der im d folgen nd der Sonn⸗ uknapp⸗ uch die ste eine Kinder len wir Kinder⸗ hannes⸗ Kinder⸗ Lukas⸗ g. in, dem den er in den st er dir d übers e Glocke mmel. urmuhr nschrift: n diesen lbe Ge⸗ uses in ner ant, den, die ung auf aßburg: „ 8 nt. 3). n. ½ Uhr: mittags Markus⸗ 5 Uhr: . Jan firmier⸗ meinde. 4 Uhr: 72 Uhr: 1 Uhr: meinde: Pfarrer r: Ver⸗ )en Ju⸗ Montag Vereini⸗ Jugend 16. Ja⸗ ing der her Jo⸗ ndrucherel onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Hir Gießen, 2. Sonntag n. Ep., den 18. Januar 1920 9. Jahrg. Die 691 aus Gießen.) 2. Sam. 1, 19. Die Edelsten in Israel sind auf deiner Höhe erschlagen. Wie sind die Helden gefallen! Senkt die Gefallenen hinab! Brüder, ihr Werk ist getan. Über dem blutigen Tag hebet das Trauerlied an: Nun ist die Fessel gesprengt, die sterbend ihr Heldenmut brach, doch an den Lebenden hängt nimmer verlöschende Schmach! Ein Geheimnis umgibt diese Verse des schwäbischen Dichters Hermann Kurz. Ent⸗ standen sind sie etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts— doch weiß niemand Anlaß und unmittelbare Bedeutung anzu⸗ geben. Und die Ueberschrift„Napolitanische Melodie“ verhüllt mehr, als sie deutet. Aber ob es nicht im geistigen Leben eines Volkes dem Dichter verliehene Ahnung gibt, die mit der Kraft der Gewißheit ferne Zukunft zu beschreiben vermag?„Nimmermehr finden wir Ruh, dem Volk, das die Ehre verlor, schließet auf immer sich zu selber das himm⸗ lische Tor.“ Ist das nicht, als sei es heute empfunden und gesagt? Fast erwacht der Wunsch, sowie dieser Dichter vor langen Jahrzehnten deutsche Schmach gekündet, so möchte heute einer aufstehen und uns in der dunkelsten Zeit deutscher Geschichte von künftiger Herrlichkeit reden. Aber wo ist unter uns der Mann zu finden, der abseits vom Lärm des Tages so tief in das geheimnisvolle Walten der ewigen Dinge schaut, daß ihm Gesichte und Erkenntnisse daraus erwüchsen? Wir alle sind mit unserem Denken und Empfinden an das Diesseits gebunden und behaupten uns nur mühsam mit dem„dennoch“ des Glaubens gegen die uns umdrängende Macht der Welt. Da mögen uns unsere Gefallenen zur ein⸗ dringlichen Mahnung werden, mehr als bis⸗ her im Uebersinnlichen zu leben und aus ihm Kraft zu gewinnen für das Tragen der unsäglichen Lasten, die Herz und Gemüt bedrücken. 5 Es ist immer ein Ehrentitel lutherischen Glaubens gewesen, daß er seine größte Kraft angesichts des Leides und des Todes ge⸗ wann. Wer einmal an der Hand des fein⸗ Nach den neuesten Zeitungsmeldungen beträgt die Zahl der Gefallenen für die Stadt Gießen 691. sinnigen Buches von Althaus die Sterbe⸗ und Ewigkeitslieder der evangelischen Kirche durchwandert ist, der weiß, welche Freudig⸗ keit und welcher Frieden in ihnen stecken. Aber wie weit sind wir heute von diesen Zeugen der Ebwigkeitsgewißheit abge⸗ kommen! Darum muß es für uns heißen: Wurzel schlagen im Unsichtbaren. Wie könnten wir sonst in Frieden unserer Toten gedenken, wie dem harten Winter und der kommenden Not innerlich standhalten, wie an unserem zertretenen und verwahrlosten Volk den Christendienst opferwilliger Liebe erfüllen! So werden uns unsere Toten Führer in die Welt des Geistes, der Welt und Tod überwindet. Die Trauer um die, die uns entrissen, die Sehnsucht nach ihnen, die wir geliebt, helfen uns, daß wir die Schleier des vergänglichen Wesens beiseite schieben und„unvergängliches Leben“ gewinnen. Senkt die Gefallenen hinab. Ihr Werk ist, ihr Leben getan. Ueber dem einsamen Grab schweige die Klage fortan! Urgroßtantens Raritätenschrank. Von Helma Esselborn. Kostbare Schätze, die der Sammler neidet, weil sie so selten und von hohem Wert, sie werden nicht zum Schauen hier gebreitet, was hier zu sehn, hat niemand noch begehrt Ein Kennerauge sähe dran vorüber und achtete, was hier zu schauen, nicht und was bewahrt als alter treuer Hüter das Glasschränklein, kokett und doch so schlicht. Kein Wunder auch; denn was darin zu sehen, spricht den nur an, der wohl damit vertraut, wie's ist verknüpft mit einstigem Geschehen, das der Erinnrung goldne Brücken baut. So mögen nun die Gegenstände reden, die treuer Sinn der Nachwelt aufbewahrt, mild wie Lawendel, Myrthe und Reseden, so duftig traut ist ihrer Sprache Art. Und ihre Rede diesen Sinn umschließet: es ist an sich nichts lebend oder tot, nicht, wo Vergessen, dunkelt, Leben sprießet, doch da, wo der Erinnrung Flamme loht. Karl Esselborn. 1. Der Raritätenschrank. „Ruhig, die Urgroßtaute zankt sonst!“ das war der Zauberspruch meiner Mutter, wenn sie mich still halten wollte und das 10 nimmer müde Plappermäulchen auf Mi⸗ nuten wenigstens aufhören sollte, alle mög⸗ lichen und unmöglichen Fragen zu stellen. Urgroßtante Luise wohnte im Hinterstübchen bei uns. Sie galt etwas als Popanz für uns Kinder. Mit sicherm Gefühl empfanden wir, daß sie uns nicht leiden konnte; denn sie war jedem kindlichen Spiel abhold und mälelte stets griesgrämig an uns herum. Gleich⸗ wohl hatte Großtantens Persönlichkeit eine gewisse Anziehungskraft für mich, haupt⸗ sächlich deshalb, weil sie so ganz anders war als andre Leute. Unbewußt zog mich das Originelle ihrer ganzen Persönlichkeit mehr an, als sich das weiche Kindergemüt von der rauhen Schale ihres Wesens abgestoßen fühlte. Schon ihr Gesicht hatte etwas männlich Herbes. Eine kurze Hakennase, zwei stahl⸗ blaue Augen, ein zahnloser großer Mund machten es nicht gerade sehr anziehend. Zwei schneeweiße Locken waren kunstvoll über die Ohren gelegt und pendelten bald leise, bald heftiger, hin und her, je nach der Gemütsbewegung, worin sich ihre Be⸗ sitzerin befand. Die Gestalt war groß und stark. Die Last der Jahre hatte die Haltung etwas gebeugt. Die Beine wollten nicht mehr so recht ihren Dienst tun, und der Krückstock gab der ganzen Erscheinung etwas Schwer⸗ fälliges. Das waren aber auch die einzigen Gebresten, worüber„Tante“ Luise— so wurde sie allgemein genannt mit ihren einundachtzig Jahren zu klagen hatte. Sonst war sie kerngesund. Zum Mittags⸗ und Abendtisch kam sie täglich zu uns, dagegen kochte sie sich ihren Kaffee selbst in ihrem Zimmer auf einem Spiritusflämmchen und bestrich ihre Bröt chen mit ihrem selbsteingekochten Gelee, da ihr der unsrige, obgleich nach demselben Rezept bereitete, nicht gut genug war. Das wurde auch jede Woche ein paarmal be⸗ sonders betont und von meiner Mutter stets nur mit nachsichtigem Lächeln quittiert Kam es einmal vor, daß meine Mutter nach⸗ mittags ausgegangen war und es vergessen hatte, uns unsere Brote mit Mus oder Butter bestrichen, bereitzulegen, dann zogen wir brüllend zur Urgroßtante und klagten ihr unser Leid. Sie war dann ganz ent rüstet über diese Unpünktlichkeit einer Mut ter, die die armen„Bälge“ hungern ließ, und holte triumphierend ein Glas ihres extrafeinen