10 1 4 N zu den 0 Gberhessischen Nachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. N. Ur. 6. Gießen, den 7. Februar. 1886. Hein bester Freund. 4 Novelle von Karl Wartenburg. Wir Zuschauer dieses Auftrittes wußten nicht, wie wir diese plötzliche Veränderung in dem Benehmen Franks deuten sollten. Bereute er jetzt, sich mit dem Baron eingelassen zu haben? Sollte er Furcht vor einer Forderung haben? Und diese Vermuthung raubte ihm einen Theil der Sympathien, die seinem energischen und doch so maßvollen Auftreten der rohen, beleidigenden Manier des Barons gegenüber entgegen gebracht worden waren. Die Macht des Vor⸗ urtheils, daß der, welcher einem Duell ausweiche, ein Feigling sei, beherrschte die Meisten. „Ihre Karte will ich haben!“ schrie der Baron ungestümer, „haben Sie mich verstanden?“ Der Andere hob jetzt den Kopf.„Meine Karte?“ sagte er und um seine Lippen zuckte es eigenthümlich,„das hat keinen Zweck, ich schlage mich nicht.“ „Ah, Sie schlagen sich nicht, Sie Hasenfuß! Aber Sie unter⸗ stehen sich, Männer von Ehre zu beschimpfen, als Verleumder zu bezeichnen,“ brüllte Herr von Grüner, der glaubte, nach dieser Weige— rung sich Alles gegen Frank erlauben zu können.„So sollen Sie wenigstens einen Denkzettel mit nach Hause nehmen, der Sie in Zukunft erinnern wird, sich an Männern meinesgleichen nicht zu reiben, Sie Unverschämter.“ Und blitzschnell hatte er eine große Zeitung, die in einem starken, langen, eisernen Halter eingeklemmt war, ergriffen, zusammengerollt und zum Schlag gegen den Fremden erhoben. In diesem Moment sprang der Hund, der jede Bewegung des Barons verfolgt hatte, mit heftigem Gebell gegen den wüthenden Mann, ihn von seinem Herrn abwehrend. Der Baron fuhr erschreckt zurück. Aber nur einen Moment. Dann brüllte er dunkelglühend im Gesicht, die Augen sprühend von Zorn:„Verfluchte Bestie!“ und mit wuchtigem Hieb sauste der schwere, eiserne Stab auf den Kopf des Thieres nieder. Der Hund stieß einen schmerzlichen Laut aus und stürzte nieder. Frank aber warf sich neben das Thier nieder und suchte es mit den zärtlichsten Schmeichelworten und Liebkosungen aufzurichten. Der Hund leckte mehrmals die Hand seines Herrn, aber sein Kopf fiel bald matt zurück, ein krampfhaftes Zucken, ein Strecken der Glieder— und das Thier war todt. Frank schluchzte laut. Eine Todtenstille herrschte in dem weiten Raum. Man hörte nichts als das Rauschen des Gases in den Candelabern und das Weinen des Unbekannten. Der alte Selly starrte verdutzt hinter seinem Büffettisch vor auf die Gruppe. Die beiden graubündener Kellner standen, in ihren großen, rothen Händen die Kaffeekannen haltend, wie Bildsäulen, während die Gäste in dumpfem. peinlichem Schweigen auf den Baron und den Fremden blickten. 1 (Fortsetzung.) Die Augen des Barons flogen von dem Einen zum Andern. Wohin er blickte, begegnete er feindseligen, drohenden Blicken. Er versuchte durch brutale Scherze die ihn beschleichende Un— behaglichkeit zu verscheuchen.„Es ist ja nur ein Köter!“ lachte er gezwungen. Niemand antwortete ihm. Wäre es ihm möglich gewesen, sich rasch von dem Orte seiner feigen That zu entfernen, er hätte es sicher gethan. Aber der Kreis umgab ihn wie eine un— durchdringliche Mauer. „Die Kanaille wird Niemand wieder beißen“, spottete er weiter, eine Cigarre anbrennend. „Es war grausam,“ antwortete ihm ein Student der Medizin, ein baumlanger Kurhesse,„eines Mannes unwürdig.“ „Herr,“ schrie der Baron ihn an,„dafür werden Sie mir Satisfaction geben.“ „Zu jeder Stunde,“ erklärte der lange Kurhesse phlegmatisch. Es schien dem Baron lieb zu sein, einen andern Gegner ge— funden zu haben und die Aufmerksamkeit von seinem Streit mit dem Unbekannten abzulenken. Er wiederholte daher gegen den Kur⸗ hessen gewendet:„Sie werden mir Satisfaction geben.“ Da aber richtete Frank sich empor, still und mit starrem Aus⸗ druck in den Augen. Der Baron war kein Feigling, er war ein Mann von jenem Muth, der seinen Ursprung in starken Knochen, festen Muskeln, in dem Bewußtsein körperlicher Kraft hat. Es ist das ein Muth, der nichts gemein hat mit jener Tapferkeit, welche in der überlegenen Seelenstärke wurzelt und die vor nichts zurück— bebt, weil sie auch das Schlimmste, was geschehen kann, den Tod nicht fürchtet. Aber als der Baron das todtenbleiche, steinerne Gesicht Frank's sah, erblaßte er und wich einen Schritt zurück. Frank aber trat ihm näher und spie ihm das Wort:„Mörder!“ in's Gesicht. Er spie es dem Baron buchstäblich in's Gesicht. Es war die blutigste Beschimpfung, die diesem stolzen, hochfahrenden Manne widerfahren konnte, der, pochend auf seinen Stand, seine Kavalierehre, seinen Offizierscharakter, dastand. Der Baron schrie auf wie ein wildes Thier. Das Weiß in seinen Augen wurde roth. Wie ein wüthender Stier, den Kopf vorgestreckt, die Fäuste ballend, stürzte er sich mit dem Rufe:„Er muß sterben!“ auf den Andern. Aber die Umstehenden warfen sich zwischen ihn und seinen Gegner. „Lassen Sie ihn,“ sagte der Fremde mit tonloser Stimme.„Er soll sein Recht haben,“ dabei warf er seine Karte auf den Tisch. „Mein Herr“, und sein Auge fiel auf den Studenten aus Kur⸗ hessen,„dürfte ich Sie wohl bitten, mir in dieser Angelegenheit beizustehen?“ Der lange, blonde Riese nickte.„Selbstverständlich, mein Herr!“ sch I F Ü«—ͤ—²• Ä 42 WD. Darauf beugte Frank sich, ohne sich weiter um den noch immer sinnlos tobenden Baron und die Uebrigen zu bekümmern, zu seinem todten Thiere nieder, nahm es in seinen Arm und verließ lautlos ohne Gruß das Cafe. Ehrensachen, wie man solche Händel nennt, leiden keinen Auf— schub. Am andern Tag begaben wir uns, der blonde lange Kur— hesse und ich, zu Herrn Walther Frank, der auf dem Sternwarten⸗ weg, einer Straße in der nördlichen Vorstadt, wohnte. Der Sternwartenweg erinnerte an eine Kleinstadtstraße. Gärten zwischen den Häusern, Höfe hinter den Gebäuden, aus welchen man das Krähen der Hähne und das Gemecker von Ziegen hörte. Es lag eine friedliche Stille über diesem Quartier, bis zu welchem nur gedämpft der tosende Lärm des großstädtischen Verkehrs herüberklang. Es war um die zehnte Vormittagsstunde, als wir bei Herrn Frank eintraten. Er wohnte in einem zweistöckigen Hause. „Herr Frank zu Hause?“ fragte der Kurhesse die alte Ver— mietherin der Wohnung im ersten Stockwerk. Die Alte nickte. „Er ist unten im Hofe,“ sagte sie traurig und wischte sich die Augen. Wir gingen in den Hof, wo Frank unter einem Baum auf ein Grabscheit gestützt stand. Vor ihm lag ein Haufen frisch aufgeworfener Erde. Er sah sehr blaß aus, seine edlen Züge trugen das Gepräge tiefen Schmerzes. Er bemerkte uns erst, als wir in seiner unmittelbaren Nähe waren. „Entschuldigen Sie, meine Herren, wenn ich Sie hier empfange,“ sprach er mit bewegter Stimme,„aber ich habe soeben meinem einzigen und besten Freund den letzten Dienst erwiesen. Ich habe ihn hier zur Ruhe gebettet.