2 h keinen nen wir richsdorf Pomberg uten be⸗ Artikel in Buche Esselborn n. Wir pieses in orrätige Anforde⸗ Ziel der worden. t unsere die Ent⸗ se beiden Trin. Christen⸗ aus der Vorm. 11: Kin⸗ e: Pfr. zugleich rten aus imer.— r. Aus⸗ für die nausflug terverein Juni: Iniversi⸗ Kacten abenden. n. lienaus⸗ ich dem enbaum. e und Betränke ili? Fa⸗ idschloß, Brudec⸗ ndruckeref Gemeindeblatt für Oonnta gs gruß die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 25 Gießen, 4. Sonnt. n. Trinitatis, den 27. Juni 1920 9. Jahrg. Der Regen. Psalm 104, 13. Du feuchtest die Berge 0 oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest. In der letzten Zeit mußte ich oft an Adal⸗ bert Stifters wundervolle Erzählung„Das Heidedorf“ denken. Weit und unübersehbar dehnt sich die Heide aus, hier und da ragt aus ihr ein niedriger Hügel auf, an den die Hütten der Menschen angelehnt sind. Die Aeste des Wacholders starren von Nadeln, Millionen blauer und grüner Beeren hängen daran. Insekten, die nur einen Tag lang leben, durchschwirren die Luft. Ernste, stille Menschen leben in dem Heidedorf, eine Gro 3⸗ mutter ragt unter ihnen hervor, die ganz in der Bibel lebt. Zwar kann sie nicht mehr lesen, weil ihre Augen matt geworden sind, aber die Heilige Schrift mit ihren Pro- pheten⸗, Helden- und Apostelgestalten lebt in ihrer Seele. Pfingsten kommt heran, aber die Menschen sind in großer Sorge; denn seit Wochen herrscht eine solche Trockenheit, daß weder das Gras noch der Pflanzenwuchs auf den Aeckern gedeiht. Der Himmel er⸗ glänzt in reiner blauer Farbe, aber die Menschen schauen ängstlich zu ihm auf. Die Heidelerche ist verstummt, dafür tönt den ganzen Tag und auch die Nacht hindurch das Zirpen der Heuschrecken und der Angstschrei der Kibitze. Der Boden ist ausgetrocknet, die Blätter sind mit Staub bedeckt, die Baum⸗ früchte fallen zur Erde. Die Menschen beten zu Gott um Regen, aber kein Tropfen fällt. Freitag vor Pfingsten ist gekommen, die Erdschollen, die die Leute in die Hand neh⸗ men, fallen auseinander, händeringend gehen die Unglücklichen zwischen den Feldern einher. Wohl stehen am Pfingstsamstag Wolken am Himmel, aber sie verschwinden wieder, der Blitz zuckt hernieder, aber es regnet nicht. Wie die Menschen aber am Pfingstmontag erwachen, ist der ganze Him⸗ mel grau, und ein sanfter, dichter Landregen fließt hernieder. Nun ist alle Angst vorüber, freudigen Herzens geht man in das Gottes haus, um Gott für feinen Regen zu danken, gern läßt man sich die Kleider von dem köst⸗ lichen Tau des Himmels naß werden.— Aehnliches haben wir in der vorigen Voche erlebt. Seit vielen Tagen schien die onne, die wir doch sonst als die Bringerin des Lebens und des Segens ansehen, mit demselben Glanze hernieder. Zuerst hatten wir kalte, winddurchsauste Tage, dann setzte große Hitze ein. Der Erdboden trocknete aus, —— er bekam Risse und Sprünge, kümmerlich standen vor allem die Gartengewächse. Bange Befürchtungeft wurden auch hinsichtlich des Ackerfeldes laut. Als sehr kläglich bewertete man schon den Ertrag der Frühkartoffeln, und Hinweise auf das trockene Jahr 1911 waren in aller Munde. Schon entstanden, wie das in