— * 8 . . e 2. —* 2 2 .... ̃—ö. ̃ Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werben. zu den Oberhessischen Unchrichten. Nr. 46. Gießen, den 14. November. Künstlergewissen. Novelle von H. Schobert. (Fortsetzung.) Alle die alten Freunde und Freundinnen, die Roland Hartenstein in seinen glücklichen Tagen besessen, die ihn in der Nacht des Un⸗ glücks vergessen und verlassen hatten, brachte die Nachricht seiner Genesung wieder vollzählig herbei. Sie beglückwünschten ihn und schmeichelten nach wie vor, ja noch mehr wie vorher, denn sie sagten sich im Stillen, daß sie eine Scharte auszuwetzen hatten, die ihre Gleichgültigkeit und Undankbarkeit gegen ihn gerissen, und ihm— obgleich er wußte, daß er die Menschen verachte— that die so lange entbehrte Huldigung wohl, er nahm sie an und berauschte sich an ihr, ohne nach ihrem Werth oder ihrer Dauer zu fragen. Was er so lange entbehren gemußt, hatte jetzt doppelten Reiz für ihn; er lachte zwar und wies es spöttisch von sich, wie einen aufdringlich schmeichelnden Sonnenstrahl, aber es war doch Sonne, es war doch Licht und Leben, das seine Strahlen voll über ihn ausgoß. Irgend wer hatte dann auch die wunderbare Mär in die Ge⸗ sellschaft getragen, daß der vielbegehrte und umworbne Professor Hartenstein nicht mehr frei sei, sondern sich aus der dunklen licht⸗ losen Lebenszeit ein Wesen mit hinübergenommen habe in sein jetziges glanzvolles Dasein, das ihm vor Gott und den Menschen angehöre— ein Weib! Aber man sah sie nie. gieriger direkt darnach, so gab er es einfach zu, ohne irgend etwas hinzuzufügen. Man traf ihn aber stets allein, und die Frau Pro⸗ fessorin wurde allmählich eine Mythe, um so mehr, da er auch seine alten wüsten Junggesellenthorheiten zum großen Theil wieder aufnahm. Nur die Frauen, in manchen Dingen weit scharfsichtiger wie die Männer, kamen zu dem Resumeé: „Er schämt sich ihrer. Wer weiß auch, wie er dazu gekommen ist.“ Und sie hatten Recht wie immer.— Roland Hartenstein schämte sich seiner Gattin. Wenn sie das etwa fühlte, so machte sie doch gar kein Aufhebens davon. Still und unbeachtet suchte sie sich in dem großen stattlichen Haushalt einen bescheidnen Platz zu schaffen, obgleich sie nirgends nöthig, wohl aber überall überflüssig war. Die Dienstleute sahen sie mit Mißtrauen an, sie paßte mit ihrer dürftigen Erscheinung und ihrem schlichten Kleid so garnicht in den glänzenden Rahmen, und der Professor vergaß ihrer immer mehr und mehr. Die erste Zeit hatte er versucht, so viel aus ihr zu machen, wie nur irgend möglich war. Friseure, Schneider und Putzmacher hatten ihre Kunst ausüben müssen, denn der lebenserfahrene Mann wußte recht gut, daß durchaus nicht immer positive Schönheit bei einer Frau nothwendig sei, um zu gefallen. Aber bei Gottliebe erwies sich Alles vergeblich. Sie hatte keinen einzigen pikanten Zug an sich, auf dem sich etwa fortbauen ließ, nichts— garnichts! Sie war häßlich vom Scheitel bis zur Sohle.— Mit ihrem gewohnten schüchternen Lächeln trat sie eines Tages ihm wieder gegenüber, mit 8 2 Fragte ihn irgend ein Neu⸗ dem schlicht gescheitelten Haar und dem einfachen Kleid, das sie in der Klinik getragen. Er blickte flüchtig über sie hin und sagte in der gleichgültig grausamen Art, die ihm eigen: „Du hast Recht, bleibe so, bei Dir läßt sich doch nichts er— reichen.“ „Und nicht wahr, Roland,“ antwortete sie bittend, ohne nur mit einer Silbe seiner Bemerkung zu gedenken,„ich brauche nicht mit Dir unter Menschen, Du läßt mich ruhig zu Hause. Es würde mir schrecklich sein, wenn man mich betrachtete und sich über Deinen Geschmack wunderte. Mein Glück liegt allein darin, Dir etwas, wenn auch noch so wenig, sein zu können.“ Er sah sie erstaunt an. Daß Gottliebe wirklich ein Recht zu dem Verlangen habe, öffentlich an seiner Seite zu erscheinen, hatte er noch garnicht bedacht. Jetzt, wo ihm die Frage zum ersten Mal gegenübertrat, mit der erwünschtesten Lösung zusammen, mußte er e⸗ lachen. Im Geist sah er die aristokratischen Salons, denen er bis— her Glanz verliehen, die schönen eleganten Frauen, die sich um ihn zu drängen pflegten, und unter ihnen Gottliebe, mit dem gescheitelten Haar und dem puritanischen Kleid. 11 „Beruhige Dich, Kind,“ sagte er heiter,„es fällt mir garnicht 1110 ein, Dich mitzunehmen. In die Kreise gehörst Du wirklich nicht.“ f Seine Antwort gab ihr die Bestätigung ihres Wunsches und. traf sie doch mitten in's Herz. Eine schmerzliche Bitterkeit wallte in ihr auf und drängte sich fast auf ihre Lippen, aber sie schloß sie 1 fest ab. Hatte sie nicht Alles genau so kommen sehen, wie es kam, und sich doch mit offnen Augen in dies Märtyrerthum hineindrängen lassen von ihrem eignen Herzen? Nun wollte sie kleinmüthig ver⸗ zagen und jammern? Wer anders trug denn die Schuld als sie allein, er— er war ja nur dem Impuls seines großmüthigen 1 Herzens gefolgt, als er sie an sich kettete. Ihr war großmüthig, g was einem Andern wie krasser Egoismus erscheinen mußte! Daß 1 sie sich mit offnen Augen über Roland Hartenstein's Charakter zu 99 täuschen versuchte, sagte ihr zum Glück Niemand.— 10 Der Sommer ging dahin, die Blätter färbten sich schon gelb, und der gefeierte Künstler war in Allem ganz wieder der Alte geworden. Niemand in seinem großen Bekanntenkreise dachte mehr daran, daß er 41 verheirathet sei, Niemand sprach davon, oder hatte noch Lust, Gott⸗ 4% liebe's Bekanntschaft zu machen. Nur eine sehr alte Dame, die schon N g Jahrelang Hartenstein's mütterliche Freundin gewesen, und die allein sich herausnehmen durfte, ihn zu tadeln, von der er einzig ein ernstes Wort der Ermahnung vertrug, hatte das Ansinnen an ihn gestellt, ihr seine Frau zu bringen. „Es scheint mir, als wenn sie viel allein sein muß,“ sagte sie mit ernstem Blick in Roland's erregtes Gesicht,„da ist es denn mitunter sehr gut, ein paar Stunden verplaudern zu können.“ — ͤ— 85 S 2 2362 f „O, Gottliebe ist nicht wie die meisten Weiber, sie ist sich selbst genug, wenigstens hat sie noch niemals über Langweile geklagt,“ ver⸗ sicherte er eifrig, denn der Gedanke, sie aus ihrer Zurückgezogenheit zu ziehen, war ihm peinlich. Aber Frau Professor Gerty ließ sich so leicht nicht abweisen, sie sah mit ihren scharfen Augen deutlich genug, wie die Dinge lagen, und empfand aufrichtiges Mitleid mit der einsamen jungen Frau. Endlich gab Hartenstein ihrem Drängen nach und brachte ihr Gottliebe, die scheu und schweigsam zwischen ihnen saß. Ihn empörte das schüchterne Gebahren, das weltungewandte Benehmen seiner Gattin, und zum ersten Mal hörte sie bei ihrer Heimkehr harte Worte von seinen Lippen. Auch dazu schwieg sie, aber mit schmerzlich zuckendem Herzen sah sie, wie die Kluft, die ohnehin zwischen ihnen gähnte, sich immer mehr erweiterte, sie wußte, daß es keine Brücken zwischen dem Hüben und Drüben gab. Einige Tage später,„als Roland bei seiner alten Freundin ein— trat, mit einem häßlichen Witzwort über seinen letzten Besuch auf den Lippen, sah sie ihn darauf hin ernst an, legte ihre Hand auf seinen Arm und sagte nachdrücklich:„Ihre Frau ist ein Juwel, lieber Professor, danken Sie Gott, daß Sie ein solches gefunden.