51 alf men 5 7 l— l Kg5 und att 1 und hel, 23 2 . A zu den Oberhessischen Machrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Ur. 14. Gießen, den 4. April. 1886. Die Stiefmutter. Roman von M. Elton. „So soll denn doch gleich das Wetter dreinschlagen, mein Herr Lindner!“ rief der alte Baron von Manners und sah mit drohenden Augen, über denen sich die weißen Augenbrauen gefährlich sträubten, einem schönen, imponirenden Manne ins Gesicht, der solchen Empfang nicht erwartet haben mochte. Seine dunkeln Augen blitzten auf, er richtete sich stramm dem alten Manne gegenüber auf. „Mir fehlt freilich das Adelsdiplom, Herr Baron,“ sagte er gereizt;„da nun Ihr Fräulein Nichte darüber hinaus zu sehen schien, da glaubte ich, auch Sie—“ „Dummes Zeug,“ fuhr der Baron wieder auf; und dann in einem Tone, der im höchsten Verdrusse fast weinerlich klang:„Ver⸗ lasse sich ein alter Mann auf seine Nichten! Das ist nun die fünfte, die mir hinweggestohlen wird. Ja freilich, immer mit der gütigen Erlaubniß dieser verdammten Mädchen, die das Onkelchen pflegen wollen bis zu seinem Ende, und die fahnenflüchtig werden, sobald nur Einer mit einem schöngewichsten Schnurrbart ihnen die Cour macht.“ „Herr Baron!“ rief Lindner in peinlicher Verlegenheit. „Was wollen Sie? Ich meine nicht Sie damit,— Sie haben keinen Schnurrbart; aber was schlimmer ist: Sie sind Wittwer, haben zwei Kinder, Zwillinge, von vierzehn Jahren, und nun sehen Sie sich das schüchterne Ding an, meine Nichte, kaum sechs Jahre älter, wie Ihre Zwillinge, wie soll die als Stiefmutter dem trotzigen Volke gegenüberstehen?“ „Meine Kinder sind gut und wohlerzogen,“ rief der Gutsbesitzer Lindner, in seinem Vatergefühl gekränkt. „Meinetwegen, das geht mich nichts an,“ sagte der Baron barsch. Nach einer Weile, während welcher er aufgeregt seine un— ruhigen Hände auf dem Schreibtisch umherschweifen ließ, fuhr er, wie zu sich selbst redend, fort:„Der Doktor, der Esel, mußte mich auch gerade hierher nach Baden-Baden schicken, und ich doppelter Esel mußte einfältig genug sein, anzunehmen, ein Wittwer sei so zu sagen kein Mann, und mußte dabei gewissermaßen noch selbst den Verkehr mit dem unglückseligen Menschen anbahnen. Wie kamen Sie dazu, meiner Nichte Albernheiten in den Kopf zu hängen?“ fuhr er den Gutsbesitzer barsch an. „Erlauben Sie mir eine andere Frage?“ erwiderte Lindner. „Sind Sie berechtigt, Fräulein von Manners zum Cölibat zu ver— dammen?“ „Nein, das bin ich nicht,“ entgegnete er prompt.„Will das Mädchen Sie heirathen, sie ist frei, zu thun, was ihr beliebt. Sie kennt unser Abkommen: bleibt sie die zwanzig Jährchen, die einem alten Haudegen, wie mir, noch beschieden sein mögen, bei mir, so beerbt sie mich; heirathet sie vor dieser Zeit, so sieht sie niemals einen rothen Pfennig von mir. Es ist zu nehmen, oder zu lassen, Herr Lindner.“ „Ich nehme, Herr Baron,“ rief Lindner mit aufleuchtendem Blick. „Ganz gut, Herr Lindner; regeln wir die Angelegenheit so— gleich. Von dem zweimonatlichen Aufenthalt hier bleiben mir noch drei Wochen, Zeit genug, Ihre Angelegenheiten zu ordnen. Meine Nichte ist Waise, kein Hinderniß ist vorhanden, das ihr in den Weg tritt, in drei Wochen Ihre Frau zu sein. Ich könnte in meiner Einsamkeit auf dem entlegenen Gute in Ostpreußen nicht gut das Liebesgedusel mit ansehen, deshalb machen wir die Sache kurz hier ab. Sie kennen mich und meine Ansicht über das Stückchen veraltete Sentimentalität, das sich auf die sogenannte Liebe über⸗ tragen hat. Vor fünfzig Jahren war es die Freundschaft, die ganz ins Wässerige gezogen wurde. Die Haarschwänze, wie der Klop— stock und die Andern, die lagen sich in den Armen und duselten und schluchzten vor lauter Freundschaftsseligkeit. Herr Gott, wo blieben da die Mänuer? Da mußte das Wetter dreinschlagen und die große Revolution mußte die Heuler an den Ohren kriegen. Ich bin in der harten Kriegszucht groß geworden und bin, Gott sei Dank! gesund aufgewachsen. Nichts von Ueberschwänglichkeit und Gewinsel in meiner Nähe! Heirathen Sie,— gut; aber sogleich und dann ins praktische prosaische Leben hinein.“ Lindner stürmte aus dem Zimmer des Obersten; er fühlte sich, als sei der erste Rausch eines unendlichen Glückes über ihn ge— gekommen,— das schönste, lieblichste Wesen war sein, in wenigen Wochen sein für's Leben. Es war zu viel des Glückes, seit gestern die Gewißheit, daß sie ihn liebe, heute ihm kurz und bündig zu⸗ gesagt. Er eilte in den Hausgarten der Privatwohnung, die der Baron mit seiner Nichte bezogen und sah die holde Lichtgestalt, wie sie sinnend vor einem Beet duftender Rosen verweilte. Bei seinen annähernden Schritten erbebte die hohe edle Gestalt und ihr feines Gesicht erblich zur Weiße des Alabasters. Es war Alles so schnell gekommen, erst seit einigen Tagen war sie sich klar, daß sie den Mann mit den schönen ernsten Zügen, mit seinem gütigen, Vertrauen erweckenden Wesen liebe, ganz ernstlich liebe und erst seit gestern wußte sie, hatte er es, wie zufällig auf dem Spaziergang nach dem alten Schloß, wohin die Drei täglich ihre Schritte richteten, erwähnt, daß er Wittwer sei und zwei schon heranwachsende Kinder besitze. Der achtunddreißigjährige Mann war ihr jung erschienen, seine so deutlich durchschimmernde Bewunderung für das reizende Mädchen hatte sich ihr in dem ganzen Zauber einer ersten Liebe offenbart. Und wenige Stunden nachher war es gewesen, als der Baron mit einem alten Bekannten den Weg fortsetzte, Lindner von einer Ruine geschützt, Julia's Hand faßte und ihr ein feuriges Geständniß seiner Liebe machte. Zitternd und erröthend gab sie ihm die Erlaubniß, bei dem Onkel die weiteren Schritte zu thun. Sie hörte ihn näher kommen, sie wußte, daß ihr Schicksal nun entschieden war; ein ernstliches Hinderniß von Seiten des Onkels war kaum zu erwarten. 