95 16 irde ol, Aden 10 Natt bb ai, tvell penn al fung und ttan⸗ 1 b 1 die , 55 0 0 mir stets die Liebste!“ — * — Beilage zu den Oberhessischen Unchrichten. 1 Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Ur. 49. Gießen, den 5. Dezember. 1886. Künstlergewissen. Novelle von H. Schobert. Schluß.) Als Marion nach einigen Stunden mit halb beklommenem, halb trotzigem Gemüth bei Gottliebe anklopfte, fand sie die Zimmer offen aber leer. Das Stubenmädchen sagte, daß die Frau Professor einiger Besorgungen wegen in die Stadt gegangen sei. „Siehst Du,“ meinte Hartenstein spöttisch,„das nennt sich eine pflichttreue, wirthschaftliche Natur! Wahrscheinlich fehlen einige Pfunde Kaffee in der Wirthschaft und die Frau vom Hause gestattet sich nicht eher irgendwelchen Kummer, bis dergleichen besorgt ist. Tröste Dich, Gottliebe stirbt nicht an dem Wechsel in ihrem Leben.“ Er wollte, was er aussprach, glauben und es gelang ihm beinahe. Auch Marion wußte er zu beruhigen, seiner hinreißenden Dialektik widerstand selten Jemand. Sie war überzeugt, daß sie Roland liebe und daß die Liebe berechtigt sei, Schranken und Gesetze nieder— zureißen, ohne deshalb verdammt zu werden.— Gottliebe hatte still das Haus verlassen und war in's Freie ge— flüchtet, die Luft, hoffte sie, würde den eisernen Reif um ihre Stirn sprengen, wenigstens mildern. Es war ihr zu Muth wie einer Gestorbenen. Ihr ganzes vergangnes Leben lag klar vor ihren Blicken und sie sah prüfend darauf zurück, aber es zeigte sich ihr nur immer dasselbe. Jeder Gedanke, jeder Pulsschlag, jede Regung ihres Herzens hatte ihm und ihm allein gehört, dennoch war es ihr nicht gelungen, auch nur den kleinsten Theil seiner Seele zu sich herüber zu ziehn, ihm unbewußt nur nothwendig zu werden. Vergebens all ihr Hoffen und Mühn, vergebens die stille Wunschlosigkeit auch, in die sie sich hineingelebt. Jetzt schrie Alles in ihr auf und haderte mit dem Schicksal. Eins stand fest in ihr, Roland Hartenstein und sie waren für immer von einander getrennt! Nicht etwa weil sie sich ihm gegenüber unversöhnlich fühlte— es hatte ja infolge innerer und äußerer Nothwendigkeiten so kommen müssen, wie es kam, denn trotz ihrer blinden Liebe zu ihm hatte sie doch die tiefen Schatten seines Charakters oft schmerzlich empfunden— sondern weil sie ihm die Berechtigung zugestand, eine Last abzuschütteln, die ihm unerträglich und ein Hemmniß dünkte. Sie zürnte nicht einmal der Schwester, die nur demselben Zauber erlegen war, wie sie, aber sie klagte bitter über ihre Machtlosigkeit, etwas zu ändern, was ihr ungerecht schien. Mußte sie immer und überall zum Entsagen verdammt sein? Ueber⸗ all dabei stehen, wo Andere genossen? Und dann schalt sie sich wieder, daß sie vielleicht doch zu viel begehrte; ihre Gedanken suchten das kleine Zimmer in der Armstrongschen Klinik und sie hörte noch einmal die freundliche Stimme des Doktors:„Sie waren Er würde ihr also seine Thüre nicht ver⸗ schließen, wenn sie wiederkam, um fortan bei denen zu bleiben, denen sie nothwendig zu sein verstand. Wunderbar nur, daß sie selbst bei diesen Gedanken kein rechtes Genügen, kein frohes, freudiges Be— wußtsein empfand, doch noch irgendwo etwas zu gelten. Leer und kalt war es in ihrem Herzen geworden und ein Grauen überfiel sie vor der Zukunft. Unbewußt faltete sie die Hände und setzte sich auf eine Bank an der Böschung des Kanals, der die Stadt durchschnitt und dessen dunkles Wasser unbeweglich und undurchsichtig wie Lava vor ihr lag. Magnetisch zog es ihre Blicke an sich. Wer dort drunten sich bettete, für den gab es fortan keine bittre Wahrheit mehr, kein Voraussehen der Zukunft, keine Schmerzen und Kümmerniß. Wenn diese dunklen Wasser sich über sie schlössen, deren Leben so werthlos, die nicht einmal etwas auf dieser Erde mehr zu lieben fand, wen würde es kümmern! Auf einem Floß dicht zu ihren Füßen spielten zwei Knaben, ein, größerer und ein kleinerer. Sie hatten Papierschiffchen, ließen sie schwimmen und jubelten auf, wenn es gelang, sie recht weit hinaus zu stoßen. Ihre hellen Jubelschreie brachten Gottliebe wieder ein wenig zu sich, schürten aber auch das brennende Weh ihrer Brust noch heftiger. Wenn ein solch junges Leben ihr gehörte, sich zärtlich und vertrauend an ihre Knie schmiegen würde, sie lieben und sich von ihr lieben lassen! Wäs hätte es wohl geben können, das sie nicht klaglos ertragen? Ihr umflorter Blick heftete sich auf die Kinder zu ihren Füßen und ein Gefühl des Neides auf die unbekannte Mutter derselben überfiel sie. Der Kleinere war ein waghalsiges Bürschchen. Platt auf dem Bauch liegend, so daß sich der helle Krauskopf dicht von dem dunklen Wasser abhob, schleuderte es sein Schiffchen weit hinaus. Gottliebe erhob sich erschrocken, sie wollte rufen, warnen. Das Wort erstarb in einem unartikulirten Schrei. Die kleine Gestalt war vornüber geschossen, die dunklen Wasser spritzten auf und zogen mächtige, weit ausgreifende Kreise. Der Andere auf dem Floß erhob ein Zeter⸗ geschrei, angstvoll duckte er sich nieder auf die leise zitternden Bretter. Noch einmal tauchte der blonde Kopf auf, die Ringellocken gelöst durch die Nässe, das Gesichtchen so blaß, er schien den Mund zu öffnen, wie ein klagender Ton hallte es weit über das Wasser, ver⸗ zweiflungsvoll griffen die Arme noch einmal empor, dann verschwand der kleine Körper wieder. In demselben Augenblick sprang Gottliebe die Böschung hinab. Sie konnte nicht schwimmen, ob sie also Hülfe brachte, war zweifel haft, viel eher gewiß, daß sie den Tod des Knaben theilte; aber daran dachte sie nicht. Es war ihr gewesen, als hätten die blauen Kinderaugen einen so verzweiflungsvoll flehenden Blick auf sie ge— heftet, daß er sie ohne weiteres Ueberlegen nach sich gezogen. Noch einmal spritzte das Wasser auf. Entsetzt verstummte das Geschrei des einzigen Zurückgebliebenen, mit starren Augen blickte er nur zitternd auf die unheimliche Tiefe, die nun zwei Menschen barg. Auch Gottliebe kam noch einmal empor, die Wasserfläche ringsum 8 2386 war leer, ebenso ihre Hände, dann fühlte sie, wie die Schwere ihrer Kleider sie hinabzog, wie sie allmählich, aber widerstandslos sank. In diesem Augenblick ergriff sie etwas, war es das Kind, ein Tau, Seetang, sie wußte es nicht mehr; konvulsivisch nur krallte sie ihre Hand in dies Etwas. Dann brauste es ihr vor den Ohren, Funken tanzten ringsum, sie sank und sank, ein Gefühl von eigenthümlichem Behagen durchströmte sie, ihre Sinne schwanden. Mit einem letzten Sommerlächeln überfluthete die Sonne am nächsten Vormittag Roland Hartenstein's prächtige Villa. Er saß, in einem bequemen Sammtjacket, bei geöffneter Balkonthür, hielt die neueste Zeitung in Händen und blinzelte mit