Oberhessischen zu den Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nachrichten. Gießen, den . 17. Januar. Nun kamen zu dem allen noch jene köstlichen Ritte durch den it 1 herbstlich⸗sonnigen Wald, durch den Thymianduft der bleichenden . Halden, jenes gemeinsame Entzücken über die weiche Klarheit des 5 Septemberhimmels und den goldrothen Glanz, den die scheidende 5 Sonne über die Pfade streute, jenes friedliche Heimkehren dann im 10 Nebelblau der Dämmerung und das geheimnißvolle Behagen beim 9 Anblick des Schlosses, das mit seinen erleuchteten Fenstern so glück— und rastverheißend durch den feinen Dunst des Abends grüßte. Sah ich nach dem Rausch solcher Stunden Lucien wieder, so nagte Reue und Weh bang und zehrend an meinem bewegten Herzen. Ihr lächelnder Willkomm ward mir zur grausamsten Pein. So gingen Wochen um Wochen dahin; jeder Tag mehrte meine Leidenschaft; was aus mir geworden wäre, wenn das Schicksal nicht 4. plötzlich und erschütternd eingegriffen hätte, weiß ich nicht. 1 Ein Rudel Rehe, das einst im Halbdunkel eines sinkenden „ Oktobertags unerwartet aus dem Walde brach und dicht vor uns über den Weg setzte, brachte Katharing's Pferd zum Scheuen.— Es setzte mit ein paar tollen Sprüngen zur Seite und mochte durch das Ungestüm seiner Bewegung den Zügel aus des Mädchens Hand gerissen haben. Ehe ich noch, halb betäubt von Schrecken, von meiner Stute gesprungen, lag die schöne Reiterin schon zwischen dem Brombeergestrüpp am Wege; ihre Augen waren geschlossen, ihre Wangen und Lippen schneebleich wie die einer Todten. Als mein Rufen sie nicht erweckte, warf ich mich in verzweiflungsvoller Angst neben sie in's Gras, küßte ihre starren Hände und rief ihren Namen in sinnlosem Schmerz so laut, daß der Schall meiner Stimme den Bann ihrer Ohnmacht brach. Nie werde ich diese süßen, staunenden Augen vergessen, die aus dem blassen Gesicht forschend wie die eines 11 erschrockenen Kindes um sich blickten. Plötzlich schien sie mit der sscharfen Fassungskraft einer Erwachenden das Zittern meiner Lippen, die fassungslose Freude meiner Worte zu verstehn; bebend richtete iii sich auf, lehnte das bleiche Haupt gegen einen Fichtenstamm und begann leise und herzrührend zu seufzen, während sich Tropfen um Tropfen von ihren langen Wimpern löste;— die edle Vornehmheit dieses Schmerzes, die rührende Mafestät dieser feuchten Augen dämpften f meine Leidenschaft zu der demüthigen Anbetung, die den sündigen Pilger vor dem Bild einer Heiligen beschleicht; ruhig und gefaßt, ohne nach dem Grunde ihrer Schmerzen zu fragen, bat ich Katharinen, während ich die Zügel der Pferde an den Stamm eines Baumes knüpfte, sich zu beruhigen und zu Fuß den Heimweg zu versuchen. Ernst und wortlos gab sie endlich meinen Bitten nach; der schwere Fall aber und die Erschütterung ihres Gemüthes schien sie aller Spannkraft beraubt zu haben, so daß sie nach ein paar schwankenden Schritten zitternd und wie gebrochen stehen blieb.— Mein Zuspruch brachte sie dahin, daß sie ihren Arm in den meinen Die Schwestern. Von Frida Schanz. (Fortsetzung.) legte und sich meiner Führung vertraute.— Langsam schritten wir nun heim,— gleichsam in unserem tiefen Schweigen dem Flügel⸗ schlag eines großen gewaltigen Geschickes lauschend, das plötzlich über uns hereingebrochen war. Als wir uns dem Schlosse näherten und seine vom Wiederschein des blassen Abendhimmels gefärbten Fenster durch die Stämme schimmern sahen, blieb Katharina stehen, löste ihren Arm aus dem meinen und sagte leise und klagend:„Mein Gott,— ich war so glücklich hier! Soll denn nun alles vorbei sein?“— Da ich flehend ihren Namen nannte, wehrte sie stolz und ernst mit der Hand. „Ich bitte Sie, mich nun allein zu lassen,“ sagte sie unter er⸗ sticktem Weinen.„Ich werde noch einige Minuten hier rasten und mich zu fassen suchen, ehe ich Ihnen folge.“ Was ich empfand, da ich mich dem ehrwürdigen Heim meiner Väter näherte, vermag ich nicht in Worte zu fassen. Das Einzige, dessen ich mir klar bewußt war, war heiße Sehnsucht nach einer Lösung dieser Wirren. Wie wenig ahnte ich, was daheim meiner harrte!!— Unser alter Diener, der mir blaß und verstört am Schloßthor entgegentrat, rief mich— an's Sterbebett meines Weibes. Während ich um das Leben der Geliebten zu Gott geschrieen, hatte ein Nervenschlag den durch das lange Siechthum hinfällig gewordenen Körper Lucien's getroffen.— Mit einem Engelslächeln, das mir ie mich an ihr unauslöschlich 0 die Schatten des Todes trug, lag un⸗ in der Erinnerung bleibt, winkte f Lager.— Ihr Antlitz, das bewegt in den weißen Kissen, und unbewegt und starr lagen auch die gestreckten Finger auf der purpurnen Decke. „Ich wußte, daß Du kommen werdest, um mein Lebewohl zu hören,“ flüsterte sie tonlos in mein Ohr.„Sei ein Mann und weine nicht um mich, sondern sei glücklich mit der, die Du liebst!— Die ganze Segensfülle einer Todten soll mit Euch sein!— Ich ten Tage an— Auch sie liebt Dich, wußte es längst— vom erst obwohl sie es selbst noch nicht ahnt, wie sehr; aber einst wird sie erwachen;— dann sage ihr, daß ich ihre Liebe segne!“ Leise und mühsam flossen die Worte vom Munde der Sterbenden. Schon schien es, als wolle die lichte Seele für ewig den armen Körper fliehn, da rief ein scheuer, hastiger Tritt, der vor der Thür erscholl, noch einen Schein von Roth auf ihre Wangen zurück. „Katharina!“ hauchten die bebenden Lippen. Eine Minute später kniete das Mädchen an meiner Seite, selbst todtenblaß, fassungslos und in Thränen zerfließend, vor dem trau— rigen Bett. „Versprich mir, daß Du meinem Kind flüsterte die Sterbende. eine Mutter wirst!“ 2 —— 6 — r r 18 D Ein kaum hörbares:„Ich verspreche es, so Gott will!“ dann noch ein feierliches, geisterhaftes:„Gott segne euch!“ hallten durch das Gemach.— Dann wurde es still, schauerlich still. Ich frage mich oft, wie es möglich war, daß ich nach der Er— schütterung dieser Stunde noch einmal froh sein lernte, daß die reuevolle Erinnerung an dieses Scheiden sich nicht vernichtend zwischen mich und 8 künftige Glück stel lte. Mögen Sie in Gedanken das herbste Urtheil über mich fällen, — es sei darum! Das Wunder geschah,— das Leben, die Liebe, die glühende Leidenschaft siegte über Schmerz und Tod.— Selbst den überwältigenden Schauer jener„ lernte ich mit der Zeit verwinden. Am e tage der verklärten Frau schied Katharina aus Sassen. Das Kind, dessen ängstliches Fragen nach der Todten wir mühsam beschwichtigten, ging mit ihr. Es ließ alles willig mit sich geschehn, es glaubte, daß man es zu seinem kranken Mütterchen bringen werde. Die Wohnung von Katharinens Schwester, die an einen jungen Geistlichen in München verheirathet war, sollte Beiden für die künftige Zeit ein Asyl werden,— so war es zwischen mir und dem Mädchen verabredet worden, einfach und unter Thränen, ohne jedes Warum, ohne jeden Hinweis auf eine bessere Zukunft. Nach einem Jahr holte ich sie dann Beide zurück.