8 ieee F e 1 8 N 8 7 9 9 0 ie f e „Julia, theuere einzige Julia“, flüsterte Lindners bewegte Stimme neben ihr. Ein Blick, in dem eine ganze junge hingebende Seele lag, suchte des Gutsbesitzers Auge und das schöne Mädchen lag bebend, erröthend an seiner Brust. Die Spaziergänge nach dem alten Schloß wurden fortgesetzt; in des Obersten strammer strenger Gegenwart wurde kein Laut, kein Zeichen offenbar, daß es nun ein Brautpaar war, das ihn begleitete; seine suchenden Augen beobachteten jetzt erst die Liebenden mit un⸗ erbittlicher Wachsamkeit unter den buschigen Augenbrauen hervor. Kaum ein verstohlener Blick konnte hin und wieder ausgetauscht werden. So rückte der Hochzeitstag eiligst näher. Die übereilte Erfüllung der Wünsche wirkte verwirrend auf das Brautpaar. Julia sollte nicht mehr auf den Landsitz ihres Onkels zurückkehren, Alles ihr prompt zugeschickt werden— das schien ihr so sonderbar, ja drückend allen den Menschen gegenüber, in deren stiller Mitte sie aufgewachsen war. Was sollten die Leute von dem Gutsfräulein denken, das auf eine kurze Reise gegangen war, um nie mehr wiederzukehren. Auch Lindner fühlte sich in einer sonderbaren Situation. Seit zehn Jahren war seine Ehe durch den Tod seiner Frau gelöst. Der kurze Ehestand war dem jungen Manne schwer und bitter ge⸗ worden, nicht allein durch die Vereinigung mit einer Frau, die immer nur ein verwöhntes eigensinniges Kind geblieben, sondern mehr noch durch die immerwährende Kränklichkeit seiner Frau, die ihm das einsame Leben auf dem Gute sauer machte. Ihr Tod brachte ihm Erlösung aus einer Ehe, die nie, trotz seines besten Willens, den richtigen Ton gefunden hätte. Nun lebte er seit zehn Jahren einsam, mit der sorgfältigen Ueberwachung seiner beiden Kinder beschäftigt, und ihnen mit ganzer Zärtlichkeit zugethan. Der Knabe war etwas scheu und zurückhaltend; aber die Tochter, seine liebenswürdige Adeline, die im Sturm jedes Menschen Zuneigung eroberte, riß auch den mürrischen Bruder aus seiner Zurückhaltung und hatte dem Vater das Heim fröhlich und behaglich gemacht. Der Gutsbesitzer war zu jung, um das einförmige Leben für die Dauer ertragen zu können; seine Gesundheit litt darunter und eine Nervenüberreizung, deren Ursache er sich schlechterdings nicht erklären konnte, machte ihn krank und elend. Der Arzt rieth zu einem Aufenthalt in einer größern Stadt, und Lindner wählte Baden⸗ Baden. Baron von Manners lernte ihn schon in den ersten Tagen kennen und machte lange weite Spaziergänge in Lindner's Ge— sellschaft. Das schöne blonde Mädchen, das immer an der Seite des Barons gesehen wurde, scheute zu Lindner's Staunen die weitesten Fußtouren nicht. „Aber das gnädige Fräulein,“ erinnerte Lindner anfangs un⸗ gläubig und erstaunt den Obersten, wenn der Oberst nach stunden⸗ langem Marsche die unmöglichsten Wege einschlug. „Ach, was da!“ antwortete der alte Soldat,„es stände anders in der Welt, wenn das weibliche Geschlecht von alten Soldaten er— zogen würde, statt von weinerlichen einfältigen Müttern; Julia weiß nicht, was Ermüdung ist.“ Ihr feines zartes Gesicht lächelte so fröhlich und ihr kleiner schlanker Fuß schwebte so sicher über die Schwierigkeiten eines Weges und die edle Gestalt bewegte sich so leicht und elastisch nach einem stundenlangen Marsch, daß Lindner, im höchsten Grade ermüdet, die Nichte des alten Soldaten anstaunte. Sie war doch so zart und weiß, jeder Eindruck brachte das frische blühende Blut in ihrem lieben Angesicht in Bewegung, sie erröthete fast bei jeder Anrede. Die junge schüchterne Baronesse mit dem klaren reinen Blick aus den schönsten blauen Augen machte dem Gutsbesitzer einen über⸗ wältigenden Eindruck. Der alte Oberst war ein herzloser Egoist, der auf eine empörende Weise auf die Gesundheit des edeln Kindes sündigte. Er wollte täglich seinem Unwillen Luft machen; aber mit dem alten Manne war nicht zu spaßen und er hätte sich um die Welt nicht mit ihm verfeinden mögen. „Das gnädige Fräulein hat die Stimme heute ganz belegt, Herr Baron“, wagte Lindner einmal zu sagen. „Julia's Stimme muß geschult werden; ich schlafe vor zwei oder drei Uhr nicht ein, sie wird mir nun Nachts eine Stunde länger vorlesen“, antwortete der Oberst sehr kaltblütig und Julia nickte, ganz einverstanden, ihrem Onkel zu. „Er wird das zarte himmlische Mädchen tödten“, dachte Lindner außer sich und ballte grimmig die Hände. Er versuchte einmal, es Julia klar zu machen, daß ihr Onkel und sie ihm die krassesten Gegensätze böten, wie er sie nie frap⸗ pirender im Leben gesehen: die äußerste Selbstsucht neben der äußersten Selbstlosigkeit. Die großen blauen Augen sahen kindlich ahnungslos zu ihm auf.„Wie sind Sie im Irrthum, Herr Lindner“, antwortete sie und strich langsam die hellblonden Locken aus der weißen Stirn;„wenn Sie näher mit uns bekannt wären, würden Sie einsehen, wie wenig wahr das Eine und das Andere ist.“— Lindner fühlte sich nach wenigen Wochen jung, wie er sich nie vorher gefühlt. Ein heftiger Kampf begann; er liebte die reizende Baronesse mit einer ersten Leidenschaft und er war Wittwer! Sein Sohn, seine Tochter, besonders sie, sein verwöhnter Liebling, wie sollten sie sich an den Gedanken gewöhnen, eine jugendliche Stief mutter in dem Heim zu sehen, in dem sie sich zu Gebietern gemacht hatten? Und Sie, die junge Dame von hoher Schönheit und vor⸗ nehmer Geburt, wie würde sie das Geständniß der wahren Sach⸗ lage aufnehmen. Würde nicht die Zuneigung, die sich täglich sicht⸗ bar wie eine zarte Knospe für ihn entwickelte, wie vom Frost ge⸗ troffen plötzlich erstarren? Es mußte endlich sein; er wagte es, von seinen Kindern zu sprechen und er sah, wie eine feine Röthe plötz⸗ lich ihr Gesicht bedeckte und wie sie kurz darauf ängstlich nach ihm hinsah mit dem zaghaft fragenden Blick, ob der Mann, den sie ganz in jugendlicher Begeisterung dem einen Gefühl hingegeben sah, nun noch derselbe war, dessen erster Liebesfrühling schon längst ver⸗ blüht war. Als er so jung, in fast schüchterner Erregung vor ihr stand und um ihre Einwilligung flehte, da war Alles vergessen, sie sah nur den Mann, dem sie ganz ihr junges Herz zugewendet. Der Hochzeitstag war da. Der Oberst führte stramm mit allen seinen Orden geschmückt, dem Bräutigam die Braut zu und verschloß sich nach einem kurzen barschen Abschied alsobald nach der Trauung in seinen Zimmern. So militärisch auch Julia von Manners erzogen sein mochte, dieser drastische Abschluß ihrer Ver⸗ gangenheit, dieses Einstürzen ihrer Welt, rief eine Art Bestürzung bei ihr hervor und mit lautem Weinen fiel sie an die Brust des treuen Mannes, der ihr nun Heimat, Beschützer und Alles auf der Welt sein sollte. Sie ruhte in seinem Arm, als der Wagen sie davon trug; ihr schönes blondes Haupt ruhte fest und sicher an Lindner's Brust und ihre Augen weinten nicht mehr. „Ich habe nur Dich, meine Welt, mein Alles,“ flüsterte sie. „Gut ist er ja immer gewesen, der alte Onkel; aber Dir kann ich es ja nun sagen, was man so eigentlich Heimath nennt, das habe ich nie bei ihm gefunden. Ich denke mir es so himmlisch schön, ein Heim zu haben, wo man geliebt ist.