—— — 2 180 85 d geben. u Weiß e 51 r 5 cb d) U. 13 dien 1 16, tuch dn 15 Feld 1uuf Bf zährt lin n 250 J hallen, 1 ipschil, 10 900 2 — eee eee eee Oberhessich zu den en Muchrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Ur. 36. Gießen, den 5. September. Die Erbin. Von Josephine Gräfin Schwerin. (Fortsetzung.) XII. Am nächsten Vormittag wollte Heddenheim zu so früher Stunde, als es ihm irgend schicklich dünkte, nach Ornshagen hinausfahren und dann Frau von Hartwitz offen den ganzen Sachverhalt darlegen. Doch schon, während er noch bei seinem Morgenkaffee saß, brachte ihm der Diener einen Brief, der mit einem Boten aus Ornshagen gekommen war; man begann dort früh den Tag, das wußte er. Er fühlte, während er die Hand danach ausstreckte, alles Blut zum Herzen dringen; hatte Martina ihm geschrieben, den ersten süßen Liebesgruß, war es möglich!? doch ein Blick auf den Brief stimmte seine Gefühle herab: es war die männlich feste und große Schrift von Frau von Hartwitz. Er enthielt nur wenige Zeilen. „Ich habe Sie in wichtiger Sache zu sprechen, und werde Sie deshalb heute um 10 Uhr in Ihrer Wohnung aufsuchen. Ich bin pünktlich und bitte, daß Sie mich erwarten. Katharine v. Hartwitz.“ So kurz die Mittheilung gefaßt war, so wenig sie verrieth, so konnte sich doch Heddenheim einer gewissen Aufregung nicht erwehren, er fühlte sich niedergeschlagen, verstimmt und erwartungsvoll. Was konnte sie von ihm wollen? Wenn es Martina und seiner Werbung galt, so hätte sie jedenfalls sein Kommen erwartet; es mußte sich um irgend eine Geschäftssache handeln, die ihm wahrscheinlich ganz gleichgiltig war, versuchte er sich zu beruhigen. das, so war ihm doch heute ihr Kommen unangenehm, es durch— kreuzte seine Absichten und Wünsche; sollte er hier, in seinem Hause, um Martina's Hand werben, es war kaum möglich, und doch, er konnte nicht schweigen, er fühlte sich kaum in der Stimmung, irgend welche trockene Geldangelegenheit, oder etwas dergleichen, aufmerksam mit ihr zu verhandeln. Er ging unruhig in dem Zimmer auf und ab, wartend und aufgeregt. Da ertönte drüben von dem Rathhausthurm das Glocken— spiel, das die zehnte Stunde verkündete. Die kurze Melodie war noch nicht zu Ende, als er einen Wagen vor der Thür halten hörte, er trat an's Fenster: es war Frau von Hartwitz. Wenige Minuten später öffnete der Diener die Thür und sie trat ein. „Seien Sie willkommen, gnädige Frau,“ begrüßte er sie. Sie neigte den Kopf, entledigte sich rasch des altmodischen Shawltuches und großen Hutes und ging dann ohne Weiteres auf das Sopha zu. Er nahm ihr gegenüber Platz, das Blut klopfte ihm in den Schläfen, und er sagte mit einer nicht ganz natürlichen Ruhe: „So sehr mich zu jeder anderen Zeit Ihr Besuch geehrt und er— freut hätte, gnädige Frau, heute bedaure ich, daß Sie mir zuvor⸗ gekommen, es war meine Absicht, eben in dieser Stunde zu Ihnen hinauszukommen.“ „Ich erwartete das, und eben deshalb kam ich zu Ihnen,“ Wenn auch nur lautete die Antwort.„Martina theilte mir gestern mit, daß sie mit Ihnen an der See zusammengetroffen sei; sagte sie mir auch nichts weiter, so gehörte eben nicht viel Divinationsgabe dazu, um aus ihren strahlenden Zügen zu errathen, daß es leider zu irgend welchen Erklärungen zwischen ihr und Ihnen gekommen war. Sie sprach auch davon, daß Sie heute nach Ornshagen kommen wollten, und deshalb kam ich her.“ „Gestatten Sie mir, Sie zu unterbrechen, gnädige Frau,“ ent— gegnete Heddenheim, der bis in die Lippen erbleicht war.„Aller⸗ dings hat mir gestern das unerwartete Wiedersehen Fräulein Martina's das Geheimniß meiner Liebe entrissen, das strenge zu hüten, mein fester Wille war. Deshalb war es meine Absicht, Sie heute aufzusuchen, und, bevor ich das Glück meines Lebens in Fräulein Martina's Hand von Ihnen erbäte, Ihnen eine Mittheilung zu machen, die—“ Frau von Hartwitz machte eine abwehrende Handbewegung. „Lassen Sie mich zu Ende reden. Es war mein fester Wille, daß kein Mann um Martina werben sollte, deshalb habe ich sie von Allem fern gehalten, was man so Freuden der Welt zu nennen pflegt, und habe ihr durch eine Reise, durch Kunst- und Natur- genüsse Ersatz dafür zu geben gesucht. Es war das nicht eine Schrulle, wie Sie vielleicht mit den Leuten, die leichthin über das, was sie nicht verstehen, abzuurtheilen lieben, gemeint haben, sondern eine wohlüberlegte Sache. Deshalb war mir auch Ihr Besuch in meinem Hause nicht recht, doch Sie waren nun einmal gekommen, Martina fand ersichtlich Gefallen an dem Umgang mit Ihnen, und so mochte ich durch ein energisches Verhindern nicht dasselbe noch verstärken, oder eine Erklärung herbeiführen, die ich nur im Noth— falle geben mochte. Ich wollte die Augen offen behalten und meinte, mir würde der richtige Moment, wenn er eintreffen sollte, nicht entgehen. Da hatte ich mich nun einmal geirrt, wir alten Leute verstehen uns nicht mehr auf jugendliche Herzen, ich bildete mir so lange ein, daß Sie sich nur gut miteinander unterhielten, bis das Unglück geschehen war. Ich begriff das erst vor drei Wochen, als Ihre Besuche aufhörten. Martina's blasse Wangen und ihre plötzlich verlorene Heiterkeit belehrten mich über meine Blindheit. Das war nun nicht mehr zu ändern, so war mir wenigstens Ihr Fortbleiben recht, ich fragte nicht nach dem Grunde desselben— der war mir gleichgiltig, die Sache hatte ein Ende, und ich konnte darauf rechnen, daß Martina's gesunde Natur den Schmerz über— winden würde. So schien mir Alles in Ordnung. Da müssen Sie gestern den unglücklichen Gedanken haben, denselben Weg ein— zuschlagen wie mein armes Kind, und damit alle meine Hoffnung zu Schanden machen. Wie gesagt: Martina's Aussehen und Stimmung erklärten so deutlich, als ob sie es mir gesagt hätte, was 282 zwischen Ihnen vorgegangen war, das sahen denn doch auch meine alten blöden Augen. So bin ich denn nun gezwungen, Ihnen die Aufklärung zu geben, die—“ sie zuckte die Achseln—„Sie wahr⸗ scheinlich nun doch veranlassen wird, mein armes Kind im Stiche zu lassen.