocht auf dem Herd die Suppe über und löscht das dürftige Feuer aus. Der Dachs, welcher an— gebunden war, hat den ihn mit der Hundehütte verknüpfenden Strick zerrissen und schnüffelt in der Küche nach eßbaren Gegen— ständen. Er entdeckt das Stückchen Zwieback in der Hand des Säuglings und sucht die Wiege zu sich herüber zu ziehen. Allem Anscheine nach läuft der Säugling Gefahr, aus der Wiege zu stürzen. Das Töchterchen kümmert sich nicht um das Geschrei des ge⸗ fährdeten Brüderchens, nicht um das Zischen des Feuers und Brodeln des Wassers, nicht um das Spielzeug, welches unter die Wiege ge— räth, nicht um die Kartoffeln, welche geschält werden sollen— es liest und belustigt sich an der heitren Geschichte. Die Mutter wird eine erbauliche Bescheerung finden, wenn sie nach Hause zurückkehrt. Toby Rosenthal hat sich auf der internationalen münchener Ausstellung auch auf dem Gebiete des historischen Genres hervor— gethan und seither mancherlei Auszeichnungen und Ermunterungen gefunden. Der deutschen Kunst verdankt derselbe jene erfreuliche Entwicklung seines Talents, welche ihm einen guten Ruf auf beiden Hemisphären verschaffte. Allem Anscheine nach wird derselbe dauernd seinen Aufenthalt in Deutschland nehmen, woselbst er aus dem geistigen Leben mehr Anregung zu schöpfen vermag, als unter seinen dem Erwerb ganz hingegebenen Landsleuten. R. E. Lose Blätter. Siegelringe sind schon im hohen Alterthum im Gebrauch gewesen. In der königlichen Literatur⸗Gesellschaft Englands wurde vor einiger Zeit eine Mittheilung gemacht über einen merkwürdigen Goldsiegelring, den Lord Ashburnham 1825 zu Kairo kaufte und der augenscheinlich der Periode von Thothmes III., wo nicht diesem Monarchen selbst angehörte. Dieser Ring wurde mit anderen Alterthümern von griechischen Piraten genommen, welche das Schiff kaperten und nach Syra brachten. Dort wurden die Alterthümer verkauft und der Ring kam nach Konstantinopel und von da 1840 nach England, wo er wieder in die Hände des ehemaligen Besitzers gelangte. Er war in einem Grabe zu Sakkara, der Todtenstadt von Memphis, ge⸗ funden worden und gehörte zu einer bis auf die Finger⸗ und Zehenspitzen ganz in Gold eingefaßten Mumie, die mit hieroglyphischen Inschriften be⸗ deckt war. Hier war auch ein Skarabäus, ein Paar Brazeletten und eine Halskette von außerordentlich schöner Arbeit. Das Ganze, namentlich der vorkommende Name Phtha, der Schutzgottheit von Memphis, führte zu der Vermuthung, daß der Ring dem Pharaoh selbst oder einem der höchsten Beamten gehört habe. Der Ring ist massiv und von sehr reinem Golde. Das Siegel läßt sich drehen, so daß es zwei Abdrücke giebt, so fein und so scharf, daß man nur staunen muß. A. B. Unter der Regierung Heinrich's VIII. von England wurden die Bettler durch die Aufhebung der Klöster so in Verzweiflung gebracht, daß sie sich zu groben Unordnungen, Diebereien und Raubanfällen hinreißen ließen. Dafür wurden in zehn Jahren nicht weniger als 72,000 gehängt.„Das ist ein einfaches 1 15 die Armuth aufhören zu lassen,“ sagte der Narr des Königs.„Und die Faulheit,“ fügte dieser hinzu. W. G. Lord Chesterfield fragte eine Dame von 74 Jahren, in welchem Alter die Frauen zu lieben aufhören?