“— Sie sah mit der ihr eigenen weichen Innigkeit zu ihrem Gatten auf und er drückte sie fester an sein Herz. ö „Mögest Du Dich wohl fühlen in Deinem neuen Heim, geliebte Julia“, sagte Lindner zärtlich. Um nun auf der kurzen Hochzeits- reise gewissermaßen wieder gut zu machen, was er sich schon im Stillen vorgeworfen, fügte er hinzu:„Wie wollen wir Dich lieben, meine Kinder und ich. Du wirst Freude an ihnen haben, dessen bin ich gewiß. Georg ist ein guter ehrlicher Junge, aber man muß sich die Mühe geben, ihn in seinen Freundschaftsäußerungen ein wenig zu ermuntern. Neben seiner Schwester Adeline erscheint er freilich etwas traurig, etwas von Mutter Natur verkürzt; aber Adeline ist auch wie ein überreicher Frühling, der mit vollen Händen nach allen Seiten ein Uebermaß von Freude und Herzensgüte ausstreut.“ Die Augen der jungen Frau drückten etwas wie Verwirrung, wie Verlegenheit aus, als sie dem begeisterten Blicke des Vaters begegneten.„Ich werde trachten, daß sie auch mich ein bischen lieb gewinnt“, sagte sie leise und unterdrückte einen Seufzer. Ein Chaos von unverstandenen Gefühlen bemächtigte sich ihrer; sie versuchte die Lage der Dinge fest in's Auge zu fassen und mit Lindner eingehend über seine Kinder zu reden; sie vermochte es noch nicht, die Situation war ihr zu neu. Die wenigen Wochen in der Schweiz wurden ihr jedoch zum ganzen völligen Liebesfrühling; sie vergaß, daß sie nicht ganz und ausschließlich des geliebten Mannes Herz besitzen konnte, sie vergaß, daß ältere Rechte existirten, er gehörte ihr in der völligen Hingabe ihres ganzen Wesens. Der Wagen war vom Gute Mandsfelt zu der einige Stunden entfernten Station geschickt worden und das Paar näherte sich mit den verschiedensten Empfindungen der Heimath. Der Gutsbesitzer war freudig aufgeregt, reckte und streckte den Kopf nach allen Seiten, eee eee e e e eee eee ee an e * eee 107 FFF es interessirte ihn Alles nach der langen Abwesenheit und dabei fühlte er ein gewisses Mißbehagen bei dem Gedanken, wie wohl der erste Eindruck sein möge, den die jugendliche Stiefmutter auf Adeline machen werde. Und sie erröthete und erbleichte an seiner Seite, sie zitterte und bebte vor dem Eintritt in das neue Heim. D Die guten theuern Kinder!“ rief der Gutsbesitzer gerührt, als er des Thores zum Eingang in den Hof ansichtig wurde. Kränze von Laub und Blumen bildeten hohe Bogen, unter denen das Paar hindurch fuhr und sich der breiten Treppe zum Eingang in das große massive Wohngebäude näherte. Auf dieser Treppe stand ein junges zierliches Mädchen mit lang herabfallendem dunklen Haar im weißen Kleide und ein junger Mensch, der sie um einen Kopf über⸗ ragte, suchte sich linkisch und verlegen hinter das kurze weiße Kleid— chen zu verbergen. Lindner stieg zuerst aus und ehe er Zeit fand, seiner jungen Frau aus dem Wagen zu helfen, hatte sich das zier— liche Mädchen an seine Brust geworfen. „Du liebes theures Kind“, flüsterte er, sie herzlich küssend, „und Du, Georg, guten Tag, mein Sohn; komme nur herunter und umarme Deine Mama!“ Adeline warf einen überraschten Blick auf die jugendliche elegante Erscheinung, die eben leicht den Wagen verließ. Sie stand einen Augenblick wie geblendet und reichte dann anmuthig lächelnd der neuen Mama den frischen Mund zum Kusse hin. Auch Georg war in linkischer Verwirrung herangekommen und reichte Hand und Gesicht zu dem lieblichen Angesicht, dessen Augen sich mit Thränen füllten. Sie wollte sprechen, etwas Gutes und Herzliches zu den Kindern sagen; aber sie fühlte sich dem nied— lichen Mädchen gegenüber, dessen zierliche Gestalt schon fast ganz ausgebildet war und dessen sonderbare, leidenschaftliche Augen sie zu durchdringen schienen, so gehemmt, so wenig befugt, die Würde einer Mama ihr gegenüber geltend zu machen, daß ihr das Wort auf den bebenden Lippen verstummte. „Ich werde Mama in ihr Boudoir führen, nicht wahr, Papa; sie wird der Ruhe bedürfen nach der langen Reise!“ sagte Adeline und nahm lächelnd den Arm der jungen Frau. Der Gutsbesitzer lachte und versetzte mit Wohlgefallen:„Siehe nur das kleine Hausmütterchen; sie thut, als sei die Mama hierher zu uns zu Besuch gekommen; nun, es wird sich schon Alles finden, ich denke auch, Du wirst ein wenig Ruhe nöthig haben, liebe Julia.“ Des Gutsbesitzers erster Gang war in den großen wohlgepflegten Hausgarten, seine beiden Kinder gingen mit ihm. „Nun, wie gefällt Dir die neue Mama, mein lieber Georg?“ fragte er fröhlich und zog den Jungen zu sich heran. „Wie soll sie mir gefallen?“ antwortete er,„ich glaube, ich habe sie gar nicht angeguckt.“ Adeline kam mit eiligen Schritten herbei und sagte laut lachend: „O, der dumme Junge! er hat nicht gewagt, sie anzublicken. Sie ist wunderschön, Papa; eigentlich so schön, daß Du uns in Deinen Briefen etwas darüber hättest sagen müssen.“ „Ich schrieb Euch nur, daß sie gut wie ein Engel sei“, ent— gegnete Lindner,„wir werden recht glücklich zusammen sein, nicht wahr, meine guten Kinder!“ „Gewiß werden wir das, wir haben uns sehr auf die neue Mama gefreut; ich ärgere mich nur über Georg, daß er gerade heute so dumm und so linkisch sein mußte“, erwiderte Adeline. „Ich wußte ja, daß ich in Dir, meine Adeline, immer meine treueste Verbündete finden würde. Vertrauen in die Einsicht Eures Vaters, das ist's, was ich von Euerm Alter zu erwarten hoffte und das ich mit Freude, wie immer, finde. Die unberechenbar wohl— thätigen Folgen eines Schrittes, der Euch einigermaßen überrascht haben mag, werden Euch für Euer späteres Leben zu gute kommen; denn wie sollte der Einfluß von so viel Herzensgüte und einer so erstaunlichen Selbstlosigkeit nicht Nachahmung und Bewunderung finden?“ „Wir versprechen zu bewundern und nachzuahmen unserm Herrn Papa; komme Georg, neben mich auf die Kniee“, sagte Adeline und bewegte in komischer Nachahmung einer Ablegung eines Gelübdes die Augen und faltete eifrig die Hände. „Gehe nur, Du kleine Hexe“, rief Lindner lachend,„mit Dir ist kein rechtes Wort zu sprechen.“ Julia fühlte sich einsam im Boudoir, durch dessen dunkelrothe Vorhänge sich kaum ein Sonnenstrahl stahl. Sie schlug ein Buch auf, das mit anderen auf einem Lesetisch lag; es waren Lenau's Gedichte. Ihr Blick fiel auf das Gedicht:„Stille Sicherheit.“ Der letzte Vers war mit Rothstift angestrichen: 5 Sagen darf ich Dir allein, Daß mein Herz ist ewig, ewig Dein!