— . Pre 1 9 1— 7 12 riedberg Buß bach Hungen — Intelligenz-Glatt ſür die Probinz Oberheſſen im Allgemeinen, die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen. Mittwoch e Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Gruͤnberg an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter dieſes Kreiſes. Betreffend: Die Aufnahme der Bevölkerung in den Zollvereinsſtaaten, insbeſondere im Großherzogthum Heſſen nach dem Stand der Bevölkerung im Monat Dezember 1846. Sie erhalten unter beſonderem Umſchlage ein Amts⸗ blatt Großh. Miniſteriums des Innern und der Juſtiz Nr. 23. vom 7. l. M., ſowie die zu doppelter Aufſtellung der Bevölkerungsliſten erforderlichen Formularien. Sie werden hinſichtlich der Aufſtellung genau und ſorgfältig die Verfü⸗ gungen dieſes Amtsblatts vom 7. l. M. und die unter Nr. 7. erwähnten vorderen Ausſchreiben befolgen. Nach Nr. 1 iſt der 3. Dezember der Normaltag, nach dem Stande an dieſem Tage muß die Vevölkerung aufgenommen, an die— ſem Tage alſo die Zählung begonnen, und wo möglich auch vollendet werden, wo in größeren Orten längere Zeit erforderlich, muß immer der Stand vom 3. Dezember zu Grund gelegt werden. Die doppelt aufgeſtellten Bevölkerungsliſten müſſen ohnfehlbar bis zum 15. Dezember hier eingelangt ſeyn, in— dem Sie ſonſt die Nachtheile, welche in§. 3 der höchſten Verfügung vom 4. April 1833 gedroht ſind, treffen. Von Erſtreckung dieſes Termins kann keine Rede ſein. Grunberg den 18. September 1846. us rien. 3 Die Großherzoglich Heſſiſchen Kreisraͤthe der Kreiſe Friedberg, Gruͤnberg und Hungen an ſaͤmmtliche Großh. Buͤrgermeiſter dieſer Kreiſe. Betreffend: An- und Wiederverkauf von Schwytzer Zuchtſtieren. a Sie haben alsbald in Ihren Gemeinden zur öffent⸗ lichen Kenntniß zu bringen, daß die für dieſes Jahr von dem landwirthſchaftl. Verein angekauften Schwytzer Zucht—⸗ ſtiere Freitag den 25. d. M., Vormittags 10 Uhr, in Salz⸗ hauſen verkauft werden. Friedberg, Grünberg u. Hungen am 18. Sep. 1846. Küchler. Duvrier. Follenius. Der Großherzoglich Heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Hungen an ſaͤmmtliche Gr. Heſſ. Fuͤrſtl. und Graͤfl. Solmſ. Buͤrgermeiſter dieſes Kreiſes. Betreffend: Die Reviſion der Maaſe und Gewichte im Baubezirke Grünberg. Grßh. Oberbaudirection hat eine Viſitation der Waa— gen bei den Gewerbtreibenden des hieſigen Kreiſes beſchloſſen und iſt hierzu der proviſor. Bauaufſeher I. Klaſſe Metro beauftragt worden. 8 Da hierbei Ihre Mitwirkung erforderlich iſt, ſo be⸗ auftrage ich Sie dem gedachten Viſitator alle eintretenden Falls erforderliche Unterſtützung und Vorſchub zu leiſten. Hungen den 16. September 1846. Follenius. Auch ein Wort über Turnerei. Der hinkende Bote iſt curirt! Er war zwar kein Feind der Turner und der Turnerei, aber er ſah doch kalt und gleichgültig auf ſie hin und fand Manches lächerlich an ihnen und ihrem Beſtreben.