896 nebs. . Dr. Ii iche. en er stel die Hertel Jung, Seh N Pulte. d 100 N. hen) un . g. Meiseh zu den Gberhessischen Uuchrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den 3. Oktober. 1886. Don Gesualdo. Von Ouida, deutsch von Arthur Noehl. Es war ein Junitag. Die Grillen zirpten, die Eidechsen glitzerten, die Schmetterlinge spielten über dem reifen Korn, die Schnitter waren draußen im Weizen und die hohen Halme senkten sich und fielen unter der Sichel. Durch die kleinen Fenster seiner Sakristei blickte Don Gesualdo, der junge Pfarrer von San Bartolo im Dorfe Marca, mit sinnenden Augen auf die Bergseite, die sich vor ihm erhob und die er durch einen Rahmen von Kirschzweigen in voller Frucht sah. Die Berg— seite war mit Korn, mit Wein und Maulbeerbäumen bepflanzt. Männer und Frauen regten zwischen den Bäumen die Hände. Es war der erste Erntetag. Ein blauer Himmel breitete sich über ihnen aus, und ihre Stimmen drangen heiter über das wogende Getreide— meer mit heiteren, aber von der Luft und von der Entfernung ge— dämpften Klängen an sein Ohr. Er seufzte, und doch hätte er auf Befragen sicher geantwortet, daß er glücklich sei und daß ihm weiter nichts fehle. Er war ein schmächtiger, bleicher junger Mensch, fast noch ein Jüngling, mit einem zarten, bartlosen Antlitz, und braunen, guten und ernsthaften Augen. Er war der Sohn eines Fischers aus dem fernliegenden Bocca d' Arno, wo der Fluß zwischen Rohr und Kaktus— büschen in's Meer geht. Doch wer wollte sagen, wieviel altes Etrusker- oder Lateinerblut in seinen Adern rollte? Die Bauersleute an der tyrrhenischen Küste wie in den Marschen haben gar klassische Züge und gar klassische Formen. Jedenfalls war es der letzte friedliche Tag, den der Priester in Marca verleben sollte. e Er wandte sich mit Widerstreben und Bedauern von dem Fenster ab, als die Alte, die ihm als Wirlhschafterin und Kirchenkehrerin diente, ihn zu seinem frugalen Abendbrot rief. Er hätte zu jeder ihm beliebigen Stunde zu Abend speisen können, es hatte ihm keiner etwas zu sagen; indeß es war einmal Sitte in Marca, in der drei— undzwanzigsten Stunde zu Abend zu essen, und er war nicht der Mann, um Sitte und Herkommen zu verletzen. Gewohnheit ist in allen italienischen Gemeinden eine gewaltige Macht. Zuweilen hätte sich Don Gesualdo lieber draußen unter dem purpurroth erglühenden Horizonte befunden als drinnen vor seiner bescheidenen Mahlzeit; gleichwohl hatte er noch stets den Ruf der alten Candida zum Abendessen ruhig befolgt. Die Essensstunde ändern zu wollen, hatte ihm ein revolutionäres Beginnen geschienen. Candida war eine kleine alte, von der Sonne schwarzgebrannte Frau mit sauber gekämmtem und aufgebundenen grauen Haar und im Ganzen reinlicherem Aussehen, als es sonst in Marca die Regel. Sie war aus einer Stadt des Nordens gebürtig und ihr Leben lang Wirthschafterin in Pfarrershäusern gewesen, und wenn der Küster krank oder abwesend war, wußte sie ebensogut wie er, wo jedes Buch lag und jede Kerze stand, und sie hätte, wäre sie keine Frau gewesen, ganz ebenso gut das Küsteramt verwalten können. Sie besaß eine ungemein scharfe Zunge, und insgeheim war sie ge— waltig stolz auf ihre Macht. Der Priester war der erste Mann in dieser kleinen, armen Gemeinde, aber der Priester stand so manches Mal vor ihr wie ein gescholtenes Kind, wenn sie zum Beispiel ent— deckte, daß er sein bestes Hemd einem Bettler geschenkt hatte, oder wenn er achtlos mit schmutzigen Schuhen den ziegelgepflasterten Boden betrat, den sie eben gescheuert und mit Sand bestreut hatte. Es war die alte Geschichte so vieler irdischen Größen; er hatte wohl die Macht zu binden und zu lösen, zu segnen und zu fluchen und die sündigen Seelen der Menschen zu reinigen, aber darum war er doch in seiner Dienerin Augen nur ein täppisches, vergeßliches Kind. Don Gesualdo war keineswegs ein kluger oder gelehrter Mann. Er hatte sich nur die nöthigen Kenntnisse gesammelt, um für den Eintritt in den Priesterstand die vorgeschriebenen Prüfungen zu bestehen. Darin bestand seine ganze Wissenschaft, indeß war er für Marca, das herzlich wenig eigenes Hirn besaß, noch immer klug genug, und er verrichtete jederzeit, soweit er sie begriff, seine Pflicht. Irgend welche Zweifel über die Natur seiner Pflicht kamen ihm nie. Dergleichen schwache Stunden kannte er nicht. Sein Glaube schien ihm so einfach und sicher wie die Sonne, die am Himmel strahlte; er war so treu und schlicht wie die Seele eines gefügigen Schäferhundes. Er besaß eine poetische, in sich gekehrte Natur, und seine Seele war ganz von der Religion eingenommen. Seine Mutter war eine deutsche Magd gewesen, die sich aus einem kleinen Gasthof in Pisa mit einem Italiener verheirathet hatte, und etwas von dem träumerischen langsamen, ernsten Teutonen-Temperament hatte sich auf ihn ver⸗ erbt, so sehr er sonst als Typus des Italieners der Westküste gelten konnte. Er führte ein recht monotones Leben in seinem Amt. Ver⸗ änderungen kamen in der Gemeinde selten vor. Leute, die in Marca geboren, blieben meistens auch dort, und neue kamen nicht hinzu. Marca war ein gesunder, freundlicher Ort auf dem Abhang eines abgelegenen Berges, auf dem seine Söhne und Töchter das ganze Jahr lang arbeiten konnten, ohne dem Fieber zu verfallen, höchstens daß oft zu Ende des Herbstes der reiche Weinsegen das Gleich— gewicht der Bevölkerung zu gefährden drohte. Marca war weder historisch noch pittoresk, es that sich in keiner Weise hervor. Fünf— hundert, fünftausends ganz ebensolche Dörfer stehen zwischen Korn— feldern, Maisfeldern und Maulbeerbäumen mit ihren kleinen schwarzen Kirchen, weißgestrichenen Pfarrhäusern und ziegelgedeckten Bauern⸗ häusern allüberall in Italien. Solch kleiner ruhiger, von Städten und von Eisenbahnen ferner Ort war es, der, staubig und unschön an sich, doch mit einer herrlichen Umgebung gesegnet war, an die — 314 aber in dem Dorf außer dem jungen schlichten Priester Gesualdo Brasailo keiner dachte. Die Liebe zur Natur ist eben den meisten Italienern fremd. Einen Italiener dünkt das Gaslicht schöner als der Sonnenschein. Er haßt die Berge und schwärmt für Städte. Indeß jede Regel hat ihre Ausnahmen. Auch in Italien giebt es wie überall poetische Naturen, wenn auch wie überall selten. Gesualdo war diese Aus— nahme in Marca, und des Dörfchens Umgebung sah ihn im Sommer Abend für Abend durch die Felder wandeln, das Brevier in der Hand, doch das Herz bei den tanzenden Feuerfliegen, den zitternden Pappelblättern, dem