Lannen⸗ och vier ummern Bießener s 1862 ch Hoch⸗ uf dem 61 nicht ehmeyer eine auf lin steht ere initatis. stenlehre atthäus⸗ Becker. emeinde: Christen⸗ aus der mer. r. Aus⸗ ndmahls inde.— emeinde: ung und Gießener Donners⸗ haltungs⸗ r. Becker. n. ug nach en. Füh⸗ e nächste lter von st bei der n wollen, rsitzenden eindruckerei Sonntags gruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 29 Gießen, 8. Sonnt. n. Trinitatis, den 25. Juli 1920 9. Jahrg. Du und deine evangelische Kirche. Offb. Joh. 3, 11: Halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme. Seit den Tagen der deutschen Reforma⸗ tion— wir brauchen bloß an die Zwickauer „Propheten“ und die Witt nberger Schwarm⸗ geister des Jahres 1522 11 denken— finden sich immer wieder evangelische Christen, die ihrer Kirche die Treue aufkündigen und sich entweder der Glaubenslosigkeit oder einer schwärmerisch gerichteten Sekte in die Arme werfen. Mit großem Fanatismus— Fana⸗ tismus ist die Zähigkeit in der Verfolgung des Schädlichen, des Verderblichen— stür⸗ men diese Irregeleiteten gegen ihre Kirche an, lästern und verunglimpfen sie und suchen in nie ermüdendem Werben, andere dem gleichen Irrwahn zuzuführen. Daß d es unter denen, die die Wege der Sektierer gehen, auch solche gibt, die früher ihre Kirche von Herzen liebten und ihre Be⸗ deutung einzuschätzen wußten, gehört zu den Rätseln des menschlichen Seelenlebens. Ist dir deine Kirche so wenig wert, daß du ihr kurz entschlossen den Rücken kehrst? Denke an deine Vorfahren, die im Glauben der evangelischen Kirche lebten und starben. die an Sonn⸗ und Feiertag. n im Gottes⸗ hause ihrer Heimat so viel Segen empfingen! Erinnere dich der Glaubenshelden, die für die evangelische Kirche, ihr Recht und ihre Freiheit, starben! Laß dir sagen, daß von dieser 3 so reiche Ströme eines innigen Glaubenslebens ausgingen und daß nicht gemeinde sein. dadurch nicht reicher, daß man ein kostbares Gut von sich wirft. Darum wollen wir unserer evangelischen Kirche die Treue hal⸗ ten und an das Wort Denen; Halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme! Die verhandlungen des hessischenLandes⸗ kirchentages vom 4. bis 7. Mai 1920. Referat, erstattet in der Sitzung des Gesamt⸗ kirchenvorstandes zu Gießen am 14. Mai 1920 von Landgerichtsrat Neuenhagen, Mit⸗ glied des Landeskirchentages. (Fortsetzung.) Im Anschluß an die Beratung des Vor⸗ anschlags wurde auch die Frage der Gehalts⸗ gerhiltniss der Lehrerorganisten besprochen. 5 bevorstehende Aufhebung des Artikels 51 8 Volksschu'gesetzes wird den Lehrern, mit 55 Schulstelle bisher Organistendienst verbunden war, und den Gemeinden An⸗ laß 1 einen freien Vertrag miteinander zu schließen. Die Regelung bleibt jeder Gemeinde übe erlassen. Um den Gemeinden beratend zur Seite zu stehen, beabsichtigt das Erweiterte Obe rkonsist lorium Richtli inien zu erlassen und vorläufige Mindestsätze vor⸗ zuschlagen, hat zu diesem Zwecke auch schon eine n Vertragsentwurf mitgeteilt. Verpflich⸗ tet zur Zahlung des erhöhten. gehaltes wird regelmäßig die betr. Kirchen⸗ Da in manchen Fällen die Fonds politischen Gemeinden oder andere zur Gehaltszahlung verpflichtet sind, so be⸗ t zeichnet