13. b. N. tte Helen Intelligenzblatt Mrovinz im Allgemeinen, Hberhes sen den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen. M47. 1834. p Wilhlnz b. d. 19. b. M. ana Eleonora ilippine; geh. d Ockel eine aria Regina; Sonnabend, den 22. November Herrn Ludwig Amtlicher Theil. „„Der großherzoglich heſſiſche Kreisrath des Kreiſes Friedberg H an die großh. Geiſtlichen und Bürgermeiſter des Kreiſes. M. u Nagel ehel. el. Söhnchen, Betreffend: Die Inſtruktion zur Aufſtellung und Einſendung der Bevölkerungsliſten. Da die Zeit naht, in welcher die Bevölkerungsliſten nach Maasgabe der höchſten Inſtruktion vom 4. April 1833 und des Ausſchreibens vom 2. April 1834(Nro. 14 des Intell. Blattes) eingeſendet werden müſſen, ſo bringe ich dies in Erinnerung. Zugleich empfehle ich Ihnen noch beſonders, folgende Beſtim⸗ mungen nicht unbeachtet zu laſſen: 6 Die vorzunehmenden Zählungen der Bevölkerung ſollen ſich auf den Zeitraum vom 1. December 1831 bis 1. December 1834 erſtrecken. 2) Der 1. December 1834 iſt mithin der entſcheidende Tag, vor welchem die Zählung nicht beginnen, und über welchen hinaus ſie ſich nicht erſtrecken darf. 3) Sowohl die von den Herren Geiſtlichen als von den großh. Bürgermeiſtern aufzuſtellenden Special— Tabellen müſſen unfehlbar, bei Vermeidung der im F. 3 der Inſtruktion angedrohten Nachtheile, bis zum 15. December l. J. an mich abgeliefert werden. alt 9 Monate uers Georg lipp Werner uheim nachge⸗ Herm Georg hinterlaſſent Friedberg den 18. November 1834. Kuͤchler. Die Aufloͤſung des Landtages. des Richteramts betr., ein Antrag, der jedoch ſeinem — Ueber die Auflöſung unſeres Landtages enthalt die Weſen nach nur die Anſtellungsverhältniſſe des Richter— a 4 10 Nummer 300 der großh. Zeitung nachfolgenden Aufſatz, den perſonals berührte, war an der Tagesordnung. Als n. wir unſern Leſern in Auftrag großh. Kreisrathes hier mit- die Reihe zu reden an den Abgeordneten von Gagern 17 4 teilen. Die Redaction. kam, äußerte er unter Anderm, daß in einem konſti⸗ 6 b.„Darmſtadt, den 27. Oktober. Wir halten tutionellen Staate die Richter im Sinne der drei ver⸗ — es angemeſſen, den Vorfall in der 2. Kammer der einigten Gewalten ernannt werden müßten. Wo . 10 Standeverſammlung, welcher die Auflöſung der letz- aber die Staatsregierung es gar nicht hehl habe, daß teren herbeigeführt hat, unſern Leſern ausführlich 4 zu berichten. „Der Antrag des Dr. Heß, die Selbſtſtändigkeit ſie einen ganz andern Weg einſchlage, als namentlich die Majorität einer 2. Kammer, die hervorgegangen ſey aus der Wahl des Volks und dieſes Volk repräſen— — 278— tire, ihn eingeſchlagen zu ſehen wuͤnſche, da müſſe man neue Garantieen ſuchen. Nach dieſem Eingang äußerte derſelbe Abgeordnete folgende Worte, welche wir mit diplomatiſcher Genauigkeit hier anführen:„Auf dem „vorigen Landtag hat der Berichtserſtatter über den „Antrag des Abgeordneten Heß in ſeinem Bericht ge— „ſagt, konſtitutionelle Verfaſſungen beruhen auf Miß⸗ „trauen. Man hat ihm dieß zum Vorwurf gemacht „und ich glaube, daß die Partei, welche gegen— „wärtig die Geſchäfte in unſerm Staate führt, darin „einen Grund gefunden hat, dieſen Mann davon ab⸗ „zuhalten, in dieſer Kammer Sitz zu nehmen. Meine „Herren, dieſer Partei, welche das konſtitutionelle „Prinzip nicht verſteht und in ihren einzelnen „Mitgliedern auch vergeſſen zu haben „ſcheint, was Recht iſt, dieſer Partei muß ich „in dieſer Beziehung etwas vorzutragen mir erlau⸗ FVVUVAwñ!r Hier wurde der Redner von einem der anweſenden Regierungskommiſſäre unterbrochen und gefragt, was er unter dem Ausdruck Partei ver— ſtehe.