“ „Sie unterschätzen meine Liebe, gnädige Frau,“ rief Heddenheim, „was es auch sei, das Sie mir mitzutheilen haben, 1% „Oho, mein junger Herr, nicht so stürmisch, das Wort könnte Sie gereuen,“ unterbrach ihn Frau von Hartwitz,„wenn wir alten Leute auch für die Anzeichen der Liebe nicht mehr so scharfsichtig sind, über ihre Kraft und Opferfähigkeit hat uns die Erfahrung besser belehrt als Euch. Hören Sie mich erst an, und dann sprechen Sie das letzte Wort. „Martina ist nicht mit mir verwandt, sie ist mein Pflegekind. Ich hatte schnell nach einander meine Tochter, das einzige Kind, das mir von vieren geblieben und herangewachsen war und meinen Schwiegersohn verloren, und hatte meine kleine Enkeltochter zu mir genommen. Ein Mann kann es nicht verstehen, wie ich das Kind liebte, das Letzte was mir geblieben war. Es war sehr zart und schwächlich und nach einer Krankheit trat das Lungenleiden, das die Kleine als Erbschaft von der Mutter überkommen hatte, so bedenklich hervor, daß ich mit ihr nach dem Süden, und zwar nach Cannes ging. Es war ein erfolgloser Versuch, denn nach einigen Monaten starb sie trotzdem. „Ich hatte meine Häuslichkeit in B. abgegeben; Cannes war schön und ich mochte mich nicht so schnell von dort und dem Grabe meiner Kleinen trennen, so blieb ich vorläufig dort. Mit mir in demselben Hause lebte ein Ehepaar mit einem einzigen Kinde. Ich hatte mich um die Leute nicht viel gekümmert, obgleich sie versucht hatten, sich mir zu nähern. Doch entdeckte ich schnell, daß die äußere Bildung nur wie eine dünne Tünche die innere Rohheit deckte, es gab viel Zank und Streit, bei manchen argen Scenen schien es sogar zu Thätlichkeiten zu kommen. Das ganze Verhältniß war ein unklares, und des Mannes laute, sich öfter wiederholende Drohungen, die durch Fenster und Thüren zu mir drangen, daß er die Frau fortschicken, oder ohne sie davongehen würde, ließen mich, ihrer ganzen Form nach, daran zweifeln, daß man es überhaupt mit einem Ehe— paare zu thun habe. Zwischen diesen rohen Ausbrüchen kamen dann wieder Tage besten Einvernehmens, in denen sie zusammen ausgingen, und der Mann in seine schöne Blanche ganz verliebt schien.“ „Blanche?“ wiederholte Heddenheim unwillkürlich. „Ja, die Leute waren Franzosen,“ fuhr Frau von Hartwitz fort.„Mir war diese Nachbarschaft so unangenehm, daß ich mehr— fach daran dachte, die Wohnung zu verlassen, doch war dort eben Alles besetzt, keine Auswahl vorhanden und die Lage des Hauses für meine kleine Kranke günstig. So blieb ich, vermied nur jeden Verkehr mit den Leuten, außer daß ich das etwa dreijährige Kind, um das sich die Eltern nicht viel kümmerten, öfter bei mir hatte, zumal meine Enkelin die Kleine gern hatte, und sie so gewisser⸗ maßen als lebendige Puppe behandelte. Nach meines Kindes Tode kümmerte ich mich um die Leute garnicht mehr, achtete auch kaum darauf, daß der laute Unfriede zuzunehmen schien. „Da, eines Tages, ich hatte mehrere Stunden auf dem Kirch— hofe am Grabe meiner Kleinen gesessen, kam mir, als ich zurück⸗ kehrte, schon an der Gartenpforte meines Häuschens die Wirthin, die ein kleines Zimmer unter dem Dach bewohnte, heulend und jammernd entgegen. Ich konnte mich aus ihrem französischen Rede— strom zuerst nicht vernehmen, begriff dann aber zuletzt doch, daß Herr Renard von seiner Frau ermordet sei.“ Heddenheim sprang auf.„Renard sagen Sie?“ „Nun ja, was erschreckt Sie so?“ erwiderte Frau von Hartwitz. Heddenheim setzte sich wieder nieder und fuhr mit der Hand über die Stirn.„Vergeben Sie— der Name— er war mir bekannt— ich möchte zu Ende hören.“ „Ich will Sie nicht mit den Details ermüden und kurz sein. Die Wirthin hatte lautes Geschrei gehört, doch da sie an dergleichen gewöhnt war, nicht weiter darauf geachtet; erst als ein Schuß gefallen, war sie herunter und in das offene Zimmer gestürzt; dort hatte sie Herrn Renard noch mit der Pistole in der Hand, im Blute schwimmend, mit einer tiefen Wunde am Halse gefunden, das blutige Messer in der Hand der Frau, ihre Verstörung und die Thatsache des vorhergegangenen ehelichen Unfriedens, ließ die Thäter— schaft kaum zweifelhaft, obschon sie behauptete, das Messer dem Mörder entrissen zu haben, der durch das Fenster entkommen sei. Für die Wahrheit dieser Aussage sprach allerdings das geöffnete Fenster, doch da auch der Gemordete unmittelbar neben demselben lag, schien es möglich, daß er es, Hilfe rufend, aufgerissen hatte und da sich keine Spur eines Entflohenen fand, so hielt auch das Gericht die Schuld der Frau für wahrscheinlich und nahm sie natürlich sosort in Untersuchungshaft. „Ich habe Ihnen da nur in kurzen Umrissen die ganze auf⸗ regende und abscheuliche Geschichte erzählt, die mir damals so wider⸗ wärtig war, daß ich im ersten Augenblick nahe daran war, Cannes sofort zu verlassen. Doch da ich nirgends eine eingerichtete Häuslich— keit hatte, mir eine solche erst irgendwo wieder schaffen mußte, forderte das eine ernste Ueberlegung und eine Energie, die mir augenblicklich noch fehlte. So blieb ich, und es fügte sich wie von selbst, daß ich mich des armen verlassenen Kindes annahm. Die Wirthin hatte die Sorge für dasselbe übernommen, doch war es ihr eine Last, sie betrachtete es wie ein Verbrecherkind und behandelte es schlecht. Da war es natürlich, daß ich das unschuldige Geschöpf vor Rohheit schützte und es in meine Obhut nahm. Die Mutter hatte das Kind, als die That geschah, mit andern Kindern zum Spielen fortgeschickt. Da dergleichen sonst kaum vorgekommen, war es belastend für sie, insofern aber ein Glück, als ihm nun das ganze schauderhafte Ereigniß verborgen bleiben konnte. Ich sorgte dafür, daß nichts von alle dem Abscheulichen das reine Gemüth des armen Geschöpfs vergiftete, sie war noch zu klein, um viel zu fragen und zu kombiniren, und da die Eltern, wie gesagt, sich wenig um sie gekümmert, sie jedenfalls nicht durch Liebe verwöhnt hatten, so vermißte sie sie kaum und ließ sich schnell durch die Mittheilung, daß der Vater gestorben und die Mutter verreist sei, beruhigen. Ich hatte natürlich zunächst nicht über die Gegenwart hinaus ge⸗ dacht; doch schon nach wenigen Tagen, in der Nacht vor dem ersten Verhör, war Frau Renard aus dem Gefängniß entsprungen. Sie hatte damit ziemlich unzweifelhaft ein Bekenntniß ihrer Schuld ab⸗ gelegt, da es, wenn sie das Verbrechen nicht begangen, doch in ihrem Interesse gelegen hätte, durch die Untersuchung sich von dem Verdacht zu reinigen; jedenfalls aber hatte sie sich der Strafe ent⸗ zogen, denn es gelang nicht, ihrer wieder habhaft zu werden. „Das Kind hatte sich schnell an mich angeschlossen und es schien mir, als hätte das Schicksal mir einen Ersatz zugedacht und mir wieder einen Lebenszweck gegeben. Ich erklärte, die Kleine bei mir behalten zu wollen, und da Niemand Ansprüche an das verlassene Kind erhob, traten mir auch keinerlei Schwierigkeiten entgegen. „Ich reiste nun natürlich sofort von Cannes ab, um die Kleine in eine andere Atmosphäre zu bringen und entschloß mich, Orns⸗ hagen, das Gut meines Schwiegersohnes, das bisher noch nicht ver⸗ kauft, sondern einem Verwalter übergeben war, selbst zu übernehmen. Unter dem Namen Weiß, den ich aus dem Namen ihrer Mutter, Blanche, bildete, habe ich Martina erzogen, sie glaubt ihre Eltern damals beide gestorben und die Erinnerung an ihre drei ersten Lebens⸗ jahre und jene Katastrophe, ist in der völlig neuen Umgebung, in der Niemand etwas von den dortigen Ereignissen und Verhältnissen wußte, schnell in ihr erloschen. Daß Martina meine Erbin wird, ist selbstverständlich; ich hätte sie, die mir dem Herzen nach, eine Tochter ist, gern längst auch dem Namen nach dazu gemacht, doch war das der Sachlage nach nicht gut ausführbar, jene unselige Ge⸗ schichte hätte dann zur Sprache kommen müssen und immerhin ist die Möglichkeit, ja die Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß ihre Mutter noch lebt; so blieb am besten Alles wie es eben ist. „Sie werden nun einsehen, daß ich recht hatte, Martina's Herz vor der Liebe bewahren zu wollen; ich dürfte den Mann, der um sie wirbt, die Geschichte der Vergangenheit nicht vorenthalten, die ich am liebsten auch für mein armes Kind auf immer begraben hätte, und sah doch klar voraus, daß Keiner die Tochter einer Mörderin heirathen und sich der Gefahr aussetzen wird, diese achtbare Schwieger⸗ mutter einmal auferstehen zu sehen, denn Unkraut vergeht nicht, so lebt also das Geschöpf wahrscheinlich in irgend einem Erdenwinkel, zumal sie nach meiner Taxirung noch kaum ihr funfzigstes Jahr erreicht haben mag und jeder Tag kann sie— was Gott verhüten mag— als Ruhe- und Glücksstörer auftauchen lassen.