n . K——— 38 5 zu den Oberhessischen Uachrichten. 8 Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nr. 2. Gießen, den 10. Januar. 1886. die Schwestern. Von Frida Schanz. (Fortsetzung.) An dem, mit geschmackvollem, schwerem Silberzeug bedeckten Theetisch, wo wir uns nach kurzer Instandsetzung unseres äußeren. Menschen den freundlichen Wirthen wieder gegenüber befanden, stellte sich zu meinem Erstaunen eine ganze fröhlich belebte Gesellschaft ein. Außer dem etwas vornehm⸗steifen adeligen Nachbarn des Freiherrn und dessen Töchtern brachte die Dunkelheit ein paar junge, lustige Offiziere, Verwandte des Hauses, die ihren Weihnachtsurlaub Rauf Sassen verlebten und den Tag über wirklich im Schnee umher⸗ gepirscht waren, um sich schließlich durch lustige Flüche über den schmählichen Wildstand der Gegend mit der Erfolglosigkeit ihrer Streifzüge abzufinden. Inmitten des fröhlichen Geplauders und Scherzes, das die Ge⸗ sichter der Jungen und Alten allmälich zum Spiegel der sinnigsten Weihnachtsstimmung machte, blieb nur ein Antlitz still und bleich, nur ein Augenpaar träumerisch gesenkt und ein jugendschöner Mund gedankenvoll geschlossen. Doch je weniger Oktav's liebliche Schwester zur Heiterkeit des Ganzen beitrug, um so mehr schien es, als sei diese Heiterkeit doch nur für sie da, als ringe ein Jeder im lustigen Wortgefecht nur um ein Lächeln ihrer blaßrothen Lippen, um ein Aufleuchten ihrer verschleierten Augensterne;— je einsilbiger und geräuschloser sie den Pflichten der Wirthin an der lauten Tafelrunde oblag, um so häufiger und angelegentlicher tönte es zu ihr hinüber:„Hörst Du es, Marianne?“ oder:„Ist das nicht hübsch, Marianne? Was sagst Du dazu?“ Auch mir war es im Grunde bei der gesprächigen Lebhaftigkeit, deren ich mich in Erinnerung jenes Abends zeihen muß, mehr, als ich mir damals selbst gestand, darum zu thun, des Mädchens Theil⸗ nahme zu gewinnen.— Als sie einmal bei Gelegeuheit einer lustigen Erinnerung, die ich auftischte, kurz und leise zu lachen begann und ich nun gewahrte, wie jung und lieblich ihr schmales Gesicht beim Lachen war, fuhr es mir wie ein Blitz durch die Seele, daß der sich wohl unaussprechlich reich belohnt fühlen müsse, dem es gelänge, den Sonnenschein des Glückes für immer über diese traurigen Züge zu ergießen. Kein Erfolg hat mich denn auch jemals mehr gefreut und ge⸗ rührt, als der, das schöne, stille Kind mit Hilfe meiner thörichten Geschwätzigkeit doch endlich aufthauen und leis lächelnd an dem Frohsinn der andern theil nehmen zu sehen. Als die auswärtigen Gäste im hellen Mitternachtsmondschein mit Schellengeläut und lustigem Peitschenknallen davongefahren waren, blieben wir Uebrigen noch eine kurze Weile beisammen, bis Gottfried, dessen sonst so pünktlich eingehaltene Schlafensstunde längst über⸗ schritten war, an den Aufbruch mahnte. „Fürchten Sie die Geister des Schlosses nicht?“ sagte der Frei⸗ 0 Tochter geleitet, die breite, mit Treppe zu den uns bestimmten herr, als wir, von ihm und seiner schöngeschnitztem Geländer versehene Gelassen hinaufstiegen. Ich weiß nicht, mit welchem nichtigen Scherzwort ich ihm ant⸗ wortete;— jedenfalls kam es mir nicht ganz aus dem Herzen; ein süßes Märchengrauen erfaßte mir plötzlich den Sinn! Wie im Traum sah ich die langen, beweglichen Schatten der Hirschgeweihe, welche die Wände bedeckten, geisterhaft über die Teppiche der Steinstufen gleiten; ich hörte das Ticken der Wanduhr in dem großen, gewölbten Flur verhallen, gleich einer leise raunenden Gnomenstimme, die von dem höchsten Gluͤck der Welt und ihrem bittersten Leiden sprach.— Dann aber hafteten Blicke und Gedanken wieder auf der zarten Gestalt des Mädchens, die mit dem dreiarmigen Silberleuchter vor uns hergeschritten war und nun das Gesicht mit den reinen engel⸗ haften Zügen vollbeleuchtet von droben zu uns niederwandte, so daß sie wie erklärt über dem wechselnden Schattenspuk zu stehen schien. Der Weg nach den Gastzimmern, in denen wir hausen sollten, führte uns durch einen großen, mit prächtigen tiefrothen Damast⸗ möbeln ausgestatteten Salon hindurch. „Hier droben waren die Zimmer meiner Mutter und dort ist ihr Bild über dem Divan,“ flüsterte Oktav mir zu.„Sieh es Dir jetzt nicht an. Ich zeige Dir's, wenn die anderen schlafen.“ Unwillkürlich aber waren meine Blicke schon denen des Knaben gefolgt, und was ich sah, war zu schön, als daß ich sie schnell hätte losreißen können.— Zudem stellte das Mädchen, das mein Zögern zu bemerken schien, die Leuchte auf den Rand des Kamins und sagte, indem sie sich zu ihrem Vater wandte: „Du geleitest die Herren wohl weiter! Mich fröstelt hier oben. Es war drunten so heiß im Zimmer.“ Schnell wie ein Reh war sie dann entschwunden, nachdem sie noch des Freiherrn Hand geküßt und uns freundlich„Gute Nacht“ gewünscht hatte. Der flackernde Kerzenschein, der das Bild der Freifrau nun vell und lebensfrisch aus dem Dunkel hob, machte auch Gottlieb auf dessen außergewöhnliche Schönheit aufmerksam.— Mit einem seltsam aus Stolz und Schmerz gemischten Ausdruck hob der Freiherr das Licht empor. „Meine zweite Frau,— die Mutter meiner jüngsten Kinder!“ sagte er. Dabei glitt sein kluger, heller Blick forschend über mein Gesicht, wie um die Wirkung zu erspähen, die der Zauber dieser Gestalt auf mein Künstlerherz ausübte. Von diesem Zauber nicht betroffen zu sein, wäre unmöglich ge wesen. Was die Hand des Künstlers gethan hatte, um ihn zu er⸗ höhen, weiß ich nicht. Aber jedenfalls war das Bildniß von be— 0 S 10 gnadeter Meisterhand gemalt worden, und es war nun doppelt er— greifend, diese feine, schneeige Gestalt in dem starrenden Atlaskleid so jung und lebensvoll, ihre Lippen so lächelnd, ihre dunklen schmachten⸗ den Augen so glückverheißend und ihr myrthengeschmücktes Goldhaar so leuchtend zu sehen, wenn man bedachte, daß diese märchenhafte, wundervolle Pracht unter einem stillen, schneebedeckten Hügel einsam und für ewig gebettet war. Ich glaube, daß der alte Mann mich verstand, auch ohne daß ich ein Wort sagte. Auch Oktav, in dessen Gesicht ich manchen Schönheitszug wiederfand, der das reizende Antlitz seiner Mutter ge— schmückt, ahnte es wohl, wie ich erschüttert war. Noch spät, nachdem jeder Lärm im Hause längst erstorben und Gottlieb's friedliche Athemzüge in mein, dem seinen benachbartes Schlafgemach tönten, klopfte der Knabe an meine Thür. Ich stand noch angekleidet am Fenster, weil ich geahnt hatte, daß er kommen würde. Gleich der meinen schien auch seine Phantasie noch lebhaft mit dem Bilde seines todten Mütterchens beschäftigt zu sein. „Es wäre so schön, wenn sie noch lebte!“ sagte er träumerisch. „Weißt Du, daß es mir weh thut, wenn ich den Vater recht fröh— lich sehe? Dann denkt er um so sehnsüchtiger an sie und wünscht seinen Schmerz zu vergessen. Sein Haar ist in einer Nacht weiß geworden, als sie starb. Er hat sie so sehr, so sehr lieb gehabt!