weiteren at man einde zu 7 einen Kranker jetzt ba⸗ ehr wei⸗ in Je⸗ nan die ffentlich wir, wie Gießen . Der⸗ n früher li 1846 rz nach⸗ e wank⸗ ich, auf⸗ lief aus ten emp⸗ 1. Tische ngen im id Leih⸗ eld, weil gen und rinitatis. 'on.“ 8 Uhr, eukonfir⸗ Pfarrer rassistent „abends ür Män⸗ einde im sprechung Js 8 Uhr, keukonfir⸗ : Pfarrer rer Bech⸗ Bibelbe⸗ Adolph. 2 Uhr: Heim. Abends rer Bech⸗ 1 n. 8 Uhr dirche auf r. Becker. rtburgver⸗ Arbeiter⸗ „Garten⸗ 22.) Aug. dteindruckerei onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 32 Gießen, II. Sonnt. n. Trinitatis, den 15. August 1920 9. Jahrg. Lebenserfolg. worrenheiten und Schwierigkeiten unserer Jesaia 41,6. Einer half dem andern und Gegenwart, deren schlimmste Krankheit die sprach zu seinem Nächsten: Sei getrost! Ein württembergischer Kaufmann, Dr. Paul Lechler, der in seinem Leben gleicher⸗ weise Erfolg hat, äußerlich wie innerlich, als Geschäftsmann, wie als Christ und Staatsbürger, hat seine reichen Erfahrungen in einem Buch niedergelegt:„Gesce hats S⸗ erfolg und Lebenserfolg“. Mit einem siche⸗ ren, aufs Praktische N Blick zeigt er den Weg zum Gesch äftserfolg; er bleibt aber nicht dabei stehen, wie die 7 Menschen im Erwerbsleben, die sich als ihre schönste Aufgabe die Ansammlung irdischer Güter gestellt haben. Er schreitet fort zum Lebens⸗ erfolg, dem höchsten Ziel, das einem Men⸗ schen gesteckt ist. Wir sollen mit dem, was der Berufserfolg an Erfahrung und Geldgewinn uns brachte, möglichst vielen andern dienen. Unser Gewissen ist der sichere Führer auf dem Lebenspfade, der uns über die Befriedi⸗ gung unserer eigenen persönlichen Wünsche und Bedürfnisse hinausweist auf den selbst⸗ losen Dienst für unsere Mitmenschen. Nur zu diesem Zweck gibt uns Gott irdische Güter als Früchte unserer Arbeit in die Hand, um daraus bleibende Werte für die hielten feindliches Menschheit schaffen zu helfen. Unser Streben und Arbeiten kann uns nur dann eine dauernde Segensquelle sein, nur dann uns Glück und Befriedigung brin⸗ gen, wenn sie uns zu e hin⸗ leitet. Unser Lebenserfolg soll allen denen zugute! kom men, in deren Kreis wir gestellt sind. Der Umfang dieses unseres Wirkens wird sich richten nach dem Grade„ in dem wir uns unserer Pflicht bewußt werden, die uns von Gott verlie henen Gaben für andere nutzbar zu machen. Je weiter sich dann die Früchte dieser selbstlosen Arbeit erstrecken, um so reicher gestaltet sich unser Lebenswerk und unser Lebenserfolg. sonders von unserer kleinen Rose. Benjamin Franklin, der große ens chen⸗ b freund, sagte einmal:„Ich bin immer der Ansicht gewesen, ein nur leidlich mit geistigen Gaben ausgestatteter Mann vermag wich⸗ tige Veränderungen unter den Menschen zu bewirken und Große es durchzuführen, wenn er sich nur einen guten Plan entwirft, alle bloßen Vergnügungen und Ablenkungen gering achtet und der Ausführung dieses seines Planes auch wirklich die Hauptkraft seines Lebens widmet.“ Selbstsucht ist. Gerade unser Volksstaat muß als oberste Grundforde rung die Losung auf⸗ werfen:„Alle für einen, einer für alle!“ Auch wer seine meiste Zeit und Kraft in 5 85 Beruf aufzuwenden hat, muß doch stets so viel Muße finden, daß er in gemein⸗ nütziger Arbeit irge endwelcher Art sich be⸗ tätigt. In Gewaltmärschen bis zur Marne. Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns d. R. Landgerichtsrat Trümpert, Gießen. (Fortsetzung.) Heute Marsch bei Jurchtbarer Hitze über La Besare, Grandes Armoises nach Sy, wo wir gegen Abend Biwak beziehen. Heute kam Post aus der Heimat. Meine Schwester schrieb mir von den anderen Lieben, be⸗ Ich las den Brief bei einer Marschpause, abseits der Batterie sitzend. Da icberdam mich starkes Heimweh. Die Unverheirateten haben es leichter im Krieg. 