ie Mutter sprach; goldenen, nach, m Ziele!“ allzu ge⸗ schwind, mmer; n Königs⸗ kind r.— t ich ver⸗ sprach tunden. en Tag n. Frech. kuli. 9/ Uhr: zormittags Markusge⸗ inge Mon⸗ Vereini⸗ n Jugend rstag den starkussaal Markusge⸗ ma„Wie 9½ Uhr; 11 Uhr: gemeinde: hr: Pfar⸗ 1/8 Uhr: tännlichen — Mon⸗ ihr: Ver⸗ ichen Ju⸗ twoch den ynsgottes⸗ eitag den reinigung gend der mmenden n Abend⸗ heiligen hannesge⸗ r erbitten eindruckerei S onntagsgruß emeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr II Gießen, Lätare, den 14. März 1920 9. Jahrg. Die Schmach des Kreuzes. Evangelium des Matthäus 26, 67 und 68. Da spieen sie aus in sein Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten, etliche aber schlugen ihn ins Angesicht und sprachen: „Weissage uns, Christe, wer ist es, der dich schlug?“ In dem schönen Liede unseres Gesang⸗ buches, das mit den Worten beginnt„Es; glänzt der Christen inwendiges Leben“(Nr. 308), ist die Rede von der Schmach des Kreuzes. Jesus hat in seinem Todesleiden die Verachtung verwilderter Menschen tra⸗ gen müssen. Man hat ihm in das Angesicht gespieen, ihn mit Fäusten geschlagen, ihn höhnend einen König genannt und, grau⸗ samen Spott mit ihm treibend, ihm die Dornenkrone aufgesetzt, einen alten Sol⸗ datenmantel umgehängt und ein Rohr in die Hand gegeben. Er hat diese Schmach ruhig getragen im Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater und im Vertrauen auf ihn. Dieses Vertrauen hatte eine große Belohnung. Der, den die Menschen so ge⸗ schmäht haben, gilt heute der Christenheit als„Siegesfürst und Ehrenkönig, höchstver— klärte Majestät“, und Gott hat ihm ge— geben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Noch heute geht mitunter Schmach über den, der sich zu Jesus bekennt. Christliche Frömmigkeit steht bei vielen nicht hoch im Kurse, man lächelt über den, der von dem Gefühle seiner Sündenschuld er üllt ist; ein Freigeist zu sein, erscheint vielen ehren⸗ voller als ein Gotteskind zu sein. Das Gebet wird als eines starken und freien Menschen unwürdig hingestellt. Der Christ trägt diese Schmach mit aller Ruhe. Kennt er doch den, der weit größere Schmach getragen hat, nun aber zur Rech⸗ ten Gottes sitzt. Auch das weiß der Christ, daß der Heiland für ihn diese Schmach getragen hat, ihn erlöst hat von der Sünde und dem Tode. Er, der ans Kreuz erhoben, Getragen meine Schmach, Ruft er mir nicht von oben: Komm, folge du mir nach! Urgroßtantens Raritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Fortsetzung.) 6. Pascha Bum bum. Heute ist großes Reinmachen, und der Glasschrank steht geöffnet mit all seinen Herrlichkeiten. Meine Freundinnen und ich dürfen helfen, jedes Stück fein säuberlich zu reinigen und wieder an seinen Platz zu stellen. Da finde ich ihn wieder, den Liebling meiner Kindheit, der die hehrsten und schmerzlichsten Gefühle schon bei mir hervorgerufen hatte, den Pascha Bumbum. Er war mir von Freundeshand aus Paris gesandt worden, aber ich durfte ihn nur ansehen, obgleich er seiner Natur nach für Höheres bestimmt war, nämlich aufgegessen zu werden. Aus Hustenleder bestand er, so wie wir es oft in der Apotheke erhielten. Fein säuberlich bemalt und appetitlich mit Zucker verziert, ein einziger großer Gummi bonbonmann, das war mein Pascha Bum bum.„Er ist zu schade zum Essen“, be⸗ stimmte der Mutter Machtwort, und so wanderte er in den Glasschrank, wo er seit Jahren stand und halbvergessen doch jedes mal beim Wiedersehen sowohl die süßesten als auch Gefühle gemischter Art bei mir hervorrief. „Großtante, er ist jetzt ganz verstaubt“, so klagte ich heute bei seinem Anblick.