e 9 * 8 zu den 12 2 6 Oberhessischen Uachrichten. 13 Jeder Nach druck aus dem 9 Zeitschrift 1 werden. N———— Gießen, den 9. Mai. 1 2 8—— 8 3 1 Die Stiefmutter. f Roman von M. Elton. (Fortsetzung.) V. Der folgende Tag neigte sich bereits, in dem stillen Herrschafts— hause in Mandsfelt herrschte eine außergewöhnliche Unruhe. Lindner irrte bleich und verstört aus einem Zimmer ins andere und schlug die Thüren dröhnend zu, Georg stand kopfschüttelnd im Hofe, er übergab seinem treuen Begleiter, Klas Back, Flinte und Jagdtasche und sagte:„Trage Alles ins Haus, gieb den Hasen der Köchin; das sind Neuigkeiten, die hört man nicht alle Tage, wenn man müde und hungrig von der Jagd kommt. Geh' hinein, Du Tölpel, was hast Du denn hier zu stehen, als ginge es Dich etwas an, ob die Mama in den Ziehbrunnen gesprungen ist, oder ob sie mit dem Andern durchgebrannt ist; ist das Kind nun mit ihr fort, so wird weder das Eine noch das Andere anzunehmen sein.“ Klas war ins Haus gegangen und Georg begab sich die breite Steintreppe hinauf zu seiner Schwester. Adeline schreckte bei seinem Eintritt vom Ruhebett auf.„Wer heißt Dich hier unangemeldet eintreten?“ fuhr sie ihn an;„man klopft wenigstens an die Thüre.“ „Ja, das hätte ich auch gethan,— in der Verwirrung,— aber wie siehst Du aus, Adeline! man meint, Deine Augen hätten Dein Gesicht aufgegessen. Freilich, wo ist die Frau; ist ein Unglück passirt, so bekommen wir beide wieder alle Schuld von der Nachbar— schaft; die Kanaillen von Gesinde und Hauslehrern haben uns den Ruf verdorben.“ „Wie bist Du so albern!“ rief sie mit einem schrillen Lachen, „sie ist fort mit Lord Graham,“ und wieder lachte sie, daß es Georg ganz unheimlich wurde. „Ich glaube, Du hast das Fieber,“ sagte er kopfschüttelnd und verließ ihr Zimmer.„Mit dem Alten wird nun gar nicht mehr zu reden sein,“ meinte er und ging in den Speisesaal, wo er heftig nach dem Mittagessen schellte.„Klas soll zu mir kommen,“ sagte er zur Köchin, die ihm die Suppe herein brachte.„Höre,“ redete er den demüthig an der Thüre gebliebenen Klas au, indem er die Suppe schlürfte,„Du ziehst heimlich Erkundigungen ein, ob Niemand im Dorfe Frau Lindner gesehen hat.“ „Unten in der Küche weiß Niemand etwas von ihr,“ sagte Klas. laß begehrt. Wie nun nichts sich regte und die Thüre verschlossen blieb, da hat der Kutscher das Schloß aufbrechen müssen. Der gnädigen Frau Bett war unberührt, die Kleine aber mußte noch in ihrem Bettchen geschlafen haben. Der Herr hätte rathlos da— gestanden und darauf etwas von einem Besuch in der Nachbarschaft gesagt, sei aber bleich wie der Tod geworden, als er einen Brief auf dem Schreibtisch der gnädigen Frau gesehen, den er mit sicht— lichem Beben ergriffen und zu sich gesteckt hätte,— sonst konnte ich nichts erfahren, Herr Georg.“ „Ei, wer heißt Dich denn im Hause spioniren?“ fuhr ihn Georg an und zog zornig die buschigen Augenbrauen zusammen. „Dies Volk, das dem ersten Besten die Geheimnisse unseres Hauses preis giebt, muß zum Teufel gejagt werden. Laß Dir nur nicht wieder einfallen, hier auszufragen, und wenn Du ein Wort im Dorfe sagst, so sind wir gute Freunde gewesen, merk' Dir's, Klas.“ Lindner saß in seinem Zimmer und hielt den Kopf in beide Hände gestützt, vor ihm lag ein beschriebenes Blatt Papier. „Lieber, Guter!“ lautete Julia's Brief.„Es ist dunkel in meiner Seele, meine Verwirrung ist so groß, daß ich keinen Ausweg aus diesem Labyrinth sehe. Ich muß fort, das fühle ich allein klar; ich muß mich ferne von hier wieder finden und wieder lernen, an mich selbst zu glauben. Wieder vor Dir zu erscheinen und Dich als strenger, verdammender Richter vor mir zu sehen, das könnte ich nicht ertragen; ich würde mich gegen Dich empören und das traurige Verhältniß, das die Luft von Mandsfelt über uns zu be— schwören scheint, würde zu dem unglückseligsten werden; denn ver— zeihen würde ich Dir nie können, wenn ich aus Deinem eigenen Munde hören müßte, daß Du mich für ein elendes, pflichtvergessenes Weib hältst. Du thust es nicht, das will, das muß ich glauben, trotz Deines Betragens. Warum bist Du nicht zu mir gekommen und hast nur Deine treuen Augen sprechen lassen:„Julia, ich glaube an Dich, trotzdem, was man von Dir erzählt hat!“ Ich hätte Dir das Eine mit begeisterter Dankbarkeit gesagt:„Ein heiliges Versprechen bindet mich, ich darf nichts sagen; aber diese Stunde vergesse ich Dir nicht.“ Du siehst, daß ich gehen muß; wenn ich bliebe, so würde auch die Zukunft, auf die ich hoffe, auf die ich baue, für mich und Dich unmöglich sein. Wohin ich gehe, weiß ich in meiner Verwirrung selbst nicht; unser Kind nehme ich mit; ich kann es nicht freundlos hier zurücklassen. Beunruhige Dich nicht darüber, was aus uns werden wird; ich bin gesund und hoffe, daß meine Kenntnisse uns so viel zu verschaffen vermögen, als wir Beide nöthig haben. Lebe wohl, Lieber, Guter! Ich bebe und zittere vor dem letzten verhängnißvollen Schlage; er scheint mir schwer ausholen zu wollen in der drohenden Luft, die mich umgiebt, um mich ver— nichtend zu treffen. Das darf nicht sein, ich muß mir die Er— 4 — 4 414 1 1 „Das Kammermädchen ist heute Morgen öfters an der Thüre ihres Zimmers gewesen, und als die gnädige Frau nicht zum Mittag— essen gekommen ist und die Köchin das Essen wieder geradeso hinaus⸗ getragen hat, wie sie es hinein getragen, da auch der Herr und das gnädige Fräulein nicht erschienen waren, so hat sie endlich Nachmittags, da Alles stille blieb in den Zimmern der gnädigen Frau, dem Herrn Anzeige davon gemacht. Er ist nicht sogleich gekommen, erst später und hat nicht mit sehr sanfter Stimme Ein⸗ N — e — * N 2 146.. 5 innerung an Dich retten,— sie soll mir rein und heilig bleiben. Lebe wohl!“— Lindner nahm das Schreiben wieder in seine bebenden Hände und schwere hastige Tropfen fielen darauf nieder.