“ „Meiner geliebten Braut, Adelina Hermann“, stand vorn von Lindner's Hand geschrieben. Julia legte schnell das Buch bei Seite, es fuhr ihr wie ein eisiger Hauch über den bebenden Körper. Hatte Lindner die Strophe angestrichen, war es die Hand der todten Frau? Seine und ihre Kinder, an denen sein ganzes Herz hing, nahmen ihn wie ihr Eigenthum in Empfang bei seiner Ankunft, die ver— storbene Frau hauchte ihr eine eisige Kälte aus dem Boudoir entgegen, das ihr Eigenthum gewesen, das für sie, die geliebte Braut ein— gerichtet worden war. Der Kontrast zwischen den phantastischen Träumen, die ihrer erwachenden Jugend einen so süßen Reiz auf dem einsamen Rittergut ihres Onkels gegeben und der so plötzlich über sie hereinbrechenden Wirklichkeit erschütterte sie so gewaltig, daß sich ihre Brust schmerzlich hob und sie in ein heftiges Weinen aus⸗ brach. Sie liebte den Mann ihrer Wahl mit jedem Gedanken, mit jedem Blutstropfen in ihr; das junge Wesen, dem nie Zärt⸗ lichkeit geworden war, hatte die Schätze ihres überreichen Herzens dem Manne entgegen gebracht, der in jugendlicher Liebeswerbung ihr vom ersten Tage an so liebenswerth erschienen war. Und als sie sich ausgeweint,, da erschien sie sich plötzlich abscheulich und hassenswerth. Diese arme Mutter, die den geliebten Mann und ihre kleinen Kinder so früh verlassen mußte; ihr wurden nun ihre ehemaligen Rechte von einer Fremden mißgönnt, von einem jungen Wesen, das nie das Geringste gethan, sich die dankbare Liebe des geliebten Mannes zu erwerben. Alles Gute in Julia erwachte plötzlich, sie legte fest die feine bebende Hand auf den so erschreckt hingeworfenen Lenau und sprach langsam und feierlich:„Arme Mutter, wenn ich Deinen Kindern auch nicht Mutter im eigentlichen Sinne des Wortes sein kann— denn dazu bin ich zu jung und zu unerfahren, so will ich immer so gegen sie sein, daß Du zu— frieden mit mir sein sollst.“ Als der Gutsbesitzer kam, seine Frau zum Mittagessen zu holen, ging sie ihm mit leuchtenden Augen entgegen. Mit wohlwollendem Blicke und einem freundlichen Lächeln sah sie, wie Adeline die vor— sorgliche Hausfrau spielte, wie sie dem aufwartenden Madchen sehr bestimmte Weisungen gab. Nach dem Mittagessen steckte Lindner den Arm seiner jungen Frau unter seinen Arm.„Nun zur Be⸗ sichtigung Deiner neuen Heimat, liebe Julia“, sagte er fröhlich. Noch ehe sie das Haus verließen, legte sich Adelinen's kleine Hand auf den Arm ihres Vaters und sie sah ihn neckisch an, als ob er denn vergessen könnte, daß der linke Arm dem Töchterchen gehöre. Julia hatte es sich anders gedacht, dieses erste Umfassen ihres wirk— lichen Heim, dieses erste Einführen in das Paradies, das ihr Lindner so schön geschildert. Es war auch schön und reizend. Die September⸗ sonne schien so warm auf die üppige Vegetation, daß dieses Kind des nördlichen Deutschland freudig den Blumenflor und den Reich— thum an edlen Früchten begrüßte. Es verging ein Tag nach dem andern, eine Woche, und Julia konnte nicht anders, wie sich als Besuch in Mandsfelt fühlen; die kleine Gestalt Adelinens wirthschaftete und theilte Befehle aus von früh Morgens bis Abends spät. „Ich möchte mich mit Adeline in die Arbeit theilen,“ sagte Julia eines Tages schüchtern zu ihrem Gatten. „Das ist ja kaum der Mühe werth, liebe Julia; die Köchin und das Hausmädchen sind ja da, und die kleinen Beschäftigungen liebt sie und besorgt sie von Jugend anf! Lasse sie nur, es geht ihr Alles so leicht ab.“ „Ich bin aber an Beschäftigung gewöhnt, Eduard,“ sagte sie traurig. „Werde doch nur erst warm hier; im Herbste kommen die Ar— beiten schon von selbst,“ entgegnete er, und strich ihr liebkosend über das herrliche blonde Haar. „Die beiden Kinder sind ohne Unterricht; der Onkel wollte, daß ich mein Staatsexamen bestand,— ich könnte vielleicht Georg's und Adelinens Studien noch eine Zeit lang leiten,“ versetzte sie zögernd mit holdem Erröthen. „Es sind Ferien jetzt, liebe Julia, freilich schon seit Frühjahr; wir haben kein rechtes Glück mit den Hauslehrern. Ich dachte, Du solltest Dich den Winter über so recht innig mit den Kindern befreunden; aber ohne, daß Du ihnen Unterricht giebst, denn das 11 8 108 *—** Re. 1 A 5 2 * 8 a 9 9 wäre nicht der rechte Weg, und im Frühjahr sehen wir uns wieder nach einem Hauslehrer um,“ antwortete Lindner. Am Nachmittag fuhr er mit seiner jungen Frau zu einem Be— such auf ein benachbartes Gut. Sie war fröhlich und glücklich wie ein Kind; sie machte sich nicht klar darüber, daß sie sich frei und leicht fühlte; die verzehrenden leidenschaftlichen Augen des kleinen Mädchen wanderten heute nicht ruhelos vom Vater auf die junge Mama. Es war eine ältere Dame, die mit ihren Söhnen das schloßähnliche Gebäude des Gutes bewohnte, andere jüngere Söhne waren noch Kinder. Das Besitzthum lag fast ganz von Wald umgeben und zeigte etwas Ernstes, ja Düsteres. Die Dame war eine vor⸗ nehme Erscheinung, in tiefe Trauer gehüllt, die sie seit dem Tode ihres Mannes, eines Herrn van Mossel, der vier Jahre vorher ge— storben war, noch nicht abgelegt hatte. Sie empfing die junge 8 1. e 6 0 9 i f g 15 Eine Partie Sechsundsechzig. Frau mit Herzlichkeit und ging alsobald in eine eingehende Unter— haltung über, da sie Lindner ganz genau kannte.„Da hat Sie Ihr guter Stern nach Baden-Baden geführt, lieber Nachbar, hier wäre es doch nie und nimmer zu einem Entschluß gekommen,“ sagte sie und betrachtete mit Wohlgefallen die junge Frau.„Sie müssen es schon gemerkt haben, wie sehr der Nachbar seine Kinder verwöhnt hat, besonders die Adeline; und es ist ein Glück, daß ihr nun die Stelle angewiesen werden muß, die ihr gebührt. Es ist wahrhaft schade um das Mädchen, daß sie die Gewohnheit hat, sich um Alles zu kümmern und in Alles hinein zu reden. Solche schnippische Kinder werden unausstehlich. Nehmen Sie nur mit kräftiger Hand dem Kinde das Regiment ab, liebe junge Frau; später wird es unmöglich sein.“ Julia erröthete und warf einen ängstlichen Blick auf Lindner. Dieser aber schien an derartige Erörterungen gewöhnt und lächelte nur wohlgefällig, als er erwiderte:„Ueber diesen Punkt sollen wir eigentlich nicht mehr streiten, gnädige Frau. Meine. Adelinezist das geborene vorsorgliche Hausmütterchen und wird, meiner Ansicht nach, einmal das Glück ihres Gatten werden, und damit(hätte sie ja ihren Beruf erfüllt.“ Frau van Mossel schüttelte mißbilligend den Kopf und ging plötzlich auf ein anderes Gesprächsthema über. Als sie nach Hause kamen, war das niedliche Mädchen ganz außer sich, daß der Papa den Ueberzieher nicht mitgenommen. „Du wirst Dich erkältet haben, Du lieber, böser Papa, ich werde die Nacht aus Furcht kein Auge schließen.