ießen der deutschen ten statt, igelischen esent⸗ 1d: Die iche und der Re⸗ Die Ta⸗ ium und em noch Kirchen⸗ en. rinitatis. istenlehre Markus⸗ c. Mahr. atthäus⸗ Christen⸗ aus der imge.— Kinder⸗ r. Bech⸗ Bibelbe⸗ Becker. Uhr, im sikalische Lehrer id. phil. d, Mär⸗ uni ver⸗ dammer⸗ ngewinn wurden: Mk., an 20 Mk, 30 Mk., 50 Mk. ung und hen.— nds bei⸗ n Aus⸗ er Weise en Pro⸗ fern an n. hr: Ge⸗ (Stadt⸗ ndruckerei onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Er 28 Gießen, 7. Sonnt. n. Trinitatis, den 18. Juli 1920 9. Jahrg. Ein ernster Erinnerungstag. Röm. 12, 12. Seid fröhlich in Hoffnung geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet! Der 19. Juli ist für uns ein ernster Er⸗ innerungstag. An diesem Tage ist ein halbes Jahrhundert verflossen, seitdem die fran⸗ zösische Kriegserklärung in Berlin anlangte und die politischen Ereignisse herbeiführte, die Deutschland geeinigt und zum ersten Volke Europas gemacht haben. 1895 haben wir die Kriegsgedächtnisfeier mit reiner Begeisterung gefeiert. Am Jahrestage der Schlacht bei Gravelotte strömten in Hessen die Krieger von 1870/1 an den Standorten ihrer Truppenteile zusammen, und es gab manches ergreifende Wiedersehen. Wohl dachte man in Treue der Opfer des großen Jahres, aber man gab sich auch dem Hoch⸗ gefühle hin, daß diese Opfer einen herrlichen Preis gebracht hatten. Wie gedachten wir erst die 50 jährige Gedächtnisfeier zu begehen! Nun ist es aus mit Freude und Festjubel, nun gilt für uns Hiobs Wort: Meine Harfe ist eine Klage geworden und meine Flöte ein Weinen. Vor 35 Jahren feierten wir unsere stolzen Regimenter mit ihrer ruhmvollen Vergangenheit, mit ihren Fahnen, die alle⸗ zeit zu Kampf und Sieg vorangetragen wur⸗ den, nun wird der Rest des deutschen Heeres in diesen Sommertagen durch fremde Gewalt in Stücke geschlagen. Die alten Regiments⸗ bezeichnungen sind nicht mehr, der große Organismus des deutschen Heeres ist auf⸗ gelöst. In dieser Zeit gilt für uns das Wort des Apostels Paulus: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet! Gott führt unser Volk jetzt durch das dunkle Tal, aber wir verzagen nicht. Wer weiß, was er gewollt, indem er unsere nationale Herr⸗ lichkeit in Trümmer sinken ließ. Wir wissen, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen, und die Wege des Herrn sind eitel Güte und Wahrheit denen, die seinen Bund und Zeugnisse halten. dieverhandlungen des hessischengandes⸗ kirchentages vom 4. bis 7. Mai 1920. Referat, erstattet in der Sitzung des Gesamt⸗ kirchenvorstandes zu Gießen am Mai 1920 von Landgerichtsrat Neuenhagen, Mit⸗ glied des Landeskirchentages. Gern entspreche ich, obwohl ich zur Zeit dienstlich sehr in Anspruch genommen bin, Ihrer Bitte, Ihnen über den Verlauf des H. B. Landeskirchentages zu berichten. Da Sie die darüber erstatteten Zeitungsberichte wohl alle oder doch in Ihrer Mehrheit gelesen haben, kann ich mich darauf beschränken, die wesent⸗ lichsten Punkte nochmals besonders hervor⸗ zuheben und im übrigen das zu sagen, was die Zeitungsberichte nicht oder nicht voll⸗ ständig gebracht haben. Im