9 zu den Oberhessischen Machrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden Ur. 8. Gießen, den 21. Februar. 1886. Sein bester Freund. ö Novelle von Karl Wartenburg. (Fortsetzung.) Meine gleichzültige Miene, die Behaglichkeit, mit welcher ich Ja sagen. Ein so guter Kaufmann er ist, so wenig wahres Selbst— mein Glas austrank, schienen ihn nicht ganz zu beruhigen. Er hielt gefühl hat er dem Adel gegenüber und es befriedigt seinen Stolz, es für Maske. wenn seine Tochter Baronin wird. Iduna selbst aber? Als Du 5„Wie soll es ihr gehen,“ antwortete er.„Gut, wie solchen vor Jahr und Tag Dich ihr nahtest, war Deine Sonne im Auf⸗ Naturen immer, so lange der Himmel voller Baßgeigen hängt. steigen. Du warst ein vielgesuchter Anwalt, ein populärer Abge— Sie gehört zu den Mädchen, die einen Dutzendmenschen heirathen ordneter, Dein Name in Aller Munde. Es schmeichelte ihrer Eitel— müssen, einen Kerl, der sich um nichts in der Welt kümmert, als keit, die Braut eines so gefeierten Mannes zu sein. Vielleicht sahen um s Geld verdienen, um damit ein großes Haus zu machen. Höchstens ihre Eltern Dich schon als zukünftigen Minister oder Geheimen muß er noch so viel verstehen, um einen Titel zu ergattern. Aber Hofrath. Und schließlich, Walter, warst Du ein interessanter Mann, für einen Mann wie Du, der noch an etwas darüber hinaus denkt, der wohl auch ein klügeres Persönchen als diese kleine Kokette hätte der nicht die traurige Sucht nach Geld und Titel und Würden, gewinnen können. Jetzt ist Alles anders geworden. Der Herr sondern Ideen im Kopfe hat, für einen Mann von Geist und Herz, Adjutant ist die aufsteigende Sonne.“ da paßt ein Mädchen von dem Schlage der Iduna nicht. Auf⸗ Der Postmeister erhob sich und ging zum Ofen, in welchen er gewachsen in behaglichem Wohlleben und in engen und engherzigen ein paar Scheite Holz legte, denn die Nacht war kalt. Da trieb Anschauungen, nur für ihre eigene, unbedeutende Person schwärmend, der Wind ein schlecht verriegeltes Fenster auf und jagte ein paar von ihren Eltern verhätschelt, hat sie kein Verständniß für eine abgerissene Musiktöne herein in unser kleines Zimmer.„Es ist 0 stolze, freie Männerseele. Wenn diese Art in ihrer Mädchenzeit ihr heute Ball im Casino zur Feier des Geburtstages des Prinzen 1 halb Dutzend Courmacher auf den Casinobällen hat, als die Erste Woldemar,“ sagte der Postmeister, den Fensterflügel rasch schließend. und Schoͤnste gefeiert wird, später als Frau ihre Gesellschaften und Die ganze gute Gesellschaft ist dort und wenn wir eine Tarnkappe Diners geben, in Konzerte und in's Theater und im Sommer in's hätten, so würden wir Fräulein Iduna und den Herrn Adjutanten g I Bad gehen und endlich als fromme Matrone Sonntags in die Kirche zusammen einen Walzer wirbeln sehen.“ 5 5 8 e einen? N 5 5 5. e e. Der Postmeister brachte noch eine Flasche alten Steinberger Ich merkte, wo er hinaus wollte. Der Postmeister glaubte, daß Gabi der Bruch mit mei früh Verlobt 10. ck Cabinet. 15llt 5 0 5 e 1 11 1 60 1 1 1 öfen.„Wer weiß, wann wir wieder einen so guten Tropfen zusammen⸗ 0 e 0 c 5 9 J„ N E ö 8 2 5 wollte mich durch eine mog ichst grelle Charakterschilderung trösten. trinken, Bruderherz,“ sagte er,„das deutsche Vaterland soll leben!“ Ich bedurfte dieses Trostes nicht. In der Hauptsache mochte er und die Gläser klirrten hell zusaumen. So saßen wir und tranken und plauderten, die trübe Gegenwart und die dunkle Zukunft ver⸗ gessend, von dem kurzen schönen Völkerfrühling und was wir in ihm .——— 0 aber mit seiner Schilderung Recht haben. Freilich hatte ich mir früher auch gesagt, daß die Seele eines jungen Mädchens weich wie 8 a b N Wachs sei und der Mann ein Schwächling, der sie nicht umformen geträumt und gehofft hatten. . könne. Aber das war nun vorüber. i f. Da krähte hinten im Posthof der Hahn. 1„Du kannst unbesorgt sein, Postmeister,“ beruhigte ich ihn. 5 ift Zeit zu Sc afengeh Walte A age der. 4„Diese Schmerzen habe ich überwunden. Es ist wahr, es gab eine 9 35 11 57 1 7 ne 0 5 115 A 5 8 den 9 a „ Zeit, in der ich leidenschaftlich verliebt in das Mädchen war, aber 1 0 110 e 9 5 1 15 5 1 1 1 ich spreche jetzt mit dem Apostel Paulus: Freien ist gut, aber nicht te 1 115 90 0 1 15 105 8 afen, denn heute wirst Du — I freien noch besser. Doch schriebst Du mir nicht, daß der neue feste,. e ee 8 n 8 u Adjutant des Herzogs Iduna umschwärme; ja, daß man schon von„Wir tranken noch einmal, auf frohes Wiedersehen im geeinigten 1 der Verlobung Beider spreche?“ freien Vaterlande. Die Gläser klirrten aneinander und— wir 5— 114 Er nickte, einen Schluck Wein nehmend. mochten zu stark angestoßen haben— das des Postmeisters zerbrach. *„Es ist der innigste Wunsch der Frau Kommerzienräthin, Idung Der Postmeister wurde blaß. 4* als Frau Baronin zu sehen. Wenn die Alte nur nicht darüber 5„Ein Zeichen der Götter,“ sagte er ernst,„dieses Wiedersehen h verrückt wird.“ findet nicht statt.“ 5.„Und der Vater und Iduna selbst?“ fragte ich. Ich suchte seine trübe Ahnung vergebens wegzuscherzen. 10„Der Vater ist etwas zurückhaltender. Der Herr Baron ist ihm 8„Laß es gut sein, Walter,“ tröstete er sich endlich mit einem 1 ein zu großer Bruder Luft. Er besitzt ihm zu viel Talent, das resignirten Lächeln,„deshalb braucht Gevatter Tod noch lange nicht 0 0 Geld unter die Leute zu bringen. Indessen— zuletzt wird er doch anzuklopfen. Wie die Sachen heute stehen, muß man schon alt wie & FP 5. 2 2 7 TT...* N rr ⁵5ÜW ³—T— Md 0 8 .. Methusalem werden, um ein einiges freies Und nun gute Nacht, Walter.“ Vaterland zu erleben. Am anderen Abend schlich ich mich auf Feldwegen nach der eine halbe Stunde von der Stadt gelegenen Domäne zu meinem Vater. Es war ein rauher Oktoberabend. Der Herbstwind wirbelte das welke Laub der Bäume auf und trieb es raschelnd über die Wiesen. Graue Nebel stiegen empor. Dunkles Regengewölk stand über den Wäldern. Zwischen mir und dem Postmeister war verab⸗ redet, daß er mich mit einem Wagen an einer Waldlichtung er⸗ warten sollte. Jetzt sah ich die Lichter des Amtshofes mir entgegen— schimmern. Ich schlug einen Weg ein, der mich durch eine Hinter⸗ thür in den Garten des Gutes fuhrte. Mir lag daran, den Dienst— leuten nicht zu begegnen, von denen mich Einige genau kannten. Ich hatte Glück. Die Thür war nur angelehnt. Mit immer lang⸗ samerem Schritte ging ich durch den Gakten auf das Wohngebäude zu. Es war dunkel, aber ich kannte in dem Garten jeden Winkel. Dort in jener Ecke am Zaune lag eine Grube, in welcher während des Winters unter einer Erdschicht Sellerie, Meerrettig, Möhren, Krautköpfe aufbewahrt wurden. Im Sommer war sie für uns Knaben die Höhle Robinsons. Das kleine verfallene Gartenhaus drüben, von Jasmin umrankt und wildem Wein, hatten wir in ein historisches Gebäude verwandelt. Es war die Bastille gewesen, die wir unzählige Mal erstürmt hatten. Mein älterer Bruder war der Gouverneur des Gefängnisses, einige Quartaner seine