len 547 len e ene ene, eee N * C1 1 48 zu den Oberhessischen Machrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nr. 12. Gießen, den 21. März. 1886. Der Trotz kopf. Novelle von Frida Schanz. (Schluß.) Am nächsten Morgen klopfte ich pünktlich zur verabredeten Stunde an Gerhard's Thür, um ihn abzuholen.— Er schien mir abgespannt und müde, wie nach schlafloser Nacht.— Die durch einen Früh— regen herrlich abgekühlte Sommerluft schien ihn indeß merklich zu erfrischen, und als ich ihn endlich vor Petersen's herrlicher Schöpfung stehen sah, über die Ihr in meinen Fachnotizen manches Nähere findet, da vergaß ich es eine Zeit lang ganz, daß der Mann, der so mit tiefster Seele genoß, innerlich krank und elend war. Auch auf dem Heimwege war er voll prächtigen Humors.„Ich habe eine Idee, die Dir den sorglichen Vater in höchster Glorie zeigen soll,“ sagte er,„fürchtest Du einen kleinen Umweg nicht, so laß uns jetzt durch den botanischen Garten gehen. Vielleicht treffen wir den Jungen und meine zukünftige Schwiegertochter dort. Ich möchte das Hexchen doch in Augenschein nehmen.“ Lebhaft plaudernd schritten wir ein paar Minuten später durch die schönen Anlagen, immer spähend und lauschend, ob nicht ein heller Kinderhut oder ein frisches Lachen uns das Pärchen verkünde. Endlich trafen wir es im Schatten einer Platane auf einer Bank, während die beiden Hüterinnen, in einiger Entfernung lustwandelnd, sich vergeblich bemühten, den Schatz ihrer Erfahrungen durch Panto⸗ mimen gegen einander auszutauschen. Das kleine Mädchen war augenscheinlich damit beschäftigt, ihrem Freund ein Märchen oder eine gar wunderbare Geschichte zu er⸗ zählen, denn Fritzchen sah so starr und erstaunt in ihr kleines Ge⸗ sicht, welches der breite Schirm ihres blaßblauen Seidenhütchens unseren Blicken entzog, daß er unser Näherkommen nicht gewahrte. Plötzlich wandte die Kleine, durch den Flug einer Amsel auf⸗ geschreckt, flüchtig den Kopf zur Seite. Ein süßes, kleines, von goldigem Gelock gar reizend umrahmtes Gesicht wurde sichtbar. „Nicht übel!“ flüsterte mir Gerhard zu. Mir aber stieg eine siedendheiße Blutwelle in die Wangen. „Corneliens Kind!“ sagte ich, indem ich meinen Arm unwill⸗ kürlich mit einer hastigen Bewegung in den Gerhard's legte. Wie der starke Mann erschrak! Eine solche erschütternde Wirkung meiner Worte hätte ich nicht geträumt. Seine Züge wurden fahl, und die Lippen, die eben noch so übermüthig gescherzt hatten, bebten wie in namenlosem Weh. „Willst Du mir einen Liebesdienst erweisen, Rolf?“ sagte er tonlos, nachdem ich ihn, ohne daß die Kinder uns bemerkt, zu einer Bank im Gebüsch geleitet hatte. „Jeden!“ entgegnete ich bewegt. „So geh zu der Alten und sage ihr, daß sie mir den Jungen augenblicklich nach Hause führt.“ „Der Kleine wird schwer hinwegzubringen sein,“ stotterte ich in der Ueberzeugung, daß der mit den idealen Grundsätzen von Recht und Billigkeit erzogene Knabe dem überraschenden Befehl gegenüber auf eine wohlberechtigte Opposition schwerlich verzichten werde. i „Ich will es,— das muß genug sein!“ sagte Gerhard düster. Trotzdem glaubte ich, in dem schwierigen Falle mit feiner Diplo⸗ matie vorgehen zu müssen. Die Alte, der ich meinen Auftrag wohl in ziemlicher Erregung vorgebracht haben mag, unterstützte mich mit der erschrockenen Frage:„Ist der Herr krank?“ „Ja, ja, gehen Sie so schnell Sie können!“ Das Uebrige überließ ich ihrer Weisheit und eilte, theils um jeder weiteren Auskunft enthoben zu sein, theils weil jedes andere Interesse in der Theilnahme für Gerhard unterging, zu dem Platze, auf dem ich ihn allein zurückgelassen hatte. Lange saßen wir stumm neben einander, bis mein Gewissen mir um des armen Jungen willen den Muth gab, den finsteren Schweiger an den Aufbruch zu erinnern. Während des langen Weges, den wir wortlos zurücklegten, hatte ich Gelegenheit, aus den Gesichts⸗ zügen des theuern Gefährten, von denen jetzt jede Spur von Wider⸗ standskraft und trotziger Lebensfreude geschwunden war, den tiefen, nagenden Seelenschmerz zu lesen, den er sonst vor den Augen der Welt so geschickt zu verbergen verstand. Als wir in Gerhard's Wohnung anlangten, flog uns Fritzchen verweint und blaß entgegen. „Bist Du nicht mehr krank, Vater? Darf ich nun wieder fort? Nelly wartet noch. Wir müssen das Kindchen taufen!“ Mit ruhiger Festigkeit ergriff Gerhard, der pädagogische Idealist, seines Sohnes kleine Hand. „Du wirst nicht mehr mit der Kleinen spielen, weder heute, noch morgen,— nie mehr, hörst Du?— Ich will es nicht, und Du wirst gehorchen!“ Das Kind, das dem sonderbaren Befehl anfangs verwundert, beinahe verständnißlos gelauscht hatte, sah jetzt mit einem Ausdruck plötzlichen Verstehens zu seinem Vater empor. In seinen Augen, die sich mit Thränen füllten, lag eine so ergreifende, stumme An⸗ klage, daß Gerhard, obgleich er sein gutes Herz in diesem Augen— blick mit all' seinem Trotz gewappnet hatte, die erste und einzige Ungerechtigkeit, die er dem armen Schelm anthat, doch auf's pein— lichste empfinden mußte. Trotzdem erhellte sich sein finsteres Antlitz nicht. „Wirst Du gehorchen?“ sagte er scharf. Da brachen die zurückgehaltenen Thränen wie ein Strom aus den schönen großen Kinderaugen. Zitternd riß der arme kleine Bursche sich von Gerhard's Hand los und eilte wie ein verwundeter Vogel, der sein Weh in's Dickicht trägt, von dannen. Unwillkürlich trieb mich das Mitleid ihm nach. 8 5 5 A 2 5 2 3 — 5 8 2 3 5 e 90 e ie „Laß ihn!“ sagte Gerhard bestimmt;„Du würdest ihm jetzt nichts abgewinnen; ich muß sein Vertrauen allmälich wieder zu er⸗ langen suchen. Ich habe ihm so viel Güte gezeigt, daß er mir nicht lange trotzen wird.“ 5 Bei aller Zuversichtlichkeit klang etwas wie Beschämung durch seine Worte. Gleichgiltig war ihm die Ungnade seines Lieblings keineswegs. Soll ich es Euch gestehen? Ich war förmlich froh bei dem Gedanken, daß die Sorge, sein verzogenes Kind zu versöhnen, den leidenschaftlichen Mann jetzt von seinem neuerwachten Liebesschmerze abzog. Es fiel mir ein, daß ich als Kind in einem alten Almanach die tiefsinnige Lebensregel gelesen hatte:„Wer leichtiglich aufbrauset, dem gebe man ein Knötlein aufzulösen, sobald er sich erreget; das beruhigt das Blut.“ Gerhard's hochsinnige Erziehungspläne mit seinem eigenen ungestümen Willen lagen? Aeußerlich beruhigt überließ ich also Vater und Sohn ihrem Schicksal. a „Sehe ich Dich heute nicht wieder?“ fragte Gerhard, als ich mich zum Gehen wandte. „Wenn Dir's recht ist, spreche ich Abends noch einmal vor. vernehmen.