verricht Intelligenz für die Provinz Oberßheſſen 1 im Allgemeinen, die Kreiſe Friedberg, Grünberg und Hungen und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen. W 59. Mittwoch, Amtlicher Theil. Bekanntmachung. Johannes Dönges hieſelbſt, Sohn des vorhinigen Burg⸗Friedberger Gartenknechts Wilhelm Dönges, iſt auf höhere Verfügung als Schütze für den Grßh. Schloßgarten dahier, Burgwall genannt, ſowie für deſſen Umgebung be— ſtellt und verpflichtet worden, was erhaltenem hohem Auf— trage gemäß öffeutlich bekannt zu machen hat Friedberg den 26. Juli 1845. Der Großh. Heſſ. Domänenrath 8 Der Großherzoglich Heſſiſche Rentamtmann des Bezirks Gruͤnberg an die Großherzoglichen Buͤrgermeiſter dieſes Bezirks. Betreffend: Die Erhebung der Feldſtrafen von der III. Periode 1845 bei dem Rentamte Grünberg. Die Erhebregiſter über die Feldſtrafen der 3. Periode 1845 ſind bis zum 1. Auguſt angefertigt und können an den bekannten Zahltagen, Donnerſtags und Samſtags, Feld— ſtrafen bezahlt werden, was Sie im Intereſſe der Beſtraften in Ihren Gemeinden bekannt machen wollen. Grünberg am 26. Juli 1845. e Auszuͤge aus dem Regierungsblatte. Auszug aus dem Regierungsblatt Nro. 21. II. Bekanntmachung Gr. Oberpoſtinſpeetion vom 27. Juni, daß in Bürſtadt, Eberſtadt, Lampertheim und Zwingenberg verſuchs— weiſe Poſtexpeditionen errichtet worden ſind, welche mit dem 1. Juli in Wirkſamkeit traten.— III. Bekanntmachung derſelben Behörde vom 4. Jult, daß, um den Reiſenden, welche von Salzhauſen aus die Poſtwagen in der Rich— tung von Nidda nach Frankfurt und Gießen benutzen wollen, ſichere Beförderung zu gewähren, die Anordnung getroffen wurde, daß für die ſich zu unbedingter Mitreiſe meldenden Perſonen, gegen Entrichtung des Tn d n 30. Juli —̃——— für die Station Nidda beſtimmten Perſonengeldes, die etwa erforderlichen Beichaiſen von dort abgegeben werden ſollen.— IV. Desgl. daß zu Kaſtel ein Fahrpoſtdienſt errichtet wurde und die Poſtexpedition daſelbſt nunmehr in der Lage iſt, Fahrpoſtſendungen ſowie auch Perſonen auf die beiden Mainz-Darmſtädter Briefpoſteouriere, ſofern in den durchpaſſirenden Wagen noch freie Plätze enthalten find, zur Beförderung zu übernehmen und daß zur Erleichterung des Localverkehrs zwiſchen Kaſtel und Mainz ermäßigte Tax- und Gebührenſätze, für ander— weite Sendungen aber die gewöhnlichen Fahrpoſttarife und Gebührenſätze, für Perſonen endlich, die weiter angefügten Taxbeſtimmungen zur Anwen— dung kommen werden.(Folgen die verſchiedenen Taxen.)— V. Bekanntmachung Gr. Oberpoſtinſpection vom 10. Juli(mit Beziehung auf die Bekanntmachung vom 8. Juni 1844), daß der Mainz⸗ Landauer Wagen, ſtatt um 10 Uhr Abends, nunmehr um 10% Uhr Abends von Mainz abgehen wird.