halbgeschlossenen Augen über die enggedruckten Spalten. Sein Ohr war thätiger wie die andern Sinne, es lauschte auf Marion's leichten Gang, den er jeden Augenblick zu hören erwartete, aber noch blieb alles still wie zuvor. Der Wind, der durch die geöffneten Fenster seines Ateliers hereindrang, koste mit den zartgefiederten Pampaswedeln und rauschte in den gebleichten exotischen Farren, daß es klang wie spukhaftes Zürnen, die seidnen Draperieen an den Wänden knisterten und blähten sich ein wenig, ein Sperling kam herbeigehüpft und drehte sein kluges Köpfchen nach rechts und links, nur Marion kam nicht. Roland Hartenstein wurde trotzdem nicht ungeduldig. Er fand es eigentlich natürlich, daß die Schwestern sich erst gegenseitig aus⸗ sprächen, ohne ihn dabei als Zeugen zu haben. Er hatte gethan, was er thun mußte, dem gebieterischen Zwange nachgegeben, den seine Gefühle an ihn gestellt: sich frei gemacht von sonst heiligen Banden, um dem Genius Gelegenheit zu geben, sich noch herrlicher zu entfalten. Durfte man ihm daraus einen Vorwurf machen? Bei Gott nein! Eine Uebereilung eingestehn und rückgängig machen ziemt großen Geistern eher, wie kleinliches Dulden und sich Fügen um der Welt willen. Er wollte Gottliebe reichlich bedenken, sie sollte ein Leben führen ganz nach ihrem Ge⸗ schmack, das war er ihr schuldig, und wenn man ihn auch vielleicht extravagant nennen würde, undankbar sollte ihn Keiner schelten. Er hatte in der Nacht häßlich geträumt, als wäre er abermals erblindet und die einzige Hand, die sich nach ihm ausgestreckt, war jene Gottliebe's gewesen. Als er aber ihre Finger umklammern wollte, waren sie kalt wie Eis, und ihre Stimme klang ganz tonlos, als sie, sein Zurückschaudern gewahrend, sagte:„Sieh, ich bin ja gestorben, und Du hast mich gemordet, aber meine Liebe ist stärker wie das Grab, ich bin zu Dir zurückgekehrt.“— Nun, er sah noch, Gott sei Dank, und alles Andere würde sich ebnen und sänftigen, wie er es wünschte. Er blätterte weiter in der Zeitung, und seine Augen fielen auf eine enggedruckte Notiz, die am Kopf das Wort: Polizeibericht trug. „Gestern gegen Abend sprang eine, anscheinend den bessern Ständen angehörende Frau in den Kanal, um ein Kind zu retten, von dessen Geschick sie Zeuge war. Später herbeigekommene Schiffer fischten die Unglücklichen aus dem Wasser, das Kind war todt, die Frau wurde in die Charité geschafft, auch an ihrem Aufkommen zweifelt man. Ihre Identität festzustellen, gelang bisher nicht. Sie ist sehr einfach gekleidet, ohne irgend welchen Schmuck, nur der Trauring zeigt auf der Innenseite ein R. H. eingravirt. Sie trug—“ Roland Hartenstein warf die Zeitung bei Seite, was sollte er zu Ende lesen, was ihn nicht anging. Marion kam, augenblicklich hatte das allein für ihn Interesse. Sie sah blaß und verstört aus, wehrte seine ausgebreiteten Arme ab und fragte:„Weißt Du es schon, Roland, Gottliebe ist heute Nacht nicht nach Hause gekommen.“ „Ah!“ „Und Dein Martin, der Laufbursche, hat sie am Kanal dahin— gehn sehen, so blaß und elend, ganz wie eine Todte.“ „Närrchen,“ sagte er lächelnd und strich ihr über die Wange, „welche Ideen hast Du ausgebrütet! Gottliebe ist keine Natur, die sich erlaubt, eine solche Macht über ihr Dasein zu besitzen. Zu solchen Entschlüssen gehört Muth und Thatkraft, Beides hat sie mie besessen. Eine Frau, die solche Seelenstärke besitzt, um sich selbst zum Sterben zu entschließen, war sie nicht, sie hätte dergleichen als etwas Unwürdiges betrachtet. Viel eher glaube ich, daß sie zu Dr. Armstrong zurückgekehrt ist, obgleich“— er runzelte die Stirn— „das sehr taktlos von ihr gewesen wäre.“ „Fahre hin Roland und frage nach ihr, ich bin unruhig und aufgeregt.“ „Das will alles reiflich überlegt sein. Uebrigens ist es Unsinn, Marion, Dich mit solchem Schattenbild zu quälen.“ 3 „Mir ist so bange, Roland!“ Sie drückte die Hände auf die Brust und sah ihn angstvoll an. Plötzlich griff er nach dem Zeitungsblatt. „Weißt Du, was Gottliebe trug, als sie von hier fortging?“ „Marie sagte, ihren dunkelblauen Regenmantel und den schwarzen Hut.“ Er preßte heftig die Lippeu zusammen und faltete das Blatt, welches dieselben Kleidungsstücke angeführt hatte. „Ich werde mich erkundigen, sei nur ruhig,“ sagte er eilig.— Eine Stunde später stand Professor Hartenstein an dem schmuck⸗ losen Lager, auf dem seine Gattin mit dem Tode rang. Sie er⸗ kannte ihn nicht, und er fuhr fast zurück, als er in ihre entstellten, vergrämten Züge blickte, die das scharfe Licht hier mitleidslos ent⸗ hüllte, während das Halbdunkel in seiner eleganten Villa solchen Studien weniger günstig gewesen sein würde. Sie murmelte ununter⸗ brochen etwas vor sich hin und griff mit der Hand auf der Decke umher, als suche sie etwas festzuhalten. Roland hatte von jeher einen Abscheu vor Kranken gehabt. Nur halb hörte er auf die Auseinandersetzungen des Arztes, verlangte aber ungestüm, daß man seine Frau in ihre eignen Räume trans- portire; es erschien ihm seines Namens unwürdig, bei der Sensation, die der Fall ohnehin erregen würde, sie in der Charite zu lassen.“ Wie immer, setzte er seinen Willen durch, und am Abend desselben Tages wurde die Bewußtlose empfindungslos die Stufen wieder hinaufgetragen, die sie mit soviel Bitterkeit im Herzen, und wie sie glaubte, zum letzten Mal hinabgeschritten war. Eine Diakonissin hielt, neben ihr gehend, die fieberheiße Hand und bettete sie sanft und sorglich in dem prächtigen Zimmer. Gatte und Schwester blieben ihr fern, halb aus Schuldbewußtsein, halb aus Angst vor der Ansteckung; die Aufregung und das kalte Bad hatten ihr den f Typhus zugezogen.— 5 Wochen und Wochen schwebte Gottliebe zwischen Tod und Leben. Aber wie recht zum Hohn auf das öde, trostlose Dasein, dem sie entgegen ging und das ihr keinen Sonnenstrahl mehr zu bieten hatte, siegte das Leben in ihr. 2 Die Weihnachtslichter waren herabgebrannt, die ersten schmettern— den Posaunentöne des Karnevals begannen ihren lustigen Reigen, 0 als Gottliebe zu genesen anfing. Mit einem tiefen Seufzer kam 7 ihr diese Erkenntniß zum Bewußtsein. Ach, sie hätte sich nicht darnach gesehnt! 5 gewesen! Ihr allein? Wohl kaum! Roland war frei, seiner Neigung zu folgen, und Marion wurde gewiß auch mit leichterem Herzen sein Weib. Ueberall, wohin sie blickte, war allein sie überflüssig und unbegehrt; sogar der Tod hatte sie verschmäht. 1 Nun mußte also doch eintreten, was sie gefürchtet, jenes über— 125 legte Losreißen von einander mit seinen schmerzhaften, blutenden. Wunden, aber hinter diesen schweren Stunden tauchten andere, ruhigere auf: die Klinik Dr. Armstrongs, die Kranken, denen sie Erleichterung und Ermuthigung zu bringen vermochte. Sie hatte es selbst in der letzten Zeit so recht empfunden, wie wohlthuend eine sanfte Stimme und sorgende Hand zu sein vermögen. Hinter ihrem halb zugezogenen Betthimmel hörte sie leises Flüstern, dann glitt ein Schatten an der Gardine entlang, eine Gestalt neigte sich über sie, und Jemand rief leise: „Gottliebe!