4 2 2 9 9 * 0 — zu den Oberhessischen Nachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den 17. Oktober. Don Gesualdo. Von Ouida, deutsch von Arthur Roehl. (Fortsetzung.) Dae Peter-Paulsfest war ein Tag des Unglücks und der Ver— wirrung geworden, doch der biederen Einwohnerschaft von Marca hatte es Abwechslung genug gebracht. Sie hatten einmal etwas, wovon sie vom Morgen bis zum Abend reden konnten. Wie dieser Tag verging und was er an demselben gethan, wußte Gesualdo nicht. Es war wieder finstere Nacht geworden, als er, noch immer angezogen und außer Stande, auch nur einen ruhigen Gedanken zu fassen, das Kruzifix in seinen Händen pressend und sein enges Zimmer mit rastlosen Schritten auf- und niederschreitend, plötzlich draußen seinen Namen rufen hörte. Er trat an das Fenster, öffnete und sah Falko Melegari auf seinem Apfelschimmel, der mit Schaum und Schweiß bedeckt war. „Ist es wahr?“ rief jener entsetzt wohl ein Dutzend mal hinter— einander. „Ja, es ist Alles wahr!“ antwortete Gesualdo. Seine Stimme war streng und kalt. Er fragte sich, welchen Antheil dieser Mann an dem Verbrechen gehabt haben mochte. „Aber sie ist unschuldig wie dieser Vogel in der Luft,“ brach ihr Liebhaber hervor und zeigte auf eine Ohreule, die über die Cypressen hinsegelte. Gesualdo neigte sein Haupt. „Ich ritt schon in aller Frühe nach der Stadt zum Vieh-Ein— kauf,“ fuhr der Verwalter schluchzend fort.„Ich ritt die andere Straße hinaus und ahnte von Nichts. Oh, mein Gott, warum war ich nicht hier! Sie hätten es nicht wagen sollen, sich an ihr zu vergreifen.“ f „Sie hätten ihre Sache wenig gefördert,“ meinte Gesualdo kalt. „Sie haben ihr schon so genug geschadet,“ fügte er nach einer Weile hinzu. Falko nahm die Worte nicht übel, die hellen Thränen rollten über seine Wangen, seine Hände klammerten sich an dem Sattel⸗ bogen fest, das Pferd streckte unbeachtet seinen schaumbedeckten Hals zu Boden. „Wer war es? Wer kann es gewesen sein? Er hatte viele Feinde, er war ein harter Mann,“ murmelte er. Gesualdo machte eine Geberde hoffnungslosen Zweifels und voll— ständiger Ahnungslosigkeit. Er blickte nieder auf des jungen Mannes hübsches vom Mond beschienenes Gesicht. Ein seltsamer Ausdruck lag in seinen Augen. „Du grausamer, kaltherziger Pfaff,“ dachte der junge Verwalter mit Bitterkeit. Dann warf er kurz sein Pferd herum und ritt ohne ein weiteres Wort durch die schimmernde weiße Nacht heim⸗ wärts, um sein müdes Pferd in den Stall zu bringen und sich ein anderes zum Ritt nach dem Flecken San Arturo zu satteln. Es war Mitternacht vorbei, er konnte Niemand mehr sehen, keinen sprechen, aber es war ihm eine Erleichterung, sich zu bewegen. Es war ihm, als müsse er ersticken, wollte er jetzt wie sonst sich in seinem großen stillen Haus zwischen den Magnolien und Myrthen hinsetzen und essen und trinken und rauchen, jetzt wo die Liebe seines Lebens vor Gram und Kummer verschmachten mußte. Alle die Freude, die seine Seele über einen natürlichen Tod Tasso Tassilo's erfüllt haben würde, war von dem Schreckensgedanken zerstört, daß dies Verbrechen auf ihr Haupt zurückfallen könnte. Er selbst nährte nicht einen Augenblick gegen sie Verdacht, aber er wußte, daß Andere sie mehr als beargwohnen würden. „Vielleicht, daß der Mensch sich selbst umgebracht hat,“ dachte er,„damit die Schande der That auf sie fiele und sie von mir trennte!“ Doch dann sagte er sich wieder, daß ein solcher Gedanke voll— ständig ausgeschlossen sei. Tasso Tassilo hatte seine Frau geliebt und an seiner Mühle und an seinem Gelde gehangen. Wer könnte sich auch von hinten unter den Schultern selber erstechen? Es war ganz der Stich eines starken und doch furchtsamen Weibes. Wie er auf- und abschritt auf der alten Terrasse, während man das Pferd für ihn sattelte, fühlte er sich von einem eiskalten Schauder überlaufen. Er hatte sie nicht im Verdacht. Nein, nicht für eine Sekunde. Und doch bedrückte ihn ein düsterer, unaussprechlicher Schrecken, der seinen unheimlichen Schatten auf das schöne Antlitz der Angebeteten warf. Die auf das gemeinsame Fest der beiden Apostel folgenden Tage waren dem Pfarrer eine entsetzliche Zeit. Verstört und hohlwangig lief er umher, er schien in wenigen Stunden um viele, viele Jahre gealtert zu sein. Das Gesetz nahm mit seinen Formalitäten und Tyranneien das sonst so stille Dorf in Beschlag. etwas von dem Todten gesehen oder gehört hatte, wurde verhört, gequält, ermahnt, gemustert und verdächtigt. Don Gesualdo selber ward wiederholt in ein strenges Kreuzverhör genommen. Er sagte die reine Wahrheit aus, soweit er sie wußte, doch als er über das Verhältniß des Ermordeten zu seiner Frau gefragt ward, zögerte er, überstürzte und widersprach sich und machte auf die Gerichts⸗ beamten den Eindruck, als wüßte er mehr gegen die Frau, als er sagen wollte. Hauptsächlich versuchte er es, seine feste Ueberzeugung von der Unschuld Generosa's darzulegen und sie auch andern bei— zubringen; doch dies mißlang ihm ganz und gar. Ja, der Eifer, mit dem er für sie eintrat, erhöhte nur den Verdacht gegen die Frau. Das Resultat der Voruntersuchung war dies. Die Ehefrau des am Morgen des Peter-Pauls-Festes ermordeten Müllers Tasso Tassilo ward als der That dringend verdächtig in Gewahrsam ge— nommen. Ein Jeder, der aus dem Dorfe aufgefordert wurde, von ihr zu sprechen, sprach gegen sie mit Ausnahme von Falko Melegari, dessen Verhältniß zu ihr bekannt war und dessen Zeugniß keinen Jeder, der irgend 9 C T. 00000 2330.. Strohhalm aufwog, und von Don Gesualdo, der ja freilich ein Priester war, der jedoch durch die nervöse Angst, mit der er sie ver⸗ theidigte, der Beschuldigten eher Schaden zufügte als Nutzen brachte. „Sie wissen, ich bin unschuldig,“ rief sie Gesualdo am Tage ihrer Verhaftung zu und er antwortete ihr mit Thränen im Auge: „Ich bin davon überzeugt; ich gäbe gerne mein Leben, es zu be⸗ weisen. Einen Augenblick— aber nur einen Augenblick hatte ich freilich ja auch Verdacht. Doch jetzt weiß ich es anders und bin darin so sicher, wie ich weiß, daß die Sonne vom Himmel strahlt.