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In dem erschütternden Wandel der Dinge, dem unser armes Deutschland gegenwärtig unterworfen ist, scheint es ja, als sei die Treue unter den Menschenkindern erloschen. Was uns noch vor kurzem verehrungs⸗ würdig, ja heilig und unantastbar war, wird heute durch den Schmutz der Gasse ge⸗ zogen und mit Füßen getreten. Ideale von gestern sind gestürzt, fast täglich werden andere Trugbilder aufgerichtet, denen die Menge in widerwärtiger Charakterlosigkeit nachläuft. Es ist so, wie der Dichter Friedrich Halm sagt:„Ohne Treue schwankt, ein Kahn im Meer', ein Rohr im Wind, die Seele hin und her.“ Und doch müssen wir auch in solch be⸗ wegten Zeiten, in denen gleichsam der Boden unter unseren Füßen wankt, den ewigen, unwandelbaren Grund für unsere Seele fest⸗ halten oder wieder finden, ohne den unser ganzes Leben zusammenbrechen muß. Dieses Fundament ist allein in Gott verankert, be⸗ ruht auf der Treue zu ihm, der uns die Treue hält allezeit und unter allen Um⸗ ständen, wenn wir nur ihn nicht aufgeben. Die Treue zu Gott ist aber nichts anderes als die Treue zu uns selber, zu dem besseren Ich in der eigenen Brust; denn das ist eben göttlichen Ursprungs. Mögen draußen in der Welt die unerhör⸗ testen Wandlungen der Staatsformen, der Regierungsprogramme, der politischen oder wirtschaftlichen Losungen vor sich gehen, Wandlungen, die uns mit eisernem Druck unter ihren Bann zwingen, tief drinnen in unserer Seele muß der Fels der Wahrheit und der Treue unerschüttert bleiben; dorthin ziehen wir uns aus dem Stürmen der Zeit als zu dem ruhenden Pol in der Erschei⸗ nungen Flucht zurück. Und je abstoßender das Leben und Treiben da draußen sich ge⸗ staltet, je häßlicher die jeder höheren Re⸗ gung entkleidete Gemeinheit ihr freches Haupt erhebt, um so tiefer flüchten wir uns ins innerste Heiligtum unserer Seele zurück, ewigen Gott zu bewahren, um nicht irre zu werden an uns selbst. Damit wir aber hier den wahren und ein⸗ zigen Trost auch wirklich finden, den uns die Welt nicht zu geben vermag, müssen wir das Heiligtum unserer Seele rein er⸗ halten, müssen wir uns selbst die Treue be⸗ wahren. Die Ideale, die uns aus dem Glauben unserer Väter, aus den sonnigen Tagen un⸗ serer 80 aus den Zeiten der Größe unseres Vaterlandes geblieben sind, wollen wir uns durch die Wirrnisse hindurchretten. Mit ihnen allein vermögen wir aus den Trümmern dermaleinst wieder den Neubau. unseres Volkstums, der Menschheit aufzu⸗ richten, in dem Treue die Wacht hält: „Die Treue steht zuerst, zuletzt Im Himmel und auf Erden Wer ganz die Seele drein gesetzt, Dem wird die Krone werden.“ In Gewaltmärschen bis zur Marne. Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns d. R. Landgerichtsrat Trümpert, Gießen. (Fortsetzung.) 13. 9. 1914. Da es fast unaufhörlich regnete, wurden wir auch im Zelt naß. Es entwickelten sich Vorpostengefechte, wir wurden um 1½ Uhr nachts alarmiert und mußten satteln und schirren. Es herrschte ein sturmartiger Wind, alle halbe Stunde kam ein Schloßenregen. So standen wir bis 36 Uhr auf dem durchweichten Biwakplatz. Wir wurden tüchtig naß, da der Sturm das Wasser auch durch die wasserdichten Stoffe durchtrieb, dann trocknete uns der Sturm wieder. Das wiederholte sich mehrere⸗ male. Stundenlang saßen wir erst im Sattel, da wir jede Minute Abmarschbefehl er⸗ warteten, es auch kein Vergnügen war, in dem durchwühlten Boden auf einem Fleck