Jeder Nachdruck aus dem Juhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. zu den Obherhessischen Uachrichten. Gießen, den f 22. August. 8 Von nun an war Heddenheim ein häufiger Gast in Ornshagen. Weber wünschte den kleinen Willy unter Augen zu behalten; er war 1 überdies zur Würde eines Gutsarztes avanzirt und da es auch im unn, Dorf mancherlei Krankheitsfälle gab, hatte er oft Veranlassung hinaus⸗ ü, zufahren. Fast regelmäßig begleitete ihn dann Heddenheim. Eher als er sich darüber klar wurde, daß ihn nicht nur ein flüchtiges Wohlgefallen an Martina dorthin zog, machte sich Weber seine Ge⸗ danken. Er schmunzelte über den Eifer, mit dem sich der Freund regelmäßig danach erkundigte, wann er wieder hinaus wolle und pwlühlte nachdenklich in seinen mächtigen Haarmassen.„Wenn jetzt nur nicht diese verschollene Kousine auftauchte,“ murmelte er leise ber Keen 5 f 1; uf, vor sich hin,„das wäre gerade der ungeeignetste aller denkbaren 7 Momente.“ 9 So waren einige Monate hingegangen, in denen der freund— schaftliche Verkehr beider Männer in Ornshagen stets im Wachsen begriffen war. Weber hatte bereits eine nicht mehr ganz un— bedeutende Praxis gefunden, dennoch behielt er immer noch Zeit, einige Male wöchentlich hinauszufahren. Es hatte sich zwischen ihm und Willy ein zärtliches Verhältniß entwickelt, und es war fast rührend anzusehen, wie er oft stundenlang sich unermüdlich dem Kinde widmete und bereit war, seinen Ansprüchen zu genügen. Dadurch war er natürlich auch Frau Anneliese nähergetreten, sie hatte Vertrauen zu ihm gewonnen, vermied es ihm gegenüber nicht mehr so ängstlich, über die schweren Schicksale ihrer Vergangenheit zu sprechen und erbat seinen Rath für die Zukunft. Aus hier und da gefallenen Worten hatte er es sich zusammengesetzt, daß sie sich % mit Berting ohne Wissen ihrer Mutter verlobt hatte, als Beide noch kaum dem Kindesalter entwachsen waren. Dann war auch die Mutter gestorben und das völlig mittellose siebzehnjährige a 0 Mädchen hatte eine untergeordnete Stellung im fremden Hause f suchen müssen und alles Schwere der Abhängigkeit getragen. Berting, deer eine stolze und leidenschaftliche Natur war, empfand es wie eine Demüthigung, seine Braut in solchen Verhältnissen zu wissen; der N Student konnte noch für Jahre nicht daran denken sie zu heirathen, 9 auch selbst die kleinste Anstellung war erst in ferner Zukunft zu 1 gewinnen. Da brach er jäh seine Studien ab und kaufte mit dem 6 kleinen Kapital, das er besaß und einer weit größern Schuldenlast, das Gütchen Bresden. Alles war so schnell gegangen, daß Anne— g, lliiese erst die vollendete Thatsache erfuhr, zu ihrem grenzenlosen 116 0 Schreck. Sie sah voraus, daß dieses kleine, mit Schulden gekaufte i Sut, in den Händen eines der Landwirthschaft völlig unkundigen es Besitzers diesen ruiniren mußte, und fühlte sich dennoch von Bertings n großer Liebe, die auch aus diesem unüberlegten Schritt sprach, zu 11 1 tief gerührt, um sich gegen die sofortige Heirath, die er verlangte, Die Erbin. Von Josephine Gräfin Schwerin. (Fortsetzung.) ernstlich zu sträuben. Doch, trotz ihrer gegenseitigen Liebe brachte die Ehe ihnen kaum einen Tag des Glückes; Noth und Elend brachen gewaltsam über sie herein und nach vier schweren, kummer— vollen Jahren war geschehen, was Anneliese längst gefürchtet: Berting war in wilder Aufregung, ohne ihr Lebewohl zu sagen, fortgeritten; zwei Stunden später war des herrenlose Pferd zurück⸗— gekehrt und dann hatte man ihr den Gatten todt in's Haus gebracht. Das Alles hatte Weber in Bruchstücken und Andeutungen all⸗ mählig erfahren, er wußte auch, wie Frau von Hartwitz sich dann der unglücklichen Frau und ihres Kindes angenommen hatte, die zum ersten Mal seit Jahren hier sich von einem stillen, erquicklichen Wohlsein umgeben fühlte und unter dem Einfluß dieser ihr so fremden Atmosphäre allmählig das gebeugte Haupt zu heben und halb widerwillig von Neuem zu erblühen anfing. „Ich kann hier nicht bleiben,“ sagte sie zu Weber,„so gütig man zu mir ist, ich kann und darf nicht von fremder Wohlthat leben, rathen und helfen Sie mir, was ich beginnen soll.“ „Und Willy?“ fragte Weber. „Willy? Ich weiß es nicht,“ antwortete sie gedrückt,„ich fürchte, der Knabe wird mir überall ein Hinderniß werden und doch— mich von ihm trennen—“ sie beugte sich zu dem Kinde, das neben ihr spielte, herab und küßte die blonden, lockigen Haare,„das könnte ich nicht ertragen, wo sollte mein Junge auch hin?“ Die blauen Augen standen voll heller Thränen und Weber legte beruhigend die Hand auf ihren Arm. „Vorläufig bleiben Sie hier, Sie und Willy bedürfen der Er⸗ holung, warten wir bis zum Winter, dann wollen wir sehen. Wer weiß, ob Sie bis dahin nicht Frau von Hartwitz, die Sie lieb hat, eine unentbehrliche Gesellschafterin geworden sind, sie würde nicht gern allein bleiben.“ „Allein?“ Sie wandte sich ihm zu und sah in sein, von einem Lächeln erhelltes Gesicht.„Martina?“ „Nun, man kann eben nicht wissen,“ erwiderte er achselzuckend. Jetzt lächelte auch sie.„Es würde mich freuen.“ „Ich hoffe, Fräulein Martina soll meinen Freund von einer thörichten Idyosinkrasie, der Absicht, nicht heirathen zu wollen, heilen. Vorläufig wandelt er, wie mir scheint, noch mit verbundenen Augen an dem Abgrund, in den alle seine Grundsätze hineinzustürzen drohen; wenn ihm die Binde von den Augen fällt, wird ihm nichts übrig bleiben, als mit beiden Füßen hineinzuspringen.“ „Einen Abgrund nennen Sie die Liebe?“ fragte sie,„das klingt nicht schön.“ „Ein Abgrund, in den eben all seine Grundsätze kopfüber hinein— stürzen, ein Abgrund des Glückes, wenn Sie wollen,“ entgegnete er scherzend. F 8 85 2 „Ich würde sie lieber mit einer Höhe vergleichen, auf der Alles, was sonst groß und hoch erscheint, was beengt und fesselt, ver⸗ schwindet,“ antwortete sie mit ihrer sanften, weichen Stimme. Er sah sie überrascht an.„Das sagen Sie, eben Sie, Frau Anneliese?“ Ihre Wangen färbten sich mit einem leichten Roth, das bis zu den Schläfen hinaufstieg und ohne ihn anzusehen, erwiderte sie: „Ich werde nie aufhören, die Liebe als die höchste Macht zu erkennen, die allein die Bürde des Lebens ertragbar macht.“ Dann wandte sie sich dem Knaben zu und begann, sich mit seinem Spiel zu be⸗ schäftigen, als ob sie das Gespräch abzubrechen wünsche. Weber hatte recht; noch wandelte Heddenheim wirklich wie mit verbundenen Augen, noch war er sich der Gefahr nicht bewußt, die seinem wohlüberlegten Entschluß drohte— oder doch, er wollte sich ihr nicht bewußt sein. Martina's unbefangenes Wesen, die offene und herzliche Art, mit der sie ihm wie einem Freunde entgegen kam, die eben so weit entfernt von der schüchtern befangenen, als von der koketten Art anderer junger Damen war, erhielt ihn anfangs im Unklaren über sein eigenes Empfinden ihr gegenüber, er gab sich zuerst willig dem Zauber hin, der für ihn in dem Umgang mit ihr lag, dann— wollte er nicht weiter denken, er lebte der glücklichen Gegenwart, warum über sie hinausschauen? Da kam ein Tag, der plötzlich ein jähes Erwachen aus dem Traum brachte, dem er sich so willig überlassen hatte. Ein Dampfer mit einer bedeutenden Waarenladung für die Firma Heddenheim war in den Hafen eingelaufen und er fand sich veranlaßt, selbst hinauszufahren, um