Eingemachten. Wir feierten dann bei ihr eine Orgie in Geleebroten erster Güte. Ihr Wohnzimmer, das sie mit einem grauen Kater und einem Kanarienvogel teilte, war urgemütlich eingerichtet. Ueber dem großen, breiten, mit grünem Rips bezogenen Sofa hingen einige Silhouetten, umkränzt von Efeu, der in zwei links und rechts auf Konsolen stehenden Töpfen ge pflanzt war. Eine wundervolle alte ein⸗ gelegte Kommode, ein kleiner Nähtisch, davor ein bequemer aus Rohr geflochtener Sorgen stuhl, ein gemütlicher runder Tisch, woran man in unglaublicher Anzahl sitzen konnte— das alles bildete ein harmonisches Ganze und paßte zu der Erscheinung, die dazwischen Wenn sie gut gelaunt war, so erzählte sie hauste. Den Glanzpunkt bildete aber der gern aus vergangnen Tagen. Sie wußte Glasschrauk in der Ecke, der, bekrönt von noch, was die Elle Kattur Jahren gekostet hatte, und die Jungen muß⸗ ten oft das gute Gedächtnis der Alten be⸗ wundern. Ihre Stube betraten wir Kinder stets mit gemischten Gefühlen: Neugierde, vor fünfzig einer alten Standuhr und zwei großen Chinesinnen aus Porzellan, eine Fundgrube für die Kinderphantasie war, wie man sie besser nicht finden konnte. Um dieses Glasschranks willen gingen wir Augst und eine gewisse Bewunderung hielten alle gern zur alten Tante, und wenn sie sich die Wagschale. Liebe haben wir ihr wollte, so konnte sie prachtvolle Geschichten eigentlich nicht entgegengebracht; die hatte über die dort verwahrten Schätze erzählen; sie sich zu oft selbst verscherzt durch ihr denn jedes Ding darin hatte seine Geschichte. leicht keifendes, mürrisches Wesen, das einer Wir wollen einmal sehen, ob die Tante heute gewissen Eifersucht entsprungen sein mochte. gut gelaunt ist.„ Sie hätte gern in dem Leben meiner Mutter„Tante Luise, wie war doch die Geschichte die sie mit großgezogen hatte und abgöttisch von der alten Standuhr? liebte und verehrte, die Hauptrolle gespielt, 53 2 und das machten wir Kinder ihr unmöglich. 2. Die alte Standuhr. Auch meiner Mutter hat sie diese Anhäng⸗ Liebevoll blickt die Urgroßtante zu der lichkeit nie gezeigt. Im Haus übte sie an alten Pendule empor, die auf vier zierlichen uns allen unbarmherzig Kritik, kam aber Alabastersäulchen auf dem alten Glasschrank jemand Fremdes und erlaubte sich ein ab⸗ steht und ihr trauliches eintöniges Ticktack fälliges Urteil, dann sah sie uns mit einem gar heimlich durch die Stube tönen läßt. Male mit ganz andern Augen an, dann„Ja, die Urgroßmutter, so nannten wir zu waren wir die aufgewecktesten, artigsten, Hause scherzhaft die Uhr, die hat schon viel fleißigsten Kinder der Welt und unsre Mutter gesehen, sie ging schon in meinem Elternhaus die beste und bedeutendste Frau, die über⸗ und hat dort Freud und Leid miterlebt“, so haupt auf Erden wandelte. Diese Wider⸗ erzählt uns die heute gut aufgelegte Tante sprüche konnten wir Kinder nicht rund brin⸗ Luise.„Aber eine Merkwürdigkeit hatte die gen, und deshalb standen wir innerlich der Uhr damals schon wie heute: im Herbst be ginnt ihr Schlagen immer heiserer und leiser alten Tante fremd gegenüber. zu wer hörbar dann b und kr verkün, aber e. war di Hutter Leben „Ert mußt durchei Es mütlic Scheit der U zurück, und h beleuch Züge war es so gli ihrem Haube Zeichen ließ, 1 Ja so: oh euer U in jun umgeb da wo! Brüde sauber habt i lution die Le Bauer sollte mehr gleicht den A ganz f aber! sein( sparsa Woche eins u samer teilen Sitz v die u vor a besitzen war, 1 alle N verbot der 9 denn jagen in, zogen sangen höhnt amten kam sie ich ihren f einem e Bröt elee, da mselben ar. 