u Tel ge von r Pro- e. Der lh 0 . Ab ten eint 2 Malt es liegt tuscg n Beru in d. iN lei ial a ge zu den ö 0 Oberhessischen Uachrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. Gießen, den J. August. Die Erbin. Von Josephine Gräfin Schwerin. ortsetzung.) VI. In dem elegantesten Restaurant der Stadt saßen in einem der nischenartig eingebauten Kabinets, welche in dem großen Hauptsaal für diejenigen, die ein vertraulicheres Gespräch zu führen wünschten, einen angenehmen Rückzug bildeten, zwei junge Männer. Der Aeltere von Beiden, der wohl auch noch nicht viel über dreißig Jahre zählen mochte, war eine kräftig gebaute, kleine aber breit⸗ schultrige Gestalt, die wohl um mehr als Haupteslänge von seinem großen, schlanken Gefährten überragt wurde. Eine Fülle roth— blonden Haares umstand ziemlich wild den großen Kopf, ein eben— solcher Bart bedeckte den ganzen unteren Theil des Gesichts und seine kleinen hellen Augen sahen sehr klug und sehr froh in die Welt. Er leerte auf einen Zug den vor ihm stehenden halbgefüllten Bierhumpen und sagte dann:„Ja, ja, ein seltsames Spiel des Schicksals, damals, als wir zusammen im braven Pommerlande die Schulbänke drückten, war ich der Reiche, der auf eine gesicherte Zu— kunft rechnen durfte, der halbwegs von Dir Beneidete“— er kniff die Augen zu und schnippte mit den Fingern, als der Andere eine abwehrende Bewegung machte—„lasse es gut sein, der Neid bei solchen Gelegenheiten ist sehr menschlich; ich hatte einen kräftigen Rückhalt an meinem wohlhabenden Vater, Du warst der Sohn einer Wittwe, die möglichst bald von Dir versorgt sein wollte— das war auch menschlich, Gott habe sie selig, sie ist ja todt, aber sie hat Dir die Jugend nicht leicht gemacht! Und nun bin ich ein fimpler Doktor, ein Herr von Habenichts, der seine paar tausend Thaler bis auf einen knappen Rest ausgegeben hat, während Du, so zu sagen, ein Millionär bist. Man kann keinen halben Tag in dieser, bei alle ihrer Wohlhabenheit und alle ihrem Selbstgefühl doch ziemlich kleinstädtischen Stadt sein, ohne den Namen Hedden⸗ heim zu hören und zu wissen, daß er den Reichthum, die Würde und den Stolz dieser alten Handelsstadt repräsentirt.“ „Du übertreibst,“ lächelte der Andere. „Keineswegs. Ich hatte also bereits ein Dutzend Mal diesen imposanten Namen gehört, ohne eine Ahnung zu haben, wer der Träger desselben sei, bevor ich Dir heute begegnete, meinen guten Freund Konrad Held zu sehen glaubte und dann erfuhr, daß er sich in den Vertreter der berühmten Firma S. u. R. Heddenheim metamorphosirt hat.“ g „Was hoffentlich Deine Freude an dem unvermutheten Begegnen nicht beeinträchtigt hat?“ sagte Conrad herzlich. „Bewahre, im Gegentheil,“ schmunzelte der Andere,„es ist immer angenehm, hochgestellte und reiche Freunde zu haben; wenn Dir also die alte Freundschaft mit dem unbedeutenden Doktor Hans Weber nicht unbequem ist—“ „Spötter!“ lachte Konrad.„Doch genug jetzt von mir, meine im Ganzen nicht sehr interessante Geschichte kennst Du bereits, nun erzähle mir von Dir, wie es Dir in den zwölf Jahren ergangen ist und wie Du hierher gekommen bist. Seit ich Dich mit Neid die Universität beziehen sah und selbst noch auf der Schule bleiben mußte, weiß ich nichts mehr von Dir.“ „Das ist Alles kurz gesagt,“ meinte Weber.„Ich absolvirte meine Studien in Berlin und Leipzig, ging auf einige Zeit nach Wien, trieb mich in einer Menge Kliniken umher, wurde hier und dort Assistent bei berühmten Leuten und lernte von ihnen, so viel Auge, Hand und Kopf nur irgend begreifen konnten. Es war viel— leicht ein wenig zu viel für meinen schwächlichen Hirnkasten ge— worden, genug ein abscheulicher, mich jeden dritten oder vierten Tag hinterlistig überfallender Kopfschmerz trieb mich in's Seebad. Die üble Laune, die mein Leiden begleitete, machte mich menschen— scheu, so wählte ich nicht ein von andern Leuten besuchtes Bad, sondern ging nach der kleinen Seestadt P. Die Bäder thaten mir gut, ich war den Kopfschmerz bald los; das reinliche Städtchen mit dem regen Leben im Hafen gefiel mir und da es unterdeß gerade dem einzigen Arzt dort einfiel, zu sterben, schlug ich ein großes Porzellanschild an meine Thür, auf dem ich mich dem ver— ehrlichen Publikum als praktischer Arzt proklamirte. Daß ich's dort nicht allzu lange aushalten würde, wußte ich genau und gerade als mir die Geschichte langweilig wurde und ich nach einer passenden Gelegenheit suchte, der Kleinstädterei zu entweichen, wurde ich mit einem Schiffskapitän bekannt, der eben zu einer Reise nach Indien rüstete. Er machte mir den Vorschlag, ihn als Schiffsarzt zu be— gleiten; ich willigte ein und habe mich nun länger als zwei Jahre theils auf dem Wasser, theils in Indien, Japan und wer weiß wo sonst noch, herumgetrieben.“ „Das ist ein buntes, wechselvolles Leben, das Du geführt hast,“ sagte Konrad,„und denkst Du nun endlich seßhaft zu werden, hier zu bleiben?“ „Vielleicht; zunächst hat mich der Zufall hier an's Land ge— worfen. Unser Schiff ging im hiesigen Hafen vor Anker, da war's selbstverständlich, daß ich die Stadt aufsuchte. Ihre alterthümliche Würde imponirt mir, es steckt mehr Charakter darin, als in dem Buntwerk unserer heutigen Neubauten. Daß ich Dich nun hier gefunden, will mir wie eine Art guten Omens scheinen, und so könnte es wohl sein, daß ich mich hier als Retter für die kranke Menschheit niederließe.“ 5 „In welchem Falle ich Dich zu meinem Leibmedikus ernennen würde,“ versetzte Konrad,„denn Dein guter Humor kurirt, glaube ich, besser als Arzenei.“ „Dann kann es mir hier nicht fehlen, ich bin ein gemachter „„CCFFFFFCFPCbCõã AAC èͤ VTG 35 r 242. Mann,“ lachte Weber,„wenn der berühmteste Mann dieser guten Stadt mir sein Vertrauen schenkt. Es sei, ich bleibe hier.“ „Du bist schnell von Entschluß!“ „Rasche Entschlüsse haben mich nie gereut. Was soll das viele Prüfen und Ueberlegen, die Zufälle, die das Leben gestalten, kann Niemand vorhersehen, wir sind doch nur ein Spielball in der Hand des Schicksals, wenn wir auch die Miene annehmen, als ob wir dasselbe machten. Wir haben bisher auf die alte Freundschaft getrunken, nun lasse uns noch ein Glas auf die neue leeren, die mit dem heutigen Tage beginnt.“ Der schäumende Bierpokal stand bald wieder vor ihnen und die Erlebnisse von zwölf Jahren, in denen aus den Jünglingen Männer geworden waren, boten so reichlichen Stoff der Mittheilung, daß das Gespräch keinen Augenblick stockte. „Sage aber, mein Sohn, wie kommt es, daß Du noch unbeweibt bist?“ fragte plötzlich Weber.„Es scheint mir kaum begreiflich.