4 g + elebung Volke tglieder itglied⸗ N Ehren⸗ 1 Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen 0 Nr. 346 Gießen, 25. Sonnt. n. Trinitatis, den 2J. Nopbr. 1920 9. Jahrg. 10 Eine Stunde heiliger Stille. 0 Dann erst kann eine richtige Feier sich nden Von D. Karl Hesselbacher. gestalten: eine Erhebung des Innern über 5 5 5: das Vergängliche ibenden. S i Eine Stunde heitiger Stille! Wir machen es 1 1 Ai u e unsere Tür zu und lassen den Lärm und 5 ö die Augen des neugierigen Tages draußen. e en 1 0 Mis en nitatis. Die lieben Gestalten, die von uns gegangen des Trostes in 135 Seele daß die Bünde 5 Uhr: n vor uns auf und sind uns Liebe ewig sind!“ Das ist doch das größte, cler Eine Feier voller Wehmut. Aber doch gestorhen 1 1 95 10 885 8 Uhr: nicht bioß der Wehmut! Wenigstens nicht storben!“ Darin liegt die Ueberwindung iblichen einer Wehmut, die in Rührseligkeit und alles Abschieds von den Liebsten der Erde onners⸗ Schmerzgefühlen zerfließt. Die ist ungesund daß Menschen innerlich eins bleiben, wenn nmlung und wertlos. Wer sein Schicksal mit Tränen sie auch einander nicht mehr mit irdischen ing der begießt, bleibt ein armer Mensch. Aber Augen sehen. Wie wunderbar ist diese Er⸗ al.— unsere Schicksale sind dazu da. daß sie uns fahrung, daß wir einander haben, wiewohl 8 Uhr: zum Charakter hämmern. Darum hat die wir getrennt sind! Wer dies einmal mit be⸗ Mat⸗ Stunde der Totenfeier, wenn sie recht und glückter Seele durchlebt hat, dem muß doch 5 ist, mehr in sich als ein bloßes ein Leuchten aus einer unsichtbaren Welt 5 Trauern. über die dunke e strahlt habe 2 Uhr: Sie muß eine Stunde der inneren Besin⸗ über die dunkeln Erdenaugen gestrahlt haben, 11 Uhr: 5 5 und die Stunde, in der wir der Toten ge⸗ 12 0 1 N 7 N 5 N 8 Pfarrer ee e ee. 1 denen, wird zur Feier ihrer stillen und Pfarrer 9. 9 r, starken Gegenwart. rechung wie das ernste Gedenken an einen Entschslafe⸗ Mon- nen eine weihende Kraft in sich trägt? Sind f f 1. 8 1 5 nicht das die großen Stunden in der Welt⸗ Geschichten und Bilder 9 85 AltGießen. 5 iiblichen geschichte gewesen, in denen ein Starker 26. A us alten Anzeigebl ättern. tag den vor das Bild eines Starken trat, um sich Von Hein rich Hochstätter sen. Gere von ihm spornen und treiben zu lassen?(Schluß.) „Mit deinem Bild in der Seele will ich die Jugend Welt gewinnen“— davon müßte doch auch Interessant ist es auch, aus den Blättern unser Inneres gefaßt werden, wenn das zu erfahren, daß zu jener Zeit in den Ge⸗ „Nach⸗ Anden 0 1 1 5 5 Vater markungen Großen⸗Linden und Lollar, in 2 Andenken an den heimgegangenen ater* 5 7785 12 9 2 Pfarrer N 2 Fiieht Das f i einem Mat⸗ der letzteren zwischen Hangelstein und dem 0 vor uns aufsteht. Das ist bei einem Mat⸗ liarer kopf Torfarnbei betenden ab thias Claudius das Rührende, wie durch Follarer Kopf, Torsgruben e Sonn⸗ seine besten Werke das Gesicht des Vaters Der gewonnene Torf wurde zum Teil einer tr. 15 schaut. In seiner unvergeßlichen Erklärung Versteigerung ausgesetzt, zum Teil aus der i e erk das Tausend zu 1 fl. des Vaterunsers:„Da denke ich meines Hand verkauft und das Tauf 3 5 Vaters, wie ber so gut war