“ Doch sein Glauben konnte seine Umgebung nicht überzeugen. Das herrschende Gefühl unter den Leuten in Marca war gegen sie, und angesichts dieses Gefühles und der allbekannten Zwistigkeiten, welche die letzten Tage ihres Mannes verbittert hatten, glaubten die Behörden auf jeden Fall ihre Verhaftung anordnen zu müssen. Selbst ihre Schönheit ward eine Waffe gegen sie. Es schien den Anklägern ganz natürlich, daß eine so hübsche, junge Person den Wunsch gehegt haben konnte, sich von einem alten, griesgrämigen ungeliebten Mann zu befreien. Umsonst— vollständig umsonst verschwor sich Falko Melegari hoch und theuer, daß sein Verhältniß zu ihr ein vollkommen schuldloses gewesen sei. Kein einziger schenkte ihm Glauben. „Sie müssen das ja nur so sagen,“ meinte der Richter mit launiger Ungeduld. „Aber Gott im Himmel, wenn ich schwöre, daß dem so ist,“ rief Falko. „Dem ist ja stets so, wenn der Galant ein Ehrenmann ist,“ erklärte der ironische Richter mit ungläubigem, vergnügten Lächeln. Nachdem man so ihre einzigen Vertheidiger als unzuverlässig hingestellt hatte, ward sie nach Vendramino gebracht und dort hinter Schloß und Riegel geführt, bis die Majestät des Gesetzes ent— scheiden würde, ob sie schuldig oder nicht schuldig sei an dem ge⸗ waltsamen Tod ihres Gatten. Die Leute in Marca waren zufrieden. So ward Generosa von den Gerichtsdienern fortgeführt und Marca sah ihr hübsches Köpfchen mit den Silbernadeln in seinen üppigen Flechten sich nicht mehr zu den viereckigen Mühlenfenstern hinauslegen. Die Mühle aber ging darum ihren Gang weiter. Tasso Tassilo's Bruder, der stets einen Antheil daran sowohl an Arbeit wie an Verdienst besessen hatte, übernahm jetzt die Leitung der Wirthschaft. Der Mord diente noch zur Weinlesezeit, ja bis zur Maisernte und noch später den Leuten als Gesprächsstoff. Wie die Nächte lang und die Tage kalt wurden, hörte er nach und nach auf das Hauptthema des Interesses zu sein. Keinem Einzigen fiel es ein, Zweifel an der Schuld der Verhafteten zu hegen, oder sie zu bedauern, wenn man auch allgemein geneigt war, zuzugeben, daß ihre That, alles richtig erwogen, nicht ganz unnatürlich schien. Ihre eigenen Angehörigen waren zu arm, um ihr irgendwie zu Hilfe zu kommen. Dem Pfarrer von San Bartolo ward es ein paar Male ge— stattet, sie im Kerker im Beisein des Schließers zu besuchen, aber er hatte auch nicht mehr zu thun vermocht, als mit ihr zu weinen und sie mit seinem persönlichen Glauben an ihre Unschuld zu trösten. Er fand sie so ungeheuer verändert vor, daß er erst kaum die Sprache finden konnte; und er dachte bei sich, wie er sie so gealtert und vergrämt sah, was würde es ihr nützen, spräche man sie frei. Viel⸗ leicht, daß ihr noch größere Enttäuschung bevorstünde. So wie sie war, würde ihr Liebhaber sie kaum noch ansehen. Falko Melegari liebte sie ja freilich innig und glühend. Doch mit jenem Scharfsinn, der in delikaten Naturen oft das Wissen ersetzt, das ihnen von der Welt mangelt, fühlte Gesualdo heraus, daß diese seine Liebe nicht eine solche war, die der Zeit und dem Verlust physischer Schönheit zu trotzen vermochte. Vielleicht hatte Generosa auch das gleiche Gefühl, und vielleicht that ihr dieses Bewußtsein weher noch als die Einsamkeit der Haft. III. Der Winter verging, und mit dem Februar breitete das Korn einen grünen Teppich über das Land. Die Mandelbäume blühten auf den Bergseiten, die Veilchen öffneten den Windröschen den Weg und die Weiden schlugen neben der Wassermühle aus. Zur Feier des Karnevals erklang im Dorf und auf den Gutshöfen die Laute, von San Bartolo fastete und betete und hoffte Gnade im Himmel, wenn nicht auf Erden, für Generosa in ihrem Unglück zu erwirken. Tag und Nacht quälte er sein Hirn, um irgend einen Anhalt zu finden, wo der Mörder zu suchen sein könnte! Generosa bekam er keinen Augenblick mehr in Verdacht. Wären selbst die Apostel und alle Heiligen seiner Kirche auf die Erde herabgestiegen, um gegen sie zu zeugen, er hätte ihnen zugerufen, sie ist dennoch unschuldig! Hatte er sie doch gekannt, seit sie ein kleines baarfüßiges Mädchen sich am Strand Bocca d'Arnos um ihn getummelt. Höchst harmlos war ja freilich sein ganzer Verkehr mit der Frau Tasso Tassilos gewesen; doch ihm schien es, als ob das Interesse, das er an ihr ge— nommen, die Freude, die er an der Unterhaltung mit ihr empfunden hatte, schon sträflich gewesen. Es hatte ja gar Momente gegeben, in denen seine Augen, die in ihr nur eine Seele zum Retten hätten sehen dürfen, ihre leibliche Schönheit bemerkten und auf ihr mit fleischlicher Bewunderung ruhten. eigenen Augen zu einem Schuldigen zu stempeln. Diese Angst, die er jetzt um sie empfand, war der versönlichen Zuneigung ent⸗ sprungen. Er wußte es, und dies Bewußtsein stieß ihn vor die Füße seines Kruzifixes. Er wußte auch, daß er ihr durch seine verworrenen Zeugen⸗ aussagen und durch den Eifer, womit er unklugerweise eine Unschuld zu versichern suchte, die er nicht beweisen konnte, geschadet hatte. Er mehr als jeder andere hatte dazu beigetragen, den düsteren Verdacht auf sie zu werfen. Er mehr als jeder andere hatte geholfen, ihr den irdischen Frieden und das irdische Glück für immer zu rauben. Selbst wenn man sie vor den Schranken freisprach, würde sie ihr Leben lang geschändet bleiben. Selbst ihr Geliebter hatte ja bereits erklärt, daß er sich schämen würde, an hellem lichten Tag an ihrer Seite zu gehen, so lange von der Schuld der geringste, wenn auch unbegründete Flecken an ihr haftete. Candida sah ihren Herrn von Tag zu Tag dünner und schatten⸗ hafter werden, was sie mit wachsender Besorgniß erfüllte. Fasten, wußte sie, war nöthig, sonderlich für einen Priester und überhaupt im Frühjahr, aber er rührte auch nicht an, was er ruhig hätte essen können. Die frischgelegten Eier und die leckeren Salate, die sie zurecht machte, lockten ihn nicht. Kein Mensch aber, sagte sie zu ihm, könnte allein von Luft und Wasser leben wie er. „Alles mit Maaß, selbst die Frömmigkeit,“ meinte sie zu ihm, und er gab ihr Recht. Aber er änderte darum nicht seine Lebensweise, die eher die eines Mönches eines strengen Ordens als die eines Dorfgeistlichen war.“ Das Volk in Marca merkte nur zu wohl die große Veränderung, die mit ihm vorgegangen. Bleich war er stets gewesen, doch jetzt sah er fahl wie sein elfenbeinerner Christus aus. Schweigsam war er wohl auch stets gewesen, doch hatte er stets freundliche Worte für die Kinder und das Alter gehabt; und diese fand er jetzt auch nicht mehr. Die achtlose und mechanische Weise, mit der er sein Amt ausübte, kontrastirte seltsam zu den leidenschaftlichen verzweifelnden Rufen, die ihm aus dem Innersten der Seele zu kommen schienen, wenn er predigte, und die seine ländliche Zuhörerschaft, die voll— ständig unfähig war, ihn zu fassen, fast erschreckten. „Man möchte beinahe glauben, der gute Parrocco habe eine schwere Sünde auf dem Gewissen,“ meinte eine Frau eines Abends zu Candida. g „Bewahre; er ist rein wie ein Lamm,“ antwortete Candida ihren Spinnrocken drehend.„Aber er war von jeher hilflos und kindlich, zu sehr in himmlische Dinge vertieft— mögen mir die Heiligen diese Meinung vergeben.