“ Er zuckte die Achseln, wegwerfender Spott lag ihm in den Mundwinkeln:„Pah, ein ungeschliffenes. Ich bin kein Freund von innerm Werth allein, verehrte Freundin, erst der Glanz und Schimmer wirkt berauschend auf die Sinne.“ Sie nickte schweigend; was er ihr sagte, hatte sie im Voraus gewußt; aber herzlich leid that ihr der Gedanke, wie oft sie schon in ihrem langen Leben gesehn hatte, daß die guten Gaben im Leben willkürlich vertheilt, von dem Einen nicht geachtet werden, dem sie zufallen, während ein Anderer sich in ungestillter Sehnsucht nach ihnen verzehrt.— Das Atelier und die an dasselbe grenzenden Räume hatte Gottliebe seit ihrer ersten Begegnung mit Roland nicht wieder während seiner Anwesenheit betreten, ein scheues Gefühl hielt sie fern davon. Sie sah ihren Gatten oft wochenlang nicht, wußte nicht, wer bei ihm ein- und ausging und sorgte nur dafür, wenn er Abends einen Kreis guter Freunde in diesem Theil des Hauses bei sich sah, daß es an nichts bei der Bewirthung gebrach. War er aber einmal unzufrieden mit sich und seinem Schaffen, litt er körperlich, oder überkam ihn ein Ekel vor dem Leben, dem er sich hingab, dann ging er hinüber in ihre Zimmer, die den Stempel der Ruhe, des Friedens, des emsigen, umsichtigen Waltens von Frauenhand trugen, warf sich auf den Divan und sagte in seiner alten herrischen Weise: „Gottliebe, komm her zu mir. Lege Deine Hand auf meine Stirn und sprich, irgend etwas, nur daß ich Deine Stimme höre.“ Dann saß sie neben ihm, ihre kühle, marmorweiße Hand auf seine fiebernde Stirn gelegt und sprach. Natürlich nicht von den klein— lichen Vorkommnissen des Tages, sondern von seinen Werken, die sie mit großer Liebe studirte, und wenn sie genug gelobt hatte, machte sich hier und da eine leise Meinungsverschiedenheit, eine andere Auffassung, sogar ein schüchterner Tadel bemerkbar. Sie wußte es vielleicht selbst nicht, daß dem so war, aber alles, was ihn berührte, war so völlig eins mit ihr geworden, daß sie so darüber zu sprechen vermochte, wie sie es that. Roland Hartenstein stutzte zuerst und hatte dann eine scharfe Entgegnung, denn das einzigste, was ihn völlig unterjochte, war seine Eitelkeit, und diese fühlte sich gekränkt durch die Worte seiner Frau. Aber dabei kam ihm ihr Tadel doch so merkwürdig bekannt vor, es war derselbe, den ihm auch die Kritik vorgeworfen: er mache sich die Nebensachen allzu leicht. Das nächste Mal war sogar er es selbst, der Gottliebe zu einem Urtheil veranlaßte, und er staunte über ihr Verständniß und den ästhetischen Sinn, den sie dabei entwickelte. Fast gegen seine Absicht richtete er sich nach Manchem, und als man ihn nun doppelt lobte und be— wunderte, daß er seinen einzigen Fehler abgelegt habe, fuhr er sich mit befriedigtem Auflachen durch sein langes, goldig schimmerndes Haar, aber er vergaß vollständig, wer ihm die Anregung dazu gegeben. Seitdem kam er öfter hinüber, schloß die Augen, ließ sie reden und für flüchtige Sekunden gewann ihre Stimme den alten, süßen Zauberklang für ihn, den sie einst gehabt. Aber der Zauber war nur kurz, er entfloh so bald, und doch lebte Gottliebe von diesen wenigen, kurzen Minuten und sie bemühte sich um ihretwillen, alles andere zu ertragen.— Nur küssen that er sie niemals wieder, seitdem er ihr Gesicht gesehen.— g Eines Tages kam er früher zu ihr wie sonst gewöhnlich. Er warf sich nicht auf den Divan, sondern ging im Zimmer auf und ab, sie merkte, daß er sehr erregt war. Gewöhnt, nach nichts zu fragen, wartete sie ruhig ab, ob und was er zu ihr sagen würde, während Roland vielleicht auf das erste Wort von ihr wartete. Da es nicht erfolgte, blickte er sie ungeduldig an, sah ihr tief⸗ geneigtes, blasses Gesicht, die gesenkten Augenlider, die ganze stille Haltung der kleinen Gestalt, die ruhig Stich auf Stich in ihrer Arbeit machte und plötzlich erschien es ihm lächerlich, daß sie, gerade sie ihn verstehen sollte! f Mit starken Schritten ging er auf die Thüre zu, aber ehe er sie öffnete, drehte er sich noch einmal nach ihr um. Sie hatte jetzt die Augen aufgeschlagen und sah ihn an, die Arbeit lag müßig im Schooß. Er kehrte hastig um, kreuzte die Arme auf dem Rücken und blieb vor ihr stehen. „Hast Du mich endlich bemerkt?“ fragte er herb. Sie lächelte etwas:„Ich wartete auf das, was Du mir etwa sagen wolltest, eine Frage hätte Dich vielleicht geärgert, da ich sah, daß Du nicht recht einig mit Dir warst.“ „Nicht recht einig?“ knüpfte er gereizt an ihre letzten Worte an,„da irrst Du! Ich bin vollständig einig mit mir und will der Welt beweisen, daß ich Recht habe. Auf den Gegenstand, den die Kunst verherrlicht, kommt nichts an, garnichts, sage ich Dir! Mag er noch so oft variirt sein, Du drückst ihm doch stets ein individuelles Gepräge auf,— wohl aber alles auf eben diese Individualität und die Ausführung! Professor Brüning sprach gegen meine Theorie. Da habe ich denn versprochen, zum Herbst für die Ausstellung ein Bild zu malen, dessen Sujet, schon tausendmal dagewesen, von mir doch ein anderes Gepräge erhalten soll. Tannhäuser im Hörsel⸗ berg habe ich gewählt; es giebt wohl nicht leicht etwas, das man öfter in Wort und Bild zu sehen und zu hören bekommt. Die ganze Idee steht schon lebendig vor mir. Meine Venus soll aber nicht mit flehend ausgestreckten Armen den Abtrünnigen halten wollen, sondern sie greift spielend nach einem Schmetterling, als er zum letzten Mal den Kopf nach ihr zurück wendet, und den Tann⸗ häuser müßte ich sehen, der bei solcher eklatanten Gleichgültigkeit da wo er sich geliebt glaubt, noch im Stande wäre zu gehen. Bitten vernkag ein Jeder bei der geringsten Uebersättigung zu wider⸗ stehen, nimmermehr aber der quälenden Frage, was von Beiden, Liebe oder Gleichgültigkeit, nun erheuchelt gewesen. Gottliebe sah sehr nachdenklich auf den Sprechenden, dann schüttelte sie ernst den Kopf. N „Du irrst, Roland.“ „Nun, ich urtheile eben nach mir.“ „Gerade Du wärst niemals im Stande, selbst auch nur erheuchelte Gleichgültigkeit zu ertragen, in demselben Augenblick würde jedes andere Gefühl in Dir sterben.“ „Ah, Du hältst mich also für jämmerlich eitel.“ Sie schwieg und bückte sich nach ihrem herabgefallenen Garn; er legte hastig seine Hand auf ihren Arm. „Sprich, ich will wissen, was Du denkst.“ „Dich hat das Leben, die Huldigungen der Menge sehr ver⸗ wöhnt,“ sagte sie nach einigem Nachsinnen,„ich glaube wirklich, daß Du das Gegentheil nicht vertragen würdest.“ „Passirt ist es mir freilich noch nicht,“ antwortete er mit einem selbstgefälligen Lächeln und fuhr wieder durch sein blondes Haar. „Gerade darum würde es mich reizen; aber nur— verstehe mich recht— wo ich bedingungslos bewundern dürfte.