das Erweiterte O am wenigsten die Sekten von diesem Reich⸗ tum zehren, daß sie ohne die Erbauungs⸗ bücher 1 die Gotteslieder der evangelis schen Kirche religiös ganz verarmen würden! Ver⸗ giß 3 was für Segen die vielgeschmähte Kirche durch ihre Liebeswerke gestiftet hat und noch stiftet! Es ist doch etwas Großes um eine die Welt umspannende Organisation. Wohin du kommst auf der Erde, du in den evangelischen Gottes shäuse ern ein Stück deiner Heimat. Enden nicht viele Sekten in Finsternis und Irrwahn, in Zer⸗ splitterung und Streit? Wie oft befehden sich die einzelnen Richtungen der Sekten gegenseitig auf das heftigste! Wir stellen nicht den Grundsatz auf, daß außerhalb unserer Kirche kein Heil zu finden sei, wir sind auch nicht blind gegen ihre Fehler, aber wir sagen doch, daß der, der seiner Kirche die Treue bricht, gerade so handelt wie der, der in fremdem Lande seinem Volkstum untreu wird. Man wird berkonsistorium mit Recht die Uebernahme der Organistengehalte auf den Zentralkirchenfonds als nicht an⸗ gängig. Wegen der Mindestsätze hatte das Erweiterte Oberkonsistorium bemerlt: Als Mindestgehalt wäne etwa der Be trag von 450 Mk. bei einmaligem, von 600 Mk. bei zweimaligem Gottesdienst vorzusehen, ein entsprechender Betrag bei einem Mehr oder da findest Weniger an Dienstve e in beson⸗ deren Verhältnissen. Wo der Organist zu⸗ gleich den A abhalte, seien hier⸗ für 5 etwa je 2 Mark vorgese hen, für eine Trauung 5 Mk., für Leitung des Cho⸗ ralge sangs der Schul kinder am Grabe 6 Mk. hatte den Landes⸗ zu diesen Mittei⸗ Das Oberkonsistorium kirchentag aufgefordert, lungen Stellung zu nehmen. Weiter hat der Vorstand des Organistenvereins sich mit einer Eingabe an den een ge⸗ wendet, in der u. a. folgende Beschlüsse der diesjährigen Hauptversamm! 9 mitge⸗ teilt waren: 1. Die Kirchenmusikbeamten 1 sollen fest und unwiderruflich(bei einwand⸗ freier Dienstführung) angestellt werden. 2. Die Gehaltssätze würden bei der Zu⸗ grundelegung des preußischen Besoldungs⸗ gesetzentwurfs und bei 5jährigen Aufrük⸗ kungsfristen in 16 Dienstjahren betragen: bei einem Gottesdienst 600—800 Mk., bei 2 Gottesdiensten 900—1200 Mk., bei drei Gottesdiensten 1200—1600 Mk., dazu Teue⸗ rungszulagen in gleicher Höhe, so daß sich die Gesamtbeträge belaufen würden: bei einem Gottesdienst auf 1200—1600 Mk., bei zwei Gottesdiensten 1800— 2400 Mk., bei drei Gottesdiensten 2400—3200 Mk. Der Landeskirchentag hat sich nach einer nach Form und Inhalt ausgezeichneten Rede des Geheimrats Petersen, deren wesentliche Aus⸗ führungen von Geheimrat Flöring noch⸗ mals unterstrichen wurden, im allgemeinen auf den Standpunkt des Erweiterten Ober⸗ konsistoriums gestellt und den von diesem ausgesprochenen Wunsch geteilt, daß es im Interesse der Kirchenmusikpflege gelingen möchte, durch beiderseits mit Besonnenheit geführte Verhandlungen überall zu einer Einigung zu kommen, hat aber, unter Ab⸗ lehnung eines weitergehenden Antrags des Abgeordneten Schmidt auf Antrag des Abg. Prof. Matthes dem Erweiterten Oberkonsi⸗ storium eine Erhöhung der Mindestsätze, die jedoch, wie ausdrücklich betont wurde, keine Bindung für die Gemeinden enthalten sollen, auf 500 