— Katharina wurde mein Weib, mein Glück, der Sonnenschein meiner Tage.— Es war so, wie die Sterbende es vorausgesagt: die ganze Segens— fülle einer Todten war mit uns. Nur eins konnte selbst die überschwengliche Güte der Verklärten unserem Glück wohl nicht gewähren, ein leiser Gram rührte immer wie ein kalter Finger, wie eine ernste Mahnung an ein theures Grab an unser Glück.— Es war der Schmerz Mariannens um die Ver— lorne, die nie zu stillende Sehnsucht des Kindes nach dem Engel, der seine ersten Träume bewacht. Der Uebermuth, die lachende Lebensluft des kleinen Wesens wandelte sich in eine verzehrende Schwermuth um. Ihre Züge nahmen jenen Ernst, ihre Augen jenes nachdenkliche Sinnen an, das ihnen heute noch eigen ist. Als ich ihr zum ersten Mal klar machte, d aß ihre Mutter gestorben sei, schien das kleine, treue Herz vor Jammer brechen zu wollen. Nie hat sie dann meine zweite Frau„Mutter“ genannt, auch später nicht, als Oktav und Käthe, das Zwillingspärchen, den süßen Namen mit rosigen Lippen lallten. Auch den Kindern stand sie lange fremd zur Seite, bis das Furchtbarste geschah, was mich und die armen Dinger treffen konnte, — bis Katharina starb. Von jener Zeit an wandelte sich ihr trübes Wesen in sanfte Fürsorge, in Aufopferung und Zärtlichkeit um. Ob sie es mit dem frühreifen, ernsten Kindergemit begriff, wie bitter der Verlust war, der uns trafk?—— Ehe noch der leiseste Zug von meines Weibes wundersamer Schönheit verblichen war, mitten im sonnigsten Glanz ihrer Jugend und Heiterkeit raffte sie ein Gehirnfieber, dessen Anlaß mir bis heute räthselhaft bleibt, dahin. „Es waren sechs kurze Jahre, auf!“ sprach sie im Sterben. Nun lebe ich Jahr um Jahr in der Sehnsucht auf ein Wieder⸗ sehn und in der Erinnerung an das große Glück ihres 1 55 dahin.— Es giebt Menschenleid, welches zu gewaltig ist, als daß es die Seele vernichten könne. Meines Weibes Tod hat mir etwas ige das ich früher nicht besaß: die feste Ueberzeugung, daß das Grab die Herzen nicht für ewig scheidet!“ aber sie wiegen eine Ewigkeit Die Stimme des Freiherrn hatte sich bei den letzten Worten zu einer wunderbaren Kraft und Klarheit erhoben.— Erschüttert wie von einem Prophetenwort erfaßte ich seine Hand, und er verstand es, das Erzittern meines Herzens aus den wenigen Worten heraus zu lesen, die ich ihm zu sagen vermochte. Mild und weich, wie der rasche, lebendige Mann selten zu sprechen pflegte, sagte er: „Ich weiß es, daß das tiefste Mitgefühl Sie in dieser zu meinem Freunde macht.— Ich hätte Ihnen meine liebste Erinnerung nicht preis gegeben, wenn ich es nicht zuvor gewußt!“ Mit stummem Händedruck gingen wir auseinander. Erst in der Stille und Einsamkeit meines Zimmers, wohin ich mich zurückzog, um jeder Begegnung mit dem Alltäglichen für heute auszuweichen, klärte sich die Erregung meiner Seele zu deut— Stunde lichem Empfinden. Und nun war es kaum mehr Mitleid, was ich für den theuren Mann empfand; sein Schmerz erschien mir zu weihevoll, zu heilig und hehr, eine Anwartschaft gleichsam auf die Ewigkeit, eine Brücke, die hoch über den großen Bruch winwenffce der durch Natur und Leben klafft! Die Eindrücke des Gehörten wirkten noch bis in meine Träume nach, wie überhaupt meine Phantasie, während der Körper ruht, unermüdlich die Erlebnisse und Gedanken des Tages mir in phantastisch verwirrten Bildern wieder vor die Seele zu rücken pflegt. Eine Folge dieses lebhaften Nachempfindens mag es wohl sein, daß ich dem Geträumten unbewußt in so lauten Worten Ausdruck gebe, daß meine Freunde mich in früheren Zeiten mehr als einmal in Ernst und Scherz ermahnten, mit meinen Geheimnissen auf der Hut zu sein. In jener Nacht nun kristallisirten sich die Reminiscenzen des Vernommenen zu den sonderbarsten Gebilden. Ein schönes, sanftes W Lesen, d das ich bald Lucie, bald Marianne nannte, weilte beständig an meiner Seite. Sie trug einen silbernen Leuchter in der Hand, und geleitete mich durch eine Reihe von Sälen, deren Wände mit Bildern bedeckt waren, unter denen ich das Bildniß der blonden Freifrau suchte.„Wir werden sie finden, gewiß werden wir sie finden!“ sagte meine Führerin. Aber wir fanden sie nicht. Die Gestalten an den Wänden stiegen aus ihren Rahmen herab und bildeten eine lustige Festgesellschaft, Beide umringte. Glocken begannen zu läuten und lustige Stimmen sprachen von 1 und Sonnenschein. Mitten in dem frohen Lärm verlöschte das Mädchen plötzlich die Kerzen des Leuchters, kniete im fahlen Zwielicht auf die Erde nieder und begann heftig und untröstlich zu weinen.„Marianne, liebe Marianne!“ rief ich, von einem aufwallenden Mitleid getrieben, und da sie das Antlitz noch immer schmerzlich klagend in den Händen barg, zog ich sie mit sanfter Gewalt zu mir empor und suchte mit tausend zärtlichen Liebesworten ihr Weh zu heilen. Ich nahm ihre kalte, feuchte Hand in die meine und spürte nun mit Entzücken, wie dieselbe zwischen meinen Fingern wärmer und wärmer ward und endlich mit sanftem Druck auf mein inbrünstiges Zureden antwortete. Bei der Berührung dieser weichen Hand wachte ich auf. Da schien es einen Augenblick, als sei mein Traum zur, Wahrheit ge⸗ worden, denn auch im Wachen noch fühlte ich jene Berührung und sah im Halbdunkel des Schlafgemachs zwei mächtige, free Augen über meinem Haupte.. „Wer bist Du?“ lallte ich noch traumbefangen. Ein frisches Knabenlachen riß mich aus meinem Taumel. „Oktav, was fällt Dir ein,— was thust Du da?“ rief ich, nun völlig ernüchtert, ein wenig ärgerlich vielleicht. „Hast Du unsere Fahrt vergessen?“ tönte es lustig dagegen. „Uebrigens komme ich nur, um Dir zu sagen, daß Du nicht auf— zustehen brauchst, daß es über Nacht zu thauen und zu regnen begonnen hat. Höre nur!“ Mit ein paar schnell en Schritten war er am Fenster und riß einen der breiten Flügel auf. Ein lauer Luftzug streifte meine Wange und 1 0 Miesen und Rauschen wie von erwachten Quellen tönte an mein Ohr. „Welch ein Jahresanfang! Oktav erregt. „Wie schade! Du N Dich so auf die Schlittentour gefreut!“ sagte ich bedauernd. „Ich freue mich über etwas anderes viel lachte er selig. „Du? Was ist denn geschehen?“ Im nächsten Augenblick kniete der wilde Knabe am Rande meines Lagers und preßte seine Lippen in heißem Ungestüm auf meine Hand. a „Nun endlich kann ich Dir danken, daß Du mir mein Leben geschenkt hast!