“ Mit feuchten Blicken kramte der arme Junge nun alle Erinne— rungen an die Gestorbene aus, als verstünde ich nun erst die tiefe Bedeutung seiner Kindestrauer, nachdem ich das Bildniß der reizen— den Frau gesehen. Stundenlang saßen wir noch plaudernd im Mondschein beisammen, bis die Müdigkeit, die er verleugnen wollte, doch endlich zum Gehen zwang. Als er auf der Schwelle stand, erfaßte er noch einmal, wie von innerer Bewegung bezwungen, meine Hand. „Noch für Eins muß ich Dir danken, Veit. Weißt Du, daß Du eigentlich ein rechter Wohlthäter bist? Noch nie habe ich Mariannen so heiter lachen und reden gehört, wie heute. Das thatest Du ganz allein!“ „Was Du da wieder phantasirst „Nein, nein; ich weiß recht gut, was ich sage und weiß auch, warum sie sonst so still ist.— Ich will es Dir einmal erzählen, — obwohl es mir schwer wird!“ „Und ich werde ganz gewiß nicht hinhören, wenn Du mir Deiner Schwester Geheimnisse ausplauderst,“ entgegnete ich. „So? Meinst Du, daß es nicht recht sei?“ „Gewiß nicht, Schatz; und nun gehe und schlafe gut im Vaterhaus!“ Der nächste Tag, an dem ich ziemlich spät erwachte,— da ich die Kunst Semilasso's, große Mengen Schlaf in kurze Zeit zu⸗ sammenzudrängen, nicht verstehe,— brachte uns alle Wonnen einer fröhlichen Weihnachtsfeier: eine duftende, schwarzgrüne Tanne, die wir am Morgen in lustiger Gemeinschaft schmückten, geheimnißvolles Plaudern und Raunen, Kuchenduft und Kerzenschimmer, Christlieder und festliches Glockengeläut. a Seit Jahren hatte ich das liebe Fest nicht in ähnlich froher Weise verbracht; ich dankte es Oktav heimlich tausendmal, daß er mich durch seine heitere Ueberredungskunst dahergelockt hatte. Auch Gottlieb strich an diesem Tag den letzten Groll gegen seinen überlegenen Lateinschüler aus seinem Herzen. „Es ist eine Seele von einem Jungen, ich habe ihm wirklich ein Unrecht abzubitten,“ flüsterte er mir zu, als er am Abend mit gerührtem Lächeln vor seinen Schätzen, die man ihm unter den Zweigen der Edeltanne aufgebaut, stand und ein von Oktav's Hand zier— lich geschnitztes Feuerzeug mit Rührungsthränen bewunderte.— Mir selbst wurden ein paar kostbare Blätter aus des Freiherrn schöner Kupferstichsammlung zu Theil. „Ich konnte Dir nichts schenken,“ sagte Oktav, als er mir spät am Abend an meiner Zimmerschwelle„Gute Nacht“ sagte.„Jede Gabe wäre mir Dir gegenüber kindisch erschienen, der ich Dir so viel, so unendlich viel zu danken habe!“ Noch bis in die Stille und Einsamkeit meines Schlafstübchens hinein nahm ich das unbeschreibliche Behagen, mit dem die Festfeier mein Herz erfüllt hatte. Lange lag ich, mit offenen Augen träumend, auf dem Lager und sann darüber nach, was den geheimnißvollen, mächtigen Unterschied zwischen diesem und manchen früheren, von mir ebenfalls in feinem und heitrem Familienkreise verbrachten Christabend bewirke. Ein sanftes Antlitz, das klar und hold vor meinem geistigen Auge emporstieg, schien mir wehmüthig lächelnd Antwort geben zu wollen. Aber zugleich mit der Erkenntniß, daß die reine Güte, das stille liebliche Walten Mariannens das Haus mit jenem Zauberhauch von Glück und Wohlsein durchströme, em— pfand ich einen bitteren Groll gegen das Schicksal, welches gerade dieser Engelsgestalt sein Kreuz so unverkennbar auf die zarten Schultern gedrückt hatte.— Wie sie mit ihrer stillen Fürsorge so echt frauenhaft den ge— heimsten Wünschen Andrer entgegenkam, erfuhr ich am folgenden Tage. „Willst Du das Bild meiner Mutter kopiren?“ fragte mich Oktav beim Mittagsmahl. „Wenn ich dürfte,—“ entgegnete ich zögernd, indem ich von dem Knaben zu dessen Vater hinübersah. 7 „Ich glaubte, es sei abgemachte Sache, daß Du Dich im rothen Saale einrichtetest,“ fuhr Oktav fort.—„Seit Jahren finde ich nämlich den Raum, der längst nicht mehr bewohnt wird, heute zum ersten Mal durchheizt!“—.. „Das ordnete gewiß Marianne an,“ sagte der Freiherr lächelnd. „Sie müssen wissen,“ fuhr er, zu mir gewandt, fort,„daß meine Tochter zu jenen Hausgeistchen gehört, die bei der größten eigenen Wunschlosigkeit alle Wünsche Andrer im Keim errathen und erfüllen.— Der schwermüthige Blick, mit dem das Mädchen dieses Lob er— widerte, benahm mir etwas von meiner Freude;— eine halbe Stunde später jedoch, da ich mit meinem Zeichengeräth dem schönen Frauen⸗ bild gegenüber saß, war die letzte Spur eines Bedenkens verflogen. Mit einer aesthetischen Befriedigung, die mir jeder wahre Jünger meiner Kunst nachzufühlen vermag, entwarf ich die kindlich-weichen Umrisse des liebreizenden Köpfchens;— ich bereute es nicht einmal, daß ich in dem Vorsatz, einmal gründlich geistig auszurasten, Pinsel und Farben daheim gelassen hatte;— mein Skizzenbuch und ein Kreidestift genügten mir einstweilen vollkommen, um eine ganze Anzahl flüchtiger Entwürfe, theils in genauer Wiedergabe des Originals, theils in willkürlich konstruirten Stellungen, auf's Papier zu werfen; die Stimmung, in welche mich diese Arbeit versetzte, könnte ich kaum beschreiben;— sie war mehr als künstlerischer Triumph; — alles, was ich je in Wachen und Träumen von Schönheit und Glück geahnt, schien mir in dem frühlingsfrischen Angesicht der jungen Frau verkörpert und vergeistigt zugleich vor Augen zu stehen. Von jenem Tage an galt der ganze Fleiß, das ganze Interesse meiner Tage, dem Bilde.— Ich hatte anfangs gefürchtet, daß der Freiherr meinen Eifer, der so keck und kühn in seine liebsten und heiligsten Erinnerungen eingriff, lästig und störend finden könne und empfand daher eine unbeschreibliche, heimliche Genugthuung, als der greise Herr sich erst auf kurze Minuten, dann auf lange und längere Zeit und endlich ganze Stunden hindurch in meiner Nähe aufhielt, während ich zeichnete. Wortlos saß er dann in einem dem Bilde gegenüber befindlichen Fauteuil und sandte den blauen Rauch seiner Cigaretten mit schein⸗ barem Gleichmuth in die Luft; erst wenn der einbrechende Abend meinen Eifer lähmte, wurde er beredt. Zwar vermied er es auch dann geflissentlich, von dem Bilde und dessen schönem Urbild zu sprechen; ich aber weiß es gewiß, daß er dasselbe auch in der Dämmerung noch licht und deutlich vor Augen hatte, während er in seiner gewandten, anregenden Weise über tausenderlei Dinge, über Kunst, Politik, soziale Fragen, über Oktavs Zukunftspläne und mancherlei Erlebnisse seiner eigenen, ritterlichen Jugend sprach. Die Gegenwart des Knaben, deren ich sonst nie müde wurde, war mir bei meiner jetzigen Arbeit zum ersten Mal mehr peinlich als angenehm, was ich ihm in kurzen Worten ohne jede nähere Erklärung angedeutet hatte. Es schien mir wie eine Entweihung des zarten, liebevollen An⸗ gedenkens, das er der Todten bewahrte, wenn ich deren Angesicht vor seinen Augen gleichsam Zug für Zug in seine Schönheitslinien zerlegte, wie ich es in seinem Beisein so oft mit den Köpfen meiner Modelle gethan hatte.. Ob der liebe Junge meine Motive ahnte oder erkannte, weiß ich nicht; bezeichnend für ihn ist es, daß er nicht eine Spur von Groll gegen mich hegte und während unsres Zusammenseins nur noch treuer und anhänglicher erschien. „Versprich mir nur, daß Du die Fichtelgebirgspartie nicht auf⸗ N 5 J d 11 zuweilen mit einem Sylves eigenen geben willst, sie muß mich für Manches entschädigen!