„Das hätte sie mir nicht thun dürfen,“ weinte er in seine Hände,„sie und das arme kleine Kind in der weiten Welt verloren! Es ist so unglaublich von Beiden, sie so rein, so ernst und würdig in jedem ihrer Ge⸗ danken und der brave Junge von Masbach, der unter meinen Augen aufgewachsen ist,— ich könnte den Verstand darüber verlieren. Welche Geheimnisse aber hat sie ihm mitzutheilen, die sie mir vor⸗ enthält? Und habe ich nicht mit eigenen Augen ihre bittenden Geberden, ihre Thränen gesehen, als sie mit dem Jungen sprach? —Ist sie allein forke“ fuhr er wild auf,„sind das nicht neue Intriguen, die mich auf Irrwege führen sollen? Ha, wir werden sehen und dann soll ihr Durchbrennen nichts helfen, ein skandalöser Prozeß soll der Welt zeigen, wie der hochgeehrte junge Nachbar dem alten Narren, der sich seines Glückes so sicher bewußt war, das tugendhafte, bewunderte Weib gestohlen hat. Ich gehe darüber zu Grunde, diese Schmach ertrage ich nicht! Gewißheit muß ich haben, absolut muß ich wissen—“ Er ritt hinaus in die Nacht. Kein klarer Gedanke kam ihm, schattenhafte Gestalten schienen mit rasender Schnelligkeit an ihm vorbei zu huschen, er stürmte sinnlos fort, fühlte wie im Traume, daß das Pferd stille stand und meinte endlich, bekannte Menschen⸗ stimmen zu hören, die sich um ihn beschäftigten. Es war spät in der Nacht, als er aus einer langen Bewußt⸗ losigkeit erwachte. Eine sanfte wohlthuende Hand machte ihm kühlende Umschläge auf den Kopf und sein starrer Blick fiel auf Frau van Mossels Gesicht, das ihm beruhigend zulächelte. Ver⸗ wirrt sah er auf nach dem, der ihm so unermüdlich die wohl— thuenden Umschläge auflegte und Eduard van Mossel sah ihn treu— herzig an und flüsterte seiner Mutter zu:„Er kommt zu sich, Gott sei Dank!“ „Erkennen Sie mich, Herr Nachbar?“ fragte Frau van Mossel und beugte sich zu Lindner nieder. „Ja, ich erkenne Sie und auch Ihren Sohn,“ sagte er und seine Blicke fuhren wild im Zimmer umher.„Ein Unfall, ein Sturz vom Pferde wahrscheinlich—“ „Ich denke nicht, es war nur eine Ohnmacht; Ihr Pferd hielt glücklicher Weise dicht hier am Hause,“ erklärte Eduard. „Ich wollte zu Dir,— Rechenschaft fordern,“ sagte er mit einem finstern, unsichern Blick. „Er ist noch nicht ganz bei sich,“ flüsterte Frau van Mossel, „wenn nur der Doktor endlich käme!“ „Ich bin ganz bei mir, Frau Nachbarin, im vollen Bewußtsein meines Unglückes,“ sagte er und versuchte wieder aufzustehen. Mutter und Sohn warfen sich einen besorgten Blick zu. „Meine Frau ist entflohen mit der kleinen Ellinor; Eduard, Junge, lege Deine Hand auf's Herz und schwöre mir, daß Du nichts davon weißt, dann will ich Dir glauben,“ rief Lindner verzweiflungsvoll. f „Herr Nachbar, Sie sollten ruhig bleiben; der Doktor muß wohl bald kommen und er wird Ihnen ein Beruhigungsmittel geben,“ sagte Frau van Mossel beunruhigt.„Ach, lieber Eduard, es dauert gar zu lange, bis er wieder ganz bei Bewußtsein ist,“ klagte sie. f „Ich bin bei völligem Bewußtsein, mir ist wieder wohl,“ rief er und stand auf seinen Füßen.„Weiche mir nicht aus, Eduard; schwöre, schwöre, sonst giebt es ein Unglück.“ Eduard van Mossel richtete sich hoch auf.„Sind Sie wirklich nichts von Frau Lindner weiß; ich sah sie vorgestern zum letzten Male, es war in der Stadt,“ erwiderte er und der Ausdruck seines Gesichtes hatte sich getrübt. „Ja, gerade damals in der Stadt; warum diese eifrige be⸗ wegte Unterredung mit ihr?“ fragte er erregt. „Es war nicht der Mühe werth; wir begegneten uns zufällig; da sprach sie mich um einen kleinen Dienst an, den ich ihr leisten sollte und sie war so dankbar dafür, die arme Frau,“ erwiderte er mit voller Wahrhaftigkeit. „Einen Dienst bezüglich ihrer Flucht?“ fragte er hastig. „Ich habe nie von einem solchen Vorhaben gehört,“ ent⸗ gegnete er. bei Sinnen, Herr Lindner? nun, so schwöre ich Ihnen, daß ich „Am Abend vorher aber,— war es Zufall, daß Du ihr am Fichtenwald begegnetest?“ fragte er und seine Blicke irrten unruhig umher. 1 „Das ist absurd, Herr Nachbar,“ rief Frau van Mossel ärgerlich. „Ich glaube gar, Sie wollen meinen Sohn einer infamen Hand- lung verdächtigen.“ 5 f „Herr Lindner, Fichtenwald begegnet, kopfschüttelnd. „Armer Junge! ich bin nie und nimmer Ihrer Frau am weder bei Tag noch bei Nacht,“ sagte Eduard Hat denn wirklich der Herr Nachbar nicht* sehen wollen? wie ist es nur möglich, daß man zu solchen Hirn⸗ gespinnsten kommt!“ rief Frau van Mossel gereizt.„Und wenn es wahr ist, daß Ihre Frau Mandsfelt verlassen hat, so bin ich. nicht erstaunt darüber, es blieb ihr wohl nichts Anderes übrig, wenn sie eine Ahnung von derlei empörenden Vermuthungen hatte.“* „Mutter!“ flüsterte Eduard bittend;„ich bitte Dich, sei nicht hart; ich bin überzeugt, daß Herr Lindner im ersten Stadium einer Hirnentzündung ist; wir dürfen uns seiner Aeußerungen wegen 5 nicht beleidigt fühlen.“ 5 „Ich hätte Dir Unrecht gethan, Junge?“ sagte Lindner und sah mit kläglichem Ausdruck den jungen Mann an.„Gieb mir die Hand, Eduard; es war auch zu unglaublich. Aber was hilft es. mir jetzt, daß ich sie für unschuldig halte, sie ist gegangen und ich weiß nicht wohin.“ Er flößte Mutter und Sohn das tiefste Mitleid ein; sein bleiches Gesicht hatte einen wahrhaft kläglichen Ausdruck. 0 „Fassen Sie sich doch,“ tröstete Frau van Mossel.„Wohin sollte denn Ihre Frau mit der Kleinen gegangen sein, als zu ihrem Onkel?“ 3 0 Er schaute auf, als sei er von einer schweren Last befreit. „Ich glaube, Sie haben das Richtige getroffen,— ja, bei dem alten Onkel wird sie sein. Und nun will ich nach Hause; ver⸗ zeiht mir, ich bitte Euch.“ Eduard brachte ihn im geschlossenen Wagen nach Hause. Es war Georg, der noch allein sichtbar war, und der an den Wagen trat, während die Gestalt von Klas Back sich im Dunkel verlor.. Er starrte die beiden Männer an und verfolgte sie mit verwunderten Blicken bis ins Haus hinein.„Bleibe noch ein wenig bei Deinem 8 Vater,“ sagte Eduard, ehe er wieder in den Wagen stieg;„ich glaube, er wird schwer krank werden.“ „Ich wäre weniger erstaunt gewesen, wenn ich den Papst und den Sultan aus dem Wagen hätte kommen sehen, wie Dich und den Papa,“ sagte Georg und lachte unbändig;„ich glaubte Dich über alle Berge,— oder— Donnerwetter! hast Du den Vater am Ende im Duell verwundet?“ fragte er und öffnete groß die Augen. „Du verdientest, daß ich Dir hinter die Ohren schlüge, elender 1 Junge,“ sagte van Mossel und ging an Georg vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. 5 Georg war eine dunkle Gluth ins Gesicht gestiegen, er drohte mit geballten Fäusten dem abfahrenden Wagen nach und murmelte: „Warte, Du sollst an mich denken.“— 3 Aus dem Dunkel wurde wieder die Gestalt von Klas Back sichtbar. „Den merke Dir, Klas; sind wir einmal in unserm Eignen, dann soll der Masbacher von uns Beiden hören. Was wolltest Bu mir denn gerade sagen, als der Wagen kam? Du machst immer so lange Vorreden; Du mußt mir erst klar machen, wie viel Mühe es Dich gekostet, und wie viel Klugheit und Geschicklichkeit Du daran gewendet, hinter eine Sache zu kommen. Wenn Du meinst, ich sollte daraus die Lehre schöpfen, daß ein Anderer es Dir nicht gleich. thun könnte, und daß Deine Dienste unbezahlbar seien, so bist Bu nichts, wie ein dummer Klas; das merke Dir, und nun heraus damit.“ „Allem Anschein nach ist die gnädige Frau schon seit gestern in der Abenddämmerung fort,“ begann Klas seinen Bericht.