“ „Scherze nur,“ sagte er trübe. f a Glaubt Ihr, daß mir's im Grunde gar wenig scherzhaft zu Muthe war? Gerhard's Schicksal schnitt mir in's tiefste Herz. Wie theuer mußte ihm das Weib noch sein, zu dem er doch so rücksichts⸗ los ungestüm jede Brücke zerbrach! Vergeblich sann ich über eine Möglichkeit nach, die beiden Herzen einander zuzuführen. Gerhard's Starrsinn machte jede freundliche Lösung unmöglich! Meinem Vorsatz, mich im Vorübergehen nach dem Befinden meiner englischen Freunde zu erkundigen, kam der Zufall zu Hilfe, indem er mir an einer Ecke des Promenadenplatzes die ganze liebens— würdige Gesellschaft entgegenführte. Ein durch mein mangelhaftes Englisch herbeigeführtes Mißverständniß ließ die gute Mrs. Lee zu meinen Gunsten glauben, daß die auf meinem Gesicht geschriebene Erregung der Sorge um den Verlauf ihrer gestrigen Migräne gelte, welcher Umstand ihre Vorliebe für mich so steigerte, daß sie mit größter Dringlichkeit auf meiner Theilnahme an einer für den Nach⸗ mittag projektirten Fahrt nach Nymphenburg bestand. Erst gegen neun Uhr führte uns der flotte Jagdwagen wieder in die Thore der Ludwigsstadt heim.. 5 Trotz der späten Stunde trieb mich's unwiderstehlich zu Gerhard. Mit eigenthümlichem Bangen sah ich dem Status seines Haus— friedens entgegen. Um so angenehmer wurde ich durch das an⸗ muthige, freundliche Familienbild überrascht, das sich mir beim Ein— tritt in sein geräumiges Wohnzimmer darbot. Unter der traulich leuchtenden Gasampel am runden, mit einem weichen, weinrothen Wollteppich überdeckten Tisch saß Gerhard vor einer Mappe mit Liezen⸗Mayer's Faustkartons; sein Junge thronte ihm gegenüber auf dem durch Kissen erhöhten Sitz eines Armstuhls und sah mit dem— selben verständnißvollen Ernst, der die Züge seines Vaters schmückte, auf den vor ihm aufgeschlagenen„Hans Huckebein“ nieder. a Trotz alledem schien mir's, als sei mein Eintritt keine unwill— kommene Störung des friedlichen téte-A-tete. Gerhard begrüßte mich mit solcher Emphase, daß es schien, als wolle er sich durch den Wortreichthum, mit dem er die nichtige Thatsache meines Kommens feierte, für eine lange Zeit drückenden Schweigens entschädigen. „Das Herrlein ist ja noch merkwürdig munter,“ sagte ich, auf den Knaben deutend, der in seinem Interesse für den Unglücksraben noch nicht ein einziges Mal die langen Wimpern emporgehoben hatte. „Du hast Recht, es ist Zeit, daß Käte ihn zu Bett bringt,“ erwiderte Gerhard, indem er die Klingel zog. 5 Ohne ein Wort zu sagen, ließ sich Fritzchen von der verschlafenen Wärterin hinausgeleiten. „Sagst Du nicht: Gute Nacht?“ mahnte ihn Käte an der Schwelle. Mit einem trotzigen Zucken seines Mundes ging der Kleine auf mich zu und reichte mir sein weiches Händchen. „Nun, und ich?“ fragte Gerhard, der daneben stand. „Gute Nacht!“ murmelte das Kind, ohne aufzuschauen, indem nüßchen zu imponiren,“ scherzte ich, als der Bösewicht, von einem Gab es ein schöneres Knötlein, als den Widerstreit, in dem Hoffentlich finde ich Dich dann mit Deiner Familie im besten Ein— es mit seiner Hand, statt sie in Gerhard's dargebotene Rechte zu legen, die harten Finger der Alten fest umschloß. 9 „Versuche es doch mal, dem kleinen Rebellen mit einem Kopf— schmerzlichen Blick seines väterlichen Erziehers begleitet, hinter der Thür verschwunden war. f „Das würde jetzt wenig helfen,“ seufzte Gerhard. „Wer weiß; versuch's einmal; Euer ideales Einverständniß scheint mir ohnehin bedenklich erschüttert zu sein!“ „Leider, leider; der Junge ist mir ernstlich böse, und ich Narr — ja lache nur!— ich leide darunter, denn der Junge ist mein einziges Glück!“ a Mein Bemühen, das Interesse Gerhard's von der Ursache seiner Verstimmung abzulenken, war an jenem Abend ohne Erfolg; ver⸗ gebens berührte ich alle Saiten, die sonst einen Widerhall in seiner Brust zu wecken pflegten; er schien all' seinen Gesprächsstoff in Gegenwart des Knaben ausgezahlt zu haben; nun, da das Kind schlief, war er so einsilbig und träumerisch, daß ich's ihm anmerkte, wie erleichtert er sich fühlen würde, wenn ich ihm durch mein Gehen von der Last der monotonen, interesselosen Antworten befreite, zu denen er seine Lippen zwang. Verstimmt, wie noch nie, gingen wir aus einander. Wie mag er die Nacht durchseufzt haben, da schon ich, der ich doch mit dem mohnbekränzten Gotte auf bestem Fuße lebe, nicht eine Sekunde lang die Lider schloß!— Am nächsten Vormittag führte mich der Zweck, meine Toilette durch ein paar kleine Aenderungen einem beabsichtigten Besuch an— zupassen, von der Glypthotek, wo ich einige Stunden verbracht hatte, in mein Hotel zurück. „Es wartet ein Herr in Ihrem Zimmer, der schon drei Mal da war und nach Ihnen fragte,“ sagte mir der Portier. „Gerhard,“ sagte ich mir in schneller Erkenntniß der Sachlage, indem ich hastig, zwei und drei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe emporstieg. f Ich hatte mich nicht getäuscht,— er war es,— und doch war's nicht er. Ein blasser Mann mit wirrem Haar und angst⸗ voll nach der Thür gerichteten Augen saß in schlaffer Haltung vor dem Rauchtisch am Fenster. Bei meinem Eintritt schreckte er em⸗ por und rief im Ton der rathlosesten Verzweiflung:„Um Gottes⸗ willen, Rolf, was soll ich thun?— Der Junge ist verschwunden!“— Nach meiner namenlosen, durch Gerhard's Anblick verursachten Spannung wirkten diese Worte wie eine Erleichterung auf mich. „So suchen wir ihn,“ sagte ich ruhig;„diese kleine Sorte von Deserteuren ist gewöhnlich sehr schnell abzufassen. Für künftig legen wir ihm schon das Handwerk.“ „Wüßtest Du nur, wie mich die Angst schon umhergetrieben hat! Ich war bereits auf ein Paar Polizeistationen, drei mal schon im botanischen Garten und drei mal bei Dir,— mein Gott, als ob Du mir helfen könntest.“ „Seit wann vermißt ihr ihn denn?“ fragte ich, da ich sah, wie wohl es ihm that, sein beklommenes Herz auszuschütten. „Heut morgen saß er noch mit mir beim Kaffee,— ohne ein Wort zu reden.— Solch ein Trotz! Ich sprach allerlei zu ihm,— er rührte sich nicht. Erst als ich meine Cigarre anzündete und mich anschickte, hinüber ins Atelier zu gehen, sah er mich groß an und sagte:„Darf ich heute mit Nelly das Kind taufen?“ Fast hätte ich„Ja“ gesagt, so erfreute mich der Klang seiner Stimme. Aber Du weißt, daß es unmöglich war, und so sagte ich„Nein!“ Er verschluckte die Thränen und sagte nur ebenfalls„Nein!