— IX. Dienſtnachrichten: Am 6. Juni wurden beſtätigt: auf Präſentation des Frhrn. v. Leonhardi Pfarrer Fertſch zu Burggräfenrod für die evangeliſche Pfarrſtelle zu Kaichen; des Hrn. Grafen zu Erbach— Erbach: Schulvicar Lortz zu Winterkaſten, für die daſige evang, Schul⸗ lehrerſtelle; des Hrn. Fürſten zu Löwenſtein-Wertheim-Roſenberg: Schul⸗ vicar Neubauer zu Habitzheim, für die evang. Schullehrerſtelle daſelbſt; des Hrn. Grafen von Schlitz, gen. von Görtz: Schulvicar Schäg zu Rimbach, für die evang. Schullehrerſtelle daſelbſt.— Am 9. Juni wurde dem Geometer 2. Cl. Braubach aus Butzbach das Patent als Geome⸗ ter 1. Cl. für den Kreis Friedberg, dem Geometer 2. Cl. Weiß aus Vadenrod als Geometer 1. Cl. f. d. Kr. Offenbach, dem Bezirkswegbau⸗ aufſeher Kredel zu Michelſtadt als Geometer 2. Cl. für den Landraths⸗ bezirk Erbach, dem Adam Ruhland aus Königſtädten als Geometer 2. Cl. f. d. Kr. Großgerau, dem Kaspar Fritz zu Bobenhauſen als Geo— meier 2 Cl. f. d. Kr. Grünberg, und dem G. Andr. Euler aus Mainz als Geometer 2. Cl. f. d. Kreis Büdingen ertheilt; am 10. Gymnafial Acceſſiſt Ur. Vogel zu Mainz zum Lehrer an dem Gymnaſium daſ. und Gymnaſiallehramts-Candidat Kunkel aus Dieburg, dermalen zu Bens— heim, zum Lehrer an dem Gymnaſium zu Bensheim ernannt; am 11. der 2. Polizeicommiſſär Pietſch zu Mainz zum erſten, Polizeicommiffär Künſtler zu Worms zum 2. und Polizeiſeeretär Kaden zu Mainz zum 3. Polizeicommiſſär zu Mainz ernannt; am 16. dem G. Reul aus Wallenrod das Patent als Geometer 3. Cl. f. d. L B. Lauterbach er theilt; am 17. der Gaſtwirth Doll dahier als Poſthalter zu Worms be ſtätigt, der ſeitherige def. Oberfinanzkammer-Aceeſſiſt Leichtweiß zum Rentbeamten des Domanialrentamts Gladenbach ernannt; am 18. der Nomination des bisherigen Pfarrers Lennig zu Seligenſtadt zum 6 Domcapitular zu Mainz die landesherrliche Beſtätigung; am 23. dem Lehrer Merker aus Griesheim das Patent als Geometer 2. Cl. für den Kreis Offenbach ertheilt.— 7 * X. Militärdienſtnachrichten: Am 14. Mai wurde Haupt⸗ mann Schmidt im 2. Inf. ⸗Reg., auf ſein Nachſuchen, in den Ruheſtand verſetzt; am 21. Hauptmann Fenner vom 3. Inf.⸗Reg. zum 2. verſetzt, ſodann Lieutenant v. Bechtold im 3. Inf.⸗Reg. zum Oberlieutenant in dem. erngunt; am 4. Oberſt Bechſtatt vom Generalquartiermeiſterſtab auf ſein Nachſuchen in den Ruhßeſtand verſetzt, mit dem Charakter als Generghnglor; am 11. Hauptmann Dietz im 1. Inf.⸗Reg. auf ſein Na. h⸗ ſuchen in den Ruheſtand verſetzt, mit dem Charakter als Major; Haupt⸗ mann Noth im Generglqugrtiermeiſterſtab zum Major dabei ernannt, und Hauptmann Neidhard dom 3. Inf.⸗Reg. zum Generalquartiermei⸗ fierftab verſetzt. Es würden ernannt: Oberlieutenant v. Stockhauſen im 1. Inf.⸗Reg, zum Hauptmann in demſ.(mit Patent vom 18. Juni), Oberlient, von Göbel vom 2. zum Hauptmann im 3. Inf-Reg.(20. Jun), Lieut. Moter vom 4. zum Oberlieut. im 1. Inf-Reg.(18. Juni), Lieut. v. Roſenberg im 2. Inf.⸗Reg. zum Oberlieut. in demſ.(20. Juni); Unteradjutant Heß im großh. Artilleriecorps zum Lieut. dabei(18. Juni), Cadetcorporal Scriba von demſ. Corps zum Lieutenant im 2. Inf-Reg. (20. Juni), Cadetcorporal v. Schenck vom 1. zum Lieut. im 4. Inf.