S F zu den Ouhrrhessischen Uachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den 10. Oktober. Don Gesualdo. Von Ouida, deutsch von Arthur Roehl. (Fortsetzung.) Der Verwalter von Marca wohnte in dem Erdgeschoß des großen Schlosses in hohen Freskengemächern mit gewölbten und vergoldeten Decken, geschnitzten Thüren und Damastvorhängen, in denen Motten und Mäuse ihr Wesen trieben. Sein schmales Eisenbett, sein Fichtentisch und seine Fichtenstühle wollten wenig in diese einst so glanzvollen Hallen passen, doch daran dachte er nicht. Er fühlte sich wohl an dem Ort und alle seine Gedanken galten nur seiner Liebe, dem Weibe Tasso Tassilo's. Von den Terrassen der Villa konnte er die Mühle eine Viertelstunde weiter unten am Fluß sehen, und er spähte in den kurzen Sommernächten oft stundenlang nach den Lichtern darinnen. Er war ein junger Mann von fünfundzwanzig Jahren und leidenschaftlich verliebt. Seine Liebe besaß die ganze Gluth einer verbotenen Passion. Er war blond und blauäugig, schön und hochgewachsen. Von Charakter war er nicht besser und nicht schlechter als die meisten Männer seines Alters, doch als Verwalter war er ziemlich ehrlich und als Liebhaber vollständig aufrichtig. Er ging mit raschem Schritt in die Halle, seinen Gast aufzusuchen, er glaubte, der Pfarrer wäre gekommen wegen Blumen zum Peter-Paulsfest zum morgigen Tag; denn obgleich das Schloß sonst vollkommen vernachlässigt, waren die Gärten doch reich an Blumen, die weiter keiner Pflege bedurften, wie zum Beispiel Lilien, Rosen, Oleander und Magnolien. „Guten Abend, Ehrwürden, was verschafft wir die Ehre?“ sagte er so, wie er auf Gesualdo zutrat.„Kann ich irgend etwas für Sie thun? ich stehe zu Diensten.“ Gesualdo sah ihn aufmerksam an. Er hatte den jungen Menschen früher nur oberflächlich an sich vorbeireiten und in der Messe gesehen. „Ich komme, um mit Ihnen über Generosa Fu, Tassilo's Frau zu sprechen.“ Der junge Verwalter erröthete, stutzte und schwieg. „Sie liebt Sie,“ sagte Gesualdo einfach. Falko Melegari machte eine Geste, als wollte er sagen, daß er dies weder leugnen noch bestätigen konnte. „Sie liebt Sie,“ meinte Gesualdo wieder. Des jungen Mannes Mund umspielte jenes leichte Lächeln, das unbewußt das Bewußtsein der Eroberung ausdrückt. „Doch nicht so heiß wie ich sie,“ ließ er sich von seiner Leiden— schaft hinreißen. Gesualdo runzelte die Stirn. „Sie ist aber die Frau eines anderen Mannes,“ sagte er vor— wurfsvoll. Falko Melegari zuckte die Achseln. Das schien ihm gleichgültig. Wie soll das enden?“ meinte der Priester. 2 Der Andere lächelte. „Dergleichen Dinge haben alle ein und dasselbe Ende.“ Gesualdo fuhr zurück, als hätte ihn Jemand geschlagen. „Ich komme, Sie zu ersuchen, Marca zu verlassen,“ sagte er einfach. Der junge Mann starrte ihn an, dann lachte er ärgerlich. „Lieber Herr Pfarrer,“ antwortete er ungeduldig.„Sie sind ja freilich unserer Seelen Hüter. Hat Tassilo Sie abgesandt?“ „Es hat mich keiner abgesandt.“ „Was wollen Sie dann?“ „Sie mahnen, weil, wenn Sie nicht gehen, ein Unglück un⸗ ausbleiblich ist. Tasso Tassilo ist nicht der Mann, sich ungestraft betrügen zu lassen. Ich kenne Generosa von Kindheit auf, wir sind beide in demselben Ort geboren. Sie ist eine warme Natur, aber keine tiefe; und wenn Sie fortziehen, wird sie Sie bald vergessen haben. Tasso Tassilo ist ein rauher Mann, der sein Weib aber liebt, dem Generosa alles verdankt was sie hat, der ein hohes Recht auf ihre Dankbarkeit besitzt, denn er hat sich gegen sie liebevoll und großmüthig benommen. Sie aber sind ein Fremder. Sie werden mit Leichtigkeit überall wo anders eine neue Liebschaft anbändeln können. Warum wollen Sie nicht fort? Wenn Sie jene Frau wirklich liebten, würden Sie es thun.“ Falko lachte.„Theurer Don Gesualdo, Sie sind ein heiliger Mann, aber Sie haben von Liebe keinen Begriff.“ Gesualda fuhr wieder etwas zurück. Das war das zweite Mal, daß ihm dies an dem Abend gesagt wurde. „Ist das Liebe,“ sagte er nach einer Pause,„das Leben der Geliebten der Rache ihres Mannes auszusetzen? Ich sagte Ihnen schon, Tassilo ist nicht der Mann, ruhig eine Beschimpfung hin— zunehmen.“ „Was geht mich Tassilo an?“ meinte der junge Verwalter trotzig. Wenn er es wagt, ein Haar auf ihrem Haupt zu krümmen, soll 2 er durch meine Hand tausendfach des Todes sterben.“ „Das sind alles nur Worte,“ versetzte Gesualdo.„Man kann nicht ein Verbrechen mit einem anderen wieder gut machen, und Sie können auch eine Frau vor ihres Mannes gerechter Rache nicht schützen. Nur auf einem einzigen Wege können Sie Generosa aus der Gefahr retten, in der sie schwebt. Sie müssen fort!“ „Wenn dies Schloß von selber mitgeht,“ sagte Falko,„nicht eher! Fortgehen— ich!“ wiederholte er ingrimmig.„Ich— fort⸗ laufen wie eine Memme vor Tassilo's Wuth? Generosa allein lassen, daß sie mir flucht, und mich einen treulosen Feigling schimpft! Was? Ich— fortgehen, wenn all' das Licht meines Lebens und meiner Seele und all' das Licht meiner Augen in Marca ist? Don Gesualdo, Sie sind ein frommer, guter Herr, aber Ihr Ansinnen ist N. e —— 2322 toll. Sie müssen meine dreisten Worte verzeihen. Ihr Verlangen hat mich ganz aus dem Häuschen gebracht.“ „Glauben Sie denn an gar keine Pflicht?“ „Ich glaube an die Pflicht eines jeden ehrlich Liebenden,“ meinte Falko mit Heftigkeit,„und diese Pflicht ist, alles zu thun, was die Geliebte wünscht. Sie aber ist an einen Bauer gefesselt, sie ist unglücklich, sie hat nicht einmal Kinder, die ihr Trost brächten, sie gleicht einer schönen, in einem Keller verschlossenen Blume und sie liebt mich— mich— und da heißen Sie mich gehen! Nein, Don Gesualdo, bleiben Sie nur bei Ihrer Kirche und mischen Sie sich nicht in die Liebeshändel Anderer hinein! Was verstehen Sie auch davon? Verzeihen Sie mir, wenn ich ausfallend bin. Sie sind ein heiliger Mann, aber vom Verhältniß von Mann und Frau zu einander verstehen Sie nichts.