Anordnungen hinsichtlich des Ausladens und Ueberführens der Ballen zur Stadt zu treffen. Die Angelegenheit war bald geordnet, früher als er es gedacht, konnte er die Heim⸗ fahrt antreten. Wie der Wagen längs der Straße dahinrollte, heftete sich sein Blick unwillkürlich auf die dunkle Laubwand, die zur rechten Seite gleichsam den Hintergrund für die freundlichen Villen bildeten, welche nur durch die langgestreckte Allee von der Stadt getrennt waren. Dort, hinter diesem schmalen Waldstreifen lag Ornshagen, wenn man den richtigen Augenblick nicht verfehlte, konnte man sogar einmal das weiße Haus mit dem rothen Dach aufschimmern sehen. Es überkam ihn plötzlich ein sehnsüchtiges Ver⸗ langen dorthin abzuschweifen; er war freilich erst gestern mit Weber den Abend über bei Frau von Hartwitz gewesen, allein ein solch gelegentliches Vorsprechen durfte er sich dessen ungeachtet heute wieder erlauben; er hatte einige Freunde zu Tische geladen, mußte demnach pünktlich in der Stadt sein— er sah nach der Uhr, es war eben drei, eine halbe Stunde blieb ihm noch vollständig frei. Martina war um diese Zeit gewöhnlich im Garten, sie erwartete ihn heute sicherlich nicht und er sah im Geist ihr freudig überraschtes Gesicht, hörte ihr heiteres Auflachen, wenn er plötzlich vor ihr stehen würde. Er gab dem Kutscher den Befehl zu wenden und den Weg nach Ornshagen einzuschlagen. „Rasch zufahren,“ gebot er. Die Pferde griffen weit aus, in einer Viertelstunde hatte er die Tannenhecke erreicht. Die Ueberraschung, die er in einer Regung jugendlichen Uebermuthes geplant, sollte eine vollständige sein, so ließ er halten und ging zu Fuß bis zu einer kleinen Pforte, durch welche man direkt in den Garten gelangte. Er kannte Martina's Lieblingsplatz, eine dicht mit Klematis überrankte Laube, von der man den Blick auf die schönste Gruppe hochstämmiger Rosen hatte. Die dunkelblauen Sterne leuchteten ihm entgegen, er trat unwillkürlich leise auf und bog lächelnd um die Laube— sie war leer. Ent⸗ täuscht ging er weiter, von Platz zu Platz, Martina war nirgends zu finden; halb und halb war er schon entschlossen fortzufahren, ohne sie gesehen zu haben, die Stunde, und die kurze Zeit, die ihm nur blieb, wären zu einer solchen scherzhaften Ueberraschung geeignet gewesen, nicht aber zu einem eigentlichen Besuch im Hause, bei dem der Diener niemals die feierliche Meldung unterließ. Dennoch näherte er sich dem Hause und als ob der Zufall seinem Wunsch entgegenkam, fand er die Thür offen und den Flur leer. Er durfte es wohl wagen, ungemeldet einzutreten. Auch die beiden ersten Zimmer waren leer, erst im dritten schimmerte es hell durch den Epheu: Martina saß im Erker, auf einem der niedrigen Sessel, tief über den Tisch gebeugt. Sie hatte den sich nähernden Schritt nicht vernommen, erst als Heddenheim unmittelbar neben der Musa stand, die ihre breiten Blätter auf den Tisch hinabsenkte, hob sie den Kopf. Sie sprang auf und schlug hastig das vor ihr liegende Buch zu, während eine helle Röthe in ihrem Gesicht aufflammte. „Sie! welche Ueberraschung!“ Ihre sichtbare Verwirrung stand in so seltsamem Gegensatz zu ihrer sonstigen offenen Unbefangenheit, daß Heddenheim sich selbst Sein Eindringen hier schien ihm ein knaben⸗ hafter Streich, den er gegen Martina nicht zu entschuldigen wußte. „Ich habe Sie erschreckt, gestört, vergeben Sie,“ kam es stockend plötzlich unfrei fühlte. über seine Lippen. Sie hatte sich scheu gesammelt und reichte ihm lächelnd die Hand. „Nur überrascht, zu so ungewohnter Stunde.“ „Ich fuhr nahe bei Ornshagen vorüber,“ erklärte er,„und es ö lockte mich, Sie in der Klematislauke einen Moment zu begrüßen, wo ich Sie sicher zu finden glaubte; Sie waren nicht dort und da ich den Diener nicht traf, der mich melden konnte, drang ich bis hierher vor. Nochmals: Vergebung! ich hätte denken können, daß nur irgend eine dringende Beschäftigung Sie zwang, die gewohnte Nachmittagsstunde im Garten aufzugeben.“ Sie schüttelte den Kopf und legte wie unwillkürlich die Hand auf das Buch. „Keineswegs, ich habe nur die thörichte Gewohnheit, hier und da einmal einen Gedanken, der mir durch Kopf und Herz geht, zu verzeichnen.“ Sie lächelte.„Fürchten Sie nichts, es sind keine Ge-⸗„— dichte, es ist auch kein Tagebuch, nur eben je zuweilen ein flüchtig Hin⸗ geworfenes, was das Herz gar zu voll macht— das dann leichter wird.“ Sie hatte das Alles leichthin, ja scherzhaft gesagt, aber doch wie in einer sich von Neuem steigernden Befangenheit, und wieder war ihr das Blut in die Wangen gestiegen.„Es ist aber nur für mich ganz allein,“ fügte sie rasch und beinahe beklommen hinzu. „Es ist sehr heiß draußen, meine ich. Wo kommen Sie her?“ Es schien, als hätte sie durch die Hitze die Gluth ihrer Wangen erklären wollen und beabsichtigte nun, dem Gespräch eine andere Wendung zu geben. Er gab ihr Bescheid und sprach, um ihrem Wunsch nachzukommen, ausführlicher als wohl sonst über die angekommenen Güter, die Verladung und Versendung derselben. „Wie seltsam, daß Sie Kaufmann sind,“ sagte sie plötzlich,„und Einer, der es mit ganzer Seele ist, wüßte ich's nicht, ich würde es nicht glauben, Kaufleute habe ich mir stets als Geldmenschen, nüchtern und trocken gedacht, wie Sie— es eben nicht sind.“ l „Der Handel ist ein gewaltiges Kulturmittel, er fördert Wohl⸗ stand und Bildung, verbindet die fernsten Länder mit einander und macht uns mit der Entwickelungsstufe entfernter Völker bekannt. Ich möchte nicht, daß Sie in ihm nur ein nacktes Mittel des Geld⸗ erwerbes sehen, sondern seine zivilisatorische Bedeutung anerkennen. Darin freilich hat Ihr Scharfblick Sie nicht getäuscht,“ setzte er lächelnd hinzu,„daß ich meinen Beruf nicht aus freier Wahl er⸗ griffen habe. Ich wollte Naturwissenschaft studieren, da kam der Vorschlag meines Onkels, mich in sein Geschäft eintreten zu lassen, der so günstig schien, daß er angenommen werden mußte und ich habe es auch niemals bereut, denn ich gewann dadurch einen liebe— vollen Vater und— meine gegenwärtige Lebensstellung.“ Während er die Worte aussprach, durchkreuzte sie der Gedanke an die Unsicherheit dieser Stellung, an die Gefahr, die ihr in jeder Stunde drohte. f „Wie seltsam,“ erwiderte Martina,„hätten Sie Ihren ersten Entschluß zur Ausführung gebracht, so wären wir uns wahrscheinlich niemals begegnet, Sie hätten dann—“ der helle Ton einer Glocke unterbrach sie.„Die Tante ruft mich, verzeihen Sie einen Augenblick.“ Sie hatte sich rasch erhoben und eilte hinaus. Ihm war es nicht entgangen, daß sie in dem Ausgang des Erkers einen Moment stehen geblieben war, wie unschlüssig und einen schüchternen Blick auf das Buch werfend, dann hatte dieser Blick ihn gestreift und sie war gegangen. Sie hatte auf seine Diskretion gebaut, sie war überzeugt, daß er, was sie diesen Blättern anvertraut, als Geheimniß ehren würde. Er wollte es auch, sie sollte sich in ihm nicht getäuscht haben; doch plötzlich überwältigte ihn ein Gedanke, der schon oft schattenhaft vor ihm aufgestiegen war, und den er dann jedes Mal als thöricht zurückgewiesen hatte. Jetzt stand er deutlich und klar vor ihm, wie eine unleugbare Gewißheit, die ihn mit jähem Schreck 3 2 ͤAVVddbbbbbbbbbbb0bGGGß00ß0ã ͤ Ahh ⁵T— ͤ ̃ ͤT—¼—̃—ͤ———̃—̃—ñ˙* 8.