⸗ Reg.(22. Juni), ſodann die Cadetcorporale Keim und Hahn im 3. Inf.⸗Reg. zu Lieutenanten dabei(24. und 26. Juni. XI. Dienſtentlaſſung: Am 13. Juni der Diſtrictseinnehmer Uihlein zu Niederſaulheim.— XII. Geſtorben ſind: Am 3. Juni der penfionirte Stabsquartier⸗ meiſter, Kriegsrath Schuez am 6. der Staatspenſionär, ehem. Militär Grauer II. zu Niederwieſen, Kr. Alzey; am 17. der Generalmajor à la suite Königer. Heldenbergen den 21. Juli. Vorüͤber iſt der ſchöne Tag unſers Sängerfeſtes; ewig denkwuürdig wird er uns Allen ſein. Die fröhlichen Sänger, ihre ſchön gezierten Wagen, ihre prächtigen Fahnen, der ergreifende Ein⸗ und Feſtzug, die große Menſchenmaſſe(man ſchätzt ſie auf 12000), die brüderliche Einigkeit, das herz— liche Benehmen Aller gegen einander: Alles dieſes war von mächtiger Wirkung. Wie freuen wir uns des ſchönen Tages; es war ein Tag ächter Brüdervereinigung. Wie freuen wir uns der Ehre, unſer Feſt in die Reihe der Wetterauer Sängerfeſte als fünftes geſtellt zu ſehen. Wie freuen wir uns des guten Erfolges, die unter den Geſangvereinen hie und da eingeſchlichene Lauheit durch Warme verbannt zu ſehen. Möge ſie von dauernder Wirkung ſein; möge in unſrer Wetterau nun wieder mit neuer Sympathie dem Geſange gehuldigt werden, wie dies ja auch ſchon früher vor allen andern Gauen unſers Großherzogthums ſo ruhm— voll geſchehen. Auf, Ihr wackern Wetterauer Sänger, laßt es keinen vorübergehenden Rauſch ſein, was Ihr uns mit kräftigem Wort, mit deutſchem Händedruck, ja mit herz— lichem Bruderkuſſe ſo unverhohlen zu erkennen gabt! Schaart Euch wieder mit neuem Eifer um Eure Fahnen; zeigt Euch wieder Eures alten Ruhmes würdig; laßt es nicht mit 5 Wetterauern Sängerfeſten beendet ſein! Von nun an finde jedes Jahr ununterbrochen ein Wetterauer Sängerfeſt Statt. Wir ſehen es ja, wie unbeſchränkt unſre theure, ſich mit Ihren fröhlichen Unterthanen freuende Regierung dieſe ſchö— nen Feſte gedeihen läßt. Wir ſehen es ja, wie freudig unſre braven Sänger Ihre Hand dazu bieten. Wo hätten wir bei der ungünſtigen Witterung ſo viele bei uns erwartet. Alle in Nr. 53 d. Bl. angegebenen Vereine, nebſt denen noch von Bonames, Fechenheim, Niederurſel und Obererlen— * 236* bach(zuſammen 21 Vereine mit 600 Sängern) fanden ſich ein und verherrlichten unſer Feſt. Ihnen und allen andern Beſuchern, die an demſelben ſo warmen Antheil nahmen, wie auch ganz beſonders dem wackern Volksfreunde, der in Nr. 56 d. Bl. ſo ſchön, ſo getreu unſer Feſt beſchrieben, ſei hiermit öffentlich der innigſte Dank abgeſtattet. Zu fruͤhzeitiges Tabakrauchen. (Aus dem„Allgemeinen Anzeiger der Deutſchen“ Nr. 196.) Mit Bezugnahme auf die in Nr. 153 d. Bl.