„Die Wäscherin, die Lene, hat die gnädige Frau gesehen, wie sie aus der kleinen Türe aus dem Garten den Feldweg betreten hat, und wie sie schnellen Schrittes mit Ihrer kleinen Schwester davon gegangen ist. Die Lene hat ihr nachgeschaut, weil es sie erstaunte, daß Frau Lindner noch so spät spazieren gehe; sie meinte, es müsse ungefähr sechs Uhr gewesen sein. Gegen zehn Uhr Abends haben zwei Frauen aus Mandsfelt, die Butter in der Stadt verkauft haben, eine Dame mit einem Kinde gesehen, ungefähr eine Stunde von der Stadt. Sie 60 haben sie nur aus der Ferne gesehen und sind aufmerksam auf sie geworden, weil das Kind weinte und nicht mehr weiter wollte, bie . Es agen rlor. erten inen ich d den den über Ende ender ihn rohte nelte: tba. gel, st Du ier so ie 05 daran t, ih glich t Ou mit in del geri, Thlue ele Die indnel, 05 Alt 1 alle 1 ul 1 e 147. 0 die Dame es in die Arme nahm und davon eilte. Demnach hat die gnädige Frau ihre Schritte nach der Stadt gelenkt; ob sie nun dorten bei Bekannten geblieben ist, oder ob sie den Nachtzug ge— nommen hat, das kann ich zur Zeit noch nicht mit Bestimmtheit sagen, könnte aber morgen in der Stadt mir Gewißheit darüber verschaffen.“ „Warte, bis ich Dir den Auftrag gebe,“ erwiderte Georg grob. „Geh' heim und leg' Dich auf's Ohr, das rathe ich Dir einstweilen zu thun. Deine Wichtigthuerei könnte Dir eine böse Note bei mir machen; Du bist nicht gescheiter wie ein Anderer, die Meinung habe ich von Dir; die im Dorfe und die Meister, die Dir nichts bei⸗ bringen konnten, die trauen Dir nicht einmal einen Funken gewöhn⸗ lichen Menschenverstandes zu. Ich halte nichts von dem, was die Menschen Verstand nennen; eine gute Nase, viel Spürsinn, das ist's, was ich auf der Jagd und im gemeinen Leben zur Hand haben muß. Bin ich einmal Gutsbesitzer und im Besitz meines mütter⸗ lichen Vermögens, so wirst Du mein Majordomus, wenn Du Dich gut hältst und fein, demüthig und bescheiden bleibst. Nun gehe schlafen.“ Georg fand die Thüre zu seines Vaters Zimmer verschlossen und er ging beruhigt schlafen. Am andern Morgen frühe ersthien Lindner im Schlafzimmer seiner Tochter. Er stand einen Augenblick vor ihrem Lager regungslos, gefesselt von der eigenthümlichen Schönheit des bleichen seinen Kopfes, der wie in leidenschaftlicher Erregung auf die mit kostbaren Valen⸗ ciennes reich garnirten Kissen, überflutet von den schwarzen Locken, ermüdet dahingesunken zu sein schien.„Mein armes, reizendes Kind,“ flüsterte der Vater und sah traurig, wie marmorbleich sich das schöne Gesicht in dem Dunkel des schwerfaltigen Baldachins von dunkel⸗ rother Seide abhob.„Es wäre unbarmherzig sie zu wecken; das arme Kind scheint sehr hart getroffen von des Lords Rückzug, und nun noch Julia's unmotivirte Flucht dazu,— die Vermuthungen und Nachreden, die die beiden Ereignisse nach sich ziehen werden, ja, mgn möchte bei den Eskimo's sein, um nur den Nachbarn zu ent⸗ gehen!“ Er verließ das Zimmer gexäuschlos und setzte sich nieder, einige Worte an Adeline zu schreiben.„Ich vermuthe, daß sie mit der Kleinen zu dem Onkel in Ostpreußen gegangen ist. Wohin könnte sie auch sonst ihre Schritte gelenkt haben, da sie Niemand und nichts kennt, wie das entlegene Gut bei Jastrow. Deshalb werde ich sogleich dahin abreisen und sie möglichst bald zurückbringen. Sorge dafür, mein liebes Kind, daß die Insassen des Gutes sich nicht erlauben, andere Vermuthungen, wie die einer plötzlichen Erkrankung des alten Herrn, auszustreuen.“ Adeline las die wenigen Zeilen und legte sie unmuthig zur Seite. „Nun ist er abgereist!“ rief sie und preßte außer sich die kleinen Zähne auf die glühende Unterlippe.„Ein solcher Akt der Schwäche ist unerhört. Es ist gut, daß er sie nicht bei dem Alten finden wird; die sitzt geborgen auf irgend einer glücklichen Insel mit Lord Graham. Wie bin ich doch so unglücklich!“ brach sie verzweifelt aus und ihre Augen warfen einen Blick voll wilder rachsüchtiger Leiden⸗ schaft nach dem harten blauen Winterhimmel.„Die unnahbare Frau Lindner, die wie eine Heilige verehrt wurde, hat alte verbriefte Rechte Lord Graham gegenüber, Rechte die ihn gezwungen haben, in die gemeinsame Flucht zu willigen,“ rief sie und lachte laut auf unter den dichten Tannen am Ende des Gartens, die sie eiligen Schrittes durchflog. Das weiche Tuch von weißen Spitzen bedeckte ihr kaum noch den Hinterkopf und die vollen schwarzen Locken fielen ihr in die Stirne und auf die Schultern, die Augen in wilder leidenschaft⸗ licher Gluth gaben dem zarten Gesicht von der Weiße des Perlmutter einen Ausdruck, den es nie besessen. Sie lehnte sich an eine Tanne, faltete die Arme fest über der Brust, als wolle sie Alles, was da wüthete, zur gewaltsamen Ruhe bringen und schaute mit wildem entschlossenem Blick hinauf in das schwarzgrüne Gezweig. „Ein reizendes, herrliches Weib,“ flüsterte ein Mann, der kaum zehn Schritte von Adeline entfernt stand.„Was mag sie nur so tief bewegen?“ und ein befriedigtes Lächeln glitt über seine Züge. Sie trat aus den Tannen, ihre Haltung war imponirend, ihr Blick stolz und ruhig. Er nahte sich ihr, wie man einer Fürstin naht, sie sah ihn und es leuchtete freudig in ihren Augen auf, als sie fragend einen Schritt zurücktrat:„Lord Graham?“ 5 „Ja, gnädiges Fräulein, ich selbst,“ sagte er und trat zu ihr. „Hier bin ich und hier bleibe ich, bis Sie mir gebieten zu gehen,“ sprach er und küßte ihre Hand. „Was bedeutete aber Ihr Brief?“ fragte sie mit anscheinender Kälte. „Mein Bangquier in London glaubte meine schleunige Rückkehr nothwendig, ein Alarm, der keine weitere Bedeutung gehabt hat,“ gab er zur Antwort. Sie ging mit ihm dem Hause zu und erzählte ihm von einer unvorhergesehenen Reise ihrer Stiefmutter und der Abreise ihres Vaters und plötzlich, ehe sie den Garten verließ, blieb sie vor dem Lord stehen und sagte kurz:„Sie haben Fräulein Julia von Manners gekannt, Lord.“ Er verfärbte sich kaum merklich, seine Lippen bebten; er führte rasch die Hand zum Schnurrbart und sah Adeline mit dem langen zärtlichen Seitenblicke an. „Ich habe Fräulein Julia gekannt,“ antwortete er langsam; „und habe nur auf ihren dringenden Wunsch hin nichts darüber erwähnt.“ „Was würde mein Papa hierzu sagen?“ versetzte sie nach einer kleinen Pause,„und wie wollen Sie von mir erwarten, daß eine frühere Liaison mit meiner jetzigen Stiefmama mir keinen Ein— druck mache?