— Gut war es daher, daß er zum Feldberg hinkte und ſich durch eignes Schauen von dem Treiben und Sinne der Turner überzeugte: er wurde durch den frommen, freien, friſchen, fröhlichen Sinn ein warmer Freund der guten Sache und verſpricht, ſie möglichſt zu fördern bis zum letzten Hauche ſeines Lebens, wenn auch nicht durch Springen und Klettern und Recken, ſo doch durch Wort und Schrift und Beiſpiel. Auch der Bruder des hinkenden Boten iſt ein Freund der Turnerei, und da auch er durch den Familienfehler ab— gehalten iſt, zu ſpringen und zu ringen, aber doch auch der guten Sache nach Kräften forderlich ſein möchte und bei ſeinen Wanderungen durch Berg und Thal viel die Kopfe ſchütteln ſieht uber das neu erwachende Turnweſen, viel reden hört über es und Bedenken äußern, namentlich daruber, daß ſie in ihrem Schilde das Wort„frei“ führen, was leicht wieder zur„Demagogie, führen könne und zu allen ihren Schrecken; ſo fragte ich hier und da einen, mir begegnenden Turner, was ſie mit ihrem„frei“ wollten und hörte, was ſie davon denken und will es hier weiter ſagen: * 300 Sie wollen„frei/ ſein: 1) Von aller Leidenſchaft; 2) Von allen(lüberfluͤſſigen) Beduͤrfniſſen; 3) Von Aberglauben, Irrthum und Unglauben; 4) Von Eitelkeit und Stolz; 5) Von Schmeichelei und Heuchelei; 6) Von Trug und Lug; l 7) Von dem Wahne, als brauchten ſie kein Geſetz und keine Ordnung.. Darum ſind ſie bei Freude und Leid nicht allzu laut, ſie ſpielen nicht, verabſcheuen und meiden namentlich Hazard⸗ ſpiele, wie den böͤſen Feind; ſie ehren das weibliche Geſchlecht ob ſeiner vielen Tugenden, ſind aber weit entfernt, es blos als Spielzeug zu betrachten, ſie verkehren gerne mit edlen Frauen und Mädchen und ſchleifen durch den Umgang mit ihnen ihre rauhen Seiten ab, ſie verachten indeß den Aus⸗ wurf des weiblichen Geſchlechts und diejenigen, welche ſich mit ihnen beſudeln; ſie entfernen aus ihrer Mitte die Zoten— reißer und meiden und verachten dieſe ekelhaften Spaßmacher der meiſten modernen Geſellſchaften; ſie ſchwören nicht, ſie fluchen nicht, ſie ſind mäßig im Eſſen und Trinken und glauben nicht, daß es den Mann mache, wenn ſie ſich bei feſtlichen Gelegenheiten durch größere Ausgaben zeigen, als ihre Verhältniſſe erlauben; ſie ſind einfach in Kleidung und Sitte, ſie haben nicht ſtets und uberall die Pfeife im Munde; ſie härten ihren Körper ab, daß ſie wandern können durch Berg und Thal und nicht bei Reiſen von einigen Stunden ſchon in einem dumpfen Wagen ſitzen; ſie ſuchen Aberglau— ben und Irrthum aus ihrer Mitte zu verbannen und die— jenigen, mit welchen ſie verkehren, über die Vorgänge in der Welt und Natur aufzuklären; ſie glauben an Gott und ſeine Geſandten, ſowie an ihre Lehren und leben nach ihnen, ſie ehren den Glauben anderer Confeſſionen und anderer Religionen; ſie glauben nicht, daß ſie's ſchon er griffen hätten, ſondern jagen ihm nach; ſie ſuchen ſich, ein Jeder in ſeiner Kunſt und Wiſſenſchaft ſtets zu vervollkomm⸗ nen; ſie ſehen nicht ſtolz und hochmüthig auf anders Den⸗ kende herab, ſie ſuchen dieſelben aber durch Freundlichkeit und Belehrung zu ſich zu ziehen; ſie ſagen immer ohne Menſchen⸗ furcht dem Schlechten ihre Meinung ins Geſicht, ſie ſprechen nimmer anders, als ſie denken, ſind nicht hinterliſtig, und ihre Rede iſt immer und unter allen Umſtänden ja! ja! nein! nein!, dem Lügner ſagen ſie immer ins Geſicht, wofür ſie ihn hal— ten, denn, wer lügt, verachtet den, zu welchem er ſpricht, und Verachtung darf ein Ehrenmann nicht dulden; ſie fügen ſich ſtets unter das