(d. h. Allg. Anz.) Obiges betreffende Bemerkung, daß dies ein „relativer Begriff ſey, erlaube ich mir, die an einigen Ju⸗ gendfreunden und mir ſelbſt beobachteten Erſcheinungen hier mitzutheilen. Ich war 18 Jahre alt, als ich begann, täglich etliche Pfeifen leichten Tabak zu rauchen, um in meinen und mei— ner Commilitonen Augen mehr Geltung zu gewinnen. Schon nach wenigen Wochen aber mußte ich es wieder einſtellen, da meinen Eltern meine veränderte Geſichtsfarbe, vermin— derter Appetit mit jeweiligem Heißhunger, ſogenanntes„Sod— brennen“ ꝛc. auffiel und der Arzt die Urſache in meinem vielleicht zu ſtarken Rauchen zu finden glaubte, zumal da ich von zartem Körperbau und gerade im Wachſen begriffen war. Als nach langer Pauſe Geſichtsfarbe, und Appetit ſich gebeſſert, die übrigen Beſchwerden ſich verloren hatten, wurde mir der ſchmerzlich entbehrte Genuß wieder geſtattet, aber Vorſicht und Mäßigung empfohlen. Beide glaube ich ziemlich beobachtet zu haben; dennoch unterſcheide ich mich von einem nicht rauchenden, 1½ Jahr jüngeren Bruder, bei übrigens faſt gleicher Conſtitution und Lebensweiſe, durch ſchwachen Magen, gelbliche Geſichtsfarbe und früheres Altern ſo, daß man mich für mindeſtens 10 Jahre älter hält. Auch fallen mir ſchon ſeit mehreren Jahren die un— gleichfarbigen Zähne aus, während die ſeinigen noch weiß und feſt ſind. Mein Schulfreund A., von kräftigem, gedrungenem Körperbau, fing das Rauchen im 20. Jahre an. Nach kur⸗ zer Zeit hatte ſein blühendes Geſicht die Farbe angenom— men, die man häufig an bedeutend leberkranken Perſonen bemerkt; gleichzeitig bekam ſein Mund mit den in ſeiner Familie faſt erblichen ſchönen Zähnen das Anſehen einer ausgeglühten Brandſtätte. B. hatte frühzeitig Anlage zum Dickwerden, als er ebenfalls im 20. Jahre zu rauchen anfing, und zwar leiden— ſchaftlich, ohne Rückſicht auf ſich bald zeigende Bruſt⸗ und Magenſchwäche. Nach einer Trennung von etwa 3 Jahren ſah ich ihn ſehr mager, ſtark an Bruſt und Magen leidend, wieder. Ein um 4 Jahre älterer Bruder, der erſt im 25. Jahre ſich das Rauchen angewöhnt hat, iſt faſt zu corpu⸗ lent, und könnte, wie er ſagt,„Kieſelſteine verdauen-, ſo gut iſt ſein Magen!— Bei vielen jungen Leuten, welche vor dem 25. Jahre zur Tabakspfeife oder zu der„zu meiner Zeit/ ſeltenen, jetzt nur zu üblichen Cigarre gegriffen haben, bemerke ich guff Vet, bei fig! tel bel. wel. 1* Mehr das nen Be auffallend frühe Abnahme der Sehkraft, bei allen aber Verſchwinden derjenigen geſunden Geſichtsfarbe, die ſelbſt bei den verſchiedenartigſten Lebensbeſtimmungen und Beſchäf—⸗ tigungen dem Nichtraucher in der Regel, ſelbſt in vorgerück⸗ tem Alter, bleibt, ſo lange er überhaupt geſund iſt. Die meiſten älteren Männer oder wirklichen Greiſe, denen man ihr Alter nicht anſieht, haben nie, oder nur ſehr wenig, oder erſt in ſpäteren Jahren Tabak geraucht. Mein Rath an junge Leute würde lauten: gar nicht zu rauchen, oder wenigſtens nicht vor dem 25. Jahre. Mehr oder weniger ſchadet— mit ſeltenen Ausnahmen— das Tabakrauchen immer; am