„Mylord, das weiß ich nicht. Sie müssen eine Aeltere fager erwiderte diese. M. Scharfe Kritik. Der berühmte englische Gelehrte Dr. Johnson befand sich in einer Soirke. Nachdem eine anwesende Virtuosin ihn und die Ge⸗ sellschaft eine halbe Stunde durch ihr Spiel auf die Tortur gespannt hatte, näherte sie sich ihm und erklärte, daß das Stück, welches sie eben beendet, ganz erstaunlich schwer sei.—„Ich wünschte, Madame, es wäre unmöglich gewesen!“ antwortete der lakonische Rezensent. M. Rösselsprung. ge du lust der i ges sa⸗ wol⸗ der jun⸗ und freu⸗ und Arithmogriph. Aus folgenden Ziffern sind 14 Worte zu bilden, deren Anfangs⸗ und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ein Citat aus Goethe's„Faust“ (zweiter Theil) ergeben. 12 3 45 Ein Vogel. 6 78 3 9 7 10 10 11 8 13 Berg b. Edinburgh(bekannt d. König Artus). 10 6 4 2 14 1115 3 11 Hauptstadt i. d. türkischen Landschaft Macedonien. 5 10 15 35 Ein Waldbaum. 16 5 113 76 9 15 3 Räuchermittel in der katholischen Kirche. 11 14 17 2 4 10 8 6 18 Eine Stadt an der Donau. 17 149 Ein Wiederkäuer. 16 5 11 3 14 6 15 3 8 5 14 Ein Fest in der Christenheit. 5 18 5 7 10 Ein Schriftsteller der Neuzeit. 11 7 8 19 10 153 Nebenfluß des Ob. 18 5 4 4 11 14 11 Italienischer Opernkomponist. 3 5 7 14 Ein Schweizer Kanton. 6 Ein weiblicher Vorname. 6 20 12 11 17 14 2 14 Ein eßbarer Pilz. Magisches Quadrat. Die nachfolgenden Buchstaben: A sind so zu ordnen, daß sie, von links nach rechts und von oben nach unten gelesen, in den korrespondirenden Reihen gleiche Wörter ergeben und zwar: 1. Schmuck der Berge 2. Fluß in Ostpreußen. 3. Ein Baum. 4. Theil des Weltalls. Auflösung des Silben— Räthsels i in voriger Nummer: 3. Nose. 4. E- b. 5. Irene. 6. Nimwegen. 9. Üssuri. 10. Theiß. 11. Theokrit. 12. Ephen. land. 15. Erlkönig. 16. Isel. 17. Sardou. mairac. 20. Langenbeck. 21. N 22. Elemi. 23. Interimistisch. 24. Nemesis. 25. Wirbelsäule. Abarbei. 27. Sudan. Nur eine Mutter weiß allein, was lieben bat und gluecklich sein;— des Räthsels: Fee— See;— der Königspromenade: Wie sehr ich dein, soll ich dir sagen? Ich weiß es nicht und will nicht fragen; Mein Herz behalte seine Kunde, Wie tief es dein im Grunde. 1. Nickel. 2. Usteri. 7. Erich. 8. Meile. 13. Rubin. 14. Werm⸗ 18. Sabine. 19. Al⸗ O still! ich möchte sonst erschrecken, Könnt' ich die Stelle nicht entdecken, Die ungestört für Gott verbliebe, Beim Tode deiner Liebe. Lenau. Problem Nr. 391 von G. 5 in Lissa. 1 8*— 2. 1 2 1 — 1 2K 5 5 8 187 2 1 81 15 15 110 N e. *. N a2 5 Auflösungen. Problem Nr. 377 von G. Chocholous in Halbstadt. 1) Df7-a2 Kes fa f 2) Sc4—e2 Kf4— es(5) 3) Lb2—d4(Df7)f Das Drohspiel 1).. Tas oder beliebig 2) Lbꝛ2— elt Keg- dd: 3) Da2 b Matt ist von der Bedeutung eines zweiten Hauptspieles. Die Königszüge nach da und te erzwingen gleichfalls den Läuferabzug nach ei, wodurch sich noch vier Endstellungen ergeben, in denen das Matt durch Db2, 2 oder d resp. St5 erfolgt.— Wie uns der Verfasser mittheilt, ist dieses Problem lange vor dem Erscheinen des im Hamburger Problemturnier preis⸗ gekrönten Obermann'schen Dreizilgers componirt. Abgesehen von der im ersten Zuge liegenden Pointe, welche beiden Problemen gemein ist, zeigen dieselben in der Ausführung die größte Verschiedenheit.— Die Lösung wurde 90 en von R. Blümel 105 S., F. Osten in G. W. Kron in B., Dr. Wehrmeister in M., G. Michaelis in Th., W. Scheuler in S. und W. Steinmann in P. Problem Nr. 378 von B. G. Laws in London. 1) Sc4e5 eb db: 2) Des- el Ke—d4(4) 3) 818—e6f Varianten: 1).. Kd5 2) Deaf Kes: 3) Sd7 Matt. 1).. 