“ „Davon verstehe ich allerdings wohl nicht viel,“ gab Gesualdo leise zu. Er war niedergeschlagen und eingeschüchtert. Er spürte nur zu sehr seine vollkommene Unkenntniß von des Lebens Passionen. Dieser Mann, der ihm fast gleichaltrig, doch so voller Kraft und Feuer, Indignation und Stolz in dem Bewußtsein war, geliebt zu werden, erschreckte ihn mit einem Gefühl von Kraft und Triumph, das er selbst nicht recht begriff und um das er ihn eigentlich beneidete. Es war allerdings, sagte er zu sich, eine Sünde, aber es lag doch Leben, Stärke und Männlichkeit darin. seichten Wasser aufhielt. Die Mühle stand unten im Wasser, ein massiver, in alten Tagen errichteter Bau, die großen schwarzen Räder waren zur Ruhe gezwungen. Die Maulthiere stampften und kauten in ihren Ställen, sie standen müßig wie die Mühle. Für die nächsten zwei bis drei Monate war voraussichtlich nichts in der Mühle zu thun, es sei denn, ein Sturm müßte kommen und Hochwasser bringen. Der Muller könnte seinem Leid um so eher nachhängen, dachte Gesualdo bei sich. Wie Gesualdo an den niedrigen Mühlenfenstern vorbeikam, die mit Eisengittern gegen Diebeseinbruch geschützt waren, konnte er den Innenraum, der von einer Oellampe erleuchtet war, sehen und durch die offenen Jalousieen drangen laute, wild erregte Stimmen in die heilige Stille der Nacht heraus. Die Gestalt Generosa's stand dicht am Fenster, hinter ihr schien das Licht. Sie war in höchster Wuth. Ihre Augen sprühten wie der Blitz des Gebirges; und ihre schönen Arme hielt sie unter leidenschaftlichen Verwünschungen hoch in die Luft. Tasso Tassilo schien für den Augenblick unter diesem Regen flammender Worte niedergeschmettert. Sein Gesicht, auf welches voll das Licht fiel, war entstellt von wilder, ohnmächtiger Wuth, von Gier und Eifersucht. Man brauchte ihre Worte nicht zu hören, um zu wissen, daß sie ihn mit ihrer Liebe zu Falko Melegari höhnte. Gesualdo war ein schwacher und zaghafter Mann. Doch hier zögerte er nur einen Augenblick. Er drückte die Klinke der Hausthür hinunter und trat stracks in die Küche der Mühle e — hinein. „Im Namen Jesu Christi Ruhe!“ sagte er zu ihnen und machte das Zeichen des Kreuzes. Die Wortfluth staute auf den Lippen der jungen Frau. Der Müller brummte etwas, trat aus dem Licht und blieb stumm. Er war gekommen, diesen starrsinnigen Verliebten zu schelten, zu tadeln und zur Reue zu führen und nun stand er, der Priester, vor jenem, schwach und bedrückt von einem Gefühl seiner eigenen kindlichen Unwissenheit. Alle die Argumente, die ihm sein Glauben 1 eingab, schienen ihm selber ohnmächtig und nichtig. 1 Dieser Mann und diese Frau liebten einander und sie scheerten„Halten Sie so das Gelübde, das Sie dem Himmel und sich ö sich um nichts anderes im Himmel und auf Erden. Er verließ geleistet?“ sagte Gesualdo. Die Gluth der Scham trat auf das Gesicht der Frau; der Mann zog seinen Hut tiefer über die Augen und ging still aus der Küche hinaus. Der Sieg war leichter gewesen, als es der Ruhestifter selbst erwartet hatte. Und doch, was nützte es, dachte er. Sie waren 01. nur still aus Respekt vor ihm. Sobald er fort war, würden sie „Der arme Tropf, er meinte es gut,“ dachte der Verwalter, von neuem hadern. Konnte er ihren Sinn nicht ändern, so hatte 1 schweigend nur mit einer Geste des Lebewohl-Grußes das Schloß. wie er die dunkle, schlanke Gestalt des Priesters durch die Reben und Maulbeerbäume sich entfernen sah. Der junge Mensch war nicht gerade übermäßig für die Kirche eingenommen, wenngleich er sich ab und zu bei der Messe sehen ließ und zu den Festtagen Blumen für den Altar sandte, weil es einmal so Sitte war. Gleich— wohl hatte ihn der Pfarrer bewegt. Die Schlichtheit, die Unweltlichkeit und der Freimuth des Mannes forderten seinen Respekt heraus, und er sagte es sich in seinem geheimsten Inneren, daß der Parrvero, wie er ihn nannte, eigentlich mit allem, was er gesagt, Recht gehabt. Gesualdo selber ging seinen einsamen Weg weiter, müde schritten seine Füße über das staubige Gras des Wegrandes. Es war ihm nicht gelungen, Gutes zu stiften. Er fühlte sich hilflos vor der Kraft und der Ueberstürzung einer sündigen, ihm unverständlichen Leidenschaft, wie er es sich einst vor einem Waldfeuer gefühlt, das er in den Marken gesehen. Seine Kirchenbücher ertheilten ihm Lehren genug über die Sünden des Fleisches und die Versuchungen des Teufels, doch keine davon schien ihm auszureichen vor dieser gesetzlosen, gottlosen Liebe. Er ging langsam und müde an dem Flusse entlang; ein Gefühl von etwas, was er stets entbehrt, was er ewig entbehren würde, ging mit ihm. Es war jetzt vollkommen dunkel. Gesualdo liebte es, sich spät Abends zu ergehen, dann war alles friedvoll, zum wenigsten schien es so. Man sah nicht die Schnitte an den gekappten Bäumen, nicht die Klippen an den sonnenverbrannten Bergwänden, nicht die Wunden an des Maulthiers Lenden, nicht die blutunterlaufenen Augen der Zugochsen, noch den Kropf des sich im Staube wälzenden Kindes. Die Nacht, der Träume holder Freund, warf ihren sanften Schleier über alles Leid und gab selbst dem Staub der Straße das Aussehen eines silberigen Pfades zu einem himmlischen Thron. So schritt er hin durch die balsamische Nacht. Er folgte dem Lauf des Flusses, der, in dieser Jahreszeit ein schmaler Wasser— streifen, in seinem Sand- und Geröllbett unter dem Mondschein glitzerte. Er mußte auf seinem Rückweg an der Mühle vorbei. Er sah die Stelle des Wehres, die in dem Dunkel von Laternen gekennzeichnet ward, die an einem von Ufer zu Ufer gezogenen es auch keinen Zweck, ihre Lippen für eine Stunde zu zügeln. Wilder, glühender Haß beseelte die Eine, eine tyrannische, gierige, unbefriedigte Liebe lenkte den Anderen. Wie war ein Frieden bei so widersprechenden Elementen möglich? Gesualdo machte die Holzläden der Fenster zu, damit Andere nicht, wie er es gethan, in die Mühle hineinsehen kennten, dann suchte er seine alte Spielgefährtin zu beruhigen, deren sich hebender Busen und brennende Wangen von keinem Vorüberziehen des Ge— witters sprachen. Er redete ihr zu mit all' der Weisheit, die er aus dem Studium der Kirchenväterlehren geschöpft und mit dem weitaus wirkungsvoller scheinenden sichtlich innigen Wunsch, sie vor sich selber zu retten. Sie war vollständig im Unrecht, und er suchte das Ge— fahrvolle und das Verhängnißvolle ihrer Wege zu erkennen zu geben; aber er mühte sich umsonst. Sie hatte jenes rückschtslose, heftige, vergnügungssüchtige, glühende und tief selbstische Temperament, das nur seinen eigenen augenblicklichen Gewinn, nur sein eigenes augen— blickliches Begehren berücksichtigt. Als er an ihr Gewissen appellirte und ihr die Gefahr zeigte, die sie auf das Haupt eines Mannes heraufbeschwor, den sie vorgab zu lieben, lachte sie beinahe auf. „Er wäre ein rechter Wicht,“ meinte sie stolz,„wollte ihn nicht jede Gefahr, der er sich um mich aussetzt, freuen.“ Gesualdo sah ihr voll in die Augen. „Du weißt doch, daß dies Verhältniß mit dem Tode des Einen oder des anderen enden muß. Meinst Du, daß Du Dir deswegen keinerlei Gedanken machen würdest?