1. 9. 1914. Gestern bezogen wir schon in aller Frühe eine Feuerstellung bei Sy, er⸗ Artilleriefeuer, kamen aber selbst nicht zum Feuern, da der erwartete feindliche Angriff ausblieb. Wir schliefen bei den Geschützen ohne Stroh, ohne Zelt auf einer luftigen Höhe; es war ein hartes Lager und gegen Morgen recht feucht. Nun gibt es wieder nichts Warmes zu trinken. Mittags hat es einen Teller dünne Suppe gegeben. Nach einem Marsch über Oches, St. Pierremont haben wir bei Fontenoy Biwak bezogen. In den meisten Orten, durch die wir kom⸗ men, sind nur einige alte Bente zurück⸗ gebl lebe n, die nicht mehr fliehen konnten. Es 11 ihne en nichts, und ihr Hab und Gut leiben unberührt. Da fast alle geflohen sind, kaun man über die Bevölkerung der von uns durchzogenen Ge genden keine Beobach⸗ tungen machen. In der hiesigen Gegend (Departement des Ardennes) befindet sich in den meisten Orten ein großer Gutshof, im übrigen bescheidene Häuser und viele Holzbauten, die Kirchen sind meist klein und unansehnlich, wie auch die Ortschaften selbst. Gefallen haben mir nur hier wie in Belgien die großen Waschhallen mit durch⸗ Solcher Gemeinsinn gibt unserm Leben fließendem Wasser, die wohl jedes Dorf erst Juhalt und die höhere Weihe. Er be⸗ hat. die einzige Lösung der Ver⸗ durch Wagen, Walzen u. dgl. gesperrt. Sehr deutet auch — Fast überall sind die Ortsausgänge — unangenehm ist, daß, wie auch in Belgien, sehr viele Felder und Wiesen mit Draht eingezäunt sind. Das Straßennetz und die Wegebezeichnungen sind sehr gut, alle Ort⸗ schaften durch gute Chausseen miteinander verbunden. 2. 9. 1914. Von allen Kriegsschauplätzen, auch vom russischen, werden große Erfolge der deutschen Waffen berichtet. Wenn es doch bald zu einem entscheidenden Schlag käme; dann könnte sich der Krieg doch nicht zu lange hinziehen. Ich bekomme sehr wenig Post, Zeitungen haben wir gar nicht. In einer Viertelstunde treten wir den Weiter⸗ fuse an, um den fliehenden Feind zu assen. wo es an einem Straßendreieck langen Halt gibt, da viel Kavallerie vorbeikommt. In der Nähe Schießerei. Es ist inzwischen Abend geworden. Bei herrlichem Mondschein nehme ich mit dem Abteilungskommandeur, seinem Adjutanten und den drei Batterieführern, am Straßenrand sitzend, ein bescheidenes Abendessen ein. Es folgte nun ein Nachtmarsch durch das Städtchen Grandpré vorbei an Senuc nach Montchartin. Wir halten oft. Ich schlafe dann fast ein, während ich neben meinem Pferd stehe. Die Verbindung nach vorne reißt ab, und wir müssen eilig nachrücken. Neben der Straße auf den Feldern stehen viele Wagen, mit dem Hausrat der geflüch⸗ teten Bevölkerung beladen, die sie dann wohl, da sie die Marschstraße der zurück⸗ gehenden Truppen sperrten, zurücklassen mußten. Bei einem im Straßengraben liegen⸗ den Wagen ist ein altes Mütterchen ge⸗ blieben. Die Aermste konnte wohl nicht mehr weiter kommen oder sich nicht von ihrem Heimatdorf trennen. Nun steht sie verlassen in der kühlen, schaurigen Nacht. Es herrscht leichter Nebel. Bei dem Mondschein erscheint alles spukhaft. Neben der Straße rauscht der Bach über ein Wehr. Das Tal wird eng. In den Wäldern links entwickelt sich zeit⸗ weise Infanteriefeuer. Während wir in Montchartin halten, beginnt vor dem Orts⸗ ausgang ein lebhaftes Infanteriefeuergefecht. Wir gehen in dem Feuer durch eine