— 74 e 2 2 erfüllte: sie liebte Weber! Ihr sichtliches Erschrecken, ihr Erröthen — er mußte es wissen, nur einen Blick, nicht mehr! Er schlug das Buch auf, blätterte weiter, da war das letzte beschriebene Blatt— — LP V A N 267.. hade unte. N er fuhr zurück, täuschten ihn seine Sinne— was er da sah— eine flüchtige Bleistiftskizze— es war sein Bild, daneben stand, 5 zu ebenfalls mit Bleistift hingekritzelt: Was die Seele ganz erfüllt, elt drängt nach Gestaltung, das ist ein Naturgesetz, so darf ich mich aben, nicht scheuen, daß ich die liebsten Züge auf's Papier gebracht, mögen ste. sie mir nun eine Erinnerung oder eine Verheißung bedeuten— end gleich viel!“ 1 Ihn schwindelte; es war ein überwältigendes Gefühl: Glück, and. Freude, namenlose Seligkeit und doch— ein grenzenloser Jammer! Sie liebte ihn und er— ja, ja, auf einmal wußte er's, er war des so lange wie ein Blinder umhergegangen und nun war er sehend ißen, geworden, in Martina lag sein ganzes Glück und doch niemals— d niemals konnte sie die Seine werden. Einen Augenblick fühlte er 9 bis 1 sich völlig fassungslos, ihm war es, als müsse er vor ihr nieder— daß stürzen und ihr Alles bekennen; doch schon im nächsten hatte er sich ahnt. wieder gesammelt, sie durfte nichts erfahren, nichts ahnen: schweigen war für ihn das Gebot. Hand N Er hatte das Buch rasch geschlossen, nun hörte er auch schon N einen leichten Tritt hinter sich— sie war es— Fassung, Fassung n um jeden Preis! Noch ehe sie den Erker betrat, war er ihr ent⸗ t, u gegengekommen:„Leben Sie wohl, Fräulein Martina, ich muß fort.“ g G. Er hatte seine Stimme zur Ruhe gezwungen, dennoch mußte hn ihr etwas auffallen, sie sah ihn befremdet an:„So schnell?“ 5„Ich erwarte zu Tische einige Freunde, die Zeit drängt, wenn 19 1 ich mich nicht verspäten will. Mein Wagen steht an der kleinen f Gartenpforte.“ n„Ich will Sie noch begleiten.“ „ Sie nahm den großen Gartenhut vom Tische und ging mit augen ihm hinaus. der Ihn peinigte ihre Nähe, er wollte harmlos plaudern und fand doch kein Wort, das nicht aus der Ueberfülle der Gefühle gekommen Ane wäre, die ihn zu erdrücken drohte. Sie schien indeß nichts zu be⸗ de merken, sondern machte ihn unbefangen hier und da auf einige 5 Blumen aufmerksam und pflückte einige der schönsten Rosen. Sie 110 hatten die kleine Pforte erreicht. 1 6„Wie unruhig ihre Pferde sind,“ sagte sie,„es sind junge, ibten muthige Thiere.“ „Sie mahnen mich, daß es höchste Zeit für mich ist. Leben Well Sie wohl, Fräulein Martina.“ b Sie hatte unterdeß zwei Rosen an ihrer Brust befestigt und kun. reichte ihm die beiden andern.„Da, nehmen Sie.“ Gab. Er ergriff mit den Rosen zugleich ihre Hand und zog sie an enen. seine Lippen.„Dank, Martina, und— leben Sie wohl.“ te en„Auf Wiedersehen.“ 5 hl e, Er sprang in den Wagen und sie winkte ihm grüßend zu. m de Ehe der Wagen um die Ecke bog, sah er sich noch einmal um, da u, stand noch die holde Gestalt— noch ein Blick, dann war sie ver⸗ ndih schwunden. lieb⸗ Heddenheims Gäste fanden ihn heute besonders gesprächig und 0 heiter und meinten, der Wein aus seinem vortrefflichen Keller munde nk, ihm selbst gut, denn er leerte hastig Glas auf Glas. Er hatte ten durch diese auffallende Lebendigkeit, in die er sich selbst hinein⸗ 1 gesprochen, um den einen Gedanken, der alle andern zu überwältigen aten drohte, zu besiegen, Alle getäuscht, nur Weber nicht, der ihn mit ili forschendem Blick betrachtete. Was mochte den Freund in eine Gl derartig erregte Stimmung versetzen?! blk“„Ihr beiden Unzertrennlichen da,“ rief Af essor von Lengen, war 6 der sich bereits in der heitersten Stimmung befand, über den Tisch, um„iunser hochgelobter Wirth und Sie, weiser Aeskulap, erzählen Sie Bt uns doch, wie es in dem Zauberschloß bei der reichen alten Hexe st nd gaussieht, ich bin verteufelt neugierig.“ b je un Weber sah, wie die Ader auf Heddenheims Stirn anschwoll, n während er achselzuckend erwiderte:„Ich verstehe Sie wirklich nicht, ü. was wollen Sie damit sagen?“ f 5 on. 5„Hüllen Sie sich nicht in den Mantel der Unwissenheit, Ver⸗ 6 M. 1 ehrtester,“ lachte Lengen,„ich brauche Ihnen doch nicht zu sagen, „ daß es Einen rasend neidisch macht, wenn die Alte, die wie eine Schul Viper ihre schöne Nichte bewahrt, plötzlich Zweien mit einmal die alls Pforten ihrer Burg öffnet. Vor Ihnen war noch Keiner so glücklich, 10 in Ornshagen einzudringen. Sagen Sie uns den Zauberspruch vor dem das Thor aufspringt.“ — 0 0 „Nichts einfacher als das,“ nahm jetzt Weber das Wort, „Heddenheim ist so, wie früher sein Oheim, der geschäftliche Bei— stand von Frau von Hartwitz— die übrigens eine sehr würdige Dame ist, und die Bezeichnung Hexe, welche Sie ihr angedeihen lassen, durchaus nicht verdient und da sie in ihrem Hause, wie andere Sterbliche auch, eines Arztes bedarf, hat Freund Konrad mich dort eingeführt, das ist die sehr natürliche Lösung des Räthsels.“ „Vielleicht bedarf man dort gelegentlich auch eines Rechts— beistandes, dann gedenken Sie meiner,“ sagte der Assessor lachend,„ich will mich auf's Beste bemühen, Ihrer Empfehlung Ehre zu machen. Es ist geradezu empörend, ein junges schönes Mädchen hier und da an sich vorübersausen zu sehen, wie ein Gedanke, eine Ahnung, und nicht in ihren Gesichtskreis treten zu dürfen.“ „Beruhigen Sie sich, Lengen,“ mischte sich Hauptmann von Wandelsloh in das Gespräch,„mit dem Beginn der Wintersaison werden Sie Gelegenheit haben, sich auch dieser Dame gegenüber als Kurmacher par excellence zu bethätigen. Frau von Hartwitz wird ihre Nichte natürlich in die Gesellschaft einführen und dann dürfen Sie das Rennen beginnen.“ „Vielleicht auch nicht,“ tönte Heddenheims Stimme dazwischen, „mir scheint es ebenso zweifelhaft, daß Frau von Hartwitz Fräulein Martina in die Gesellschaft einführen will, wie daß diese Verlangen danach trägt.“ „Ach, Martina! Ein reizender Name!“ rief Herr von Wandelsloh, „hören Sie wohl, Lengen, man nennt sie bereits beim Vornamen!“ „Ihre Tröstungen zuvor waren sehr übel angebracht, mein Bester,“ lachte Lengen,„ich werde garnicht Gelegenheit haben, diesem Fräulein Martina meine Huldigungen zu Füßen zu legen, bis zum Beginn der Saison hat Heddenheim längst die Sache in's Reine gebracht; ich werde mir daran genügen lassen müssen, der schönen Frau Heddenheim, sobald erst die Flitterwochen vorüber, meine Be— wunderung darzubringen. Lassen Sie Ihre Augen nicht Feuer sprühen, Theuerster,“ wandte er sich gegen Heddenheim,„es soll mit aller Zärtlichkeit geschehen, ohne Ihre Eifersucht zu erregen, man kennt ja Rücksichten gegen seine Freunde.“ „Sie irren durchaus,“ entgegnete Heddenheim scharf,„und ich muß Sie ernstlich bitten, meinen Beziehungen zu Ornshagen nicht eine Deutung zu geben, die mir ganz fern liegt.“ „Nun, bester Freund,“ rief Rath Weller lachend aus,„Sie bemühen sich vergeblich zu leugnen, wovon bereits die ganze Stadt spricht: daß demnächst Ihre Verlobung mit Fräulein Weiß proklamirt werden wird. Herr Konrad Heddenheim ist eine zu wichtige Per— sönlichkeit in dieser guten Stadt, zu sehr von Müttern und Töchtern begehrt gewesen, als daß man sich mit einer so interessanten That⸗ sache wie seine Verlobung nicht beschäftigen sollte.