Soldaten. Ich aber mit einer Rotte Dorfjungen erstürmte die Bastille und befreite die Gefangenen. Die Letzteren wurden, da sich Niemand dazu hergeben wollte, von ein paar Ziegenböcken des Amtshofes dar— gestellt. Nach ihrer Befreiung erhielten sie zur Stärkung ein paar Krautköpfe. i Einmal freilich hatte die Besatzung der Bastille den Spieß umgedreht, und das Volk von Paris wurde furchtbar durchgebläut, so daß meine Mutter außer sich gerieth, als sie bei der Sonnabends⸗ wäsche auf meinem elfjährigen Rücken die blauen und rothen Striemen entdeckte, die das Schwert des Gouverneurs darauf hinter⸗ lassen hatte. Ich blieb einen Augenblick an dem Gartenhäuschen stehen, mich der frohen Jugendzeit und der guten Mutter erinnernd. Je näher ich dem Amtshause gekommen war, desto beklommener wurde ich, desto mehr schlug mir das Herz. Wie würde der Vater mich auf— nehmen? Wenn ich ihn wenigstens nur allein traf! Was ich vor Allem fürchtete, war die Gegenwart meiner Geschwister. Vom Vater konnte ich Manches ertragen, von ihnen nicht. Doch ich nahm mir vor, mich zu beherrschen. Wenn meine Mutter noch lebte! sie war der gute, versöhnende Genius des Hauses. Ach, die Erde, dieses unersättliche Ungeheuer, das die Beute, die es um⸗ schließt, nie wieder herausgiebt, hatte sie zu früh verschlungen! Ich ermannte mich und schritt weiter. Da läuft ein dunkler Schatten über den Weg. Ich bleibe stehen, ein Thier springt an mich, leckt mir die Hände und ist außer sich vor Freude! Es war der schwarze Hund, dem ich einst das Leben gerettet. Ich streichelte ihn, ich erwiderta eine Liebkosungen. Ich nehme den freundlichen Willkommen des Thieres als eine gute Vorbedeutung Es eutstand eine drückende peinliche Stille. Weder meine Ge⸗ schwister, noch mein Schwager hatten bis jetzt ein Wort gesprochen, mein Vater starrte finster vor sich hin. Meine Schwester ergriff jetzt das Wort.. „Du hast Deine Familie mit Schande bedeckt,“ sagte sie heftig und hart,„wir müssen uns Deiner schämen. Ein Steckbrief ver— folgt Dich.“ 5 9 Ich erinnerte mich meines Vorsatzes und erwiderte so ruhig, als in meiner erregten Stimmung möglich: „Man hat schon bessere Männer als mich steckbrieflich verfolgt. Auch habe ich Euch keine Schande gemacht, weil ich für mein Vaterland gefochten habe.“ 5 „Warst Du nicht,“ fiel mein Schwager ein und fixirte mich scharf,„unter denen, welche den unglücklichen Fürsten Lichnowsky erschlugen?“ a „Schwager,“ unterbrach ich ihn, nur mühsam meinen Zorn zurückdämmend,„sprich nicht weiter.... Glaubst Du wirklich, daß ich ein feiger Mörder bin?“ Er schlug vor meinem Blick die Augen betreten nieder. 5. „Nein, nein, das hat der Walter nicht gethan,“ mischte sich jetzt wieder mein Vater ins Gespräch,„ein Mörder ist er nicht, aber ein Rebell bist Du, das frißt an meinem Herzen. Hinter den Barrikaden hast Du gestanden! Ein Kaiserreich wolltet Ihr aus Deutschland machen, vielleicht gar eine Republik! Unsern guädigsten Herrn den Herzog, dem ich Alles verdanke, wolltet Ihr seine Sou— veränetät nehmen. Sieh', Walter, das ist undenkbar schlecht von Dir, das kann ich Dir nicht vergeben. Vom Herzog habe ich diese Domäne gepachtet. Der Himmel hat mich gesegnet, ich habe gute Ernten gehabt. Ich habe mir etwas erworben, habe Dich studiren lassen können. Ich war eines armen Schullehrers Sohn, durch die Gnade unseres Herzogs bin ich zu Hab und Gut gekommen. Ich bin ein wohlhabender Mann geworden. Und gegen diesen gnädigen Herrn hast Du rebellirt!“„ 2 „Ein Wort, mein Vater,“ unterbrach ich ihn.„Diese Domäne war durch schlechte Wirthschaft heruntergekommen, als Du sie vor vierzig Jahren erhieltst. Du bast es uns oft erzählt, wie Du Dich hast plagen müssen mit der Mutter, um Feld und Wiesen wieder herzustellen, den Viehstand zu beben. Als Du sie bekamst, zahltest Du achthundert Thaler jährlichen Pacht, heute achttausend. n hast Dich für Deinen gnädigsten Herrn ehrlich geplagt, Vater. Es war Deine Arbeit, die Dir Deinen Wohlstand erworben hat, nicht die Gnade des Herzogs hat ihn Dir in den Schooß geworfen. Das beruht auf Gegenseitigkeit!“ 4 5 Ich sah, wie während meiner Rede die Stirn meines Vaters sich röthete, wie die Adern an den Schläfen anschwollen und das Blut bläulich durchschimmerte, wie seine Hände sich zusammenzogen.“ Aber ich fühlte, daß es in dieser Stunde klar zwischen mir und den Meinigen werden mußte. „Ja, ja, auf Gegenseitigkeit,“ stieß er heraus.„Das ist so ein modernes Stichwort von Euch Weltverbesserern. Aber daß es die Gnade meines Herrn war, die mir die Domäne gab, und daß i ihm dafür Treue schulde, daß er mein Landesherr ist, dessen Unter— thanen wir Alle sind, davon wollt Ihr nichts wissen! Dann sind 2 auf und gehe etwas beruhigter weiter. Jetzt stehe ich an der Thür zum Wohnhaus. Die Hausflur ist dunkel, aber ich steige rasch und leise die mir wohlbekannte Treppe hinan. Ich stehe vor dem Wohnzimmer. Ich klopfe an. Mein Vater ruft herein! Ich trete ein. Mein Vater, am Tische sitzend, war nicht allein. Mein Bruder, meine Schwester und mein Schwager waren bei ihm. An ihren ernsten und gerötheten Gesichtern, sowie an dem Blatt, welches auf dem Tische lag, erkannte ich sofort, daß die Rede von mir war. Das Blatt war der Eberhardtsche Polizei- Anzeiger. Mein unerwarteter Eintritt überraschte Alle. „Du, Du bist es, Walter!“ stieß mein Vater hervor. sorgniß, Aufregung, Zorn sprachen aus seinen Mienen. „Ja, Vater, ich bin hier, um Abschied zu nehmen von Di von Euch Allen,“ setzte ich hinzu. „Weißt Du nicht,“ fuhr er fort,„daß die Gerichte Dich ver— folgen.“ „Ich weiß es, Vater, aber kein Verräther kennt meinen Aufent— halt hier, ich bin nur gekommen, um Abschied von Dir zu nehmen, Be— haben.“ und in Deinem Hause werde ich doch keinen Angeber zu fürchten meine Knechte mir wohl auch keine Treue schuldig, und können thun und treiben, was sie wollen, wenn sie vom Feld heim kommen und das Vieh gefüttert haben.“ f „Wir sind nicht des Herzogs Knechte,“ entgegnete ich.„Wir sind die Bürger des Landes, mein Vater. Und wenn Deine Knechte ihre Pflicht der Arbeit erfüllt haben, dann können sie denken, thun und treiben, was sie wollen und ste verantworten können vor ihrem Gewissen und dem Gesetz. Oder meinst Du, daß ein Knecht für den Lohn, den er durch harte Arbeit sich verdient, seinem Herrn auch noch mit Leib und Seele unterthänig sein soll. O, so führt doch die Leibeigenschaft wieder ein, die dem Herrn das Recht giebt, den Leibeigenen selbst zu verkaufen. Nein, mein Vater, das sind Ansichten, die des Volkes Glück nicht fördern. Unser Deutschland ist kein Meierhof, sein Volk ist kein Haufen höriger Leute, wie es die armen Bauern im Mittelalter waren. Wir wollen freie Männer im freien Lande sein. Wir wollen ein einiges großes Vaterland mit einem Haupt. Dieses Haupt soll an der Spitze eines großen Volkes stehen, das frei im Innern, geachtet nach Außen ist. Dafür haben wir gekämpft. Ich kenne den Herzog nur flüchtig. Ich hasse ihn weder, noch liebe ich ihn. Es ist mir gleichgültig.