“ jubelte er. 4 werde Dir etwas sagen, ein reizendes Geheimniß! Das soll mein Dank sein! Ich weiß es schon seit einigen Tagen, aber seit ein paar Minuten erst bin ich gewiß, daß es Dich beglücken muß.— Als ich an Dein Lager schlich, riefst Du:„Ich habe Dich ja so lieb, Marianne!“— Nun denn— sie liebt Dich auch, gewiß, ganz gewiß! Sie wird roth und blaß, wenn ich Deinen Namen nenne;— schon zweimal fand ich sie in Thränen. Wenn Du ins Zimmer trittst, so zittert sie,— ganz leise freilich,— aber ich sehe es doch! Sei mir nicht Ist das nicht wie Frühling?“ rief tausend mal mehr!“ die uns. 2 r * 0 böse, Liebster, ich weiß es, daß Du mich jetzt am liebsten für meinen Vorwitz strafen möchtest,— aber Du kannst es nicht,— Du freust Dich doch zu sehr,— und ich,— ich konnte Dir's nicht verschweigen, ich fühlte, wie es Dich beglücken muß!“ Meine erste Regung war freilich, den thörichten Knaben zu 9 70 0 9 0 schelten, aber seine warmen Küsse schlossen meinen Mund und die Rührung über diese dankbare, liebliche Kindertreue ließ mich ver— stummen.— Und dann? War das nicht die Prophezeiung eines großen, reinen Glückes, die mir da mitten in dem geheimnißvollen Weben der Neujfahrsnacht entgegentönte? 15 Statt dem altklugen Gesellen zu zürnen, strich ich ihm die schönen, wirren Locken liebkosend aus der Stirn. „Herzensjunge!“ sagte ich weich. „Wie froh Du mich machst!“ flüsterte er.„Es hätte mich so tief beschämt, wenn Du mich jetzt mit einem Scherz abgewiesen hättest! Nun erst fühle ich mich als Deinen Freund, da Du mir glaubst!“ „Ich glaube Dir gar nichts, Schatz, als daß Du ein goldiges Herz hast! Jetzt aber lege Dich schlafen. Wir stören ja das ganze stille Schloß auf mit unserem Geplauder!— hörst Du nicht Gottlieb lärmen? Er glaubt sicher, daß wir noch fahren. Bring' ihm doch Bescheid!“ 8 Im Nu war er an der Thür.„Ich verstehe schon, daß Du allein sein willst!“ Gleich darauf hörte ich seine lustige Stimme im Nebenzimmer. Allem Anschein nach begrüßte er seinen Lehrer mit einer lateinischen Neujahrsanrede, worauf ihm dieser in gutem Dresdener Deutsch Bescheid gab.— Dann hörte ich seinen raschen Tritt auf dem Korridor, eine ferne Thür drehte sich in den Angeln, — dann wurde es still,— das Fallen und Tropfen des Thau— gewässers, das leise Getön des Regens und der Schlag meines bewegten Herzens waren die einzigen Laute, die die Stille der Neufahrsnacht durchbrachen. Mit Schlaf und Traum war es vorbei. Des Knaben Worte, die ich vergeblich als thörichten Kinderunsinn aus meiner Gedanken— welt zu verbannen suchte, hatten mich bis ins innerste Herz getroffen. Schon mehr als einmal war eine flüchtige Ahnung in mir aufgetaucht, daß der seelenvolle Schimmer von Mariannens holden Augen mir mehr bedeute als flüchtige Theilnahme;— wenn ich mich bisher gescheut, eine fröhliche Hoffnung auf dieses Ahnen zu bauen, so lag es daran, daß ich bis gestern des Mädchens Schwermuth einem ver⸗ borgenen Herzensgram zugeschrieben, vielleicht auch daran, daß die Phantasie des Künstlers, durch das köstliche Bildniß der Freifrau angeregt, die Regungen rein menschlichen Fühlens und Denkens zu sehr überwuchert und unterdrückt hatte. gun breitete plötzlich in verheißungsvoller Neujahrsnacht die Hoffnung auf ein schönes, großes Menschenglück die weißen Fittige hoch über allen Kunstträumen, über allem Formen- und Farbenzauber aus, der mir bisher den Sinn berauscht. Mit fast andachtsvollen Gefühlen dachte ich an die Möglichkeit eines Zusammenlebens mit b b 0 0 0 dem lieblichen, sanften Wesen; meine Zukunft erschien mir plötzlich in eine wahre Verklärung, in ein reines, rosiges Licht getaucht;— die Ahnung eines innigen Verstehens, einer hohen, geistigen Gemein— schaft ließ mich unwillkürlich die Hände falten. Daß ich in dieser Weihestimmung über die gesellschaftliche Kluft, die mich von dem Edelfräulein trennte, so gänzlich hinwegsah, er— scheint mir heute unbegreiflich. Sicher war es nicht das Herzklopfen des armen Bürgersohns, sondern nur das des heiß und tief bewegten Menschen, mit dem ich am andern Morgen einem Zusammentreffen mit Marianne ent⸗ gegensah.— Ich werde die wunderbare Stimmung jenes Tages nie vergessen. Mit den Blicken eines plötzlich Sehendgewordenen umfaßte ich die zarten, feinen Formen, den durch Güte verklärten Liebreiz dieser jungfräulichen Züge; jedes Wort, jedes Lächeln des blassen Mundes gewann mir Bedeutung. Nein, es war kein Traum, kein thörichter Kinderwahn! Das schöne Herz war mein! Als der bedeutungsvolle Tag zu Ende ging, hatte ich das zitternde, selige Ja des stillen Mädchens gewonnen. Mitten im Wirbel einer lauten, lärmenden Gesellschaft, die sich aus Nah und Fern zusammengefunden, hatte ein Augenblick des Zusammenseins vor einem Reise⸗Skizzen⸗ buch, das wir gemeinsam beschauten, mir die kühne Frage entrissen; — mit engelhafterem Liebreiz haben nie zwei Augen Gewährung gelächelt.— Als der letzte Wagen in später Abendstunde die letzten Neujahrs⸗ gäste hinweggeführt und ich nun Hand in Hand mit der Geliebten vor den Freiherrn trat, um zu bitten und zu beichten, kam Oktav, der im Nebenzimmer noch eben mit Gottlieb gescherzt, urplötzlich zwischen uns.— Lachend und weinend hing er an seines Vaters Hals. „Heute muß ich Dir's sagen, was ich Dir bis jetzt verschwiegen habe. Weißt Du, daß Du es Veit verdankst, daß ich noch lebe? Ich wäre ertrunken, erstarrt, wenn er nicht sein Leben für mich gewagt hätte.“— Athemlos, mit glühenden Wangen, allen meinen Einwänden zum Trotz, gab er nun das Erlebniß jener Eisnacht preis. Ob die Erschütterung, mit welcher der Freiherr seinen Bericht hörte, nothwendig war, um dessen„Ja“ für unseren Bund zu ge— winnen, weiß ich nicht. Noch heute sehe ich's im Geist, wie Marianne ihm weinend die Hände küßte und ihn flehte:„Laß es mich ihm lohnen!“ wie er dann das süße, zitternde Geschöpf in meine Arme legte, wie er unsre Hände einte, wie Gottlieb, den Oktav's Jubel herbeirief, mit einer Fluth pathetischer Segensworte alle goldenen Gaben des Himmels auf unsre Häupter herniederwünschte.