“ „Seltsame Frage von einem Manne, der um zwei Jahre älter ist als ich,“ lautete die Antwort. Weber fuhr sich mit der Hand durch seine gewaltige rothe Mähne. „Mein Kind, das ist ein riesiger Unterschied; ich bin bis dato noch ein ziemlich ruheloses Subjekt gewesen, ohne Haus und Hof, ich habe mich in der Welt umhergetrieben und bin nebenbei von der Mutter Natur arg vernachlässigt, so etwas von einem Scheusal; Du bist schön wie ein Adonis—“ Konrad lachte—„wie ein Adonis und bist ferner ein steinreicher Mann, der seiner Gattin ein höchst komfortables und angenehmes Haus zu bieten hat, der demzufolge die Pflicht gegen die Gesellschaft hat, schleunigst eine Familie zu gründen.“ „Wozu ich aber bis jetzt noch nicht die geringste Lust verspüre,“ entgegnete Konrad,„mein Junggesellenleben behagt mir außer⸗ ordentlich gut.“ „Das sind die bösen Beispiele,“ rief Weber,„Du willst in die Fußtapfen Deines Onkels treten. Den alten Herrn in Ehren, aber solch ein alter Junggeselle ist ein schauderhaftes Individuum, entweder ein Geck oder ein Stockfisch.“ is „Die Ausnahmen, zu denen natürlich Dein Oheim gehört, be— weisen die Regel, wer weiß aber, ob Du zu diesen Ausnahmen ge— hören würdest. Noch freilich bist Du ein blutjunger Mensch, allein je eher man das Gute und Nothwendige thut, um so besser. Also schnell an's Werk.“ „Wenn Du mir mit gutem Beispiel vorangehst,“ meinte Konrad scherzend. „Lalala, Du siehst doch ein, unsere Lage ist eine durchaus ver⸗— schiedene; ich habe überdies keine Spur von Anlage zum Philister, während mir das bei Dir— zweifelhaft erscheint.“ „Danke verbindlichst.“ „Freundschaft fordert Offenheit; heirathe, heirathe, mein Sohn.“ „Laß uns ernsthaft reden, Hans. Ich befinde mich in einer eigenthümlichen Lage, die mich selbst, wenn ich Neigung zur Ehe verspürte, zwingen würde, noch lange, vielleicht immer unvermählt zu bleiben.“ „Potztausend, laß doch hören.“ „Wenige Wochen vor seinem Tode theilte mir mein Onkel mit, wovon ich bis dahin keine Ahnung hatte, daß er eine kurze Zeit verheirathet gewesen, jedenfalls unter eigenthümlichen Umständen, mit einer Frau, die seiner nicht würdig war, ihn betrog und ihn mit einem andern Manne heimlich verließ. Ein, der Ehe mit meinem Onkel entsprossenes Kind— eine Tochter— nahm sie auf der Flucht mit sich. Es scheint, daß meinen Onkel der Gedanke an dieses Kind durch Jahre nicht weiter beschäftigt hat und erst in den letzten Monaten vor seinem Tode in ihm auftauchte. Als er zu mir davon sprach, schlug ich ihm natürlich vor, Nachforschungen nach dem Mädchen anzustellen, da sie doch seine allein rechtmäßige Erbin war. Er wies dies entschieden zurück, ich mußte ja auch zugeben, daß es große Schwierigkeiten haben würde, die aufzufinden, von der man seit beinahe zwanzig Jahren nichts wußte und daß dann möglicher Weise auch die Mutter mit Ansprüchen auftreten könnte, denen Folge zu geben mein Onkel weder wünschte, noch sich verpflichtet glaubte. Er bestand darauf, mich unbeschränkt und ohne irgend welche Be— dingung zum Erben einzusetzen. Du traust mir zu, daß, trotzdem er mich vollständig adoptirt, ich doch das Gefühl behalten habe, einer Berechtigteren vorgezogen zu sein und daß ich wiederholt auf diesen Punkt zurückgekommen bin. Doch mein Onkel blieb fest und legte es mir nur an's Herz, für das Mädchen zu sorgen, falls sie einmal unerwartet auftauchen und Ansprüche geltend machen sollte. Ich habe mich nun nach des Onkels Tode vielfach mit dem Gedanken be— schäftigt, durch einen öffentlichen Aufruf in verschiedenen Zeitungen diese verschollene Tochter aufzufinden. Immer aber widerstrebte es mir, dadurch diese verjährte, hier völlig unbekannte Ehegeschichte— sie spielte in London— in die Welt zu bringen, den reinen und hochgeachteten Namen des Verstorbenen dadurch schon gewissermaßen an den Pranger zu stellen, und mehr noch durch die Möglichkeit, daß statt Jener ihre Mutter dem Aufruf antwortete und ein viel⸗ leicht gänzlich verworfenes und verlorenes Wesen hier als Gattin meines Onkels erschiene. Die Scheu vor solchem Skandal, vor möglicher Blosstellung des hochgeschätzten Namens Heddenheim, hielt mich zurück und ich handelte nach dem Willen meines Onkels, d. h. schweige und warte.“ 5 „Nun und?“ fragte Weber, als Konrad hier abbrach. Dieser zuckte die Achseln.„Ich bin nominell der Erbe meines Onkels und unbeschränkter Besitzer der Firma Heddenheim; that— sächlich kann und darf ich mich doch nur als der Verwalter eines mir nicht zugehörenden Vermögens betrachten: sobald Jeanne Heddenheim auf dem Schauplatz erscheint— und das kann natürlich jeden Tag geschehen— so erhebt sie ihre berechtigten Ansprüche, und ich werde es darauf nicht einmal ankommen lassen, sondern sie sofort in den Besitz ihres Eigenthums setzen.“ 0 „Allerdings eine unangenehme Situation, die nach allen Seiten zu erwägen ist,“ versetzte Weber,„wenn ich auch meine, daß Du zu weit gehst; sollte sich diese junge Dame hier einmal einstellen, was ziemlich unwahrscheinlich ist, da sie so lange nichts von sich hören gelassen, so würdest Du natürlich ihre Zukunft sicher stellen müssen; Du aber bist und bleibst, laut Testament, der Erbe, das kann Dir kein Recht und Gesetz bestreiten.“ „Mag sein, doch ich selbst stehe anders dazu.“ „Nun, wir wollen uns über diesen unwahrscheinlichen Fall, der voraussichtlich niemals eintritt, nicht die Köpfe zerbrechen,“ meinte Weber,„ich verstehe nur nicht, in welchem Zusammenhange die Ge⸗ schichte mit dem wichtigen Punkt, von dem wir ausgingen, steht: mit Deiner Verheirathung.“ 5 „In dem allerengsten, lieber Freund,“ erklärte Heddenheim,„das Mädchen, welches mir seine Hand reicht, glaubt einen reichen Mann zu wählen und zu großen Ansprüchen berechtigt zu sein, ich kann sie nicht in die Lage versetzen, aus einer reichen, verwöhnten, in Comfort lebenden Frau plötzlich zu einer nichts Besitzenden zu werden. Heute bin ich der reichste Kaufmann der Stadt, morgen bin ich vielleicht genöthigt, eine Stellung in einer andern Handlung zu suchen; solchen Wechselfällen darf ich meine Frau nicht aussetzen. So muß ich unvermählt bleiben, wenn nicht einmal zufällig die Kunde von dem Tode dieser Jeanne zu mir gelangt.“ „Den Du ohnedies als sicher annehmen kannst,“ erwiderte Weber, „ich bin überzeugt, daß Mutter und Tochter längst nicht mehr unter den Lebenden weilen, denn man verzichtet nicht so leicht auf den Besitz einer Million.“ Konrad zuckte die Achseln.„Möglich, vielleicht sogar wahr⸗ scheinlich, allein man muß auch auf das Unwahrscheinliche gefaßt sein.“ „Nun ich hoffe,“ sagte Weber, lustig zu ihm hinüberblinzelnd, „daß vor dem Feuer von einem Paar schöner Augen alle diese thörichten Ideen hinwegschmelzen werden, wie das Eis in der Sonne.“ Heddenheim stützte den Kopf an die Lehne des Stuhls und blies eine Dampfwolke in die Luft. Ein spöttisches Lächeln lag auf seinen Lippen.