“ Dann ging er uns voran nach dem Haus und wir folgten ihm stumm. Der Mann sah heute viel hinfälliger und leidender aus als gestern. Auf dem ersten Treppen⸗ absatz mußte er stehen bleiben und Luft schöpfen. Wir traten in sein Zimmer. Er lud uns ein, Platz zu nehmen, während er sich an das Fenster setzte, von wo aus er den Hof und den Baum, unter welchem er sein Thier begraben, sehen konnte. Der Kurhesse theilte ihm nun mit, daß er mit dem Baron und dessen Sekundanten Rücksprache genommen habe und man zu dem Ergebniß gekommen sei, daß Herr Frank als der Beleidigte zu betrachten sei und die Bedingungen des Duells zu stellen habe. „Ich danke Ihnen,“ sagte er,„ich danke Ihnen von ganzem Herzen.“ „Und Ihre Bedingungen?“ fuhr der Kurhesse fort,„Zeit und Waffen?“ „Sobald als möglich.“ „Also morgen früh acht Uhr,“ sagte der Kurhesse. Frank nickte. „Und was die Waffen und das Andere betrifft,“ fuhr er dann fort. Ein krampfhafter Hustenanfall unterbrach ihn. Er drückte das weiße Taschentuch gegen den Mund. Als er es zurückzog, be— merkte ich einen röthlichen Schaum auf dem Tuch. „Ein altes Uebel,“ entschuldigte er sich mit trübem Lächeln, „das ich den Dänen verdanke.“ „Den Dänen?“ fragten wir.“ „Vielmehr einer dänischen Kugel.“ Es war die erste Be⸗ merkung über seine Vergangenheit, die er fallen ließ und sie er— weckte in hohem Grad unser Interesse. „Sie dienten in der schleswig-holsteinischen Armee?“ forschte ich. „Ja,“ sagte er und sah wieder hinunter nach dem Baum im Hofe. a. „Und die Bedingungen?“ fragte noch einmal der Kurhesse. seltsamer, harter Zug um Frank's Mund wurde sichtbar. „Fünf Schritte Distanz und Kugelwechsel, bis einer der beiden Gegner kampfunfähig,“ sagte er mit heiserer Stimme. 5 Der Kurhesse und ich erhoben uns. Dieser Mann, der gestern Abend zuerst erklärt hatte, daß er sich nicht schlage, stellte Be— dingungen, bei denen ein tödtlicher Ausgang unzweifelhaft war. „Das ist eine Metzelei,“ rief der Kurhesse.„Sie haben als Beleidigter den ersten Schuß. Es müßte mit Wundern zugehen, wenn der Baron den zweiten haben sollte.“ a Ein „So mag er gleichzeitig mit mir feuern,“ antwortete Frank „Aber nicht eine Schlächterei, eine Hinrichtung soll es bestimmt. Und wieder er⸗ sein. Dieser Mörder verdient keine Schonung.“ schien jener harte Zug um seinen Mund. i „Es war eine brutale Handlung, eine Rohheit,“ warf der Kur⸗ hesse ein,„aber doch kein Mord.“ Frank erhob sich mit einer heftigen Bewegung. Auf seinen bleichen, eingefallenen Wangen erschienen glühend rothe Flecken. „Kein Mord,“ stieß er mit rauher Stimme hervor,„kein Mord. Wenn man Ihren besten Freund feig erschlägt, ist das kein Mord?“ Und in seinen tiefliegenden Augen loderten Flammen auf. „Ihren besten Freund?“ stotterte, überrascht durch diesen jähen Ausbruch, der Kurhesse. „Ja, meinen besten Freund, meinen treuen Begleiter über Land und Meer, in die Fremde, in die Verbannung, der Einzige, der mich nicht verließ und mir in treuer Liebe zugethan war, wie ich ihm,“ setzte er in tiefster Erregung hinzu, sich mit der Hand über die Augen fahrend. Ein banges Schweigen trat ein. Um Frank's Mund zuckte es und wir wagten nicht, den Mann in seinen schmerz⸗ lichen Gefühlen zu stören. Endlich erhob er den Kopf und sagte:„Wenn Sie heute Nachmittag eine Stunde übrig haben, so bitte ich um Ihren Be⸗ such. Ich werde Ihnen dann meine Geschichte erzählen, die Ihnen meine Bedingungen erklären wird.“ „Sie beharren also darauf?“ fragte mein Begleiter noch einmal. Frank nickte.„Gewiß, obwohl ich ein Feind dieser barbarischen Sitte bin, die man Duell nennt. Aber ich sagte Ihnen schon, es soll eine Urtheilsvollstreckung werden.“ N „Dann werde ich das Nähere mit den Sekundanten des Barons verabreden,“ antwortete der Kurhesse. „Ich danke Ihnen vielmals,“ sagte Frank, uns die Hände schüttelnd,„für Ihre Theilnahme. Ich erwarte Sie Nachmittags.“ Wir verabschiedeten uns mit dem Versprechen, zu kommen. Etwas Geheimnißvolles umgab den Mann und reizte uns, Näheres über ihn zu erfahren. Am meisten waren wir von den scharfen Bedingungen des Zweikampfes überrascht. Gerade in seinem Interesse hatte der Kurhesse die Angelegen⸗ heit mit den Sekundanten des Barons so geordnet, daß Frank als Beleidigter betrachtet werde. Man hatte es ihm in die Hand geben wollen, den Zweikampf so ungefährlich wie möglich zu machen, da man die Beschimpfung, welche er dem Baron zugefügt hatte, auf die große Aufregung schob, in welche ihn der Tod des Thieres ver⸗ setzt hatte. Und nun diese Forderung auf Tod und Leben! Von diesem blassen, stillen Manne, der bis zu jenem unseligen Streit fast mit ängstlicher Besorgniß jedes Zusammentreffen nicht nur, nein, auch jede Berührung mit den Menschen vermieden hatte. Die Sekundanten des Barons waren über diese Forderung nicht minder bestürzt als wir. Am meisten aber war es der Baron selbst. Er war kein Feigling, dieser mecklenburgische Junker; er besaß, wie schon erwähnt, jenen Muth, der aus körperlicher Ge⸗ sundheit und Kraft entspringt, und er ging einer blutigen Rauferei nicht aus dem Wege. Aber das war ein Gang in den sicheren Tod! Fünf Schritte Entfernung und Kugelwechsel, bis Einer kampfunfähig! Er, mit seiner breiten, fleischigen Brust! Er war ja eine Riesenscheibe, die auf jeden Fall getroffen werden mußte, selbst von Einem, der noch nie eine Pistole in Händen gehabt hatte! Aber er konnte die Bedingungen nicht ablehnen, ohne sich bloß⸗ zustellen, zumal er immer mit seinen Ehrenhändeln viel renommirt hatte. ö. Am andern Morgen, Punkt acht Uhr, sollte das Duell statt⸗ finden, und zwar am sogenannten Fasanenwäldchen, einem abgelegenen Gehölz, das eine Stunde weit von der Stadt entfernt war. Zwischen den Sekundanten des Barons und uns wurde verabredet, unmittel- bar vor dem Zweikampf noch einen Versuch zu machen, von Herrn Frank mildere Bedingungen zu erzielen. Nachmittags gegen drei Uhr ging ich mit dem Kurhessen nach dem Hause am Sternwartenweg. Es war kälter geworden. Rauchfrost flimmerte in der Luft, einzelne Schneeflocken sanken vom grauen Winterhimmel nieder. Frank erwartete uns. In dem Ofen brannte ein lustiges Feuer, auf einem weißgedeckten Tisch standen Kaffeetassen und ein Kistchen Cigarren. 3 „Man weiß nicht, was Einem passiren kann,“ lächelte Frank O . F r —— s 22 K „ ee ee e eee eee ee eee eee sonderes zu sehen, lichen bürgerlichen Miethswohnung. Meine Arbeit ist gethan. schwermüthig,„ich besonders nicht, ob ich noch einmal meinen Ge— burtstag feiern werde. Vielleicht ist es der letzte.“ Es war der vierzehnte Februar. Wir beglückwünschten ihn und meinten, er würde den Tag hoffentlich noch viele Mal erleben. Er nahm unsere Gratulationen ohne Widerrede, aber mit einem Lächeln um den blassen Mund auf, das deutlich seine Ungläubigkeit be⸗ urkundete. Während er seiner Wirthin noch einen Auftrag gab, hatten wir Zeit, sein Zimmer zu betrachten. An den Möbeln war nichts Be— das war die einfache Einrichtung einer gewöhn— Aber an den Wänden hingen eine Anzahl Bilder, die uns sehr interessirten. Es waren Bildnisse der deutschen Volksmänner aus den Jahren von 1848 und 1849. Da hing eine Lithographie von Robert Blum, mit einem Lorbeer⸗ kranz umgeben, da sah man die Bildnisse vieler Offiziere der schleswig-holsteinischen Armee. Wir waren noch mit dem Anschauen der Portraits beschäftigt, als Frank wieder in's Zimmer trat. „Ach, Sie betrachten meine Gemäldegalerie,“ sagte er mit weh⸗ müthigei Lächeln,„Erinnerungen an eine große, unvergeßliche Zeit, für welche leider ein Theil unseres Volkes kein Gedächtniß und kein Verständniß mehr hat, so wenige Jahre auch zwischen damals und heute liegen.