T 5 0 10 du t beliebig. )„ Res gern an, eine vor mmlung!. endungen im ersten u voran. Vierziger geschädigt chlußwen⸗ sich den ie Lösung Th. und eee e e e ee 2 eee der bel, 1 el(db) m Gegen- an fiarken en Haufk feln be.— Al cer in. folgen % 1 + eee zu den Oherhessischen UMuchrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nr. 37. Gießen, den 12. September. Die Erbin. Von Josephine Gräfin Schwerin. Gortsetzung) XIII. „Die alte Hexe ist heute übler Laune,“ sagte Assessor von Lengen zu dem Lieutenant von Wandelsloh, als sie an dem Wagen der Frau von Hartwitz vorübergingen,„irgend ein Zauberstück ist ihr heute mißglückt. Brrr, ich könnte vor der alten Person Angst haben.“ „Schnell fahren“ hatte sie dem Kutscher befohlen. Sie hatte das Prinzip, auch mit dem Schlimmen nicht zu zögern, so sollte Martina so bald als möglich erfahren, daß die Hoffnung, die ihr Herz erfüllte, erloschen war. Sie hatte heute früh, als Frau von Hartwitz anzuspannen befohlen, mit jähem Erröthen gefragt:„Du willst fort? Ich meinte, es könnte Besuch kommen— Herr Hedden⸗ heim vielleicht— er sprach davon.“ „Lasse es gut sein, ich bin zur Zeit wieder da,“ hatte die Ant— wort gelautet. Als nun der Wagen den Halbkreis um den großen Rasenplatz, der die Mitte des Hofes einnahm, umschrieb, trat Martina aus der Hausthür. Sie flog die Stufen hinab und klopfte, als der Wagen hielt, liebkosend den Hals der Pferde. „Wie heiß sie sind, Du bist ganz unvernünftig gefahren, Ludwig.“ „Die gnädige Frau haben befohlen,“ antwortete dieser, mit merklicher Unzufriedenheit. Martina lächelte zur Tante hinüber; wie gütig von ihr, die wohl ahnte, wie ungeduldig sie erwartet wurde. Ja, ja, dieses ungeduldige Kind hatte die ganze Zeit an dem Fenster gestanden, von dem aus man die Straße übersehen konnte und jede fern aufwirbelnde Staubwolke hatte ihr starkes Herzklopfen verursacht. Doch jedes Mal hatte sich aus derselben irgend ein gleichgiltiges Gefährt entwickelt und der Erwartete war nicht gekommen. Vielleicht spricht die Tante ihn in der Stadt und vielleicht bringt sie ihn mit, hatte sie sich nach jeder Ent⸗ täuschung gesagt. Mitgebracht hatte sie ihn nun freilich nicht, den— noch lächelte Martina strahlend glücklich, was kam es auf einige Stunden warten an, wenn man die Gewißheit unaussprechlichen Glückes im Herzen trug! Sie ging neben der Tante die Stufen wieder hinauf und in das Haus hinein; die Frage, die ihre Lippen nicht aussprachen, lag in ihren Augen; hatte sie ihn gesehen? brachte sie einen Gruß von ihm? „Komme mit in mein Zimmer, Kind,“ sagte Frau von Hartwitz voranschreitend. Martina folgte, die Hände fest in einander gepreßt, tief und beklommen athmend. Kaum daß sie die Thür hinter sich geschlossen, als sie auch nicht mehr länger warten konnte.„Du hast ihn ge— sprochen, Tante— Heddenheim?“ „Setze Dich her, Martina,“ sagte Frau von Hartvitz statt der Antwort, auf den Stuhl ihr gegenüber deutend. fand sie die Art der Tante pedantisch und quälend. Martina that gehorsam wie ihr geheißen, aber zum ersten Mal Frau von Hartwitz zog, wie sie vor wichtigen Auseinander— setzungen zu thun pflegte, die Schleife, mit der sie unter dem Kinn die Haube gebunden, fester und begann dann:„Ohne Umschweife, Martina, Du liebst Heddenheim und wolltest Dich heute mit ihm verloben.“ 0 „Ja, Tante, ich will,“ erwiderte sie, das letzte Wort betonend, denn ihr war die Form in Frau von Hartwitz' Worten nicht entgangen. „Du wirst es nicht, mein Kind.“ „Tante!“ Martina war aufgesprungen und stand glühend, er— wartungsvoll und willensstark vor ihr. „Ich habe Heddenheim gesprochen und wir haben Beide erkannt, daß es Gründe giebt, die es unmöglich machen. Du bist ein starkes, stolzes und kluges Mädchen, Du wirst einsehen, daß eine unglückliche Liebe eine Thorheit und etwas Unwürdiges ist und deshalb wirst Du sie überwinden.“ Martina war leichenblaß geworden.„Er sagte mir gestern von einem Grunde— was war es nur— ein unsicheres Loos oder dergleichen— Du solltest entscheiden und ich sagte ihm, daß Dir Geld nicht so wichtig wäre.“ „Da hattest Du recht, Du würdest genug haben auch ohne sein Vermögen.“. „Was ist es sonst, was kann es sein? Du kannst gegen ihn nichts einzuwenden haben?“ „Lasse es Dir genug sein, daß eine Heirath zwischen Euch unmöglich ist und glaube, daß es besser für Dich ist, das Warum nicht zu wissen.“ „Tante, ich bin keine Sache, über die man verfügt, kein willen⸗ loses Geschöpf, das über sich bestimmen läßt, Du hast mich zu starkem, selbstständigem Wollen erzogen.“ „Doch auch zum Gehorsam. Dies Mal mußt Du gehorchen, mein Kind— zu Deinem Besten.“ „Ich thue es nicht, Tante, Heddenheim hat mein Wort, ich halte es ihm.“ „Er will Dein Wort nicht mehr.“ „Das ist nicht wahr!“ rief Martina außer sich. „Martina!“ Das eine Wort klang beinahe drohend und es brachte sie zur Besinnung. Sie fuhr sich mit der Hand über die Stirn und sagte:„Ver⸗ gieb— ich weiß, Du lügst niemals— doch den Grund— den Grund— ich muß ihn wissen!“ „Und ich verweigere ihn Dir.“ „Das darfst Du nicht, Tante!“ „Sei nicht thöricht, Kind, was nutzt es Dir, den Grund zu 290.. wissen, wenn ich Dir sage: Heddenheim selbst tritt aus eigenem Willen zurück.“ „Er— er!“ „Ja er; und nun sammle Dich, Martina, vertraue mir und glaube, es ist zu Deinem Besten, wenn ich über das Andere schweige. Gehe jetzt in Dein Zimmer, mein Kind, es wird Dir gut thun, mit Dir allein zu sein.“ Frau von Hartwitz war in ihrer Weise sanft mit Martina um⸗ gegangen.„Nur nicht viel Wesen machen!“ das war ihr Grund— satz und nach diesem hatte sie gehandelt; sie war überzeugt, Martinas starker Charakter würde bald den Schmerz überwinden, nur hatte sie dabei Eins vergessen: Die Selbstständigkeit, die sie in ihr groß gezogen hatte und die sich nicht in blindem Gehorsam beugte. Es war ein trauriger Tag in Ornshagen. Martina rang in schweren Kämpfen in ihrem Zimmer, Frau von Hartwitz ging mit finsterer Miene durch das Haus und Jeder, der in ihre Nähe kam, hatte irgend einen Verweis über ein begangenes oder mögliches Unrecht zu fürchten, und Anneliese, der heute Morgen Martina mit dem leise geflüsterten Geständniß:„Ich bin unaussprechlich glücklich“ um den Hals gefallen war, grübelte kummervoll darüber nach, was das Glück ihres Lieblings gestört haben möchte. So war die Abendstunde herangekommen; Frau von Hartwitz ging hoch auf— gerichtet mit steifem Nacken im Garten umher. Der war sonst Martinas Bereich und sie kümmerte sich nicht darum; heute aber hatte der Gärtner bereits mehrere Verweise über einen zu weit ausgewachsenen Rosenzweig, eine schlecht blühende Fuchsia und einen nicht gut beschnittenen Rasenplatz empfangen. Eben entdeckte sie einige vom Nachtfrost getroffene Blumen, die abzuschneiden versäumt und öffnete schon die Lippen, um wieder: Hermann, zu rufen, als plötzlich Martina vor ihr stand. a „Tante, wenn Du Dich weigerst, mir zu sagen, was mich von Heddenheim trennen soll, so fahre ich nach der Stadt und hole mir von ihm selbst Antwort. Ich habe nie tiefer gefühlt, wie ich ihn liebe, als jetzt, und ich entsage dieser Liebe nicht, ohne zu wissen weshalb.