“ „Ich könnte nicht dafür,“ erklärte Generosa einfach. Er sah, ihrer Eitelkeit schmeichelte sogar der Gedanke, daß um sie Blut fließen könnte. f Er blieb eine ganze Stunde und noch länger bei ihr, ein jedes Argument erschöpfend, das ihm sein Glaube und seine Sympathie gegen diese sündhafte Liebe eingab; indeß er wußte, daß er seine Worte nutzlos an sie verschwendete. Sie war ihm dankbar als Freund, und andererseits hatte sie auch eine gewisse heilige Scheu vor der gewaltigen, unfaßbaren Macht, die er ihr gegenüber vertrat, aber sie haßte einmal ihren Gatten und betete ihren Liebhaber an. Von diesen beiden Extremen der Leidenschaft konnte er sie nicht ab⸗ 8 8 e P W —— Seil hingen, jeden Fisch anzulocken, der sich vielleicht noch in dem 9 — — 0 8 I bringen. Er verließ sie mit Bangigkeit und einem schmerzlichen macht; es hätte Keiner auch nur die Hand ausgestreckt, ihn in den Gefühl seiner Ohnmacht. Sie versprach ihm, daß sie Tassilo an Schatten zu ziehen. dem Abend nicht mehr herausfordern wollte. Dieses Versprechen Gesualdo war nur ein schwächlicher Mensch. Er hatte stets war das einzige, was er von ihr zu erlangen vermochte. Es war lange und häufig gefastet und war überhaupt von Geburt an nie 0 spät, als er die Mühle verließ. Er fürchtete, Candida würde über recht kräftig gewesen. Doch Indignation, Mitleid und Entsetzen I sein ungewöhnlich langes Ausbleiben in Angst gerathen, und er be- liehen ihm für den Augenblick eine seltsame Kraft. Er bückte sich, sschleunigte seine Schritte nach dem Dorf zu, das weiß und einsam hob den Leichnam in seine Arme und trug ihn strauchelnd unter unter dem Hochsommer⸗Mond dalag. Er hatte so geringen Einfluß, seiner Last die paar Ruthen fort, die den Ort, wo er gefunden, ö so wenig Ueberredungskraft, eine so schwache Warnungsstimme, daß von der Kirche und dem Pfarrhaus trennten. 11 er fürchtete, seines Berufes unwürdig zu sein. Das Volk sah in Verwunderung zu.„Das ist gesetzwidrig,“ 11.„Ich hätte eher in's Kloster gepaßt,“ dachte er betrübt bei sich, murmelten sie, doch sie erhoben weiter keinen thatsächlichen Ein— 1„ich besitze den Schlüssel zu Menschenherzen nicht spruch. So trug Gesualdo, nur von der Stimme seiner alten Haus— 1 g So schritt er im Mondschein fürbaß, und das Pfarrhaus er- hälterin gewarnt, seine Bürde in sein Haus und legte sie mit Ehr— 191 reichend, ging er geräuschlos die Treppe zu seinem Zimmer hinauf, furcht auf die Ruhebank in der Sakristei. Er war erschöpft von 1 froh, daß die Stimme seiner Haushälterin ihn nicht aus der Dunkel- seinem Beginnen, die Beine wankten ihm, der Schweiß tropfte von I heit anrief. Er schlief nur wenig die Nacht und stand, wie es seiner Stirn. Die weißen Seiden- und Goldstickereien seines Chor— i 1 seine Gewohnheit war, mit Tagesanbruch auf. rockes waren von dem geronnenen Blute befleckt, das aus der Wunde 8 Es war noch dunkel, als die Kirchenglocke über seinem Haupt des Ermordeten geflossen war. Aber er achtete auch darauf nicht, . 1 zur ersten Messe läutete. er hörte nicht die Klagerufe Candida's, die das schöne so übel zu— 1 Es war der Peter-Pauls-Tag. Nur wenige Leute kamen zur gerichtete Ornat bejammerte, noch hörte er das laute Geschwatze des 10 Frühmesse. Ein paar Bauern, die den Tag ungestört für sich haben[Volkes, das sich gleichfalls mit in die Sakristei hineingedrängt hatte. 9 wollten; ein paar Bäuerinnen, regsame Hausfrauen, die zeitig auf[Er stand und blickte nieder auf die arme, staubige, steife Leiche und . waren; Candida, sonst keiner; das liebliche Morgenlicht strömte kühl dachte bei sich nur in stillem Schrecken:„Ist das ihr Werk!“ und rosig herein. Lilien und Rosen schmückten den Altar, rothe In seiner Seele hatte er keinen Zweifel. f Vorhänge das Portal, und die Nachtigallen schlugen in der wilden Candida zupfte ihn von neuem an seinen Kleidern. Rosenhecke und sangen in die monotonen lateinischen Recitative hinein.„Das Ornat, das Ornat! Sie werden es noch ganz ruiniren! i Die Messe war gerade aus, als sich von draußen ein seltsames Legen Sie es wenigstens ab!“ Lärmen hören ließ. Es waren die wilden, heiseren entsetzten Rufe Er stieß sie von sich mit einer hoheitsvollen Geste, dann wies . eines ganzen Haufens von Menschen, die alle durcheinander schrieen, er die Leute zurück an die offene Thür. 1 zeterten und fluchten. Die knieenden Bauern und Bäuerinnen„Ich werde bei ihm wachen, bis die Polizei kommt,“ sagte er. 9 3 sprangen auf und stürzten an die Thür in festem Glauben, die Erde„Gehen Sie und holen Sie seine Frau!“ müßte sich aufgethan haben. Gesualdo kam vom Altar herunter Dann sprengte er Weihwasser über den Leichnam und kniete 19 und versuchte sie zu beruhigen, doch sie achteten nicht auf ihn, und neben demselben nieder und betete. er folgte ihnen. Das ganze Dorf schien draußen zu sein. Die Menge wunderte sich höchlichst über sein Gebahren. Warum 113„Was ist los?“ fragte Gesualdo. war er so still und so kalt, und warum schien er so niedergeschlagen 1 4 Ein paar Stimmen antworteten ihm:„Tasso Tassilo ist ermordet!“[und betroffen? Hätte er geschrien und gewirthschaftet, wäre er 4 Gesualdo schrie leicht auf und lehnte sich gegen den Stamm zwecklos von einer Himmelsrichtung zur anderen gelaufen und hätte 1 eines Cypressenbaumes, um nicht umzusinken. Was hatten nun alle dabei die Leiche ruhig in den Rohrgebüschen liegen lassen, so hätte fi seine Mahnungen am Abend vorher genützt? er sich nach ihrer Ansicht natürlicher benommen. Im übrigen blieben Der Gemordete war unter den Rohrgebüschen an der Wegseite sie fast sämmtlich halb erschreckt halb ingrimmig vor der Hausthür 1 9 kaum eine Ruthe von der Kirche ab gefunden worden. Das auf- stehen. Ein Paar nur liefen eiligst nach der Mühle, um die Kunde 1 1 fällige Schnüffeln eines Hundes hatte die Entdeckung des Leichnams[von dem Geschehenen dorthin zu tragen. 6 e herbeigeführt. Er konnte erst ein paar Stunden todt sein und war Der Morgen verwandelte sich in den hellen Tag. Gesualdo 9 N augenscheinlich mit einem Messer erstochen worden, das ihm unter stand von seinen Knieen auf, ließ sich von seinem Küster Leinen— a K die linke Schulter eingedrungen und bis in's Herz gegangen war. zeug bringen und legte es über den Leichnam, um die Fliegen und 9 „ Die Aufregung unter den Leuten war unbeschreiblich, das Lärmen[die Mücken von ihrem grausigen Tummelplatz fern zu halten. Kein 9 k betäubend. Einer, der sich seine Ruhe und seinen Verstand noch Vertreter des Gesetzes erschien. Die Boten kamen zurück. Das 1 3 ein wenig erhalten hatte, hatte nach den Carabiniers geschickt, doch Stationshaus war in der Frühe geschlossen worden und die Ca— 1 1 ihre Station war über eine halbe Meile fort, und sie waren noch[ rabiniers waren fort. Es ließ sich weiter nichts thun als warten. 1 „ ünicht gekommen. Inzwischen blieb der Todte auf seinem Platze Die Dorfbewohner standen und saßen umher auf dem gepflasterten 1 1 liegen, Alles hatte Furcht, ihn zu berühren. Hof und auf der Straße unter den Cypressen. Eines derartigen N„Weiß seine Frau?“ fragte Gesualdo mit einer seltsamen, heiseren Falles konnten sie sich in ihrem ganzen Leben nicht erinnern. Sie 9 6 Stimme. ließen sich Brod holen und aßen, während sie das Geschehniß be— 9 „„Seine Frau wird sich nicht übermäßig grämen,“ antwortete sprachen. b 1 e Einer aus der Menge, und man lachte mit einem von der Nähe„Wollen Sie nicht auch Ihr Fasten brechen?“ meinte Candida 19 3 des Todes und des Priesters etwas gedämpften Lachen. zu Gesualdo.„Mit Hungern werden Sie ihn auch nicht mehr ins 10 Gesualdo hielt mit einem Schauder des Abscheus seine Hand Leben zurückrufen.“ 9 1 zurechtweisend hoch, dann beugte er sich über den Leichnam zwischen Gesualdo machte eine ablehnende Geste. 