“ Gottliebe seufzte peinlich. Es war ihr nicht fremd, daß Roland Hartenstein sehr oft bewunderte. Indessen begann das Bild, von dem er ihr zuerst gesprochen, zu wachsen und selten war der Professor so eifrig, ganz mit Leib und Seele bei seiner Aufgabe gewesen wie diesmal. Von Morgen bis Abend arbeitete er rastlos, dann drückte er den großen, weichen Filzhut auf das Haar und durchwanderte die Straßen der Stadt nach einem passenden Modell für seine Venus. Gerade in dieser Frauenerscheinung wollte er etwas ganz Besonderes, Eigenartiges schaffen und weder seine Phantasie, noch das Vorhandene schien ihm dazu ausreichend. Je weiter das Bild fortschritt, desto übellauniger und unzu⸗ friedener wurde er, desto rastloser auch im Suchen. Schon stand .————— e e lte edes un; vel⸗ lch, nem gar. lich and zu und bis hen tadt eser iges ihm zu 1 4 1 ä — N 363 wenn auch niemals besonders unfreundlich. die männlich schöne Erscheinung des Tannhäuser auf der Leinwand, mit rückwärts gewandtem Kopf, aber der Fleck, auf den er sah, war und blieb leer. Mißmuthig warf Hartenstein Pinsel und Palette zur Seite, als ihn ein Klopfen an der Atelierthür erstaunt aufhorchen lleß und dies Erstaunen wurde noch vergrößert, als auf seinen Ruf Gottliebe auf der Schwelle erschien. Seit jenem ersten Abend, wo sich zuerst ihre Blicke in diesem Raum getroffen, hatte sie ihn mit keinem Fuß mehr betreten, ihr graute vor den stillen Zeugen jener entsetzlichen Minuten; daß sie es heut unaufgefordert that, mußte also besondere Gründe haben. „Was willst Du?“ fragte Roland Hartenstein nicht gerade liebenswürdig. Er war überhaupt niemals liebenswürdig gegen sie, Aber ihr Erscheinen hier wunderte ihn, es schien ihm ein Ueberschreiten der Grenze, die er für geboten zwischen ihnen erachtete. „Du kommst so selten zu mir, Roland, daß ich Dich schon hier aufsuchen muß, ich habe eine Bitte an Dich, die sich nicht länger aufschieben läßt.“ Er warf sich auf den Divan und zog nachlässig einen Stuhl für sie herbei, aber Gottliebe setzte sich nicht. Es war ihr, als beklemme hier jeder Athemzug ihre Brust. „Die Eltern haben an mich geschrieben und angefragt, ob in unserm Haus nicht ein Plätzchen für Marion wäre, sie soll sich zur Klavierlehrerin ausbilden. In unsrer kleinen Heimathsstadt ist das unmöglich, aber hier in der Residenz sind doch die besten Kräfte.“ „Wer ist Marion?“ unterbrach er sie gähnend. „Meine Stiefschwester; ich sprach ja manchmal schon von ihr.“ „Möglich! Ich habe eben ein schwaches Gedächtniß. Und die will Klavierlehrerin werden? Ich soll den ganzen Tag Fingerübungen und Tonleitern mit anhören? Gräßlicher Gedanke! Ich will Dir etwas sagen, Gottliebe, miethe sie irgendwo ein, das Geld will ich gern geben.“ Seine Frau wand den Brief, den sie in den Händen hielt, spielend um die Finger. „Das geht nicht gut an, Roland, unser Haus ist so groß, wenn Marion im letzten Zimmer übt, hörst Du keinen Ton. Die Eltern würden es mir als Lieblosigkeit auslegen. Und Marion ist so jung, kaum achtzehn Jahr, es wurde mich beunruhigen, sie unter fremden Leuten zu wissen.“ „Wirklich noch so jung?“ fragte er, zerstreut auf den Tannhäuser blickend,„das ist allerdings etwas Anderes. Aber wie kommt sie auf die verrückte Idee, Klavierlehrerin zu werden?“ „Wir sind arm,“ erwiderte sie einfach,„darauf angewiesen, unser Brod zu verdienen. Wurde ich doch deshalb Diakonissin.“ „Du hast dabei freilich ein seltnes Glück gemacht,“ versuchte er zu scherzen, aber seine Worte riefen nur ein bittres Zucken um Gottliebes Mundwinkel hervor. Ach! das seltene Glück, das sie sich einst erträumt, hatte andere Züge getragen und war ihr versagt geblieben.„Meinetwegen, laß Deine Schwester herkommen, nur stören darf mich der neue Zuwachs nicht.“ „Das soll nie geschehen, Roland. Marion würde also über— morgen hier eintreffen, Papa schreibt, daß sich da gerade eine gute Reisegelegenheit bietet, deshalb konnte ich auch meine Bitte nicht länger aufschieben. Verzeih die Störung.“ Er nickte und fragte dann nur noch, um etwas zu sagen: „Wie lange hast Du Deine Schwester nicht gesehen?“ „Ueber zehn Jahre. Sie war noch ein kleines Ding, als ich das Elternhaus verließ, und versprach hübsch zu werden.“ „Bah, wenn ein Weib irgend einen Beruf ergreifen will, haben die Grazien meist nicht an ihrer Wiege gestanden,“ äußerte er leicht hin, und damit war das Gespräch beendet. Gottliebe ging zurück in ihre Räume, aber langsam und nachdenklich. Sie versuchte ver— gebens, sich die Erinnerung an ihre junge Schwester zurückzurufen, das Gedächtniß ließ sie im Stich. Damals war Marion der Ab⸗ gott ihrer Mutter gewesen und hatte für eine kleine Schönheit ge⸗ golten, aber was aus ihr geworden, wußte sie nicht. Vielleicht, daß die Mutterliebe nur solchen Kultus mit dem kleinen Geschöpf getrieben; vielleicht aber auch, daß sie gehalten, was sie versprochen, dann würde Gottliebe durch die Nähe dieser ungekannten, ungeliebten Schwester noch mehr in den Hintergrund gedrängt werden, selbst die schwachen Fäden zerrissen sehen, die sie noch mit ihrem Gatten ver⸗ banden. Es gab ja genug andere Frauen, die ihm mehr waren wie sie, Illusionen gab es für sie in diesem Punkt keine, aber wenigstens war sie nicht Zeuge davon, während sie hier gleichsam die Folie für die schönere jüngere Schwester abgeben mußte. Gottliebe seufzte tief auf. Sie hatte mit offnen Augen den Märtyrerweg gewählt, den sie ging und kein Recht deshalb sich zu beklagen, aber war sie verpflichtet, ihn sich noch schwerer zu machen, als er ohnehin schon war? Sie trat an's Fenster und sah auf die Straße, in der Schnee und Regen einen wilden Tanz aufführten, den Brief noch immer unbeantwortet in der Hand. Einen schweren Kampf focht sie mit sich selber aus. Ihr gutes Herz siegte, es war ihr, als höre sie die Stimme ihrer Schwester fern, ganz fern, hilflos klagend, daß Niemand ihr die Hand reichen wollte, um einen selbständigen Lebensweg für sich zu schaffen, obgleich der Moment eintreten mußte, da die Noth an ihre Thüre klopfte. „Pfui, wie selbstsüchtig ich bin,“ sagte Gottliebe entschlossen, strich mit der Hand über die Stirn und setzte sich hin, den Brief zu beantworten. Sie schrieb hastig und ohne aufzuhören. Worte der Liebe waren es, der Zärtlichkeit und Sehnsucht nach einem andern Herzen, das sie verstand, und mitten im Schreiben flog ein Lächeln über ihr Gesicht, und sie flüsterte: „Wir werden glücklich miteinander sein.