“ 1 Mit einer schwachen Bewegung wandte sich die Kranke herum. „Du, Marion? Wie lange habe ich Dich nicht gesehn!“ ö Der Kopf des schönen Mädchens neigte sich fast ganz auf das Gesicht der Sprechenden und leise, kaum ihr selbst vernehmlich, be⸗ Der Tod wäre ihr ein so willkommener Erlöser gann sie zu flüstern. Gottliebe schüttelte mehrmals den Kopf, ein schwacher Ausruf entfuhr ihren Lippen, dann blieb sie still, ganz. still liegen und hörte die lange Beichte der Schwester bis zu Ende. „So bin ich fest entschlossen zu handeln,“ sagte Marion endlich N N und strich das Haar von der erhitzten Stirn.„Versuche nicht, mich. umzustimmen und sage— sage, daß Du mir verzeihen willst.“* 0 „Und wenn er Dich wirklich liebt?“ E „Er liebt mich nicht, Gottliebe, glaube mir, ich habe gesehen, daß so keine wahre Liebe sein kann, dann habe ich mich auch über mich selbst und meine Gefühle getäuscht. Ach, zwinge mich nicht, U noch mehr zu sagen, es war so wie so eine schreckliche Zeit, die er⸗ ke ut ls hinter mir liegt. Ich konnte den Gedanken nicht los werden, Schuld an Deinem Unglück zu sein.“ „Mein Kind, so darfst Du nicht denken,“ Gottliebe strich zärt— lich mit der abgezehrten Hand über die blühende Wange,„ich habe gegen Dich nie einen bittren Gedanken Wurzel fassen lassen, Du bist so jung und schön, da zeigt das Leben ein anderes, freundlicheres Gesicht, als sonst wohl.“ „Wie gut Du bist, Gottliebe.“ „Nur gut! Es ist zu wenig!“ dachte sie still. Als Marion später aus dem Krankenzimmer trat, versperrte ihr Roland den Weg, er sah ärgerlich und aufgeregt aus. „Warum entfliehst Du mir mit solcher Konsequenz?“ fragte er sie, indem er zugleich ihre Hand festhielt. „Du weißt, daß Du mir Dein Versprechen gabst, erst Gottliebe's völlige Genesung abzuwarten, ehe Du mit einer Silbe die Ver— gangenheit berühren wolltest,“ gab sie halb scheu, halb trotzig zurück. „Noch ist der Augenblick also nicht da.“ „Er soll aber da sein! Ja, noch mehr, ich verlange, daß Du den Verkehr aufgiebst, der Dich mir täglich entreißt, daß Du bei mir bleibst!“ „Den Verkehr, den Du selbst mir geschaffen?“ fragte sie erstaunt. „Ja, Gottliebe's Genesung giebt den besten Vorwand dazu. Marion, weißt Du nicht, daß mir Deine Seele zu eigen gehört, Du hast kein Recht, ja nicht einmal mehr die Macht, sie mir zu entreißen.“ Das Mädchen schwieg. Es dämmerte schon so stark, daß er auch den Ausdruck ihres Gesichtes nicht mehr zu unterscheiden ver— mochte. Und dennoch beunruhigte ihn unwillkürlich etwas und ließ ihn die Nacht fast schlaflos verbringen. Am nächsten Mittag er— wartete er Marion vergebens bei Tisch, statt ihrer lag ein Brief neben seinem Kouvert, den er hastig aufriß, überflog, erblaßte, dann mit einer zornigen Bewegung zu Boden schleuderte. Einige Se— kunden verharrte er so in athemloser Erregung, dann bückte er sich, hob den Brief auf und las ihn noch einmal, mit einem häßlichen Lächeln um den Mund, aufmerksam durch. „Lieber Roland!“ lautete er.„Was auch zwischen uns vor— gegangen sein mag, vergiß es wie ich. Die kurze Prüfungszeit während Gottliebe's Krankheit hat mir gezeigt, daß wir nicht zu einander gehören. Das bewunderte Modell zu Deinem Bilde reizte Dich, als Frau hätte mir bald dasselbe Loos geblüht, wie es meiner Schwester geworden: vergessen, unbeachtet neben Dir dahin zu leben. Ich habe aber keine solche Engelsnatur wie diese und ebenso wenig jene große unwandelbare Liebe im Herzen, wie sie Männer wie Du unausgesetzt beanspruchen. Um allen weiteren Erörterungen aus— zuweichen, theile ich Dir das Alles schriftlich mit. Seit heute Vormittag bin ich auf der Heimreise, von wo ich in ungefähr einem Vierteljahr als Lord Strattons Gattin in die Welt zurück— kehren werde.“ „Kaltes, berechnendes Weib!“ preßte er zwischen den Zähnen hervor. Aber so heftig auch sein Zorn war, mit Staunen wurde er sich bewußt, daß das Herz keinen Theil daran hatte, er hatte sich geliebt geglaubt, wie schon so oft in seinem Leben, denselben Augenblick indessen, wo er die Entdeckung des Gegentheils machte, war der Rausch verflogen. Roland Hartenstein war es nicht ge— wohnt, mit Frauenherzen zu rechnen, die sich ihm selbst entzogen. Er empfand es als Beleidigung, aber nicht mit Weh. Und dann dachte er an Gottliebe, an ihre stille, demüthige Selbst⸗ aufopferung an seiner Seite. Wie tröstender Balsam berührte ihn die Gewißheit, daß es Jemand gab, dem er Alles war, ohne etwas dafür in die Wagschale zu werfen, Jemand, der ihn anbetete wie seinen Gott und zu dem er sich genau so wankelmüthig, gleichgültig und undankbar erwies, wie nur je einer der alten todten Götter ethan. Mit schnellen Schritten eilte er zu seiner Frau; er brauchte eihrauch, wenn er es sich auch nicht eingestand, um sich wieder als das zu fühlen, was er bieher gewesen. Sie lag ganz still, als er eintrat und schaute in die sinkende Helle, dann wandte sie ihm angstvoll den Blick zu. Wie wirst Du es tragen, Roland,“ flüsterte sie. „ „Du weißt es schon?“ 8 N „Ja, von Marion selber, sie nahm Abschied von mir.“ Er nagte an der Unterlippe. 2 0 „Gottliebe, laß die Vergangenheit vergessen sein. f Nun öffneten sich ihre Augen weit, dann sagte sie ruhig: „Glaube nicht, daß ich Dir zürne, weder Dir noch Marion. Es hat Alles so kommen müssen, wie es kam, und deshalb ist es gut. Wenn ich erst gesund bin, kehre ich zu Doktor Armstrong zurück, da weiß auch ich, daß ich an meinem Platz bin, und das Bewußtsein ist nothwendig zum Leben.“ „Du willst mich verlassen?“ rief er betroffen. Sie lächelte still.„Ich gehe, Roland, denn ich bin Dir über— flüssig; nicht aus thörichter Empfindlichkeit, sondern weil ich wirklich fühle, ich gehöre nicht mehr her.“ „Und das ist Deine Liebe?“ fragte er bitter. „Das ist sie! Wärst Du arm, krank, oder verlassen, nichts auf Erden brächte mich von Deiner Seite. Aber Du bist jung, gesund, reich und ein Künstler, Du brauchst nur Bewunderung und eine andere Liebe wie die meinige Dir sein kann. Vergessen werde ich Dich nie! Aus meinem stillen Wirkungskreis heraus werde ich Deinen glänzenden Bahnen folgen und beten, daß Dir all das zu Theil wird, was Du erstrebst. Mit Stolz werde ich mir dann sagen: Es gab eine dunkle Zeit in seinem Leben, da war ich die einzige, die ihm etwas galt, aber diese meine Seligkeit mußte schwinden mit dem Moment, wo das Leben wieder in seine Rechte trat. Ich wußte das von Anfang an und klagte nicht. Aber zur Last werden kann ich Dir nicht; eine innere Nothwendigkeit ist jetzt da, die mich zwingt zu gehn. Du wirst glücklich werden, Roland, und ich— will für Dich beten.