allgemeinen kann ich wohl sagen, daß in den vier Tagen, welche diese Sitzungs⸗ periode in Anspruch nahm, eine verhältnis⸗ mäßig große Arbeit geleistet worden ist. Plenarversammlungen, Ausschuß itzungen, Gruppenbesprechungen— ich habe mich ebenso wie Prof. D. Dr. Schian der„Ver⸗ einigten Linken angeschlossen, welche auch die etwa als Mittelpartei anzusehenden Mit⸗ glieder der sogen. Friedberger Konferenz, der wir beide angehören, umfaßt— wächselten miteinander ab und nahmen uns nicht nur tagsüber, sondern bis abends 10 Uhr, einmal sogar bis 11¼ Uhr, also manche Mit⸗ glieder etwa 10 Stunden lang und noch länger in Anspruch, und nur dadurch und durch die hervorragende Geschäftsgewandtheit des Präsidenten war es überhaupt möglich, in dieser kurzen Zeit soviel zu erreichen. Nach einer eindrucksvollen Predigt des Superintendenten D. Patersen in der Stadt⸗ kapelle vereinigten sich die Abgeordneten in dem schönen, mit Oberlicht versehenen und durch amphitheatralisch aufsteigende Sitz⸗ reihen sehr zweckmäßig eingerichteten Sit⸗ zungssaal des Landessynodalgebäudes. Die Ansprache, mit der Geheimrat D. Dr. Flö⸗ ring an Stelle des leider durch Krankheit verhinderten Präsidenten D. Nebel die Ver⸗ handlungen des nun aus 66 Mitgliedern bestehenden Landeskirchentages— 64 waren erschienen— eröffnete, brachte denen, die mit hochgespannten Erwartungen nach Darm⸗ stadt gekommen waren, insofern eine große Enttäuschung, als sie hörten, daß die Kir⸗ chenbehörde einen Verfassungsentwurf nicht ausgearbeitet hatte, sondern von dem Lan⸗ deskirchentag erst entsprechende Richtlinien empfangen wollte. Wie man nachträglich hörte, war diese abwartende Haltung des Oberkonsistoriums wenigstens teilweise ver⸗ ursacht durch eine schon Monate andauernde Krankheit des Präsidenten D. Nebel, der sich die Ausarbeitung des Verfa ssungsentwurfs als Spezialaufgabe vorbehalten hatte. Er⸗ freulich war dagegen die Mitteilung, daß das Verhältnis zwischen Staat und Kirche sich in Hessen in befriedigender Weise ent⸗ wickelt, so daß die Kirchenbehörde zu der — 110— Erwartung berechtigt sei, daß der evang. Religionsunterricht in den Schulen erhalten bleibt. Nach Vornahme der Wahlprüfungen, die unter dem Vorsitz des Alterspräsidenten, des Kirchenrats Wahl zu Beienheim, statt⸗ fand, wurde zum 1. Präsidenten Prof. D. Dr. Diehl⸗Friedberg, zum 2. Geh. Justiz⸗ rat Oberamtsrichter wählt. bildet waren, wurde in die Verhandlung und Beschlußfassung über die verschiedenen Vorlagen des Kirchenregiments eingetreten, deren wichtigste ich hier wenigstens kurz besprechen will. Zunächst wurde die Vorl age betr. Beitritt zu dem nach den Beschlüssen des Ersten Deutschen Kirchentages zu Dresden im Sep⸗ tember vorigen Jahres zu gründenden Bund diesem möglichst der Landeskirchen behandelt. Nach Beschluß soll der Bund einen engen Zusammenschluß der deutschen evan⸗ gelischen Landeskirchen und damit eine För⸗ derung des gesamten deutschen Protestantis⸗ mus herbeiführen und dessen Vertretung nach außen übernehmen. An eine Reichskirche ist nicht gedacht. Selbständigkeit und Be⸗ kenntnisstand