und so gerne 45 Kr. abgegeben. Dieses Brennmaterial ds 8½ 5 te,“ leuchtet über dem Bild des muß jedoch in der Stadt keinen besonderen a ertrag: derflüben Vaters wie eine wunderbare Anklang gefunden haben, ich kann mich h will⸗ Sonne Gottes heiliges Herz. Und wer einen wenigstens nicht erinnern, daß bis zur Ein⸗ nlichen Vater gehabt hat, aus dem das Beste, fuhr der Steinkohlen etwas anderes als zu un⸗ Reinste und Tiefste des eigenen Lebens Holz oder Braunkohlen zu Heizungszwecken n stammt, der kann eine solche Stunde des benutzt worden ist. 1 a ür das Andenkens an ihn nicht durchleben, ohne Die Zahl der Anzeigen in der Rubrik es am von der Frage durchschauert zu werden:„Feilgebotenes“ ist seit 1834 gestiegen, und tfindet,„Bin ich seiner wert geworden? Wenn er man merkt, daß das Geschäftsleben sich all⸗ Emp⸗ jetzt vor mir stände und die Werke meiner mählich zu entwickeln beginnt. Einige neue te Kar⸗ Hand betrachtete, würde sein liebes Lächeln Geschäfte sind entstanden und für den Ver⸗ über sein Gesicht ziehen:„Bist halt mein kauf, der sich bisher zumeist im Hausehrn . Kind!“ oder würde er mit Wehmut sich ab⸗(Hausflur) an einem Ladentisch oder besten⸗ 8 eim wenden:„Warum hast du dich so weit ver⸗ falls in einer geeigneten Stube abwickelte, Hickel⸗ loren?“ Das Andenken an die Toten ist werden hie und da schon kleine Läden ein⸗ neren eine Gewissensfrage!„Habe ich das Recht, gerichtet. Während man früher die Waren, um sie zu trauern, weil ihr Leben ein die man feilbot, einfach neben die Haustüre rucberel Stück meines Lebens geblieben ist?“ stellte oder sie hinter den Fensterscheiben oder in vorgehängten Schaukästen zu zeigen Außerdem bestand hier eine Konzertgesell⸗ pflegte, können sie jetzt in neugebauten Läden schaft, der ein Herr von Preuschen vorstand. ausgestellt werden. Aus den„Kirchlichen Anzeigen“ ist als Das Anzeigeblatt benutzen hauptsächlich bemerkenswert hervorzuheben: An Stelle H. Lüdeking am Kreuz, der Münch ner Bal⸗ des Geheimen Kirchenrates Dr. Palmer, der sam und doppelt kölnisches Wasser emp⸗ im Juli 1838 gestorben war, ist Kirchenrat fiehlt, ferner ist ihm der Alleinverkauf von Dr. Engel als erster Stadtpfarrer getreten, Stahlfedern aus einer Fabrik übertragen worden, welche dieselben aus einer neu⸗ erfundenen Masse herstellt. Hierzu sei be⸗ merkt, daß das Schreiben mit Stahlfedern im Jahre 1840 noch nicht üblich war, in den Schulen wurde es erst etwa 10 Jahre später erlaubt, weil die Lehrer glaubten, nur der Gänsekiel sei imstande, dem Schüler eine leichte Hand zu bewahren. Es folgen dann wiederholt Empfehlungen von L. Jah⸗ veis am Markt, J. G. Appel auf der Mäus⸗ burg, M.& S. Arnstein in der Sonne, H. Heichelheim's Witwe auf dem Linden⸗ platz, Carl Frech am Markt, C. Silbereisen am Seltersweg, Geschwister Kaufmann Worms und Jakob Kaufmann Worms Witwe auf dem Kirchenplatz, J. Balthasar Noll auf der Mäusburg, L. Fr. Semmler am Wallthor, Fr. Wissig am Asterweg und Daniel Wirth in der Neustadt, der ein Lager von Eisengußwaaren und Dielen unterhält. Am fleißigsten von allen benutzt jedoch M. Heß das Anzeigeblatt, der in⸗ zwischen sein Geschüft vom Asterweg