“ als ich ihn fragte, ob ich ihm das rehbraune Pony kaufen solle, das bei unserem Nachbar zum Verkaufe steht. So konnte ich nichts thun, als der alten Käte einschärfen, heute keinesfalls mit dem Jungen nach dem botanischen Garten zu gehen. Ich wollte ihr noch sagen, sie möge heute besonders auf ihn achten, aber sie sah mich schon nach dem ersten Befehl so sonderbar erstaunt an, daß ich's unterließ. Wäre ich doch hinter ihr drein gegangen, f statt ihr aus dem Atelierfenster so lange nachzusehen, bis mir die Augen übergingen! Nach einer Stunde kam sie heim und berichtete, Fritz sei, während sie einen Augenblick mit einer Freundin geplaudert habe, von ihrer Seite verschwunden. Seitdem bin ich unterwegs. 0 Er ist nirgends, nirgends, ich habe überall nach ihm geforscht. Ich werde wahnsinnig, wenn er verunglückt ist. Hast Du keine Ahnung, Rolf, wo er sein kann?“ a 0 1 e 91.=. Mit festen, forschenden Blicken las er in meinem Gesicht. „Weiß er, wo die kleine Nelly wohnt?“ fragte ich. Er nickte; vergeblich rang er nach Worten. „So werden wir ihn dort suchen müssen; das ist sehr klar, mein Bester.“ „Sehr klar!“ wiederholte er leise. Ein unbeschreibliches Mitleid mit ihm überkam mich. „Fasse Dich, Gerhard“, sagte ich;„bleibe eine Weile hier und suche Dich zu erholen; wenn es möglich ist, schaffe ich Dir das Kind herzu!“ 0 „Ich werde Dir's nie, nie vergessen,“ preßte er heraus. Im schärfsten Trab brachte mich ein flinker Droschkengaul nach der Villa Giselg. Erwartung und tiefste Erregung beklemmten mir den Athem, so daß ich lange, ohne die Klingel zu ziehen, vor der englischen Pension stehen blieb. Die tief ergreifenden Klänge der Schumann'schen Fis-moll⸗ Sonate, von kunstgeübter Hand einem herrlichen Klavier entlockt, tönten zu mir heraus. Nachdem ich geläutet und das öffnende Zöfchen mit meiner Karte zu der Gräfin Fersen gesandt hatte, ver— stummten die Töne. „Die gnädige Frau lassen bitten“, berichtete das zierliche Ding. Als ich in den Salon trat, erhob sich die junge Frau vom Flügel und kam mir entgegen.— Von Fritzchen gewahrte ich keine Spur, auch von der Kleinen war nach flüchtiger Umschau nichts zu entdecken. So fand ich Schwierigkeiten, auf das bezweckte Thema zu kommen und sprach, da mir im Augenblick nichts Besseres ein⸗ siel, meine Bewunderung für die eben vernommene Tondichtung aus. „Sie hat einen eigenen Zauber“, entgegnete die Gräfin,„es fällt einem so viel dabei ein.“ „Gewiß, vieles, was schön und poetisch ist: Lieder von Arnim und Eichendorff, Schwind's Märchenbilder, der Elfenspuk aus dem Sommernachtstraum— und Jedem Einzelnen noch das, was ihm „Romantik“ heißt.— Musiziren Sie viel, gnädige Frau?“ „Ich spiele der Kleinen viel Tänze und Lieder vor, sie ist so lustig und hört sie gern. Dann aber geht mir's wie Geibel's Spielmann. Ist die Zuhörerschaft verflogen— „So spielt er in Thränen sich selbst noch ein Stück, Verlorenes Sehnen, entschwundenes Glück!“— „Das„entschwundene Glück“ eines Freundes heute bei Ihnen zu suchen, war im Grunde der Zweck meines Kommens“, sagte ich, froh, endlich meinem Ziele zulenken zu können. Sie sah mich groß an, erröthend und erbleichend. Offenbar konnte sie meine Bemerkung leicht mißverstehen.„Dieses„ent⸗ schwundene Glück“, commentirte ich eilig, ist nämlich das einzige Söhnchen eines Einsamen, ein toller Junge, der seiner Wärterin entlaufen ist und den ich bei Ihnen zu finden hoffte.“ „Ich verstehe Sie nicht“, entgegnete sie verwundert. Wußte sie wirklich nichts von der Eroberung, die ihr Töchterchen an dem Sohn ihres verrathenen Jugendgeliebten gemacht hatte? Auf meine Frage, ob ihr die Kleine nicht von einem roman⸗ tischen Treubund mit einem fremden, schönen Knaben erzählt habe, antwortete sie fast zerstreut:„Ja, ich erinnere mich. Nelly ist sehr lebhaft und schließt sich gern an andere Kinder an. Wie ich höre, erkrankte der Vater des Knaben.“ f „Ganz recht, gnädige Frau— und zwar an einem unheilbaren Eigensinn. Es ist überhaupt der wunderlichste, selbstquälendste Heilige, den man sich denken kann. Sie kennen ihn übrigens wohl auch, sein Name ist Gerhard Olten.“ a Welchen Eindruck diese Worte auf mein vis-A-vis gemacht, weiß ich nicht, denn ich gewann es nicht über mich, ihr, während ich sprach, in's Gesicht zu sehen. „Das wußte ich nicht“, sagte sie nach sekundenlangem Schweigen mit stolzer, rührender Selbstbeherrschung. 0 8 5„Es ist ein seltsames Spiel des Zufalls“, fuhr ich fort, nach wie vor unverwandt auf die Nähte meiner Handschuhe starrend. „Mein Freund Gerhard hatte— einer höchst fein durchdachten Pädagogik gemäß— seinem Kinde nie den geringsten Wunsch ver⸗ sagt. Nun fühlt er sich plötzlich bewogen, den Neigungen des Kindes entschieden entgegen zu treten und ihm den Umgang mit Ihrer kleinen Tochter, der des Jungen höchstes Glück gewesen, streng zu untersagen. Fritzchen fand diesen unmotivirten Befehl in seiner Kinderlogik empörend und suchte dies dem väterlichen Tyrannen da⸗ Heimathhaus, als den Herd ten 5 von b ben 5 bon — einer unwürdigen Unterdrückung, verließ. Ich glaubte bestimmt, ihn hier zu treffen und hätte ihn gern nach Haus zurückgeführt, — denn— daß ich's nur sage: der arme Gerhard leidet unsäglich, der Kleine ist seine ganze Welt, der Träger aller seiner Hoffnungen, der Ersatz für sein verlorenes, ewig betrauertes Jugendglück!“— Langsam hatte ich, während ich sprach, die Blicke erhoben. Die schöne Frau, deren Antlitz so bleich, daß es sich lilienhaft von ihrem dichten, goldlockigen Scheitel abhob, versuchte umsonst, mir ein Wort; zu erwidern.. „Nun bleibt mir die traurige Pflicht, meinem armen Freund die Erfolglosigkeit meines Forschens zu verkünden“, fuhr ich fort, indem ich mich erhob. b „Ich nehme innig theil“, sagte die Gräfin, die ebenfalls auf— gestanden war, mit tiefbewegter Stimme.„Auch ich werde nach dem Kleinen forschen und auf jeden Fall meine Abreise, die ich für den Nachmittag festgesetzt hatte, verschieben.— Wollen Sie so gütig sein und mir Nachricht zukommen lassen, sobald Sie eine Spur des kleinen Sünders gefunden haben?“ „Ich bringe Ihnen sicher selbst Nachricht!“ „Auf jeden Fall?“ „Auf jeden Fall, gnädige Frau!“ 0 5 Sie sah mir mit den wundervollen Augen angstvoll, flehend in's Angesicht. Fast begann ich nun selbst, mich um den verlorenen, kleinen Thunichtgut zu sorgen, da ich zwei Menschen um seinetwillen in so tiefer, schmerzlicher Bewegung wußte.— Gerhard war kleines Wortes fähig, als ich ihm meine Bot⸗ schaft überbrachte. „Nun habe ich keine Hoffnung mehr“, sagte er endlich. Ich lachte ihm in's Angesicht, um ihm Muth zu machen, ob⸗ gleich mir's selbst beklommen genug um's Herz war. „Wir müssen eben auf's Neue suchen, ich wette, daß wir den Vogel in ein paar Stunden gefangen haben. Unsere Polizei läßt so kleine Missethäter nicht leicht nach Amerika entwischen!