trockenen Sommern immer der Fall ist, Waldbrände, es brannten Torf⸗ moore im Norden unseres Vaterlandes, und über einzelne Strecken der Lüneburger Heide sengten die Feuerflammen hinweg. Ich hörte am Ende der vorigen Woche einen Mann zu einem anderen sagen: wenn nun in acht Tagen kein Regen kommt, so ist alles ver⸗ loren. Ein schwerwiegendes Wort, wenn wir an die Zeitlage denken. Darum haben wir am vorigen Sonntag in unseren Gottes⸗ diensten Gott um Regen gebeten. Unsere Bitte ist erhört worden. Gerade während diese Zeilen niedergeschrieben wer⸗ den, ist der Himmel mit grauen Wolken be⸗ deckt, und ein sanfter Regen fließt herab. Dringt dieser Regen auch vorläufig nicht tief in das Erdreich ein, so erfrischt er doch die Pflanzen, und wir schöpfen neue Hoffnung. Der alte Gott lebt noch. Es ist wahr, was der alte Wandsbecker Bote Matthias Clau⸗ dius sagt: „Er, er macht Sonnaufgehen, Er stellt des Mondes Lauf, Er läßt die Winde wehen, Er tut den Himmel auf.“ Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. H. B. 23. Gießener Familienleben in drei Generationen. (Schluß.) Jakob Pistor, dessen Beschreibung einer Fußreise aus dem Jahre 1811 wir in den vorausgegangenen Nummern wiedergegeben haben, stand mit seiner Schwiegermutter Elisabetha Becker, geb. Braun auch in der Zeit noch in guten Beziehungen, als seine erste Ehegattin, die Tochter der Genannten, schon dahingeschieden war. Das geht aus zwei Briefen hervor, die die Schwiegermutter an den Schwiegersohn und dessen Frau rich⸗ tete, als sich Pistor 1817 zur Zeit der Messe in Frankfurt a. M. aufhielt. Ich verdanke die Einsichtnahme dieser beiden Briefe der Frau Geh. Justizrat Dr. Schäfer, geb. Pistor, die eine Enkelin Jakob Pistors ist. Gießen war damals das, was man ein kleines Nest nennt, einer kannte den anderen, und die Stadtneuigkeiten wurden eifrig weiterver⸗ 98 breitet. Das geht auch aus diesen Briefen hervor. Ein Gießener Kaufmann, der sich seither eines großen Ansehens erfreut hatte, hatte Hand an sich gelegt und sich die Kehle durchgeschnitten. Von diesem Ereignis spricht Frau Becker in ihrem Briefe, sie schreibt: „Des B. Todes Arth hat einen in Furcht und Schrecken gebracht, gegen 7 Uhr kam die Marline und sagte es. Er soll schon einige Jahre in dieser Jahreszeit tiefsinnig ge⸗ wesen sein. Dieses muß ihn auch zu solcher schändlichen Taht verleidet dagen Auch der D. hatte am Sonntag Abend an seinem Hals auf der Großenbrück den Anfang ge⸗ macht, ich vermuthe aber, wie es ihm weh gethan hat, hat er aufgehört und um Hülf geschrieben, als ob ihn jemand hätte er⸗ morden wollen, dieser kommt wieder zu⸗ recht. Frau Amtsdiener Schneider hat am Montag ein Mädgen bekommen.“ Dann kommen geschäftliche Mitteilungen:„Der Wolf hat noch keinen Schnaps geschickt. Bis Samstag kommt der Huhn, um Ihnen abzu⸗ holen, es hat sich mit seiner versprochenen Fahrt geändert.“ Am Schlusse ihres Briefes hatte die gute Großmutter dem kleinen, damals ein Jahr alten Emil die Hand ge⸗ führt zu einem Gruße an die Eltern. Einige Tage später schrieb Frau Becker an die junge Frau Pistor— es handelt sich hier um dessen zweite Frau Marie, geb. Lynker— folgendes:„Wüste ich nur, ob ich Pistor einen Gefallen täte, so schickte ich ihm noch 200 fl. Heute sind viele Preußen in die Gegend einquartiert worden wie auch um 100 Mann hier, ob wir welche bekommen haben, weiß ich noch nicht.