“ In dem Krankenzimmer war es dunkel geworden, nur ein matter Lichtschimmer drang noch von draußen herein, der die Kenturen wohl überall sehen ließ, aber Gottliebe's Züge verbarg. Er hörte nur noch die leise, süße Stimme, fühlte die schöne, kühle Hand in der seinen. Roland Hartenstein wurde plötzlich von einem seltsamen Empfinden befallen, es war ihm, als wanke alles ringsum, als triebe ihn eine ungeheure Woge hinaus in's Unendliche und diese Hand allein wäre im Stande ihn festzuhalten, die süße Stimme beschwöre das Ungemach, das über ihn hereinbrechen wollte. Und er sank neben dem Bett auf die Knie, warf seine Arme um die kleine Gestalt und rief laut: „Gottliebe, bleibe bei mir! gehe nicht fort!“ Sie legte ihm die Hand auf die Stirn. „Roland, versuche nicht wieder anzuknüpfen, was zerrissen ist, es bringt kein Glück. Du wirst's besser überwinden, wie Du jetzt denkst.“ „Aber ich will nicht! Ich lasse Dich nicht!“ rief er außer sich über ihre abermalige Weigerung.„Du liebst mich, Gottliebe und darum wirst Du bei mir bleiben. Es soll anders werden zwischen uns, ich verspreche es Dir.“ Er belog sich selbst in diesem Augenblick und sie fühlte das. Er war dabei anspruchsvoll und tyrannisch wie immer. In dem Auf— wallen seines Gefühls lag nur Egoismus und Eitelkeit, nicht der kleinste Funke eines höheren Ideals; und doch— und doch— „Roland,“ flüsterte sie angstvoll,„laß mir den so schwer er— kämpften Frieden.“ Er drückte seine Lippen zum ersten Mal auf ihren Mund. „Du bleibst bei mir! Ich will es!“ Eine lange— lange Pause.— Dann kam ihre Antwort, leise, aber verständlich. „Wohlan! Ich bleibe!“ Er achtete nicht auf den beklommenen Seufzer, der ihre Brust hob, als das Bild des Friedens, das sie sich in ihrem alten kleinen Zimmer schaffen gewollt, in das Nichts zurücksank. Sie wußte nur zu gut, daß sie auf's Neue zu Kampf und Schmerzen zurückkehrte, daß das, was heute über die Seele ihres Gatten stürmte, morgen schon sterben, und nichts als Staub hinterlassen würde, aber die Liebe in ihrem Herzen war mächtiger als dies Bewußtsein. Auf's Neue war sie bereit, das Kreuz auf ihre schwachen Schultern zu nehmen und weiterzuschleppen, bis eine höhere Hand es ihr abnahm. Der Rechte. Von M. Josephy. Gortsetzung) Am anderen Morgen herrschte schon frühzeitig großes Geschrei und große Regsamkeit im Gasthaus zum weißen Roß, denn es war ein wichtiger Augenblick, als ein alter Hausgenosse, auf den man monatelang viel Pflege und Sorgsamkeit verwendet hatte, nun durch 2388 E- das lange, scharfe Messer des Fleischer-Vinz sein Leben endete. Solch ein Schlachttag ist ein Festtag im Hause und so schienen es auch Alle im weißen Roß aufzufassen, besonders aber die Rosel; sie sang und sprang bei der Arbeit, dabei flog ihr diese nur so von den Händen und ihre braunen Augen lachten, und ihre rothen Lippen plauderten unaufhörlich,— ich aber möchte nicht entscheiden, ob es wirklich nur das Ableben ihres früheren Pfleglings war, was Rosels fröhliche Laune heute noch zu verdoppeln schien. Am Morgen, als sie aufstand und Alles für den wichtigen Akt des Tages zurichtete, da war es ihr ordentlich schwer auf's Herz gefallen, was sie am vergangenen Abende alles dem Fleischer⸗Vinz gesagt. Sie begriff ihre eigene Keckheit nicht mehr und schaute mit geheimen Bangen dem Augenblick entgegen, wo er wieder vor ihr stehen würde. Nun aber war der Vinz gekommen, hatte ihr die Hand geboten und ihr dabei so lieb und gut in die Augen geschaut; er lobte alle ihre Vorbereitungen und lachte so herzlich über jedes lustige Wort, das aus ihrem Munde kam, und die Rosel wurde immer vergnügter, immer übermüthiger, ihr war so leicht und froh zu Muthe, wie noch nie im Leben, meinte sie,— sie wußte aber nicht, woher das kam. „Ihr habt da an dem Mädel einen Schatz im Hause, Pertes,“ sagte der Fleischer-Vinz und ließ die Hand mit dem großen Messer einen Augenblick ruhen, um der Rosel zuzuschauen, wie sie so flink und gewandt herumhantirte,„aber,“ fügte er hinzu und es war, als ob eine Wolke über seine breite, offene Stirn hinflog,„Ihr werdet sie nicht lange behalten.“ „Freilich werd' ich sie nicht behalten,“ schmunzelte der Wirth, „die möcht' ein Jeder wollen und Anfragen habe ich wegen ihr, ich sage Euch, mehr wie genug, und darunter solche, wo man mit beiden Händen zugreifen sollt! Da sind gleich dem Lindenmichel und dem Brake ihre Buben und noch ein paar Andere, zu denen ich nicht„nein“ sagen werde.“ „Ja ja,“ lachte der Fleischer-Vinz etwas gezwungen auf,„ich glaub's schon, daß es ihrer Viele sind, aber Alle auf einmal kann sich das Mädel halt doch nicht nehmen und welcher wird's denn da auf die Letzt sein?“ „Das soll sich die Rosel selbst zurecht legen,“ entgegnete der Anton Pertes,„dem Lindenmichel sein ältester Bub und dem Brake sein Fer'nand wären mir freilich am liebsten, wenn der Rosel aber ein Anderer besser gefällt—“ „Seid ohne Sorge deshalb,“ unterbrach ihn der FleischerVinz, „da wird's schon beim Fer'nand bleiben, hinter dem sind die Mädel ja alle her!“ Der Auton zuckte mit den Achseln, ließ sich aber nicht weiter über diesen Punkt aus, da die Rosel wieder zu den beiden Männern trat. Alles in der Welt nimmt einmal ein Ende, also auch der Schlachttag im Gasthaus zum weißen Roß, und als die Abend— glocken läuteten, streifte der Fleischer-Vinz wieder die Hemdsärmel über die braunen, kräftigen Arme, trank auf einen Zug den Bitteren hinunter, den ihm der Wirth zum Abschiedstrunk gereicht und verließ mit einem freundlichen:„Na, in Gottes Namen denn und schlaft's auch Alle gesund,“ das Haus.. Draußen vor der Thür aber blieb er noch einmal stehen, er schaute zum Himmel hinauf und fand, daß er sehr klar und hell aussähe und wohl neuer Frost zu erwarten stände, dann wickelte er seine Messer fester zusammen, gebrauchte mit vieler Umständlichkeit sein Sacktuch, rief einen Mann an, der gerade vorüber kam und schaute schließlich gedankenvoll nach dem schwachen Lichtschimmer hin— über, der aus dem Fenster seines Hauses drang.— Und was die Rosel noch hinaus vor die Hausthür trieb, das wüßte ich nicht zu sagen; kurz und gut, auf einmal stand sie dort auf der Schwelle und wickelte ihre Arme in ihre blaue Schürze ein, denn es war kalt draußen. „Ihr seid noch da, Vinz?“ fragte sie erstaunt. „Ja, ja,“ entgegnete der Vinz,„der Dittmer ist grad vorbei— gegangen und da hab ich ein Wort mit ihm gesprochen.