zu stehen. Wenn der Regen aussetzte, sah man, wie der Sturm die Wolkenfetzen am Himmel hinjagte, dem Mondlicht manchmal für kurze Zeit Durchlaß gewährend. Neben mir hält geduldig unser Stabsveterinär Dr. Knell(aus Gießen) aus. Eine rechte Unter⸗ haltung kam aber bei der ungemütlichen Lage nicht auf. Endlich konnten wir uns in die Marschkolonne einreihen. Wir kommen durch Daucourt, biegen 3½ Kilometer süd⸗ lich St. Ménehould links ab über Argers, Dampierre sur Auve. Da wir offenbar einem Infanteriegefecht im Bereich des um uns den Glauben an den heiligen und Nachbarkorps zu nahe gekommen sind, er⸗ halten wir Befehl, uns rechts zu wenden und marschieren über Dommartin la Planchette bis Chaudefontaine. Hier wurde ich um 11 Uhr beauftragt, im Dorfe für die Abtei⸗ lung Quartier zu machen. Dasselbe liegt an der Aisne, nach Süden und Westen von An⸗ höhen überragt. Ich reite mit einem Unter⸗ offizier in das Dorf, in dem sich viele Be⸗ wohner befinden. In einem ausgedehnten Brauereianwesen könnte fast die ganze Ab⸗ teilung unterkommen. Aber mein Quartier⸗ machen war umsonst. Da der Feind energisch nachdrängte, war die Abteilung während meiner Abwesenheit auf den Höhen in Stel⸗ lung gegangen. Heute wird also wohl ebenso wenig aus der Ortsunterkunft etwas werden wie gestern, wo die Infanterie uns den zuge⸗ wiesenen Platz wegnahm. Auf dem Marsche regnete es zeitweise toll, auch schlug uns ein feiner, scharfer Hagel schmerzend ins Gesicht. Dann wurde es sonnig, und ich erfreute mich des hübschen Landschaftsbildes, rechts der Argonnenwald, links eine sich weithin dehnende Ebene mit vielen Ortschaften, die wir zum Teil auf unserem Vormarsch berührt haben. 14 Auf der Marschstraße hatten sich zeitweise drei Kolonnen nebeneinander gedrängt, in der Mitte Wagen mit Verwundeten, die aus — 134— schlafen. Heute war ein scheußlicher Tag. Zu essen gab es nur Brot und kaltes Fleisch. Gestern wurde uns gesagt, wir räumten unsere Stellung, um der Armee des deut⸗ schen Kronprinzen Platz zu machen; heute hören wir, wir sollten eine entstandene Lücke ausfüllen, in der englische Truppen durchzubrechen versuchten. Was ist daran wahr? 5 Von diesem Marsch ist mir noch eine Unterhaltung in Erinnerung. Ich ritt nach⸗ mittags mit Dr. Knell zusammen; wir hatten uns sehr aneinander angeschlossen und oft die Nachrichten aus der lieben hessi⸗ schen Heimat ausgetauscht. Wir sprachen über die Zeit nach dem Kriege, und da meinte Dr. Knell:„Wie schön, wenn Sie später mit dem Eisernen Kreuz geschmückt wieder in Ihrem Kriegerverein wirken können!“ oder so ähnlich. Ich erwiderte: „Wie soll ich zum Eisernen Kreuz kommen? Ich tue meine Pflicht, aber etwas Besonderes werde ich nicht leisten.“ Man dachte damals noch anders über die Verleihung des Eiser⸗ nen Kreuzes. 14. 9. 1914. Um 9 Uhr erhalten wir Marschbefehl, aber es stecken noch so viel Kolonnen im Ort, daß wir nicht aus dem Bahnhof heraus können. Dabei hören wir den aufgehobenen Feldlazaretten zurück⸗ gebracht werden. An einem Wagen öffnet ein Stabsarzt den Vorhang, um sich zu erkun⸗ digen, wo wir sind und wie es steht. Ich er⸗ kenne in ihm den Dr. Hayer aus Darmstadt (vom Res.⸗J.⸗R. 116), der sehr erfreut ist, einen Bekannten zu sehen. Er ist an Blind⸗ darmentzündung erkrankt und sollte im f Lazarett liegen bleiben, verlangte aber seinen J Abtransport, da er nicht in Gefangenschaft geraten wollte. Ich beruhigte ihn über unsere Lage, obwohl sie mir auch recht wenig gefiel, und sagte, er könne wohl bald auf die Bahn und dann in die Heimat kommen. Er war sichtlich erleichtert, als wir uns mit Händedruck verabschiedeten.