„So gib mal her“, und ehe ich mich's versah, hatte ihn Tante Luise an sich gerissen. Sie stand mit hochaufgekrempelten Aermeln, eine große blaue Schürze hatte sie umgebunden, die Haube war kriegerisch auf das eine Ohr gerutscht. it Ihre Wasch chüssel, gefüllt mit Wasser, die Nagelbürste und ein großes Stück Kernseife bildete ihr Handwerkszeug, und damit wurde nun jedes Stück unbarm⸗ herzig der Generalreinigung unterzogen, und eben zu meinem großen Schrecken auch mein Pascha Bumbum. „Aber Großtante, er schmilzt am Ende.“ „Ach, papperlapapp, rein muß er sein,“ und damit seifte die Tante den Gummi⸗ mann tüchtig ab und trocknete ihn dann mit dem Handtuch. „Jetzt aber schnell, Ihr Mädels, den Schrank wieder eingeräumt, es wird schon schummerig! Karlchen, geh mir von den Füßen weg, du stellst hier nur Unheil an!“ Die letzten Worte galten meinem klei⸗ nen Bruder, der unnötigerweise dabei herumkroch und naseweis alles betastete. „So, ich glaube, jetzt ist es so weit, wir können zuschließen,“ fuhr die Tante fort und überschaute befriedigt ihr Werk. Wir waren nicht wenig stolz darauf, wie alles und warteten Aber das war so hell blinkte und blitzte, auf ein Wort des Lobes. rar bei Tante Luise. „Macht jetzt, daß ihr hinauskommt, es ist ein Wunder, daß nichts kaput gegangen ist bei der Hilf; denn Kinderarbeit ist Dreck⸗ wert, hat schon meine Mutter selig gesagt.“ Mit diesem Segensspruch waren wir entlassen.—— Karlchen kann nicht einschlafen. Die be⸗ sorgte Mutter befühlt seine Stirn, der Kleine spricht immerfort leise einen Namen, aber der Kopf ist kühl. „Was hast du, mein Liebling, sag mir doch, was meinst du? Pascha Bumbum, ja was ist denn mit ihm, du brauchst dich doch nicht zu fürchten, Mutter ist bei dir.“ „Der Pascha Bumbum auch.“ „Ach, Unsinn, was schwatzest du für Zeug, er steht ja in Tantens Glasschrank.“ N „Nein, er ist bei mir und macht jetzt bum bum in meinem Bauch. Ich—— habe ihn doch auf aufge— gessen!“ Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 22. Eine bemerkenswerte Gießener studentische Leichenfeier im Jahre 1840. Mitgeteilt v. Dr. Karl Esselborn-Darmstadt— Wenn man den Alten Friedhof zu Gießen durch den Haupteingang an der Licher Straße betritt und sich dann nach einigen Schritten nach der Kapelle wendet, so stößt man auf eine Rasenfläche, auf der nur noch wenige Gräber durch die darauf stehen⸗ den Kreuze kenntlich sind. Auf dieser Rasen⸗ fläche befindet sich jedoch auch ein mit einem Gitter umgebenes Doppelgrab mit einem sehr gut erhaltenen, stattlichen Grab⸗ 425 mindesten hindernd in den Weg, sondern Siegfrieden, geboren am 4. Juni 1822 zu Darmstadt und immatrikuliert am 23. Okto⸗ ber 1838, der älteste Sohn des Hofgerichts⸗ advokaten Dr. Gottlieb Siegfrieden in Darmstadt und dessen Gemahlin Charlotte geb. Klunk. Am 12. März 1840, einem Donnerstag, wurden sie zu Grabe gebracht. Ueber die Trauerseierlichkeit, die mit unge⸗ wöhnlichem Gepränge ausgestattet war, hat sich in der„Didaskalia“(Nr. 80 vom 20. März 1840) ein ausführlicher Bericht erhalten, der kulturgeschichtlich so bemer⸗ kenswert ist, daß er an dieser Stelle mit⸗ geteilt zu werden verdient. Er lautet: „Die Studierenden boten alles auf, um die irdische Hülle der Verblichenen so feier⸗ lich als möglich und dem alten Burschen⸗ brauch gemäß zu bestatten, und von sciten der Universitätsbeyörde trat man auch nicht im ließ manches zu, was früher streng verpönt war. Das Begräbnis fand abends zwischen