4 ö dem Rohr. Sein Mund war trocken, seine Kehle schnürte sich ihm zu. Er 1 „Tragen Sie ihn in die Sakristei,“ sagte er zu den ihm zu⸗ blickte flimmernden Auges auf die weiße Straße nach Generosa 1 . nächst stehenden Männern,„daß er nicht wie ein unreines Thier[hinaus. Wäre sie schuldig, würde sie nimmer kommen, dachte er, 1 1 an der Wegseite liegt. Gehen Sie, holen Sie eine Hürde, ein sich den Todten anzusehen. l 1 Laken, irgend Etwas.“ Bald jedoch ward er ihrer ansichtig, wie sie geschwinden Schrittes, 0 Aber keiner von den Bauern rührte sich. 155 mit fliegenden Kleidern und baarhaupt unter den Cypressen daher—* t„Wenn wir ihn anfassen, werden sie uns seines Mordes be- kam. Sie war aschfahl, ihr offenes Haar flatterte hinter ihr her. 1 zichtigen,“ murmelten sie durcheinander. Sie hatte eine fieberhafte Nacht zugebracht, ihre Thür vor 1 5„So werde ich ihn hineintragen, Ihr Memmen,“ rief der Priester. ihrem Mann verschlossen und während langer Stunden an dem 1 1„Sie sind in vollem Ornat!“ schrie Candida und zog ihn an Fenster gestanden, von dem aus sie das alte graue mondbeschienene 1 e N seinem Aermel. Schloß sehen konnte, in dem der Geliebte wohnte. Ohne Sinn 1 614 Doch Gesualdo achtete nicht auf sie. Er verscheuchte mit sor-[für die Schönheit der Nacht hatte sie nur für ihre eigene Lage 0 10 samer Hand die Fliegen, die um des Todten Mund zu summen Gedanken. 5 a. 1 0 begannen. Die Fliegen hätten den Todten den ganzen Tag lang Sonst war sie übrigens im Grunde nicht schlecht, wenn auch 1 5 stechen können, aus der Menge hätte sich Keiner etwas daraus ge- schwanken Charakters, und ihr Gewissen sagte es ihr, daß sie un— dankbar gewesen sei gegen einen Mann, der sie am Ende ehrlich geliebt hatte, der ihr alles zur Verfügung gestellt, was er Sein nannte, der sie der Armuth entrissen hatte und niemals unfreundlich zu ihr gewesen, bis sie ihm gerechten Grund zur Reizbarkeit ge— geben. Sie hätte vor keinem Schritt gezögert, der ihr Leben mit dem ihres Liebhabers hätte verbinden können; und doch war sie es sich tief im Grund ihres Herzens bewußt, daß sie unrecht thue, dem alten Mann seine Wohlthaten so mit Falschheit und Tücke zu lohnen. Kurz sie war in jener schwankenden Stimmung, in der eine Frau vor Unglück noch bewahrt werden kann durch Zerstreuungen oder Reisen. Indeß diese Zuflucht existirte für des Müllers junge Frau nicht. So lange ihr Mann lebte, so lange war sie verurtheilt, auch hier zu bleiben bei den ewig plätschernden Rädern und in der Nähe des alten grauen Schlosses, das ihren blondhaarigen Geliebten be— herbergte. Sie hatte die ganze Nacht nach dem Gebäude, in dem er lebte, hinübergeblickt. Und dabei war er augenblicklich nicht einmal da. Er war mit den ersten Stunden des neuen Tages zu einem Korn— markt nach Vendramino aufgebrochen, indeß sie entsann sich enthu— siastisch ihrer Stelldicheins am Rand des niedrigen grünen Flusses, ihrer köstlichen Stunden in den wilden Blumengärten des Schlosses und der einsamen Abende, an denen sie sich hinausgestohlen und in Mais- und Rohrbüschen ängstlich auf seinen Fußtritt gelauscht hatte. Schlaflos und doch müde, müde und doch ruhelos, hatte sie sich auf ihr Bett geworfen, ohne sich auszukleiden, als bereits die Glocken zur ersten Messe über die schattigen Felder hallten. Und endlich verfiel sie in einen schweren Schlaf, in dem sie von dem Geliebten träumte, dabei ihre Hände in die leere Luft hinein nach ihm aus— streckend und wilde und zärtliche Worte ausstoßend. Sie lag noch auf dem Bett, als die Leute der Mühle an die Thür ihres Schlafzimmers kamen und klopften und riefen:„Generosa, Generosa, Padrona! Stehen Sie auf! Der Meister ist ermordet und liegt todt in der Kirche.“ Sie hatte eben von Falko geträumt, und sie glaubte noch seine Küsse auf ihrem Mund zu fühlen, als diese Entsetzensrufe durch die Stille des Morgens drangen. Sie war von ihrem Bett aufgesprungen. Sie hatte sich rasch ihren Anzug etwas geordnet und war, ohne sich von den Knechten und den Nachbarn zurückhalten zu lassen, fliegenden Fußes nach der Kirche gestürzt. „Ist es wahr? Ist es wahr?“ rief sie mit bleichen Lippen Gesualdo zu. Er sah sie mit einem langen, forschenden Blick an, dann zog er ohne ein Wort das Linnen von dem todten Antlitz ihres Gatten und wies darauf hin. Und ohnmächtig fiel sie der Länge nach zu Boden. Die Leute drängten sich um die Thür und beobachteten sie arg— wöhnisch und mitleidslos. Kein einziger von ihnen allen, der in ihr nicht die Mörderin sah. Nur Gesualdo nicht. In dem einen Moment, in dem er ihr in die Augen gesehen, hatte er sich von ihrer Schuldlosigkeit überzeugt. Er rief Candida zu ihr und ver— ließ sie und schloß die Thür vor den neugierigen grausamen, starren— den Augen der Menge draußen. Die Leute murrten. Welches Recht maßte er sich in dieser An— gelegenheit an? Der Mord war für sie ein Fest. Was brachte er sie um den Genuß desselben? „Er weiß, sie ist schuldig,“ murmelten sie,„und er will sie nur schützen und ihr Zeit lassen, sich eine Ausrede auszudenken.“ Bald vernahm man jetzt auch auf der Straße das Trappeln von Pferdehufen, Kettengeklirre und Säbelrasseln drang durch die Morgenluft. Die Carabinieri waren gekommen. Mit ihnen der Syndikus und Polizei-Beamte aus dem Städtchen San Arturo, zu dessen Gerichtsbezirk Marca gehörte. Es herrschte eine gewaltige Aufregung, Räder knirschten im Sande, Staub wallte auf und laute Befehle erschallten. Die Leute wurden in's Verhör gezogen, Protokolle wurden aufgesetzt und aller— hand Vermuthungen und Verdachtsmomente traten zu Tage. (Fortsetzung folgt.) Gedantenlesen. Erzählung nach dem Englischen von Jenny Hirsch. (Schluß.) Hauptmann von Soden, dem sein Versprechen schon halb und halb wieder leid geworden war, erschien etwas verspätet auf der Soirée der Baronin von Olden und war daher erstaunt, die ersten Zimmer, welche er durchschritt, noch ganz leer zu finden. Das Räthsel löste sich ihm jedoch, als er den Hauptsaal betrat. Die ganze Gesellschaft hatte sich hier zusammengedrängt und verfolgte mit gespannter Aufmerksamkeit den Vortrag und die Bewegungen eines auf einem Podium in der Mitte des großen, elegant aus— gestatteten Saales stehenden Herrn im schwarzen Gesellschaftsanzuge nach englischem Schnitt. Haar und Bart waren ebenfalls englisch zugestutzt, auch bediente sich der Herr nur der englischen Sprache und überließ es dem ihm begleitenden Sekretär und Dolmetscher, seine Aussprüche ins Deutsche zu übertragen; dennoch deutete seine Physiognomie wenig auf anglikanischen Ursprung, und auch seine Aussprache und Redewendungen ließen weit eher auf den Amerikaner als auf den Engländer schließen. Es waren jedoch nur wenige in der Versammlung, welche jetzt sich aufgelegt gefühlt hätten, derlei Betrachtungen anzustellen, denn Mr. Barrington hatte bereits staunenswerthe Proben seiner Kunst oder vielmehr seiner geheimnißvollen Begabung gegeben. Er hatte sich schon im»trances befunden und durch seinen Mund den Geist eines indianischen Häuptlings sprechen lassen, der sich leider einer Sprache bedient, die Niemand, selbst nicht der bestellte Dolmetscher, verstand. Jetzt eben war auf sein Geheiß ein anderer Geist be— schäftigt, mittelst eines Schieferstiftes zwischen zwei verdeckte Schiefer— tafeln eine Mittheilung aus der vierten Dimenston niederzuschreiben, welche diesmal glücklicherweise in der Sprache Albions abgegeben war und lautete:„There are more things in heaven and earth, than are dreamt of your philosophy.