Hofreite hindurch in Stellung, können aber, da bei der Dunkelheit die Lage nicht zu übersehen ist, nicht eingreifen. Erst als es hell ge⸗ worden war, gaben wir einige Gruppen ab. Es handelte sich wohl nur um schwache, den Rückzug deckende Truppen, die sich beim Morgengrauen im Wald verlieren. Beim Erkunden einer neuen Stellung verstauchte ich mir den Fuß und kann nun nicht reiten. Den Weg Grandpré6— Montchartin, zu dem wir in dieser Nacht viele Stunden brauch⸗ ten, und der mir gar weit erschien, habe ich 1916 oft zurückgelegt und dabei mit Er⸗ staunen festgestellt, daß er etwa nur eine Stunde betrug. 4. 9. 1914. Um 7 Uhr verließen wir nach wohltuend langer Ruhe Autry, wo gestern die ganze Abteilung Biwak be⸗ zogen hatte. In diesem trieb sich abends ein französischer Bauer herum, angeblich um nach einem ihm abhanden gekommenen Pferd zu 5 5 Da mir gemeldet wurde, daß er versucht habe, Soldaten auszufragen, ob wir aktive Truppen oder Reservisten seien u. dgl. m., also der Verdacht der Spionage nahelag, veranlaßte ich seine Festnahme; heute morgen sah ich, daß er mit anderen Zivilisten weggebracht wurde. Bei einer an⸗ deren Batterie ging es gestern abend sehr vergnügt zu. Vor zwei Tagen wurden in einer Scheuer französische Musikinstrumente : 5 gefunden. Damit konzertierten unsere Leute. Marsch über Briguenay bis le Morthomme, 0 i 0 Unter anderem spielten sie„Deutschland, Deutschland, über alles“ auf den französi⸗ schen Militärinstrumenten. Diese haben aber einen ganz anderen Klang als die unseren. Die Soldaten sangen Lieder, wie„Teure Heimat“ u. a. Das war die innere Be⸗ freiung nach den schweren Erlebnissen und Anstrengungen der letzten Tage. Die Mann⸗ schaften der Abteilung stammen zum großen Teil aus dem Rheinland(Rheinprovinz und Rheinhessen). Sie bewahren sich auch in unangenehmen Zeiten ihren guten Humor und kommen rascher über das Schwere hin⸗ weg wie die schwerblütigen Oberhessen. Durch die für die Artillerie— wegen des dichten Unterholzes aber auch für die Infanterie— sehr unangenehmen Wälder der Ardennen und Argonnen sind wir nun hindurch. Wie manchen braven Reitersmann der Res.⸗Dra⸗ goner Nr. 4 sahen wir morgens neben der Straße liegen, der in der Frühe auf Pa⸗ trouille geschickt worden war und bei dem unübersichtlichen Gelände durch eines ver⸗ steckten Feindes Kugel einen raschen Tod gefunden hatte.„Gestern noch auf stolzen Rossen, heute durch die Brust geschossen, morgen in das kühle Grab... Darum still, darum still, füg' ich mich, wie Gott es will...“ Heute Marsch über Condé lez Antry, Servon, wo der katholische Pfarrer mit vielen Bewohnern zurückgeblieben war, Malmy, Courtémont nach Valmy bei furcht⸗ barer Hitze und üblem Staub; viele Infan⸗ teristen wurden marode. Ich fuhr wieder auf einem Munitionshinterwagen, was recht unbequem und staubig ist. Ich könnte ja auch auf einem Wägelchen bei der Bagage fahren, aber wenn die Batterie in Feuer⸗ stellung geht, will ich doch dabei sein. Gegenüber dem Denkmal zur Erinnerung an die Kanonade von Valmy(20. 9. 1792 bezogen wir gegen Abend Biwak. Am Abend tranken wir— zum erstenmal— zwei Fla⸗ schen Sekt; es war, da wir seither nur Rotwein außer Kaffee batten, eine ange⸗ nehme Abwechslung. Viel mehr Sekt kam in Frankreich auch späterhin nicht an mich. [Mit dem Wassertrinken muß man sehr vor⸗ sichtig kann. dem lä 55 95 überste und en Valmy bar no stattgef früh b Gizanc teau.! einen Somm dem 6 und B Nach ein be Aber geblieb schen! frisches letzten flohen das N geht d St. M. um 6 zählte durchzi ihr ges 6. 