“ g Ihre Augen blitzten stolz und entschlossen, ihre Lippen waren fest auf einander gepreßt— sie ließ sich nicht beruhigen oder zu⸗ rückweisen. Dennoch gab Frau von Hartwitz nicht gleich nach. „Martina, traust Du mir nicht, glaubst Du mir nicht, daß es zu Deinem Besten ist, wenn Du nicht mehr erfährst als die Thatsache, daß Heddenheim selbst— aus freiem Willen— auf Deine Hand verzichtet?“ Martina schüttelte den Kopf.„Ich glaube, daß Du es gut meinst, doch, ich würde sterben an der Ungewißheit, ich ertrage sie nicht, und wenn Du schweigst, soll er mir selber Rede stehen.“ Frau von Hartwitz bestand einen schweren Kampf. Sie sollte ihren Willen einem andern unterordnen, sich zwingen lassen, das aufzugeben, was sie für das Richtige hielt und durchzuführen fest entschlossen gewesen war! Dennoch— wie Martina da vor ihr stand, den Kopf stolz zurückgeworfen, das flammende, fordernde Auge fest auf sie gerichtet, das Mädchen sah nicht aus, als ob es nachgeben würde; und eigentlich gefiel ihr dieser energische Wille, sie hatte ein Recht Aufklärung zu verlangen, und besser, sie erhielt sie von ihr, als daß sie von Heddenheim erfuhr, wer ihre Mutter war. „So komme, eigensinniges Kind,“ sagte sie, mit diesem Wort doch noch dem Unbehagen Ausdruck gebend, daß sie einem stärkeren Willen als dem eigenen gegenüberstand.— Drei Tage waren seitdem vergangen; Martina hatte keine ihrer gewohnten Beschäftigungen eingestellt, sie besuchte die Armen und Kranken des Dorfes, sie beaufsichtigte die Arbeit des Gärtners und besprach gerade jetzt eine neue Anlage mit ihm, die gemacht werden sollte, ja sie spielte sogar mit dem kleinen Willy wie sonst, und dennoch gab es Niemand, der nicht gesehen hätte, welch eine Ver— änderung mit ihr vorgegangen war, der nicht voll Sorge und Theil— nahme sie beobachtet hätte. Sie war bleich und ernst geworden, der Sonnenschein, der bis dahin gleichsam über ihrer ganzen Er— scheinung gelegen, war verschwunden und es war, als ob sie alles nur mechanisch thue. Ihr Stolz konnte es sich freilich abringen, gehobenen Hauptes den gewohnten Pflichten nachzugehen, aber er konnte nicht den Stachel aus ihrem Herzen reißen, der in jener Stunde tief hineingedrückt war. Ihr Leben habe einen unheilbaren Bruch erhalten, meinte sie, Alles, was vorher Licht und Glück und Freude war, schien versunken und ein lichtloses, schweres, von einem nie endenden Druck belastetes Leben lag vor ihr— so meinte sie.* Es klang ihr fortgesetzt in Ohr und Herz: Dein Vater hat sich* niemals um Dich gekümmert, Deine Mutter ist eine Mörderin. Und doch schmerzte dies nicht am tiefsten, das größere Weh war es, daß der Mann, den sie liebte, dem sie's gesagt, und an dessen Liebe sie kurze, selige Stunden geglaubt, sie um dieses unverschuldeten Leides willen aufgegeben hatte. War sie denn nicht dieselbe ge⸗ blieken, sie hatte ja keinen Theil an der Schuld, die ihre Mutter auf sich geladen, war das auch Liebe, die vor solchem Schemen zu⸗ rückschreckte? O, sie wußte es wohl, ihre Liebe wäre nur erstarkt, wenn der Geliebte so bitteres Leid zu tragen hätte, sie hätte sich gesagt, ihre Liebe müsse ihm Ersatz geben für das schmerzliche Entbehren von Vater- und Mutterliebe, müsse bei ihm ausharren und müsse ihn trösten. Er dachte anders— so hatte er sie wohl nie geliebt! f 7 Sie hatte in aufwallendem Zorn und gewaltigem Stolz jene Blätter, auf denen sie seine und immer wieder seine Züge gezeichnet, aus dem Buche gerissen— nur daß sich das Bild nicht so leicht aus dem Herzen reißen ließ!— 8 5 Heddenheim hatte in diesen Tagen auch keine Ruhe gefunden, er hatte das unabweieliche Gefühl, so könne diese traurige Geschichte nicht enden. Es dünkte seinem Stolz und seinem Rechtlichkeitsgefühl gleich unmöglich, im Besitz des Vermögens zu bleiben, dessen recht⸗ mäßige Erbin lebte, am meisten unmöglich, weil er dies Mädchen kannte und liebte. Er hatte an Frau von Hartwitz geschrieben und sie noch einmal beschworen, das väterliche Vermögen für Martina anzunehmen; die umgehende Antwort hatte sehr kühl und kurz die Erklärung enthalten, daß davon keine Rede sein könne und ihre erste Abweisung maßgebend sein und bleiben müsse. Doch auch hieran wollte er sich nicht genügen lassen; er beschäftigte sich mit dem Gedanken, Weber in Alles einzuweihen und ihn zum Ver⸗ mittler zu wählen. Wenn er mit Frau Anneliese spräche, so möchte es vielleicht dieser gelingen, Frau von Hartwitz andern Sinnes zun. machen, Martina selbst zu bestimmen. Doch ebenso schnell, wie ihm der Gedanke gekommen, verwarf er ihn auch wieder; die Einmischung Anderer in eine solche Sache, die verborgen bleiben sollte, hätte sie nur erbittert. Er selbst mußte Frau von Hartwitz noch einmal sprechen, und doch konnte er es nicht wagen nach Ornshagen hin⸗ auszufahren: eine Begegnung mit Martina, die ihm unerträglich dünkte, wäre kaum zu vermeiden gewesen. Da schien es, als ob das Schicksal selbst ihm zu Hilfe kommen wolle: Weber theilte ihm mit, daß er hinausgerufen sei, da Martina erkrankt.. 1 „Bedenklich?“ fragte Heddenheim erschrocken. f Weber zuckte die Achseln.„Nicht eigentlich; es scheint ein nervöser Zustand zu sein, wahrscheinlich durch Gemüths-Auf- regungen herbeigeführt.“ Er fixirte während dieser Worte den Freund scharf.„Es läßt sich darum schwer berechnen, welchen Charakter solche Leiden annehmen und wie lange sie währen können.“ „Es ist indeß keine Gefahr?“ fragte Heddenheim noch einmal erregt. „Nein, augenblicklich nicht, und ich hoffe auch sie verhindern zu können. Frau Anneliese ist eine prächtige Krankenpflegerin, so sanft und leise und freundlich, daß— man sich selbst von ihr pflegen lassen möchte,“ brummte er in den Bart.„Adieu,“ fügte er dann laut hinzu. f 5 „Adieu.“ In der Thür kehrte er noch einmal um.„Weißt Du, mein Sohn, daß ich Lust habe, die Behandlung Fräulein Martina's einem andern und viel besseren Arzte zu übergeben?“ ö Heddenheim fuhr auf.„So hältst Du den Zustand doch für gefährlich?“ t 1 1 „Der Arzt heißt— Konrad Heddenheim,“ sagte Weber trocken. „Lasse das, Hans, es ist vorbei, für immer.“ N Weber schüttelte den Kopf.„Es ist kaum glaublich, welches Vergnügen die Menschen darin finden, sich mit Chimären zu quälen!“. „Du weißt nicht Alles,“ entgegnete Heddenheim gepreßt, aich habe mit Frau von Hartwitz gesprochen, es liegt ein anderer Grund vor, einer, der nicht mein Geheimniß ist, und der uns un— 10 weigerlich trennt.“ a „A—a— a ah! Und Du willst Dich mir nicht anvertrauen Vielleicht daß ein klares, nicht von allerlei vagen Vorstellungen um: nebeltes Auge irgend einen Ausweg aus dem Labyrinth sähe?“ „Ich darf nicht; ich sage Dir: es ist nicht mein Geheimniß.“ liche harten wahl“ 5 jene ihne, leicht unden, chichte gefühl recht idchen rieben arting ij die d ihre h auch ch mit Ver⸗ möchte nes zu le ihm schung itte ie einuul n hin⸗ räglich als o te in F 55 38 * 2 ee nt ein 3⸗Auf— te den welchen nnen.“ erregt. deln du o funf pflegen 1 dan 0 inen artind“ och fit trockel welle 10 uilen t, 1 Grund f Ul 291. 