“ In den Regen hinaus, der während einiger Tage schon das Ausgehn unerfreulich genug machte, trat Roland Hartenstein. Ein Modell zu finden, wie er es wünschte, hatte er aufgegeben, es trieb ihn nur die Unruhe hinaus, die ihn oft befiel und zwang, in körper⸗ licher Ermüdung ein Präservativ dagegen zu suchen. Mit großen Schritten lief er vorwärts und merkte endlich, daß er sich im fashionablesten Viertel der Residenz befand, ohne es beabsichtigt zu haben. Eines der großen palastähnlichen Häuser war ihm wohl⸗ bekannt, und als er auf die hellbeschienene Nummer sah, fiel ihm abermals ein, woran er in letzter Zeit schon häufiger gedacht hatte, daß nämlich Gräfin Olivia die einzigste sei, die sich zu seinem Venusbilde eignen würde. Sie hatte, ohne schön zu sein, ein pikantes Köpfchen mit wechselndem Ausdruck, und eben erinnerte sich der Professor, sie neulich in einer Stellung und Beleuchtung sitzen ge— sehen zu haben, die sie reizend kleidete und sich vielleicht verwenden ließ. Er hatte zuerst etwas Anderes gewollt, als gerade Gräfin Olivia, aber immerhin:„Wer das Beste nicht finden kann, muß es mit dem Guten versuchen,“ sagte er sich mit einem Anflug von bittrem Humor, und ohne lange zu überlegen, stieg er die teppich— belegten Stufen zu ihrer Wohnung empor. „Frau Gräfin sind nicht zu Hause,“ antwortete ihm die öffnende Zofe und warf einen prüfenden Blick auf seinen nachlässigen Anzug und feuchten Hut. Roland Hartenstein bemerkte den Blick, aber durchaus im Klaren über das, was er sich herausnehmen durfte, hielt er es nicht der Mühe werth, etwas darüber zu sagen. Er wußte, die Damen der ganzen Aristokratie hätten ihm viel mehr Formlosigkeit nachgesehen, sobald er den Wunsch geäußert haben würde, sie zu malen. Eine Jede hätte es als eine besondere Ehre für sich betrachtet und war des Neides ihrer Freundinnen sicher. „So melden Sie mich zu morgen Vormittag,“ sagte er kurz und wandte sich zum Gehen. Der Entschluß, die Gräfin zu malen, be— festigte sich bei längerem Nachdenken in ihm, und ruhiger wie seit langer Zeit suchte er die lustige Gesellschaft seiner Freunde auf. Am Morgen erwachte er zwar mit wüstem Kopf, aber seine unzerstörbare Schönheit hatte nicht im Geringsten gelitten; dreist durfte er sich den Sonnenstrahlen aussetzen, die hell auf die winter⸗ liche Erde herabfielen, und nachdem er diesmal sehr sorgfältig Toilette gemacht, um die Gräfin aufzusuchen, fiel ihm ein, daß er im Atelier zwei prächtige Theerosen stehen hatte, die er als Morgengruß mit— nehmen konnte. „Ihren Ursprung werden sie ja nicht verrathen,“ dachte er mit cynischem Lächeln, öffnete die Thüre und— blieb regungslos stehen. Vor seinem Tannhäuserbilde, so, daß sie ihm ihr Halbprofil zuwandte, sah er ein junges Mädchen. Auf einer Figur, wie sie Phidias zu meißeln verstanden, ein eigenthümlicher Kopf, eigen⸗ thümlich durch seine Gegensätze. Blondes Haar, in der Farbe der reifen Aehren, hing aufgelöst über den Nacken, in dem kurzen vollen S ä—— 7 6—— — ———ç Tread .— — — ——— 3 . — — 2 364— N 8 = 28 Oval des Gesichts waren die Brauen über den schwarzen Augen fein und scharf wie mit dunkler Farbe gezeichnet, und die Wimpern warfen fast Schatten auf die blühenden Wangen. Die Nase im Profil gesehen war kurz, so daß die rosige Nasenwand ein wenig hervorschimmerte, ebenso die Oberlippe, die die Zähne nicht ganz zu decken vermochte. Schön war sie zweifellos, von jener eigenartigen, faszinirenden Schönheit, die auf den ersten Blick besiegt, obgleich man dabei ein warnendes„Hüte Dich“ spürt. Aber er hätte nicht Roland Harten— stein sein müssen, wenn er nicht in der ersten Sekunde des Sehens hingerissen, entzückt, begeistert gewesen wäre. Stumm sah er auf das lebende Bild vor sich, mit angehaltenem Athem fast, als wenn er fürchtete, es könne nur eine Vision sein, die ihm beim ersten Laut entwich. Aber sie sollte und durfte ihm nicht entweichen! Das war Venus, wie er sie geträumt, seine Venus, die er schaffen wollte! Eine Göttin, aber zugleich ein sterbliches Weib, mit allen Schwächen, allen Liebenswürdigkeiten, allen Fehlern eines solchen und darum unwiderstehlich. Sie hatte die Thüre gehen gehört, drehte sich aber nicht um, da sie Gottliebe zu sehen erwartete, nur die kleinen Hände schlug sie zusammen und sagte: „Wie schön er ist! Ob es wirklich solche Männer geben mag? Hast Du schon Jemand gesehen, der ihm ähnlich war?“ Alles blieb still. Sie horchte ein wenig rückwärts, dann drehte sie sich langsam um. Roland stand noch immer auf der Schwelle im Anschauen verloren, ihre Blicke trafen sich. Sie war weder verwirrt, noch erschreckt von dem unerwarteten Anblick, im Gegen— theil ging sie auf ihn zu mit ausgestreckter Hand und sagte:„Du bist Roland, nicht wahr? Gottliebe fürchtete, Du würdest zanken, daß ich hier in Dein Heiligthum eingedrungen, aber ich hoffe, Du thust das nicht. Weißt Du denn, wer ich bin? Marion— Deine Schwägerin.“ Er sah, während sie durch das prächtige, luxuriöse Atelier schritt, daß sie kleinstädtisch und schauderhaft gekleidet war. Das Kleid, offenbar zu eng, hinderte ihre Bewegungen und ließ unschön die Füße sehen, die in häßlichen Lederstiefeln steckten, nichts hatte auch nur im Geringsten Sitz oder Schick. Roland Hartenstein verab— scheute schlecht gekleidete Frauen ebenso sehr wie angeborene Häßlichkeit, aber er merkte mit Erstaunen, daß es diesmal eher sein Mitleid, wie seine Ungeduld wachrief, diesen schönen Kern in unwürdiger Schale stecken zu sehen. Er ergriff ihre Hand, die sie ihm reichte, sah ihr noch immer in das Gesicht und erwiderte zerstreut: „Also Du bist Marion. Merkwürdig,— merkwürdig!“ Und dann zog er sie neben sich auf den orientalischen Divan und fuhr fort: „Wolltest Du nicht Klavierlehrerin werden? Welche Narrheit! Frauen, die so aussehen wie Du, sind berufen, andere Wege zu gehen. Sagte Dir noch Niemand, daß Du schön bist?“ Sie schob schmollend die Unterlippe vor und spielte mit einer Strähne ihres goldenen Haares. „O ja; zu Hause wohl Dieser und Jener. Aber was hilft mir das, ich bin arm. Der blasse, blonde Provisor aus der Apotheke uns gegenüber wollte mich sogar trotzdem heirathen, aber ich konnte ihn nicht leiden. Und dann hatte ich solche Sehnsucht in mir hin— aus in das Leben, in die große Welt. Ich dachte manchmal, ich könnte doch auch noch in etwas Besseres kommen, als gerade in eine Apotheke mit ihren scharfen Gerüchen, die mir immer Kopf— weh machen. Alle sagten sie damals, Gottliebe habe solch ein Glück gemacht. Ich möchte auch mein Glück machen, wenn es freilich auch nicht so glänzend sein wird wie das hier.“ Sie sah sich mit einem tiefen Seufzer ringsum. Die Pracht, die die Schwester beim ersten Anblick fast erdrückt hatte, erweckte in ihr nur Begehrlichkeit nach ebenso schönen Dingen und dann an sich herunterblickend, sagte sie halb traurig, halb zornig:„Wie ich unter all diesen Herrlichkeiten aussehe, mit dem häßlichen Fähnchen von zu Haus. Warum putzt sich Gottliebe nicht? Wäre ich an ihrer Stelle, ich sorgte schon dafür, daß ich hier hinein gehörte. Oder leidest Du es nicht, Roland? Die Männer sind manchmal so komisch.“ „Gottliebe!“ wiederholte er spöttisch und verächtlich zugleich. Marion sah ihn verwundert an. Wäre sie klüger gewesen, hätte ihr dieser einzige Ausruf das ganze Martyrium der Schwester ver— rathen, aber davon verstand sie noch nichts. „Ich danke Dir herzlich, daß Du mir erlaubtest herzukommen,“ sagte sie nach einer kleinen Pause, in der ihr einfiel, daß ihr Gott— liebe diese Schuld der Dankbarkeit gegen ihren Schwager dringend an's Herz gelegt hatte.