(Wie ich später hörte, starb er unterwegs.) Nachmittags nähert sich unserer Stellung lebhafter Artilleriekampf. Kurz nach 4 Uhr verlassen wir die stürmische Höhe, müssen aber am Eingang von Chaudefontaine fast 2 Stunden warten, da immer noch Truppen auf der Straße, von St. Ménehould kom⸗ mend, durchmarschieren. Der Feind kommt 1 immer näher, die Schrapnells platzen schon l mahe bei uns. Endlich geht es weiter, aber es schiert in der Nachhut im schönen Aisnetal über la Neuville au Pont, vor dem die 6. Batterie nochmals auf einer Höhe in 6 Stellung gehen 9 Gegner etwas aufhalten muß, nach Vienne la ville, wo die Batterie endlich um 10½ Uhr, auf dem Bahnhof zwischen den Schie⸗ nen aufgestellt, zur Ruhe übergeht. Die Pferde bleiben angespannt, wir legen uns zwischen den Pferden in der Güterhalle gibt häufig Stockungen. Die Abteilung mar⸗ und den nachdrängenden schon die ganze Zeit nahe vor dem Ort In⸗ fanterie- und Maschinengewehrfeuer. Die ganze Abteilung steckt im Bahnhofsgelände und kann nur aus einem Ausgang heraus. Die Lage ist höchst ungemütlich. Um 10 Uhr kommen wir endlich in Marsch. In einem Hause spielt ein Orchestrion frohe Weisen, welch ein l i i 6. Batterie muß wieder zur Deckung des Rückzugs— um einen solchen handelt es sich doch offenbar— in Stellung gehen. Ueber das malerisch auf einer Höhe gelegene St. Thomas gelangen wir nach Servon, vor dem wir eine Aufnahmestellung beziehen. Um 4 Uhr gehen wir weiter zurück und nehmen eine Stellung westlich la Mare aux boeufs ein, in der wir uns halten sollen und eingraben. Wir feuern auf die feindliche In⸗ fanterie, die in Servon eindrang, nachdem der letzte Mann von uns kaum das Dorf verlassen hatte. Abends gab es endlich wieder einmal warme Suppe. Wir schlafen bei den Geschützen auf Stroh ohne Zelt; es ist windig und regnerisch. Die Erinnerung an diese drei Tage des Rückzugs ist die unange⸗ nehmste aus der ganzen Kriegszeit. 15. 9. 1914. Das Zurückgehen scheint end⸗ lich vorüber zu sein. Wenn wir uns auch immer noch gut und fast ohne Verluste aus den einzelnen Stellungen herauszogen, so empfanden wir das Zurückgehen doch sehr unangenehm, zumal nachdem wir die ersten 14 Tage wie toll vorgegangen waren. Die Gründe, die uns für das Zurückgehen an⸗ gegeben wurden, sind nicht sehr einleuchtend, 16. 9. 1914. Gestern sollte ich Ordonnanz⸗ offizier bei der Abteilung sein, was aber Mißklang in dieser Lage. Die Hauptm vieles 9 wäre; e nachher dem 6. wir, Ii zu besch heftiges nellseue offen. Granat unterbr gebückt der ne Plötzlich in die Schmer war du verwun dung, gewesen Splitte tionshi! durch s war; e 2 Jahr rett wo und zw es sich sitzt. 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H. rückgängig machte, da vieles Reiten wegen meines Fußes nicht gut wäre; es war mir ganz recht, als er es mir nachher sagte. Ich war als Zugführer bei dem 6. Geschütz. Bald nach 7 Uhr begannen wir, Infanterie und Artillerie bei Servon zu beschießen. Um 9 Uhr bekamen wir selbst heftiges, wohlgezieltes Granat- und Schrap⸗ nellfeuer; unsere Stellung war ziemlich offen. In meiner Nähe schlugen mehrere Granaten ein. Wir hatten unser Feuer unterbrochen und uns gedeckt; ich stand gebückt hinter dem Munitionshinterwagen, der neben dem Geschütz aufgestellt war. Plötzlich erhielt