Geſetz, ſowohl auf dem Turnplatze, als im bürglichen und amtlichen Leben, ſie beweiſen durch die That, daß ſie überzeugt ſind, ohne Geſetz und Ordnung kann keine Geſellſchaft, kein Stagt beſtehen, ſie machen keine Schulden, ſie fangen keine Händel an, ſie prozeſſiren nicht, ſie befolgen die Vorſchriften des Geſetzes, ſo ſind ſie„frei“ von Gerichtsboten und Dienern der Polizei, ſo ſind ſie freie Männer, es kaun ihnen Niemand etwas anhaben, und die höchſte Obrigkeit des Staates wird nimmer und nir— gends bravere, folgſamere, treuere, zuverläſſigere, kräftigere Bürger finden, als in den Reihen der Turner, und das Wohl der einzelen Familien und ſomit das des ganzen Staates wird befördert werden und kräftig gedeihen, wenn der Turner in dem Sinne frei iſt, wie er wünſcht und mit einem herzlichen Gut Heil ausſpricht.“) Der Bruder des hinkenden Boten. *) Wäre in Vorſtehendem noch der Höflichkeit und beſcheidenen Zuvor⸗ kommenheit, überhaupt der Achtung vor dem, was die Sitte gehei⸗ ligt hat, Erwähnung gethan, dann möchte es als Turnerſpiegel betrachtet werden können; Jeder, der den Namen„Turner/ und deſ⸗ ſen Kleidung trägt, betrachte ſich alſo in dieſem Spiegel und prüfe ſich, ob er wirklich iſt, was er heißt und was er ſein ſoll.— Judenwörter in der Wetterau. (Schluß) 0 190. Der Sechel(das erſte e wird lang geſprochen), d. i. Einſicht, Verſtand. Unſere Juden ſprechen Säichel. Das Wort iſt das gleichbedeutende hebräiſche séchel. 11. Der Stuß,(sprich: Schtuſſ) meiſt aber in der Mehrzahl die Stuß(das u wird immer geſchärft ge⸗ ſprochen) heißt ſo viel als: Spaß, Poſſe, Narrheit. Bei den Juden bedeutet schtuss, wie ſie das Wort immer aus ſprechen, nur„Narrheit.“ Es iſt nicht eigentlich hebräiſch, ſondern jüdiſch-rabbiniſch, wird schtüͤth geſchrieben, bedeutet „Narrheit“ und iſt die Mehrzahl eines Wortes, welches abgeleitet iſt von jüdiſch-rabbiniſch schata(d. i.„ein Narr werden, unſinnnig ſeinz“ im Talmud auch»ſich närriſch ſtellen, Späſſe machen,).— Von Stuß hat man dann weiter gemacht das Wort: beſtußt(ſprich: beſchtuſſt) d. i. mit närriſchem Weſen behaftet. 12. Der Schote, d. i. der Narr, wer alberne lächer⸗ liche Streiche macht aus Gefallen daran. Unſre Juden und wir Wetterauer ſprechen dieſes Wort: Schoude aus. Auch dieſes Wort iſt nicht hebräiſch, ſondern jüdiſch-rabbiniſch, wo es schôteh lautet und den Narren, den Unſinnigen be⸗ deutet. Es kommt aber ebenfalls von dem vorhin genann⸗ ten jüdiſch⸗rabbiniſchen Worte schatah, welches unſre Juden schôte ſprechen und das„ein Narr werden ꝛc.“ bedeutet. 13) meſchuge(der Ton liegt auf der zweiten Silbe) bedeutet: hirnverrückt, aber in gelinderm Sinne, etwa wie wir ſagen„nicht recht geſcheid.“ Man ſpricht das Wort in der Wetterau miſchukke aus, und macht ſogar davon das Hauptwort: ein Miſchukken er, d. i. ein Hirnverrück⸗ ter in gelinderm Sinne. Es iſt das hebräiſche Wort mschugaàh Irrthum, welches von hebräiſch schagah irren herkommt. Meſchuge ſoll alſo wohl ſo viel ſagen als: im Irrthum, dann unſinnig. 14. broges, d. i. verdroſſen über etwas, aufgebracht über etwas. Unſre Juden ſprechen: bröges, wir Wetter⸗ auer„brouges.