hohen grünen Rohr und dem über das weiße Geröll des seichten Flusses dahinschießenden Silberfischchen. Er hätte es kaum sagen können, warum er das alles so gerne sah; er meinte, weil es ihn an Bocca d' Arno und das Sandgestade und die Rohr— gebüsche daheim gemahnte. Nach dem Abendbrot ging er in seine Kirche; ein kleiner mit rothen Ziegeln gepflasterter, weißgetünchter Gang verband dieselbe mit seinem Wohngemach. Die Kirche war klein und dunkel und alt, sie besaß ein, wie es hieß, sehr altes Altarbild von einem florentiner Meister, das einen beträchtlichen Werth hatte, doch Gesualdo verstand sich nicht darauf. Ein Raphael hätte dort hängen können und er würde sich ebenso wenig daraus gemacht haben. Er liebte die Kirche, so unschön und einfach sie war, wie eine Mutter ihr Kind liebt, einerlei ob es schön oder häßlich. Und dann und wann hielt er seltsame, leidenschaftliche, pathetische Predigten darinnen, von denen seine Kirchgänger kein Wort begriffen, die er selber kaum verstand. Er hatte eine klangvolle, weitreichende Stimme mit einem Accent eigenthümlicher Melancholie, und wenn seine mystischen, romantischen Phrasen über die Köpfe seiner Zuhörer hinrollten, ging doch das Pathos und die Musik seiner Töne ihren Herzen nahe. Er war gewiß, dachten sie, ein Mann, den die Heiligen gerne hatten. Candida aber, die nächst dem Altar saß und gesenkten Hauptes den Rosenkranz durch ihre Finger gleiten ließ, dachte, seine unverständliche Beredsamkeit vernehmend:„Gnädiger Gott, bei all' dieser Rede— gewalt und diesem Geistesreichthum zöge er ohne mich sein Hemde verkehrt an!“ An dem Abend fand in seiner Kirche keinerlei Gottesdienst statt, gleichwohl hielt er sich darin auf, mit zärtlichen Fingern dies oder jenes Stück berührend. Es duftete stets so lieblich an dem kleinen Ort, die Thür stand meist offen nach den Feldern zu, in deren Mitte die Kirche erbaut war, und der Duft des Weihrauchs, der Jahr— hundert auf Jahrhundert hier gebrannt worden, mischte sich mit dem Duft von Schlüsselblumen, frisch gemähtem Heu oder reifer, ge— kelterter Trauben, der je nach der Jahreszeit von draußen herein— drang. Candida hielt den Platz gewissenhaft rein, und die Skorpione und Spinnen hatten sich vor ihrem stets bereiten Besen längst andere Wohnsitze gesucht, so fest sie sich auch einst zwischen den alten Holz— bänken hier eingenistet hatten. Seit er nach Marca gekommen, hatte sich wenig hier drinnen zugetragen. Ein paar Hochzeiten hatte er eingesegnet, Kinder eine ganze Menge getauft und auch schon so manchen begraben, aber das war auch alles. Ein Jeder in Marca hielt große Stücke auf die Religion, das heißt, man baute auf sie in hilfloser, zuversichtlicher Weise wie auf einen Fetisch, der gehörig besänftigt, alles nach dem Tode zum Besten lenken würde. Um sein Leben hätte man keine Messe versäumen mögen, daß man während derselben schliefe und Nüsse knackte oder rasch einmal die Pfeife zum Munde führte, wenn man wachte, das that dem Glauben der Leute an die Wunderkraft derselben keinen Abbruch. Hätte man sie gefragt, was sie eigentlich oder warum sie glaubten, so hätten sie sich ihre Köpfe gekraut und wären verlegen geworden. Ihre Seelen wohnten in einem Zwielicht, in dem nichts bestimmte Gestalt hatte. Der klarste Begriff, den sie hatten, war noch der von der Madonna; sie dachten an sie wie an eine Allen gemeinsame Mutter, die für jetzt und immer das Beste der Gläubigen wollte, wenn nur die gehörigen Ceremonieen beobachtet wurden. Gesualdo selber wußte trotz aller Schulkenntnisse nicht viel mehr als sie; er las seine Messen, ohne ein genaues Verständniß für die Bedeutung seiner Worte zu haben und glaubte im Uebrigen, daß jede Selbstverleugnung und jede Selbstaufopferung dreimal gesegnet sei. Er that sein Möglichstes, seine Seele und die Anderer zu retten. Doch damit hörte er auf zu denken. Darüber hinaus denken hieß Grübeln, und Grübeln war eine dreifache Sünde. Indeß, nach— denklich und intelligent, wie er in seiner bescheidenen Weise war, mußte er es zu Zeiten beklagen, wie wenig Wirkung diese Religion, die er lehrte und die sie bekannten, auf das Leben seiner Beichtkinder hatte. Sein eigenes Leben ward vollständig von ihr geleitet. Warum konnte es das ihrige nicht ebenso sein? Warum mußten sie das ganze Jahr hindurch fluchen, trinken, lügen, zanken und stehlen? Daran denkend, ließ er sich auf eine Marmorbank vor der Thür nieder und machte sein Brevier auf. Die Sonne sank hinter die Tannen auf den Berghöhen. Das warme, röthliche Licht strömte über den gepflasterten Weg vor der Kirche durch die Cypressenstämme, die vor der Thür standen, und fand seinen Weg über den ver⸗ nachlässigten Steinboden zu seinen Füßen. Eine Nachtigall schlug irgendwo in der Rosenhecke hinter den Cypressenbäumen; Eidechsen liefen von Spalte zu Spalte in dem Ziegelpflaster. Ein Süßklee⸗ Gäbelchen kam durch ein Loch in der Wand und strömte ihm seinen lieblichen Duft zu. Der ganze Eingang war in Wärme und goldenes Licht gebadet. Die Kirche erhob sich hinter ihm dunkel und finster. Er hatte sein Brevier aus Gewohnheit aufgeschlagen, aber er las nicht. Er saß und starrte auf die Abendwolken, auf die blauen Hügel und in die schimmernde Luft und lauschte auf den Gesang der Nachtigallen mit jener stummen Verzücktheit, die seine Haus- hälterin so oft an ihm verlachte. „Der Nachtigallengesang im Juni ist so ganz anders wie im April und im Mai,“ dachte der arme Priester, dem die Natur ein poetisches Herz und Augen zum Sehen und Ohren zum Hören ge— geben hatte.„Das ganze Lied ist ein anderes, der Ton nicht mehr derselbe. Im Frühling ist es ein Hohelied wie das des Königs Salomo, und im Sommer— was singt sie im Sommer? Klagt sie über den Sommer oder lehrt sie nur ihre Jungen, wie sie im nächsten Jahre singen sollen?“ Und er lauschte weiter auf den lieblichsten gefiederten Sänger des Erdballs. Die Nachtigall wiederholte geduldig ihren Gesang wieder und wieder, manchmal langsamer, manchmal schneller, wie wenn sie auf gewisse Sätze mehr Bedeutung legte als auf andere. Und eine andere Stimme, die schwächer und dünner als die ihre war, schlug ihr die Triller und die Läufe mühsam nach. Es war klar, sie lernte dort in der wilden Rosenhecke ihren Sohn an. Nachtigallen genossen in Marca keinerlei obrigkeitlichen Schutz, sie wurden gefangen, geschossen, eingesperrt und verzehrt wie jeder andere Vogel. Doch um die Kirche herum that ihnen Keiner etwas zu Leide. Die Leute wußten, daß der Pfarrer ihren Gesang gerne hörte. Und wie Gesualdo nun so dasaß, vertieft in die Weisen, die der alte Vogel dem jungen beizubringen versuchte, fuhr er plötz— lich zusammen. Ein Schatten war über die Schwelle gefallen und eine Stimme rief ihm zu:„Guten Abend, Don Gesualdo.