der einzelnen Kirchen sollen gewahrt bleiben. des Bundes, besonders der Entwurf eines Bundesvertrags, wird durch den damit be⸗ trauten Deutschen Evangelischen Kirchenaus⸗ schuß wohl bald erledigt werden. Einberufung des Landeskirchentages zu ge⸗ gebener Zeit aus diesem Anlaß„nicht in sichere Aussicht zu nehmen ist“, erbat und erhielt das Erweiterte Oberkonsistorium die Ermächtigung, vorbehaltlich der Zustimmung des Landeskirchentages, den Beitritt unserer Landeskirche zum Kirchenbunde herbei zufüh⸗ ren, doch machte der Landeskirchentag den Zusatz„vorbehaltlich einer späteren lage über die daraus für unsere erwachsenden Rechte sonstigen näheren Bestimmungen des Bun⸗ desvertrages“. Weiter wurden vom Lan- deskirchentag unter Anerkennung ihrer Zweck⸗ mäßigkeit und Dringlichkeit genehmigt die Beschlüsse des Erweiterten Oberkonsisto⸗ riums über die Auszahlung der Teuerungs⸗ zulagen mit 150 Proz. der seitherigen Sätze an die Geistlichen und e der Landeskirche für die Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1920 und darüber hinaus und Kirche die Erhöhung der Kinderzulagen von 500 auf 600 Mk. Auf Antrag des Finanzaus⸗ schusses wurde darüber hinaus noch die Er- höhung der Sätze für die sehr bedürftigen Ruhegehaltsempfänger und Witwen be⸗ schlossen. Ferner wurde ein Kirchengesetz beschlossen, das den Geistlichen und Beamten des Zen⸗ tralkirchenfonds nach Vorbild des Staates den Uebertritt in den Ruhestand zu erleich⸗ tern, bestimmt: die Geistlichen und Beam⸗ ten des Zentralkirchenfonds, die mit dem 1. April 1920 oder später in den Ruhestand 0 Römheld⸗Nidda ge⸗ Nachdem ferner die Ausschüsse ge⸗ Die weitere Vorbereitung Da die Vor⸗ und Pflichten und die treten, erhalten nach künftigen Besoldungsordnung denjenigen Ruhegehalt, der ihnen zukommen würde, wenn z. Zt. ihres Uebertritts in den Ruhe⸗ stand die Vorschriften dieser Besoldungs⸗ ordnung schon gegolten hätten, der Unter⸗ schied wird in solchen Fällen nachgezahlt. Sodann wurde die Gemeindesatzung für die vereinte evangelisch-protestantische Kir⸗ chengemeinde Offenbachs genehmigt, deren 86 die merkwürdige Bestimmung enthält: „Die Rechte der Gemeinde bei Stellen⸗ besetzung übt der Gesamtkirchenvorstand im Einvernehmen mit dem Einzelkirchenvor⸗ stand aus.“ Ich wies dazu in unserer Gruppe darauf hin, daß diese mit der Gießener Satzung, die den Einzelgemeinden volle Selbständigkeit gewähre, im Widerspruch stehende, offenbar die Herstellung möglichster Harmonie zwischen Geistlichen bezweckende Vorschrift, eigentlich, wenn man einmal, wie auch in Offenbach, selbständige Gemeinden schaffen wolle, doch in einem sehr wesent⸗ lichen Punkte die Rechte der Einzelgemein⸗ den stark beschneide. Wir haben aber ebenso wie auch nachher der Landeskirchentag davon abgesehen, aus diesem Anlaß eine Beanstan⸗ dung zu erheben, davon ausgehend, daß schließlich die Offenbacher Gemeinden selbst bestimmen müßten, welches Maß von Selb⸗ ständigkeit sie für sich in Anspruch nehmen wollten. Bei dieser Besprechung erfuhr ich, daß in Darmstadt die Einzelgemeinden bei der Stellenbesetzung