“. n ee ee eke 2 2 . be hb ee ————— 5 seine Liebkosungen dulde. „Nun hab ich genug,“ hob mein Vater an, sich erhebend und auf mich zutretend,„genug des Unsinns, der Schwärmerei. Ich bin ein getreuer Diener meines Fürsten, was er will, muß jeder gute Unterthan wollen. Wer die Rechte unseres Herzogs schmälert, es mein eigenes Fleisch und Blut. Walter, Du bist mein Sohn. Ich war einst stolz auf Dich,“ die Stimme des alten Mannes zitterte,„ich will Alles vergeben und vergessen, ich will meinem gnädigsten Herrn zu Füßen fallen, ich will um Gnade für Dich bitten, daß der Steckbrief zurückgenommen wird, wenn Du Dich bekehrst und reumüthig Dein Unrecht gestehst.“ Er hatte bei den letzten Worten seine beiden Hände auf meine Schultern gelegt, und blickte mir tief erregt in die Augen. Eine schwere Stille trat ein. Die Blicke der Meinigen hingen an mir. In den Augen meines Schwagers blitzte schon der Triumph auf über meine Unterwerfung. Aber ich konnte nicht widerrufen. Gern hätte ich mein Leben hingegeben— aber widerrufen, einen Verrath an dem begehen, was ich für gut und recht erkannt hatte, das war mir unmöglich, ich hätte mich ja selbst verrathen müssen! „Vater, was Du verlangst ist unmöglich. Es ist eine Ehr— losigkeit,“ preßte ich hervor. „Ist das Dein letztes Wort, Walter?“ knirschte er. Der Zorn hatte ihn überwältigt. n Ich neigte stumm mein Haupt. Er streckte die Hand aus und wies nach der Thür. „Dann sind wir geschiedene Leute,“ stieß er rauh hervor,„für immer, ich habe nur noch einen Sohn,“ und er wandte sich zu Moritz. „Laß uns nicht so scheiden, Vater,“ bat ich,„ich gehe fort von hier, weit fort, über das Meer. Gieb mir Deine Hand, Vater, laß mich ziehen mit dem Bewußtsein, im Vaterlande noch Herzen zu haben, die sich meiner erinnern, eine Stätte, wo man meiner freundlich gedenkt.“ Mein Vater wendete sich mit kurzer, von mir. Ich bet die Hand meinen Geschwistern. Sie berührten sie nicht. Mein Schwager hustete und räusperte sich und kehrte sich gegen das Fenster. Da trat die alte Köchin ein. Sie war noch zu meiner Mutter Zeiten ins Haus gekommen. Sie sah mich nicht gleich. „Das Essen ist fertig, Herr Amtmann,“ sagte sie,„ich habe die Suppe auftragen lassen und den Karpfen angerichtet. Ach, Herr Gott, da ist ja der Herr Walter—“ die Alte nannte mich immer beim Vornamen—„ach, du lieber Gott, das ist schön, daß Sie wieder da sind, und zur Kirmeß gerade. Gelt, Sie haben das so eingerichtet?“ Und das gute alte Mädchen trat auf mich zu und schüttelte mir mit ihren braunen, mageren Händen die Rechte. Doch wie die Alte mir ins Gesicht sah, da merkte sie wohl, daß ich nicht zur Kirmeßfeier gekommen war. „Aber, du mein Herrgott,“ stammelte sie verlegen,„Sie sehen ja aus, als wäre eine Leiche im Haus.“ Mein Vater unterbrach sie. „Geh in die Küche, Sophie, laß das Geschwätz,“ sagte er schroff. Die Alte sah ihn verwundert an. Das war sonst nicht seine Art. Ich drückte ihr die Hand und stürmte hinaus, aus dem Zimmer, dessen Luft mich zu ersticken drohte, die Treppe hinab und ins Freie. Die Lichter des Amtshofes leuchteten mir nur noch schwach aus der Ferne entgegen, als ich mich noch einmal umwendete, um dem elterlichen Hause, den Spielplätzen meiner Jugend und dem kleinen Kirchdorf, in dessen Friedhof meine gute Mutter schlummerte, für immer ein Lebewohl zuzuwinken. ö Ich war ausgestoßen aus dem väterlichen Hause, losgelöst von dem heimathlichen Boden, ein Flüchtling, der im fernen Lande Schutz für seine Freiheit und Unterkommen suchte! Ein bitteres Weh, das Gefühl des Verlassenseins kam über mich. Ich beugte mich nieder und raffte eine Handvoll heimathlicher Erde abweisender Geberde nehmen wollte. 8 b Da springt ein Hund an mich heran mit freundlichem Gebell. Es ist Findling. Er leckt mir die Hände und ist glücklich, als ich Aber die Zeit drängt, der Postmeister —————e— 8. 55 8——————: ist ein Rebell, mit dem ich nichts zu thun haben will, und wäre keine Minute zu verlieren. auf, die ich mit hinüber über den Ocean, nach dem fernen Westen, wartete, mich zur Station zu bringen. Jeder Verzug konnte ge— fährlich werden. „Geh nach Hause, Findling,“ sagte ich zu dem Thier,„ich kann Dich nicht mitnehmen, ich komme nicht wieder“ und so scheuche ich ihn zurück.“ Aber als ich eine kurze Strecke gegangen, sehe ich den Schatten des Thieres neben mir. Ich bedrohe es und es bleibt schüchtern stehen. Da rollt der Wagen heran. „Rasch eingestiegen,“ ruft mir der Postmeister zu,„wir haben Deine Ankunft muß ruchbar geworden sein. Ich habe ein paar verdächtige Gesichter die Post umschwirren sehen. Vorwärts,“ und er klatschte auf die Pferde, die rasch der Station zuflogen. Es war gegen zehn Uhr, als wir sie erreichten. Der Zug ging in einer Viertelstunde weiter. Wir nahmen Abschied, der Postmeister wollte so rasch als möglich zurück, um keinen Verdacht durch längeres Ausbleiben zu erregen. „Auf Wiedersehen,“ flüsterte er mir noch einmal zu,„im freien geeinigten Vaterlande.“ Noch ein Druck der Hand, und ich stand allein auf dem Perron des Bahnhofs. Da keuchte der von Süden kommende Zug heran. Die Lichter der Lokomotive, die wie die großen glühenden Augen eines dämonischen Ungeheuers aus der Nacht aufleuchteten, kamen immer näher, ein gellender Pfiff, der Zug stand. Die Schaffner sprangen ab, rissen die Waggons auf und schrieen:„Einsteigen, Einsteigen. Der Zug hat nur zwei Minuten Aufenthalt.“ Ich steige in ein leeres Coupé und blicke gedankenvoll durch die Fenster des Waggons nach der andern Seite des Bahnhofs. Es folgt mir Niemand weiter und wenige Augen— blicke später schlägt der Kondukteur die Thüre zu und fort rasselt der Zug nach Norden. Es war ein Schnellzug, der nur an wenigen Stationen hielt. Ueber eine Stunde bin ich schon gefahren, und viele Meilen liegen zwischen mir und der Heimath, die ich vielleicht niemals wiedersehen sollte. Ich war kein verwöhnter Goldsohn des Glücks. Ich war ein Mann, der Bitteres erduldet und viel verloren hatte, nach dem schon der bleiche Gesell Tod seine knöcherne Hand ausgestreckt hatte. Aber selbst in der Mordnacht vor Friedericia war meine Seele nicht so beklommen, als jetzt in dem einsamen Coupe des Schnellzugs, der mich nach Bremerhaven führte. Vor mir eine dunkele, ungewisse Zukunft in einem unbekannten Lande, hinter mir die Verfolgung einer schmachvollen Anklage, zerfallen mit meiner Familie, verstoßen von meinem Vater, o, ein stärkeres Herz hätte unter diesem Druck gebangt. Da, als ich hinaussah aus dem einsamen Coupe in die sternenlose Nacht, Felder, Wälder, einzelne Bäume und Häuser an mir vorüberflogen wie wesenlose Schatten und ich, ergriffen von einem mächtigen Nervenschauer, zusammenfröstelte bis in's Herz hinein, da fuͤhlte ich plötzlich neben mir auf dem Polster etwas Lebendiges. Ueberrascht wende ich mich um, zünde ein Wachskerzchen an und, furchtsam, den Kopf