“ Er blickte auf und sah eine ihm wohlbekannte Frau vor sich; eine junge, hübsche Frau von allerhöchstens achtzehn Jahren mit einem Gesicht voller Wärme und Farbe, mit großen blitzenden, manchmal treu dareinschauenden Augen und schönem, rothen Mündchen mit blitzblanken Zähnen. Es war Generosa Fe, die Frau des Müllers Tasso Tassilo. In Marca waren die meisten Frauen von der Arbeit in der Sonne verbrannt wie die Mohren und sahen mit ihrem un— gepflegten Haar, den losen Formen und den Säuglingen an der Brust alt und runzlich aus, fast ehe sie noch eigentlich jung ge⸗ wesen. Generosa glich ihnen nicht. Sie arbeitete wenig, sie hatte klassische Formen, sie pflegte ihre Schönheit, und sie hatte keine Kinder, obwohl sie seit ihrem fünfzehnten Jahr verheirathet war. Sie war befreundet mit Gesualdo, sie stammten beide aus Bocca d Arno. Die Kette gemeinsamer Erinnerungen verband sie. Sie liebten es, sich ins Gedächtniß zurückzurufen, wie sie zusammen als Kinder durch das hohe Rohr gelaufen oder durch die Brandung gewatet. Er entsann sich ihrer, wie sie als ein Mädchen von wenigen Jahren auf dem Sand um ihn herumsprang und über ihn lachte, wenn er als wohlbestallter Seminarschüler zu seinem Unterricht ging. „Gesualdo, hei Gesualdo,“ hatte sie dann gerufen,„welch schönen Beichtiger wir einmal an Dir haben werden!“ Und dabei hatte sie vor Jubel laut aufgekreischt und ihr hübsches Gesichtchen leuchtete wie die Wogen der See unter dem Sonnenschein. Er hatte so oft an sie gedacht und sich gefreut, als Tasso Tassilo, der Müller von Marca, sich diese Frau aus Bocca d Arno in seine Mühle an dem kleinen Fluß des Dörfchens holte. Tasso Tassilo hatte auf einer Geschäftsreise an die Küste ihr 1 — —— e ee 1 315 1 5 1 2 l hübsches Gesichtchen zufällig gesehen, hatte um sie gefreit und sie ohne große Mühe gewonnen, denn ihre Familie war arm, und sie war des armseligen Lebens unter den Fischersleuten müde. Persönlich mochte sie Tasso Tassilo, einen häßlichen, trockenen, ältlichen Mann, der nur Sinn für Geld- und Mehlsäcke hatte, nicht leiden, aber das Geld, das er ihr für ihren Staat auszugeben ge— stattete, gefiel ihr und das Müllerhaus war mit seinen buntgestrichenen Wänden, den Weiden vor der Thür und dem Leben und Treiben, das auf dem Platz vor dem Hause herrschte, wenn die Bauern mit Korn zum Mahlen kamen, auch kein übler Ort. „Guten Abend, Don Gesualdo,“ sagte die Müllersfrau jetzt in⸗ mitten des Nachtigallengesanges. Gesualdo stand lächelnd auf. Er freute sich stets, sie zu sehen. Sie hatte für ihn etwas von der Jugendzeit, von der Heimath und von den sorglosen Tagen, ehe er Seminarist geworden, an sich. Weit entfernt davon, daß er es je bedauerte, sich dem geistlichen Stande gewidmet zu haben, dachte er doch manchmal der einstigen Ungebundenheit mit Schwermuth und sich wundernd, daß er je dieser leichtherzige Knabe gewesen sein sollte, der ausgelassen durch die Rohrgebüsche gedrungen und seinen Fuß in die rollenden Wogen der Brandung getaucht hatte. „Ist nicht Alles in Ordnung?“ fragte er sie, als er beim Auf⸗ blicken ihr hübsches Gesicht bewölkt sah. Ihre Tage waren leider nicht oft ruhige; sie litt unter der Eifersucht ihres Mannes. Die Mühle war der Lieblingssammelplatz für alle junge Männer auf Meilen in der Runde, und Tasso Tassilo konnte denselben, wenn anders er nicht aufhören wollte, ihr Korn zu mahlen, nicht seine Thür verschließen. „Es ist die alte Geschichte, Don Gesualdo,“ antwortete sie, gegen das Kirchportal lehnend,„Sie wissen, wie Tasso ist und welch' saures Leben er mir bereitet.“ „Du bist nicht stets vorsichtig und klug, meine Tochter,“ meinte Gesualdo mit schwachem Lächeln. „Wer in meinen Jahren ist stets klug?“ gab die junge Müllers— frau zurück.„Tasso aber ist roh und dumm obendrein. Er wird mich eines Tages noch zum Aeußersten treiben. Ich sagte es ihm bereits.“ „Das wird die Sache leider nicht bessern,“ entgegnete Gesualdo. „Es thut mir leid, daß Du das nicht einsiehst. Der Mann liebt Dich, er fühlt sich alt und weiß, daß Du Dir nichts aus ihm machst. Es sticht ihn stets wie ein Dorn in's Fleisch; er fühlt, daß Du ihn nicht magst.“ „Wie kann er das auch erwarten?“ rief Generosa leidenschaftlich. „Ich mochte ihn nie. Er ist so alt wie mein Vater und er möchte mich am liebsten wie eine Nonne von der Welt abschließen. Wenn es nach ihm ginge, käme ich mit keinem Fuß aus dem Hause her⸗ aus. Verheirathet man sich dazu vielleicht?“ „Man sollte sich verheirathen mit dem Vorsatz, seine Pflicht zu thun,“ meinte Gesualdo zaghaft, denn er fühlte die Schwäche seines Rathes und seiner Gründe gegen die Stärke und den Trotz eines Weibes, das sich seiner Schönheit, seiner Macht und seiner Verehrer bewußt ist. „Wir hatten eine schreckliche Szene vor einer Stunde,“ sagte Generosa, des Priesters letzte Worte übergehend.„Ich mußte mich zusammennehmen oder ich hätte ihn erstochen. Es war wegen Falko. Ganz ohne Grund. Ich weiß nicht, was ihm einfiel. Ich glaube, eines Tages wird er sich noch an Falko vergreifen. Angedroht hat er es ihm längst.“ „Das ist schwerer Ernst,“ meinte Gesualdo erbleichend.„Schau, meine Tochter, Du bist mehr im Unrecht als er. Tassilo hat nach Allem doch seine Rechte. Warum schickst Du den jungen Menschen nicht fort? Er würde Dir folgen.“ „Er würde mir in allem Anderen folgen, nur darin nicht,“ sagte die Frau mit dem selbstbewußten Lächeln Jemandes, der seine Macht kennt.„Er würde sicher doch nicht fortgehen. Warum sollte er auch? Er hat seine Beschäftigung hier. Was sollte er da fortgehen— nur weil Tasso solch ein eifersüchtiger Thor ist!“ IFst er wirklich solch ein eifersüchtiger Thor?“ meinte Gesualdo, und er hob plötzlich seine Augen und blickte gerade in die ihrigen. Generosa erröthete durch ihre warme Haut. Sie schwieg. „So weit ist es noch nicht gekommen, wie Sie glauben,“ mur— melte sie nach einer Weile. 5 „Aber ich will mich nicht immer umsonst anklagen lassen,“ fügte sie hinzu.„Tasso soll bekommen, was er sich eigentlich einbildet. Was nahm er mich auch zur Frau! Er wußte, ich mochte ihn nicht. Wir waren unten in Bocca d' Arno freilich Alle arm, aber heiter und glücklich. Warum nahm er mich von da fort?