“ Ein heftiger Hustenkrampf unterbrach ihn, Er preßte die Hände gegen die Brust. „Frühlingsahnungen,“ vorüber war. „Aber Sie rauchen ja nicht,“ fuhr er dann fort und bot uns die Cigarren. Und als wir meinten, der Cigarrendampf sei ihm schädlich, zuckte er mit den Achseln. „Der Baum ist morsch und reif für die Art des großen Ver⸗ wüsters, der uns Alle niederschlägt, den Einen heute, den Andern morgen. Ich zähle seit gestern ohnehin nur noch nach Tagen.“ Wir versuchten ihm das auszureden. Er schüttelte ungläubig den Kopf. „Es geht zu Ende und es ist gut so. Mein Kamerad ist mir lächelte er schmerzlich, als der Anfall vorangegangen,“ und er sah hinüber nach dem Baum im Hofe. Dann schwieg er einen Augenblick und legte ein paar Scheite Holz in den Ofen, obwohl es schon behaglich warm im Zimmer war. Aber er fröstelte. Der Kurhesse theilte ihm nun mit, daß der Baron die Be⸗ dingungen des Zweikampfes angenommen habe. Um acht Uhr früh sei das Stelldichein am Fasanenwäldchen. 5 „Ich danke Ihnen, meine Herren, danke Ihnen herzlich,“ sagte er nach einer kurzen Pause.„Wollen Sie für die Waffen sorgen? Ich habe dort zwei große Reiterpistolen,“ er deutete auf einen Schrank,„aber die können wir wohl nicht brauchen? Indessen ist es gleichgiltig, bei fünf Schritt Entfernung trifft man mit jeder Waffe, und ich will ihn treffen,“ setzte er mit einem Ausdruck unversöhnlichen Hasses hinzu. „Und er wird Sie treffen,“ sagte ernst der Kurhesse. Frank zuckte mit den Achseln. „Ob ich drei Tage früher oder später sterbe, was liegt daran? Ich habe nur noch den Tod meines treuesten Freundes zu rächen. Ja, meines besten Freundes,— dessen Geschichte ich Ihnen erzählen will. Sie ist aber so innig mit der meines eigenen Lebens verbunden, daß Sie auch die letztere hören müssen.“ Er lehnte sich in seinen Stuhl zurück und durch das Fenster hinaus in die Weite blickend, gleichsam, als sehe er zurück in die Vergangenheit, begann er: „Die Zeit, von der ich zunächst sprechen muß, liegt noch nicht zu lange hinter uns, kaum fünfzehn Jahre; und doch weiß unser vergeßliches Geschlecht, zumal die heranwachsende Jugend, nicht, wie es zu jener Zeit, Anfang der vierziger Jahre, in unserm Deutsch⸗ land aussah, unter welchem Druck das Volk seufzte. Ich lebte damals als junger Rechtsanwalt in der Hauptstadt eines kleinen Landes, dessen Herzog zu den größten Bewunderern des österreichischen Staatskanzlers Metternich gehörte, den man mit Recht als den eigentlichen Regenten Deutschlands bezeichnete. In unserem Lande gab es weder eine Volksvertretung, noch eine Presse, welche die Noth der Bevölkerung ans Tageslicht bringen konnte, noch eine Selbstverwaltung in den Gemeinden oder eine Oeffentlich— keit in dem Gerichtsverfahren, noch irgend einen Schutz gegen Miß⸗ 43 D brauch der Gewalt, Uebermuth der herzoglichen Diener. Jedes freie Wort wurde verfolgt und unterdrückt. Die Bauern litten unter den Frohnden und Lasten, unter dem Wildschaden, den die Hirsche und Sauen ihren Feldern zufügten, Bürger und Bauern aber unter den Verordnungen, durch welche die Polizei das ganze öffentliche Leben zu regeln suchte. Die Regierung, die Polizei bestimmten und entschieden Alles. Jeder Gedanke an die Einheit des deutschen Vaterlandes, an eine Volksvertretung wurde verfolgt als Hochverrath. Der Wille des Landesherrn war oberstes Gesetz, jedes andere Recht mußte sich ihm beugen.“ Der Kurhesse nickte verständnißvoll. „Wie bei unserm Kurfürsten,“ unterbrach er halblaut den Sprecher. Dieser fuhr fort: „In unserer Residenz stand auch eine Garnison, ein Bataillon Musketiere und zwei Kompagnien Jäger. Die Mannschaften waren arme. Teufel, die sich nicht loskaufen konnten. Unter dem Offizier⸗ korps aber befand sich eine Anzahl Leute, die wegen Untauglichkeit oder aus anderen Gründen aus anderen Armeen hatten ausscheiden müssen und hier ein Unterkommen gefunden, hauptsächlich, weil sie von Adel waren. Die Mehrzahl dieser Offiziere waren keine Ver⸗ theidiger des Vaterlandes. Sie dienten dem, der sie bezahlte. Die Worte Deutschland, Nation, Vaterland waren ein hohler Schall für sie, der Herzog ihnen Alles. Ich hatte gar keinen Umgang mit diesen Herren. Erfüllt von den burschenschaftlichen Ideen über die Wiedergeburt des zerrissenen, geknechteten Vaterlandes, die ich von der Universität mitgebracht hatte, schied mich von ihnen eine unüberbrückbare Kluft. Ich verkehrte nur in einem kleinen Kreise gleichgesinnter Männer, die gleich mir für die Aufrichtung Deutsch— lands wirkten. Schmerzlich war es mir, daß mein eigener Vater, welcher als Pächter eine unweit der Residenz gelegene herzogliche Do⸗ mäne bewirthschaftete, unsere patriotischen Ideen verachtete. Er nannte sie demagogische Umtriebe. Meine Schwester, die an einen Gymnastal⸗ lehrer verheirathet war, theilte die Gesinnung des Vaters, und ebenso mein älterer Bruder, der dem Vater in der Bewirthschaftung der Domäne half. Die Einzige, die immer sich der Unterdrückten und Armen, der Mißhandelten und Unglücklichen angenommen, die mir die Liebe zur Freiheit und zum Vaterlande, den Haß gegen die Gewalt und das Unrecht eingeflößt hatte, meine gute Mutter, starb, als ich von der Universität zurückkehrte.“ Eine Thräne wehmüthiger Erinnerung flimmerte in dem Auge des Erzählers und er hielt ergriffen einen Augenblick inne. Dann fuhr er in seinen Mittheilungen fort: „Indessen war es mir nicht gut möglich, mich von allen anderen gesellschaftlichen Kreisen der Residenz fern zu halten, so wenig Gefallen ich auch an dem Tone hatte, der in denselben herrschte. Auf einem Ball, den die Kasinogesellschaft zur Feier des herzoglichen Geburts⸗ tages gab, lernte ich ein junges Mädchen kennen, die Tochter eines Fabrikanten, in die ich mich leidenschaftlich verliebte. Iduna war eine reizende Blondine. Entzückend waren ihre blauen Augen, die bald schmachtend, bald träumerisch und dann wieder schelmisch in die Welt blickten. Sie war achtzehn Jahre alt, das einzige Kind ihrer Eltern, die sie verhätschelten und anbeteten. Ihre Bekannten behaupteten, Iduna sei eitel, gefallsüchtig, aber ich hielt das für neidischen Klatsch. Ich sah nur ihre niedliche Figur, ihre prächtigen Augen, ihre blonden Haare, ihren rosigen Mund, ihre kleinen Füßchen und Händchen, zierlich, wie die einer Puppe. Idung war das erste Mädchen, das mich fesselte. Ich war jung, feurig, ich erblickte in ihr das Ideal des Mädchens, dem ich mein Herz, meine Hand geben könnte. Meine Bewerbungen wurden von ihr nicht zurückgewiesen. Ich wähnte, daß ich Gegenliebe gefunden. Ich durchschaute das Mädchen nicht. Obwohl von ihren Eltern ver⸗ wöhnt, war es doch ihr heißester Wunsch, sich zu vermählen, weil sie als junge Frau ihre Lust zur Koketterie, zum Vergnügen ungenirter befriedigen zu können glaubte. Und ich, ein gesuchter