“ Das Wort iſt das hebraͤiſche bröges welches„im Zorn“ bedeutet und aus b(d. i. in) und roͤges (d. i. Zorn) zuſammengeſetzt iſt. 15. Der Kanuff(der Ton liegt auf der letzten Silbe) iſt ſo viel als: der Heimtückiſche, Hinterliſtige, wer unter der Maske der Freundlichkeit böſe Abſichten und Ränke verbirgt. Das Wort iſt hebräiſch und jüdiſch-rabbiniſch, wo es chanéf lautet und den Heuchler, eigentlich den Schmeichler, Fuchsſchwänzer bedeutet, und hebräiſch chanufa iſt Heuchelei, Ruchloſigkeit. Es iſt abgeleitet von hebräiſch und jüdiſch-rabbiniſch chanaf ſchmeicheln, den Heuchler machen, ſich in böſer Abſicht verſtellen, gottlos ſein. 16. Der Dalles, d. i. die Armuth, größte Duüͤrftig⸗ keit. Das Wort iſt das hebräiſche dallöth Armuth, Nied⸗ rigkeit, welches unſre Juden dalloss ausſprechen, aber ſo, daß das o kaum hörbar iſt, weshalb die andern Leute Dal⸗ les ſagen. Dallôth aber iſt die Mehrzahl von dalläh Armuth, Niedrigkeit, und dieſes ſtammt von hebräiſch dalal, welches ſchwach, gering ſein, dann niedrig, elend ſein bedeutet. 17. Der Gaſcht, d. i. 1) der heimatlos umherziehende arme Bündeljude; daher dann Y als Schimpfwort ſo viel Turner haben aber zum Wahlſpruch nicht blos das Wort frei, ſon⸗ dern auch die Worte fromm, friſch, fröhlich und es wäre zu wünſchen, daß des hinkenden Boten geehrter Herr Bruder auch den Sinn dieſer letzten Worte deuten möchte, damit die Jugend immer genauer erkennen lernt, was den Turner macht. Die Redaktion. rachem, f ichel. ber in rt ge⸗ Bei 10 aus⸗ tcruſch, bedenmd welches u Narr naͤrriſch dann tuſſt) lächer⸗ en und Auch binich, gen be⸗ enann⸗ Juden deutet. Silbe) wa wie 5 Wort davon verrüuͤck⸗ Port irren & im gebracht Wetter⸗ hroges, roges legen e, wer Rane biniſch, ich den hanuſa ebräiſch achen, ürftig⸗ „Nied⸗ aber ſo, Dal⸗ dall aal Raultt. ende b viel ei, ſon⸗ wäre zu auch den b immer ion. „ 301. „Erzlump“; aber auch 3), doch ſeltener, ſo viel als e Menſch in Ausſehen oder Handlung.“ Die Mehrzahl des Wortes lautet die Gäſcht', unter welcher Benennung die heimatlos umherziehende arme Betteljüdin mit einbegriffen wird, für welche man keinen eignen von Gaſcht abgeleiteten Namen hat. Das Wort iſt kein hebräiſches, ſondern ein deutſches, nämlich der Gaſt, mit jüdiſcher Ausſprache, welche das ſt im Innern und am Ende der Wörter in ſcht verwandelt, wie wir in Ober⸗ und Mitteldeutſchland das ſt am Anfange der Wörter ſprechen. So ſprechen unſre Juden z. B. faſchte, haſcht, Laſcht ꝛc. ſtatt faſten, haſt, Laſt ꝛc. Der arme umherziehende heimatloſe Jude aber wurde bis zur jüngern Zeit von den anſäßigen Juden von Ort zu Ort als Gaſt aufgenommen und beherbergt. 18. ganfen, d. i. heimlich entwenden, beſonders Kleinigkeiten. Daher: die Ganfe, d. i. die Kleinigkeits⸗ diebin; der Ganfer, d. i. der Kleinigkeitsdieb; die Ganf⸗ terſe d. i.„ſo viel als man mit einem Griffe in die Hand faſſen kann.“ So ſchreibt man die ſehr üblichen wetter— auiſchen Wörter: gammfe, die Gammf', dr Gammfer, die Gahnterſche. Ganfen und Ganf ſind jüdiſch und nichts anders als hebräiſch ganav(ganabh) ſtehlen und der gannav Dieb. 19. Scheker, d. i. Lüge, insbeſondere ſcherzhafte. Man ſpricht wetterauiſch: Schaͤiker. Das Wort iſt das hebräiſche: der scheker Lüge, Täuſchung. 