“ Die Thränen schossen ihr in die Augen und rollten ihre heißen Wangen hinunter. Es war wohl das hundertste Mal, daß sie ihr Leid Gesualdo im Beichtstuhl und außerhalb desselben klagte. Es war eine alte Geschichte, die sie nie müde ward zu erzählen. Ihre Angehörigen lebten weit fort an der Küste und befreundet hatte sie sich in Marca mit Keinem. Die Leute sahen auf die„Fremde“ mit scheelen Augen und die Frauen waren eifersüchtig auf ihre Schönheit und das bequeme Leben, das sie im Vergleich mit dem ihren führte. Gesualdo schien ihr so als Landsmann und Jugend—⸗ gespiele ihr einziger und natürlicher Freund und Berather. Zu ihm trug sie ihren ganzen Kummer. Einem Priester konnte man auch, dachte sie, am besten vertrauen. „Du bist undankbar, meine Tochter,“ sagte er jetzt und er gab sich Mühe, seiner Stimme einen strengen strafenden Ton zu ver⸗ leihen.„Du weißt wohl noch, wie Du Dich freutest, einen so reichen Mann wie Tassilo zu bekommen. Du weißt wohl noch, daß Dein Vater und Deine Mutter ebenso glücklich waren wie Du. Gewiß, Du magst Dir einen andern Mann wünschen können, aber Du darfst nie vergessen, wieviel Du Tassilo schuldest. Ich spreche zu Dir jetzt nicht als Seelsorger, nur als Dein Freund. Ich bitte Dich, sende Deinen Liebhaber fort. Thust Du es nicht, so geschieht vielleicht ein Verbrechen, am Ende ein Mord, und die Schuld an alledem wäre Deine.“ Sie machte eine Geste, die bezeugte, daß es ihr gleichgültig sei, was auch geschehe. Sie war in eigensinniger verzweifelter Stim— mung, sie hatte sich ernstlich mit ihrem Manne überworfen und sie liebte Falko Melegari, den Verwalter des leeren, halb zerfallenen Schlosses, das am Ufer des Flusses stand und dessen Besitzer in fernen großen Städten lebte. Falko war ein blonder, hübscher junger Mensch mit Lombardenblut in sich, hoch, schlank, kräftig, verliebt und leichtherzig; der stärkste Kontrast in jeder Beziehung zu dem schweigsamen, schwachen, mürrischen Tasso Tassilo, der doppelt so alt war wie sie. Von der Mühle bis zu dem verlassenen Schloß war es kaum eine Viertelstunde. Tassilo hätte es ebenso gut versuchen können, den Sirocco zu bannen, wenn er wehte, wie diesen von den Ver⸗ hältnissen derartig erleichterten und begünstigten Verkehr zu hindern. Der Verwalter hatte das Jahr über tausend Gründe, die Mühle zu besuchen und wenn der Müller ihn beleidigte und ihm seine Thür verbot, so konnte er ihm doch nicht verbieten, draußen im Fließ zu angeln, am Ufer spazieren zu gehen, von dem Schlosse her Zeichen zu geben und Rendez-vous in den Rohrbüschen und auf den Weinbergen zu verabreden. Kurz, nur eins hätte der Intrigue ein Ende zu machen vermocht, sein oder ihr gänzlicher Fortzug aus Marca. Das aber zu thun, den Ort zu verlassen, wo ihn Inter⸗ essen und Leidenschaft hielten, fiel Falko Melegari nicht im Traum ein, und dem Müller kam es auch nie in den Sinn, mit seiner jungen Frau eine andere Heimath zu suchen. Er hatte sein ganzes Leben in der Mühle zugebracht, die seiner Familie seit fünf Ge⸗ nerationen gehörte. Und den Wohnsitz zu ändern, fällt derartigen alteingesessenen Leuten nimmer bei, sie sind wie die Bäume mit dem Boden verwachsen und können sich eine andere Heimath überhaupt gar nicht denken. Generosa fuhr fort sich auszuklagen. Sie lehnte gegen den Portalpfeiler und spielte mit einem Granatapfelzweig, dessen Blüthen kaum dunkelrother waren als ihr Mund. Und Gesualdo fuhr fort, ihr seinen guten Rath zu ertheilen, freilich wohl wissend, daß er ebenso gut zu den Spatzen auf dem Kirchendache hätte sprechen können; so wenig versprach er sich von seinen Ermahnungen Erfolg, auf die sie ihm allein in halb spöttischer Weise zu antworten hatte: „Pflicht hin, Pflicht her. Ein Heiliger wie der Herr Pfarrer mag sich schon für die Pflicht begeistern können, aber ich bin keine Heilige und ich will meine besten Tage nicht an der Seite eines alten siechen und verdrießlichen Mannes opfern.“ „Du sprichst lästerlich,“ verwies Gesualdo sie streng. Er er⸗ röthete. Er wußte nicht warum.„Ich verstehe solche Leidenschaft nicht,“ fügte er mit Verlegenheit hinzu.„Aber ich weiß, was Pflicht ist und Deine liegt klar auf der Hand.“ Er wußte überhaupt nicht viel von der Menschennatur und von 2 3 8 3753 5 22;—ç— 2 .—U—ñ—..——. EE. 2 5 2 2*— 8— 8 —— TTT 2 . 1 Frauennatur gar N indeß begriff er dunkel, daß Generosa jetzt in der Krisis ihres Lebens stand. Sie hatte ein passionirtes, feuriges, rücksichtsloses, wagehalsiges Temperament, und die Gefahren der In⸗ trigue, die sie spann, schreckten sie nicht, wogegen die Gleichgil tigkeit, die sie seit Jahren für ihren Gatten empfunden, sich in ihr nach und nach in Haß verwandelt hatte. „Man ist auch kein Stock und kein Stein, um sein ganzes Leben lieblos verleben zu wollen!“ rief sie. und verächtlich. Sie zog die Zweige der Granate über die Hecke, blickte den Pfarrer halb verächtlich, halb mitleidig an und entfernte sich von der Kirchenthür. „Was soll er nach Allem auch davon verstehen!“ dachte sie,„er ist ein Heiliger, aber kein Mann.“ Gesualdo blickte ihr eine Weile nach, wie sie über den Kirchhof und zwischen den Cy— pressenstämmen dahin ging. Die Sonne ging unter, ihr Glühen badete die elastische Gestalt in ein rosiges Licht; sie besaß jenen herrlichen Gang mancher italienischen Frauen, die in den ersten fünfzehn Jahren ihres Lebens nie Schuhe getragen. Das Licht schien auf ihr dunkles, kastanienbraunes Haar, auf ihre goldenen Ohrringe, auf den schlanken Hals und ihre kräftigen, üppigen Formen Gesualdo sah ihr nach, es ward ihm heiß und weh zu Muthe und heftiges Schuld— bewußtsein überkam ihn. Er sah von ihr fort und ging in seine Kirche, um zu beten. An demselben Abend wurde Falko Melegari, als er aus dem Sattel seines Apfel schimmels sprang, mitgetheilt, daß der„Tarrocco“ von San Bartolo auf ihn wartete und ihn zu sprechen wünschte. Auf dem Schloß war es in vergangenen Tagen glän— zend und hoch hergegangen, doch es bildete jetzt nur noch eine der vielen vernachlässig— ten Besitzungen eines jungen lebenslustigen Edelmannes, der bei seinen Leuten der Baldo hieß, seine Einkünfte an allerhand fashionablen Orten außerhalb Italiens verzehrte, selten oder nie seine Güter besuchte und seine?! und Inspektoren wirthschaften ließ ganz wie sie wollten. (Fortsetzung folgt.) Coeurbube. Verwalter Gedantenlesen. Erzäblung nach dem Englischen von Jenny Hirsch. „Aber, mein liebes Herz, das ist ja unmöglich, dergleichen kannst Du nicht glauben!