1 Weber ging. Heddenheim glaubte den Augenblick gekommen, in dem er es wagen könne, nach Ornshagen hinauszufahren, ohne die Gefahr, Martina zu begegnen. Am nächsten Tage schon brachte er seinen Entschluß zur Ausführung. Alles weckte ihm die schmerzliche Erinnerung an jenen Tag, da er zum letzten Mal dort gewesen: heute wie damals lag goldener Sonnenschein über der Welt, der sie in leuchtenden Zauber tauchte, heute wie damals ließ er an der kleinen Gartenpforte halten, denn er wollte wieder unbeachtet den Eingang gewinnen, womöglich ungemeldet bei Frau von Hartwitz eintreten, um auf diese Weise die Rücksprache, die sie ihm sonst vielleicht verweigerte, zu erzwingen. Wieder ging er durch die dunkeln Baumgänge des Gartens, die heute der Herbst schon merklich gelichtet hatte; damals hatten die blauen Sterne der Clematis die Laube dort vor ihm überdeckt, jetzt waren sie alle verblüht, damals hatte er Martina dort zu finden gehofft, jetzt durfte er sie nicht mehr suchen, sie nie mehr wiedersehen; und plötzlich, wie er um die Laube bog— er fuhr zurück, war es eine Viston, ein trügerisches Bild, das ihm seine erregte Phantasie vorspiegelte— Martina! Sie saß bleich und matt, in ein Tuch gehüllt, ein Tuch auch um den schwarzen Scheitel geschlungen, in den Stuhl zurückgelehnt, neben ihr saß Willy, ein großes Bilder— buch vor sich auf dem Tische. Martina hatte sich unwillkürlich erhoben, es schien einen Moment, als wolle sie sich rasch entfernen, aber dann blieb sie wie gebannt stehen, die Hand, die sie auf den Tisch gestützt hatte, zitterte und ihr Auge begegnete stolz und flammend dem seinen. Einen Augenblick fühlte er sich verwirrt, gelähmt, dann endlich kam es stockend und bebend über seine Lippen:„Fräulein Martina Sie— ich ahnte nicht— Weber sagte mir, Sie seien krank—“ „Ich war Ihres Kommens nicht gewärtig,“ entgegnete sie,„ich konnte nicht denken, daß Sie—“ „O, vergeben Sie, ich wollte— ich mußte Frau von Hartwitz sprechen— nun aber, da ich Sie finde, die ich zu sehen nicht er— wartete, nun ist es wie ein Wink des Schicksals, nun muß ich zu Ihnen reden—“ „Nichts,“ unterbrach sie ihn,„Sie haben mir nichts mehr zu sagen, ich weiß Alles.“ „Alles, Martina, Alles?“ Eine stumme Neigung des Hauptes war ihre Antwort. „Dann bedarf es nicht mehr des Umweges zu Frau von Hartwitz,“ fuhr er mit mühsam erkämpfter Ruhe fort,„vielleicht wäre es für uns Beide besser gewesen, uns nicht mehr zu begegnen, doch, da es nun geschehen, so mögen Sie selbst entscheiden, und gewiß, Ihr klarer Verstand, Ihr edles Herz werden auf meiner Seite stehen.“ „Es ist alles klar und entschieden,“ antwortete sie in demselben herben Tone,„ich— möchte Sie nicht mehr hören—“ „Und doch, Sie müssen es, Fräulein Martina, ich plaidire für meine Ruhe, für meine Ehre. Sie sind die rechtmäßige Erbin Ihres Vaters, ich habe sein Vermögen nur verwaltet, bis diese Erbin sich fand. Das müssen Sie einsehen, begreifen, und sagen Sie ja, nehmen Sie an, was Ihr Eigenthum ist, befreien Sie mich von der Last, die mein Gewissen beschwert, meine Ehre erdrückt.“ Durch Martina's Leib ging ein Zittern, sie sank einen Moment auf den Stuhl zurück, als ob sie sich nicht aufrecht erhalten könne. Heddenheim eilte zu ihr, um sie zu stützen, da erhob sie sich rasch und stand vor ihm mit sprühendem Auge. „Sie wagen es, das, das— mir zu bieten? Abkaufen wollen Sie mir Ihre Liebe, statt Ihres Herzens soll ich Ihr Geld in Zahlung nehmen? Sie verstehen es, mich darüber zu belehren, daß ich mit dem Geschenk, das Sie mir in einem Augenblick der Ueber— eilung anboten, nichts— nichts eingebüßt habe und deshalb— bin ich Ihnen dankbar für diese Begegnung— die— ich nicht für möglich gehalten hätte.“ Sie hatte die Worte scharf und klar hervorgestoßen, ihre Wangen waren leichenblaß und sie zitterte so, als müsse sie umsinken. „Um Gotteswillen!“ rief er außer sich,„das habe ich nicht verdient, ich selbst weiß nur zu gut, daß der Mammon nicht Herzenswunden heilen kann, aber er kann wie eine unerträgliche Last auf dem Gewissen liegen, und sie wollte ich abwerfen, das ist mein Recht, um das ich Ihre herben Worte nicht verdiene, Sie sind die Erbin Ihres Vaters, Sie—“ f „Wer ist mein Vater?“ unterbrach sie ihn heftig.„Der Mann doch nicht, der nie an seine Tochter gedacht, nie nach ihr geforscht, nicht einmal im Tode für sie gesorgt hat? Für ihn wäre ich ver— kommen, verhungert, verdorben, wenn nicht eine Fremde sich meiner angenommen hätte— diesen Mann, ich hasse ihn!“ „Martina! Sie verkennen Ihren Vater—“ „Sprechen Sie nicht das Wort aus, ich will es nicht hören! Und nun gehen Sie, ich will Sie nie mehr— hören Sie wohl— nie mehr wiedersehen. Sie müssen sich an dem Ruhm Ihres flecken— losen Namens, Ihrer ungetrübten Ehre genügen lassen, den größeren Ruhm, Ihr Geld dem armen, verstoßenen Kinde Ihres Oheims ge— opfert, und damit dieser Unglücklichen Schmach und Schande der Welt preisgegeben zu haben, den— müssen Sie entbehren. Gehen Sie, gehen Sie— mein Gott, hören Sie denn nicht, Sie sollen gehen!“ t Heddenheim stand wie vernichtet; so zu gehen dünkte ihm un— möglich, und doch fand er nicht das rechte Wort. „Kann ich mich nicht von der Gegenwart Eines, den ich nicht sehen will— nicht will, befreien,“ rief Martina außer sich,„muß ich selbst gehen—“ Sie wandte sich um und sank nach wenigen Schritten in Anne— liesens Arme, die Willy herbeigeholt hatte, mit der Kunde, daß der Onkel, nicht Onkel Hans, sondern der andere Onkel, gekommen sei. „O, ich bin unaussprechlich unglücklich,“ stammelte sie, während ein Thränenstrom aus ihren Augen stürzte. XIV. Nach dieser Begegnung mit Heddenheim war eine fieberhafte Unruhe über Martina gekommen, die sie immer wiederholt zu der Bitte trieb:„Lasse uns fort von hier, Tante, weit fort.“ Frau von Hartwitz war der Gedanke nicht leicht, nachdem sie erst seit einigen Monaten wieder in Ornshagen war, es abermals verlassen zu sollen, doch Martina's Bitte klang so flehend und sie selbst mußte es sich sagen, daß eine neue Umgebung und neue Ein— drücke am ehesten Martina's verstörtes Gemüth beruhigen und ihr das verlorene Gleichgewicht wiedergeben würden. Auch Weber er— klärte, daß es für ihren rein nervösen Zustand kein besseres Heil— mittel geben könne als Orts- und Luftveränderung, und so waren denn schon nach wenigen Tagen die Koffer gepackt, und die beiden Damen reisten ab. Frau Anneliese sollte in Ornshagen bleiben; Frau von Hartwitz hatte versichert, daß sie ihr damit einen Dienst leiste, und hatte ihr auch mancherlei Aufgaben übertragen. Sie stand mit Weber auf dem Perron des Bahnhofes in D. und sah dem letzten zerflatternden Dampfwölkchen des Zuges nach, mit dem Frau von Hartwitz und Martina abgereist waren. „Es wird recht einsam in Ornshagen sein ohne die lieben Beiden,“ sagte sie mit einem leisen Seufzer,„es ist Alles so anders gekommen, als ich es glaubte und hoffte. Meine arme Martina!“ ö „Heddenheim leidet ebenfalls schwer,“ erwiderte Weber.„Ich habe ihn zuerst über die Skrupel, die ihn hinderten, um Fräulein Martina's Hand zu werben, verspottet; jetzt ist zweifellos ein ernsterer Grund dazwischen getreten, über den er schweigt, der aber unüberwindlich scheint. Heddenheim ist seitdem nicht mehr derselbe, sichtlich von tiefem Kummer niedergedrückt.“ „Und da muß man nun zuschauen, ohne helfen zu können,“ meinte Anneliese betrübt,„je weniger man selbst das Glück gekannt hat, um so mehr möchte man es denen gönnen und bereiten, die man liebt.“ „Haben Sie wirklich für sich selbst auf jedes Glück verzichtet?“ fragte Weber, sie scharf fixirend. Sie erröthete leicht und sagte:„Nein, doch nicht, ich habe ja meinen Willy.