nach dem Lindenplatz verlegt hat(Ecke der Wall⸗ torstraße und der Wetzsteingasse). Dort gab er demselben ein schon etwas moderneres Aussehen und richtete darin einen Laden her. In den Empfehlungsanzeigen gibt er seinen Modeärtikeln der Zeit entsprechend fast nur französische oder englische Bezeich⸗ mungen. Er war auch der erste, der hier sogenannte Warenausverkäufe veranstaltete, und wenn er einen solchen ins Werk gesetzt hatte, dann drückten sich die Leute in dem engen Lädchen und brachten gewöhnlich mit den eingekauften Waren einige interessante Neuigkeiten oder witzige Erzählungen mit mach Hause, womit die Kundschaft beim Ein⸗ kauf unterhalten wurde. Zu der Zeit bestanden hier noch zwei andere Ge⸗ schäfte, deren Inhaber den gleichen Fa⸗ miliennamen führten. In solchen Fällen 2 wußte nun der derbe Altgießener Humor sich leicht zu helfen, er belegte die Betreffen⸗ den mit Beinamen, die jede Verwechflung mit einem anderen ausschlossen. Für Unterhaltung und Vergnügen war hinreichend gesorgt, in den meisten Num⸗ mern ist irgendwo in der Stadt oder in der Umgebung, wie Busch'schen Garten, Schiffen⸗ berg, Hardthof, Badenburg, Wieseck usw. Tanz⸗ oder Harmoniemusik angezeigt. Ferner gab der Theaterdirektor August Friese alljährlich Vorstellungen im alten Zeughaus am Brand. Sein Spielplan war nach den Anzeigen zu urteilen, recht viel⸗ seitig, und in seiner Gesellschaft sollen sich einige ganz tüchtige Kräfte befunden haben. gleichen und Pfarrer Bonhard war zum zweiten Stadtpfarrer ernannt. Die Geburts⸗ und Sterbetage bei Getauften und Beerdigten werden jetzt angegeben. In der Nummer vom 5. September 1840 ist angezeigt, daß dem Bürger und Knopfmachermeister Jo⸗ hannes Kattrein dahier am 29. Juli ein Sohn geboren sei, der am 20. August auf die Namen Ludwig Ernst Christian Emil getauft wurde. Dieser Täufling von damals lebt heute noch als Achtzigjähriger gesund und geistesfrisch in unserer Mitte. In der Woche vom 7. bis 15. August haben nicht weniger als zehn Beerdigungen stattgefunden und nur eine Taufe. Die weitüberwiegenden Sterbefälle dauern bis in den Oktober an, es wird daher eine von den gefürchteten Typhusepidemien geherrscht haben, die sich gewöhnlich zur Herbstzeit einstellten. In der Nummer vom 29. August sind neben den kirchlichen Anzeigen der evangelischen Ge⸗ meinde auch die der katholischen Gemeinde bekanntgegeben. Wie der Pfarrer Hartnagel weiter bekanntgibt, soll vom 13. September ab nunmehr regelmäßig jeden Sonntag Gottesdienst in der neuerbauten katholi⸗ schen Kirche abgehalten werden. Mit der Auslese von interessanten und bemerkenswerten Anzeigen aus den alten Blättern mag es jetzt sein Bewenden haben, aus dem bereits Gebrachten läßt sich schon erkennen, wie die Leute vor etwa 80 Jah⸗ ren trotz aller Entbehrungen sehr einfach und sparsam, aber doch glücklich gelebt haben, und im Hinblick auf diese Zeit wird das Schwere, das wir während der langen Kriegsdauer zu ertragen hatten und das wir jetzt noch bei der furchtbaren Teuerung durchleben, uns leichter aufrechterhalten, in der Hoffnung, daß auch wieder bessere Zu⸗ stände kommen und kommen müssen, da