„Die ganze letzte Zeit lebte ich zu Hause nur noch in der Hoffnung auf die Residenz und Euch. Aber denke Dir, daß mich Gottliebe gestern Abend auf dem Bahnhof nicht einmal mehr erkannt hat, zweimal sind wir aneinander vorüber— gegangen, und von Dir hatte ich mir auch ein anderes Bild ge— macht. Ich dachte, Du müßtest schon alt und häßlich sein,— so ein berühmter Mann— und nun finde ich Dich jung und—“ „Trotz alledem kein Tannhäuser.“ Sie erröthete und lachte. „Es kommt nicht so viel darauf an!“— Und mit einem aber— maligen Seufzer wiederholte sie:„Glückliche Gottliebe! Glückliche Gottliebe!“ „Marion!“ rief Roland Hartenstein und legte den Arm um die biegsame Gestalt des Mädchens.„Willst Du die Venus werden dort auf dem Bilde, das Dir so gut gefiel? Schenke mir dein Gesicht nur auf kurze Zeit, und ich will den Ruhm Deiner Schön— heit durch meinen Pinsel von Stadt zu Stadt tragen. Du wirst angestaunt und bewundert werden, wie Keine außer Dir, Huldigung und Anbetung wird man Dir zu Füßen legen, Dir und mir, denn ich habe Dich geschaffen!“ 0 Mit glühenden Wangen und halbgeöffneten Lippen horte sie ihm zu:„Ich will! Ich will, Roland! Sage mir nur, was ich thun soll.“ „Blindlings meinen Wünschen gehorchen und mich ein wenig lieb haben.“ Er neigte sein Gesicht dem Ihrigen entgegen, Marion aber sprang hastig auf, eilte auf Gottliebe zu, die soeben über die Schwelle trat, und jubelte athemlos: „Er will mich malen, denke doch nur! Dort hin auf das schöne große Bild, und ich werde bewundert und berühmt werden wie er.“ Aus den schwarzen Augen zuckten leuchtende Blitze, sie sah in der Erregung wunderschön aus. Gottliebe wurde ein wenig bleicher, als ihre Blicke von der Schwester zum Gatten glitten, dann sagte sie mit ihrer freundlichen Ruhe: „du siehst, ich habe Recht; er ist sehr gut.“ (Fortsetzung folgt.) Vor der Staffelei. Nach dem Englischen von P. Olliverio. Unter den verschiedenen Gemälden, die in meinem Wohnzimmer hängen, befindet sich ein Pfuschwerk, das ich höher schätze, als all die übrigen Bilder, die zum größten Theil kleine Meisterwerke sind; und obgleich ich von der Malkunst etwas verstehe, sie werth halte, ja verehre, kann ich doch stundenlang vor jenem Bilde sitzen und es betrachten. Ich brachte es vor zwei Jahren aus der Bilder— galerie mit nach Hause, an einem glühend heißen Tage, der es mir zum ersten Male fühlbar machte, daß meine Kräfte im Abnehmen waren, und ich mit Macht ein alter Mann wurde. Während einer ganzen Reihe von Jahren hatte ich die Galerie regelmäßig besucht, denn ich stand in dem Ruf, ein guter Kopist zu sein, und bekam in Folge dessen sehr viel Aufträge, die ich aus führen mußte. Gegen Ende genannten Sommers jedoch, nachdem ich meine letzte Bestellung abgeliefert hatte, war mir seltsamer Weise noch keine weitere zu theil geworden, was wohl in den schlechten Geschaͤfts— verhältnissen liegen mochte, und so beschloß ich eine Landschaft von Karl Heyn zu kopiren, für die sich sicher bald ein Käufer finden würde. Mehrere Tage lang war ich der Einzige in der Galerie, der das Bild kopirte, eines Morgens jedoch, als ich eben mit meiner Arbeit beginnen wollte, gesellte sich ein junges, schlankes, sehr zart aussehendes Mädchen zu mir mit einer Staffelei, einer aufgespannten und in Papier geschlagenen Leinwand und einem großen Malkasten. „Verzeihen Sie,“ sprach sie erröthend,„könnten Sie nicht ein wenig zur Seite rücken?“ „Gewiß,“ antwortete ich bereitwillig, während ich ihr voll Interesse in das liebliche, bleiche Gesicht blickte.„Sie können meinen Platz haben, das Licht ist hier am günstigsten.“ „O nein, ich moͤchte Sie nicht verdrängen!“ wehrte sie hastig. „Das Licht ist überall gut, dieser Platz hier ist eben so günstig.“ — 8 2 —— — . K er. che um den ein ön⸗ irt g nn m l.“ fig ug at, one 10 i el gte mer d; lte, und der⸗ iir en Die kleinen Nekri Nekruten. erie t zu jus⸗ chte eine sstg⸗ von rde. der ner zart ten ten. eil. vol en lig, b 4 5 . 0 , 0 D — S 0 — 0 9 106 N. 0 4 1 1 5 4 4 5 . 1 1 . „Sie verdrängen mich durchaus nicht,“ entgegnete ich, und schob meine Staffelei ein Stück zurück.„So, und nun gestatten Sie mir, Ihnen behilflich zu sein.“ „Sie sind außerordentlich gütig,“ sprach sie, nachdem ich ihr Alles zurecht gestellt hatte, und lehnte sich gegen die Messingstange, die zum Schutz der Bilder vor denselben angebracht war;„ich habe einen weiten Wet hinter mir und bin ziemlich müde.“ „Und die Hitze ist so groß,“ versetzte ich.„Ich fürchte, Sie werden sie hier unerträglich finden.“ f „O, es wird so schlimm nicht sein,“ entgegnete sie, während sie die Leinwand, welche ungefähr eben so groß war wie die meine, aus dem Papier nahm, und sie auf die Staffelei stellte.„Ich fürchte, Sie werden mich meines traurigen Versuches wegen aus— lachen. Ich fing das Bild vor sechs Jahren an, als ich fast noch ein Kind war, und mein guter Vater noch lebte; und nun möchte ich es vollenden, um—“ hier stockte sie einen Moment—„um es zu verkaufen.“ Ich betrachtete die Leinewand, und muß gestehen, daß, obgleich ich schon manchen sonderbaren, lächerlichen Malversuch gesehen hatte, mir ein ungeschickteres, kläglicheres Machwerk noch nicht vorgekommen war. Man konnte es wahrlich nur eine Schmiererei nennen. Von Zeichnung keine Spur darin; der Himmel blau wie Indigo, die Wolken schwarz wie Dinte, die Sonne schmutzig gelb und ziegel roth— kurz es bot einen Anblick, der mir mindestens ein Lächeln entlockt haben würde, wäre ich mir der Gegenwart des bleichen, jungen Mädchens an meiner Seite nicht bewußt gewesen. „Glauben Sie, daß ich jemals einen Käufer dafür finden werde?“ fragte sie, die großen Augen begierig auf mich gerichtet. Es lag etwas so unsagbar Trauriges, Rührendes in dem Ton ihrer Stimme, daß ich nicht im Stande war, ihr die Wahrheit zu sagen. „Warum nicht,“ antwortete ich etwas kleinlaut,„Sie sind noch nicht sehr weit damit, vielleicht darf ich Ihnen ein wenig behilflich sein. Ich bin ein alter Mann und habe manche Erfahrung ge— sammelt.“ f Sie sah mich ernst an. „Ja, wenn Sie mir ein wenig helfen wollten,“ rief sie dann plotzlich,„nur ein ganz klein wenig, gerade nur so viel, daß es Ihrem Bilde ähnlicher wird. Ich habe so lange keinen Pinsel an— gerührt, aber die Leute kaufen ja immer gern Bilder— reiche Leute, meine ich; und ich dachte, wenn ich dies hier fertig machte, könnte ich es in einen Laden geben und verkaufen lassen.“ Das arme Kind! Ich sah Thränen in ihren Augen schimmern, während sie so sprach, und fragte mich innerlich, welch traurige Geschichte sie wohl von ihrem Leben zu erzählen haben mochte. Doch ich wollte nicht für neugierig gelten, und unterdrückte daher jede Frage, die mir auf den Lippen schwebte. Sie hatte ihre Palette inzwischen mit jeder denkbaren Farbe versehen, und trat nun, den Pinsel in der schmalen, bebenden Hand, an die Staffelei heran. „Ich glaube, ich habe das Malen gänzlich verlernt,“ hob sie von Neuem an. „Würden Sie mir gestatten, daß ich gleich jetzt zu Anfang ein wenig an Ihrem Bilde male?