—— r e eee fort, als dasselbe, um den Traum seines Herzens und die FFF 1 1 8 . See ec* Wie Beilage zu den Oberhessischen Nachrichten. O Vr. stess, Univ. Bibliothek Giessen. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Nr. 1. Gießen, den 3. Januar. 1886. Die Schwestern. Von Frida Schanz. Durch den Beistand Gottes und den eines treuen, hochsinnigen Menschen fühle ich mich nach langem Siechthum an die Schwelle eines neuen Lebens und Schaffens gestellt.— Die Vergangenheit mit ihrem Weh soll begraben sein!— Nur einmal noch will ich, indem ich die Erinnerungen einer todten Zeit in Folgendem zusammen— fasse, das Ueberwundene durchleben,— dem Auswanderer gleich, der einmal noch an den lieben Gräbern der Heimath betet und weint, ehe er über die Grenzmarken der heiligen Jugendstätten schreitet! Aus der frühesten Zeit meines Lebens, die in Entbehren und Darben verfloß, hatte ich in mein vom Himmelslicht meiner theueren Kunst überstrahltes Jünglingsalter die Liebe und Anhänglichkeit zu einem Freund hinübergenommen, der schon als achtjähriger Knabe durch den Beinamen„das Schulmeisterlein“ von den Nachbarskindern gekennzeichnet wurde und der auch in reiferem Alter durch seine spießbürgerliche Erscheinung, die komische Pedanterie seiner Manieren und seinen ewig docixenden Redeton den prächtigsten Repräsentanten dieser Benennung ausmachte. Was mich eigentlich aus der feinen Gesellschaft, die mir armen Burschen so unverdienter Weise ihre Kreise öffnete, immer wieder unwiderstehlich zu dem geliebten Erzphilister hinzog, der als treffendste Signatur den Namen Gottlieb Gutmann durchs Leben trug,— könnte ich kaum bestimmen. Vielleicht war es seine gut— müthige Ehrlichkeit, vielleicht mehr noch ein Gefühl der Nachbartreue, welches mich nie vergessen ließ, daß unsere Wiegen, nur durch eine dünne Wand getrennt, unter demselben armseligen Dach desselben hochstöckigen Vorstadthauses gestanden hatten. Als Knabe empfand ich außer meiner Zuneigung noch eine ge— wisse Art von scheuer Ehrerbietung vor dem flachshaarigen Buch— binderssohn; fielen doch dessen Brotschnitten um so vieles größer aus, als die meinen, und hörte ich es doch so oft aus meines Vaters Mund, daß der Nachbarsjunge, als einziger Sprößling, ganz andere Zukunftsaussichten habe, als ich und die Geschwister, die wir ein Nest voll fünf hungriger Mäuse ausmachten, welches dann freilich durch das ansteckende Hautfieber, das unser Aeltester mit aus der Schule brachte und auf die Kleinen übertrug, so furchtbar leer und öde ward! Gottliebs hauptsächliches Uebergewicht über mich schreibe ich heute noch seiner immer in musterhafter Ordnung befindlichen Blei— stiftbüchse zu, deren Inhalt er mir stets großmüthig zur Verfügung stellte, sodann einem wohl assortirten Vorrath von Papierstreifen und einem mächtigen Malkasten, dessen Farbentäfelchen durch ihre zähe Unlöslichkeit in meinen Angen keineswegs verloren. Unverändert dauerte meine Neigung für das„Schulmeisterlein“ Weis⸗ sagung der Nachbarskinder zu verwirklichen, mit der grünen Mütze .—— 3 auf dem blonden Scheitel nach dem Seminar pilgerte, während ich selbst durch die Güte des unvergeßlichen Galleriedirektors H., der mich einst beobachtet hatte, wie ich allerlei unmögliche Fabelwesen in den Sand des Zwingergartens gezeichnet, unter den Schülern der Akademie installirt war. Gottliebs Nüchternheit, seine Pedanterie und seine schlicht bürger— liche Moral däuchten meiner jungen, von tausend schrankenlosen Gedanken, Wünschen und Hoffnungen durchflutheten Seele als ein Gegengewicht, das ich nicht hätte missen mögen.— Wie oft habe ich Ruhe und Maß in der Gesellschaft des kindlichen Gesellen wieder— gefunden, wenn es in mir wogte und stürmte, wenn der Glanz einer erträumten Schönheit und der Schmerz um die Unzulänglichkeit menschlicher Schaffenskraft meine Seele füllte oder wenn der junge Ruhm, der sich wie ein Lenzvogel unvermuthet über Nacht in mein Kämmerlein stahl, mir mit seiner süßen, lockenden Stimme den Sinn verwirren wollte! Als wir dann beide fast zu gleicher Zeit den Tod unserer Eltern beweinten, rückten unsere Herzen im Leide nur noch näher und traulicher zusammen. In jener Zeit wußte ich es ihm einzureden, daß seine Würde als neuernannter Hilfslehrer einer vorstädtischen Freischule und meine eigne, mir unverdienter Weise über den Kopf wachsende Beliebtheit die ärmliche Dachwohnung, die wir noch inne hatten, unmöglich machte. Widerstrebend zog der gute, kleine Mann mit mir in das schöne helle Haus am Elbufer, wo ich, im fröhlichen Bewußtsein täglich steigender Einnahmen, eine Reihe von Zimmern für uns beide gemiethet hatte.. Mit reizendem Ehrgeiz suchte er mir's nun im Geldverdienen gleich zu thun. Eine ganze Schaar nachhilfebedürftiger Privatschüler trippelte des Nachmittags an meiner Atelierthür vorbei, und wenn ich, von meiner Arbeit rastend, mich der Thür näherte, die unsere Zimmer schied, konnte ich mich zur Beruhigung meiner Nerven an dem Wechselklang seines würdigen Basses und frischer, klarer Kinder— stimmen erlaben. Unersättlich suchte er die Anzahl dieser kleinen Trabanten zu mehren und scheute sich nicht, sich eines Tages auch zum Nachhilfs— lehrer eines fünfzehnjährigen Gymnasiasten anzutragen, der durch die Zeitung einen gewandten Lateiner zum Präceptor suchte.— Des guten Gottlieb„Latinität“ war mir nun stets als ein Gegenstand des Belächelns erschienen. Mit schönem und redlichem Eifer hatte er während seiner Seminarstudien sich die Sprache des Virgil anf eigene Faust anzueignen gesucht, und manche Nacht war er, laut deklinirend und konjugirend, in seinem Schlafzimmer auf— und abspaziert. Indessen wagte ich dennoch— unbeschadet meiner sonstigen Hochachtung für den edlen Pädagogen— an seiner Au— torität in klassischen Dingen gelinde zu zweifeln. 8 . 8 —— Do—— Y f d 2 We e 5 85 15 f 0 f 4 5 1— 1**.— 5 Der junge Gymnasiast aber, sei es, daß Gottlieb's Schulmeister⸗ doch vergingen Wogen, ohne 5 1 je 84 dere würde ihm imponirte, sei es, daß das Bewußtsein seiner Schwäche Wunsch, es zu betreten, geäußert hätte. 