“ „Es wirkt geradezu deprimirend, jeden unbefangenen Verkehr mit jungen Damen lähmend, wenn ihm sofort Heirathsgeschichten untergeschoben werden,“ brach Heddenheim aus,„und ich muß Sie dringend ersuchen, wenigstens mir gegenüber, von dergleichen Kom⸗ binationen abzusehen, da sie mit meiner Absicht, überhaupt unver— mählt zu bleiben, in direktem Widerspruch stehen.“ „Nun, nun, ereifern Sie sich nicht so,“ beruhigte Rath Weller, „es war nicht böse gemeint und ich ahnte nicht, damit bei Ihnen einen empfindlichen Punkt zu berühren. Also, auf ferneres, fröh⸗ liches Junggesellenleben.“ Er hob sein Glas gegen Heddenheim, der das seine daran klingen ließ. Er hatte die Empfindung, sich durch seine Heftigkeit kom⸗ promittirt zu haben, und bemühte sich, dieselbe durch heitere Leb⸗ haftigkeit vergessen zu machen. Als die Herren sich spät verabschiedeten, blieb Weber als der Letzte zurück. Er zündete sich noch eine Cigarre an und reichte dann Heddenheim die Hand.„Adieu, mein Junge, willst Du mir nicht sagen, was Dich heute so erregte? Denn Du wirst mir nicht einreden wollen, daß es nichts war.“ „Nein, mein Alter, das will ich nicht, doch auch nicht darüber reden, es muß allein durchgemacht werden.“ „Gut, wie Du willst.“ Ein herzlicher Händedruck, und auch Weber ging. (Fortsetzung folgt.) 8 2 8 ——— e 9 268 e Novelle von Frida Schanz. (Fortsetzung.) IIe Das schmale Waldthal, in dessen kesselartiger Erweiterung das Kloster Mariahort lag, durchfloß ein wilder, schneller Bach, ein ewig rieselndes, rauschendes Gewässer, das den Vergißmeinnicht- und Glocken⸗ büscheln, die üppig an seinen Ufern sproßten, ganze Wellen blinkender Schaumperlen in die klaren Augen streute. Jetzt waren die Sommer⸗ kinder verblüht, und der Herbst schritt feierlich ernst und segnend durch's Land. Von den Haselbüschen wehten raschelnde, goldbraune Blätter auf die Wellen hernieder und an den Ranken, an denen sich die blassen Heckenrosen gewiegt, erglühte der dunkle Purpur der Hagebutte. Hand in Hand schritten Silas und Franz neben dem Bache her. Sie kamen vom nahen Dorf, wo der Mönch einen Sterbenden ge— eine Probe dafür ablegte, daß ein guter Waid- und Reitersmann an ihm verderbe. Auf der Herdbank in der Halle, wo ich an Winter⸗ abenden so gern neben Wilram saß, wenn er Pfeile schnitzte und an des Bruders Rüstzeug flickte und putzte, schlug mir bei den drolligen Reiterstückchen, die er lachend zum Besten gab, das Kinderherz in seltsamem Gemisch von Weh und Lust. Wilram war damals mein liebster Vertrauter. Er war ein guter, derber, rothbäckiger Kumpan, der trotz der Behendigkeit, mit der er sein Roß zu tummeln ver⸗ stand, durch seine Körperfülle ein gar behäbiges und stattliches Aus⸗ sehen gewann. Meines Bruders Ernst und Schweigsamkeit vermochten seine sprudelnde Laune nicht zu vernichten. Heut noch möchte ich hell auflachen, wenn ich daran denke, wie ich ihn oft belauscht, wenn er mit sich selbst redend oder ein tolles Stück pfeifend, hinter seinem finstern Herrn dreinritt. Ich frage mich jetzt oft,“ fuhr der Erzähler, plötzlich ernst werdend, fort,„ob das Loos nicht 8. Die Porta nigra. tröstet hatte und von woher der Wind nun das liebliche, klagende viel treffender gefallen wäre, hätte es meinen Bruder zum Mönche Geläute des Todtenglöckchens trug. Ernste Worte flossen von Mund zu Mund. Die Einsamkeit hatte dem jungen Gesellen die brennendsten und bedeutsamsten Fragen an's Herz gelegt und es gehörte die ganze, innige Glaubensmacht des Mönches dazu, um das kühn und keck aufblitzende Denken des jungen Gemüthes zu beschwören. Unter den Buchen an der Thalbiegung machten die beiden Wanderer Halt. Die Sonnenstrahlen flossen gar mild durch den dünn gewordenen Laubschleier, und es war nach dem Ernst der verflossenen Stunden so behaglich, in dem trocknen Moos zu ruhen und die ge— schäftigen Eichkätzchen zu belauschen, die zierlich von Ast zu Ast setzten und sich an den Buchnüssen gütlich thaten. Mit schrillem Ruf schwebte ein Häher über das Thal dahin; eine feine, blau und weiß gezeichnete Feder sank zu des Knaben Füßen. Das kleine Wunder war genug, um all sein Sinnen in die Vergangenheit zu lenken. „Wie selig war ich, da ich als erste Jagdbeute solch einen kühnen Näscher nach Haus trug,“ sagte er,„von denen im Herbst immer eine Schaar in den großen Kastanienbäumen an unsrer Burgmauer lärmte. Der Knappe meines Bruders, der lustige Wilram, hatte bestimmt!“ „Das Schicksal ist Gott!“ sagte der Mönch;— aber ihm selbst ward das Auge feucht, als er den schwermuthvollen Blick gewährte, mit dem Franz sich auf's Neue in die Erinnerungen seiner Kind— heit versenkte. Manches Jahr war nun seit seinem Eintritt in das Kloster verflossen, und der Tag seines Gelübdes rückte näher und näher. Trotz des armseligen, enthaltsamen Lebens war er schön und frisch wie ein edles Waldreis emporgeschossen, und wie er jetzt unter der Birke lag, die schlanken, kräftigen Glieder ins Moos geschmiegt, wie ihn der Windhauch das weichlockige Haar aus der Stirn wehte, und der Gedankengang seines Innern den festgeschlossenen, ernsten Lippen einen so bedeutsamen Ausdruck gab, da glaubte der Mönch, nie ein schönres Bild erwachender Männlichkeit gesehen zu haben. Als die beiden Genossen an jenem Abend an die Pforte ihres Heims gelangten, winkte der greise Pförtner den Bruder Silas mit ernstem Blick bei Seite. „Die frommen Brüder warten längst auf Euch,“ sagte er, als Franz auf des Mönches Geheiß nach der Zelle vorangegangen war; mich mit Armbrust und Geschossen umgehen gelehrt und freute sich unbändig, wenn„das Mönchlein“, wie er mich armen Jungen nannte, e h inte, mann inte und lin z in mein pan, l ber⸗ Alz. ochten te ic um hinten fuhr nicht Mönche n fel aht r Kind Kloste niht in mb t unte chmieh, J weht ernte Muh, be e ihc iat m el, 10 en ul e FFP W . t 2 8 N 269 „ein Bote von des Gehringers Schloß ist eingetroffen. Der Erbe des Hauses ist im Streit mit dem Nidgauer gefallen, und der „Eiserne“ begehrt nun den zweiten Sohn von uns zurück. Ihr sollt Eurem jungen Freund sein Schicksal verkünden.“ Auf den Wangen des stillen Mannes wechselte die Farbe von tiefster Blässe zu jäher Gluth.„Das Schicksal ist Gott!“ sagte er leise. Ehe er nach der Zelle schritt, in der ihn Franz erwartete, hielt er einige Augenblicke vor dem Kreuzbild an, das die Eingangshalle des Ge— bäudes schmückte, um das ungestüme Pochen seines Herzens zu bändigen. Der junge Mann hörte die unerwartete Trauerkunde mit starrem, fast verständnißlosen Blick an. Dann zuckte plötzlich ein heller Licht— strahl über seine Züge und ein Zittern und Frösteln, wie vor namen— loser Etregung, überrann seine Glieder. Sanft und mild wollte der Mönch ihn an sich ziehn, aber mit einer heftigen Bewegung entwand er sich den treuen Armen, und indem er die schmale Hand seines Freundes ergriff, warf er sich laut schluchzend zu dessen Füßen. „Vergieb mir, Silas!“ rief er, indeß sein heißer Mund auf der kalten traulichen, kindlichen Ausdruck erhellt erschien. mit schüchternem Griff in die dargebotene Hand. ganzen Botenrittes beschäftigt. Todten und die prunkvolle Bestattung desselben. wittern die Krähen ein Fest.“ Im Walde verlassen. Hand des Mönches brannte.