nichts auf Erden ewigen Bestand hat. Nachschrift der Redaktion. Zu dem Kapitel„Alte Gießener Anzeigeblätter“ sendet uns Herr Postsekretär Klemmrath eine interessante Zuschrift. In den 60er und 70er Jahren(wohl auch schon früher) war es üblich, daß die Brühl'sche Druckerei für die Familien, deren Kinder in dem Blatte als getauft angeführt wurden, einen Sonderdruck in besonderem Papier herstellte. Die Nach⸗ richt über die stattgehabte Taufe war hier mit Goldbuchstaben gedruckt. Herr Klemm⸗ rath sendet uns einen Sonderdruck der Nummer 55 des Jahrgangs 1868, in der sein am 16. April dieses Jahres geborener Vater Ludwig Ferdinand Christian Hermann Klemmrath, Sohn des Bäckermeisters Hein⸗ rich Klemmrath, als am 3. Mai getauft ge⸗ nannt wir rotem Pa auch dazu folge behö standesam werden. D erfuhr me Bekannten wegte, und Frauen sol kam, zue Standesan noch, daß ten Täufli wie sein schon im Neuenweg schäftsnachf einen Neul Ein Aus dem d. R. Land 6. Jan mein Volll schon recht noch nicht! begaben wi aber ich ko Unruhe. D schweren G unser Häus gann später Insanteriese ich die Na habe bei der Russen ve einen Dur Stiefel, Me schnallt dan durch den kungshaus. wir schossen kugeln aufst sattelt, alle um für jede Um 11 U der Russen aber doch e Nacht über aber zaum weiter gesch immer fur wanderte ich haus und se ich gefrühstü achtungsstell nicht schießen den Truppen rungen habe Russen sich zurückziehen weiter vor, einer anderen tgesell⸗ rstand. ist als Stelle el, Der chenrat treten, zweiten „ und rdigten ummer jt, daß r Jo⸗ tli ein ust auf Emil damals gesund In der u nicht funden genden ber an, chteten bie sich In der en den n Ge⸗ meinde rtnagel tember onntag atholi⸗ n und alten haben, schon ) Jah⸗ einfach haben, rd das langen as wir uerung ten, in re Zu⸗ n. Zu lätter“ umrath her und erdruck Nach⸗ ar hier klemm⸗ ick der in der borener rmann Hein⸗ uft ge⸗ 1 nannt wird. Dieses Exemplar ist auf rosa⸗ rotem Papier gedruckt, oft verwendete man auch dazu grünes Papier. Heute dürfen in⸗ folge behördlicher Verbote in den Zeitungen standesamtliche Notizen nicht mehr gebracht werden. Das ist recht zu bedauern. Früher erfuhr man doch, was die Familien des Bekanntenkreises in Freud und Leid be⸗ wegte, und einer nahm am andern Anteil. Frauen sollen, wenn Samstags die Zeitung kam, zuerst nach den Mitteilungen des Standesamtes gesehen haben.— Bemerkt sei noch, daß das Elternhaus des hier genann⸗ ten Täuflings— Ludwig Klemmrath war wie sein Vater, Bäckermeister, und starb schon im Alter von 24 Jahren sich im Neuenweg befand, an der Stelle, wo der Ge⸗ schäftsnachfolger, Herr Bäckermeister Deibel, einen Neubau errichtet hat. Ein Winter an der Bzura. Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns (Fortsetzung.) 