“ i Eine momentane Pause trat ein, in welcher Frau von Hartwitz, N mit einem beinahe höhnischen Blick, die verstörten Züge Heddenheiris . * 1 1 5 1 ee e ff lütter zum var u das sotgte 0 des gen g um u, so ilung, hizen. is ge⸗ ersten Sie ld ab⸗ och in 1 dem e ent⸗ schien d mir i mir lassene n. Kleine Orns⸗ lt ver; chmen, sluttet, Eltern bens 19 in tnissen wird, 283 betrachtete. Dann sagte sie mit spöttischem Ton:„Nun, mein Herr, wollen Sie auch jetzt noch bei mir um Martina's Hand werben?“ „Ihr Name war auch damals schon Martina?“ fragte er statt der Antwort. „Nein, es war der Name meiner Enkelin, der mir lieb war und den ich ihr gab, weil ich alle Erinnerungen an die Vergangenheit verwischen wollte. Ihre Eltern waren ja Franzosen, so hatte sie auch einen französischen Namen: Jeanne.“ Mit einem dumpfen Aufstöhnen verbarg Heddenheim das Gesicht in den Händen. Frau von Hartwitz beobachtete ihn mit einer Art von Neugier; was traf ihn eben in diesem Namen so erschreckend? Er hatte sich schnell gesammelt und richtete sich leichenblaß auf. „Ihre Mittheilungen, gnädige Frau,“ begann er mit gepreßter Stimme, doch ruhig,„trafen wunderbar mit dem zusammen, was ich Ihnen zu eröffnen hatte. Kurz vor seinem Tode sagte mir mein Oheim, daß er vermählt gewesen und daß nach kaum Jahresfrist seine Frau mit einem andern Manne entflohen sei und ihr kleines Mädchen mit sich genommen habe. In der tiefen Erbitterung über die ihm angethane Schmach hatte er keinen Schritt gethan, ihrem Verbleib nachzuforschen, sondern hatte nur sofort London, wo er damals gelebt, verlassen. Seine Gattin hieß Blanche, seine Tochter Jeanne, der Entführer: Renard.“ „Oh,“ rief Frau von Hartwitz,„ist es möglich! Martina die Tochter Ihres Oheims!“ „Erst in der letzten Zeit seines Lebens war der Gedanke an seine Tochter und— vielleicht auch an das Unrecht, das er ihr zugefügt, in ihm wach geworden,“ fuhr Heddenheim leise und rasch, als ob ihm das Sprechen schwer werde, fort,„dennoch wollte er meinen dringenden Bitten, Nachforschungen nach dem Mädchen, seiner rechtmäßigen Erbin, anzustellen, nicht nachgeben, verpflichtete mich nur, falls Jeanne einmal meinen Weg kreuzte, für sie zu sorgen. Er dachte sie sich wohl in Noth und Elend, ahnte nicht, wie gütig das Schicksal ihr gewesen war. Sie begreifen, daß ich mich seitdem nicht mehr im sichern Besitz des Heddenheimschen Vermögens fühlte und die Absicht hatte, mich niemals zu vermählen, niemals die Zukunft einer Frau mit meinem unsichern Loose zu verknüpfen; deshalb kam ich von dem Augenblick an, als ich mir meiner Liebe zu Martina bewußt wurde und— bei ihr das gleiche Gefühl voraussetzen durfte, nicht mehr nach Ornshagen. Dem gestrigen, unerwarteten Wieder⸗ sehen gegenüber reichte meine Kraft nicht aus und so ist das Ver⸗ hängniß über uns gekommen, ein Verhängniß für uns Beide, denn — ich bekenne mich geschlagen, gnädige Frau, ich stehe vor einem, selbst für meine Liebe Unüberwindlichen, das Schreckgespenst dieser Mörderin würde mich wie ein Fluch verfolgen und mir keinen Augen— blick des Glückes und der Ruhe gönnen. Ich kann mich, meinen seit einem Jahrhundert geachteten Namen, mit diesem Weibe nicht in Beziehung bringen. Freilich— er ist es schon— sie war ja eine Heddenheim— o es ist grausig, entsetzlich!“ Frau von Hartwitz hatte ihn ruhig zu Ende sprechen lassen, sie empfand Mitleid mit ihm, sie konnte sich in das Gefühl des Mannes versetzen, der einen Fleck auf seinem stolz getragenen Namen entdeckt und sich plötzlich in Verwandtschaftsbeziehungen zu einer Mörderin findet. „Es thut mir leid, daß ich es sein mußte, die diesen Schlag gegen Sie führte,“ sagte sie jetzt,„doch bedenken Sie, daß ich auch mein Kind damit zugleich getroffen habe.“ Heddenheim war aufgesprungen und durchmaß in stürmischer Erregung das Zimmer, dann blieb er vor Frau von Hartwitz stehen. „Ich kann Martina nicht wiedersehen, mir fehlen dazu Muth und Kraft und auch für sie ist es besser, wenn sie durch Sie Alles er— fährt. Sie werden ihr mittheilen, was ihr ja nicht verschwiegen bleiben kann— die Schande ihrer Mutter und dann— daß sie jetzt die Besitzerin des Vermögens ihres Vaters ist. Ich werde sofort Alles einem Rechtsanwalt übergeben, Sie, gnädige Frau, werden ja für Martina das Geschäftliche besorgen, ich werde, sobald Alles so weit geordnet ist, abreisen— weit fort— Sie erfahren wohin. Es ist ja Alles noch wie ein Chaos in mir, ich kann es mir selbst noch nicht klar machen— dies ist vorläufig nur das, was aus dem wüsten Durcheinander auftaucht als das Gewisse und Nothwendige, mit der Zeit wird es festere Form annehmen.“ „Und Sie werden dann einsehen, daß, was Sie mir da eben gesagt haben, der pure Unsinn ist,“ fiel Frau von Hartwitz ein. „Martinas Vater hat sich um sein armes, unschuldiges Kind nicht gekümmert, hat es unbedenklich in den Händen einer schlechten Mutter gelassen, ohne nach der Pflicht zu fragen, die er gegen das arme kleine Geschöpf hatte. Es that mir leid, daß meine Menschen— kenntniß mich diesem Manne gegenüber, den ich für ungewöhnlich brav und zuverlässig hielt, getäuscht hat.“ „Er war es,“ unterbrach sie Heddenheim. „Pah, er hat seine nächste Pflicht versäumt, war also auch wieder Einer von denen, welche die Welt rechtschaffen nennt, ein guter Bürger und dergleichen, wie es so auf der Oberfläche liegt und um diesen vielwerthen Schein zu wahren, hätte er sein Kind im Sumpf verkommen lassen, wenn das Schicksal es nicht besser mit ihm im Sinne gehabt. Und nun sollte Martina aus Ihrer Hand nehmen, was der Vater ihr nicht zugedacht, sollte Sie um einen Besitz bringen, der Ihre Existenzbedingung ist— ah bah, Sie können das im Ernst nicht meinen!“ „Sie, gnädige Frau, können ebenso wenig meinen, daß ich im Besitz bleiben soll, wenn die rechtmäßige Erbin da ist,“ rief Heddenheim heftig. „Lassen Sie doch das arme Kind wenigstens in Unwissenheit; ist es nicht genug, daß sie schon ihre Liebe opfern muß, soll sie nun auch noch erfahren, daß ihre Mutter eine Verbrecherin war, und ihr Vater gestorben ist, ohne seinem Kinde nachzufragen? Wollen Sie denn ihr Leben vergiften? den Liebesschmerz wird sie ja über⸗ winden, sie ist nicht das erste Mädchen, das entsagen muß, das Andere— ich zweifle, daß Martina's Stolz das ertragen würde!“ Heddenheim hatte sich auf den Stuhl geworfen und den Kopf in die Hand gestützt.