* 7—— eee eme de mc ee wehe ee 2e — eee e eee e. 9 N von Darmstadt wurden Truppen herbeigerufen, da in der Stadt nur meiner Barrikade gegenüber standen, einem böhmischen Regimente angehörten, das der österreichische General Nobili, welcher den Ober— befehl führte, aus Mainz herangezogen. Nachbar, ein junger Küfer aus Mainz. Flürsten Lichnowsky in der Stadt verbreitet.. schehniß, das die Wuth der Truppen auf's Aeußerste entflammte diumpfer rollender Ton an unser Ohr. zu den 0 Oberhrssischen Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Uuchrichten. Ur. Es war Anfangs September, als ich in der Mainstadt eintraf und im Hötel zum Weidenbusch abstieg. Ueber der Stadt und dem in der Paulskirche tagenden Parlament lag eine dumpfe Schwüle. Der Waffenstillstand von Malmö war zwischen Dänemark und den deutschen Truppen in Schleswig-Holstein abgeschlossen worden und alle Welt betrachtete diesen Waffenstillstand als den ersten Akt zur Ueberlieferung der deutschen Herzogthümer an die Dänen. Der Gedanke, ein deutsches Land, einen deutschen Volksstamm an eine fremde Nation auszuliefern, das Volk der Herzogthümer der Rache Dänemarks zu überliefern, regte auch mich gewaltig auf. Mit athem⸗ loser Spannung folgte ich auf der Tribüne der Paulskirche den Verhandlungen des Parlaments, von da eilte ich in die Volks— versammlungen, in denen der Waffenstillstand als ein Verrath an Deutschland und der Sache des Volks mit flammenden Reden ge— brandmarkt wurde. Trotzdem geschah das Unerhörte. Der Waffenstillstand wurde von der Mehrheit des Parlaments genehmigt. Wie ein Wetterstrahl, in eine Pulvermine schlagend, diese entzündet und in die Luft sprengt, so fiel der Beschluß in die erhitzten und glühenden Gemüther der Demokraten Frankfurts und seiner Umgebung. 5 Es war am Morgen des achtzehnten September, an einem Montag. Von auswärts zogen bewaffnete Männer nach Frankfurt. Barrikaden wurden gebaut. Der Kampf entbrannte. Von Mainz, ein einziges Bataillon lag. Ich nahm ein Gewehr und eilte in die Reihen der Barrikadenkämpfer. Schuß auf Schuß fiel. Deutsche gegen Deutsche. Es war ein schlechter Trost, daß die Soldaten, die Lauter Böhmaken, die kein Wort Deutsch sprechen,“ sagte mein Gleich darauf streckte die nieder.„Ach Gott, Inzwischen hatte sich Auerswald und des Ein entsetzliches Ge— Kugel eines dieser böhmischen Grenadiere ihn meine Mutter!“ waren seine letzten Worte. die Kunde von der Ermordung des Generals und den Barrikadenkämpfern, obwohl diese schuldlos an der grau⸗ samen That, viel Sympathien raubte. Da mitten durch das Geknatter des Gewehrfeuers schlägt ein Wiir blickten die lange vor uns liegende Straße hinab. Es sind Kanonen von Mainz, die heranrasseln. Die Geschützläufe blitzen, Gießen, den 14. Februar. Hein bester Freund. Novelle von Karl Wartenburg. (Fortsetzung⸗) neben der Artillerie, die aus den Fenstern von Männern und Frauen mit wehenden weißen Tüchern und Willkommenruf begrüßt wird. „Kamerad, es geht schief,“ ruft mir mein Kampfgefährte zur Linken zu, ein alter graubärtiger Rheinpfälzer.„Es geht schief, sage ich.“ Er hatte Recht. Noch wenige Salven und wir mußten vor den übermächtig andringenden Sturmkokonnen die Barrikade aufgeben. Feuernd zogen wir uns zurück und gelangten glücklich in's Freie. Aber die Darmstädter Reiter verfolgten uns scharf. Mit Mühe ent⸗ kamen wir ihnen. Mein Kamerad und ich waren durch leichte Streifschüsse verwundet. Nach vielem Umherirren gelang es uns, Wachenheim an der Haardt zu erreichen, wo der Rheinpfälzer einen Bruder hatte, der uns aufnahm und wo wir uns mehrere Wochen verborgen hielten. Da meine Sendung in Frankfurt am Main bei der Central⸗ gewalt ohnehin erledigt war und ich fürchten mußte, bei meiner Rückkehr dorthin als einer der Barrikadenkämpfer erkannt zu werden, reiste ich sofort von Wachenheim nach meiner Heimath. Bei dieser Rückkehr schon drängte sich mir die Ueberzeugung auf, daß die große Bewegung Deutschlands im Niedergange begriffen, daß die zahllosen Opfer, die dafür gebracht worden, umsonst waren. Der Schmerz darüber nahm mein Sinnen gefangen und ließ mich gegen meine persönlichen Angelegenheiten gleichgiltig werden. Ich achtete nicht darauf, daß Iduna mich ziemlich kühl und mit der frostigen Scherzfrage empfing, was ich ihr von der Frankfurter Messe mitgebracht habe, und die kalte Zurückhaltung der Eltern fiel mir nicht auf. Desto mehr litt ich unter den leidenschaftlichen Auftritten, die ich täglich mit meinem Vater und meinen Geschwistern zu bestehen hatte. Er nannte mich einen Undankbaren, denn er verdanke dem Herzog seinen Wohlstand. Meine Schwester und mein Schwager. schalten mich einen Ehrgeizigen, der nach Volksgunst strebe, und mein Bruder meinte, ich sei ein unpraktischer Schwärmer. So oft ich die Schwelle des elterlichen Hauses überschritt, begegnete ich unfreundlichen Blicken, verdrossenen Mienen. Ich war ein Fremd— ling in meines Vaters Hause geworden. Nur ein einziges Geschöpf; war es, das mir freudig entgegenkam, wenn ich eintrat, ein kleines junges Thier, jener Hund, den mir gestern der Elende erschlagen hat. Das Thier war als kleines herrenloses Geschöpf auf dem Amthof zugelaufen und ich begegnete eines Tages meinem Bruder, wie er es auf das Feld führte, um es zu erschießen. Das Thier kam auf mich zu, und als ich mich niederbeugte, es zu streicheln, leckte es mir die Hand und sah mich so treuherzig und flehend mit seinen braunen Augen an, als wisse es, was ihm bevorstehe. Ich bat meinen Bruder, den Hund leben zu lassen, und er that mir hessische Dragoner mit geschwungenen Säbeln sprengen zur Deckung * . N e den Gefallen, wenn er mich auch lachend einen sentimentalen Menschen nannte. Seit jenem Tag waren wir gute Freunde geworden, ich und der Hund, den man Findling nannte. Die Knechte meinten, er tauge weder zur Jagd, noch als Schäferhund, und lungere nur unnütz in Hof und Haus herum. Dabei mußte er manchen Fuß— tritt von den rohen Gesellen hinnehmen. In Deutschland war es indessen immer trübseliger geworden. Die Reaktion war wieder mächtig. Wo waren die Blüthen des Märzes geblieben?