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Die Fenster zu Heben 8„5 ater das verhängen, die keine Läden hatten, hatte Leben gerettet hat. Vater verboten. Er meinte, mit Ruhe und „Erzähle, Tante Luise, erzähle! Ja, das Kaltblütigkeit am weitesten zu kommen. mußt du uns erzählen!“ so schrien wir alle Trotzdem war auch er ernst, und kein Mensch durcheinander. wagte das beklommene Schweigen zu unter⸗ 5 1 1 f 55 5 brechen. Nur von ferne hörte man das Es war dämmerig geworden, nur im ge⸗ Lärmen der Freiheitshelden im Dorf. Da mütlichen Kachelofen glühten noch ein paar plötzlich schlug die U 5 1 g„. plötzlich schlug die Urgroßmutter, die seit Scheite, und der schön geschliffene Pendel Woch n ihren Winterschlaf gehalten und i i e, hen ihren Winterschlaf gehalten und in der Urgroßmutter warf ihren Widerschein der letzten Zeit nur durch leises Aechzen den zurück, wenn er ticktack, ticktack langsam hin⸗ kommenden Frühling angekündigt! I und herging. Der Tante strenges Gesicht aid e e F eng, icht und voll, als sei sie eben aus ihrem Schlum⸗ schee Bie Ofen N i e 5 set 2 1 7 ge e de en e mer erwacht, die achte Stunde. Alle blick 4 e 9104 i ten erstaunt nach der Konsole, mein Vater war es der Schein der Erinnerung, der sie fuhr rasch mit Dan Nopf deut und im so glücklich veränderte? Sie setzte sich in selben Augenblick pfiff durchs Fenster eine ihrem bequemen Lehnstuhl zurecht, band die Flintenkugel an seinem Ohr vorbei 75 5 Haubenbänder fester— das war immer einn„. e 3 Zeichen, daß sie sich nicht vergeblich bitten„Hätte die alte Uhr nicht gewarnt, indem ließ, und begann: sie durch ihren Schlag seine Aufmerksam⸗ 10 5 3 1e keit auf sich zog, so hätte die Kugel ihn Ja, das mag kurios klingen, aber es ist mitten in den Kopf getroffen. So kamen wir so: ohne unsre alte Standuhr daheim wäre alle mit dem Schrecken davon; denn der euer Urgroßvater nicht alt geworden, sondern mutige Schütze hatte sich schleunigst aus in jungen Jahren von einem Malefizbuben dem Staub gemacht. Niemand hat erfahren, umgebracht worden. Es war im Jahre 1848, wer der geheime Feind war. Am andern da wollten die Leute Freiheit, Gleichheit und Tage rückte eine Abteilung Soldaten an Brüderlichkeit haben, in dem Da war mit einem Male wieder alles ruhig saubern Frankreich drüben. In der Schule und friedlich, und die alten rostigen Flinten habt ihr doch von der französischen Revo⸗ wurden mit Heugabel und Rechen vertauscht lution gehört? Na, die hatte in Deutschland Der Freiheitsrausch war vorbei. Die alte die Leute ein bißchen angesteckt, und unsre Urgroßmutter auf der Wandkonsole wurde Bauern hatten die Köpfe voll Ideen, es aber seitdem noch höher geschätzt als vorher, sollte keine reichen und keine armen Leute und Vater sprach von ihr oft als von seiner, mehr geben, sondern alle Güter sollten Lebensretterin. gleichmäßig verteilt werden und die Reichen(Fortsetzung folgt.) den Armen alles abgeben. Das wäre ja auch ganz schön, wenns nur immer so bliebe. Da Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 4 aber der eine doch schneller als der andre 5 8 sein Geld ausgibt, auch nicht alle gleich 20. Aus der Geschichte der Gießener sparsam sind, so