20. Der Bacher(das a wird lang geſprochen) iſt der angehende jüdiſche Gelehrte in den Gebräuchen ſeiner Religion. Man ſpricht das Wort bei uns gewöhnlich Pager aus. Es iſt das hebräiſche bächur, welches den Jüngling als den auserleſenen(auserwählten) und daher ſchöngeſtalteten k), dann aber im Beſondern in der Rabbinen— Sprache den Studenten bedeutet. 210 Der Rewach, d. i. der Profit, Gewinn von etwas. Wir Wetterauer ſprechen gewöhnlich Räiwich. Das Wort iſt nicht hebräiſch, ſondern jüdiſch-rabbiniſch, wo es réwach lautet und Gewinn(Profit) bedeutet. In der jüdiſch⸗rabbiniſchen Sprache nämlich bedeutet hirwiach Ge⸗ winn machen(profitiren), von hebräiſch rawach weit wer⸗ den, mehr Raum einnehmen. Wer aber Gewinn macht, der erweitert ſein Capital oder den Werth des Handels— gegenſtandes. * eden hebräiſch bachar heißt: auswählen, dann Gefallen an Jemand aben. Zur Nachricht. Im Vertrauen auf die Mildthätigkeit derjenigen edlen Menſchenfreunden unſerer Stadt und Umgegend, welche ſich gedrungen fühlen, zur Milderung des einen Theil der Ein— wohner des Orts Betzenrod bei Schotten am 2. d. M. betroffen habenden Brandunglücks beizutragen, erlaubt ſich der Unterzeichnete nachſtehende, ihm zu dieſem Behufe ge— wordene Mittheilung zu veröffentlichen, und damit das Er— bieten zur Annahme der dargereicht werden wollenden Lie— besgaben und deren Beförderung an das Hülfs-Comité zu Schotten zu verbinden. Friedberg den 19. September 1846. Buß, Domänenrath. „Schotten, 3. September 1846. „Geſtern Abend um halb elf Uhr wurden wir hier durch Sturmgeläute erſchreckt und der ſtark geröthete Him— mel verkündete uns alsbald eine in unſerer Nachbarſchaft ausgebrochene bedeutendete Feuersbrunſt. Die eine kleine halbe Stunde von hier wohnende, keineswegs wohlhabende Gemeinde Betzenrod wurde durch dieſelbe heimgeſucht. Das Feuer war kurz nach 10 Uhr in dem nördlichen Theile des Ortes ausgebrochen, und als man von hier aus mit der Feuerſpritze in großer Anzahl von Helfenden den Ort des Unglücks erreichte, hatte das Feuer, begünſtigt von einem ſcharfen Nordwind, mitten durch das Dorf ſich Bahn gebrochen und es ſtanden ſchon gegen 11 Uhr 7 Wohnhäu— ſer, Obdach für 10 Familien, und 8 Scheunen, welche die diesjährige Ernte enthielten, und einige kleine Gebäulich— keiten in hellen Flammen. Durch die größtentheils mit Stroh bedeckten Gebäude hatte ſich das Feuer ſo raſch ver— breitet, daß die Bewohner derſelben von der diesjährigen Ernte gar nichts und von ihrem Hausrath nur unbedeutend Weniges haben retten können. Die von Schotten und den benachbarten Orten geleiſtete Hülfe blieb blos darauf be— ſchränkt, die noch nicht von der Gewalt des Feuers ergrif— fenen Häuſer zu ſchützen, welches auch gelang. Gegen 4 Uhr heute Morgens war man des verzehrenden Elementes Herr geworden, das ſo viele brave Familienväter ihrer gan— zen Habe und ihres Obdachs beraubt hat. Ein Unglücklicher, der ein Vater von 7 unverſorgten Kindern iſt, hat außer ſeinem und ſeiner Angehörigen Leben nichts retten können. — Wackere Menſchenfreunde, die Ihr ſo oft ſchon das Un— glück durch Eure milden Gaben erleichtert habt, Euch bitten die Unterzeichneten im Namen der Unglücklichen um eine milde Beiſteuer für dieſelben. Hülfe iſt um ſo nöthiger, da der Schaden dadurch noch größer geworden, daß die ſaͤmmt— lichen Gebäulichkeiten ſehr gering verſichert ſind.