9 Exz. Deutsc Helldo Uebe wir m erstenn zen. 9 fechtst Stellu in Fla Braba Biwak 8 0 Infan serem schütze, halten Straß links der S viel, 1 Wir b Feuer Wir l einschr ginnen tillerit anhält aufhör Wir Stellu tagsül abend; eßen wir utry, wo iwak be⸗ h abends jeblich um nen Pferd e, daß er agen, ob sten seien Spionage estnahme; t anderen einer an⸗ bend sehr burden in istrumente ere Leute. eutschland, französi⸗ haben aber e unseren. ie„Teure nnere Be⸗ tissen und hie Mann⸗ im großen zovinz und auch in en Humor hwere hin⸗ ssen. 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In dem Schlößchen sind hübsche alte Möbel und Bilder, Billardzimmer, Fechträume usw. Nach den Stallungen zu schließen, muß ein bedeutender Viehstand dagewesen sein. Aber es ist kein lebendes Wesen zurück⸗ geblieben, außer dem Kanarienvogel. Zwi⸗ schen den Stäben seines Käfigs steckte ein frisches Salatblatt, ein Zeichen, daß die letzten Bewohner wohl erst am Morgen ge⸗ flohen waren. Wer wird nun weiter für das Vögelchen sorgen? Bei großer Hitze geht der Marsch weiter über Epense bis St. Mard sur le mont, in dessen Nähe wir um 6 Uhr Biwak beziehen. Eine Frau er⸗ zählte uns heute, die in den letzten Tagen durchziehenden französischen Truppen hätten ihr gesagt, sie seien auf dem Weg„à Berlin“. 6. 9. 1914. Da der Divisionskommandeur Erz. Torgany wegen Erkrankung nach Deutschland mußte, führt jetzt General von Helldorf unsere Division. Ueber Possesse und Charmont kommen wir mittags nach Vroil. Heute reite ich zum erstenmal wieder, wenn auch unter Schmer⸗ zen. Ringsum herrscht heute lebhafte Ge⸗ sechtstätigkeit. Wir nehmen verschiedene Stellungen ein. Abends rücken wir an dem in Flammen stehenden Revigny vorbei durch Brabant le roi und beziehen nahe dabei Biwak. 7. 9. 1914. Morgens beginnt schon früh Infanterie⸗ und Artilleriefeuer. Bei un⸗ serem Biwak stehen erbeutete feindliche Ge⸗ schütze, die ersten, die ich gesehen. Wir er⸗ halten bald Marschbefehl und gehen auf der Straße nach Laimont vor, biegen dann links ab und gehen unweit Fontenoy neben der Straße in Stellung, von wo aus wir viel, meist auf weite Entfernungen, feuern. Wir bekommen bis 7 Uhr abends dauernd Feuer von leichter und schwerer Artillerie. Wir haben die reglementmäßigen Geschütz⸗ einschnitte gemacht. Vor Dunkelwerden be⸗ ginnen die Franzosen ein ganz tolles Ar⸗ tilleriefeuer, das etwa eine halbe Stunde anhält. Der Boden erdröhnt von den un⸗ aufhörlich einschlagenden Geschossen. Wir bleiben die Nacht feuerbereit in der Stellung. Gestern und heute haben wir tagsüber wieder nichts zu essen bekommen, abends Speck, Brot und Rotwein. Jetzt 12 sitzen wir im Schutze der etwas höher liegen⸗ den Chaussee mit Kameraden der 4. und 6. Batterie, deren einer die Geburt eines Kriegsjungen feiert, gemütlich zusammen. Wir verstehen einander gut und halten treu zusammen. Bei unseren Kanonieren habe ich die Kameradschaft häufig vermißt und ihnen schon mehrmals eindringlich Vorhaltung dar⸗ über gemacht; es bessert sich auch schon. Hauptmann von Hirschberg, der 10 Jahre in Deutschsüdwestafrika lebte und im Juni von dort zurückkam mit der Absicht, seinen Abschied zu nehmen, bei Kriegsausbruch sich aber sogleich seinem alten Regiment 61 zur Verfügung stellte, erzählt interessant von seinen Erlebnissen in Afrika, dem Klein⸗ krieg und seinen Beschwerden. Auch ihm gehen, wie uns, die jetzigen Anstrengungen und die Häufigkeit der Kämpfe weit über alle Erwartungen. Auf der Chaussee fahren die Feldküchen vor, um die in Fontenoy