“ rief Hauptmann von Soden in einem Tone, wie ihn Clarissa von Burg noch nicht von ihm gehört und am wenigsten jetzt von ihm zu hören erwartet hätte, denn es war kaum eine halbe Stunde verflossen, seit sie ihm die kleine, weiße Hand, welche jetzt vertraulich in der seinigen ruhte, als sein Egenthum für das Leben zugesprochen hatte. Im ersten süßen Liebesgespräch, das sie allein mit einander führten, vertraute sie ihm, daß in einer vor Nach einem Gemälde von W. von Czachorski. einiger Zeit stattgehabten„Spiritistensitzung“ das„Medium“ ihr die seligen Minuten, welche sie jetzt genoß, genau so vorausgeschildert hatte, statt aber, wie sie gehofft, bei ihrem Verlobten Verständniß zu finden, begegnete sie einer entschiedenen Abweisung. Sie erhob den Kopf und sagte sehr ernst: „Ich gebe Dir die heilige Versicherung, daß sich Alles so zu— getragen hat, Friedrich.“ „Unsinn, theuerste Clarissa!“ „Zu meinem Bedauern werde ich inne, daß in einer so wichtigen, so ernsten Frage eine zu große Meinungsverschieden— heit zwischen uns herrscht—“ „Aber, bestes Kind, wie kannst Du Dich doch um einer solchen Kleinigkeit willen so erregen,“ scherzte er, kam aber damit sehr übel an. „Der Spiritismus ist für mich keine Kleinigkeit, son— dern eine heilige Sache, mit der ich nicht so leichtfertig umgehen lasse,“ versetzte sie. „Clarissa, mein Liebchen, besinne Dich,“ bat er und wollte ihre Hand ergreifen. „Das that ich soeben,“ erwiderte sie, ihm die Hand entziehend, in hochmüthigem, eiskaltem Tone,„ich habe mich noch zur rechten Zeit besonnen, daß wir Beide im Begriff standen, einen gro— ßen, verhängnißvollen Irr— thum zu begehen, glücklicher— weise ist es noch Zeit, davon zurückzukommen. Ich bitte Sie, alles, was heute zwischen uns verabredet ward, als nicht gesprochen zu betrachten. Leben Sie wohl, Herr Haupt⸗ mann.“ „Aber, liebe Clarissa, willst Du wirklich unser Lebens— glück einem solchen Wahn zum Opfer bringen? Be⸗ denke—“ „Leben Sie wohl, Herr Hauptmann von Soden,“ unterbrach ihn Clarissa mit der Miene und der Haltung einer Königin, die eine Au— dienz beendigt, und wandte sich dem Nebenzimmer zu. Es blieb dem Hauptmann nichts übrig als den Rück— zug anzutreten, was dem tapferen Soldaten, wie dem aufrichtig Liebenden gleich schwer ankam.— Sobald die Thür hinter ihm zugefallen war, verließ auch Clarissa die so gut gespielte Kälte und Festigkeit. Sie brach in Thränen aus und warf sich auf das Sopha.„Wie kann er behaupten, es sei Unsinn?“ schluchzte sie, „ich habe mehr als einen Beweis von dem Hereinragen der unsicht⸗ baren Welt in die sichtbare. Noch heute dachte ich just in dem Augen— blicke an ihn, als die Thür sich öffnete und er hereintrat.“ Schade, daß das gute Kind nicht diesen Beweisgrund in Gegen⸗ wart des Hauptmanns angeführt hatte, war irgend etwas im Stande, den Ungläubigen zu überzeugen, so müßte es sicher dieser überaus wunderbare Vorgang gewesen sein. „Was fehlt nur Clarissa?“ fragte einige Tage später Lieutenant Otto von Burg seine Mutter, als er sich mit dieser bei einem Be⸗ suche, den er ihr abstattete, allein befand,„sie hat sich ja seit der b 2317 2 ud ute 28 ugda a 8 G 5 — udg 291 pute uus pppd ene un 18 N 910 . kurzen Zeit, wo ich sie nicht gesehen habe, erschrecklich verändert. Ist denn die Geschichte mit Soden immer noch nicht im Reinen?“ „Ich weiß es nicht!“ seufzte Frau von Burg und machte eine weinerliche Miene.„Er war an dem Nachmittag hier, als ich Frau von Etzel zur Kaffeestunde besuchte.“ „Glaubst Du, er habe um sie angehalten und sie habe ihm einen Korb gegeben?“ „Wie soll ich denn das wissen? Clarissa sagt mir so wenig etwas von ihren Angelegenheiten wie Du. Ich weiß wahrlich nicht, warum ich noch in der theuren, unbehaglichen Residenz lebe; ihr beide braucht mich ja doch nicht. Du wohnst so wie so nicht bei mir, 1 in der Nähe Deiner Kaserne und Clarissa hat Freundinnen, bei denen sie sich wohler fühlt als bei ihrer Mutter. Ich kündige die Wohnung und bleibe Sommer und Winter draußen auf meinem Gute.“ Es war dies Frau von Burgs Haupttrumpf, den sie ausspielte, sobald sie sich von ihren Kindern vernachlässigt oder von ihren Be— kannten verletzt glaubte. Otto kannte dies schon und wußte auch, welche Karte er dagegen zu werfen hatte. Er schlang seinen Arm um sie und sagte in weichem, schmeichelnden Tone: „Das thust Du ja doch nicht, Mütterchen, das kannst, das darfst Du mir nicht anthun! Was sollte ich anfangen, wenn ich nicht jeden Tag wenigstens einmal zu Dir kommen könnte? Und Clarissa hier allein lassen, daran ist erst garnicht zu denken! Was ist Dir? Wer hat Dir etwas gethan?“ „Die Sache mit Soden und Clarissa beunruhigt mich,“ ent⸗ gegnete Frau von Burg schon wieder halb versöhnt,„und dann hat man auch sonst seine Verdrießlichkeiten. Denke Dir nur, da hat mir Frau von Wedel erzählt, bei der Baronin Olden wäre am 27. eine große Abendgesellschaft und wir haben keine Einladung dazu erhalten.“ „Abscheulich!“ rief der Lieutenant mit gutmüthigem Spott,„aber es ist ja noch lange hin bis zum 27., die Einladung kann ja noch kommen.“ „Nein, nein, die Olden ladet immer sehr früh ein,“ behauptete Frau von Burg,„findest Du es nicht auch sehr rücksichtslos von ihr?“ „Unverzeihlich,“ lächelte Otto.„Weißt Du was, Mütterchen, bei der nächsten Gesellschaft, in der ich mit der Baronin zusammen⸗ treffe, verwickele ich meine Sporen in ihre Schleppe so, daß sie un— rettbar verloren ist.“ „Aber Otto!“ „Oder soll ich lieber Dynamit unter ihren Wagen legen?“ fuhr der hübsche Husarenoffizier fort, indem er aufstand und sich zum Gehen anschickte.„Ich muß jetzt zum Dienst, liebe Mutter, aber morgen Mittag komme ich, da wollen wir zusammen die jüngst geschossenen Hasen verspeisen, und vielleicht habe ich auch bis dahin etwas über Soden erfahren, was ich Dir erzählen kann.“ Der Lieutenant entfernte sich, Frau von Burg blickte ihm mit den glückseligen Augen einer zärtlichen Mutter nach. „Ein toller Bursche, aber brav und echt wie Gold,“ flüsterte sie. „Wißt Ihr schon, Soden hat Urlaub genommen, und ist verreist,“ sagte Lieutenant von Burg am nächsten Tage, als er mit dem Glocken— schlage vier in die Wohnung seiner Mutter trat, wo ihn der ge— deckte Mittagstisch bereits erwartete. Er warf dabei einen schnellen Blick auf seine Schwester und glaubte ein jähes Zusammenzucken und Erbleichen zu bemerken, eine weitere Fortsetzung des Gespräches, das er einzuleiten gehofft, ward jedoch abgeschnitten, denn gleichzeitig mit ihm rief Frau von Burg, eine Karte in die Höhe haltend: „Die Einladung von der Baronin Olden ist doch gekommen, Otto. Frau und Fräulein von Burg werden auf Donnerstag den 27. des Monats zu einer Soiree eingeladen,“ las sie.