ich einen furchtbaren Schlag in die rechte Seite. Ich verspürte starke Schmerzen, und bald floß das Blut. Ich war durch einen Granatsplitter in der Seite verwundet worden und hatte die Empfin⸗ dung, als müsse es ein faustgroßes Stück gewesen sein. Wie ich später erfuhr, war der Splitter erst durch zwei Wände des Muni⸗ tionshinterwagens hindurchgegangen, wo⸗ durch seine Gewalt schon sehr abgeschwächt war; er war etwa 2 em groß. Erst nach 2 Jahren, als ich zum zweitenmal im Laza⸗ rett war, wurde das Sprengstück gefunden, und zwar dicht neben der Wirbelsäule, wo es sich eingekapselt hatte und noch heute sitzt. Die Luft ging mir aus, aber ich blieb bei Besinnung. Mein erster Gedanke war: „Wie konnte das kommen?“ Ich hatte das feste Vertrauen zu Gott, daß er mich wohl⸗ behalten zu den Meinen zurückführen werde. Als ich von meiner Frau Abschied nahm, sagte ich aus innerster Ueberzeugung zu ihr: „Wir sehen uns wieder; mir ist es nicht, als wenn das ein Abschied fürs Leben wäre.“ Als das feindliche Feuer schwieg, legte mir der schon früher erwähnte Gefreite Kunz mit Hilfe der anderen Kanoniere einen Not⸗ verband an; ich hatte schon viel Blut ver⸗ loren. Ich wehrte zuerst ab, da ich dachte, es habe keinen Wert, ich sei doch verloren; aber Gefreiter Kunz war energisch. Fast zwei Stunden dauerte es, bis ich, mit mei⸗ nem Umhang zugedeckt, auf einer Tragbahre weggebracht wurde. Bei den Protzen bat ich Dr. Knell, meine Angehörigen zu be⸗ nachrichtigen, und wurde dann nach Condé lez Autry zur Krankensammelstelle ge⸗ tragen, wo man mich im Schulhaus auf ein Bett legte und meinem Schicksal überließ. Da dauernd neue Verwundete kamen, hatten die Aerzte alle Hände voll zu tun. Ich hatte heftige Schmerzen und konnte mich nicht bewegen. Ich hörte ganz nahe die französi⸗ schen„Ratschgranaten“ krepieren und wünschte, in meiner hilflosen Lage bald von da fortzukommen. Aber erst um 6 Uhr abends wurde ich, nachdem ich eine Mor⸗ phiumspritze erhalten hatte, in einen Ver⸗ wundetenwagen gebracht; neben mir lag ein Kanonier meines Zuges, der nach mir ver⸗ wundet worden war. Die nun folgende Fahrt war nicht unangenehm. Der Wagen federte — 135— gut, die Schmerzen waren infolge des Mor⸗ phiums gering und ich durch dasselbe wohl auch etwas benommen. In Antry wurde ich verbunden, dann in einem Bauernhaus eine schmale Treppe hinaufgetragen und auf Stroh zu anderen Verwundeten gelegt. (Fortsetzung folgt.) Der hessische Diakonieverein. In diesen Tagen wird in Gießen eine Haussammlung für den Hessischen Diakonie⸗ verein veranstaltet. Wer eine Anfrage oder Mitteilung an diesen Verein zu richten hat, der möge sich an den Vereinsgeistlichen Herrn Konsistorialrat und Militärober⸗ pfarrer a. D. Noack in Darmstadt(Herder⸗ straße 10) wenden. Bei der segensreichen Arbeit, die der Verein betreibt, empfehlen wir unseren Gemeindegliedern herzlich die Haussammlung, die durch Frau Luise Müller erhoben wird. Ueber die Tätigkeit des Ver⸗ eins orientiert folgender Bericht für das Jahr 1919: Unsere Arbeit gedieh auch im abgelaufenen Jahre. Freilich, die Schwierigkeiten waren. groß. Der Verkehr mit den Stationen war erschwert, zeitweilig im besetzten Gebiet ganz unterbunden. Aber unsere Schwestern standen auf ihrem Posten. Die Teuerung drückte uns hart und liegt noch schwer auf uns. Wütete auch die Grippe nicht so furchtbar wie im Jahre 1918, so spannte doch die Pflege der von dieser Krankheit Befallenen lange