“ mahnte er Anflug von Resignation.— „Ist es Ihnen Ernst mit Ihrer Gebirgstour ö 9 ö so nicht länger zu verschieben,“ sagte der Freiherr, als 0. 0 0 0 9 0 7 „Am Krähenflug sehe rathe ich, sie wir uns am ich, daß das tertag zu Tisch setzten. Wetter sich ändern wird.“ Ein heller Freudenstrahl aus des Knaben Augen bekundete dessen Zustimmung. Hätte ich ganz ehrlich sein wollen, so hätte ich ge— stehen müssen, daß das seelische Behagen, womit mich der Zauber des alten Schlosses umsponnen, meine Leidens chaft für schöne, landschaft— liche Eindrücke momentan fast völlig paralysirt hatte. Oktav's und Gottlieb's lebhafte Freudenäußerungen zogen die Aufmerksamkeit von meiner etwas einsylbigen Zusage ab; nur Marianne, die an meiner Seite saß und die ihre gesenkten Blicke plötzlich voll und forschend zu mir erhob, schien mein Zögern zu bemerken. „Wovon träumten Sie eben?“ sagte sie lächelnd, da sie sah, wie U 7 1 71 ich mich meinen Gedanken entwand. „Ich dachte daran, ob es wohl einer jungen Dame zu viel zu⸗ gemuthet sei, wenn man sie zur Theilnahme an der romantischen Schlittenfahrt überreden wollte!“— In der That war mir plötzlich der Gedanke, ihr ernstes Ge— sichtchen von der Kälte und der Schönheit der blitzenden Winter— welt rosig belebt zu sehn, als ein ganz besonderer, neuer Reiz der eben noch innerlich verschmähten Neujahrsreise erschienen. Mit ungestümen Bitten unterstützte Oktav meinen Vorschlag. „Willst Du, so können wir ja bei Tag und Sonnenschein den Uebrigen nachfahren,“ meinte der Freiherr,„und in Alexanderbad mit ihnen zusammentreffen.“ „Wie gut Du bist; es ist wirklich ein wunderhübscher Gedanke!“ sagte sie mit fast lustigem Blick. Ihre Freude, die ihr so ergreifend schön stand, steckte auch mich an. Die geplante Fahrt erschien mir wieder in demselben poetischen Lichte, wie nach Oktap's erster lockender Erwähnung. „Ich wecke Dich und Herrn Gutmann um zwei Uhr; auf drei bestelle ich den Schlitten. Ich kann mich sicher auf meine Willens— kraft verlassen,“ rief der Knabe. Zum ersten Mal suchte ich heute nicht so hastig wie sonst von der Tischgesellschaft hinweg meiner Arbeit zuzueilen.— Als ich dem Bilde endlich im schwindenden Tageslicht wieder gegenüber saß, be⸗ reute ich freilich mein Zögern; seine Schönheit und Poesie umspann mich augenblicklich mit dem eigenthümlichen Zauberduft, in dessen Sphäre alle anderen Empfindungen zerrannen. Der Schmerz, mit dem ich die frühen Dämmerschatten über die lichte Gestalt hinschleichen sah, war mir ein Maßstab für die Wärme und Erregung, mit der mein tiefstes Sein an dieser Arbeit betheiligt war. Mißmuthig legte ich den Stift aus der Hand, lehnte den Kopf in die Polster des Fauteuils zurück und begann nun— zum Ersatz für die verlorene Tageszeit— mit fest auf das Bild gerichteten Blicken vor mich hin zu träumen. Meine wache Phantasie ergänzte die erbleichenden Umrisse und den farbigen Lebensduft der im Dunkel schwindenden Gestalt, so daß ich sie in ihrer ganzen Zartheit und Heiterkeit wie zum Erfassen deutlich vor mir sah, da ich doch kaum noch das Gold des Rahmens zu unterscheiden vermochte, dessen Ge— flimmer sich nur wie der sonnendurchglühte Aether eines Sommer⸗ abends um die Erscheinung wob.— Da ich, wie in überströmender Empfindung, die Augen schloß, nahm die Vision noch holdere Fassung an. Nun erkannte ich in dem strahlenden Hintergrund, von dem sich die Gestalt wie in idealer Verklärung abhob, deutlich das goldig⸗ blühende Ginstergestrüpp eines Hochwaldes, aus dem sich die schlanken Säulen dunkelgrüner-Edelfichten hoben;— Bienen schwirrten über dem leuchtenden Blüthenmeer und aus der Ferne glaubte ich ver⸗ hallendes Glockengeläut und den zarten Lockruf einer Drossel zu vernehmen.— „Katharina!“ scholl es da plötzlich durch die weihevolle Stille. In jähem Schreck sprang ich empor. War es der Ton meiner * Stimme oder war es ein anderer der die Verzauberung brach? U J N „Sind Sie hier?“ scholl es da in wohlbekannten Tönen an mein Ohr. Als meine von der erträumten Helle verwirrten Sinne sich all— mälich in der realen Dunkelheit des Saales zurechtfanden, erkannte ich des Freiherrn Gestalt an meiner Seite. „Ich glaubte Sie längst nicht mehr hier,“ sagte er etwas ver⸗ FTT ̃ ̃ ͤ—.————— ä—— D, wirrt.„Waren Sie eingeschlafen, daß merkten?“ „Ich weiß entrückt.“ f Ich wollte scherzen, aber meine Stimme klang, ohne daß ich es wollte, feierlich durch den hallenden Raum. „Ist es nicht das ergreifendste Kriterium einer menschlichen Schönheit, daß sie noch im Tode fortwirkt?“ sagte der alte Mann, indem er meine Hand ergriff und mit einem tiefen, schmerzlichen Seufzer in einen Lehnstuhl sank. Alles, was ich ihm zu entgegnen vermochte, war eine Thräne, die Dunkelheit seinen Blicken entzog. Lange saßen wir uns so wortlos, in tiefster Bewegung, gegenüber. r war es, der schließlich zuerst Fassung und Worte fand. „Ich werde Ihnen alles erzählen, alles Glück und Weh, das sich an das liebe Bildniß knüpft.— Sie werden es verstehen, der Sie die Schönheit und ihre übermächtige Poesie begreifen! hören Sie!“ Noch einige Sekunden sann er, wie nach einer Anknüpfung suchend, still vor sich hin; dann lösten sich seine hageren Finger von den meinen, die sie noch umschlungen hielten, und indem er von seinem Sitze aufstand und langsam, oft stehen bleibend, schritt, begann er: „Ich hatte das Glück, meine Jugend ungehindert und ungehemmt in vollen Zügen genießen zu können, so daß ich auch nicht eine Spur unbefriedigten Sehnens, ungestillter Wünsche, herben, bittren Ent⸗ sagens in die Jahre hinübernahm, in denen der gährende Jugend— muth sich zu nachdenklichem Mannesernst klärt. Ich hatte auf der Forstakademie zu Aschaffenburg und der Münchner Hochschule die lustigsten Studienjahre verbracht, hatte dann mit der glücklichen Anlage eines feurigen Genießens die schönsten Länder der Welt durchschwärmt, den lieblichsten Frauen gehuldigt, je von irgend einer Leiden— schaft ernstlich verwundet worden zu sein und hatte schließlich von all den köstlichen Kreuz- und Querfahrten nur eben jenen leichten Grad von Ermüdung heimgebracht, der die Ruhe und Sammlung zum Behagen, die endliche Stabilität zu einer freundlichen Wohlthat stempelt. So wurde nach der größten schränkung für mich zum Glücke, da sie sich mir nicht eher auf⸗ erlegte, als bis sie mir Bedürfniß zu werden begann. Dies geschah, als mir der Tod— etwa in meinem vierund⸗ dreißigsten Fahr— meinen Onkel, den treuen und selbstlosen Ver⸗ walter und Hüter meiner Besitzungen, raubte. Dieser Mann, ein Bruder meiner Mutter, war mir von meinem früh verstorbenen Vater testamentarisch zum Vormund bestimmt worden. Selten hat wohl ein Mensch umfassender vererbte Pflichten erfüllt, als er.