„Wenn ich denke, daß wir unser Glück, unsere Liebe, vielleicht einem Nichts opfern, einem Spuk, daß die Frau vielleicht nicht mehr lebt;— gönnen Sie mir Zeit, lassen Sie mich's überlegen, mich an den Gedanken, die entsetzliche Möglichkeit gewöhnen!“ Frau von Hartwitz schüttelte energisch den Kopf.„Davon kein Wort mehr, mein Herr Heddenheim. Jetzt setze ich Ihrer Werbung ein energisches Nein entgegen. Martina's Glück soll nicht auf so unsicherem Boden stehen; es könnte ja leicht morgen oder über's Jahr der Augenblick kommen, wo Sie bereuten, was Sie gewagt und dann würde Martina es empfinden, sie würde dann entgelten müssen, was sie nicht verschuldet hat. Ich gebe Ihnen ihre Hand nicht, Martina wird den Schmerz überwinden, sie ist ein starkes Mädchen— und Sie werden ihn auch überwinden,“ fügte sie kurz hinzu, während sie sich erhob. „Sie wollen gehen? Um Gotteswillen, das kann nicht der Schluß sein,“ rief Heddenheim,„wir sind noch nicht zu Ende!“ „Wir sind zu Ende— Martina darf nicht erfahren, wer ihre Eltern waren.“ „Und was wollen Sie ihr sagen?“ „Das lassen Sie meine Sorge sein.“ „Und ich soll die Last eines Besitzes tragen, der nicht mein ist — unmöglich!“ Frau von Hartwitz zuckte die Achseln.„Sie werden sie tragen, es bleibt Ihnen auch keine Wahl, um Martina's willen. Leben Sie wohl, ich muß Ihnen leider sagen, daß ich es bedaure, damals Ihre Hilfe in Anspruch genommen zu haben. Ich wünschte für Martina, wir wären uns niemals begegnet.“ „Gnädige Frau, Sie zürnen mir—“ „Zürnen? Bewahre, ich wußte ja, wie es kommen würde, ich habe mich keinen Augenblick darüber getäuscht— und nun also, adieu.“ Sie hatte sich unterdeß mit Hut und Tuch versehen und verließ mit einem steifen Kopfnicken, ohne ihm die Hand zu bieten, das Zimmer. Heddenheim sank wie vernichtet, auf den nächsten Stuhl. Sein Glück war dahin, Martina's Liebe verloren! Wie er auch nachdachte und mit sich rang, er hatte nicht anders gekonnt, und doch hatte er das unzweifelhafte Empfinden, daß er Frau von Hartwitz' Achtung eingebüßt. Wenn er sich die Möglichkeit vergegenwärtigte, daß Martina's Mutter, die doppelte Verbrecherin, die Mörderin, zurück— kehrte, ihren Gatten oder dessen Erben suchte und die Tochter fand — nein, um Martina's selbst willen war es besser— nothwendig, daß sie sich trennten! i (Fortsetzung folgt.) 9 . 284 las. Novelle von Frida Schanz. (Schluß.) V. Frau Barbara, des eisernen Gehringers stilles, feinfühlendes Weib, hatte, wie Franz es geahnt, die weinende Eva mit dem Er— barmen einer Mutter bei sich aufgenommen. Ihre rührende Sorgfalt entlockte dem verwaisten Mädchen das erste, schmerzliche Lächeln; ihr zu Liebe verbarg die Trauernde ihren Gram und fand sich ge⸗ fügig und still in der neuen Heimath zurecht; ihr zu Liebe legte sie das traurige, schwarze Gewand ab und trocknete die Spuren heimlich vergossener Thränen so sorgsam aus dem blassen Gesicht. Frau Barbara schaute indeß tiefer, als Eva ahnte, sie sah die un— aufhaltsam fortblutende Wunde, sie sah, wie die Schatten durch—⸗ weinter Nächte die schimmernden Augen trübten, sie sah die ganze, hoffnungslose Müdigkeit, welche die junge Seele gefangen hielt. Trotz Allem hielt eine gewisse, rücksichtsvolle Scheu sie ab, ihren Trost dem armen Herzen aufzudrängen, das sein Weh ängstlich wie ein verborgenes Heiligthum hütete und sich in der Einsamkeit der Nacht an dem schmerzlich-süßen Quell der Erinnerung labte. Sie begnügte sich seufzend, das, was sie selbst so gern gethan hätte, der Milde Gottes und der Heilmacht der Zeit anheimzustellen. Ein Blick in des Mönches hoheitvolles, gütestrahlendes Antlitz hatte die heimliche Sorge der mitleidigen Frau in helle Zuversicht verwandelt. Daß diese Macht, die ihres Sohnes wildes, kummer— volles Herz getröstet hatte, auch Balsam auf des armen Mädchens bittres Weh träufeln werde, erschien ihr als leuchtende, segensreiche Gewißheit. Deshalb bat sie den frommen Mann, dessen Herz sich nach der Heimath sehnte, so lange innig und demüthig, noch zu verweilen, bis ihre sanfte Dringlichkeit seinen festen Vorsatz besiegte, ja, bis die Berührung mit der Welt, deren Zweck er anfangs nicht begriffen hatte, ihm nun als schöne, himmlische Fügung erschien. Der Zufall ebnete ihm den Weg zu Eva's Herzen. An dem Kreuzbild im Walde, wohin er gern seine Schritte lenkte, um im Angesicht Gottes den Hauch des Irdischen von seinem Denken zu 9 streifen, fand er das Mädchen. Sie mochte wohl im Gebet hier Trost gesucht haben;— daß sie ihn nicht gefunden hatte, davon sprach der müde, todestraurige Blick, die gebrochene Haltung, mit der sie an dem Stamm der Tanne lehnte, durch deren wehendes Geäst das frühe Morgenlicht so hoffnungsreich auf ihre schlanke, jugendschöne Gestalt fiel. Silas empfand die Heiligkeit des Schmerzes zu tief, als daß er ihr Sinnen gestört, wenn nicht ihr thränenvolles Auge, das sie plötzlich groß und fragend zu ihm erhob, ihn gebannt hätte; Barmherzigkeit und die feste Ueberzeugung, daß ein höherer Wille ihn der Weinenden gesandt, öffneten ihm die Lippen; mild wie Thau floß sein glaubensvoller Trost in das zagende Herz. Mehr als die Macht seiner Worte war es vielleicht das schnelle, reife Verständniß, womit das Unglück die begrabenen Schmerzen Andrer erspäht, was die Trauernde bewog, jenen Worten andachts— voll zu lauschen, die sie vielleicht aus anderem Munde nur mit schmerzlichem Lächeln von sich abgewehrt hätte; daß des Mönches Trostesbotschaft aus einem Herzen kam, in dessen verschwiegenster Tiefe sie ein überwundenes Leid ahnte, das ließ sie an die Wahrheit seiner Worte glauben. Silas war ein feinfühlender Arzt der Seele. Wie er vor Jahren den starren Kindersinn des trotzigen Klosterschülers gebändigt und auf den schmerzzuckenden Lippen desselben das erste, gesunde Lachen hervorgezaubert hatte, indem er den jungen Mund zum Plaudern gebracht, so löste er nun mit zarter, geschickter Hand auch das dichte, dunkle Gewebe, welches das lange, schmerzliche Verschweigen des zehrenden Leides um das bange Mädchenherz gesponnen hatte. Die Feste der Nidgauer und das Städtchen am Hange des Burgbergs war ihm aus früherer Zeit bekannt. Das Mädchen, das aus thränenvollen Augen lächelte, als er die theueren Namen ihres Heimathortes und des schäumenden Gebirgsflüßchens nannte, ahnte nicht, daß er, um sie zu heilen, zum ersten Mal seit langer, langer Zeit mit unbarmherziger Selbstmarter die schlummernde Geisterwelt versunkener Jahre beschwor; sie ließ die gefalteten Hände, auf die sie ihre Wange gestützt hatte, in den Schoß gleiten und lauschte seinen Worten wie einem lieben, holden Kindermärchen; ein zarter Hauch von Roth schimmerte durch ihre schmalen Wangen, 10 und die Schwermuth ihres Auges wich einem rührenden Ausdruck von Entzücken. war er dankbar und froh, daß es ihm gelungen war, die bewegungs⸗ lose, gramdunkle Nacht ihrer Seele augenblicklich zu durchsonnen. Franz faßte seinen Dank gegen den treuen Genossen in die wärmsten, liebevollsten Worte, als er sah, wie schön es diesem ge— lang, die trübe Gleichgiltigkeit des Mädchens zu bannen. Er hoffte von diesem