6. Januar 1915. Ich sehe gut aus mein Vollbart hat sich in den drei Wochen schon recht gut gemacht. Meine Nerven sind noch nicht ganz auf der Höhe. Gestern abend begaben wir uns um ½10 Uhr zur Ruhe, aber ich konnte nicht einschlafen, war voll Unruhe. Die hinter unserm Dorf stehenden schweren Geschütze feuerten dauernd, so daß unser Häuschen immerzu erbebte. Auch be⸗ gann später ununterbrochenes Knattern von Ignfanterieschnellfeuer. Um 10 Uhr erhielt ich die Nachricht, eine Kavalleriepatronille habe bei der Beobachtungsstelle gemeldet, die Russen versuchten vor unserer Stellung einen Durchbruch. Schnell in die hohen Stiefel, Mantel an, Helm auf und umge⸗ schnallt dann stapfte ich mit Leutnant Thüre durch den Schnee nach unserem Beobach⸗ vir schossen auch, die Russen ließen Leucht⸗ kugeln aufsteigen. Unsere Pferde waren ge⸗ sattelt, alles war in Eile verpackt worden, um für jeden Fall bereit zu sein. Um 11 Uhr wurde gemeldet, der Angriff der Russen sei zurückgeschlagen. Da die Lage ein aber doch etwas heikel war, blieb ich die 8 8 8 5 g nachts d. R. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. 13 83„ 0 8. Januar 1915. Gestern hatten wir uns. Der Sturm, der die Tage vorher ge⸗ wütet, hatte sich gelegt, die Luft war rein und gut. In der Nacht trat aber leider Tauwetter ein und heute regnet es wieder. In den letzten Tagen ist es ziemlich ruhig hier; aber nachts ist meist eine arge Schieße⸗ rei, was dem Schlaf nicht gerade förder⸗ lich ist. Bei meiner Rückkehr in unser Wohnhaus fand ich zu meiner großen Freude eine Anzahl Postsachen vor, darunter liebe Neu⸗ jahrsgrüße und ⸗wünsche von Mutter und Geschwistern: Hedwigs Brief hatte ich mir für zuletzt aufgehoben; er riß mich jäh aus meiner frohen Stimmung; denn er ent⸗ hielt die Nachricht, daß mein Schwager Adolf Zinßer, mit dem ich mich sehr gut verstand, am 30. Dezember gestorben ist. Ich bin aufs tiefste erschüttert. 10. Januar 1915. Wir müssen häufig feuern. Schon zweimal mußte ich nachts, da ein feindlicher Angriff gemeldet wur e, in das Beobachtungshaus hinüber⸗ geheß wo ich dann bis zum Morgen blieb. Heute ist in den Stellungen des Feindes und in dem Hintergelände keinerlei Be⸗ wegung zu sehen. Bei dem kalten Wetter ist das Beobachten im Freien keine reine Freude, und wir lösen einander öfters ab, um uns im Zimmer wieder zu wärmen. Rittmeister Freyer und Rittmeister Rein⸗ hard vom Reserve⸗Dragonerregiment Nr. 4, die nicht weit hinter unserer Feuerstellung in gemütlichen Häuschen wohnen und fast gar keine Beschäftigung haben, besuchen uns oft, um etwas Unterhaltung zu haben, in unserem Beobachtungshause Auch besuchen wir uns gegenseitig zum Kaffee, Mittag⸗ oder Abendessen, wobei es immer sehr ge⸗ mütlich ist. Nur der Heimweg von ihrer 1 Wohnung über Sturzäcker mit vielen Granat⸗ tungshaus. Es herrschte ein tüchtiger Lärm, löchern ist für mich bei Dunkelheit sehr un⸗ angenehm, da ich nachtblind bin. Die Ruhe auf dem Gefechtsfeld wird allmählich unheimlich. Aber es regt sich nichts bei dem Feind. Auf unserer Seite laufen Infanteristen im Gelände herum, in Zug Feldküchen, weithin sich vom Schnee abhebend, fährt langsam nach den Nacht über im Beobachtungshaus, konnte vorderen Stellungen, einzelne Reiter über⸗ aber kaum zum Schlafen kommen, da noch bringen. Meldungen. Nichts stört dieses fried⸗ weiter geschossen wurde und die Leute im liche Bild. Wie anders war es im Westen. Zimmer furchtbar schnarchten. Um 6 Uhr Da wurde auf jeden, der sich blicken ließ, wanderte ich recht müde zu unserm