„Ich glaube nicht, daß dieser göttliche Wahnsinn, Liebe ge— nannt, mich je überfällt,“ meinte er,„seit wir damals als Primaner gemeinschaftlich für die hübsche blonde Bürgermeisterstochter schwärmten und uns die Gedichte, in denen wir sie ansangen, vorlasen, ohne daß jemals einer dieser poetischen Ergüsse vor ihre Augen gekommen wäre, habe ich nie mehr Aehnliches empfunden.“ „Ein keuscher Joseph,“ lachte Weber. „Man hat hier und da einmal ein schönes Weib schön gefunden— mehr nicht.“ „Warte nur, mein Sohn, der Moment wird auch für Dich kommen, wenn Du eben der Rechten gegenüber stehst.“ Konrad schüttelte den Kopf.„Offen gestanden habe ich eine herzlich schlechte Meinung von den Frauen. Mütter und Töchter haben so deutlich ihren Wunsch, den reichen Mann einzufangen, an FFP — 3 243.. 15 eines that⸗ nir eim D. verde den 8 eiten Du allen, ich ellen das der — 2 = den Tag gelegt, sie haben durch Schmachten und Kokettiren, durch Lächeln und Schmollen so unverhohlen ihre Absicht auf mich ge— kennzeichnet, daß ich angefangen habe, Damengesellschaft zu meiden. Es kostet mich wahrhaftig kein Opfer, unbeweibt zu bleiben.“ „Ah! Du bist ein Frauenhasser!“ rief Weber,„jetzt wächst meine Hoffnung, Dich bald in den Hafen der Ehe einlaufen zu sehen. Die Weiberfeinde verfallen am sichersten und gewöhnlich am plötzlichsten dem göttlichen Wahnsinn, wie Du es nennst, und über ihrem Haupte schwebt dann meistens in der Ehe ein zierlicher Pantoffel. Glück auf dazu!“ 4 „O dies prophetische Gemüth!“ lachte Heddenheim.„Es könnte Dich aber doch vielleicht täuschen.“ Er zog die Uhr heraus.„So angenehm es sich mit Dir plaudert, so muß ich doch fort, meine Zeit ist um.“. „Ich begleite Dich; vorläufig habe ich ja hier nur die eine Pflicht, meinem Behagen zu leben,“ scherzte Weber, während sie auf die Straße traten.„Ich bin ja überdies auch solch ein Barbar, das ehrwürdigste Haus dieser ehrwürdigen Stadt, welches der Firma Heddenheim gehört, nicht zu kennen.“ „Ich bedaure, es Dir auch jetzt nicht vorstellen zu können,“ erwiderte Konrad,„ich gehe nicht nach Hause, sondern in das Hötel Englisches Haus zu einer Dame, der ich meinen Besuch versprochen habe und die mich wahrscheinlich schon seit einer halben Stunde erwartet.“ „A— a— ah!“ „Du irrst, alter Hans, wenn Du dahinter irgend welches interessantes téte-A-téète witterst. Diese Dame ist eine alte Frau von Hartwitz, die Besitzerin eines 1 7½ Meile von hier gelegenen Gutes, so eine Art Original, hier allgemein wegen ihrer Ab— sonderlichkeit verschrieen. Ich werde für meine Verspätung wahr⸗ scheinlich einen Verweis mir gefallen lassen müssen.“ „Aber mein Himmel, warum gehst Du zu der alten Person hin! Lasse sie doch zu Dir kommen, wenn sie etwas von Dir will!“ rief Weber. 5 „Höflichkeit, mein Lieber, nichts als Höflichkeit! Mein Onkel schätzte die Frau, die das übrigens in vollem Maaße verdient und hat ihr in geschäftlichen Angelegenheiten vielfach zur Seite gestanden; auch ich habe sie damals kennen gelernt. Nach meines Onkels Tode hatte die Verbindung aufgehört; sie hielt mich vielleicht für zu jung, um mir ihr Vertrauen zu schenken,“ schaltete er lächelnd ein,„sie war auch, glaube ich, lange verreist. Gestern nun erhielt ich einen Brief von ihr, mit der Mittheilung, daß sie heute hier im Englischen Hause sein würde und meinen Besuch in einer Geschäftsangelegenheit erbitte. Da sind wir bereits am Ziel. Nun adieu, my boy, auf Wiedersehen in meinem Hause.“ Sie verabschiedeten sich mit einem Händedruck und Weber schlenderte die Straße entlang, während Heddenheim in das Haus eintrat. (Fortsetzung folgt.) Mutter und Sohn. Novellette von Cordelia, deutsch von Konrad Telmann. (Fortsetzung.) Von einer Seite beruhigt, begannen neue Sorgen für sie; wenn sie gewußt hätte, wo er sich befand, wäre sie ihm nachgefolgt, hätte die Kraft in sich gefühlt, Männerkleidung anzuziehen und Soldat zu werden, um sich nicht von ihm zu trennen, auch wäre sie durch— aus nicht die erste Frau gewesen, die sich auf die Schlachtfelder hinausgewagt hatte; sie wußte ja, daß er nichts mit sich genommen hatte außer etwas Geld, und dachte an die Entbehrungen, die er würde ertragen müssen und die für ihn, der an gewisse Unbequem⸗ lichkeiten nicht gewöhnt war, leicht verhängnißvoll werden könnten. Wenn sie sich zu Tische setzte, erregten die saftigen Speisen ihren Widerwillen, indem sie daran dachte, daß Mario vielleicht das Brod und die Suppe mangeln würde; wenn sie sich auf ihr weiches Bett niederstreckte, eilte ihr Geist zu dem Feldlager unter freiem Himmel hinüber, zu den von einem Strohbündel gebildeten Betten, zu den Steinen anstatt der Kopfkissen und zu ähnlichen Mißlich⸗ keiten des Soldatenlebens. In ihrer Phantasie ging sie alle die Geschichten wieder durch, die sie von den Strapazen der Soldaten und den Gefahren des Krieges hatte erzählen hören. Sie lebte nun nicht mehr, sorgte nicht mehr für ihre Kleidung, machte keine Besuche, empfing Nie⸗ manden, und schien in wenigen Tagen um zehn Jahre gealtert zu sein. Auch Valeria fühlte die gleichen Erregungen mit und beweinte im Stillen ihren Bruder und Mario, der eine so hohe Stellung in ihrem Herzen einnahm. Sie litt hundertmal mehr darunter, daß sie ihren Schmerz verbergen und dem Vater ein lächelndes Gesicht zeigen mußte, den die Abwesenheit des Sohnes zusammen mit den rheumatischen Schmerzen, die ihm den Gebrauch seiner Füße raubten, jeden Tag verstimmter und mißmüthiger machte. Valeria ertrug das ganz geduldig, wie eine Heilige, aber wenn sie keine Briefe von ihrem Bruder erhielt, in denen immer einige artige Worte auch von Mario waren, fühlte sie sich so unglücklich, daß sie am liebsten den ganzen Tag hätte weinen mögen. Ihr einziger Trost war, des Morgens, wenn der Vater noch zu Bette lag, sich in die nahegelegene Kirche zu begeben und dort für die Abwesenden, für die Gesundheit ihres Vaters und für die Be— freiung Venetiens zu beten. Ihr war's, als thue sie mit ihren Gebeten gleichfalls etwas für ihr Vaterland. Es war ja alles, was sie thun konnte. Zuweilen begegnete sie in der Kirche auch Frau Klara und be— griff dann besser als irgend ein Anderer die Qual des Mutter⸗ herzens. Wenn sie unruhig war, weil sie keine Nachrichten von Arrigo erhalten hatte, hätte sie sie gern gefragt, ob denn auch sie nichts wisse, aber wenn sie schon daran war, wagte sie es doch wieder nicht. Auch Frau Klara war jener Gedanke oft durch den Kopf ge⸗ gangen, und wenn sie das junge Mädchen in der Blüthe ihrer Jahre neben sich sah, die sich in Schwarz kleidete, die vielleicht mit Thränen in den Augen für die Rettung des gleichen Wesens betete, das ihre ganze Seele und ihr Herz beschäftigte, dann bereute sie es, so ungerecht gegen sie gewesen zu sein und sie dauernd so ungerecht behandelt zu haben. „Wenn ich ihm erlaubt hätte, sie zu heirathen,“ sagte sie sich im Innern,„so würde er sicherlich nicht fortgegangen sein. Wenn man ein Weib hat, so ist das schon ganz etwas anderes und ich, die ich nicht die Hälfte seiner Liebe verlieren wollte, werde sie vielleicht ganz und gar verlieren. Der Herr hat meinen Egoismus hart bestraft.