Zeit unsere Kraft bis aufs äußerste an. Häufig mußten unsere Schwestern bis zur Erschöpfung arbeiten. Wir hätten Schwestern aus dem Boden stampfen müssen, wenn wir allen Hilferufen hätten ent⸗ sprechen wollen. Aber wir haben alle irgend verfügbaren Schwestern in den Kranken- und Gemeindedienst eingestellt und darin be⸗ lassen. Unsere Privatpflegestation(so nötig sie ist) wurde aufgelöst, das Seminar nur sehr schwach besetzt. Das alles um zu helfen, soweit es irgend möglich ist. So wurden die Gemeindepflegen in Mom⸗ menheim, Nieder⸗Saulheim, Fürfeld, Alzey, Habitzheim und Wallerstädten neu besetzt. Heppenheim erhielt die zweite, die Cornelius Heylschen Werke in Worms die zweite und dritte Schwester. Notgedrungen haben wir ein eigenes Haus kaufen müssen(Darmstadt, Martinstr. 79). Unsere seitherige Wohnung wurde uns ge⸗ kündigt, eine andere war nicht zu haben. Am 27. November tagte unsere Schwestern⸗ versammlung zum erstenmal im neuen Heim. Geräumige, helle Zimmer bieten unseren Schwestern geeignete Unterrichts- und Wohn⸗ räume. Wir sind geborgen. Durch die Hilfe unserer Freunde wurden wir in den Stand gesetzt, sogleich 20 000 Mk. von dem Kauf⸗ preis(75000 Mk.) anzuzahlen; auch konn⸗ ten wir eine zweite Hypothek von 13 000 Mark, die auf dem Hause lastete, tilgen. Immerhin betragen die auf dem Haus ruhen⸗ — 136— den Schulden auch jetzt noch 42 000 Mk.; und diese Schulden müssen verzinst und getilgt werden. Wir bitten deshalb herzlich um weitere besondere Zuwendungen, Gaben und Vermächtnisse für unser Haus, damit wir sorgenfrei wohnen und unsere Arbeit treiben können.(Geldbeträge werden erbeten auf Postscheckkonto von Pfarrer Lic. Waas, Ober⸗Ramstadt, Frankfurt a. M. Nr. 19626.) Güte und Freundlichkeit füllte im neuen Haus den Keller, und auch die Speisekammer blieb nicht ganz leer. Zu großem Dank sind wir den Gemeinden Altenstadt, Dietzenbach, Eichelsdorf⸗Oberschmitten, Lindheim, Messel, Mommenheim, Schaafheim, Schornsheim, Trebur, Ueberau, Wald-Michelbach und Wörrstadt verpflichtet, die uns Kartoffeln, Obst und Gemüse brachten oder sandten. Durch die Zuwendungen waren wir im⸗ stande, unsere Schwestern auskömmlich zu ernähren. Dürfen wir der Hoffnung leben, daß im kommenden Herbst zu den alten Getreuen neue Freunde kommen, die uns durch Naturalgaben weiterhelfen? Die Zahl unserer Schwestern beträgt 151. Fünfzig davon sind in hessischen Gemeinden und Fürsorgeein richtungen tätig. Die übri⸗ gen stehen im Krankenhausdienst oder sind in der Ausbildung begriffen. Während manch anderer Verband sein Ar⸗ beitsgebiet aus Mangel an Schwestern ver⸗ kleinern muß, übernehmen wir von Jahr zu Jahr neue Stationen. Hilfsbereitschaft und Opferwilligkeit gehen durch unsere Reihen. Schwestern sind willig zum Eintritt. Gewährt uns, Ihr lieben Freunde im Hessenland, die nötigen Mittel, sie auszu⸗ bilden und zu versorgen. Unsere Gemeinden, unsere evangelische Kirche, unser ganzes hessisches Volk hat den Segen davon. Uleine Mitteilungen. Etwas Neues für unsere Gießener evan⸗ gelische Gemeinde war ein Frühgottesdienst, der am 15. d. Mts. in der alten Stiftskirche auf dem Schiffenberg auf Wunsch des Wart⸗ burgvereins und des Evangelischen Arbeiter- vereins abgehalten wurde und wobei Herr Pfarrer Becker die Predigt übernommen hatte. Schon Pfingsten dieses Jahres hatte der Wartburgverein einen Waldgottesdienst bei einer Tagestour an der bekannten„Dicken Eiche“ bei Hof Bubenrod abgehalten, woran