5—f4 2) Ddgf Keß: 3) Sd Matt. 1).. Kf4 2) Ses Kei 3) Dd4 Mitt. 1).. LgS(26) 2) Sgé 3) Das resp. ot Matt.— Es sind recht 177 5 Varianten, die sich hier aus einem Tempozuge ergeben und mit dem Hauptspiele zu einem reizenden Ganzen vereinigt sind, das in seiner gefälligen Aufstellung an die zierlichsten Dreizüger der böhmischen Problemschule erinnert. Die Doppel- wendung des Hauptspiels ist aus verschiedenen älteren Aufgaben bekannt, unter denen dem Vierzüger Nr. 57 der Klettschen Sammlung eine hervorragende Stelle gebührt— auf den Läufer als mattgebenden Offizier übertragen, 91 15 sich dieses Schlußmanöver in dem tief⸗ angelegten Fünfzüger Nr. 95 der Bayer'schen Problemsammlung und in en Steige⸗ rung in dem Klett'schen Fünfer Nr. 93.— Die Lösung wurde angegeben von F. Osten in G., W. Kron in B., Dr. Wehrmeister in M., Pr. Voelkel in S., G. Michaelis in Th., W. Scheuler in S. und W. Steinmann in P. Problem Nr. 379 von W. Steinmann in Parchim. 1) JIS-es Le6- bõ 2) Se7- d5 ILb5— ee: 3) Sd5—b4 Lea(Les ꝛc.) 4) Db2:, Das, ds resp. 5 Auf andere Gegenzüge nach dem zweiten Zuge von Weiß führt eines der beiden 8 21 spiele 3) Ddtt 4) Pda Matt oder 3) Db4f 4) Des Matt zum Ziel; die Erwiderung 1). 1e oder cg erzwingt 3) Dez 4) Des Matt. Varianten 5 dem ersten Zuge sind: 1) Led 2) Scgf dies! 3) Dbat Kes(ds) 4) Tds: Des) Matt. Log 2) Seb d es 3) Ke: 4) Dds resp. das Matt. 1).. Keb(ei) 2) Sdôf K del 3) Piz Kdö: 4) Des Matt und das Drohspiel 2) Sts(e6)f 3) Dds Matt. Leider ist die Autorlösung durch folgende pointe⸗ lose Spielweise zu umgehen: 1) Ses diet! 2) Tes Leg 3 Kcé: 4) Dds resp. da Matt. — Als Correctur giebt der Verfasser die Versetzung des weißen Königs von bs nach a7 und des Tburmes von ts nach es an, so daß der Einfeitunge ug nunmehr Ka 7 Abs ist. Die Lösung wurde angegeben von W. Kron in B., Dr. Wehrmeister in M. W. Scheuler in S. und H. Hundt in A. Aus der Schachwelt. Das Lösungsturnier des„Mirror of American Sports“ ist vor einigen Wochen zum Abschluß gekommen und J. Berger in Graz als erster Sieger aus demselben hervor- gegangen. Unter den 8s in dem Turnier veröffentlichten Problemen bewährten sich 65 als correct, während die übrigen 23 Positionen zusammen 53 Lösungen zuließen. Das Maximum der zu erreichenden Punkte(die Autorlösungen als 2 gerechnet) beträgt 206. Dem Grazer Meister, welcher 204 Punkte erreichte, fällt eine goldene Medaille als Preis der Meisterschaft im Lösen lmit dem Titel,„Jolving Champion of the World] zu. Den zweiten Preis, die silberne Medaille, e G. Reichhelm in Philadelphia mit 203 Points, den dritten, ein Schachspiel, B. G Laws in London(201 Points). Um die drei folgenden Preise stechen C. Hamilton in Easton, J. A. Kayser in Philadelphia und C. Kockelkorn in Köln mit je 200 Points, 199 Points erreichten W. E. Tinney in Philadelphia und C. Planck in London, auf welche F. Smyth in Philadelphia mit 197, J. White in Leeds mit 196 und A. Miles in Norwich mit 194 folgen. Unter den übrigen Bewerbern seien noch erwähnt die beiden berühmten amerikanischen Proplemkomponisten W. Shinkman(193 Points), S. Loyd(178 Points) 11 7 die Deutschen: Nanz in Albach(185 Points), Dr. Suchier in Hanau(184 Points), J. Wernz in Erpolzheim(168 Points) und P. Kaul in Ruhl⸗ kirchen(160 Points). Druck und Verlag der Volks-Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105.