“— Drei Stunden lang waren wir darauf in athemloser Bewegung. Alle Anlagen, Straßen und Plätze durchstöberten wir, leider ohne den mindesten Erfolg. Der arme Gerhard, dem die Angst aus dem blassen Antlitz sprach, bestellte Zeitungsaufrufe und Plakate und setzte eine fürstliche Belohnung auf das Haupt seines mißrathenen Erziehungsprodultes. Der Zustand meines eigenen leeren Magens und meiner müden Füße ließ mich endlich mitleidsvolle Schlüsse auf den Status meines armen Freundes schließen. Eifrig suchte ich nach Vorwänden, um ihn zu einer kurzen Rast zu bewegen. „Vielleicht ist der Junge inzwischen heimgekehrt!“ „Gewiß nicht!“ sagte er mit schmerzlichem Lächeln. läßt ihn der Trotz nicht den Rückweg finden.“ Es war merkwürdig, in wie kurzer Zeit der Schwärmer gelernt! hatte, seinen Sohn nach sich selbst zu beurtheilen! i „So müssen wir die Jagd eben fortsetzen,“ stöhnte ich. Die Straße, auf der wir, immer rechts und links spähend, dahinschritten, hatte uns indessen, ohne daß wir's gewahrten, wieder in die Nähe der Villa Gisela geführt, was mir erst zum Bewußt⸗ sein kam, als ich plötzlich die drei burgundrothen Sonnenschirme meiner englischen Freundinnen aus einem vorüberrollenden Landauer auftauchen sah. „Laß mich nun erst einer Höflichkeitspflicht genügen, Gerhard, die mir aus Deiner Unhöflichkeit erwächst,“ sagte ich.„Die Gräfin Fersen bat mich so innig um Nachricht über den Erfolg unseres Suchens; und übrigens ist die Möglichkeit, daß Fritzchen sich in⸗ zwischen doch bei ihr eingestellt hat, so groß, daß ich den Umstand, hundert Schritte von ihrer Wohnung entfernt zu sein, benutzen möchte.“ 5 „Wohnt sie hier!“ rief er laut, wie ein Erwachender, der sich über seine Umgebung nicht Rechenschaft ablegt. „Ja. Entschließe Dich, und komm mit mir!“ sagte ich, durch seine Bewegung ermuthigt. „Mein Gott, wie Du mich peinigst,“ rief er mit einem Auf— wand von Heftigkeit, der wahrscheinlich nicht mir, sondern einer mahnenden Stimme seines eigenen Innern galt.„Komm bald zu— rück; ich erwarte Dich in der Mistraße, fügte er etwas sanfter hinzu. Mit großen Schritten eilte er davon. Kopfschüttelnd sah ich ihm nach und wollte mich eben auch zum Gehen wenden, als er D 5 N— „So schnell PPP ³˙¹.1 VPPPPPPPPPPPPPCCPPPPGGGCGGTVTGTGTGGGTGTGTGTCTGTTTbT0TTTTTbT 92.. 8 plötzlich, wie von einer Eingebung erfaßt, sich nach mir umdrehte und mich durch einen Wink zu warten bat. In einer Sekunde war er neben mir. „Noch ein Wort, Rolf!— Glaubst Du im Ernst, daß der Junge bei ihr sein kann?“ „Im vollen Ernst, Liebster.“ Wie gespannt ich sein blasses, in der Erregung hinreißend schönes Gesicht beobachtete. Mit ein paar tiefen Athemzügen beendete er den heißen Kampf seines Innern; aufjauchzend drückte ich seinen Arm, den er in den meinen legte; ich hätte ihn auf offener Straße küssen mögen für das eine Wort, das er seinen bebenden Lippen abzwang:„Ich gehe mit Dir, Rolf!“. Ich weiß nicht, ob das, was nun geschah, von dem launi⸗ schen Kobolde„Zufall“ zu des reuigen Sünders Verwirrung beschlossen war, oder ob die lichte Seele eines Engels, die in himmlicher Einfalt den „einen Bußfertigen“ über neunundneunzig Gerechte stellt, es zum Lohne unseres Freundes fügte. Mitten in der großen, lufti⸗ gen Halle, die den Vorraum der freundlichen Fremdenpen⸗ sion bildet, zeigte sich uns ein liebliches, überraschendes Bild: die schöne Gräfin Cornelie, deren Antlitz unter dem breiten Rande ihres dunklen, modischen Federhutes lächelnd und lieblich hervorschaute, stand, von Fritz— chen, dem heimathflüchtigen Empörer, und ihrem helllockt— gen Kinde umringt, zum Aus⸗ gehen gerüstet. „Nun laß uns los, Nelly,“ sagte sie, ohne uns zu bemer— ken,„Fritzchen muß erst seinem Vater abbitten, daß er so bös und trotzig war.“ „Dann aber bringst Du ihn wieder, Mütterchen,“ schmeichelte das Mädchen mit dem lieblichsten Klange seines Stimmchens. „So Gott will!“ flüsterte die junge Mutter, indem ihr Blick von den beiden Kleinen hinweg, und nun plötzlich zu 4 uns hinüberglitt, die wir stumm und bewundernd in einiger Entfernung standen. Welches Spiel von Gluth und Blässe nun auf den beiden Ge⸗ sichtern, die in jenem Augenblick, wo die Ueberraschung jede Vor— stellung unmöglich machte, das verborgenste Geheimniß der Seelen unverschleiert gegen einander austauschten!— Die Verwirrung der Beiden machte mich zum Helden der Situation; ich war es, der das bestürzte Fritzchen mit hellem, lachendem: Willkommen! begrüßte. „So ist die Zeit doch noch nicht vorbei, wo zarte Frauenhände das Glückskraut am Wege finden, nach dem sich andere Sterbliche matt und müde laufen,“ sagte ich, gegen die Gräfin gewandt. „Wirklich, so recht am Wege,“ entgegnete sie, froh, daß der Bann des Schweigens gebrochen war,„ich weiß nicht, welcher Seelenzug mich vorhin, als ich mit Nelly nochmals nach dem bo— tanischen Garten gehen wollte, im Vorbeigehen in die Allerheiligen— kirche trieb.— Kennen Sie die Geschichte von dem Reh, das vor dem Blei des Jägers in das Gotteshaus floh?— Sie fiel mir ein, als ich das müdegeweinte Fritzchen auf den Altarstufen sitzen Kirchmann. sah, wohin er sich, wie er mir gestand, vor ein paar großen Straßenbuben gerettet hatte. Er war zu aufgeregt, der arme, kleine Mann, als daß ich ihn gleich zur Heimkehr hätte bewegen können. Auf jeden Fall wollte er erst Nelly's Püppchen taufen; und auch jetzt konnte ich ihn nur zum Mitkommen überreden, indem ich ihn selbst zu führen versprach.“— „Wie gut, daß diese Liebesthat nicht zur Ausführung kam,“ dachte ich,„Gerhard hätte Dich, seinem festen Vorsatz zufolge, unbarmherzig auf der Schwelle harren lassen, Du liebe, schöne Charitas!“ Herausfordernd sah ich zu Gerhard hinüber, der müh⸗ sam einige landläufige Dankesworte stammelte. Offenbar brannte ihm der Boden unter den Füßen, und da Fritz mit der kleinen Taufmutter auf die Veranda hinausgeeilt war, wo ein bunter Papagei unaufhörlich sein: Votre bonheur! kreischte, und die Gräfin, um das Vergnügen der Kinder nicht zu stören, uns zum Eintritt a 8 in ihren Salon aufforderte, so sah Gerhard schier hilfe— suchend in mein Gesicht. Es war klar, daß meine Gegenwart jetzt eine bedeutende Stütze und Erleichterung für ihn war. Aber ich— scheltet mich nur!