auf die vorgestreckten Pfoten nieder— geduckt, erblicke ich Findling. Das Thier war jedenfalls hinter der Postkutsche hergelaufen und dann auf der Station unbemerkt in das dunkele Coupe geschlüpft. Es war, als wisse er jetzt, daß ich ihn nicht fortjagen könne und behalten müsse. Und wie ich das Thier mit seinen treuen, klugen Augen so vor mir liegen und mich bittend anblicken sah, kam es über mich mit unwiderstehlicher Gewalt— und, mögen Sie lächeln, meine Herren, über den sentimentalen Barrikadenkämpfer, ich beugte mich nieder zu dem Hund und weinte wie ein Kind. Und dann, dann fühlte ich mich nicht mehr so einsam und verlassen. Ich hatte einen Gefährten, einen Freund aus der Heimath, wenn es auch nur ein armer Hund war. Seit jener Nacht war das Thier mein unzertrennlicher Begleiter. Ich will Ihnen nicht meine Schick— sale drüben jenseits des großen Wassers schildern, ich brauchte Tage dazu und mir stehen nur ein paar Stunden zu Gebote und außer⸗ dem,“ und es flog ein müdes Lächeln über sein Gesicht, auf dessen sonst so blassen Wangen die Erregung eine flüchtige Röthe gemalt hatte,„würde meine Brust diese lange Erzählung nicht aushalten. Aber Sie können mir glauben, wenn ich Ihnen sage: Es war ein harter Kampf, den ich in Amerika zu bestehen hatte. Ein deutscher Jurist, der englischen Sprache nicht mächtig, ohne Geldmittel, ohne Bekannte, an harte Handarbeit nicht gewöhnt, ist eine außerordent⸗ lich hilflose Figur in dem nordamerikanischen Leben. Ich war Straßenkehrer in New-Vork, ich hütete auf einer Farm des Westens das Vieh, ich arbeitete in den Erzminen, ich war Pelzjäger, ich war Redakteur eines deutschen Blattes in Cleveland, dann in St. Louis, aber wo ich auch war, überall hin begleitete mich Findling. Im Schneesturm auf den Prairien, auf den Dampfern des Misässippi, in den Straßen von New Nork, überall war er an meiner Seite. Er rettete mir zweimal das Leben. Das eine Mal, als ich mich in den Rocky-Mountains auf der Jagd verirrt hatte und in eine Schlucht gefallen war, wo ich mit verstauchtem Fuße liegen blieb. Findling lief zwanzig englische Meilen weit nach einer Farm und holte von dort Hülfe. Das andere Mal, als mich eine Anzahl Rowdies in St. Louis bei Nacht in meiner Wohnung überfielen, weil ich ihr rohes, gewalt— thätiges Wesen in meiner Zeitung gekennzeichnet hatte. Ich war im fernen Westen, wo oft Wochen vergingen, ehe ich ein deutsches Wort zu hören bekam, wenn dann die verzehrende Sehnsucht nach dem Vaterlande in mir Selbstmordgedanken wachrief, so war es mein treues Thier, das mich vor dem Aeußersten bewahrte. Wie oft habe ich dann, wenn mir das Herz zum Zerspringen voll war, mit ihm im hohen Prairiegras gesessen und zu ihm wie zu einem guten Kameraden von der fernen Heimath gesprochen. Dann sah er mich ernsthaft und unverwandt an mit seinen treuen, klugen Augen, und es lag wie menschlicher Ausdruck in seinem Gesicht. Er verstand mich auch, nur daß er mir nicht antworten konnte in unserer Sprache. Aber wenn ich schweigend vor mich hinstarrte, strich er liebkosend an mir herum, und wenn auch das nicht half, mich aus meiner Schwermuth aufzurütteln, dann brach er in ein fröhliches Bellen aus, mir vorausspringend in die Prairie, als welle er sagen: „Nur muthig vorwärts, es wird noch Alles gut, wir kommen wieder in die Heimath.““ Frank schwieg und sah zum Fenster hinaus, nach dem Baum hinüber, unter welchem er heute morgen seinen treuen Begleiter begraben hatte. Wir unterbrachen die ernste Stille mit keiner Frage, un sere Augen hingen mit lebhafter Theil— nahme an dem blassen Manne, dessen Geist rückschauend die Erlebnisse seines ereignißvollen Lebens an sich vorüberziehen der Schrei seines Schmerzes wie seiner Freude, wie vielsagend der Ausdruck seines Auges, seines Antlitzes, seiner Geberden, seiner Be⸗ wegungen ist. Es liegt ein tiefer Sinn in jenen alten deutschen Göttersagen, die den Tapferen in den Gefielden der Seligen seine Waffen, seine Pferde, seine Hunde wiederfinden ließ. sah. Dann fuhr Frank in der Mittheilung seiner Schicksale fort.„Hochmüthige Geister, die dies hören, werden vielleicht darüber lächeln, wie ein Thier der Tröster eines bekümmerten Menschenherzens werden, wie ein Mann mit seinem Hund plaudern konnte. Ach, diese Menschen haben es verschmäht, herabzusteigen zu der stummen Kreatur, der Gott es versagt hat, ihre Gedanken im Wort auszudrücken. Thäten sie es, so würden sie erkennen, wie beredt jene wortlose Sprache des Thieres, 0 R——.—̃ͤ—8—— tödtete man auch oder begrub sie In jenen Zeiten, da diese Sagen entstanden, das Leibroß, den Hund des todten Mannes mit ihnen. Damals hatte der menschliche Hochmuth die lebendige Schöpfung noch nicht in zwei Hälften geschnitten, deren einer er einen un⸗ sterblichen Geist und göttliche Vernunft und alle Rechte und Freuden zuertheilte, während er für die andere das Wort Instinkt erfand, —— 5 N und für sie nur Pflichten, Leiden und Schmerzen schuf. Damals der Residenz des kleinen deutschen Herzogthums? Frank war der fühlte sich der Mensch noch dem Thiere näher, war sich noch bewußt, Familienname meiner Mutter. Ich hatte ihn in Amerika an— daß er wie jenes aus Eines Schöpfers Hand hervorgegangen sei, genommen, nachdem mein Vater sich von mir losgesagt hatte. daß Beide der Hauch Gottes ins Leben rief. Während meines langjährigen Aufenthalts 55 den Vereinigten Acht Jahre war ich in den Vereinigten Staaten, als mich eine[Staaten hatte ich nur zweimal Nachricht aus der Heimath erhalten durch meinen Freund, den Postmeister. In dem ersten Briefe, den ich ein Jahr nach meiner Ankenft drüben erhielt, theilte er mir mit, daß des Herzogs Adjutant wenige Monate nach meiner Flucht meine frühere Braut heim⸗ geführk habe. Der alte Kommerzienrath habe seinem Schwiegersohn als Hochzeits— geschenk ein Rittergut gekauft, die alte Kommerzienräthin aber sei vor Freude und Hochmuth närrisch geworden. Iduna scheine auch ganz glücklich. Sie sei auf allen Hofbällen die gefeierte Schön⸗ heit, mache ein großes Haus und dergleichen mehr. Ich lächelte über diese Geschich ten. Sie kamen mir so komisch, so wunderlich vor. Ich ver— stand sie kaum mehr, hier in— mitten des großen, freien Lebens einer jungen Nation, die nicht auf ihrem breiten Rücken die Vorurtheile und überlebten Kastenunterschiede des alten Europa mit sich herumschleppte, wo nur der Mann aus eigener Kraft galt. Dann aber schrieb er mir Folgendes:(Der Erzähler las die Stelle uns aus einem Briefe, den er seiner Brust— tasche entnahm, wörtlich vor.) „Deine einstige Verlobte, die jetzige Baronin Iduna von Grüner, hat mit ihrem Manne uns verlassen und ist nach Berlin übergesiedelt. So viel ich höre, ist ihre Ehe jetzt sehr unglücklich. Ihr Mann ist ein wüster Geselle, der jetzt, nachdem auch sein Schwieger— vater gestorben, seinen früheren Neigungen, die ihn schon sein eigenes Vermögen vergeuden ließen, ungescheut fröhnt. Er hat kostspielige Liebschaften