Mk. bzw. 650 Mk. und ferner auch eine entsprechende Erhöhung der weiter, ins⸗ besondere für den Lesegottesdienst, vorge- sehenen Sätze empfohlen. Etwas ausführlicher will ich den uns alle wohl am meisten interessierenden Gegenstand, die Verfassungsfrage, behandeln, über welche infolge der Anregung des Erweiterten Ober⸗ konsistoriums, einen besonderen Verfassungs⸗ ausschuß zu bilden, eingehender gesprochen wurde. Die Besprechung, bei welcher sich ebenso wie bei den anderen vom Landes⸗ kirchentag behandelten Gegenständen eine er⸗ freuliche Uebereinstimmung in allen wesent⸗ lichen Punkten ergab, fand in der Weise statt, daß für die beiden Gruppen der Linken und der Rechten je mehrere Redner, deren Auffassung wohl derjenigen der Mehrheit der Gruppenangehörigen entsprach, das Wort er⸗ griffen, ohne durch ihre Ausführungen die Gruppen in Einzelheiten festzulegen. Er⸗ öffnet wurde die Besprechung durch eine allgemeine, sehr beifällig aufgenommene Rede Professor Schians, deren wesentlicher Inhalt folgender war: Wir wollen keinen vollständigen Neubau, sondern unter Beibe⸗ haltung des bewährten Alten einen den Erfordernissen der neueren Zeit Rechnung tragenden Umbau im Sinne der Schaffung einer wahren Volkskirche, die möglichst allen Wünschen gerecht wird, d. h. einer Kirche, die allen dient und möglichst das ganze Volk umfaßt. Die Bekenntnisfrage darf nicht zum Gegenstand einer Debatte gemacht wer- daß 14— den. An dem Rechtsbestand des Bekennt⸗ nisses soll nichts geändert werden. Doch kommen wir mit einem eng gefaßten Be⸗ kenntnisstandpunkt nicht aus. Das Bekennt⸗ nis muß vielmehr in weitherzigem Sinne genommen werden. Die Kirche muß selb⸗ ständig, frei vom Staate sein, Sinne einer Feindschaft gegen denselben, sondern in dem Sinne, daß sie sich nach ihren eigenen, ihr innewohnenden Gesetzen entwickelt. Diese Selbständigkeit wird wohl dahin führen, daß die Kirche ihren eigenen Aufgaben leichter gerecht werden kann. Für die Auseinandersetzung mit dem Staate kön⸗ nen zur Zeit noch keine ins Einzelne gehende Sätze aufgestellt werden, sie muß jedenfalls in Anlehnung an die Reichsverfassung er⸗ folgen. Mit der seitherigen Haltung der hessischen Regierung kann man einverstanden sein, so daß wir erwarten dürfen, daß auch die künftige Auseinandersetzung den kirch⸗ lichen Interessen Rechnung tragen wird. Die Kirche muß sich frei halten von aller Politik und den politischen Parteien gegen⸗ über neutral bleiben, wie es auch die seit⸗ herige Kirche hat sein wollen, wenn es ihr auch nicht immer geglückt ist. Einem Wunsche nach Schaffung eines besonderen Rechts für die Minderheiten wird man nach badischem Vorbild nicht widerstreben, zumal auch der Dresdener Kirchentag sich in diesem Sinne ausgesprochen hat. Doch muß die Einheitlichkeit in der Kirche jedenfalls ge⸗ wahrt bleiben und die Gesetzgebung in dieser Beziehung daher mit Vorsicht gehandhabt werden. Unser höchster Wunsch muß sein. daß die Meinungsverschiedenheiten sich in einer höheren Einheit, derjenigen des Evan⸗ geliums, wieder versöhnen. Auch auf die Gemeinschaftsbewegung muß Rücksicht ge⸗ nommen werden. Sollte sich die Lage so ge⸗ stalten, daß es zur Erhaltung des Friedens insbesondere zur Vermeidung des Gewissens⸗ zwanges notwendig wird, den sogenannten Parochialzwang zu lockern, so können wir auch daran nicht vorübergehen. Wir hoffen, wir in Hessen eine selbständige und möglichst einheitliche Kirche haben werden, die dem gesamten hessischen Volke dient. (Fortsetzung folgt.) Urgroßtantens Raritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Fortsetzung.) „Heute abend wird Anis gemacht!