zunächst selbständig voc⸗ gehen, daß aber dann der Gesamtgemeinde ein Veto zusteht, ein Weg, auf dem der von Offenbach mit dieser Vorschrift bezweckte Erfolg am besten erreicht wird. Hierauf wurden durch Kirchengesetz be⸗ seitigt die auf Natural lbesoldungsteile, ins⸗ besondere Benutzung von Hausgärten und Weinbergen bezüglichen Paragraphen 4—6 des Kirchengesetzes vom 17. November 1888, betr. ein Gehaltsabzug der Geistlichen, nach deren 8 6 der Stelleninhaber auch die zur Pfründe gehörigen Weinberge in Selbstbe⸗ nutzung zu übernehmen hat. Eine Neuord⸗ nung schien hier erwünscht, zumal gerade in der Gegenwart die freie Verfügung des Oberkonsistoriums über Weinberge im Hin⸗ blick auf die riesige Preisste igerung 19 all⸗ gemeinen lande skirchlichen Interesse gelegen ist. Es ist beabsichtigt, nun alsbald alle einschlägigen Fragen einheitlich durch Ver⸗ ordnung der Kirchenregierung zu regeln. Es wurde aber von der Kirchenbehörde dazu die Erklärung abgegeben, daß nicht in be⸗ stehende Verhältnisse eingegriffen werden soll. Nicht minder wurde auch den dem Landes⸗ kirchentag von dem Erweiterten Oberkon⸗ sistorium vorgelegten Richtlinien für Errich⸗ tung einer Kriegsstiftung zugestimmt, als welche der von der Lazarettzugsammlung 1914/15 erübrigte Geldbetrag von mehr als 100 000 Mk. auch für die Zukunft er⸗ halten bleiben soll. Die Zinsen dieses be⸗ Inkrafttreten der sonderen l zur Linder jährlich vo rium durch und der im pflege ste werden. Endlich behörde vo gelischen 3 in Einnahn Mark abse Rücksicht a einen durch Beschlüsse fonds von einen Rese lung. Dabe Bernbeck m steuer, nach richte, für erfolgen so Zunächst kommensteu festzusetzend wird. 0 Alsd Reichseinko alten Vera Schlußakt l naten von des Einkon des Reichs In Zuku anlagung an das R mögenssteu einen Zuf. handeln we Abgesehe rungen d wesentliche einen auf Stroh⸗Mai kirchentag nanzaussch suchen, al Staatsbear tag eine Geistlichen Landeskirch stellt werd Kirchenbeh denken gee Geheimrat sie versuch Forderung der hiesige Infolge de antrags e für Gehal chensteuer Einnahme 12 700 000 ten der njenigen würde, n Ruhe⸗ oldungs⸗ . Unter⸗ hgezahlt. ung für che Kir⸗ t, deren enthält: Stellen⸗ tand im schenvor⸗ Gruppe Hießener n volle vorspruch oglichster weckende nal, wie meinden wesent⸗ gemein⸗ r ebenso g davon eanstan⸗ id, daß en selbst on Selb⸗ nehmen uhr ich, den bei dig vor⸗ emeinde der von ezweckte setz be⸗ le, ins⸗ en und n 4—6 r 1888, n, nach die zur zelbstbe⸗ Neuord⸗ gerade ing des m Hin⸗ im all⸗ gelegen ld alle ch Ver⸗ regeln. de dazu in be⸗ en soll. Jandes⸗ berkon⸗ Errich⸗ nt, als imlung mehr uft er⸗ ses be⸗ — 111— sondene en landeskirchlichen Vermögens sollen zur Linderung von Kriegselend aller Art jährlich von dem Erweiterten Oberkonsisto⸗ rium durch Vermittlung der Pfarrämter und der im Dienste der kirchlichen Gemeinde⸗ pflege stehenden Frauenvereine verteilt werden. Endlich gelangte der von der Kirchen⸗ behörde vorgelegte Voranschläg des 9 gelischen Zentralkirchenfonds für 1920, in Einnahme und Ausgabe mit über 76630 0 Mark abschließt und zum erstenmal mit Rücksicht 