— ich konnte und wollte ihm den Trost nicht gönnen. keine Rücksicht, der Barbar, der der lieblichen Retterin seines Glückes gegenüber das ganze Weh eines Menschenalters auf dem Antlitz trug. Zudem habe ich zu wenig Anlage zum Asketen, als daß ich das Mahnen meines leeren Magens um einer menschen⸗ freundlichen Anwandlung willen noch länger überhört hätte. Mit einem Blick, mit dem einst ein Friedrich Rothbart Kunde von der Treulosigkeit des rebellischen Löwen hätte aufnehmen können, sah mich Gerhard an, als ich die liebens⸗ würdige Frau— wegen eines Stelldicheins mit einem Kunst⸗ genossen— um Vergebung wegen meines schnellen Auf— bruchs bat. a Obgleich dieses Stelldichein selbstverständlich eine Finte war und ich meinen Nach⸗ mittag in völlig Umherschlendern verbrachte, so war mir doch dabei zu Muthe, als schritte ich einer Christbescheerung voll Lichterglanz und Tannenduft entgegen. In der Frühe des nächsten Tages klopfte ich an Gerhard's Thür. „Soeben wollte ich Dich aufsuchen. Ich hielt es nicht mehr aus, lieber, lieber Junge,“ rief er mir entgegen. „So, wolltest Du das in Worte fassen, was mir Deine Blicke gestern beim Abschied sagten?“ lachte ich.. „Ich wollte Dir sagen, wie Recht Du hattest und wie glücklich ich bin.“ „Ich wußte es, Gerhard, das Du ihr vergeben würdest.“ „Vergeben?“ rief er.„Vergeben? Nein, Rolf, vergeben hätte ich es ihr niemals, wenn sie meine Liebe verrathen, meine Treue verhöhnt hätte, wie ich es gedacht. Sie hat aber wahrlich nicht weniger gelitten, als ich. Weiß Gott, woher ich die Kühnheit nahm, sie inmitten des mühseligen, gezwungenen Gesprächs, das wir nach Deinem Fortgang führten, rasch entschlossen und unver— mittelt zu fragen, ob sie glücklich gewesen sei, seit wir uns nicht gesehn. Ihr Schweigen und Erblassen machte den heißen Wunsch, 8————ů— rr Klarheit und Wahrheit in der dringendsten Frage meines Herzens 1 Er verdiente auch wahrhaftig ziellosem K———— r 2 Ihm, 5 a Frau Musika. 17 = 94] 1 N zu erlangen, zum festen Entschluß, und so ward durch mein dring⸗ liches Ungestüm allmählich ein offener Gedankenaustausch zwischen uns herbeigeführt. Spekulation zum Opfer gefallen, sie mit tausend Treuschwüren von deren Fäden sie nicht ahnte, als mir Abschied nahm. Nicht, um sie der Einsamkeit des Vaterhauses zu entziehn, nicht, um ihr das gesellschaftliche Treiben der großen Welt zu zeigen, hatte ihr Bruder sie zu dem Besuch in des reichen Onkels Haus veranlaßt. Er selbst hatte gegen eine fürstliche Summe, die er zur Deckung neuer Ehren— schulden nöthig hatte, die Hand des jungen Kindes an den alternden Mann verhandelt, der dem armen Wesen den Sachverhalt rückhaltlos darlegte, als er sah, wie vergeblich sein Liebeswerben war. In ihrer Todesangst um den Bruder, der mit Selbstmord drohte und um den alten, ehrenhaften, zärtlichgeliebten Vater, sagte sie zu. Der Brief, in dem sie mir das Weh ihres Herzens ausgeschüttet hat, gelangte nie in meine Hand, und ihre Verlobungsanzeige, die ich richtig erhielt, faßte ich nicht als das auf, was sie sein sollte: als Wehruf, als Hilfeschrei einer gequälten Seele. Mein Groll hatte nur eine Antwort für sie: meine Verbindung mit Irene! So führte uns das Leben auseinander.“—. „Und nun, Gerhard?“ „Nun hat uns der Knabe vereint, der Trotzkopf, der alle meine Erziehungspläne über den Haufen warf. Vielleicht glückt mir's, ihn nun doch zu einem glücklichen, guten Menschen zu erziehen, wenn sie mir hilft!“ Mit strahlendem Gesicht hob er den Jungen zu sich empor, während seiner Worte im Morgenröckchen hereingetrippelt kam, um dem Vater, dem er sein Unrecht großmüthig verziehen hatte, den üblichen Morgenkuß zu geben. N ö „Was hast Du angerichtet, Du Schelm!“ sagte Gerhard glückselig. »Votre bonheurle parlierte der Kleine, welcher das, dem Pa⸗ der pageien abgelernte Wort seinem neuen Schwesterchen zu Liebe so gut gemerkt hatte. i „Das walte Gott!“ riefen wir Beide aus einem Munde. Hiermit Sela, Kameraden! Habt Ihr meine Epistel geduldig zu Ende gelesen, so fragt Ihr mich nicht länger, ob Gerhard glück⸗ lich sei!— Der schöne Vepi. Eine tragikomische Geschichte aus der Bretterwelt von J. Beck. N(Schluß.) Etwas über ein Jahr war vergangen. Beim Hofbäcker Höll— riegel feierte die einzige Tochter Geburtstag, den fünfundzwanzigsten. Feiern konnte man eigentlich nicht sagen. bekannten Ereigniß ernst und verschlossen und auch heute erfüllte sie ihre gewohnten Pflichten still und gleichgültig, ohne im Geringsten eine Feststimmung zu zeigen. f Papa Höllriegel trat jetzt aus dem Wohnzimmer, das durch eine Glasthür mit dem Bäckerladen verbunden war, ein Bouquet in der Hand haltend auf Marien zu und gratulierte ihr mit ein paar herzlichen Worten. Sie dankte ruhig und gemessen. Marie, heute bist Du fünfundzwanzig,“ fuhr der Papa mit Humor fort,„die Jugend kann Dich vom Heirathen nicht abhalten. Wirst Du mir auch in diesem Jahr nicht meinen Lieblingswunsch erfüllen und mir einen Schwiegersohn in's Haus bringen, einen tüchtigen, jungen Bäcker? Sieh, ich möchte dem Schwiegersohn mein Geschäft übergeben und mich endlich zur Ruhe setzen.“ „Vater! Ich habe von Dir nie verlangt, daß Du meinen Herzenswunsch erfüllen sollst, Du weißt, was ich meine. Ich werde Dir Dein Geschäft zu erleichtern suchen, so gut ich kann; aber verlange auch Du nicht das Unmögliche von mir, mach' mich nicht noch elender, als ich schon bin,“ antwortete das Mädchen. Ihre Augen füllten sich mit Thränen, vor denen der Alte stets respekt⸗ voll den Rückzug antrat, auch heute retirirte er wieder in das Wohnzimmer, rief ihr jedoch die Worte zu:„Und ich sage Dir, Du heirathest doch noch einen Bäcker!“ „Nie!“ rief Marie ihm nach. Der Alte ging drin im Wohnzimmer auf und ab und pfiff — Ihre Liebe und ihr Herzensglück war einer Marie war seit dem ein Lieblingsstück, den Dessauer Marsch. Seit er vor eini en ö 0 8 9 Tagen einen Brief von seinem Bruder erhalten, war er in bester 9 9 5 7 7 aune. 8 eine Photographie hervorgezogen, die sie innig küßte,— wir kennen den schönen Kopf. Eine Rose aus dem Bouquet legte sie auf das Bild neben sich, nahm wieder ihre Näharbeit zur Hand und seufzte tief auf. 3 5 „Gott grüßt das Handwerk!“ mit diesem Spruch der zugereisten Gesellen trat ein hübscher Mann in den Laden, sauber aber einfach gekleidet, den Stock in der Hand, das Ränzel auf dem Rücken. Marie zuckte bei dem Ton der Stimme in wendete sich um. Ein Schrei der Freude ertönte:„Pepi, mein Pepi!“ Jetzt lag sie in den Armen des stattlichen Gesellen. Papa Höllriegel, weniger überrascht, Willst Du meinen Lieblingswunsch endlich erfüllen und den jungen Bäckergesellen- da mir als Schwiegersohn in's Haus bringen?“ fragte er lächelnd. „Vater! herzlieber Vater!“ war Alles, was die freudig Er⸗ regte hervorbrachte, indem sie sich von Pepi losriß, ihren Vater umarmte und ihm ein Dutzend Küss der Alte lange schwer entbehrt hatte. a Es wurde wieder Frühling in ihrem Herzen,— und sie hatte kurz vorher geglaubt, der Winter wäre schon angebrochen.— Zehn weitere Jahre waren ins Land gezogen. Freund Pfeiffer, der jetzt eine ehrenvolle Stellung an einer großen königlichen Bühne einnahm, kam auf einer Ferienreise durch die kleine Residenz A. Er erinnerte sich seines Schützlings, des schönen Pepi und beschloß, ihn zu besuchen. 