“ Sie brachte ihm ge⸗ schäftig einen heißen Grog und überwachte ihn bei Tische, wie sie immer zu thun pflegte. Sie saß neben ihm, legte ihm vor und kam allen seinen Wünschen zuvor. Abends, als die junge Frau allein war, legte es sich wieder schwer auf ihr Herz. Es war so,tisie nahm hier nicht die Stelle ein, die ihr gebührte. Adeline war sehr artig und aufmerksam gegen die junge Stiefmutter, Herzlichkeit konnte sie nach den wenigen Wochen nicht beanspruchen. Ihrem Gatten war es ja wohl; die Zärtlichkeit seines Kindes, die nie ermüdende Aufmerksamkeit der Tochter gehörten sichtlich zu seinem Behagen. Frau van Mossel hatte den Finger auf die wunde Stelle in Julia's innerem Leben gelegt. Was konnte sie thun, ihren Platz zu erringen? Durfte sie mit Lindner darüber sprechen, und that sie ihm nicht wehe, wenn sie darüber sprach? Es vergingen Wochen, Monate, Julia wartete geduldig; da trat ein Ereigniß ein, das plötzlich die Stellung der jungen Frau im Hause zu sichern schien.— (Fortsetzung folgt.) Nuf den Wa ße; Novelle von Konrad Telmann. Es ist eine andere Welt. Sehnsüchtig liegt jetzt im Norden der Herbst über den gelben Stoppelfeldern und traumumfangen schüttelt am Waldessaum die schlanke Buche ihre ersten, braunen Blätter auf den brombeerüberrankten Rasenwall nieder. Die Winde haben ihr Lied ausgesummt. Es ist eine Ruhe und ein Frieden 0 Altdeutsches Edelfräulein. de rden. i Originalzeichnung von Alexander Glerymski, nen nine 9 en 1 N Jͤĩò 3. 5 e 5 5 127%%%EEKETC ⁵˙ UXà——ͤ—ü— Ä 110 in der Weite, die nichts durchbricht, als hin und wieder der Schrei des Hähers aus der entblätterten Eichenkrone. Durch die stillen Lüfte flattert weißes Mariengarn und legt sich schimmernd um die Büsche am Ufer des Baches, in denen ein letzter müder Falter wie schattenhaft um eine verspätete Blüthe taumelt. Es geht ein Hauch unbeschreibbarer Schwermuth durch die Natur.— Wie anders hier! Gleich kristallener Riesenglocke spannt sich der wolkenlose Azur mit den klaren, scharfen Linien des Horizonts über der Landschaft, die alle Fülle ihres Zaubers noch einmal zu vereinigen sucht und nie in lachenderem Schmuck dem staunenden Auge entgegentrat, als nun, da es dem Winter zugeht. Wie eine holde Lügnerin, die jede Ahnung ihrer Vergänglichkeit zu bannen sucht, birgt sie das tödt⸗ liche Geheimniß unter glänzendem Gewand. Wenn nicht der Abend früher als bisher hereindunkelte und auch hier ein matter, gelber Schimmer, gleich flüchtigem Gold, in dem Dunkel der Baumkronen auftauchte, wäre man versucht, an einen Frühling zu glauben. Nie stand das Goldauge der Sonne gleißender am klarvertkeften Firma⸗ ment, nie ragten die Bergzacken schroffer und nebelfreier in die flimmernde Luft. Es ist wie ein frischer Lenzhauch, der durch die lachende Welt geht.. Gedanken ähnlicher Art mochten es sein, die dem jungen Manne durch die träumende Stirn gingen, der, in die Polster einer zier⸗ lichen Barke bequem hingestreckt, sich über die glatte Spiegelfläche des Luganer Sees rudern ließ und dessen Augen die üppigen Ge⸗ lände überflogen, die sich an den Hängen der reizvoll geschwungenen Berglinien breiteten. Er hatte dem krausköpfigen Ruderer die Stelle gedeutet, an welcher er landen wollte, und zugleich die Weisung ertheilt, sich nicht anzustrengen, sondern den Kahn ruhig fortgleiten zu lassen. Dem hübschen braunen Gesellen im gestreiften Matrosen⸗ anzug konnte kein Befehl willkommener sein. Er rührte die Ruder⸗ stangen nur leise, daß das kleine Fahrzeug lautlos über die stillen Wasser rauschte, und trällerte während der mühelosen Arbeit ein paar Melodien keck zwischen den Lippen. Der Insasse der Barke gab nicht Acht auf ihn, sondern blickte, in Gedanken versunken, um sich und schien die Tropfen zu zählen, die vom Ruder leise nieder⸗ sanken, wenn es aus dem Wasser herauftauchte. Sie waren von dem baumbepflanzten Quai der Stadt abgefahren, um in fast gerader Linie die Seefläche zu durchschneiden, und näherten sich nun lang⸗ sam der Felsecke, von der sich die westliche Bucht zwischen den Berg⸗ wänden hinzieht. Aus dem Grün von Kastanien, Maulbeer- und Feigenbäumen tauchten dort die sauberen Häuser eines Dorfs empor, dessen Kirche sich, eypressenumschattet, von mäßiger Anhöhe in der blauen Fluth spiegelte. „Haltet Euch mehr links,“ sagte der junge Mann, plötzlich auf— fahrend, in italienischer Sprache,„ich will dort bei der Kastanie aussteigen.“ Der Gondolier brachte die Barke mit einem kräftigeren Ruderschlage in die gedeutete Richtung, und ein eigenthümlich ver⸗ ständnißvolles Lächeln flog ihm dabei über die Lippen.„Soll ich auf Sie warten, Signor?“ fragte er, den Kahn leise an das Ufer treibend. Der junge Mann nickte. Er sah flüchtig nach der Sonne, die bereits tief im Westen stand und bald hinter den Bergkuppen verschwinden mußte, dann sagte er:„In einer halben Stunde bin ich wieder hier, haltet Euch bereit.“ Gewandt sprang er, noch ehe die Barke sich neben das Ufer gelegt hatte, an's Land und schlug den Fahrweg ein, der um den Fuß des Berges herumführte und in das Dorf einmündete. Er ging langsam, schlenkerte mit dem feinen Spazierstock, den er in der Hand trug, pfiff zwischen den Zähnen und blieb hin und wieder stehen, um über die blauen Fluthen zu den Bergwänden hinaufzublicken. Das Dorf, das er dann durchwanderte, lag still und friedlich in der Abendsonne. Auf der Straße spielten ein paar barfüßige Buben, und auf den Stein— bänken vor den Häusern saßen rauchende Männer und strickende Frauen. So lange er an den Häusern vorüberging, hatten sich die Schritte des jungen Mannes unwillkürlich beschleunigt, als ob er fürchtete, von irgend Einem aus den plaudernden Gruppen angesprochen zu werden, jetzt, wo sich hinter dem Dorf die weiten Maisfelder aus⸗ breiteten, und die Weinberge mit strotzenden, goldgelben Trauben an den Hängen hinaufkletterten, ging er wieder langsamer und blieb endlich an dem knorrigen Stamm einer uralten Kastanie stehn, die ihre Stachelfrüchte, nach denen Niemand zu fragen schien, weit um sich her geschüttet hatte. Dort hatte der See eine kleine Ein⸗ buchtung in das Land gebildet, welche die größtentheils die Fischerei Laubgewinde zurück. Ueber die frischen Lippen des jungen Mannes einen flüchtigen Blick rückwärts, der ihn davon überzeugte, daß vorgegangen, daß ihr Anblick gemuthete, wie der einer Gartenblume, betreibende Bevölkerung des Dorfes zu einem willkommenen Hafen für ihre schwerfällig gebauten Kähne benutzte, die in mehreren Reihen dicht nebeneinander liegend das Wasser bedeckten. Sie mochten vor Kurzem vom Zuge heimgekommen sein, denn sie schaukelten noch leise gegeneinander an ihren eisernen Ketten, und rings umher war Niemand zu sehen. An der andern Ecke des kleinen Hafens, gerade der Kastanie gegenüber, an welche der junge Mann sich gelehnt hatte, senkte eine Trauerweide, wie sie die Ufer des Luganer See's hie und da schmücken, ihre tiefherabhängenden Zweige in die spiegel- helle Fluth. b 835 Es war von dem Platze an der Kastanie, zumal die