„Du weißt und siehst, daß es nicht der Schmerz ist, der aus mir weint, sondern das große, neue, unermeßliche Glück! Ein Strom von entzückender Hoffnung, von Frühlingsluft, von Lebenswonne und Thatendrang wogt durch meine Seele. Du weißt, daß ich gefaßt war, zu entsagen. Aber Gott ist zu groß und zu gut, er konnte das Opfer nicht annehmen. Ach, Silas, ich habe ihn nie erkannt, bis zu dieser Stunde! Jetzt erst thut sich's wie ein, süßes, himmlisches Licht vor meinen Augen auf; jetzt erst fasse ich's, wie überwältigend die Barmherzigkeit des Gottes ist, der mir als er⸗ Vergieb mir, Silas, daß ich mich freue! Ach Du ahnst nicht, wie viel tausendmal besser, edler, habener und strenger Herr erschien. gläubiger mich diese Freude macht, als der Kummer, den ich hier Jahre lang schweigend ertrug!“ N Ein schwerer Tritt auf den Fliesen das Ganges und ein lautes Klopfen an der Zellenthür schreckten den Knieenden empor. Zitternd schob Franz den Riegel zurück. Da stand ein breiter, rothwangiger Schalk in ledernem Reiter wams und hohen Stulpenstiefeln, an dessen ganzer, fröhlicher Er— scheinung auch nicht ein Zug die Trauerbotschaft verrieth, die er anzukünden gekommen war. Der lauschende Knabe streckte die Arme aus, wie um die Kraft seiner Sehnen zu prüfen und wollte eben erwidern, daß er von nun an auch dabei sei, wenn es zu strafen und zu rächen gälte; aber ein Blick auf das traurige, stille Gesicht des Mönches schloß ihm die Lippen. Wie ein stechender Schmerz stahl sich plötzlich der Gedanke an den nahen Abschied von dem theueren, treuen Genossen in sein erregtes Herz. Silas, der den inneren Kampf seines Lieb— lings aus dessen Mienen las, suchte seinen Trennungskummer unter einem harmlosen, fröhlichen Lächeln zu verbergen.— Die Mönche ließen es sich nicht nehmen, den eifrigen Wilram, der zu sofortigem Aufbruch drängte, wenigstens eine Nacht lang zu beherbergen und durch eine erlesene Abendmahlzeit zu ehren. Der Klosterwein löste die Scheu, welche die ernste Umgebung dem heiteren Manne anfänglich eingeflößt, und während die Brüder näher und traulicher um den immer gesprächiger werdenden Gast zusammen⸗ rückten, stahlen sich Silas und Franz aus dem Refektorium hinaus ins Freie, wo der Vollmond sein weißes Licht ergoß. Es waren nur wenige schlichte, ernste Worte, mit denen der Mönch seine Mahnungen und Segenswünsche für den Scheidenden aussprach, aber dieser fühlte, wie jedes Wort aus einem unerschöpflichen Born von Liebe quoll. „Wilram!“ rief Franz, indem sein thränenvolles Auge von einem Der Knappe schlug Die feuchten Blicke seines Herrn machten ihn verlegen, er hatte ganz vergessen, daß er eine Trauerkunde überbringe; nur die Freude des nahen Wieder— sehens und die Genugthuung, daß aus dem„Mönchlein“ nun doch noch ein ehrlicher Mensch werden müsse, hatten ihn während dieses tun mußte er dem lauschenden Herrn alle Einzelheiten der letzten Tage und Wochen berichten, den Kampf mit dem Nidgauer, die Belagerung von dessen Burg, das schnelle Ende des finsteren Bruders, den ein Pfeil, den die Belagerten ent— sandt, mitten ins Herz getroffen, den traurigen Heimritt mit dem „Der Nidgauer mag nur seine Mauern stützen und seine Pfeile schärfen,“ sagte der Erzähler,„Euer Vater wird ihm den Tod seines Erben nicht schenken, und wenn der im Zorne drein schlägt, so 2 0 103 777... n„ e e 270. Im Dämmergrau des nächsten Morgens erweckte Wiehern und Hufschlag den Gehringer aus buntem Traum. Silas kniete neben seinem Lager, und sein blasses Antlitz ließ Franz ahnen, daß er die ganze Nacht durch betend und segnend an dieser Stätte gewacht habe. An der Stelle, wohin der Knabe am Abend sein Mönchsgewand gelegt, fand er jetzt ein zierliches, dunkles Junkerkleid, das Wilram ihm fürsorglich mitgebracht und das der Mönch ihm zurecht gelegt hatte. Als der treue Knappe an die Zellenthür klopfte, um seinen jungen Herrn zum Ritt zu wecken, kam ihm dieser schon völlig an— gekleidet entgegen, und der ehrliche Gesell konnte einen Freudenruf nicht unterdrücken, als er die edle, geschmeidige Gestalt in der knappen, ritterlichen Gewandung erblickte. Die Mehrzahl der Mönche und Klosterschüler hatten sich im Hof versammelt, um den Genossen, den Jeder geliebt hatte, von dannen ziehen zu sehen und ihm ein letztes Lebewohl zu winken.— Silas fehlte in der Schaar.— In stiller Zelle hatte er seinem Liebling den letzten Segenskuß auf die Stirn gedrückt, und während dieser an Wilrams Seite unter den Valetrufen der kleinen, frommen Gemeinde wehmüthig lächelnd zum Thor hinausritt, lag der ein— same Mann, über das leere Lager des Geschiedenen gebeugt, in klagendem Schmerz in der verödeten Klause, die sein Reich auf Erden war. „Nun zieht im Morgensonnengold Gar selig er durch Burg und Hag, Er, der so lange heimlich, hold, Vertraulich mir am Herzen lag! Froh schwingt er sich zum Nest zurück, Den Gott an meine Brust gelegt, Den ich, wie ein verschwieg' nes Glück, In meiner Einsamkeit gehegt, Der meine Tage traut erhellt, Der meiner Nächte Sorge war.— Mein Beten folgt dir durch die Welt;— Behüt' dich Gott, du junger Aar!“ N Von des jungen Gehringers Träumen blieb keiner unerfüllt. Das Leben gab ihm alle seine Schätze, erschloß ihm seine geheimsten Zauber. Jeder Tag erschien dem jungen Herzen, nach dem langen, sehnsüchtigen Schmachten, als ein frischer, erquickender Strahl, den es mit allen seinen Fasern eintrank. Der Ernst, mit dem er die Verweichligung der Klosterzeit abzuthun strebte, machte sein ganzes Wesen reif und heldenhaft, dabei blieb aber die Erinnerung an Gott, an Silas und an die überwundenen Seelenkämpfe wie eine stille Weihe, wie ein feiner, duftiger Schleier über seiner trutzigen Kühnheit haften. Sein Vater sah sein eigenes, ergrauendes Ritterthum voll Stolz und Freude in dem letzten Erben aufleben, und die Aner— kennung, die er diesem in seiner knappen, markigen Art zu spenden pflegte, war des jungen Helden liebster Lohn. In guten Stunden, während eines Waldrittes oder in abendlichem Zwiegespräch beim Becher ließ der Alte sich gern einmal von den verflossenen Kloster— tagen berichten; dann strahlte des Jüngling's Auge warm und be— redt, wenn er des treuen Pflegers und Lehrers gedachte, wenn er dessen Glauben und Wissen, seine überlegene Ruhe und seine barm— herzige Milde pries.— Mit hellem Jubel antwortete Franz, als der alte Graf ihm einst den Vorschlag machte, Silas durch den Knappen Wilram zu sich auf's Schloß einladen zu lassen. Das war die Erfüllung eines lang und heiß gehegten Wunsches.— Der Bote aber, der den Ritt zu den freundlichen, frommen Brüdern gar gern unternahm, brachte betrübende Kunde heim: Silas war durch kein Bitten zu bewegen gewesen, das Kloster zu verlassen und hatte auf Wilrams Drängen nur traurig erwidert, daß er längst nicht mehr in die Welt passe.— Auf einem Pergamentstreifen, den der Knappe überbrachte, las Franz die dankbarsten und liebe— vollsten Grüße. „Ich werde ihn selbst herholen!“ sagte er, indem er trübselig und enttäuscht den Waldpfad zurückwandelte, auf welchem ihn seine Ungeduld dem heimkehrenden Boten entgegen getrieben hatte. Indeß brachten die nächsten Tage und Wochen manches, was den gefaßten Vorsatz zurückdrängte.