“ Es blieb zweifelhaft, ob der Geist des großen britischen Dichters oder der des unglücklichen Dänenprinzen zum Stift gegriffen, um den bereits seit einigen Jahrhunderten bekannten Ausspruch als eine neue Wahrheit zu ver— künden, jedenfalls brachte er aber an diesem Orte und in der An— wendung auf den Spiritismus eine sehr große Bewegung hervor. Die Gruppen lösten sich, die Unterhaltung kam in lebhaften Fluß, und Soden gedachte diesen Augenblick zu benutzen, um sich un— bemerkt wieder davonzuschleichen. Nicht eine Minute länger mochte er in einer Gesellschaft bleiben, wo man dem ihm jetzt doppelt und dreifach verhaßten Spiritismus huldigte. Es war zu spät. Frau von Olden hatte ihn bereits bemerkt und eilte ihm mit einer Schnelligkeit entgegen, daß sie Gefahr lief, sich in der Schleppe ihres rothen Sammetkleides zu verwickeln und das mit Spitzen, hellgelben Federn und Diamanten geschmückte Haupt in unsanfte Berührung mit dem spiegelblank gebohnten Parquet kommen zu lassen. „Da sind Sie ja endlich, mein bester Herr Hauptmann!“ rief die kleine, lebhafte Dame, dem jungen Offizier die fette, beringte Hand entgegenstreckend,„ich fürchtete schon, Sie würden ausbleiben, und wir bedürfen Ihrer so nothwendig.“ „Meiner, gnädigste Frau, wie das?“ stammelte Soden in großer Verlegenheit. „Das sollen Sie sogleich hören,“ erwiderte sie, und zog ihn zu dem Podium. „Hier bringe ich Herrn von Soden, Hauptmann im großen Generalstabe, einen tapferen Offizier und gleichzeitig einen Gelehrten, das war es doch, was Sie wünschten, Mr. Barrington?“ rief sie triumphirend. Der Spiritist, der das Deutsche zu verstehen schien, wenn er es auch nicht zu sprechen vermochte, verbeugte sich zustimmend, be— zeichnete dann noch einen jungen Diplomaten und einen Musiker als die nöthigen Glieder, um die Kette zu bilden, und ehe Soden noch recht wußte wie ihm geschehen, befand er sich als Dritter in diesem Kleeblatt neben dem Engländer auf dem Podium. „Rauch, um Gottes Barmherzigkeit willen, erlösen Sie mich, treten Sie für mich ein,“ raunte Soden dem in der Nähe be— findlichen Kameraden zu.„Sie sind es mir schuldig, Sie haben mich in diese Falle gelockt, hätten Sie mir gesagt, was meiner hier wartet—“ . 1 — Jubiläums ⸗Kunstausstellung in Berlin: Aus der Zu spät! Nach dem Oelgemälde von A. von Wahl. 7 7 2326. Er brach ab, denn der Kamerad hatte sich, den Finger auf den Mund drückend, mit lächelndem Kopfschütteln zurückgezogen. Es blieb Soden nichts übrig, als sich in sein Schicksal zu ergeben. „Binden Sie gefälligst dieses Taschentuch so über mein Gesicht, daß die Augen völlig bedeckt sind, aber die Nase frei bleibt,“ gebot Mr. Barrington dem Diplomaten, nachdem er sich versichert, daß sämmtliche drei Herren englisch sprachen und er sich mit ihnen ohne Hilfe des Dolmetschers unterhalten konnte. Der Legationssekretär entledigte sich seiner Aufgabe mit an⸗ erkennenswerther Geschicklichkeit und der Spiritist bat nunmehr den Hauptmann, ihn in die Mitte des Podiums zu führen, und während er seine eine Hand hielt, mit der andern die des Musikers zu er⸗ greifen, welcher die seinge wiederum dem Diplomaten zu reichen hatte. Soden kam sich unsäglich lächerlich vor, als er hier mit den drei anderen Herren in Reih und Glied vor der Gesellschaft stand und überlegte, ob er nicht Rauch fordern sollte, der ihm den Affront angethan und ihn in eine solche Lage gebracht. Das Maß seines Leidens war jedoch noch nicht voll. Mr. Barrington erklärte, die Kette sei noch nicht vollkommen, es fehle noch ein hochwichtiges Element. „Wir bedürfen der weiblichen Kraft, der großen Bewegerin der Welt,“ sagte er mit einem Lächeln, das gewiß bestrickend gewesen wäre, hätte es nicht das Tuch beeinträchtigt;„die drei Herren, welche die Kette bilden, sind blond und braun, mein Haar ist grau, wir brauchen nun noch eine junge Dame mit schwarzem Haar, dunklen Augen, einer weißen Haut und einer hohen Stirn; ist eine solche in der Gesellschaft und könnte sie sich entschließen, zu uns auf das Podium zu kommen und uns zu helfen?“ Hauptmann Soden glaubte schon jetzt einen elektrischen Schlag zu empfinden. Die Beschreibung des Spiritisten paßte ganz genau auf Clarissa von Burg. Hatte jener doch in seinen Gedanken ge— lesen? Er hatte sich soeben im Stillen beglückwünscht, daß die Familie von Burg die Einladung nicht angenommen, was würde Clarissa gesagt haben, hätte sie ihn als Mitwirkenden in einer spiritistischen„Seance“ gesehen! War keine Dame, deren Aussehen der Beschreibung des Engländers entsprach, anwesend, oder waren die Schönheiten mit dunklem Haar und dunklen Augen von besonderer Schüchternheit, es meldete sich keine. „Will keine der Damen zu dem Gelingen unseres interessanten Experimentes beitragen?“ fragte der Spiritist wieder.„Ich sehe dort links in der Ecke, halb verborgen von dem Oleander, eine junge Dame, wie wir sie für unseren Zweck brauchen. Sie trägt ein weißes Kleid mit goldenen Sternen und einen goldenen Stern mit Perlen besetzt im Haar. Kann sie sich nicht entschließen, sich zu uns zu gesellen, und uns ihren fördernden Einfluß zu leihen?“ Sodens Augen folgten unwillkürlich der von dem Spiritisten an⸗ gegebenen Richtung und entdeckten trotz der bedeutenden Entfernung Clarissa von Burg, welche genau in der beschriebenen Toilette neben ihrer Mutter saß. „Sie werden es uns nicht abschlagen, Sie können, Sie dürfen es nicht abschlagen, liebes Fräulein von Burg!“ rief in diesem Augenblicke die Baronin von Olden, die nicht nur mit den Augen, sondern mit ihrer ganzen kleinen beweglichen Person dem ausgestreckten Finger Mr. Barringtons gefolgt war.„Bedenken Sie nur, es ist bis jetzt alles so wundervoll gelungen, wie wollten Sie nun die Schuld auf sich laden, daß gerade das interessanteste Experiment mißglückt? Sie müssen es sein und keine Andere; er hat Sie ganz genau beschrieben trotz der verbundenen Augen. Bitte, sträuben Sie sich nicht länger. „Ich möchte es nicht gern,“ wehrte sich Clarissa. „Es ist ja keine öffentliche Schaustellung, wir sind ganz unter uns, hier in meinem Salon—“ „Kann nichts geschehen, was sich nicht vollständig mit den Ge— setzen der besten Gesellschaft verträgt,“ fiel Frau von Burg ein, die vor Begierde brannte, ihre Tochter vor aller Welt ausgezeichnet zu sehen,„halte die Frau Baronin doch nicht länger durch Deine Zierereien auf, Du hast Dich ja immer so lebhaft für diese Dinge interessirt.