— Daß er diese Pflichten mit Freuden als willkommenen Inhalt eines un⸗ befriedigten Lebens begrüßte, mag sein, denn als der Ruf ihn traf, war er, ein mittelloser Edelmann, schon seit einigen Jahren als invalider Major in den Ruhestand versetzt worden, aus dem sich sein reges Denken herzlich hinaus sehnen mochte. Er siedelte also, dem Vorschlag meines Vaters gemäß, mit seiner kleinen Tochter Lucie nach Sassen und nahm nun zu gleicher Zeit die Verwaltung meines Besitzes und die Erziehung meiner unerzogenen, elternlosen Wenigkeit so thatkräftig in die Hand, daß der Bestand der Sassen schen Forste mit dem status meines Vermögens und meinem eigenen körper⸗ lichen und geistigen Wohlbefinden in luftigem Wettstreite sich ver— vollkommnete. Seine lebensfrohe Natur, die sich in der verhältniß⸗ mäßigen Selbstständigkeit überaus wohl fühlen mochte, war weit davon entfernt, mir die meinige irgendwie beschränken zu wollen. — um so rührender war es, daß er 0 Sie mein Kommen nicht es nicht. Wenigstens war ich der Wirklichkeit weit 91 ohne Schrankenlosigkeit auch die Be⸗ eit dem Beginn meiner Majorität unaufhörlich in mich drang, an die Uebernahme der Güter zu denken, obwohl er damit das beste Glück seines Alters dahinzugeben bereit sein mußte.— Diese treuherzige Selbstlosigkeit fand ihren schönsten Lohn in meinem durch sie groß gezogenen Eigennutz. Ich fand es viel zu schön und bequem, lustig schweifend die Welt zu durchziehn, als daß ich diesen Idealzustand eine Sekunde früher als nöthig auf— gegeben hätte. Nur flüchtig, wie ein glücklicher zu Zeit am eigenen Herde ein, sah, wie meine Fichten gen Himmel sproßten, wie die edle Zucht meiner Rosse gedieh und das Gold meines Kornes mit dem blauen Lein um die Wette das flurenreiche Vorland meines Heimathgebirges schmückte. So oft ich dann schied, nahm ich mit dem behaglichen Bilde meines schönen Daseins die Wanderer, kehrte ich von Zeit im Zimmer umher daran gedacht, daß einst vielleicht eine große Liebe wie ein Strom voll Fremde, die, ohne mir je den Schlummer der Nächte zu rauben, Feuer und Leidenschaft in mir erwachen werde.— Nun erschien doch jedesmal mit dem ganzen Schmelz ihrer dunkelblauen Schönheit mir jenes erträumte ruhelose Glück nur gering gegen das tiefe, vor meine Seele traten, so oft ich irgendwo auf fremden Pfaden klare Vertrauen und Verstehen, welches mich und das liebliche Weib und Meeren durch eine heimathliche Melodie den Duft einer heimathlichen Blume oder den trauten Glanz bekannter Sternbilder an mein heimisches Nest erinnert ward. Als ich in einem kleinen Städtchen, am Nordrande des Sonjef— jords, an das mich außer seinem male⸗ rischen Liebreize noch einige geologische Eigenthümlichkeiten der es umgebenden, kühn und stolz gethürmten Felsenformen fesselten, die Nachricht von meines Onkels Tod erhielt, waren diese Mädchenaugen das erste Bild, das vor meiner Seele aufstieg und das Wort: Arme Lucie! der erste Seufzer, den meine Trauer fand. Daß ich die Wichtigkeit meiner präch⸗ tigen Kristalfunde und der aus ihnen gefolgerten Kombinationen plötzlich ver⸗ gaß und mit möglichster Eile heimwärts reiste, war daher auch weniger meiner Sorge um das verwaiste Sassen, als meiner warm erwachten Theilnahme für die verwaiste Cousine zuzuschreiben. — Als ich hier anlangte, kam ich ge— rade noch zurecht, um ihr das Trauer⸗ hütchen von dem blonden Haar zu lösen und den Reisemantel von den Schultern zu nehmen, was sie mit schwermüthigem Lächeln geschehen ließ, obgleich sie mir versicherte, daß sie von einer Freundin in München, die ihr die Stelle einer Gesellschaftsdame bei einer kränklichen Fürstin in Aussicht gestellt, dringend erwartet werde. „Bis morgen hast Du jedenfalls Zeit,“ sagte ich,„wir haben doch manches zu besprechen, was ebenso wichtig ist als das Wohlbefinden Deiner fürstlichen Hoheit.“ In der That besprachen wir bis zum andern Morgen Vieles und Wichtiges; daß ich's kurz mache— trotz des weh— müthigen Ernstes, mit dem die Trauernde die füßen Stimmen des Lebens von sich wehrte, gelang es meinem dringenden Werben, ihr das holde„Ja!“ von dem blassen Munde zu schmeicheln und als sie am andern Tage dennoch schied, geschah es mit seligem:„Auf Wieder⸗ sehen!“ Ich sage es offen: die Schnelligkeit meiner Verlobung hatte mich selbst über⸗ rascht, und als ich nach der Abreise Luciens mich mit meinen Gedanken allein befand, brauchte ich einige Zeit, um die Wohlthat der doppelten Bande, die mich nun an die Heimath fesselten, ganz zu würdigen.— In der Folge zeigte sich's aber recht deutlich, wie die Spezies der Deutschen viel mehr zum glücklichen Rasten als zum Schweifen geboren ist. Jeder Tag, den ich daheim verlebte, jeder Baum, den ich pflanzte, jede Scholle, die ich tragbar machte und jedes Schwalbennest, das ich am First entdeckte, gewann mich der Heimath. Als ich dann nach Ablauf ihrer Trauerzeit noch mein Mädchen heimholte und wir vereinte, deren zarte Schönheit und Güte mein Haus verklärte.— nun traulich zu Zweien in dem alten Märchenschlosse hausten, spann Fünf Jahre lebten wir in ungetrübtem Frieden dahin; die sich das Behagen bald wie lustiges Rosengerank um das dunkle Gemäuer. schelmische Lustigkeit unseres Kindes, unserer kleinen, blonden 9 Ich hatte, während ich in der Fremde tändelte und küßte, oft Marianne, gab unserem stillen Glück die reizendste Vollendung. 1 Erinnerung an ein paar große, ernsthafte Mädchenaugen mit in die S Der vierte Geburtstag der Kleinen sah dies Glück noch in bhöchster Blüthe. Ich hatte unserem Liebling zu Gefallen einen Kahn zimmern und mit Blumengewinden schmücken lassen.— Im Abendschein ruderte ich Weib und Kind zwischen den malerischen . niöthigt, da der schnelle Tod eines Weideninseln unseres Teiches hindurch;— noch heute höre ich das alten Verwalters meine Anwesenheit auf einem entfernten Vorwerk Jauchzen des Mägdleins, weil sie den Pirol in der Nähe singen dringend nothwendig machte. Ein heftiger Gewitterregen hielt mich 11. hören und die weißen Wasserrosen mit den Händchen greifen konnte. auch in der Nacht und am nächsten Morgen noch dort gefesselt, so 1 Als wir im Dämmerschein am Ufer anlegten, war der Wildfang daß ich erst am Mittag unter den letzten Nachschauern des Unwetters 1 2 8 0 noch nicht befriedigt von seiner Geburtstagsfahrt; Lucie, die zuerst ausgestiegen war, hatte Mühe, mir das kleine, zappelnde Ding, das ich ihr entgegenhielt, abzunehmen; dabei geschah wohl das Unheil, daß ihr Fuß von einem Stein, auf den er sich gestützt, abglitt und eine so; schmerzhafte Verletzung erlitt, daß sie trotz aller Tapferkeit nicht einen Schritt mehr vorwärts thun konnte. Als ich ihre leichte, zitternde Gestalt auf meinen