“ Die Rosel schaute nach beiden Seiten die Straße hinunter, die der Mond hell beschien,— sie war aber ganz leer, der Dittmer mußte wohl schon um die Ecke herum sein. „Mach', daß Du reinkommst, Mädel,“ sagte der Fleischer⸗Vinz, „es ist kalt draußen; ich muß noch zum Bruder hinunter und mit Hände unter der Schürze hervor und faltete sie wie zum Gebet. ihm wegen der Kuh sprechen, die ich ihm morgen vom Petrowitzer Markt bringen soll.“ N „Freilich ist es kalt,“ nickte die Rosel und blieb ruhig vor der Hausthür stehen, grade so, wie es auch der Vincenz machte, der den wichtigen Gang zum Bruder hatte! „Höre, Rosel,“ begann der Fleischer-Vinz nach einer kleinen Pause und trat einen Schritt näher an das Mädchen heran,„Du hast mir gestern gehörig die Wahrheit gesagt und ich hab die ganze Nacht daran denken müssen.“ J Die Rosel schaute mit etwas scheuem Blick in das Gesicht des vor ihm stehenden Mannes.„Ja, ja,“ sagte sie,„ich hab nachher, wie's gesagt war, noch Angst bekommen, daß Ihr mir meine dreisten Reden am Ende doch hättet verübeln können.“ 5 „O nein,“ entgegnete der Fleischer-Vinz,„davon ist gar keine Red',— viel eher möcht' ich Dir danken für das, was Du mir gesagt hast! Schau Rosel,“ fuhr er mit unterdrückter Stimme fort, „ich hab' sagen hören, das rechte Wort zur rechten Zeit, das thut oft Wunder, und ich meine fast, gestern Abend, da hast Du auch so ein rechtes Wort zur rechten Zeit gesprochen und vielleicht,— vielleicht Rosel, thut's noch das Wunder, daß ich wieder ein anderer, besserer Mensch werde.“ „Vincenz, sprecht Ihr im Ernst?“ fragte das Mädchen mit stockender Stimme und ihre Augen leuchteten hell auf. Der Fleischer-Vinz nickte mit dem Kopf.„Thät's Dich denn freuen, Rosel?“ 1 „O so sehr, so sehr!“— das Mädchen zog trotz der Kälte die „Schaut, Vinz, mir wär's dann fast, als ob mir ein großes Glück widerfahren möcht! Ich weiß noch gut, wie der Herr Pfarrer in einer von seinen Predigten gesagt hat, daß der Mensch, der doch ein Ebenbild Gottes ist, sich durch den Trunk bis zum Vieh herab⸗ würdigen thät; mir ist das damals grad' in's Herz gegangen und ich hab' zu Euch hinüberschauen müssen und hab' bei mir gedacht, daß es— daß es manch' Einen gäb', um den es noch mehr schade ist, wie um die Anderen, wenn er sich so zu einem Stück Vieh macht.— Aber was schwätz' ich da zusammen,“ unterbrach sie sich selbst,—„Ihr braucht nicht darauf zu hören, Vincenz.“ b „O ja, ich hör' schon drauf,“ sagte der Vinz und dann schwiegen sie Beide eine Weile still.„Schau, Rosel,“ begann der Fleischer-Vinz endlich wieder,„ich hätt's gern, daß Du zu mir „Du“ sagst, wie ich zu Dir, ich hab' mir das schon manches Mal gedacht,— oder komm' ich Dir zu alt dazu vor?“ setzte er hinzu, als die Rosel statt aller Antwort nur mit dem Kopfe schüttelte. „Nein, nein,“ sagte die Rosel,„von Altsein da ist bei Euch noch keine Red', aber es möcht sich halt doch nicht schicken; Ihr seid ein Wittwer und ich nur noch ein lediges Mädel und kennen thun wir uns auch nicht gar so lang'.“ 1 „Ja,“ entgegnete der Fleischer-Vinz nachdenklich,„es ist schon wahr, Du bist noch ein lediges Mädel,— aber sag' mir, Rosel, wie lang' wird's noch damit dauern?“ 1 „Mit was denn?“ „Nun, mit Deinem Ledigsein.“ Die Rosel zuckte mit den Achseln. darauf, Vincenz?“ fragte sie. „Nu, nu, ich frag' halt so und man hört doch allerlei!“ 3 „Was habt Ihr gehört?“ fuhr die Rosel heftig auf,„und von wem habt Ihr's gehört, Vincenz?“ 3 „Daß es mit Dir und dem Brake-Fer'nand etwas werden soll das ist's, was ich gehört hab,“ sagte der Fleischer-Vinz,„und von wem? Nun, der Fer'nand rühmt sich ja selbst damit und heute erst hat Dein Bruder mir gesagt, daß er ihm schon recht wär und er sich keinen Abschlag bei ihm holen möcht'.“ 1 „Der Fer'nand ist ein Narr,“ entgegnete die Rosel zornig, und nur die Unsicherheit des Mondeslichtes verhinderte den Vincenz die dunkle Gluth zu sehen, die in die Wangen des Mädchens gestiegen war,„und mein Bruder, der sollt's mir auch nicht anthun, so zu Euch zu reden, er weiß gut, daß ich vom Fer nand nichts wiff will und daß in alle Ewigkeit nichts aus der Geschichte wird.“ „Rosel, ist das wahr?“ fragte der Fleischer-Vinz hastig, fast athemlos und trat dicht an das Mädchen heran, um ihm fest i die Augen zu schauen.—„Und wenn auch,“ setzte er dann si besinnend hinzu,„ist's nicht der Fer'nand, so ist's halt ein Anderer, vielleicht der Johann vom Lindemichel oder dem Nachbar sein Lois!“ 3 15 „Wi e kommt Ihr den eee nee D oa dip fwunß u weg pos v ueloudbung i S—. ä. .„„FFFFFFPFFFFTFTFTFTFTPbPbD—————— ü————— HebFFFFFDFFTFFFTFTFTFTFTF—F—F—F—F—F— 1 E——— FöFFPFTFCFbFTFTFTFTDTPT—T——..— —.—.— N 117 0 ö 1 N N ö 5 414 . 14 1 — 390. „Auch nicht, auch nicht,“ betheuerte die Rosel heftig,„und jetzt hört mir davon auf, Vincenz,— weiß denn kein Mensch von was Anderem mit mir zu reden, wie vom Heirathen?“ „Ist Dir's denn gar so zuwider, davon zu hören,“ fragte der Fleischer-Vinz und schaute sie an und lachte; so recht vergnügt lachte er, als ob ihm eine Last vom Herzen genommen wäre, und die Rosel schaute ihn an und lachte auch; in diesem Augenblick aber tönte die etwas schrille Stimme von des Bruders Weib:„Rose, Rose, wo steckst· denn so lange? Du denkst vielleicht, es giebt nichts mehr zu thun für heut Abend!“ Da sprang die Rosel eilig in's Haus, und der Vinz machte sich sehr langsam und nachdenklich auf den Weg zu seinem Bruder. Nun muß man aber ja nicht glauben, daß das Wunder, von dem der Fleischer-Vinz gesprochen hatte, sich so augenblicklich vollzog und den Vinz mit einem Schlage zur einem anderen Menschen machte; — ach nein, so schnell ging das nicht damit: oft genug fiel der Vinz in alte Fehler und Laster wieder zurück, und oft genug fühlte die Rosel eine Empfindung heißen Zornes gegen ihn in sich auf⸗ steigen,— eine Empfindung so vermischt mit tiefem Weh, daß die Rosel sich selbst nicht mehr verstand und sich verwundert fragte, was das zu bedeuten habe! Was, um aller Heiligen willen, ging sie denn eigentlich der Fleischer-Vinz an und was brauchte es sie zu kümmern, ob er sich wirklich aufraffen und ein ordentlicher Mensch werden wolle, oder ob er ein Lump sein und bleiben werde! Hundert⸗ mal wohl legte sie sich selbst,— aber nur sich selbst, und das ganz im Geheimen, diese Frage vor, und hundertmal blieb sie sich die Antwort darauf schuldig; sie wußte und fühlte eben nur, daß der Fleischer Vinz und sein Treiben ihr am Herzen läge, wie noch nie etwas zuvor. 