und Laimont liegende Infanterie mit Essen und Kaffee zu versorgen. Allmählich tritt auf dem Gefechtsfeld Ruhe ein und wir strecken uns auf unser Strohlager aus. Dieser un⸗ weit dem Rhein⸗Marne⸗Kanal, nordwestlich Bar⸗le⸗Duc, gelegene Punkt war der süd⸗ lichste, den wir in Frankreich erreichten. (Fortsetzung folgt.) Urgroßtantens RNaritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Schluß.) Und dann folgte ganz langsam, als ob sie zu sich selbst spräche, die Geschichte der eignen Jugendliebe. So einfach, so ruhig, so wie alle Tage sprach sie. Sie war ein ernstes, ruhiges Mädel, er ein übermütiger, lustiger Student. Beide ver⸗ wandt und seit Kindertagen bekannt. Er war der älteste von sechs Geschwistern, die Mutter früh gestorben, der Vater streng und konnte sich wenig um die Kinder kümmern. Ein kaltes Heim. Da tat das warme Plätzchen bei des Vaters Schwester doppelt gut, und das gleichaltrige Bäschen war eine liebe Spiel⸗ gefährtin. Und als er ein Bruder Studio auszog, nahm er das Herz des Mädels mit. Nun aber rächte sich die zwanglose Er⸗ ziehung. Der Lebensübermut schlug über die Grenzen. Man machte törichte Jugend⸗ streiche, nichts Schlechtes, nur Unbedachtes und das dumme Mädel saß zu Hause und heulte sich die Augen rot, wenn es hörte, was der strenge Oheim vom lüderlichen Sohn be⸗ richtete, der sich zwei Polonaisen auf einmal machen ließ, einen Kragenmantel trug, sich einen großen Hund hielt und Schulden machte. Die Ferien brachten den Herzliebsten heim. Er kam, vom Elternhaus verbannt, vor Tan⸗ tens Tür und wurde aufgenommen. Eine selige Zeit, und als sie vorüber, ein Ab⸗ schied mit tausend heiligen Versprechungen. Und kurz darauf dieselben Klagen von neuem. Sein Vater ging zu dieser Zeit auf Freiers Füßen und brachte ein schönes junges Weib ins Haus. Da war der stattliche Sohn doppelt überflüssig daheim, und das Vater⸗ herz hatte anders zu denken, als sich um den flotten Studio zu bekümmern. So kam der letzte Schlag: Wilhelm war unter die Demagogen geraten, das wurde entdeckt, und er mußte fliehen. Als der Abschiedsbrief an⸗ kam, schwamm der Schreiber schon der neuen Welt entgegen. Das Lied war aus. Ein Mädchenherz lernte die Bitterkeit der Ent⸗ sagung kennen, nachdem es noch Jahre lang gebangt und gehofft. Er blieb verschollen. serweht war jede Spur von dem über⸗ mütigen lustigen Liebsten.——— „Die Silhouette und ein Päckchen Briefe mit dem blauen Band dort in der Schatulle, die gebt mir mit ins Grab“, so endete das Altchen. Es war stockdunkel geworden. Ich stand auf und küßte ihr leise die Hand. „Mach' Licht an“, befahl sie mit lauter Stimme. Zum Nachtessen führte ich Tante herüber. Im Vorbeigehen sah sie den grünen Tannen⸗ baum stehen:„Putzt du ihn heute noch? Tu viel Konfekt dranhängen!“ „Ach, Tante, es schmeckt dann nachher so schlecht“, entgegnete ich. „Ja, aber putze ihn ja nicht nur mit Glas, sonst muß ich sterben.“ Ein starker Hustenanfall unterbrach sie hier. Ich lachte:„Ach geh doch, Tantchen, Aber⸗ glauben!