junger Advokat, befriedigte auch sonst ihren Ehrgeiz. Kurze Zeit, nachdem ich Iduna kennen gelernt, traten Ereignisse ein von gewaltiger, welterschütternder Bedeutung, die mein ganzes Sinnen und Thun gefangen nahmen. Es war an einem Februarabend des Jahres 1848. Ich saß mit meinen Freunden im Gasthof zur Post, als der Post— meister bleich und aufgeregt hereinstürzte. Er war aus Bayern gebürtig, hatte in seinen Studentenjahren sich an dem Hambacher — 2 333 8 D N Fest betheiligt, und dafür lange Zeit in Untersuchung sitzen und war der Hauptredner derselben und wurde damit der Führer der sein Studium aufgeben müssen. Endlich hatte er nach langer Be- Bewegung. Der Herzog bewilligte Alles: Preßfreiheit, Versamm⸗ 2 1 mühung eine Stelle im Turn und Taxis schen Postdienst gefunden. lungsrecht, eine Verfassung und ließ die Wahlen zu einem konsti⸗ d Er hatte ein Blatt in der bebenden Hand. Es war die Mann⸗ tuirenden Landtag ausschreiben. Ich wurde in' der Hauptstadt als 50 heimer Abendzeitung. Kandidat aufgestellt und gewählt. Kurze Zeit darauf fand meine 0 „Revolution in Paris,“ stieß er in kurzen, abgerissenen Sätzen Verlobung mit Iduna statt. Diese politischen Ereignisse nahmen a hervor,„Ludwig Philipp verjagt... Der Thronsessel verbrannt... mich indessen so in Anspruch, daß ich nur selten Zeit gewann, mit 1 0 Die Republik proklamirt.“ meiner Braut zusammen zu sein. Aber sie schien darüber nicht un⸗ 1 Wir starrten ihn sprachlos an, ungläubig wie Thomas, als ihm gehalten. Lächelnd und kokett antwortete sie mir, wenn ich mich. die Jünger sagten, daß sie den auferstandenen Christus gesehen wegen meiner seltenen Besuche in dem elterlichen Hause entschuldigte, en hätten. Aber da stand es in kurzen, gedrängten Sätzen in dem das sei ja erklärlich, daß ich mich nicht mit ihrer kleinen Person be. Mannheimer Blatte und bald darauf kamen ein paar Kaufleute, schäftigen könne, da mich Regierungssorgen in Anspruch nähmen. l 10 welche gleiche Nachrichten empfangen hatten. Eine leidenschaftliche Die Mutter, eine unbedeutende eitle Frau, sah mich allen Ernstes 1 Aufregung bemächtigte sich unserer Geister. Daß die Flamme herüber- schon als Minister des kleinen Landes und meinte, es würde mir schlagen würde über 5 dann ein Leichtes den Rhein und den 708 1 sein, ihrem Manne, 0 alten bundestäglichen Polizeistaat in Brand stecken würde, dessen waren wir ge— wiß. Die nächsten Tage und Wochen brachten eine Bestä⸗ tigung unserer Hoff— nungen. In Baden, in der Pfalz, in Wien und Berlin, in Sachsen, in Thü⸗ ringen, überall regte sich der gewaltsam unterdrückte und ge⸗ knebelte Volksgeist, der sich nach Freiheit und Luft sehnte. Auch in meinem Heimathslande er⸗ wachte das Volk aus der dumpfen Gleich⸗ müthigkeit und fei⸗ gen Ergebung in ein Joch, in welches Met⸗ ternich und seine Hel⸗ fershelfer uns Alle gezwängt hatten.“ Durch Frank's Stimme bebte bei diesen Worten ein Nachklang jenes Ju— bels, in welchen das deutsche Volk im Frühling von 1848 ausbrach. Von sei⸗ ner Stirn und aus seinen Augen leuch— tete ein Abglanz der idealen Begeisterung jener Zeit. Unser Gastfreund hielt einen Augen⸗ blick inne und drückte die Rechte gegen die kranke Brust und das hochklopfende Herz. i Wir baten ihn, sich zu schonen. Die Exinnerung errege ihn und er bedürfe der Ruhe. Er schüttelte traurig lächelnd das Haupt. „Ruhe werde ich bald für alle Zeiten haben und meine Nerven haben so viel aushalten müssen, daß sie auch diese Erregung noch vertragen.“ „Ich will,“ erzählte er dann weiter,„Ihnen hier nicht die Geschichte der Bewegung von 1848 erzählen. Sie ist Ihnen in ihren großen Zügen so gut be“ ennt wie mir. persönlichen Betheiligung an ihr will ich sprechen. Die Bevölkerung in der Residenz gerieth in eine dumpfe Gährung. Eine Menge Forderungen und Wünsche wurden laut. Aber es war Alles plan— los ohne bestimmte Ziele. Eine Volksversammlung fand statt. Ich „Louis Pasteur. Nur von meiner dem Kommerzien⸗ rath, den Adel zu verschaffen. Der Va⸗ ter war ein tüchtiger Kaufmann. Aber von Tochter und Mutter angesteckt, sah er auch in der Verbindung Iduna's mit mir den Weg zu äußeren Ehren. Daß ich dieses Verhältniß nicht löste in dem Augenblick, in dem ich erkannte, daß eine große, un⸗ überbrückbare Kluft meine Anschauungen von denen meiner Braut und meiner Schwiegereltern trennte, war ein schwerer Fehler. Ich habe ihn gebüßt. Aber die öffentlichen Ereignisse nahmen mich so gefangen und Iduna war bei alle⸗ dem so reizend, so liebenswürdig, sie wußte mich so durch tausend kleine Künste weiblicher Gefall⸗ sucht zu fesseln, daß ich nicht den Muth zu einem Bruche fand.“ g „Gerade um dies Zeit wurde ich von dem Landtag des Her⸗ zogthums als Ab⸗ gesandter nach Frank⸗ furt am Main ge⸗ schickt, um dort die deutsche Centralgewalt als Schiedsrichterin anzurufen in einem Streite, der zwischen der gewählten Volksvertretung und der herzog— lichen Domanialverwaltung über gewisse Anrechte des Staates auf einzelne Domänen entstanden war. (Fortsetzung folgt.) Louis Bafteur und Nobert Koch, die Forscher auf dem Gebiet des Mikro-Organismus. In dem Kampfe gegen den unerbittlichen und auch unbesiegbaren Feind aller Menschen, in dem Kampf gegen den Allbezwinger Tod hat es der Menschheit niemals an Führern gefehlt. Seit jenen angeblich mit Zauberkraft ausgerüsteten Heilkünstlern, von denen 5 — eee eee 2 2.— 8 8—— ä„„—T—TCTCTCTT0TT0TCT—T—T—TT—T—T—T—T—— N die Sagen alter Völker sprechen, bis zu den ernsten Forschern, Pasteur's, wohl kaum, welche Bedeutung dieses Reich der kleinsten welche heute eine fortgeschrittene Wissenschaft stellt, verzeichnet Organismen nach einer kurzen Spanne Zeit gewinnen werde; Pasteur die Geschichte die Namen einer Reihe von Männern, deren sich selbst, welcher der Ansicht huldigt, daß man bei wissenschaftlichen das Volk zu erinnern hat als derjenigen, die durch ihre Unter— Entdeckungen von vorgefaßten Ideen ausgehen müsse, scheint die suchungen und durch die gefundenen neuen Methoden die Anleitung Richtung, in welcher seine Entdeckung wirken werde, vorausgesehen ö zur Verlängerung des Lebens gegeben haben. Ihrer in Dankbar- zu haben, denn er arbeitete in der Richtung, das Vorhandensein keit zu gedenken, ist Pflicht der Menschheit, und wenn wir heute besonderer Organismen bei allen Zersetzungen organischer Stoffe unseren Lesern die Bildnisse zweier solcher Männer vorführen, welche nachzuweisen, unentwegt fort. Er wies nach, daß Gäbrung, Fäul⸗ so manche wichtige Position in dem ewigen Kampf zwischen Leben niß und Verwesung Vorgänge gleicher Natur sind und Tod zu Gunsten des ersteren erobert haben, so wollen wir Kohlenstoff-, Wasserstoff- und Stickstoffverbindungen f versuchen, als Erläuterung zu jenen Bildern mit wenigen Worten Körper durch die Gährungs⸗ resp. Fäulnißpilze zersetzt und uu verständlich zu machen, was sie geleistet, welchen Feind zu bekämpfen säure, Ammoniak und Wasserdampf verwandelt werden. 