„Gedanken— lesen, steht in Parenthese auf der Karte. Wie interessant!“ „Hu!“ versetzte der Lieutenant sich schüttelnd.„Hoffentlich finde ich nicht auch eine Karte, wenn ich nach Hause komme. Es ist alles Humbug, immer dieselben Albernheiten; es kommt weiter nichts dabei heraus, als daß Männlein und Fräulein einander ungestört bei den Händen halten können.“— „Otto, das ist denn doch zu arg!“ schalt seine Mutter ganz empört.„Wenn die Sache sich verhielte, wie Du sagst, so würde die Baronin wahrlich nicht dergleichen bei sich veranstalten. Uebrigens ist es nicht etwa so ein gewöhnlicher Gedankenleser, wie es zuweilen von Dilettanten in Gesellschaft zum Besten gegeben wird; es wird ein wirklicher Spiritist, ein Engländer oder Amerikaner, ein Mr. Barrington, da sein. Es war kürzlich bei Etzels schon viel von ihm die Rede; er soll Wunderdinge leisten können.“ „Wunderdinge für Frau von Etzel, dazu gehört nicht viel. Bist Du denn auch von der Manie angesteckt, Clarissa?“ wandte sich der Lieutenant an seine Schwester, während er seiner Mutter den Arm reichte, um sie an den Tisch zu führen, denn die Dienerin hatte soeben die Suppe aufgetragen. „Ich— ich,“ stammelte Clarissa,„ich weiß nicht, ich denke aber doch, es muß etwas darin liegen.“ „Ja, aber was?“ scherzte der Lieutenant,„doch Du hast mich vorher unterbrochen, liebe Mutter, was sagt ihr nur dazu, daß unser Freund Soden so plötzlich Urlaub genommen hat und ab— gereist ist?“ „Wohin denn, Otto?“ fragte Frau von Burg. „Darüber sind die Meinungen getheilt. Manche sagen, er habe nur einen Ausflug nach Paris gemacht, Andere wollen behaupten, er sei um seinen Abschied eingekommen und wolle eine getäuschte Hoffnung in Kamerun vergessen.“ „Von wem hast Du das gehört?“ fragte Clarissa, während sie ihr Auge beharrlich auf den Teller gerichtet hielt. „Ich traf gestern Abend Held, der erzählte es mir; er fügte noch hinzu, er sei am vorigen Donnerstag gegen Abend Soden am Schillerplatz begegnet und hätte ihn anreden wollen, der sei aber ohne zu hören und zu sehen an ihm vorbeigestürmt, als ob ihm der Kopf brenne, es müsse ihm ganz etwas Besonderes begegnet sein.“ „Merkwürdig!“ versetzte Frau von Burg und blickte fragend und erwartungsvoll zu ihrer Tochter hinüber, da diese aber beharrlich schwieg, fühlte sie sich verletzt und versank ebenfalls in Schweigen. Um das Gespräch wieder in Gang zu bringen, erkundigte sich der Lieutenant in seiner liebenswürdigen Weise, was sie auf der Abend— gesellschaft für eine Toilette zu tragen gedenke. „Ich lasse mir mein grünes Sammetkleid mit meinen echten Spitzen garniren und trage einen Aufsatz von Points und grünen Federn dazn,“ erzählte Frau von Burg, die sogleich in ihrem Fahr— wasser war;„Clarissa, Du hast mir noch gar nicht gesagt, was Du anzuziehen gedenkst,“ fügte sie, das Wort an die Tochter richtend, hinzu. 0— ich,“ erwiderte Clarissa, indem sie aus der auf dem Tische stehenden Schale etwas Zucker nahm und damit an's Fenster trat, um es dem Kanarienvogel in sein Bauer zu stecken;„ich habe noch garnicht darüber nachgedacht, ich habe überhaupt wenig Lust, in die Gesellschaft zu gehen.“ „Keine Lust!“ wiederholte Frau von Burg, die Hände zusammen— schlagend,„was ist nur mit Dir vorgegangen? Noch vor etlichen Tagen warst Du ja Feuer und Flamme für Gedankenlesen, Geister⸗ schrift und wie die Dinge alle heißen; ich dachte, es würde Dich unglücklich machen, könntest Du die Gesellschaft nicht besuchen, des- halb sehnte ich mich ja nur so sehr nach einer Einladung.“ „Wenn ich nicht eingeladen wäre, würde es mich wahrscheinlich betrübt haben, und nun ich hingehen kann, mache ich mir nichts daraus,“ erwiderte Clarissa, ihren Platz wieder einnehmend, in müdem Tone,„was man nicht hat, das gerade braucht man und was man hat, kann man nicht brauchen! Gesegnete Mahlzeit, Mama.“ Man stand vom Tische auf und Clarissa eilte schnell aus dem Zimmer. i „Otto, kannst Du mir erklären, was das Alles bedeutet?“ jammerte Frau von Burg.„Es ist doch ein wahres Elend mit dem Mädchen! So viel wie ich steht ja keine Mutter mit ihren Kindern aus!“ „Mit mir doch nicht, ich bin doch ein Musterknabe, Mütterchen,“ schmeichelte der Offizier und brachte die schwache Mutter bald wieder in gute Laune; als er sie bald darauf verließ, dachte er aber ernst⸗ lich über das Betragen der Schwester nach. „Die arme Clarissa hat einen Streit mit Soden gehabt und ihm den Laufpaß gegeben,“ sagte er,„und nun grämt sie sich und möchte ihn wieder haben. Ich möchte wohl wissen, was dahinter steckt; sollte mich gar nicht wundern, wenn es wegen des Spiritisten⸗ Schwindels einen Krach gegeben hätte; ich weiß, er haßt ihn wie die Sünde, und Clarissa, die sonst immer dafür schwärmte, war plötzlich so kühl und machte den Eindruck, als möge sie gar nichts davon hören; ich muß dem Dinge auf den Grund zu kommen * ee PPP 1— e — 3 = 8 0 tt n ee e e eee ee PD 2319 suchen. Der Schreckschuß mit Kamerun hat übrigens seine Wirkung nicht verfehlt— Soden hat nur Urlaub genommen, um ein paar Tage auf's Land zur Jagd zu gehen.“ „Ob wohl der Mr. Barrington derselbe ist,“ fuhr er in seinem Selbstgespräch fort,„der uns kürzlich im Kasino mit Taschenspieler— kunststücken unterhielt, damals klang der Name etwas anders, es wäre aber auch interessant, darüber ins Klare zu kommen.“ „Da ist ja Soden wieder!“ sagte am Vormittage des 27. Februar Lieutenant Rauch zu Otto v. Burg, mit welchem er die„Esplanade“ entlang schlenderte,„ich muß sogleich Beschlag auf ihn legen für den heutigen Abend bei meiner Tante; sie fürchtet, es könne Mangel an Tänzern eintreten und hat mir auf die Seele gebunden, noch herbeizuschleppen, wessen ich nur habhaft werden kann. Sie bleiben unerschütterlich, Burg?“ „Ich habe Ihnen bereits erklärt, daß es mir für heute Abend unmöglich ist,“ erwiderte Otto mit der ernstesten Miene, die ihm zu Gebote stand. i „Das wollen wir nun so schroff nicht hinstellen,“ lachte Rauch, „jedenfalls sehe ich, daß Ihnen nicht beizukommen ist und will mein Heil bei Soden versuchen.“ „In dieser Stunde sollst Du erkennen, was für ein Herz Du Dein konnt'st nennen,“ summte Lieutenant von Burg,„Sie sollen doch sehen, daß ich nicht ohne Interesse für den großen Abend Ihrer Tante bin. Sagen Sie Soden nichts von dem Spiritisten⸗Genusse, der ihm bevorsteht, sonst läßt er sich nicht einfangen.