mit Frauenzimmern, die ihn aussaugen, er spielt, er ist bei allen Wettrennen, kurz, selbst das Ve e des Kommerzienraths würde für seine Passionen nicht aus— reichen, wenn dieser nicht in seinem Testamente die für— sorgliche Bestimmung getroffen hätte, daß der Baron, so lange Iduna, oder unmündige ite Sehnsucht nach der deutschen Heimath überfiel. Ich Kinder aus seiner Ehe mit derselben leben, nur einen Theil des 0 hatte in den letzten Jahren Glück gehabt, mir soviel erworben, daß Zinsgenusses haben, und erst nach deren etwaigem Tode in den 9 ich im alten Vaterlande als freier und 10 500 hängiger Mann leben vollen Besitz und Eigenthumsgenuß treten solle. Kinder sind aus e 9 konnte. Die Zeit war eine andere geworden. Ich glaubte jenen[der Ehe nicht vorhanden, was noch ein Glück für die arme Iduna Steckbrief, der hinter mir herlief, in Verhessenheit gerathen und 0 die mir trotz alledem sehr leid thut. Sie ist nicht nur ein außerdem Deutschland ist groß. Wer vermuthete in dem Walter Opfer ihrer Koketterie, sondern noch mehr der lächerlichen Eitelkeit Frank aus St. Louis den ehemaligen verfolgten Demokraten aus Mer Eltern, besonders ihrer Mutter. Wie wenig wahrer Stolz 8 ——— 59 Im Plauder winkel. doch in diesen deutschen Bürgern steckt, die glücklich sind, wenn ein verlumpter und lüderlicher Baron oder Graf ihr Goldtöchterchen mit seiner Hand beglückt. Dieser Baron ist übrigens auch, wie ich aus sicherer Quelle, von dem nun verstorbenen Kriminalrath Rothe erfahren habe, Dein Deuunziant, der Dich zu einem der Mörder Lichnowsky's stempelte. Er ist unmittelbar nach dem Aufstand vom 18. September in Frankfurt am Main gewesen und hat dort zufällig in demselben Hotel logirt, in welchem Du bis zum Ausbruch des Barrikaden— kampfes wohntest. In dem Fremdenbuch las er Deinen Namen. Durch einen Kellner des Hotels, der Dich mit der Flinte in der Hand hinter der Barrikade gesehen hat, erfuhr er Deine Betheiligung am Kampfe, woraus der Herr Adjutant sofort schloß, daß Du auch an der Todtschlägerei von Auerswald und Lichnowsky betheiligt ge— wesen. Einem Demokraten sind solche Nichtwürdigkeiten selbstver— ständlich zuzutrauen.“ (Fortsetzung folgt.) Ein Opfer. Eine kleine Sommergeschichte von Mirjam Odd. Sie saß auf einem schwellenden, goldig schimmernden Sammet— kissen von weichem Moose, welches den graugrünen, verwitternden Baumstumpf polsterte. Stolz wie eine Königin auf dem Throne saß sie da und ebenso unnahbar. Ihre Füße ruhten im üppigen Purpurteppich der blühenden Haide und über ihrem hochgetragenen Haupte mit der glänzenden Flechtenkrone darauf wölbte der tiefblaue Sommerhimmel seinen strahlenden Baldachin. Ruhig blickten ihre dunkelgrauen Augen ins Weite, in die verschwimmende bläuliche Ferne jenseits des stillen Sees zu ihren Füßen, und der schöne, ernste Kopf bewegte sich nicht, obgleich eine blumenstaubgepuderte Biene ihn drohend umsummte. Sie war ja so vernünftig, Carola Rabe, und wußte, daß man die kleinen Stachelträger nicht reizen muß— und handelte auch demgemäß. „Wie abgeschmackt!“ sagte sie.„Ein reicher Gardelieutenant, Rittergutsbesitzer z., der eine arme Gouvernante heirathen will. In Wirklichkeit ist dergleichen nie vorgekommen, aber auch im Roman findet man Aehnliches jetzt albern.“ Der junge Mann vor ihr mit dem treuherzigen Gesichte zupfte von einer langen Weidenruthe, welche er eben mit einem zierlichen Federmesserchen vom nahen Gebüsch geschnitten hatte, all die schmalen Silberblätter ab. Er warf einen verstohlenen, fast verächtlichen Blick auf seine schmucke Uniform und sprach kein Wort. „Damit ich mein Leben lang an das Opfer erinnert würde, welches Sie mir brachten! Damit ich hören müßte, daß Sie mich aus Mitleid heiratheten,“ fuhr sie eifriger fort. „Es ist ein Mann, der Sie versichert, daß Sie nie eine Silbe in ähnlichem Sinne von ihm vernehmen würden.“ g „Mienen, Blicke,— Gedanken würden dasselbe sein!“ Er zuckte zornig die Achseln. „Wenn ich eiwas für Sie thun könnte, etwas Großes, Schweres; wenn ich Sie erretten könnte von Schande oder Tod oder der⸗ gleichen.— Aber daran ist nicht zu denken— Gott sei Dank!“ setzte sie fast erschrocken hinzu.„Anders jedoch kann ich Ihnen nie gehören ohne das Gefühl der tiefsten Demüthigung.“ Beide blickten sie nun in's Blaue, nachdenklich grübelnd, mit trostlosem Blick. „So gehen Sie denn!“ sagte sie langsam und monoton, wie irgend eine tugendhafte tragische Heldin. „Ich will nicht!“ rief er heftig.„Es ist eine Thorheit von Ihnen, eine lächerliche Phantasterei, bei weitem romanhafter, als der Wunsch eines häßlichen, nichts weniger als geistreichen Mannes, ein bildschönes, gescheidtes und feingebildetes Mädchen heirathen zu wollen. Nichts hindert uns, glücklich zu sein, als Ihr heilloser Starrfinn.— Nennen Sie es nicht ehrenhafte Gesinnung!“ setzte er, mit dem Fuße stampfend, hinzu; denn seit zwei Stunden hatte er sie mit allen Gründen, welche ihm Vernunft und Liebe liehen, zu überzeugen und überreden gesucht, und seine Geduld schwand selbst der Inniggeliebten gegenüber. „So gehe ich“, sagte sie fest und erhob sich. Schon hatte sie sich gewandt, da blickte sie zögernd zurück und hielt ihm die weiße Hand hin:„Leben Sie wohl! Lassen Sie uns als Freunde scheiden.“ Er sah sie einen Augenblick durchdringend an; dann warf er sich ihr plötzlich stürmisch vor die Füße in das tiefe Haidekraut und preßte sein glühendes Antlitz in die duftigen Falbeln, welche den Saum ihres hellen Mousselinkleides umkräuselten. n Sie blickte mißbilligend auf ihn nieder und trat eilig zurück, erschrak aber heftig, als er blitzschnell aufsprang, einen leichten Schrei ausstieß und hastig seinen Rock aufriß. 5 5 „Eine Schlange,“ sagte er einen Moment darauf ruhig, als er ihrem ängstlich fragenden Blick begegnete. f 5 Sie wurde schneebleich.„Es giebt Kreuzottern hier? Sie gebissen?“ fragte sie mit zitternder Stimme⸗ Er nickte bejahend. Sind In der That war der sonnenbestrahlte Haideboden wohl ein geeigneter Aufenthaltsort für die wärmeliebenden Reptilien. a „Kommen Sie schnell mit nach unserer Villa,“ rief sie und griff nach seinem Arme.„Es ist das nächste Haus.“ „Es ist zu weit,“ antwortete er in abweisendem Tone. a „Was kann man thun?“ schluchzte sie und verbarg nicht die niederströmenden Thränen. d 5 „Man müßte die Wunde aussaugen; aber es ist Niemand da, es zu thun. Ich selbst kann nicht dazu gelangen.“ Damit begann er seinen Rock gleichmüthig zuzuknöpfen.„Was liegt übrigens daran?“ i ä „Das Gift ist tödtlich?“ Ja!“ Da sprang sie auf ihn zu:„Zeigen Sie mir die Wunde.“ Ein triumphirend glückliches Lächeln, welches sie nicht bemerkte, spielte ganz flüchtig um seinen liebenswürdigen Mund. Mit der Linken öffnete er wieder die Uniform, während Carola scheu zu Boden blickte, zog dann den linken Arm aus dem Aermel, entfernte schnell den goldenen Manschettenknopf und streifte mit der Rechten, welche immer noch das kleine Federmesser hielt, womit er die Gerte geschnitten hatte, den blendenden Hemdärmel weit hinauf, so daß der kräftige weiße Arm bis zur Schulter sichtbar wurde. „Da ist's!