8 — sie zur Aufgabe ihres Lebens gemacht haben. Mit diesen Entdeckungen Pasteur's war aber der alte Streit, Beide, der französische Chemiker Louis Pasteur und der deutsche ob es eine Urzeugung gebe, d. h. ob Leben ohne organische, lebendige Arzt Robert Koch ge— N Keime entstehen könne, hören nicht zu denen, N. von neuem entfacht, welche das Volk ge⸗ wöhnlich als die Geg— ner der Krankheiten und des Todes an— sieht; nicht mit Arz— neimittelu und mit chirurgischen Instru⸗ menten suchen sie das Leben dem Tode ab— zuringen: die wissen⸗ schaftliche Forschung, das Suchen nach der Ursache der Krankheit ist ihr Gebiet, denn sie meinen, daß man an die Auffindung sicherer Heilmethoden erst mit Aussicht auf Erfolg herangehen könne, wenn man ge⸗ nau die Ursache der Krankheit erforscht denn jene Pilze, welche sich in ihren Uranfän⸗ gen so lange der sorg⸗ samsten Forschung ent⸗ zogen hatten, galten nun den Anhängern der Urzeugung(ge- neratio equivoca) als ein Beweis ihrer The— orie, bis es Pasteur im Jahre 1864 ge— f lang, in glänzendster 9 Weise diese Hypothese zu vernichten, so daß heute wohl Niemand mehr an sie zu glau⸗ ben wagt. Anknüpfend 7 an seine ersten Arbei⸗ ten über die Gährung hat Pasteur noch einige Arbeiten über Bier⸗ und Weingährung aus⸗ e . ee habe. geführt, von denen wir . Auf diesem Gebiete nur diejenige erwäh⸗ 8 bahnbrechend wirkte nen, welche seinem Na⸗ 3 Pasteur, welcher, Ende men schon in jener 3 des Jahres 1822 ge⸗ frühen Zeit eine große 4 boxen, heute in einem Popularität ver⸗ 3 Alter von 63 Jahren schaffte, nämlich die 3 auf eine Reihe von Erfindung einer Me⸗ 4 glänzenden Entdeckun⸗ thode, um durch Töd⸗ 1 gen zurückblicken kann. tung der Gährungs— Er war es eigentlich, der zuerst die Ursache der Veränderungen in organischen Körpern in kleinen Organismen entdeckte. Allerdings hatten Andere vor ihm Weines. schon von Gährungs⸗ Es hatte sich aber pilzen gesprochen, Pro⸗ im Laufe seiner Unter⸗ fessor Schwann hatte Robert Koch. suchungen— zu denen dieselben sogar schon 8 5 auch eine für die unter dem Mikroskop beobachtet, auch Mitscherlich hatte schon mikro Seiden Industrie sehr wichtige Arbeit über eine Krankheit der keime in einer Flüssig⸗ keit die Gährung dau⸗ ernd zu unterbrechen, die nach ihm genannte Pasteurisirung des Bieres und des skopische Studien über das Wachsthum der Hefekügelchen gemacht, Seidenwürmer gehört— bei Pasteur die Ueberzeugung festgesetzt, aber erst Pasteur führte den Beweis, daß ein mikroskopischer Pilz[daß alle menschlichen Krankheiten im Wesentlichen durch solche die Ursache der Gährung sei, und daß bei den verschiedenen Arten kleine mikroskopische Organismen— mögen sie nun thierischer der Gährung auch verschiedenartige Pilze auftreten, so daß nicht nur oder pflanzlicher Natur sein— verursacht werden, und diese Ueber⸗ der Stoff, welcher in Gährung versetzt wird, sondern auch die Art zeugung griff auch bei vielen Medieinern so sehr Platz, daß sich der Hefe, d. h. die Art des Gährungspilzes das Resultat der Gährung Behandlungsmethoden auf Grund dieser Anschauungen ausbildeten, bedingt. Es klingt uns das heute so bekannt, aber man muß sich und wenn wir auf diesem Gebiete nichts weiter zu verzeichnen hätten um dreißig Jahre zurückversetzen, um die Erregung zu begreifen, als die von Dr. Lister in Edinburg angegebene antiseptische Wund⸗ welche die Entdeckung Pasteurs in der ganzen wissenschaftlichen Welt behandlung, welche darauf beruht, das Eindringen der in der Luft machte; sie war, wie sich der berühmte Chemiker Dumas ausdrückte, befindlichen, Fäulniß erzeugenden Mikro⸗Organismen in die Wunde die Entdeckung eines dritten Naturreiches, die Entdeckung des Reiches zu verhindern, so würde dies allein genügen, um die Entdeckungen der kleinsten Organismen. Pasteur's auf diesem Gebiete als einen Segen für die Menschheit Man ahnte damals aber, bei aller Anerkennung der Verdienste zu bezeichnen. 6„FFFFF—T b....——„FFF—F—T—T—TCTCTCTT—T—T———————„ K Ob und wie weit Pasteur mit seiner Behauptung, daß alle Krank— heiten durch solche kleinen Organismen verursacht werden, Recht hat, lassen wir dahingestellt; bei aller Achtung vor dem Verdienst Pasteur's und bei Anerkennung der großen Wahrscheinlichkeit, welche seine Ansicht hat, wird man doch gut thun, sich der Ansicht Virchow's und Koch's anzuschließen, welche für jede einzelne Krankheit den faktischen Nachweis solcher Mikro-Organismen, und zwar in solcher Menge und Vertheilung, daß dadurch alle Krankheitserscheinungen erklärt werden, verlangen. Pasteur selbst entdeckte in dieser Be⸗ ziehung den Milzbrand-Bacillus und in neuester Zeit den Hunds⸗ wuth⸗Bacillus, indem er bei beiden zugleich auf die Möglichkeit ihrer Benutzung als Vorbeugungs- und Heilmittel in den betreffenden Krankheiten hinwies. Ueber die Möglichkeit, den Milzbrand durch Impfung zu verhindern, sind in den letzten Jahren viele Versuche gemacht worden; wenn sie auch noch nicht die absolute Sicherheit der geimpften Thiere gegen die Jufektion erwiesen haben, so haben sie doch einen gewissen Schutz und eine größere Widerstandsfähig⸗ keit der geimpften Thiere gezeigt, immerhin ein nicht zu unter⸗ schätzender Erfolg. Was die Bekämpfung der Hundswuth durch Hundswuths-⸗Bacillen, die durch Züchtung in Kulturen abgeschwächt sind, anbelangt, so sind die Versuche noch zu neu, um schon ein abschließendes Urtheil zu haben; einzelne Mißerfolge dürfen aber gegenüber unzweifelhaften Erfolgen nicht abschrecken: wenn es ge⸗ lingt, nur einen Theil der bis jetzt rettungslos einem furchtbaren Tode Verfalleuen zu retten, so ist dies ein Erfolg, welcher als kost— barstes Lorbeerblatt dem Ruhmeskranze Pasteur's einverleibt zu werden verdient. In dem Kampfe um die Frage, ob man die Mikroorganismen in allen Fällen als die Ursache der Krankheiten ansehen müsse, er⸗ stand plötzlich in einem kleinen preußischen Städtchen, in Wollstein in der Provinz Posen, in dem dortigen Kreisphysikus Robert Koch ein wackerer Mitstreiter. Nachdem es ihm schon im Jahre 1876, vor Pasteur, gelungen war, den Milzbrand durch Einimpfung mit in Rein⸗Kulturen gezüchteten Milzbrand-Bacillen zu erzeugen, trat er im Jahre 1878 mit seinen„Untersuchungen über die Aetiologie der- Wundinfektionskrankheiten“ an die Oeffentlichkeit, durch welche er nachträglich die wissenschaftliche Begründung der Lister'schen anti— septischen Wundbehandlung gab, indem er in der schlagendsten Weise nachwies, daß die Wundinfektionskrankheiten ihre Ursache in der Einwanderung und Ausbreitung der kleinsten Organismen, Bakterien und Mikrokokken hätten. War schon diese Arbeit Kochs an und für sich Aufsehen erregend, so waren es noch viel mehr die neuen Beobachtungsmethoden, welche er zur größeren Sicherung der Resultate erfunden und in Anwendung gebracht hatte. Drei Schwierigkeiten waren es, welche sich bisher der Beobachtung der Mikroorganismen entgegengestellt hatten: erstens die Schwierigkeit, den zu untersuchenden Mikroor⸗ ganismus so zu kennzeichnen, daß seine Beobachtung nicht durch die vielen anderen Stoffe gestört wird; zweitens war es schwierig, zu verhindern, daß die durch Farbstoffe genügend gekennzeichneten Beobachtungsobjekte durch das Zellgewebe und die Blutgefäße, in denen sie lagen, unsichtbar gemacht wurden, und drittens bildete