sieben und acht Uhr statt. Den Zug er⸗- öffnete der Zuganführer in schwarzer Polo⸗ naise, mit schwarz und weißer Trauerschärpe, in Kollern und Kanonen, dreieckigem Hut mit schwarz und weißen Federn, gelben bel. Rechts und links ein Fackelträger. Ihm folgte die Musik, umgeben von Facke trägern. Nach diesen kamen drei Marschälle, schwarz gekleidet mit langen Marschallstäben. EE folgte der Pfarrer Christian Philipp Wilhelm Bonhard begleitet von zwei Chapeaux d'honneur. Zu beiden Seiten steine, der von einem kleinen Kreuze ge⸗ krönt wird. Es ist dies der gemeinsame Grabstein der am 10. März 1840 gestorbe⸗ nen Studenten der Rechtswissenschaft Kar! Ludwig Helfrich von Müller und Karl Siegfrieden. Die Grabinschrift des Erstgenannten weist außer den Daten über Geburt und Tod noch die Worte auf:„Er war der Wittwe einziger Sohn, der beste Bruder und treuste Freund.“ An Karl Sieg⸗ frieden erinnern die Worte:„Er wurde abgerufen der gute Sohn und Bruder, der an Geist und Herz ausgezeichnete Jüngling, damit eine hienieden schon so herrlich ent⸗ faltete Blüthe gepflegt werde im Lande der Seligen zur Entwicklung köstlicher Frucht.“ Nach einer landläufigen Annahme sind beide im Zweikampf gefallen. Das trifft aber nicht zu, sie waren vielmehr ein Opfer des Nervenfiebers, das damals mit solcher Hef⸗ tigkeit und Bösartigkeit in Gießen grassierte, daß ein ziemlich bedeutender Teil der Stu⸗ denten die Universität verließ und nach Hause eilte. Von den beiden beklagenswerten Opfern der heimtückischen Krankheit war der eine Karl von Müller, geboren im Jahre 1821 und immatrikuliert am 17. Mai 1838, der Sohn des verstorbenen Forstmeisters gleichen Namens zu Gladenbach und dessen als Witwe in Darmstadt lebenden Gemahlin ö sangen einige Studierende ein passendes Friederike geb. du Fay, und der andre, Karl Quartett. Darauf traten die Chargierten dann Fackelträger. Nun kam der erste Leichen wagen, mit vier Pferden bespannt; jedes dieser wurde von einem Stalljunker in schwarzem Frack, schwarzen Kollern, Kano⸗ nen und Stulpenhandschuhen geführt. Der Wagen war mit Kränzen und Guirlanden geschmückt. Hinter dem Wagen gingen die nächsten Freunde des Verstorbenen. Zu bei⸗ den Seiten Fackelträger. Nach den Leid⸗ tragenden folgten wiederum drei Marschälle, der Pfarrer mit zwei Chapeaux d'honneur, der zweite Leichenwagen, ebenfalls mit vier Pferden bespannt und von Stall⸗ junkern geführt. Hinter dem Wagen gingen wiederum die Leidtragenden, an die sich der übrige Fackelzug anschloß. In der Mitte des Zuges gingen sechzehn Chargierte, die den Zug in Ordnung hielten, Diese waren gekleidet mit schwarzen Sam⸗ metröcken, Trauerschärpe, Kollern und Ka⸗ nonen, Mützen mit Trauerkokarden, Stul⸗ penhandschuhen und mit gezogenem Säbel. Den Zug endigte der Zugbeschließer in demselben Anzug wie der Zuganführer. In solcher Ordnung bewegte sich der Zug lang⸗ sam d Grabe. Nach der Einsenkung hielt der Pfar⸗ rer eine diesem traurigen Falle ganz an⸗ gemessene Rede. in feierlicher Abendstille nach dem Nach Beendigung dieser Stulpenhandschuhen und mit gesenktem Sä⸗* zu beide über der mit der übrige das Gre einer ur Musikbe Zug de dem sog⸗ zusamm deamus gesunger zog mar Nach Siegfrie uhr auf ein steine un Kirchenb Genann tag. 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In zug lang⸗ ach dem der Pfar⸗ janz an⸗ ig dieser vassendes argierten zu beiden Seiten des Grabes und machten . 