“ Doch die Haushälterin war in ihrem Innersten ebenso bestürzt über die Aenderung, die sie an ihrem Herrn erlebte. Sie schrieb sie ganz richtig seiner Angst zu, in der er um die Gefahr Generosa Fe's lebte; doch diese Angst an sich schien ihr ungehörig für Jemand. von seinem heiligen Beruf. Solche Person, wie die Müllersfrau war, verdiente es gar nicht, daß sich ein so frommer Herr um sie so viele Gedanken machte. Ein Zweifel konnte doch überhaupt nicht mehr sein, daß sie am Abend vor Peter und Paul in den Rohrgebüschen das Messer ge— führt hatte, dachte Candida, unter deren Tugenden Barmherzigkeit die größte nicht war. Doch was hatte damit der Parrocco zu thun? In ihrer rauhen halb mütterlichen Weise suchte sie ihren Herrn für sein übergroßes Interesse an einer solchen Sünderin zur Rede zu stellen. 5 Das genügte, ihn in seinen Böllerschüsse wurden abgegeben und es wurde gezecht. Der Pfarrer — * e ee 5 2331 W. ö frugales Abendessen auftrug. „Die Leute in Marca sagen schon, Sie denken viel zu viel an diese Geschichte. Die Leute raunen sich sogar zu, Sie vernachlässigten darüber Ihre heiligen Pflichten,“ bemerkte sie, während sie ihm sein „Verbrechen werden, so lange die Welt steht, begangen werden. Warum sollen da gute Menschen über etwas, was einmal nicht zu ändern ist, außer Fassung gerathen?“ Gesualdo antwortete nicht, aber die Wirthschafterin sah seine Lippen beben.„Es kommt mir nicht zu, Ehrwürden an Pllicht zu gemahnen,“ fügte Letztere in scharfem Ton hinzu,„aber die Leute sagen, sich um eine Verbrecherin so zu ängstigen hieße den Guten Unrecht thun.“ Gesualdo streckte seine Hand leidenschaftlich über den Tisch. „Wie kannst Du es wagen, sie eine Verbrecherin zu nennen?“ rief er.„Ist ihre Schuld schon bewiesen?“ Candida sah ihn mit verschmitzten argwöhnischen Blicken an, wie sie den Salatnapf niedersetzte. „Ich habe noch keinen gesprochen, der daran zweifelt,“ sagte sie grausam,„außer Ehrwürden und ihr Schatz drüben im Schloß.“ „Ihr seid alle viel zu sehr geneigt, das Schlechte zu glauben,“ sagte Gesualdo mit nervöser Hast. Und er stand auf, ließ sein Essen unberührt stehen und ging zum Hause hinaus. „Er ist ganz außer sich um dieses Frauenzimmers willen,“ dachte Candida, und nachdem sie eine Weile auf sein Zurückkommen ge— wartet hatte, setzte sie sich hin und verspeiste den Salat selber. Waren Verbrechen gleich in der Welt so gemein wie Fliegen im Sommer auf dem Pflaster, so sah sie doch nicht ein, warum das gute Essen darum verkommen sollte. Nach dem Essen nahm sie ihren Rocken und ging und setzte sich auf die niedrige Mauer, die den Kirchen-Grund und Boden von der Straße trennte und klatschte mit den Dorfbewohnern. Kein einziger in Marca hatte je so viel zu thun, um nicht zum Klatschen ein paar Minuten übrig zu haben, und die Kirche war ein be— liebter Halteplatz für die sonnenverbrannten Bäuerinnen, wenn sie vom Felde, aus den Bergen oder von dem Brunnen kamen. Und hier vor ihren Klatschbasen konnte Candida nicht umhin, das eine oder das andere Wort fallen zu lassen, das die Unruhe verrieth, in der sie über die Veränderung im Wesen des Pfarrers lebte. Sie war ihm zugethan und ergeben, aber ihre Ergebenheit war nicht so stark wie ihre Liebe für Geheimnißkrämerei und ihre Ungeduld über alles, was ihrer Neugier eine Schranke entgegensetzte. Sie war sich nicht bewußt, eine Silbe gesagt zu haben, die seinem Ruf nachtheilig sein konnte, indeß alle ihre Nachbaren gingen von ihr fort mit dem Gedanken, daß im Pfarrhaus nicht alles recht ge⸗ heuer sei und daß des Pfarrers Haushälterin, wenn sie wollte, schöne Dinge zu erzählen wußte. Seit den Tagen des Mordes Tasso Tassilo's hatte sich in Marca ein reges Vorurtheil gegen Don Gesualdo herausgebildet. Ein Mensch, der bei einem solchen Ereigniß, wie dieses war, nicht schrie und zeterte, war zum Mindesten ein unngtürlicher Mensch in ihren Augen. Den Leuten fiel es da plötzlich ein, daß er ausländisches Blut in sich hatte, und daß er sich eigentlich mit Tasso Tassilo's Frau stets freundschaftlicher gestanden hatte, als sich für seinen Beruf schickte. Falko Melegari wurde von den Behörden der Zutritt zu ihr verweigert. Man war sich nicht klar, ob ihr Geliebter mit dem Verbrechen nach allem nicht doch irgendwie in Verbindung stand. Ueberdies hatte seine ungestüme und unbedachte Sprache bei dem Vorverfahren so gegen jede Sitte verstoßen, daß alle Beamten gegen ihn voreingenommen waren. Diese Maßregel erhöhte den Schmerz, den er fühlte, und reizte ihn gegen den Pfarrer von San Bartolo, dem der Zutritt zu ihr vergönnt ward. „Diese schwarzen Schlangen schlüpfen und drängen sich überall hinein,“ dachte er ingrimmig, und er fing an zu wüthen und zu fluchen gegen das ganze Pfaffengezüchte. 5 Zu Ostern war Gesualdo stets sehr angegriffen; und als Ostern in diesem Jahre herankam und alle die Sünden Marca's in sein Ohr gesenkt wurden, schienen sie ihm gemeiner als je zuvor. Ihrer aller Beichten kamen immer wieder und immer wieder auf ein und dasselbe hinaus. Geiz, Unzucht und Unehrlichkeit. Und Besserung bei keinem. Die ganze Welt schien ihm eine andere zu werden. Es war ihm, als ob die feste Erde unter seinen Füßen nachgebe. Seine großen Augen starrten erschreckt und verwundert vor sich hin, und sein Gesicht ward von Tag zu Tag schmaler. Es war nach der letzten Messe in der Osterwoche, als ein Mann durch den Abendschatten auf die Kirche zukam. Sein Name war Emilio Raffagiolo, aber er war allgemein nur als Räuber Givellone bekannt. Derlei Spottnamen werden auf dem Lande so häufig gebraucht, daß sie schließlich ganz die richtigen Namen verdrängen und ersetzen. Der„Räuber Givellone“ war ein Fuhrknecht und hatte ein paar Monate in der Wassermühle in Diensten gestanden. Es war ein Mensch von etwa dreißig Jahren mit dunklem Gesicht, verwildertem Haar und braunen schläfrigen aber schlauen Augen. Er war jetzt festtäglich angezogen und trug einen runden Hut schief auf die eine Seite des Kopfes gestülpt. Er nahm ihn beim Be— treten der Kirche ab. Er konnte weder lesen noch schreiben, und seine Begriffe von seinem Glauben waren höchlichst und seltsam ver⸗ worrene. Man brauchte, so glaubte er, nur gewisse Förmlichkeiten zu erfüllen, um bei Gott angesehen zu sein. Was man sonst that und trieb, kam nicht in Betracht. Nichts in der Welt kommt in Bezug auf Verwirrung und Unklarheit den Anschauungen des italienischen Bauern über seine Religion gleich. Der Priester ist ihm das, was der Medizin-Mann dem Wilden ist. Seinen Rath hat er längst aufgehört zu achten, nur für sein Amt hat er sich noch