die Unmöglichkeit, bei den Kulturen die zu beobachtenden Mikroorganismen von den vielen andern Bacillen, welche in derselben Nährflüssigkeit enthalten sind und sich in derselben vermehren, zu trennen, eine der Hauptschwierigkeiten für die Impfversuche. Diese Schwierigkeiten überwand Koch, indem er die Technik der Färbung der mikroskopischen Objekte mittelst Anilinfarben weiter ausbildete, indem er durch Anbzingung eines neuen Beleuchtungs— Apparates an den Mikroskopen verhinderte, daß die Schatten der Gewebe die winzig kleinen gefärbten Organismen verdeckten und indem er schließlich die einzelnen Bakterien und Bacillen in der Nährflüssigkeit dadurch isolirte, daß er die betreffende Flüssigkeit durch Zusatz von Gelatine in den„festen Nährboden“ verwandelte. Indem die Flüssigkeit, nachdem die zu züchtende Bakterie in dieselbe gebracht worden war, schnell erstarrte, konnten die Keime den Ort, an welchem sie sich befanden, nicht mehr verlassen, und jeder einzelne Keim bildete nun um sich herum eine Kolonie von Nachkommen, die sich nicht mit anderen vermischen konnten und nun als wirkliche echte Nachkommen zu betrachten sind. Diese Einfügung des festen Nährbodens in die Bacillenforschung ist für diese Unter— suchungen von entscheidender Bedeutung geworden; nur durch die Züchtigung im festen Nährboden gelang es, die Erreger vieler Auffinden der Mittel zu ihrer Vernichtung war sein Forschen zu— zu ih htung Krankheiten vollständig zu isoliren, wirkliche Reinkulturen zu schaffen, 9 und wenn Koch kein anderes Verdienst hätte, als die Untersuchungs-⸗ methode in dieser Weise vervollkommnet zu haben, so würde dies aus— reichen, um ihm einen ehrenvollen Platz in der Reihe der Forscher zu sichern. 5. Er hat es aber auch verstanden, mittelst seiner Untersuchungs⸗ methode Resultate zu erzielen, welche von der höchsten Bedeutung sind; vor allem war es der Nachweis des Tuberkel-Bacillus, welche Entdeckung er am 24. März 1882 in der physikalischen Ge⸗ sellschaft zu Berlin mittheilte. Es ist hier nicht der Platz, ausführ⸗ lich die ungeheure Arbeit, den emsigen Fleiß zu schildern, welcher zu dem Ersinnen und Erproben der feinen Untersuchungsmethoden führten, welche der Arbeit Koch's die Sicherheit gab, daß ein Zweifel an der Richtigkeit seiner Beobachtungen ausgeschlossen ist. Es ge⸗ lang ihm, Tuberkel-Bacillen zu züchten, welche noch in der zehnten Generation, wenn sie eingeimpft wurden, mit absoluter Sicherheit Tuberkulose(Lungenschwindsucht) erzeugten, und durch die ganze ärztliche Welt ging ein Jubelruf, daß man nun die Entstehung einer Krankheit kenne, welche bis jetzt allen Heilversuchen getrotzt hatte. Man durfte hoffen, nun auch endlich das Heilmittel zu finden. Wenn dies bis heute nicht geschehen ist, so muß man bedenken, daß erst kurze vier Jahre seit der Koch'schen Entdeckung verflossen sind, und daß es an den Fortschritten der Wissenschaft verzweifeln hieße, wenn man annehmen wollte, daß die Kenntniß der Ursachen der Tuberkulose, der Krankheit, welche etwa ein Siebentel des Menschengeschlechtes dahinrafft, nicht die Grundlage bilden werde für die Auffindung eines rationellen und erfolgreichen Heilverfahrens. f An diese epochemachende Entdeckung des Tuberkel-Bacillus schloß sich, als Koch bald darauf seitens der deutschen Regierung nach Aegypten und Indien zur Erforschung der Cholera gesandt wurde, die Entdeckung des Komma Bacillus, des eigenthümlichen Bacillus, welcher als der ständige Begleiter der Cholera auftritt. Ob dieser Bacillus in gleicher Weise der Erzeuger der Cholera ist, wie jener Tuberkel⸗Bacillus der Erzeuger der Lungenschwindsucht, darüber sind die Akten noch nicht geschlossen, und muß überhaupt diese Entdeckung Koch's, trotzdem sie seinen Namen in den weitesten Kreisen bekannt gemacht hat, an Großartigkeit hinter den früheren Leistungen zurück— treten: als er den Komma-Bacillus fand, wandelte er in betretenen, allerdings von ihm selbst geschaffenen Wegen, welche die Auf⸗ findung von vornherein sicherten; bei Auffindung des Tuberkel⸗ Bacillus mußte er sich als Pionier die Wege selbst bahnen, die er bei seinen Untersuchungen wandeln wollte. Deshalb könnte man sagen, daß die Gunstbezeigungen, welche dem Entdecker des Komma⸗ Bacillus in so reichem Maße zu Theil geworden, eigentlich als ver— spätete Huldigungen bezeichnet werden müssen— freuen wir uns aber der Anerkennungen, welche dem genialen Forscher zu Theil ge⸗ worden sind und welche ihn in keiner Weise bestimmt hatten, seine anspruchslose Bescheidenheit und seine vorsichtige, Schritt für Schritt tastende und greifende Methode, welche allein zu unangreifbarer Re⸗ solution führt, aufzugeben. 5 Werfen wir noch zum Schluß einen kurzen Blick auf den unter uns weilenden Forscher und seinen Lebenslauf, so ist er 1844 zu Clausthal geboren, war, wie schon erwähnt, noch vor wenigen Jahren Kreisphysikus in Wollstein; von dort wurde er, als er durch seine Arbeit über die Wundinfektions-Krankheiten seine Bedeutung auf diesem Gebiete gezeigt hatte, im Jahre 1880 nach Berlin in das Reichsgesundheitsamt berufen, und hier widmete er sich ganz der von uns skizzirten Thätigkeit. Aber nicht nur dem Entdecken jener gefährlichen Feinde des Menschengeschlechtes, sondern auch dem gewandt, und hier gebührt ihm das Verdienst, das Sublimat wieder in seine Stellung als energischster Vernichter aller Mikroorganismen eingesetzt zu haben. Um ihm zu gestatten, sich ohne jede Störung dieser Aufgabe ganz widmen zu können, wurde er an die Spitze des neugegründeten hygieinischen Instituts gestellt, und in dieser Thätigkeit sehen wir ihn jetzt inmitten zahlreicher Schüler. Eine schmächtige mittelgroße Figur mit auffallend schmalem Kopf, einem kleinen Mund, sanften, ruhig blickenden blauen Augen, schöner gerader Stirn, so steht der„Bacillenvater“ vor seinen Schülern, zu welchen sich nicht nur die Jugend, sondern auch viele ältere Aerzte — mancher davon mit weißem Kopf, zählen, beschreibt ihnen mit leiser, manchesmal stockender Sprache seine Methode und giebt ihnen Anleitung zu ihrer Benutzung. Von dem Hause in der Klosterstraße zu Berlin, in welchem so lange Jahre die technischen Ein Stammbuch blatt Lichtenbergs. Ale„Erinnerungsblatt“ schrieb Wissenschaften Pflege und Ausbreitung gefunden, wird das Licht See e 1 1 a Amen alen Darmstädter ausgehen, welches die alte medizinische Wissenschaft vollständig um⸗ N Gicht⸗ e ee Veet 29 We gestalten muß; wenn diese Umgestaltung nicht so schnell geschieht, eines fünfzigjährigen Mädchens, das nie den Wunsch gehabt hat zu heirathen; wie es so mancher in der Zeit des Dampfes und der Ekektrizität wasche dasselbe dreimal im Wassergraben eines ehrlichen Müllers; trockene erwartet, so trifft ein solcher Vorwurf nicht die Männer, welche diese es auf der Gartenhecke eines kinderlosen protestantischen Predigers; zeichne 1 Umgestaltung vorbereiten und an ihr mitarbeiten, sondern diejenigen, Nute, 155 e eee 1 8 5 bon 115 damit die welche ohne Würdigung der sich bietenden Schwierigkeiten mit den Gichtstelle sorgfältig verbinden.