1 schon gesagt, daß sie aus Gründen der über demselben den sogenannten Ehrengang Difsziplin in militärische Hand gelegt wurde. mit den krummen Säbeln, während der übrige Zug, der sich in einem Kreis um das Grab aufgestellt hatte, das Lied:„Ist einer unsrer Brüder abgeschieden usw.“ mit Musikbegleitung sangen. Darauf verließ der Zug den Friedhof und bewegte sich nach dem sogenannten Schießhaus, wo die Fackeln zusammengeworfen und das Lied:„Gau— deamus igitur juvenes dum sumus usw.“ gesungen wurde. Nach Erlöschen der Fackeln zog man in die Stadt zurück.“ Nach dem Gießener Kirchenbuche soll Karl Siegfrieden am 12. März nachmittags um 2 Uhr gestorben sein. Diese Notiz beruht auf einem Schreibfehler, nach dem Grab⸗ steine und nach einer Notiz im Darmstädter Kirchenbuche bei dem Geburtseintrage des Genannten war der 10. März sein Sterbe⸗ tag. Daß das Begräbnis schon 5 Stunden nach dem Abscheiden erfolgt sein sollte, ist ja undenkbar. Der Bericht der in unserer Gegend einst sehr verbreiteten und hochan⸗ gesehenen Frankfurter„Didaskalia“ erwähnt zwei Pfarrer, das Gießener Kirchenbuch nur einen. Dieser Widerspruch wird so zu er⸗ klären sein, daß wohl zwei Pfarrer im Leichenzuge mitgingen, daß aber nur Bon⸗ hard die Grabrede gehalten und die Be— stattung vorgenommen hat. Bilder aus dem Uriegsgefangenenlager Gießen. Von Professor Dr. Fritz Schmoll, Hauptmann d. Res. a. D. (Fortsetzung.) Disziplinarer Bestrafung unterliegt der Fluchtversuch, d. h. der Gefangene, welcher flieht, wird disziplinarisch bestraft, sobald er vor Erreichung seines eigenen Heeres wieder aufgegriffen wird. Dagegen ist eine Bestrafung nach gelungener Flucht völker⸗ rechtlich nicht zulässig, also etwa nach einer zweiten Gefangennahme nicht vorzunehmen. Die gewöhnliche Disziplinarstrafe für einen Fluchtversuch betrug im hiesigen Lager 8—14 Tage Mittelarrest. Sie wurde allein durch den Kommandanten verhängt, wie berhaupt die Disziplinar-Strafgewalt ge⸗ nauestens durch Vorschriften geregelt war. Es war also völlig ausgeschloͤssen, daß so gestraft wurde, wie man es mir aus fran⸗ zösischen Lagern erzählte: ein Unteroffizier verhängt 5 Tage„prison“, der Leutnant verdoppelt sie auf 10, der Hauptmann auf 20 usw., bis der General vielleicht auf 60 Tage erkennt wegen irgend einer Lappalie. Wie gestaltet sich nun auf Grund dieser Haager Bestimmungen, die wie man sieht, geeignet und ausreichend sind, den Kriegs⸗ gefangenen ein erträgliches Los zu sichern, . vorausgesetzt natürlich, daß sie ge⸗ wissenhaft beobachtet und erfüllt werden as Leben in einem Lager? Was die Bewachung betrifft, so wurde Da die Liniensoldaten im Felde gebraucht wurden, so mußte fast ausschließlich auf den Landsturm zur Beaufsichtigung und Be⸗ wachung der Kriegsgefangenen zurückge⸗ griffen werden, und so finden wir, wie fast überall, auch in Gießen ein aus Land⸗ sturmleuten bestehendes„Bewachungsbatail⸗ lon“. Auch Verwundete und Kriegsbeschä⸗ digte kamen naturgemäß hinzu. Die über⸗ wiegende Mehrzahl des Bewachungsperso⸗ nals bestand aus älteren Leuten, teils ge⸗ dienten, teils ungedienten; auch das Offi⸗ zierkorps setzte sich aus solchen Offizieren zusammen, die vermöge ihres Alters oder Gesundheitszustandes oder infolge erlitte⸗ ner Verwundung für eine Feldverwendung nicht mehr in Frage kamen. Wenn man diese Umstände ins Auge faßt, vor allem auch daran denkt, daß manchen Landsturm⸗ mann die schwere Sorge um Haus und Hof, Beruf und Geschäft dauernd drückt, so wird man keine unbilligen Anforde⸗ rungen an das militärische Auftreten dieser schnell aufgestellten Truppen stellen dürfen, womit natürlich nicht gesagt werden soll, daß„Schlappheit“ bei