“ Und bei diesen Gedanken rannen ihr die Thränen über die Wangen. Eines Tages, als Valeria sie nahe bei sich stehen sah, bot sie ihr ihren Sessel, den Frau Klara auch annahm, indem sie ihr in zutraulicher Art dankte. Mit jenem Tage fingen sie wieder an, sich zu grüßen, und wenn es allen Beiden an Nachrichten über die Ab- wesenden fehlte, fanden sie sich in der Kirche genau um die gleiche Stunde und auf demselben Platze zusammen, wie zwei Liebende, die sich eine Verabredung gegeben hatten, und nun daran festhielten, nicht auszubleiben. Und sie sahen sich genau so an wie Liebende, sie hatten Neigung mit einander zu sprechen und wagten es nicht, sie lasen sich wechselseitig die Gedanken ab, die ihnen durch den Kopf gingen, und verstanden sich, ohne ein Wort zu sagen. Einmal wagte es Frau Klara, sie um Nachrichten über ihren Vater zu fragen, und ob sie nicht von Arrigo wisse. „Der Papa ist immer krank,“ antwortete das Mädchen,„und von Arrigo erhalten wir sehr selten Nachrichten. Man weiß, daß die Regierung alle Briefe unterschlägt, die von außerhalb kommen, und es ist ein Wunder, wenn von Zeit zu Zeit einer anlangt. Dann öffnete sie den Mund, um gleichfalls etwas zu fragen, aber sie hatte nicht den Muth dazu. „Es ist auch schon eine Weile her, seit ich einen Brief von meinem Sohn erhalten habe,“ erwiderte Frau Klara. An jenem Tage blieb die Unterhaltung dabei stehen und sie ver⸗ ließen sich Beide etwas zufrieden gestellter darüber, daß sie das Eis gebrochen hatten. Inzwischen wurde der Krieg erklärt, und ihre Herzen begannen wieder zu erzittern. An jedem Augenblick während des Tages dachten sie an das, was man im Felde that; wenn manchmal ein Lächeln ihre Lippen umspielte, so bereuten sie das wie ein Vergehen und dachten:„Ich lächle, und vielleicht in diesem Augenblick kann er von einer Kugel getroffen sein.“ Bei diesen Gedanken erschauerten sie, verwünschten den Krieg und blieben in Angst, bis ein Brief kam, um sie für einige Tage wieder zu trösten. 3 ...... — 2 244.. Eines Tages verbreitete sich durch die Stadt die Nachricht, daß die beiden Heere sich begegnet seien. Alle waren begierig auf die Zeitungen. Die Männer wanderten unruhig durch die Cafes, um zu sehen, ob es etwas Neues zu erfahren gebe, aber die Zeitungen kamen nicht, und die in der Stadt erscheinenden brachten nur die Nachrichten, welche die österreichische Regierung dem Volke mitgetheilt wissen wollte. Die Frauen eilten ihren Männern, wenn diese nach Hause zurück— kamen, entgegen und wollten wissen, was es Neues gäbe. Eine fieberhafte Neu⸗ gier ergriff die Gemüther von Allen. Indeß verbreitete sich das Gerücht von der Schlacht bei Custozza. War das ein Sieg oder eine Niederlage gewesen? Keiner konnte es sagen. Wenn man dem glaubte, was Oesterreich meldete, so war es eine Niederlage für Italien gewesen; aber Keiner wollte den Depeschen Glauben schenken, die von Seiten des Feindes kamen. Uebrigens erfuhr man, daß man nichts gewonnen hatte; vergeblich hatte man sich verwunden und tödten lassen, eine wahre Metzelei. Man übertrieb die Ziffern noch, man erzählte sich unmögliche Dinge, und die Furcht und die Muth— losigkeit waren an Stelle der Hoffnung getreten. Frau Klara, die alle diese Nachrichten auch vernahm und von Mario keinen Brief hatte, war außer sich. Sie ging durch alle Zimmer hin und wieder wie eine Verzweifelte, oder verweilte stunden— lang im Zimmer ihres Sohnes wie eine Trunkene; manchmal war es ihr, als ob es das Zimmer eines Todten sei, und dann bildete sie sich ein, daß sie ihren Mario niemals wiedersehen würde. Dann verfiel sie in Raserei, und es währte lange Zeit, ehe es ihr gelang, sich wieder zu beruhigen. Wieder ein anderes Mal erschien es ihr unmöglich, daß ihr Sohn todt sein solle, ihr schien es, daß sie, wenn sich dies ereignet hatte, im gleichen Moment hätte müssen ein Zucken in ihrem Herzen fühlen, oder doch hätte müssen seinen Geist um sich schweben fühlen, gleichsam, um ihr ein letztes Lebewohl zu— zurufen. Wäre es so gewesen, so war sie sicher, daß sie ihm gefolgt sein würde. Welchen Zweck hätte es noch, ohne ihn weiterzuleben? Er war Alles für sie, und die ganze Welt hätte ihr den ver⸗ lorenen Sohn nicht ersetzen können. Inzwischen gelangten keine Nachrichten von ihm an sie, und ihre Angst steigerte sich noch. Sie ging fleißig in die Kirche in der Hoffnung, Valeria dort zu finden, die ihr etwas hätte berichten können, aber ein trauriges Kopfschütteln war die einzige Erwiderung, die das arme Mädchen ihr gab. Sie hatten sich gegenseitig nichts ver— sprochen, aber es war wie eine festbe— stimmte, ausgemachte Sache zwischen ihnen, daß die erste, welche Nachrichten haben Mumie Namses II. N theurer Todter geliebt hat.— Die Tage vergingen, und keine Nachrichten kamen aus dem Felde. Die beiden Frauen fuhren fort zu beten und zu weinen und lebten in jener Ungewißheit, welche die Stunden in fürchterlicher Qual vergehen läßt. Eines Tages erhielt Frau Klara endlich einen Brief, und das Herz klopfte ihr hoch auf vor Freude, da sie sieht, es ist die Hand— schrift ihres Sohnes. Im gleichen Augen— blick hört sie einen jugendlichen Schritt in Hast die Treppen hinaufkommen und sieht Valeria eintreten, mit purpur ge⸗ färbten Wangen, mit keuchendem Athem, aber mit einem freudigen Aufblitzen ihrer Augen, in der Hand einen offenen Brief haltend und rufend: „Sie sind am Leben, sie sind Beide in Sicherheit und Beiden geht es gut.