“ Sie waren unterdeß langsam bis zu dem Wagen gegangen. Anneliese stieg ein und reichte Weber Abschied nehmend die Hand. „Darf ein guter Freund einmal schauen kommen, wie es Ihnen in Ihrer Einsamkeit ergeht?“ bat er. „O gewiß, ich werde mich sehr freuen, Sie zu sehen.“ Das klang so warm und herzlich, daß Weber, als der Wagen davonrollte, ihm mit befriedigtem Lächeln nachsah. Der Winter brach früh herein; der Ornshagener Garten war eher, als man es gedacht, mit einem weißen Schneetuch überdeckt — 292 und bot ein Bild winterlicher Stille und Abgeschlossenheit. Dessen— ungeachtet fühlte sich Anneliese sehr behaglich in dem einsamen Hause und ein Gefühl ruhiger Zufriedenheit, wie sie es kaum je gekannt, erfüllte sie. Die schweren Sorgen und Aengste, mit denen sie Jahre lang gerungen, lagen nicht mehr auf ihrem Herzen, es that ihr wohl, der Frau, die ihr in schreckensvollen Tagen die hilfreiche Hand geboten, nun dienen und nützen zu können, sie hatte sich das Vertrauen und die Zuneigung der Leute gewonnen, mit denen sie an Frau von Hartwltz' Stelle verkehrte, und ihr Knabe blühte ersichtlich frisch und fröhlich auf, seine blassen Wangen rötheten sich mehr und mehr und die sonst so müde kleine Stimme klang letzt laut und lustig. Freundliche Lichtblicke in der stillen Einförmigkeit der Tage waren die Besuche Webers, die sich immer häufiger wiederholten. Sie saß dann mit der Handarbeit auf dem Platz vor der Epheu— wand, und Weber wurde nicht müde, Willy's Fragen zu beantworten, ihn auf seinen Knieen reiten, an seinem Bart zausen und ihn allerlei übermüthige Tollheiten treiben zu lassen. Wenn dann Anne liese sagte:„Er quält Sie, schicken Sie ihn fort,“ dann lächelte er nur dazu und meinte, sie solle das Kind nur gewähren lassen; das aber sagte er ihr nicht, daß er unterdeß beobachtete, wie sich das kleine Opal ihres blonden Kopfes von dem dunkeln Hinter— grund abhob, und wie das Licht der Lampe einen rosigen Schimmer auf ihre Wangen zauberte. War dann Willy endlich müde geworden und ließ sich an einem Bilderbuch genügen, oder war wohl gar auf Webers Schoß eingeschlafen, dann mußte er Anneliese von seiner Weltreise erzählen, und er meinte niemals besser erzählt zu haben, als wenn diese hellen blauen Augen ihn so gespannt dabei anschauten. Es wurde ihm froh und warm um's Herz, wenn er bemerkte, daß es seinen humoristisch gefärbten Mittheilungen und seinen Scherzen öfter und öfter gelang, ein Lächeln auf ihre Lippen zu locken. Bei der Heimfahrt wurde er dann jedes Mal sehr nachdenklich; er wußte längst, daß für ihn die Vorstellung des Glückes von dem Namen Anneliese nicht mehr zu lösen war und das Bild eines Heims, in dem l sie als seine Hausfrau waltete und Willy als sein Sohn her. anwuchs, gewann immer festere Gestalt. Aber würde sie wollen? War der ihr mehr als ein theilnehmender Freund, dem sie vertraute, würde das traurige Schicksal ihrer ersten Ehe sie wohl gar vor einem zweiten Ehebund zurückschrecken lassen? das waren Fragen, die ihn immer von Neuem beschäftigten, und die er sich nicht zu be— antworten wußte. So ging der Winter seinem Ende entgegen. Frau von Hartwitz und Martina hatten den größten Theil desselben in Dresden verlebt, und von ihrer Heimkehr war noch immer nicht die Rede. Martina selbst hatte niemals au Anneliese geschrieben; anfangs hatte auch Frau von Hartwitz in ihren Briefen nur Geschäftliches behandelt und Martina's nicht erwähnt. Dann hatte sie hier da ein Wort geäußert, daß Martina wohler sei, daß sie an einem Kunstgenuß oder einer Zerstreuung Gefallen gefunden habe, oder etwas dergleichen. „Ich hoffe, sie bleiben nicht mehr lange, der Frühling wird sie zurückführen,“ sagte Anneliese zu Weber. „Vielleicht,“ antwortete er und es war ihm seltsam dabei zu Muthe, denn er hatte das sichere Gefühl, daß Anneliese dann nicht länger Frau von Hartwitz' Gastfreundschaft in Anspruch nehmen würde. Sie hatte schon des Oefteren eine Andeutung über Zukunfts— pläne gemacht, die sie in sich trage und es hatte geschienen, als wünsche sie Webers Rath. Doch er hatte es stets weislich ver— mieden, darauf einzugehen; ein solches Gespräch würde die Frage auf seine Lippen gedrängt haben, die er nicht aussprechen wollte, noch nicht! Da kam ein Tag, der die Entscheidung brachte. Er war seit einigen Tagen nicht in Ornshagen gewesen, und Willy, der keinen besseren Freund als den Onkel Hans kannte, kam ihm bis in den Hausflur entgegen gelaufen, um ihm zu erzählen, daß er schon sehr auf ihn gewartet habe, da die Peitsche, die er ihm neulich gemacht, entzwei sei und das Schaukelpferd zu wild werde, wenn er keine Peitsche habe. Als Weber mit dem schwatzenden und lachenden Knaben auf dem Arm in das Wohnzimmer trat, sah er sofort, daß ein Schatten in Frau Anneliesens Augen dämmerte. Sie reichte ihm freundlich die Hand.„Sie sind von Willy mit kaum mehr zu zügelnder Ungeduld erwartet worden,“ sagte sie, während er einen Stuhl an ihre Seite zog. „Nur von Willy?“ fragte er,„dann könnte ich meine Ent- schuldigung, daß ich um eines schwer Kranken willen die Stadt* nicht verlassen mochte, wohl füglich für mich behalten.“* Sie schüttelte lächelnd den Kopf.„Sie irren; auch ich habe Sie vermißt und erwartet, und zwar ganz so wie Willy, weil ich Ihre Hilfe, oder doch Ihren Rath bedurfte.“ 2 Er sah sie fragend und ein wenig erschrocken an, ihre Stimme hatte nicht ganz fest geklungen und die Hand zitterte, mit der sie U ö ihm ein Zeitungsblatt hinschob. Sie wies mit dem Finger auf eine Stelle:„Bitte, lesen Sie.“ 1 Es war das Gesuch eines verwittweten Gutsbesitzers, der eine Dame zur Führung seines Haushaltes und zur Erziehung seiner vier mutterlosen Kinder wünschte. Weber ließ den Blick darüber hingleiten; das Blut stieg ihm in den Kopf, und er fühlte plötzlich[ sein Herz so heftig schlagen, daß er tief aufathmen mußte, bevor er, zu Anneliese hinüberschauend, fragte:„Weshalb interessirt Sie das?“ „Weil ich meine, daß sich mir da eine geeignete Stellung böte,“ erwiderte sie.„Ich glaube das Geforderte leisten zu können und es wäre doch möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß man zu vier Kindern,. auf dem Lande, wo eben alle Verhältnisse größer und weniger be— engt sind, auch meinen Willy nicht ungern aufnehmen würde. Und das ist ja eine Hauptbedingung für die Stellung, die ich annehmen kann, daß ich mich von ihm nicht trennen darf.“ 5 Weber hatte sich rasch erhoben und durchmaß mit großen Schritten das Zimmer.„Jetzt augenblicklich können Sie doch gar. nicht daran denken, Orushagen zu verlassen— Sie sind hier un entbehrlich.“ 2 Anneliese senkte den Kopf.„Frau von Hartwitz wird mich, hoffe ich, nicht für undankbar halten, wenn ich über den Moment 1 hinaus an die Zukunft denke. Ich bin überzeugt, daß sie zun Sommer zurückkehrt, dann kann ich nicht länger ihre Güte in Anspruch 5 nehmen, es drückt mich zu sehr. Da es aber durch meinen Knaben. immer schwierig für mich sein wird eine Stellung zu finden, so 0 kann ich ein scheinbar passendes Gesuch nicht vorübergehen lassen. N Vielleicht würde jener Herr auch noch einige Wochen warten.“ i N „Was drängt Sie denn nur so gewaltsam fort,“ stieß Weber hastig N heraus,„fühlen Sie sich hier unglücklich?