“ Das Blut strömte wieder fröhlich in sein Gesicht zurück. „Es mag wohl einigen Reiz für ein junges Mädchen haben, f die erste weiße Seite des frischen neuen Buches eines Jünglings zu füllen; mein Buch hatte auch einst seinen Anfang, matt, unklar; die Blätter folgten sich wohl rasch und verworren, und heute steht nichts mehr in dem Buche geschrieben, wie farblose Erinnerungen und mit feuriger Schrift steht es da, daß die Vergangenheit todt ist, daß nur die Zukunft lebt,“ rief er mit jugendlicher Leidenschaft. Er bliebe heute nicht in Mandsfelt, da der Hausherr abwesend war; aber so lange war er doch geblieben, um seinen Antrag in bester Form zu machen und Adelinens Versprechen entgegen zu nehmen, daß sie Lady Graham werden würde, sobald ihr Vater eingewilligt haben werde.— (Fortsetzung folgt.) Joseph Joachim. So weit in der Welt die Geige klingt, wird Joseph Joachim der Geigerkönig genannt. In früher Jugend schon errang sich dieser wunderbare Künstler eine dominirende Stellung in der musi⸗ kalischen Welt und im Lauf mehrer Jahrzehnte ist sein Ruhm ge⸗ wachsen wie ein Baum, der den Wald überragt und dessen Wipfel im goldigen Schein der Sonne erglänzt. In seinem Wesen ver⸗ band sich früh große Willens-Energie mit der freudigen Hingebung an die Kunst. Diese Eigenschaften ließen ihn eine völlig souveräne Herrschaft über alle Mittel der Technik gewinnen. Aber in der Kraft und Fülle des Tons, in der sauberen Ausführung der Passagen und allen äußern Vorzügen liegt nicht die wahre Größe des Geigers, sondern in dem Verständniß des Schönen, in dem Sinn für das Edle und Erhabene, in der geistigen Durchdringung der Komposition und in der Macht und Weihe des Vortrags. Und es sind gerade diese geistigen und seelischen Eigenschaften, welche Joachim in hohem Maße auszeichnen. Sein Genius ist jenem der großen Musikheroen verwandt, seinem geistigen Blick, seinem liebevollen Studium er⸗ schlossen sich alle Geheimnisse und Schönheiten der musikalischen Komposttion und mit der Weihe und Kraft, welche nur dem Künstler von Genie eigen ist, konnte er uns diese Schönheit empfinden lassen, und die eigenen Entzückungen mittheilen. So ist er uns ein be⸗ geisterter Führer und Interpret im märchenhaften Land der Musik geworden. Wie manches Juwel, über das der Strom der Zeit hingerollt war, hat er aus dem Staub hervorgezogen und erstrahlen lassen im Licht seiner Kunst! Wie manches erhabene Tonwerk, vor dessen Schwierigkeit andere Geiger zurückschreckten, hat er mit mäch⸗ tigen Schwingen aus dem engen Kreis der Fachgenossen hinaus⸗ getragen in die weite Welt und demselben zur Popularität ver⸗ holfen! Wie manchem jungen Komponisten hat er durch seinen herrlichen Vortrag den ersten Erfolg gewonnen! Das größte Verdienst Joachims liegt aber vielleicht noch auf einem ganz anderen Felde, und zwar auf einem, das sich den Blicken der großen Menge entzieht; ich spreche von seiner Lehrthätigkeit. Auf dem pädagogischen Gebiet aber zeigt sich ganz besonders seine selbstlose, opferfreudige Hingebung an die Sache der Kunst. Man rühmt es mit Recht dem Spiele Joachims nach, daß aus seiner — 5 5 148 Geige stets nur der Komponist spreche, daß er also das Tonwerk in seiner ganzen Reinheit wiedergebe und die eigene Individualität jener des Komponisten völlig unterordne. Diese rücksichtslose Unter⸗ ordnung, diese selbstlose Hingebung an die Sache der Kunst tritt in ebenso hohem Maße bei dem Lehrer Joachim, wie bei dem aus⸗ übenden Künstler zu Tage. Wo dieser Meister ein Talent findet, ebnet er demselben die Wege, soweit irgend seine Kräfte reichen. Ein Beispiel für viele! Als Joachim in Brüssel vor einigen Jahren Konzerte gab, trat ein junger Konservatoriumschüler in den Kreis seiner Bewunderer und sprach das Verlangen aus, von dem deutschen Meister unter— richtet zu werden. Joachim ließ den jungen Mann einige Kom— positionen spielen und als er sich von der hervorragenden Bega— bung desselben über— zeugt hatte, erklärte er sich mit Freuden bereit, denselben zu unterrichten. Der Schüler gestand nun zögernd und verwirrt, daß ihm die Mittel fehlten, um die Reise nach Berlin, den Unter⸗ halt, sowie die Kosten für die Unterrichts- stunden zu bestreiten. Lächelnd erwiderte Joachim:„Glück⸗ licherweise besitze ich die Mittel.“ Er nahm den Schüler mit sich nach Berlin, trug Sorge für dessen Unterhalt und als der— selbe erkrankte, ging der Lehrer fast täglich zu des Schülers Woh— nung hin und ertheilte ihm die erforderlichen Unterrichts-Stunden. Als der junge Mann dann seine öffentliche Wirksamkeit begann, verschaffte ihm der Meister mit Hülfe einer reichen und kunst— sinnigen Freundin eine Stradivarius- Geige von sehr hohem Werth. Niemals hat Joachim bei seinen Schülern auf Vergeltung so großer Wohlthaten gerechnet. In der Förderung und Entwicklung des jun⸗ gen Talents sah er seinen Lohn. Er selber hatte zum Beginn seiner Laufbahn das Glück, einem Manne zu begegnen, der in ebenso eifriger Weise sein Führer wurde, wie er es heute so vielen Schülern ist. Dieser Mann war Felix Mendelssohn-Bartholdy. Da die äußere Laufbahn Joachims bekannt ist, so können wir uns mit der An— führung einiger Daten begnügen. Derselbe wurde am 28. Juni 1831 zu Kittsee bei Preßburg in Ungarn geboren. Seinen ersten Unter— richt empfing er schon im fünften Jahre durch den Geiger Servaczinsky aus Pest, später besuchte er die Konservatorien in Wien und Leipzig. In letzterer Stadt wurde, als er kaum zwölf Jahre zählte, der Komponist Mendelssohn auf ihn aufmerksam gemacht. Jener er— kannte sofort die außerordentliche Begabung des kleinen ungarischen Geigers, zog ihn in sein Haus, mustzirte fast jeden Sonntag Vor⸗ mittag mit ihm und als der„Sommernachtstraum“ zu Berlin mit seiner Komposition gegeben wurde, nahm er ihn mit zur Premiere, um des kleinen Burschen Urtheil zu hören. Auf Mendelssohns Antrieb ging Professor Joseph Joachim. 5 Nach einer Photographie von J. C. Schaarwächter in Berlin. dann Joachim nach Göttingen und hörte dort drei Semester Vorlesungen über Geschichte, Literatur und Kunstgeschichte. Während der Studien⸗ zeit erhielt er den Besuch von Brahms und dem ungarischen Geiger Remenyi. Der letztere wollte ein Konzert spielen und der jugend⸗ liche Brahms sollte ihn auf dem Klavier begleiten. dies Instrument in der Stimmung nicht mit der Geige im Ein⸗ klang und Remenyi fand es unbequem, seine Geige herabzu⸗ stimmen.„Das ist auch nicht nöthig,“ versetzte der kleine Brahms, „ich kann ja die Begleitung statt in C in Cis spielen.“ Und er transponirte das Musikstück mit solcher Sicherheit, daß Joachim sich sofort für Brahms interessirte und denselben an Schumann empfahl. Leider stand Der Letztere war bald, gleich Joachim, von der hervorragenden Be- gabung des Empfoh⸗ des neuen„Messias“. Von Brahms und Joachim sagte dann Schumann:„Diese beiden Bürschchen sind zwar noch nicht trocken die Welt wird sich einst viel mit ihnen zu be⸗ schäftigen haben.