— Auf dieſe ſchonungsvolle Frage erwiederte Freiherr von Gagern:„Ich verſtehe darunter die Par— „tei, an deren Spitze der auweſende Regierungskom— „miſſar Geh. Staatsrath Knapp ſteht und die er „hier repräſentirt.)— Mit unerſchütterlicher Ruhe forderte der Regierungskommiſſär den Präſidenten der Kammer auf, den Redner zur Ordnung zu rufen; gleichzeitig verlangten daſſelbe die Abgeordne— ten von Bibra, von Breidenbach, Freſenius, Fritz, Goldmann, v. Grolmann, v. Günderrode, Hardy, Hirſch, Graf Lehrbach, v. Rabenau J., v. Ra⸗ benau II., Weyland und Wolf. Tumult entſtand in der Sitzung; man hörte ſein eigenes Wort nicht mehr. Abgeordnete der Majorität riefen, man ſolle nicht zur Ordnung verweiſen— der Präſident be⸗ wegte ſeine Schelle. Die Regierungskommiſſäre er— warteten gelaſſen, was der Präſident thun werde. Freiherr von Gagern wollte nunmehr ſeinen Aeuße⸗ rungen eine perſönliche Deutung geben, erhielt aber von dem Regierungskommiſſär, Regierungsrath Breidenbach, die Bemerkung, daß der Ausfall gegen eine an der Spitze der Geſchäfte befindliche „Partei“ gerichtet ſey, alſo gegen die Staatsregie— „) In dem Protokoll ſteht:„Ich verſtehe darunter die Par⸗ tei, welche vorzugsweiſe von dem Herrn Geh. Staatsrath Knapp repräſentirt wird.“ Aber die Aeußerung fiel ſo, wie oben angegeben worden. rung.— Wir hörten von dem Freiherrn von Gagern die bedeutungsvolle Aeußerung, daß nach ſeiner An— ſicht an der Spitze der Geſchafte eine Partei ſtehe, welche eine andere politiſche Meinung bethätige, als diejenige iſt, zu welcher ſich die Majorität dieſer und der vorigen Kammer bekenne; aber von wahrer Würde zeugten die Worte, welche der Gr. Geheime Staatsrath Knapp ſprach:„Oft ſchon hat mich der Freiherr von Gagern hier angegriffen, es galt mei— ner Perſon, ich konnte darüber hinwegſehen und ich habe es gethan; heute aber hat er mich in meinem Amt angegriffen, das Geſammtminiſterium hat er eine Partei genannt, ich verlange wiederholt, daß er zur Ordnung gerufen werde.“— Dieß geſchah jedoch nicht und es verließen daher ſämmtliche Re⸗ gierungskommiſſaͤre den Saal. Nun begann eine Discuſſion über die Vorfrage, ob man discutiren ſollte, ſodann, nachdem dieſe Vorfrage durch förm— liche Abſtimmung bejahend entſchieden war, wurde über die Frage discutirt, ob Freiherr von Gagern zur Ordnung zu rufen ſey. Die Kammer entſchied, in feierlicher öffentlicher Sitzung abermals mit 20 gegen 14 Stimmen, daß der Ruf zur Ordnung nicht erfolgen ſolle;— ſie machte ſich die Be— leidigung zu eigen. „Wir fügen dieſer einfachen Erzählung kein Raſonnement bei— jeder Uuparteiiſche möge ur— theilen.“ g Die Zeiten des dreißigjaͤhrigen Krieges. (Beſchluß.) Solche Peſt währete bis in Herbſt, eine zwar urcht gar lange Zeit, riebe aber dennoch viele 1000. 1000. Menſchen im Lande weg, daß kaum der zwan— tzigſte Theil, in etlichen Dörffern aber wohl gar niemand überbliebe.) Weilen nun durch ſolch Abſterben der Leute andern überbliebenen viel Erb— ſchafften aufſturben, achtete ſich jederman für gar reich, vermeinten ſich ihres erlittenen Schadens reich— lich wieder zu erſetzen, ſintemahl viele mehr wieder *) Z. E. 1634. vor der pPeſt hatte Bieberau 73. Mann und bey 300. Seelen. A0. 