Sonne gerade dort herüberblendete, unmöglich zu unterscheiden, ob sich drüben unter dem Laubdach der Weide ein menschliches Wesen befand, um so weniger, als nichts sich dort regte, aber der junge Mann mußte seiner Sache sehr gewiß sein, denn er legte nur einen Augenblick die Hand schattend über die Augen, dann rief er mit heller, wohl⸗ klingender Stimme:„Alba—“ Nun regte sich's plötzlich drüben. Zwischen dem grünen Blättergerank wurde ein dunkel umrahmter Mädchenkopf sichtbar, und eine metallreine Stimme erwiderte auf den Anruf:„Komm—“ Dann tauchte der Kopf wieder in das flog ein Lächeln, es wäre schwer zu sagen gewesen, ob es Zufriedenheit oder nur Stolz ausdrückte, jedenfalls stand es dem frischen, kecken Antlitz mit dem in's Röthliche schimmernden, blonden Knebelbart und dem leichtgelockten, lichtbraunen Haar, auf dem ein elegantes, hellgraues Hütchen balancirte, vortrefflich. Er schlenderte, ohne sich sonderlich zu beeilen, den Weg um die Bucht herum, warf dann Niemand in der Nähe sei und trat nun auf die Weide zu, um, ein paar Zweige auseinanderbiegend, hineinzuschauen. An dem Stamm auf einer natürlichen Rasenbank saß ein Mädchen in der einfachen, aber saubern Kleidung der Gegend, das die beiden, nur bis zum Ellenbogen von den weißen Hemdärmeln bedeckten Arme über dem Busen verschränkt hatte und mit einem Ausdruck vor sich hinblickte, der deutlich genug erkennen ließ, wie mühsam es die Spannung, mit der es dem Nahenden entgegensah, zu unter- drücken versuchte. Ihr Antlitz war nicht eigentlich schön, dazu fehlte ihm vor Allem die Regelmäßigkeit, aber es war eigenartig und von unmittelbar fesselnder Anmuth. Das bläulich schimmernde, schwarze Haar überwallte eine feingebaute, weiße Stirn, unter der zwei wundersame, grauschwarze Augen herausschauten. Wundersam; denn es war etwas darin, was anziehen und zugleich abstoßen konnte, ein Ausdruck, der wechselnd bald wie innige Lebensfreude, bald wie sinnende Schwermuth und dazwischen doch auch wieder wie umheimlich auflodernde Leidenschaft sich deuten ließ. Das Eigenthümliche, das hauchgleich über der zarten Mädchengestalt lag, stimmte so wenig zu ihrer Umgebung, aus der sie offenbar her⸗ die man plötzlich einmal, wo man sie am wenigsten erwartet, am öden Feldrain aufsproßen sieht, wohin ein launischer Zufall ihren windvertragenen Samen gelegt. Der junge Mann hatte, als das Mädchen nicht zu ihm aufsah, die Aeste vollends zurückgebogen und war neben sie hingetreten. Auch jetzt noch regte sie sich nicht, aber wie sein Blick forschend auf ihr ruhte, sprang sie plötzlich auf, schlang ihre beiden Arme um seinen Nacken und barg ihr erglühendes Antlitz an seiner Brust. Er fuhr ihr spielend, wie einem Kinde, mit der Hand durch das seidenweiche Haar und küßte ihre Stirn.„Wie wunderlich Du heute wieder bist, Alba“, sagte er dann mit leichtem Unmuth. Ihre Arme ließen ihn frei und sich zurückbiegend und ihm traurig in die Augen sehend, erwiderte sie:„Du kommst jeden Tag später, Joseph!“ Er blickte sich lächelnd nach der Sonne um, die ihre letzten Strahlen, wie flüssiges Gold, durch die Baumzweige gleiten ließ.“ „Es ist immer die gleiche Stunde“, sagte er. Sie lachte kurz auf. „Nur daß die Sonne jeden Tag früher hinter die Berge geht.“— Sie hatte sich wieder auf ihren Platz niedergelassen und er setzte sich neben sie und legte ihr den Arm leicht um die Hüften.„Daran habe ich wirklich nicht gedacht“, scherzte er,„aber Du hast Recht, die Welt ist so schön, daß man darüber auf Augenblicke vergessen kann, wie zwei Augen noch schöner sind—“ Sie schüttelte leicht das Haupt und warf einen nachdenklichen Blick in die Runde.„Mich dünkt, sie wird immer trauriger,“ sagte sie,„der Winter kommt—“ 2 2 ͤ r 111 fen hen dor. noch un ade lehnt ö 1 E cel. nne üben um nußte blick wohl. ben. uten f, d nes nheit lecken 0 bart tes, e sch dann daß um, ichen iden, eckten ödruck Iban unter⸗ fehlte und ernde, r der ram; toßen elde, vieden Dab lt lag, r her⸗ ume, t, am ihren r ufsah, treten. schend Arme Brust. 0 das 0 Du Jie in die geh!“ lezten U lic 15 aul. 14 t scht Dan Recht,„ ein 1 N e F li fag Es flammte sekundenlang in seinem Antlitz auf und die Lippen darin preßten sich fest aufeinander. Aber in demselben leichten, gleichmüthigen Ton, in dem er bisher gesprochen, erwiderte er:„Es ist noch lange bis dahin, und für jetzt laß uns genießen, so viel uns bleibt, kleine Närrin. Wie ist es nur möglich, in dieser lachenden Umgebung so trübe Gedanken zu hegen! Mir ist, als ob ich in all diese Pracht hinausjauchzen müßte, als ob jede Welle, die am Ufer plätschert, mir zuriefe: Genieße! Fühlst Du das Alles nicht, Alba? Sieh diese gesättigten Farbentöne, diese klargespannten Linien des Horizonts, diese üppigen Fruchtgelände und diesen See, dessen tiefe Bläue mit der des Himmels über ihm wetteifert, predigt das nicht Alles mit tausend Stimmen: Du glückliches Menschenherz, das dieser Schönheit entgegenklopfen darf?“ Er zog sie fester an sich, vielleicht um dem Blick zu entgehen, der sich mit ernstem Forschen gegen ihn emporgerichtet hatte. Aber sie löste sich sacht aus seiner Umarmung und vor sich niederschauend, entgegnete sie:„Ist Dir's so zu Sinne? Freilich: wenn Du nicht an mich denkst—“ d „Alba!“ rief er unwillig. Sie lächelte trübe.„Es sind nun Wochen darüber hingegangen“, sagte sie,„daß Du zum ersten Male mich an Deine Brust zogst und ich es duldete, daß Du mich küßtest, Joseph!“ „Willst Du wieder die alte Weise anstimmen?“ fiel er ihr mit unverhohlenem Unmuth in's Wort, während eine dunkle Röthe seine Wangen bedeckte,„ich hätte mir's denken können. Aber da Du mir vorwarfst, daß ich später als sonst gekommen, glaubte ich, mein Kommen sei Dir lieb und Du würdest nicht gleich zu Anfang das beste Mittel ergreifen, um mir die Laune zu verderben und mich vollends zu verscheuchen.“ Ein jäh aufflammender Blitz aus ihren Augen ließ ihn plötzlich abbrechen. Es trat eine Weile Schweigen zwischen ihnen ein, dann sagte Alba mit sichtlich erzwungener Ruhe:„Du weißt nicht, was Du sprichst, Joseph. Ich lebe meinen Tag hin, in dem Gedanken, daß der Abend Dich mir bringen wird. Wenn es Zeit ist, sitze ich hier unter dem Baum und zähle die Sekunden, bis Du kommst. Du willst nicht, daß ich Dich mahne, wir müßten einen Entschluß fassen, Du weißt noch nicht, daß ich Dich mahnen muß, Joseph!“ Er wechselte hastig die Farbe, ein jähes, tödtliches Erschrecken malte sich auf seinen Zügen. Unwillkürlich war er aufgesprungen. Aber ihr Blick bannte ihn noch einmal, und fast willenlos ließ er sich wieder neben ihr nieder, doch vermied er, sie anzusehn.