“ Darunter steht: „Liebe Mutter, vergeß mir mein Meßstück nicht. Dein lieber Emil.“ Die Adresse dieser Briefe lautet:„Herrn Jacob Pistor in Frankfurth, wohnhaft bey Frau Meßmann in der kleinen Kornblumengasse.“ Frau Becker muß eine gute Frau gewesen sein, weil sie in dieser freundlichen Weise mit ihrem Schwiegersohn und dessen Frau ver⸗ kehrt hat. Auch Jakob Pistor hat ein Hausbuch ge⸗ führt, dem wir folgende Angaben entneh⸗ men:„9. October 1824 wurden 5 Straßen räuber, welche aus der Gegend von Bieden⸗ kopf gebürtig und die Gladenbacher Post beraubt hatten, mit dem Schwert hingerich tet.“—„Im July 1825 war meine Schwie germutter mit meinem Sohn Emil in Salz⸗ hausen, um das dortige Salzbad zu ge⸗ brauchen. Ende July besuchte ich das Bad noch 14 Tage und machte in Gesellschaft meines Schwagers Müller, Rathsschöff Seip mehrere Partien in die Umgegend als nach Ortenberg, Büdingen.“—„Am 13. July 1826 wurde ich von der Kaufmannschaft zum Zunftmeister gewählt.“—„Im October 1826 machte ich in Gesellschaft meiner bei⸗ den Schwager Müller eine Reise in das Rheingau grade während der Weinlese, bey Rüdesheim setzten wir über und reisten von da über Mainz in die Pfarrer Volmar in Sülsen(Selzen), wo wir nach 2tägigem Aufenthalt über Darmstadt wieder zurückkehrten.“—„Im July 1827 wurde ich an einem Lungengeschwür gesähr⸗ lich krank, so daß ich dieses Jahr die Herbst⸗ messe nicht besuchen konnte, wurde aber mit Hülfe Gottes wieder ganz hergestellt.“ In das Hausbuch seines Vaters trägt Emil Pistor dann ein:„1829, Octbr. d. 5. wurde mein Vater krank. Donnerstags d. 15. starb mein Vater Abends ¼ auf 10 Uhr an einer Lungenentzündung durchs Nerven⸗ fieber und wurde Sonntags d. 18. Oetr, um 8 Uhr Morgens begraben.“ Nur 41 Jahre ist der tatkräftige und geistig regsame Mann alt geworden. Er hat, wirksam durch seine Schwiegereltern unterstützt, das Ge⸗ schäft, das heute noch den Namen seines Sohnes trägt, in die Höhe gebracht. 4. Mitteilungen der Nachkommen Jakob Pistors. Es sei hier zunächst einiges über die alten und interessanten Gebäude mitgeteilt, die heute noch zu dem Pistorschen Geschäfte ge⸗ hören. Das eigentliche Geschäftshaus Markt⸗ straße 10) ist kein einheitliches Gebäude, Ursprünglich war es ein ziemlich kleines Gebäude, im Jahr 1848 hat Emil Pistor in Anlehnung an das alte Haus das heute noch stehende errichtet. Nach der Marktstraße bildet das Gebäude eine einheitliche Front, wer jedoch das Haus von der Sandgasse her betrachtet, der findet sofort, daß es sich bei dem nach dieser Gasse gelegenen Teile um einen älteren Bau handelt. Durch⸗ schreitet man den Hof, so gelangt man naß dem Lagerhause. Daß dieses Haus alt i, merkt man an dem Balkenwerk und dem vorspringenden Oberstocke. Zweifellos ist es ursprünglich ein Wohnhaus gewesen, es wurde, wie wir früher schon mitgeteilt haben, 1792 von Johann Melchior Becker erworben. Dieser schreibt bekanntlich:„mein an der Bachgasse gelegenes Haus.