Armen in's Haus trug, ahnte ich die Tragweite des kleinen Unfalls nicht. In Ermangelung eines augenblick— ö lichen ärztlichen Beistandes halfen wir uns, so gut es gehen wollte, mit Umschlägen und Salben, was dem Uebel aber keineswegs steuerte, denn als der Doktor im Laufe des anderen Tages von Wunsiedel herüberkam, erklärte er die Entzündung für so vorgeschritten, daß an ein chirurgisches Einschreiten ö vor der Hand nicht zu denken sei;— wochenlang lag das muthige Mütterchen nun trotz Schmerzen und Fieber lächelnd 0 auf ihrem Lager; als der Arzt an eine Operation gehen konnte, erklärte er im Voraus, daß eine Lähmung des kranken Gliedes vorauszusehen und ein monate— langes, ferneres Stillliegen unvermeid— lich sei. f „So müssen wir uns vor allen Dingen um eine Pflegerin für Mari⸗ anne umschauen,“ sagte sie, als sie ihr Verhängniß hörte. Die Sorge um das Kind, welches nicht vom Lager der Mutter weichen wollte und in der un— gewohnten Zimmerluft schmal und blaß wurde, war das einzige Bedenken der beherzten Frau. 1 Um sie zu beruhigen, sandte ich denn l auch gleich ein Gesuch an eine viel— gelesene Münchener Zeitung ab. Unter qualvollen, heldenmüthig ver⸗ leugneten Schmerzen plauderte das liebe Geschöpf, um die Kleine von vornherein der neuen Pflegerin gewogen zu machen, von einem schönen, guten Wesen, das nächstens kommen werde, um mit ihr zu spielen und in den Wald zu gehen, ihr Märchen zu erzählen und sie im Kahn zu den weißen Wasserrosen zu rudern.— a Die den einlaufenden Offerten bei⸗ 7657 gefügten Photographieen entsprachen f diesem Bilde, das die Mutterliebe ent⸗ 1 worfen hatte, natürlichkkeineswegs. Da die gesuchte Erzieherin aber ein täglich dringenderes Bedürfniß ward, ent⸗ schlossen wir uns doch, eines jener An— gebote zu erwidern und zwar eins, dessen Schreiberin, die ihr Bildniß allerdings nicht beigelegt hatte, durch die feste Klarheit ihrer Schriftzüge und ihrer Ausdrucksweise unser Interesse gewann. Ehe die nun folgenden brieflichen Auseinandersetzungen noch zu einem end⸗ giltigen Resultat geführt hatten, sah ich mich zum ersten Mal seit Luciens Unfall zu einem weiteren Ausritt ge⸗ Gemälde von Eduard Grützner. Mit Genehmigung der Photographischen Gesellschaft in Berlin. Klosterschäfflerei. 65 60 2 2 — 2 ä 8 N 728 e ö 8— FFT— an den Heimritt denken konnte. meinen Braunen auf den feuchten, quellenreichen Waldpfaden durch das Gezweig, dessen rieselnde Wassertropfen ebenso viel Tropfen siegreich funkelnden Sonnenlichtes zu sein schienen. Als ich auf halbem Wege zu einer kleinen Anhöhe gelangte, war das letzte, flatternde Gewölk entschwunden; gleich einer Ver⸗ klärung lag der weiße Lichtschein über der feierlichen Schönheit des weit hinaus blauenden Landschaftsbildes. Wie schon hundert Mal an dieser Stelle, nahm ich auch heute das Fernglas, das ich bei meinen Ritten gern bei mir führte, zur Hand und suchte an den klar und scharf sichtbar werdenden Fenstern der Burg, auf der Terrasse und den lichten Stellen der Parkpfade nach einem Lebenszeichen meiner Lieben aus. Auf der Steinbank am Teich unter dem rosig⸗blühenden Gesträuch der Herbsttamarinde sah ich auch zu meiner Freude das weiße Kleidchen meines Kindes; während ich noch am Fernrohr drehte, um die Gestalt seiner Begleiterin, die das feine Zweigwerk mir verdeckte, festzustellen, that sich der blühende Rahmen, von weißer Hand getheilt, auseinander, und vom leuchtenden Sonnenschein wie von Goldstift gezeichnet, hob sich der schlanke Körper eines Mädchens von dem farbenreichen Hintergrunde ab.— Regungslos, wie von einem höheren Geschick absichtsvoll in meinen Gesichtskreis gestellt, stand sie ein paar Augenblicke, mit dem Kinde an der Hand, im hohen Ufergras; jeder Zug ihrer vornehmen, ausdrucksvollen Schönheit, jedes leise Zucken ihrer Wimpern, jedes Lächeln ihrer weichen Lippen rückte mir mein gutes Glas in schärfster Deutlichkeit nahe. Als das Mädchen dann langsam, wie um die Wirkung des köstlichen Eindruckes nicht zu zerstören, am Teichrande hinschritt und zwischen den Baumstämmen verschwand, hatte ich das Gefühl, daß ich hier tagelang, ohne zu ermüden, ihrer Wiederkehr harren könne, einige Augenblicke richtete ich mein Glas noch erwartungsvoll nach dem vereinsamten Gestade, bis mir plötzlich, gleich dem Bewußtsein eines neuen Glückes, der Gedanke kam, daß ich ja nur einfach nach Hause zu reiten brauche, um meine Erwartung zu befriedigen. So wurde der Ritt durch den hallenden, duftreichen Spätsommer⸗ abend denn auch zu einem fröhlichen, seltsam sehnsuchts⸗ und ge⸗ dankenreichen Jagen. „Wie Du gesund und glücklich aussiehst,“ rief mir Lucie ent⸗ gegen, als ich, glühend von der Eile und der wehenden Abendluft, an ihr Leidenslager trat. Während ich, ihre feine Hand drückend, von tausend Gedanken bewegt, ihr zur Seite saß, erzählte sie mir mit ihrer klaren, lieben Stimme von der unerwarteten Ankunft der Erzieherin, die mitten im ärgsten Gewittersturm in einem Miethwagen von Wunsiedel herübergekommen sei. „Du wirst staunen, wie lieblich sie ist; zu lieblich fast für das ermüdende Amt einer Pflegerin und doch gerade als solche auch wieder so reizend. Marianne hing nach den ersten Worten, die sie zu ihr sprach, glückselig an ihrem Halse.“ Unter dem Anschein ruhigen Lauschens verbarg ich die Spannung, mit der ich dem Anblick des Mädchens entgegensah. Getreulich be— richtete mir Lucie, was sie bereits von ihr wußte: daß sie die Waise eines Schweizer Predigers sei und Katharina Lerouche heiße, daß sie für die Stellung in unserem Hause die demüthigste Dankbarkeit hege, da sie, ihren Worten nach, nicht ein Talent besitze, womit sie sich jetzt, nach ihres Vaters Tod, ihr Brot erwerben könne, und daß das dunkle Gewand, in dem sie mir von fern so königlich erschienen war, ein armes, dünnes Trauerkleidchen sei, das ihr freilich wunder— voll zu der frischen Blässe ihres schönen Gesichtes stehe. Tausendmal wollte ich Lucien's Rede unterbrechen und ihr er— zählen, daß und wie ich die Fremde schon von Weitem gesehen hatte; darin, daß ich es nicht that, nicht zu thun vermochte, mögen Sie den Beweis erkennen, daß schon dieses erste Sehen verhängniß— voll für mich geworden war. 8 d Der Gedanke, daß des Mädchens Bild nur durch eine Ver— kettung besonders poetischer Umstände aus der Ferne so zauberhaft auf mich gewirkt habe, wich bald einer ganz anderen Ueberzeugung. 