ohl zun 98 en. 05 an näher zu jetzt auf⸗ stets zu der Herr Da trat fiel, und nes hatte 1 1 m Hause kam. Wie 311 wei⸗ wir ihm eilich war 0 Nr ers vor⸗ c unglück⸗ beharrlich über war, er wohl an kaum kopf und i frischen usre Be⸗ „ urden. ohte Do⸗ tutzer!“ Mensch ie Reihe Juni. Christen⸗ katthäus⸗ / Uhr: iderkirche ker. zugleich rten der mer.— — Vorm. ohannes⸗ 2 Uhr: achtigal 1 Heim. end im ind ruckerei und mit e wurde er dieser Kompli⸗ onntags gruß emeindeblatt fuͤr die evaͤngelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 23 Gießen, 2. Sonnt. n. Trinitatis, den I3. Juni 1920 9. Jahrg. Freude. Psalm 73, 28. Das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte und meine Zu⸗ versicht setze auf den Herrn, daß ich ver⸗ kündige all dein Tun. In den Zug, der am Abend nach der Stadt fuhr, stiegen zwei junge Arbeiter, die Kornblumensträuße in den Händen hielten. Sie hatten sie auf dem Heimwege von der Fabrik am Rande des Kornfeldes gepflückt, sicherlich, um sie Menschen, die ihnen nahe⸗ stehen und die sie lieben, zu bringen. Die beiden jungen Männer machten einen so er⸗ freulichen Eindruck. Ihre Kleidung war rein⸗ lich und ordentlich, ihr Benehmen den Mit⸗ reisenden n freundlich und beschei⸗ den. Ohne 1555 man sie näher kannte, konnte man sagen, daß sie tüchtige und ernste Menschen sind, auf ein gutes Familienleben halten, keine schmutzigen Reden im Munde führen und ruhig und besonnen ihren Weg gehen. Die blauen Blumen gaben ihnen den Charakter des Festlichen, Freudevollen. Ich dachte, als ich sie sah, an Luthers Wort: „Freude und guter Mut in Ehren und Züch⸗ ten ist die beste Arzenei eines jungen Men⸗ schen, ja aller Menschen. Wenn ein Mensch fröhlich ist, so erfreut ihn ein klein Bäum⸗ 25 ja ein kleines Blümlein oder Sträuch⸗ ein. 4 Diese Arbeiter suchten und fanden Freude am rechten Orte. Viele Menschen suchen sie im Genuß, in der Herstren euung, in Ver⸗ gnügungen sinnlicher Art. Schöne Kleider, Perlenhalsbänder, Juwelen, Automobilfahr⸗ ten, durchtanzte Nächte, Schwelgerei an voll⸗ be setz ten Tischel n und bei aufregender Musik, das sind die Freuden, die jetzt viele, die im Kriege gute Geschäfte gemacht haben, er⸗ streben und auch finden, Freuden, auf die das graue Elend folgt. Der Christ findet da die rechte Freude, wo Jesus, der Freude— bringer, sie gesucht und gefunden hat. Auch er freute sich über die Blumen, nicht ohne Grund mahnt er in der Bergpredigt: Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie 1 Er freute sich über das Getreidefeld, das weiß war zur Ernte, über die Vögel unter dem Himmel, er freute sich über die guten und nach dem ewigen Heile verlangenden Menschen. Seine größte Freude aber war die, daß er sich zu Gott hielt, auf ihn seine Zuversicht setzte und den Menschen sein Tun verkündigte. Das war die Freude in dem Herrn, von der Paulus spricht, die voll⸗ kommenste Freude. Wer an Jesu Hand geht, dem wird diese Freude beschieden ein. H. B In Gewaltmärschen bis zur Marne.“ Aus dem Kriegstagebuche des Hauptmanns d. R. Landgerichtsrat Trümpert, Gießen. (Fortsetzung.) 22. 8. 1914. Die Nacht war feucht und kalt, aber ich schlief gut bis zum Morgen. Mittags hatten wir zwei Stunden Rast. Wir 5155 seit 1 Uhr nahes Geschütz- und Ma⸗ chinengewehrfeuer. Um 3 Uhr geht die Abteilung in Stellung. Heftiges Infanterie⸗ und Maschinengewehrfeuer im Wald vor uns. Um 6 Uhr macht meine(die 5.) Bat⸗ terie Stellungswechsel; bis dahin hatten wir noch keinen Schuß abgegeben, da sich kein Ziel bot. Um /½7 Uhr geht die Batterie im heftigen feindlichen Infanteriefeuer, aus einem Walde heraus kommend, wenige hun⸗ dert Meter hinter unserer hart bedrängten Infanterie(J.