“ Clarissa sah ein, daß weiteres Widerstreben nur lächerlich sein würde. Sie erhob sich, Herr von Rauch reichte ihr den Arm und führte sie unter dem Beifallsklatschen der Gesellschaft auf das Podium. Clarissa von Burg und Friedrich von Soden standen einander wieder einmal gegenüber, und zwischen ihnen als blinder Amor sich noch nicht zurechtzufinden. Mr. Barrington. Die beiden jungen Leute wagten nicht, die Augen gegen einander aufzuschlagen. „So, jetzt ist alles in Ordnung,“ sagte der Spiritist.„Ich bitte die beiden Herren Civilisten, mich in den Wintergarten zu führen; der Herr Offizier und das gnädige Fräulein haben die Güte, hier zu bleiben, sich über die Form zu einigen, in welcher das Experiment ausgeführt werden soll und ihre Gedanken ganz fest darauf zu konzentriren.“ Das klang recht gut, war aber für die beiden Betheiligten durch— aus nicht ausführbar. Wie vermochten sie ihre Gedanken auf Frau von Oldens Regenschirm zu konzentriren, der nach Beschluß der Gesellschaft, als der von dem Spiritisten aufzufindende Gegenstand durch Herrn v. Rauch feierlichst mit dem Stiel nach oben, so daß er einen Ballon bildete, an den Kronenleuchter in der Mitte des Saales befestigt ward, während sie nur wenige Schritte von einander ent⸗ fernt standen und sich erinnerten, wann und unter welchen Umständen sie sich zuletzt gesehen. Mr. Barrington wurde wieder hereingeführt und zwischen das Paar gestellt. Er tastete nach der linken Hand der jungen Dame und nach der rechten des Offiziers und führte sie an seine Schläfen. Nach einigen Sekunden ging seine verzückte Miene in eine be— denkliche über. ö „Ich stoße hier auf Sensationen, die einander widerstreiten und bekämpfen,“ sagte er endlich in einem Tone, als sei von den beiden Helfenden eine schwere Sünde verübt worden,„und bitte deshalb Fräulein von Burg, gefälligst aus der Kette zu treten, Herrn Haupt⸗ mann von Soden aber, alle seine Gedanken auf unser Vorhaben zu richten.“ „Es ist wirklich viel mehr an der Sache, als man so oben hin glauben will,“ flüsterte die Baronin Olden ihrer Nachbarin zu,„er nennt das junge Mädchen Fräulein von Burg, und der Name ist nicht ausgesprochen worden.“ „Still, still,“ entgegnete die Angeredete leise, denn der Spiritist war inzwischen mit einem gewaltigen Satze von dem Podium ge— sprungen, den Hauptmann mit einer solchen Kraft nach sich ziehend, daß die Gefahr nahe zu liegen schien, er könne ihm dem Arm aus— reißen. Das Paar umkreiste den Saal, Sessel und Stühle in seinem Laufe umwerfend, niederrennend, was ihm nicht schleunig frei— willig Platz machte; aber vergeblich wartete die Gesellschaft, daß Mr. Barrington seinen Weg nach dem Regenschirm unter dem Kronenleuchter nehmen sollte. Ganz im Gegentheil schleppte er zum allgemeinen Staunen der Versammelten seinen Gefährten in die fernste Ecke des Saales, wohin Clarissa von Burg sich wieder zurück— gezogen hatte— und nun geschah etwas Wunderbares, Unerhörtes. Der Spiritist warf sich, den Hauptmann immer noch eisenfest bei der Hand haltend, vor Clarissa auf's Knie und rief mit dem Tone und der Geberde der höchsten Leidenschaft und— o Wunder!— in deutscher Sprache und mit der Stimme des Hauptmanns von Soden: „Clarissa, mein Herz, mein Alles, vergieb mir! Ich liebe Dich und kann ohne Dich nicht leben!“ Die Baronin von Olden sprang auf und stürzte zu der Gruppe, Frau von Burg that das Gleiche, die ganze Gesellschaft gerieth in Aufruhr und drängte nach der einen Stelle, denn hatte man auch nicht überall genau die Worte verstanden, welche der Spiritist ge— sagt, so waren doch seine Geberden so sprechend gewesen, daß nirgend ein Zweifel darüber aufkommen konnte. Hauptmann von Soden riß seine Hand mit Gewalt aus der des Spiritisten, ergriff ihn bei den Schultern, zwang ihn, sich vom Boden zu erheben und schrie ihm zu:„Herr, wie können Sie sich unterstehen, hier eine Dame zu beleidigen! ich— ich—“ Lieutenant v. Rauch fiel ihm in die Arme und rettete auf diese Weise den unglücklichen Spiritisten vor einer Züchtigung, die ihn um so empfindlicher getroffen haben würde, als er, immer noch mit verbundenen Auzen, mit einer Miene und in einer Haltung dastand, als sei er gewaltsam aus tiefem Schlafe erweckt worden und vermöge Sein Sekretär drängte sich hinzu, umschlang ihn und erzählte ihm in englischer Sprache, was sich zu— getragen hatte. Mr. Barrington's Gesicht verklärte sich. „Ol“ rief er triumphirend,„das ist ein großer Erfolg! Gestehen Sie, mein Herr, ich habe Ihre Gedanken richtig gelesen.“ 327.. „Schweigen Sie, oder ich zerbreche Ihnen jedes Glied Ihres Körpers,“ drohte der Hauptmann, den Rauch noch immer eisenfest hielt, während ein paar Herren aus der Gesellschaft sich schützend vor den Spiritisten drängten. Dieser zeigte jedoch einen anerkennens— werthen Muth; ohne sich einschüchtern zu lassen, fuhr er fort: „Sie leugnen noch, mein Herr von Soden, das ist stark; Sie drohen mir, ich bin ein Gentleman, wissen Sie, und lasse das nicht ungestraft hingehen. Erst zwingen Sie mich, der jungen Dame zu Füßen zu fallen und ihr eine Liebeserklärung zu machen, und nun leugnen Sie den Einfluß und wollen sich an mir vergreifen. Ich stehe zu Diensten, aber nicht hier im Saal, mein Herr.“ Der Spiritist hatte die Binde von den Augen gerissen und stand nun seinerseits mit flammenden Augen vor seinem Gegner, der sich einer gewissen Beschämung wegen seiner Heftigkeit nicht zu erwehren vermochte. Die Situation war auf's höchste gespannt, da fand sie ihre Lösung von einer Seite, von der man dies am wenigsten erwartet hätte; Clarissa von Burg stand auf, näherte sich dem Spiritisten und sagte mit leiser, sanfter Stimme, deren Beben sie vergebens zu bemeistern strebte: „Mr. Barrington, ich muß Sie in meinem Namen und im Namen des Hauptmanns von Soden um Verzeihung bitten, letzterer ist durch den überraschenden Beweis Ihrer hohen Begabung, den Sie uns soeben gegeben, ganz außer sich gebracht worden und hat sich zu Worten hinreißen lassen, die so böse nicht gemeint sind, denn Sie müssen wissen“— hier sah sie dem erstaunten Hauptmann fest und muthig in's Gesicht—„wir sind heimlich mit einander versprochen und es konnte uns nicht angenehm sein, daß Sie das Geheimniß so plötzlich preisgaben; da es aber nun einmal geschehen ist, so fügen wir uns, nicht wahr, Friedrich?