„Und ein Frühling ist im Lande, wie die Welt noch keinen sah,“ sang das Volk in den Märztagen von Achtund— vierzig. Aber dem Frühling war ein rauher Herbst gefolgt, dessen kalter Nordwind, über Rußlands Schneesteppen kommend, alle Blüthen erstarrte. Wie dem Völkerfrühling, so erging es auch dem Lenz meiner ersten Liebe. Kurz vor meiner Rückkehr von Frankfurt am Main war ein junger Offizier Adjutant des Herzogs geworden, der vorher in österreichischen Diensten gestanden, indessen sich genöthigt gesehen hatte, seinen Abschied zu nehmen. Aber der junge Mann war hübsch, eine große, stattliche Figur, ein flotter Tänzer und Reiter, er besaß den Ruf eines gefürchteten Duellanten, in Prag sollte er einen Grafen im Zweikampf erschossen haben und vor Allem, er war Baron und Adjutant Seiner Hoheit. Mehr als genug, um alle diese Skandalgerüchte über seinen Ab— schied in Oesterreich vergessen zu lassen. Die Honoratioren fühlten sich glücklich, wenn der Adjutant ihre Töchter engagirte und ihnen den Hof machte. Zu den Damen, welche sich der besonderen Auf⸗ merksamkeit des neuen herzoglichen Adsutanten erfreuten, gehörte auch Iduna. Er überhäufte sie mit Aufmerksamkeiten und sie, eitel und gefallsüchtig, nahm seine Huldigungen an. Die Eltern aber fühlten sich durch die Bevorzugung ihrer Tochter geschmeichelt, hoch geehrt. Sie lächeln ungläubig, meine Herren,— und ein Zug bitterer Ironie schlängelte sich um den von einem dunkelblonden Schnurr⸗ bart beschatteten Mund Frank's,— aber es ist so, wie ich Ihnen da sage. Es war auch der Grund, warum mich Iduna und ihre Eltern bei meiner Rückkehr von Frankfurt am Main so kühl empfingen. Der Adjutant des Herzogs schien ihnen ein vornehmerer Gatte und Schwiegersohn. Dem Herrn Adsutanten wurde übrigens das Spiel, sich Iduna's und ihrer Eltern Gunst zu erobern, durch mein Verhalten selbst erleichert. Mit meiner Rückkehr von Frankfurt am Main hatte ich mich immer mehr von allen geselligen Vergnügungen zurückgezogen. Wie sollte ich mich an Tanz und Spiel erfreuen, während das Standrecht durch das Land ging und der Kerker meine Freunde und Gesinnungsgenossen bedrohte? Auch in meinem Heimathland war der Rückschritt wieder mächtig geworden. Mit jedem Tage wurde mir das Leben peinlicher. Die Nachrichten aus Schleswig-Holstein lauteten immer gefahrdrohender für die Herzogthümer, dieses deutsche Land, wo ein deutsches Volk in Waffen für seine Nationalität blutete. Meine Schwester und mein Schwager, denen Iduna's Kokettiren mit dem Adjutanten nicht unbekannt geblieben war, drangen in mich, rasch Hochzeit zu machen. Sie fürchteten, die reiche Braut könnte mir entschlüpfen. Ich Hochzeit machen in solcher Zeit, in so entsetzlichen Tagen, in denen zu leben für einen Mann, der die Freiheit und sein Vater⸗ land liebte, eine tödtliche Qual war. Auch war ich längst zu der Erkenntuiß gekommen, daß zwischen meinen und Iduna's Lebensanschauungen eine tiefe Kluft gähnte — die vielleicht selbst meine Liebe zu ihr nicht überbrücken konnte. Ich machte Ausflüchte. Iduna und ihre Eltern, denen die Ver⸗ lobung mit mir eine Fessel war, deren sie sich zu entledigen suchten, kamen mir dabei zu Hülfe, als meine Schwester bei einem Besuch auf baldige Hochzeit drang. Iduna sei kränklich, nervös. Sie müsse sich erst wieder erholen. Die Nachrichten aus Schleswig-Holstein wurden indessen immer ernster, mahnender. Ein Aufruf zum Ein⸗ tritt Freiwilliger in die Armee erschien. Da schoß es mir heiß ins Gesicht. Dort ist Dein Posten, sagte ich mir. Mein Entschluß war gefaßt. Wenige Tage später reiste ich ab, nachdem ich meinen Vater, sowie meine Verlobte und deren Eltern brieflich von meinem Schritt in Kenntniß gesetzt hatte. 8 Es war eine stürmische Märzuacht, in welcher mich eine Extra— poft zur nächsten Bahnstation brachte. Mein Freund, der Post⸗ meister, gab mir das Geleite. Am Himmel verhüllte düsteres Gewölk den Mond. Windstöße 50 trieben Schneeflocken und Rege kalte Luft ließ uns bis ins Mark erschauern. Als der Morgen graute, fahl, nebelig, kalt, war die Station erreicht und wir mußten uns trennen. „Bruderherz,“ sagte der Postmeister,„wenn ich nicht Frau und Kinder hätte, so ging ich mit Dir.“ Die Glocke läutete zum Einsteigen. „Behüt' Dich Gott, Postmeister,“ sagte ich.„Bleibe zu Hause und erziehe Deine Jungen zu deutschen Männern, welche die Frei⸗ heit und ihr Vaterland lieben.“ „Jagt die Dänen aus dem Lande,“ rief er mir ins Coups nach. Dann noch ein schneller Händedruck und mit gellendem Pfiff stürmte die Lokomotive, schnaubend und rasselnd den Zug hinter sich her⸗ schleppend, hinein in den dichten Märznebel der niederdeutschen Tiefebene. Meine plötzliche Abreise aus der Residenz rief, wie mir der Postmeister nach Rendsburg, wo ich in ein Jägerbataillon getreten war, schrieb, die tollsten und mannigfaltigsten Gerüchte hervor, die wie Mücken an einem heißen Sommertag über einem Sumpf durch— einander schwirrten. Meine Angehörigen waren in hellem Zorn über diesen wahn⸗ sinnigen Schritt, wie sie ihn bezeichneten, der allen meinen Verkehrt⸗ heiten die Krone aufsetze. Meine zukünftigen Schwiegereltern hatten gleichfalls sehr entrüstet gethan, aber in Wirklichkeit hatten sie sich darüber gefreut; er war ihnen ein willkommener Vorwand zum offenen Bruch. g Der Postmeister schickte mir das Zeitungsblatt, in welchem der Herr Kommerzienrath Römpler die Verlobung seiner Idung mit mir für aufgehoben erklärte. Zu jeder anderen Zeit würde mir diese Mittheilung trotz alle— dem peinlich gewesen sein. Denn wenn ich auch erkannt hatte, wie wenig Iduna und ich in unseren Lebensanschauungen übereinstimmten, so war doch das Gefühl, das ich einst für sie gehegt, in meinem 25 9 9 1 Herzen nicht ganz erloschen. Aber hier im Feldlager, auf diesem blutgetränkten Boden der Herzogthümer, wo unsere Armee das letzte Bollwerk für das Recht einer Million Menschen deutschen Stammes war, kam mir die ganze Angelegenheit so kleinlich vor, trat das Persönliche so sehr zurück vor der allgemeinen Nothlage und Be⸗ drängniß, daß ich das Zeitungsblatt gleichgiltig bei Seite legte. Ebenso ruhig ließ mich die weitere Mittheilung meines Freundes, daß man schon von einer Verlobung Iduna's mit dem Baron Grüner spreche. „Baron Grüner,“ riefen wir Beide, ich und der Kurhesse, „Ihr Gegner? Sie haben sich schon gekannt?“ Frank schüttelte den Kopf.„Daß dieser Mann der Baron Grüner ist, habe ich erst gestern Abend erfahren. Gesehen habe ich ihn zuerst im Café national. In der Residenz waren wir einander nie begegnet. Er war erst kurz nach meiner Abreise nach Frank⸗ furt am Main in des Herzogs Dienst getreten und in den wenigen * Wochen, die ich nach meiner Rückkehr von Wachenheim zu Hause verlebte, hatten wir uns nicht getroffen, zumal ich dem Umgang mit jenen Kreisen absichtlich auswich. Er war mir aber von Stunde an, wo ich ihn hier sah, zuwider. Vielleicht ging es ihm mit mir ebenso; und vielleicht erschlug er aus dieser Antipathie meinen armen Hund. Er ahnte wohl, daß er mir damit das tiefste Leid zufügte. Wir Beide sind eben die stärksten Gegensätze, Menschen von so ver⸗ schiedener Mischung des Blutes, daß wir bei jeder Berührung in Kampf aufeinander treffen müssen. Solche Leute thun wohl, ein— ander aus dem Wege zu gehen; stoßen sie zusammen, dann trifft Leben auf Leben.