“ fragte ich. „Ich hätte nie gewagt, Sie darum zu bitten,“ antwortete sie, während es in ihren Zügen hell aufleuchtete;„doch es wäre sehr gütig von Ihnen; es ist so lange her, seit ich zum letzten Mal gemalt habe.“ Das Bild dem Original nur einigermaßen ähnlich zu machen, war vollständig unmöglich, doch ich that, was in meinen Kräften stand, und reichte ihr darauf Pinsel und Palette zurück. Sie schien sehr dankbar zu sein; und ihre Augen leuchteten voll Hoffnung. J „Welches Glück für mich, in Ihnen eine so große Hilfe gefunden zu haben!“ rief sie, indem sie sich vor der Staffelei niedersetzte, und mit einem Seufzer fügte sie hinzu:„Hoffentlich bin ich bald fertig, denn es wird mir sehr schwer, meine Kleinen allein zu lassen.“ Ueberrascht sah ich sie an. Ihre Kleinen! Sollte es möglich sein, daß sie verheirathet war? Unwillkürlich warf ich einen Blick auf ihre rechte Hand, und bemerkte nun zum ersten Mal, daß sie einen Trauring trug, doch aus Furcht, ich könnte etwas sagen, das ihr wehe thäte, schwieg ich auch diesmal. So arbeiteten wir, ohne weiter ein Wort mit einander zu wechseln, bis es ein Uhr schlug, und ich meine belegten Brödchen und die kleine Flasche Wein hervor— langte, die mir meine Schwiegertochter allmorgendlich in die Rock— tasche steckte, bevor ich nach der Galerie ging. Da ich zu bemerken glaubte, daß meine Nachbarin sich mit keiner Stärkung versehen hatte, bat ich sie, mein Frühstück mit mir zu theilen. Sie lächelte und lehnte dankend ab. „Ich bin aufgeregt,“ sagte sie,„ich wäre nicht im Stande, etwas zu essen.“ „Doch Sie scheinen nicht allzu kräftig,“ entgegnete ich.„Ein wenig von diesem Wein würde Sie stärken.“ „Ich bin nicht schwächlich,“ beharrte sie, nur sehr, sehr aufgeregt.“ Und so kam unsere Unterhaltung wieder in Gang, und nach und nach erzählte sie mir ihre ganze Geschichte. Dieselbe war sehr traurig, aber keineswegs eine außergewöhnliche. Die Erzählerin war seit sechs Jahren verheirathet, und zählte jetzt vierundzwanzig. Ihr Mann hatte ein kleines Agenturgeschäft und arbeitete Tag und Nacht für sie und ihre zwei Kinder; doch plötzlich war er krank geworden, man hatte ihn in das Hospital bringen müssen, und das Geschäft ruhte. Die geringen Ersparnisse reichten nur für ein kärgliches Leben zu; und um das Maaß ihrer Sorgen voll zu machen, hatte ihr Hauswirth gedroht, ihr die Wohnung zu entziehen und sich mit ihren Habseligkeiten für die rückständige Miethe bezahlt zu machen. Und dabei war ihr armer Mann noch schwer krank. Es würde noch einer langen Zeit bedürfen, bevor er das Hospital verlassen und seine Beschäftigung wieder würde aufnehmen können, hatte der Arzt gesagt; aber wenn sie ihr Bild für vierhundert Mark verkaufte, könnte sie die Miethe bezahlen, und Alles war gut! Ich folgte ihren Worten voll innigen Mitleids. So jung noch, und schon so traurige Erfahrungen! Mein Herz blutete für sie, aber leider hatte ich nichts weiter zu geben als tröstende Worte, denn ich besaß und verdiente zwar augenblicklich gerade noch genug, um davon zu leben; mit dem kleinen Vermögen aber, das ich mir im Laufe der Jahre gesammelt, hatte ich meinem Sohne ausgeholfen, der schwere Zeiten kennen gelernt. In der nächsten Nacht ließ mich der Gedanke an die arme, junge Frau, die mit so viel Sorgen, dazu noch ganz allein, zu kämpfen hatte, nicht schlafen. Ich überlegte, wie ihr zu helfen sei, doch vergebens; es fiel mir nicht das Geringste ein. Am folgenden Tage war sie wieder in der Galerie, so die nächsten, und immer malte sie mit dem größten Eifer. „Ich denke, ich werde bald fertig sein,“ sagte sie häufig zu mir.„Natürlich ist es nicht so wie das Ihre; aber der Bilder— händler hat ja das Ihrige nicht gesehen, und so wird er mit dem meinen schon zufrieden sein.“ So sprach sie in ihrer glücklichen Unwissenheit und ich lächelte zustimmend; ich konnte ihr unmöglich widersprechen. Sie hatte sich in letzter Zeit zusehends erholt, ihre Züge hatten den trüben, ver— härmten Ausdruck verloren, und das einzig und allein, weil sie so fest von der Hoffnung erfüllt war, sie werde das Bild verkaufen und die Miethe bezahlen können. „Ich habe Alfred von meinem Vorhaben nichts gesagt,“ er— zählte sie mir eines Tages;„der Gedanke, daß ich die Kinder ver— lasse und hier arbeite, würde ihm peinlich sein; wenn er aber erst wieder bei uns ist, dann will ich ihm erzählen, wie ich unser kleines Heim gerettet habe, und er wird mich seine kleine brave Frau nennen, und ich werde so stolz und glücklich sein., 5 Einmal verließ sie die Galerie mehrere Stunden früher als ge— wöhnlich ihres jüngsten Kindes wegen, das an einer heftigen Er— kältung litt, und ich erbot mich, ihre Sachen wegzuräumen, damit sie keine Zeit verliere. Sobald sie den Saal verlassen hatte, hob ich die Leinewand von der Staffelei, nicht weil sie mein Auge be— leidigte, sondern weil, wenn ich an ihre hochfliegenden Hoffnungen dachte, der Anblick des Bildes mir ordentlich in's Herz schnitt. Kaum war es geschehen, als ich einen Herrn bemerkte, der mit kritischem Auge und sichtlichem Wohlgefallen meine Kopie betrachtete, an deren Vollendung nur noch wenige Pinselstriche fehlten. Sollte er die Absicht haben, es zu kaufen? Da plötzlich kam mir ein Ge— danke und eben so schnell, wie er gekommen, beschloß ich auch, ihn auszuführen. Nachdem der Herr mein Werk noch eine Weile schweigend ge— prüft hatte, wandte er sich zu mir, der ich noch mit Pinsel und Palette meiner jungen Freundin in der Hand vor deren Staffelei stand, und fragte, ob ich das Bild gemalt und die Absicht habe, es zu verkaufen. Ich verneigte mich und beantwortete beide Fragen bejahend, worauf er mir sechshundert Mark dafür bot. Der Preis * ä——̃ H—v—ʃ—D eee eee eee eee ee eee eee eee eee eee eee e ee e e lte k 00 lir , le, zu ei, U el⸗ el⸗ 1 , ge. r⸗ nit b he⸗ en fit e/ lte e n ge. 15 lei be, 1 eil 367 0 8 war nicht hoch, sogar beträchtlich geringer als ich ihn sonst für meine Werke erzielte, doch ich nahm ihn ohne Zögern an, und erbat mir des Herrn Adresse, um ihm das Bild am folgenden Morgen zustellen zu können. Als er sich entfernt hatte, legte ich gleich die letzte Hand an das Gemälde. Ich fühlte mich in ganz gehobener Stimmung, und mir war, als ob mein gefaßter Entschluß mich wieder jung gemacht hätte. Ich gedachte ihr Bild für sechshundert Mark zu kaufen und ihr zu sagen, daß sich in ihrer Abwesenheit ein Liebhaber für dasselbe gefunden habe. Wer der Käufer in Wirklichkeit war, das sollte sie niemals erfahren. Ich verließ die Galerie gegen Abend in der glücklichsten Gemüthsstimmung, und malte mir das Wieder— sehen mit meiner jungen Freundin— das Geld für ihr Bild in meiner Hand— in den hellsten Farben. Der folgende Tag war ein Feiertag und das Arbeiten in der Galerie daher nicht gestattet. Ich konnte den ganzen Tag nichts weiter denken als an sie, und nachdem ich mein Bild im Hause des Käufers hatte abliefern lassen und das Geld dafür erhalten, war es