“ sagte er und schaute prüfend in ihr Antlitz. Sie sah auf, schauerte zusammen, wurde glühendroth, trat heran und tupfte mit der schmalen Fingerspitze leise und zaghaft auf die winzige Wunde, welche sich dicht unterhalb der Schulter am linken Oberarm zeigte, beugte sich schnell und preßte ihre Lippen auf das leicht blutende Fleckchen. Er fühlte sogar deutlich den Druck ihrer kleinen Zähne. i i i f Ein paar Mal richtete sie sich auf und führte ihr Battisttaschen— tuch zum Munde, so daß schwache Blutspuren darauf sichtbar wurden. Auch ihm war die warme Röthe in die Wangen gestiegen und seine dunkeln Augen schimmerten feucht. „Jetzt ist's genug!“ sagte er nach etwa fünf Minuten.„Jetzt muß das Gift entfernt sein.“ Sie sah mit bangem Zweifel zu ihm auf, aber sein Gesicht blieb ruhig und sorglos. i „Haben Sie Kölnisches Wasser bei sich?“ fragte er. Sie zog mit bebenden Händen das kleine Kristallfläschchen aus der Tasche und badete die mißbandelte Schulter mit wahren Fluthen der wohlriechenden Essenz, wobei sich manchmal eine warme Thräne darunter mischte. „Es ist gut; es hat keine Gefahr weiter,“ sprach er,„spülen Sie nur Ihren Mund, damit Ihnen das Gift nicht doch etwa schädlich ist, obgleich es nur seine heillose Macht zeigen soll, weun es in's Blut übergeht.“ 8 Sie trat gehorsam zum Seestrande und führte das klare Wasser mit der Hand zum Munde. Schnell ordnete er indeß seinen An⸗ zug. Als sie sich wieder umwandte, ruhten seine Blicke auf ihr. Sie erschrak vor der Gluth darin.: Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, schloß er sie fest in seine Arme. Sie sträubte sich noch. f 7 ö „Du weißt, daß Du nun mein Weib werden mußt,“ sagte er bestimmt.„Nur meine zukünftige Frau durfte mir das thun. Eine Schande wäre es für mich, von einem mir fernstehenden Mädchen einen solchen Dienst anzunehmen.— Und das Leben gerettet hast Du mir auch.“ g Sie fügte sich schweigend und glückselig. „Meine kleine Lebensretterin!“ neckt er sie immer noch nach Jahren glücklichster Ehe, aber sie weiß nicht, warum er immer so D = 5 7. 7 55 fer. Mut elche rück hei g er Sind ein gf t die d da eden rigen 10 gerkte, it der eu zu ffernte achten, Gerte so daß heran uf die linken Uf das k ihrer chen burden. en und „Jebt Gesicht en aus Fluthen Thtäue pillen ch etwa „ wenn Wusser den Au auf ihk. In eine saßte er 1 Eine B N zochen et sast a h schlossen. Wade wiederbrächten. halb schelmisch, halb gerührt dabei lächelt. Sein kleines Federmesser bewahrt er wie eine Reliquie.„Es erinnert mich an meine trübsten Stunden, weißt Du!“ sagt er. ö Kleine Irauen Zeitung. Die Eleganz hat vollständig ihr Aussehen geändert, Dank den gegen⸗ wärtigen Moden. Früher bestand sie in dem Werth eines Stoffes, in der Ueberladung der Garnituren. Es gab Gewebe, welche man für diese oder jene Gelegenheit allein als passend erachtete, und die Wolle war gänzlich bei der Zusammenstellung einer besonderen, einer festlichen Toilette ausge— Heut ist dies ganz anders. Die Eleganz kommt von der Frau selbst, von der Korrektheit ihres Anzuges. Zu großen Lustbarkeiten sieht man Damen der besten Gesellschaft in Wollenkrepp, Voile, Kaschmir, Bure, Etamine ꝛc. gekleidet. Die Hauptsache ist der tadellose Schnitt, die vollendete Form des Anzuges. Ueberhaupt besteht die„Kunst der Toilette“ nicht nur darin, zu wissen, was Mode ist und wie man das Modische zu tragen hat, sondern sie besteht auch darin, wohl zu unterscheiden, und zurückzuweisen, was häßlich, exzen⸗ trisch, von schlechtem Geschmack ist und, wenn man von kleiner Gestalt, nicht Kleidungsstücke anzulegen, welche nur großen Damen gut stehen und umgekehrt. Wie oft kommt es vor, daß die eine Frau bei der andern eine neue, reizende Toilette von besonderer Kleidsamkeit sieht, welche ihr aus⸗ nehmend gefällt, und sie kann es sich nicht versagen, sich schnell eine gleiche nachfertigen zu lassen. Sie trägt dieselbe triumphirend, indem sie sich ein⸗ bildet, ebenso schön auszusehen wie eine Dame, an der sie das Modell be— wunderte. Und doch ist dies nicht der Fall. Diese prächtige und originelle Toilette gereicht ihr keineswegs zum Vortheil, denn ihr Wuchs, ihre Gesichts— farbe, ihr Haar stehen nicht im Einklang mit derselben. Man bat wieder eine ganz besondere Vorliebe für die schwarzen Kleidungsstücke, trägt zu Bällen schwarze Seidentüll-Roben, über und über von Perlen funkelnd,— zu Gesellschaften wie in den Theatern Kleider, je nachdem von schwarzer Morré, französischer Faille, schwarzem Atlas, an welchen die Perlenstickereien, ebenso wie die Spitzen, eine nicht minder große Rolle spielen, von feinen und schmiegsamen schwarzen Wollenstoffen, und, zu den Straßen⸗Anzügen schwarze Hüte und Jaquettes, ja, selbst lange Redingotes aus schwarzer Vigogne bouclee(d. h. mit Schlingen durchwebt). Diese Umhüllungen werden mit winzig karrirter Seide oder solchem Atlas in schwarzweißen, schwarzgrauen und grauweißen Nüsancen gefüttert. Sehr schlanke Damen fügen einem solchen Kleidungsstück einen langen, zugespitzten Capuchon zu, welcher bis zur Taille niederfällt und ein Futter von gleichem Seidenstoff präsentirt. 5 Und diese Vorliebe für das Schwarz dürfte sich auch auf die Früh⸗ jahrstoilette erstrecken, für welche mau Kleider aus französischer Faille und Sammet, aus groben und zugleich leichten wie aus feineren Wollen—⸗ stoffen und Sammet bereitet. Und sicher des Willkommens, der freundlichen Auf⸗ und Annahme erscheint immer wieder der Rock: genre tailleur, in russische, englische oder schottische Falten gelegt— es kommt ganz auf eins heraus: es find die Falten, welche nach einer Richtung gebrochen und der Länge nach niedergehen. Man wird auch noch viel die breiten einfachen wie doppelten Quetschfalten tragen, aber größere Erfolge scheinen jenem Plisserock bevorzustehen. Als Tunika wählt inan darüber diejenige in zu— gespitzter Tuchform oder die lange, gerundete. welche, in reiche Quer⸗ falten drapirt, wieder sehr modern geworden. Sie wird im Rücken durch eine, elegante Faltenlinien beschreibende und leicht aufgepuffte Bahn zu— sammeugehalten, welche dem Rock oben in vielen schmalen Falten angesetzt ist. Das Leibchen, knapp anschließend, zeigt vorn und im Rücken eine Schnebbe, oder es ist im Stil„Amazone“, d. h. mit kurzem Schoß ver⸗ sehen, gerade oder in Patten ausgeschnitten. Der sehr hohe Stehkragen und die engen Aermel sind hierbei Vorschrift. Das ist ein Genre, welches noch lange die ihm geschenkte Gunst bewahren wird, denn man finder. bequem und von hübscher Wirkung. Es ist immer korrekt und entspricht vollkommen dem Geschmack des Tages.