Erwachen, von der Zaubermacht des Lenzes und der Allgewalt seiner eigenen Liebe das Schönste und Süßeste, das einst sein Leben krönen sollte. Jeder Tag brachte Eva's Herz dem frommen Manne näher. Das offene Aussprechen that ihr unbeschreiblich wohl, so schwer es ihr anfänglich ankam. Leise und vorsichtig versuchte es Silas, das Leid, das sie den Menschen, die es ihr angethan, nie vergeben zu können meinte, als Gottes Sendung zu deuten, dessen Wege und Zwecke zu hoch und erhaben seien, als daß wir sie begreifen; er versuchte es, ihr geistiges Auge, das der Kummer getrübt hatte, über den engen Kreis des„Ich“ hinaus in die sonnenhelle Weite der Ewigkeit zu lenken; und von dem Höchsten und Fernsten und Seligsten führte er sie unvermerkt zurück zu dem Irdischen, zu den vergangenen Erlebnissen, die sie nun, gleichsam wie von höherem Lichte überströmt, ansehen lernte. Oft freilich, wie jedem Genesenden, kehrte auch ihr die ganze Bitterkeit ihres Schmerzes zurück und Silas mußte durch die Macht seiner Ueberzeugung die finsteren Schatten beschwören; dadurch aber, daß sie ihm fest versprach, ihm jedes wiederaufquellende Zweifeln und Sorgen an's Herz zu legen, gewann er eine so wunderbare Gewalt über ihre Schmerzen. Noch nie, seit sie die Stätte ihrer Kindheit verlassen, hatte sie ihrer todten Eltern und die schmerzlichen Tage, die sie ihr entrissen, erwähnt. Nun da der Bann einmal gebrochen, war's ihr ein süßes Bedürfniß geworden, die Ereignisse jener Trauerzeit mit dem mit⸗ leidig lauschenden Manne zu theilen; ihr war's, als wachten die Todten wieder auf, als hörte sie auf's Neue des Vaters volltönende, geliebte Stimme, die bis zur letzten Stunde voll Fassung und Ruhe zu den Verzweifelnden gesprochen hatte, als sähe sie die stolze, wundervolle Schönheit der Mutter wieder, von der Macht der Krank—⸗ heit und Schwäche verklärt, als durchlebte sie auf's Neue jene un⸗ vergeßlichen Stunden, wo die Sterbende, zu der sie stets mit einer unbeschreiblichen, demuthvollen Verehrung emporgeblickt, ihr in sanftem, liebreichem Vertrauen den Schleier von der eigenen Ver⸗ gangenheit gehoben und die Geschichte ihrer sündigen, und doch so seligen Herzensjugend vor dem Scheiden dem schuldlosen Herzen vertraut hatte. 5 „Sie sah das harte Geschick, das sie so jung aus dem Leben rief und unser glückliches Heim dem Untergang preis gab, als Sühne für das begangene Unrecht an,“ sagte Eva, indem sie dem Mönch, an dessen Seite sie im Abendlicht auf den gelben Sandwegen des Gärtchens dahinschritt, das, was ihr den Sinn immer und immer wieder bewegte, leis weinend mittheilte. „Und doch ging sie ruhig, reulos und mit dem stolzen Bewußtsein, selig gewesen und selig gemacht zu haben, aus dem Leben; wie sie dem Vater, der wortlos an ihrem Lager kniete und ihre Hand fest umschlungen hielt, mit wunderbarem Lächeln zuflüsterte, daß sie die mit ihm durchlebten Jahre nicht gegen alle Wonnen des Himmels vertauschen möchte, da ahnte ich's, daß er, nachdem sie die Augen geschlossen, den feindlichen Geschossen nicht länger aus dem Wege gehen werde.— Ist es denn nicht möglich, daß eine solche Liebe zum Fluche werden kann? Könnt Ihr mir das Geheimniß deuten, Ihr, die Ihr Gott so tief, so innig versteht und kennt?“— Es schien, als fehle dem blassen Manne jetzt zum ersten Male das rechte Trosteswort. Dem Mädchen, das sich unter den blühenden Flieder am Ende des Gartens auf der Moosbank niedergelassen hatte und nun wie hilfesuchend an der hohen Gestalt des Mönches emporsah, schien es, als weilten seine Gedanken fern von der Welt an einem hehren, heiligen Ort, um sich Antwort auf die ungelöste Frage zu holen. Dann wandte er sich mit schmerzlichem Blick ihr zu:„Verbot Euch die Todte, von ihrem Geschick zu reden, und glaubt Ihr, das theure Gedächtniß zu kränken, wenn Ihr mir die Geschichte jener sündigen Liebe erzählt, damit ich Euch Antwort auf Eure Frage“ geben kann?“. Silas begriff, daß nach diesem augenblicklichen Behagen der Schmerz doppelt über sie hereinbrechen werde, doch in die 1 n ge. Lanze lheste, näher. ber ez „ das hen zu e und ni er hatte, Weite n und zu den öherem senden, k und usteren „ ihm legen, 2 ͤ—T—T—T—T—T—T—T—T—TT—T—T———C 5 itte sie trissen, süßes n mit⸗ ten die nende, Ruhe stole, Krank ne un⸗ t einer ihr in u Ver⸗ doch so Herzen Die Verblüfften. Leben Sühne Mönch, gen des immer ein wie sie nd fef sie die imme Augel 1 Mei e Licht deute, Mul Abenden lasen Töne u Nil fgllt Pele 1 15 b ie jut. a f . — 2 6. 5 P 286 525 s 1 13 Eva schüttelte traurig den schönen Kopf. „Gewiß, gewiß; ich will Euch berichten, was ich weiß, nur verzeiht, wenn ich mich fassen muß und wenn ich Euch gestehe, daß es mir schwer wird!“ 5 Der Mönch sah, mit tausend Gedanken ringend, zu ihr her⸗ nieder:„Quält Euch nicht, armes, armes Kind,“ sagte er leis, „vielleicht weiß ich es gerade so gut, wie Ihr und kann Euch die traurig⸗selige Erzählung ersparen.— Sie war die Tochter des mächtigen Herzogs Duitbert und das Schönste, Wundervollste, was Deutschlands wonniger Süden barg. Ihr Sinn war stolz und frei wie der Bergfalke, den sie um seine Schwingen beneidete. Lieber als träumend am Rocken, saß sie jauchzend zu Pferde, und der junge Fürstensohn, der sie in grüner Waldesdämmerung auf schneeigem Roß dem flüchtigen Hirsch nachsetzen und ihr Goldhaar wie einen gleißenden Lichtstrom über ihr wehendes Gewand fluthen sah, glaubte, die wunderbaren, alten Sagen, die ihm den schwärmenden Sinn umstrickten, seien lebendig geworden und die verbannten Götter herrschten wieder im heiligen Hain.— Als er sie aber wiedersah, sie, nach der ihn all sein Sehnen seit jener Stunde zog, da ge— wahrte er, daß in ihren süßen, schimmernden Menschenaugen ein viel bethörenderer Zauber lag, als die Götter und Nixen und Feien, die seine Gedankenwelt bisher beherrscht, wohl je zu der Sterblichen Heil und Verderben ausgeübt hatten. Ihr Lachen wurde ihm lieber als die Welt mit allen Schätzen, lieber als Rang und Ruhm, lieber als sein heimliches Träumen, lieber als Wolkenflug und Wipfelsang, die seiner lauschenden Seele sonst so holde Mär verkündet.— Als er ihres Vaters Ja auf sein glühendes Werben gewann und ihr selbst das selige Wort von dem trotzig-scheuen Purpurmunde küßte, durchfluthete ein so überirdisch helles Licht seine Seele, daß die All— gewalt dieser Seligkeit seinen kräftigen Körper wie mit einem zitternden Schauer überrann. Er war es zufrieden, daß er sie lieben durfte, daß sie lächelte, wenn er ihr alles, was sein über— strömendes Herz besaß, zu Füßen legte. Ihr lachender Uebermuth war so unsagbar schön, daß ihm der Gedanke nicht kam, wie viel tausendmal holdseliger sie sein müsse, wenn ihre Märchenaugen sinnend, sehnend und träumerisch sich senkten, wenn ihr froher Sinn in Demuth und Sehnsucht zerflöͤsse.— Doch auch dieses Wunder sah er sich an ihr vollziehn, und nun war es, als sei aus der strahlenden Königin eine milde Heilige geworden.— Aber nicht für ihn vollzog sich das liebliche Wunder.