⸗R. 168 u. R.⸗J.⸗R. 83) in Stellung. Die Geschosse pfeifen um uns herum und machen die Pferde sehr unruhig. Ich komme aber mit der Batterie heil in Stellung; die Geschosse gehen meist über uns hinweg. Wir reiten an vielen toten und verwundeten Franzosen vorbei. Die feind⸗ liche Infanterie geht nach unserem Ein⸗ greifen bald zurück. Gegen 8 Uhr kommt unsere Infanterie, Gefangene 5 sich füh⸗ rend, aus der Mulde, in der sie hart hatte kämpfen müssen, durch unsere Feuerstellung und sagt, wir hätten unsere Sache gut ge⸗ 955 sie hätte schwer gelitten, ehe wir eingriffen; aber als unsere Geschosse ein⸗ schlugen, wären die Franzosen zurückgegan⸗ gen, andernfalls wäre es unserer Infanterie, die schwere Verluste hatte, schlecht gegangen. Es standen ihr hier französische Kolonial⸗ truppen(Regimenter 21, 22 und 23) gegen⸗ über. Unsere letzte Stellung war etwa 1 Kilometer westlich der Straße Neuf⸗ chateau Assenois bei Hoisseuse. Wir näch⸗ tigen an dieser Stelle, ohne Zelte aufzu⸗ schlagen: ringsumher liegen viele verwun⸗ dete Franzosen, die verbunden und auf Stroh gebettet worden sind. Am Horizont sieht man brennende Ortschasten. Wir sitzen ach lange um das Feuer herum und unter⸗ halten uns über die Eindrücke dieses ersten Kampftages. Wir hatten noch eine besondere Freude, als ein Kamerad, der als Verbin⸗ dungsoffizier bei der Divisi ion in Neuf⸗ chäteau gewesen war und bei der dort ein⸗ setzenden Schießerei aus Häusern und Kellern nach Meldung seines Begleiters gefallen sein sollte, plötzlich bei uns erschien. Er war nur S. Nr. 20. 90 leicht verwundet und erzählte von der Ver⸗ wirrung, die in dem Städtchen geherrscht hatte. Auf einer Feldpostkarte vermeldete ich den Meinen den Empfang der Feuertaufe und legte mich mit einem Dankgebet zur Ruhe nieder. 23. 8. 1914. Gestern abend und heute früh gruben wir uns in unserer gestrigen Stellung ein. Von den umherliegenden Ver⸗ wundeten sind nachts viele gestorben, die anderen wurden weggebracht. Um die Mit⸗ tagszeit kam endlich die große Bagage an. Es soll abgekocht werden. Aber damit fertig sind, trifft der Befehl zum sofortigen Abrücken ein. Die 5. Batterie kommt zu der Kolonne, die auf Suxy vor⸗ 5 unter Oberstleutnant v. W. vom Res.⸗ J.⸗R. 118. Ueber Hoisseuse, wo die Kühe mit übervollen Eutern, vor Schmerz brül⸗ lend, auf der Straße herumlaufen, geht der Marsch stundenlang durch ein für Ar tillerie sehr unangenehmes Gelände: tief— eingeschnittene, schmale Täler und dichte Wälder. Da Straimont und Suxy vom Feind geräumt waren, marschiert die Ko⸗ lonne weiter auf Jamoiare. Wir hatten einen schweren Kampf erpartet, dachten dann aber, als die beiden Orte aufgegeben waren, es komme heute nicht mehr zu einem Zusammenstoß. Als 9 7 die Führer den Wald verließen, saher sie auf der gegen überliegenden Höhe 9 Feind. Unsere Bat⸗ terie, die als einzige bei dem Iufaßterie Regiment war, trabte vor und ging um 7½ Uhr abends vor dem Wald in Stellung. Wir schossen auf geschlossene Infanterie kolonnen, bekamen aber selbst 5 Artilleriefeuer. Es standen uns 2 Batterien bei Izel gegenüber, deren Feuer wir zum Schweigen brachten. Etwa um 10 Uhr trat Ruhe ein. Wir schliefen bei den Geschützen und wurden nur einmal durch Infanterie⸗ feuer geweckt, das aber bald wieder auf hörte. 24. 8. 