0 Da kam der letzte Faschingstag heran und mit ihm der große Ball im Gasthaus zum weißen Roß. Der Saal war gedrängt voll, und es blieb nur ein ganz kleiner Raum zum Tanzen übrig, das aber störte Niemanden, man hatte es schon oft genug erprobt, daß man sich genau ebenso lustig immer auf demselben Fleck um sich herumdrehen könne. Die Rosel hatte sich auf's Schönste heraus⸗ geputzt und bediente gar flink und freudig die Gäste, während sie es nicht verschmähte, sich zwischendurch auch zum Tanze holen zu lassen. Und dort unten, in einer Ecke des Saales, ganz nahe beim Fenster, saß ein großer, kräftiger Mann, mit lichtem, krausem Haar und blauen Augen, die sich immer noch um ein weniges größer und weiter öffneten, wenn sie sich auf die hübsche Wirthsrosel richteten. Und das geschah außerordentlich oft, wie ich der Wahrheit gemäß berichten kann, und wie die Rosel auch ganz genau wußte und be⸗ merkte, trotzdem sie mit dem Bedienen der Gäste, dem Tanzen, Lachen und Schwatzen genugsam beschäftigt schien. Und obgleich sie sich soeben windesschnell mit des Nachbar's Lois herumdrehte, be⸗ merkte sie es doch augenblicklich, wie aus dem kleinen Nebenzimmer, in dem sich an diesem Abende die wüstesten Trinker und Karten— spieler zusammengefunden hatten, der Schmied Herke, der Aergste von Allen, mit dem der Vincenz noch bis vor Kurzem gar gute Kameradschaft gehalten hatte, auf den Fleischer-Vinz zuwankte und ihm zum Mitkommen zu überreden suchte. Der Vinz sah zu der Rosel hinüber, schüttelte den Kopf und wehrte sich lange, endlich aber gab er doch nach und verschwand mit dem Anderen in der Nebenstube, aus der so wüstes Geschrei herausschallte, daß es fast die laute Tanzmusik übertönt hätte. Ein tiefer Schatten flog über das Gesicht der Wirthsrosel, als sie dem Fleischer-Vinz nachschaute und es war, als hätten die lustigen, braunen Augen und die rothen Lippen urplötzlich das Lachen verlernt; sie wandte sich schweigend von dem Lois ab, der auf's Neue den Arm um sie legen wollte. „Was, Rosel, bist schon müd'?“ lachte der Bursch.„Das hätte ich nicht von Dir geglaubt, daß Dir die Kräfte so gar schnell aus⸗ gehen,— oder schaust Dich vielleicht nach Deinem Schatz um, ja, da werd' ich freilich zurückstehen müssen!“ Und wie der Lois das sagte, stand der Fer nand auch schon neben ihr und lachte sie mit seinem hübschen, übermüthigen Gesichte an. „Der Fer'nand ist nicht mein Schatz, das weiß Niemand besser, wie er und ich,“ sagte die Rosel. „Aber der Fer'nand möcht's gern werden!“ entgegnete der hübsche Bursch lustig und drehte sein schwarzes Schnurrbärtchen, dem noch kein Mädchenherz widerstanden hatte, wie er aus Erfahrung wußte. „Dazu gehören Zwei,“ sagte die Rosel kurz und ließ die Burschen stehen, um im Nebenzimmer nachzuschauen, od man dort ihre Be⸗ dienung brauche. 5 Da saß wohl ein Dutzend lärmender, halb angetrunkener Ge— sellen beisammen und der Fleischer-Vinz mitten unter ihnen; er hatte wie die Anderen Karten in der Hand und das Glas vor sich stehen, seine Augen aber blickten noch klar und er schrie und tobte nicht mit den Uebrigen. „Komm' her, Rosel, bring' Frisches zum Trinken,“ schrie der Schmied Herke ihr zu, sobald er das Mädchen bemerkte,„denkst Du denn, wir wollen am letzten Faschingstag noch umkommen vor Durst? Schaff zum Trinken her, für mich und den Vinz!“ Die Rosel trat an den Tisch heran, und griff nach den Gläsern, die der Schmied ihr hinhielt; dabei schaute sie dem Vincenz fest in die Augen und schüttelte leise mit dem Kopf; und der Fleischer⸗Vinz. nahm das leere Glas wieder der Rosel aus der Hand und stellte es vor sich auf den Tisch. „Sprich für Dich selber, Herke,“ sagte er dabei,„ich will nicht mehr trinken, ich hab' so genug für heut Abend, macht mir Platz, daß ich fort kann.“ Die Anderen wollten nichts davon hören und suchten ihn durch Ueberredung, Spott und Gelächter zurückzuhalten, der Vincenz aber hörte nicht auf sie, stand auf und trat mit der Rosel zusammen über die Schwelle nach dem großen Saal. Die Tanzmusik setzte in diesem Augenblick wieder frisch ein und ein lustiges Lachen flog über Vinzen's Gesicht; ohne erst lange zu fragen, hatte er den Arm um die Rosel gelegt und zog sie mit sich in das Gewühl der Tanzenden. „Schaut nur, schaut,“ rief es von allen Seiten unter lautem Gelächter,„der Fleischer-Vinz fängt wieder zu tanzen an, er vergißt darauf, daß er ein Wittiber ist und zu Hause Kinder hat!“ Der Vincenz aber ließ sich durch solche Zurufe nicht stören. „Mir ist so wohl und leicht um's Herz, wie schon seit lange nicht,“ flüsterte er dem Mädchen zu, das mit glühenden Wangen und mit leuchtenden Augen zu ihm aufschaute,„und wenn ich mich nicht schämen thät, möcht' ich den ganzen Abend so mit Dir fort⸗ tanzen.“ Das that er nun aber freilich nicht, sondern plötzlich, wie er die Rosel umfaßt hatte, ließ er sie wieder los und war mit Windes⸗ eile zur Thür hinaus. Die Rosel aber lachte und schwatzte wieder wie eine Elster und tanzte mit dem Lois und dem Fer nand und Jedem, der sie holen kam; sie meinte, noch nie einen so vergnügten Abend verlebt zu haben! Am Tage darauf kam der Fleischer-Vinz schon frühzeitig in's weiße Roß hinüber, um seine Pfeife zu suchen, die er am Abende vorher mußte liegen gelassen haben; die Pfeife fand er nicht, aber beim Weggehen fand er die Rosel draußen im Hausflur und viel— leicht war ihm das noch lieber als die verlorene Pfeife. Er blieb bei dem Mädchen stehen und schaute ihm zu, wie es das Futter für das Geflügel zurecht machte; die Rosel sagte etwas von vielen zerschlagenen Gläsern und großer Unordnung in der Gaststube noch von vergangener Nacht her; er nickte dazu und dann waren sie Beide still. „Höre, Rosel,“ sagte der Vincenz endlich,„Du bist mir halt schon die rechte Wirthin,„statt Eure Gäste zum Trinken zu nöthigen, hältst Du sie noch davon ab, wie Du's gestern mit mir gemacht hast.“ Rosel's Wangen brannten wie Feuer.„Ja, mit Euch,“ sagte sie mit stockender Stimme und niedergeschlagenen Augen,„aber nur mit Euch, Vincenz, mit Keinem sonst!“ „Und warum mit mir, Rosel?“ „Es ist mir ganz gleich, was die Anderen da drinnen bei uns machen und ob sie sich toll und voll trinken, so daß sie dann weder gehen noch stehen können,“ sagte das Mädchen. „Und bei mir, Rosel, ist Dir das nicht gleich?“ Sie schaute mit ihren treuherzigen Augen zu ihm auf und schüttelte den Kopf; dem Vincenz wurde es warm um's Herz. „Rosel, ich hab' mich schon manchmal gefragt, was das ist, daß Du Dich um mich sorgst und kümmerst,“ sag le er nach einer kleinen Pause und seine sonst so kräftige Stimme klang etwas leise und gepreßt—„und ein, zweimal hab' ich schon geglaubt,— aber ich bin ja doch nur ein blutarmer Kerl, der nichts zu eigen hat, wie die zerschleterte Hütte da drüben, mit den beiden kleinen Kindern drinnen,— Du aber bist die reiche Wirthsrosel, nach der ein Jeder schaut, und die ein Jeder haben möcht,— es kann ja nicht sein!“ „Was kann nicht sein, Vincenz?