ein aber⸗ gläubisches Gefühl erhalten. Dieser Mensch nun betrat, seinen Hut abnehmend, die Kirche und ging auf den Beichstuhl zu, sich dabei bekreuzigend, Gesualdo machte sich mit einem Seufzer bereit, seine Beichte anzuhören, obgleich die Stunde keine übliche war und die Anstrengungen des Tages ihn so ermüdet hatten, daß sein Kopf ihm zu schwindeln begann. Indeß physische Schwäche hatte er noch nie vorgeschützt, hieß es den Pflichten seines Berufes gerecht zu werden. Und so setzte er sich hin und erwartete, den Fuhrknecht erkennend, müde das alte hundertfach gehörte Sündenregister von neuem vorerzählt zu bekommen. Sein Gewissen warf ihm seine Apathie vor. Hatte er nicht diesen ungeschlachten, vertrunkenen Fuhrknecht ebenso gerne und freundlich wie jeden anderen zur Beichte zu empfangen? Der Mann beantwortete die üblichen priesterlichen Fragen ab— gebrochen und mürrisch. Er mußte thun, was er that, er konnte nicht anders, weil ihn sein Aberglaube dazu trieb, der im Augen— blick in ihm die Oberhand hatte. Indeß war er ingrimmig gegen sein eigen Gewissen und in Angst vor dem, was er that. Seine Glieder zitterten, es war ihm, als ob seine Zunge schwölle und größer würde als der Mund und ihm den Dienst versagte, wie er endlich mit dicker und belegter Stimme herausstieß: „Ich war's— ich habe ihn ermordet.“ „Wen?“ fragte Gesualdo, dem das Herz plötzlich still stand. Ohne die Antwort zu hören, wußte er, was herauskommen würde. „Den Müller Tassilo,“ sagte der Fuhrknecht; und so weit mit seiner Beichte gekommen, gewann er Vertrauen und Muth wieder, lehnte sich dichter an Gesualdo's Ohr und gestand mit einer sellsamen Art von Stolz, wie und warum er die That begangen hatte. „Ich wollte nach Südamerika fort,“ murmelte er.„Ich habe einen Verwandten drüben, der sagt, daß man dort leicht Geld ver— dienen kann und wenig zu arbeiten braucht. Ich hatte mir längst vorgenommen, Tassilo zu berauben, aber ich wagte es nicht. Er schloß das Geld fort, sobald er es einnahm, und wenn die Summe noch so gering war, und erst wenn er zur Bank ging oder Staat für seine Frau kausen wollte, holte er seine Schätze wieder hervor. Den Tag vor Peter und Paul nun hatte er, wußte ich, sieben— hundert Franken für Weizen erhalten. Ich sah, wie er das Geld in sein Pult verschloß und hörte ihn zu seiner Frau sagen, daß er es am nächsten Tag in die Stadt tragen würde. Dies geschah am Vormittag. Am Abend geriethen die Eheleute in Zank. Sie reizte ihn und er drohte ihr. Die Nacht lang paßte ich ihm auf. Er war vor Morgengrauen schon wieder auf, schloß und riegelte die Mühle selber auf, rief den Werkführer und sagte diesem, er ginge in die Stadt und gab an, was ein Jeder von uns thun sollte. „Ich werde den ganzen Tag fortbleiben,“ sagte er. Es war noch dunkel. Ich stahl mich, unbemerkt von den Leuten, ihm nach. Ich dachte mir, ich wollte ihm sein Geld auf dem Gang zur Post in San Arteero abnehmen. Morden wollte ich ihn nicht, nur sein Geld wollte ich haben. Damit konnte ich nach Amerika hinüber und es drüben eine Weile aushalten. Das war mein Vorsatz. Geld spielt einmal die erste Rolle im Leben. Und so ging ich dem Müller eine ganze Strecke nach, ehe ich den Muth zu dem Augriff fand. Er sah mich nicht wegen des Rohres. Da kam er auf das ——— oder nie!“ Ich sprang auf ihn zu und stach ihn unter die Schulter. Er fiel wie ein Stein. Ich durchsuchte ihn, aber in seinen Taschen war weiter nichts als ein geladener Revolver. Ich glaubte, er sagte nur so, daß er zur Stadt gehen wollte, um unverhofft zurückzukehren und die Liebenden beieinander zu finden. Ich vergrub das Messer unter die Pappel ein paar Ellen ab von dem Ort, wo er fiel. Ich hätte es in den Fluß werfen können, doch es heißt, Mordsachen schwimmen stets oben. Dann wandte ich mich ab, so um eine neue Hoffnung gekommen, ging zur Mühle zurück und an meine Arbeit, bis die Leute kamen und die Müllerin herausriefen und ihr alles erzählten. Da that ich, als wüßte ich von nichts und ging mit den anderen mit hinunter an die Stelle der That. Das ist alles, was ich zu beichten habe.“ Der Mann, der dies Geständniß abgelegt hatte, war jetzt ruhig und kalt, während der Priester, der es gehört hatte, vor Ent— setzen bleich bis auf die Lippen geworden. „Aber gegen seine Frau richtet die Anklage sich. Sie wird verurtheilt wer— den,“ rief er in Todes— ängsten. „Ich weiß,“ antwortete der Mann verdrießlich. „Sie können aber nicht von mir sprechen. Ich habe es Ihnen unter dem Siegel der Beichte an— vertraut.“ Das war die Wahr⸗ heit. Geschehe was wollte. Gesualdo durfte nimmer offenbaren, was er gehört hatte. Vor seinen Augen flimmerte es, der Kopf wirbelte ihm, Todesohn— macht kam über ihn. Der Gedanke, daß der Mörder Tasso Tassilo's dicht vor ihm stand, daß seine Au— gen ihn anstarrten, daß seine Stimme es war, die zu ihm sprach, daß er der Gerechtigkeit zu Hilfe kommen und die Unschuld retten konnte und es doch wieder nicht durfte,— das Alles benahm ihm mit seiner Schauerlichkeit fast die Sinne. Er verlor ganz das Bewußtsein, wie er dort kniete und auf das Holzwerk des Beichtstuhles vortaumelte. — Seine Lehrer hatten Recht gehabt, wenn sie in den Tagen des Noviziates von ihm gemeint, er wäre nicht aus dem zähen Stoff, den des Lebens Grausamkeit verlangte. Als er sich einigermaßen wieder zu sammeln anfing und die Sinne ihm allmählich unter einem seltsamen, dumpfen prickelnden Schmerz in den Gliedern und im Hirn wiederkehrten, war die Kirche völlig dunkel und der Mann, der die schauerliche Beichte abgelegt hatte, fortgegangen. Gefualdo raffte sich mit Gewalt auf, setzte sich auf den Holzsitz nieder und versuchte zu denken. Er schämte sich bitter seiner eigenen Schwäche. Was taugte er, wenn er, der Menschen Hüter und Leiter, Zur Kirchweih. Nach dem Originalgemälde von Aug Müller. 2 bei dem ersten Schreckenswort wie ein Weib ohnmächtig wurde und nicht einmal die Sprache zu dem Fluch fand, den er gegen den Bösewicht hätte aussprechen müssen. Hatte man ihn, daß er sich so feig benehmen sollte, zum Diener der heiligen Kirche ernannt? Es war Mitternacht, als er mit zitternden Gliedern aus dem Kirchenportal herauswankte und die Steintreppe nach seiner Schlaf— kammer hinaufklomm. Candida öffnete ihre Thür, steckte ihren Kopf hinaus und rief ihm zu: „Wo haben Sie nur so lange gesteckt, während hier Ihre Lampe umsonst herunterbrannte und Ihr schönes Bett auf Sie wartete. Sie sind kein so kräftiger Mann, daß Sie so spät ausbleiben dürfen, und für einen Geistlichen schickt es sich überhaupt nicht.