— Der alte Graf betrachtete es als eine schon zu lange versäumte Pflicht, den Tod des Sohnes an dem Nidgauer zu rächen. Franz selbst mußte diesem den Fehde⸗ handschuh überbringen und trug die Antwort des Herausgeforderten mit dem stolzen Vorgefühl naher Muth- und Thatenproben nach Haus. Bei alledem konnte er sich während des Heimritts von des. Nidgauers Burg einer seltsamen, nachdenklichen Stimmung, die sich wieder und wieder in seine Siegesträume einschlich, nicht er. wehren. Der gewinnende Eindruck, den die Persönlichkeit des Feindes, sein ritterliches, bestimmtes Auftreten und der warme Hauch von Glück und Behagen, der sein Heim durchwehte, auf den Un⸗ heilsboten gemacht, stimmte nicht recht zu dem Rachegefühl, das er sich nun so lange ehrlich zu nähren bemüht hatte. Diese Ge- müthsbewegung, die er halb ärgerlich ein Nachwehen der Kloster-⸗. gedanken nannte, war der Vorgeschmack einer langen Reihe innerer Kämpfe und Fragen, die der Fehdezug gegen den Feind, die Be. lagerung und schließliche Erstürmung der wacker und beharrlich vertheidigten Feste mit sich brachte. Der ehrliche Sinn des jungen Mannes konnte sich eines warmen Mitgefühls für den so treu und tapfer ausharrenden Gegner nicht entschlagen, und oft, wenn er selbst glühend und aus mancher Wunde blutend, von den Streichen aus ruhte, mit denen er die kecken Ausfälle der Belagerten zurück- geschlagen, schlich sich in sein Siegeslächeln eine heimliche Thräne für den Feind. Er suchte diese Schwäche vor sich selbst zu ent⸗ schuldigen, indem er seine Theilnahme für den Unterliegenden den Verwandtschaftsband zuschrieb, das von den Ahnen seiner Mutter her zu den Nidgauern hinleitete. Dabei führte ihn sein Gerechtig- keitsgefühl oft so weit, daß er die Ursache des ganzen Streites, eine Beleidigung, die sein finstrer Bruder einst am Kaiserhof von dem Nidgauer erfahren zu haben vermeinte, aus tiefstem Herzen beklagte, obwohl er sich wiederum gestehen mußte, daß sie im Grunde die„ erste und eigentliche Ursache seiner Befreiung aus der Klosterhaft sei. Uebrigens schien es, als solle dem jungen Gesellen nichts er- spart bleiben, was sein innerstes Leben abzuhärten und zu stählen 5 fähig war. Als nach dem letzten Gefecht der Trupp der jubelnden Sieger in den Schloßhof eingedrungen war, fand Franz in einem Todten, den er den ungestümen Mannen mitleidvoll aus dem Wege räumte und dessen edle, im Tod erstarrte Glieder ihn veranlaßten, das Visir zu öffnen, das die Züge verbarg, den gefallenen Feind. Dieses stumme, ernste Gesicht grub sich wie ein drohender Vor- wurf in des jungen Siegers Seele. Der Zustand der eroberten Burg, in der alle Lebensmittel und Geschosse bis zum letzten Staub⸗ korn verbraucht waren, machte den wehmüthigsten Eindruck. Das Erschütterndste, unauslöschlich Traurigste aber war Franz zu sehen beschieden, als er einem lärmenden Trupp seiner Waffen- knechte nachdrang, deren Geschrei ihn errathen ließ, daß sie eine von innen verriegelte und versetzte Thür vergeblich zu öffnen strebten. Eben, da er befehlend unter die Schaar trat, war es dem Einen gelungen, das schwere Schloß zu sprengen, und man sah nun drinnen f ein Schauspiel, das den derben Mannen das Lachen auf den Lippen erstickte und einen nach dem andern veranlaßte, schweigend und betroffen Kehrt zu machen. Auf einem Lager von kostbarem Purpurstoff lag eine ernste, schneebleiche Todte in starrem Prunkgewand, die abgezehrten, feinen Finger über einem Gebetbuch gefaltet, das ihr wohl in den letzten Stunden der Sterbensnoth Trost gewährt hatte. Ein Blick auf ihr gelöstes, schweres Blondhaar zeigte Franz, daß es die Schloß⸗ frau war, deren stolze, lachende Schönheit ihn vor wenig Wochen noch so sehr entzückt. Neben dem stillen, traurigen Bett sah er jetzt ein schlankes, kindlich-junges Mädchen knieen, welches die schimmernden, dunklen Augen mit stummem, inbrünstigen Flehen auf ihn geheftet hielt. Als er auf sie zuschritt, erhob sie sich und breitete den Schleier, der das Haar der Todten schmückte, leise weinend über deren An- gesicht, wie um das geliebte Heiligthum vor fremden Blicken zu schützen. Mit vor Erregung zitternder Stimme sagte Franz dem blassen. Kinde alles Tröstende, was sein gutes, mitleidiges Herz ihm eingab, doch kam er sich, gegenüber der holden, schmerzgebrochenen Blüthe, unaussprechlich frevelhaft und schuldig vor. l „Ist es Euch ein Trost, allein zu weinen,“ sagte er,„so heißt mich gehen und seid versichert, daß ich Keinem gestatten werde, Euch in Eurer traurigen Andacht zu stören. Doch erlaubt mir, daß ich Euch um Eurer selbst willen bitte, Euch zu fassen. Ihr seid —., r 1 45—— eee e e 258 77 K 2 N 271—. lues chde⸗ 0 ten“ nach 10 de t er⸗ 5 des F al in das 0 . oster⸗ 1 erer B. wit gen und ner ihn urück hräne ent. dem luter ip. eitel, f von hetzen de de t i. to er- ahn dieger odten, aumte des Feind. Vor⸗ berten Ful⸗ Franz uffen⸗ eine bten. Einen kinnen Appel d und ernste finn letzten ö 1 0 K ingab, liche. schwach von Leid und Thränen, daß Ihr zittert. nicht gefühllos, wenn ich Euch bitte, Euren Körper durch etwas an der Leiche zusammen. satzung zurückgelassen ward, zum Heimritt aufbrach. Nennt es darum Nahrung zu stärken. Kommt mit mir und vertraut Euch ruhig meinem Schutz oder gestattet, daß ich Euch aus unserem Mund— vorrath so viel herbeihole, als Ihr bedürft, um an diesem traurigen Lager noch länger auszuharren.“ Statt aller Antwort sank das Mädchen auf's Neue schluchzend Schaudernd sagte sich der bewegte Held, daß der Sieg, der ihm vor wenigen Augenblicken noch die Brust gehoben, mit dem Jugendglück dieser schönen, blassen Rose erkauft sei. Es dauerte lange Zeit, ehe der Druck, den alle diese Ereignisse herbeigeführt hatten, sich von der Seele des Jünglings lösten. Selbst sein Vater, der„eiserne“ Krieger, fühlte, so lange er in den eroberten Mauern weilte, ein gewisses, schmerzliches Unbehagen, das seinen Höhepunkt erreichte, als er im öden Saale das un— gewöhnte trübe Sinnen im Wein zu ertränken strebte, während der Todtengesang der kleinen Gemeinde, welche die Geschiedenen zur letzten Ruhe in die Gruft bettete, zu ihm herauftönte. Beide, Vater und Sohn, atmeten frei in die herbstliche Früh— luft hinaus, als der kleine Trupp, dessen stärkerer Theil als Be— Zwischen dem stattlichen Rappen des alten Gehringers und dem goldbraunen Hengst des jungen schritt tänzelnden Tritttes der schlanke Falbe, der die schöne, trauernde Eva trug.— Willenlos, fast gebrochen vor Schmerz, war die Verwaiste dem Machtwort des Siegers und den dringenden, freundlich-ernsten Bitten seines Sohnes gefolgt. Während ihre Lippen in stummem Weh zuckten und die junge Seele unter dem quälenden Gedanken sich wand, daß das Geschick, welches sie einsam und heimathlos gemacht, ihr nun in herbem Spott das feindliche Dach als einzige Zuflucht gönne, malte Franz sich in Gedanken aus, mit welchem Entzücken seine Mutter diese liebreizende Tochter empfangen und wie sie in ihrer traulichen Weise ihr wohl bald den zehrenden Gram aus dem verwundeten Herzen schmeicheln werde.— (Fortsetzung folgt.) Lose Blätter. Die Porta nigra.