Wohn⸗ sofort in unfreundschaftlichster Weise mit wieder eine herrliche Winterlandschaft vor 1 zurückziehen. ur u r 25 5 9 weiter vor, und die Sache fängt wieder in licher Tag im Krieg. Aber wie bald kann baus und schlief dort noch etwas. Nachdem Schrapnells oder Granaten geschossen. End⸗ ich gefrühstückt 9515 ich 1 an die Beob⸗ lich um 2 Uhr entdeckt Leutnant Thüre achtungsstelle. Da es neblig ist, können wir schanzende Russen, in den Gräben jenseits nicht schießen. Die rechts von uns kämpfen⸗ der Bzura. Wir beunruhigen sie durch Gra⸗ den Truppen sollen gestern gute Erfolge er- natfeuer. Dann wird es in kurzer Zeit so zungen haben, da ist zu hoffen, daß die dunstig, daß die Beobachtung aufhört. Bald Russen sich aus ihren letzigen Stellungen wird es dunkel werden, und wir können in müssen. Dann müßten wir unser Wohnhaus zurückkehren. Ein fried⸗ einer anderen Stellung von vorn an. sich das Bild ändern. Daran gemahnen uns . mwa—ͤ P r 2 — — 180 Pfarrer Becker.— Abends 5 Uhr: Pfarrer drei Gräber deutscher Soldaten, auf die der Blick beim Verlassen des Beobachtungs- hauses fällt. Die Helme ruhen auf den Gräbern; drei einfache Holzkreuze, ein Christbäumchen und bunte Papierblumen sind der Schmuck der Ruhestätte unserer Ka⸗ meraden. 11. Januar 1915. Bei schönem Wetter ging ich gegen Abend zum Gut Swarozin zurück, wo ich meinen Freund, Oberleutnant Schmitt(Staatsanwalt in Gießen) besuchte. Er ist vor einigen Tagen nach völliger Wiederherstellung von seiner Verwundung wieder herausgekommen und führt zur Zeit ein Bataillon beim In⸗ fanterieregiment Nr. 168. 12. Januar 1915. Auf 7 Uhr früh habe ich mir mein Pferd bestellt, um mit meinem Burschen, Matthes, nach Lowicz zu reiten. Gerade vor meiner Abreise von Darmstadt bekam ich an einem Zahn hef⸗ tige Schmerzen. Der Zahnarzt öffnete ihn, konnte ihn aber, da eine Entzündung vor⸗ handen war, nicht füllen. In Gnesen war ich dann auch in zahnärztlicher Behand⸗ lung; doch konnte auch hier, da die Ent⸗ zündung nicht behoben war, der Zahn nicht gefüllt werden. Nun will ich in Lowicz einen Feldzahnarzt aufsuchen. 8 (Fortsetzung folgt.) Uleine Mitteilungen. Bei unseren Beerdigungsfeiern in der Neuen Friedhofskapelle machen sich mitunter Mißstände bemerkbar, zu deren Abstellung wir am Totensonntage wohl auffordern dür⸗ fen. Zunächst sei darum gebeten, daß die Teilnehmer doch die Leidtragenden beim Herausgehen aus der Kapelle durchlassen mögen. In der Regel staut sich die ganze Teilnehmerschar auf der Treppe, und nie⸗ mand denkt daran, den Hinterbliebenen Durchlaß zu gewähren. Sodann sind ein wirklicher Mißstand die gewaltig hohen Särge. Sie sind oft so hoch, daß der Geist⸗ liche hinter ihnen wie hinter einer Wand ganz verschwindet und naturgemäß in der Kapelle, die ohnedies so große Schwierig⸗ keiten in akustischer Beziehung hat, nicht verstanden wird. Oft werden, um diese Schwierigkeit noch zu erhöhen, Kränze auf den Sarg gelegt oder der Ausblick vom Altar nach der Kapelle durch gärtnerischen Schmuck ganz verbaut. Kirchliche Anzeigen. (Trauerfeier für die Gefallenen.) Sonntag den 21. November. Totensonntag. Kollekte für die Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Krieg Gefallenen. In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Becker.