“„Die“ Bach, wie man nach hessischer Gepflogenheit sagt, floß an dem Hause vorbei, ist heute aber zugewölbt. Hinter diesem Hause liegt ei weiteres Lagerhaus, in dem wir das allt städtische(später Loossche) Brauhaus finde, es ist ein großer, sehr solid aufgeführter und dem ganzen Aussehen nach alter Bau. Ein Inschrift an diesem Hause lautet: „Anno 1671. Johannes Oßwald jetzt im Raht der Jüngst Herr Hat diese Platz erwehlt zum Bräuhaus und a zur Dörr Nachdem H. Balser Schmidt zum Erstemal a versehn Das Bürgermeisteramt, ist dieses so geschehn. Mit Will des ganzen Rahts als eben in den Jahr Pfalz zu Herrn Da Peter Gedenken Daß es Hinter der durch Pfarrhau trennt wi hunderts die maje schwamme bekannt. schen lieg Komplex. Die F. Gärten, dem alte war. Joh seiner Cl Nr. 19): Kasten M. diesem 6 erfolgten wirft ein anziehend Erinneru meine er nen Gar verstrichen mir das im Gart Gras im Dingen, zwar, abe Wiesengr scähe de von diese selben 9 Schorgra die den zog sich d stand ein Rosenbüs Mauer hier aus in die V gestrichen Rosen ro noch ein freundlic man eine und die eine Gla von hohe beschattet schmale; dichtes? Nußbäur den Schi des Ga unterwor Land, re brachten hervor,! pür gefäh die Herbst e aber mi stellt.“ Ju rägt Emil 5. wurde d. 15, starh men sein cht. kommen er die alten geteilt, die eschäfte ge⸗ aus Markt⸗ Gebäude. lich kleines Emil Pistor s das heute Marktstraße iche Front, Sandgasse daß es sich jenen Teile lt. Durch⸗ t man nach aus alt ist, k und dem fellos ist ez ewesen, e eteilt haben, r erworben. ein an der Bach, w nheit f. b liegt ein ir das alte aus finden führter und Bau. Ein n Lesen rsehn a so geschehn 1 Gedenke wer du bist und gehst bur 5 er vorbey Pfarrhauses der schwammen. dem die den Garten nach der Straße man eine entzückende Aus und die ge e Burgen hatte; des Gartens ist 9 Da Peter Reutter auch mit„ großen Nutz der Festung Gießen sey.“ Daß es zum Hinter dem Brauhause liegt ein Garten, der durch„die“ Bach von dem Garten des Matthäusgemeinde ge⸗ trennt wird. Um die Mitte des 19. Jahr⸗ hunderts hielt die Familie Pistor Schwäne, die majestätisch auf„der“ Bach einher⸗ „Pistors Schwan“ war stadt⸗ bekannt. Alle diese Gebäude mit den dazwi⸗ schen liegenden Höfen bilden einen großen Komplex. Die Familie besaß außerdem noch zwei Gärten, von denen der größere 1808 auf alten Festungswalle ange legt worden war. Johann Henrich Schafff tädt schreibt in seiner Chronik(siehe Sonntagsgruß 1919, Nr. 19)„an dem Neustädter Thor„al d Kasten Me zister Becker schleifen lassen.“ Von diesem Garten 2 der im Jahre 1861 erfolgten Anlage des Eisenbahndammes ent⸗ wirft ein Glied der Familie Pistor folgende anziehende Schil derung:„Gleich den ersten Erinnerungen der Menschheit beginnen auch meine ersten Erinnerungen mit einem schö⸗ nen Garten, in dem mir die Kinderjahre verstrichen. Früher als die Eindrücke, die mir das Haus gegeben, haften die, die ich im Garten unter Bäumen, Blumen und Gras im Spiel mit all den wunderbaren Dingen, die er bot, empfing. Traumhaft d zwar, aber doch deutlich sehe ich den großen Wiesengrund, 7 sich damals bis in die Nähe des Neustädter Torhauses erstreckte, von diesem nur getrennt