“ Diese Prophezeiung hat sich bekanntlich glänzend erfüllt. Im Jahre 1844 nahm Felix Mendels⸗ sohn seinen kleinen Freund Joachim mit sich nach London und führte ihn in die Phil⸗ harmonische Gesell⸗ schaft ein. In dem ersten Konzert, das dort unter Mendels⸗ sohns Leitung statt⸗ fand, trug der kaum vierzehnjährige Geiger zum ersten Male das Beethovensche Violin⸗ konzert vor, durch wel— ches er seither Tau— sende und Abertausende von Hörern begeistert hat. Die Wirkung seines Spiels war schon damals in London eine so großartige und über⸗ wältigende, daß Men⸗ delssohn sich in einem Bericht über das Kon⸗ zert dahin aussprach: „Ich hätte vor dem Wunderknaben Joachim niederknieend dirigiren mögen, so sehr entzückte mich sein Spiel.“ Im Jahre 1848 wurde Joachim durch Mendelssohns Empfehlung als zweiter Konzertmeister des Gewandhausorchesters in Leipzig angestellt. a Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Einfluß Mendelssohns auf Joachim für dessen künstlerische Entwicklung von allerhöchster Bedeutung war. Ein Tonmeister wie Mendelssohn konnte die Blicke des jugendlichen Geigers nur auf die höchsten und edelsten Ziele der Kunst richten und so blieb Joachim von vornherein vor der Gefahr bewahrt, seine Kunst der Mode anzubequemen und in brillanten Virtuosenstückchen Erfolge zu suchen. Außer mit Mendels—⸗ sohn stand der junge Künstler aber auch mit Schumann und 7 Spohr in sehr regem geistigen Verkehr und empfing von diesen mancherlei Aufmunterung und Anregung.. Im Jahre 1850 lud Franz Liszt ihn nach Weimar ein und dort übernahm Joachim in der Hofkapelle die Stelle eines ersten 3 hinter den Ohren, aber lenen überzeugt und verkündete in einer mu. sikalischen Zeitschrift bekanntlich die Ankunft 2 ͤͤͤ ͤͤͤ FT ͤ ͤ—ͤÄ— — 3—— 22 1 ingen dien. iger gend⸗ stund Ein⸗ abzu⸗ uz, nd er, 0 sch 5 pal. 1 Be⸗ dann Diese n sind rocken „abe! seinst u be⸗ . tiung ntlich 1841 ndels⸗ einen 1 mik und Phil hesllE dem das del. statt⸗ um zeigen e iolin⸗ l. Tu- sende eiter rung Ihn n eine über⸗ Men- einem Kon⸗ rng: igiren wurde sohnz chster Blick gelle . del 5 in del; n diesen 5 und affen 1 ee foh⸗ 9 und m.. cht int . und Konzertmeisters. Zwei Jahre später siedelte er nach Hannover über, woselbst dem jungen Künstler die ehrenvolle Aufgabe zufiel, die Abonnementskonzerte der Stadt zu leiten. Es ist bekannt, welch einen großen Einfluß Joachim durch die rücksichtslose Verfolgung 111111111111 r idealer Ziele auf das dortige Musikleben gewann. Seine Energie wurde dort auf eine harte Probe gestellt, allein schließlich war seine Wirksamkeit von den schönsten Erfolgen gekrönt. Es dcsuchten mancherlei Schwierigkeiten vor ihm auf, allein es gelang 5 dem Künstler bald, das Vertrauen und die Zuneigung der Königs— familie in so hohem Grade zu gewinnen, daß es ihm leicht wurde, alle Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Die Königin von Han⸗ nover hat dem Künstler eine innige Freundschaft bewahrt und fast Zu warm. alljährlich, erhält derselbe die Einladung, einen Theil seiner Ferien auf ihrem Schloß in Gmunden zu verbringen. Von Hannover aus unternahm Joachim weite Konzertreisen und fast jährlich besuchte er das Inselreich jenseits des Kanals, in welchem Mendelssohn's gewaltiges Ansehen ihm die Wege geebnet und seine eminenten Kunstleistungen jenen Ruf, der König der Geiger zu sein, fest begründet hatte. Jede Reise durch England gleicht einem Triumphzug, das bewiesen die großartigen Erfolge, welche er in diesen Tagen noch bei seiner Tournee durch englische Städte errang. Im Jahre 1869 wurde Joachim nach Berlin berufen und hier zum Professor und Mitglied des Senats der königlichen Akademie der Künste ernannt. Später übernahm er die Direktion der könig— lichen Hochschule für Musik und grade in dieser Stellung übt er, wie bereits angeführt, den segensreichsten Einfluß aus. Unablässig ist er bemüht, die Fähigkeiten seiner Schüler nach Kräften zu ent⸗ wickeln, den jungen Seelen das Verständniß der Schönheit zu er— schließen und ihnen Begeisterung für die idealen Güter unsers Volkes einzuflößen. Auf das berliner Publikum hat Joachim besonders durch seine Quartett-Abende in der berliner Singakademie einen er— zieherischen Einfluß geübt. Von den drei Kollegen de Ahna, Wirth und Hausmann unterstützt, brachte er die edelsten und vornehmsten Schöpfungen der Tonwelt den Musikfreunden zu Gehör und erweckte dadurch in der berliner Bevölkerung die Liebe für wahrhaft klassische Tonstücke. Auch als Komponist hat er Erfreuliches geleistet. In der Kunst wie im Leben ist das Herz der Persönlichkeit am höchsten anzuschlagen und gerade bei Joachim flößen uns die edlen Herzenseigenschaften Bewunderung ein. Wie seine Schüler stets in ihm den liebevollsten Berather und opferfreudigsten Helfer finden, so kennt er keine Rücksicht, die ihn verhindern könnte, einem Kollegen in der Noth beizuspringen. Als Beweis dafür mag der folgende Vorfall genügen. Vor wenigen Jahren zeigte der berühmte polnische Geiger Wieniawski im Kroll'schen Theater zu Berlin ein Konzert an und es versammelten sich fast alle an der Spree lebenden An— gehörigen der polnischen Nationalität, dazu eine große Anzahl deutscher Hörer, in dem Kroll'schen Königssaal. Joachim machte seine Schüler auf dies Konzert aufmerksam und empfahl dringend den Besuch des— selben. Nun erklärten einige Schüler, daß sie für ihr Leben gern Wieniawski hören möchten, daß ihnen aber das Geld zur Bestreitung des Eintrittspreises fehle. Joachim rief einen dieser Mittellosen nach dem andern bei Seite und drückte jedem derselben heimlich einen Thaler in die Hand mit der Bitte:„Gehen Sie doch ja zu Wieniawski!