“ Nach dieser Zwischenbemerkung fuhr Frank fort: „Die Ereignisse auf dem Kriegsschauplatze ließen mich bald die Angelegenheit in der Heimath ganz vergessen. Wenige Wochen nach der Kauonade von Eckernförde war ich selbst mitten im Kampf. Unser Bataillon war mit dabei, als wir die Dänen aus Kolding jagten, und dann lagen wir vor den Wällen von Fridericia. War diese Festung bezwungen, dann war Schleswig⸗Holstein frei! Aber Gott schickte es anders. In einer dunklen Julinacht griff uns General Ryn mit überlegener Macht an. Ich war kurz vorher vom Vorpostendienst abgelöst worden und lag im tiefen Schlaf, als mich der Donner der dänischen Geschütze, das Wirbeln der Trommeln und der Alarmruf unserer Trompeten emporschreckte. Der Feind stand schon mitten in unserem Lager! An ein Sammeln der Bataillone und Regimenter war nicht zu denken. Wir kämpften, wie wir uns n gegen die Wagenfenster. Die naß⸗ —, ̃7ꝙĩ;ꝛ ,,, 8 S 51 D ä verrichteten die blutige Arbeit. Blutnacht vor der jütländif Julitages schien auf seine erstarrten Züge. sich am Gewühl des Lebeus, sehen hätte zusammenfanden, kompagnie-, zug⸗ rottenweise mit dem Muthe der Verzweiflung, wo einem an dem Leben und dem Sieg nichts mehr liegt, wo man sich nur noch rächen, von den Feinden so viel als die Arme umfassen können, mit sich in den Tod hinabreißen will. Wir schossen nicht viel. Das Bajonnet, der Kolben, der Säbel Unsere Offiziere waren fast alle todt, versprengt oder gefangen. Ein junger Bataillonsarzt kom⸗ mandirte unsere Schaar. Sein Säbel that bessere Dienste als seine Lancette und sein Messer. „Ergebt Euch,“ schrie ein dänischer Major uns zu.„Feuer!“ war die Antwort unseres Führers. Unsere Büchsen knallten. Es war unsere letzte Patrone, dann klirrte das Eisen, der Stahl an⸗ einander. Da schoß dicht vor mir ein feuriger Strahl durch die Nacht. Ich fühlte einen Schlag an der Schulter und stürzte nieder. Wie ich aus dem Gewühl gekommen bin, weiß ich nicht mehr. Ich habe nur die dunkele Erinnerung, daß mich eine feste Hand am Uniformkragen faßte und fortschleppte aus dem Bereich der Alles niederstampfenden und niederschlagenden Kämpfer, die sich in einander wie reißende Thiere verbissen hatten. Und während wir in dem nächtlichen Ringkampf verbluteten, ftand wenige Meilen da— von ein deutscher General mit Tausenden deutscher Bundestruppen unthätig, Gewehr beim Fuß. Weder der Donner der Kanonen, noch der Schrei der sterbenden Landsleute weckte ihn aus seiner Ruhe, durfte den General nicht wecken. Die Diplomatie wollte, daß wir verbluteten. O, es war eine Zeit tiefster Schmach.“ Unser Gastfreund hielt inne, seine Brust hob sich krampfhaft, seine Stimme klang tief schmerzlich erregt! Die blassen Wangen glühten in fieberhafter Röthe, die Augen starrten weit geöffnet ins Leere, als sähen sie die Schrecknisse jener Mordnacht vor Fridericia, die mit einander ringenden Kämpfer, die Verwundeten, Sterbenden, Todten, auf deren bleiche, blutige, schmerz- und kampfverzerrte Züge die aufsteigende Sonne ihre ersten Strahlen warf. Tief ergriffen waren wir durch die Schilderung der grauenvollen schen Festung und keine Frage unserer— seits unterbrach die feierliche Stille im Zimmer. Frank erhob sich endlich und ging, seine Aufregung nieder— kämpfend, einige Male auf und nieder. Endlich hatte er sich soweit gesammelt, daß er in seiner Erzählung fortfahren konnte. „Als ich wieder zu mir kam, fand ich mich unter einem Ge⸗ büsch, am Rand einer sumpfigen Wiese liegend, rings um mich herum noch eine Anzahl schwerverwundeter Kameraden. Neben mir lag ein Todter. Die helle Sonne eines warmen blauhimmlichen Der Kopf ruhte auf übereinander geworfenen Armen, deren rechter sich empor streckte, als wolle er den Himmel anrufen zur Rache für die Gefallenen, die von ihren deutschen Brüdern verlassen worden waren in ihrer höchsten Noth, weil die hohe Diplomatie in London, in Petersburg es wollte! Ich habe diesen Todten lange nicht vergessen können. Während meines Wundfiebers im Rends⸗ burger Lazareth, wohin man mich mit den anderen Verwundeten gebracht, sah ich das starre Gesicht des jungen Soldaten— ich kannte ihn, er war aus Wesselburen— vor mir. Ueber zwei Monate lag ich im Lazareth. Der Schuß, den ich erhalten, war zwar ge— heilt, allein meine Gesundheit war so erschüttert, daß ich als Halb— Invalide entlassen wurde. Ja, ich war noch krank, recht krank, das merkte ich am ehesten, wenn ich in Hamburg, wohin ich nach meiner Entlassung aus dem Rendsburger Militärlazareth gegangen war, durch die menschenerfüllten Straßen ging. Ein Gesunder erfreut an dem Treiben des Verkehrs, wie er sich in der alten großen Hansestadt überall dem Blicke zeigt. Aber ein Kranker sehnt sich nach Ruhe, nach Einsamkeit, vor Allem aber nach der Heimath. Und diese Sehnsucht nach Ruhe und der Heimath kam über mich mit unwiderstehlicher Gewalt. Sie wurde um so gewaltiger, als ich lange keine Nachricht von dort erhalten hatte. Ich sehnte mich nach den Bergen und Wäldern, nach der Luft der Heimath, nach den Tummelplätzen meiner Jugend. Und an einem regnerischen, trüben Herbsttag wurde diese Sehnsucht so groß, daß ich von Hamburg abreiste. Am andern Tage spät in der Nacht hielt der Wagen vor dem Postgebäude meiner Vaterstadt. Von den anderen Passagieren hatte ich keinen gekannt, sie mich wohl auch nicht. Mein durch Krankheit und einen Vollbart verändertes Aus— mich aber auch im Dunkel der Nacht nicht erkennen den nach hinten kreuzweise lassen. In den Straßen der Stadt war Alles Herbstwind, der um die Ecken pfiff, war der einzige lärmende Ge⸗ selle. Doch dort unten am Fischmarkt war noch helles Licht und zuweilen trug der Wind abgerissene Musikklänge herüber. Es war das Haus der Kasinogesellschaft. In dem Bureau des Postmeisters brannte noch Licht. Ich kannte den Weg dahin durch eine Thür im Hofe. Ohne zu klopfen öffnete ich. Mein Freund saß an seinem Schreibtisch, den Rücken der Thüre zugewendet. Bei dem Geräusch erhob er sich, überrascht durch den späten Besuch, den er im Halb⸗ dunkel nicht gleich erkannte. „Moritz“ rief ich mit bebender Stimme. „Walter! Walter! Du bist es!“ und jähes Erschrecken flog über ihn, während er mir die Hände entgegenstreckte. „Ich selbst,“ antwortete ich und hing an seinem Halse. Er hielt mich fest umschlungen. N Plötzlich riß er sich los und ging zur Thür, die er verriegelte. „Hat Dich Jemand gesehen, Walter?“ flüsterte er, als fürchte er, man könne ihn in dem anstoßenden Bureauzimmer hören. „Ich glaube nicht. Aber warum? Und weshalb verriegelst Du die Thür?“ forschte ich, weniger beunruhigt, als verwundert über das ängstliche und auffallende Benehmen meines Freundes. „Hast Du meinen Brief nicht erhalten, den ich Dir vor acht Tagen nach Rendsburg schrieb?“ fragte er zurück— „Vor acht Tagen,“ staunte ich,„nach Rendsburg? Das habe ich ja schon seit drei Wochen verlassen. Ich komme von Hamburg, von da aus schrieb ich Dir ja auch.“ Er stand auf und schlug sich vor den Kopf— „So ist Dein Brief an mich verloren gegangen und der meinige liegt als unbestellbar im Postbureau zu Rendsburg oder im dortigen Militärlazareth, o, o“ und er ging, die Hände ringend, im Bureau auf und nieder. a „Aber mein Gott, was ist denn, Moritz?