1 Das eee niß ihn dem ersten besten Retter in die Arme trieb, ergab sich ver- zwischen ihm und seinem Magister. schien sich indeß erträglich zu trauensvoll der Führung des fraglichen Lateiners. gestalten, mein Freund bereitete sich mit wahrhaft krampfhaftem Nachdem mir der Freund, halb stolz, halb verlegen, diese neue Fleiß auf seine Lektionen vor, woraus 5 jedoch, trotz allem, wahr⸗ Errungenschaft gebeichtet und dabei nicht wenig mit dem adeligen scheinlich einen größeren Gemiun des le 75 5 ler. f 8 Namen des neuen Zöglings, Oktav von Sassen, geprunkt hatte, traf Ich selbst war dem en en age e ich eines Tages auf der Treppe unserer Behausung einen bildschönen begegnet. ee 85 Vorsatz, Jungen, der mich mit einem feinen Anstand, über den sich geniale den kleinen Liebhaber i Besuche meines 13 Sekundaner im Allgemeinen gern hinwegsetzen, nach der Wohnung Bilderkabinets einzulade„ 2 des Herrn Gottlieb Gutmann fragte. Um das feine, fest und klar Um so mehr freute it eines abend⸗ 5 geschnittene Gesicht des Knaben, seine feurigen, ausdrucksvollen, unter lichen Ciefestes, das ety Mitt 77 1 0 schweren, dunkelbewimperten Lidern hervorblitzenden Augen und den kalten Winters auf der ede e n gese hmeidige 1 stolz geschürzten Mund meinem Malergedächtniß einzuprägen, ließ Gestalt Oktav's inmitten der fröhlichen, eee Lampions 3 ich die Blicke, ehe ich antwortete, einige Zeit lang forschend auf und dem unsicheren Licht der nebelumflorten Mondsichel bestrahlten * diesem Bilde erwachender Jugendkraft run. e Menge auftauchen sah. 1.. 99 55 5 Statt aber die strahlenden Sterne vor meiner Zudringlichkeit Unwillkürlich lenkte ich meine ee an jenem? dend 5 niederzuschlagen, ließ der Knabe deren mächtigen Blick ruhig und von der fröhlichen Gesellschaft, die mich in ihre 10 0 1 1 5 gleichfalls wie prüfend über mein Antlitz gleiten.—. wieder dem, Knaben zu, dessen außerordentliche eee un. 2 So standen wir uns eine Sekunde lang gegenüber, wie Mann Schönheit übrigens noch manchen anderen Blick fesselte. 10 10 5 6 gegen Mann, von dem Jeder des Andern innerstes, verborgenstes unsichtbaren Flügeln getragen, schwebte 8 in sicheren,, e f 5 Sein zu ergründen strebt. 15 46 Bahnen dahin,— sein lockiges Haar, das sich unter der unklen 4 Am liebsten hätte ich den Knaben mit einem falschen Bescheid Schülermütze eee umflatterte ihm 10 8 die 1 1 19 — hinweggeschickt, um meinem theuren Gottlieb die Beschämung zu die großen, sammtenen Augen strahlten in stolzem, fröhlichem Selbst— 1 ersparen, vor diesen klugen, durchdringenden Kinderaugen sein mangel⸗ bewußtsein.„. f 5 f l 7 haftes Latein auskramen zu müssen; doch leitete mich auch wieder Einmal, als ich ihn, von seinen jugendlichen Genossen entfernt, . die Aussicht, dem modernen Heliogabalus vielleicht öfter zu begegnen.] nahe an der Grenze des abgesteckten Eisbezirks allein sah, benutzte 1 So wies ich ihn denn nach der Thür unserer gemeinsamen Gargon- ich die Gelegenheit, um mich ihm zu nähern und ein paar Worte 1 9 wohnung, an welcher übrigens auf goldumrahmten Pappschildern, mit ihm zu wechseln. Aber sei es, daß er mich nicht erkannte, 8 5 die aus Gottliebs väterlichem Erbe stammten, unser beider Namen Tsei es, daß er mir nun eine spezielle Probe seiner Kunstfertigkeit . und Stand in kalligraphisch ausgeschmückten Lettern prangte.— vorzuführen gedachte, 9 kurzum, statt mein Näherkommen zu * Als ich Gottlieb am Abend wiedersah, war meine erste Frage warten, glitt er mit verschränkten Armen und stolz gestreckter Haltung . nach dem neuen Schüler. in weitem Bogen rückwärts, so daß sein blanker Stahlschuh eine 5„Echtes blaues Blut,“ sagte er ruhig, indem er die runden, im Mondlicht hell aufblitzende Kurve in die hier unberührte, matt— 3 hellgrauen Augen, um ihre Sehkraft zu schonen, der silbergefaßten flimmernde Eisdecke zeichnete. l i N Brille entledigte, wie er es täglich nach vollbrachtem Arbeiten that. Ein unwillkürlicher Laut der Bewunderung entglitt meinen *„Voll Stolz und Widerspruchsgeist!— Mit der Zeit wird man Lippen; er erreichte jedoch nicht des Knaben Ohr, so wenig, wie 1 wohl Herr über ihn werden!“— ich ihn selbst vernahm. Ein weitverhallendes Prasseln und Krachen, 4 Ich konnte mich eines Lächelns nicht erwehren. das plötzlich unter der glatten Fläche hörbar wurde, verschlang ihn 4„Immerhin ein wundervoller Junge!“ warf ich ein. in seinem schreckenverkündenden Gepolter. J 3 3„Kennst Du ihn denn?“„Geschwind, rette Dich;— das Eis bricht,“ rief ich 21 9„Ich traf ihn auf der Treppe und musterte ihn, ehe ich ihn,[Angst dem Knaben zu, der noch aufrecht mit wehendem Haa 9 als Deiner Leitung würdig, Dir zusandte. todtblassem Gesicht auf dem wankenden, berstenden Boden stano. 4„Ja so, deshalb fragte er so viel nach Dir. Ich glaubte, nur Ein Lachen, mit dem er sich wohl selbst Muth einreden wollte, —+ der Name an der Thür habe ihn aufmerksam gemacht.— Daß ich das aber grausenvoll in dem heraufquellenden Gemurmel der frei- . Dir's nur gestehe: er wollte durchaus ein Bild von Dir sehen; ich gewordenen Wellen verhalte, tönte zu mir ber. 5 1 * zeigte ihm das Frauenbild auf Deiner Leinwand und erklärte ihm, Eine Sekunde später war das tapfere Kind verschwunden. Ein 4 daß es eine Allegorie des Volksliedes sein solle.“— klaffender Riß in der trügerischen Hülle zeigte die Stelle an, wo *„Das hast Du ihm sicher aufs Beste klar und begreiflich ge. sein schöner Körper versunken war. 1 i . it Was nun geschah, weiß ich nicht genau. Ich mag wohl in f„Er schien es trotzdem nicht zu verstehen, wenigstens sagte er blinder Hast, ohne mich der Schlittschuhe zu entledigen, zu der 9 5 . kein Wort; nur ehe er ging, fragte er mich, ob Du denn mit mir heilsstätte geeilt und dem Verunglückten nachgesprungen sein. Alle über Deine Arbeiten sprächest.“— Einzelnheiten sind meinem Gedächtniß entschwunden. Ich sehe mich 1 Nach der nächsten Lateinstunde traf ich meinen Freund in so nur noch in dem schreckensvollen Kampf mit dem Knaben, der sich 4 seltsamer Aufregung, daß ich bereute, nicht selbst ungesehen Zeuge im Todesringen mit übernatürlicher Kraft an mich anklammerte, 5 des Unterrichts gewesen zu sein. während ich seine starren Arme, die meinen Hals umspannten, mit 1„Nun, ergiebt sich der junge Adler?“ fragte ich so harmlos als Aufgebot aller Stärke und Geistesgegenwart von mir abzuschütteln 5 möglich. a und mir so die Freiheit der Bewegungen zu wahren strebte, um 5 Jetzt machte sich seine gekränkte Würde in lauten Klagen Luft. uns beide zu retten. 6 g 4 Er hatte heute wirklich„aus Versehen“ einen kleinen Sprachschnitzer Wie es mir gelang, den schweren Körper, in dem nach und nach * verbrochen, den der tolle Junge mit so lautem Triumph begrüßt jede Bewegung erstarb, doch über Wasser zu bringen, ehe mein 4 hatte, daß er sich genöthigt gesehen, ihm die Stunden zu kündigen. Hilferufen noch fremden Beistand herbeizog, weiß ich nicht. Heut 1„So ist die Geschichte schon zu Ende?“ fragte ich enttäuscht. noch sehe ich das liebe, blasse, regungslose Haupt mit seinen ge— 0„Nein, nein, denke Dir, er bat mich schließlich demüthig um brochenen Augen und seinem blau durch die weiße Haut schimmernden 9 Verzeihung. Du glaubst nicht, wie bescheiden die stolzen Augen Geäder, das am Ufer still und feucht in meinem Schoße lag. Ein 0 drein schauen können, wenn es gilt. Er käme so gern zu mir und Schwarm von Menschen wogte um uns her; die ganze, laute, fest— 0 f wollte sich Mühe geben, sich in meine Art zu finden, sagte er.