„ 5 Ferner dürfte für das Frühjahr das vorn herzförmig mit großem Revers geöffnete Leibchen, das man gegenwärtig vielfach angenommen, modern und beliebt bleiben. Denn bei demselben hat man den Vortheil, mit wenig Kosten eine gewisse Variation in den Anzug zu bringen, sei es, daß man das Leibchen für den Tag durch ein Plastron aus schlichtem Sammet, Plüsch oder weißem Tuch ꝛc., sei es, daß man dasselbe für den Abend durch ein Devant aus perleugesticktem Atlas, durch ein gefältetes, gekräuseltes oder bau. schiges Chemiset aus rahmgelbem oder zartfarbigem Krepp, aus Tüll und Spitzen ꝛc. hochgestaltet. Mit einem„natürlich gebundenen“ Blumen— sträußchen, das man seitwärts auf einem der Revers befestigt oder in den unteren Schluß derselben steckt, hat man dann sogleich ein geputztes Aus⸗ sehen. Vermöge solcher kleinen Kunstgriffe gelangen die mit ein wenig Geschmack und Geschicklichkeit begabten Damen dahin, immer einfach⸗elegant gekleidet zu sein, ohne ihr Budget zu schädigen. Und die zweckmäßige Einrichtung dieses unglücklichen kleinen Budgets ist eine beständige Sorge, wenn man„Toilette“ liebt, oder wenn man durch seine Stellung in der Welt gezwungen ist, mehr Toilette zu machen, als man möchte Die ge⸗ streiften Stoffe sind sehr gesucht, zumal diejenigen, welche der nere 10 gehen. Aber man muß sich hüten, sie zu tragen, wenn man stark ist un in diesem Falle lieber die langgestreiften wählen. 5 d Mit der Krinoline oder dem Reifrock war es doch nur ein ephemeres Dasein. Es hat im Entstehen geendet. Ich beklage die armen Damen ohne Geschmack, welche eingewilligt, sich in das groteske e schließen, indem sie glaubten, die ersten zu sein, welche diese absurde Das Einzige, was man davon angenommen, sind findet es und bleiben die drei oder vier Stahlstäbe von dreißig oder vierzig Cent. Länge, welche der Rückenbahn des Kleiderrockes eingeschoben. Die? ournüre lebt weiter; man trägt deren kleine, mittlere und— übertriebene, welche letztere freilich den Spott und die Lachlust herausfordern. Das Beste ist eine sehr kleine zu tragen und sie geschickt unter den Stofffalten des Kleides, welches sie hinreichend stützt, zu verbergen. Etwas Neues über die Ballschu bel In Paris sollen zu allen farbigen Toiletten die schwarzen Atlasschuhe angenommen worden sein, geziert mit einer Schleife aus schmalem Atlasbande in der Farbe des Ballkleides, unter welches Band sich eine kleine, gleichnüancirte Spitze mischt. Der überein⸗ stimmende Schuh ist also nicht mehr das Diktat der neuesten Mode. Die⸗ jenigen, welche diese kleine Umwälzung hervorgerufen, müssen also ein⸗ bee haben, daß der schwarze Schuh dem Fuß mehr schmeichelt, als der ellfarbige.— Der seidene oder halbseidene Strumpf bleibt aber in Har⸗ monie mit dem zartgetönten Kleide, er wird blaßblau, mattrosa, maisgelb oder blaßlila sein, aber niemals weiß. Und da ich nun einmal bei dem Schuhwerk angelangt bin, so will ich gleich im Allgemeinen desselben gedenken. Die Mode hat freilich nichts besonders Neues darin aufzuweisen, wohl aber bestätigt sie uns durch den glücklichen Erfolg, daß der zugespitzte Stiefel und der zugespitzte Schuh uns für die Folge erhalten bleiben. Diese Form, welche den Fuß länger, aber auch schmaler und schlanker erscheinen läßt, leiht ihm eine gewisse aristokratische Eleganz. Trotzdem ist es erstaunlich, daß die Mode, gewöhn⸗ lich so wankelmüthig und veränderungslustig, nun schon seit einigen Jahren an dieser Fagon festhält. Für eine kurze Zeit wurde sie von dem„Prak⸗ tischen“ aber weniger Eleganten ersetzt, indem sie den Stiefel resp. Schuh mit breiten Ecken vorn und mit breitem, niedrigem Absatz für fashionable erklärte. Allerdings kann man sich zu Exkursionen und langen Spaziergängen nichts Be⸗ quemeres vorstellen, aber„schön“ sieht der Fuß in solcher Bekleidung nicht aus. Schnell wurde diese Form von der Mode verlassen, und sie hat sich jetzt, wie ge— sagt, wieder der abgerundeten und erhöhten Spitze und dem 4—4 2 Cent. hohen Absatz Louis XV. zugewandt. Und wenn man derartiges Schuhwerk hinreichend lang, d. h. länger als solches mit eckiger Spitze wählt, so kann man lich spreche aus Erfahrung) ganz vorzüglich darin gehen.— Der moderne. Promenadenstiefel, mit starker Doppelsohle ausgestattet ist aus Glaceleder, glanzlosem Ziegenleder oder aus Tuch, rings besetzt, mit gleichem Leder und vorn noch mit einer besouderen löcherartig durch—⸗ brochener Spitze aus lackirtem Leder, oder rings besetzt mit lackirtem Leder allein. Man ist nämlich zu letzterem wieder zurückgekehrt, und Schuhe aus Lackleder gelten gegenwärtig für eleganter als solche aus Chevereau.— In den Balltoiletten einen sich mehr als je die schweren und die leichten Stoffe miteinander: der Sammt, der Plüsch und der Damast mit dem Krepp, der Atlas mit dem Tüll, und hierbei liebt man kontrastirende, aber trotzdem glücklich gewählte Farben⸗Zusammenstellungen. Se war ein in schräges Gefältel geordnetes Ballkleid aus wasserblauem Krepp von Paniers und einem sehr scharf zugespitzten Schnebbenleibchen aus saphir⸗ blauem Damast begleitet; auf letzterem wiederholte sich in Form eines Schnebbenplastrons das Gefältel aus wasserblauem Krepp. Dann sah ich ein apfelgrünes Atlaskleid mit mattrosa Krepp untermischt; dazu rosa Primeln mit feinen Gräsern.— Aber waren diese Toiletten auch für junge Frauen bestimmt, so verzichten die jungen Mädchen gleichfalls nicht immer auf die Zuthaten schwerer Seidenstoffe zu ihren luftigen Ballroben. Betreffs der Leibchen will ich es gelten lassen, aber für die Unterkleider! Wenn die jugendliche Mädchenwelt doch nur wüßte, wie weuig der Prunk zu ihren Reizen beiträgt, wie anmuthig sie die Einfachheit kleidet! Da bemerkte ich vor ein paar Tagen auf einem 9 ein junges Mädchen in blaßrosa Krepp. Mehrere schmale Aufnäher, jeder mit einem blaßrosa Moiréband durchzogen, umgaben unten den Rock, über dessen oberen Theil sich eine kurze, in reiche Falten drapirte Tunika„laveuse“ aus demselben Gewebe legte. Dieselbe wurde im Rücken von einer großen Schleife mit Enden aus blaßrosa Moire zusammengehalten. Das Leibchen, à la vierge gekräuselt, zeigte auf den Achseln flatternde Schleifen aus Moiréband, deren eine mit einem Strauß Maiblumen zusammengefaßt. Eine gleiche Band⸗ und Blumen⸗ Coiffüre schmückte das Haar. Wie lieblich und duftig erschien mir diese Mädchenblüthe! Gleich einer Libelle flatterte sie in der seidenrauschenden Welt umber! In Paris zieht man für die jungen Mädchen ebenfalls das „Aetherische“ in der Balltoilette vor, und man assimilirt dort gern Kleider und Blumen in gleicher Farbe. So wählt man zu weißem Tüll z. B. Jasmin, zu blaßblauem Krepp Vergißmeinnicht oder blasse Kornblumen, zu rosa Krepp oder Tüll Heckenrosen oder Moosrosen. Die Schleppe ist im Ballsgal wieder für die nicht tanzenden Damen heimisch geworden, und auch auf Soirsen und in Gesellschaften, wo man sich bisher vielfach mit einem runden Kleid begnügte, beginnt man, dieselbe wieder anzunehmen. Im Allgemeinen giebt man der runden Form den Vorzug, obgleich auch die eckige modern ist. Im Plauderwinkel.