“ fragte das Mädchen sanft. A Fr.. ᷣ ͤ.. e e te . er ö te in 5 lte e — —— 391. FleischerVinz, das Mädchen fest an sich pressend. Der Fleischer-Vinz hustete und schluckte ein paarmal, dann riß er ein paar Knöpfe von seiner Weste auf und zog und zerrte an seinem Halstuch, als ob es ihm überall zu eng würde. „Ich glaub's ja eben nicht,“ sagte er mit stockender Stimme, „und es wird nichts damit sein, soviel sag' ich mir schon selbst. Aber weißt, Rosel, wenn Du halt im Grunde doch nichts nach mir fragst, so thät's Du schon besser, Du schautest Dich gar nicht mehr nach mir um, damit mir nicht so dumme Gedanken kommen, die mich in der einen Stund so froh machen,— so froh, wie ich's gar nicht sagen kann, und in der anderen so zum Sterben traurig; das taugt nichts, Rosel, und Du solltest mich nur laufen lassen, — wenn Du Dir auch nichts dabei denkst, so schafft's mir doch Kreuz und Leiden und geht mir Tag und Nacht im Kopf herum, denn, Rosel, daß ich Dir's nur grad' heraus sag'— Du sitzest mir schon gar so tief im Herzen!“ Dem Fleischer⸗Vinz war diese lange Rede blutsauer geworden, und als er sie geendet, wagte er gar nicht das Mädchen anzuschauen. Die Rosel aber hob jetzt den Kopf empor, der ihr bei Vinzen's Worten tief auf die Brust gesunken war; sie sah in das hübsche, offene Gesicht des Mannes, auf dessen Wangen jetzt die Röthe der Scham und Verlegenheit glühte und während sie ihn anschaute, füllten ihre Augen sich langsam mit Thränen. „Was schwätzt Ihr denn da von nichts nach Euch fragen und nicht nach Euch schauen, Vincenz,“ sagte sie,„das könnt ja nimmer sein,— ich hab' Euch ja zum,— zum—“ sie stockte, ließ den Kopf wieder sinken und holte tief Athem,—„ich hab' Euch ja zum Sterben gern,“ vollendete sie dann rasch und muthig. Der Fleischer-Vinz fuhr zusammen, als habe er soeben einen Peitschenhieb und nicht von zwei frischen, rothen Lippen die Ver— sicherung erhalten, daß man ihm zum Sterben gern habe, dann aber, als er noch einmal in das glühende, lächelnde Gesicht des Mädchens sah, leuchteten seine Augen hell auf. „Also doch, Rosel,— doch,“ sagte er leise.„Schau, ich hab's nimmer glauben wollen und mich den größten Narren geheißen, daß solche Gedanken mir nur überhaupt haben kommen können und jetzt soll's doch die Wahrheit sein! Du sagst, Du hast mich gern, — so gern,“ fuhr er stockend fort, als ob er dem, was er eben gehört, immer noch nicht recht trauen könne,—„so gern, Rosel, daß Du mich zu Deinem Manne nehmen möchtest?“ Die Rosel nickte.„Keinen Anderen wie Euch,“ sagte sie,„das steht fest bei mir, Vincenz,— so fest, wie ich an einen guten Gott im Himmel und an ein ewiges Leben glaube! Euch und keinen Anderen nehm' ich zum Manne— das heißt,“ fuhr sie mit einem frohen Lächeln fort, das dem Fleischer-Vinz den Muth gab, den Arm um sie zu legen und sie ganz dicht an sich heran zu ziehen,„das heißt, wenn Ihr selbst es nur auch werden wollt!“ „Ob ich es will,— heilige Mutter Gottes!“ flüsterte der „Hör' mich an, Rosel: daß Du mir gefällst, wie keine Andere, das weiß ich lang', ich denk', seit ich Dich zum ersten Mal geschaut hab', daß ich Dir zu Lieb' durch's Feuer laufen könnt', das weiß ich auch schon seit geraumer Zeit,— aber daß ich zu Grund geh' ohne Dich und wieder ein braver, ordentlicher Mensch werde mit Dir, Rosel, das spür' ich doch erst so recht in diesem Augenblick! Ich weiß, Dein Bruder wird's nicht dulden wollen, der möcht' viel höher mit Dir hinaus, aber jetzt, wo Du mir einmal gesagt hast, daß Du mich gern hast, jetzt lasse ich nicht mehr von Dir, ich gebe Dich nicht mehr her und heirathe Dich dem Bruder, der Schwägerin und der ganzen Welt zum Trotz!“ (Schluß folgt.) Lose Blätter. König Wilhelm III. und die Daumenschrauben. Der Kaplan Carstairs war ein Liebling Wilhelm's III. von Großbritannien, und mit Recht schenkte der König ihm sein Vertrauen, hatte doch der Geistliche Proben seimer Treue gegeben. Unter Karl II. war er der Theilnahme an einer Ver⸗ schwörung angeklagt und gefoltert worden, ohne das Geringste zu gestehen, Als nun Wilhelm den Thron bestieg, machte. der Edinburgber Magistrat dem Kaplan mit den Daumenschrauben ein Geschenk, die man gegen ihn angewandt hatte. Der König hörte dies und wollte die Folterwerkzeuge sehen. Carstairs brachte sie herbei und erklärte, wie man sie gegen ihn gehandhabt habe.„Gut, versuchen wir sie,“ rief der König und legte seine Hand hinein:„Zieht die Schrauben an!“ Carstairs that dies mit großer Vorsicht. Beim ersten Umwenden der Schrauben meinte Wilhelm:„Es preßt; aber es ist zu ertragen.“ Carstairs fuhr fort den Knebel leise zu wenden. Da stieß der König einen Schmerzensschrei aus. Sogleich drehte der Kaplan zurück und der Monarch betrachtete mit ernster Miene seine zusammengepreßt gewesenen Glieder.„Beim Himmel!“ rief er:„das ist kein Spiel. Wahrhaftig, ich hätte Alles bekannt, Wahres und Falsches, um nur der Höllenqual zu entgehen.“ W. G Ludwig XIV. erschien im Jahre 1672 mit einer ansehnlichen Macht vor den Thoren Amsterdams, welches nicht den nöthigen Widerstand zu leisten im Stande war Bei der Bevölkerung herrschte die größte Be— stürzung und der Magistrat berathschlagte, was unter diesen Umständen zu thun sei. Man kam darin überein, dem Könige die Schlüssel der Stadt zu überreichen. In diesem Augenblicke bemerkte man, daß ein alter Bürger⸗ meister eingeschlafen war und seine Stimme noch nicht abgegeben hatte Man weckte ihn; er erkundigte sich nach dem Resultate der Berathung.—„Wir wollen“— hieß es—„dem Könige die Schlüssel der Stadt übergeben.“ „Hat er sie schon verlangt?“ fragte der ehrwürdlge Vater der Stadt.— „Noch nicht,“ war die Antwort.„Dann, meine Herren,“ erwiderte er, „wollen wir wenigstens so lange warten, bis er sie fordert.“— Dieser Einfall rettete die Republik, denn schon am nächsten Tage sah Ludwig sich, eingetretener Umstände wegen, veranlaßt, der Stadt den Rücken zu wenden. M. Das portugiesische Linienschiff. Dieses wunderbare Insekt, welches man das portugiesische Linienschiff(the portuguese man of even) nennt, ist eins der seltsamsten Phänomene, die das Naturreich darbietet. Doktor Tilesius, welcher Krusenstern auf seiner Erdumsegelung begleitete, hat darüber nähere Untersuchungen angestellt, deren Resultat wir mittheilen wollen. Dieses Thier, merkwürdig durch seine Schönheit und die Eigenthümlichkeit seiner Organisation, ist schon oft gezeichnet, beschrieben und verschiedenartig benannt worden. Eiaige Gelehrte gaben es für einen Polyp, andere für ein Schleim⸗ oder Pflanzenthier aus. Die Naturforscher, welche Linnees System befolgen, haben es Physilis genannt. Es ist bis 9 Zoll lang, man findet es nur unter gewissen Breitegraden, und es hat das Ansehen eines kleinen Schiffes. Seine Bewegungen sind nach den Winden verschieden; es erhebt oder neigt willkürlich seinen Hintertheil, ist dieser mit Luft angefüllt, so ist das