— liche Fröhlichkeit hatte sich in endlosen Jammer verwandelt. 0 g Als er ging, war er wie umgewandelt und erkundigte sich zuvor—„Wer ist er? Wo wohnt er? Hat er Verwandte hier?“ tönte es kommend, ob er sich Dein Bild nochmals anschauen dürfe.— Da in wirrem Durcheinander an mein Ohr.„ wir Deine Atelierthür geschlossen fanden, ward er blutroth und fragte, Ich hatte Gottlieb nie nach Oktav's Wohnung und Verhältnissen ob Du böse gewesen seist, weil er am letzten Mal bis in Dein gefragt. Mit schnellem Entschluß nannte ich den Trägern, die den Heiligstes eingedrungen.“ armen, noch immer todtstarren Leib von seiner kalten Lagerstätte Von jener Zeit an verschloß ich mein Arbeitszimmer nie wieder, emporhoben, die Adresse meiner Wohnung. U 7 —— —— —— enen N 3 W. 09 Daheim, auf meinem Lager, löste ich mit des guten, jammernden Gottlieb Hilfe seine eisigen Kleider und suchte durch Reiben mit Rum und heißen Tüchern das erstarrte Blutt zu beleben. Unsre Wirthin stand händeringend dabei und beklagte das arme, junge Leben. Endlich ehe noch der Arzt, nach dem wir sogleich gesandt, uns zu Hilfe kam, überzog sich die gelbliche Blässe des kalten Ge— sichtes mit einem feinen, flüchtigen Schein von Roth.„Er lebt!“ schrie ich fast auf, da ich mein Ohr zu dem Herzen des Ver⸗ unglückten neigte und dort ein leises, kaum merkliches Klopfen ver— nahm.„Ja, er lächelt sogar,“ rief Gottlieb gerührt. In der That schlossen sich bei meinem Jubellaut die starren Augen, und ein liebliches Kinderlächeln, das unverändert stundenlang währte, legte sich um den bleichen Mund. Als der Arzt ins Zimmer trat, erklärte er Oktav für gerettet. „Sie können die Eltern getrost holen lassen, jede Gefahr ist vorbei,“ sagte er. „Wer sind eigentlich seine Eltern?“ fragte ich, nachdem ich auf des Arztes dringendes Kommando meine eigene, triefende Kleidung mit trockenem Zeuge vertauscht hatte. „Er ist in Pension hier bei einem alten Oberst, der sein Ver— wandter ist,— seine Heimath ist Burgsassen am Fuße des Fichtel— gebirgs.“ Nach kurzem Berathen machte sich Gottlieb, der die Wohnung von Oktav's Onkel kannte, nach derselben auf, um das Geschehene schonend zu berichten. Auch der Arzt verließ den Patienten mit der beruhigenden Voraussage, daß dieser aus dem friedlichen Schlafe, der ihn jetzt umfing, in kurzer Zeit matt, aber völlig wohl er— wachen werde. Als ich dann beim gedämpften Schein der grünverhangenen Schirmlampe allein an des Knaben Bett saß und das neuerwachte Pulsiren und Athmen des jungen Lebens bewachte, war mir zu Muthe, als habe ich plötzlich unverdienter Weise einen Antheil an dem köstlichen Gut dieses frischen, vielverheißenden Daseins gewonnen. In überströmender Empfindung neigte ich mich über den Schläfer. — Da schlangen sich seine Arme um meinen Hals, seine feine Wange schmiegte sich an die meine und seine Lippen flüsterten dicht an meinem Ohr: „Ich freue mich viel mehr darüber, daß Du's bist, der mich ge— rettet hat, als daß ich überhaupt noch lebe. Du glaubst es nicht, wie lieb ich Dich habe. ˖ „Gott segne Dich!“ sagte ich tief ergriffen, indem ich seine warmen Lippen küßte. Dann blieb es lange still im Zimmer. Der Knabe war wohl zu schwach, um mehr zu reden; mit blassem, vergeistigtem Gesicht und großen, feuchtglänzenden Augen lag er da, seine Hände, die auf der Bettdecke ruhten, hielten die meinigen umschlungen. Mir selbst wehrte die innige Bewegung meines Innern, den Zauber dieser Stunde durch einen Laut zu stören. N Mit Gottlieb, der bald darauf zurückkehrte, kam Oktav's Onkel, ein greiser, militärisch aussehender Herr, um selbst nach dem Be— finden seines Pflegesohns zu schauen. Der Klang der vielen flüsternden Stimmen schien den Knaben vollends zu beleben. Er richtete sich beim Eintritt des alten Mannes wie ein Gesunder auf seinem Lager auf und sagte mit festem, ein wenig trotzigem Ton: „Verzeihe mir, Onkel, daß ich Dir diesen Schreck bereite. Ich werde sicher morgen wieder wohl sein, wenn Du mir versprichst, dem Vater und Mariannen nichts zu schreiben.— Sie werden viel weniger erschrecken, wenn ich ihnen selbst bei Gelegenheit alles erzähle.“ Wortlos schlug der alte Herr in die dargebotene Hand des Neffen ein. „Ohne Veit Scheffler wäre ich gestorben, dann hättest Du schwere Dinge zu melden gehabt,“ fuhr dieser unerbittlich fort. Vergebens strebte ich, den überfluthenden Dank des Edelmannes zu hemmen. Oktav, der meine Verlegenheit sah, schloß endlich lächelnd die Augen, um dem Hin- und Herreden ein Ende zu machen.— Am anderen Tag war der tapfere Bursche wirklich so weit, daß er das Lager verlassen und in die Wohnung seines Onkels übersiedeln konnte. Als er Abschied nahm, sagte er mir leise:„Da ich Dich zum ersten Mal sah, wünschte ich mir, erwachsen und tüchtig zu sein, um Dein Freund werden zu können,— nun hat das Schicksal mich genau so groß und gaf armen, dummen Jungen Dir auf so eigene Weise in den führt,— gelt, Du lässest mich nun nicht wieder?“ „Du sollst mein Bruder sein, Du lieber, wilder sagte ich. f „Ja, Dein Bruder! Ich könnte auch im Leben nicht wieder „Sie“ sagen, nachdem ich Dich gestern in der ersten Erregung mit „Du“ angeredet hatte!“ Weg ge⸗ Vogel!“ Seit jenem Tag betrachtete ich den Knaben wirklich als Bruder und was noch mehr ist, als lieben, kleinen Freund, mit dem man unter Umständen ein ernstes Wort reden kann, das im Grunde über den Anschauungkreis seiner Fahre hinausgeht. Sein kluges Fragen, das von einem frühreifen, verständigen Denken zeugte, brachte uns oft auf Gespräche, deren Tiefe mich selbst überraschte; indessen war Oktav nichts weniger als ein Grübler oder Kopfhänger; ich habe nie Jemanden witziger scherzen, übermüthiger lachen hören als ihn. Daß ich ihn innig liebte, geht daraus hervor, daß er der einzige war, den ich beim Arbeiten um mich leiden mochte;— stundenlang konnte er, ohne zu ermüden, mit seinen ausdrucksvollen Blicken der Führung meines Pinsels folgen, obgleich ich an ihm zu meiner Be— trübniß auch nicht einen Hauch eigenen künstlerischen Könnens zu entdecken vermochte. a Ueber dem täglich schöneren Erblühen unserer Freundschaft kam das Weihnachtsfest heran. „Ich werde dieses Jahr nur unter einer Bedingung heimreisen, Veit,“ sagte Oktav, als wir auf einem Spaziergang längs des Flusses einst als ersten Vorboten des Festes einigen mit Tannen und Fichten beladenen Wagen begegneten. „Oho, machst Du noch Bedingungen, Du Glücklicher, statt zu jubeln, daß Du eine Heimath hast, in der man Dir den Lichter— baum schmückt?“ sagte ich ein wenig schwermüthig. „Ich will es nicht besser haben als Du,“ entgegnete er.— „Aber komm Du mit mir, so reise ich. Das ist meine Bedingung.