5 die Unsicherheit der Zukunft einen durch die späteren Verhandlungen und Beschlüsse 50 verminderten Ausgleichs⸗ fonds von 500 000 Mk, also gewissermaßen einen Reservefonds einstellte, zur Verhand⸗ lung. Dabei teilte Geh. Oberkonsistorial I Bernbeck mit, daß die Erhebung der Staats⸗ steuer, nach der sich die der Kirchensteuer richte, für dieses Jahr in folgender Weise erfolgen soll: Zunächst werde die alte staatliche Ein⸗ kommensteuer erhoben, die auf die später festzusetzende Re ichseinkommensteuer erhoben wird. Alsdann würde der Reichstarif der Reichseinkommensteuer auf die Ergebnisse d der alten Veranlagung angewandt werden. Den Schlußakt bilde die erst in den ersten Mo⸗ naten von 1921 erfolgende Veranlagung des Einkommens von 1920 115 Maßgabe des Reichseinkommensteuergesetzes. In Zukunft müßten wir uns wegen Ver⸗ anlagung und Erhebung der Kirchensteuer an das Reich wenden, das, da die Ver⸗ mögenssteuer wegfalle, die Kirchenst euer als einen Zuschlag zur Einkommensteuer be⸗ handeln werde. Abgesehen von einigen kleineren Aende⸗ rungen des Voranschlages, wurde eine wesentliche Aenderung dessel ben nötig durch einen auf Anregung des Geh. Finanzrats Stroh⸗Mainz gestellten und vom Landes⸗ kirchentag angenommenen 1 des Fi⸗ nanzausschusses, die Kirchenbehörde zu er⸗ suchen, alsbald nach der Regelung der Staats eue dem Lande kirchen⸗ in der den Geistlichen und den Beamten der Hessischen sicherdee tag eine Vorlage zu machen, Landeskirche die gleichen Bezüge stellt werden, wie den Staatsbeamten. Die Kirchenbe hörde, die ursprünglich starke Be⸗ Urgroßtantens Raritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Fortsetzung.) Da tanzt es rot vor seinen Augen, zwei Punkte, immer zwei Punkte.„Fort, fort!“ es würgt ihm in der Kehle, daß er es sagen muß, das kleine inhaltschwere Wörtchen: „ort, fort Da schießt es rot heraus, sein Herzblut kostet's ihn, und bewußtlos sinkt der Aermste e So findet ihn seine alte Mutter. Ein Blutsturz hat dem schwachen Körper die letzten Kräfte genommen. Jammernd tragen ihn die herbeigerufenen Nachbarn aufs Bett. Den offenen Brief, den die treue Mutter findet, steckt sie seufzend in die Schürze. Sie weiß Bescheid, und lind streicheln ihre Hände den Kopf ihres großen Jungen, der allmählich wieder zu sich kommt. „Ruhe“, gebot der herbeigeholte Arzt, „Ruhe und Schonung und fort nach dem Sü⸗ den, wenn möglich, sogleich!“ Da lächelt der Kranke zum erstenmal wieder.„Fort von hier, vom Immortellenhügel! Nein, ich bleibe hier, es wird auch so wieder, und liebevoll schaut er das kleine Sträußchen der jetzt bräunlich schimmernden Blütchen an, das neben seinem Lager steht. Achselzuckend ist der Arzt gegangen. Frido⸗ lin fiebert weiter, nur wenig, aber ständig. Die Kräfte nehmen täglich ab, und als es weihnachtet und die ersten Flocken fallen, do geht es schlecht, sehr schlecht. Stumm liegt die geliebte Geige. Am heiligen Abend singen die Schul⸗ kinder dem kranken Le hrer vor der Türe das Weihnachtslied. Da greift er zum letztenmal nach der alten Freundin, und„Stille Nacht heilige Nacht“ schwebt es