8 An dem wohlbekannten Hause prangte ein anderes Schild. Die g beiden heraldischen Thiere, das herzogliche Wappen haltend, waren geblieben, darunter aber stand jetzt: b Herzogliche Hofbäckerei von Joseph Christl(früher Höllriegel). Die Freude des Ehepaars war groß und aufrichtig, als sie dem Mitbegründer ihres Glückes die Hand schütteln konnte. Und glück- lich waren sie, die Christl's, das sah man auf den ersten Blick. Der wackere Papa Höllriegel hatte vor drei Jahren das Zeitliche gesegnet; er konnte das Bewußtsein mit sich nehmen, daß sein gutes Herz ihm keinen dummen Streich gespielt, sondern im Gegentheil, das Glück seines geliebten Kindes dauernd begründet hatte. Er starb auch leicht. „Nun Pepi, die Nase sieht ja wieder ganz reputirlich aus,“ sich zusammen und a trat jetzt aus der, Glas⸗ thür, die Gruppe wohlgefällig betrachtend.„Na, Marie, wie ists? Marie hatte sich im Laden wieder an ihr Tischchen gesetzt und f e hintereinander versetzte, die scherzte Pfeiffer,„wenn auch nicht gerade streng römisch, doch auch nicht böhmisch.“ „Nicht wahr, Mann?“ fragte Frau Christl halb im Scherz, halb im Ernst. „Der schönste Bäckermeister, den ich je gesehen,“ antwortete Pfeiffer ganz ernsthaft.„Wie viel kleine Christl's kann man denn zur Zeit begrüßen?“ „Sechs!“ erwiderte Frau Christl halb verlegen. „Das heißt, es wären acht, aber zwei sind gestorben,“ fiel Herr Christl ein, ohne den kleinen Stoß seiner Frau zu beachten. Eben kamen die größeren drei Knaben und ein Mädchen von der Schule heim und begrüßten etwas verlegen den fremden Gast. „Ah! Wirklich hübsche Kinder, ohne Schmeichelei!“ rief Pfeiffer bei ihrem Anblick der erfreuten Mutter zu.„Na, und wie ist's, Pepi, soll keines von ihnen sich der Kunst widmen?“ „Um Gottes Willen, nein, nur nichts davon!“ energisch aus. „Warum denn nicht?“ fragte Pfeiffer. „Ich fürchte, sie haben mein Talent geerbt!“ Lose Blätter. Julius Hermann v. Kirchmann. politischen Veteranen, welche in dem ersten Menschenalter der preußischen en sgeschichte kämpfend und leidend die Sache des Volkes aufrecht erhalten Ein ebenso bedeutender Jurist wie Philosoph, bewahrte er sich auf den geistigen Höhen der modernen Bildung ein tiefes Verständniß für die Herr Pfeiffer, Pepi ist immer noch ein hübscher aben, steht mit in erster Reihe Julius Hermann v. Kirchmann. rief Pepi (Mit Illustration.) Unter den 1 — A 3 * A., 2 8 2 2 1 u: 7 1 Schmerzen und Leiden des Volkes; um als Fürsprecher der Armen und 1 e a G 95 W-. 5 r 1 1 1 1 8 ö 1 1 9 . 1 91 n 7 1 1 b 1 E 8 1 te 2 * . 4 le . 0 . *. *7 8 1 en „ m ck. ck. he tes il, Er ite m fel . von ast. fer 15, ei den chen feht aun. dell die* 1 Elenden auftreten zu können, war ihm kein Opfer zu groß, gab er mehr als einmal willig seine eigene Existenz preis. Krchmann war am 5. November 1802 in Schafstedt bei Merseburg geboren; er studirte seit 1820 erst in Leipzig, dann in Halle die Rechte. Nachdem er als Auskultator und Referendar bei den Gerichten in Magde— burg gewirkt hatte, wurde er 1829 Assessor am Oberlandesgericht in Naum⸗ burg, 1834 Kriminalrichter und Kreisjustizratb in Halle, 1835, Direktor des Land⸗ und Stadtgerichts in Querfurt und 1840 in Torgau. Bei der Ein⸗ führung des mündlichen Strafverfahrens wurde er 1846 zum ersten Staats⸗ anwalt bei dem Kriminalgericht von Berlin ernannt. In dieser Stellung lenkte Kirchmann zuerst die allgemeine Aufmerk⸗ samkeit auf sich. In wahrhaft idealer Weise verwaltete er sein schwieriges und verantwortliches Amt; ein ernster und strenger Denker, arbeitete er sich in die Seele der Angeklagten hinein, hob nicht nur hervor, was sie belastete, sondern auch, was sie entlastete, war unermüdlich, jeden Widerspruch klarzulegen, den er zwischen Gesetz und Recht entdeckte Gezwungen durch das Gesetz, einen Strafantrag zu stellen, rechtfertigte er in einem Falle das moralische Recht des Angeklagten so glänzend, daß derselbe ihm mit Thränen der dankbaren Rührung die Hand küßte. Diese Gewissenhaftigkeit und Unparteilichkeit machten den Namen Kirch⸗ maun's in den weitesten Kreisen des Volkes beliebt und er wurde im April 1848 von einem Berliner Wahlkreise in die Nationalversammlung gewählt. Hier schloß er sich dem linken Centrum an. Aber selbst dem liberalen Ministerium Camphausen⸗Auerswald war dieser Staatsanwalt zu— liberal. Namentlich als er auf die vielseitigsten Anforderungen, gegen die freisinnige Presse einzuschreiten, mit einer öffentlichen Bekanntmachung autwortete, in welcher er ausführte, nachdem einmal die Preßfreiheit gewährleistet sei, könne dem Ansinnen, gegen die Zeitungen einzuschreiten, durchaus keine Folge gegeben werden, insofern die Tagesblätter nicht unmittelbar zu An⸗ griffen auf Personen oder zur Verletzung des Eigenthums aufforderten. heoretische Untersuchungen der Journale, möchten sie auch in der Erörterung der Regierungsformen oder der Eigenthumsrechte noch so weit gehen, seien der Autorität des Staatsauwaltes entzogen. Gegen die Erzeugnisse des Geistes, selbst die böswilligsten, gebe es keine andere Waffe, als die des Geistes.„Gegen die Unwahrheit giebt es nur ein Mittel, nämlich sie zu widerlegen... Aufrührerischen Theorien wird der gesunde Volkssinn stets widerstehen... Wer Preßfreiheit will, muß auch ihre Mißbräuche zu er⸗ tragen wissen.“ Ein Mann von so freimüthigen und gesunden Ansichten schien selbst dem Ministerium Auerswald⸗Camphausen sowohl als Staatsanwalt, wie als Abgeordneter unerträglich; er hörte auf, das eine wie das andere zu sein, indem er als Vizepräsident an das Oberlandesgericht in Ratibor be⸗ fördert wurde. Indessen wenigstens sein Mandat gewann er schnell wieder; schon im Juli 1848 fandte ihn der Kreis Tilsit in die Nationalversammlung zurück. Der Gang der Dinge führte ihn mehr und mehr der Linken zu; bei der Steuerverweigerungsvorlage war er Berichterstatter und seit dieser Zeit blieb er einer der Bestgehetzten der Reaktion, welche ihre Wuth ja mit besonderem Nachdruck gegen die hervorragenden Justizbeamten der libe— ralen Seite, wie Waldeck, Temme ꝛc. richtete Bereits im Fahre 1850 erlitt Kirchmann eine dreimonatliche Suspension von seinem Amte, weil er die Untersuchung gegen den Grafen Reichenbach wegen dessen Theilnahme am Stuttgarter Rumpfparlament abgelehnt hatte. Da man aber keinen auch nur halbwegs triftigen Vorwand finden konnte, ihn aus seinem Amte zu entfernen, quälte man ihn so lange durch klein⸗ liche Chikanen, bis er 1853 um einen fünfjährigen Urlaub einkam, der ihm 1858 auf weitere fünf