“ Vergebens stellte ich ihm vor, daß ich viel zu viel gute Freunde habe, um Gefahr zu laufen, den heiligen Abend einsam und ohne Kerzenglanz und Kuchenduft zu verbringen. Mit Schmeicheln und Trotzen brachte er mich so weit, daß ich seine Idee in Erwägung zu ziehen begann. „Denke Dir nur den Fichtelwald im Schnee,“ sagte er mit leuchtenden Augen, als er sah, daß ich nicht weit davon war, ein— zulenken.„Wir werden die Köseine besteigen, frühmorgens im Dämmerlicht am liebsten und dann die Sonne von droben über den Reif und Nebel heraufsteigen sehen. Es ist zu prächtig, wenn jede der flimmernden Kuppen ihre goldene Krönung aus dem Duft der Thäler streckt!“ „Was werden aber die Deinen zu der Einquartierung sagen, die Du Dir mitbringst?“ fragte ich, schon halb gewonnen. Er lachte.„Laß es darauf ankommen, was sie sagen.—— Sage nur Du„Ja“.— nachtsglück!“— „Und Gottlieb?“ fragte ich, noch zum Scheine zögernd. „Er fährt selbstverständlich mit uns! Glaubst Du, wir hätten nicht Platz? Ich werde Dir eine alte Chronik zeigen, wo es mit verblichener Tinte auf halbzerfallenem Papier zu lesen ist, daß zur Hochzeit meiner Urahne mehr als fünfzig Gäste in Burgsassen be— herbergt wurden. Heute ist unser gutes, altes Raubschloß noch stfrei wie damals.— Wie freue ich mich, daß Du meinen Vater kennen lernst und Marianne und das Bild meiner armen todten Mutter, von dem ich Dir so viel erzählte!— Wäre nur Käte auch zu Haus! Es war eigentlich recht überflüssig, daß sie so weit fort ging! Was kommt darauf an, ob sie ein wenig besser französisch spricht oder nicht! Aber sie wollte selbst durchaus die Welt sehen— als ob sie nicht noch Zeit hätte mit ihren fünf⸗ zehn Jahren!“ Von dieser Käte, seiner Zwillingsschwester, erzählte der Knabe am liebsten; sie war die Genossin aller seiner Kinderstreiche und nach seiner Beschreibung ein wildes, unbändiges, knabenhaftes Ding, das nun in einer Pension bei Lyon die Normen des feinen An— standes in französischer Sprache eingeimpft bekam. „Sie wäre Dir doch noch ein lieberer Weihnachtsgast, als wir es sind,“ neckte ich. „Lieber als Du?“ meinte er, indem er die Liebster, komme mit; bescheere mir dieses Weih— Brauen nachdenklich 3 e e 3 in die Höhe zog.„Nun ja, ich habe sie eben auch sehr lieb; das kommt wohl noch daher, daß wir, uns einander trösten und be— ruhigen mußten, als die Mutter starb.— Das ist nun elf Jahre her, aber noch immer erscheint sie mir bei aller Lebhaftigkeit und Fröhlichkeit als etwas Schwaches, Zartes und Bedauernswerthes; in unseren Kinderspielen bin ich mehr als einmal in ihrem Dienst ge— storben; wollte Gott, ich könnte etwas thun, um sie glücklich zu machen!“— Zwei Tage nach jenem Gespräch, am 23. Dezember des Jahres 187* waren wir drei, Gottlieb, der Knabe und ich nach des letzteren Heimath unterwegs, nachdem ich mir ernstlich und nachdrücklich von Beiden Stillschweigen über Oktav's Unfall und Lebensrettung er— beten hatte.— Ein Nachtzug brachte uns bis nach Eger, das seine verpönten, rauchschwarzen Thürme und Dächer mit festlicher gleißender Schnee— decke verbrämt hatte. Im Fluge zogen uns dann die schellenklirrenden Rappen in dem Schlitten, den Oktav's Vater uns entgegengesandt, auf der glattgefrornen Landstraße der baierischen Grenze zu. Als wir die schwarz-gelben Grenzpfähle hinter uns hatten, brach der Knabe in ein glockenhelles Jubeln aus. Im scharfen Trabe ging es nun von Ort zu Ort. Die kleinen, traulichen Städte mit ihren Zwiebelthürmen, den sauberen Gassen und den leeren Storchnestern auf den Häusergiebeln flogen wie Traumesbilder im wallenden Früh— nebel an uns vorbei. Erst in Wunsiedel hielten wir in einem freundlichen, kleinen Hötel unsere Mittagsrast, nachdem wir zuvor am Markt das ernst-milde Steinbild Jean Paul's begrüßt hatten, auf dessen beeistem Lockenhaupt ein paar hungernde Ammern lärmend die goldigen Federn spreizten. N Oktap's Ungeduld gönnte den braven Rossen nur kurze Ruhezeit. — Nie habe ich ihn so kindlich ausgelassen, so echt jugendhaft ge— sehen, als auf diesem Stück der Fahrt. Während der gute Gottlieb mit schöner Genauigkeit die Namen der Dörfer und Städtchen, die wir durcheilten, in sein Notizbuch verzeichnete und dabei den Kutscher, einen echten, dicken, phlegmatischen Baier, unaufhörlich nach der Anzahl und Gewerbthätigkeit der Bewohner fragte, sprudelte der Knabe fast über von launigen Einfällen, von schlagenden Witzen und lärmender Lustigkeit. Noch ehe das karge Licht des Wintertages völlig erblaßte, lenkten wir von der Landstraße in den Burgweg ein. Ernst und stattlich schaute der graue Schloßbau von halber Höhe eines sanft aufsteigenden, fichtenbekleideten Hügels, der in der Ferne mit den malerischen Formen des Waldgebirgs verschmolz, hernieder. Aus den Zweigen mächtiger Rüstern, die die Einfahrt umsäumten, flatterten kreischende Krähenschwärme empor, wobei ein Regen klargestirnter Schneekristalle auf unsere Häupter herniederrieselte. Allmälich ward die Rampe des Schlosses zwischen den Stämmen sichtbar; gleich goldenen Pfeilen schossen die Strahlen einer drinnen entzündeten Lampe durch die Bogenfenster in das Blau und Silber der Schneedämmerung. Ein Korps wachsamer Hunde lärmte dem heranklingelnden Gefährt entgegen. Als der Kutscher mit einem kräftigen„Brr!“ die dampfenden Renner vor dem Thore zum Stehen brachte, trat aus der Helle der Hausflur ein schlankes Mädchen, aus deren blassem, zartgezeichneten Gesicht uns zwei große, genzianenblaue Augen ein träumerisches „Willkommen“ zulächelten. Oktav, der als erster mit einem flinken Satze aus dem Schlitten gesprungen war, küßte ihr mit einer Ritterlichkeit, die dem halb— wüchsigen Jungen ganz reizend stand, die schmale Hand. Sie aber schloß ihn mit einem zärtlichen:„Grüß Dich Gott!“ in die Arme während die große, graugefleckte Dogge, die an des Mädchens Seite aus dem Hause gekommen war, freudig kläffend an den Beiden in die Höhe sprang. Indeß sie uns dann nach freundlicher Begrüßung zum Näher⸗ treten einlud, schritt ein greiser, hünenhafter Mann in kurzem Jagdwams, mit dem Hinterlader über der Schulter, von einem Parkwege her der Auffahrt zu. 6 „Vater! Vater!“ rief Oktav mit blitzenden Augen. „Wetterjunge, da bist Du ja schon? Seid ihr denn hergeflogen?“ tönte es mit so jugendlicher Frische von des Kommenden Lippen, daß dessen eisgrauer, bereifter Bart und sein lockiges Silberhaar nur wie eine lustige Fastnachtsverkleidung im Vergleich zu dieser Stimme erschien. Die trauliche, liebe Art, mit welcher der Freiherr uns dann 8 WD begrüßte, veranlaßte Oktav, mir leise zuzuflüstern 5„Glaubst Du es nun, daß Du gern gesehen bist?“ 5 Wenn ich es noch nicht geglaubt hätte, so wäre ich im Laufe des Abends überzeugt worden.