meiſten, je früher es begon⸗ nen wird. An. Zur Erheiterung. S war Einer, der pechſchwarzes Haupthaar, aber einen ſchneeweißen Bart hatte, als welches in hohem Grade ſonderbar anzuſehen geweſen iſt. Einſt in einer Geſellſchaft, in der ſich auch der Weißbebartete befand, kam die Rede auf dieſe ungewöhnliche Erſcheinung und als man unter andern auch die Frage abhandelte, worin ſie wohl ihren Grund haben möchte, ſagte ein Witzbold:„Er hat ſein Leb— tag wenig mit dem Kopfe, aber deſto mehr mit dem Kinn⸗ laden gearbeitet, daher kommt's, daß ſeine Haare auf dem Kopfe ſchwarz geblieben, die am Barte aber weiß geworden ſind. ** r Es war die Rede von einem Manne, der ſich all⸗ gemeiner Achtung erfreute, der aber die laſterhafte Gewohn— heit hatte, zu Zeiten ein oder zwei Gläschen über den Durſt zu trinken.„Schade— ſagte Einer der Anweſenden— ſchade für den Mann, daß er ſo trinkt.“„O— rief ein An- derer— das Trinken hätte nichts zu bedeuten, aber er ſäuft hinein.“ ** An einen Bäckerladen in der Stadt trat ein Bauersmann, um ein Brödchen zu kaufen, das er ſeinem „ 237* Jüngſten mitbringen wollte. Er befühlte und wog mehrere auf der Hand und ſagte dabei:„die Brödcher ſein aber doch auch gar zu klein.“„Klein?— entgegnete der Bäcker— wann die klein ſind! da ſoll Er einmal das Bis⸗ chen Teig ſehen, das ich an ſo ein Brödchen nehme, da thät er ſich gewiß verwundern, daß ſie ſo groß ſind. Ich ſage alle Tage zu meiner Frau: man meint doch nicht, daß Menſchen möglich wär', wie das Bischen Teig aufgeht und Er ſagt jetzt gar, die Wecke wären klein.„ Der Bauer wußte gar nicht, wie ihm geſchah, als er den ehrſamen Bäckermeiſter alſo reden hörte, er ſteckte ſein Brödchen in die Weſte und zog fürbaß ſeines Weges. ) Frommer Wunſch. Am Fuße eines ziemlich hohen Berges arbeitete ein Taglöhner auf einem Grund— ſtücke, das zur Beſoldung des Pfarrers gehörte. Nachmit— tags machte der Pfarrer ſeinen Spaziergang nach dem Felde, um zu ſehen, wie weit der Mann gekommen ſei. Er traf ihn, auf ſeinen Spaten geſtützt, ſtarr hinblickend nach dem Berge, dem Anſcheine nach in tiefe Betrachtungen verſun— ken. Der Pfarrer war ein milder Mann, wie es alle Pfarrer ſein ſollten; er entbrannte nicht gleich in Zorn, als er den Taglöhner feiern ſah, ſondern trat zu ihm hin und fragte ihn gütig:„nun, Lorenz, was denket Ihr denn?“„Ach, Herr Pfarrer, man denkt gar Mancherlei, wenn man ſo den ganzen Tag ſich um's liebe Brodchen quälen muß.“ „Aber wollt Ihr mir's denn nicht ſagen, was Ihr jetzt ge— dacht habt, als Ihr ſo tiefſinnig daſtandet?“„Ach ja, Herr Pfarrer, aber Sie dürfen mich nicht auslachen; ich habe gewünſcht, der Berg hier wäre Speck und dieſer Bach da wäre Wein“—„Nun“ forſchte der Pfarrer.„Dann— ſuhr der Taglöhner mit leuchtenden Blicken fort— dann thät ich mich in den Berg wühlen, wie ein Dachs und ging nur heraus an den Bach, wenn ich Durſt hätt' und dann zurück in meine Höhle. Das wär' ein Konradsleben.