müßte man nach ein paar Kramerzunft. Wochen schon wieder teilen, gerade wie wenn Wie allerwärts, so waren früher auch in eins von euch, das sein Stück Kuchen lang⸗ Gießen Handwerk und Gewerbe in Zünfte samer ißt als das andre, den Rest mit dem gegliedert, die ihre strengen Ordnungen teilen müßte, das das seinige auf einem hatten und selbst die Innehaltung dieser Sitz verschlungen hatte. Aber daran dachten Ordnungen überwachten. Meister durfte nu: die unzufriedenen Leute nicht; sie wollten der werden, der die vorgeschriebene Gesellen vor allen Dingen Geld haben, das Recht und Wanderzeit hinter sich hatte und seinen besitzen, alles zu tun, was ihnen genehm fonstigen Verpflichtungen genügt hatte. Auch war, und deshalb hegten sie auch Groll gegen die Annahme und Ausbildung von Lehr alle Beamten, die ihnen seither so manches lingen unterstand den Zunftgesetzen. Die verboten hatten. Da war nun mein Vater, Zusammenkunft der Zunftgenossen nannte der Revierförster, am schlimmsten daran; man„Gebott“.„Es war Gebott“, das hieß: denn vor allem wollten sie in dem Wald die Zunft hat eine Versammlung abgehalten. jagen und Holz holen dürfen, kurz alles Im Jahrgang 1915 des„Sonntagsgrußes“ tun, was ihnen seither verboten war. Sie t wir auf Grund eines alten Zunft zogen den ganzen Tag in Haufen umher, b„ dessen erster Eintrag in das Jahr sangen Spottlieder auf die Regierung und 1635 zurückgeht, einige Mitteilungen über höhnten vor den Wohnungen laut die Be⸗ die Gießener Weiß⸗ und Rotgerberzunft ge⸗ amten. Diese konnten nichts machen; denn macht. Auch die Kaufleute bildeten in Gießen eine Zunft, die„Kramerzunft“. Hier hat man zwei Arten von Kaufleuten unter⸗ schieden, einmal diejenigen, die einen offenen Laden hatten, sie hießen Kramer oder Krä⸗ mer, sodann diejenigen, die, ohne ein Laden⸗ geschäft zu führen, den Handel mehr im großen trieben. Wer zu dieser Kategorie gehörte, führte die Bezeichnung„Handels⸗ mann“. Heute ist der„Handelsmann“ mehr der Hausierer, früher war er der Groß⸗ kaufmann. f 5 Ueber die Geschichte der Gießener Kramer⸗ zunft in der Zeit von 1707 bis 1826 gibt das Zunftbuch Auskunft, das Herr Geheim⸗ rat Tr. phil. Wilhelm Gail besitzt und dem Verfasser dieses Artikels in freundlicher Weise zur Einsicht überlassen hat. Dem auf der ersten Seite dieses Buches befind⸗ lichen Eintrage zufolge hat die Zunft im Jahre 1707 ein Jubiläum gefeiert, vermut⸗ lich ein Jubiläum, das sich auf ihr Be⸗ stehen bezog. Dieser Eintrag lautet:„Laus Deo!(Gelobt sei Gott!) Anno 1707 ist von der löblichen Kramer Zunfft alhier ein Hochansehnlich Jubiläum erlebet worden, welches mit gröster Solennität ist jedermann zum höchsten Vergnügen celebriret worden, wer nun die Gnade vom Höchsten erleben wird— geliebt es Gott— ein künfftiges zu erleben, kann nach Belieben es in ein neu Zunfftbuch einschreiben.“ Offenbar han⸗ delte es sich hier um eine Jahrhundertfeier,. über die jedoch im Jahre 1807 nichts einge⸗ tragen worden ist. Die meisten Einträge des Buches beziehen sich auf die Zunftmeister, auf neu aufge⸗ nommene Zunftgenossen und auf die An⸗ nahme von Lehrjungen. So weit das möglich ist, fügen wir hier über die einzelnen Personen Notizen bei, die wir unseren Kirchenbüchern entnehmen: Im Jahre 1708„ist von löblicher Zunft von gut befunden worden, das ein jedes Jahr die erwehlten Zunfftmeister ihre Nah⸗ men bei Antrettung des Zunfft Meister Ambts auff ein Blatt ordentlich setzen.