— Gastfreundschaft im schönsten und liebenswürdigsten Sinne däuchte mir der gute Geist des Schlosses zu sein, dessen staubgraues, Jahrhunderte altes Steingewand über⸗ haupt nur als eine schlichte Hülle für die reiche, solide Pracht des Innern erschien. 5 (Fortsetzung folgt.) Der Glückspilz. Eine moderne Idylle von G. Wunschmann. Es find schon viele Jahre her, daß ich fast täglich in einem der belebtesten älteren Stattheile Berlins an einem Hause vorüberging, dessen unterste Wohnungen zu ebener Erde lagen, so daß man be— quem von der Straße aus durch die Fenster Einsicht in die Zimmer nehmen konnte. Aber der Berliner hat für gewöhnlich nicht Zeit, den Leuten in die Fenster zu gucken. Was mich jedoch veranlaßte, zuerst zufällig, dann mit wohlbewußter Absicht und zuletzt jedesmal, wenn ich an jenem ziemlich unansehnlichen Hause vorüberging, vor einem der unteren Fenster stehen zu bleiben und in das Zimmer, zu welchem es gehörte, einen Blick zu werfen, hatte seinen ganz be⸗ sonderen und eigenthümlichen Grund. f a Jenes Fenster stand, so bald es nur immer das Wetter zuließ, offen. Und wenn man durch dasselbe in das Zimmer schaute, konnte man gewiß sein, vor einem großen weißgescheuerten Tisch einen schon älteren, bartlosen Mann sitzen zu sehen, welcher— Blumen anfertigte, künstliche Blumen. Ein Mann, der Blumen fertigt! Gewiß war es dieser, der Vernunft als unlogisch sich aufdrängende Umstand, der meine Blicke unwillkürlich in das bescheidene Stübchen hineinzog und gefesselt hielt. Denn gehören nicht in der Vorstellung noth— wendig Blumen und Frauen zusammen? Nur die Hände zarter Frauen, so meint man, könnten im Stande sein, die Blumen, diese Duft und Freude umhauchten Kinder der Natur, nachzubilden. Und hier sah ich einen Mann die schon zitternden Hände emsig und eifrig regen, aus den vielfarbigen, feinen Gewebstoffen die Pflanzen täuschend nachzuahmen und zu gestalten.. Man merkte es dem alten Manne an, daß nicht nur seine Hände mechanisch beschäftigt waren, sondern auch seine Seele ganz und voll an seinem Werke Theil hatte; man merkte es an dem ruhig friedenen Lächeln, das auf seinem Gesicht schwebte, an dem mi! Glanz der Augen, die sich tief hinein in die zarten Gebilde se Hände zu senken schienen.. f Doch die rechte Vervollständigung erhielt das Bild in dem kleinen Zimmer erst, wenn dem alten Manne gegenüber das liebliche, etwa zwölf Jahre alte Mädchen stand, auf den Tisch den Arm gestützt, der den reizenden Lockenkopf trug. Das Kind schaute bald auf die Blumen, bald auf das Gesicht des Alten, der ihm dann vergnügt zunickte, auch wohl ein paar Worte wie zur Belehrung zu ihm sprach. Ich hatte mich mit der Zeit so an den Anblick dieser traulichen Idylle gewöhnt, daß mir etwas zu fehlen schien, wenn irgend ein Umstand mir diesen Anblick verwehrte. Und wenn ich dann den Kopf wieder dem Lärm der Straße zuwandte, kam mir der Gegen⸗ satz recht wunderlich vor. Ich fühlte es in innerster Seele: in jenem kleinen Raum wohnte, was dort draußen selten zu finden ist, Zufriedenheit und Glück. f Ohne selbst meiner Absicht klar bewußt zu sein, trat ich eines Tages in das Stübchen ein und fragte den Alten, der, die Hand an's Ohr haltend, mir freundlich zulächelte, fast schüchtern, ob er wohl an den Ersten Besten Blumen verkaufe. „O gewiß, mein lieber Herr,“ antwortete jener mit sanfter, wohltönender Stimme, und zu dem kleinen Mädchen, das den frem— den Mann mit großen Augen anstaunte, gewandt, fuhr er fort: „Mach, Flora, setz' dem Herrn einen Stuhl hin.“ Flora! mir war, als konnte das Kind in dieser Umgebung gar nicht anders heißen. 0 Und als wäre ich ein Freund der Familie und kein Fremder, der nur etwas kaufen will, nahm ich auf dem dargebotenen Stuhl Platz. Ich fühlte mich auch alsbald ganz heimisch. Flora mit ihren großen, blauen Augen, die noch verwundert auf mich sahen, . 5 W 8 F f 0 0 1 5 . 400 Ein Wintervergnügen Jung⸗Amerika's. fa 10 0 0 0 1 0 0 A — 1 S 5 32 ⁵˙i111.. TT:! ä—— e ¶ltttstisdsss cet ns, 29 0— N 6 D hatten es mir angethan. Sie war dicht bei mir stehen geblieben, und ich strich ihr mit der Hand durch die blonden Locken, indem ich zugleich an den Alten die wie mir schien ganz selbstverständliche Frage richtete: „Ihr Enkelkind?“ d Der alte Mann sah mich vergnügt blinzelnd an und sagte: „Nein,— meine Tochter.“ N 7 „Ja,“ fuhr der Alte fort,„Sie wundern sich; aber es ist nun einmal so,“ und über sein Gesicht ging ein Lächeln innerster Befriedigung. „Da können Sie von Glück sagen,“ war meine etwas prosaische Entgegnung. 5 Doch der Alte schien in diesen Worten mehr zu finden, als ich als er sagte:„Ja, lieber Herr, mit dem Glück ist es so eine eigene Sache. Die Leute meinen gewöhnlich nie genug davon zu haben, und doch, glaube ich, ist es allen oft näher, als sie selbst wissen. Wie ja ein jedes Ding seine zwei Seiten hat, so ist auch bei dem größten Unglück doch immer etwas Glück dabei, davon bin ich fest überzeugt. Aber mein Schwatzen langweilt Sie gewiß, lieber Herr, — was wünschen Sie denn für eine Blume?“ Da der Alte seine philosophischen Betrachtungen so plötzlich ab— brach, mochte auch ich das Thema vom Glück nicht weiter ver⸗ folgen. Ich erstand eine schöne, dunkelrothe Rose und empfahl mich, nachdem ich noch das mir freundlichst abverlangte Versprechen gegeben hatte, doch ja wiederzukommen, wenn ich auch gerade keine Rose kaufen würde. Und ich kam auch wirklich wieder. Dieser stille, ruhige Ort übte eine merkwürdige Anziehungskraft auf mich aus. Es war mir wirklich, als wohne hier allein das Glück, das überall sonst die Menschen zu fliehen scheint. Als ich einst wieder bei diesem Philosophen in der Hütte plaudernd saß,— Flora war nicht zugegen,— kam ich kurzweg mit der Frage heraus:„Sie haben sich wohl nicht oft über die Ungunst des Ge— schicks zu beklagen gehabt, das Glück hat offenbar einen Vertrag mit Ihnen abgeschlossen?“ Der Alte sah mich ernst lächelnd an:„Wie man es nehmen will, lieber Herr. Wie gesagt, ich glaube, die meisten Menschen beklagen sich, daß das Glück sie im Stich lasse, nur darum so sehr, weil sie es nicht zu finden wissen.“ „Und Sie haben es gefunden?“ „Kann sein. Freilich, meine Bekannten und Freunde wollten es nicht gelten lassen, sie nannten mich sogar stets nur den Pechvogel. Und sie hatten auch vielleicht in ihrem Sinne Recht damit. Aber Pechvogel und Glückspilz können oft dieselben Personen sein. Man muß es nur verstehen, das Glück im Unglück zu finden. Die Sache ist freilich gar nicht so leicht; aber mir ist es doch öfters gelungen.“ Meine Neugierde war erregt, und ich bat meinen alten Freund, mir doch, wenn es ginge, etwas über die Kunst, das Glück zu finden, mitzutheilen.„Oder ist das ein Geheimniß, dessen Offenbarung viel— leicht Ihrem eigenen Glücke schaden könnte?