“ Die Sache iſt doch gewiß ſpaßig, ich weiß aber nicht, was das war, als der Bauer ſo redete, zerdrückte der Pfarrer eine Thräne; auch hat Lorenz Abends bei dem Pfarrer zu Nacht gegeſſen. Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden. N Frucht ⸗Verſteigerung. (1039) Freitag den 1. Auguſt, Nachmittags 2 Ühr, werden in hieſigem Rathhauſe 50 bis 60 Malter Korn und 10 Malter Gerſte von dem Fruchtvorrath des vereinigten Armenfonds zweimalterweiſe öffentlich meiſtbietend verſtei⸗ gert. Friedberg am 19. Juli 1845. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Oeffentliche Bekanntmachung. (1058) Die Cbefrau des Markus Heß von Einartshauſen, Jette, geb. Strauß, hat er— klärt, daß ſie mit ihrem Ehemann fur die Zukunft keinen gemeinſchaftlichen Handel mehr betreiben, ſondern das früher betriebene Han— delsgeſchäft auf eigenen Namen allein fort⸗ führen wolle, was hiermit öffentlich bekannt wird. Laubach den 24. Juni 1845. Gr. Heſſ. Gräfl. Solmſ. Landgericht Brumhardt. 8 0 Ber ſt e ig. (1060) Freitag den 1. Auguſt J. J., Mor⸗ gens 9 Uhr, wird der Mobiliarnachlaß des verlebten Schloſſers Philipp Lipp in der Woh— nung am hinteren Burgthore freiwillig meiſt— bietend verſteigert. Es wird hierbei noch be— merkt, daß ein vollſtändiges Schloſſerhand— werksgeſchirr zum Ausgebot gebracht wird. Friedberg am 19. Juli 1845. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender. Bekanntmachung, den Poſtcurs zwiſchen Friedberg und Grünberg betreffend. (1065) Vom 1. Auguſt l. J. wird unter Aufhebung der bisherigen, wöchentlich dreima— ligen Poſtperbindung zwiſchen Friedberg und Grünberg eine tägliche Brief-, Päckerei⸗ und Perſonenpoſt zwiſchen dieſen zwei Städ— ten über Hungen hergeſtellt werden, welche 1 7 f 1) aus Grünberg Morgens um 6 Uhr ab⸗ gehen, durch Hungen um 7 Uhr 40 Pi- nuten paſſiren und in Friedberg Mor⸗ gens kurz vor 10 Uhr zum Anſchluſſe an den] Caſſel⸗Franbfurter Eilwagen eintreffen, 2) aus Friedberg Mittags gegen 2 Uhr nach Ankunft des Frankfurt⸗Caſſeler Eil⸗ wagens abgehen, durch Hungen um oder kurz nach 4 Uhr paſſiren und in Grün⸗ berg Abends gegen 6 Uhr eintreffen wird. Die Perſonentaxe beträgt: a er. zwiſchen Friedberg und Hungen 48 7 77„Grünberg 1 18 7 Hungen„ Grünberg 39 wobei 40 Pfund Reiſeeffecten unentgeldlich mitbefördert werden. In Melbach, Wölfersheim und Ber⸗— ſtadt werden für die noch nicht vergebenen plätze Paſſagiere gegen verhältnißmäßige Taxen angenommen. Darmſtadt den 16. Juli 1845. Großh. Heſſ. Ober⸗Poſt-⸗Amt. In Abw. des Großh. Ober⸗Poſtmeiſters Müller. vdt. Silz. Edictal ladung. (1082) Forderungen jeder Art an das Vermögen des von Gr. Hofgericht der Pro— vinz Oberheſſen für concursfällig erkannten Schuhmachers Balthaſer Appel in Lon⸗ dorf ſind in dem Termine Donnerſtag den 11. September d. J., Vormittags 9 Uhr, bei Vermeidung des ohne beſonderes Präclu— ſivdecret