17 Auch im Dämmerschein von Lucien's Krankenzimmer empfand ich den Eindruck ihres außergewöhnlichen Liebreizes in süß beklem— mender Weise; noch ehe ich den Wohlklang ihrer melodischen Stimme vernommen, stand es fest in mir, daß sie das anmuthigste Wesen sei, dem ich je begegnet; der warme Goldton ihrer Flechten, das 0 5 14 8 Mit begreiflicher Eile lenkte ich matte Weiß ihres weichen Gesichtes und der dunkle Glanz ihrer großen Augen reichte hin, um ein Herz zu verwirren. Sie selbst schien von alledem nur wenig zu wissen; nicht ein Hauch von eitlem Selbstbewußtsein trübte die ungekünstelte Frische ihres Wesens, die sich mit einer Lebendigkeit offenbarte, wie sie nur die feinste Erziehung im Verein mit der reinsten Herzensunschuld einem jungen Mädchen zu verleihen vermag. Unser Kind, das durch seiner Mutter Krankheit still und nach— denklich geworden war, schien unter Katharina's sonnigem Einfluß den Druck seines ersten Kinderleidens von sich abzuschütteln; auch mein stilles Weib genoß den Einfluß dieser rosenfrischen Jugend wie eine wundervolle Wohlthat; für die kleinen Hilfsleistungen, die süßen, zartsinnigen Liebesdienste, die das Mädchen der Kranken leistete, schenkte ihr diese ihr ganzes, liebewarmes Herz. Ich selbst,— erlassen Sie mir's, Ihnen die seligen Qualen jener Tage zu entschleiern, Ihnen das wunderbarste Geheimniß des Lebens kund zu thun, das der doch nie begreift, der ihm nicht in eigener Brust nachzuspüren vermag. Ehe das Mädchen noch recht heimisch in unserem Hause wurde, ward ich mir's unter Glühen und Erblassen bewußt, daß ich sie liebe. Mit zwingender Macht, N gleich einem Wunder, war diese Leidenschaft über mich gekommen, für die ich Gott bald demüthig wie für eine neue Jugend dankte, bald wie für eine schwere Sünde um Vergebung bat. Der Anblick Lucien's, die von Tag zu Tag durchsichtiger, gleich— sam verklärter ward, rührte mich bei der fieberischen Erregtheit meines Innern doppelt. Oft war ich nahe daran, vor ihr niederzuknieen, ihre lieben, zarten Hände zu küssen und ihr meine Bewegung zu gestehen. Seltsamer Weise aber wand sie mir in solchen Momenten selbst ahnungslos und arglos das Wort aus der Hand, um über das zu plaudern, was ihre liebevolle Seele jetzt am meisten beschäf— tigte: über Katharina's Vorzüge. N „Wir müssen sie übrigens mehr zu zerstreuen suchen; sie ist nicht mehr so heiter wie erst,“ sagte sie einst.„Und doch ist sie mehr wie jede andere zu Lust und Lachen geboren.— Willst Du nicht zuweilen mit ihr spazieren reiten? Sie erzählte mir, daß sie daheim ihren Vater oft auf seinen Krankenritten begleitet habe. Wenn ich gesund bin, streifen wir dann zu drei durch die Wälder!“— So schuf die fürsorgliche Güte der treuen Frau meiner Leiden— schaft einen neuen Anlaß zur Entfaltung. Schon mein durch Luciens Kranksein veranlaßtes, traulichen Mahlzeiten, die sie durch ihre vornehme Grazie, ihr ge— wandtes Plaudern so köstlich würzte, diese scheinbar absichtslosen Begegnungen in Garten und Wald, die gemeinsame Sorge für die Leidende und das Kind, hatten eine Art süßer verwandtschaftlicher Vertraulichkeit zwischen uns geschaffen, die unter anderen Verhält— nissen schwerlich hätte heranreifen können. (Fortsetzung folgt.) Lose Blätter. Klosterschäfflerei.(Siehe Illustration.) Ju Süddeutschland giebt es bekanntlich geistliche Brüderschaften, die sich mit der Bewirthschaftung weiter Ländereien befassen und die selbst an den industriellen Unternehmungen des Landes regen Antheil nehmen. eher berühmt wurden als durch die geistliche Wirksamkeit ihrer Insassen. Solche Klöster haben sich Werkstätten eingerichtet, in denen fleißig gearbeitet wird. Die Ordensbrüder nehmen zwar keinen Antheil an der manuellen Thätigkeit, allein sie beaufsichtigen die Arbeiten und sorgen für leibliche und geistige Erquickung Derer, die in ihrem Dienste stehen. Der humoristische Genremaler Eduard Grützner in München, welcher mit Vorliebe die ge⸗ müthliche Seite des Klosterlebens schildert, stellt uns in seiner„Kloster⸗ schäffelei“ das Innere einer Werkstatt vor, in welcher den Arbeitern ein frischer Trunk und ein Imbiß, bestehend aus Brot und Rettig, gereicht d 1 Bei der Zusammenkunft Friedrich's II. und Kaiser Josephs zu Neiße äußerte der König, während sich jener mit dem General von Seyjdlitz unter⸗ hielt:„Ein schöner, geistvoller Kopf. Ich muß seine Büste besitzen. Ich darf ihn nicht aus den Augen lassen.“ Leiser fügte er hinzu, als ob er mit sich selbst spreche:„Er hak viel Talent. Es ist ein Glück, daß die Jugend immer den zweiten Schritt thut, ehe sie den ersten gethan hat.“ Die wenigen Worte des tiefen Menschenkenners charakterisiren Kaiser Joseph II. auf das Beste, der als Regent sich überhastete, so daß von seinem Wirken nichts zurückblieb. e öfteres Alleinsein mit der Geliebten, diese Wir kennen Klöster, welche durch ihr Bier rr 1 ne — EF ein che ur ld ach. 5 ch end die iet, alen des in recht hen acht, nen, lte, eich⸗ eines ieen, 1 enten über schäf⸗ nicht mehr nicht heim n ich iden⸗ cien? diese 1 ge⸗ Absen ir die licher erhaͤlt⸗ abt 5 J weiter gen des r Bier Isassen. albeitet wel che un istiche 15. Die versunkene Schänke. Elsassische Sage. In Rülisheim bei Mühl⸗ hausen lebte der Heiri, ein Bauernsohn, wie es keinen tolleren geben konnte. Trinken, fluchen und lästern schienen ihm angeboren zu sein Dabei war er ein unbarmherziger Gläubiger und ein Wucherer, der seinen Opfern das 1885 Hemd 0 losen Gesellschaft; denn die nach. Geld aber besaß der Tages nun saß die ganze rühmte sich b Andern schlichen sich davon; Vesperglocken derselbe, der ich stets gewesen bin.“ heran und der vom Leibe zog. Dabei war er doch der Mittelpunkt von einer Menschen laufen mehr dem Gelde als der Tugend Heiri und rühmte sich hochmüthig dessen. Eines Kumpanei wieder in der Schänke und der Heiri seiner Schlechtigkeiten. Da erklang die Vesperglocke. Die aber der Heiri schrie:„Ich bleibe trotz allen Da brauste ein Orkan Erdboden bebte. Die Schänke versank und mit ihr der gottlose Bauer, der jetzt da unten sitzt, ohne Gesellschaft und Wein. Eine Matte ist an die Stelle getreten, wo die Schänke gestanden hat⸗ . W. G Rückkehr aus dem Orient nach Frankreich wurde Vaillant. Auf seiner der berühmte Numismatiker, Vaillant im mittelländischen Meer von einem Korsaren verfolgt, und sah in den Händen des Barbaren. schluckte er zwanzig der köstlichsten Exemplare. Wind und Vaillant entkam. Schatze im Geiste sich und seine theuren Münzen schon In der Verzweiflung seines Herzens ver⸗ Zum Glück drehte sich der Als er zu Avignon glücklich mit seinem Aerzte zu Rath, wie er sich am im Leibe gelandet, zog er zwei zweckmäßigsten und sichersten seiner theueren Bürde entledigen sollte. Da sich Beide in ihren Vorschlägen nicht von ihnen zu einigen konnten, so beschloß er, keinem folgen und eilte nach Lyon, wo er sich seinem Freunde Du Four, einem ebenso leidenschaftlichen Münzliebhaber als er selbst, an⸗ vertraute. irgend eines noch ungesehenen Entzückt von dem Gedanken, vergaß der numismatische Arzt Exemplares alter Münzen Herr zu werden, Alles, was eigentlich seinen Patienten anging, und fragte nur, ob die ein⸗ Kaiserzeit angehörten. fiel er, indem er gesenkten Kopfes, unbeweglich, der früheren römischen oder späteren byzantinischen Du Four vernahm, daß sie aus der früheren Römer⸗ eit seien, und ging nun mit um so größerer Sorgfalt zu Werke, seinen Feeund von den köstlichen Kleinodien zu befreien, die er so lange liebend unter dem Herzen getragen. Zuvor aber bedang er sich als Lohn fir seinen Dienst einige der geretteten Münzen aus. M. gesargten Kunstschätze Kaspar Hauser. Es war im Monat August 1829, als Kaspar Hauser's Lehrer ihm, an einem schönen heitren Sommerabend, zum erstenmale den gestirnten Himmel zeigte. Sein Erstaunen und Entzücken überstieg alles Erwarten. Er konnte sich nicht satt daran sehen, kehrte immer wieder zu diesem Anblick 1 faßte dabei die verschiedenen Sterngruppen richtig ins Auge und bemerkte die ausgezeichneten hellen Sterne mit ihren ver⸗ schiedenen Farben.