mein Erstes, ihr Bild an jenen Nagel zu Bingen, an dem es sich noch heute befindet. Am andern Morgen gönnte ich mir kaum Zeit zu frühstücken, so ungeduldig war ich, nach der Galerie zu kommen. Dort angelangt, eilte ich die breite Treppe hinan, dem Saale zu, in dem das Heyn'sche Bild hing. Heute brauchte ich unsere Staffeleien nicht zurecht zu rücken, unser Werk war vollendet und voll Wehmuth dachte ich daran, daß es vielleicht mein letztes ge— wesen sei. Doch es war sehr schwül und dumpf, obgleich noch früh am Morgen, und es mochte diesmal die Ursache dafür sein, daß ich mich so schwach fühlte. Außer mir befand sich kein Mensch in dem Saal, und ich wartete beinahe eine ganze Stunde, bis sie erschien. Hastig schritt ich ihr entgegen. Sie sah bleicher aus als gewöhnlich und ihre Schritte waren langsamer, schleppender. Sie sah mich mit offenbarem Erstaunen an. „Ich erwartete, Sie bei der Arbeit zu finden,“ rief sie;„doch ich glaube, ich bin früher als gewöhnlich gekommen, ich sah nicht nach der Uhr, bevor ich von Hause fortging. Ich glaube, ich vergaß alles, ich war so außer mir. Denken Sie— und nur mit Mühe ver⸗ mochte sie die Thränen zurückzuhalten— gestern Abend erhielt ich einen so grausamen Brief von unserm Wirth, worin er mir erklärte, daß, wenn die Miethe binnen acht Tagen nicht bezahlt wäre, wir die Wohnung zu räumen hätten; und dabei ist mein Jüngstes so krank, und mein armer Alfred— und nun muß ich den ganzen Tag von Hause fortbleiben und werde am Ende mein Bild nicht einmal verkaufen können.“ Ich sah, wie ihre Lippen bebten und die Thränen sich in ihren Augen sammelten. „Machen Sie sich keine Sorge,“ erwiderte ich, sie beruhigend, „Ihr Bild ist verkauft! In Ihrer Abwesenheit vorgestern fand sich ein Liebhaber dafür, und ich verkaufte es ihm.“ „Verkauft!“ rief sie, in ihrer freudigen Aufregung meine Hand ergreifend.„Verkauft— wirklich verkauft! Aber nein, das kann ja nicht sein; es wäre zu viel Glück!“ „Und dennoch ist es so,“ versetzte ich.„Ich habe das Geld für Sie in Empfang genommen— hier ist es— es sind sechs⸗ hundert Mark.“ Während ich so sprach, nahm ich die Banknoten aus meiner Brieftasche und reichte sie ihr. Sie sah das Geld einen Augenblick sprachlos an, dann bedeckte sie das Gesicht mit den Händen und schluchzte krampfhaft. „Das kann Sie doch nicht unglücklich machen,“ sagte ich, sie besänftigend, denn ich fürchtete fast, sie mit ihrem Glück zu plötzlich bekannt gemacht zu haben. „Sie haben Recht,“ versetzte sie, rasch die Hände von dem Ge— sicht zurückziehend und ihre Thränen trocknend.„Ich bin sehr thöricht. Sie müssen mir verzeihen. Ich fürchtete, es könnte nur ein Scherz von Ihnen sein.“ „Nehmen Sie das Geld in die Hand,“ sprach ich lächelnd, „vielleicht überzeugt Sie das davon, daß alles wirklich wahr ist.“ Sie nahm die Banknoten und betrachtete sie von allen Seiten. Dann fragte sie mich, wer das Bild gekauft habe, worauf ich ihr erwiderte, ein Freund und Verehrer der Malkunst, was durch. aus der Wahrheit gemäß, denn das bin ich mit jeder Faser meines Herzens. „Und ich glaubte, es noch lange nicht vollendet zu haben,“ sagte sie.„Ich schulde gewiß alles nur Ihnen,“ fügte sie plötzlich hinzu; denn Ihr Bild ist so wunderschön— so ganz anders als das meine; und wenn Sie es dem Herrn angeboten hätten, würde er natürlich das Ihrige gekauft haben. „Nein, nein, da irren Sie,“ wehrte ich rasch, während ich mit einem unbeschreiblichen Wonnegefühl ein freudiges Roth in ihren Wangen aufsteigen sah. „Ich glaube, ich werde nie wieder malen,“ sagte sie.„Es könne mir ein zweites Mal nicht wieder so glücken. Auch kann ich meine Kinder so schwer verlassen, und bin nicht sehr kräftig; aber ich bin so sehr, sehr glücklich! wir brauchen nun die Wohnung nicht zu räumen, können die Miethe bezahlen und behalten noch ein hübsches Sümmchen übrig; und wie stolz werde ich sein, wenn Alfred erst wieder gesund heimkommt und ich ihm erzählen kann, daß ich durch meiner Hände Arbeit das Geld verdient und uns unser behagliches, kleines Heim erhalten habe. Denken Sie doch, wie herrlich! Und Sie werde ich nicht vergessen,“ fügte sie hinzu. „Sobald Alfred gesund ist, komme ich mit ihm und den Kindern hierher, um sie mit Ihnen bekannt zu machen. Darf ich?“ Als ich ihr erwiderte, daß Sie mich sicher dort finden würde, dachte ich nicht, daß es das letzte Mal gewesen war, daß ich die Galerie betreten hatte; ebensowenig wie ich ernstlich glaubte, mein letztes Bild gemalt zu haben. Draußen auf der Straße trennte ich mich von ihr, und nie werde ich die Glückseligkeit vergessen, die sich auf ihren lieblichen Zügen spiegelte. Ich habe sie seitdem nicht wieder gesehen, doch wird sie in meiner Erinnerung fortleben bis zum Ende meiner Tage; und obgleich ich viel allein bin und sehr schwach, und den Pinsel nicht mehr führen kann, fühle ich mich doch glücklich, wenn ich vor ihrem Bilde sitze und meine Blicke darauf ruhen lasse, denn es ist nicht das Gemälde, das ich sehe, sondern ihr liebes, junges Gesicht, das mir daraus entgegenlächelt wie damals, als wir zum letzten Male von einander schieden. Lose Blätter. Der alte Hut. Fritz Beckmann, der bekannte Komiker, hatte zu einer Rolle einen alten Hut nothwendig. In einem Trödelgeschäfte bemerkte er einen solchen, der ganz dem Zwecke entsprach. Er machte den Requisiteur darauf aufmerksam. Dieser begab sich auch nach dem Trödelgeschäfte und fragte nach dem Preise:„Fünfzig Kreuzer!“ war die Antwort.„Das ist zu theuer; wer weiß, wie oft das Stück gegeben wird! Vielleicht nur einmal. Wieviel betragen die Leihgebühren?“—„Sagen wir zehn Kreuzer täglich.“— „Gut, ich leihe den Hut. Am Ende des Monats bringen Sie mir die Rechnung.“— Am Ende des Mongtes stellte sich der Trödler ein und brachte eine Rechnung von zwei Gulden; das Stück war zwanzig Mal ge— geben worden.„I!“ ruft ärgerlich der Requisiteur,„da hätte ich ja den Hut viermal kaufen können!“—„Allerdings,“ lautet die Erwiderung, „damals! jetzt ist er um das Doppelte im Preis gestiegen.“ W. G. Die Zünfte. Bis in's zehnte Jahrhundert wußte in Deutschland Nie⸗ mand etwas von Handwerkern, als einer Art freier Bürger im Staate; erst Kaiser Heinrich V.(von 11061125) erklärte sie für freie Bürger und wehrhaft. Diese Verfügung ging zuerst blos Speyer an, bald aber wußten auch andere Städte sich diesen Vortheil zu verschaffen und dies war der erste Schritt zu den Zünften und Innungen, deren eigentlicher Anfang noch immer in Dunkelheit liegt. Die älteste Erwähnung einer Gilde ist die der Ge— wandschneider oder Tuch- und Zeughändler in Magdeburg, die der Erz— bischof Wichmann im Jahre 1155 mit besonderen Freiheiten versah. u. Im sechszehnten Jahrhundert hielt man es für unangemessen, ein Brautpaar in der Kirche zu trauen; es durfte die Trauung nur vor der Kirchthüre geschehn. Selbst Heinrichs II. Tochter, Elisabeth von Frankreich, wurde im Jahre 1559 mit König Philipp II. von Spanien von dem Erzbischof von Paris, Eustache de Bellay, vor der Kirchthüre von Notre Dame getraut. M. Als das Prinz Eugen ⸗Denkmal in Wien enthüllt wurde, befand sich auch der türkische Gesandte Haidar Effendi gegenwärtig. Darüber wunderte sich der Herzog von Gramont, damaliger ze Botschafter.