(Siehe Illustration.) Trier darf den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die älteste Kulturstätte Deutschlands zu sein. Von Gallien aus drang das weltbeherrschende Rom erobernd in die germanischen Wälder ein. Zwar hatte Drusus schon bei seinen Kriegsfahrten an der Stelle, wo Mosel und Rhein zusammenfließen, ein starkes Kastell erbaut, um den Zugang zu Strom und Fluß beherrschen zu können, allein die kurz darauf gegründete Niederlassung im lieblichen Moselthal, die Augusta Trevirorum blühte zuerst zur Stadt empor, wurde ein wichtiger Waffen⸗ platz der Römer und erhielt um seiner schönen Lage willen eine ganze Reihe stolzer Monumentalbauten, von denen man die Porta nigra oder das schwarze Thor wohl als das großartigste römische Baudenkmal in Deutschland be⸗ eichnen darf. In Tagen des Niedergangs der römischen Weltherrschaft Hlübte Trier mächtig auf und im dritten Jahrhundert nach Christus er⸗ wählten es römische Kaiser zu ihrer Residenz im Westen des Reichs. Diese Stadt sollte eine feste Burg werden, um dem Ansturm der Barbaren zu be⸗ egnen. Das Land zwischen Trier und dem Rhein wurde mit römischen usiedlern bevölkert und um diese linksrheinische Kolonie zu schützen, ver⸗ band man Trier und die Kastelle am Rhein mit Straßen, deren mächtige Quaderüberreste man noch auf dem Hunderück und in der Eifel findet. In der Nähe diefer Straßen sind römische Kolumbarien und andere Spuren römischer Kultur im Laufe unseres Jahrhunderts in großer Zahl aufgefunden worden und noch wurden nicht alle Schätze gehoben. In der Umgegend von Trier fand man höchst werthvolle Dinge; wir erinnern nur an die römische Villa zu Nennig, deren großes Gladiatoren-Mosaik die deutschen Archäologen in Entzücken versetzte und an das Grabmonument der Familie der Secundiner zu Igel, wo ein vollständig erhaltener Obelisk Reliefbilder aufweist, welche Scenen aus dem römischen Gewerbsleben darstellen. Die Stadt Trier selbst aber besitzt einen Reichthum an Römerbauten, wie ihn keine andere Stadt Deutschlands aufzuweisen hat. Sie stammen alle aus der Zeit des römischen Verfalls. Das Amphitheater hält man für den ältesten Römerbau. Im Vergleich zum Amphitheater in Verona ist jenes ein sehr bescheidenee Werk, denn es erhebt seine Mauern nicht stolz und frei in die Luft, sondern ist in ovaler Form zur Hälfte in die Felsen hineingehauen und zur andern Hälfe durch Erdaufschüttungen hergestellt worden. 1 Amphitheater stammt aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts. Weit bedeutender sind die im Südosten belegenen Ruinen des Kaiserpalastes, welche auf einen Kolossalbau schließen lassen mit zwei Reihen Feustern und mit mächtigen Heizkanälen. Trier besitzt ferner eine Gerichts Basilika, welche von Constantin dem Großen erbaut wurde; sie dient heute als Kirche. Auch der Dom, an welchem verschiedene Generationen in allen Stilarten gebaut Römerzeit aber sind erst in den letzten Jahrzehnten freigelegt worden, nämlich die Thermen. Diese hatten eine Länge von hundertsieben, eine Tiefe von hundertsiebzig Metern. Die Augusta Treyvirorum besaß also einen Bade— palast, der sich an Größe und guter Einrichtung mit den Thermen Roms messen konnte. Leider ist das Mauerwerk über der Erde zerstört, aber aus den gewaltigen Grundmauern, aus dem Schwimmbassin, aus den Heizvor⸗ richtungen und andern Resten läßt sich ein Schluß auf die Größe und reiche Ausstattung dieser Thermen machen. Die Porta nigra ist das besterhaltene der römischen Baudenkmale und sie tritt so majestätisch und gewaltig in die Erscheinung, daß man sie nicht ohne das Gefuͤhl der Ehrfurcht betrachten kann. Der Umstand, daß der gewaltige Bau unvollendet blieb, läßt darauf schließen, daß er jenen Zeiten entstammt, da die römische Weltherrschaft unter den Kriegsstürmen der Völkerwanderung bereits ins Wanken kam. Die Porta sollte die Krone und Stirne der städtischen Befestigungen bilden. Ihre mächtigen Stein— quadern sind roh aufeinandergelegt. Im Innern dieses kolossalen Sand⸗ steinwalls liegt ein Hof, der den gefährlichsten Theil der Befestigung bildete. War es dem stürmenden Feinde, trotz der mächtigen, das Thor deckenden Thürme gelungen, den durch Fallgatter verschlossenen Eingang zu erzwingen, so kam er jenseits des Thorwegs aus dem Regen in die Traufe, denn hier konnte die Besatzung der Porta einen af von Geschossen auf die Stürmenden von allen Seiten niederhageln lassen. Der aus Sandstein⸗ blöcken erbaute Riesenkörper der Porta hat eine Höhe von 132 und eine Breite von 91 Fuß und die Steinmassen sind durch Thürme, Halbsäulen und Gesimse gegliedert. An dieser dunklen Felsenstirne Triers brachen sich die Wogen der Völkerwanderung, bis Rom in den Staub sank und die germanischen Völker die römischen Adler aus den Gauen des Rheins ver⸗ scheuchten. Als Trier dann zu einem Herrschersitz der katholischen Kirche ede war und Erzbischof Balduin seine weltliche Macht weit ausgedehnt hatte, erfuhr Trier eine Nachblüthe unter den mächtigen Kirchenfürsten, leider aber auch manche harte Belagerung. So hat zur Zeit der Re⸗ formation Franz von Sickingen Trier im Streit mit dem Erzbischof Richard von Greiffenklau mit starken Heerhaufen bedrängt. Von jener Höhe herab, welche die Bürger Triers heute noch als„Franzesköppche“ bezeichnen, ließ Sickingen die Geschosse seiner Feldschlangen und Mörser gegen das alt⸗ römische Stadtthor richten und die gewaltigen Mauern tragen tiefe Spuren der Geschosse. Allein auch Sickingens Macht zerschellte an dieser antiken Veste. Die Portra nigra hat den Stürmen von fast anderthalb Jahr⸗ tausenden getrotzt und bleibt vielleicht für weitere Jahrtausende das groß— artigste Denkmel altrömischer Macht und Kultur auf deutscher Erde. R. E. Türkische Taubenliebhaberei. Bekannt ist, daß die Tauben bei den Türken aus religißsen Gründen besonders geliebt werden. Sie nisten daher pöllig ungestört, sowohl in den großen Vorhöfen der Moscheen unter den dort befindlichen Hallen, wie auf den herrlichen Bäumen, die dieselben be⸗ schatten, ja sogar im Innern der geheiligten Gebäude selbst. Um die Tauben auch in die Paläste zu locken, sind an allen Mauern, sowohl außer⸗ als innerhalb kleine Nester von Marmor für diese Lieblinge des Propheten an⸗ gebracht. N. Der Liedersänger Bollini sang vor Kurzem in den Folies Bordelaises. Das Publikum hatte sich zahlreich eingefunden und verfolgte mit Beifall seine Programmnummern. Schließlich verlangte es von ihm die Arie aus der Martha:„Ach so lieb und so kraut“ zu hören. Bollini weigert sich— der Direktor kommt herbei.„Herr, Sie werden singen.“—„Kommt mir nicht in den Sinn; ich habe meine Programmnummern absolvirt.“— „Reizen Sie mich nicht, oder ich hole die Polizei.“—„Ich fürchte Ihre Polizei nicht.“— Inzwischen ist der Lärm entsetzlich angewachsen, und der Polizeikommissar tritt auf Bollini zu, der aber jetzt vor Aufgeregtheit zittert. „Signore, Sie sollen singen.“—„Nein!“—„Ja.“ Die Beiden stehen sich wie zwei Kampfhähne gegenüber. Der Kommissar streckt endlich den Arm aus, da fällt eine Ohrfeige, denn Bollini ist außer sich. Die Ohrfeige wirkt wie Oel auf die aufgeregte See; sie beruhigt sich für einen Augen⸗ blick, dann schallt es„Bravo!“ Geklatsch, Gepfeife. Unter höllischem Lärmen wird Bollini verhaftet; aber stolz wie ein Sänger schreitet er in der Mitte der Wache dahin, während der Polizeikommissar dem Direktor zuruft:„Ein anderes Mal suchen Sie sich einen Andern, um Ihre rabiaten Sänger zu zügeln; ich habe an einer Ohrfeige genug.