—— Die wenigen Tage, die ich nach unsrer Verlobung noch in Sassen verbrachte, glichen, trotz des grauen, wolkenschweren Thauhimmels, der über ihnen schwebte, einem Lenz voll Hoffnung und Sonnen⸗ schein. Gleich einer reinen, wundervollen Blume erschloß sich mir das innerste Sein meiner jungen Braut. Eine stille, wohlthuende Heiterkeit strahlte aus ihren Blicken, grüßte aus ihren Worten. Wenn sie von der Zukunft sprach, so geschah es mit jenem frommen Beben der Stimme, das den Glücklichen eigen ist. f War es ein Wunder, daß ich von diesem Sonnenglanz so viel aus Sassen hinwegtrug, daß es ausreichte, um mir die Trennung zu versüßen, um die alten Verhältnisse, in die ich heimkehrte, zu verklären und vor allem, um dem Streben nach den Idealen meiner Kunst neue Begeisterung und Schwungkraft zu verleihn? Mariannens Briefe, die der Spiegel ihrer geistigen Lieblichkeit, ihrer Treue und Klugheit waren, mußten mir, so gut es gehen wollte, Ersatz für ein öfteres Wiedersehen sein. Statt in vergeblicher Sehn— sucht zu schwelgen, suchte ich durch anhaltendes Schaffen meine Lebens— stellung auch pekuniär zu befestigen und mir dadurch gleichsam selbst zu beweisen, daß ich des großen Glückes, das mir zu theil geworden, würdig sei. Glücksumstände, die ich unwillkürlich dem segnenden Einfluß von Mariannens Liebe zuschrieb, kamen mir in dem letzteren Bestreben zu Hilfe. Die günstigste Fügung lag für mich darin, daß es meinem Mäcen, einem reichen, geist- und gemüthvollen Russen, der durch den Ankauf meines ersten Bildes mich daheim„mode gemacht,“ plötzlich einfiel, nach Paris überzusiedeln. Es war, als sei der liebenswürdige Slave nur, um für mein geringes Nichts Propaganda zu machen, nach der Weltstadt gegangen, so reichlich flossen mir in kurzer Zeit von Seiten seiner dort hausenden Landsleute Kaufanträge zu, so königlich zahlte man meine Leistungen, so reichlich zollte man mir den idealen Tribut der Anerkennung. Die bedeutungsvollste Bethätigung dieses neu erwachten Interesses war die Idee eines russischen Fürsten, den Festsaal seines Landhauses in Passy mit Freskendarstellungen der sagenhaften Vorgeschichte der Ruthenen durch mich ausschmücken zu lassen. Das Glück und die Freude über dieses lockende Arbeitsfeld wurde unerwarteter Weise noch durch ein Wiedersehen mit Mariannen gekrönt. Mit geheimnißvoller Schelmerei überbrachte mir Oktav an einem sonnenüberflutheten Maiabend eine dringende Einladung seines alten Onkels für den kommenden Tag. Als ich in den Salon des Obersten trat, tönte mir ein unterdrücktes Flüstern und Kichern aus dem Nebengelaß entgegen, darauf ein kurzes, klangvolles Lachen, wie es der Freiherr auszustoßen pflegte, ein dringendes:„Noch nicht!“ aus Oktav's Munde,— dann ein süßer Mädchenname, der mir das Herz in seliger Ahnung erbeben ließ; und im nächsten Moment lag sie in meinen Armen, die mir alles war;— ihre weiche Wange schmiegte sich an die meine, ihr treues, bewegtes Herz pochte an meiner Brust, und unter zitternden, feuchten Wimpern strahlten ihre schönen aus— drucksvollen Augen mir das beredteste: Gott grüße Dich, zu. Drei unbeschreiblich glückliche Tage verlebten wir nun in trau⸗ lichster Gemeinschaft. Mein langgehegter Wunsch, mit der Geliebten 00 8 8 Se 8 die schöne Umgebung meines Elbflorenz zu durchschwärmen, dessen Erfüllung ich mir erst in den Zeiten unsrer völligen Vereinigung geträumt, ward nun auf die reizendste Weise erfüllt. Während wir jedoch die herrlichen Uferlandschaften unseres Stromes in fröh— lichster Laune durchwanderten und nicht müde wurden, die schönen Formen der bizarren Felsgestalten, das Grün ihrer Waldhänge und den leuchtenden Duft der Formen zu bewundern, gewannen inmitten von Frohsinn und Entzücken ernste, nachdenkliche Worte über die Zukunft Raum.— Die Nothwendigkeit eines längeren Aufenthaltes in Paris fiel wie ein Schatten auf unser junges Glück, und doch sah Marianne das Bedeutungsvolle des mir von dort gewordenen Auftrags ebenso gut wie der Freiherr und ich selbst vor Augen. „Du müßtest mich eben begleiten, Liebste,“ sagte ich unter dem Einfluß eines augenblicklichen Impulses. „Warum nicht?“ entgegnete sie lächelnd, erglühend und im nächsten Augenblick erblassend. „Es wäre der einfachste Ausweg für zwei sehnsüchtige Herzen,“ fügte der Freiherr hinzu, der sich mit treuherziger Sorglichkeit zum Anwalt unseres Glückes machte. Nach manchem Hin und Wider, mancher schüchternen, liebreizenden Einwendung Mariannens wurde das Ziel unsrer Vereinigung, das wir beide noch mit keinem Worte besprochen hatten, auf den Ge— burtstag meiner Braut, Mitte Juli festgesetzt. Bis dahin konnte ich von einer ersten Reise nach der Seinehauptstadt zurück sein, konnte meine Beziehungen zu dem Fürsten Rz. geordnet, meine Entwürfe vorgelegt und eine vorläufige Wohnung für uns aus⸗ gewählt haben. Seltsamer Weise wurde mein Mädchen während der Aus— einanderlegung dieser Pläne stiller und stiller. „Bereust Du Deinen Edelmuth?“ flüsterte ich ihr zu, als wir im Abendlicht durch die bergigen Gäßchen der kleinen Stadt Krippen, den Uebrigen voraus, der Elbe zuschritten. „Nein, nein,“ sagte sie, unter Thränen lächelnd;„aber habe Geduld mit mir, wenn das Glück mich nachdenklich und beklommen macht. Es giebt Herzen, die das Leben frühzeitig lehrte, in einem Uebermaß von Seligkeit die Ahnung eines kommenden Leides zu sehen.“ 5 „Es giebt kein Leid für uns, wenn Deine Liebe Stand hält!“ „Ich werde Dir ewig treu sein!“ sagte sie mit fast seierlichem Nachdruck. Während der Heimfahrt auf dem lichtüberflutheten Strom war das allgemeine Gespräch von Natur dazu angethan, jede leise Schwermuthanwandlung zu besiegen. Die Besprechung der neuen Sorgen, aller der traulichen Beziehungen und Nothwendigkeiten, die mit der nahen Perspektive unsrer Verbindung in Sehweite kamen, jene Worte: Einrichtung, Ausstattung, Aufgebot und Trauzeugen, die ein echtes junges Mädchenherz aus tiefstem Schlummer stören, scheuchten die körperlosen Schatten einer übergefühlvollen Ahnung von der weißen Stirn. Unter Oktav's dröhnendem Beifall beschloß der Freiherr den Akt unsrer Verbindung, der in der Burgkapelle von Sassen statt⸗ finden sollte, zur Grundlage eines echten, rechten und fröhlichen Familienfestes zu machen. „Ein Fest mit Ball und Feuerwerk!“ jubelte der Knabe. — wund mit hundert fröhlichen Augen, die der jungen Frau Glück und Segenswünsche zustrahlen, das ist allein das rechte!“ sagte der liebenswürdige Mann. Ein Blick und ein Handdruck, den ich ungesehen mit Mariannen wechselte, sagten mir, daß auch sie, gleich mir, die andachtvolle Feier einer stillen Hochzeit jeder lauten Lustbarkeit vorgezogen hätte, daß sie aber begriff, wie nothwendig Lust und Lachen sei, um dem theueren Vater den Kampf mit den an solchem Tage unausbleiblichen, schmerzvollen Erinnerungen zu ersparen. „Das Schönste von allem ist, daß Käthe dazu nach Haus kommen muß!“ rief Oktav händeklatschend. „Natürlich muß sie kommen, das süße Ding,“ stimmte Marianne bei.„Sie wird mein Brautjüngferchen sein und das erste lange Kleid tragen.