“ drängte ich, noch mehr verwundert, als beunruhigt durch sein unerklärliches Benehmen. „So weißt Du nicht,“ raunte er mir in ängstlichem Flüster⸗ ton zu, als fürchte er, die Wände könnten Ohren haben,„daß Du vom hiesigen Kriminalgericht steckbrieflich verfolgt wirst? Hier,“ fuhr er fort, eine Anzahl Briefschaften und Zeitschriften hastig durch— stöbernd,„hier las ich vor einer halben Stunde in dem neuesten Eberhard'schen Polizei-Anzeiger Deinen Steckbrief.“ Und er reichte mir ein Blatt in kleinem Oktav⸗Format, auf dessen enggedruckten Seiten in jenen Jahren mehr Freunde des Vaterlandes und der Freiheit als Räuber und Diebe verfolgt wurden. Ja, da stand es. Wie ich leibte und lebte, hatte man mich beschrieben und das Verbrechen, dessen man mich bezüchtigte, war Theilnahme am Barrikadenkampf in Frankfurt am Main und—— verdächtig der Beihilfe beim Mord des Fürsten Lichnowsky! Mir schoß das Blut in's Gesicht. Auf den Barrikaden hatte ich gefochten, aber mir eine so feige Grausamkeit zuzutrauen, wie die gegen Lichnowsky verübte! Ich batte den Fürsten ein einziges Mal in der Paulskirche gesehen. „Man wirft mir da eine Schändlichkeit vor,“ rief ich empört aus, „die ich nicht auf meinem Namen sitzen lassen kann. Ich werde morgen auf das Kriminalgericht gehen.“. „Unvorsichtiger, das wäre das Schlimmste, was Du thun könntest,“ flüsterte der Postmeister,„Du bist zwar unschuldig an Lichnowsky's Ermordung, aber auf den Barrikaden hast Du mit gekämpft. Das kannst Du nicht leugnen. Man läßt den Anklagepunkt wegen Lichnowsky fallen und verurtheilt Dich wegen Theilnahme am Auf— ruhr. Nein, nein, Du darfst Dich nicht selbst ausliefern. Du mußt flieben. Gehe hinüber über das große Wasser, nach Amerika. Du wirst dort bald Tausende von Landsleuten finden. Weißt Du, was uns von unseren Errungenschaften von Achtundvierzig übrig bleiben wird? Lies im Heinrich Heine nach. Dort wirst e finden. Du kennst den Vers vom Nationalzuchthaus.“ Ich konnte ihm nicht widersprechen. Ich fragte nach meinem Vater, nach meinen Geschwistern. Ich sehnte mich, den alten Mann noch einmal zu sehen, mich mit ihm auszusöhnen, bevor ich die Heimath verließ. Der Postmeister schwieg eine Weile, bevor er auf meine Frage antwortete. Dann sagte er, mich an der Schulter fassend und mir mit bekümmert⸗theilnehmender Miene in's Gesicht sehend: „Ich verstehe Deine Sehnsucht. Aber es ist besser, wenn Du nicht zu den Deinen gehst. Sieh, Bruderherz, Brutus war zuerst ruhig und still. Der — N 22 römischer Bürger und dann Vater. Dein Vater ist zuerst Unter⸗ than seines Herrn und dann Vater. Und Deine Schwester und Dein Schwager? Du kennst ihre Gesinnungen und sie sind in der Zwischenzeit keine anderen geworden. Dein Schwager giebt es nur seiner Verwandtschaft mit Dir, Deinen demokratischen Gesinnungen schuld, daß ihm der Doktor Kuhnert bei Besetzung der Professur vorgezogen wurde. Was willst Du? der Mann hat vier Kinder, eine Frau, die wollen essen, trinken! O, dieser Familiensegen. Man wird ein Lump dabei und fühlt sich doch so voller Moralität als guter Familienvater,“ fügte er mit bitterer Ironie hinzu. Aber trotz des Abredens des Postmeisters blieb ich bei meinem Vorsatz. Ich mußte noch einmal meinen Vater sehen, ehe ich in die weite Welt ging. „Gut,“ sagte der Postmeister.„Aber vor morgen Abend ist es nicht möglich. Es hat Dich Nie⸗ mand gesehen und darf Dich Niemand sehen. In solchen elenden Zeiten wach⸗ sen die Angeber und Verräther wie die Giftpilze nach war⸗ S 52 D. Der Kämmerling erinnerte ihn, daß es Zeit zum Aufstehen sei; aber Rudolf hörte nicht mehr; er war zu seinen Vätern versammelt. Nirgends, weder in den habsburgischen Landen, noch in Deutsch⸗ land herrschte Trauer; war doch der zweite Rudolf kein Mann ge⸗ wesen, der Theilnahme oder Liebe erwecken konnte. Freudige Hoff⸗ nung setzte man aber auf Matthins, und die Böhmen jubelten ihm zu, als er, der frühere König von Ungarn, in Prag einzog und auf dem Hradschin Wohnung nahm, um hier als deutscher Kaiser zu thronen. Eigentlich war Matthias keine Heldengestalt, zu der das Volk mit Bewunderung aufblickte; aber man hoffte doch, daß a er seinen verstorbenen Bruder geistig überragen werde. Auch befand sich bei ihm seine Gemahlin Anna, die ihm erst am 4. Dezember 1611 angetraut war, die Tochter des Erzher— zogs Ferdinand und der dunkeläugigen Prinzessin von Mantua.. Anna besaß die⸗ selben dunklen Augen wie die Mutter und wußte mit ihnen das Volk zu bezaubern, so daß man in ihrem mem Gewitterregen empor. Du bleibst diese Nacht bei mir. Morgen Abend gehst Du nach Schwickers⸗ dorf— so hieß die Schwächlichkeit des fünfzigjährigen Kai⸗ sers übersah, den nur die jämmerlichste Schmeichelei mit ei⸗ f 1 Anschauen die 3 4 1 N Domäne, die mein ner starken Eiche Vater bewirthschaf— verglichen hätte. Wer 0 „ tete— und dann die Jammergestalt 1 12 geht's gleich wieder des kleinen, schon 4 13 fort zur Bahnstation. weißbärtigen, abge⸗ 15 Aber Du wirst Hun⸗ lebten Kaisers nicht ö 112 ger haben,“ fügte er übersah, dem er⸗ g 1 hinzu, 5 Und schien die wirkliche 1 5 er zog mich in ein Schönheit Annas 10 Nebenzimmer. nur noch herrlicher 4 . Er hatte kalte und ihretwegen 1 Küche und Wein und drängten sich viele bald saßen wir beim Edelleute an den Hof. 3. späten Abendbrot. Zu diesen gehörte M Der alte Rüdeshei— Gottfried von Wer⸗ 4 der; denn floh er öffentliche Feste, so klang doch nächtlich 1 im Garten des Hradschins seine Zi— 4 ther, zu der er sang:. Was will beim I 9 mer that seine Wir⸗ 1 kung. Wir Deutsche gehören nun einmal zu den Menschen, bei denen ein guter Trunk in den ver⸗ zweifeltsten Lebens⸗ lagen unsere Stim⸗ Dorubusch die Rose 1. mung in's Gleich⸗ Dem alten sturm⸗ 19 gewicht bringt. Ich Prof. Heinrich Dernburg. durchtobten? 1 fragte nach Iduna. 5 oder: 1 Der Postmeister sah mich von der Seite an. Er wollte sich jeden— Du locktest des Liedes Töne, 1 falls versichern, ob diese Wunde vernarbt sei. Ich sing' sie mit treuem Muth. 14 (Fortsetzung folgt.) O blühe für mich, Du Schöne; 1 Ich bringe für Gluthen Gluth. 4. 555 5 Das war fast zu kühn, wenn auch Kaiser Matthias eines recht 1 a 5 gesunden Schlafes genoß; aber die Kühnheit gefällt, und die Kaiserin 1 Die Brüder. schickte ihre Kammerfrau Sylvia Cavrtani in den Garten, daß diese 1 den Sänger ausschelte und sich nach seinem Namen erkundigen möge. „Ich werde ihn wahnsinnig und närrisch nennen,“ äußerte Sylvia; aber Anna verbot dies, Vorstellungen sanfterer Art würden genügen. Sie möge den Dichter nicht mit Rauhheit in Verzweif⸗ lung treiben. Als der Sänger die hohe und weißgekleidete Gestalt der Kammer⸗ frau auf sich zukommen sah, meinte er, daß es die Kaiserin sei, sank auf das Knie und rief:„Holde Zauberin, deren Reiz tödtet und belebt, ich erwarte aus Eurem schönen Munde mein Urtheil.