Jahre verlängert wurde. Kirchmann wandte sich hierauf nach Dresden, kaufte sich in der Nähe desselben ein kleines Gut und widmete sich landwirthschaftlichen Arbeiten, sowie philosophischen Studien. Im Jahre 1861 wählte ihn Breslau ins preußische Abgeord⸗ netenhaus, in welchem er sich fortan als hervorragendes Mitglied der Fortschrittspartei an allen bedeutenden Verhandlungen rege betheiligte. In sein Amt trat er 1863 zurück, aber der Haß der Reaktion war durch zehn Jahre nicht gebüßt. Sofort begannen neue Chikanen, bis Kirchmann 1867 wegen eines im Berliner Arbeiterperein gehaltenen Vortrags über die Be⸗ völkerungslehre dex englischen Nationalökonomie, insbesondere John Stuart Mills, dieziplinarisch angeklagt und ohne Pension seines Amtes entsetzt wurde. Ueber die Ungeheuerlichkeiten dieses Disziplinarverfahrens können wir hier nicht eingehender berichten; es genügt zu sagen, daß es zwar glück⸗ licher Weise nicht zu den tragischsten, aber wohl zu den groteskesten Aus⸗ brüchen reaktionärer Verfolgungssucht zählt. 5 5 Kirchmann ging mit der lächelnden Verachtung des Weisen über diese Verfolgung hinweg; er widmete den glücklichen und heiteren Abend seines reichen Lebens theils parlamentarischen, theils philosophischen Arbeiten. Am 20. Oktober 1884 endete er bei hohem Alter sein wohlverbrachtes Lebens- werk. Wer zur Freiheit und zum Volke steht, bewahrt dem geistvollen und liebenswürdigen Menschen, dem charaktervollen und uneigennützigen Politiker, dem tiefen und vielseitigen Gelehrten ein dauerndes und ehrenvolles Andenken. Mg. Die Rache Palamedo's. Im Jahre 1703 wurde der Sproß einer aus— gezeichneten spanischen Familie, der sich durch Muth und Tapferkeit selber ausgezeichnet hatte, Don Ramiro d' Aguilar, zum Gouverneur von Potosi ernannt. Zu diesem Posten fehlte dem strengen Soldaten eins, Kenntniß des Landes und seiner Bewohner. Sehr bald bemerkte er, wie die Disziplin gesunken sei, und er beschloß, dieselbe wieder herzustellen. So erließ er das Verbot, die Soldaten sollten sich das Gepäck nicht durch Indianer nach— tragen lassen, zweihundert Ruthenstreiche hätte der zu erwarten, der gegen seinen Befehl handele. Dennoch geschah dies, und er überraschte einen zweiundzwanzigjährigen Sergeanten von ungewöhnlich kräftigem Körper, dem bei einein Nachtmarsche zwei Indianer seine Waffen und sein Gepäck trugen. Don Ramiro ließ ihn verhaften, und der Büttel wurde unterrichtet, nach zwei Tagen die Strafe auszuführen. Als der junge Mann, Palamedo mit Namen, den Ernst sah, flehte er um Schonung; aber Aguilar wollte ein Beispiel hinstellen, und umsonst wurde er selbst von Offizieren bestürmt, Milde walten zu lassen. Vergebens stellte man ihm vor, daß Palamedo aus einer wohlhabenden Familie stamme und es eigentlich nicht nöthig habe, das Waffenhandwerk zu treiben. Diese Vorstellung bestärkte den Gouverneur nur in seiner Strenge: die Strafe wurde vollzogen. Am folgenden Tage war Palamedo aus Potosie entwichen; man erzählte jedoch dem Gouverneur, daß jener ihm Rache geschworen. So lange Don Ramiro die Macht in Potosi besaß, börte man von dem Andern nichts, kaum jedoch wurde er von seinem Posten entbunden(1710), so fanden sich Spuren des Gepeitschten in der Nähe Aguilar's, die diesen ungemein beunruhigten. Er reiste nach Los Reyes. Kaum angekommen, sah er Palamedo. Er ging nach Guito, sein Ziel ängstlich verbergend(Guito liegt von Los Reyes 400 Stunden Weges); nach zwei Wochen war Palamedo in Guito. Don Ramiro wurde von Angst befallen, er floh nach Cusco. Auch dahin folgte ihm der Ge⸗ stäupte. Aguilar fühlte sich mit Degen und Dolch nicht mehr sicher, er legte sich ein Panzerhemde an und verschanzte förmlich sein Haus. Wenn er ausging, folgten ihm drei bis an die Zähne bewaffnete Diener. So vergingen vier Wochen, da berichteten Ramiro's Spione, Palamedo habe Cusco verlassen. Jener athmete auf. Zwei Tage darauf ging er in seinem Garten spazieren. In einem abgelegenen Theile desselben stieß er plötzlich auf seinen Feind, der sich auf ihn stürzte und ihn zu Boden warf, ehe der Ueberfallene sich seiner Waffen bedienen konnte. Aguilar wußte, daß er auf kein Erbarmen rechnen konnte, somit bat er nicht um sein Leben, sondern rief um Hülfe. Da erwürgte ihn Palamedo. So trafen ihn die herbei⸗ eilenden Diener, die ihn überwältigten und ihm dem Gericht übergaben. Vor demselben äußerte er:„Ich häkte mich retten können; aber es liegt mir an meinem Leben nichts mehr. Dasselbe hatte für den Gestäupten und Entehrten nur Werth, um die Rache zu vollenden. Das ist geschehen.“ Das Urtheil lautete auf Tod, dem er lächelnd entgegenging. W. G. Zwei Trinker. Zur Zeit Friedrichs III. von Dänemark war das Zu⸗ trinken allgemeine Hofsitte, der sich Jeder fügte. Trunk Fremden gebracht, die oft nicht mehr stehen konnten, wenn die Tafel aufgehoben wurde. Auch an dem polnischen Magnaten Boguslav Sternitzki, Woywode von Ploczk, hatten sich die dänischen Herren gerieben; aber es war Keiner zu finden, der es mit den Sarmaten hätte aushalten können. Vergebens wurde das ganze Heer durchforscht, ob unter den Offizieren einer wäre, der es mit diesem Wein⸗Herkules aufnähme. So Viele kampfmuthig in die Schranken sprengten, Jeder hatte bisher hinausgetragen werden müssen.„Das ist eine Schande für Dänemark, wenn dieser Pole Sieger bleibt!“ rief der König. Man wandte nun die Augen auf das Volk und entdeckte einen Schmied, dessen Name uns leider nicht aufbewahrt ist, der aber ein gewaltiger Trinker war. Der wurde nun in Hoftracht gesteckt und mit der Sitte vertraut gemacht, zu der nur die beiden französischen Worte:„à Vous“ nöthig waren. Der Abend kam, der Schmied war neben den Polen gesetzt.„& Vous!“ rief Sternitzki und leerte seinen Pokal, der eine Flasche Wein enthielt.„A Vous!e antwortete der Schmied und kam dem Andern nach. Bald hatte Jeder sechs Flaschen geleert, da wurde dem Dänen dieses Zutrinken zu langweilig. Er deutete auf einen Kübel, in dem man vier Flaschen kühlte, und befahl, ihn mit Rheinwein zu füllen. Er setzte das Gefäß an und trank es aus.„Noch einmal,“ kommandirte er. Es geschah, und er reichte den Kühler dem Woywoden:„A Vous!“ Bo⸗ guslav setzte gleichfalls an und zog und zog— aber die Bowle war zu groß. Mit einem Seufzer sank er auf seinen Stuhl und dann unter den Tisch. Am folgenden Tage verließ er beschämt Kopenhagen. W. G. Die Verwandtschaft. Um die Geburt des schwedischen Kronprinzen, des späteren Königs Gustav IV. Adolf, zu feiern, ließ der Gesandte am Kopen⸗ hagener Hofe, Sprengborten, dem dänischen Volke einen riesigen Ochsen braten. der dann durch die Straßen gefahren wurde. Um sich den Zusammenlauf in Ruhe anzusehen, hatten sich zwei junge Kaufleute in einen Wagen gesetzt, der dem gebratenen Rindvieh dicht folgte. Hin und wieder mußte der Zug der Menschenmenge wegen halten. In solch einer Pause sprang ein Ma⸗ trose auf den Wagentritt und rief:„Wie nahe seid Ihr mit dem Todten verwandt? Es muß sehr nahe sein, da Ihr das erste Gefolge bildet.