durch ein zu dem⸗ selben gehöriges Vorgärtchen, und dem Schorgraben. An der langen Mauer 11 0 zu abschloß, zog sich die Terrasse und etwa in der Mitte d stand eine Hütte aus grünen Latten, von Rosenbüschen umgeben, dahinter über die Mauer hängend ein Aprikosenbaum. Von hier aus führte ein schmales Steintreppchen in die Wiese. Die Terrasse war durch h grün gestrichenes Lattenwerk eingef faßt, an dem Rosen rankten. Am Ende der Terrassef stand noch ein kleines Haus, das einen hübschen freundlichen Gartensaal enthielt, von dem sicht auf die Bahn eine Glastür führte auf eine Plattform, die von hohen Bäumen, namentlich Ebereschen, beschattet war; von dieser wenden sich schmale Wege in den Wiese engrund, und ein dichtes Boskett, in dem auch einige hohe Nußbäume 8 schloß den Garten gegen den Schorgraben hier ab. Der zweite Teil einigen Veränderungen unterworfen gewesen, vier 90 Stück! and, regelmäßig mit Buchsbaum eingefaßt, 8 brachten eine Fülle von Gemüsen aller Art hervor, herrliche Obstbäume gaben Schatten wesen, da solle, dazu hergeben müßten. Garten auf dem Hamm aufstellte. kam immer näher heran, plumpen Wände ein; Haushälterin, und Früchte, breitschattige Wege durchschnit⸗ ten den Garten und führten zu schattigen Buchen und Wildweinlaubhütten. In der Mitte, an der Rückseite, stand das zweite Gartenhaus, umgeben von hoher Buchen⸗ hecke, die im Frühjahr don Maikäfern wim⸗ melte. In der Wildenweinhütte hatte ein Rotschwänzchen sein Heim, und wenn im Frühling auf den Rabatten die weißen Hyazinthen, Narzissen und blaue Cylla blühten, flog das Pärchen emsig aus und ein, später hob mich die Mutter auf drin⸗ gendes Bitten empor, um die niedlichen Eier in den Nestchen anzusehen, aber dan war uns das Spielen in der Laube verboten, damit kein Lärm das Brutgeschäft störte. Die Schor zog damals in einem weiten Bogen um die Gärten, und so lag auch vor dem zweiten Teil des Gartens ein Zimmer⸗ platz; da sah ich denn zu, wenn die Männer 9, mit der großen Säge hantierten und die Späne von den Baumstämmen flogen. Eines Tages bemerkte ich im Garten, etwa in der Mitte des Wiesengrundes, einen eingeramm⸗ ten Stein, 88 früher nicht vorhanden ge⸗ und auf eine Frage, was der Stein hörte ich, daß eine Eisenbahn ge⸗ baut würde, und wir ein Stück des Gartens Der Stein stand, wie mir damals dünkte, ziemlich lange, wir benutzten ihn als Belaub beim Nachlauf⸗ spielen, aber die Schlange, die dieses erste Paradies zerstören sollte, bli⸗ eb nicht aus. Eines Tages war 25 grober Lattenzaun durch den Garten geschlagen. Das Häuschen auf der Terrasse war abgebrochen und an jemand verkauft worden, der es in seinem f Arbeiter kamen so dicht an den Garten heran, daß man uns damals wohl mehr im Hause hielt; denn der Uebergang zur Neuzeit mit Erbauung der Eisenbahn ist mir nur un⸗ deutlich im Gedächtnis geblieben. Der Damm und die herrliche Aussicht, die man früher hatte, bauten seine endlich war es nur noch eine kleine Lücke, unermüdlich fuhren oben Männer mit Karren und schütteten die⸗ selben aus, bis er zuletzt als geschlossene Mauer vor uns stand. Dann erschienen die ersten Maschinen und Wagen und versam⸗ melten Astets eine