“ fügte ich zögernd hinzu. „Ich bin nicht abergläubisch,“ versetzte der Alte und begann darauf zu erzählen: „Mein Vater hätte es gern gesehen, wenn ich eine große Schule durchgemacht und etwas Tüchtiges gelernt hätte. Aber ich war nicht sehr für die Schule, sondern tummelte mich weit lieber draußen in der frischen, freien Natur umher. Deshalb wollte es auch mit dem Lernen nicht so recht vorwärts gehen, so daß ich gar manchen Tag mit einem Sack voll Strafen nach Hause kam. Dann klagte ich mein Leid mit bitteren Thränen der Mutter, die mir dafür zum Trost oft ein Brötchen mit Honig reichte. Das war ja nun vielleicht von meiner Mutter nicht richtig gehandelt, jedoch unter den Thränen, die mir die ferneren Strafen entlockten, freute ich mich schon auf das darauf folgende Honigbrötchen. Und ich gewöhnte mich zuletzt daran, wenn mir etwas Schlimmes widerfuhr, das daraus entstehende Gute ausfindig zu machen, und es fand sich dann auch sehr oft, wenn auch nicht immer in Gestalt von Honigbrötchen.— „ueber ein großes Leid konnte ich lange Zeit nicht hinweg, nämlich daß mein Vater mich durchaus zu einem Kaufmann machen wollte, während ich doch gar zu gern ein Gärtner geworden wäre. Mein Vater mochte ja nun wohl für seine Absicht seine guten Gründe haben, aber ich wollte diese nicht anerkennen.— Da that ich einmal einen schweren Fall auf der Eisbahn,— ich war ein flotter Schlitt— selbst darin sah; seine Mienen nahmen einen ernsteren Ausdruck an, schuhläufer, lieber Herr. Ich fiel so schlimm auf den Kopf, daß ich eine Zeit lang darnach fast ganz das Gehör verloren hatte, welches ich auch in der Folge auf dem einen Ohr nicht vollständig wieder⸗ erlangte. Das war nun mein erster Glücksfall.“ „Daß Sie taub wurden, rechnen Sie sich zum Glück an?“ unterbrach ich den Erzähler etwas verwundert. „Das nicht; aber meine Schwerhörigkeit war der Anlaß, daß ich doch nicht Kaufmann zu werden brauchte, sondern daß nun mein Lieblingswunsch, Gärtner zu werden, erfüllt wurde. Mein Vater hat sich hernach selber darüber gefreut, zu was für einen geschickten Gärtner ich es brachte.— 5 „So lebte ich denn viele Jahre still für mich und meine Arbeit hin. Es widerfuhr mir manches Gute und manches Schlimme, doch immer mehr befestigte sich in mir der Grundsatz, daß erst das Un— glück Einem das rechte Glück bringt.— Ich war schon an die vierzig Jahre herangekommen und war zufrieden mit meinem Loos. Aber mir war doch, als ob mir etwas fehlte, ein ganz bestimmtes Glück,— mein nächstes großes Unglück sollte es mir bringen. Das Haus, in welchem ich wohnte, brannte nieder. Alle meine Habe ging dabei verloren und fast das ganze bischen Vermögen, das ich mir im Laufe der Jahre zusammengespart hatte.“ „Ich gratulire Ihnen noch nachträglich zu diesem ganz unverhofften Glückszufall,“ warf ich ironisch lachend ein. „Warten Sie nur, lieber Herr, Sie werden bald nicht mehr darüber lachen,“ fuhr der Alte mit unerschütterlicher Ruhe fort.„Mit mir war auch ein armes Mädchen, welches wie ich selbst schon längere Zeit in dem Hause gewohnt hatte, ohne daß wir jedoch näher mit einander bekannt geworden wären, durch den Brand um das Seinige gekommen. Ich sah sie auf einem verkohlten Balken sitzen und still für sich hin weinen; ich trat zu ihr und tröstete sie als Leidens⸗ genosse. Nach einem Jahr war sie meine Frau, ich war damals gerade noch einmal so alt wie sie. Wäre unser Haus nicht ab⸗ gebrannt, so würde ich wahrscheinlich noch jetzt als alter Junggeselle herumhumpeln. Nun galt es für Zwei schaffen und womöglich das Verlorene wiedergewinnen. Ich war denn auch, das darf ich wohl sagen, rüstig und frohen Muthes bei der Arbeit, meine Frau war auch nicht lässig, und so dauerte es auch gar nicht lange, da waren wir wieder oben auf.“— f Des Sprechers Stimme senkte sich, als er fortfuhr:„Unsere Flora hatte noch zwei ältere Schwestern gehabt, na,“— er stockte wieder,—„es wäre uns ja schwer geworden, sie ordentlich auf⸗ zuziehen, die armen Dinger waren auch nicht recht taktfest mit der Gesundheit,— nun, unsere Flora kennen Sie ja.“ Er lächelte schon wieder voll reinsten Vaterglücks. „Da dünken sich die Leute immer Wunder wie glücklich, wenn sie nur einen Sohn kriegen, thörichte Menschen, als ob sich das nicht ganz gleich bliebe. Wenn ich einen Sohn bekommen hätte, so würde er vielleicht meine jetzige Beschäftigung nicht begreifen können.— So ging es denn ruhig weiter, bis ich eines Tages von der Leiter fiel und mir ein Bein brach.“ „Zu Ihrem Glück natürlich,“ schaltete ich gelassen ein. „Na, das will ich gerade nicht sagen, aber meine Frau freute , ee „Daß Sie das Bein gebrochen hatten?“ „Nein, das nicht, aber daß ich infolgedessen die Gärtnerei auf⸗ geben mußte; denn sie war eigentlich eine etwas schwächliche Natur, und das frühe Aufstehen war ihr immer schwer geworden. Sie hatte das Blumenmachen gelernt, von ihr lernte ich es nun. Und war es mir auch zuerst schwer geworden, von meinem Garten zu scheiden, so fühlte ich mich doch bald wieder in ihn hinein versetzt, als ich so viele Blumen aus meiner eigenen Hand erstehen sah. Wir ernährten uns redlich und lebten glücklich, sehr glücklich,— vor einigen Jahren starb meine gute Frau,— Flora wird jetzt bald zwölf Jahre alt.“ N Der alte Mann sah vor sich hin auf den Tisch und fuhr sich mit der Hand über die Augen. Ich fragte nicht, ob auch aus dem Tode seiner Frau ein neues Glück für ihn erwachsen sei. Nach wenigen Augenblicken hob er seinen Kopf wieder empor und lächelte so freundlich und zufrieden wie sonst immer. Jetzt trat auch Flora ins Zimmer und flog, ohne sich an meine Gegen⸗ wart zu kehren, laut jubelnd ihrem Vater an den Hals. Der Alte küßte sie glänzenden Auges, betrachtete ihr Gesicht voll Rührung und flüsterte mir dann heiteren Blicks zu:„Ganz wie ihre Mutter.“ 8 8 . N 7 ee, —— Ernst sinnend verließ ich die Wohnung des alten Blumenmachers. Ja, er war glücklich, seine Arbeit stimmte mit seinem ganzen Wesen überein. Mir fiel Goethe's Spruch ein: „Wem wohl das Glück die schönste Palme beut? Wer freudig thut, sich des Gethanen freut.