“ das war die Losung zum Beginn. Wenn Mutter das verkündete, da strahlten wir alle, jung und alt. Jetzt wurde es ernst, und jeder be⸗ eilte sich doppelt mit Schularbeiten, um pünktlich zur Stelle zu sein und mitzuhelfen. Es gab drei Gruppen: die, die rühren muß⸗ ten, die, die ausdrücken und ausschneiden durften, und die, die eigentlich nichts durf⸗ ten. Und gerade diese Gruppe machte meiner Mutter am heißesten, und der Kampf um nicht im 7 ein Stückchen viermal aus⸗ lich angetönt, weißen Guts und unerbitt und mir hin altes Gretche halten durft Daumen gar so oft abgele! wir hinwegg dacht hatte, Zum Ausdi unsre Hilfe unsrer Groß Tante Lui feierlich zum blieb dann n stigen Gewo und gab gu weit war, da gedrückt wer ihr Zimmer alte Holzforr hause stamn Augenblick f uns, die wo dürfen, die verschlossen uns geradesc leimte Wach baums. Tan dem Gesicht 55 Män ieblingsfor sie am größ Der Anis gern hörten erzählen, we auf ihn geb mit einem 7 diesen Hut gen Fracksck und korkzie! einem groß Zwergenfig; gehabt hat. Untertanen, brachte hau seiner Ersc In diesen ein frischer hatte die N lich behand Mann war tiger Lehre lehrte und ein, das w als Jugen lern wurde und stand der Reside Mitbürger ur ein Stich, da daß er die . ekennt⸗ Do en Be⸗ ekennt⸗ (Sinne cht im sselben, nach besetzen wohl eigenen t. Für te kön⸗ ehende enfalls ung er⸗ ig der tanden 5 auch kirch⸗ wird. t aller gegen⸗ e seit⸗ es ihr Einem nderen n nach zumal diesem ß die ls ge⸗ dieser ndhabt , sein. ich in Evan⸗ uf die J ge⸗ so ge⸗ iedens issens⸗ innten u wir offen, und erden, ent. das utter jung r be⸗ um elfen. muß⸗ eiden durf⸗ einer um — 115 ein Stückchen Teig, das schließlich, drei⸗ bis viermal aus⸗ und ungedrückt, etwas schwärz⸗ lich angetönt, zwischen den übrigen blendend weißen Gutselstückchen lag, tobte oft heiß und unerbittlich zwischen Bruder Karlchen und mir hin und her. Rühren mußten unser altes Gretchen und die Mutter. Die Schüssel halten durften wir so lange, bis unsre Daumen gar so sehr hineinhingen und gar so oft abgeleckt werden mußten. Da wurden wir hinweggejagt, weil man uns im Ver⸗ dacht hatte, daß es mit Absicht geschehe. Zum Ausdrücken und Ausschneiden war unsre Hilfe weniger erwünscht, aber die unsrer Großtante Luise umsomehr. Tonte Luise wurde denn auch regelmäßig feierlich zum Anismachen gebeten, und sie blieb dann nach dem Abendessen, ihrer son⸗ stigen Gewohnheit entgegen, bei uns sitzen und gäb gute Ratschläge, bis der Teig so weit war, daß er ausgerollt und in Formen gedrückt werden konnte. Dann ging sie in ihr Zimmer und holte prachtvoll geschnitzte alte Holzformen, die noch aus ihrem Eltern⸗ Beinchen vergaß. Die Bäckerinnung, die öfters Theater spielte, hatte Schillers Räu⸗ ber aufgeführt. Die Heldin