“ 4 „Nein— und doch jg. Können Sie es denn nicht verstehen, daß es mich unaussprechlich drückt, jung und rüstig wie ich bin, nur von der Güte Anderer zu leben? Frau von Hartwitz bot mir. in der schwersten Stunde meines Lebens die Hand, um mich von dem Abgrunde zu retten, der sich vor mir aufthat, sie hat mir Zeit gegönnt, mich zu fassen und den Weg zu suchen, der ferner vor mir liegt. Hier würde sich vielleicht ein geeigneter Beruf für mich finden, darum möchte ich es nicht versäumen, mich wenigstens danach E umzuthun. Doch wollte ich es nicht ohne den Rath eines Freundes und— Sie scheinen es für rücksichtslos und undankbar gegen Frau. von Hartwitz zu halten, wenn ich vor ihrer Rückkehr einen Schritt für meine Zukunft thue? Sie mögen recht haben— und so will ich's denn lassen.“. Weber hatte sich wieder auf dem Stuhl ihr gegenüber nieder- gelassen und wühlte mit der Rechten in dem Haarbusch über seiner Stirn, während die Linke erbarmungslos in dem rothen Bart zauste, ein Zeichen hochgradigster Aufregung bei ihm. „Frau Anneliese“ begann er in einem schüchternen Ton, der eigenthümlich mit seiner martialischen Persönlichkeit kontrastirte, „haben Sie wirklich niemals daran gedacht, daß es für Sie noch einen andern Beruf, eine bessere Lebensaufgabe geben könnte?“ 8 „Ich weiß nicht— ich verstehe Sie nicht.“ Sie hatte un— befangen begonnen, doch als sie zu ihm hinüber in seine, in ängstlicher Spannung auf sie gerichteten Augen sah, senkte sie erschrocken und erröthend die ihren. „Warum wollen Sie in einem fremden Hause als Hausfrau walten, fremden Kindern Mutter sein,“ fuhr er fort,„wollen Sie nicht lieber das eigene Haus mit Ihrer Güte und Anmuth schmücken und statt für einen fremden Mann für Ihren Gatten sorgen, der ach so unaussprechlich glücklich sein wird, wenn Sie ihm gestatten wollen, Sie zu lieben und auf den Handen zu tragen und Ihrem Willy ein treuer Vater zu sein?“ Anneliese hatte die Hände im Schoß gefaltet und über ihre Wangen rannen helle Thränen; eine Antwort fand sie nicht. Weber rückte seinen Stuhl näher an sie heran und faßte ihre n 2 Hände mit warmem und festem Druck.„Liebe, liebe Anneliese, I ———— —— einer tüber h or er, a8* aten nde dern, r be⸗ Und inen foßen gur. L uUn⸗ mich, oment zum fpruc naben u, so lassen. U hastig stehen, 9 bin, t mit h von it Zeit er vo r mic danach undes In Schi 0 wil nleder⸗ seintt Ruft, u del ati, ie nag 29“ tte ll. gc an und a t 5 fte i melee 0 * ** 1 In der Kirche. . 6 f FTT 294. 8 3 Sie haben mir ja so oft gesagt und gezeigt, daß Sie mir Ihre Freundschast geschenkt; mehr verlange ich für jetzt nicht, wollen Sie nicht dem Freunde Ihre Zukunft, Ihr Leben anvertrauen, sich von ihm schützen und behüten lassen? Es ist kein glänzendes Loos, das ich Ihnen zu bieten habe, aber ein gesichertes, bescheidenes Heim und eine treue, feste Liebe für Sie und unsern Willy. Ach Anne⸗ liese, ich würde unsäglich glücklich sein, wenn Sie meine liebe Frau werden wollten.“ Sie hob das thränenüberströmte Antlitz zu ihm empor.„O wie gut Sie sind, wie soll ich Ihnen danken für alles das Liebe, Schöne, das Sie mir gesagt haben. Aber Sie brauchen eine andere Frau, Ihr froher Sinn, Ihr junges Herz dürfen sich nicht an Eine ketten, die schon zu viel Thränen vergossen, über der die Schatten tiefen Unglücks liegen, nein, nein, Sie müssen ein thaufrisches, junges Leben neben sich haben, das Ihnen sein erstes Lieben bringt und sein erstes Glück dankt. Diese Stunde aber werde ich nie vergessen, Sie lieber, bester Freund.“ Er lachte hell und glücklich auf.„Wenn Sie keinen andern Grund haben, Anneliese, dann lasse ich mich so nicht fortschicken, ich will keine Andere als eben Sie, wie Sie da sind, die ich von ganzem Herzen lieb habe und deren liebes, stilles Lächeln mich tausend Mal glücklicher macht, als das laute Lachen irgend eines jungen Dinges. Und mein Frohsinn wird auch die Schatten da von Ihrer Stirn verjagen, gewiß, Anneliese, es soll mir schon ge⸗ lingen. Und rechnen Sie das Glück denn für garnichts, das sie mir mit Willy in's Haus bringen, Sie wissen doch, daß der Junge mein Herzblatt ist.“ „O Lieber, soll's denn wahr sein, daß mir noch einmal ein so großes Glück beschieden, mir, die ich nichts mehr hoffte, o, es macht mich schwindlig, ich meine zu träumen!“ sagte Anneliese, ihm nun beide Hände entgegenstreckend. Er zog sie an seine Lippen.„Also nun mein?“ „Von ganzem Herzen, Sie Bester aller Männer.“ Willy, der es nicht begreifen konnte, daß der Onkel ihm noch immer nicht, wie er es doch versprochen, die Peitsche zurecht gemacht, sich auch die ganze Zeit nicht um ihn gekümmert hatte, kam eben ungeduldig herzugelaufen. 0 „Onkel Hans, höre einmal, mein Pferd—“ „Halt, mein Junge,“ rief Weber, ihn auf seinen Arm nehmend, „mit dem Onkel ist es nun vorbei, von heute ab heißt es Papa, was meinst Du dazu?“ „Papa Hans, das klingt hübsch,“ lachte der Knabe und zauste vergnügt an Webers Bart. N „Hurrah,“ rief dieser, ihn hoch in die Luft hebend,„wir wollen lustig zusammen sein, bis auch die Mama es wird, nicht wahr?“ Willy jauchzte laut auf und rief zum zweiten Mal vergnügt: „Papa Hans!“ Weber küßte den Knaben zärtlich und sagte dann feuchten Auges, den Arm um Anneliesens Schultern legend:„Unser Kind, Liebste!“ Heddenheim hatte ängstlich jede Berührung dessen, was mit Ornshagen in Verbindung stand, auch in seinem Verkehr mit Weber vermieden, er wußte also direkt nichts von dessen Beziehungen zu Frau Anneliese. Dennoch hatte ihm ein instinktives Gefühl gesagt, daß sich zwischen Beiden eine Verlobung vorbereitete. So über— raschte es ihn kaum, als Weber mit den Worten bei ihm eintrat: „Sieh' mich einmal an, alter Junge, so sieht ein Bräutigam aus!“ Er drückte ihm warm die Hand.„Ich gratulire Dir von ganzem Herzen, Hans. Frau Anneliese ist natürlich Deine Verlobte?“ Weber nickte.„Du hast's also gemerkt? Nun, ich verstehe es eben nicht, meine Gefühle zu verbergen. Ich bin kein Schwärmer, Konrad, kein Poet, ich rühme sie Dir also nicht als Engel oder Göttin; Du kennst sie ja auch. Ich sage Dir nur: ich habe sie sehr lieb und bin glücklich, daß es in meine Hand gelegt sein wird, sie vergessen zu machen, was das Schicksal bisher an ihr gesündigt hat. Ich hoffe, es soll mir gelingen.“ „Gewiß wird es das, alter Freund,“ meinte Heddenheim lächelnd, „Du bist ganz der Mann, um eine Frau zu beglücken. Frau Anne— liese wird ein beneidenswerthes Loos an Deiner Seite haben.“ „Fange nicht an, mir Schmeicheleien zu sagen, ich werde sonst schamroth wie ein junges Mädchen,“ scherzte Weber.„Weißt Du, Konrad, es wird Einem seltsam warm um's Herz, wenn man weiß, daß man für zwei geliebte Wesen das A und O für alle Zukunft sein wird. Ja, für Zwei, Konrad, ach, unser Willy ist ein Pracht⸗ junge, er soll ganz mein Sohn sein, wahrhaftig nicht weniger, wenn ich erst ein eigenes Kind im Arme halte. Ach, Konrad, diese Welt ist doch wahrhaftig sehr schön.“ Er fuhr sich mit der Hand übe die Augen, die bedenklich feucht geworden waren. 9 Heddenheim unterdrückte einen Seufzer und sagte dann:„Grüße Deine Braut von mir und sage ihr, daß ich ihr von Herzen Glück wünsche.“ 5 8 8 „Hm,“ lautete Webers Erwiderung, er sah mit einem zweifelnden Blick zu dem Freunde hinüber.„Möchtest Du ihr das nicht lieber selbst sagen? Sie würde sich freuen, Dich—“ 11 „Verlange das nicht von mir, lieber Junge,“ unterbrach ihn Heddenheim,„ich kann nicht nach Ornshagen.