(Siehe Illustration.) Junge Burschen und hübsche Mädchen plaudern am liebsten in irgend einem stillen Winkel des Hauses oder einer einsamen Stelle des Gartens ihre Herzensgeheimnisse aus. A. Trentin, der Geuremaler, hat für sein Liebespaar einen lauschigen Winkel des Hofes gewählt. Ueber die Mauernische hin streckt der Garten seine Blüthenzweige und grünen Ranken, Die kleine Kokette, welche heiter⸗ lächelnd auf der Waschbütte sitzt, hat sich mit einer Rose geschmückt. Das läßt vermuthen, daß sie dem Burschen gefallen will, der sich in so un⸗ gezwungener Haltung auf dem umgestülpten Korbe niedergelassen hat. Darf man dem Ausdruck des Gesichts glauben, so hat der derbe Naturbursche bereits Feuer gefangen und sein Herz schlägt dem jungen Mädchen warm entgegen. Der Maler wollte ausdrücken, daß das junge Paar sich im Plauderwinkel recht gemüthlich fühle und das ist ihm sicher gelungen. Das Bild ist vom Zauber einer Liebesidylle umwoben. R. E .————— Buchstaben-Räthse! * Die nachfolgenden Buchstaben: 1 leeren Schein vermied, den Luxus schalt, Lag ich in tiefem Schlaf; es rief in's Leben Sich löblich stets zu zeigen, nicht zu sein. Hast du geschickt ein Zeichen mir entwandt Mich ruft des Dichters Hoch gefühl in's Leben, Es knüpft an ihn. der Veen Band. Auflösung des Sprichwörter⸗ Räthsels in voriger Nummer: — des Rösselsprungs: Noch einmal fällt in meinen Schooß Die rothe Rose Leidenschaft; Noch einmal hab' ich schwärmerisch In Mädchenaugen mich vergafft. Noch einmal legt ein junges Herz An meines seinen starken Schlag; Noch einmal weht an meine Stirn' Ein juniheißer Sommertag. E Doch werd' ich kühnen Flugs den Geist erheben, machen der Arbeit bald ein Ende;— der zweisilbigen Charade: All ein; von C. Pl Problem Nr. 373 anck in London. Im Problemturnier der e zu Görlitz 8 5 erwähnt. .* ö 5 1 N 4.. e l, 4; Der f N 1 1. )))) 2 ITI II inan i e 5 r 5. 2. 2 —— v——— 2 ie, N 1, 4 1 5 t u* e,,. 2 2 7. 1,. 3 2 9 1 722 ——. sollen nach dem Muster obiger Figur so zusammengestellt werden, daß die e.. 2 Diagonalen den Namen eines in letzter Zeit vielgenannten K Künstlers ergeben.. 9, ,, Die Worte bezeichnen: E 1... 1. Einen Buchstaben.. 5— 1 2. Ein Gebirge auf der nordwestlichen Hal binsel von Kleinasien.. e 0 3. Eine preußische Festung an der Weichsel. 4. Eine italienische a fei de 115 5 t 0 te 8 8. 9 1 5 1 6. 8295 Künste selbst. e Weiß zieht an und setzt mit P den dritten Zuge Matt. 7. Dorf bei Dresden, bekannt durch Schillers„Wallenstein“. Partie Nr. 21, 0 2 9. Eine Seren e 555 gespielt 205 New. Jork am 13. Januar d. J. als zweite des weck 10. 0 Weiß: W. Steinitz. 12 6 J. H. Zukertort. 1 Ein e 55 7—5 34) 56 0 F 2) 81-13 Sbs es 35 Tal 1 Kgs-h7 3) d2— d4 eb da: 36) Kgl—2 Dd6-b6 4) Sk3—d4: 8g8 416 37) 158 Pb 8j J 5 5) 81-63 148-4 38) 1—bz c Silben-Räthsel. 6) Sd4 es: biet: 39) 124311) Deb cb Aus nachfolgenden Silben: 7) LI ds d- do 40) Dd2—2 12 Te4 gel 1) a a a bel bie che cin de den dis eee ei el gall gei ger go heim 8) ed ds: 66—d5. 41) Kgl—b2 5) De5-f hel hy i i ka ke kes kör la la land land me mi nach ne ner usa ni„ 0 0—0 42) 1522: Ib 7g:) ni nor or rech ri rich ros rub sa schen sen si so tan tel tet the the 10 895 0 9 40 85 55 455 11. 1 ich(3—e— S4—g2— sollen 23 Worte gebildet eh. a und Endbuchstaben von 120 146.2 5 415 39 1 oben 1 0 gelesen, zwei Tertworte aus Mozarts„Don Juan“ ergeben. 14 ds 2 508 2 0 Weiß giebt die Parlie 5 ie 23 Wörter nennen: 8 5 1 Einen deutschen Dichter. 2. Einen Nebenfluß der Elbe. 3. Einen 150 1 17 Stellung nach Dh 5 Zuge von Schwarz. General des dreißigjähnigen Krieges. 4. Eine Stadt in der englischen Graf⸗ 10 Tl 91 122 7 warz. schaft Norfolk. 5. Berühmten Tempel auf der Akropolis zu Athen. 6. Einen 18 5002 00 155 752 1 7* italienischen Opernkomponisten. 7. Einen berühmten Botaniker. 8. Ein 10 17 185 N Tas 5 9 2 Nordseebad. 9. Ein vegetabilisches Nahrungsmittel. 10. Ein Inselt. 200 Pe 18 92 15 425,,*. 11. Einen männlichen Vornamen. 12. Den Namen spanischer Königinnen. 200 18 5 Td8 37 4 4 2 fleck Ein 1 Ahe in 0 8 14. Eine feinen Meal Insel. 55 Einen ipliche 50 Pes 6 Td7 dé: 21 1* W ecken am Rhein, bekannt durch seinen Weinbau. 16. Einen weiblichen 8 N N Vornamen. 17. Einen Binnensee in Südafrika. 18. Einen schottischen Orden, 25 1 1 0 75 1 21 2 gestiftet von Jakob V. 19. Einen Vogel. 20. Einen Baum. 21. Ein 25 1 D168,.. symbolisches Gebilde des Alten Testaments. 22. Eine Blume. 23. Eine 5 8g3—h5 Des—es. 1.. Stadt an der Elbe.. 5 270 S521 1d5—e5. 9 2 23) bah 06e,,, 5 : 20) b4—b5 Tes ede, 7 Logogriph. 20) 02 es B 8 8 5 8. 31) g2—g3 Dbs—e.,. Als Treu' und Biedersinn allein man ehrte,. 2.,. Und nur der inn're Werth des Menschen galt; 350 Se 44. 43000 Le 5 1 Als man den Eingang fremden Sitten wehrte, 55 Weiß. 85 ö 1) Weiß droht den Bauern 87 ungestraft zu nehmen. 4) Der in so bübscher Weise herbeigeführte 1 0 des einen von 50 Al hätte wenigstens zum Remis führen sollen. ö Mit Sts war zwar keineswegs ein Bauer zu 9 3915 auch ö 8) Hier scheint uns der geeignete czdd? 33) fal Tel 3) Dada: Dat:(auf T viel 1 0 z. B. 24) S5: Tes“ 25) Ls: 29) Deb Kn7! 30) bh4(Cas wäre fals zu 9 0 8 B. 3) D 5: 26) Las 5 27) Te. Tel. Lag: 23) Leb! 2) d5 d hätte tel es zur Felge gehab Mich erst die Sucht nach Glanz und eitlem Schein, 9 Nimmt die Dale den A 0 1 1 5 nach 21) Dada: Dat 22) Lds: Und' gleichen Schrittes wuchs ich mit dem Streben: IIa 24) ließ: Kls: 25) Teß; die beiden Läufer zu Gunsten von Schwarz entscheide n. der gefährlichen Läufer wohl kaum zu 20) Del: Deę: ch wegen da 3⁰0 und es ist nicht mehr als Remis . Lol 31) Deß es 32) Dor Kus 3) Les: Delf 34) Khę c. Es droht Bauernverlust durch Dbe, da 31) Sds durch Th4 widerlegt 70 Es ist nicht recht zu ersehen, warum Schwarz nicht gleich Des spielt. Moment zum Schlagen des Bauern el folgt Kg) 35) Tda: T3: 36) dsf. Kerl 37) Td7 wird. z. B. 32) 0 d4 Viele Hände und eventuell 38) Ke 2c. Schwarz muß daher wohl auf Erhaltung eines Freibauern ver⸗ zichten und 32. Ia: spielen, wonach 9) Nun ist der Abtausch de 10) Sehr bübsch! Test 41) Ses: Df 42) KI D117! andere Züge folgt Leg! 13) Kg1—22 hätte Tel—eg zur Folge gehabt. 14) Sehr schön! Der Läufer darf nicht geschlagen werde Matt. Am besten scheint noch 43) Sg, wonach Schwarz allerdings auch eur 33) bee mit gleichem Spiele folgt. r Bauern e und der Freibauer wird 0 Nimmt Weiß den Bauern, so geht ein N ver Lad) und Weiß darf nicht wiedernehmen, denn 35) Das: Teilt 36) Kbe Tdi! 10 Offenbar der einzige Zug, 9 gegen zwei Ofsiziere im Vortheil beeibt: 43) 8g Bez 43) Se! d2 45) Te2. Th. Storm. ö Berichtigung. In dem Problem Nr. 372 muß auf g4 ein R Bauer stehen. lästig. loren: 30) Sd: (oder Tiä:) nebst DPbI Matt zu pariren. 12) Auf 40) Kh2 ist durch Te2 die Dame verloren oder, Weiß wird Matt: 40) Kh2 43) Khz2 Dis: und das Matt ist nicht zu decken; auf n(wegen del ꝛc.) und es droht mit der Dame di Dame! Druck und Verlag der„Volks-Zeitung“, Akl⸗Ges in Berlin, Lützowstr. 105. Verantworklicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105.