“ Der polnische Künstler trat vor ein erwartungsvolles und freund— lich gestimmtes Publikum hin, allein jenes furchtbare Leiden, welches bald darauf seinen Tod herbeiführte, zwang ihn gleich nach den ersten Takten, sein Spiel zu unterbrechen. Eine flammende Röthe be— deckte sein Gesicht, sein Mund rang nach Athem, die Kraft seines Armes erlahmte. Plötzlich ließ er Geige und Bogen sinken, schüttelte den Kopf, als wolle er sagen:„Es geht nicht“ und verließ tief aufseufzend die Bühne. Nach einer Weile trat der Regisseur hervor und erklärte dem Publikum, daß der Konzertgeber infolge starker Herzbeklemmungen und Athmungsbeschwerden sich außer Stande fühle, stehend zu spielen, man möge ihm daher gestatten, die Kompositionen sitzend vorzutragen. Das Publikum gab durch Beifall seine Zustimmung zu erkennen und Wieniawski nahm gleich darauf vor der Rampe seinen Platz ein. Aber zum zweiten Male versagte seine Kraft, sein Gesicht nahm eine völlig blaue Färbung an und so taumelte er unter dem Einfluß eines Schwindels von der Bühne ab, ohne das erste Konzertstück vollendet zu haben. Joachim, welcher mit seiner Gattin in der vordersten Zuschauer— reihe gesessen hatte, eilte, als kaum der Vorhang gefallen war, hinter die Coulissen. Nach einer bangen Pause trat er im braunen Straßenanzug vor die Rampe und fragte das Publikum, ob es ihm gestatten wolle, für den plötzlich erkrankten Kollegen einzutreten. Um das Konzert zu ermöglichen, sei er bereit, eine Gavotte von Bach zu spielen. Er müsse jedoch die Hörer von vornherein um Nachsicht bitten, da er sich einer fremden Geige bediene und selbst— verständlich unvorbereitet sei. Und nun trug er diese Gavotte mit solcher Fülle und Schönheit des Tons vor, mit solcher Macht der Empfindung, mit so viel Weihe und Begeisterung, daß sich die Hörer völlig hingerissen fühlten und in einen Sturm des Beifalls und des Jubels ausbrachen. Noch war der erste Beifall nicht verrauscht, da ereignete sich eine ergreifende Seene. Aus den Koulissen wankte der leidende Wieniawski hervor und fiel dem hülfreichen Kollegen in die weit geöffneten Arme. Er küßte Joachim und dabei rannen ihm die —— hellen Thränen über die Backen. Jeder Zuschauer fühlte sich ge- 11 rührt und ergriffen bei diesem Anblick und die Ovationen wollten kein Ende nehmen. Selten hat Joachim einen schöneren Triumph errungen, als an diesem Abend, wo er sofort der Eingebung seines guten Herzens folgte. Joachim gehört zu jenen ernsten Naturen, welche ihr innerstes Wesen nicht dem ersten Besten erschließen, allein er besitzt viel Humor und geistige Schlagfertigkeit. Eines Tages schritt er mit einem seiner Lieblingsschüler am Saum des Berliner Thiergartens dem Brandenburger Thor zu. Sein Begleiter lüftete, als das Goethe-Denkmal in Sicht kam, den Hut und Joachim that mecha— nisch desgleichen.„ ö „Wen haben Sie denn da gegrüßt?“ fragte der Meister den Schüler. a 75 ö 5 „Den großen Goethe,“ antwortete der Letztere. „Wie,“ rief Joachim,„und den grüßen wir so familiär, als ob wir seines Gleichen wären!? Umkehren!“— Und Beide kehrten zum Standbild zurück und machten vor demselben eine tiefe Ver— beugung.“ g a Dem Künstler ist vorzugsweise die deutsche Musik sympathisch, unsern großen Tonmeistern fühlt er sich seelisch verwandt. Wie er seit Jahren in England durch die Kunst seines Vortrags den Hörern Achtung und Bewunderung vor den deutschen Tonwerken einflößte, so hat er jüngst in Paris durch den Vortrag deutscher Kompositionen das französische Publikum zur Begeisterung fortgerissen. Joachim ist einer der eifrigsten Apostel deutscher Musik. 85 In der antiken Welt' schon galt der Spruch:„O, wie schwer ist es, der Wächter des eigenen Ruhmes zu sein!“ Joachim macht diese Sentenz zu Schanden. alle Genossen; Niemand vermochte es, dem Geigerkönig die Krone zu entreißen. Wodurch sicherte er sich seine Stellung? Durch die Presse? Joachim hat der Dame Reklame niemals die leiseste Ver— beugung gemacht, um eines Lobes willen nie einen Schritt gethan. Er läßt die Kunst die Hüterin seines Ruhmes sein. Ihr hat er sein Leben ganz geweiht, in ihr wurzelt sein Denken und Fühlen, ihr wird er dienen, bis der Tod seine Zauberhände erstarren läßt. Möge dieser Zeitpunkt noch fern— sehr fern sein! Möge er noch recht lange leben— den Musikfreunden das Schöne offenbarend und die Lernenden für ideale Ziele entflammend! R. E. 0 Auf den Wassern. Novelle von Konrad Telmann. 5(Fortsetzung.) Er hatte sich vorgenommen, Erna rückhaltlos zu eröffnen, auf welche Irrwege ihn sein plötzlich von allen früheren Traditionen und Schranken losgerissenes Herz geleitet hatte, aber eine unbe— stimmt in ihm auftauchende Furcht, daß er Erna dann verlieren, wenigstens sich entfremden könne, da, wo sie sich jetzt ganz und voll ihm überließ, hielt ihn immer wieder von diesem Schritte zurück. Aber eine peinvolle Empfindung des Unrechts, das er begangen, blieb um so lebendiger in ihm, als er eines Tages, da er mit Erna durch die dunklen Bogengänge der Stadt gewandert war, um sich— es war ein Markttag gewesen— an den bunten Volksscenen und kleidsamen Trachten der italienischen Landleute zu ergötzen, zwei dunkle Augen auf sich gerichtet gesehn zu haben glaubte, die er kannte und die ihn an das erinnerten, was hinter ihm lag, und womit er zwar abgeschlossen zu haben wähnte, von wo aber eine laute Mahnung immer wieder an sein Ohr tönte— Er hatte sich damals hastig nach dem Mädchen umgesehn, ob er es im Volksgewühl entdecken und aus ihren Blicken sein Urtheil lesen werde, aber sie war verschwunden und er hatte sich einzureden versucht, daß er sich getäuscht. Trotzdem glaubte er selbst nicht daran und hatte keinen lebhafteren Wunsch als den, die Stadt zu verlassen und mit seinem neuerrungenen Glück einen heimlicheren Platz aufzusuchen. Aber die alte Gräfin wollte davon nichts hören und fing sogar an, heftig zu werden, wenn er zum Fortgehn täg— lich mehr drängte. Der Grund war, daß sie hierher eine Geld— sendung ihres Bruders erwartete, mit der sie ihre Rechnung im Hotel zu decken vermochte, die täglich mehr anwuchs, und ohne deren Berichtigung sie nicht abreisen konnte. Sie hatte zwar be— reits zuweilen die Absicht gehegt, ihre Lage Joseph unumwunden Seit drei Jahrzehnten überragt er B —— . — be eee eee ee eee ee eee eee 79 151. zu erklären, zumal, da die beiden Offiziere abgereist und die Er⸗ kundigung, die sie von ihnen über Josephs Vermögensverhältnisse ein— gezogen, sie sehr heiter zu stimmen im Stande waren, aber eine heimliche Angst, daß er, so lange er an Erna nicht durch ein un— lösbares Wort gefesselt war, zurücktreten könne, hielt sie davon ab. Hatte sie ihm doch, so lange er sich noch nicht erklärt, oft genug von den Reichthümern ihrer Familie und dem blühenden Zustande ihrer Güter erzählt, um jetzt nicht unvorsichtig durch einen Wider- ruf alles Gesagten ihn mißtraurisch oder gar wankend machen zu dürfen. Dagegen suchte sie die Hochzeit soviel als möglich zu be— schleunigen, obgleich sie täglich auf's Neue erklärte, daß die Sünde, die sie durch den Bruch ihres Versprechens an ihrem Gatten be— gehe, ihr wahrscheinlich nie werde verziehen werden könne. Joseph selbst hegte keinen innigeren Wunsch als den, bald un⸗ trennbar mit der Geliebten verbunden zu sein und seinen Schatz bergen zu dürfen, zumal ihm die Scheinmiene, welche die Gräfin noch immer zur Schau trug, nun doppelt widrig sein mußte. Seine Eltern hatten ihre Zustimmung, obgleich nicht sehr willig, da der Vater von den Verlezenheiten der Gräfin sich inzwischen hatte unterrichten lassen, bereits gegeben, und die Hochzeit wurde endlich auf einen Tag des Dezember festgesetzt. Am ersten November wollte man wieder in der Heimath sein. Joseph jubelte der Zeit entgegen. Das Einzige, was ihm das peinvolle Zusammensein mit der Gräfin, von der er sich belogen wußte, und den Aufent— halt überhaupt, an den sich für ihn ein noch immer verborgen ge— haltenes Geheimniß knüpfte, erträglich erscheinen ließ, war die häufige Vereinigung mit der Geliebten, die keine Anwesenheit der Mutter oder Schwester störte. In solchen Stunden, wenn er allein mit Erna durch die abgelegenen Wege im Norden der Stadt wanderte oder sich im Kahn mit ihr auf den blauen Fluthen des Sees schaukeln ließ, empfand er ein so reines und ihn voll durch—⸗ dringendes Glück, daß er sich immer wieder sagte, die Vergangen⸗ heit müsse durch so viel Treue und Hingebung, wie Erna sie ihm entgegenbrachte, voll gesühnt werden. So rannen die Tage flüchtig hin, und der der Abreise war bereits festgesetzt und in naher Aussicht.