“— a* Weber sah gedankenvoll vor sich hin.„Hm, hi, hm.“ schwieg ein paar Augenblicke, dann begann er wieder:„Es zient sich unter Männern nicht, über Dinge zu schwatzen, die abgethan 9 sind. Dennoch— sieh' einmal, Konrad, wenn man selbst so von Herzen glücklich ist, wie ich jetzt eben, dann möchte man's den besten Freunde ebenso gut gönnen. Martina und Du, Ihr liebt. Euch, das ist klar, liebt Euch trotz alle dem Schnickschnack, der“ zwischen Euch liegen mag, also fasse Dir ein Herz, ein kühner Griff und das Alles ist beseitigt, Martina fliezt in Deine Arme und Ihr seid Beide glücklich. Muth, Muth, my boy, und ein Entschluß.“ f N 1 „Du irrst, Hans, selbst wenn ich die Kluft überspringen wollte, die mich von ihr trennt, und— ich will Dir's ehrlich sagen, ich habe in der letzten Zeit gedacht, daß ich, was mir zuerst unmöglich dünkte, jetzt könnte, weil die Liebe zu Martina das stärkste Ge⸗ fühl, die mächtigste Triebfeder in mir ist; also, wenn ich's ver⸗ suchte, mein Wille würde jetzt an Martina's scheitern, ich habe sie zu tief beleidigt.“ e 2 „Nun, das käme doch auf den Versuch an,“ behauptete Weber. Heddenheim schüttelte den Kopf.„Sie hat es mir selbst gesagt, daß sie mich nimmermehr sehen will, sie haßt mich.“ 1 „Bah, der Haß ist häufig nur der Deckmantel für die Liebe, mein Sohn, das solltest Du, denke ich, wissen.““ i 1 „Nicht hier, nicht bei Martina, sie hat vielleicht Grund, u zu hassen und ich bin zu stolz, um mich noch einmal von ihr zurüg 9 weisen zu lassen wie ein Bube!“ f Re Weber zuckte die Achseln.„Nun, Du mußt ja wissen, was r Du thust. Lebe wohl, mein Alter.“ Sie schieden mit einem Händedruck. 5(Fortsetzung folgt.) Lose Blätter. 1 Südafrikanische Ruinenstädte. Afrika bürgt noch viele, im Laufe der geit vielleicht der Entschleierung entgegengehende Räthsel, unter denen die südafrikanischen Ruinenstädte nicht wenig interessant sind. Die Portugiesen erhielten von A bereits Ende des 16. Jahrhunderts Kunde. Der Dominikaner⸗Mönch Joao dos Santos, der 1587 nach Sofola reiste be⸗ richtet von einem Königreiche Monomotapa, das reich an Gold sei und wo man die Ruinen steinerner Gebäude finde. Die Wiederentdeckung dieser zu-. geographischen Mythe gewordenen Ruinen ist das Werk Mauchs. Sie liegen unter 200 140 Südl. Br., 300 Kilometer landeinwärts von der portugiesischen Küstenstadt Sofola. Nach Mauchs Beschreibung lassen sich die Ruinen von Zimbaos in zwei Abtheilungen bringen. Die eine liegt auf einem etwa 120 Meter hohen Granitkopf, die andere, durch ein flaches Thal getrennt, auf einer etwas erhabenen Terrasse. Die Ruinen auf dem Granitkopfe sind wahrscheinlich Reste einer Felsenfestung. Alle Mauern ohne Ausnahme sind aus behauenen Granitsteinen ohne Mörtel aufgeführt. Sie sind vonn verschiedener Dicke, am sichtbaren Fuße 3, am eingefallenen oberen Ende 2 bis 2½ Meter. In einer Art abgesondertem Außenwerke findet ch ein noch ganz gut erhaltener Thurm von etwa 10 Meter Höhe. Er ist ebenfalls aus behauenen Granitblöcken bis zu 3 Meter Höhe cylindrisch, dann bis zur Spitze konisch erbaut; der Durchwesser am Fuße ist 5, an der Spitze 5 2½ Meter; nirgends zeigt sich eine Spur von einem Eingange. Die Hypothese, daß die den Ruinen benachbarten Goldfelder das Ophir der Bibel und die Ruinen selbst ein ehemaliger fester Platz zu ihrer Behauptung seien, wird sich wohl sehr schwer oder nie sicher erweisen lassen. Immerhin bleiben diese Ruinen als Denkmäler der Arbeit eines vor der jetzigen Be- völkerung hier seßhaft gewesenen Kulturvolks von hohem Werthe.. Dr. A. 35 Merkwürdige Unterrichts Anstalt.„Unweit Santiago, in der Nähe des Dorfes Vinara in Süd-Amerika trafen wir,“ so erzählt der Reisende Andrews,„auf einen ungeheuren Feigenbaum, an dessen Fuße sich uns eigenthümliches Schauspiel bot. Die Aeste des großen Baumes bildeten ein weites Laubdach, welches einen runden Raum wie ein Gewölbe beschattete. uch „ wenn e N d ib“ Gre u Glat ehnde g lleber 7 ch in 1 1 Gr 9 ent bgelhay so oh d den hr liel ic, d ähh e Arme und ein 565 en, i mögt 8 f hake Nl 1 gesa. ie Nie d, r zurit en, un gause l denen W. ortugehl de. NN leite und dieser ie fe ages inen. em 4 8 elch rant Ausgabe ade en 0 et 0 0 debe in 00 er Elf e. 5 Aplnen chnuplh June igen 15 11 —— 1 . 96 wolle f 0 ste. b 1 e. 1 — . e Wir blickten durch die Oeffnung der Zweige und sahen nun den Pädagogen des Dorfes auf dem Stamm des uralten Baumes, und rings um ihn her in bunten Gruppen seine Schuljugend. Eine lange Ruthe in seiner Rechten erlaubte ihm, die Köpfe der entferntesten seiner nackten Zöglinge mit Be— quemlichkeit zu erreichen, wenn es darauf ankam, sie zu züchtigen. Der Anblick war auf's Höchste überraschend. Der halbe Erdglobus lag zwischen mir und Europa, ich war in Kolumbiens schönster Provinz, in Takuman. Welch' ein köstliches en i dener gewährte dieser unver— gleichliche alte Baum! Um ihn her 12 5 in bunter Reihe die Dorfstudenten, groß und klein, unter der prächtigen Laubrotunde. Einige heulten kauernd ihr bo, be, bi, andere hielten Holztafeln auf ihren Knien und malten Buchstaben darauf; zwei oder drei hatten Bücher, ein Luxusartikel in dieser Gegend; noch andere rechneten; und ohne Unterlaß schwang sich die lange Ruthe über den Häuptern der Trägen. Ehe wir uns noch zur Genüge an diesem wunderlichen Schauspiel ge— weidet hatten, brach plötzlich ein ch dre Gelächter unter dem Laubdache hervor. Der ernste Pädagog erhob sich, zu sehen, was es gäbe; wir gingen ihm entgegen und trafen in der einzigen fen au Oeffnung der Ro— tunde mit ihm zusammen. Er war bei unserem Anblicke nicht minder über⸗ rascht als seine Jünger; sein Ernst— denn er war zugleich Alkade und Schulmeister des Orts— ging in ein freundliches Lächeln über, mit welchem er uns zum Eintritt nöthigte. Hierauf fuhr er auf unser Bitten in seinem Examen fort, fragte nach dem Datum der Schlacht von Ayacucho, des Todes Olanetas, dem Ende des Peru'schen Krieges, und dergleichen Fragen mehr, welche ihm schnell und richtig beantwortet wurden. Er selbst war an diesem Orte, welchen er nie verlassen hatte, lahm und als Krüppel geboren, und hatte sich den Studien, wie er es nannte, gewidmet, so„mui pobre“ sein Erwerbszweig als Schulhalter auch sei, da er monatlich nur zwei bis vier Realen von seinen Zöglingen erhielt.— In diesem Augenblick brachte ihm ein Knabe eine Feder zum Zurechtschneiden. Aus seinen zerissenen Pluder— hosen 8 der Pädagog ein stumpfes Gartenmesser hervor und beschnitt, mit Hilfe einer zerbrochenen Brille, die Feder.„Wie!“ sagte ich,„habt ihr denn kein anderes Werkzeug dazu, Alter?“—„Nein, Herr!“ erwiderte er. —„Nun, so kann ich Euch helfen;“ sagte ich, und reichte ihm ein schönes englisches Federmesser mit vier Klingen. Erfreut rief er aus:„Was! Vier Messer in einem!“ Als ich ihm hierauf sagte: es stände ihm zur Verfügung, war der Alte asche sich vor Freude, bekreuzte sich und rief:„Gratiosa Dios!