“ „Nein, das ist kein Aberglauben, das ist so“, erklärte sie sehr bestimmt. Es schmeckte ihr heute nicht, und früh schon ließ sie sich hinüberführen. Schon in der Nacht litt sie so stark an Atemnot, daß das alte Mädchen, das neben ihr schlief, meine Mutter holte. Am andern Tag war ihr Zu⸗ stand schlecht. Der herbeigeholte Arzt zuckte die Achseln und sagte nur:„neunundachtzig Jahre“. Weiter sagte er nichts. Große Be⸗ stürzung bemächtigte sich unser aller. Kein Mensch dachte daran, den Baum zu putzen, und als die Bescherstunde kam, da wußten wir schon, daß der Todesengel über unserm Haus schwebte, und ich, dachte wehmütig an — 128— leises Geräusch beim Atmen störte die fried⸗ liche Stille. Ich strich ihr leise über die eine Hand, da murmelte sie deutlich die Worte: „Mutter, ich komme“. Sie sah ihre Mutter im Traum. So saßen wir zusammen, meine Mutter und ihr großes Mädel, bis der Morgen graute. Der Atem war merklich schwächer und langsamer geworden. Das Nachtlicht schwelte. Ich öffnete des⸗ halb ein Fenster und den Laden, um zu sehen, ob's schon hell sei. Im selben Augen⸗ blick, als das fahle Dezembermorgenlicht her⸗ einfiel, fingen die Weihnachtsglocken an zu läuten. Da ließ mich ein leiser Ton, es klang abermals wie„Mutter“, herumsehen. Der Arem der Schlummernden stand still, Groß⸗ tante Luise hatte ihren letzten Seufzer aus⸗ gehaucht. Ruhig schlafend lag sie friedlich da. Ich stand wie erstarrt und reichte meinem weinenden Mütterchen die Hand.„Das ist der Tod!“ Dann fiel ich ihr um den Hals: „Mütterchen, ich fürchte ihn jetzt nicht mehr“. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 15. August, 11. n. Trinitatis. Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: S. Jo⸗ hannes kirche.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarr⸗ assistent Ramge. Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zu⸗ gleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfr. Bechtols⸗ heimer.— Vormittags 9½½ Uhr(zugl. Militärgsd.): Pfr. Ausfeld. * Evangelischer Arbeiterverein. Sonntag den 15. l. Mts., vormittags 8 Uhr Frühgottesdienst in der ehemaligen Schloßkirche auf dem Schiffenberg. Prediger: Herr Pfarrer Becker. Mitwirkende: Bläser⸗ chor des Wartburgvereins sowie unsere Gefangsabteilung. Abmarsch 6 ½ Uhr Ecke Schiffenberger Weg und Licher Straße. Zu diesem Gottesdienst hat jedermann Zutritt. Familienkarten zum Gartenfest auf der Liebigshöhe am 22. l. Mts. sind zu 1 Mk. zu haben bei Friseur Büttner, Landgraf⸗ Philipp⸗Platz und Schuhmachermeister Heß, Erednerstraße, Eintrittskarten für Nichtmit⸗ glieder(à Person 1 Mk.) auch bei Schreib⸗ materialienhändler Bingel, Lindenplatz und die letzte Geschichte, die mir Tante Luise im Reformhaus, Kreuzplatz. Der Nachmittag erzählt hatte. Wir gingen auf unsrer Mutter Geheiß zur Ruhe. Mitten in der Nacht wurde ich wach und schlich hinüber ins Hinterstübchen. Da saß unsre Mutter und hielt die Hand unsers Altchens. Das lag ruhig und friedlich auf l Die Frühgottesdienst auf dem Schiffenberg. An⸗ feinen Kissen, die Augen geschlossen. ist in der Hauptsache den Kindern gewidmet, während der Familienabend nur für Er⸗ een bestimmt ist. Wartburg⸗Verein. Sonntag den 15. August. Beteiligung am Nachtlampe brannte und beleuchtete das fast schließend: Tagesausflug nach dem Pfahl⸗ lächelnde Gesichtchen, das in den letzten graben. Führer: Engels, Pfaff, Schön. Ab⸗ Stunden ganz klein geworden war. Nur ein marsch um 7 vom Ludwigsplatz. Verantwortlich: Pfarrer Be cht 0 lsheimer. Druck und Verlag der Brühb'schen Universitäts-Buck⸗ und Steindruckerel R. Lange, Gießen. Evang. der der frei. Unsere aller Ar Mißbrau trieben, teil verke unserer umgespri aus und so verwe der Fre gleichgest setzungen denn we Schiller „Beherrf lische Ki heißt ih Wir füg Kraft gi liegt nit stets der bundenhe hohen, a menden haft frei wir Sk unfrei, 1 Die Fre belastet antwort! Maßstab finden n schen in einer St die Gun die Lehr pheten, nicht Ki ewige G hat, kan! freiheitli als erste Freiheit e —Beherrsce hindern, zusteigen Höhe ste „Wenn Des Me Herrsch'