1914. Morgens gegen 6 Uhr setzt wieder Infanteriefeuer ein, der Feind ist also noch in der Nähe. Die Batterie geht zunächst auf einer Höhe bei Izel in Stel⸗ lung und beschießt das von feindlicher In fanterie noch besetzte Moyen und Izel. Bei unserem späteren Vorgehen wird in Moyen aus Häusern auf uns geschossen, weshalb Infanterie den Ort erst säubern muß. Auf unserem Weitermarsch müssen wir durch eine enge Straße, in der eine lange Häuserreihe in hellen Flammen steht, durch dichten Qualm und drückende Hitze traben, wobei einem der Atem benommen wird. In Izel gibt es langen Halt. Ein Laufbrunnen ge⸗ währt uns seit Tagen zum ersten Male Ge⸗ legenheit, Gesicht und Hände zu waschen, eine wohltuende Erfrischung. Nachdem sich vor dem Ort noch ein kurzer Infanteriekampf entsponnen hatte, können 5 endlich um 11 Uhr das ungastliche Izel verlassen. Bei sehr großer Hitze marschieren wir um die ehe wir Mittagszeit durch das hübsche, von deutschen Truppen wimmelnde Städtchen Florenpiff hinter welchem die Abteilung sich wieder zusammenfindet. In dem Wald, durch den wir nachmittags vorgehen, liegen rechts und links des Wegs viele zurückgelassene Mon⸗ tierungsstücke des französischen J.⸗R. Nr. 300, sowie kleinere Fahrzeuge, was darauf schließen läßt, daß der Feind sich in eiligem Rückzug befindet. In Florenville verlas ich einen Armeebefehl des Herzogs Albrecht von Württemberg, wonach die IV. Armee durch die zeitängen Kämpfe einen Sieg er⸗ rungen habe. Darnach dachten wir, einmal Ruhe zu bekommen und abends Biwak be⸗ ziehen zu können, aber es kam anders. Nach⸗ dem wir um 4½ Uhr nachmittags bei Villers die französische Grenze überschritten hatten und eine sehr steile Straße hinauf bis auf die Höhe gelangt waren, sahen wir vor uns die 6. Batterie links der Straße in schwerem Kampfe stehen. Die ganze Marschkolonne stockte. Da wir im Strichfeuer der französi⸗ schen Artillerie hielten, verließen wir nach einiger Zeit die Straße und fuhren durch ein Wiesental hinter einen Wald, der unter starkem Artilleriefeuer lag. Gegen 6 Uhr bekamen wir Den Befehl, in Stellung zu gehen. Im Trabe ging es in heftigem Feuer durch den Wald, einen sehr steilen Hang hinauf und in Stellung auf Höhe 357 östlich Tremblois. Hierbei wurden verschie⸗ dene Leute und Pferde verwundet. Mit dem Batterieführer arbeitete ich mich durch dich⸗ tes Gestrüpp bis an den Waldrand vor. Der Abteilungskommandeur zeigte mir das Ziel. Ich kehrte zur Batterie zurück und richtete sie ein. Das feindliche Artillerie feuer kam bald zum Schweigen, und wir feuerten noch auf Infanterie. Wie wir später erfuhren, hatten vormittags Truppen der 21. Division in denselbe en Ste lungen in verlustreichen Kämpfen gestanden. Die feind⸗ liche Artillerie war daher vorzüglich ein⸗ geschossen, als unsere Division auftauchte. Gruppe auf Gruppe“) folgte die Fran⸗ zosen nennen das rakale— und richtete viel Schaden an. Bei völliger Dunkelheit rückten wir endlich von der Höhe ab und vorbei an der als Verbandplatz eingerich⸗ teten Douane am Wegekreuz Tremblois— Villers und Florenville—Mogues, von der aus die Division aufmarschiert war und wo jetzt die Aerzte und Sanitätssoldaten ihres schweren Amtes walteten bis kurz vor Tremblois, das in hellen Flammen stand. Es gab kein Wasser für Menschen und Pferde; alle Feldflaschen waren leer. Dabei lech zte alles nach dem heißen, anstrengenden Tag nach einem erfrischenden Trunk. Durstig und hungrig legten wir uns nach 11 Uhr unter freiem Himmel zum Schlaf nieder. ) Gruppe heißt das gleichzeitige Abfeuern aller Geschütze einer Batterie. (Fortsetzung folgt.) Urgrof Von Es war alles fertig Tages das aber seine an, und J gar manch „Maruschke Sauberkeit wöhnen. B gen tun, u dazu, sich d fehlte. De mehr auf, verständige mit ihm re wir nicht. Hilfsmittel Anspruch, und eine der Schreck kennen gel Iwans Dorf schon er mit den Wie alt nie erfahr; jünger als uns nicht, Iwan ein seine fern nahe Anve 2 5 und halb sollte zuschka 150 