“ Sylvia Cavriani lachte über die Verwechselung und äußerte, der Eine historische Skizze von Wilhelm Grothe. Am Morgen des 20. Januar 1612 hatte der dienstthuende Kammerdiener dem deutschen Kaiser Rudolf dem Zweiten gemeldet, daß der zahme Löwe, der Liebling des finsteren Fürsten, in der Nacht gestorben sei. Der fast gänzlich entthronte Habsburger, dem sein Bruder Matthias eine Krone nach der andern entrissen hatte, griff nach dem Herzen, wandte sich im Bett um und murmelte leise vor sich hin:„Dann ist auch die Reihe an mir. Herr, Dein Wille geschehe!“ eee ee ute e l 8 e e eee e e ee e ee ee Auf der Wolfsjagd. Zitherschläger müsse keine Augen besitzen; die Frau Kaiserin liege droben im Kämmerlein und kümmere sich um das Geklimper sehr wenig, lasse sich jedoch nach seinem Namen erkundigen. Auch ließe sie bitten, in den Liedern vorsichtig zu sein; denn genösse auch Kaiserliche Gnaden eines festen Schlafes, so gäbe es doch Ohren— bläser und dergleichen Nichtswürdige. Matthias sei zwar recht leut— selig, besitze jedoch in seinem Herzen eine Saite, die bei derartigen Gesängen nicht harmonisch erzittere. „Ich werde im Garten nicht mehr die Zither schlagen,“ bemerkte Gottfried von Werder. „Wenigstens singt kein Lied von dem alten Dornbusch und der jungen Rose,“ entgegnete Splvig. Dann wiederholte sie die Frage nach des Dichters Namen. 1 7 „Gottfried von Werder heißt der glückliche Sterbliche, dem die schoͤnste Frau der Erde Aufmerksamkeit geschenkt hat,“ antwortete er und überreichte der Kammerfrau ein Beutelchen mit Goldstücken. Als Sylvia zu ihrer Herrin zurückkehrte und ihr über das Zu⸗ sammentrefien Bericht abstattete, schien die Kaiserin wenig Theil⸗ nahme zu empfinden, fragte jedoch, ob Werder ein schöner Mann sei. „Ich muß die dunkele Nacht und das Baumdickicht anklagen,“ versetzte die Kammerfrau,„daß ich ihn nicht genauer betrachten konnte; aber adelige Manieren besitzt er.“ Dabei dachte sie an die Börse mit den Goldstücken, welche keine Zofe verschmähen soll. Die Kaiserin Anna war der Ueberzeugung, daß sie den schönen, Dichter am nächsten Abend beim Hoffeste sehen würde und träumte die ganze Nacht von ihm und seiner Liebesgluth. 5 Gottfried war nun zwar ein Dichter, aber keineswegs ein schöner Mann. Hochgewachsen und mager, besaß er auch eine schiefe Hüfte und Gesichtszuüge, die eher an einen Satyr als an einen Apollo er⸗ innerten. Auch fehlte ihm der Farbensinn, so daß er sich in grelle und in ihrer Zusammenstellung das Auge beleidigende Farben kleidete. Völlig verschieden von ihm war sein Bruder Dietrich, der frei⸗ lich kein Dichter von Gottes Gnaden war, mochte er sich auch mit Uebersetzungen aus Ariost's und Tasso's Werken beschäftigen, der sich aber neben äußeren Vorzügen, wie einer eleganten Haltung und männlich schöner Züge, auch Geschmacks in der Kleidung rühmen konnte.„Er ist ein unbehülfiger Narr,“ sagte man von Gottfried;„er ist ein Edelmann in jeder Beziehung,“ von Dietrich. So war es gekommen, daß Goltfried alle öffentliche Vergnügen floh und sich von den Menschen fern hielt, während Dietrich in seiner schwarz⸗ sammtuen Tracht mit dem weißen Spitzenkragen überall gern gesehen wurde. Trotz dieser Verschiedenheit liebten sich die Brüder von ganzem Herzen. 5 0 Beim nächsten kaiserlichen Feste war Dietrich zugegen, während Gottfried zu Hause an seine Liebe dachte und Lieder seiner Brust und seinem Herzen entströmen ließ. Die schöne Kaiserin, die in einem Brokatkleide mit hängenden Aermeln und spitzer, langer Schnebbentaille nach spanischer Art, wie in weiter brüsseler Spitzenkrause alle Welt bezauberte, wandte den glühenden,„mantuanischen“ Blick umher und fragte sodann wie hingeworfen nach einem Herrn von Werder. Dietrich wurde ihr gezeigt. Ein Lächeln überflog ihr-Gesicht, die purpurnen Lippen öffneten sich leicht und ließen die schönen, weißen, makellosen Zähne sehen. Dann wünschte sie, daß man ihn ihr vorstelle. Don Octavio Capriani, der einstmalige Erzieher des Kaisers, übernahm dies. reichte ihm ihre Anna hieß Dietrich von Werder willkommen und f kleine Hand zum Kusse, die er auch an seine Lippen drückte. Sie sagte ihm hierauf über seine Lieder Lobes⸗ erhebungen, bescheiden versetzte er, daß er keine eigenen Gedanken ausspräche, daß er nur Fremdes wiederzugeben suche. Bei diesen Reden ruhte ihr Blick auf ihm, daß er seinen Athem stocken fühlte, die Hand auf die Brust legte und seufzte. Der Kaiser trat in diesem Moment zu seiner jungen Gemahlin und führte sie zu einem Fackeltanze. Noch einmal traf der Blick der„mantuanischen“ Augen den jungen Edelmann. In der dem Feste folgenden Nacht klang die Mandoline Gott— frieds wieder im Garten des Hradschins. Das Lied aber schloß: Holde Frau, in Deinem Auge Ruht ein Engelsbild; Doch daneben lauscht ein Dämon Glutherregend wild. und in weiße Gewänder gekleidete Dame trat ein. Jener bringt der Seele Frieden, Dieser raubt ihn mir— Engel, Dämon, sei barmherzig! Ganz geb' ich mich Dir. Da fühlte er seine Hand von einer anderen ergriffen.„Folgt mir,“ flüsterte ihm die Stimme zu, die er schon vernommen hatte. Er ließ sich in das Schloß ziehen, zu einem Zimmer, welches pracht⸗ voll erleuchtet war, geleiten. Als er aus dem Dunkel in das Helle trat, war er wie geblendet. Er hörte nur, daß die Worte Torquato Tassos s 5 5 9„Genieß der Rose Duft, der sich Dir spendet“ ihm zugeflüstert wurden, dann schloß sich die Thür hinter ihm und er war allein, doch nur auf eine Minute. Eine Thür von der entgegengesetzten Seite des Gemaches öffnete sich, Rose in der Hand. i a Gottfried fühlte sein Herz pochen, er sank auf das Knie und breitete seine Arme weit aus. Als aber die Dame das unschein⸗ bare, ja häßliche Aeußere des Dichters wahrnahm, rief sie:„Welche Verwechselung!“ und warf ihm die Rose verächtlich in das Antlitz. Ich nächsten Augenblick war sie wieder verschwunden. Sie hielt eine Gottfried wußte nicht, wie ihm geschah; in seinen Ohren brauste es wie wildes Meeresgetose, vor seinen Augen blitzten bunte Lichter durch tiefe Nacht. Von seiner geträumten Glückshöhe war er jäh hinabgestürzt worden, und er meinte sterben zu müssen. Er schwankte zu der Thür, durch die er eigetreten war. f Garten befand, sank er unter einem Als er sich wieder im Baume zusammen und stöhnte im wildesten Schmerz.„Wahn⸗ sinniger Falter, den die Flamme anzog, dir ist dein Recht zu Theil geworden!“ Erst als der Morgen kam, als das bleierne Grau und der kühlere Luftzug das Nahen der Tageskönigin verkündete, kam er so weit zur Besinnung, daß er nach Hause schleichen konnte. Da brach seine Kraft zusammen, ein wildes Fieber ergriff ihn. Dietrich wußte von dem nichts, er hörte, als er seine Morgen⸗ suppe verzehrte, daß sein Bruder erst mit dem anbrechenden Morgen zurückgekehrt sei und sich dann eingeschlossen babe.