“ „Schweigen Sie,“ sagte Gesualdo in einem Ton, den sie noch nie von ihm vernommen hatte. Er ging hinein und schloß sich ein. Er sehnte das Licht des Morgens herbei und doch graute ihm davor. Als die Dämmerung kam, brachte sie ihm auch weiter nichts als die Kennt— niß, daß der richtige Mör⸗ der da war, dicht in seiner Nähe und daß er densel— ben nicht anzeigen könne, um die Schuldlose zu retten. Die gewöhnlichen Wochentagsbeschäftigun— gen nahmen seine Zeit in Anspruch und er erledigte sie mit mechanischer Pein— lichkeit, aber er sprach alle seine Worte wie in einem Traum und er sah alles, was ihn umringte, wie durch einen dichten Nebel. Seine kleine Behau— sung mit dem schwarzen Cypressen Schatten davor, die ihm einst das Heim des vollkommensten Frie— dens geschienen hatte, kam ihm jetzt plötzlich wie ein Kerker vor, in dem ihm das Herz absterben mußte. In der Mitte der Nacht zu Ende der Woche stand er, von einem unabweis— baren Impuls getrieben auf, zündete sich eine La— terne an und stahl sich heimlich wie ein Dieb auf verbrecherischem Weg aus seiner Thür, nahm sich den Todtengräberspaten aus dem Werk— zeugshaus und huschte durch den Schatten an die Stelle, wo Tasso Tassilo's Leiche gefunden worden war. Im Mondlicht stand dort hoch und schlank die von dem Fuhrknecht in seinem Geständniß be— zeichnete Pappel. Die Vögel, die seit Stunden fest in ihren Zweigen geschlafen, wachten von seinen Fußtritten auf. Er setzte seine Laterne auf den Boden, den die Strahlen des Mondes durch das Geblätt nicht trafen, und fing an zu graben. Er grub eine ziemliche Weile erfolglos. Dann endlich stieß sein Spaten auf etwas Festes in dem trockenen Lehmboden; es war wirklich ein Messer. Er nahm es schaudernd auf. Dunkelrothe Flecke waren auf der Stablklinge. 222 2333 W. N 0 0 Franz Liszt. . 8 5 * 2 2334 Es war ein schmales etwas gebogenes Messer, etwa sechs Zoll lang, ein Messer, wie es jeder Italiener der unteren Klassen stets bei sich trägt und mit dem die meisten italienischen Mordthaten be— gangen werden. Er blickte es lange an. Wenn das leblose Ding nur hätte sprechen können, wenn es die Unthat hätte erzählen können, die es vollbracht! Auf dem Boden knieend, sah er es in starrem Entsetzen an, dann legte er es wieder in die Grube, die er gegraben hatte, zurück und glättete mit seinem Spaten die Erde, mit der er es wieder bedeckte. Der Boden war so trocken, daß er fast keine Spur von seinem Thun hinterließ. Ernst kehrte er dann nach Hause zurück, von der Wahrheit des Geständnisses, das ihm gemacht worden, fetzt fest überzeugt. Ein paar Leute begegneten ihm auf dem Weg. Bauernjungen, die frühzeitig Vieh auf einen fernen Markt führten. Sie grüßten ihn respektvoll, aber lachten, als sie an ihm vorbei waren. Was hatte Seine Ehrwürden, wunderten sie sich, zu dieser Tageszeit nur mit einem Spaten zu thun? Grub er etwa nach Schätzen? In der Gegend erzählte man sich nämlich von vielen, vielen Säcken Dukaten, die irgendwo an dem Fluß zu Zeiten des ersten Konsuls, um sie vor den Franzosen zu retten, vergraben worden wären. Ohne zu ahnen, was sie von ihm sprachen und dachten, ging Gesualdo heim, stellte den Spaten wieder in das Werkzeugshaus, schloß seine Kirche auf, trat ein und blieb lange im Gebet, dann weckte er seinen verschlafenen Glockenläuter und hieß ihn aufstehen und zur ersten Messe läuten. Der Mann stand murrend auf, denn es war noch stockfinster, und erzählte den folgenden Tag den Leuten von dem komischen Wesen des Pfarrers, wie jener die ganze Nacht in seinem Zimmer auf- und abschreite, manchmal mitten in der Nacht ausgehe und über seine Gesundheit und Ruhe klagte. Ein un⸗ behagliches Gefühl bemächtigte sich der Einwohnerschaft. (Schluß folgt.) Franz Liszt. In den ersten Tagen des August ist in Bayreuth ein Mann aus den Reihen der Lebenden geschieden, der einen fast ebenso gewaltigen Einfluß auf das Musikleben der Gegenwart ausübte, wie sein Schwieger⸗ sohn Richard Wagner. Franz Liszt hat seine Laufbahn als musikalisches Wunderkind begonnen und sich dann zum Meister aller Pianisten emporgerungen. Nach Paganini erregte kein Virtuose der Welt so feurige Bewunderung, als der Pianist Franz Liszt. Um ihn schaarten sich in Rom und Weimar die jungen Virtuosen aller Länder. Die Zahl der jungen Talente, welche er ausgebildet, gefördert oder in die Musikwelt eingeführt hat, ist Legion. Er war außerdem ein bedeutender und fruchtbarer Komponist und lenkte als solcher in neue Bahnen ein, indem er für sein individuelles Empfinden neue Kunstformen erfand. Franz Liszt, der König der Pianisten, war, wie Joachim, der König der Geiger, ein Ungar und wurde am 22. Oktober 1811 in Raiding geboren. Sein Vater, ein Beamter des Fürsten Esterhazy, besaß selber musikalische Bildung genug, um dem Knaben den ersten Unterricht auf dem Piano zu ertheilen. Franz Liszt zeigte eine fast an's Wunderbare grenzende Begabung für die Musik, trat schon in seinem neunten Lebensjahre öffentlich auf und erregte durch die weit gediehene Technik Erstaunen. Es nahmen sich dann reichbegüterte ungarische Edelleute, die Grafen Amade und Szarpary des jungen Talentes an, und Liszt's Vater wurde in den Stand gesetzt, mit seinem Sohn nach Wien zu gehen, wo Czerny den weiteren Unterricht übernahm. Nach anderthalb Jahren trat Franz Liszt auch in der alten Kaiserstadt an der Donau mit glänzendem Erfolg auf. Von hier begab er sich nach Paris, wo er Aufnahme im Konservatorium zu finden hoffte. Cherubini, der Direktor dieser Anstalt, wies ihn jedoch mit dem Bemerken zurück, daß er als Ausländer nicht zugelassen werden könne. Zum Glück bedurfte der hochbegabte junge Bursche des Konservatoriums nicht mehr, er spielte in den Salons der französischen Aristokraten, erhielt Einladungen zu den Hofkonzerten und machte durch seine Leistungen so großes Aufsehen, daß sein Name bald in aller Munde war. Von Paris aus unternahm er im Alter von sechzehn Jahren Konzertreisen nach England, die gleichfalls vom glücklichsten Erfolg gekrönt waren. Die Julirevolution brachte bei Liszt eine große seelische Erregung hervor und unter dem Eindruck derselben schrieb er seine erste Komposition, die er als„Revolutions-Symphonie“ 1 bezeichnete. Paganini, den er im Jahre 1831 zum ersten Mal hörte, übte einen großen Einfluß auf seine künstlerische Entwickelung N aus. Liezt trat in einen künstlerischen Wettstreit mit Thalberg und es gelang ihm, diesen zu überflügeln. Für seine Stellung in der pariser Gesellschaft ist ein kleiner Zank bezeichnend, den er mit Heinrich Heine hatte. Jener große Lyriker zeigte bekanntlich in der Verbannung Interesse für Berlioz, Liszt und Chopin. Am höchsten stand