„Das,“ rief er aus,„ist aber doch das Schönste, was ich auf der Welt gesehen habe. Wer aber hat die vielen schönen Lichter da hinaufgestellt? wer zündet sie an? wer löscht sie wieder aus?“ Als man ihm sagte, daß sie, wie die Sonne, die er schon kenne, immerfort leuchteten, aber nicht immer gesehen würden, fragte er von neuem: wer sie denn da oben hinaufgesetzt habe, daß sie immer fortbrennen? Endlich ver⸗ mit starren Augen dastand, in tiefes ernstes Nachdenken. Als er wieder zu sich kam, war sein Ent⸗ zücken in Schwermuth übergegangen. Er ließ sich zitternd auf einen Stuhl nieder und fragte: warum jener böse Mann ihn nur immer eingesperrt ge⸗ halten und von allen diesen schönen Sachen ihm nichts gezeigt habe? er, Kaspar, Bestrafung desselben etwas wissen wollen. 2 a 4 7 N 5 habe doch nichts Böses gethan. Er brach hierauf in ein langes, schwer zu stillendes Weinen aus, und sagte: man möge nun auch einmal den Mann, bei dem er immer gewesen, auf ein paar Tage einsperren, damit er wisse, wie hart dieses sei. Vor diesem großen Himmelsschauspiele hatte Kaspar noch nie Unwillen gegen jenen Mann geäußert, noch weniger von einer Georges Cadoudal, der Chef der Chouans im französischen Revolutions⸗ kriege, der die Niederbretagne insurgirt hatte, und dem man vorwarf, sich gegen das Leben des ersten Konsuls Napoleon Bonaparte verschworen zu 1 wurde nach der mißglückten Explosion der Höllenmaschine eingezogen und sah seinem Tode entgegen. Um so größere Ueberraschung ergriff ihn, als man ihm sagte, Bonaparte wolle ihm Audienz ertheilen. Unterwegs gab der ihn führende Unteroffizier den Rath, um Gnade zu bitten. Cadoudal schwieg und lächelte verächtlich. Napoleon empfing den riesigen Gegner ganz allein; doch war dos nur Komödie, denn Cadoudal bemerkte im Spiegel, daß die Seitenzimmer, deren Thüren offen waren, mit Gensdarmen voll⸗ gepfropft waren.—„Was würden Sie thun,“ begann der erste Konsul die Unterredung,„wenn ich Ihnen das Leben schenkte?“—„Es von Neuem daran setzeu, um Sie zu tödten.“— Und wenn ich es Ihnen zum zweiten Male schenkte?—„Würde ich es zum dritten Male wagen; denn Sie und ich werden unversöhnliche Feinde bleiben, so lange ein Bourbon athmet.“— „Sie sind ein Thor!“— Der Corse winkte, der Bretagner warf den roth⸗ haarigen Kopf stol zurück, die Lippe höhnisch auf und kehrte ihm den Rücken.— Der Offizier, der ihn in das Gefängniß zurückgeleitete, bemerkte: „Sie haben den Moment verfehlt. Es wird Ihnen leid En den günstigen Augenblick nicht besser benutzt zu haben.“—„Das bedaure ich thatsächlich von Herzen,“ entgegnete der athletisch gebaute Mann:„ich hätte die Ge⸗ legenheit benutzen sollen, das kleine Ungeheuer in meinen Armen zu geen Das Hemde des Glücklichen. Die in diesen Tagen wieder einmal so brennend gewordene irische Frage, gegen welche die englischen Löschapparate sich schon so oft unwirksam erwiesen 8 erinnert an eine alte Geschichte, deren aktuelle und sinnreiche Bezüglichkeit ihr ein Recht giebt, denjenigen Lesern mitgetheilt zu werden, denen sie bis jetzt unbekannt geblieben ist. Der Sultan von Serendib war von der Sultanskrankheit, der Langenweile, befallen. Aerzte versuchten Heilung. Kein Mittel wollte verfangen; Priester besprachen das Uebel, Der Sultan aber gähnte vom Morgen bis zum Abend, brummte vom Abend bis zum Morgen, war 10 k und theilte sein Unglück f einer ganzen Umgebung mit. Endlich rieth ihm seine Mutter, eine kluge Frau, die, in ihrer Jugend von Zigeunerinnen gestohlen, dann in das Serail verkauft, manches gelernt hatte. genesen, so reise zu Wasser und zu Lande, bis ziehe ihm das Hemde aus, und ziehe es Dir ganz warm an. zurück, setze Dich auf Deinen Thron, und Du wirst glücklich sein.“ Sultan folgte dem Rath und schiffte sich ein. ehen?“ fragte der Steuermann.„Na andete, man und Nubien. der Papst selbst rieth unserm Sultan, einen gewif suchen, der solle glücklich aber lächelten viele Vettern hatten sich sogar erhängt, ersäuft oder erschossen. der Sultan nach Frankreich; da fand er aber Wirthschaft, daß er nicht einmal nachfragte, Er reiste nun nach England und fand dort John Bull verdrießlich sei und brummig, ihm der Sultan sagte, er sei zu ihm gekommen, Sterblichen, lachte ihm John Bull in's Gesicht. traute, er sei John Bull eine Guinee mit den Worten kaufe Dir ein das Geldstück Almosen.“— An diese wandte sich der Sultan mit der Frage: von ihrer schwarzen und weißen Kunst „Mein Sohn,“ sprach sie,„willst Du von der Langenweile Du einen Glücklichen antriffst, Dann komm Der „Wohin soll die Reise ch dem glücklichen Arabien!“— Man suchte, man fand keinen Glücklichen. Ebensowenig in Aegypten Man fuhr nach Italien. Italien seufzte unter fremdem Joche, 15 John Bull aufzu⸗ sein und keine Langeweile haben, seine Heiligkeit bei dieser Mittheilung, denn es hielten sich damals gerade dieses John Bull der Langeweile wegen in Rom auf; einige Im Vorüberreisen kam ein solche wüste und unordentliche ob dort vielleicht ein Glücklicher weil man ihm fast keinen Rock auf dem Leibe gelassen. Als f als zum Glücklichsten der Als er ihm vollends ver— sich eine Gunst bei ihm zu erbitten, warf ihm Mi„Es ist meine Letzte, geh' und Hemde auf dem Leibe!“ Mit Würde gab ihm der Sultan zurück und sprach:„Ich suche zwar ein Hemde, aber kein Neben John Bull wohnte seine Schwester Peg(Schottland). „Bist Du glücklich, schöne gekommen, Peg?“—„Ich war es, als ich meine Lieder und Balladen dichtete, jetzt singe ich sie zuweilen noch meinen Kinder vor, weine aber dabei meine hellen Thränen, denn die guten Zeiten sind vorbei!“„Lauter Unglückliche,“ seufzte der Sultan und schiffte sich nach Irland (Patrik) John über. Hier fand er Paddy, Bulls nahen Vetter, den dieser zwar durch harte Behandlung störrig und verstockt gemacht, der aber unter seinem Strohdach und seinen Kartoffeln ihm so beschloß. Einst sa Rasen singen, Augenblick da. Boden werfen, ausziehen. Sultan, aber lücklich schien, daß er sich in seiner Nähe aufzuhalten 0 er ihn mit seinen Freunden und Freundinnen auf dem springen und ausgelassen lustig sein. Jetzt war der günstige Er überfiel ihn, ließ ihn von seinen Leuten ergreifen, zu —„Gebt mir sein warmes Hemde!