„Laß ihn aus⸗ schlafen,“ befahl er dem Diener und setzte sich zu Ariosto's Orlando furioso, um aus ihm zuͤ übersetzen. Diese Arbeit wurde durch einen kaiserlichen Pagen unterbrochen, der ihm einen Zettel ein— händigte. Der Inhalt lautete:„Seid diese Nacht wieder im Garten des Hradschins. Ein Schurke wollte sich statt Eurer einschleichen. Verschwlegenheit!“ Laßt dies nicht wieder geschehen. N 92 beschloß aber, Nachts nicht Dietrich verstand die Zeilen nicht, zu fehlen. f e n Gegen Mittag holten ihn einige Freunde zu einem Spazierritt ab, der sich bis zur Nacht ausdehnte. Erst am folgenden Morgen kehrte er in seine Wohnung zurück und vernahm jetzt, daß Gottfried schwer erkrantt sei. Er eilte zu ihm und fand ihn ohne Besinnung, fort und fort die letzte Strophe seines Gedichtes wiederholend. Mit rührender Aufmerksamkeit und Sorgfalt widmete er sich dem kranken Bruder, und seiner Pflege war es hauptsächlich zuzuschreiben, daß Gottfried zu genesen schien. f Als Dietrich eines Morgens nach Hausße kam, fand er jenen im Rückfall. Ein Freund batte den Genesenden besucht und ihm er⸗ zählt, daß Dietrich bei der Kaiserin Anna in hoher Gunst stehe. Jetzt erst erfuhr dieser, daß der Kranke die Kaiserin ebenfalls liebe, und was ihm gescheben sei. Mit doppelter Hingebung pflegte er Gottfried. Vergebens; die Krankheit war stärker, als die brüder— liche Liebe. Schon nach wenigen Tagen war der Dichter eine Leiche. Dietrich bestattete ibn in der Domkirche am Thein. Dort ruht Gottfried von Werder unter einfachem Stein. Nachdem Dietrich den Bruder bestattet hatte, reiste er von Prag eiligst ab und ging in, das sonnige Land Italien, nach Ferrara, wo die Dichter des rasenden Roland und des befreiten Jerusalem gelebt hatten. Hier brachte er in poetischem Schaffen fast sieben Jahre hin. f 0 Als er eines Tages von einem Spaziergange heimkehrte, fand er eine schwarz gekleidete Dame in seiner Wohnung vor. Er blieb betroffen stehen; er erkannte in ihr die Kaiserin Anna. 5 „Mein Gemahl ist todt,“ begann sie und streckte ihm die Hände entgegen.„Nichts trennt uns hinfort!“—„Als der Schatten meines Bruders,“ setzte er ernst hinzu. „Du bist ein Thor, Dietrich!“ rief sie, und wollte ihn um⸗ eine verschleierte 55 W-. 1 steck hervor. — Großjägermeister hüte sich wohl, Wölfe aus dem Waldesdickicht hervor, so hängt es fangen; er trat aber, sie abwehrend, zurück. Da bewölkte sich Anna's Stirn, ihre schöne, volle Lippe warf sich empor, ihr Auge sandte einen stechenden Blick ihm zu.„Du wirst es einst bereuen,“ sprach sie,„daß Du so schlecht Tasso verstanden hast: Genieß der Rose Duft, der sich Dir spendet.“ Sie ging stolz an ihm vorüber, ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen; Dietrich aber hob sein Auge auf, und von seinen Lippen tönte es:„Bruder, bist Du mit mir zufrieden?“ Lose Blätter. Professor Heinrich Dernburg.(Siehe Illustration.) Unter deu deutschen Rechtslehrern steht Heinrich Dernburg mit in erster Reihe, und ebenso unter den Politikern, welche, aufgewachsen in kleinstaatlichen Umgebungen und Ver⸗ hältnissen, dennoch redlich mitgearbeitet haben an der nationalen Einigung des Vaterlandes. Er ist am 3. März 1829 zu Mainz geboren, studirte in Gießen und Berlin die Rechte und ließ sich 1851 in Heidelberg als Privatdozent nieder. Von hier wurde er 1852 als außerordenklicher Professor nach Zürich berufen und dort bereits im Frühjahr 1855 zum ordentlichen Professor er— nannt. Im Jahre 1862 folgte er einem Rufe nach Halle und wurde von dieser Hochschule 1866 zur Berufung ius Herrenhaus präsentirt. Damals ging noch der Geist Stahl's und Gerlach's unter den preußischen Lords um, welche selbst auf ihren langjährigen Genossen, den Grafen Bismarck, mit scheelen Augen sahen, weil er sich auschickte, das gute Recht des preußischen Staats gegen die willkürlichen Uebergriffe Oesterreichs, sowie gegen die mittel⸗ und kleinstaatliche Großmannssucht, sei es auch mit den Waffen in der Hand, durchzusetzen. Das preußische Herrenhaus galt freilich sehr wenig in den Augen des Volks, aber an anderen maßgebenden Stellen fiel sein Votum schwer in die Wagschale, und so war es ein anerkennenswerthes Verdienst Dernburg's, daß er nach seinem Eintritt die wenigen liberal an⸗ gehauchten Mitglieder um sich sammelte und zu einer kleinen Fraktion bildete, welche er in einer zwar nur gemäßigt, aber doch konsequent frei⸗ sinnigen Weise führte. Im Jahre 1873 erhielt er den Lehrstuhl des römischen und preußischen Rechts an der Berliner Hochschule und erreichte somit das höchste Ziel, welches heute im Deutschen Reiche dem akademischen Ehrgeize winkt; eine ordentliche Professur an der ersten deutschen Universität gilt noch immer— sieht man von einzelnen unerquicklichen Ausnahmen ab— als das Zeugniß einer langen ruhmreichen wissenschaftlichen Lauf⸗ bahn. Den Sitz im Herrenhause verlor Dernburg zwar durch seine Be⸗ erhielt ihn aber alsbald wieder, indem er durch das zum lebenslänglichen Mitgliede berufen wurde. In werthvollen Schriften hat er sich namentlich um das das Pfandrecht und das Vormundschaftsrecht verdient Rektorat an der Berliner Mg. rufung nach Berlin, Vertrauen des Königs seinen gediegenen und preußische Privatrecht, gemacht. Im vorigen Jahre bekleidete er das Universität. N Auf der Wolfsjagd.(Siehe Illustration.) Der Wolf ist aus den Kulturländern Europas fast ganz verschwunden; er bedarf weiter Wald—⸗ strecken, um sich den Verfolgungen des Menschen entziehen zu können. Seltsamer Weise beherbergt ein so altes Kulturland wie Frankreich noch Wölfe an seiner Nord- und Südgrenze. In den tiefen Wäldern der Ardennen und auf den Höhen der Pyrenäen zeigen sich im Winter die Schneespuren der Wölfe und oft dringen die Kulturfeinde in die Dörfer und Weiler ein. In Frankreich besteht das Institut der Louverie, welches die Aufgabe hat, die Wölfe auszurotten. Es wird nun vielfach behauptet, daß 1 5 staat⸗ lichen Einrichtung die Erhaltung der Wölfe zuzuschreiben sei, denn der den Wolf auszurotten, weil ja sonst sein Am häufigsten kommt der Wolf in den unermeß⸗ Rußlands vor. Wenn nun. der Winter Schnee und Eis bringt, so treibt der grimme Hunger die Wölfe aus ihrem Ver⸗ Zu Rudeln vereint, nähern sie sich den einsamen Gehöften und Dörfern der Menschen und suchen Schafe aus den Hürden oder andere Hausthiere aus den Ställen zu rauben. Ju der Winterzeit bilden in wald⸗ reichen Gegenden Rußlands die Wölfe eine ernstliche Gefahr für Leben und Eigenthum des Menscheu, und Bauern wie Großgrundbesitzer sind in gleichem Maße bemüht, das gefürchtete Raubthier auszurotten. Bei großen Treib jagden gelingt es oft, mehrere Wölfe zur Strecke zu bringen, wenn sich jedoch ein Jäger allein in den Wald wagt, so kann es ihm geschehen, daß er gejagt wird. Bei Mondschein läßt