ihm Chopin, von Liszt aber schrieb er: derselbe stehe im 4 . Mittelpunkt der Vorstellung, in welcher der Enthusiasmus mit der Ironie den Ton wechsle. Bei seiner Kritik der drei Musiker ging der geniale Heine, wie das seine Art war, auf das persönliche Gebiet über, erfuhr aber dann durch Liszt eine Zurechtweisung, welche wohl beweist, daß der Musiker nicht weniger geistreich war als der. Dichter. Heine hatte über Liszt geschrieben:„Höchst merkwürdig 1. sind seine Geistesrichtungen. Er hat große Anlagen zur Spekulation 5 und mehr noch als das Interesse seiner Kunst interessiren ihn die Untersuchungen der verschiedenen Schulen, die sich mit der Lösung der großen, Himmel und Erde, umfassenden Frage beschäftigen. Er glühte lange für die schöne Saint⸗Simonistische Weltansicht, später umnebelten ihn die spiritualistischen oder vielmehr vaporischen Ge— danken von Ballanche, jetzt schwärmt er für die republikanisch— katholischen Lehren eines Lamennais, welcher die Jakobinermütze aufs Kreuz gepflanzt hat. Der Himmel weiß, in welchem Geistes⸗ stall er sein nächstes Steckenpferd finden wird. Aber lobenswerth bleibt immer dieses unermüdliche Lechzen nach Licht und Gottheit, es zeugt von seinem Sinn für das Heilige, für das Religiöse.“ Liszt befand sich in Venedig, als diese Kritik erschien, und er N antwortete sofort in einem offenen Briefe, worin es unter Anderem. heißt:„Offen gesagt, ich sehe die Veröffentlichung der Gedanken und Gefühle inneren Lebens durch die Presse als eines der Uebel unserer Zeit an. Unter uns Künstlern herrscht der große Mißgriff, daß einer den Andern nicht nur in seinen Werken, sondern auch in seiner Persönlichkeit beurtheilt. Irre ich nicht, so habe ich zur Zeit, als ich im Stillen den Predigten der Saint-Simonisten mit vielen Anderen folgte, aus der Ferne auch Sie, den berühmten Dichter, vordringen sehen bis in das Sanktuarium, zu dem Sie sich später auch furchtlos bekannten, indem Sie dem pere Enfantin ein schönes Buch mit der Bitte dedieirten, durch Raum und Zeit hin-. durch sich mit Ihnen verbinden zu wollen. Etwas später gewährte mir die Güte des Herrn Ballanche eine Begegnung mit Ihnen in seinem Hause und machte mich einige Male zum demüthigen Echo der Bewunderungsaussprüche, die aus Ihrem Munde ihm nur schmeicheln konnten. Es ist wahr, Sie konnten das Kreuz zu Gol⸗ gatha immer besser entbehren als ich, und doch wiesen Sie mit Energie die Beschuldigung zurück, zu jenen zu gehören, die es dem Erlöser der Welt errichtet haben. Und was sagen Sie zur Jakobiner. mütze? Sollte Sie bei eifrigem Nachsuchen wirklich nicht mehr in 1 Ihrer Garderobe zu finden sein?“ 8 1 Diese feine Abfertigung verschaffte Liszt die Achtung der litera.* rischen Kreise von Paris. Vom Jahre 1839 bis zur Revolution des Jahres 1848 bereiste der Künstler fast alle größeren Städte Europa's, um jene Virtuosenkonzerte zu geben, welche ihm Lorbeeren und Gold in Hülle und Fülle einbrachten, dann wurde er wander müde und ließ sich in Weimar nieder, wo ihm der Großherzog längst die Stelle eines Hofkapellmeisters und ein schönes Haus als Wohn⸗ sitz angetragen hatte. Liszt ließ sich auch in dem Lieblingssitz der Musen an der Ilm nieder und sammelte einen Kreis von Schülerinnen 1 und Schülern um sich, welche er mit Eifer unterrichtete. Außer- dem schuf er in Weimar eine große Anzahl von Kompositionen und bot von hier aus seinen ganzen Einfluß auf, um den Musik- dramen Wagner's die Wege zu ebnen. Die Neidlosigkeit ist eine der schönsten Charaktereigenschaften Liszt's. Wie er mit dem vollen Gewicht seiner künstlerischen Autorität für Wagner eintrat, mit dem 3 er sich geistig verwandt fühlte, so ebnete er auch jungen Pianisten* in aufopferndster Weise den Weg zum Ruhm. Das beredteste Zeug⸗ niß hierfür bot wohl der geniale Karl Tausig, welcher als Knabe Auf⸗ nahme und die liebevollste Unterweisung im Hause Liszt's empfing, und der selbst durch seine leichtsinnigen Streiche den Meister nicht zu erzürnen oder in seiner zärtlichen Fürsorge irre zu machen ver⸗ mochte. 1 . N 2 4 * 8 5 1 U A 1 1 . 1 . 1 * 1 5 1 1 335.. Im Jahre 1860 sehen wir Liszt in Rom unter dem Schutz des Vatikans. Es gewann damals den Anschein, als wolle der Künstler, der alle Freuden der Welt genossen hatte, fortan in klöster— licher Einsamkeit leben und in den schattigen Hallen eines Klosters schlug er in der That seinen Wohnsitz auf. Der Papst verlieh ihm auf seinen Wunsch die Würde eines Abbé. Was den Künstler ver— anlaßte, im ewigen Rom den Klosterfrieden zu suchen, läßt sich schwer entscheiden. Ein stark romantischer und auch ein mystischer Zug findet sich ja in seinen Kompositionen und lag also naturgemäß auch in der Seele dieses Tonheros. Vielleicht aber bestimmten ihn auch äußere Momente zur Weltentsagung. Liszt war Zeit seines Lebens ein Liebling der Frauen und manche edle und manche abenteuerliche Frauengestalt ist mit seinem Leben verwebt. In Paris hatte er die aus der Familie Bethmann in Frankfurt stammende Gräfin d' Agoult, geborene de Flavigny kennen gelernt, welche sich unter dem Pseudonym Daniel Stern als Schriftstellerin durch ihre Novellen und geistreichen Aus— sprüche ein gewisses Ansehen erwarb. Die Gräfin verließ ihren Gatten und lebte mit Liszt in wilder Ehe. Sie gebar zwei Töchter, welche Liszt als seine Kinder anerkannte und die er später auch zu seinen Erbinnen einsetzte. Von diesen Töchtern hat die Aelteste den französischen Minister Olivier geheirathet, die zweite, Kosima, den Pianisten Hans von Bülow und später den Tondichter Richard Wagner. Später trennte sich Liszt von der excentrischen Gräfin d'Agoult und die letztere bewies ihm, so oft er nach Paris kam, — —— um den Festspielen beizuwohnen. Klavierschule hinterlassen. Rhapsodieen. ihre Feindseligkeit. Liszt trat dann in intimere Beziehung zu der Prinzessin Sayn⸗Wittgenstein, die ihm nach Weimar und Rom folgte und mit der er bis an sein Lebensende in innigster Freund— schaft verbunden blieb. Diese Frau setzte er auch zur Vollstreckerin seines letzten Willens ein. Peinliches Aufsehen erregten vor etwa zehn Jahren„die Memoiren einer Kosakin.