“— „Mit fünfzehn Jahren!“ lachte der wilde Junge. „Ich dachte längst an sie,“ meinte der Freiherr nachdenklich und mit jenem weichen Klang der Stimme, den er immer annahm, wenn er von der Kleinen sprach.„Nur ist die Reise sehr weit d 20 W und umständlich und jetzt um so weniger zu rathen, da sie im Oktober für immer nach Haus kommen soll.“ „Veit kann ja ein Stück des Weges mit ihr reisen, und zurück geleiten wir sie dann zusammen,“ schmeichelte Marianne, indem sie des Freiherrn Hand küßte. f „Sie wird nicht die beste Reisegesellschaft sein,“ lachte dieser. „Mache Dich gefaßt, mein Lieber, daß sie an jedes Dorf, an jeden Kirchthurm, an denen ihr vorbeifahrt, hundert tolle Fragen knüpft, die niemand beantworten kann, daß sie jedes kleine, schreiende Kind, das ihr etwa begegnet, auf den Arm nimmt, um es zu küssen und Dir jede Minute des Nachdenkens und des Schlummers durch die Berichte ihrer Backfischerlebnisse und Backfischfreundschaften un⸗ möglich macht.“ „Haarsträubende Aussichten,“ lachte ich,„welche indeß die Neugierde auf die niedliche, kleine Schwägerin mich geduldig in Kauf zu nehmen heißt.“ „Sie ist in der That ein liebliches Wesen,“ sagte Marianne träumerisch,„blond unde fein von Ansehen und eben deshalb in ihrer sprudelnden, knabenhaften Lebendigkeit so reizend!“ „Wer weiß, welche kleine Dame aus ihr geworden ist,“ sagte der Freiherr.„Vielleicht war es die beste Schickung für den Wild⸗ fang, daß ihre Gouvernante, die sie abgöttisch liebte, durch den Tod ihrer Schwester zur Uebernahme des Lyoner Pensionats gezwungen ward und daß die Kleine mit der ganzen Gewalt ihres Trotzköpfchens darauf bestand, ihre Kenntnisse der„Welt“ und der französischen Sprache zu vollenden, indem sie sich unter die bemoosten Häupter des bewährten Institutes reihte.“ „Als sie von Algol, ihrem Fuchshengst, Abschied nahm, bereute sie beinahe ihren Entschluß,“ erzählte Oktav.„Ach, wie ich mich freue, wieder mit ihr reiten zu können!“ l „Lauter glückliche Aussichten! Welch eine vergnügte Hochzeit das werden wird!“ sagte ich, meines Liebchens Hand erfassend. „Du Guter!“ entgegnete sie, indem sie im Schutze der Dämmerung ihr feines Köpfchen an meine Schulter legte, so daß der liebe, warme Hauch ihres Mundes meine Wange streifte.— Am andern Morgen ging es an's Scheiden.— Inmitten des lauten Bahnhofgewirrs flüsterte ich Mariannen die letzten, zärtlichen Abschiedsworte ins Ohr.— „Nun sehen wir Dich nicht wieder bis Mitte Juli,“ rief mir der Freiherr aus dem Koupé zu, nachdem er mit der ihm eigenen Lebhaftigkeit die vielen kleinen eleganten Kollis, die Schirme und Pakete, die Mariannens Handgepäck ausmachten, in die über seinem Haupt befindlichen Bindfadennetze befördert hatte.„Möge unser Wiedersehen dann ein recht glückliches sein!“ a „Das gebe Gott!“ sagte Marianne, die mir nie lieblicher er⸗ schienen war, als in diesem Augenblick, da die Nachdenklichkeit, die ihr von den gestrigen Gesprächen verblieben, sich mit dem Abschieds⸗ leid und dem Hoffnungsreichthum ihrer jungen Liebe zu einem wundersam verklärten Ausdruck auf ihrem zartgefärbten Antlitz einten.— Ihr zärtliches:„Behüt' Dich Gott!“ im Herzen und den Hauch ihres Abschiedskusses auf den Lippen starrte ich so lange dem Zuge nach, als noch ein flüchtiger Schimmer mir das Wehen ihres Schleiers andeutete. Dann stand ich wieder allein, gefaßt und entschlossen meinen Zukunftsplänen gegenüber. „Ich will sie verdienen!“ sagte ich mir.— Nach zwei Wochen tüchtiger Arbeit verließ ich dann auch mein Dresden, um zum ersten Mal, von Neugierde und Erwartung er⸗ füllt, der französischen Hauptstadt zuzueilen, deren Kunstschätze und künstlerisches Treiben mich schon lange sirenenhaft angelockt hatten. Seltsamer Weise verbleichen jetzt, wenn ich die Geschichte meines Lebens überdenke, die großartigen Eindrücke, mit denen die Welt— Stadt mich überhäufte. Nur wie Schemen sehe ich noch die monumentalen Gebäude, die dichtbevölkerten Straßen und Brücken, die den Lärm von Stimmen und Fußtritten als ein ewiges Branden und Rauschen einander zuhallen, vor meinem geistigen Auge erstehn.“ Selbst die aufrechte, breitschulterige Jupitergestalt des Fürsten Rz., die ich damals als so bedeutungsvoll für mein Schicksal erachtete, und die mit ihrem geistreichen, von einem leichtfertigen Lächeln leider so oft entstellten Antlitz wohl geeignet war, sich dem Gedächtniß für immer einzuprägen,— sie erscheint mir jetzt nur blaß und verschwommen wie die Gebilde meiner eigenen Phantasie, die ich 0 0 e f Dee eee 25 8 1 7 0 Ein Duell zur Zeit der großen Revolution. e — d 22 W. unter dem Einfluß jenes aufgeregten Geistes und zu dessen großem Entzücken komponirte. Heute mühe ich mich vergebens, die Umrisse jener sagenhaften Helden nochmals im Geiste zu firiren,— zu lebhaft schwebt mir in diesem Augenblick ein anderes Bildniß vor,— ich kann es nicht hinwegbeschwören, und mit Recht fordert es seinen Platz in diesen Blättern, die den Erlebnissen meines Herzens ge— widmet sind.— Vom schwülen Dunst eines gewitterschweren Sommernachmittags durchhaucht, erstehen die Hallen des Straßburger neuen Bahnhofs in meiner Erinnerung. Müde und abgespannt von einer langen, rastlosen Fahrt, von den überwältigenden Eindrücken und der fieberhaften Thätigkeit meines Pariser Aufenthalts, schlenderte ich durch die hastende Menge, die jene Hallen 5 lte, zu müde fast, um unter den Gestalten, die mich umwogten, das Original des kleinen Bildes herauszusuchen, das ich in der Hand hielt. Es war, nach dem Ausdruck eines Pariser Bekannten, dem ich es gezeigt hatte, die reizendste eee des deutschen Wortes Backfisch, ein Mädchen in kurzem Kleid, mit dickem, stolz zur Schau getragenen Bl ondzopf, unfertiger Figur und großen, halb sinnigem, halb übermüthigem Augenpaar, welches die feine Regelmäßigkeit des kleinen Gesichtes durchsonnte. „Sie wird natürlich zu spät kommen,“ seufzte ich heimlich, nach— dem ich beim zweiten Läuten der Abfahrtsglocke mit wahrer Osten⸗ tation das Rosensträußchen zurecht gerückt hatte, das ich als verab— redetes Erkennungszeichen im Knopfloch meines Reiserockes trug. Ein frisches, echtes Kinderlachen ertönte in diesem Augenblick hinter meinem Rücken. „Natürlich ist er's,“ sagte eine Stimme, die der Oktap's in auffallender Weise glich,—„siehst Du nicht, er hält mich ja in der Hand.