1636. waren daſelbſt kaum 10. Mann, keine eintzige Klaue Viehes, nicht einmahl eine Katze oder Hund. A0. 1648. aber waren 7. Häuſer und 21. Seelen nur annoch übrig. Zu Steinau war 1648 noch 1. Mann, Nonroth und Billinx aber gantz un. bewohnt. ich ſeinet zy Partei ſih, ethatige, le 'oritat dieser von wahrer Gr. Geheime hat mich det es galt mei⸗ ſehen und ich h in meinen rium hat er derholt, daß N Dieß geſchah begann eine in discutiren durch förm⸗ war, würde von Gagern ner entſchied, Abermals mit zur Ordnung ſich die Be ählung kein e moge ur⸗ Krieges. t, eine zwa g viele 1000. um der zwan⸗ er wohl gal, durch ſolch ien viel Erbe man für gal chadens reich meht rau 73. Nat et kun 11 amabl eit 7 Häuſer un 4 war ö Wer half* wiede 1 0— 279 in Hoffnung hatten zu erben, als ſie verlohren hat— ten. Da rüſtete ſich jederman zur Erndte, die er⸗ erbte Früchte einzuthun, deren dann der gantze Rocken⸗ Fluhr durchaus reichlich voll war, als lang nicht geſehen, und daher noch die groſſe Erndte genennet wird. Aber die Hoffnung war vergebens, GOtt wolte uns durch unſerer Nachbaren und Freunde Schaden nicht reich machen, darum verhängte GOtt, daß eben zur Erndte⸗Zeit der Kayſerl. General Gallas plötzlich in dis Land zwiſchen Mayn und Rhein einfiel, übers gantze Land ſich ausbreitete, alle Früchte, die dann meiſtentheils gebunden, aber wegen Mangel der Pferde nicht können eingebracht werden, aufm Feld und in Dörffern ausdreſchen, und was er nicht ſelbſten zu brauchen, an Mayn⸗ und Rhein-Städte verkauffen, und ſo rein Arbeit machen ließ, daß in wenig Tagen, zumahl im Lande, keine Frucht mehr zu bekommen ware. Darauf fol— gete eine ſehr groſſe Theurung: 1. Malter Korn golte 15. bis 18. fl. 1. Fuder Wein 130. fl. 1. Sim⸗ mern Saltz 10. fl. 20. alb. 1. Kompff Hotzeln 22. IB. A ef. 1 e bis 6. Ib Huhn 2. fl. 1. Maaß Butter 4. fl. als ich(Pfr. Minck) ſelbſten deſſen bezahlt. 5 Auf ſolche Theurung folgte auch groſſe Hungers— Noth, die von an. 1635. bis an. 38. inclusive ge⸗ währt, jedoch waren die 2. erſte Jahre klemmer als die 2. letzte. Es trieb der Hunger die Leute ſo hart, daß ſie die Schind⸗Aaß wegfraſſen, wo ſie dieſelbe auch antreffen konten, als ich denn gar viel mit meinen Augen geſehen, ſie kamen denſelben wohl eine gantze Meil nachgelauffen, und zanckten ſich noch wohl darzu ums Aaß. Zu Haußen ſtarb Hanß Schwöffel eine Kuhe, ſo auf dem Pflaſter todt lag, hinter der war ſo bald her Hauß Müller von Wer⸗ ſaw, macht den Anfang mit ſchlachten, in einem Huy war alles weg, wie denn auch eben dieſer von Hauß Simon zu Werſau angeklagt worden, ob hätte er ihm ſein Pferd auf der Weyde geſchlachtet. Mir ſtarb auch ein Pferd, daſſelbige war in einem halben Tag ſchnell weg, zuletzt kam Adam Trinckaus von Werſau ſamt ſeiner Mutter mit einer Kätze und Sack, vermeinte ſich zu beladen, weil nun die beſte Brocken weg, verſchmähete er die uͤberbliebene Kno— then nicht, klaubete alles genau zuſammen, und dazu brauchte er ein Beil, Meſſer und Wetzſtein, wenn ir denn ein Weil geſchunden, und das Meſſer nicht mehr ſchneiden wollen, nahm er das Beil, unter⸗ deſſen faſte er das blutige Schindmeſſer ins Maul, beſudelte Fauſt und Geſicht mit Blut, und wanderte ſo fort. Hund und Katzen ſind ihnen