“ Frau Klara breitete die Arme aus, und sie weinten zusammen vor Freude. NIN Kaum hatte Valeria den Brief ihres Bruders empfangen, so war ihr erster Gedanke, die alten Grübeleien zu unter— lassen, und selber die gute Nachricht an Frau Klara zu überbringen. Diese edel⸗ müthige Handlung rührte die arme Mutter so sehr, daß sie sie bat, häufiger wieder— zukommen, um ihr, wie einstmals, Ge— sellschaft zu leisten. Von diesem Tage an war ihr Leben voll von Trost und von Hoffnung. Es schien, daß der Krieg seinem Ende zuging und nach Custozza waren keine Waffenthaten mehr geschehn. Mario, der als Ingenieur mancherlei gute Rathschläge ertheilt hatte, erlangte den Grad eines Artillerieoffiziers. Frau Klara litt weniger unter der Ent⸗ fernung ihres Sohnes da ste nun be⸗ ständig mit Valeria über ihn sprach. Sie hatte jetzt endlich ein Wesen ge— funden, das sich für ihn interessirte, und das niemals müde wurde, ihn nennen zu hören; und sie erzählte dann von seiner Kindheit, wie brav er gewesen, von seinen Fortschritten in den Wissenschaften, und dann von dem, was sie am Tage, wo er fortgegangen war, gelitten, sowie von ihrer Hoffnung, daß er bald wiederkommen würde. Dann gedachte sie aller Worte, die er zu sprechen gewohnt war, der Speisen, die am meisten nach seinem Geschmack waren; sie dachte daran, ihm irgend eine erfreuliche Ueberraschung für die Heimkehrenden zu bereiten, sie wollte ihm sicherlich an jenem Tage ein großes Fest arrangiren, aber sie wagte auch wieder nicht daran zu denken, weil es ihr war, als müsse sich vorher noch irgend ein Un⸗ glück ereignen, so unmöglich erschien ihr eine so vollkommene Freude. Und Valeria horchte zu und interessirte sich für Alles, was Frau Klara sagte; manchmal nahm auch sie an diesen Ge— würde, zu der Andren eilen solle, um sie dieser mitzutheilen. Sie sprächen Theil, sie sprach von Arrigo, aber sie dachte an Mario, und hatten sich das nicht gesagt, aber sie fühlten sich durch den gleichen Schmerz vereinigt, wie sie es noch niemals gewesen waren. Wenn Valeria früher immer Marios Mutter geliebt und ver— ehrt hatte, so empfand sie jetzt für sie eine tiefe Sympathie. Für Frau Klara galten alle Dinge, die der ferne Sohn ge— liebt hatte, als heilig und sie empfand für Valeria jene Neigung, die man für die Gegenstände und Personen empfindet, die ein die beiden Abwesenden hielten gemeinsam den Geist der beiden Frauen beschäftigt, und waren der einzige Gegenstand ihrer Unterhaltung. Valeria widmete Frau Klara jeden Augenblick, wo ihr Vater sie frei ließ, und Frau Klara kam, wenn sie sie während zweier Tage einmal nicht gesehen hatte, sie aufzusuchen und zu fragen, ob Herrn Comellis Krankheit sich auch nicht etwa verschlimmert hätte. Auch Herr Comelli äußerte, daß Mario's Mutter, seitdem sie Die der Umhüllung entkleidete Mumie des ägyptischen Königs Ramses II. aus der 19. Dynastie(etwa 1400 bis 1250 v. Chr.). Nach photographischen Aufnahmen. 246 ihren Sohn nicht mehr neben sich habe, viel umgänglicher und leutseliger sei. Aber niemals machte Frau Klara in ihren Ge⸗ sprächen irgend eine Andeutung einer möglichen, späteren Ver⸗ einigung zwischen den beiden Familien. Es waren auch damals keine Zeiten, um an dergleichen zu denken, und dann, obgleich sie sich auch, da sie sie mehr aus der Nähe kennen lernte, davon über⸗ zeugt hatte, daß Valeria ein gutes Mädchen sei, und auch klüger und unterrichteter, als es den Anschein gehabt hatte, für Alle, die sie nicht so genau kannten, da sie, einfach und bescheiden, wie sie war, ihre Kenntnisse und ihren Werth eher zu verbergen, als zu zeigen suchte, ja, auch da sie nun bemerkte, daß sie wohl im Stande sein würde, Mario mit all' jenen Liebesdiensten zu umgeben, die bis zu diesem Tage ihr einziger Stolz und ihr einziger Gedanke gewesen waren, so empfand sie doch immer noch im Grunde ihres Herzens etwas Eifersucht gegen dieses Mädchen, und bevor sie ihre Einwilligung gab, mußte sie sich noch zweimal bedenken. Indeß war Mario ja auch fern, und wer wußte, ob er nicht mitten unter den andern Leuten seine Gesinnungen gewechselt hatte; sie wußte, daß sich das italienische Heer in jenem Zeitabschnitt großer Popula⸗ rität erfreute, daß die Offiziere mit offenen Armen in den Familien aufgenommen wurden, und die Frauen ihr Bestes thaten, um sich liebenswürdig zu zeigen, und ihnen die Verbannung von ihrer Heimath und die Entfernung von ihrer Familie etwas erträglicher zu machen. Endlich wollte sie sich nicht unnöthig quälen und legte alles in die Hände des Zufalls. a Was die Liebe anlangte, die sie mit ihren Gesprächen immer mehr und mehr im Herzen des jungen Mädchens entzündete, so machte sie sich weiter keine Gedanken darüber und sagte sich:„Wenn man jung ist, so sind weder die Leidenschaften groß noch die Schmerzen, da ist Alles nur wie leichte Phantasieen und wie Seifen⸗ blasen und Alles zieht wieder vorüber, wie die Sommerwölkchen, und der Himmel blickt hinterdrein nur noch heiterer, als je zuvor.“ Sie maß Alles nach sich selber ab, die sie eine sehr kalte Jugend gehabt hatte, ohne Erregungen, und da sie einen Mann geheirathet hatte, der ihr von ihren Eltern vorgeschlagen worden war, und die sich von ihrer Apathie nicht eher als bei der Geburt ihres Sohnes emporgerafft hatte. Dagegen fühlte Valeria mit jedem Tage die Zärtlichkeit wachsen, die sie für Mario hegte. Die Gespräche Frau Klara's selber ließen die Bewunderung, die sie für ihn hegte, sich nur steigern, und sie horchte so aufmerksam und so glückselig zu, wie wenn sie die me— lodischen Akkorde einer himmlischen Musik vernähme. Sie würde so gern diesen Worten ein Echo haben zurücktönen lassen, aber sie fürchtete sich, das Geheimniß zu enthüllen, das sie im Herzen ver⸗ schlossen trug. Aus Furcht zuviel zu sagen, sagte sie lieber garnichts. Wenn sie in den Briefen ihres Bruders ein zärtliches Wort fand, das zu ihr von Mario kam, so schien es ihr, als hätte sie Flügel und könne in den Himmel hineinfliegen, so leicht und so glücklich fühlte sie sich. Sie wäre froh gewesen, an Arrigo zu schreiben, wie sie sich oft in der Gesellschaft von Mario's Mutter befinde, aber auch diesen Trost hatte sie nicht einmal, da die jungen Leute keinen ständigen Aufenthalt hatten, sie marschirten vielmehr bald hier, bald dort hin, ohne einen festbestimmten Ort, und sie wußte deshalb nicht, wohin sie die Briefe richten sollte. (Schluß folgt.) Bharaonen-Wumien und Photographie. Eine Plauderei über allerlei Kulturfortschritte. Die Sonne bestrahlte die Felsen von Der-el⸗Bahari. Es war dieselbe Sonne, welche drei Jahrtausende zuvor die Welt der Ra— messiden im heiligen Egypten beleuchtet hatte: die Pyramiden von Memphis, das hundertthorige Theben, die Tempel zu Edfu, die majestätischen Säulenhallen zu Karnak, die Allee der Sphinxkolosse, welche Karnak mit Luksor verbindet, Luksor selbst mit seinem wunder— vollen Tempel, das Grabmal des Osymandyas und die Fluthen des Nil, in dem sich Wunderbauten und Palmen spiegelten und der mit seinen Wellen seit Jahrtausenden das Land der Pharaonen segnet. Strahlen der heißen Sonne Egyptens trafen einen Fels⸗ spalt— die Sandstürme der Wüste mochten denselben blosgelegt haben— und Beduinen, die auf der klassischen Erde nach Schätzen suchten, erweiterten den Spalt und drangen in weite Felsengrüfte ein. Die Araber fanden hier kein Gold, aber Mumien, Leichen von Menschen, die seit Jahrtausenden im Dunkel dieses Felsen⸗ grabes geschlummert hatten. Etwas wie die Schauer der