“. „Freilich ist er's,“ bestätigte ich, plötzlich ermuntert, indem ich mich umwandte und nun einem jungen, se chlankgewach enen Mädchen gegenüber stand, von der mir im ersten Moments nichts auffiel, als das blendende Weiß ihres blassen, lachenden Gesichtes. Der Schall des dritten Abfahrtssignals mahnte zu schleuniger Begrüßung und Auseinandersetzung. Kaum vermochten wir durch ein reichliches Trinkgeld den Schaffner zu bestimmen, uns eins der bereits geschlossenen Koupes zu öffnen, von dessen Fenster aus wir der freundlichen Begleiterin Käte's nur flüchtig ein dankbares Lebe— wohl zuwinken konnten. „Es ist alles wie ein Traum!“ war die erste Aeußerung, mit der sich meine Gefährtin nach einer flüchtigen Musterung ihrer Reisegenossen in der Situation zurechtfand. „Du wirst müde sein; es ist eine anstrengende Reise, die Du hinter Dir hast,“ sagte ich bedauernd. „Müde?“ lachte sie mit glänzenden Blicken. „Wie kann man müde sein bei so fen Erwartungen. Ich bin sogar die halben Nächte wach, seit ich des Vaters Brief erhielt. — Marianne als Braut, Hochzeit, Polterabend,— das ist alles so neu, so schön;— sind Sie denn müde?“ „Vor allen Dingen kein„Sie,“ kleine Schwägerin, wir 1 ja nahe Verwandte, Bruder und Schwester gleichsam,— also„Du“ — nicht wahr?“ sagte ich, indem ich ihr die Hand hinhielt. Zögernd legte sie die kleine Rechte, die ein schwedischer handschuh straff umspannte, hinein. Nach den ersten, schüchternen V e glitt ihr das kleine traute Wörtchen so geläufig von den Lippen, daß sie nach echter Kinderart ihre Fragen und Antworten geflissentlich so zu stellen schien, daß sie es benutzen mußte. Unsere Gesprächigkeit machte alle übrigen Insassen des Wagens schweigsam, und mit einer Art überlegenen Stolzes bemerkte ich,. alle Augen an den beweglichen, blaß— rothen Lippen d des jungen D inges hingen. Selbst die kleine, schwarz— äugige Französin, d die neben ihr auf dem Schooß ihrer„ saß, starrte sie unter dem breiten rosig gefütterten Rand ihres n hervor ebenso unverwandt an, wie der graubärtige Major, der den Ecksitz an ihrer Seite inne hatte. In der That mochte es dem ernstesten e e unmöglich sein, dieses glückliche, blasse Gesichtchen anders als mit Wohlwollen und Wohlgefallen zu betrachten. Das Schweigen der Mitfahrenden mochte ihr in ee ihrer eigenen Lebhaftigkeit bald auffällig und unbehaglich werden, obgleich Leder⸗ ich wette, daß sie auch nicht einen Hauch der ihr unwillkürlich dar- gebr rachten Huldigung ahnte. Nur aus dem innersten Bedürfniß ihres reinen, kindlichen Mädchen⸗ herzens heraus begann sie mit ihrer niedlichen Nachbarin zu plau⸗ dern, welche bald zum Schrecken ihrer jungen Mutter und zum Er⸗ götzen aller Uebrigen aus den Armen ihrer Bonne in die ihrigen hinüber balancirte. Von diesem Augenblick an war die Unterhaltung allgemein und blieb es auch, als die französischen i in Karlsruhe das Koupe verließen und anderen Platz machten. Von Käthe's Lebendig keit angeregt, stimmte Jeder dafür, daß eine angenehm verplauderte Nacht dem fraglichen Genusse eines wirren unregelmäßigen Eisen⸗ bahnsch lafes bei Weitem vorzuziehen sei. Trotzdem und trotz der gerühmten Munterkeit sank das blasse Köpfchen, als die Dämmerung der kurzen Sommernacht den ersten, rosigen Frühnebeln wich, unvermuthet auf die Schulter des alten Majors, der meinen V zersuchen, das Mädchen zu wecken, mit ge— are eigenthümlich schimmernden B Blicken Einhalt gebot. So schlummerte sie wirklich fest und tief, bis das Hornsignal der ersten baierischen Station sie weckte. hatte, begann sie mit echter Backfischmanier ihre Verlegenheit über die seltsame Lagerstätte hinter Scherz und Uebermuth zu verbergen.“ „Siehst Du den dicken Kirchthurm dort?“ lachte sie, als der Wagen sich wieder in Bewegung gesetzt hatte.„Genau so ehr⸗ würdig und umfangreich ist unser französischer Professor in Lpon. — Wie er sich wundern wird, daß ich nicht da bin! Heute müssen sie ihre Aufsätze einliefern, die armen Dinger, während ich es mir wohl sein lasse.— Mit welchen Themen er uns aber auch plagt! „Gedanken eines Invaliden an der Ruhestätte Napoleons?“ Was sagst Du dazu? danken hat?“— g In Bamberg, wo der Major sich mit warmen Abschiedsworten von uns trennte, hielten wir Mittagsrast.— Als wir in den Bahn— hofssalon traten und der dem Eingange gegenüber befindliche Wand— spiegel unsere Gestalten wiederstrahlte, zuckte ein flüchtiges, schnell— verblassendes Roth über das weiche Gesicht meiner Begleiterin. „Schämst Du Dich nicht meiner? Wie wirr und zigeunerhaft ich aussehe! Ich werde vor allen Dingen bitten, daß man mir ein Plätzchen anweist, wo ich mein Haar glätten und flechten kann.“ „Du bist mehr als hinreichend hübsch! Laß uns lieber die Speise— karte studiren!“ „Nein, nein, ich mag nicht wie ein zerzaustes Schulkind neben Dir sitzen!“—— Als sie nach einer Weile, während der ich das Menu und die Hälfte der Augsburger Allgemeinen zu studiren Zeit gehabt, wieder neben mir erschien, war das schimmernde Haar, das ihr vorhin in tausend Löckchen die Stirn e glatt von Scheitel und Schläfen Ste eh so d daß nur ein zarter Flaum der widerspenstigen Goldfäden ihr wie ein duftiger Hauch das Antlitz umrahmte. Während dieser Prozedur schienen ihr eine ganze Menge ernster Gedanken aufgetaucht zu sein. „Wie fandest Du es, daß der Major mir die Hand küßte, als ich ihm die Fahrkarte vom Boden aufhob?“ fragte sie plötzlich. „Ich meinte, das Bücken werde ihm gewiß schwer;— es war wohl im Grunde nicht passend für mich?“ 1 0 kommen,“ tröstete ich. „Mein Gott, es giebt so vielerlei zu bedenken, wenn man auf⸗ hört, Kind zu sein!“ „O, bleibe es noch getrost eine Zeit lang!“ „Wenn das ginge entgegnete sie hastig und altklug!„Was denkst Du denn? Im Februar wurde ich fünfzehn Jahr, und letzten Winter hatte ich Tanzstunde, wirkliche Tanzstunde mit jungen Herren. — Sie sagten mir unermüdlich, daß ich die schönste sei,— aber mein Gott, was liegt daran? Sie hatten sämmtlich noch nicht viel von der Welt gesehen, die Klügsten unter ihnen waren Studenten.“ „O, die gelten ja sonst für kompetent in solchen Dingen!“ Sie lächelte ohne eine Spur von Verlegenheit, indem sie zier— lich mit der Gabel den Zander auf ihrem Teller zerlegte.—„Weißt Du, was ich mir oft dachte? Ich möchte es einmal von einem wirklich Sachverständigen hören, von einem Bildhauer oder Maler. Als mir Vater Mariannens Verlobung mittheilte, nahm ich mir 2 Nachdem sie sich mit ein paar erstaunten Blicken und mit liebreizender B Verwirrung orientirt Wie kann ich wissen, was ein Invalide für Ge⸗ 1 5 — dies 0 auf une — von g feli Du ein ein bg vie eh 0 1. 7 bi —— ——U—ñ—ü³j—— — 23 W Al 9— — gleich vor, Dich einmal ernstlich auf's Korn zu nehmen, ob die Studenten recht gehabt.“ Ehe ich noch Zeit gefunden, auf diese verblüffende Ehrlichkeit 5 zu antworten, fragte sie, ihren nie unterdrückten Eingebungen folgend: „Findest Du eigentlich Marianne schön?