— Er wäre zu überselig geworden, wenn sie ihm so zugelächelt hätte, wie sie plötzlich zu lächeln lernte, wenn sie ihren Blick mit einem solchen Engelsausdruck in den seinen gesenkt, wie ihn ihre dunklen Augen, in denen ihre ganze Seele lag, jetzt plötzlich gewannen. Ein armer, junger Gesell, dessen ganze Habe in seinem frischen Muth, seinem blanken Ritterschwert und einer halbzerfallenen Burg auf schroffer Bergwand bestand, kam an Duitbert's Hof, wohin ihn der Waffenruhm des ritterlichen Herrn gelockt hatte.— Keck und kühn und unbekümmert schritt er einher, sein sorgloser Sang tönte wie Frühlingsruf durch die Herzogsburg; er war es, der dem stolzen Mädchen mit einem Blick und einem Lied mehr abgewann, als der, dem sie ihr„Ja“ gegeben, als sie ihr eigenes Herz noch nicht kannte, das nun erst erwachte und so reiche und duftige Blüthen trieb, daß deren Wunderhauch ihr den klaren Kindersinn betäubte.— Was lag daran, daß sie dem die Liebe und Treue brach, dem sie beides in lachendem Scherz gelobt hatte, ohne zu ahnen, was Liebe und Treue sei?— Ehrlich und furchtlos gab sie dem armen Thoren den Todesstoß, da sie ihre Liebe nicht zu tödten vermochte und nicht darben und entsagen wollte, wo sie so reich zu beglücken und glücklich zu sein ersehnte.— Die Seligkeit, die sie sich und dem, der sie liebte, errang, war mit dem Lebens— glück des armen Schwärmers nicht zu theuer bezahlt. Sie brachte dem Geliebten einen Himmel in das verwitterte Adlernest, das seine Habe war, ihre Liebe stählte noch seinen stürmischen Muth, ihr Brautschatz half ihm, die bröckelnden Mauern stützen und den morschen Bau in eine trotzige Feste umwandeln.— Was aus dem Andern geworden ist, weiß Keiner. Er schied in stürmischer Nacht und man sagt, er habe sich auf dunklem Pfade ein andres Glück gesucht; andere meinen, er sei gestorben und ver— dorben, weil nie eine Kunde von ihm in seine Heimath gelangte, noch andere glauben,— er sei ein Mönch geworden. Ich weiß, daß weder seine Lippe, noch sein Herz jemals der Treulosen fluchte.— Sollte nun Gott fluchen, da er vergab?— Weint nicht um ihn, armes, junges Kind, und weint auch nicht länger um die Todten, die so selig gelebt und geliebt und denen um ihrer frommen Liebe willen eine ewige Glückseligkeit winkt.— Wie könnte der Herr, der die Liebe ist, um einer solchen Liebe willen fluchen?— Bittet ihn, daß er es Euch begreifen läßt!“— Von mächtiger Erregung übermannt, wandte Silas sich ab. Dem Mädchen aber war in der Tiefe ihres Herzens mit der Ahnung seiner Seelengröße eine ganze neue Welt erstanden. Bebend er⸗ hob sie sich von der Moosbank und stand einen Augenblick lang zögernd, als wolle sie dem Manne nacheilen, dessen hohe Gestalt in der Abenddämmerung unter den Schattengängen der Linden ver— schwand; ihr Auge war leuchtend und thränenlos, und auf ihrem zarten Gesicht blühten zwei flammende Fieberrosen. Aber traurig und schlaff wandte sie sich dann plötzlich ab und schritt zwischen den bunten Frühlingsbeeten durch das Mauerpförtlein nach dem Waldhange, in dem die Schatten des Abends wogten. Sie ging, wie im Traume, weiter und weiter, bis ihr Fuß plötzlich an eine knorrige Ranke stieß, die ihr den Weg verlegte.— Da schien sie zu erwachen.— Sie hemmte den Schritt und warf sich in ungestümem Schmerz lautweinend in das weiche Moos. „Und ob er selbst die Hand segnet, die ihm die Todeswunde schlug,“ flüsterte sie schaudernd,—„ich fühle den Fluch der Schuld, ich Rebe ihn, ich liebe ihn!“ 8 . Mehr als zehn Jahre mit ihren Lenzen und Stürmen, ihrem Blühen und Welken waren seit jenem Tage verronnen. In des Gehringer's Burg, wo Franz seit dem Tode des „Eisernen“ als Herr waltete, herrschte an einem sonnigen Pfingst⸗ morgen ein frohes, erwartungsvolles Treiben. Wehende Banner grüßten festlich von den Thürmen, Blumengewinde schmückten die Hallen, und alles Prunkgeräth, das in den reichen Spinden und Schreinen verschlossen gewesen, winkte blitzend und funkelnd von Tafel und Sims. Der junge Burgherr ging frohen, lächelnden Angesichts durch die feierlich geschmückten Säle, dann wieder durch Hof und Stall, prüfte, musterte und mahnte und dankte heimlich dem frohen, glänzen⸗ den Lenzeslicht, das mit seinem warmen, lieben Goldhauch ihm so treulich half, den trutzigen Quaderbau der stolzen Feste in ein freund⸗ liches, glückverheißendes Gewand zu kleiden. Ein schöner Ehrentag war heut für Franz von Gehringen auf- gegangen. Der Kaiser, in dessen Heer der junge Held selbst-.. verleugnend und todesmuthig gegen den treulosen Landesfeind ge— fochten, hatte ihm zum Lohn fur seine kühnen Waffenthaten die Erfüllung eines Wunsches gewährt, und der Glückliche hatte als schönste Gabe das Versprechen erbeten, daß sein ritterlicher Landes⸗ herr es sich für einige Tage als Gast in seiner Burg gefallen lassen möge. Nun war gestern, als die Abendglocken das Pfingst⸗ fest einläuteten, des Kaisers Herold mit der langerhofften Freuden⸗ kunde im Burghof eingeritten, daß der Ersehnte mit glänzendem Gefolge unterwegs sei, um ein fröhliches Maienfest mit seinem treuen Vasallen zu feiern. Während Franz in glücklicher Erregung dem Herannahen des hohen Mannes entgegensah, blickten vom Erkerfenster zwei dunkle, schimmernde Frauenaugen sehnsüchtig die Landstraße entlang, die sich weiß und sonnenbestrahlt vom Frühlingsgrün des Hochwaldes abhob. Ein Staubwölkchen, zu klein, um die glänzende Schaar der Gäste zu verkünden, aber doch hinreichend, um ein seliges Licht auf dem wunderschönen Antlitz der Wartenden hervorzuzaubern, zeigte sich in der Ferne des Wegs. Mit beruhigtem Aufathmen wandte die schlanke Frau sich von ihrem Lauscherplatz und überließ sich nun willig und lächelnd der Dienerin, die ihr das gelöste Goldhaar, welches wie ein köstlicher weicher Mantel auf das silberweiße Festgewand fiel, mit Perlen durchflocht. Während das Mädchen die glänzenden Wellen bewundernd durch die Finger gleiten ließ, sah die Frau schweigend, wie traumverloren vor sich hin. Sie hatte die Hände im Schooß gefaltet, und jede Linie ihres Gesichts zeigte das weiche, liebliche Sinnen, das ihr die Seele bewegte. Da dröhnte drunten die Brücke von wuchtigem Huftritt, und neben einer fröhlichen Männerstimme wurde ein glückliches, glocken⸗ helles Kinderjauchzen im Hofe laut. 7 „Das sind sie,“ sagte die Dienerin. 