“ Ja, mein lieber Alter verstand die Kunst, sich glücklich zu fühlen; denn er hatte die Kunst gelernt, sich zu bescheiden. Ach, wie viele Menschen verstehen denn diese Kunst des Sichbescheidens? Sie muß doch für das heutige Geschlecht recht schwer zu erlangen sein, da es jetzt so wenige wirklich glückliche Menschen giebt. Ich blieb fortan mit dem Alten in regem, freundschaftlichem Verkehr. Besonders ging ich zu ihm an Tagen, wo der Lauf der Geschäfte mich mißmuthig und verdrießlich gestimmt hatte. Dann brauchte ich nur in sein lächelndes, zufriedenes Gesicht zu schauen, um mich wieder frei und wohl zu fühlen. Diese bescheidene, fast ärmliche Wohnung ließ mich beinahe an ein neu erstandenes Märchen— land glauben: hier weilte Ruhe, Friede, Glück, während rings umher in dem Treiben der Großstadt die Menschen in leidenschaftlicher Hast und sorgenden Mühen einem Glücke nachjagten, das sie auf solchem Wege gewiß nimmer finden konnten. Die Jahre vergingen. Flora wuchs zu einer stattlichen Jung— frau heran. Sie scheint die glückliche Unglücksfolge ihres Vaters geerbt zu haben. An einem Wintertage glitt sie auf der Eisbahn aus, verletzte sich unbedeutend am Fuß, machte jedoch dadurch die Be— kanntschaft eines jungen Mannes, der sie später als seine Gattin heimführte.. Mein lieber Alter lebte nun die letzten Jahre seines Lebens bei seinem Schwiegersohn, mit welchem er sich vortrefflich stand, aufs neue beglückt durch das Glück seiner Kinder und Enkel. Als er einst vom Schlage getroffen wurde, sagte er mit bedeutungsvollem Lächeln zu seiner Tochter:„Wenn ich so auf einmal aus der Welt ginge, wäre es gewiß ein Glück für mich und Euch.“ Und das Schicksal blieb ihm getreu, auch dies Glück sollte ihm zu Theil werden, er starb plötzlich schnell und sanft. Die Liebe und Verehrung seiner Angehörigen wie Aller, die ihn im Leben ge— kannt hatten, folgte ihm nach. Ich geleitete unter stillen Be— trachtungen, wie wenig doch unter Umständen zu einem rechten Leben gehört, den Sarg des Mannes, der sich selbst immer einen Glückspilz zu nennen pflegte. Lose slätter. Ein Wintervergnügen Jung⸗Amerikas.(Siehe Illustration.) Der Stoßschlitten hat sich sehr rasch in den Nordstaaten Amerikas eingebürgert und dem Auscheine nach ist dies der deutschen Einwanderung zu danken. In Deutschland ist der kleine Schlitten, welchen Knaben am Leitseil nach⸗ zuschleppen oder über den Rücken zu hängen vermögen, am häufigsten in Gebirgsgegenden zu finden. Hier bereitet der Stoßschlitten den Knaben ein Wintervergnügen, mit dem sich kaum ein anderes messen kann. Auf dem kleinen Sitzbrett von der Höhe eines Berges über die beschneite Bahn da⸗ hinzufliegen, daß der kalte Wind unsere Backen umsaust und der Schnee vor den Schlittenkufen aufwirbelt— gewährt eine wonnige Empfindung. Der Schlitten bewegt sich in dem Maße rascher zu Thal als die Senkung der Schneefläche stärker wird. Oftmals ist die Bewegung eine so rapide, daß der kleine Schlittenlenker mit den Stiefelabsätzen das kleine Fahrzeug nicht mehr zu regieren vermag. Dann überschlägt sich der Schlitten und seine Passagiere rollen in den Schnee. Aber was will ein solcher Umsturz sagen gegenüber der köstlichen Bewegung auf beschneiter Bahn! In Deutsch⸗ land fahren oft drei Knaben auf einem kurzen Stoßschlitten, der nur einen Sitzplatz hat. Der stärkste und kühnste Knabe nimmt dann die beiden Mit⸗ fahrenden auf den Schoß und muß all seine Kraft und Kühnheit aufbieten, um bei Schnellfahrten die Balance zu halten und Hindernissen auszuweichen. In Amerika sind längere Stoßschlitten im Gebrauch, auf denen sich eine ganze Kinder⸗Kolonie niederläßt. Der gewandteste Knabe regiert dies Fahr⸗ zeug mit Hülfe eines kleinen Steuers. Am häufigsten begegnet man den kleinen Schlittenfahrern in den Straßen von solchen amerikanischen Städten, die eine starke deutsche Bevölkerung besitzen, wie Milwaukee, Detroit und Buffalo. In Milwaukee hört man auf der Schlittenbahn weit mehr deutsche Laute als englische und wenn die Schlitten die breiten Avenuen herabfliegen, schreien die kleinen Lenker:„Platz da, der Schlitte kummt!“ R. E. Der Tabaksladen à la mode. In der Nähe des Palais roxal zu Paris befand sich bis zu den letzten Zeiten der Haußmann⸗Periode ein Tabaksladen, der weithin berühmt war, und dessen Casanova in seinen Memoiren gedenkt. 0 Dieser geistvolle Abenteurer war über die vielen Kunden des Geschäfts er— staunt und fragte seinen Begleiter nach der Ursache.„Die Leute,“ lautete die Antwort,„kaufen sich Tabak.“—„Ist dies der einzige Tabaksladen in Paris? fragte Casanova weiter.—„Gokt behüte, man verkauft an tausend Stellen Tabak.“—„Dann ist derselbe besser als wo anders.“—„Auch das nicht. Die Herzogin von Chartres ist Schuld daran.“—„Wie das?“ —„Als sie vom Palais royal spazieren fuhr, hat sie ihren Wagen vielleicht dreimal vor dem Laden halten und dort ihre Dose fülleu lassen, während sie laut behauptete, hier sei der beste Tabak zu haben.“—„Und man glaubte ihr?“—„Sie sehen es. Die Händlerin verkäuft durchschnittlich während des Tages für hundert Thaler.“—„Die Herzogin hat wahrscheinlich keine Ahnung von dem Glücke, dessen Ursache sie ist.“—„Im Gegentheil, sie hat mit Bewußtsein gehandelt und einen sinnreichen Gedanken zur Aus⸗ führung gebracht. Die Händlerin hatte sich eben verheirathet, die Herzogin fand Wohlgefallen an dem jungen Paare, doch sollte ihr gutes Werk nicht als eine Wohlthat erscheinen. Ist das Mittel, das sie erdachte und anwandte, nicht köstlich?“ Casanova stimmte dem bei Der Tabaksladen blieb übrigens 110 Jahre in Mode, dann mußte er nach der andern Seite der Straße verlegt werden, da das Haus, in dem er sich sonst befand, den Verschönerungs— arbeiten zum Opfer fiel. W. G. Die Schnupftücher stammen aus Italien und waren schon zur Zeit der Hohenstaufen in Gebrauch; denn Friedrich der Zweite befahl seinem Inten⸗ danten in Sicilien, den Mägden und Kindern zwei Fazzoli aus Linnen zu geben, also leinene Taschentücher. Bis zum sechszehnten Jahrhundert hielt sich in Deutschland die Bezeichnung Fatzelu, Fatzenlein, ja in einigen Gegenden Oberbayerns und Oestreichs hat sich dieselbe erhalten. Daß der Gebrauch der Schnupftücher nicht allgemein war, beweist Erasmus von Rotterdam: Auleitung zur Wohlanständigkeit. Dieselbe ist in Fragen getheilt und die zehnte lautet:„Wie soll die Nase mit ihrem Zubehör gehalten werden?“—„Reinlich, nie wie ein unsauber geschirr.“— Elfte Frage: „Ist es auch höflich, mit dem parret oder schauben die Nasen zu schneuzen!“ Antwort:„Nein; denn solches gehört sich zu thun mit einem Facettlein. So aber leute vorhanden, soll sich der knabe fein umkehren. Im sechszehnten Jahrhundert kommt das Wort Schnaubtuch auf, aus dem sich Schnupftuch entwickelte. W. G. Graf Seckendorf. Den ansbachischen Minister, früher kaiserlich öst⸗ reichischen General und Reichshofrath Grafen von Seckendorf ließ Friedrich II. in der Mitte des siebenjährigen Krieges plötzlich zu Meuselwitz bei Alten⸗ burg durch streifende Husaren aufheben und nach Magdeburg bringen. Man hat diese That als den Ausdruck des Hasses angesehen, den der König gegen den früheren östreichischen Gesandten am Hofe von Berlin von seiner Jugend her empfand. Diese Annahme ist jedoch nicht richtig, vielmehr hatte Friedrich vernommen, daß die alte Excellenz hinter seinem Rücken und in einer sicheren Sellung konspirirte In der That ließen Seckendorf's Schriften es mehr als gewiß erscheinen, daß er den Oestreichern Winke und Rath⸗ schläge gegeben hatte, um sich des Königs Person zu bemächtigen. Es kostete den Grafen zehntausend Thaler, um Magdeburg wieder verlassen 1 Auflösungen der Räthsel. Auflösung des Silben-Räthsels in voriger Nummer: l. Nollendorf. 