— Es war um die späte Nachmittagsstunde, die frühe Dämmerung drohte bald hereinzubrechen, aber es war noch wohlig warm, und die Lüfte spielten weich durch die Laubkronen der Kastanien. Der Monte San Salvatore ragte mit mächtigem Felshaupt himmelan und grüßte hinüber nach dem Dorf an der Bergecke. In der kleinen Seebucht, wie sonst um diese Zeit, standen die Fischerkähne, und klirrten, leise schaukelnd, mit ihren Ketten. Die Trauerweide hatte gelbe, fahle Blätter, aber ihre Zweige waren noch vollbelaubt und gewährten mit tiefherabhängendem Astwerk noch immer ein traulich verstecktes Plätzchen, wo nichts hörbar ward, als das leise Murmeln der Wellen am Uferrand und nichts sichtbar, als das Stückchen blauen Himmels, das märchenhaft durch die Zweige hereinblickte. 5 Auf der Rasenbank saß auch heute die dunkeläugige Fischer⸗ tochter und stützte das Haupt in die Arme. Sie hatte jeden Abend hier gesessen seit dem Tage, wo er zum letzten Male bei ihr ge⸗ wesen, und jeden Abend aufs Neue hatte sie ihn erwartet. Seit einer Reihe von Abenden freilich nicht mehr, denn sie hatte ihn gesehen, als er sich nicht von ihr beobachtet geglaubt und eine Andere an seiner Seite. Seit dem Tage wußte sie, daß Alles zu Ende war und daß ihre düsteren Ahnungen sie nicht getäuscht. Aber doch war sie jeden Abend aufs Neue am Platze und dachte, es könne ein Wunder geschehen und an ihr solle es nicht liegen, wenn sie niemals wieder zusammen kämen. Doch er kam nicht mehr.— Sie sah jeden Abend nach der Barke aus, die ihn sonst an's Land brachte, und lauschte nach der Kastanie hinüber, von wo er sonst ihren Namen schmeichelnd herübergerufen, und sie geantwortet hatte: „Komm!“ um ihn gleich darauf in ihre Arme schließen und an seiner Brust ausruhen zu dürfen, um zu vergessen, was der Tag an Weh und traurigen Gedanken gebracht, während er sie küßte und ihr tausend süße Namen gab und sie seinen Schatz hieß. Warum war das nun Alles nicht mehr? Warum saß sie, bis die frühe Nacht dunkelnd herein sank und horchte und lauschte ver⸗ geblich? Sie wußte es ja warum, sie hatte es geahnt, daß es so kommen würde, seit sie sich ihm ganz hingegeben. Nun freilich, da es so gekommen war, sagte sie sich, daß es etwas Unmenschliches sei, was sie niemals habe fürchten können. Und doch war es so, und es half kein Grübeln und Deuten darüber hinaus. Sie grübelte auch nicht mehr darüber, wie es zu ändern sei, sondern über etwas, das dunkel und unheimlich drohend in ihr aufgestiegen war, und das sie nicht mehr in sich zurückzudrängen vermochte. Sie hatte es am Abend, als er zum letzten Male bei ihr gewesen war, zu Giacomo gesagt, sie würde wissen, was zu thun sei und seiner ge— denken, wenn jener Kahn einmal nicht mehr zur gewohnten Stunde ans Land komme. Die Zeit war nun da. Wußte sie, was sie thun mußte? Als er ihr damals, in seiner zweideutig-einschmeichelnden Weise, der sie geglaubt, gesagt hatte, was sie denn thun werde, wenn er ihrem Verlangen nicht gehorche, hatte sie nichts gerufen als:„Wag's!“ Nun hatte er es gewagt. War Alles, was über ihre Lippen gekommen, nichts gewesen als leere Drohung, ein Wortschwall, gleich dem, mit dem er ihr Herz und Ehre geraubt? Galt das Wort der Fischertochter nicht mehr als das des meineidigen Edel— manns, der sie jetzt, da er Alles genossen, was ihre Liebe ihm bieten konnte, achtlos wie eine Dirne von sich stieß? Es loderte ein wildes, unheimliches Feuer in ihren dunklen Augen auf, als das Alles wieder in ihr auftauchte, und die Lippen murmelten be— sinnungslos:„Er hat's gewagt— ich muß das Meine thun—“ Gab es kein Mittel, ihn ihre Rache fühlen zu lassen? War sie doch ohnmächtig gegenüber dein, was sie wie ein nahendes Verhängniß ahnungsvoll vorausgesehen und das nun, da es über sie herein⸗ gebrochen, doch ihr ganzes Inneres erschauern ließ? Eine verlassene Dirne!— Es gab ihrer Viele und Viele verstanden es, trotz ihrer verlorenen Ehre in Reichthum und Ueberfluß ihr Leben hinzubringen, die sie vorher nicht einmal gekannt, äußerlich sich eine Stellung und Ansehen zu ertrotzen, wenn man ihnen innerlich auch nichts entgegentrug, als höhnische Verachtung. Für sie gab es diesen Weg der Verlorenen nicht— der Gedanke, ihrem Vater, dem strengen, finsteren Pietro, der sie ohnehin bereits argwöhnisch be⸗ trachtete, seit sie Giacomas Bewerbung ohne stichhaltige Gründe ausgeschlagen, gestehen zu sollen, wie tief sie gesunken, trieb ihr das Blut siedend heiß in die Wangen, und auf ihrer Stirn stand un⸗ verlöschlich der Entschluß:„Lieber sterben.“— Der See rauschte so lockend zu ihren Füßen, es mußte süß sein, in seinen blauen Fluthen zu sterben. Aber allein? Ungerächt? Noch gab es eine That für sie zu vollbringen, eine, bei der es wie dämonische Wollust in ihren Augen aufflammte und ihr Herz stürmisch laut in der Brust klopfte. Sie sah mit stierem Blick vor sich hinaus über den See. Langsam glitt eine kleine Barke über die stille Fläche heran und strebte dem Dorfe zu. Alba schaute darauf gleichgültig hin, und ein schwermüthiges Lächeln huschte um ihre Lippen. Dann plötzlich fuhr sie auf.