Thier so leicht, daß es selbst auf Weingeist schwimmt. Jedoch ist es so organisirt, daß es in sich selbst den Ballast findet, dessen es bedarf; ist der Wind so stark, daß sein Dasein dadurch bedroht werden könnte, so versenlt es sich in des Meeres Tiefe und erscheint nicht eher auf der Oberfläche, bis sie wieder ruhig ist. Von der untern Seite seines Körpers gehen Röhren aus, die bis auf 20 Fuß reichen, und die so elastisch und zart sind, daß sie sich spiralförmig winden, und eine Art Schraube bilden, die zugleich als Anker, als offensive und defensive Waffen, als Luftröhren und als Fühlhörner dienen. Das Insekt selbst hat die Farbe des Regenbogens. Sein Kamm, der ihm als Segel dient, ist mit blauen und rothen Adern bedeckt, hat einen rosa⸗ farbenen Saum, und schwillt vom Luftzuge oder nach des Thieres Willkür an. In seinen Fibern hat es eine ätzende Materie, die den Schmerz einer Brennessel und die Bildung kleiner Blasen verursacht. Diese Materie ist so stark, daß man die Gefäße, in denen solche Thiere aufbewahrt werden, häufig auswaschen muß, bevor man sie in Gebrauch nehmen darf. Man kann dem Thiere diese Fibern abschneiden, ohne ihnen, so wie dem Ueber⸗ reste des Thieres das Leben zu rauben. Sie lösen sich oft von selbst ab, wenn sie gegen harte Gegenstände stoßen. Dieses Insekt hat in den kleinen Delphinen und in den Medusen gefährliche Feinde, gegen die sowohl seine nautische Wissenschaft, als auch sein Gift ohne Wirkung bleiben. M. Ein ungebetener Gast und sein Herr. In der Umgegend von Boulogne sur mer wurde ein Landmann mit seiner Familie auf das Höchste erschreckt, als das Sonntagsgericht, ein Hammelbraten, aufgetragen wurde, die Thür aufging und sich ein Bär zeigte, der brummend auf den Tisch zuging. Alles floh, und Petz machte sich dabei, den Braten mit aller Seelenruhe zu ver⸗ speisen. Indessen bewehrt sich der Landmann, und auch die Nachbarn kommen mit Gewehren herbei. Da erscheint ein Engländer und verhindert den Tod des Bären, der ihm gehörte; Petz habe sich nur ohne Erlaubniß und Maul⸗ korb entfernt.„Gut,“ rufen nun die Bauern,„wir wollen das glauben, auch die Angst nicht anrechnen, ersuchen aber um Vergütigung des Hammel⸗ bratens.“—„Wie?“ versetzte Albion's Sohn,„ich Geld zahlen?! Habe ich den Braten bestellt?“— Man geht zum Maire. Dieser zuckt die Achseln und spricht vom Civilgericht.„Ach, was!“ ruft da ein Landmann,„ich kenne ein besseres Gericht; ich schieße jeden Räuber über den Haufen.“ Er legt auf den Bären an, und jetzt findet der Bärenbesitzer sich doch zur Zahlung verpflichtet. W. 6. Der gefeierte Sänger Rubini hatte bei seinem Aufenthalte in London einen Marineoffizier durch ein Wortspiel verletzt, so daß dieser Satisfaktion forderte. Als der Kartellträger bei dem Maestro erschien, erklärte Rubini, er werde Alles thun, den Gegner völlig zufrieden zu stellen. Am folgenden Morgen war er auf dem Orke der Zusammenkunft.„Sie ziehen also Ihre Forderung zurück, wenn ich Sie befriedige?“—„Allerdings.“—„So hören Sie“— und Rubini begann die große Arie aus Rossini's Tell. Als er beendet, klatschten der Offizier und seine Zeugen.„Ich sehe, Sie sind zufrieden,“ bemerkte der große Sänger,„und kann nach Hause gehen. Good morning!“ W. G. .— Rösselsprung. den⸗ re möch⸗ es noch Dreisilbige Charade. Ein Jeder weiß, daß man der Ersten viele In einem Dritten mag beisammen sehen; Der Fremde, unbekannt in dem Gewühle, Wird ihren Sinn im Ganzen leicht erspähen. Das Kleinste aus der Ersten großem Hauf, Ein gutes Ganze nimmt es gastlich auf. Auflösung des Kapsel⸗Räthsels in voriger Nummer: 1. Hund. 2. Hauch. 3. Es. 4. Sau. 5. Emil. 6. Du. 7. Eli. 8. Esche. 9. Zu; des Logogriph: Watte, Wette; des Kreuzräthsels: S= eo ED e d: 2 8= E Skat-Aufgabe ur. 70 Mittelhand sagt mit zwei blanken Assen Null-ouvert an und gewinnt das Spiel. Wie war die Lage der Karten und der Gang des Spiels? ö Auflösung der Skat⸗Aufgabe Nr. 6. Vorhand(wie angegeben). Mittelhand hat: Im Skat liegen Pique 7 und 19 15 Vorhand spielt Trefle 7 aus, Mittelhand giebt Coeur As zu und Hinter- hand sticht mit Trefle As. Hinterhand spielt dann Trefle 10 und König nach, Vorhand giebt Trefle 8S und Dame und Mittelhand giebt Coeur 10 und Carreau As zu, macht zusammen 60 Points. Schach. Problem Nr. 422 von J. Jesperson in Dänemark. Aus dem letzten Problem- und e des„Mirror o American sports“. r 1 135 „„ 4 11 1 n 3 2 8 5 *. . N. Weiß Weiß zieht an und setzt mit dem dritten 0 Matt. . Partie Nr. 243, gespielt am 14. August d. J. im britischen Schachklub zu e— die dritte Partie des 1 N unentschieden gebliebenen Matches zwischen Mackenzie uud Burn. Weiß: Capitain Mackenzie. Schwarz: A. Burn. e2— ed eI—eõ 32) De2—h5f Kf7 86) d2— da d7- dõ 33) f4— 157(6- e575 e4- e5 7 e 34) 561 Dad 6 2-63 Sbs e 35) 111—821 es- dd:s) 8Sg1 13 DdS-b6 36) Dhä4— 56499 Kf8—17 LfI- da LeS= d7 37) Dh6-—h7= K 7-18 dd ch: Lis- ed: 38) 6-17 Ldé-b 6—0 h7—h5 39) Kg1—b2: Deé-er Sb d2 8g8—b6 40) Kh2—1 188-3 8d2—b3 Led-e 41) Db7- bs? KIS-e7 Dd1—e2 Db6- ds 42) 17-180 aufgegeben. Sts— ä, g 86 Stellung nach dem 26. 1 von Schwarz. 86456 84 Sc6G— a5 2)* 8., Se ag 9. 9. 1. n. e, 21 17— 560 9 8100 ͤ8. e 3 2* 1 775... 2 —17: Weiß. 8 228 I 167 5 5 5 2 5 5 75 0 1 1 8 Le7- ds: Le6-d7 1) Dieses Nehmen des Bauern ist ungewöhnlich; die nöthig gewordene Deckung des Feldes da wird durch Lo? bewerkstelligt. 15 2) Die Einleitung zu einem verfehlten Springermanöver, das mit dem 22. Zuge seinen. . Abschluß in der gänzlichen Absperrung des Springers findet. 4 3) b7- bb, um den Springer as zu befreien, kam wohl in Betracht; die Erwiderung 26) 4-“)Q⸗ wäre ungenügend wegen Dt4:, aber das Spiel 26) ezbs fällt zu Gunsten von Weiß aus, z. B. 25). b 26) erb5 Tel: 27) Fel: Sbs: 28) Tesf Last 29) Tbst Sdâ 30) Def Sb: 31) Hat; Lad: 32, a:bz Les 33) Is: neost 34) Lha ꝛc. oder 29).. Ses 30) Del 0-0 31) Ses Des 32) Sb ꝛc. oder 27).. Lbö: 28) Se4 0-0 29) Sch c. 4) Schwarz übersieht die sebr bübsche Combination des Gegners— im Chess We wird das Schlagen des Springers als weit stärker angegeben. 5) Durch dieses fein berechnete Opfer wird die Partie entschieden. 6) Auf Ker bätte 33) Dh7f Kis 34) fs ꝛc. zum Siege geführt. 7) Nimmt Schwarz den Bauer, so wird durch Dbef ꝛc. der Läufer ds gewonnen ung das Spiel sofort unhaltbar. 8) Das entscheidende Aufgeben des-Bauern ist nicht zu verhindern. 9) Sofort 16—17 ist natürlich auch ausreichend. Aus der Schachwelt. Der Kölner Schachklub ist in den elektrisch erleuchteten obern Saal des Hotel · Restaurant„Im Römer“ übergestedelt. Für das bevorstehende Winterhalbjahr drei Turniere veranstaltet. Druck und Verlag der„Volls⸗Zeitung“ „Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elch o in Berlin, Lützowstr. 105.