Lecker-Bißlein geweſen, haben denſelben, weil ſie gar ſcheu gemacht worden, Strick geſtellt, geſchlachtet, das Fleiſch aus— gehauen und mit Gewicht verkaufft. Fröſch, und Waſſer⸗Kröten, wie ſie in den verſchloſſenen Mu⸗ ſcheln in Bächen gefunden werden, haben ſie mit allem Unrath, ohne Saltz, Schmaltz und Wuͤrtz, allein geſotten oder geroͤſt, mit groſſer Menge geſſen. An ſtatt Brods, deſſen manches in einem Vier— tel⸗ oder halben Jahr kein Biſſen bekommen, haben ſie gebraucht: Eichel-Kleyen-Lein⸗Trauben⸗Troſter⸗ Rüb⸗Schnitzen-Obſt⸗Schnitzen-Brod. Aller ſolcher Gattung hab ich in meiner Mühl zu Moltzer bekom— men. Meſpeln von Bäumen, erſt geſotten, daß die Bitterkeit herausgangen, dann gedoͤrret, gemahlen und gebacken. Und ob zu Zeiten eins und anders mit einer groſſen Mühe etwa ein Kompff Korn bekamen, gings nach Gottes Bedrohung Lev. 26. 26. daß wohl 10. Weiber in einem Offen buchen, und auch reiche Leute dennoch den Kindern und Geſinde das Brod gleichſam abwogen, und Schnitten-weiß in die Hande ſchnitten. Ich kenne unterſchiedene Beambte und Keller, welche Eichel-Tröſter- und Lein⸗Brod geſſen. Weil die Butter auch ſehr theuer, brauchten die Leute an ſtatt derer: zerknirſchte Nuß-Kern und Lein⸗Saa⸗ men, das ſotten ſie kurtz ein, ſchmeltzten Suppen und Gemüß damit. Zugemüß waren Neſſeln, Hopffen, wild Paſtenat und allerhand Kräuter gut und böß. Item allerhand Schwamm, gifftige und reine de. wovon die Leute offt groß Grimmen und langwierige Schwachheit ihnen zu Halß zogen. In Summa man aße was man wolte, gut oder boͤß, ſo hieß es doch: Ihr werdet eſſen und doch nicht ſatt werden. Durch dieſen Hunger verſchmachteten viel Leute dermaſſen, daß nichts als Haut und Bein an ihnen war, die Haut hing ihnen am Leib, wie ein Sack, waren gantz ſchwartz-gelb, mit weiten Augen, gepläckten Zähnen, grindicht, krätzig, gelbſüchtig, dickgeſchwol⸗ len, febricht, daß einem grauete ſie anzuſehen. Faſt alle Ehen waren daher ohnfruchtbahr, daß von den jüngſten Ehe-Leuten keine Kinder gezeuget worden, aber Huren-Kinder gabs wohl eher. Auch erkaltete zwiſchen den Eh- und andern Leuten die ——————ů—ĩð5ß— —2— Liebe, daß keines dem andern viel dienete. Ein Ehgatt zoge von dem andern in ein ander Land Brod zu ſuchen, Kinder lieffen von den Eltern, und derer ſahen ein Theil einander nimmermehr wieder. Dennoch lieff das ledige Volck durch einander, und raſete mit verkoplen und heurathen, als wären ſie unſinnig, viele auch trenneten ſich bald wieder. Oeffters wurden 5. oder 10. in Städten aber als Darmſtatt wohl 20. bis 30. auf einmahl proclamirt, viele hielten, wegen Armuth, bey ein paar Häring, Stück Holländiſch Käß, dann kein gemeiner zu bekommen, und 1. Maaß Wein, Hoch- zeit, theils hatten gar nichts zu eſſen. Durch ſolchen Krieg, Peſtilentz, Theurung und Hungers-Noth ſind der Leute ſo wenig im Land worden, daß unſere Nachkommen es ſchwerlich glau— ben werden. Und ſolch Wenigkeit der Leute, und daß jetzt ſo wenig Pflüge ins Feld geführet worden, geſtalt in 3. Jahren von 1634. an nicht mehr als mein und eines Nachbahrn Pflug hier geſehen wor— den, verurſachte, daß die Fluhren dermaſſen mit Tannen bewachſen, daß man ſie alleweil nicht für Acker ſondern Walder erkennen kan, und doch all⸗ bereit ein groſſer Irrthum mit dem Acker und Wie⸗ ſen vorfällt, daß ſie ſchwerlich ja ewig nicht werden an ihre rechte Herren kommen. Durch ſolche Theurung kam es auch bey vielen wohlhabigen Leuten dahin, daß ſie ihre Mobilia um ein ſchändlich Geld verkauffen muſten: 1. Loth Sil⸗ ber golt 15. alb. 1. Pfd. Zinn 4. 