Ewigkeit mochte durch diese Todtengruft gehen, als die Wüstensöhne des neunzehnten Jahrhunderts in ihre Schatten traten und von Ehr⸗ furcht und Scheu ergriffen, ließen die beutegierigen Männer die Todten ruhn. Im Jahre 1881 kam der verdienstvollste aller Egyp⸗ tologen, Prof. Emil Brugsch von Luksor nach Der-el⸗Bahari hin⸗ über und trat, von den Beduinen geleitet, in die Felsengräber ein. Hier entdeckte er in der letzten und finstersten Höhle mehrere Mumien, deren hohe geschichtliche Bedeutung er sofort erkannte. Brugsch⸗Bey brachte dieselben nach Kairo, allein die politischen Verhältnisse des Landes ließen die Behörden von einer Oeffnung der Särge absehen und vor wenigen Wochen erst nahm Mas pero, der vorige Direktor des Museums zu Bulak, die Enthüllung der Brug'schen Funde in Gegenwart des Khedive, vieler Gelehrten und Diplomaten vor. Und die Egyptologen Brugsch und Maspero er— kannten unter den Mumien zwei berühmte Pharaonen, die hervor⸗ ragendsten der Ramessiden, die Könige Ramses II. und Ramses III. Den Letzteren bezeichneten bekanntlich die griechischen Schriftsteller als Sesostris oder Rampsinit. Wie waren die Mumien dieser gewaltigen Herrscher in die dunkelste Felsenhöhle des Der-el-Bahari gelangt? Politische Stürme hatten sie dahingeweht. Als die Dynastie der Ramessiden erlosch, verfiel auch der Staat und Pöbelhaufen brachen im hundertthorigen Theben die Königsgräber auf und wühlten nach Schätzen. Priester mochten wohl die geheiligten Mumien der großen Despoten aus den Sarkophagen rechtzeitig entfernt und aus Theben gerettet haben, denn nach einer wahren Odyssee gelangten dieselben in den Besitz des Oberpriesters des Ammon, Autput, der dieselben sorgfältig hinter Familiengrüften versteckte und durch die Felsenwand des Dereel⸗ Bahari verschloß. Autput hatte diese Königsmumien sorgfältig be— zeichnet, damit sie nicht mit den Leichen gewöhnlicher Sterblicher verwechselt würden und nun sind Ramses II. und III. in die düstere, aber erlauchte Gesellschaft des Saals der Königs-Mumien zu Bulak eingetreten. Dem wunderbaren Exeigniß, daß ein todter Herrscher etwa 3200 Jahre nach der Regierung seinem lebenden Nachfolger vor— gestellt wird, folgte ein noch wunderbareres auf dem Fuße: Ramses II. ist photographirt worden und sein Bildniß wandert gegenwärtig über den ganzen Erdkreis. Dieselbe Sonne, die einst die Augen und das Diadem des lebenden Ramses aufleuchten ließ, zaubert jetzt das Bildniß des Todten auf die Glasplatte. Wenn ein Seher dem gewaltigen Herrscher hätte versichern können, daß man 3200 Jahre nach seinem Ableben ein Lichtbild seiner werthen aber etwas ramponirten Person auf Papier abklatschen und in alle Welt senden werde, so hätte Ramses dem heiligen Manne jedenfalls ge— antwortet: Priester, Du rasest! Und doch hat ein Neffe des Professors Brugsch den König Ramses am Tag seiner Wiederauferstehung photographirt und wir sind in der angenehmen Lage, den Lesern des Sonntagsblatts die Majestät aus Alt⸗Egypten im Bilde vorstellen zu können. Durch Inschriften von Denkmälern wird die Thatsache verbürgt, daß Ramses II. mehr als 67 Jahre regierte; dieser König muß also ein sehr hohes Alter erreicht haben. Die Mumie des Greises aber ist ganz wunderbar erhalten; sie mißt 1,80 Meter; der König war also von sehr hoher Gestalt. Ein auffallend langer Hals, der noch von Leinenstreifen umwunden ist, erhebt sich auf wagerecht aus⸗ ladenden Schultern. Auf diesem Halse sitzt ein Kopf von unver⸗ kennbar egyptischem Typus. Die mächtige Habichtsnase, das breite, senkrecht abfallende Kinn, der schwulstige Mund, die zurücktretende schmale Stirn und die großen Augenhöhlen sind charakteristische Merkmale der Rasse. Büschel schlichter weißer Haare, die sich sehr weich und fein anfühlen und von denen eines an fünf Centimeter lang ist, ziehen sich über den Ohren zum Nacken hin und vereinen sich dort zu einer aufstrebenden Locke. Die Haare sind durch die Einbalsamirung gelblich und bräunlich gefärbt, zeugen aber doch für das hohe Alter des Königs. Und vor diesem Herrscher hat einst ein gewaltiges Volk ge⸗ zittert! Wie sagt Hamlet auf dem Friedhof? 0 U F 1 — — 1 ben iste hen sen⸗ eit des Ir⸗ die p hin⸗ ein. rere nte. chen ung ro, der und 9 er⸗ vor⸗ III. eller die irme och igen ter aus ben, det inter erel⸗ be- icher sdere, ulak etwa por⸗ 95 11 ittig gen bert ein Man abet Welt ö ge⸗ 3 sönig wit b die dur. daß also 1 aber war tende sische scht meter 1 einen doch * ah gus⸗ 5 bel⸗ 9 leite, 9 die e e 247. geschickte Hand diese Tableaur anmuthig gruppirt hat. — „Der große Cäsar, todt und Lehm geworden, Verstopft ein Loch wohl vor dem rauhen Norden. O, daß die Erde, der die Welt gebebt, Vor Wind und Wetter eine Wand verklebt!“ Dieser Stoßseufzer des schwermüthigen Hamlet auf den um⸗ nachteten Gräbern von Helsingör wird zu Schanden gemacht durch die Pharaonen-Mumien. Wäre der edle Dänenprinz an Stelle heimathloser Beduinen jenem Sonnenstrahl gefolgt, der in die Felsengräber von Der⸗el-Bahari hineinleuchtete, so würde er viel⸗ leicht den Text seiner Rede dahin abgeändert haben: „Der große Ramses, todt und wohl gebettet, Schlief drei Jahrtausende in diesen Felsenkammern. O, daß Kultur uns hat sein Bild gerettet— Muß uns zum Jubeln stimmen, nicht zum Jammern. Ja, die Sonne der Kultur ist's, welche durch Zauberfäden die Jahrtausende verbindet. Sie ist Arachne, die kunstvolle Spinnerin, welche ein unsichtbares Netz um den ganzen Erdball schlägt. Zu den zauberkräftigsten Sonnenfäden der Kultur aber gehört die Photographie. Sie ist ein Lieblingskind des Lichts, von dem Mephisto mit Recht sagt:„Von Körpern strömt's, die Körper macht es schön.“ Drei Jahrtausende liegen zwischen den Grab⸗ kammern der Pyramiden und den Dunkelkammern der Photographen, aber Dank der glücklichen Kulturentwicklung der Menschheit ließ sich eine Verbindung herstellen zwischen Ramses und den Kindern des neunzehnten Jahrhunderts. Der Ehrfurcht der Alt-Egypter vor den Todten und den Göttern haben wir die wunderbaren Tempel, Grabdenkmäler und die Mumien zu danken, welche als Ueberreste einer' untergegangenen Welt die Länder des Nil schmücken. Der Wissensdrang der modernen Kulturmenschheit aber hat das Lichtbild erfunden, mit dessen Hilfe sich Tausende von Abbildern dieser Mo⸗ numente und Reliquien in alle Welt senden lassen. Die Photo— graphie dient aber nicht nur der Alterthumsforschung, sie erweist sich auch als die nützlichste Helferin der Himmelskunde. Längst haben amerikanische Photographen, wie Rutherford, und Deutsche, wie Klein und Vogel, Mondbilder hergestellt, längst hat Professor Vogel den Flammenkranz der Sonne photographisch dargestellt und den Messungen der Himmelskörper