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Mahr.— Montag den 22. November, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmier⸗ ten männlichen Jugend der Matthäus⸗ gemeinde.— Dienstag den 23. November, nachmittags 4 Uhr: Frauenmissionsverein. —. Donnerstag den 25. November, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib⸗ lichen Jugend der Matthäusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 9 Uhr: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde Pfarrassistent Ramge.— Abends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends ½8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde im Jo⸗ hannessaal.— Montag den 22. November, abends ½8 Uhr: Vereinigung der konfir⸗ mierten männlichen Jugend der Lukas⸗ gemeinde im Lukassaal. Kapelle des alten Friedhofs. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrassistent Ramge. a Neuer Friedhof. Vormittags 11 ¼ Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Ausfeld. Sonntagsverein für mädchen. Jeden Sonn⸗ tag nachmittag Zusammenkunft Diezstr. 151. d Wartburg⸗Verein. Sonntag den 21. November, morgens 9½% Uhr: Gemeinschaftlicher Kirchgang (Stadtkirche). Nachmittags 2 Uhr: Zukam⸗ menkunft im Heim. Abends 8¼ Uhr: Diez⸗ straße 15, Vortrag: Herr Pfarrer Becker. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Karten für unsere aktiven Mitglieder für das große Konzert am 25. November in der Aula nur an den Vereinsabenden im Heim ausgegeben werden. Abends an der Kasse volle Preise. Evang. Arbeiterverein. Sonntag den 21. Nov., 9½ Uhr: Gemein⸗ schafllicher Kirchgang(Johanneskirche).— Karten zu dem am Sonntag den 28. d. M. im Gewerbehaus stattfindende Unterhal⸗ tungsabend für Kinder sind für 30 Pf. bei Herrn P. Bingel, Schreibwarenhändler, Lindenplatz zu haben.— Der erste Vortrags⸗ abend findet am 5. Dezember statt, und zwar wird Herr Kaufmann Scholz über Gesund⸗ heitspflege in der Familie sprechen.— Wir machen unsere Mitglieder auf den am Mon⸗ tag abend 8 Uhr im Hotel Einhorn statt⸗ findenden Vortrag über Geschlechtskrank⸗ heiten aufmerksam.— Herr Pfarrer Sattler⸗ Wieseck wird am Montag abend 8 Uhr im „Schipkapaß“ für die Volkskirchliche Ar⸗ beitsgemeinschaft über das Thema„Die Mit⸗ arbeit der Laien in der Gemeinde“ sprechen. Um rege Beteiligung und Besuch des Vor⸗ trages wird herzlich gebeten. Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag'der Brühl'schen Untverfstäts⸗Bucke und Steindrucherei R. Lange, Gießen. Von Ger 2. Petri 3 Hime seiner tigkei Advent auch in unserm 5 sonst allen Ueberzeug die Weltg hat? Es weis dafü gegen viel Entartung nisvollen nunft und strahlte zu Chaos des Glauben a Heil für a eines unbe unermeßlie der Anfär Gewißheit, wird, daß im Sande und Nieder letzten Adr Freilich christliche wöhnlichen der ganzen auf Erden der Geschich des Völkerf verteilung, Kämpfe, h bensproben. welche die zersprengt, einen neue in welchen müssen We wachsen un einander sti reifen die und die E fortschreiten üge und T faltigkeit u im Mensck Menschliche