5 287 lang eat ver⸗ ihtem b und lein ogten. lͤzlich Da ff sch wunde chuld, ihrem e des singst unnet n die n und d von. durch Stall fänzen⸗ hm so reund⸗ n auf⸗ selbst ud ge⸗ en die te al ande; falle ug, teuden⸗ zenden feinen en deb dunlle die sih alhch. Giste if dell sch in hl 16 es W. I50 0 gzendel : F Hine weich, t Ib 5 dach „Ja, das sind sie,“ wiederholte die Frau in einem Tone, als habe sich nun jede frohe Verheißung des Tages für sie erfüllt. Die Beiden aber, die sie meinte, gehörten nicht zu des Kaisers Troß. Von dem breiten Rücken des stattlichen Renners, der unter der Linde hielt, schwang sich die mächtige Gestalt des getreuen Wilram. Der kleine, goldlockige Reiter aber im lichtblauen Wams, der vor dem Starken im Sattel gethront hatte und nun mit schmetterndem Willkommgruß an seines Vaters Hals hing, war des Gehringer's Söhnlein, welches zum Angedenken des frommen Mannes, dessen Geist wie ein heiliger Odem durch die trutzige Feste wehte, den Namen Silas erhalten hatte. Nach des Mönches Heimath, dem stillen„Mariahort“, war der Ritt gegangen, auf dem der Knabe zum ersten Mal allein mit seinem treusten Genossen, dem leis er⸗ grauenden Wilram, sich in die Welt gewagt. Die Gewißheit, daß den Einsamen kein Glück der Erde mehr erfreuen könne, als der Anblick des blauäugigen Jungen, hatte Franz und dessen junges Weib veranlaßt, das Kind unter des bewährten Dieners Schutz dem frommen Manne in seine Zelle zu senden, da dieser, einem Ge⸗ lübde zufolge, seine irdische Heimath schon längst nicht mehr verließ. Das junge Weib, das in dem reichen, königlichen Schmuck be⸗ thörend und märchenhaft schön im Erkerzimmer stand, zitterte fröhlich wie ein Kind vor Erwartung, als des Gehringers fester Tritt und das liebe helle Geplauder des Kleinen auf der Stiege ertönte. Franz, der den Knaben an der Hand führte, stand einen Augenblick lang betroffen, fast andächtig still vor dem Zauberglanz ihrer Schönheit, auch das Kind verstummte, bis ihr seliges Lachen seine Scheu löste und er mit hallendem: Willkommen! an ihr Herz flog.— „Was bringst Du für Kunde, Du lieber fahrender Gesell?“ sagte sie, indeß sie sein kleines glühendes Gesicht mit tausend Küssen bedeckte. „Fasse Dich, Eva,“ sagte Franz statt des Kindes mit liebreicher Stimme.„Unser Liebesgedanke kam zu rechter Zeit; das Kind wäre ohne den Segen dieses Heiligen aufgewachsen, wenn Gott uns nicht jetzt gemahnt hätte, dem Einsamen einen Strahl unseres reichen Glückes in seine Verlassenheit zu senden. Der arme Freund ist seinem letzten, hohen Ziele nahe. Eine schleichende Krankheit, die schon lange an seinem innersten Marke zehrt, ist nun heftig und gewaltsam ausgebrochen, und stündlich kann der Tod die Seele von dem gebrochenen Leib erlösen.“ Das Antlitz der schönen Frau, welches das helle Roth der Freude so lieblich gefärbt hatte, erblaßte zu schneeigem Weiß, und in den Augen, die sie klagend zu Franz emporschlug, standen glänzende e „Weine Dich aus!“ sagte er mild, indem er ihr schönes Haupt tröstend und kosend an sich zog. Sie setzte das Kind zur Erde und lag nun, leis und innig schluchzend, an seinem Herzen. „Du weißt, was er uns war,“ flüsterte sie bewegt.„Alles, was in meinem Herzen blüht und glüht, danke ich ihm.— Was wäre ohne ihn aus mir geworden!— Er war es, der in meine verzagte Seele den Trost des Himmels senkte, der sie heimwärts führte, als sie, krank und verirrt, sich den traurigsten Wahngedanken überließ. „Weißt Du noch, wie er mich heimbrachte, da ich Euch, denen ich so Vieles dankte, heimlich verlassen hatte, um im Kloster Rast für mein klopfendes Herz zu suchen? Am Bergpfad droben, wo der Wildbach zu Thale schäumt, hatte er mich gefunden, dort hatte ich Rast gehalten, weil des Wassers Fall so lockend in mein schwaches müdes Herz klang. Dort nahm er mich an seine Hand, dort lehrte er mich des Lebens tiefste Bedeutung verstehen; dort zeigte er mir den Weg der Pflicht, den Gott mir bereitet hatte. Er war's, der mir Deine treue tiefe Liebe kündete, der mir Dich so hoch, so gut, so des besten Lohnes werth, vor die Seele stellte, daß mir's wie ein Frevel schien, Dich zu betrüben.— „Sein Segen war auf unserem Pfad; nur sein Segen schuf das Wunder, daß ich Dich so unsäglich, so über Alles lieben konnte, ich, die ich Dein gutes, schönes Herz früher nicht verstand. Nun weiß ich's längst, daß dies Herz die einzige Stätte ist, wo mir Rast und Glück und Frieden erblüht!“— Er küßte ihr leis die heißen Tropfen von den Wimpern.„Nun lohnt es ihm Gott!“ Dias Kind, welches inzwischen an's Fenster getreten war, kündete bt it hellem Jubel das Nahen der Gäste. Schmerzlich entwand sich Eva den treuen Armen. Als sie dann an ihres Gemahls Seite dem fürstlichen Herrn grüßend entgegen— trat, ließ die verhaltene Wehmuth ihr goldumflossenes Antlitz so wunderbar lieblich erscheinen, daß der Kaiser, den Kampf und Sorgen hart gemacht, sich wie von der Erscheinung eines Engels gerührt fühlte. In ferner stiller Zelle reichte indeß ein dienender Bruder dem sterbenden Silas einen letzten kühlenden Labetrunk. „Er schläft,“ sagte er dann, als er sah, daß des Kranken Augen sich schlossen und seine bleichen Hände sich falteten. Leise schlich er dann hinaus in den sonnigen Kreuzgang, da die Glockentöne zur Hora riefen. Silas war nun allein.— Da fühlte er plötzlich die geschlossenen Augen wie von weichem, himmlischem Licht berührt, ein Duften und Strahlen und Klingen durchwogte das Gemach, und über all dem Klang und Duft und Glanz erschien ihm wohl in himmlischer Weite ein gar wonniges, lockendes Bild, denn mit seligem Lächeln breitete er die Arme aus und flüsterte mit den bleichenden Lippen:„Ich komme!“ Lose Blätter. Der Schöpfer der im dreißigjährigen Kriege berüchtigten Holkschen Jagd war ursprünglich Obrist in dänischen Diensten, aus welchen er in die der Liga trat, nachdem er seinen Glauben gewechselt hatte und zum Katholicismus übergegangen war. Unleugbar ein tapferer Mann, wurde er von Tilly willkommen geheißen. Bei dem Angriffe auf die Schweden und deren befestigtes Lager bei Werben zeichnete er sich durch seine unverzagte Kühnheit aus; dennoch mußte er mit Zurücklassung zweier Fahnen weichen. Auf einer derselben war die Göttin Fortuna abgebildet und sie trug die Inschrift:„Audacter“, auf der andern zeigte sich ein Schwert, um das sich eine Schlange wand. Als Wallenstein wieder auf die Bühne trat und die Werbetrommel erschallen ließ, eilte Holk zu ihm und schuf zwei Regimenter Jäger, seine Jagd, ein leichtes Reiterkorps, das mit Degen und Büchse be⸗ waffnet war und an wilder Verwegenheit Alles hinter sich ließ, was bisher als solche gegolten hatte, aber auch an Grausamkeit alle Truppentheile über⸗ traf. Es hatte sich seinen Führer zum Muster genommen, der in jeder Beziehung der wildeste Schwelger war. Als er Wallenstein einst mit einer Geliebten besuchen wollte, wurde er mit den Worten abgewiesen, der Obrist möge mit seiner Geliebten seine verödeten Dörfer bevölkern, sie aber nicht dem Fürsten oder seiner Familie aufdrängen. Während des Lagers bei Nürnberg war Holk mit den Seinen in das Gebirge geschickt, wo er hauste, daß man ihn nur den einäugigen Teufel nannte. In Zwickau erzeugte sein furchtbares Walten die Pest, die ihn auch befiel. Da wünschte er einen protestantischen Geistlichen; es war jedoch keiner aufzufinden, da dieselben in weiter Umgegend auf seinen Befehl ermordet waren. Er starb in Ver⸗ zweiflung. W. G. In der Kapelle San Lorenzo in Rom befindet sich unter den sieben Statuen des berühmten Bildhauers und Malers Michel Angelo Buonarotti auch die Statue der Nacht in schlafender Stellung. Auf dieses Meisterwerk wurden folgende Verse gemacht: „Die Nacht, die hier süß schlafend auzuschauen, Hat eines Engels Hand aus Stein 1 1 8 Und weil sie schläft, so lebt sie. Glaubst Du's nicht? So wecke sie, dann wacht sie auf und spricht.