“ „Die milden Gaben bitten wir an das Hülfs-Comité in Schotten zu ſenden.“ Unterzeichnet Winheim, Landrichter. Kühn, Decan. G. A. Wagner, Gemeinderath. Deiß, Diſtrikts-Einneh. Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. & νfιεναννννεαν Oeffentliche Aufforderung. (133) ueber das Vermögen des Johan— nes Wagner zu Maibach iſt von Großh. Hof⸗ gericht der förmliche Concursproceß erkannt und deſſen Leitung dem hieſigen Landgericht überwieſen worden. Demgemäß werden Alle, welche an das benannte Vermögen aus irgend einem Rechtsgrunde Anſprüche erheben zu kön— nen glauben, hiermit aufgefordert, dieſelben um ſo gewiſſer Mittwoch den 4. November l. J., Vormittags 9 Uhr, dahier anzugeben und zu begründen, als ſie ſonſt von der Cöncursmaſſe ausgeſchloſſen werden. Bevollmächtigte einzelner Gläubiger können nur dann zugelaſſen werden, wenn ſie ſich durch ſpecielle, gerichtlich beglaubigte, die Befugniß zur Abſchließung eines Vergleichs und zur Erklärung über Veräußerung und Verwaltung der Maſſe ausdrücklich enthaltende Vollmacht auszuweiſen vermögen. Butzbach den 30. Auguſt 1846. g Großh. Heſſ. Landgericht Mosler. Edietalla dung. (1363) Die einzige Inteſtaterbin und Toch- ter des verſtorbenen Gr. Foͤrſters Werner zu Oberſchmitten, hat den überſchuldeten Nach— laß ihres Vaters ausgeſchlagen und es haben ſich die bis jetzt bekannten Erbſchaftsglaͤubiger, zur Anwendung des förmlichen Concursver— fahrens, über die Vertheilung der Maſſe am 4. hujus durch ein gütliches Uebereinkommen arrangirt. Demgemäß werden nunmehr auch etwaige unbekannte Creditoren des Gr. Foͤr⸗ ſters Werner hiermit öffentlich aufgefordert, ihre Forderungen in dem auf Freitag den 13. November 1846. Vormittags 9 Uhr, anberaumten Termin ſogewiß dahier geltend zu machen und ſich bezüglich des getroffenen Arrangements zu erklären, widrigenfalls ſie 5 bei Vertheilung der Maſſe unberückſichtigt bleiben, und das Arrangement in Vollzug ge— ſetzt werden wird. Nidda den 6. September 1845. Großh. Heſſ. Landgericht daſ. Kattrein. (13660 Zur Erbauung eines Viaduktes, uͤber das Roſenthal bei Friedberg, ſollen nach⸗ ſtehende Lieferungen an den Wenigſtnehmen⸗ den, in einzelnen Looſen, auf dem Rathhauſe dahier öffentlich in Accord gegeben werden. Dienſtag den 29. September l. J., Vormit⸗ tags 10 Uhr, das Brechen, Fabren und Auf⸗ ſetzen von 60 Cubikklafter Mauerſteinen, aus den Brüchen bei Rockenberg, und Mittwoch den 30. Feptember, Vormittags 10 Uhr, die Lieferung von 50 Kuvikklafter reinen Mauerſandes und Kieſes. Die Bedingungen liegen vom 25. Septem⸗ ber an zu Jedermanns Einſicht auf dem Bureau des Unterzeichneten bereit. Friedberg den 11. September 1846. Der Großh. Heſſ. Sections-Ingenieur der Section Friedberg Hochgeſand. Main⸗Weſer⸗Eiſenbahn. Section Vilbel. (1382) Die Anfertigung und Lieferung von 50 Stück zweiräderigen Karren und 50 Schubkarren ſoll Montag den 28. d. M., des Vormittags 10 Uhr, auf hieſigem Rathhaus an den Wenigſtnehmenden in Accord gegeben werden. Voranſchlag und Bedingungen koͤn⸗ nen vom 22. an auf dem Bureau des Unter— zeichneten eingeſeheu