“ Die Verfasserin dieses Buches rühmte sich, lange Jahre in vertrauten Beziehungen zu Liszt gestanden zu haben, und die Schilderung, welche dieselbe von seinem Privatleben und Charakter entwarf, ließ den genialen Künstler nicht im besten Licht erscheinen. Lange vermochte derselbe übrigens nicht in der Abgeschlossenheit eines römischen Klosters zu leben. Allmählich kehrte er in die Gesellschaft zurück, besuchte die Feste der römischen Aristokraten und verließ dann Rom ganz, um wieder nach Weimar überzusiedeln. Und Weimar ist bis zu seinem Lebensende dann sein Wohnsitz geblieben. Hier fanden sich wieder Schüler und Schülerinnen in reicher Zahl ein, die seine Unterweisung und seine Empfehlung begehrten, hier baten junge Komponisten um die Gunst, ihm ihre Tonwerke vortragen zu dürfen, hier begehrten Konzertunternehmer und Gesangvereine seinen Rath, wenn es sich um größere Unternehmungen handelte. Das letzte Lebensjahr des Altmeisters glich einem Triumphzug. Er war noch einmal nach Paris und London gegangen, um seine Freunde und Verehrer zu sehen. In Paris bereitete ihm sein Landsmann, der berühmte Maler Munkacsi, einen wahrhaft fürstlichen Empfang, und als Liszt im Salon des Malers vor einer auserlesenen Gesellschaft sich am Flügel niederließ und einige Kompositionen vortrug, entfachte er einen Sturm der Begeisterung. Wie in Paris, so veranstalteten auch in London die Musikfreunde dem greisen Künstler zu Ehren musikalische Aufführungen und Feste und man brachte seinem Genius die feurigsten Huldigungen dar. Im Juli hatte sich Liszt nach Bayreuth begeben, Auch im Hause seiner Tochter war er der Gegenstand zahlreicher Huldigungen. Während der Fest— spiele erkrankte er bekanntlich und verschied nach wenigen Tagen im Kreise seiner Angehörigen und Freunde. ö Franz Liszt gehörte zu jenen Glücklichen, denen es beschieden war, auf den Höhen des Lebens zu wandeln; ihm ging die Sonne des Ruhmes früh auf und sie hat seinen Lebensweg bis an's Ende warm und heiter beleuchtet. Sein langes Leben war reich an Früchten. In seinen„Technischen Studien“ hat er alle Erfahrungen des Pianisten niedergelegt und den Klavierspielern eine ausgezeichnete Von seinen Tonwerken nennen wir nur die Oratorien:„Christus“,„die heilige Elisabeth“, die sympho⸗ nischen Dichtungen:„Prometheus“,„Orpheus“,„Faust“,„die Ideale“ und„Tasso“. Ungemein groß ist die Zahl seiner Variationen, und Auch als Schriftsteller ist Liszt wiederholt mit Glück aufgetreten und hier ließ ihn in der Regel die warme Sympathie der Bewunderung für Berufsgenossen zur Feder greifen. Im Jahre 1851 wies er schon in einer geistvollen Schrift auf den hohen Kunstwerth von Richard Wagner's„Tannhäuser“ und„Lohengrin“ 1 — 1 1 hin und im Jahre darauf setzte er Chopin ein geistiges Denkmal. Eine sehr originelle Abhandlung hat Liszt außerdem über die un⸗ garischen Zigeuner und ihre Musik geschrieben. So zeigte sich der größte Virtuose der Gegenwart als ein uni— verseller Geist, der alle künstlerischen Bestrebungen aufmerksam ver⸗ folgte und das wahrhaft Gute und Schöne mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu fördern suchte. Seine Schüler rühmen sein Wohlwollen und seine Herzensgüte, und alle, die ihm nahe standen, waren entzückt von seiner feinsinnigen und liebenswürdigen Natur. Für die Musikwelt ist sein Tod ein herber Verlust. Mag man über den Kunstwerth seiner Kompositionen verschiedener Meinung sein, so viel ist gewiß: Franz Liszt gehörte zu den mächtigen, glanzvollen Künstlererscheinungen, welche weit über's Grab hinaus eine leuchtende Spur hinter sich lassen. R. E. Lose Blätter. Sobieski. Es war am 17. Juni 1696. In Warschau herrschte eine Sabbathstille, als ob ein hoher Feiertag wäre. In der Nähe des Königs⸗ schlosses sah man zahlreiche Gruppen, die ihre Augen ängstlich auf den Sitz der Herrscher gerichtet hatten. Drinnen lag aber auf seinem Krankenbette der Heldenkönig Johann III. Sobieski, der Schrecken der Türken und Tataren, der Befreier Wiens. Zahlreiche Aerzte umstanden sein Lager. „Es geht mit mir zu Ende,“ sagte Sobieski. Man vermied direkte Ant⸗ wort und erwiderte:„Wollen Euer Majestät nicht Euer Testament machen.“ „Wozu?“ erwiderte der Leidende spöttisch:„Man hat mir während meines Lebens nur widerstrebend gehorcht, so daß ich nicht annehmen kann, man werde es nach meinem Tode thun.“ W. G. Wie die großen Tonkünstler schufen, ist ungemein verschieden. Wenn Auber auf seinem Schimmel galoppirend seine Melodieen fand, schuf Beethoven seine Meisterwerke in nächtlicher Stille oder in der Einsamkeit des Waldes, arbeitete der Ritter Gluck am liebsten in Gegenwart der Champagnerflasche im Angesicht einer sonnigen Flur. Mozart schrieb die Arie des Sarastro: „In diesen heiligen Hallen“ und andere seiner wunderbarsten Gesangs⸗ nummern auf der Kegelbahn. Cimarosa arbeitete mitten im Festjubel. Wenn Cherubinis Phantasie erschlaffte, nahm er ein Kartenspiel zur Hand und durchblätterte es. An den bunten Bildern schien seine Schaffenskraft wieder zu erstarken. W. G. Irene, Gemahlin Sultan Mahomeds II. Mahomed II., einer der grausamsten Herrscher des osmanischen Reiches, hielt als Sieger seinen Triumpheinzug in Konstantinopel, nachdem er den größten Theil des Ostens sich durch die Gewalt der Waffen unterthan gemacht hatte.— Er überlieferte die eroberte Stadt der Plünderung und machte dabei für sich selbst unermeßliche Beute. Eines der köstlichsten Theile derselben war ein reizendes Mädchen, Irene, die Tochter eines der edelsten griechischen Geschlechter. Ihre Reize entzückten und besiegten den Eroberer, der jetzt zum ersten Mal in seinem Leben empfand, was wahre Liebe sei. Nur mit Irene be⸗ schäftigt, vergaß er in ihrem Besitz seine Liebe zum Kriege und seinen Ehrgeiz; sein Herz schien weicher zu werden unker dem Einfluß seiner zärtlichen Leidenschaft. Selten verging früher ein Tag, an dem er nicht das Todesurtheil irgend eines seiner Unterthanen, der ihm zuwider gehandelt oder ihn be⸗ leidigt hatte, unterzeichnete. Jetzt war er menschlich und milde, und schenkte auf die Fürbitte Irenes Manchem das Leben. Irenen wurde die freie Aus⸗ übung ihres Glaubens gestattet, und Mahomed II. begann sich zu erinnern, daß seine eigene Mutter, von christlichen Eltern stammend, ihn in seiner frühesten Kindheit aus der heiligen Schrift unterrichtet hatte. Irene freute sich ihres Triumphes innig, denn sie machte den Kaiser gnädig gesinnt und schmeichelte sich bereits mit der Hoffnung, einst noch den Glauben ihrer Väter auf den Thron Mahomeds zu erheben. Das Heer aber zitterte vor Besorgniß über die täglich wachsende Macht und den steigenden Einfluß der christlichen Sklavin. Der Großvezier wagte es endlich, den Sultan im Namen der Unzufriedenen zu ermahnen, Ruhm und Ehre nicht zu vergessen. Der Tiger, auf diese Weise rauh aus seinem Schlafe erweckt, erhob sich grausamer und blutdürstiger denn zuvor. Er faßte einen gräßlichen Entschluß, und eilte, ihn auszuführen. Er berief sämmtliche Offiziere in dem Lager zusammen, und führte Irene in deren Mitte, nachdem er ihr zuvor befohlen hatte, ihre Reize durch den kostbarsten Schmuck in das vortheilhafteste Licht zu setzen. Triumphirend zeigte er sie dem sie voll Bewunderung anblickenden Heere und sagte:„Betrachtet sie genau.