“ Demzufolge lautet der nächste Eintrag: „Anno 1708 bin ich Gottfried Riedtsch Aeltster Zunfftmeister mit Johann Georg Breucking als Jüngerer Zunfftmeister ge⸗ wessen und in diesem Jahre bekommen zwey neue Zunfft Brüder als Conradt Koller⸗ mann, Johann Höstereich.“ Hieraus geht hervor, daß stets zwei Meister an der Spitze der Zunft standen, der eine wurde der ältere, der andere der jüngere Meister genannt. Die Wahl bezog sich regelmäßig nur auf ein Jahr, Wiederwahl war jedoch zulässig. Die Familien Rietsch— so schreiben unsere Kirchenbücher— Breucking und Höstereich kommen jetzt in der Stadt Gießen nicht mehr vor. Rietsch wird im Kirchenbuche als Bürger und Nadler bezeichnet, er starb 1744 im Alter von 81 Jahren. Die Be⸗ russbezeichnung„Nadler“ ist unklar, viel⸗ leicht war der Mann Sockenstricker und hat 8. 122 f einen Laden gehabt, sonst hätte er nicht zur Kramerzunft gehöit. Die Angehörigen der Zunft werden in diesem Buche als Zunftbrüder bezeichnet, ihre Kinder genossen, wenn sie den Beruf des Vaters ergriffen, gewisse Vorrechte. Im Jahre 1710 trat Johann Henrich Kreuder der Kramerzunft bei. Bei seinem Eintritt wurde folgendes Protokoll in das Zunftbuch eingeschrieben:„Herr Johann Henrich Kreu⸗ der hatt sich eingekäuffet beneben seinen zwey Kindern den driten aber als seinen Stief⸗ sohn Johann Balthasar Kempff auch, auff solche Condicione(Bedingung) eingekaufet, daß wann bemelter Kempff daß Becker Handtwerck lehrnet daß allsdann dieße Zunft ohne umbgänglich hindann gesetzt ist und verlohren gehet. Auch ihm gar und ihm geringsten Seines Einkauffens nichts helfen soll. Deß wegen es in dieses Zunftbuch also eingeschrieben ist und von etlichen Zunfft Brüdern unterschrieben und confer⸗ mieret worden. So geschehen Gießen am 4. August 1710.“ Darunter stehen die Na⸗ men Johann Caspar Schneider. Johann Peter Borberg. Nikolaus Höpfner. Jacob Sommer. Johann Verdrieß. Der junge Kempff sollte also, wenn er das Bäckerhand⸗ werk erlernen würde, die durch den Vater erworbenen Vorrechte der Kramerzunft nicht beibehalten.(Fortsetzung folgt.) Uleine Mitteilungen. Unsere in der vorigen Nummer enthaltene Notiz über unsere Kinderkirchen ist dahin zu berichtigen, daß am 18. Januar wegen Kohlenmangel in der Stadtkirche kein Gottesdienst stattfindet. Was die in unserem einleitenden Artikel angegebene Zahl der gefallenen Gießener betrifft, so ist zu berücksichtigen, daß die Vermißten darin nicht einbegriffen sind, auch nicht die in der Gefangenschaft Verstor⸗ benen, so daß die angegebene Zahl sich leider noch erhöhen wird. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 18. Jan., 2. Sonntag n. Epiph. Gottesdienst. In der Stadtkirche fällt der Gottesdienst wegen Kohlenmangel aus.— Montag den 19. Januar, abends /8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde.— Donnerstag den 22. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde. In der Johanneskirche. Vorm. 9½% Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld.— Montag den 19. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde. Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerel . R. Lange, Gießen. Gem Nr —— Der Wen! nungen Mensche breite S Ausschan schwankt denen w Große se Dann sc nicht m gebenden Hingabe Wesen b dieses? 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