andächtig zuschauende Menge. Der kleine, aus Backsteinen errichtete provisorische Bahnhof war gerade dem Gar⸗ ten gegenüber im Oswaldgarten, so hatten wir denn immer etwas zu sehen und söhnten uns leicht mit der Veränderung aus, um so mehr, da auch meine Mutter und unsere die Nette, behaupteten, der Garten habe nur gewonnen, denn er sei früher geradezu unheimlich groß gewesen. Mein Vater ließ ihn denn auch, als der Schorgraben daran vorbeigeleitet und die Schor anders gelegt war, schön anlegen mit Bosketts von Rotdorn, Syringen und Gold⸗ regen, die in jedem Frühjahr eine wahre Blütenpracht entfalteten. Obst und Gemüse konnte noch genug gezogen werden, und so waren wir ganz zufrieden mit der Verände⸗ rung.“ Dieser Garten lag, wo die West⸗ anlage am Neustädter Tor endet. Das Geschäft, das jetzt ausschließlich Eisen⸗ handlung ist, war zur Zeit des Jakob Pistor eine sogenannte„gemischte Warenhand⸗ lung“, an Markttagen war es stets über⸗ füllt, bis hinein in die Nachmittagsstunden kamen die Geschäftsangestellten nicht zur Ruhe. Aus dem von Jakob Pistor angefangenen Hausbuche teilen wir noch folgende, von seinen Nachkommen gemachte Einträge mit: „Das Jahr 1848 war ein sehr unruhiges, aber so viel mir im Gedächtnis geblieben ist, reich an Abwechslung. Bald kam Einquartierung. Unser Vater(Emil P.) war Mitglied des Gemeinderaths. Sonntag⸗ n nachmittags rückte stets die Bürgergarde mit klingendem Spiele aus. häufig Lärm, einmal wurden auch Barri⸗ kaden gebaut.“—„Im Herbste 1858 stand ein prachtvoller Komet am Himmel.“ „Den 10. November 1859 100jähriges Jubi⸗ läum unseres großen Dichters Schiller. Mittwoch den 9. Nov. Abends ½7 großer Fackelzug, woran sich mehr als 1000 betei⸗ ligten, Versammlung in Oßwalds Garten. Donerstags Morgens 7 Uhr Musik und Geläute vom Thurm. Um 10 Uhr sahen wir den großen Festzug, woran sich alle Zünfte, Studenten, Schulen betheiligten, er bewegte sich durch die Stadt nach dem Brand, dort hörte ich vom Zeughause die Rede des Herrn Dr. Krumm. Nachmittags 2 Uhr Feier in unserer Schule, ich deklamierte den Meister aus der Glocke. Abends waren wir auf dem Turnerball bis 10 Uhr. Auch wurde bei Gelegenheit der Vorfeier auf dem Trieb eine Schillereiche gepflanzt.“—„Noch muß ich eines Gliedes unserer Familie ge⸗ denken, die es verdient, daß sie nicht vergessen wird, Haushälterin, die Nette. Sie war früh ver⸗ waist in das Haus der Frau Becker gekom⸗ men und hatte sich im Haushalt und Laden nützlich gemacht, ja zur Zeit meiner Groß⸗ mutter hatte sie drei Onkel erzogen und war für die Großmutter, Haus verließ, eine unentbehrliche Stütze. Sie war verwachsen und klein, aber ihr Stolz war ihr weißes gute Kleidung. Im Laden genoß sie hohes Ansehen, die Landleute behaupteten, niemand die schwarze Farbe zum ihrer Strümpfe so meisterhaft herstellen könnte als die Jungfer Nette. Wir Kinder wandten uns in allen Nöten an sie, wenn sie krank war, besuchten wir sie, nicht sehr zu ihrer Annehml ichkeit und spielten dann Nachmittags lang in ihrem Stübchen auf der Mäusburg in einem alten, 1 B. 55 an Kopfwe him. 3 55 — 100— wurden die Häuser geschmückt und illuminiert, bald Nachts gab es 5 t ganz