— Erblickten Eure Augen je ein reizenderes Wesen?— Ihr ver⸗ danke ich das einzige Glück, welches ich je in der Gesellschaft von Weibern genoß. Ich bete sie an, aber ich opfere diese Anbetung und sie selbst dem Ruhm.“ Und indem er so sprach, schlang er die Haare der Unglücklichen um seine linke Hand, riß den Säbel aus der Scheide und trennte mit einem einzigen fürchterlichen Hiebe Irene's reizenden Kopf vom Rumpfe. 1 1 1 1 1 TTT 525 25 2336.. Aüörigspromeuadt⸗ 0 1 0 f das wih das das für len uns⸗ e⸗ le — den uns füh⸗ re al⸗ wig⸗ dein ist leid wir 1 N e ce. her⸗ wir schwun-“ den den⸗ für haupt an ver⸗ ken nicht der das zen zeit v. eint mei⸗ schlun⸗ gen mehr an schooß der blei⸗ ben ne brust um⸗ fest zu de nicht es al⸗ uns leh⸗ ge⸗ ö net dich sern un⸗ ich ran⸗ les nimmt hand sals ö hält er fü steh ges⸗ neh- liebe schick⸗ au⸗ das ö 3 arm see ö ßen ber⸗ 1 mit re men 8 dem ge 1 mein rauscht die dir e doch auge spricht! zu Silben- Röthsel. Aus folgenden Silben: a ce chat cu da da del dert dra e e en en fund bal hun i i ka ke la land lauf le li li li li low mus neu no no nor nos o ra ran rhi ri ri ris ros ser ta te tel ti tra um us va vel ven wer sind 20 Worte 1 bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten, und deren End uchstaben, von unten nach oben gelesen, je ein deutsches Sprichwort ergeben. Die 20 Wörter bezeichnen: J. Die Bewegung der Planeten um die Sonne. 2. Eine prosaische Erzählung. 3. Den Hofstaat des Mikado in Japan. 4. Einen Halbedel⸗ stein. 5. Eine britisch-nordamerikanische Insel. 6. Eine Landschaft im südwestlichen Kleinasien. 7. Einen Fluß in Asien. 8. Den Namen eines Heiligen(auch kalten Tages.) 9. Eine Singstimme. 10. Einen berühmten deutschen Bildhauer. 11. Den Namen einer Göttin. 12. Einen Dickhäuter. 13. Einen Fluß in Deutschland. 14. Eine britische Orkney-Insel. 15. Eine Blume. 16. Eine Spinnenaxt. 17. Eine wohlriechende Pflanze. 18. Einen Sonntag im März. 19. Eine Zahl. 20. Den Namen eines verstorbenen Astrologen. Dreisilbige Charade. Man fängt auf eins, zwei, drei Die Silben eins und zwei, Will eins und zwei man braten, Kann drei man nicht entrathen. Auflösung des Silben⸗Räthsels in voriger Nummer: Die verlorlejne Handschrift. Roman von Gustav Freytag.— 1. Dreißig. 2. Jaka. 3. Eremit. 4. Vevey. 5. Erde. 6. Revolver. 7. Landgraf. 8. Octav. 9. Ravenna. 10. Nantucket. 11. Epaminondas. 12. Honolulu. 13. Arenen⸗ berg. 14. Norden. 15. Duero. 16. Stativ. 17. Christusorden. 18. Rosa. 19. Infam. 20. Fidelio. 21. Thaler;— des Sprichwörter-Räthsels: Eine Liebe ist der andern werth;— des Quadrat-Räthsels: PEER S A N O 1 U N En L E VK 0 JE A N D** As FF E R 11586 S rI[R TAT Us Gs Skat-Aufgabe Ur. 2. Vorhand ist im Besitz eines unverlierbaren Null-ouvert. Mittelband beabsichtigt, einen Grand anzusagen und reizt bis Null-ouvert. Da die Vorhand annehmen muß, daß Mittelhand Grand spielen wolle, so paßt sie. Die Mittelhand sagt aus Versehen Null-ouvert an, wird genöthigt, es dabei zu lassen— und em innt das Spiel. Wie war die Lage der Karten und der Gang des Spiels? Schach. Problem Nr. 415 von J. Kohtz und C. Kockelkorn. Schwarz. n. .* e e 5 a e 2 . 2 n 2 e 1 g 7 h Weiß. 1 Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Dieses Problem, so wie der unter Nr. 407 veröffentlichte Dreizüger, concu' rirt in dem Problem- und Lösungsturnier des„Wanderer“. 4 8 8 NN N 72 * * N Auflösungen. Problem Nr. 409 von C. Plauck in London. 1) Te6-e7 h7- h 2) Sta es: Ke5—e6 5 3) Db-e(f5) Keb dd 2) Te4f Koed:(&) 3) Dba(ed) Malt 10. e6- d5: 2) Tert K(6(da) 3) Sd5:(bbs) Matt.— Der hübsche 5 85 ug Te7 bildet die Einleitung zu drei sast gleichwerthigen Varianten.—. von F. Often in G., Dr. Wehrmeister in M., W. Kron in B., H. Michaelis in Th. Scheuler in S. Varianten: 1). Problem Nr. 410 von J. Hintzpeter in Siegen. g 1 8d4—13 Sh—f6: 9. 988 ), e,, Kas de: 3) Dal daf e5—dd:(Kfs:) 3 Dal agr. Kd6-e 4) 8385(Des) f 4 81385 f Eine dritte Wendung des Hauptspieles ist: 2).. Kos 3) 8g57 Kas: 4) Dag Matt; der Gegenzug 2). 1 erledigt sich durch 3) Debef Kot(06) 4) Dbs Matt, die weiteren Varianten sind: 10 L 5: 2) Dab Keil 3) Sgöfr Kt(dd) 4) Db(o5) Matt. 1).. Lds: 2) Sezr Kea! 3) Dad Lb 4) Db. Matt. 1).. Tde?: 2) Daß Kos(es) 3) Sdztt 40 Db (e5) Matt. 1).. Te2 2) Set Ser: 3) Daf 40 D15(b5) Matt. 1).. Ke 2) Degsf ꝛc. 1).. Ke 2), 885 2c. 1).. Lis oder beliebig 2) Ses f ic.— Der f schwarze Thurm auf bs verblltet die Spielweise 10 Kb La7 2) bar zc. Der Reichthum an Varianten und einige starke Scheinlösungen erhöhen die Bedeutung des Problems, sein Hauptwerth liegt jedoch den drei ersten Wendungen des Ideenspieles und deren vollkommen reinen Mattstellungen. — Die Lösung wurde angegeben von W. Kron in Beeck und W. Scheuler in S. Partie Nr. 238, gespielt am 22. August d. J. im Hauptturnier des Kölner Schachsestes. Weiß: E. Ehlen aus M.⸗Gladbach.— Schwarz: Meyerhoffer aus Heidelberg. 1) e2—e4 eh 13) dad—eß: d6—eß: 2) Sb-es Sb-c 14) Dd2-bö== c 3) g2—g3 LIS e 15) Dbö-eßf SgSs-e 7 4) Lf1—g2 d7- dé 16) b2—b3 LbE-ds 5) Ses a4 Ler- b 17) Lel ag) 6—0⁵) 6) Sg1—e2 Les-g4 18) Tal- ds) 25 16 7) 0-09 Sc6- dd 10 Deß-er Dg6—17 8) Sa- es DdSs—g5 70 20) De6-i 118—f7: 9) 523 Lg4—e2: 21) 1d1—4d7 Se7-g6 10) Ses e: Sd-e? 22) 1f1— dl 8g6— e577) 11) Ddl—e2: Dg5—g3: 23) ITd7- dsfs) 12) d2— das) Dg3-g6 Schwarz giebt die Partie auf. 1) Der Läufer bs mußte zuvor genommen werden 2) Hierdurch wird der Fehlzug des 0 ners nicht binreichend ausgenutzt; ein stärkerer Ansgff war mit h7 hi5 einzuleiten, 9. h5 9) hg h4 10) h g4 hig3 10 Sga: Dh 12) Shs ge ꝛc.; ganz falsch wäre 12 761 wegen Dg: 13) fig3 Se2f 14) Kfi 883 Matt. ). Gut gespielt, nimmt der Läufer 0 folgt Dböt ic oder auch zuver Leg. Dagegen hatte jetzt 2 nebst Db: keinen Erfolg gehabt, da Schwarz den Läufer g2 geschlagen batte. Auch Tat kam in Betracht, rochirt Schwarz alsdann, so würde Weiß mit 18) Tds: rds 5 Def: Tdi 2%) Kh2 und eventuell Lag oder b2 im Vertheil bleiben. 5) Sehr hübsch! nimmt Weiß den Offizier, so wird er durch Tes zurückerobert. 6) Mit der Drohung, den Läufer zu schlagen. 7) Ein grobes Versehen! Das richtige Spiel war 22).. Td7: 23) Td7: Lbe! Nimmt Weiß nun den Bauer b7, so wird durch Tas bei gutem Spiel ein Bauer zurückgewonnen. 8) Um sofortiges Matt zu verhüten, muß der Thurm auf is vorsetzen, worauf er vom Thurm oder Läufer genommen wird. Druck und Verlag der„Volks-Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105. — .—— .———————