“ „Also der Mr. Barrington verscheucht Sie, nun verstehe ich; es ist auch mein Fall nicht, aber que faire? Haben Sie für Ihren Wink den besten Dank. Es ist kameradschaftlich gegen mich ge— handelt, wenn auch nicht gegen Soden.“ „Man kann eben nicht zween Herren dienen,“ antwortete Burg, schnitt eine drollige Grimasse, reichte dem Kameraden die Hand und bog in eine Seitenstraße ein. Rauch machte lange Schritte und stand bald neben dem Hauptmann von Soden, der vor dem Schaufenster einer Kunsthandlung Posto gefaßt hatte und gänzlich in die Betrachtung der dort ausgelegten Kupferstiche und Radirungen vertieft schien. Rauch legte ihm die Hand auf die Schulter. „Wieder zurück, lieber Soden?“ „Ah, sieh da, Rauch!“ rief der Hauptmann, sich umwendend; „seit gestern Abend bin ich wieder hier.“ „Hocherfreut, Sie zu sehen; es ging das Gerücht, Sie hätten sich einer Expedition nach dem Nordpol angeschlossen.“ „Mein Ehrgeiz erstreckte sich nicht bis zu der Jagd auf Eis⸗ bären und Walfische, ich habe nur Hirsche, Rehe und Hasen ge⸗ schossen,“ erwiderte Soden, auf den Scherz eingehend. „Und mich sehen Sie auf der Jagd nach einem noch viel edleren Wilde, ich fahnde auf Kavaliere und besonders auf Offiziere,“ lachte Rauch,„und hoffe, soeben eine gute Beute gemacht zu haben.“ „Das heißt in schlichtes Deutsch übersetzt?“ „Meine Tante, die Baronin Olden, giebt heute eine große Abendgesellschaft, hat bedeutenden Succurs durch den Landadel er⸗ wartet und viele Absagen erhalten, da hat sie mich ausgeschickt, ihr einzufangen, was ich von tanzbaren Herren aufzutreiben vermag. Sie würden, wären Sie hier gewesen, eine Einladung in aller Form erhalten haben—“ „Ich verstehe; bis an den Nordpol konnte man mir die Karte nicht schicken,“ fiel Soden ein. „Nein, aber da Sie nun wieder hier sind und doch sonst bei meiner Tante verkehrt haben, so denke ich, falls Sie nicht jede Ge— selligkeit abgeschworen haben—“ „Ich komme selbstverständlich zu der Abendgesellschaft Ihrer Tante, es ist für mich eine Ehrenpflicht und ein Vergnügen,“ unter⸗ brach ihn der Hauptmann hastig, denn der forschende Blick, den Rauch auf ihn richtete, wollte ihm gar nicht gefallen.„Apropos, kommt Burg auch?“ warf er dann wie von ungefähr hin,„ich dächte, ich hätte ihn soeben gesehen.“ „Nein, er macht allerlei Ausflüchte,“ erwiderte der Lieutenant mit einem diplomatischen Lächeln, das Soden sich aber auf seine Weise deutete; sichtlich erleichtert, wiederholte er seine Zusage.— Während dieses Gespräch zwischen den beiden Offizieren geführt ward, hatte Lieutenant von Burg eine wohlbekannte Thegterbuch⸗ handlung aufgesucht. Nach kurzer Zeit trat er daraus wieder her⸗ vor, rief einen unweit davon haltenden Droschkenkutscher an und nannte ihm eine Adresse, die er von einer Karte, welche er in der Hand trug, ablas. Die Fahrt ging nach einem im Mittelpunkt der Stadt belegenen Hotel garni. (Schluß folgt.) Lose Blätter. Unsere Bilder. Vor wenigen Jahren erregte ein Gemälde von Meyer⸗ Bremen auf der akademischen Ausstellung zu Berlin das lebhafte Interesse der Besucher.„Die junge Mutter“ nannte der Maler sein Bild, das nicht nur durch die reizvolle Behandlung des jugendschönen Frauenkörpers und die warme Beleuchtung anziehend wirkte, sondern mehr noch durch den Um⸗ stand, daß etwas von dem Mutterglück des jungen Weibes sich in den Zügen und der Haltung der Schläferin spiegelte. Unser Bild entbehrt zwar des Farbenzaubers, der die Figuren verschönte, allein auch die Zeichnung läßt uns den Reiz der traulichen Familienscene empfinden.— Das Bildchen „Coeurbube“ ist nicht schwer verständlich. Die Schöne mit den großen träumerischen Augen hat die Karten befragt, ob ihr der Liebste zum Gatten bestimmt sei und ihre Hand hat den Coeurbuben gezogen. Die Dame wünscht es jedenfalls, daß das Karten⸗Orakel Recht behalte und der Herz- bube ihre Hand begehre. 70 655 Der wisch⸗Fanatismus. Unter den geistlichen Orden der Muhammedaner übertreffen die Rufagees alle übrigen Derwische an Fanatismus. Ihre Ceremonien sind ebenso unsinnig wie grausam. Sie beginnen ihre feier⸗ lichen Zusammenkünfte mit wildem Geschrei und heftigem Springen, ihrem heiligen Gesange und Getanze. Sind sie dabei sämmtlich zur Erde gestürzt, so erhebt sich der Schaik(der Obere des Ordens) von seinem Sitze und holt eiserne Instrumente herbei, die er glüht und seinen Gläubigen reicht. Diese belecken das glühende Eisen, als ob es ein lieber Gegenstand sei und kühlen es endlich im Munde ab. Wer kein Eisen erhält, ergreift mit Wuth ein Messer und verwundet sich Arme und Beine. Dabei stößt keiner dieser Fanatiker einen Schmerzensschrei aus, sondern sie werfen sich, wenn die Kraft erlahmt, einem Bruder in die Arme. Der Schaik berührt die Wunden mit Speichel und spricht Segensworte darüber. Der Orden der Begtaschi, der noch strenger war und sich auch die Lieblinge Allahs nannte, wurde in den dreißiger Jahren unseres Säkulums durch ein Irade aufgehoben. W. G. Im Kreuzzuge gegen die Albigenser fragten die nordfranzösischen Ritter den päpstlichen Legaten, wie sie bei einem Sturme oder in einer Schlacht die rechtgläubigen Katholiken und die Ketzer von einander unter⸗ scheiden könnten.„Gebt Euch damit nicht ab,“ lautete die Antwort,„sondern Gott wird die Seinigen schon erkennen und schützen.“ W. G. schlagt Alles todt. Amerikanische Pferdefähre. In der sehr belehrenden Reise des Herzogs Bernhard von Sachsen⸗Weimar⸗Eisenach durch Nordamerika in den Jahren 1825 und 26 findet sich folgende Beschreibung einer Pferdefähre über den Hudsonfluß, am Dorfe Greenbusch, nahe bei Albany.„Diese Fähre besteht aus zwei aneinander befestigten Schiffen, die ein gemeinschaftliches Verdeck, und zusammen eine elliptische Form haben. Auf demselben steht ein rundes Haus, in welchem sechs Pferde im Kreise herumgehen und ein horizontales Kammrad drehen; das Kammrad bewegt ein Skirurad, und das Stirnrad ein vertikales Rad, um dessen Axe sich zwischen den beiden Schiffen zwei gewöhnliche Räder mit Schaufeln, wie bei den Dampfbooten, drehen, und das Ganze in Bewegung setzen. Die Wagen— weiundzwanzig zwei⸗ spännige können auf einmal übergefahren werden.