des Stückes, das blonde Kätchen, war es, die sein Herz ge⸗ fangen genommen hatte. Das Mädel war wirklich künstlerisch begabt und fühlte wohl die geistige Ueberlegenheit des kleinen Man⸗ nes, der ein geschickter Regisseur war. Sie folgte gern seinen Winken und war seine gelehrige Schülerin, wenn er sich bemühte, das Dilettantenspiel auf eine höhere Stufe der Kunst zu heben. So kam es, daß die beiden Menschenkinder sich fanden und der Kleine ernstlich daran dachte, sich auch einen Hausstand zu gründen. Der Vater Bäcker gab gern seinen Segen, da er wohl wußte, daß Kätchen in ihm einen hochangesehenen Mann mit gutem Auskommen bekam. Die Verlobung war so weit fertig, da hörte unser Schulmeisterlein eines Tages, als es unvermutet früher als gewöhnlich zu seiner Liebsten kam, ein Gespräch zwischen dem Bäckerburschen Konrad, der den Karl Moor gespielt hatte, und seiner Amalia. Der Räu⸗ hause stammten. Jedes Jahr war dieser Augenblick für uns ein Fest. Wir freuten uns, die wohlbekannten Stücke angreifen zu dürfen, die sonst nur feierlich hinter Glas verschlossen standen. Unser Anismann war uns geradeso teuer wie der schon öfters ge⸗ leimte Wachsengel an der Spitze des Christ⸗ baums. Tante Luise freute sich mit uns an dem Gesichtsausdruck des kleinen gnomen⸗ 55 Männleins, das auch deshalb die ieblingsform der Kinder darstellte, weil sie am größten war. Der Anismann hatte wirklich gelebt, und gern hörten wir die Großtante von ihm erzählen, wenn beim Konfektmachen die Rede auf ihn gebracht wurde. Er war dargestellt mit einem Dreimaster oder, wie Tante Luise biesen Hut nannte, einem Schockelgaul, lan⸗ gen Frackschößen, enganliegenden Kniehosen und korkzieherartig gedrehten Beinchen und einem großen Spazierstock— eine groteske Zwergenfigur, die er auch in Wirklichkeit gehabt hat. Der stete Widerstreit mit seinen Untertanen, die anders wollten als er, brachte hauptsächlich die komische Wirkung seiner Erscheinung hervor. In diesem elenden Körperchen wohnte aber ein frischer, reger und witziger Geist. Hier hatte die Natur den Zwerg nicht stiefmütter⸗ lich behandelt; im Gegenteil, der kleine Mann war ein gescheiter Mensch und tüch⸗ tiger Lehrer. Er liebte die Kinder, die er lehrte und ging bei jedem auf seine Eigenart ein, das war das Geheimnis seiner Erfolge als Jugenderzieher. Bei Eltern und Schü⸗ lern wurde er deshalb geliebt und verehrt und stand trotz seiner Zwergengestalt in der Residenz hoch im Ansehen bei seinen Mitbürgern. Nur einmal ließ ihn seine Klugheit im Stich, da hatte ihn die Liebe blind gemacht, berhauptmann machte ihr die schrecklichste Eifersuchtsszene und verlangte, sie solle den elenden Krüppel laufen lassen und ihm fol⸗ gen, dem sie feierlich auf der Bühne Treue geschworen habe. Kätchen widerstrebte erst und erklärte das Theaterspiel für Scherz, sie trat für ihren Zukünftigen ein, unter dessen Leitung sie eine gefeierte Künstlerin zu wer⸗ den hoffe. Schließlich siegte aber der statt⸗ liche Konrad mit seiner Ueberredungskunst, und das ungetreue Kätchen sank als treue Amalia ihrem Karl in die Arme. Der arme Verwachsene hatte alles mit angehört. Er faßte seinen Stock und wollte voll Wut dazwischen