„Alba,“ sagte er stammelnd und vergeblich nach Worte suchend,„Du willst doch nicht sagen— um Gotteswillen, nein.“— Es lag eine so feige Angst in dem, was er sprach, daß es sie unwillkürlich durch— fröstelte und ihr ein bitteres Lächeln auf die Lippen trieb. „Du hast die Nacht vergessen, Joseph,“ sagte sie,„damals ver⸗ sprachst Du mir viel, weil Du viel verlangtest— seitdem haben sich Deine muthigen Entschlüsse herabgestimmt und Du zürnst, wenn ich Dir an sie denken helfe. Ich hätte Dir auch diesen Willen gethan und Dich nie gemahnt, wenn ich könnte— jetzt muß ich es.“— Man konnte sehen, wie seine Brust im heftigen, inneren Kampf bebte, wie er seine Fassung zurückzuerringen suchte. Er wollte ihr ruhig und besänftigend erwidern, aber es kam ihm über die Lippen, und er stieß es besinnungslos aus:„Weißt Du denn, was Du ver⸗ langst, Unsinnige?“ Dann kam ihm das Bewußtsein dessen erst, was er gesprochen, und er wandte sich, um ihr seinen Arm um den Nacken zu legen und sie an sich zu ziehen, um sie zu beschwichtigen, wie man ein weinendes Kind tröstet, und wie er es so oft gethan, wenn er ihr liebkosend über das weiche Gelock hingestrichen hatte. Aber sie bog sich hastig, wie vor seiner Berührung zusammen— schaudernd, zurück, und ihre Augen ruhten mit stummem Vorwurf auf den seinen, während sie sagte:„O ja, ich weiß, Joseph— ich fordere sehr viel, ich verlange, daß die Fischertochter die Gattin eines großen, vornehmen Herrn wird. Das ist unsinnig, nicht wahr? Du hast Recht— aber Du hättest das bedenken sollen, als es noch Zeit war.— Damals forderte ich nichts, ich gab Dir mein Herz hin, weil es dein war, und dachte an keine Zukunft. Aber Du rissest mich selbst aus meinem Frieden heraus und ver⸗ sprachst mir, wie Du mich als Deine Frau über die Alpen in die große, schöne Stadt führen wolltest— weißt Du das noch, Joseph? Vielleicht dachtest Du, ich würde alle die lockenden Verheißungen vergessen, wie ein Kind, dem man eine rosige Zukunft vormalt, wenn es folgsam ist und gehorcht.— Aber ich glaubte Dir, weil ich Dich liebte, ich ließ mich bethören und hoffte auf Dein Wort. Nun schuldige nicht mich an, wenn ich Dich an das gemahne, was nicht ich forderte, sondern was Du selbst aus freiem Willen mir zugesagt— ich habe mir das Recht erkauft, es zu fordern, mit meiner Ehre.“— Ihre Stimme bebte nicht, es war ein harter, metallener Klang darin, und nur ein scharfes Ohr hätte entdecken können, daß sie so festen Ton hatte, um nicht zu brechen. Joseph hatte die Lippen fest aufeinandergepreßt, sekundenlang flog es ihm wie ein Schwindel über die Augen hin. Dann, wie sie geendet hatte, athmete er tiefer wieder auf und versuchte den Ernst des Augenblicks durch den leichten Ton zu dämpfen, in dem er entgegnete:„Du bist sonderbar aufgeregt heute, Alba. Ich kam hierher, um, wie gesagt, eine Stunde mit Dir zu vertändeln, und Du empfängst mich mit Mißtrauen, Vorwürfen, und— was weiß ich sonst? Sieh, das ist unrecht, kleines Närrchen. Es ist nun einmal Laune von mir, mich nicht zu etwas zwingen zu lassen, was ich freiwillig thun kann.— Du siehst so schwarz, kleine Alba, daß Du darüber vergißt, ich hätte Dich noch immer lieb, gerade so lieb wie früher, wie da⸗ mals, als mich mein Kahn in wunderlichem Zufall an dieses stille Fleckchen Erde treiben und Dich finden ließ es hat mich nur überrascht, nur verwirrt— ich hatte das nicht geglaubt.“— Er versuchte noch einmal ihr den Arm um den Leib zu schlingen, aber auch jetzt bog sich ihr schlanker Körper geschmeidig zurück, und sie schüttelte das Haupt, als sie sagte:„Du hast kein Recht mehr an mich, so lange Du mich mit zweideutigen Schmeichelworten um das betrügen willst, was ich fordern muß. Ich weiß, daß ich zu gering für Dich bin, ich hätte nie gewagt, die Stirn zu Dir zu erheben, aber Du hast mich zu Dir emporgezogen— auch die Fischertochter hat die gleiche Ehre, wie Alle— für die meine hab' ich mir das Recht erworben, Dir anzugehören. Es giebt jetzt keine Wahl mehr, nur eine Nothwendigkeit.“— Es blitzte etwas in seinen Augen auf, das seinen Zügen bis dahin fremd gewesen. „Und wenn ich mich weigere?“ fragte er mit eigenthümlicher Be— tonung.„Thu's!“ stieß sie mit irrem Auflachen aus,„aber denke auch, daß es eine Gerechtigkeit giebt, Joseph.“— (Fortsetzung folgt.) Lose Blätter. Eine Partie Sechsundsechzig.(Siehe Illustration.) Es ist eine ge⸗ fährliche Sache, mit jungen hüͤbschen Mädchen Karten zu spielen, noch viel gefährlicher, als mit großen Herren Kirschen essen. Da denkt der Peter nun, er versteht es aus dem ff, weil er in Berlin bei den Gardefüstlieren Abends in der Kaserne und dann in den Manövern beim Wachtfeuer die edle Kunst des Schafskopf, das Vierblatt und das Sechsundsechzig gründlich geübt, und wie oft hat er nicht sogar dem gestrengen Herrn Korporal und dem schlauen Hornisten die Zweipfennigstücke und die Nickel abgenommen, daß es eine Freude war. Und jetzt kommt er auf Königsurlaub wieder nach Hause in's Dorf, und wenn er sich mit den Großbauern in die Schänke setzt und die zweiunddreißig bunten Blätter auf den Tisch gehauen werden, daß die Wände zittern, dann merken seine Landsleute zu ihrem Schaden auch bald, daß sie es mit einem gewiegten Gegner zu thun haben, und daß ein königlich preußischer Gardesoldat überall seinen Mann steht. Aber mit der Grete ist's etwas anders. Sie hat ihn immer so schnippisch behandelt und wenn er gedacht, er könnte ihr eins auftrumpfen, dann hat sie ihn immer so lustig abblitzen lassen und auf einen Schelmen anderthalbe gesetzt, daß er nicht wußte, wo ihm der Kopf stand. Aber heute wird er's ihr schon zeigen, denn von Kartenspielen versteht sie nichts, da ist er ihr über! Aber was ist das? Hat er es plötzlich verlernt oder passt er nicht auf, oder verwirren ihn gar Gretens lustige braune Augen, die blitzenden Zähne und die fröhlich zuckenden Wangengrübchen— er verliert ein Spiel nach dem andern. Und jetzt sticht sie ihm gar das Herz Aß weg, auf das er seine ganze Hoffnung gesetzt hatte! Ja Peter, das Herz Aß ist hin und nicht mehr zu retten— aber wir meinen, es ist bei der hübschen Grete ganz gut aufgehoben, und wenn ihr erst Mann und Frau seid, dann wirst du wohl mit der Zeit auch deine Ruhe wiederbekommen und ihr zeigen, daß du das Kartenspiel doch besser verstehst als sie! Tr. Jean Vart. Im Jahre 1697 führte der große französische Seeheld Jean Bart mit sechs Kriegsschiffen den Prinzen von Conti nach Polen. Neunzehn feindliche Schiffe lauerten auf ihn, denen er jedoch entging.„Wir waren verloren, griff der Feind uns an,“ bemerkte Conti,„wir hätten uns ergeben müssen.