6. zum meinſten 8. pf. Bett wie auch die ſchönſte Kleider achtete man gar gering, und diß verurſachte auch, daß die vornehmſte Weibs-Perſonen keine ſilberne Guͤrtel, ſondern nur ein ſeiden Band um den Leib gürteten, und um Erſparung Tuchs und Gelds gar enge Röcke trugen. Esa, 3. 16-25. Aus dem Landgerichtsbezirke Kaichen. Binnen acht Tagen fanden in dem Landgerichts⸗ bezirke Kaichen zu Ende Oktober nicht weniger als vier Selbſtmorde ſtatt; einer ſchnitt ſich mit einem Scheermeſſer die Kehle ab, der Zweite erſchoß ſich, der Dritte, ein Jude, ſprang in einen Brunnen, und der Vierte erſäufte ſich in der Nidda. Für den Pſychologen wäre es wohl von hohem Intereſſe, zu erforſchen, welche Urſachen bei dieſen Menſchen ſo gewaltig einwirkten, daß ihnen das Leben, die dächſte Gabe Gottes, verachtungswerth ſchien.(Uns iſe darüber nichts Näheres zugekommen.) Fur den Menſchenfreund kann eine ſolche Er⸗ ſcheinung nur ſchmerzlich ſeyn, denn ſie iſt ihm ein Beweis von geſunkener Religiöſität oder gar von ganzlichem Mangel daran. Denn wo ſie tief Wur⸗ zel gefaßt hat, da kann der Gedanke eines Selbſt⸗ mordes nicht wohl aufkommen, wenigſtens kann er leicht unterdrückt werden; es müßte ſich denn eine Geiſteskrankheit eines Menſchen bemächtigen, die im Stande iſt, alles andere zu verdrängen, was auch das Herz ſonſt von frommen Vorſätzen gefaßt hatte. Verdient jeder Unglückliche unſer Mitleid, ſo nimmt ein ſolcher vorzugsweiſe und doppelt das unſrige in Anſpruch. Dieſe Fälle ſind indeſſen weit ſeltener, und die gewöhnlicheren Triebfedern ſolcher ſchauder⸗ haften Handlungen des Selbſtmordes ſind gemeiner Natur. Indeſſen wollen wir's doch nicht machen, wie unſere Vorfahren, die ihnen ein Ruheplätzchen auf dem Kirchhofe nicht geſtatten wollten. Wer ſo wenig Ruhe auf Erden fand, daß er ſich gewaltſam von dem Aufenthalte daſelbſt entfernte, dem wollen wir wenigſtens die Ruhe im Grabe gönnen, und ihn nicht verurtheilen. Er hat einen höheren Rich⸗ ter gefunden, der ſein Inneres beſſer zu durchſchauen vermag, wie wir. Uns bleibt er, wenn auch im ſchrecklichſten Irrthume befangen, immer— Menſch und Bruder. Witterungsnachrichten aus der Mitte Oktobers. Bei dieſer Ueberſchrift mag wohl manchem Leſer ein Lächeln ankommen, wenn ſie ihm die Witterungsprophezeihungen in's Andenken zurück— fuhrt, die uns nicht ſelten vorgelegt wurden. Es ſoll uns aber nicht gehen, wie jenem Herrn in Hadamar, der einen naſſen Sommer prophezeihte, während derſelbe einer der trockenſten ſeit zwanzig Jahren wurde, oder wie Herrn Ditmar in Ber⸗ lin, welcher vor etlichen Jahren beſtimmt verkün—⸗ digte, wir würden keinen Winterfroſt erhalten, da doch Stein und Bein zuſammen fror, ſo daß er das Verslein wohl einſchlucken mußte: „Die Kälte ſtieg auf vierzehn Grad, „Sein Wiſſen fiel auf Null.