trotz des weiten Weges über 100 Personen teilnahmen. Diesmal war die Beteiligung weit größer. Zahlreich strömten am frühen Sonntagmorgen Junge und Alte zu Fuß und zu Wagen auf verschiedenen Waldwegen dem Schiffenberger alten Kloster zu. Tags zuvor waren junge Mitglieder des Wartburg⸗ vereins(Auerbach, Ganß und Schön) schon dort gewesen und hatten den alten Altar schön hergerichtet. Herr Lyncker, dessen Fa⸗ milie bekanntlich schon seit mehr als hundert Jahren die Domäne Schiffenberg in Pacht hat, gab bereitwilligst Decken, Leuchter und Blumenvasen zum Schmucke des Altars. Da, wo früher die Kanzel gewesen war, wurde wieder eine Kanzel, mit frischem Grün bekränzt, hergerichtet. Das hatte sich das alte Türmchen nicht gedacht, und seine Sparren werden sich gewundert haben, als das in ihnen hängende Glöckchen noch einmal zu Ehren kam und zum Gottesdienst ein⸗ läuten konnte. Der Gemischte Chor des Evangelischen Arbeitervereins brachte vor und nach der Predigt die beiden Chöre„Gott ist mein Lied“ und„So nimm denn meine Hände“ wirkungsvoll zum Vortrag. Die Lieder, welche von der Gemeinde gesungen wurden, wurden vom Bläserchor des Wart⸗ burgvereins sehr schön begleitet, und wie von einer versteckten Orgel ertönten deren. Weisen harmonisch hinaus in das Freie. Allen Teilnehmern hinterließ diese schöne Morgenandacht ein erhebendes Gefühl und man hörte nur den einen Wunsch, daß solche Frühgottesdienste im Freien öfters abge⸗ halten werden möchten. Anderwärts, so in den Waldungen zwischen Frankfurt a. M. und Darmstadt, hält man Waldgottesdienste schon seit Jahren. Die Gießener Geistlichen sind gern bereit, im nächsten Jahre solche Gottesdienste öfters zu veranstalten, und der Gesamtkirchenvorstand wird sicherlich hierzu seine Einwilligung geben. Selbstverständlich dürfen Waldgottesdienste nicht dazu führen, daß die Gemeindegottesdienste, die man zur gewohnten Zeit in den Kirchen veranstaltet, weniger besucht werden. Waldgottesdienste unter großer Beteiligung und daheim leere Kirchen, das ist kein erstrebenswerter Zu⸗ stand. Wenn die gut besuchten Gottesdienste in Gottes herrlicher Natur dazu führen, daß solche, die bisher von dem Glauben ihrer Väter nichts mehr wissen wollten, nun inniger mit Gott in Verbindung kom⸗ men und ihrem Heiland nahegebracht werden und wenn hierdurch das gottesdienstliche und religiöse Leben in den Kirchen und Ge⸗ meinden eine Bereicherung erfährt, so wer⸗ den die Waldgottesdienste eine sehr segens⸗ reiche Einrichtung sein. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 29. August, 13. n. Trinitatis. In der Stadthirche. zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Matthäusgemeinde: Pfarr⸗ assistent Ramge.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Becker. Beichte und Feier des heili⸗ gen Abendmahls für Matthäus⸗ und Mar⸗ kusgemeinde. Die Gemeindepfarrer erbitten vorherige Anmeldung.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markus⸗ gemeinde: Pfarrer Becker. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, fällt aus, siehe Stadtkirche!— Vormittags 9 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannes⸗ gemeinde: Pfarrer Ausfeld. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindrucherei N. Lange, Gießen. Vormittags 8 Uhr, N Psalm nent Werfe in das 150 Mi der Sor 60 Kilo brauchte ihr 275 bahnhall schaft al Sonnens ist dann Mars 1. nus 191 fernt. 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