— War das ein Traum⸗ bild, eine Vision? Nein, sie sah es deutlich, mit Augen, die kein nächtiger Traum umflorte: in dem Kahn saß er, Joseph, aber nicht allein, neben ihm, dicht an seine Seite geschmiegt, das schöne, gold— haarige Weib, mit dem sie ihn schon einmal im Marktgewühl der Stadt gesehen. Das wagte er! Er landete mit der Andern an der gleichen Stelle, wo er— wie lang' war's her— mit ihr glücklich gewesen. War das kalter Hohn, den er ihr entgegenschleuderte? War er gefeit gegen alle die mahnenden Erinnerungen, die ihn hier umkreisen mußten? Wahrhaftig: der Kahn stieß ans Land, der Schiffer sprang heraus, um ihn zu befestigen, und half den Beiden, die Arm in Arm das Fahrzeug verließen. Ein wilder, besinnungsloser Grimm kochte in ihr auf. Sie sah, wie die Beiden zu der kleinen Trattoria des Dorfes gingen, und dort am Steintisch vor dem Hause sich niederließen. Sekunden⸗— lang lag es ihr wie ein Schleier um die Augen. Dann blitzte es in ihr auf. Sie sah nach der Sonne herüber, die nur noch mit letztem, matten Glanz über der Bergkuppe stand und im nächsten Augenblick verlöschen mußte, dann brach die Dämmerung herein. Sie eilte hastig auf einen Seitenpfad über den Hügel dem Dorfe zu und stand nach wenigen Minuten athemlos vor dem kleinen Hause, in dem Giacomo wohnte. Er hatte ihr ja gesagt, daß sie an ihn denken solle, wenn es Zeit sei. Es war Zeit. Einen Augenblick kam ihr der Gedanke, er solle die Rache statt ihrer aus— führen, denn ihre Hand könne zittern, wenn es zum Letzten käme. Aber dann verwarf sie das wieder, sie mußte allein thun, was ihr Herz gebot, was sie ihrer Ehre schuldig war, ihre Hand durfte nicht zittern. (Schluß folgt.) 8 7 ö ö f ö ö r G5 sollen zwanzig W die beiden Diagonalen, von oben nach unten gelesen, Buchstaben-Räthsel. Aus folgenden Buchstaben: a a a a a a a 2 4 4 c df d d dee eee 8 e e ee e e e e 8 F333) 8 FFF „FZ³;; o o O ⁹⁰ pe p pP rr V 3j uu uu ur W W W 2 2 Die 1 bezeichnen: 1. Reihe: Einen Gott der alten Deutschen. örter gebildet und so in ein Quadrat gestellt werden, daß ein Sprichwort ergeben. 2. Eine Farbe. Ein Metall. 4. Gebirgsland Oesterreichs. 3 5. Namen eines deutschen Dichters. 6. 7. Eine türkische Insel. 9. Ein Königreich. 11. Einen Wiederkäuer. Fluß im südl. Rußland. 8. Ein Raubthier. 10. Einen Schweizer Kanton. S — . Einen Raubvogel. Eine preußische Festung. Schmuck des Waldes. „Oesterreichischer Komponist. 18. Einen Fluß in der Schweiz. 12. Berühmten verstorb. Astronom. 14. Einen biblischen Namen. 16. Küstenfluß in Holstein. 20. Ein Ostseebad. Problem Nr. 386 N von R. Blümel in Schlegel. 2 2 1 2 2* 2 13 1 D D 2 . 88 n 11 1 1% . 2. Logogriph. Wohl bist du schmerzlich zu beklagen, Bist du's und krank und alt dabei; Jung und gesund läßt es sich tragen, Ein fester Wille macht dich frei. Gieb nur dem Worte noch ein Zeichen Und brauch es kräftig, unverzagt, So siehest du den Dämon weichen, Als der es dich zuerst geplagt. Ja mehr noch, durch ein fern res Zeichen Erhebst du es zu einer Macht, Die überall, in allen Reichen Die Sicherheit des Thron's bewacht. Dreisilbige Charade. Steigt die Erst', ein liebliches Kind, herab, Dann ruht schon der Alte im sicher'n Grab, Und melodische Chöre, sie melden laut: Es nah' sich im Schmucke die himmlische Braut. Dann spenden die beiden Letzten gern Gar süße Töne dem ew'gen Herrn; Sie locken und läuten wohl nah' und weit, Und verkünden die selige Erdenzeit. Und unter den Tönen das Ganz' erschwillt, Der Demuth, der Lieblichkeit zartes Bild, Wie reines Silber an Nektar reich, So, liebliche Schwestern, so bring' ich's euch! Auflösung des Sprichwörter-Räthsels: Viele 9 1 80 gehen unter einen Hut; der dreisilbigen Charade: Wetterhorn; des Rösselsprungs: So weich und warm Und wenn ergreist Hegt dich kein Arm, In treuem Geist Als wenn die Mutter dich umfängt; Du manch' ein Jugendbild bewahrst, Kein Trost so traut Vor allem hoch Dich überthaut, Als wenn ihr Aug' an Deinem hängt. Ihr Glaub' durchdringt Dein Herz und ringt Dich durch des Lebens herbes Wenn Sorgenlast Erdrückt dich fast, Weist fromm sie dich zur Himmelshöh'. Weh; Beglückt dich doch, Daß deiner Mutter Kind du warst. Drum sei gesinnt Als wie ein Kind, Daß sie dich sterbend segnet ein; Sonst, ob auch Lieb' Und Freundschaft blieb, Bist dennoch mutterseel' allein. Paul Heyse. 25*+ 25* a . 5 1 We 15 Weiß zieht an und setzt mit dem dritten 125 Matt. Partie Nr. 222, gespielt zu New⸗Orleans am 5. März d. J. als dreizehnte des Weklkampses. Weiß: J. H. Zukertort. Schwarz: W. Steinitz. 1) d- da d7-d5 44) 8d5— 67: Des-e: 2) 2-04 e7—e6 45) Tel—dl 815-d 3) 8b 8g8—f6 46) Le6—e4 Les-c 4) Lol 14 0= 47) Dbl- d3 Leb—as 5) e2—e3 5— d: 48) Dds—23 Der- dé 6) e3—- d: d5— ea: 49) a2 a3 Lag-c 7) Lfl ca: SbSs-c 50) 23—b4: Dd6 61! 8) 8g1—13 IS e7 51) Kg1 fl Sd bõ 9) 0-0 0-0 52) Des—es Dfé es: 10) IfI— el LoeS-d 53) Lede: Les ba: 110 Dd!—e2 Dds—a5 54) Le6—d7 Sb5— es 12) Sc3—-b5 a7—46 55) 1d1—d4 Le6- d7: 13) Lfi— er b7—b6 56) 1d4 474 Kg7—f6 14) 8b5— 3 11808 57) 7d7 da Lb4—e7 15) Le7-14 b6- br 58) b3—b4 KA- eõ 16) Le4 bs Da5—-b6 59) Tdä4— 4 Sc- bõ 17) 7TfI— dl Sc- a5 60) Te4 6 Le7- d 180 Lb3— 62 Saß 4 61) Te6 bs Sb5—d4 19) Le2—d3 Sea dé 620 1b6-b7 5 6—g5 20) Sf3—e5 Ld7-es 63) b4—-bõ e5-d 21) Lf4—g5 Db6—ds 64) b5—- b6 Kd 5-6 22) De2—13 Ta8-a7 65) 1b7-hb7 Kc6—bs6: 23) Df3—b3 h7—h6 66) Th7-hs6: Kbé6- 7 24) Lg5—e3 Ta 7er 67) h2—h4 g5—h4: 25) d4—-d5 b5—b4 1) 68) Th-ha: 8d4=f5 26) Sc3—e2 Sf6— dö: 69) Th4-h7 Kc 7- ds 27) Lds— as: Tes as 70) g2—4 Sto—e7 28) Lada Le7—f6 71) KfIl=g2 Kds— es 29) Les-d Sd6é-b 72) Kg2—13 Ld6-e 30) Se5—13 Sb5 dd: 73) T7-h5 Le- da 31) 813 da: TaS-a 74) KI3—g3 Kes-f 32) Dh3—f3 Les-a 75) 12—14 Lda4- c3 33) TdI—el Sd5õ—e7 76) 1Jh5—b5 Les- elk 30 Df— e g7-g6 77) Kg3 13 Lel 3 35) b2—b3 Laa-es 78 4—g5 Les-a! 36) Ld3— 04 Se 75 79 7818——g4 Lal es 37) 8Sd4—e6.2) 7-es: 80) f4-f) Les da 38) Lea ef Kgs-g7 81) Tb5—b7 Lda es 39) Ja1—41 Das e 82) Kga--h5 Leg dd?) 40 Se2—f4 Tab es 83) KSO hE 14377 41) De4-b! Teö elf 84) Kh6- b7 Lg7-e 42) TdI ei: Lf6E-c) 85) g5- g6+ Kf7—f8 43) 8f4—d5 De7-c 86) 1b7-er. aufgegeben. 1) Nothwendig, um Verlust der Qualität LCbel] oter eines Bauern zu verhüten. 2) Ein e Opfer, welches zunächst nur zwei Bauern für den Offizier einbringt. 3) Ein besserer Zug scheint nicht möglich zu sein; auf Das würde 43) Sds Tos 34) Sl: nebst 45) Ltö: ꝛc. zum Gewinn eines Offiziers führen. J) Ein Fehlzug, der sosort entscheidet; der einzige Zug war Lg7I 1 den König von h abzuhalten; es konnte alsdann leiner der Bauern aufgehen, spielt Weiß 5—16, so nimmt natürlich der Läufer, und g6f hätte zur Folge Kitz 84) kg Sgö. 85) Tbef Kes 86) 155, K 16 87) Tide K gs: Remis; es bandelt sich vielmehr nur um Gewinnung des Tempo für den Königszug nach bs. Durch Bewegung des Thurmes in der siebenten Linie ist dieses Ziel offenbar nicht zu erreichen z. B. 83) Ta7 Ldal 84) Ter Les 85) Tad? Kesl oder 725 Tb7 5 ꝛc. Aber auch andere Versuche führen nicht zu dem gewünschten Resultat, 8. Lg7I 88) Tbs Sgs! 840 Tbs Ldt 8) Tbryf Kis! 86) g6 Lfé ꝛc. oder 84) 861 Ke 85) LIS(oder h) ꝛc. Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“ „Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R Elcho in Berlin, Lützowstr. 105.