2. Isel. 3. Centifolie. 4. Holtei 5. Tunis. 6. Griseldis. 7. Elemi. 8. Neuenburg. 9. Iduna 10. Rellstab. 11. Echo. 12. Nashorn. 13. Italien. 14. Medici. 15. Marmor. 16. Eingeweide. 17. Rubin. Nicht geniren, immer fleißig abonniren;— der dreisilbigen Charade: Augenblick;— des Räthsels: die Waage;— des Sprichwörter-Räthsels: Eude gut, Alles gut;— des Rösselsprungs: n Das Jahr, mit jetzt noch dunklem Haupte, Entsendet wie der Tag zum Thal Zur Hoffnung, die der Sturm entlaubte, Der Sonne frühlingsmilden Strahl, Und reicht der Blick, wie kühn er suche, Nicht bis zum nächsten Meilenstein Wir grüßen mit geschwung'nem Tuche: Nur frisch hinein! — des Kreuzräthsels: PU S 0 R B N O N KT PIP STR UR ATS I LIE N II A N I L EA 1 UA N 7 I. FAN A H A I R A 9 . e r 5 e e 2. e R 77 8 S e N 8 e 8 Königspromenade. be trie⸗ lie- die der. ist be 1 70 kehrt den ken wen ler trie⸗ frei'„ ster sie N stol⸗ ar d. 92 al⸗. be chelt lä⸗ der. 9 0 mit nur ö droht wenn ihr und die treu'-⸗ der noth] ler lie- ist ste trie⸗ den⸗ be je⸗ al⸗ ler be die ist 2 be er⸗ der in aus trie⸗ lie⸗Wlie⸗ ret be be denn sie har⸗ Logogriph. Du magst auf goldnem Throne sitzen, Von Reichthum, gleich dem Krösus blitzen, Magst stehn im niedern Bettlerkleid, Doch brauchst du es zu jeder Zeit! Versetz' es nur, dann zeigt es sich Auf jedem Schiffe sicherlich. Geographisches Silben-Räthsel. Aus folgenden Silben: a a bach beck ber bor brid bruz burgh cam da dä di di dig e eis ein ems en en en enz eu fe fen ge go grub hal her i i ih in la le louis mä mai mare mark na nay nau ne ne ni ni of ra ra ra fac ren ru saar sar sere stadt ti tin tu var wer wörth zen sind 27 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben uach unten, und deren Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, eine Mittheilung für unsere Räthsellöser ergeben. Die Wörter ergeben: 1. Insel im mittelländischen Meer. 2. Nebeufluß der Rhone. 3. Flecken in Oesterreich. 4. Fluß in Deutschland. 5. Große Stadt in Schottland. 6. Ein Königreich. 7. Ein räuberischer Volksstamm in Aegypten. 8. Stadt 150 Preußen. 9. Dorf in Frankreich. 10. Ein. hoher Berg in Ungarn. Stadt in Serbien. 12. Ein Königreich. 13. Stadt in Brasilien. 14 Nebenfluß des Neckar. 15 Eine deutsche Festung. 16. Befuchter Bade⸗ ort. 17. Insel im Bodensee. 18. Ein großes Reich. 19. Dorf in Baden. 20. Stadt in Preußen. 21. Stadt an der Oder. 22. Spanische Provinz. 23. Stadt am Main. 24. Grafschaft in England. 25. Schloß und Insel im Chiemsee. 26. Stadt auf der Insel Haiti. 27. Gebirge in Italien. Arithmogriph. Aus folgenden Ziffern sind neun Worte zu bilden, deren Anfangs⸗ buchstaben, von oben nach unten gelesen, ein Lustspiel, und deren End⸗ buchstaben, ebenso gelesen, den Dichter desselben ergeben. 18 17 18 16 15 14 13 Alpe im Kanton Appenzell. 12 Ein weiblicher Vorname. ee e e ee Amerikanischer Vogel. 18 9 8 7 6 12 15 14 Berühmtes spanisches Kloster. h 5 4 Werkzeug zum Notenlinienziehen. 4 6 15 9 8 15 5 12 Itcalienische Stadt in der Comarca di Roma. 7 5 7 3 15 2 18 16 Wildes Indianervolk. 14 18 7 13 7 14 11 Männlicher Vorname. e e e e Stadt an der Oder. Kapsel-Räthsel. Versuch's, das Ende von dem einen, Den Anfang von dem nächsten Wort Geschickt zu neuem Wort zu einen, Und. e du suchst, hast du sofort. 1 85 Gewebe. Einen Fluß. Das Herz h bat auch seine Ostern, wo der Stein Vom Grabe springt, dem wir den Staub nur weihten Und was du ewig liebst, ist ewig dein.) Emanuel Geibel. Problem Nr. 306 von J. Wainwright in Stoneham. Schwarz. 3 2 N 8„ 3 1 7 8 1 3 17 0 4 2. eee .. 21. 2 g h 15 Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Dieses Problem wurde in dem Problemturnier des Mirror of American Sports mit dem ersten Preise für Dirizger gekrönt.(Mittheilung in Nummer 32 zu vergleichen.) Partie Nr. 207, Fh. im er Meisterturnier am 14. Juli 1885. . D — Weiß: J. Gunsberg. chwarz: Dr. Noa. 1) e2—e4 7e Stellung nach dem 16. Zuge von Weiß. 2) d2—4d4 47d Spin 3) 5 0 1 7 75 4) Lei 18e 9 Tel 35) 45 e 1 L 6) Sc3—e4: St6 el: 1, 3 111 1 7) Lg5-er: Dds-er:.. 6 8) Ld3—e4: De7- bar 1 12. b g Sr 5 7 2 5. 10 1—e 84 8 11 0—0 0c e 1 75 1 2 1 55243 1. 7 1 0 A 5. 14 8e2—g3 0—0 5 e, 150 5.. 9*. 16) 8g3— 6e: 17 54 4b 1 8. 75. 1 0 18 e4—e 7 f 19 De5—dö: 85 070%. 2 1 2 20) 1 Les d7 Weiß. 21) J13— 118 b 22 Tall Tas e8 34) ha- 5 Tei-e7 23) 173—f3 Tes—e2 35) St4—e6f?s) Lf7-es: 24) Jf1—f2 722: 36)(5 es, KdS-e 25) Kg1 12: Kgs 8 37) Kg3—14 Ko7- dé 26) 32—g4 KS—e 7 38) Kl 15 b7-b 27) Sb5—4 Ke7— dé 39) K5—6 0605 28) Tf3—h3 h7-h6 40) K gb 65—04 29) Sk4—g6 Kd6—07 41) KB 8 b6 bs 30) Th3—e3 Ke 7 ds 42) Kg8—18 a a5 31) K2—g3 Ld7-es 43) az a3 Te7 es: 32) bꝛ—h4 T7 41) JTes—936) 1e6—e7 33) 836 f. Les f/ und Schwarz gewinnt. 1) Nicht schlechter als irgend einer der Züge el— dö5, e- eß oder Lei- ds, mit denen Weiß hier auch fortsetzen kann. 2) Hier ist nur 5) Lis nebst 6064-5 oder gleich 5) et es richtig; der Zug im Texte hat den Verlust eines Bauern zur Folge. 3) Ein hübscher Zug, den jedoch Schwarz in richtiger Erkenntniß der Lage zum Damen⸗ tausch benutzt. sh Nm Schwarz den Springer, so ist Remis durch 17) Chi Kbs 18) Tha Sf: (oder St) 19) Leif K gel 20 Lh7f sc. zu erzwingen; denn 18). 26 geht nicht wegen 19) Lgé: fig6 2) Dg6: T5 21) g4 T5 20 85 und Matt in den nüchsten Zügen und auf 18) Pods entscheidet schon 19“ Let Des 20) Lfs 86 21) Lhs: gzho 22) Dita! ze. 5) Nach diefem Zuge ist Weiß verloren, der Abtausch des Springers mußte vermieden werden, ohne denselben waren die Remischancen noch immer sehr groß. 6) Natürlich war auch in dem Spiel 44) Tes: Ke: 45) Kgf: b5— bal ꝛc. für Weiß kein Heil zu suchen. 3 Briefwechsel. O. in G. In Partie Nr. 253(Eoansgambit) würde Weiß 1 15 9).. Sc eb: durch 10) TfI—el di dé 11) Sf3 eb: dé es: 12) Db- böf DfG— c“ 13) Obs es Les-es! 14) Lea böl ꝛc. resp. 12).. 0766 13) Tel ebf Loses 13) Dbs ab: zc. ein gewonnenes Spiel haben. Verschiedene Unrichtigkeiten in den letzten Nummern, auf welche die 1 5 F. fein in Gandersheim und Oehme in Schönwalde gütigst aufmerksam machten, sind wie folgt zu berichti In Partie Nr. 203 zieht Schwarz 32).. LaT— eg(statt bꝛ- es), in der Diagramm mstellung zu derselben Partie muß auf es ein schwarzer Laufer an Stelle des Bauern stehen; in Partie 205 ist 2).. Sbs— ct(statt(8Sg8 6) und in der Lösung zu Problem Nr. 253 ist 2) K 3e(statt Kes es) zu lesen. Druck und Verlag der„Volks-Zeitung“, Akt.⸗Ges in Berlin, Lützopstr. 105. Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Phillips in Berlin, Lützowstr 105.