“ Wir wollen hier nur Nachricht geben von dem, was bereits geſchehen iſt, und einige Betrachtungen daran knüpfen. Wir haben einen ſo anhaltend warmen Som⸗ mer und Herbſt gehabt, daß wohl wenige Menſchen ſich ähnlicher erinnern werden. Selbſt die älteſten Leute müſſen erklären, einen wärmeren und einen ſonnigeren Herbſt nicht erlebt zu haben. So erfreu— lich und gedeihlich dies für das Obſt, namentlich für die Trauben, war, ſo fehlte es doch auch nicht an nachtheiligen Folgen— ſelbſt für unſere Ge⸗ gend. Mehreren Dörfern der Wetterau(wir wollen hier nur der beiden naſſauiſchen Oerter Reichels— heim und Dornaſſenheim erwähnen) entgieng faſt alles Trinkwaſſer; an ein Einernten von Grum— met war faſt nirgends zu denken; der Kartoffeln, bes nel her fen, ben Tune und Wei Hecht zu ke ſchon ſich m verd ſomn pie Unza euch ſildu nalt Di kan das ihnen licht ſt. fung cher hurch fen duch o l rwe les twa ſalte auch ſellt huerſ Fam gt, ber nag upff Fart ein Sod and iſt ihm ih tief Mur; es Selbſ⸗ 5 kann er denn eine tigen, die in , was auch gefaßt hatte. id, ſo nimnt Urige in weit ſeltener, cher ſchauder⸗ ſind gemeiner cht machen, cheplatzchen Wer ſo ich gewaltſam „dem wollen gönnen, und 5 r— Menſch tte Oktobers. v ohl manchem ihm die zurück en. Es em Hertn in prophezeihte, n ſeit zwanzig Ile Betrachtunge — 1 0 warmen Sol 2 Menſchch * die alteſſ, 1 und eile W fyell So erftel . W gentlih nehr aber fanden ſich Raupen und Maäuſe ein, die ſerzhaft verzehren halfen und zum Theil noch hel— en, was für Menſchen und Vieh beſtimmt iſt; auf den Weiden fanden die Heerden ſehr wenig Nah— zung, ſo daß ſie beſſer zu Hauſe geblieben wären; und während die Mäuſe ſich auf eine furchtbare Weiſe vermehrten, war dem Reiſenden faſt nicht nehr möglich, auf den Straßen vor Staub weiter u kommen. Hatte ſo, trotz der herrlichen Obſternte, hon die Gegenwart etwas Läſtiges, ſo denkt man ſch die Zukunft noch gefährlicher. Was wird es im Winter oder gar im Frühjahre mit dem Vieh werden? Wo ſoll im nächſten Jahre das Heu her— kommen, da faſt alle Wieſen verdorrt ſind? Und wie wird es erſt mit der Winterſaat gehen bei der Unzahl von Mäuſen und dem Mangel an nöthiger Feuchtigkeit? Wir müſſen die furchtſamen Seelen, deren Ein— bildungskraft die nächſte Zukunft ſich ſo ſchwarz malt, zuerſt mit dem alten Sprüchlein beruhigen: „Die Sonne hat noch keinen Bauer dem kande hinaus geſchienen.“ Wenn ihnen aber das noch nicht genügend ſeyn ſollte, ſo wollen wir ihnen zur Beruhigung ſagen, daß in der Hauptſache nicht nur nichts verloren, ſondern ſehr viel gewonnen iſt. Erhalten wir nur einigermaßen günſtige Witte— rung im Frühjahre, ſo werden die Wieſen vortreff— liches Gras liefern; die Felder ſind ſaͤmmtlich ſo durchgewürmt, daß man diesmal weit ſpäter wird ſuen können, wie in andern Jahren. Und hat auch die Winterfrucht nicht geliefert, was ſie ſollte, ſo läßt ſich eine deſto vorzüglichere Sommerfrucht erwarten, wenn die Witterung des kommenden Jah— res nicht durchaus entgegen iſt. Freilich wird man ſich und das Vieh im Winter etwas zuſammennehmen, man wird ſparſam haus— halten müſſen mit den Vorräthen. Das iſt aber auch ſo ganz ſchlimm nicht, wie Mancher ſich's vor— ſtellt, hat wenigſtens ſeine gute Seite. Es gewöhnt zuerſt an Sparſamkeit, und die thut gar mancher Familie in unſerer Wetterau ſehr noth. Man meint oft, es ſey nicht zum Anſehen, wie dieſer und jener, der X. und der Y. und der Z.