“ Sie reichte dem Hauptmann die Hand, welche dieser mit einem Blick voll Liebe und Dankbarkeit an seine Lippen drückte, dann schüttelte er dem Spiritisten die Hand und ließ nun in Gemeinschaft mit Clarissa den Sturm von Freudenbezeugungen, Glückwünschen und Verwunderungen über sich ergehen. Ein Tusch, den die Musik auf einen Wink der Wirthin blies, stellte endlich die Ruhe her, so daß Mr. Barrington das eigentliche Programm des Abends noch ausführen konnte. Die Augen wurden ihm von neuem verbunden und den Musiker leitend, fand er in der That den Regenschirm nach nur ganz kurzem Suchen. Die Baronin von Olden empfing mit glückseligem Lächeln die Glückwünsche zu dem großen Erfolge ihrer Soirée, mochte auch Mancher denken, daß ein Regenschirm, der, an einem Kronenleuchter befestigt, in der Mitte eines Saales hänge, eine ungewöhnliche Er⸗ scheinung sei, und daß der Spiritist, dessen Augen kurze Zeit von der Binde befreit gewesen, dies auch gesehen und seine Schlüsse daraus gezogen haben müsse, so war man doch viel zu höflich, um darauf aufmerksam zu machen— vielleicht auch zu hungrig. Eine Erörterung darüber hätte leicht das ohnehin schon verspätete Abend— essen noch weiter hinausschieben können. Es war kaum noch nöthig, daß die Abendblätter des nächsten Tages die Verlobung des Hauptmannes von Soden mit Clarissa von Burg verkündeten, das Ereigniß und die dasselbe begleitenden Nebenumstände bildeten schon am Morgen nach dem Feste die Unter⸗ haltung nicht blos in den vornehmen Kreisen der Residenz. Otto von Burg, der sich zum Frühstück bei seiner Mutter einfand und daselbst mit dem neuen Schwager zusammentraf, hörte mit Andacht der Schilderung der merkwürdigen Vorgänge zu und bekannte sich ganz zerknirscht für überwunden, als Clarissa ihn triumphirend fragte, ob er den Spiritismus jetzt noch für Humbug erklären wolle. Auch der Hauptmann war in der weichen, glückseligen Stimmung, in welcher er sich befand, nicht aufgelegt, seiner Braut den Widerpart zu halten, ein Blick seines Schwagers, den er auffing, war ihm jedoch eine Erleuchtung; er nahm Otto bei Seite und sagte ihm auf den Kopf zu, wer der eigentliche Gedankenleser gewesen sei. „Bist Du glücklich?“ fragte der Lieutenant statt der Antwort. „Selig!“ erwiderte Soden. „So frage nicht, auf daß Dir nicht das Schicksal des Lohengrin und aller seiner Leidensgefährten werde, die sich durch die unbefugte Neugier um ihre Seligkeit gebracht haben,“ scherzte Otto von Burg. „Aber—“ „Nicht sollst Du mich befragen“,“ sang der Lieutenant und ent⸗ fernte sich eilig. Mr. Barrington hatte großen Zulauf und war während der ganzen Saison der Held des Tages; es gelang ihm aber doch nicht, eine zweite Verlobung zu Stande zu bringen, so sehnlich manche Mutter und Tochter auf seine Beihilfe gehofft hatten; es kommt eben, wie er achselzuckend erklärte, eine solche Konzentration der Gedanken wie bei dem Hauptmann von Soden doch nur äußerst selten vor. Lose Blätter. Zu spät! Der Genremaler A. von Wahl erzählt uns mit dem Pinsel eine gar rührsame Geschichte. Der greise 1 Mann, welcher in zerlumptem Anzuge am Bette seiner entschlafenen Tochter sitzt, wird von der Erkenntuiß zerschmettert, daß er der Gierde nach Gold sein einziges Kind geopfert habe. Während er Schätze sammelte, ließ er sein Haus ver⸗ fallen und veröden, gönnte sich und seinem Kinde nicht die zur Erhaltung der Gesundheit nothwendige Nahrung und opferte dem Moloch des Geizes jede Lebensfreude. Und die Tochter des Geizigen welkte langsam dahin in dem kalten öden Hause, wo der Alte die angesammelten Schätze in festen Koffern und Schränken verbarg. Der Vater sah nicht ihre bleichen Wangen und hohlen Augen, denn er weidete seine Blicke am Funkeln des Goldes, am Blitzen kostbarer Juwelen. Dann aber sank das Kind aufs wie Strohlager und in einer furchtbaren Nacht entführte sie der Tod dem freudlosen Dasein. Als die ersten Strahlen der Morgensonne in das öde Gemach fielen, be⸗ leuchteten sie das bleiche kalte Anklitz der Todten. Nun mit einem Male fiel es wie Schuppen von den Augen des Alten, und er erkannte, wie arg ihn die Leidenschaft des Geizes verblendet hatte. Um des elenden Mammons willen mußte sein Kind freudlos und traurig dahinleben; weil der Vater von niedriger Habgier beherrscht war, mußte die Tochter verkümmern und ins Grab sinken. Und sie war hold aufgeblüht wie eine weiße Rose und hätte seine letzten Lebenstage schmücken und beglücken können. Nun lag sie vor ihm— verwelkt, gebrochen, todt noch vor der Blüthezeit des Lebens. f Nun blieb er zurück in der Welt als ein einsamer trostloser Mann und unter furchtbaren Gewissensqualen, in tiefer Reue hätte er aufschreien mögen: Bleibe bei mir, ich will anders werden; ich will Dich mit Glanz und Luxus umgeben, will Dich hegen und pflegen!— Nun erscheint ihm alles Gold als werthloser Plunder und er streut Pokale und Goldstücke, Ringe und Perlschnüre auf die Erde— sie alle können ihm nicht ein Lächeln, nicht ein versöhnliches Wort des Kindes zurückkaufen. Wie gern würde er jetzt alle Schätze opfern, könnte er die Verlorene wieder damit ins Leben rufen. Mit Verzweiflung im Herzen muß er sich sagen: Zu spät! R. E. Das Pferd ursprünglich auch in Amerika verbreitet. Bis vor Kurzem galt es wenigstens als unzweifelhaft, daß das Pferd nur der alten Welt angehöre, da bei der Entdeckung Amerikas der neue Kontinent sich voll⸗ ständig ohne irgend eine Art der Gattung zeigte und das Pferd den Indianern als ein unerhörtes Wunderthier erschien. Die geologische Forschung hat aber auch diese so allgemein geltende Annahme umgestoßen, ja Sir Charles Lyell hat ihr sogar die Hypothese entgegen gesetzt, daß gerade die neue Welt das Schöpfungecentrum der Pferde gewesen sei, weil sich in Amerika in den Schichten der pliocänen und postpliocänen Zeit, also unmittelbar an der Schwelle der geologischen Gegenwart, fast viermal so viel verschiedene Arten des Pferdes gefunden haben, als in sämmtlichen durchsuchten Schichten des alten Kontinents. Die ersten fossilen Pferdereste aus Nordamerika brachte Beechey von den schlammigen Küsten der Ebenholzbai, wo er sie unter versteinerten Mammuth- und Rinderknochen gefunden. In Südamerika kam Darwin zuerst Pferderesten auf die Spur; dann machte Claussen die Ent⸗ deckung der fossilen Pferdeknochen in den Grotten der Minas Gerges, einem brasilianischen Bergwerkedistrikt, und von nun an bäuften sich die Funde. Vor nicht langer Zeit gab Professor Marsh in der National⸗Akademie von Philadelphia Mittheilungen über Pferdereste, welche nahe der Eisenbahn⸗ station Antilope(unweit Omahas) 21 Meter tief beim Brunnengraben ge⸗ funden worden und aus Theilen des Gangwerks bestanden. Die Rasse kann nicht größer als /, höchstens ¼ Meter gewesen sein, weshalb sie Marsh „Equus parvulus“ benennt und sie als die siebzehnte Species versteinerter amerikanischer Pferde brzeichnet. Lyell meint nun, daß vermuthlich eine Einwanderung des Pferdes von dem amerikanischen nach dem asiatischen Festlande stattgefunden habe und dann später erst das Pferd in Amerika ausgestorben sei. Dies Aussterben in Südamerika erklärt er durch ein in Paraguay vorkommendes Insekt, welches seine Eier in die Nabel frisch ge— borener Pferde, Rinder und Hunde legt und dadurch deren Tod herbeiführt, sodaß diese Thiere sich in der Wildniß nicht fortzupflanzen vermögen. Das erklärt jedoch nicht, warum das Pferd auch in Nordamerika ausgestorben ist A. B. Der Bischof von Worcester, Doktor Hough, besaß ganz ausgezeichnete physikalische Instrumente, unter denen sich auch ein kestbares Barometer befand. Eines Mittags erhielt der würdige und sanfte Geistliche von einem Verwandten Besuch.