zitterig durch die kleine Stube. Doch mitten in dem ewig jungen alten Lied springt eine Saite, die l Hände können den Bogen nicht mehr führen. Zwei dicke Tränen rollen der alten Mutter über die Wangen, die mit gefalteten Händen neben dem Lehnstuhl steht. Darauf kauert das Häufchen Elend, das ihr allein noch übriggeblieben ist von all dem Erdenglück, das ihr beschert worden war. Zwei Tage später war Fridolin sanft entschlafen. Wie ein Lichtlein war sein Leben verlöscht, ohne äußern Kampf, nachdem der innere überwunden war, der ihn sein Bestes, seine Künstlerseele, gekostet hatte. denken geäußert hatte, ließ schließlich durch Geheimrat D. Dr. Flöring 18 sie versuchen werde, nach e dieser Forderung zu entsprechen.(Insofern war der hiesige Zeitungsbericht nicht zutreffend.) Infolge der Annahme des antrags erhöhten sich die Ausgabenposten für Gehalte und der Einnahmeposten Kir⸗ chensteuer um je 5 Millionen, so daß nun Einnahmen und Ausgaben mit mehr als 12 700 000 Mk. abschließen. (Fortsetzung folgt.) ——— daß Finanzausschuß⸗ „So hat mir sein altes Mütterchen seine Geschichte erzählt, die es während der Krank⸗ heit nach und nach erraten und erfahren hatte.“ „Daß eines Tages nach Jahresfrist auf dem längst mit Blütenflor überreich bedeckten Grab, das alte Mutterhände treulich pfleg⸗ ten, ein Immortellenkranz lag, hat sie mir nicht erzählt. Ich hörte es von andern. Zugleich ging im Dorf die Rede, daß das junge Paar einige Tage im Waldschlößchen 112 weile, daß die junge Frau aber gar bleich und elend aussehe, nicht wie das glückliche Kind von ehedem.“ „Hatte ein Jahr der Ehe dem Schmetter⸗ ling den Flügelstaub schon abgestreift? War das Instrument ihrer Seele in täppische Hände gekommen, die nicht darauf zu spielen wußten? So gut wie der weltfremde, ver⸗ träumte Dorfschulmeister hatten sie es sicher nicht verstanden. Wer weiß——“ „Das Immortellensträußchen war Muttels Heiligtum. Der letzte verklärte Blick Fridolins hatte darauf geruht. Als das Altchen zur Ruhe gegangen war, fand ich die trocknen Blümchen auf dem Schutthaufen. Für lachende Erben war es wertlos. Für mich hatte es seine Geschichte, die mich kostbarer deuchte als manch sonstiger Tand.“ 13. Unser Anismann. „Es riecht schon nach Weihnachten!“ ver⸗ kündete heute mein Bruder freudig. Er hatte die Nase vorwitzig in die gute Stube ge⸗ steckt und dort eine wichtige Entdeckung gemacht. Da stand die dunkelrote Plüsch⸗ garnitur herum um den runden Tisch mit dem säulenverzierten Fuß und der fein fur⸗ nierten Platte, die aber stets die Plüschdecke verdeckte, und wartete. Im guten Zim⸗ mer, da wartete alles: das hochlehnige wohlgepolsterte Sofa, die spindelbeinigen Stühle auf dem geblümten Teppich, die nie aufgezogene Pendule auf der Spiegelkonsole und die Albums auf der roten Plüschdecke. Das ganze Zimmer war ein einziges großes Fragezeichen:„Wer oder was kommt jetzt?