werden. Vilbel den 14. September 18456. Der Gr. Heſſ. Sections-Ingenieur Eickemeyer. Holz ⸗Verſteigerung. (13877) Freitag den 25. l. M., Vormittags 10 Ubr, ſoll in dem Gräflich Solms⸗Rödel⸗ heim'ſchen Bainhardswald bei Rosbach das nachfolgende Holz, nämlich: 6½ Stecken eichen Prügelholz, 13„„ Durchforſtungsreiſer, 1100 Stück eichen Putzwellen, 1600„ Ginſterwellen 1 öffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Aſſenheim den 15. September 1846. Gräflich Solms⸗Rödelheim'ſche Forſtverwaltung. Edictalladung. (1100) Cigenthums⸗ oder ſonſtige dingliche Anſpruche an die von Kaspar Georg zu Hel⸗ pershain beſeſſenen, theilweiſe veräußerten Immobilien, worüber Grundbuchs Auszüge in der Regiſtratur unterzeichneten Gerichts zu Jedermanns Einſicht offen liegen, ſind bin⸗ nen vier Wochen von heute geltend zu machen, widrigenfalls demſelben eine ſein Eigenthums⸗ recht daran beſcheinigende Urkunde ausgefer⸗ tigt, reſp. der Kaufbrief beſtätigt werden wird. Ulrichſtein am 14. September 1846. Grßh. Heſſ. Landgericht daſ. Zimmermann. Kartoffel- Lieferung. (1401) Montag den 28. d. M., Pormit⸗ tags 10 Uhr, ſoll auf dem Directorial. Bureau dahier die alsbaldige Lieferung von fünfzig Malter Kartoffeln fur die hieſige Anſtalt und zwar in Parthien von je fünf Malter, öffent— lich an den Wenigſtfordernden vergeben werden. Marienſchloß am 17. September 1846. . A: Der Verwalter Bauer. Arbeits- Verſteigerung. (1402) Freitag den 25. d. M., Nachmit⸗ W 302 tags 2 Uhr, werden auf der fiscaliſchen Mark⸗ wieſe bei Bauernheim und zwar an Ort und Stelle folgende Ardeiten an den Wenigſt⸗ nehmenden begeben: 1) das Ausheben von circa 250 Klafter langen und durchſchnittlich 7 Fuß breiten Zulei⸗ tungsgraͤben; 2) das Wegfahren und Auseinanderwerfen von ungefähr 4 Kubikklafter Erde. Friedberg den 19. September 1846. Der Gr. Heſſ. Rentamtmann des Rentamts Friedberg, 1 Bu Main Weſer⸗Eiſenbahn, Lieferung von eichenen Querſchwellen. (1403) Die Lieferung eines Theils der für die Section Butzbach erforderlichen, 90 heſ— ſiſche Zoll langen und 6 Zoll hohen, eichenen Querſchwellen und zwar von 1000 Stück 12 Zoll breiten Stoßſchwellen und von 5000 Stück 8 Zoll breiten Zwiſchenſchwellen, wird Dienſtag den 6. Oktober, Vormittags 10 Uhr, in dem Gaſthauſe zum Stern dahier öffentlich verſteigert. Butzbach den 18. September 1846. Der Großh. Sections-Ingenieur Meyer. Bekanntmachung, Holzverſteigerung in den Gr. Domanialwal⸗ dungen des Reviers Hochweiſel, Forſt's Friedberg betr. (IO) um die Mitte October d. J. ſollen in dem vormaligen Domanialdiſtricte„Iſſel⸗ für Rechnung des Gr. Forſtfisci ungefähr die nachſtehend verzeichneten Holzquantitäten öf— fentlich verſteigert werden, worauf man an— durch die Brenn⸗, Bau⸗, Werk- und Nutz⸗ holz-Bedürftigen in Folge mehrfach geſchehener Anfragen, vorläufig aufmerkſam macht. Die zu verſteigernden Quantitäten ſind: a. 25 Stecken kiefern Scheitholz, 100„ Prügelholz. % i„ Stockbolz J. Cl., d. 4500 Wellen„ Reishoiz, e. 450 Klötze„ Stammholz— 5000 0 5 Cubikfuß und f. 3000 Stück„ Stangenholz S 4000 5 Cubikfuß. Die Herrn Bürgermeiſter der Nachbarſchaft werden daher erſucht, dieſes Verſteigerungs⸗ project im Intereſſe ihrer Gemeinden möglichſt ſchnell