“ W. G. Der Kirchhof zu Cocalico in dem amerikanischen Staate Pennsylvanien ist als ein wahrhaftes Memento mori zu betrachten. Die innere und äußere Wandfläche der Umfangsmauer erscheint als ein Mosaikgebilde, von Todten⸗ schädeln und Todtenknochen zusammengesetzt. Die Kapelle und die Todten⸗ kammer hat an ihren Wänden einen ähnlichen Knochenüberzug. In der Mitte des Kirchhofs erhebt sich eine Pyramide, auf deren Flächen Menschen— gerippe jeden Alters angebracht sind. Auf der Spitze der Pyramide steht ein sehr großes Gerippe mit Sense und Sanduhr versehen. M. Die alten Römer zählten zu ihren Delikatessen mancherlei, was unserm Gaumen schwerlich behagen würde; dazu gehörten die Puppen, aus denen sich der Schmetterling entwickelt, die großen weißen Würmer, welche man in dem faulen Holze findet, und Schnecken. Das Abendessen des Plinius bestand gewöhnlich aus einem Gerstenkuchen, Lattich, zwei Eiern, drei Schnecken und etwas Wein. M. haben, ruht auf römischen Grundmauern. Die werthvollsten Reste aus der 4 . 1. Reihe: 2 112 Miner 5 Fran b. in- Maß 0 25 Ein Mineral. 3. Eine Stadt in Mähren., 2 3.„ 4. Berühmter Philosoph des 17. Jahrh. 5. Einen Raubvogel. 2 1, „ 195 5 ne 9 ar bel h 5,. 5.„ 8. Gebirgsland Oesterreichs. 9. Einen weiblichen Vornamen. e ec cee, „„ e a e 11. Name eines berühmten Schauspielers.,., 7.„ 12. Staat in Südamerika. 13. Ein chinesisches Gewicht.,, 8.„ 14. Göttin der Nordgermanen. 15. Theil eines Schiffes., e 9.„ 16. Alte schottische Familie. 17. Einen biblischen Namen. 5,, 05 5., — der dreisilbigen Charade: Wortwechsel;— des Quadrat-Räthsels: Silben-Räthsel. Aus folgenden Silben: sind achtzehn Wo eine Diagonale, a a art bel chi de du ge gel haa hu hu i kat le mütz ma na nis no not o ol pal prinz rie rol saint se se schiff spi stu ten then ti ty u 2a rte zu bilden und so in ein Quadrat zu stellen, daß die von links oben nach rechts unten, den Namen eines be⸗ rühmten deutschen Schriftstellers, und die andere, von rechts oben nach links unten, ein Werk desselben ergiebt. Die achtzehn Wörter bezeichnen: 18. Eine französische Religionspartei. Logogriph. Ich bin kein Trug und keine Wahrheit, Ein Bild, auf keinen Grund gemalt, Ein Wesen, das in voller Klarheit Entzückend und erfreuend strahlt Und das im nächsten Augenblicke In ew'ges Dunkel wieder sinkt. Ich bau' zum Jenseits eine Brücke; Doch eh' die Pforte dir erklingt Laß ich dich oft zur Tiefe fallen; Allein, wenn ich dir Ueb'les thu', Sei nur getrost, ich füg' bei Allem Dir niemals wirklich Schaden zu. Nimm mir ein Zeichen. Ohne Grenzen Dehn' ich mich deinen Blicken aus, Du siehst in mir die Sonnen glänzen, Ich bin ein unermeßlich Haus. Und wiederum bin ich so enge, So traulich stille, friedlich klein; Nur selten bin ich im Gedränge, Im kleinsten Hüttchen kann ich sein. Dein Körper ist an mich gebunden; Jedoch der Geist durcheilt im Nu Mich flüchtig, freudig in Sekunden Und fliegt den fernsten Sphären zu. Räthsel. Nimmst Du das letzte Zeichen fort Und giebst ihm vorne seine Stelle, So findest Du auf alle Fälle Sofort ein neues, andres Wort. Einen Theil des menschlichen Körpers.— Ein Metall. Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: 2 5 t 1 e I i 0 X 1 n 0 * 01 2 e h S Schach. Schwarz. Problem Nr. 407 von J. Kohtz und C. Kockelkorn. . 8. , 13 7 N 5* 0 41 8 10 Weiß: E. Schallopp. müssen? Ist der Partiespie denn es führt nun sowohl Les ff als g6—g5 zum in G., H. Hundt in A., Dr. Wehrmeister in M. und Zuge— 3) Kg(g2 oder hz) K:3 4) D giebt Matt. Die Lösungen sämmtlicher Nummern wurden ange Weiß. Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Dieses Problem konkurrirte in dem Problemturnier, welches vor einigen Monaten von Mr. Peterson in„the Wanderer“ für Zwei- und Dreiziiger ausgeschrieben wurde. 1 Partie Nr. 232, gespielt den 12. Juli d. J. im Meisterturnier zu London. 5 Schwarz: J. Mason. 12—14 h6E—h5 e2— ed 27 eg 16) 2) d2—d4 d7-d 17) g4 hs: ThS hr 3) e4—e5(71 18) Sg1-e2 1h5 bs 4 4) 2-63 Sbs 6 19) 8e2—g3 6—0—0 5) 8g1—13 e564 20) bs-b! Se6—a7 6) b2—bs(4—b3 21) csc d5— 64: 7) 22—b3; Les- d7 22) Ses-c: Ld 7c 4 8) LfI- da h-h 23) Se4 dE TI dS- dé: 4 9) 8b1—d2 a7 46 24) ed: Dd7- dé: N 10) 8d2—fI Sc6-e7 25) Tall KS bs. 11) 92-4 Dds e 7 26) Thli-hg Ddé- da: 7 12) Lei- d Se 7c 27) 8g3— e Dda- dõ 13) h2—h4 8786 28) Se2 es 5d5-g: 14) SfI—es Sg8—e 7 29) Ld3-f D g2—g1 1 15) 8f3—g1 LIS—g7 30) Ld2—es aufgegeben. Auflösung. Problem Nr. 398 von C. Planck in London. 1) Dgl-g6: Kda cs:„ 0645: 2) Dgé- def Kd(55, 04, d4) 2) Dg6—e4f dea(Keb) 3) 14667(Ses: 07, fö) 3) Sbs(Dd5) f Varianten: 1).. dic5 2) Lför Ke4 3) Sc Matt; 1).. Lbs 2) Sb af Ks 3) Sb(es) Matt; 1).. Led 2) Seéf Kd5: 3) Dfs Matt; 1).. L beliebig oder Ke 2) Ddr Kes: 3) Lbe Matt; 1).. be 2) Sb3 Ka 3) Dds: Matt.— Im Gegensatz zu dem Zugzwange, der in dieser Aufgabe nach dem ersten Zuge eintritt, wükt in Berger's Ausarbeitung, Problem Nr. 399, nach 1) Dg4—g6 die Drohung 2) Dg6— 6: 3) Sc resp. Dds oder Lies Matt, wäbrend nach den Gegenzügen Kdo resp. eds sich die Planck'schen Hauptspiele ergeben, mit dem einzigen Unterschiede, daß in zwei Nebenwendungen infolge des weißen Bauern d? das Abzugsmatt auch durch Ses erfolgen kann. In dem Problem Nr. 400 von J. Berger dagegen ist 1) gs wieder Tempozug obne Drohung; das Spiel 2) Dds: wird erst durch den Gegenzug 1).. bs; ermöglicht und zugleich erzwungen. Nr. 401 von J. Berger stellt sich als die weitgehendste Umarbeitung der Nr. 398 dar. Hier baben wir wieder Drohung, eine doppelte zwar aber eine stille Drohung 2) Dgs ds und 2) Seb dl und jede dieser Spielweisen wird durch bestimmte Gegenzilge erzwungen. Durch Wegfall des Läufers ds, der in Nr. 398 als müßiger Offizier die Mattstellung des zweiten Hauptspieles beeinträchtigt, hat Berger beide Hauptspiele erst zu gleichmäßiger Geltung gebracht; die Einbuße einer Nebenwendung von geringem Werthe kann hiergegen nicht in Betracht kommen. Einem Korrespondenten der Frankfurter ee die Möglichkeit einer zweifachen Mattsiührung nach 1).. bt. ez. Sh oer Las als dessen Beseitigung wünschenswerth sei, bezeichnet hatte, giebt Berger in dem genannten Blatte die treffendste Erwiderung, an deren Schlusse die dual⸗Theorie die folgende Abfertigung findet; „Hätte ich statt des beweglichen Bauern 56 noch einen weißen Bauern as verwenden, statt des Bauern e7 den weißen König auf ks postiren und einen weißen Bauern g2, einen schwarzen Thurm 1, schwarzen Läufer g1 und schwarze Bauern k2, be aufstellen sollen, un drei duals zu unterdrücken? Warum hat Planck nicht die duals nach 1).. Lbs und 1).. Lb unterdrückt? Hat der Komponist die Aufgabe, die schwarze Partei unter Kuratel zu stellen, damit sie keinen schlechten Zug machen kann? Soll nicht der Löser sowohl für Weiß als für Schwarz aus 1 und schlechten Zügen die relativ guten heraussuchen er anders daran? Was würde sich Steinitz denken, wenn ein Problemkomponist sagen würde:„Ihr Schlußspiel in der neunsen Matchpartie ist recht hübsch, aber nicht ohne Makel, nach 32).. Ig7 es ist in der Variante 33) 12—f4 ein dual, Ziele.“ e. ben von W. Kron in B., F. Osten Michaelis in Th. 5 Briefwechsel. Ph. B. in N.⸗M. bei N. Die fragliche Variante in Nr. 394 erledigt sich dur 2) Db Scél— nimmt der König einen der Springer, so erfolgt das Matt schon im nächste Problem 00» 5 4 ißstand, Druck und Verlag der„Volks-Zeitung“, Akt-Ges. in Berlin, Lützowstr 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elch o in Berlin, Lützowstr. 105. —... neee be 4 ——b———e—̈— nĩ.—äP—d t!