„Setzen Sie sich, lieber Neffe,“ bemerkte Doktor Hough: „Man bringe doch einen Sessel für Mr. Franois.“ Die Diener 9 0 sich und einer brachte einen Lehnsessel herbei, mit dem er gegen das Baro⸗ meter stieß, daß es herabstürzte. Sogleich ergriff Franois das Wort, um den Diener zu entschuldigen.„Ich weiß,“ begann er,„daß lieber Oheim für das Barometer 300 Guineen gezahlt haben.“„Halt, halt!“ fiel der Bischof ihm in die Rede:„Sprechen wir nicht mehr davon; das Wetter ist bisher sehr trocken gewesen. Wir werden jetzt hoffentlich Regen haben; denn ich habe das Barometer so rasch niemals fallen gesehen.“ W. G. —...... 5 —. —— — 328. Silben-Räthsel. Aus folgenden Silben: a berg chris das de de den den drei du e e e er fam fi graf ho i in ka ket land ler li lu lu mi mit na nan nen no non nor o oc or pa ra re re re ro ro sa ssig sta tav tiv tue tus tha tha ve ven ver vey vol sind einundzwanzig Worte zu bilden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten, und deren Endbuchstaben, von unten nach oben gelesen, den Titel eines Buches, die Art des Inhalts und den Verfasser desselben ergeben. Die einundzwanzig Worte ergeben: 1. Eine Zahl. 2. Das Vaterland des Odysseus. 4. Eine Stadt in der Schweiz. 5. Einen Planeten. 6. Eine Feuerwaffe. 7. Einen Türstentitel. 8. Ein Buchformat. 9. Eine italienische Provinz. 10. Eine Insel im atlantischen Ocean. 11. Einen thebanischen Feldherrn. 12. Residenz eines Inselkönigs. 13. Schloß am Bodensee. 14. Eine Himmelsgegend. 15. Einen Fluß der pyrenäischen Halbinsel. 16. Ein Gestell für astronomische Apparate. 17. Einen Portugiesischen Ritterorden. 18. Eine Farbe. 19. Ein Wort für„ehrlos, verrufen“. 20. Eine bekannte Oper. 21. Eine Silbermünze. 3. Einen Einsiedler. Quadrat-Räthsel. 0 a n 0 755 0 1 a 9 2 H 0 0 0 t u Die freien Felder der vorstehenden Figur sind mit je einem Buch— staben so auszufüllen, daß die sieben wagerechten Reihen und ebenso die erste und letzte senkrechte Reihe bekannte Wörter ergeben. Diese neun Wörter, jedoch in anderer Reihenfolge, nennen: 1. Einen männlichen Vornamen. 2. Den Namen eines bekannten Komponisten. 3. Einen Flecken in Spanien in der Provinz„Toledo“. 4. Einen kanadischen See in Nord-Amerika. 5. und 6. Ein Freundespaar. 7. Den Namen einer Blume. 8. Einen ehemaligen italienischen Admiral. 9. Ein Minus. Sprichwörter-Räthsel. Aus folgenden sechs Sprichwörtern ist je ein Wort zu wählen. Die sechs erhaltenen Worte bilden wiederum ein Sprichwort. 1. Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Lust und Liebe zum Dinge macht alle Mühe und Arbeit geringe. . Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen. Auch schöne Aepfel sticht der Wurm. Eine Krähe hackt der andern die Augen nicht aus. „Wer das Kleine nicht ehrt, ist des Großen nicht werth. en Auflösung des Kapsel-Räthsels in voriger Nummer: 1. Ehe. 2. Este. 3. Reh. 4. Um. 5. Hund;— des Logegriph: Stempel, Tempel;— der dreisilbigen Charade: Gelbschnabel;— des Rösselsprungs: Bist du wirklich mir so feindlich, O ihr undankbaren Lippen, Bist du wirklich ganz verwandelt? Sagt, wie könnt ihr Schlimmes sagen Aller Welt will ich es klagen, Von dem Manne, der so liebend Daß du mich so schlecht behandelt. Euch geküßt in jenen Tagen? Skat-Aufgabe. Mittelhand sagt auf folgende Karten: a r 8 S 89 5 2 8 22 8.9 89 1 9 8 A goss E 2 0 A eLel e 0 Grand an und wird chwarz. Wie war die Lage der Karten und der Gang des Spiels? — N 8 70 8 88 8 8 Schach. Problem Nr. 414 von W. Scheuler in Striegau. Schwarz. e 112 2 N . a 4 2 1 1 1 * , . Weib. Weiß zieht an und setzt mit dem dritten 80 Matt. 1 Partie Nr. 237, gespielt am 23. August d. J. auf dem Kölner Schachfest von Dr. Brettes und gleichzeitig mit sieben anderen Partien. Weiß: Dr. Fritz aus Darmstadt.— Schwarz: F. Becker in Cöln. * ohne Ansicht des 1) e2—e4 I- e5 28) 7g4—g57 Te6-g6 2) 8g1—13 SbSs-c 29) 185—-g6f h7-g6: 3) LfI—b5 d7- d 30) Tel dl Tas-es 4) d2—- da eb d: 31) 1Jd1—d4 Tes-es 5) 813— d: Les-= d7 32) Kg1—12 Kg8- g7 6) Lb5-c6:2) b7- c: 33) ITd4- ds K 757 7) 0-0 LfS e 7 34) K.2—f3 Kh7-—g7 8) 12-1 89816 35) Kl3—f4 Kgi-—h7 9) 8b1—c3 6—0 36) 148—d7 Kh7-g7 10) e4-e5 Sk6-dõ 37) b2-—h4 Lbö— ea 11) Sd4 cc:) 8d5 cg: 38) Td7—a7 Led-b 12) Sc6- e7f DdS- e7: 39) Le3—b4 Kg 7- g8 13) bc: d6 esd: 40) Lb4-e7 KgS8—g7 14) f- eb: Ld7- c 41) Le- Gf Kg7—18ʃ 15) Dd liel 78- ed 42) g2—g4 Lb5—e2“) 16) Del 2 Le- di 43) Tata: Le2-d! 17) Lel-f4(7-c 44) Tad a8“ Tes es 18) Df2-d De7—h4 45) Tas ef) KfS es: 19) c3-c Ld5-e6 46) L(6-g7 LdI-e: 20) Tal-b!1 7-5 47) h4--h5 g6—bß: 21) LIA-es Ph— da: 48) g4 hf:(6 e575 22) Leg da: Le6-c: 49) 5b5—b6 162-69) 23) ITIfI el a7 a6 4) 50) ag-ag KeS- d7 24) 22— a3 Tes-e 51) ad-aß Kd7-c 25) 1b1—b4 Le- bß 52) KA- g5 coc 26) Ladd css) ab- a5 53) e5-e 27) 1b4—g4 a5- 446) Schwarz giebt die Partie auf. 1) Weniger empfehlenswerth als Sss oder a7 ag. 2) Von Bardeleben giebt die Fortsetzung 6) Scb: bes 7) Lds ꝛc. als vortheilhaft für den Anziehen den. 3) Hierdurch wird ein Bauer gewonnen, jedoch sind nach dem Abtausch infolge der ubrig · bleibenden Läufer von ungleicher Farbe die Remischancen sehr groß. 1 N führte zur völligen Ausgleichung der Spiele: 24) 101 Lds 25) Tar: Tar: 26) Lax und 61 ꝛc. 5) Auf ag-at wäre as-—as gefolgt, wonach ein Bauer verloren war. 6) Auf Echaltung des Bauern zu spielen war kaum besser, z. B. 27).. Tg6 28) Ld2 b6 29) lu g:bâ 30) Tgézt fg 31) The: ꝛc. 7) Tes war 55 besser, dech auch nicht n z. B. 42).. Tes 43) h5 gebs 44) g:h5 K gs 45) Kg5 Les 46) Tas: z. oder 45).. TIS 460 es Les falls szes so 47) 5— Gl ꝛc.] 47) ef Tes 48) Td7 es 49) Tds Lb5 50) Kha nebst Tal und 1gIx ic. 8) Nech etwas stärker war 46) Lg7T Ker 46) Test Kes 47) c Kes 48) Kg4 nebst bs ꝛc. 9) Lh7 verdiente den Vorzug, es folgte dann 50) at Kd 51) at et 52) Lis og 53) Lag nebst as und der König geht über gs nach t6 und eventuell g7, um den Bauern t7 zu erobern. Aus der Schachwelt. Der Preis für die brillanteste Partie im Meisterturnier zu 1 ist Burn für seine Partie gegen Taubenhaus zuerkannt worden. Auf Anregung des New Yorker Schachklubs ist man in den Vereinigten Pe bemilht, einen großen internationalen Schachkongreß in Szene zu setzen. Das provisorische Comitee, bestehend aus den Herren S. Loyd. Ellsworth und Schubert, hat einen Aufruf an seine Landsleute ergehen lassen, der großen Anklang gefunden hat. Eine Sammlung der auf den Kongressen zu Heresord und Nottingham gespielten Meister⸗ partien wird in fünf Lieferungen, jede zu 1 sh., vollständig sein; zwei Theile sind bereits er⸗ 8 e ist der unermüdliche Sekietär der Counties Chess Association, Re v. ipwort Druck und. Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elch o in Berlin, Lützowstr. 105. —— b e e dee 755 23 S ———