durch die Schelle veröffentlichen zu laſſen. Hochweiſel den 17. September 1846. Der Großh. Heſſ. Revierförſter des Reviers Hochweiſel Stillgebauer. Verſteigerung von Handarbeiten. (1405) Die bei Regulirung des Uſabettes in der Gemarkung Niedermörlen erforder⸗ lichen Handarbeiten, im Ganzen zu 300 fl. veranſchlagt, ſollen Donnerſtag den 24. d. M., auf Ort und Stelle abtheilungsweiſe verſtei— gert werden und findet die Zuſammenkunft Nachmittags um 2 Uhr im Gaſthaus zum Löwen in Niedermörlen ſtatt. Friedberg am 20. September 1846. Der Gemeindebaumeiſter Ruths. Holz-Verſteiger ung. (1406) Mittwoch den 30. dieſes, Vormit⸗ tags 9 Uhr, ſoll in den Freih. von Died'ſchen Waldungen dahier: 5 1) das Holz, welches von den früheren Ver⸗ ſteigerungen ſtehen geblieben iſt und 2) 500 friſch gemachte Backwellen öffentlich an Ort und Stelle an den Meiſt⸗ bietenden verſteigert werden. Ziegenberg den 16. September 1848. Kirchner. N NUN NN Privat ⸗ Bekanntmachungen. Zum Vermiethen. (1392) Ein in der vorzüglichſten Geſchäfts⸗ lage der Stadt befindliches Local kann als Laden vermiethet werden. Wo? iſt bei der Expedition d. Int.⸗Bl. zu erfahren. a Annonee. (1376) Man wünſcht die commiſſionsweiſe Beſorgung des Verkaufes für ein gangbares Geſchäft, das auch an den kleinſten Orten mit Erfolg betrieben werden kann, an thaͤtige Agenten zu übertragen, und bemerkt, daß dieſe Agentur, welche keine kaufmänniſche Kennt⸗ niſſe erfordert und bei der keine Caution ver⸗ langt wird, einen weſentlichen Nutzen ab⸗ werfen wird. 2 Frankirte und verſiegelte Anträge beliede man an die Expedition dieſes Blattes gelan⸗ gen zu laſſen, und Namen ſowie Wohnort, ſo genau als möglich zu bezeichnen. Wetterauer Bienenverein. (1407) Die Mitglieder des Wetterauer Bienenvereins werden hiermit zu einer Ver— ſammlung auf Mittwoch den 30. d. M., Nach⸗ mittags um 1 Uhr, auf das Oſſenheimer Wäldchen eingeladen. Tagesordnung: unter Anderm die Wahl eines neuen Rechners und Rechnungsablage von den früheren Jahren. Fauerbach II. den 17. Septbr. 1846. In Auftrag des Vorſtandes W. Alles. Verſteigerung. (1408) Niclaus Fink von Okarben will am Freitag den 25. d. M., Morgens 9 Uhr, in ſeiner Wohnung öffentlich meiſtbietend verſteigern: 0 19 ein Pferd mit einem einſpännigen Wagen, 2) zwei Kühe, 3) zwei Morgen Kartoffeln. 4) fünf Schweine. Zwei möbelirte Zimmer (1409) ſind billig zu vermiethen. Naͤheres ertheilt die Expedition d. Bl. Literariſche Anzeige. Bei G. W. Niemeyer in Hamburg iſt in der 7. Auflage erſchienen und bei C. Binder⸗ nagel in Friedberg zu haben: Der bewährte Arzt für Unter⸗ leibskranke. (14100 Guter Reth und ſichere Hülfe für Alle, welche an Magenſchwäche, ſchlechter Verdauung, und den daraus entſpringenden Uebeln, als Magendrücken, Magenkrampf, Verſchleimung, Magenſäure, Uebelkeiten, Er⸗ brechen, Aufſtoßen, Sodbrennen, Appetitloſig⸗ keit, hartem und aufgetriebenem Leibe, Blä⸗ hungen, Herzklopfen, kurzem Athem, Seiten⸗ ſtechen, Rückenſchmerzen, Beklemmung, Schlaf⸗ loſigkeit, Kopfweh, Blut⸗Andrang nach dem Kopfe, Schwindel, vielen Arten von Augen⸗ krankheiten, periodiſchen Krämpfen, Hypochon⸗ drie, Hämorrhoiden u. ſ. w. leiden. 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