“ und meistens kam nichts, nur alle Freitag das Mädchen zum Reinmachen. Da wurde dann alles um und um gekehrt und am Ende stand es gerade so langweilig und steifbeinig da wie vorher und wartete geduldig weiter. Einmal im Jahr geschah aber etwas be— sondres. Da kam die Belohnung für das lange Warten: die Glanzzeit der guten Stube. Die Vorboten waren große vollge⸗ ladene Teller, die sich dickfällig auf dem runden Tisch breit machten, während die dort vornehm prangenden Albums ohne viel Umstände aufeinander geschichtet wurden. Die Teller waren voll gestoßenen Zuckers, gemahlener Mandeln, fein geschnittenen Zi⸗ tronats und ausgekörnter Haselnüsse. Do wußte jedermann in der Familie, es weih⸗ nachtet, und alle freuten sich, wenn sie den großen Messingmörser sein einförmiges Tack⸗ tack singen hörten. Die gute Stube sah auf einmal gemütlich und wohnlich aus, man wußte nicht, warum, aber alle Steifheit war verschwunden. Die Möbel machten ordent⸗ lich vergnügte Gesichter, die Makartbuketts in den großen Porzellanvasen sahen frischer aus und rochen weniger nach vertrocknetem. Gras. Man spürte schon etwas von Tannen⸗ duft und Kerzenschein, obgleich es noch vier Wochen bis Weihnachten war. (Fortsetzung folgt.) Uleine Mitteilungen. Zu seinem in den beiden letzten Nummern enthaltenen Artikel über das Gießener Turner⸗ und Sängerfest des Jahres 1862 teilt uns der Verfasser Herr Heinrich Hoch⸗ stätter sen. berichtigend mit, daß auf dem Turnfeste zu Oberstein im Jahre 1861 nicht Wilhelm Nehmeyer sondern Karl Nehmeyer den ersten Preis errungen habe. * Auf einem 200 Jahre alten Grabsteine auf dem Friedhofe zu Dahlem bei Berlin steht der schöne Vers: Wer hat euch Wandervögeln Die Wissenschaft geschenkt, Daß ihr durch Land und Meere Nie falsch die Flügel lenkt, Daß ihr die alte Palme Im Süden wieder wählt, Daß ihr die alte Linde Im Norden nicht verfehlt? Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 18. Juli, 7. nach Trinitatis. Stadtkirche. Vorm. 8, zugl. Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Matthäus⸗ gemeinde: Pfr. Mahr.— 9 Pfr. Becker. — 11: Kinderkirche f. d. Markusgemeinde: Pfr. Becker. Johanneskirche. Vorm. 8, zugl. Christen⸗ lehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde: Pfr. Bechtolsheimer.— 9½, zugl. Militärgottesdienst: Pfr. Aus⸗ feld. Beichte und Feier des hl. Abendmahls für die Lukas⸗ und Johannesgemeinde.— 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfr. Ausfeld. * Wartburg⸗Verein. Sonntag, den 18. Juli: Beteiligung und Besuch der Reichsjugendkämpfe der Gießener Turn⸗ und Spielvereinigung.— Donners⸗ tag, den 22. Juli, 8 Uhr: Unterhaltungs⸗ abend. 9—97/ Uhr: Bibelstunde: Pfr. Becker. 55 Evang. Arbeiterverein. Sonntag, 25. Juli, Tagesausflug nach Groß-Rechtenbach usw. mit Ablochen. Füh⸗ rung: Herr Arnold. Alles weitere nächste Nr. Knaben und Mädchen im Alter von 10—14 Jahren, die beim Gartenfest bei der Aufführung eines Reig ns mitwirken wollen, müssen sich umgehend beim Vorsitzenden (Schiffenberger Weg 16) melden. Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-⸗Buch⸗ und Steindrucherel R. Lange, Gießen. Gemeir Hr 29 Du und b 0 g Seit den tion— win „Propheten geister des sich immer ihrer Kirche entweder d schwärmeris werfen. 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