(der geneigte Leſer mag ſich die Namen zuſetzen oder an ſeiner Naſe jupfen) mit dem Heu und Stroh und mit den Kartoffeln umgeht, als nähmen dieſe Dinge gar kein Ende. Die mögen jetzt haushalten lernen. Sodann mag es die Wetterauer lehren, andern kandbewohnern es nachzuthun, und auch einmal etwas anderes zu pflanzen oder zu ſäen, als was der Vater und Großvater gepflanzt und geſaet hat. Wir kennen Gegenden, die viel ſchlechteren Boden haben als der ſchlechteſte in der Wetterau, und bringen's die Leute da ſo weit und noch weiter wie die Wetterauer. Warum? Weil ſie früh und ſpat thätig ſind, auf dieſes und jenes ſinnen, hier und 281 ſes Gemüſes gab es weit weniger, wie ſonſt, deſto dort zu lernen ſuchen und nachahmen, wo ſie etwas Gutes ſehen, und begnügen ſich nicht damit, wie Jener ſagte:„Mein Vater hat's ſo gemacht und mein Großvater, das waren verſtändige Leute, und ſo will ich's auch machen.“— Nun, wenn das beim Alten bleiben bis an's Ende gut geht, wollen wir's loben. Vor der Hand rathen wir anders. e V bei ser un g. Im vorigen Blatte Seite 275 Spalte 2 Zeile 1 von oben lies: Früchten-Dragée, ſtatt„Früchtenträger.“ Bekanntmachungen von Behoͤrden. XN N NN NN Geld auszuleihen. (674) Bei der dorheimer Knappſchaftskaſſe zu Friedberg liegen 200 fl. zum Ausleihen in den Land— gerichtsbezirk Friedberg bereit. Friedberg den 11. November 1834. Der großh. Bergrentmeiſter Hutter. Erd cet gell a dung. (657) Ueber das Vermögen des Buchbinders Chriſtian Berg zu Butzbach iſt wegen Ueberſchul— dung der Conkursprozeß erkannt worden. Alle Gläu— biger deſſelben werden daher aufgefordert, ihre An— ſprüche an die unbedeutende, generell verpfändete und kaum zur Befriedigung des bevorzugten Gläu— bigers hinreichende Vermögensmaſſe des Chriſtian Berg ſo gewiß im Termine f Dienſtag den 9. Dezember d. J. Vormittags 9 Uhr entweder in Selbſtperſon oder durch gehörig bevoll— mächtigte Mandatarien geltend zu machen, auch ihre Erklärungen wegen eines zu verſuchenden Vergleichs abzugeben, als ſonſt Ausſchluß von der Maſſe er— folgen und resp. Beitritt zum Beſchluſſe der Mehr— heit der aufgetretenen Gläubiger angenommen wer— den wird. Friedberg den 20. Oktober 1834. Großh. heſſiſches Landgericht daſelbſt. Hofmann. f Holz-Verſteigerung. (681) Montag den 24. d. M., Vormittags 9 Uhr, ſollen in dem rodheimer Gemeindewald 64 Stecken Eichen-Scheitholz, 57„ Prügelholz, 60„ Stockholz, 386 Stück Wellen oͤffentlich meiſtbietend verſteigert werden. Die Zuſammenkunft iſt an den ſogenannten Ameishecken. Rodheim am 13. Novbr. 1834. Der Beigeordnete Will. Verſteigerung getragener Militärmontirungsſtücke. (682) Donnerſtag den 4. December d. J., Vor mittags 9 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe ein große Quantität Mäntel, Röcke, Spencer, wollen, Pantalons, wollene Gamaſchen und Fauſthandſchuhe ſtückweiſe an die Meiſtbietenden gegen gleich baare Zahlung verſteigert. Indem man dieſe Verſteigerung hiermit zur Kenntniß des Publikums bringt, wird bemerkt, daß, im Falle dieſe Verſteigerung an dem bemerkten Tage nicht beendet ſeyn ſollte, mit der— ſelben an dem folgenden Tage fortgefahren werden wird. Friedberg den 18. November 1834. Der Verwaltungsrath des II. Bataillons IV. Infanterieregiments. Oel- und Lichter⸗Lieferung. (683) Der Bedarf an Brennöl und Lichtern fuͤr das II. Bataillon IV. Infanterieregiments auf das erſte Semeſter 1835 ſoll Dienſtag den 2. December d. J., des Vormittags um 10 Uhr, im Verwal- tungsbüreau auf hieſiger Hauptwache an den Wenigſt⸗ nehmenden verſteigert werden. Friedberg den 20. November 1834. In Auftrag: Reichart, Oberquartiermeiſter. Brod⸗- Lieferung. (684) Montag den 1. December d. J., Vormit⸗ tags 10 Uhr, ſoll im Verwaltungsbüreau auf hie⸗ ſiger Hauptwache die Brod-Lieferung für das II. Bataillon IV. Infanterieregiments auf das erſte Semeſter 1835 an den Wenigſtnehmenden öffentlich verſteigert werden. Friedberg den 19. November 1834. In Auftrag: Reichart, Oberquartiermeiſter. Lieferungen für das hieſige Lazareth. (685) Die Lieferungen nachfolgender Lazareth⸗ bedürfniſſe für's 1te Semeſter 1835 ſollen zu den beigeſetzten Zeiten in hieſigem Lazarethlokale ſelbſt, an den Wenigſtfordernden unter den Bedingungen öffentlich verſteigert werden, welche der Unterzeich— nete den Concurrenten unmittelbar vor der Verſtei⸗ gerung bekannt machen wird. Lieferung des Krankenbrodes Dienſtags den 25. d. M., Vormittags 10 Uhr, 1 des Kalbfleiſches Dienſtags den 25. d. M., Nachmittags /½ 2 Uhr, 1 des Ochſenfleiſches Dienſtags den 25. d. M., Nachmittags 3 Uhr, „ der Beleuchtungsmittel Mittwochs den 26. d. M., Vormittags 10 Uhr, * des Roggenſtrohes Mittwochs den 26. d. M., Nachmittags 2 Uhr. Friedberg den 19. November 1834. Der Verwalter des hieſigen Lazarethes Fuhr, Pr.Lieut. A Bekanntmachungen von Privaten. Klavier zu vermiethen oder zu verkaufen. (686) Bei Unterzeichnetem ſteht ein annehmbares Klavier zu vermiethen, im geeigneten Falle auch zu verkaufen. Friedberg. Wilh. Fritſch, Knabenlehrer. Wohnungs-Anzeige. (687) Meinen auswaͤrtigen verehrten Freun⸗ den und Bekannten zeige ich hiermit ergebenſt an, daß ich bei Frau Wittwe Kallen wohne, Roͤmerberg Lit. J. Nro. 86. Frankfurt a. M. den 20. Novbr. 1834. Dr. jur. Bingmann, Advokat. Empfehlung. (688) Unterzeichnete bringt hiermit zur allgemeinen Kenntniß, daß ſie ſich mit allen feinen weiblichen Arbei⸗ ten beſchäftigt, als: Kleidermachen, Sticken, Nähen, Coiffiren, Haubenmachen, Feinwaſchen und Friſiren nach dem Journal, und empfiehlt ſich beßtens. Zugleich bemerkt ſie, daß ſie auch Unterricht in allen weiblichen Handarbeiten ertheilt, und verſpricht den Eltern, die ihr das gütige Zutrauen ſchenken, völlige Befriedigung. Friedberg. Sophia Staube, wohnhaft bei meinen Eltern am fauerbacher Thor. (689) Der Unterzeichnete empfiehlt ſich mit einer bedeutenden Auswahl Herrenhüte neueſter Facon, Filzſchuhe und Geſundheitsſohlen ꝛc. Ferner ſind alle Sorten Mehl, worunter Blu⸗ menvorſchuß von vorzüglicher Güte, Grütze, ge— ſchälte Gerſte, Erbſen, Linſen um billige Preiſe bei mir zu haben. Ludwig Sellin. Logis zu vermiethen. 0 (690) Ein Logis an der breiten Straße zu ebener Erde, welches in den Monaten Februar oder März 1835 bezogen werden kann, hat zu vermiethen Suſanna Vogt. (691) Ein Logis hat zu vermiethen Phil. Pfeiffer. Obererlenbacher Braunkohlen-Bergwerk. (692) Es ſind auch in dieſem Jahr ganz aus⸗ getrocknete Braunklötze abzugeben— ſowohl gewöhn⸗ liche, wie auch eine Sorte, in welcher Grobkohlen mit verklotzt ſind.— Es werden von beiden Sorten 14 Stück zu 1 Centner gerechnet, deſſen Preis 12 Kreuzer iſt. Bei C. Bindernagel in Friedberg iſt zu ben: Der Wetterauer Hausfreund. Kalender für das Jahr 1835. Preis 8 kr. ha Die Fleiſch- und Brodpreiſe ſind unveraͤndert geblieben. Fruchtpreiſe: Waizen.. 6 fl.— kr. Korn.. 4 fl. 20 kr. Gerſte.. 3 fl. 40 kr. Hafer.. 3 fl. 10 kr. Gedruckt und verlegt unter Verantwortlichkeit von Carl Bindernagel in Friedberg. eint ein, bc