erfolgenden Ausſchluſſes von der Maſſe, dahier anzuzeigen und zu begründen. Grünberg den 19. Juli 1845. Das Gr. Heſſ. zum Landgericht daſ. ge— hörige Patrimonialgericht der Freiherrn von Nordeck zur Rabenau. Welcker. Bücking. Pflaſterarbeit- Verſteigerung. (1083) Donnerſtag den 31. d. M., des Vormittags 10 Uhr, ſoll die bei Anlegung einer Multe in dem hieſigen Gemeindewald zunächſt dem Eingang des Waldes am Kie— fernbeſtand erforderliche Pflaſterarbeit, veran— ſchlagt zu 35 fl. 28 kr., auf hieſiger Rathſtube wenigſtnehmend in Accord gegeben werden. Niederrosbach den 24. Juli 1845. Der Grßh. Heſſ. Bürgermeiſter Bullmann. Arbeits ⸗-Verſteigerung. (1080 Montag den 4. Auguſt d. J., Vor⸗ mittags um 9 Uhr, ſollen auf hieſigem Bür⸗ germeiſterei-Büreau die diesjährigen Gemein— debauarbeiten, beſtehend in fl. Steinhauerarbeit, veranſchlagt zu 10 Maurerarbeit, 1 1 3 Schreinerarbeit, 5„ 28 Schloſſerarbeit, 5„ 5 Glaſerarbeit,„ 5 10 Weißbinderarbeit,„„ wenigſtnehmend verſteigert werden, was die benachbarten Gr. Bürgermeiſter in ihren resp. Gemeinden noch beſonders bekannt machen laſſen wollen. Oberau am 24. Juli 1845. Der Großh. Heſſ. Beigeordnete Meides. Edictalla dung. (1085) Der abweſende Stephan Clauß von Florſtadt oder deſſen allenfallſige Leibes— oder Teſtamentserben haben Anſprüche an das ſeither curatoriſch verwaltete Vermögen des erſteren ſo gewiß binnen vier Monaten von heute an hier anzuzeigen, als ſonſt Ste— phan Clauß für todt erachtet und ſein Ver— % 238. mögen ſeinen nächſten bekannten Seitenver⸗ wandten ohne Caution eigenthümlich über⸗ laſſen werden wird. Friedberg am 17. Juli 1845. 0 Gr. Heſſ. Frh. o, Löw. Landgericht Hofmann. Arbeits- Verſteigerung. (10860 Dienſtag den 5. Auguſt l. J. ſollen auf hieſigem Rathhauſe verſchiedene, bei Re⸗ paratur der hieſigen Stadtkirche vorkommende, Schloſſer-, Weißbinder⸗ und Spenglerarbeiten öffentlich an den Wenigſtfordernden verſtei⸗ gert werden. Die Arbeiten betragen nach dem Voran⸗ ſchlag: fl. kr. Schloſſerarbeiten 75 30 Weißbinderarbeiten 3 Spenglerarbeiten 275 40 Die näheren Bedingungen ſind auf dem Bureau des Unterzeichneten zu erfahren. Friedberg den 30. Juli 1845. 5 Der Großh. Heſſ. Kreisbaumeiſter des Baubezirks Friedberg. Stockhauſen. E Privat ⸗ Bekanntmachungen. 4087) Das große 5 Wachsfiguren-Kabinet des Künſtlers J. Bianchi aus Italien, welches hier noch nie geſehen worden, zeigt außer den jetzt lebenden Kaiſern und Königen, auch den Kaiſer Napoleon, die Generale Ber⸗ trund und Maſena, Fürſt Blücher von Wahl⸗ ſtadt, Herzog Wellington, die ruſſiſchen Feld marſchäle Diebitſch⸗Sabalkantsky und Paske⸗ witſch⸗Eriwansky: ſodann folgende Panoramen: 1) Anſicht der Ruine von Hamburg nach dem Brände. 2) Anſicht von Paris von der Straße nach Meudon. 3) Rundanſicht von Dresden. 4) Das Schloß Romanov in Vol— hynien. 5) Der St. Markusplatz zu Vene— dig. 6) Hauptanſicht von Mailand. 