es war unsere langjährige Sonntag den 27. die niemals das 9½ 8 Pfr. 5 Haar, auch hielt sie auf Färben Markussaal mit Besprechung des und R. 5 Gieged leidend im Bett lag, führten wir ein Theater⸗ stück auf. Eines Abends wollte sie einen Tisch tanzen lassen und lud uns nebst ihrer Lauffrau, der Mootzin, und einer spiritisti⸗ schen Freundin dazu ein. Nachdem eine Stunde lang eine Kette gebildet worden war, tanzte er wirklich lustig in der Stube herum. Sie wußte Aber i mancherlei Geschichten und glaubte an Ahnungen und Vorzeichen.“ Die Familie Pistor, die mehrere Jahr⸗ hat, ist heute in unserer Stadt im Mannes⸗ stamme erloschen. Ein Enkelsohn Jakob Pistors ist als Chemiker nach Spanien über⸗ gesiedelt, wo sein Sohn seinen Wohnsitz hat. ö H. B. Uleine Mitteilungen. 1 Am 18. April des kommenden 20 1921 werden Hunderttausende evange lischer Deutscher des Helden von Worms und seines mutigen Beke untnisses 5 das er am 18. April 1521 vor Kaiser und Reich ab⸗ gelegt hat. Es handelt sich nicht um eine rauschende Feier, sondern um eine gewissen⸗ weckende, d dankbare Erinnerung in ernster, würdiger Form. Diese Anregung, die der deutsche Evangelische Kirchengusschuß bereits gegeben hat, ist von der preußischen General⸗ synode aufgenommen worden. Sie nahm am. 15. April folgende einstimmige Entschlie⸗ ung an: „Am 18. seit dem Doktor April 1921 werden 400 Jahre Tage vergangen sein, an dem Luther vor dem Reichstage in Worms sich und uns die Freiheit des in Gott gebundenen Gewissens und das Lebensrecht evangelischen Glaubens ekstritt. Die Generalsynode spricht die Erwar⸗ tung aus, daß die Gemeinden unserer Lan⸗ deskirche an diesem Tage oder dem nächst⸗ e Sonntage in Form kirchlicher Ge⸗ dächtnisfeiern der einzigartigen Bedeutung des Ereignisses einmütig Genüge tun wer⸗ den. Sie ruft aber schon heute zu einer würdigen Vorbereitung solcher Feier nach⸗ drücklich auf.“ Kirchliche Anzeigen. Juni, 4. n. Stadtkirche. Vorm. 8 Uhr, zugl. lehre für die Neukonfirmierten Markusgemeinde: Pfr. Becker.— Vorm. Mahr. Vorm. 11: Kinder⸗ gottesdienst für die Matthäusgeme einde: Pfr. Mahr.— Donnerstag den 1. Juli, abends Trinitatis. Christen⸗ aus der daß 8/ Uhr, Gemeindeversammlung für Män⸗ ner und Frauen der Markusgemeinde im Themas „Unser Gottesdienst“. Johanneskirche. Vorm. 8 fällt aus. Vorm. 9/8: Pfarrassistent Ramge nach voraus⸗ gegangener Ordination. Vorm. 11: Kinder⸗ kirche für die Lukasgemeinde: Pfr. Bechtols⸗ jetzt heimer.— Abends 8 Uhr: Bibelbe sprechung Mahr: hunderte hier in großem Aunse ehen gestanden Gemein Nr. 26 vom hei Von Evangelium daß ihr achtet. 7 im Him meines Ich sehe wenn sie z ihrer stillen den Lichterb im unverwa vom Kindlei von den jun mir, als wi anderes Lan Sie haben Heimat, die in einem a uns oft vor nicht zu hel haben ein und werder ewigen Vat und unfrei und umher Fremde. Ge ihres heilig ihre schönste den Herzen am deutlich matluft sie Berührung quelle, aus geflossen sin O du rein Kinderseele! gen, sich ni Dank und wer könnte wenn auch trüben? Ol finden zu jungen Se heiligen Hei stoßen in d welche es Hand und deres Wort Gebet: Vat nicht, was f Und doch seren wirren fasse es; id Es gibt wenn du il