“ Das Geschenk schien ihm eine Tonne Goldes werth. Seine Jünger strömten herbei, umringten ihn, bewunderten seinen Schaß und verlangten aus Freude darüber einen Hias, welchen der Alte, in der Glückseligkeit seines Herzens, auf unsere Fürbitte, denn auch versprach. II. Adels⸗Stempelung. Sämmtliche portugiesischen Kolonien, insonderheit die in Afrika, befinden sich in überaus verwahrlostem Zustande. Das Kolonisationssystem der Portugiesen zielte von Haus aus nicht auf Er⸗ schließung der natürlichen Wohlstandsquellen des reichen Landes an der afrikanischen Westlüste, sondern betrachtete dies als eine unerschöpfliche Sklaven⸗ zuͤchterei. Fast jeder Portugiese jener Gegenden war Sklavenhändler, die Beamten und Priester nicht ausgenommen. Die Einführung des jetzt unter den Vornehmen herrschenden halbbarbarischen Luxus ist ebenfalls das Werk der Portugiesen. Es bedurfte zur äußeren Dekoration der aus Negerfürsten geschaffenen Doms, Condes, Duques und Marquis des ritterlichen Degens, des vornehmen spauischen Mantels, der, Brokat⸗ und Sammtkleider, in denen noch jetzt mancher dieser Kronvasallen stolziert. Um Streitigkeiten über die Rangansprüche dieser Herren vorzubeugen, sicherte sich die Krone das Eigen⸗ bumsrecht über dieselben durch die Stempelung derselben., Mittelst der Operation des„Undamento“ wurde bis vor Kurzem durch ein heißes Eisen dag Wappen Portugals und die fortlaufende Zahl, die da anzeigte, welchen Rang der Geadelte einzunehmen und auf wie viele Ahnen er Anspruch zu heben hatte, auf die Schulter des Adelskandidaten gebrannt. Dr. A. B. Wunderbare Geschichten. So betitelt sich ein zur größten Seltenheit gewordenes Buch, das„im Jahr, da es finster war“ gedruckt ist.„Umbria“ wird der Verlagsort genannt; aber vom Verfasser findet sich keine Spur — er wagte es nicht in der Mitte des vorigen Jahrhunderts hervorzutreten; aber die wunderbaren Geschichten bieten viel Kulturbistorisches zur Kenntniß ener Zeit in dem Gewand des Sarkasmus. Da hat das Ministerium den Befehl erhalten, ein neues 1 aufzurichten, und der eine Geheimbde— sath sagt in seiner Verlegenheit:„Die Lockoögel, vomit man Soldaten sangt, seyn längst ausgeflogen. Die Kassa ist erschöpft, die Obristen seyn über die Kriegs-Kassa kommen, einen Griff über den anderen gethan; der muß guten griff thun, der noch was findet. Der Landmann ist ausgesogen, die Noblesse schützt ihre Eremtiones vor.“— f 0 Während man nech rathlos ist, erscheint der Hofnarr und will sogleich ein janzes Regiment stellen, wenn er zum Finanzrath ernannt wird. Das wird ähm versprochen. Der Narr pfeift, und„es marschieren heraus die Hof, musikanten, Operisten, Jäger, Maler, Spieler, Seiltänzer, Sängerinnen und mehreres unnöthige Hofgesind.“ Die Minister staunen, der Hofnarr aber spricht: 1 Gesind ist doch unnöthig bei Hof, haben große Salgria, Gnaden— Stipendia, à part Präsenten, thun nichts pro publico. Die Baßgeige schnurrt zwar bei Hof, aber nicht im Land, und dennoch thun dem Land mann die Ohren von weh. Ist das protectio patriae? Hat sich wohl! Da seynd die Bau-Ingenieurs, was der eine aufbaut, reißt der andere ein, unter dem Vorwand: es wär' nicht mehr in der Modi. Unterdessen kommt sowohl das Einreißen als das Aufbauen hart genug an. Da präsentixen ich die Komödianten, Operisten, Tänzer, Kunstspringer, es geht doch endlich das Lied auf ein Lami aus. Da postiren sich die Freskomaler, die Stukkator, die Spieler, die bona dies Brüder, die Reverenzenmacher, die Tellerlecker, 295. —.—— 8 Schmarotzer, Jubilirer. Das seynd Leute wie die Handpferd, die man nicht nöthig hat, als Parade zu machen, fressen aber doch den anderen den Haber vor'm Maul weg. Dort steht der mit seiner Fiedel; den muß man viele Hundert jährlich zum F hineinwerfen: ist ein ktheures Kalvonjum. Jener Ingenieur macht einen Riß; die Kasse bekommt ein Loch davon. Wollt ihr Herren jetzt wissen, was dieses für eine schmutzige Kompanie ist? Der ist der Oberkuchelbub, hat unter sich drei Unterbuben, neben dem Braten— wender, der auch schon ein Exspeckanz⸗Dekret ausgewirkt hat für den Ofen heizer und Holzspalter. Da steht der Düppengucker, der Linsenspitzer, der Haderlump, Vorschneider, ein naher Vetter der Ober- Spülmagd. Dort macht seine Parade der Hundsjung sammt seinen untergebenen Fourier Schützen mit den Kuppelhund. Der Bereiter macht auch ein Belle videre mit seinem Halterknecht, Karbatschierer, Pferdeschweif Tapezierer, Schabernackwürker, Steigbügel und Satteljunge. Verdrüßlich wär's alle und jede dergleichen hohe Offizianten in einer ie zu bringen. Enfin es giebt der Hof-Volontärs so viel, daß man ein Regiment könnte formiren. Es seynd die wohl— exerzierte Hof-Suppisten. Auf solche gewaltige Subjekte solle sich gründen protectio patriae. Quasi vero. Unter diesem speziosen Titel fordert man große, unerträgliche Kontribution, Aceisen, Don Gratuite, Extra Steuer, Guasi vero. Das wenigste wird dazu verowendt. Es heißt: Alles dem Land zu Schutz.— Da sehet ihr Herrn, wie leicht ein Regiment wäre aufzurichten regulirter Miliz, wenn man der auf so unnütz überflüssiges Völklein gewidmete Konsumkion thäte besser emploiren.“ Das Ministerium meint nun, Meister Narr hätte nicht närrisch geredet und empfiehlt seine Worte dem Hofe zur Beherzigung. W. G. Der Saal des Schreckens. Auf dem Busch bei Haag, dem ehemaligen Lustschloß der Erbstatthalter von Holland, befindet sich ein Saal von un— geheurer Größe. Die Decke desselben läuft spitz in eine Kuppel von be— trächtlicher Höhe aus. In dieser sind die Fenster, welche den Saal von oben erleuchten, angebracht. Diese Kuppel, die Seitenwände, der Raum zwischen den Fenstern, die Thüren sogar, welche man, wenn sie geschlossen, von innen nicht unterscheiden kann,— alles dies ist mit Malexei ausgefüllt, welche ein einziges, ungeheures, den ganzen Raum füllendes Gemälde dar stellt. Lebensgroße, sogar kolossale Gestalten schlingen sich durcheinander, verwirrt und in den seltsamsten Windungen. Weiber, Greise, Kinder, Pferde, Todtengerippe, Krieger, Könige, heidnische Gottheiten, christliche Heiligen— bilder, Engel und Teufel wanken, wie im Fiebertraum, vor dem geblendeten Auge; es ist unmöglich, hier Anfang oder Ende zu finden; kein leerer Fleck, wo man ruhen könnte, kein Ausweg aus diesem seltsamen Saale ist sichtbar. Die Gestalten beunruhigen den Beschauer, sie scheinen ihn erdrücken zu wollen, in dem unruhigen Treiben liegt etwas Unheimliches, das Jeden mit Schauer erfüllt. Umsonst müht man sich, den Sinn des Ganzen zu errathen, einen Zusammenhang hineinzubringen; je länger man umher sieht, um so mehr verwirrt sich alles in einander. Einen Tag in diesem Saale zuzubringen, würde für jeden, der etwas lebhafte Phantasie hat, eine uner— trägliche Marter sein. Wenn die Sonnenstrahlen einzelne Theile dieser ungeheuren Gebilde beleben, oder die Abenddämmerung das ohnehin Ver— wirrte noch mehr verwirrt, hier, wo keine Thür sichtbar, wo aus allen Ecken Todtenschädel grinsen, wilde Rosse sich bäumen, fürchterliche Gesichter neben schönen Frauenköpfen herüber und hinüber blicken, müßte man vom Wahnsinn so 1 werden, daß man nicht mehr Wahrheit von Schein zu sondern wüßte. Die Urheberin dieses Wirrwarrs, eine alte Prinzessin aus dem Hause Oranien, sieht ganz oben aus der Kuppel herunter, im Arme einen Todtenkopf. Der berühmte Maler Jordan hat mit einigen seiner Schüler diesen Saal gemalt; unstreitig liegt dem Ganzen eine Allegorie zu Grunde. Aber wer kann und mag sie enthüllen! II. Der Planet Mars ist in seinen außerordentlichen Glanzschwankungen vor den übrigen Planeten ausgezeichnet und darum wohl