— ehen rechts und links an der Fähre neben dem runden Hause, in welchem die Pferde sind. Ein vorn und hinten angebrachtes Steuerruder geben der Fähre die gehörige Direktion. M. Champagner ist nicht Dresdener Bier. Der Kurfürst von Sachsen und König von Polen Friedrich August gab seinen getreuen Ständen während des Dresdener Landtages ein prächtiges Bankett. Da fehlte es an nichts, und die Herren Hofpoeten waren nicht müßig gewesen, den Glanz in tönenden und nichk tönenden Versen nach französischer Art, den in steifen Formen daherschreitenden Alexandrinern, zu preisen. Auch den„Schaum- wein aus Champagner Flur“ hatten sie nicht vergessen und sie waren nicht die Einzigen, welche daran Gefallen fanden. Zu selbigen gehörte ein königlich kurfürstlicher Lakei, der eine Flasche in die weite Pattentasche versenkt hatte. „Es ist jedoch nichts so fein gesponnen, es kommt endlich doch an die Sonnen,“ sagt das Sprüchwork, und ein schadenfroher Dämon treibt hin und wieder sein schadenfrohes Spiel. So explodirte die annektirte Flasche, und der entfesselte Wein nahm den Weg in Friedrich Augusts Perrücke. Die Locken sind dahin, die Haarsträhnen triefen. Die Gäste ziehen die bedenklichsten Mienen; denn sie wollen das Lachen unterdrücken. Der Lakei aber stürzt sich dem Fürsten zu Füßen und schreit:„Gnade!“ Friedrich August nimmt die Allongenperrücke vom Haupte.„Bring' eine neue!“ spricht er ruhig:„Ein anderes Mal gehe nicht so ruchlos mit dem Schaum⸗ wein um; denn Champagner ist kein Dresdener Bier.“ W. G. —— ———— ———— ü——ñ— Schach Rösselsprung. Problem Nr. 413 5 5 f f von A. Bayersdorfer in München. es han⸗ so ta⸗ ge⸗ je⸗ Schwarz. be⸗ daß du man. in lie- gen 25. 2 15. i f 6 7 1 15*** a 375„ dem wirk⸗ ne 0 i gen lip⸗ ihr un⸗ ler bist ver⸗ mir N 5 0 2 2 2 wirk⸗ lich 25 1. 1 1 ,.. 5 80 Weiß zieht an und setzt mit dem vierten Zuge Matt. W e,, 2. 2. 25 7 N„ N 1 2 12 n a ö ö. 52 ank⸗ we ihr al⸗ ich ganz. 8 5.. 4 C könnt! mes sagt delt ba⸗ lich feind⸗ du 2 1 8 0. 5 3 Is schlim wie sa⸗ ren wan⸗ so 1 Kapsel-Räth sel. N Versuch's, das Ende von dem einen, Auflösungen. Den Anfang von dem nächsten Wort Problem Nr. 405 von F. Dubbe in Rostock. N Geschickt zu neuem Wort zu einen, 1) Ka6é-b7 1 Und was du suchst, hast du sofort. 2) 52.531 d6— 5(bel.) 114 J. Eine Vereinigung. 2. Eine Stadt in der italienischen Provinz Padua. 3053. ba(Dec 5 l 4 3. Ein Thier. 4. Ein Verhältnißwort. 5. Ein Thier. Andere Erwiderungen des Tempozuges Kbz! ergeben noch die Jonge drei Varianten: „ Daß dich Gott in Gnaden hüte 1).. Kes 2) Deaf d5(Kl5 oder d7) 3) Des Matt. 1).. g5 2) Dboef Kes 3) f4— fo Matt. N Herzblatt du der Weltenblüthe 1).. Lat(er) 2) S7 Kos 3) DPb5 Matt.— Angegeben von Dr. Webrmeister in M., Dr. 5 Völkerwehre 0 25. 80 dene F. 12 in G., W. Kron in B., J. Hintzpeter in S., Michaelis in 1„W. Scheuler in S. 0 Stern der Ehre, Daß du strahlst von Meer zu Meere 1 406 5 Und dein Wort sei fern und nah, 1 1 e N n Nat. 1 Und dein Schwert, Germania! 2) h6—h7 3—82¹ 5 3) ch c e5-d 4) Lg bf Die drohende Maltführuug 2) br 3) ha 4) Dbg resp. f6—17 Matt ist nur noch dur Lags(es) 55 4 Weiß spielt auf diesen Dießen 2) 7 Lt7: 3) hr und 4) hs Matt resp. 2) 3 8D 2c. Veranlassung zu dieser Composition wurde dem Verfasser 1 durch das mappen vierzügige Problem gegeben, mit welchem S. Loyd im Problem und ö Lösungs⸗Turnier des Mirror ot American Sports doncurrirte: Weiß: Kgi; Lade; Ses. es; f Bas, b2, ba, d2, 3 Schwarz: Kds,(es; Bar, b5, b6, ds, fö. 7. 75 g7 Weiß setzt mit 8 dem vierten Zuge Matt. Indem die Mehrzahl der Löser dieses Problem mit 1) 4 2) LIS 15 3) LDg7 und 4) Lié: Matt vollständig gelöst zu haben glaubten, war ihnen die ee Pointe entgangen, welche in der Entgegnung 1).. Uhi und der durch die Pattdrohung .(2).. g2] erzwungenen Fortsetzung 2) 52 bs ic. besteht.— Der einsache Fünfzüger Nr 71 der Kobtz und N schen Problemsammlung enthält den gleichen Gedanken: Wei Dreisilbige Churcde Logogriph. Beim Dokumente, bei kan ger Schrift Man öfters ganz oben am Rande mich trifft; Doch läßt du das erste der Zeichen verschwinden, So wirst du im heil'gen Gebrauche mich finden. Kg: Lal; Sts; Bhé. Schwarz: Khs; Lfa; fgs Lösung: 1) Leb! Lhil 2) Lg3.J 3) J. 6 4) LIS 5) L 7 Matt Noch Alter als diese letztere Aufgabe 11 ein Endspiel von folgender oder ähnlicher Aufstellung: Weiß: Kbs, Lags; Bad. bz, be, Schwarz: Ki; Bb7, Das Erste ist das Bilde der Eifersucht. Die andern zwei such' in der Vögel Kreisen. Nein Ganzes weiß der Frauen Ernst und Zucht Aus ihrer Nähe zu verweisen. 9 a burg 5 a 12 3 2 8 de, dé, g3 und ha. Weiß hat den Zug und erzielt Remis 9 1 1) Ldl 2) Lad 3) b2- bs, wonach Schwarz außer Stande ist, die Pattstellung aufzubeben.— Die schöne Ausarbeitung Bergerés aber zeigt, wie sich die allen diesen Compositionen gemeinsame Pointe mit einem Hauplspiele vereinigen läßt, welches den Anforderungen der Oekonomie* Mattreinheit l gerecht wird.— Angegeben von F. Osten 5 G., W. Kron in B., J. Hintzpeter in „Dr. Wehrmeister in M, 1 Michaelis in Th., W. Scheuler in S. Problem Nr. 107 von J. Kohtz und C. Kockelkorn. Auflösung des Silben Räthsels in voriger Nummer:. Mee— 5 5 f Revolver. 2. Eriesee. 3. Lägel. 4. Ili. 5. Eiche. 6. Falstaff. 5 1 K 15 5 105 15 f a e 8. Faserstoff. 9. Eidechse. 10. Illimani. 11. Landstuhl. 2) De eg“ 13—03.(d5, f5) 5 Eugenie. 13. Neuet;— des Logogriph: Reger— Regen— Eger; 3) Dg3.—el(28, 3) 1 — des 8 üchstaben⸗ Räthsels: Varianten: 1). Kes 2) Lbst Kd7(es ꝛc) 3) Der(es, 4) Matt. 1). Tb 2) Ldâ Ke: 2c. 3) Des Malt. 1).. c oder beliebig 2) Lds(6) D giebt Matt. Der starke Zug 0 W Tag-es führt nicht 17 Lösung, Schwarz antwortet mit hö hal el enso scheitert 1) Lbs an 0 bs, denn 2) Tes Tba!— Angegeben von F. Osten in G., W. Kron in B., H. Michaelis 7 Ke f in Th., Dr. Wehrmeister in M. 10 e Problem Nr. 408 von G. Chocholous in Bodenbach. f 1 e e 1) ba—b4 Td7 or 8 Ids es 0 ö e eee 2) D316 Kdé—d7(d5) 2) Des 167 Kdé—07(d5) Kar Is ruhe 3) DfE—es(Ses) f 3) Dfö—c6(Ses) 7 1 5——— Varianten: 1).. Ker 2) Dttzt Kes 3) gs Matt. 1).. Ta: zieht beliebig 2) Des 1 Weiss fss Ee h Dur Kar 3) Sts Matt.— Die beiden zierlichen 3 auptspiele entschädigen für den Mangel an Ver⸗ 1 ö N führung und die sofortige Mattdrohung.— Ang* von F. Osten in G., Dr. Webrmeister 4 1 R HUS e r in M., W. Kron in B., H. Michaelis in 8 Scheuler in S. und W. Bock in B. 6 Aus der Schachwelt. „The Chess Problem Text Book, with illustrations“ ist der Titel einer neuen Er⸗ scheinung auf dem Gebiete des Problemschachs, welche die Herren H. C. Andrews, E. N. Frankenstein. B. G. Laws und C. Plauck zu gemeinsamen Versassern hat und neben 2 Auswahl von 400 Problemen der Autoren eine dieser Jah über die Problemkunst ent⸗ alten wird. Das Werk erscheint noch vor Ende dieses Jahres im Verlage von Cassel und omp., London und zum Preise von 6 Mark. Druck und Verlag der„Volks Belge Akt.⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. elch in Berlin, Lützowstr. 105.