sich im verschneiten Walde der Wolf am leichtesten aufspüren. Es giebt kühne Jäger genug, welche sich in einem mit raschen Pferden bespannten Schlitten in den Wald wagen und den Wolf augreifen und verfolgen. Der dumpfe Hufschlag der Pferde lockt die Raubthiere hervor; erscheinen dieselben vereinzelt, so hat ein kalt⸗ blütiger sicherer Schütze leichtes Spiel Bricht aber ein ganzes Rudel von der Kraft und Ge— schwindigkeit der Pferde und Treffsicherheit des Schützen ab, ob. er der Ge⸗ fahr zerrissen zu werden entschlüpft. Unser Bild stellt eine Verfolgung des Jägers durch Wölfe dar. Wie oft Reisende auf dem Wege durch rufsische oder polnische Wälder angegriffen werden, ist bekannt und der aus Frank- furt stammende und in Paris lebende Thiermaler Schreier hat in der Darstellung des Ueberfalls einer russischen Post durch Wölfe ein Kunstwerk geschaffen, das zu den hervorragendsten der modernen Molerei gehört. i N F. Amt überflüssig würde. lichen Wäldern Polens und Das böse Bärbel von Buchsweiler. Das Städtchen Buchsweiler im ehemaligen hessen⸗darmstädtischen Besitze, jetzt zu dem Reichslande Elsaß gehörig, macht einen freundlichen Eindruck. Friedlich ist es am Fuße des Bastberges gelagert, dessen eine Spitze der Galgenberg heißt und ein wunder⸗ herrliches Panorama darbietet. Trotzdem ist der Bastberg ein unheimlicher Ort. Man erzählt sich, hier hielten die Hexen ihren Sabbath und den Vorsitz führe das böse Bärbel. Sie kommt direkt aus der Hölle auf schwarzem Rosse dahergesprengt, dessen Nüstern Feuer schnauben. Ueber dessen Haus sie dahinsaust, ist ein verlorener Mann; denn sein Hab' und Gut flammt auf. Die böse Bärbel ist jedoch keine Phantasiegestalt. Graf Jakob von Lichtenberg, welcher ein Rath Friedrich's III., des deutschen Kaisers, gewesen war und 1480 starb, wurde ungefähr 1462 Wittwer und ergab sich der Jagd. Auf seinen Ausflügen lernte er verschiedene Schön⸗ heiten kennen, aber keine machte einen so tiefen Eindruck auf ihn als die Bauerndirne Barbara. Er führte sie nach Buchsweiler und sie nahm dort die Stellung einer gebietenden Herrin ein, obgleich sie nur seine Geliebte war. Bald wurde sie die böse Bärbel genannt, die nicht nur die Mägde ihre Gewalt fühlen ließ; keine Bürgerfrau oder„Tochter war sicher, nicht plötzlich auf das Schloß beschieden und dort ausgepeitscht zu werden. Barbara selbst schwang die Ruthe und Geißel. Endlich war jedoch das Maß voll und die Männer von Buchsweiler verließen die Stadt; die Frauen thaten sich aber zusammen, bewehrten sich und traten den gräflichen Reisigen bewaffnet und entschlossen gegenüber, so daß sie diese in das Schloß zurück—⸗ trieben und dasselbe belagerten. Die Ausgewanderten riefen den Beistand des Bischofs von Metz und des Markgrafen von Baden an. Nun wurde vermittelt und Jakob von Lichtenberg versprach, Barbara zu entlassen. Das geschah; doch zog das böse Bärbel nur bis Hagenau, daß sie mit dem Grafen stets in Verbindung stand. Endlich starb dieser 1480, und jetzt war Barbara ohne Schutz. Man beschuldigte sie der Hexerei und Liebes⸗ tränke gebraut zu haben. Sie wurde nun vor Gericht geschleppt und torquirt. Auf der Folter gestand sie Alles ein, dessen man sie beschuldigte. Schließlich wurde sie am 12. August 1481 als Hexe verbrannt. Mit ihrem Tode hörte sie nicht zu sein auf, das Volk machte sie zu einem bösen Dämon, der dem Hexensabbath mit einer feurigen Ruthe präsidirt. W. G. Ringe zu tragen war schon seit den ältesten Zeiten Sitte, vielleicht ist sogar der Ring der älteste Schmuckgegenstand gewesen. Die Egypter schmückten ihre Finger mit goldenen Reifen, wie man liest im ersten Buch Mosis bei der Erhebung Joseph's zum Minister Pharaos, daß dieser seinen Ring jenem anvertraute. Auch Assyrer, Perser und Griechen trugen Ringe und daß diese oft sehr kostbar gewesen sein müssen, zeigt die Ge⸗ schichte des Tyrannen von Samos, Polykrates. Die Römer trugen Anfangs eiserne Ringe; als sie jedoch in Berührung mit den Griechen kamen, wurde aus dem Eisen Gold, dessen Werth noch durch kläustlich geschliffene Edel⸗ steine(Kameen und Gemmen) gehoben wurde. Die Kameen sind kleine arte Hautreliefs, während die Gemmen vertiefte Bilder zeigten, die beim Abdruck erst die Figuren wirklich deutlich erscheinen ließen. Diese wurden zum Siegeln verwandt, und Kaiser Augustus bediente sich eines Ringes, dessen Gemme eine Sphinx zeigte, späterhin eines mit dem Bilde Alexanders des Großen. Als Zeichen der Macht überkam das Mittelalter den Ring, wie die bischöfliche Belehnung mit, Ring und Stab beweist. Aber nicht diese Bedeutung allein besaß der Ring; schon in alten Zeiten diente er als ein Zeichen des Verlöbnisses, und zwar erhielt die Braut von dem Bräutigam denselben(Corpus juris). Auch bei den deutschen Völkern, namentlich den Angelsachsen, war dies Sitte. Schon früh scheint für Kamee und Gemme der ungeschliffene Edelstein getreten sein, d. h. der keine Bilder trug, sondern bearbeitet war, daß man seine natürliche Schönbeit bewundern konnte. Der Trauring wurde symbolisch als Glied der Kette betrachtet, die sich durch die Ehe um Mann und Weib schlingen soll. Die symbolische Verlobung des veuetianischen Dogen mit dem adriatischen Meere erfolgte, daß derselbhe am Himmelfahrtstage einen Ring in die Fluth warf. W. G. Die Kleienwäsche. Das grüne Gewölbe in Dresden besitzt bekauntlich eine Juwelensammlung, die wohl von fast allen Besuchern der sächsischen Hauptstadt in Augenschein genommen wird, und dies auch verdient, ist sie doch mit den herrlichen Schätzen mittelalterlicher Goldschmiedekunst ver⸗ einigt. Vor etwa hundert Jahren wurde sie nur mit spezieller Erlaubniß des Kurfürsten gezeigt. Damals lagen die Schätze auch noch nicht in Glas⸗ kästen, die niemals geöffnet werden. Am 5. Oktober 1789 wurde das grüne Gewölbe wieder auf Befehl einer Gesellschaft der höchsten polnischen Aristo⸗ kratie erschlossen. Der herumführende Kastellan bemerkte, daß eine junge Komtesse einen prächtigen Diamanten einsteckte. Er that, als ob er nichts gesehen habe, beim Ausgange bat er jedoch, eine kleine Formalität zu er— füllen. Er brachte darauf eine Schüssel mit Weizenkleie und bat Jeden der Auwesenden, sich darin die Hände zu waschen.—„Weshalb?“ fragte man.—„Man sagt,“ erwiderte der Kastellan, während er die Komtesse was an den Fingern kleben geblieben ist, von der Kleie fort— Es ist eben ein alter Brauch.“ Die Komtesse hatte den Sie wusch sich zuletzt die Hände, in der Kleie fand sich Seitdem werden die Schätze niemals mehr aus ihren W. O. fixirte,„daß, genommen wird. Wink verstanden. aber der Diamant. Glaskisten genommen. bot dem Buchhändler Nicolai einen Band Predigten Nicolai antwortete:„Die Christen nicht und mit den Heiden stehe W. G. Der Abt Häuserer für Christen, Juden und Heiden an. lesen keine Predigten, die Juden kaufen sie ich nicht in Verbindung.