ihnen erwünscht ge⸗ wesen oder gefördert worden wäre. Im Gegenteil! Im Rahmen der Möglichkeit wurde ein strammes soldatisches Leben ein— gerichtet und durchgeführt, und mancher 45⸗ jährige Landsturmmann, der viele Jahre hindurch dem militärischen Dienst ferne ge⸗ standen hatte, wurde wieder ein tadelloser Soldat, der es mit dem Jüngsten aufnahm. Aber die Hauptsarhe war: strengstes Pflicht⸗ gefühl und peinlichste Pflichterfüllung, und es darf wohl gesagt werden, daß der Land⸗ sturm seinen Aufgaben im ganzen voll ge⸗ wachsen war und sie treulich erfüllte. Und diese Aufgaben waren wahrlich nicht leicht! Sie stellten hohe Ansprüche an die körperliche und vor allem an die moralische Kraft. Jeder Gießener hat es sehen können alle die Jahre hindurch, wie die Tore des Lagers und seine Umgebung durch Posten bewacht wurden, und natürlich mußte auch im Innern der Barackenstadt ein Aufsichts⸗ und Bewachungsdienst eingerichtet werden. Während ein Teil des Bewachungsbataillons durch diesen äußeren Wachtdienst dauernd in Anspruch genommen wurde, war ein anderer Teil zu Dienstleistungen im Lager selbst kommandiert und trat infolgedessen unter die Disziplinargewalt von dessen Kom⸗ mandanten. In steigendem Maße mußten ferner aber auch die Landsturmleute als Kommandoführer der auswärtigen Arbeits⸗ kommandos verwandt werden, deren Zahl in der letzten Zeit vor dem Waffenstillstand auf über 2000 angeschwollen war. Dazu kamen die unzähligen Transporte, ein satt⸗ sam bekanntes Bild: eine Anzahl Kriegs⸗ gefangener mit Sack und Pack und da⸗ hinter ein Landsturmmann mit dem auf⸗ ——— — 4 4 gepflanzten Seitengewehr; denn er ist da⸗ für verantwortlich, daß die Gefangenen nicht entfliehen. Geschieht dies dennoch, so hat sich der Transportführer wegen„Ent⸗ weichenlassen von Kriegsgefangenen“, wie der ominöse Ausdruck lautete, vor dem Kriegsgericht zu verantworten. Daß solche „Entweichungen“ von den Arbeitskomman⸗ dos häufiger vorkamen, ist nicht verwun⸗ derlich, wenn man die oft mangelhaften Absperrungsmaßregeln in den Unterkünften in Rücksicht zieht und wenn man bedenkt, daß ein einziger Mensch eine größere An⸗ zahl Gefangener, oft 20—30 Mann, täglich und stündlich bewachen und dabei noch die mancherlei sonstigen Dienstverrichtungen wahrnehmen soll, als da sind Appeels, Aus⸗ gabe der Post und Pakete, Führung der Lohnlisten, Meldungen ans Lager usw. Und dazu kam oft eine gewisse Vertrauensselig⸗ keit. die sich aus längerem gemeinsamen Leben und Arbeiten ergab, die von seiten des Kommandoführers menschlich verständ⸗ lich war, aber von den Gefangenen nicht selten zu Fluchtversuchen ausgenutzt wurde. Es ist oben gesagt worden, daß die Be⸗ wachung und Beaufsichtigung der Gefange⸗ nen auch eine hohe moralische Kraft er⸗ forderte. Dazu noch ein paar erläuternde Worte! Jeder neu ankommende und jeder das Lager verlassende Gefangene mußte ge— nau untersucht werden, ob er nicht ver⸗ botene Gegenstände bei sich führte. Bei diesen Durchsuchungen gingen dem deut⸗ schen Wachtmann nicht nur größere Geld⸗ summen, Lebensmittel und dergl. durch die Hand, sondern oft auch die wertvollsten Gegenstände, darunter vielfach Dinge, die in Deutschland immer seltener wurden, z. B. Schuhzeug, Wäsche, Kleider, silberne und goldene Wertsachen. (Schluß folgt.) Kleine Mitteilungen. Der Vortrag, den Missionar Walther am 29. Februar abends 8 Uhr in der Johannes⸗ kirche hielt, war von ungefähr 800 Per⸗ sonen besucht, übte somit eine starke An⸗ ziehungskraft aus. Der Redner, der in fesselnder und anschau licher