schärfer und genauer beobachtet worden, als die anderen. Im April 1856 fand der Astronom Secchi die beiden Schneeflächen der Polarregionen sehr deutlich. Diese beiden Eisflächen nahmen sichtlich ab, wenn sie sich den Sonnenstrahlen ausgesetzt befanden und wuchsen an Ausdehnung und Glanz, wenn dies nicht der Fall war. Die dazwischen liegenden dunklen, verschledenformigen, großen Flecke nahm er, wie dies noch heut geschieht, als Land an. Die Farben der Flecke sind sehr mannigfaltig: roth, blau, gelb, grün und weiß. Im Jahre 1862 nahmen Greve und Johnson in London Skizzen der Planeten auf, wie auch Phillips in Oxford Zeichnungen von ihm anfertigte. Seine Stellung war damals so, daß man deutlich den ganzen Schneekreis, der den Südpol des Gestirns umgiebt, sehen konnte. Die Aegqugtorkalgegend ist von einem breiten grünlichen Gürtel umgeben, der tiefe Buchten in die beiden Kontinente macht. Er wurde und wird noch heute als Ozean an— gesehen, wie die Punkte auf ihm wohl Juseln sind. Diese Punkte haben wenigstens dieselbe röthliche Färbung, wie die beiden Ländermassen nördlich und südlich der großen Wassermassen. W. G. Ein seltsames Bild findet sich in dem Augsburger Dom. Auf dem— selben ist Frau Noah in reicher orientalischer Tracht, einen Bologneser Hund auf dem Arme, dargestellt. Ihr zur Seite findet sich ein Papagei und die Taube mit dem Oelblatt. W. G. Paganini. Als derselbe im Jahre 1830 aus Bremen, wo er einige Konzerte gegeben, abreiste, las man in einem der dortigen Blätter folgenden Nachruf: „Paganini, lebe wohl! Uns're Ohren sind von Deinen Tönen, Deine Taschen sind von unserm Gelde voll!“ 9 296. Silben-Räthsel. Aus nachstehenden Silben: a ard aus be bé ber cag cent chel co de den di doh du e e e ei el ent fant fon go graf hal hard ho hum i il in in ir kat la la laa lan land lau le le le lei li li lj ling lith low na nat ne ni ni no o or per pha pi ra rac ri ri ri ro rung sa saib sal schu sen 80 tas ter to tus us va ve vri wa woh zam zeh 21 sind fünfunddreißig Worte zu bilden, deren Anfangs- und Enbuchstaben, von oben nach unten gelesen, den Namen eines Dichters, eines seiner Werke und einen bekannten Ausspruch in demselben ergeben. Die fünfunddreißig Worte bezeichnen: 1. Einen Gott der Römer. 2. Eine Stadt in Frankreich. 3. Ein Mineral. 4. Ein Metall. 5. Einen Vogel. 6. Einen aaa Maler. 7. Einen Hügelzug im Kanton Zürich. 8. Einen altgermanischen Richter. 9. Eine Stadt in Deutschland. 10. Ein Familienmitglied. 11. Eine geist⸗ liche Kleidung. 12. Einen deutschen Komponisten. 13. Einen Lachefisch. 14. Eine Stadt in Sardinien. 15. Den Namen eines Papstes. 16. Den Titel eines Prinzen. 17. Eine Insel. 18. Einen Alterthumsfors cher. 19. Einen weiblichen Vornamen. 20. Ein Dorf in Ungarn. 21. Eine Stadt in Schlesien. 22. Eine Krankheit. 23. Eine französische Dichterin. 24. Eine Stadt in Holland. 25. Einen männlichen Vornamen. 26. Einen der zwölf kleinen Propheten. 27. Einen See in der italienischen Provinz Foggia. 28. Eine Stadt in 1 Asien. 29. Einen männlichen Vornamen. 30. Einen Historienmaler. Name eines regulären Heeres. 32. Ein russisches Grafengeschlecht. 33. Einen italienischen Dichter. 34. Ein Musikwerk. 35. Einen berühmten Schauspieler. Magisches Quadrat. Aus den nachfolgenden Buchstaben: A E E E F N N N 8 8 N sind vier Worte zu bilden und so zu ordnen, daß dieselben, von oben nach unten und von links nach rechts gelesen, in den korrespondirenden Reihen gleiche Worte ergeben und zwar: 1. Eine Stadt in Oesterreich. 2. Einen Fluß in Deutschland. 3. Einen biblischen Namen. 4. Eine Zahl. Homonym. Ein mächtig Wesen in der Vorwelt Zeiten Nennt dir mein kurzes Räthselwort, Doch jetzt pflegt man es zu bereiten Nur aus Papier und findet's hier und dort. Mein Dasein dank' ich einem kleinen Thiere, Du schmückest dich mit mir, besteigest mich, Und ob ich durch die Zeit auch wohl verliere, Belehr' ich über manches Wicht'ge dich. Ich habe Blätter, Fäden, Spitzen, Auch fehlt mir weder Fuß noch Hand; Du kannst die Erd' in mir besitzen, Und kannst mich tragen als Gewand. Auflösung des Arithmogriph in voriger Nummer: . Aegypten. 2. Lenormand. 3. Piccolomini. 4. Natrium. 7. Schubert. 8. Eiderente. 9. Darwin. 681 12. Deborah. 13. Elisabeth. Harfe. Räthsels: ENS H A M I K UN IAR r N B 1D Alphonse Daudet. 5. Orbe. 10. Attinghausen. . 14 Tegernsee;— des Logogriph: Zahnen— Ahnen;— der Zweisilbigen Charade: Mailand;— des Kreuz— ) Eine Neuerung, welche Saler hier abermals statt der bekannten Fortsetzung Les 3 oder d7— ds nebst gs und Lr wählt. Anwendun nebst Dh: zc. oder 17) fel 8f4 18) Df3 1 droht: f1Def nebst Log und Tel Matt. genden immer entscheidenden Fortsetzung: 20) Kg2: LI3f 21) Kg, Db 22) Des 2) dtel Db: und Schwarz gewinnt noch einen Offizier, resp 21) Khg bf: mit doby Mattdrohung; spielt endlich 590 85 K gi, 15 führt, wie Herr Schallopp uns 8 dag Thurmopfer auf e4 zum Ziel, z. B. 21) Dg2 25) Kf4 Df2l ꝛc., es 9 22 23) oder 21) Sag Te? 22) dd Las: nebst DIG ꝛc. De7(oder ds) das Matt noch durch das Opfer des Springers[Darf und Sbö] abzu wenden war. Turnieres ausgesetzte Preis von zwei Guineen zuerkannt. 3) Dds resp. es Matt.— Hübsch und nicht ohne 8 8 Schwäche lie, 1 er einzügigen Mattdrohung(Des).— Angegeben von F. Ost 9 10 0 Dr. Nimmt Schwarz alsdann den Bauern da mit dem Thurm, so folgt Le2 und der Damen. tausch 1 erzwungen. Schach Problem Nr. 410 von J. Hintzpeter in Siegen. Schwarz. ,, . f, 7 4 f 1 25 8220 13 8 22— 22892 , * 3 2 2 2 1„ 2* 3 5 14 225 8 N Weiß zieht an und setzt mit dem vierten Zuge Matt. Partie Nr. 234, gespielt im Meisterturnier zu London 1886. Weiß: Gunsberg. Schwarz: E. Schallopp. 2—e4 7 eb 23) Tel-el Dbé-—fEl 0 5 18 Weiß giebt die Partie auf. 5 5 908 5) Stellung nach w e von Schwarz. h2—hb42) 166 Lbö— ad h7—h5 Lol- g5 Se g6 (2-03 Dds—b6 Balases 47 db) e4- dõ: Les-g 06 ff 1998 1 21 72 06-b 8b, 4 25 155 8 2 5 551 424 eß— ed 15— 51 810 40.„ N LG e5 96—e5:. 5 De2—eöf LIS dé 1 8 2 De5—e4 Ths—es 5,* Ded—adé) 13—g2:“) ITfl—els) Da- b d3-d) Ld6—f4 Sb1— a3 Lg4—f31 2) 1 5 5 ahbe weniger stark als ber Zug Scz, den Lipschütz hier gegen Schallopp in rachte. 7 3) Kühn und elegant! 4) Der richtige Zug war Ldi, wodurch das Vorgehen des e-Bauern verhindert wurd Auch auf Us: wurde der ange N z. B. 16) g. DIE: 17) Des: 81 6) Des hatte gleichfalls 8—g2: zur 2 5 ghabt, 7 7) Sehr hübsch! Weiß darf nun die Dame nicht nehmen, weil Matt in drei 38g 8) Gegen Kg: hätte Schwarz das Läufer opfer auf sa in Betracht gezogen mit der 14. Tel 22) de Lbzf 2) Kb; Dfl: 24) K jedoch auch etwas weniger elegant wie folgt: 21) Tdi(oder ei)— nicht dg—de wegen Dal: und 786 Matt oder„ 7867 ⁊Kfi Lhi2 24) Keil Thi 25) Kdz Dhéf! und Matt im nächsten 9) Der Springer konnte nicht entwickelt werden, denn 21) Sd 0 22) Seil 7 1c. ö 10) Durchaus entscheidend! es droht Lb 2 nebst Dhazt und Db1 Matt, während auf Für diese 9 75 wurde Herrn Schallopp der für die brillanteste Partie des ganzen Problem Nr. 404.1 von W. Kron in Beeck. 1) Sc3—e2 Ld3—e2: 2) d2—d4f c04- ds:(Kdd, Lda:) 3) f(Lbꝛ, Des)f Varianten: 1).. Les: 2)(3 ff Kf5(da) 3) Dd7(as) Matt. 1) en in G., H. Michaelis in Th, Wehrmeister in M., Dr. Völkel in S⸗M. und J. Hintzpeter in S. 8 Druck und Verlag der„Volks-Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105.