“ Michel Angelo, auch Dichter, antwortete im Namen der Nacht: „Ich schlafe gern, bin lieber noch von Stein, Denn Schmach und Unrecht sind des Weltgangs Weise; Mir ist es besser, blind und taub zu sein, Drum weck mich nicht, o Freund, und rede leise.“ M. Antwort auf eine Zweikampfaufforderung. Als Bonaparte, noch General, Akre in Syrien belagerte und der englische Commodore Sidney Smith den Türken zu Wasser Hülfe leistete, entspann sich persönliche Feindschaft zwischen Beiden, und Sir Sidney Smith forderte Bonaparte zum Zweikampf heraus. Dieser dachte, er hätte seinen Muth oft genug bewiesen, sodaß es hier nicht mehr nöthig sei, daher ließ er antworten: wenn er sich mit einem Engländer schlagen sollte, so müsse ihm wenigstens ein Marlborough gegenüber gestellt werden, denn solcher nur wäre seiner werth. Verlange Sir Sidney Smith aber so sehnlich nach einem Zweikampfe, wolle ihm Bonaparte einen Grenadier schicken, der sich mit ihm raufen könne.“ M. Ursprung des Wortes„Fiacre.“ Im Jahre 1650 hatte ein Pariser, Namens Nicolas Savage, den Einfall, Wagen und Pferde beständig zum Vermiethen bereit zu halten; das gefiel, und weil der Mann auf der Straße St. Martin in einem Hause wohnte, welches Hötel Figcre hieß, so nannte man Wagen, Kutscher und den Eigenthümer derselben Fiacres. M. 8 E. — eee N e ee eee 1 ee 5 55 288 5 ü 125 Problem Nr. 400 Kreuzräthsel, von C. Plauck in London. 5 Aus nachfolgenden Buchstaben: Schwarz. e, 1 e. l.*. ö 0 0 5 25* a. 1 12 DPT TFT E EE TIE, 0 HI IIK I 15 A 4 72. 5 6 Nee nem. M M MM NN OR R. 1 ** 2 2 W.. 125 K*** 5 UU e,, 9 155 2 8 sind neun Wörter zu bilden und in derselben Weise zu ordnen, so de die. 22 1 3 mittleren Reihen, von oben nach unten und von links nach rechte gelesen, gleiche Wörter ergeben. Die neun Reihen geben folgende Wörter:. 2 J. Einen Fluß im nordwestlichen Deutschland.,. 2. Einen biblischen Namen. e 2 2,* 1 . Einen Schweizer Kanton. 4. Den Namen einer Heiligen. f 2 5. Einen Mädchennamen. 1 6. Eine berühmte Universitätsstadt in England. 7. Ein Metall. Weiß zieht an und setzt 7 8 dem dritten 122 Matt. 8. Einen Buchstaben des griechischen Alphabets. dene ene en wurde in dem Problemturnier der irischen Schach-Association der Preis 9. Einen männlichen Vornamen. für den besten Dreizliger zuerkannt. b 3 La eee Auflösungen. Problem Nr. 402 von A. F. Mackenzie in Kingston. Arithmogriph. 90 0—a Nag 2) Sa5— 64-c: ꝛc. Aus folgenden Ziffern sind 14 Worte zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten Flehen, einen fine chen Romanschrif fiele ergeben. 3) Des test resp. Spa, Pg2, Lköf Varlanten: 1).. Set oder 844 ziebt 2) 8b 4 Kos 3) 5 Matt 1).. Seb zieht beliebi 1. 8. 13. 14. 3. 11. 8. 6.— Einen Theil Afrika's. 2) Legt Keß 3) 804 Matt.— Eine Mattstellung, wie sie im Hauptspiel. 7 5 5 5 ee 16. 50 5 Berühmte Kartenschlägerin und Wahrsagerin. sich hier ergiebt, bel welcher die mattbietende Dame von zwei geseselten Sprungern an. 8. 2 N. 17. 6. 2. 5. 16. 18, 6. 18.— Feld herr des 30 jährigen Krieges, een eich aid n e e de ee ee Bayer in Olmültz, das andere bon Ph. Klett[Nr. 18 seiner Problemsammlun 4. 15. 19. 8.— Ein Mustkinstrument. Wenn 1 05 Nad e retten neben dem zwe zuatzen Ship ie lan enen ee* 5 5. 5 105 8.— Einen Fluß in der Schweiz. eine zwelte Pointe in der Rilckkebr des Springers nach dem Felde, welches er im ersten 0. 15. 18. 10. 16.— Ein Metall. ie 5 0 9 eganger ie einfa ne v. 1 an U U er complicirtere erz 1 75 17. N 10. 20. 8. 15. II.— Einen berühmten deutschen Komponisten. Ne. 71 klustriren beide den gleichen Gedanken, den Mackenzse dadurch wesentlich gef Adige 8. 18. 9. 8. 15. 8. 6. 11. 8.— Einen Schwimmvogel. bu 14 0 151 200 508 pe d e 15 00 8 Sahwkenglet der e 55 d 15 5 5. 50 1 ungen das Matt(durch Sp) verhindern wllrde wierigkeit der Lösun ein d 0 1.. 105 18.. 5 1 e 1 6 5 hen e Pro 155 nicht absprechen, aber sie ist auf Kosten der Salclome erreicht. 15 Lie L 99 ö l 6— Mitbegrün schweiz Eidgenossensch 980 angegeben don W. Kron in B., Br. Wehrmesster in M., P. Michaelis in Th. und 10. 15. 1. 6. 10. 7.— Ein Planet. 6 J. Hintzpeter in S. 5 9. 8. 20. 5. 15. 1. 4.— Hebräische Prophetin und Heldin. 8. 12 0 7. 1. 20, 8. 1J. 4.— Einen weiblichen Vornamen. Problem Nr. 403 von F. Hofmann in München. 11. 8. 13. 8. 15. 6. 7. 8. 8.— Einen See in Oberbayern. Dee Kdd— d5 De Lb7 oder bel. e eee 2) Dgé6 ed 805-e: 2) Dg6-er Sch e: 3) 155-7 Kd5— ch(da) 3) 8d2—b37 K da- ca:(ab) 2 0 0 ip! 4) 8d2— bf 4) Lh5-f7f. gogriph. Zleht der Springer og, so folgt Matt durch 2) Pos) Sz auf jeden andern Gegen- zug wird das schöne Drohspiel 2) Dei ze. ausgeführt. Ein feines Problem, reich an starken Ich bin ein Schmerz, nur Kindern eigen; Verführungszügen, deren Widerlegung nicht leicht ersichtlich ist. Die sehr eleganten Haupt. Doch nimmt man mir ein Zeichen ab, spiele fübren beide zu zwei völlig sauberen Mattstellungen. Der W Ein leitungs⸗ zug und die schöne einbeitliche Drohung sind keine der 8 ugsten Vorzüge der Aufgabe.— Die! So liegen wir vorlängst im Grab, Obschon wir seit dem Todesreigen Noch Titel, Glanz und Glück erzeugen. Lösung wurde angegeben von H. Michaelis in Th., W. Kron in B. und J. Hinhpeter in S. Der Verlauf des internationalen Meisterturnieres zu Nottingham ist aus der folgenden 1 eee zu ehe 2 1123456789 10 gew. Zweisilbige Charade. 20 ee ird..— 1 5 Schwebt auf rosigem Gefieder Wird die zweite Silbe sein; ee 2 0 ene 2 Duftig, hold die Erste nieder, Hier von Flüssen, dort vom Meere 2.5 Burn ½% ieee Hüllt sich leis ins Prachtgewänd Stark beschirmt, gleich einem Heere.— 5. D de 0 2 Land, 1 0 15 holden e. Gunsberg. eee Und die Lebenslüfte wehen Liegt das anmuthovolle Ganze, 8 1 F 8 beil'gen 152 6 65— Hochgethürmt, geschmückt mit Ruhm 4 Hanham.— 0. 1 l 8 1 0 5 2 1 ald mit weitgestreckten Grenzen, Schon im grauen Alterthum; 5. Po l Oro eds Die von Wohlseinsthaue glänzen, Zu der Hohenstaufen Zeiten N 22 2 1 Bald nur engbezirkt und klein Sah man Unheil es verbreiten. 6. Rynde.— 0 0 ½ 7 0— 0 0%½ 0 1½ 3 75 Schallopp. m 1 wuftesun 0 Fagogaße 0 e Sprüche— Rache— 8. Taubenhaus. 000%% 0 104 Ach;— der zweisilbigen Charade: Schafkopf;— des Rösselsprungs:. 1 N Eitles Müh'n, entflammte Kerzen n 8 8 2. 4 WA 4 1 Ruhig mit sich fortzutragen! 10. Zukertort.. 0 ½ ½ 11 10116 Sehnend wird die Flammenspitze Sich nach rückwärts überschlagen! Den ersten Preis erbielt biennach Burn aus Liverpool, den zweiten al anf d dritten und vierten theilten Gunsberg und Zukertort ohne weitern Stichkamp Eitles Müh'n, dem Vaterlande—ͤ— Deiner Liebe du entsagen! f Brieswechsel. F. S.— H. Nr 755 e Ei 2 1 Gegenzug 9 ührt. jedoch nur zu einer untergeordneten Vaxiante. Nr. 403 ist ni ur 1 8 00 W werden dich die Füße, J. N. in Wi. In der Berger schen Aufgabe sind die Ghegenzuge Lal ner% Rückwärts die Gedanken tragen! verülcksichtigen. D Drud und Derag der„Volks-Jeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Fügmh 100— Verantwortlicher Redakteur; N. elch! in Verlin, Vüdowsur. 16 105.