Weise zu reden versteht, namentlich auch das Naturleben (Tiere und Pflanzen) in Afrika scharf beob⸗ achtet hat, entwarf zunächst ein interessantes Bild von seiner Missionstätigkeit in Kame⸗ run, die vom September 1912 bis zum September 1914 währte, von seiner Berüh⸗ rung mit den Negern und seinen Reisen durch den Urwald. Im September 1914 geriet er in französischer Kriegsgefangen⸗ schaft und wurde mit anderen Leidensge⸗ fährten nach Dahomey verbracht. Mit Recht nennt er das dortige Gefangenenlager die „afrikanische Hölle“. Unter der Aufsicht von Negern mußten die Deutschen schwere Arbeit verrichten. Der Kommandant war gang. so grausam, daß er einzelnen Gefangenen, die nicht arbeiten konnten, Daumenschrauben anlegen ließ. Mehrere Gefangene, die man zwang, ein von Milzbrand verendetes Rind zu zerlegen und wegzubringen, erkrankten unter schweren Erscheinungen gleichfalls an Milzbrand. Trotzdem ließ man das Fleisch dieses Tieres kochen und den Gefangenen vorsetzen. Diese warfen es den Aasgeiern vor, welche es jedoch verschmähten. Re⸗ pressalien der deutschen Regierung machten diesen Zuständen ein Ende. nach Marokko und dann nach Frankreich, Im November 1919 erlangte er seine Frei⸗ 1 heit.— Die Gesangsabteilung des Evang. Arbeitervereins brachte unter der Leitung ihres Dirigenten Herrn Gernhardt am Be⸗ ginn und am Schlusse der Veranstaltung 1 in meisterhafter und ansprechender Weise Choräle zum Vortrag. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 14. März. Lätare. In der Stadtkirche. Vormittags 9 ¼ Uhr: Pfarrer Mahr.— Vorm. 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr.— Abends 6 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Mar⸗ kusgemeinde: Pfarrer Becker.— Montag den 15. März abends 8 Uhr: Vortrag der Frau Missionarin Wuttke über Dienst und Erfolg der Frauenmission. In der Johanneskirche. Vorm. 9½% Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 6 Uhr: Pfarrer Ausfeld: Feier des hl. Abendmahls für Lulas⸗ und Johannesgemeinde.— 8 Uhr: Bibelbesprechung im Joha nessaal.— Mitt⸗ woch den 17. März abends 6 Uhr: Pas⸗ sionsgottesdienst: Pfarrer Bechtolsheimer. Wartburg⸗ Verein. Sonntag den 14. März nachm. Spazier⸗ Abmarsch 2 Uhr Heim, Diezstraße. Abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung, Diezstraße. Da wichtige Vereinsangelegen⸗ heiten besprochen werden, wird um pünktl, und vollzähliges Erscheinen gebeten. Evang. Arbeiterverein. Sonntag den 14. März l. Is. abends 5 Uhr im Markus saal, Kirchstr., Märchen⸗ abend für die Kinder(musikalische Dar⸗ bietungen, Märchen von Ander en, Grimm usw.). Eintritt 20 Pf., auch Erwachsene haben Zutritt. Abends 8 Uhr im gleichen Saale Kam⸗ mermusikabend(leicht verständliche gute Musik). Der Besuch ist diesmal be⸗ sonders empfehlenswert. Eintritt 50 Pf. Eintrittskarten für beide Veranstaltungen sind auch für Nichtmitglieder zu haben bei Schreibmaterialienhandlung Bingel, Linden⸗ platz, und Friseur Büttner, Landgraf-Phil.⸗ Platz. Ein etwaiger Ueberschuß wird der 4 Sterbekasse des Vereins überwiesen. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen. Walther kam. Gem Nr. —— f Evangel tut Wenn Sünde! ausgelae so furch Mensche keit kein sei mor. Gefahr lange 3 hingerei zu verd man in kann„ jetzt hei Sack un Wohe nicht vo vom Vi auf ihn. offt ar chaffun sichtigen rika un herausz uns die Versam die ma Mit W̃ Weltges Helfer unsere wir mit unser U teriellen 75 er Ja Verderb wenn n geprüfte kann ni Guten. unsere begehrei neues 2 sonne leuchtet Gottes. f Aus de d. R. A Die dem sck