7) Tod und Begräbniß des Herzogs vou Orleans. 8) Der Ausbruch des Veſuvs. 9) Genua in Italien am Mittelländiſchen Meere. Der Eintritts-Preis iſt à Perſon 12 kr. Kinder und Dienſtboten zahlen die Hälfte. Der Schauplatz iſt im Gaſthauſe des Hrn. Guſtav Gerlach von Morgens 9 bis Abends 10 Uhr, welchen Niemand unbefriedigt ver— laſſen wird. Immobilien- Verſteigerung. (1088) unterzeichneter will Montag am 4. Auguſt die ihm gehörige Mühle mit einem Gange nebſt 65 Morgen Wieſen und 6 Morgen Ackerland in einem Stück meiſtbie. tend verkaufen laſſen. Die Ländereien liegen unmittelbar um die Müble herum und iſt letztere noch neu. Kaufliebhaber wollen ſich in der Mühle ſelbſt,/ Stunde von Fauer— bach I. gelegen, an oben genanntem Termine einfinden. 5 Fauerbach JI. am 28. Juli 1845. Joh. Philipps III. Mineralwaſſer, (1089) Homburger Eliſabethenbrunner, Schwalbacher Stahl- und Weinbrunner, Weil— bacher Schwefelwaſſer, Kiſſinger Ragozi, Sel— terſer, Geilnauer und Fachinger, ſowohl in ganzen, als auch meiſt halben Krügen ſind in friſcheſter Füllung eingetroffen und billigſten Preiſes zu haben bei Ph. Dan. Küm mich. Empfehlung. (1090) Einem geehrten Publikum mache ich die ergebenſte Anzeige, daß ich neben den ſeither geführten bekannten Wagpen auch noch ein Lager von Dielen und Latten errichtet habe. Da ich ſolche zu denſelben Preiſen wie in Frankfurt verkaufen werde, ſo glaube ich einem recht zahlreichen Zuſpruch entgegen ſehen zu können. Großkarben den 20. Juli 1845. Ephraim May. Zwei Schneidergeſellen (1091) können ſogleich bei Schneidermei⸗ ſter Ludwig Wageman in Nidda Arbeit er⸗ halten. Guter Lohn und reelle Behandlung wird zugeſſchert. Formular zum Verzeichnen der Ortsbuͤrger wird aufs Neue gedruckt. Die Herrn Bürgermeiſter, welche von dieſem For⸗ mular gebrauchen, wollen mir gefälligſt bald ihren Bedarf anzeigen, damit ich den erforderlichen Vorrath drucke. C. Bindernagel. Literariſche Anzeige. Bei C. Bind ernagel in Friedberg iſt zu haben: Pfarrer Licht und ſeine Trennung von der roͤmiſchen Kirche. Eine Charakteriſtik ſeiner Grundſätze, dargelegt von ihm ſelbſt in einer Correſpondenz mit der Biſchöflichen Behörde in Trier, ſeinen Anverwandten da⸗ ſelbſt, dem Gemeinde⸗Vorſtand in Leiwen, ſo wie in Zuſchriften von dem verſtorbenen Bi⸗ ſchofe v. Hommer und anderen Perſonen; nebſt einem Geſuche an den Herrn Cultus⸗Miniſter Eichhorn u. ſ. f. Mit dem wohlgetroffenen Bildniſſe des Herrn Pfarrer Licht. Preis: 36 kr. petſchorin, oder Ein Duell im Kaukaſus. Aus den hinterlaſſenen Papieren eines ruſſiſchen Offiziers herausgegeben von Lermontoff. Preis; 2 fl. 54 kr. Denkwuͤrdigkeiten des Generals Eickemeyer, ehem. kurmainz. Ingenieur-Oberſtlieu⸗ tenants, ſodann im Dienſte der franzö⸗ ſiſchen Republik. Herausgegeben von Heinrich König. Preis: 2 fl. 54 kr. Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von Carl Bindernagel in Friedberg. an Beth deb dur ſchl ein Iq ſte