“ W. G. „Eine gute Schule und eine richtig gehende Uhr,“ pflegte Karl V. zu sagen,„sind die Zeichen einer guten Polizei in einer Stadt. Die Schule leitet zun Ordnung an, und eine richtige Uhr erhält in derselben.“ . Der englische Dichter Dryden speiste mit dem Herzoge von Buckingham, dem Lord Rochester, dem Grafen Dorset und noch anderen vornehmen Herren. Nach einigen flüchtigen Debatten kam man auf die Schreibweisen, und Jeder wollte den besten Stil schreiben.„Wir wollen uns sogleich ver⸗ suchen,“ bemerkte Dorset,„und Dryden wird der Preisrichter sein.“ Dieser nahm auch das Ebrenamt an und Jeder schrieb einen Satz, den er mit feinem Namen unterzeichnet in eine Schale legte. Als nun Dryden die Zettel durchflog, erklärte er, daß er Vieles 3 8 09 das der höchsten Aus⸗ zeichnung werth wäre, aber die Schrift Dorset's sei nach seiner Meinung das Vorzüglichste von Allem, was vor ihm liege. Mit den Worten stockte er das Papier in die Tasche.„Und was steht auf dem Zettel?“ riefen Buckingham und Rochester wie aus einem Munde.—„O, die Quintessenz aller Gelehrsamkeit. Hören Sie: „Ich verspreche, an John Dryden oder dessen Ordre die Summe von 500 Pfund Sterling auszuzahlen. Dorset.“ W. G. Vorzüglich wurde der und 0 C O 8 e, „ 1. 1 . 8 3 1 — 96= 3. 8 Problem Nr. 377, Rösselsprung. J. von G. N in Bodenbach. warz und end⸗ 10 letz- lich letz— se ju⸗. 1... 5 letz- ten end⸗ te ro⸗ gend kommt das 1 1, 1 8, 7 lich leid ich kuß das fühl der giebsttf,. e e. 5 1 8. 2 2 55 173* 1 ei ie e i a 1 0 er 4 4 e. 5 2. 5 ben schei⸗ an mir wohl wie gen⸗ giebst* N 0 4 0. 4 1 5 a N. 2.. 4 fest nem häng' und g ban⸗] Du letz- lich.* 110 4 3 f ö den inn in gier daß kuß lich det,. 2* 2 N , A, 1 N mund ich muß noch 15 be⸗ end⸗ te.. 1 5— 1 N 7 N * 7 8 N e ** h (Schluß folgt) 19 5 Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. 1 Citaten-Räthsel. 1 15 Aus jedem der folgenden 10 Citate ist ein Wort zu wählen. Die zehn 927 0 in St. Louis am 3. Februar d. J. als sechste des Wettlampfes. 1 erhaltenen Wörter bilden ein Citat aus einer Schiller'schen Tragödie. Weiß: W. Steinitz. Schwarz: J. H. Zukertort. 43 1. Das eben ist der Fluch der bösen That, 9 2 e e es 38) Lb 2—16 Seb—g5 5 Daß sie, fortzeugend, Böses muß gebären. 2) Sel—13 Sbe 66 30% V6 85.4 K 6-85 14* 2. An der Quelle saß der Knabe) LI bs Ses 16 40) Res L665 1 Blumen wand er sich zum Kranz. 90 1118 Sie et: 4% Sb 5.—d4 1 3. Du bist Don Manuels Mutter und Don Cesars? 14 5 Set—de 42) Stief Kg6 16 5 4. Wo Alles liebt, kann Carl allein nicht hassen. 60) Sts eb: Seh es: 4 83 da:„ ee 1 8 5. Zur Grausamkeit zwingt bloße Liebe mich; 4 el eaf 18 49 Seb—eß Ft 65 4 Schlimm fängt es an und Schlimmres nahet sich. 8) 8b1—463) 9 4% Se5—be: Ke5—14* 6. Das Spiel des Lebens sieht sich heiter an, 10 Ebs—ds Le7—16 40) Sbz—25 16516. Wenn man den sichern Schatz im Busen trägt; 0) Tees g 86 40 Sas—45 Kk!—es 1 7. Mir wird von alle dem so dumm, n) pe bs e i 1 44 Als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum. 120 P4118 Eo—g5 40) N kde—ez: 1 8. Da unten aber ist's fürchterlich, 13) Tes—esf Sd 28 50) a2 at K 2 d3: a Und der Mensch versuche die Götter nicht.— 15 Lei—b2 e. ee 51) Ses bar Kal—e2 1 9. Mein ist der Helm, und mir gehört er zu; 10 1995 6 53 11 Ke 1 1 10. Früh übt sich, was ein Meister werden will. 10 Des da 17—16 54) 85 ef:. I n 18) Se4—g3 Les-es 55) Se7- di aufgegeben. 43 8 19) Tal—el Ses g7 Stellung nach dem 28. Zuge von Schwarz. 1 .; 20) he-—h4 DdS d Schwarz. 1 13 Magisches Quadrat. 1 3 1 Le6-f7 7 0 5 Die nachfolgenden Buchstaben: 22) 190 1 14188, e 1*. 1 2 Kees. 0 g DE u, e 118 0 r, 1 1 1 Ses 18 1 19 2 * 1 1 f 27 3155) Lei eõ, e, ö = u e e eee . 20 e Tes.—6s; N. 252 . 6 Ks 1 e 19 75„ sind so zu ordnen, daß sie von links nach rechts und von oben nach unten 30) d2—d3 Sts— eb gelesen, in den korrespondirenden Reihen gleiche Wörter ergeben und zwar: 35 1 1 5 7 1. Stadt in der Schweiz. 360 816 9155 1 1 15 1 3 2. Ein Säugethier. 37 Kf2—g2 62 05. 3. Name eines römischen Kaisers. 8 0 Weiß. 5 5 4. Ein Insekt. 1) In der vierten Partie spielte Steinitz hier Li; durch den Zug im Texte gewinnt der 1 Angriff von Weiß an Stärke. 1 2) Den Läufer zu nehmen wäre falsch wegen 9) S8d5! 3) Daß Schwarz sich nicht erlauben durfte, den Bauern d zu schlagen, i wohl an⸗ Aufl. des Silben ⸗R 1 N N F 41 5 al Weiß dot z. 85 1 5 e 125 10 8 e 17 555 ed, 98 uflösung des Silben-Räthsels in voriger Nummer: in Fr 6 folgt! 5 16 Les[Weiß drobte Qualitätsgewinn dur 1 1 061 0 — der Bigadleiter 5 190 er. 2 Erde. 3. 9 4. eee Sté: 19) Lie: Ddé 20) Les Lea: 21) bie Tes 22) g und Weiß gewinnt einen Offizier; 44 0 N b enisei. oder 15).. ber 160 Sds bis unf Dag oder de folgt drt 2 1 Ss Stö 16) Bier un N 5. Alpenrose. 6. Menzel. 7. Istib. 8. Nerva. 9. Florenz. 10. Ressort. Matt im nächsten Zuge; oder 15) O6 16) Dez Las] 17) Desf Kg7 18) Leg: Dog: 19) Dfif 11. Ashanti. 12. Nickel. 13. Kaub. 14. Lasur. 15. Ilse. 16. Neuseeland; hs 2 Tdi und gewinnt: oder 18): Ss eder a6 16 Sai 8. 0 — des Räthsels: Medaille;— der vierstlbigen Charade: Schadenfreude; Spie de Valeim de, se ae e ene des de dee 1 — der Königspromenade: 5) 38 5 0 hätte 1 sich wit nat 1 eee. 44 i jebe! 6) In der Partie folgten hier zwei Mal nacheinander die Züge Ste un 85 Kind der Liebe! Hochgenuß! Kei, so daß die Stellung nach dem 32. Zuge wieder dieselbe war(siehe Diagramm) und sage mir, du süßer Kuß, die Partie erst im 59. Zuge von Schwarz aufgegeben wurde. Warum so eilig du entfliehst 7) Der ganze Abtausch war wie leicht ersichtlich, erzwungen. Weiß gewinnt nun einen Dem Augenblick, der dich genießt! Bauern, der jedoch mit dem Springer genommen werden muß, weil auf 32) Lf6 hi—h5 ein Ofstzier verloren wäre. 8) hi5 hätte zur Folge gehabt 33) g4 h4 34) Kg zc. Doch geh! was seufz' ich? da entzückt 9) Gegen 44— da genügte offenbar 54) Sta 55) Sd. und einen der Bauern as oder M. Nl 0 g4 geht zur Dame, überhaupt war nach Abtausch des Springers im 39. Zuge die letzte nd, der rc zlht e e eee ee 5 5 1„ Bei der Fortsetzung des Wettkampfes in New⸗Orleans wurde die erste Partie remis, 4 Noch tausend solcher Küsse sieht! zwei feigen en 7 Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt⸗Ges in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowftr. 105.