“ Während ich mit etwas gezwungenen Tönen die Wunderlichkeit dieser Frage belachte, wurde ich mir zum ersten Male klar und scharf bewußt, daß Mariannens Antlitz das erste sei, das ich nie auf Formenreinheit und Regelmäßigkeit gemustert, das erste, dessen unendliche Güte und liebliche Schwermuth mich eine strenge Prüfung vom Standpunkte des Künstlers völlig hatten vergessen lassen. „Für mich ist ihr Gesicht das schönste und liebste der Welt,“ sagte ich heiter und ehrlich. „Hast Du sie schon gemalt?“ fragte sie weiter. „Ich habe ja noch lange Zeit dazu!“ entgegnete ich.„Vielleicht gelingt mir einmal ein Muttergottesbild, das ihre Züge trägt.“ „Wie reizend!“ sagte sie gerührt.—„Aber auch mich mußt Du malen; ich werde ganz still sitzen.— Ist Dir noch kein Motiv eingefallen, u dem Du mich als Modell gebrauchen könntest?“ „Ich muß Dich erst noch genauer kennen lernen;— es fällt einem zu viel ein, wenn man Dich sieht. Während Du schliefst, warst Du das leibhaftige Dornröschen!“ „Und wenn ich wach bin?“ forschte sie weiter. 8 „Vielleicht finde ich noch ein Mal, daß Du einer Julia gleichst, vielleicht auch nicht, denn ich glaube, Du bist zu sehr Du selbst, um eine andere darstellen zu können. Das Einzige, woran ich unauf—⸗ hörlich denke, seit ich Dich gesehen, ist das Bild Deiner Mutter.“ „Mein Gott, ist es möglich, gleiche ich ihr?“ fragte sie zitternd, mit aufquellenden Thränen. „Du wirst ihr vielleicht einmal völlig gleichen, in ein paar Jahren vielleicht,“ sagte ich halblaut, während ich in Gedanken hinzusetzte: wenn eine tiefe, mächtige Liebe, wie die ihre, Deine Züge vergeistigen wird.— (Fortsetzung folgt) Lose Blätter. Ein Duell zur Zeit der großen Revolution.(Siehe Illustration.) In Frankreich vollzog sich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts mit der geistigen Revolution jene gewaltige politische Umwälzung, welche Ströme von Blut kostete archischen und mit den Privilegien der höheren Stände wurden viele Miß⸗ bräuche und Vorurtheile aus der Welt geschafft. Die üble Sitte, ernste Streitigkeiten durch Duelle zu schlichten, vermochte aber die große Revolution nicht zu beseitigen. Im Gegentheil! Da die gewaltige politische Bewegung die Leidenschaften der Männer stark entflammte, so fanden während der Dauer der ersten französischen Republick weit mehr Zweikämpfe mit tödt⸗ lichem Ausgange statt, als unter der Regierung Ludwigs XVI., wo sich die Kavaliere von Zeit zu Zeit um galanter Abenteuer willen mit dem Degen 1 0 in pflegken. Der Geuremaler Max Volk hart schildert ein ernstes uell zur Zeit der französischen Republik. Die Duellauten haben am Fuß der Festungswälle Aufsteflung genommen, einer der Gegner feuert sein Pistol ab, während der andere sich bemüht, ein recht schmales Ziel zu bieten. Der Unparteiische auf der Höhe des in der Hand ab. Die Zeugen beobachten gespannt die Wirkung des Schusses. Der Moment der Darstellung ist recht glücklich gewählt. Schneefeld heben sich die kleinen Figuren mit aller Schärfe ab und sehr gelungen ist die Perspektive des Bildes. Die winterliche Natur steht in stimmungsvollem Einklang mit der tragischen Handlung. R. E. Die erste Post in Deutschland verdankt den Türken ihr Dasein. Das klingt eigenthümlich, und doch ist es der 1 Im Jahre 1522 hatte Suleyman(Soliman) der Große Rhodos erobert, trotzdem der Johanniter⸗ meister Johann Philipp de Villiers(de l'Isle Adam) mit fast unglaublicher Tapferkeit der dreißigfachen Uebermacht Widerstand geleistet hatte. Die Kunde erschreckte das Abendland. Wien wollte mit Regensburg, wo der deutsche Reichstag sich befand, Fühlung haben. So richtete man eine Post⸗ verbindung zwischen den beiden Städten ein. Als der Türkenkrieg Deutsch— land zu 119 0 drohte und eine Reichsarmee 1529 unter dem Kurprinzen Joachim II. in dem Reichstagsabschied von 0 anstalt erklärt und eine Kriegspost eingerichtet. Leonhard Taxis eine reitende Post an, nach Speier ging und von dort nach Italien. Einrichtung durch Geld und ernannte Taxis postmeister. Im Jahre 1532 legte Karl V. unterstützte diese zum niederländischen Ober⸗ W. G. Theaterreklamen aus den Jahren 1730 und 1739. Ein Theaterzettel aus dem ersteren Jahre lautet:„Die schlaue Wittwe oder vier Nationen als Liebhaber, als Spanier, Engländer, Italiener und Franzosen. So Die republikanische Staatsform trat an Stelle der mon⸗ Walles giebt sein Kommando mit der Uhr Auf dem weißen Mir sagt' es: ich verließ die Welt, von Brandenburg nicht ohne Ruhm in Ungarn focht, wurde Speier das Postwesen für eine Reichspolizei⸗ die pünktlich aus den Niederlanden wollen wir heute einmal herzlich lachen. Die schlaue Wittib kann heute allen Frauenzimmern viele Lehren geben, wie man bei Heirathen und Ehe— stiftungen verfahren soll. Die Augen der Vernunft muß jedes Frauen⸗ ehr aufthun, wenn es sich von mehr als einem Ambassadeur angegangen jeht. Wie fein weiß Rasaura vier Nebenbuhler zu probiren und ihre Ge— sinnungen auszuforschen! Ihr Schönen wollt uns sämmtlich besuchen; jedoch nicht zu viel von dem Theatro mit nach Hause nehmen; sonst möchte es um Eure schmachtenden Liebhaber geschehen sein.“— Unter dem Zettel von 1739 findet sich folgende Anmerkung:„Madame Gödel wird heute die Rolle der Ophelia präsentiren und zeigen, was die Schauspielkunst für eine große Wirkung vermag, und Mr. Gödel wird durch sein meisterhaftes Spiel als Hamlet ein hochpreisliches Publikum entzücken. Auch werden Kostüme und Dekorationen ganz neu sein, wie auch der Degen, mit dem der große Brockmann als Hamlet excellirt hat, als er neulich zu Wien die Titelrolle prästirt hat. Da der Direkteur als Geist nicht selbst an der Kasse sein kann, bittet er einen hohen Adel, es nicht seiner Gattin entgelten zu lassen, daß man ausländische Münzen ihr als Bezahlung anbietet.