“ rief der Paddy, der Irländer hatte kein Hemde auf dem Leibe, man hatte ihm keins mehr gelassen. Walter Scott, der die alte Parabel vom Hemde des Glücklichen in dieser geistreichen Weise paraphrasirte vor länger als einem halben Jahr⸗ hunderte, dachte gewiß nicht daran, „actuell“ sein Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: des geographischen Silben⸗Räthsels: manche harte grub. 4. Werra. eck. 9. Nayrac. 10. Ihla. 14. Enz. 15. Saarlouis. 16. Ems. daß dieselbe noch heute zeitgemäß und würde. R F. Auflösungen der Mäthsel. Brod— Bord;— Sie werden in diesem Jahr noch Nuß zu knacken haben. 1. Sardinien. 2. Isere. 3. Eis⸗ 5. Edinburgh. 6. Rumänien. 7. Dafe. 8. Ein⸗ 11. Negotin. 12. Dänemark. 13. Itu. 17. Mainau. 18. Indien. 19. Aeule. 20. Halberstadt 21. Ratibor. 22. Navarra. 23. Offenbach. 24. Cam⸗ bridge. mogriphs: Ein Erfolg— 4. Escorial. 9. Glogau; Promenade: 25. Herrenwörth. 26. Marc. 27. Abbruzzen;— des Arith⸗ 1. Ebenalp. 2. Ida. 3. Nandu. 7. Otomaken. 8. Leopold. 2. Oder; der Königs⸗ Paul Lindau. 5. Rastral. 6. Frascati. — des Kapsel⸗Räthsels: 1. Tau. Die Liebe ist der stolzeste der Triebe, Sie kehrt den Rücken dem, der Gold ihr bot: Und aller Triebe frei'ster ist die Liebe, Sie lächelt nur, wenn Ihr mit Ketten droht. Die Liebe ist der treu'ste aller Triebe, Sie harret aus in jeder Erdennoth; Und aller Triebe stärkster ist die Liebe, Denn Liebe überwindet selbst den Tod. Julius Sturm. Räthsel. Ich bin ein verschmitztes Wesen, Oft zum Guten auserlesen, Oft zum Bösen auch gesellt. Brauche mich, doch ohne Galle, Dann kommst du nicht in die Falle, Die der Böse dir gestellt. . 9 ä e Rösselsprung. fu⸗ mir lieb wie dei⸗ ger mei⸗ lich] lein] ten sein auf dei⸗ nen und und heim- setz' leich-[[nen trä⸗ nun jetzt lich ruh'n bens fuß nes fried⸗ zu ich so nun und 1 05 1 n und lie⸗ al⸗ le⸗ mir ich welt 75 lein es dei⸗ um dir N ließ auf könnt'] ße welt 0 sagt nes Silben-Räthsel. Aus nachfolgenden Silben: a a ber che da da di doc dor e ei el fall gue hai in kon lan lein ler man na ni öl plieu pi rein rup sal schang tha us u zach sind 13 Worte zu bilden, deren Aufangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ein Drama von Laube, und deren Endbuchstaben, ebenso gelesen, zwei darin handelnde Personen ergeben. Die 13 Wörter ergeben: 1. Einen hebrälschen Propheten. 3. Eine Zierpflanze. 4. Einen Vogel. 6. Einen verstorbenen ai e 8. Einen Fluß im Salzburgischen. vinz Kiang⸗su. 10. Einen sadlichen Angriff. 13. Einen Komponisten. 2. Nordamerikanischen Freistaat. 5. Einen weiblichen Vornamen. 7. Kanal im südlichen Frankreich. 9. ae in der chinesischen Pro— Ein Oel. 12. Einen Baum. guchstaben-Räthsel. Die nachfolgenden Buchstaben: a 4 a a a a b hee e s e e en eee E äunf mm m n n n o Oo 0 r rr s st u u uu W sollen nach Nan Muster obiger Figur so zusammengestellt werden, daß die Diagonalen den Namen einer Person aus Schillers„Don Carlos“ ergeben. Die Worte bezeichnen: 1. Einen Buchstaben. 2. Einen Fisch. 3. Einen weiblichen Vornamen. 4. Einen Adelstitel. f 5. Einen alten deutschen Volksstamm. 6. Den Namen der Person aus Schillers„Don Carlos“ 5 7. Stadt im böhmischen Kreis„Tabor“. 8. Hauptstadt der englischen Insel Wight. 9. Verstorbener englischet Dichter. 10. Theil eines Baumes. 11. Einen Buchstaben. Logogriph. ein Ganzes ist dem Menschen angeboren; Doch 11 hat durch Unglück mich verloren. Ein Zeichen mehr, dann bin ich doppelt, was ich war; Noch eines mehr, dann stell' ich, auserkoren, Mich Ländern oft zum Schrecken dar. Schach. Problem Nr. 367. Von H. Meyer in London. Schwarz. 8 1 5 2 e 9,, r 8 25725. 5 en, 1. . 1 . 1 1 1 , 5 L. 12 L . * 8 wa Diese Aufgabe wurde im Problemturnier des British Obess-Magazine gemeinsam mit einer fünfzügigen Selbstmattaufgabe von B. Hülsen in Wittenberg durch Zuerkennung des getheilten ersten und zweiten Preises aasgezeichnet und auf sie bezieht sich das in der vorigen Nummer dieses Blattes irrthüm ich dem Selbstmatt gespendete Lob hervorragender Schwierig⸗ darf. Der Umstand, daß die Aufstellung nur durch vorhergegangene Bauernumwandlung zu erklären ist, war es, welcher die Preisrichter im Nürnberger Problemturnier von 1883 veranlaßte, das Problem von der Concurrenz au scdcheb w und dem Autor zur freien Ver⸗. fügung zurückzustellen, und ohne jene Positionsschwäche wäre dem Verfasser schon damals für seine hervorragende Leistung zum mindesten eine ehrende Anerkennung sicher gewesen. Auflösungen. Problem Nr. 357 von C. H. Wheeler. 1) Sf5—e7 Tes 181 2) 146 78—f6: ꝛc. 3) Dhé—es(Dfa) 7 Varianten 1).. Tes—er: 2) Dg5r Ke 3) Df5 Matt. 1) (ed) 3) Df Matt.— Die Nine wurde au Wa von F. Osten in G., L., Dr. Voelkel in B., H. Michaelis in Th klub Thun; W. Kron in B., F. Wie in D, O. S. in B., J. Seidenberg in K. G. Schnitzler in May in B., Dr. Wehrneeister in M., Schach⸗ W. Steinmann in P., R. Blümel in S. 15 Problem Nr. 358 von C. Kondelik in Paris. 1) sh6—88 Sf7— de: 2) Sba—d3 f e443: 3) Da- 354:(Kral) 4) Lh4—f6(Lg3)f Varianten: 2).. Kds 3) Dbsr Kdé:(dd) 4) Des Matt.).. Kd 2) Sd Kozl 3) Kb Kd2(beliebig) 4) Dez(bi) Matt. 1).. K dé: 2) Do es—e5 3 Dea 4) Dds Matt, resp. 2).. Kdo 3) Peöf Kt 4) Lgs Matt. 107. e4 ka: 2) Sd3f Kd5l 3) Se77 Kdé: 4) Dba. Matt, resp. 2).. Kade: 3) Ddaf Kes 4) Des Matt. 1)„ g.h4) Sda t ezdgl 10 e2—egl 4 c.) 4) 1(dd) Matt. 1).. 8 zieht beliebig 2) 8437 eds 3) Lf5˙I ꝛc. 14(84 oder es) 2) Sdafr eds 3) Dea kresp. 62 es oder f.ez) 3) Matt.— Um die Feinheit der Anlage richtig zu würdigen, darf man nicht übersehen, daß das in fast allen Varianten wiederkehrende Springeropf, spieles ist, indem alle Gegenzüge von Schwarz, von den Königszügen und der des Bauern el abgesehen, die Deckung eines der Felder 14 oder g5 aufheben und dadur erst den für die Mattfübrung unenthehrlichen stillen Zug e?—es oder Ugo: ermöglichen. Zwar muß die Nothwendigkeit, dem Könige das Feld ö abzu chneiden, dem Löser fast so fort einleuchten und auf den Springerzug nach 9 a's einzig denkbaren Einleitungszug hinweisen, Schwarz. und trotz des guten auf den Zugzwang 1 e, 75 aufgebauten Variantenspiels bleibt dieser .,. 7 b. 5 e 5 3 5 . 1* 15 „ . 2 2 5 2 Weiß. i 1 von W. Kron in B., F. Osten n G., Dr. Wehrmeister in M, Schach⸗ klub Thun, W. Steinmann in P., R. Blümel in S., C. May in B., J. Seiden⸗ kerg in K. Problem Nr. 368, von J. Kohtz und C. Kockelkorn. Weiß zieht an und setzt mit dem driten Zuge Matt. Diejenigen unserer Löser, welche sich von der Schwierigkeit eines preisgekrön⸗ ten Fünfzügers nicht besonders angezogen fühlen, möge der nebenstebende Drei- züg er einfachsten Stiles schadlos e er 2) Sdaf keineswegs der erste Zug eines Drohungs⸗ Bewegung Mangel an Schwierigkeit eine Schwäche ? des Problems Die Lösung wurde keit— obschon auch das Hülsen“ sche Problem Anspruch auf große Schwierigkeit erheben beliebig 2 Tor Kd4 0 Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Phillips in Berlin, Lützowstr. 105. —————— r