“ 85 8 5 5 Wiuünschen den Thatsachen vorauseilen und oft nur zu geneigt sind, a ihre Wünsche für Thatsachen zu nehmen und als olche zu verkünden. 5 0 schef ee 0 als solche z 6. L Ein Autograph O'Connels. Bei dem gegenwärtigen verbrecherischen 5 Treiben der irischen Fenier und der Landliga wird es von Interesse sein, die politischen Grundsätze des großen Agitators Daniel O'Connel kennen zu lernen, welche dieser hochherzige und unerschrockene Kämpfer für die Befreiung Irland's einer Wiener Dame unterm 13. Mai 1838 1 0 se 2 U ätter. 1 1 5 Wunsch in ihr Album schrieb. Dasselbe, welches uns vorliegt, 712 1„ 2 g 8 7 0 6 li 8 Künstliche Perlen. Seit ungefähr zehn Jahren treiben die Chinesen 5 nne ok my political live are folgende Industrie. Sie öffnen die Perlenmuschel ein wenig und schieben Pirst: That any political advantage, however great, is too dear, it ein winziges Buddhabild hinein. Dann wird die Muschel wieder in das purchused by one drop of Han pie 5 5 2 Meer gesetzt. Die Auster sucht darauf, den fremden Körper wenn. nicht Second: That all useful political changes can be obtained by the power 8 auszuscheiden, doch für sich nicht unbequem zu machen, weshalb sie das ok public opinion and the combination of peascable means Holzbildchen mit ihrem Saft überzieht, d. h. es zur Perle macht.— Die Die Grundsätze meines politischen Lebens sind: 8 . Kunst, künstliche Perlen zu erzeugen, hat übigens Linne schon gekannt. Man Erstens: Daß jeder politische Vortheil, auch wenn er noch so groß, zu bohrt nämlich die Muschel an und setzt sie auf die Bank im Meer. Die theuer erkauft ist, wenn er durch einen Tropfen Menschenblut Auster beginnt sogleich die Oeffnung 1 schließen, um sich gegen die An⸗ erkauft wird. griffe eines kleinen, feindlichen Krebses zu schützen. Dazu dient ihr der Zweitens: Daß alle nützlichen politischen Veränderungen errescht werden eigene Speichel, der erstarrt zur Perle wird. Diese Kunst wird jedoch wenig 15 Ich di 5 i Mei. ausgeübt, da in den Gegenden der Perlenausterbänke die, Muscheln in solcher feen W der öffentlichen Meinung im Verein mit Menge gefunden werden, daß man Perlen wegen nicht in Verlegenheit Diese Eirzeichnung steht im schönen Einklange mit der Stelle in kommt. 1 Einsammlung 0 0 Muscheln ist bei Ceylon Eigenthum der O,Connels berühmter Vertheidigungsxede vom 8. Februar 1844, in der er onen Perle ee 5 5 1 0 170 Schalen mit begeisterter Stimme ausrief:„Es giebt keine Revolution, die einen 9 rd 570 e ee e e 5 scharfe Blutstropfen werth ist; aber vertheidigen darf und soll ein Mensch sein ße der, Aufseher, so wird der Apotheker herbeigeholt, der dem Arbeiter Recht.“ 0 2. sogleich eine Laranz eingiebt. Manche Perle, die den Hals einer Schönen“ 1 chmückt, mag schon diesen Weg zurückgelegt haben. W. G. Auflösungen der Räthsel. Die große Christenverfolgung während der letzten Zeit des römischen Auflösung des Citaten-Räthsels in voriger Nummer: Wir sind 7 Kaisers Diocletian(303305) brandmarkt diesen sonst gewaltigen Herrscher Volk, 1 bi ölen mi 1. 1 ee 8 für alle Jahrhunderte. Man hat sich vergebens bemüht, den Umfang der⸗ 2. Rienzi. 3. Ilse. 4. Ertältung. 5. Markgraff. 6 Hummer selben und die Zahl der Opfer auch nur annähernd zu ermitteln. Nach 7. Ili. 8. Laute. 9. Dortmund.— Kriemhild— Siegfried; e Steudlin hätten die Christen damals im römischen Reich die Hälfte der[Rösselsprungs: f g 5 Gesammtbevölkerung ausgemacht, nach Matter ein Fünftel, nach Bastie ein 1 fi, 2 5 5 Zwölftel und nach Gibbon ein Zwanzigstel. Vielleicht ist dies felbst noch 9290 e 898 1 e zu hoch gegriffen, wenn man bedenkt, daß die Isisverehrer fast den Christen 25 9 85 1 45 die Waage hielten, daß der Baaldienst und der der großen Mutter Kybele neben fin h Sehnen öcht ich nun mich schmiegen der alten Religion Roms viele Anhänger besaßen. Trotzdem sind die Blut⸗ ind ein füßes Weh. An ein treues Herz. ströme, die vergossen wurden, so groß, wie sie keine andere Zeit aufweisen 5 im M ci f kann. Am 24. Februar 303 wurde das erste Edikt des Kaisers, der sich Froh 62 Nerd aschimes damals in Nicomedien befand. gegen die Bekenner des Christenthums ver—⸗ A Ab 5 1 aus, öffentlicht. Ein angesehener Christ riß den Anschlag ab; er wurde, das erste Möc b 1 11 10 5 Opfer, dem Scheiterhaufen übergeben. Ihm folgten ganze Schaaren. Zur 1 köcht er sein zu Haus. Entschuldigung Diocletian's möge dienen, daß er einem Ehristencomplott auf— des Quadrat⸗Räthsels: der Spur zu sein glaubte. Jedes folgende Edikt wurde verschärft, und das vierte und letzte(304) war als das Todesurtheil jedes Christen gleich u achten; jeder Christ sollte zum Opfern gezwungen werden. Wohl eine illion Christen starben damals den Martyrtod. Die Verfolgung unter Nero kostete kaum ein Hundertstel dieser Zahl das Leben; dennoch mußten e 0* 8 t 8 e** die Römer einsehen, daß man durch Blutströme eine Idee nicht beseitigt,„i e und Cäsar Galerius mußte 311 das Edict erlassen, durch das den Christen 5 3 Duldung verheißen wurde, falls sie sich nicht gegen den Staat auflehnten. l 4 Ob die verfehlten Versuche, das Christenthum in Blut zu ersticken, Diocletian 1 3 ur Niederlegung der Kroue veranlaßten, ist eine Frage geblieben; jeden⸗ r 1 falls nahm der Kaiser den Gedanken, nicht allmächtig zu sein, in die Ein⸗ samkeit mit sich. W. G. 1 n A„„ 8 Ein Henkermeisterstück. Eine alte Regensburger Chronik meldet, daß im April 1601 der dortige Scharfrichter gestorben war, und daß sich drei 5 Henker aus der Nachbarschaft um die erledigte Stelle bewarben. Man Rät 0 1 zeigte ihnen an, daß drei zum Tode verurtheilte Verbrecher im Gefängnisse 5 [lügen, an diesen sollten sie ihr Meisterstück,„jedweder an einem“ versuchen. Hellas schrieb es mit vier Zeichen, Welcher von ihnen am besten das Scharfschwert schwinge, werde augestellt Mit vier Zeichen schrieb es Rom, werden.„Der Erste hat dem einen Verurtheilten einen Ring mit Röthel um Mit der gleichen Zahl von Lettern I den bloßen Hals gestrichen und bei der Euthauptung diesen Ring genau durch⸗ Schreibt man es in Albion. gehauen. Der andere hat seinem armen Sünder zween Faden um den In Italiens weiche Sprache ö 9005 gelegt und den Hieb meisterhaft dazwischen durchgeschlagen, sogar keinen Fügt es mit fünf Zeichen sich. * Faden verletzet. Nun ist es au dem dritten Henker, einem riesenhaften Kerl, Mit fünf Lettern schreibt es Frankreich, gewesen Da hat das Volk gemeinet, er könne unmöglich mehr gewinnen. Funkelnd wie Champagnerwein, 5 Der brüllte vom Hochgericht:„Wie muß denn ich es zum Besten mit dem Zart und innig muß in Deutschland dritten Sünder machen?“ Als nun Jedermann zugelaufen und sehen wollen, Fünf der Zeichen Zahl doch sein. wie er ihm thun werde, ob er auch einen Kreis oder Ring um den Hals Wie es aber in den Sprachen mache, und die andern zwei Henker, zunächst dem armen Sünder stehend, Auch verschieden wird benannt, ar sehr acht geben wollten und ungeschickt und fürwitzig die Köpfe hinhielten, Wie viel Zeichen es auch künden, 5 der Henker in Eile zu und mit einem Hiebe dem Sünder und den Ist's doch ohne Wort gekannt. Henkern die Köpfe ab; und also hat er sein Meisterstück am besten bewiesen, In den Augen steht es deutlich, aß er Scharfrichter wurde. R. F. Ohne Zeichen ist's zu lesen, 5—— Und es sind zu allen Zeiten Sprachverständ'ge viel gewesen. 