durch Aufnahmen von Sonnen⸗ und Mondfinsternissen Vorschub geleistet, nun ist es gar gelungen, weite Theile des Firmaments photographisch aufzunehmen. Alte Gemälde und Statuen werden durch die Photographie in weitesten Kreisen bekannt, und die Prachtbauten der modernen Zeit Tausenden und Abertausenden vor's Auge geführt. Die Photographie entlastet den Forscher und Zeichner und giebt zahllosen Künstlern die Mittel an die Hand, Bildnisse in Erz oder Oel von berühmten Persönlich— keiten nach dem Tode derselben zu schaffen. Wir besitzen ausgezeichnete Porträtbüsten des Dr. Nachtigal und Ernst Dohm, von Bildhauern geschaffen, die den Verstorbenen bei Lebzeiten nur einmal und flüchtig begegneten. Auch die Maler finden in der Photographie eine be⸗ deutende Stütze und viele Kenner behaupten, daß es dem Brüsseler Maler Jan Verhas niemals gelungen wäre, sein Kolossal-Gemälde „Die Schulrevue“ mit solcher Vollendung auszuführen, wenn ihm nicht ein photographisches Momentbild zur Hand gewesen sei. Neuer⸗ dings versucht es gar Nadar in Paris, photographische Bilder aus der Vogelschau herzustellen, indem er sich mit seinem Apparat einem Luftschiff anvertraut und von der Gondel aus große Naturszenerieen aufnimmt. Diese Photographieen aus der Vogelperspektive sollen an Klarheit und Schärfe den Atelierbildern durchaus nicht nachstehen. Die weitaus größte Bedeutung aber hat die Porträt⸗Photographie erlangt. Auf diesem Gebiete waren lange Zeit amerikanische Photo— graphen, wie Wilhelm Kurz und Nora, oder französische, wie Nadar, den Deutschen überlegen. In der Neuzeit aber machten die Letzteren gar gewaltige Anstrengungen und es scheint, als hätten dieselben heute bereits ihre ausländischen Rivalen überflügelt. Photographische Bildnisse von Theodor Prümm, Vogelsang, Scharwächter, A. Vassel oder W. Höffert erscheinen mir ungleich idealer in der Auffassung und auch technisch vollkommener als jene des berühmten Nadar zu Paris. In Berlin erregen während der letzten zwei Jahre die Bilder des kgl. preußischen und kgl. sächsischen Hofphotographen W. Höffert berechtigtes Aufsehen. Die prachtvollen Schaukästen dieser Firma in der Leipziger Straße werden in der Regel von einer Menschen⸗ schaar dicht umdrängt. Die Bilder sind anscheinend sorglos, in wirrem Durcheinander ausgelegt, aber bald bemerkt man, 1 10 nd aus der Fülle der Erscheinungen lösen sich bald eine Menge reizvoller Gestalten, von denen jede Einzelne ihren besonderen Zauber ausübt. Hier schwebt uns ein junges Mädchen, hold wie der Frühling, auf der Schaukel entgegen, dort zeigt ein Nubier im vollen Schmuck der Waffen grinsend die Zähne, hier blickt ein zartes Kinderantlitz in der Pose eines Raphael'schen Engels der„Madonna del Sisto“ zu uns auf, dort sehen wir eine Gruppe Landsknechte im reich— ausgestatteten, gut abgetönten Prunkgemach. Sofort fällt die Eigen⸗ art der Höffert schen Bilder jedem Beschauer in's Auge. Mit der Plastik der Gestalten vereinigt sich auf diesen Bildern ein seltsam weicher, duftiger Ton und ein Glanz, der völlig poetisch wirkt. Die Schaukästen Höfferts verlockten uns dieser Tage zu einem Besuch der auf dem Leipziger Platz Nr. 12 gelegenen Geschäfts⸗ räume und wir fanden Empfangssalons von so prächtiger Aus— stattung, Ateliers mit so sinnreichen Einrichtungen, daß wir uns fast in den Palast des New-Vorker Photographen W. Kurz ver⸗ setzt glaubten. Die Firma Höffert ist bemerkenswerth um ihrer geschäftlichen Organisation willen. Sie wurde vor 20 Jahren in Dresden begründet, besitzt aber heute Filialen in fast allen großen Städten Deutschlands. Jedes dieser Zweiginstitute wird durch eine ausgezeichnete Kraft geleitet und Herr Höffert, der gleich hervor— ragend als Geschäftsmann wie als Künstler ist, sieht sich in den Stand gesetzt, alle neuen Fortschritte und Errungenschaften auf dem photographischen Gebiete zu prüfen und das wahrhaft Werthvolle in seine zahlreichen Ateliers einzuführen. An der Spitze des Berliner Geschäfts steht Herr Erich Sellin, ein junger Photo— graph, welcher sich weit in der Welt umgethan hat und der mit der eingehendsten Kenntniß der Technik echt künstlerische Auffassungs— gabe verbindet. Sellin hat das gefürchtete Instrument, den Kopf— halter, welches man auch als eisernes Rückgrat bezeichnete, aus den Ateliers verbannt, und bittet„das Objekt“ die Haltung anzunehmen, welche ihm am bequemsten ist. Der Photograph gleicht in diesem Punkte jenen genialen Schauspielern, welche zu dem Mitspielenden sagen:„Betreten Sie die Scene, von welcher Seite Sie immer wollen, ich werde Sie schon treffen.“ Der Fortfall des Zwangs hat die Folge, daß die meisten Bildnisse die Person in ihrer natürlichsten Haltung wiedergeben. Die vornehm ausgestatteten Empfangsräume enthalten eine Fülle des Sehenswerthen. Da sind die reizendsten Kindergestalten— alles Momentaufnahmen. Eine halbe, ja eine Viertelsekunde genügte dem Photographen, um das Abbild des Kindes zu erhaschen. Daß dies möglich ist, verdankt die Firma Höffert ihren lichtempfindlichen Platten, die sie in eigener Fabrik in Dresden für alle Geschäfte präpariren läßt. Das Experiment der lebens⸗ großen Ausführung der Porträts gelingt hier so gut, wie in Paris und Newyork. Da ist ein lebensgroßes Bild des Kaisers, dort eines der Königin von Sachsen, hier ein anderes vom Prinz-Regenten von Braunschweig, und alle diese Aufnahmen nach der Natur geben die Persönlichkeit mit voller Treue wieder.— Ah, hier tauchen all' die heitern drolligen Gestalten aus dem„Mikado“ wieder auf! Da ist der putzige Ko-Ko, dort der verdrossene Pu- ha, hier die kichernde Gruppe der»Three little girls from schoole, dort der abenteuernde Sohn des Mikado. Alle diese Personen der Sullivan schen Operette sind in brillanten Bildern wiedergegeben. Die eigentliche Domäne Sellins aber scheint die Frauenschönheit zu sein. Berühmte und unberühmte Beautes in so glücklicher Auffassung darzustellen, daß Idealbilder entstehen, das ist seine Stärke. Wir hätten gar zu gern den Lesern eine dieser jugendfrischen holden„Lichtgestalten“ in unserer Illustration den Ramses-Photographieen gegenübergestellt— um des Kontrastes willen— aber welcher Stichel könnte die weichen Schatten, die feinen Konturen und den heiteren Glanz dieser Bilder wiedergeben! Nein, wir wollen Höffert's Frauenbildnisse nicht durch den Holzschneider verleumden lassen. Und all' diese Wunder führt der Sonnenstrahl als williger Diener des Kulturmenschen aus derselbe Sonnenstrahl, der in den Spalt egyptischer Felsengräber hineinleuchtete. Aber der Photo⸗ graph bedarf auch der Sonne nicht mehr. Das elektrische Licht bildet ihm einen Ersatz für den verhüllten oder untergetauchten Sonnenball. Nun, wenn Helios seine Gaia nicht mehr mit den Strahlenarmen umschließt, bleibt vielleicht die Sehnsucht zurück und die Elektrizität ist am Ende nichts anderes, als ein Strom sehn— süchtiger Gefühle oder selige Sonnentrunkenheit, die den fruchtbaren Leib der Mutter Erde durchschauert. R. E. TTT 2 8 — 2 — . — 2 —————— —.