“ 2 8 P 00 f 185 4 2 3 455 . 333 S R . Rösselsprung. f sei⸗ an schwär. mal star⸗ noch lei⸗ noch 5 JU. ö 5 me hab' nen mei⸗ den⸗ ein⸗ ken ein⸗ 5 e herz nes mäd⸗ ich 8 an schaft se 5 N 8 5 5. in risch ges mei: chen ro mal tag 1 eee 5 jun⸗ ne mei in weht noch au the 9—— 1 . ö 1 ö 0 ö 5 N nen fällt%% . ieee f 1 ni ein die legt ster gafft gen ö 3 77 mal schooß ein hei⸗ noch mich mal som⸗ 5 232330 ͤ Kb Sprichwörter ⸗Räthse Aus folgenden acht Sprichwörtern ist je ein Wort acht erhaltenen Wörter bilden wiederum ein Sprichwort. Viele Köche verderben den Brei. Seine Hände in Unschuld waschen. „Frage nicht, was and're machen; acht auf Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht. Lust und Liebe zum Dinge macht alle Mühe u „Böser Gewinn fährt bald dahin. „Ein gutes Gewissen würzt den Bissen. 8. Ende gut, alles gut. . W S Iweisilbige Charade. Es drückt die erste Silbe aus Und ist die erste Der Schöpfung unermeßlich Haus, Gehört sie der Un Was Gott einst ließ aus nichts erstehn So ist die zweite Muß in dem einen Wort aufgehn. Du kannst das Ganze oftmals sein Im Weltgewühl zu Deiner Pein; Mit Hoffnung, Liebe, Poesie Bist Du es bei Dir selber nie. Auflösung des Räthsels in voriger Nummer: Liebe Räthsels: 1. Tacitus. 2. Aetna. 3. Glogau. pione. 6. Asow. 7. Rodosto. 8. Balzac. nationale. 11. Thun. 12. Adolf. 15. Nargileh. 16. Demokratie. 17. Sauerstoff. 18. Getr . zu wählen. Die deine eignen Sachen. nd Arbeit geringe. Silbe weit, iendlichkeit, eng und schmal, Bestimmt genau Geschlecht und Zahl. — des Silben— 4. Ecuador. 9. Elisabeth. 13. Bencdictiner. 5. Scor⸗ 14. Eldorado. eide. 19. Aeneas. 10. Inter⸗ 20. Standrecht. 21. Erle. — Tages Arbeit! Abends Gäste! Saure Wochen! Frohe Feste!— der Zweisilbigen Charade: Großmuth;— der Königspromenade: Die Stunde schlug und deine Hand Liegt zitternd in der meinen, An meine Lippen streiften schon Mit scheuem Druck die deinen. Es zuckten aus dem vollen Kelch Elektrisch schon die Funken; O fasse Mut und fliehe nicht, Bevor wir ganz getrunken. — des Magischen Quadrats: Die Lippen, die mich so berührt, Sind nicht mehr deine eignen; Sie können doch, so lang' du lebst, Die meinen nicht verleugnen. Die Lippen, die sich so berührt, Sind rettungslos gefangen; Spät oder früh, sie müssen doch Sich toͤdtlich heimverlangen. 1 f Th. Storm. M M E E F R * 1 N EI Schach. g Der Wettkampf um die Schachmeisterschaft der Welt. Ueber das Spiel in New⸗York vom 20. Januar bringt ein englisches Blatt noch das Folgende: 5 „Der vierte Sieg Zukertort's über Steinitz hat in den Schachkreisen New⸗ Yorks einen ungeheuren Eindruck gemacht; der Korrespondent der„Daily News“! sagt, daß Zukertort ch seinem Gegner mehr als gewachsen Problem Nr. 372 benen und 5— 11 1 Partieen . 9 gewinnen werde. Seine Spielweise am von O. Nemo in Wien. ien de im Görlitzer Problemturnier Mittwoch war derjenigen bei Gelegen⸗ heit früherer Wettkämpfe zu vergleichen. mit dem Preise für den besten Dreizülger gekrönt. Schwarz. Er spielte mit wunderbarer Schnelligkeit und Sicherbeit, wahrend Steinitz lange 1171 in schien d 1 b 895 185 sicher 7 7 75 zu sein schien, daß er das Beste getroffen. .,. Oft hatte er fast die ganze Vedensfeis ., verbraucht, ebe er einen Zug machte. . 2 Zukertort machte sieben Züge in dreißig Minuten, während Steinitz zu derselben Zabl eine Stunde gebrauchte. Wieder⸗ holt erhob sich Zukertort nach einem Zuge und ging durch den Saal. Auf die Frage, ob er das Spiel während der Unterhaltung im Kopf behalte, gab er zur Antwork:„Nein, ich lasse es gänzlich aus den Gedanken und nehme es erst wieder auf, wenn ich an's Brett zurückkehre. Das ist die einzige Art Schach zu spielen: während des Spieles so viel wie möglich mit der Gehirn⸗ thätigkeit haushalten.“ Für Steinitz gab es keine Erholung. Er saß die ganze Zeit angestrengt nachdenkend am Bretk; denn, hatte er einen Zug gemacht, so antwortete Zukertort fast augenblicklich. Kapitän Mackenzie, die höchste Schach⸗ autorität in New⸗Pork, sagt, daß die ganze Partie von Zukertort ausgezeichnet gespielt worden sei. Von Anfang bis 5 zu Ende gab er seinem Gegner nicht die geringste Gewinnchance. Das Spiel wird am 8. Februar in St. Louis wieder auf⸗ genommen und daselbst so lange sortgesetzt, bis einer der Spieler seinem jetzigen Stande drei gewonnene Partieen hinzufügt.“ ., 2. ,. 7. A eee n n 2.. Weiß zieht an und setzt mit dem 3. Zuge Matt. Weiß. Partie Nr. 210, gespielt in New⸗ York am 11. Januar d. J. als erste des Wettkampfes. Weiß: J. H. Zukertort. Schwarz: W. Steinitz. 1) da- da d7-dõ 34) Tgi- his) De 7-176) 2) 02-64 7 35) Tale! 1—e3f 3) e2—e3 Les fõ 36) Sfl—es: 113—12 34) 8b-es e7— es 37) PDg2—12.7) 7-2: 5) 8113 Sbs 7 38) Ses g. Le- far 6) a—a3 LIS de 39) Kdz—e? 1584: 7) 4 c Ld6é 7 40) Les d2) e4—e3 8) b2—b4 eb eß 41) Ld2 el 12—22 9) LfI—e2 8g8 f 42) K2- e3 Ke8—d7 10) Lel—bꝰ e5 ea 43) Thi- hr Kd7- eG 11) 83-42 7-5 44) Thb. Ke6 fo 0 e, e, 14) b4- bõ Sg 14 Weiß giebt die Partie auf. 10 eren 5 e e nach. 10 15 von Schwarz. ) 2. es: 688: 7 2 2 2 ee ee eee 0) 82—11 3. 2 5 ee, ee ee e e % een, Ser 1. 15. 25 1 a 255 1,— 25 i e eee e 28) Lb2—e3 27—g5..., 84 29) Sta—e2 Tus fe.,., 5 10 ee dee e, 1 2 f. 48—., 2 0, 2 2 5 5,., 0 e ee Weiß. 1) Auf eine weitgehende feine Opferkombination berechnet! 2) Das Springeropfer erweist sich durch die Fortsetzung als durchaus korrekt. 3) 19) Ddl-—ti hätte Weiß keineswegs besser gestellt; denn 19) Dad 7l 20) Kf2 Thel 21) Kei Tgs mit der Drodung, den Tbürm nach 83 zu pielen. g 4) Nothwendig, um dem Spiel: 23 L 3 Dg2 20 Lhal Dh2 25) Tgz 2c. zu begegnen. 5) Weiß will wenigstens den Angriff durch Lb verhindern, wonach Dbi erzwungen wäre, seine Lage ist indessen schon ganz verzweifelt geworden; der Bauer 14 durfte offenbar nicht genommen werden wegen 34).. e437 nebst 35).. Tk ꝛc. 6) Nun ist Weiß mit Offizierverlust durch tes nezst 712 ꝛc. bedroht. 7) Auf 981 entscheidet 5713! 5 8) Natürlich hätte 38) LI-—fl hier nicht zum Remis geführt; Schwarz hätte die Dame nach h4 gespielt und auf 39) Thi mit Le7-—h2 geantwortet. 40) S1 geht dann nicht wegen 144 und es droht 40).. Lg ꝛc. 5 5 9) Eine Falle! Nimmt der Läufer den Läufer, so wäre nach 41) Tel—fl Schwarz ge⸗ Mai 5 Dame wieder aufzugeben, um dem Remis durch fortwährendes Thurmschach zu entgehen. b 5 10) Natürlich nutzlos bei richtiger Erwiderung.. Eine Partie von hervorragender Feinheit, die den Gedanken an, eine Ueberlegenheit Zukertort's über Steinitz nicht auftommen läßt. Auch die beiden folgenden von Steinitz derlorenen Partien sprechen so sehr für die Gediegenheit seines Spieles, daß es noch ganz anderer Beweise bedarf, ehe wir das abfällige Urtheil des Daily News Korrespondenten unterschreiben können. 140 Druck und Verla g der„Volks⸗Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105. 8 ies enen. Wan N 1 — ale 0 ———— 2 Der r 2