“ W. G. ur Heirathsstatistik. Vor etwa funfzig Jahren hatte ein englischer Statistiker in einem Aufsatze in Frazers Magazine eine nach den Lebens⸗ jahren der Frauen zusammengestellte Uebersicht der Heirathen geliefert, welche sich in den drei vereinigten Königreichen derzeit vollzogen. Bei tausend Heirathen war die neuvermählte Frau in 32 Fällen im Alter von 14—15 Jahren „ 101 1 U 1 1 1617 1 1 219 1 0 1 + 18—19„ 1 233„„„„ 2021 1 „ 165 1„, 1 22—23„ 1 102 17„ 1 Ä 24—25„ „ 60 17„„„ 26—27 1 1 45„„ 1„ 28—29 + „ 18„ +„„ 30—31„ ö 12 7„„„—32—33„ 1 8 1„ 1 1 34—35 1 1 2„ 1 1 1 36—37„ 8839 1 1 0 1 7 Nach diesem Vorgange hat jetzt Adolphe Morin in einem französischen Journal folgende entsprechende Uebersicht geliefert. In Frankreich war bei tausend Heirathen im vorverflossenen Jahre die neuvermählte Frau in 11 Fällen im Alter von 1 17 Jahren 16—1 1 1 1„ 1 1 1 0 * 0 „ 169 7„ 1„ 18—19 + 1 183 +„ 1„ 20—21 17 „ 144 ö„„„ 22—23„ 1 117 1„„ 1 24—25 1 „ 61 ö 1 +„ 26—27 1 „ 85„„ 0„ 28— 29„ „ 5¹„„ 1„ 30—31„ 8 0 46 1 1„ 1 32—33 ö 1 25„ 1 1„ 24—35„ „ 12 1„„ 1 3637„ 1 9 1„„ 38—39 Die beiden Tabellen sind von hohem Interesse, indem sie, wenn schon verschiedene Länder die Materialien dazu geliefert haben, den Beweis liefern, wie in einem halben Jahrhundert sich die Neigungen heirathslustiger Männer mehr dem reiferen Alter der Frauen zugewendet haben. Sapienti sat. F. L. Auflösungen der Räthsel. Auflösung des Silben-Räthsels in voriger Nummer: Die Karlsschüler — Laura, Schiller. 1. Daniel. 2. Indiana. 3. Epheu. 4. Kondor. 5. Amanda. 6. Ruppius. 7. Languedoc. 8. Salzach. 9. Schanghai. 10. Ueberfall. 11. Leinöl. 12. Eiche. 13. Reinthaler;— des Logo⸗ griphs: Arm, Arme, Armee;— des Räthsels: List;— des Rösselsprungs: Nun sei mir heimlich zart und lieb; Und dir: o ließe mich die Welt, Setz' deinen Fuß auf meinen nun! Und könnt' ich friedlich und allein, Wie deines leichten Fußes jetzt, Um ganz allein auf dir zu ruh'n; So deines Lebens Träger sein! des Buchstaben⸗ Rätßsele: „ ͤ ö.. e n 8 2 A ͤ—ö 9 5 e, Rösselsprung. lacht droht man⸗ gar tauscht' er li⸗ me del kleid doch wohl mi- war- ich gern 0 ver⸗ o- nicht mel fa⸗ die macht nach lieb' en gar ter se herrn leicht und tem deut-“ wo wärm' zu gu am sinn ran⸗ glück him. den blüht ein füd“ schen hell und vä⸗ ter ßen bö⸗ ge kal⸗ nen- fer⸗ mi⸗ un- und win⸗ ge⸗ tag höchste er kin⸗ im grim- ter son⸗ nen ges ter herz⸗ ter der wei⸗ so er die schein get ein doch müth⸗ klar win⸗ blau⸗ das al⸗ mals wo weil straft ge- mei- der art lich⸗ ten nie⸗ wig doch den bir- nie nacht lich keit nen in hart wohl meint ein mag schön sicht gen es E⸗ und ist's und ge⸗ ich keit Räthsel. Im düstern Raum, den Rauch und Dünste schwärzen, Der Argefüllt mit Tiegeln, Gläsern und Retorten, Wo die Chemie mit Säuren und mit Erzen Geheimer Wissenschaft eröffnet ihre Pforten, Dort ward ich künstlich an das Licht gezogen. Ich bin als leicht und flüchtig zwar bekannt, Doch wurden auch mir Kräfte zugewogen, Die manchen starken Geist schon übermannt, Schon manchem schwachen 1 25 Leben gaben, Mich zu erhalten müßt 15 jederzeit In festem, sicheren Verschluß mich haben, Denn zu entfliehen bin ich stets bereit, Und laßt ihr sorglos offen mir das Thor, So flieh' ich eilend, sehnsuchts svoll empor. Mich liebend zu vereinen, mich aufzulösen ganz, Flieh ich zu meinem Bruder, der in der Himmel Glanz, Mir gleich an Namen nur, seit Ewigkeit besteht, Und flüchtig nicht wie ich als Menschenwerk vergeht. Magisches Quadrat. Aus folgenden Buchstaben: E E E . e r sind 4 Wörter zu bilden, die von oben nach unten und von links nach rechts gelesen gleiche Wörter ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Eine Landenge zwischen Asien und Afrika. 2. Ein Baum. 3. Männlicher Vorname. 4. Dorf am Main. a näthsel. Ich bin weder Geist noch Leib, Stamme doch von Mann und Weib, Komme von dem Himmel her Und der Erde, bin nicht schwer, Bin dein Bild und Vain Begleiter, Immer trübe, niemals heiter. Problem Nr. 368, von G. Heinrich in Radomitz. gan 115 5 0 25 2 2 2, 1 * 2 2 e 1 n 4 892 Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Partie Nr. 208. gespielt im Schachturnier des Bromberger Schachvereins am 6. Dezember v. J. Weiß: Swiecicki. Schwarz: G. Ramm. ) e2—e4 27 et 23) Sbi—d2 8g4—e3 2) d2—44 di- dz 24) Khl-g1 Leeb 3) 1 19 1 Weiß giebt die Partie auf. 1 8 15 0 85 Stellung nach 5 Zuge von Weiß. 0 a e 569 1 179 1 9 bal cz,, 1 4 1 11 Sl., Di 04 4. 5. 4 e e ee 1 14) b2—b3 4 6 1.. 15) 22— 44) Ld Tes 1 8 11., 100 Tal-—43 106—6. 585, e 0 n 19) Las el: dee elfe. e 2 be, eee ,, 1610 8 22) PDd3— 61e) h7-g8: Welß. 1) Durch Schlagen des Bauern würde Weiß wohl den Abtausch der Dame herbei⸗ führen können, aber die Vorgabe nicht hinreichend ausnützen: 3) edo eds 4) Dhof g6 ) Def De7 2c. 2) Dieser Zug giebt dem Gegner Gelegenheit, seinen Königsspringer ins Spiel zu bringen, besser war Lds. 3) Auch hier ist Lds vorzuziehen, um den Laufer gegen den Springer auf f abtauschen, eventuell auch denselben nach e spielen zu können. 4) Mit cd 9) cid Sts hätte Schwarz einen Bauern gewinnen können. 5) Weiß giebt den Bauern dr ohne genügenden Ersatz auf. Der Verlust dieses 17 welcher durch ede nebst Sts drohte, ließ sich nun wie folgt abwenden: 9) ds Lehn 10) K Sg 11) Sd! ꝛc. resp. 10).. Stö 11) Uds Les 12) 8g5 und eventuell 13). Shg ꝛc. 6) Schwarz sucht sich zunächst das Remis zu sichern und spielt jetzt und in den nächsten 0 nur auf Abtausch, den der Gegner sorgfältig vermeidet. Durch Las war nur Remis zu erzielen; z. B. 15) Laß Lböl 16) Los: Lda: 17) Le: Les: 9109 Lis: Lei: 19) Lag! Tes 20) Sdz Les 21) Tel! ꝛc. und infolge der ungleichfarbigen Läufer ist das Remis gesichert. 8) Lg führt hier nur scheinbar zum Gewinn eines Offiziers, es würde folgen 17) Dad! Lbi: 18) Lag De 19) Tb! c. 9) Ein entscheidender Fehlzug, bei dem die Consequenzen des Damenopfers nicht in Be⸗ 8 gezogen sind 10) Zum Gewinn war auch Lg6 ausreichend, weniger stark erscheint dagegen Pet; wegen 0 der Entgegnung Sde. 11) Auch durch 1253 war das Spiel nicht zu 1 denn 21) b3 Tf4: 22) hg Pf4 fit 24) Kbz Thi 21) K ga Lg nebst 25).. Lhar 2 12) Auf andere Züge folgt Matt durch Lelf und Leöf oder ebenfalls Damenverlust. Aus der Schachwelt. Um die Mitte des letzten Monats starb zu Wien im Alter von 67 Jahren Ern st Falkbeer, ein in weitesten Kreisen bekannter Schachmeister, der bereits vor dreißig Jahren zuerst als Herausgeber der Wiener Schachzeitung und durch ein nach ihm benanntes Gambit (Gegenangriff im obgelehnten Königsgambit 1) 2—et ei-es 2) 2—14 d7-döl 3) e- ds: bea) seinen Ruf begründete. In der Redaction der Schachspalte in der„Neuen Wiener Illustrirten Zeitung“, welche der Verstorbene bis zu seinem Tode in ausgezeichneter Weise geleitet bat, ist Hermann Lehner sein Nachfolger. Ein interessanter Wettkampf ist zwischen der Leipziger und der Berliner eee ee vereinbart worden; es sind zwei Correspondenzpartien, die um einen Einsatz von 300 Mark Sehslu gespielt werden sollen. Schallopp, von Bardeleben, Caro, Specht und Trobach, das Leipziger aus den Herren von Gottschall, Max Lange, Minckwitz, Schurig und Zachau. 1 ö Das Berliner Spielcomitee besteht aus den Herren Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Verlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Phillips in Berlin, Lützowstr. 105. eee ee ke de e