„Und weshalb sollte ich nicht bier sein?“ fragte der Türke.„Sie helfen den Sieger von Zenta, Peterwardein und Belgrad verherrlichen.“—„Keinesweges,“ erwiderte Haidar,„das thun Sie, ich feiere den Helden von Höchstedt und Malplaquek, Turin und Oudenarde.“ Gramont biß sich auf den Lippen. 8 1 4368 W. Schach. Rösselsprung. 5 Problem Nr. 419 — 5— von R. Götz in Hamburg. be- dir du mei- tin schoo⸗ und daß— e II 5 6 5 deckt ße 85 5 3 N 5 5 122 n f ent- loh. nem sohn ent. göt. tin steckt. 7 2. N, lohn[der floh'n] nen öt⸗ ver. dei⸗ ich e 2 8 daß her- 5 ihn[von willst ne hat 1 2* 8 1 1 weiß] den sohn vor sein[ßem muß mit 8 1*. 3 6 ee enen.,* zen[er gieb[ kuß dein rä: sich schö⸗ 8. 5. 2 AE L 12 12. walz Weiß zieht an und setzt mit dem dritten 5 Matt. Arithmogriph. Auflösungen. Aus folgenden Ziffern sind 14 Worte zu bilden, deren Anfangs- und 5 4 Endbuchstaben von oben nach unten gelesen, den Namen eines Komponisten Problem Nr. 19 5 von A. Bayersdorfer in München. und dessen neueste Operette ergeben. 1) Dh7-g6: Les—452„ 1.580 123 456— Ein männlicher Vorname. 2) PS6— ben Kd. Tes: 2) Sa5—06 Kdd eb 5478 0 9 10 48 10— Eine Truppengattung. 4 19 8 e 005 4 Tes Kos—oßt(as 27 11 10 12 13 10 10 4— Ein Meerbusen. Varianten: 1).. Ld2: 2) Lag: 2) Sbar Kegel 3) Peng Kez(14) 4) Sd e Matt. 9 5 12 18 14— Ein lateinisches Wort für„üppig, muthwillig“. UW.. Lb 4 2) ba: Lart 3) Dbef Net: 4) Dis Malt„Keb: 2) Set Ki 3) Dgg 0 5 1 e 0 Matt. Auf andere erste Gegenzllge kommt die zweizligige Drehung:) Sbafe 3) Das(% 1 13 5 41 11 10 12 8— Name eines verstorbenen italienischen Bildhauers.] Matt fr Ausführung. In 5 Mudienkung des uses c Bumenep 19 14 N eme 890 5 8 15— im C 0 U Feinhelt des Einleltungszuges, wenngleich die durch Annahme des Opfers 245 lichte Spiel ⸗ . f 5 6.15 Stadt im Canton Graubündten. 00 2 t die volle Vebanung 198 zweiten De hat. Ene 51 Bereiche; 9 5 3 15 10 7 7 10— Ein chirurgisches Instrument. rung erf 16 1 Idee durch die Annahme des Opfers nach 1).. Las 2) be in der Ba⸗ 9 5 1 8 5— Geliebte des Zeus. 1 5 0 9 8 19 15 1 ad, aba e 4 Me licher Arn 00 1 N„. on, J 2 12 7 16 2 7 119 5 3 6— Landschaft im südlichen Schweden. bee es J. führt, sind, abgesehen er Ueberdeckung de von. eldes 1 durch den weissen Bauern ag, völlig rein.— Die Lösung wurde angegeben vo 10 17 11 45 8 13— Ein Stamm Joraels. in B. und H. Michaele in Th. 111 10 4 18 198 3 8— Verstorbener französischer Komponist. F 20 5 13 2 4— Gebirgsstock der appenzeller Alpen. Problem Nr. 414 von W. Scheuler in Striegau. 5 10 18 4 2 175— Ein Erdtheil. 1) d3-— da Kh5—g4 2 1 Se6-u ꝛc. 110 1459— Eine Stadt am finnischen Meerbusen. 2) Dbe-b! Kg4 f bel) 2) Db6—g6 f. Kh5—g6(Sg) 3) Stö—n4(ste) 1 3) Stö- n4(Ste) f —— Zieht Schwarz im ersten Zuge den Springer nach(7 oder 47— 40, so folgt 155 7 2) DbI 1 5 oder beliebig 0 ut resp. 816 Matt. Angegeben von W. Kron in B. Dr.. Skat-Aufgabe Ur. 5. e— 99 Mittelband tournirt Trefle 7, ohne einen Wenzel oder ein weiteres Aus der Schachwelt. 1 Blatt Trefle zu besitzen, und gewinnt das Spiel. Wie war die Lage der Die Schachzeitung bringt die Nachricht von dem Tode des General von Hanneken. erte W Der im Alter von 76 Jahren verstorbene Schachveteran war big zum Jahre 1871 in aktivem Karten und der Gang des Spiels? Dienste. Die letzten Jahre seines Lebeng brachte er in Wiesbaden zu, wo er einer der eisrig en See war, die sich täglich im Kursaale einfanden. Schon die ersten Auf⸗ 115 lagen des Bilguer'schen Handbuches n Beiträge des Verstorbenen. Kron Auflösung der Skat⸗Aufgabe Nr. 3. Aus dem ben een Programm des oeh amerikanischen A l e e Mitte 1 Trefle 0 zu! ele nd die folgenden Bestimmungen hervorzuheben. Zum Kongreßort ist New⸗Hork auserseben, Miktesh and hat auf Trefle 70 N 9, Dame und König Trefle Solo Bas große Anternaflonale Mei 1— soll mit minrestend eben. Wien dotirt werden, angesagt und macht Schneider. Die Lage der Karten war: von denen der erste mindestens tausend Dollar, die Summe der übrigen nicht unter 1500 n Dollar betragen soll. Auch ein Problemturnier mit Geldpreisen wird in e gestellt. * e* r n Ar 3 1 90 7* NN 77 8* Der„Liverpool-Courier“ macht die Bedingungen eines zwischen Blackburne und 15 5 0 60 8 4„ 8 Burne verabredeten L bekannt Wer zuerst sieben Partien gewinnt, ist 1 N 105 N 1 U N 90 A Sieger; Remispartien werden nicht gezählt. Das Spiel beginnt am 25. Oktober im Schach. 3 5 N 10 1 00 N 2 S klub zu Liverpool und wird dasetbse sorkgesetzt, bis einer der Spieler vier Partien gewonnen 5 9 1 bat. Das Match wird hiernach in London zur Entscheidung gebracht. Mittelhand: J Seit einigen Jahren ersreuen sich in Frankreich die Correspondenzturnsere einer großen Beliehtbeit. In der Strategie ergeht gegenwärtig die Einladung zu dem fünften derart 75 5 Turnier, welches die bewährte Redaction des französischen Schachorgans unter ihren Schu 3 5 5 5 hal. Die Turnlerbedingungen sind im Wesentlichen die folgenden: Die Beide 0 steht allen in Europa oder Algier wohnenden Abonnenten der Strate e Der ** Wan insatz beträgt 15 Franken. Jeder E N bat mit jedem andern zwei Partien zu Hinterhand: spielen, und zwar alle Partien gleichzeltig. Spätestens acht Tage nach Empfang eines Zu 1 U a muß die Antwort auf denselben erfolgen. Jede Art von Consultation ist untersagt c. 9 9 2 2 5* Zahl der Tbeilnebhmer ist für das neu ausgeschriebene fünfte Turnier auf 115 Pes rehe 0 N 1 daß in diesem Turnier jeder Spieler gleichzeitig zehn Partien zu flübren bat. e LN* Im Sk. liegen Pique 5 N 7 werden aus den Einsätzen gebildet, von deren Summe der erste Sieger zwei, der zweite, 9 1 1 Drittel erhält. Remispartien werden als halb gewonnen gerechnet.— Zwei ähnliche Tur⸗ Vorhand spielt Pique 7 aus, Mittelhand nimmt den Stich, 8 Die nachstehende Mittheilung über einen originellen Match, der kürzlich im Schach- Vorhand durch, Ausspielen von Trumpf 7 wieder heran, welche nunmehr klub zu Baltimore stattgefunden, ist in verschledenen Schachspalten zu lesen. Es spielten Pique 8. ausspielt. Dasselbe Spiel wiederholt sich, so daß die beiden 105 gate daß bie ens egen sün*. a ba fene a 90 8 0 matischen Resultat, daß die„freien“ Männer ihre unter dem ehelichen Joche seufzenden i nur die vier Wenzel und 10 und Ad erhalten, also mit 29 Points Nac Collegen in vier Partien besiegten! Ein neuer Beitra a dem viel behandelten „Schneid er verlieren. apitel von dem veredelnden Einfluß der Ehe auf die männliche Geistesbildung! Drud und Delan d der„Volks- Salung⸗„Akt. 00. in Berlin, Lübowsir. 105.— D Deroniwortlicher Redakteur: R. Elch in Berlin, Lützowstr. 105. niere sind 5 in Rußland im Gange; in dem einen derselben ist als Eröffnung Evans und Allgaler⸗Gambit vorgeschrieben, in dem andern Muzio- und Kieseritzki⸗ Gambit.