schlagen, vergaß aber die Tücke seines Untergestells und fiel über seine eigenen Beinchen zwischen die beiden Liebesleute auf den Boden. Ein gehöriges Horn an der Stirn erinnerte ihn neben den Seelenschmerzen auch äußerlich noch tage⸗ lang an die Ungetreue. Aus seiner Verlobung wurde nun natür⸗ lich nichts. Das blonde Kätchen mußte aber seine Treulosigkeit bitter büßen. In Elend und Not ließ sie der Bäckerbursche sitzen und folgte einer fahrenden Schauspielertruppe. Die Bäckerei des Vaters ging infolge allerlei Mißgeschicks immer mehr zurück, so daß Kätchen mit Nähen Geld verdienen mußte, um sich und ihr Kind zu ernähren. Und als die Not einmal am allergrößten war, da soll der Geldbriefträger, zweihundert Gulden gebracht haben.„Für Kätchen“ war dabei geschrieben. Das junge Weib, das die Hand⸗ schrift wohl kannte, weinte bitterlich. Das ist die Geschichte unsers Anismanns, als er freien wollte. Hinfort ließ er es sein und fand sich damit ab, allein durchs Leben zu kraxeln. Seine einzige Liebe war von jetzt ab die Wissenschaft und seine Schüler. Die ganze Stadt vergalt ihm dies durch die daß er die Wirklichkeit und seine krummen größte Anhänglichkeit, und so wurde er schließlich in Holz geschnitzt und vor lauter Liebe aufgegessen. „Als Anisgebackenes,“ setzte Tante Luise schnell hinzu, als sie unsre verblüfften Ge⸗ sichter sah. 14. Der Hirschdukaten. „Durch die Dukaten ward' ich verraten,“ so lasen wir mühsam auf der alten Gold⸗ münze, die uns die Großtante heute zeigte. „Das ist ein Hirschdukaten,“ erklärte sie uns und deutete auf das Bildnis des Hirschen, das auf der andern Seite geprägt war. Den Hirschdukaten erhielten vor Jahren die Jäger vom Landgrafen, wenn sie ihm den Stand oder Wechsel eines Hirschen aus⸗ gemacht hatten. Diesen hier hat sich euer Urahn auf ganz absonderliche Art erworben. So steht's in einem alten Büchlein geschrie⸗ ben, und da wird es wohl auch wahr sein. Der Ururgroßvater, das war ein einfacher Geißbub, der im Sommer seine Geißen hütete und auch im Winter, obgleich er eigentlich mußte, nicht oft zur Schule ging. — 116— Des landgräflichen Leibschützen und Wald⸗ 4 hüters rs Kind war ein liebliches Ding, blonde Zöpfe und dunkle Kirschenaugen, die hell in die Welt schauten, zierlich wie ein Rehlein und flink wie ein Wiesel. Als älteste von sechs Geschwistern half sie schon früh ihrer Mutter, wo sie nur konnte, und bemutterte nebenher den großen Freund und die kleinen Geschwister, ohne daß er es selbst recht wußte. Als die Kinder aus der Schule kamen und eingesegnet waren, da wurde die Sache nicht einem Bauern verdingen und war dort bald wegen seiner starken Arme auch geschätzt im übrigen aber, weil er sich nichts sagen ließ und sich oft stundenlang im Walde her⸗ umtrieb, wenig beliebt und mißtrauisch be⸗ krittelt. (Fortsetzung folgt.) Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 25. Juli(8. nach Trinitatis), In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, Den Wissenschaften blieb er sein Lebtag ab⸗ hold, aber in andern Sachen, da wußte er verdächtig gut Bescheid. Der Vater war früh gestorben, die arme Witwe mußte stramm verdienen, um sich und den Jungen durchzubringen. So war sich der Bub viel selbst überlassen, was ihn aber wenig küm⸗ merte. Er fand wußte in Wald und Flur sich zu vergnügen und seine Geißen waren seine besten Freunde. Er kannte in der Nähe des Dorfes jeden Baum und Strauch, jedes Nest darauf und fand die Spur von Hirsch und Reh, Fuchs und Marder, ohne daß es ihn jemand ge⸗ lehrt hatte. Waldläufer nannten ihn die Buben im Dorf, aber nur heimlich hinter seinem schon Unterhaltung. Er zugleich Christenlehre für die Neukonfir⸗ mierten aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becker.— Vormittags 9½, ¾ Uhr: Pfarrer Mahr, Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Matthäus⸗ und Markus⸗ gemeinde. Die Gemeindepfarrer erbitten vorherige Anmeldung. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausseld.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vorm. 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer.— Abends 8 Uhr: Bibelbe⸗ sprechung im Johannessaal: Pfarrassistent Ramge. * Rücken; denn er war ein starker Bursche, und Händel suchte deshalb so leicht keiner mit ihm. In der Schule freilich, da ging es ihm schlecht, und deshalb blieb er weg, wann er nur konnte. Die kleine Christel, die half ihm manchmal, wenn er sinnierend vor der Schiefertafel saß und nicht weiter wußte. Die war die einzige im Dorf, die den Wald⸗ läufer leiden mochte; sie war eben auch ein Waldkind und freute sich, wenn er die Vogelstimmen so täuschend nachahmte, daß die kleinen gefiederten Gesellen Antwort ga⸗ ben, oder wenn er Flöten schnitzte oder was dergleichen Künste mehr waren. Die kleine Christel umgekehrt imponierte dem großen Burschen gar sehr, wenn in dem blonden Köpfchen das Einmaleins so fest saß, daß hurtig die Lösung der schwie⸗ rigsten Aufgaben auf der Schiefertafel zu lesen war. Er stand dann daneben, die Fäuste männlich in die Hosentaschen vergraben, und blies verlegen die Backen auf, was soviel heißen sollte, als„Ja, wenn ich nur wollte, so könnte ich's auch!“ Evangelischer Arbeiterverein. Sonntag den 25. Juli Tagesausflug nach Groß-Rechtenbach mit Abkochen. Führung Herr Arnold. Abmarsch: 8 Uhr Ecke Liebig⸗ straße und Frankfurter Straße(Eisenbahn⸗ übergang). Knaben und Mädchen im Alter von 10 Jahren, die beim Gartenfest bei der Aufführung eines Reigens mitwirken wollen, müssen sich umgehend beim Vor⸗ sitzenden, Schiffenberger Weg 16, melden. * Wartburg⸗ Verein. Sonntag den 25. Juli Beteiligung und Besuch der Reichsjugendkämpfe der Gießener Turn⸗ und Spielvereinigung.— Dienstag abends 8 Uhr: Singstunde des Sopran des Donnerstag den 29. Juli abends 8½ Uhr Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buck- und Steindrucherel R. Lange, Gießen. gem. Chors im Markussaal, Kirchstr. 9.— im Heim, Diezstr. 15, Vortrag:„Erlebnisse viel anders. Der Waldläufer mußte sich bei ——— in französischer Kriegsgefangenschast, drei⸗ 6 malige Fluchtversuche usw.“: Herr Auerbach. Unser Vi schwere Schi Zeit vom e Friede von bis zu dies Demütigun gewesen, ni lichen. Hu gingen hol deutsche Ve der Natione stützte, ist n geworden u sten ameri hungernden hilfe geleis auf einer über einen jedem Schi werde. 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