— 850 1 Druck und Verlag der„Volks-Zeitung“, Akt⸗Ges. in Berlin, Lützowstr. 105.— Verantwortlicher Redakteur: R. Elcho in Berlin, Lützowstr. 105. 0 e „ a 8 0 5 8 8 0 0 n Die freien Felder der vorstehenden Figur sind je mit einem Buch⸗ staben so auszufüllen, daß die sieben wagerechten Reihen und ebenso die erste und letzte senkrechte Reihe bekannte Wörter ergeben Diese neun Wörter, jedoch in anderer e nennen: 1. Eine Gebirgsgruppe in Unteritalien. Eine kleine poetische Er⸗ ählung. 3. Ein enges Thal in Graubünden. 4. eee Gras. 5. Einen we Dichter. 6. Ein Werk desselben Dichters. Einen südamcrika⸗ nischen Freistaat. 8. Einen russischen Landstrich. 9. Einen Hühnervogel. Logogriph. In Morästen und stehenden Gewässern, Auch wohl in Flüssen trifft man mich an Und Mancher— um die Gesundheit zu bessern— Sieht, daß er in mir sich baden kann.— Das erste und zweite der Zeichen entferne, Als Bild der Unschuld erscheinet ein Thier: Gekocht, gebraten, ißt mancher es gerne, Es mundet vielleicht, o Leser, auch Dir. Silben-Räthsel. Aus folgenden Silben: an be ber c ce cha cha cul da de di e e e ed ei eu fu fu gar gelb halt hard hi i i il il im le ler lim lu lus mä mie nga on or pho phra ra rah ry sa sap se se sel ta the ti trab. sind 21 Wörter zu bilden, deren Anfangs⸗ und Endbuchstaben von oben nach unten gelesen ein Citat aus Heine's„Buch der Lieder“ ergeben. Die 21 Wörter bezeichnen: 1. Einen männlichen Vornamen. 2. Den Namen einer griechischen Dichterin. 3. Zwei Buchstaben. 4. Einen biblischen Namen. 5. Eine Gangart der Pferde. 6. Ein vierfüßiges Thier. 7. Einen weiblichen Vornamen. 8. Einen Binnensee in Südafrika. 9. Bestandtheil des Eis. 10. Ein Herzogthum. 11. Einen römischen Feldherrn. 12. Eine der Ge⸗ sellschaftsinseln. 13. Die Gemahlin des Orpheus. 14. Die östlichste Spitze Afrika's. 15. Einen der zwölf Stämme der Israeliten. 16. Den Namen osmanischer Sultane. 17. Eine Räthselart. 18. Einen Nebenfluß der Donau. 19. Ein Sternbild des südlichen Himmels. 20. Ein lauten⸗ ähnliches Saiteninstrument. 21. Eine Stadt in Oberägypten, am Nil. Dreisilbige Charade. Die Erste wandert her und hin, Und deutet der Gedanken Sinn; Sie kommt aus weiter Fern' oft her, Zuweilen gar an Gelde schwer. Die letzten Beiden, groß und klein, Sie sollen ein Behältniß sein Für Bücher, Sachen vieler Art Und was zur Eßlust Mancher spart— Im Ganzen birget sicherlich Gewöhnlich auch die Erste sich: Gepreßt, gestickt, bunt oder weiß, Ist's oft der Liebe holder Preis. Auflösung des ersten Räthsels in voriger Nummer: Aus— Sau;— des zweiten Räthsels: Bart;— des Rösselsprungs: O die Menschen thun uns Unrecht„Katzenjammer“, o Injurie! Und den Dank such' ich vergebens, Wir miauen zart im Stillen, Sie verkennen ganz die feinern Nur die Menschen hör' ich oftmals Saiten unsers Katzenlebens. Graunhaft durch die Straßen brüllen. Und wenn einer schwer betrunken . Ja, sie thun uns bitter Unrecht, Niederfällt in seiner Kammer, ö Und was weiß ihr rohes Herze Und ihn morgens Kopfweh quälet, Von dem wahren, tiefen, schweren, Nennt er's einen„Katzenjammer“. Ungeheuren Katzenschmerze? („Klage des Katers Hiddigeigei“ von Vict. von Scheffel.) Schach. Problem Nr. 404 von W. Kron in Beeck. 2 8. 5 2* 80 Weiß zieht an und setzt mit dem dritten Zuge Matt. Partie Nr. 230, . Züge nach Obess Players Chronicle. Weiß: J. Gunsberg. Schwarz: H. G. Bird. 1) dz da 715 20) Tell 1= 2) e2—e4 15— ef: 21)(3-443) Les dd 3) Sb 89816 22) b2—b4 DfE ha?) 4) Lel-g5 ee!) 23) C4- ds: 6 di: 5) Lg5—16: Dds f: 24) Lada e415) Dha-f6 6) 6) Ses—e4: Dfö—e7 25) Le4—d5f Kgs bs 7) LI ds d7—d5 26) 8g3—e4 Df6ö— es) 8) Se4—c3 Sbs c 27) Ld5—b7: Ld7-b5 9) 8g1 13 Les-d 28) Tei- dl 118-8 10) 22—23 De7—f6 29) Kgl-h! IdS-d7s 11) Ddu-d2 LIS dé 30) Se4-g59) De5 16 12) Sc3—e2 e6—e5 31) Ddꝰ el g7-g6 13) da- es: Sc eb: 32) Lb7-f3 Lbö5- ad 14) 8f3—e5: Ld6é es: 33) Jdi—el Ld4-b 2210 15) 02-03 0-0 34) Tel-es KhS-g7 16) 00 Le5— de 35) 8g5—e6f Kg7 17) Tale Tas-es 36) Jes- f8+ Kf7 es: 18) Se2—g3 Tes gel: 37) 178—f6f Lb ft: 19) TI— ei: Ldö—-c5. 38) Lf3—g47 aufgegeben. —— U 1) Die Vertheidigung des Bauern es ist unmöglich, nach 471— ds würde folgen 5) LIS eis 6) Dhöf g 7) Dds: und Weiß gewinnt mindestens einen Bauern. 2) Hier auf Bauerngewinn zu spielen erscheint a. gewagt, z. B. 7).. Dbaf 8) c Db2: 9) Tbi Dag! 10) DSi K dsl 11) Sg5! Des. 12) Ke 2c. 10 Mit der Drohung durch ed5 nebst Lh7 e und Dee ꝛc. einen Bauern zu erobern. ) Ein Fehlzug, der vom Gegner in sehr feiner Weise ausgebeutet wird. 9 Weiß, welches bis zu diesem Zuge nur Remischancen hatte, hat nun ein gewonnenes Spiel. Nimmt Schwarz den Läufer, so geht nach 25) Dada: ein Bauer verloren. 15 1. giebt mit Recht zwei Bauern preis, um wenigstens die beiden Läufer zu erhalt 55 Auf Dbs folgte gleichfalls Lb7: 8) Dbs wird durch Seß parirt. 9) Dieser Zug begegnet dem drohenden Offizierverlust, indem nun Les mit Dd': nebst Sti beantwortet werden kann, und droht zugleich mit Sts. 10) Ein letzter Feblzug, bei dem der drohende Damenverlust übersehen ist. Aber auch obne diesen Fehler mußte es Weiß schließlich gelingen, Abtausch zu erzielen und das Ueber⸗ gewicht seiner Bauern im Endspiel zur Geltung zu bringen. Aus der Schachwelt. Mr. Burn aus Liverpool, der sich zu einem Match mit jedem englischen Schachmeister, Blackburne allein ausgenommen, bereit erklärt hatte, fand in Mr. Bird den ersten gewünschten Gegner. Der Wettkampf wurde schon im Mai begonnen und nachdem jeder Spieler neun Gewinnpartien zu verzeichnen hatte, als unentschieden aufgegeben. Ein Match zwischen Gunsberg und Bird endete zu Gunsten des Erstgenannten mit 5 zu 1 bei 3 Remispartien. Die vorstehende Partie ist diesem Match entnommen. Eine Aufforderung, welche Mr. Bird, der kampflustige englische Champion, an Steinitz ergeben ließ, einen früher abgebrochenen Match, in welchem Steinitz bei 21 Partien een seinen Gegner um eine im Vortheil geblieben war, fortzusetzen, wurde von Steinitz abgelehnt. An dem am 12. Juli begonnenen Meisterturnier des Kongreffes der britischen Schack⸗ association sind die folgenden dreizehn Spieler betheiligt: aus England: Bird, Blackburne, Burn, Gunsberg, Major Hanbam, Mason, Mortimer, Pollock und Zukertort, aus Deutsch. land: Schallopp, aus Frankreich Taubenhaus, aus Amerika Lipschiltz und Mackenzie. Ueber das Resultat des Turniers können wir erst in der nächsten Nummer berichten.