“—„Nein,“ antwortete Bart,„ich hatte meine Anordnungen schon getroffen.“—„Und wie waren diese?“—„Ich hätte uns und den Feind in die Luft gesprengt. Mein Sohn befand sich in der Pulverkammer und erwartete nur mein Signal, um die Lunte in die Pulverfässer zu werfen.“ Conti erbleichte.„Herr Admiral,“ rief er,„solche Heldenthaten muß ich mir verbitten.“ W. G. 0 ee e 9 8 N e 8 5 N Buchstaben-Räthsel. Aus folgenden Buchstaben: a 3 ed ede d% e e„ S eee eee ee m n n n n o f Tr SSS ee W W W 2 soll ein auf die Spitze gestelltes Quadrat gebildet werden, dessen Diagonalen einen preußischen Feldherrn des vorigen Jahrhunderts ergeben. Die 11 Reihen geben folgende Wörter: 1. Einen Buchstaben. 2. Ein Verhältnißwort. 3. Einen Baum. 4. Den Namen einer berühmten italienischen Schauspielerin. 5. Einen ber. Heerführer der Sachsen(gegen Karl d. Großen). 6. Den Feldherrn selbst. 7. Einen vielbesuchten Gipfel der Salzburger Alpen. 8. Einen Fluß in Frankreich und Belgien. 9. Benennung der Gemächer in Klöstern. 10. Einen weiblichen Vornamen. 8 11 „Einen Buchstaben. Räthsel. Nimmst du das letzte Zeichen fort Und giebst ihm vorne seine Stelle, So findest du auf alle Fälle Sofort ein neues, andres Wort. 1. Beleuchtungsgegenstand. 2. Desgleichen. Silben-Räthsel. Aus folgenden Silben: char che chi dan dow dra e ed el els ga ha i le li li li lot mei mund nit put re schal se te them ti tow ze zig sollen 12 Worte gebildet werden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten und deren Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ein Sprich— wort ergeben. ö Die 12 Worte bezeichnen: I. Fossiles Erdharz. 2. Einen hebräischen Propheten. 3. Ein Stern⸗ bild am nördlichen Himmel. 4. Ein Dorf in England, Grafschaft Bedford. 5. Einen Fluß in England. 6. Einen berühmten verstorbenen italienischen Physiker. 7. Einen männlichen Vornamen. 8. Ein märchenhaftes Land. 9. Eine Stadt in Westpreußen. 10. Ein Musikinstrument. 11. Einen weiblichen Vornamen. 12. Eine kleine australische Insel im britischen Fidschi⸗Archipel. Logogriph. Miner komm' ich ungelegen, Noch ein Zeichen mußt Du geben, Mancher wird mich froh begrüßen, Willst Du auf der Menschheit Höhen Jeder mir das Haus verschließen, Mich mit Herrschersinn und Streben, Bringe ich auch reichen Segen. Aber ungekrönet sehen. Mich hat keine Erdenmacht Ward mir auch das schwere Amt, Je verscheucht noch hergebracht, Weil ich edlem Haus' entstammt, Komme nur des Einen Willen Bin ich 1 des Thrones Stufen Mit Gehorsam zu erfüllen. Doch nicht für mich selbst berufen. 1 des Kapsel⸗Räthsels in voriger Nummer: 1. Rübe. 2. Este; — der viersilbigen Charade: Sommersprossen;— des Rösselsprungs: III Du schenkst aus jenem Zauberkelch Den letzten goldnen Trunk mir ein; Du bist aus jener Märchenwelt Mein allerletzter Abendschein. Laß einmal noch durch meine Brust Des vollsten Lebens Schauer weh'n, Eh seufzend in die große Nacht Auch meine Sterne untergeh'n. Storm. Schach. 0 Problem Nr. 379, 5 von W. Steinmann in Parchim. 55 e e 1 . D 0 e e e, „ e. 2 e g E 9 e,.. 2 . Weiß zieht an und setzt mit dem vierten Zuge Matt. Partie Nr. 217, gespielt in St. Louis am 8. Februar d. J. als achte des Wettkampfes. Weiß: W. Steinitz.. H. Zukertort. b 1) e2—e4 7—e5 12) Sd6—f7 5 8g1—13 Sbs c 13) Te5—e2 d7-dõ 3) Lel—b5 8g8—f6 14) Lol—bꝰ Le7—f6 4 17 5 b 8 15) 12 Dds-d!) 5 1—e 4 16) Te2— es Los- d 9 155 05 22 0 17 1 IIS ad: 0—— 18 3- dl 87—g5 9 Dd 1-5 75 19) DI3—e2 Ta8—88 9) Sbl-c3 Scé6 eb: 20) De2—fl Lf6—b?: 10) Teles: g7—-g6 21) Tel-esf Ld7-es: 1 9 Dh5—fs. 706 22) 8Sd1-bꝰ: Remis.) 1) Die Frankfurter Schachzeitung macht hier auf den starken Zug S7—85 aufmerksam, mit der Srnnsezon q, 16) Dial[nicht Dg3 wegen 5—f4] Set 17) Lea fei 18) PDgs Lha 19) Deb Pf5 20) Duda Lf6 21) Pb ab 22) Dag Le7 ꝛc.; indessen scheint Weiß sich durch 17) Sdi vor Verlust sichern zu können. 2) Auf Dr Zukertort's Vorschlag wurde die Partie hier als Remis abgebrochen. Dem„Mirror of American Sports“, dem wir die Züge von dieser und den vorher⸗ gehenden Match⸗Partien entnahmen, sind auch die folgenden Zeilen entlehnt. Kaum war die Partie als Remis aufgegeben, so füllte sich das Vorzimmer, in welchem die beiden Spieler saßen, mit Zuschauern, die das Brett umftanden. „War denn keine Hoffnung vorhanden?“ fragte ein enthusiastischer Verehrer Zukertorts. „Hoffnung! Eine schöne Frage, was soll ich darauf antworten, glauben Sie, ich hätte in ein Remis eingewilligt, wenn nur ein Schimmer von Aussicht auf Gewinn vorhanden gewesen wäre? Wofür soll ich weiter spielen?— vielleicht bis Steinitz ein Versehen macht?“ „Aber das Brett ist noch so voll und die Partie sieht aus, als hätte sie erst eben angefangen.“ 2 5 5 „Mein lieber Herr, wenn Sie nicht sehen, daß weder Steinitz noch ich das Spiel ge⸗ winnen kann, so ist es doch wahrscheinlich, daß jeder von uns beiden es gegen Sie gewinnt, mit Weiß und auch mit Schwarz— Natürlich ist es ein Remis.“ Auflösungen. Problem Nr. 371 Motto:„Jacta est alea.“ 1) Lf5—e4 Lgl— es 2) Leb! LgS es: 3) Da5—b6 f KdA4— cs(d5) 4) Sd6—e4(Lea) f Varianten: 1).. Kda—es 2) Delf Kdä 3) Sf Kos 4) Das Matt. 2).. Kf4 3) DPd2f Les(Kgg) 4) Dhe:(Sts) Matt. 1). beliebig. 2) Dd2f Kos 3) Sbi 4) Das Matt. Ungeachtet des opferlosen Verlaufes der Lösurg, fehlt es dem Problem nicht an guten Pointen. Die Feinheit des ersten Zuges liegt nicht allein in der guten Drobung, sondern wesentlich in der Erzwingung des Gegenzuges Leg, wodurch der zweite 70 5 ermöglicht wird. Zur Erhöhung der Schwierigkeit tragen einige starke Verführungszüge bei.— Die Lösung wurde angegeben von G. Schnitzler in L.: W. Kron in B.; H. Michaelis in Th.; W. Sleinmann in P.; W. Scheuler in S; O. Skalsky in B.; R. Blümel in S.; Dr. Wehrmeister in M. Problem Nr. 372 von O. Nemo in Wien. 1 25 10 Kd5— da: 5 Kd5— e: 2) Ke-d Ked:(beliebig) 2) Dg1—g4f Kea dõ5 3) Dg1-g4:(2—f3) 3) 2—c4f Ganz reizend sind noch die beiden Seitenspiele, welche sich aus den Springerzügen nach eg und os ergeben: 2) Sto K dd: 8) f2—ft resp. Dgü—hi Matt. Auf andere Gegenzüge kommt endlich als fünfte Variante das gute, i zur Ausführung: 2) 2—13 84 ts: oder beliebig 3) Ss Matt. Angegeben von O. Skalsky in B.; W. Kron in B.; F. Osten in G.; R. Blümel in S.; W. Scheuler in S; Dr. Wehrmeister in M. Briefwechsel. E. Nawitscher. Die Adresse ist noch die alte, C. K. Wolfsstraße 24, wir bitten um Ihre jetzige Adresse— der neue Dreizüger geht durch 1) Sbs 2) Sd resp. ar— weitere Beiträge sind nicht in unseren Händen, aber stets willkommen. Druck und Verlag der„Volks⸗Zeitung“, Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105.