5 * e a 5 5 3 5 e D KAönigspromenade. lich heim⸗ lan⸗ die schug dei⸗ bed nec „ sich tödt⸗ ver⸗ gen bur de a ne zit⸗ ternd 1 8„„ 7 doch e oder fangen los pen ne⸗ an nen in 0 1 CCC 5 sie müssen spät ge⸗ tungs⸗ streif⸗ lip⸗ mei der mei E N e lip⸗ fen so be⸗ ret⸗ ten scheu⸗ em dei⸗ nen die die sich. sind 1 mit drul die es 2 3 ö nen Tuch nen 0. du lek⸗ e⸗ vol⸗ den zuck — 1 5 e leug⸗ ver⸗ mei⸗ die lang;. kelch len aus ten f 1 3 deine mehr sie nen so i fun⸗ 0 und muth 3 5 3 nicht eig⸗ nen 1 50 die ken fas⸗ se flie⸗ sind rührt mich pen die ken ge⸗ wir nicht he be⸗ so die lip⸗ 3 gauz vor be Silben-Räthsel. Aus folgenden Silben: a à à de aet as bal be beth ei eu de de dic do do dolf dor dos e e el er er gau ge gi glo in kra le le leh li mo na na na nar ne ne ne ner o o pi ra recht ro sa sau scor sowW stand stoff ta ter ti ti thun tie to trei tus zac 5 sollen 21 Worte gebildet werden, deren Aufangs⸗ und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ein Citat aus einer Goethe'schen Ballade ergeben. Die Wörter bedeuten: ö 1. Name eines römischen Geschichtschreibers. 2. Vulkan auf Sicilien. 3. Stadt in Schlesien. 4. Nordamerikanischer Freistaat. 5. Gliederspinnen. 6. Befestigte Stadt in Südrußland. 7 Türkische Stadt in Thracien. 8. Name eines verstorbenen Romanschriftstellers. 9. Weiblicher Vorname. 10. Ssozialistische Verbindung. 11. Stadt in der Schweiz. 12. Männlicher Vorname. 13. Ein geistlicher Orden. 14 Ein Märchenland. 15. Türkische Rauchpfeife. 16. Eine Volksherrschaft. 17. Farbloses Glas. 18. Nutzbarer Samen. 19. Name eines trojanischen Helden. 20. Außerordentliches Gericht. 21. Ein Baum. Magisches Guadrat. Die nachfolgenden Buchstaben: E E FE E E in 3 „* 1 M ——— M M R sind so zu ordnen, daß sie von links nach rechts und von oben nach unten gelesen, in den korrespondirenden Reihen gleiche Wörter ergeben und zwar: 1. Nebenfluß der Aar. 2. Eine große Wassermenge. 3. Ein Lebeus— mittel. 4. Einen Baum. 5 Zweisubige Charade. Wohl stehet es an Dem tüchtigen Mann, Wenn sein Zweites das Erste ist— Doch das erste sein Durch Zweites allein Wird nie, wer das Ganze vergißt. Es reißet ihn fort Zu Thaten und Wort Das Zweite mit stürmischem Sinn; Wenn Macht es ihm giebt Und Ganzes er übt, Dann nennet das Erste man ihn. 48 De, Problem Nr. 371. Motto:„Jacta est alea.“ Schwarz. U 9 e . e. 1 g h e Weiß. Weiß zieht an und setzt mit dem vierten Zuge Matt. Das vorstehende fein konstruirte Problem concurrirt in dem Problemturnier der britischen Schach-Association. 8 Auflösungen. Problem Nr. 364 von J. Hintzpeter in Siegen. Lg5—f6 Sc6—g 7: 2) Db bs 8Sg7-h 3) Se5—g47 Kg, g6, e! 66 4) Da7, da, d2— ds, Dd ef Zieht Schwarz im zweiten Zuge anders, so kommt das Drohspiel 3) Ddgf 4) Pdf Matt oder umgekehrt zur Ausführung. Aus der Deckung der nach dem ersten Zuge bestebenden Drohung: 2) bl 8c 3) Des. Matt, ergeben sich noch die beiden folgenden guten Neben⸗ spiele: 1).. Kd 2) Dpir Kada) Db Le oder beliebig 4 Del resp. Dds Matt 2. K 15 3) bl 802 4) De2: Matt 1) Seßl 2) Sea Sd oder d7 3) Tg kes(ea) 4) 887 (bda) Matt 2). Kei 3) daf Ks 4) Des Matt. Alle andern Gegenzüge erweisen sich als schwächer: auf 1).. 8g5 oder ds kann 2) 157 3) Pbs ꝛc. oder 2) Pda ꝛc. auch 1) Sts ebenfalls 2) 185 oder 2) Dbß ꝛc. folgen.— Die richtige Lösung wurde angegeben von W. Kron in B. und J. Seidenberg in K. Problem Nr. 365 von J. Obermann in Leipzig. 1) Ses—b7 Kt5—e6 2) 04- deff Ke6- d(d7) 3) De2—b3(Deé: f Zum Inhalt des Problems gehören wesentlich noch zwei Spiele, ein zweites Hauptspiel, welches sich aus dem Deckungszuge I) d5 d ergiebt: 2) Degir Kea:(Kté:) 3) Sds (bes) Matt und das einzige Drohspiel, welches durch den Ober den 1) b3—bꝰ2 zu der Be⸗ deutung eines dritten Hauptspiels gelangt 2) 4 d5 be,(oder beltebig) resp. cd5 3) Sd resp. Des Matt. Von gering rer Bedeuturg ist die Variante 1).. dea 2) Ded 3) Sdé Matt.— Eine besondere Pointe der Aufgabe liegt überdies im ersten Zuge von Weiß.— Die Lösung wurde angegeben von F. Osten in G., Dr. Voelkel in B. H. Michaelis in Th., 2. Aire in 5 K., W. Kron in B., Schachklub Thun, R. Keller in B., von B. in S. und R. Blümel in S. 7 0 Aus der Schachwelt. Ueber den Wettkampf zwischen Steinitz und Zukertort entnehmen wir der„Morning Post“ die folgenden Zeilen: 8 „Der Wettkampf begann in New⸗York am Montag, den 11. Januar. Die erste Partie, in welcher Zukertort den Anzug hatte und die englische Eröffnung nach andern, Nachrichten, Damengamdit: 1) 42-44 47—d5 2) 02- ca] wählte, wurde von Steinitz gewonnen. Am Mittwoch (13. Januar) eröffnete Steinitz die zweite Partie mit einem schothischen Gambit(1) e2— el e 5 2) Se1—13 Sbs cs 3) 42 d4 eb da: 40LtI 0d] welches von seinem Gegner er⸗ folgreich vertheidigt wurde, der hierdurch seine srühere Niederlage wieder ausglich und durch einen neuen Sieg am folgenden Freitag[diese dritte Partie wurde bis zum 47. Zuge fert⸗ gesetzt und dauerte 5¼ Stunde,] in der ersten Woche im Vortheil blieb. Es ist alle Aus⸗ sicht auf einen hartnäckigen Kampf vorhanden. ukertert's Erfolg in der ersten Woche muß einem Spieler von seinem Temperament sehr zu statten kommen, während die wohlbekannte Ausdauer von Steinitz durch seine momentane Niederlage zu um so größerer Betbätigung angespornt werden wird. Es war von Zukertort's Freunden in London sehr befürchtet werden, daß die moralische Wirkung seines ersten Verlustes seine Aussichten auf ven Sieg ernstlich gefährden würde, und aus diesem Grunde wurde die Nachricht von seinen Erfolgen mit um so größerer Genugthuung aufgenommen:.“ 1 8 9 5 Ueber das Spiel in der solgenden Woche schreibt die„Times“:„Zukertort hat die vierte Partie gewonnen Die Freunde von Steinitz schreiben den Verlust der Partie(Rey Lone- N Eröffnung) einem Fehler zu, den er im 37. Zuge machte, als er nach längerem Nachdenken einen Bauern nahm und seinem Springer die Deckung entzog. Zwei Züge nach dem Verlust 5 Ab 9 auf. Beide Spieler klagen über Schlafsossgkeit.“— In der fünften Er bot Damengambit an,(ü) DPd2—d4 47—d5 2) 5 5 55 5 des Offiziers Partie blieb Zukertort Sieger. nen 0 welches von Steinitz abgelehnt wurde. Steinitz spielte schlecht und gab im 32. Zuge auf. Als er seine Taktik gescheitert sah, zeigte er sich entmuthigt,(demoralized) während ukertort seine Ruhe und sein Selbstvertrauen bewalrrte. Der Stand des Turnieres ist jetzt: Zukertort 4, Steinitz 1, und mit, dieser Partie endet der in New⸗Hork zu erledigende 15 as. des Wettkampfes. Das Spiel wird am 29. Januar in St. Louis wieder aufgenommen. öffentliche Interesse an dem Match ist jedoch in der Abnahme begriffen, da man allgemein erwartet, daß Zukertort gewinnen wird. Briefwechsel. a J. B. in C. Die Aufstellung des Vierers ist zu gewagt; wegen 1) Df 2) Sbif Kea 3) 985 4) Des und 1) Dhstr Kes 2) Les Kg2 3) Dhef ꝛc. resp. 1).. er eb 2) Las 3) die ꝛc. 1 Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Verlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105. ——— e —————————