Sache erlel pfennig an stehendes mit ihrem mußte vol sie anfang sie sahen, kamen, ut einen Bur Kirchweihe Schnapspi legenheiter beinahe de waren di Male m Iwans wi Die kle Gestalt ei ein, und oft mit Die kleine Kinder in kragen ko der Wäsch „Ja, Me . Iwan d Kindernar deutschen renville, wieder urch den schts und e Mon⸗ R. Nr. darauf eiligem verlas Albrecht Armee Sieg er⸗ einmal 0 be⸗ ach⸗ i Villers 1 hatten bis auf vor uns chwerem bkolonne ranzösi⸗ pir nach n durch er unter 6 Uhr ung zu heftigem steilen böhe 357 verschie⸗ Nit dem rch dich⸗ nd vor. mir das ück und rtillerie⸗ ind wir gie wir Truppen ngen in ie feind⸗ ich ein⸗ ftauchte. Fran⸗ richtete inkelheit ab und ngerich⸗ blois von der und wo n ihres urz vor! 1stand. en und Dabei igenden Durstig 11 Uhr der. bfeuern Urgroßtantens RNaritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Fortsetzung.) Es war erstaunlich, was sie in der Folge alles fertig brachte. Als Iwan eines schönen Tages das Bett verlassen konnte, da fing aber seine Erziehung durch Marie erst recht an, und Iwan der Schreckliche hatte noch gar manches Mal Gelegenheit, zu sagen: „Maruschka will so.“ Vor allem war er an Sauberkei und dann an Arbeit zu ge⸗ wöhnen. Bald mußte er kleine Handreichun⸗ gen tun, und nach und nach brachte sie ihn dazu, sich da nützlich zu machen, wo es eben fehlte. Deutsche Brocken las er tagtäglich mehr auf, so daß wir uns bald gut mit ihm verständigen konnten. Freilich so gut deutsch mit ihm reden wie seine Maruschka, konnten wir nicht. Sie nahm aber auch noch andre Hilfsmittel als nur die S 0 in Anspruch, um sich mit 32770 zu verständigen, und eine gute deutsche Ohrfeige soll Iwan der Schreckliche nicht nur durch Hörensagen kennen gelernt haben. Iwans Kameraden hatten natürlich das Dorf schon verlassen; denn keiner dachte, daß er mit dem Leben davonkäme. Wie alt er eigentlich war, das haben wir nie erfahren. Jedenfalls war er bedeutend jünger als Marie. Gleichwohl wunderten wir uns nicht, als eines Tages Maruschka und Iwan ein Paar wurden. An eine Rückkehr in seine ferne Heimat 1 er nie gedacht, nahe Anverwandte f schien er nicht mehr zu haben, und es gefiel ihm gut bei uns. Wes⸗ halb sollte er also nicht dableiben?„Ma ruschka will so,“ und damit war für ihn die e Sache erledigt. Marie hatte von ihrem Spar⸗ pfennig am Ausgang des Dorfes ein leer⸗ stehendes Häuschen erworben. Dort zog sie mit ihrem Iwan ein, der tüchtig schaffen mußte von früh bis spät. Im Dorfe hatten sie anfangs gelacht und gehänselt. Doch als sie sahen, wie die beiden Leutchen vorwärts kamen, und nachdem Iwan eines Tages einen Burschen, der seine Maruschka bei der Kirchweihe beleidigt: hatte, mit seiner Schnapspulle, die ihm bei festlichen Ge— legenheiten ausnahmsweise genehmigt wurde, beinahe den Schädel eingeschl agen hatte, da waren die Spötter im Dorfe mit einem Male merkwürdig ruhig geworden, und Iwans wurden von nun an respektiert. Die kleinen Iwans stellten sich auch in Gestalt eines Knaben und eines Mädels ein, und unser jüngster Bruder hat noch oft mit den kleinen Schlitzaugen gespielt. Die kleinen Nussen waren aber die saubersten Kinder im Dorf, und Vater Iwans Hemd⸗ kragen konnte jederzeit den Vergleich mit der Wäsche eines Großgrundbesitzers wagen. Ja, Maruschka will so,“ das war der Hauberspruch Iwan der Schreckliche war schon immer ein * gewesen. Sonntags versammelte zugerufen 91 er vor deiner Haustreppe die Kinder des halben Ortes, er sang ihnen schwermütige russische Weisen vor und schnitzte dabei den Kleinen Spielzeug. Er war in dieser Kunst so gewandt, daß er die zierlichsten Sachen zustande brachte und später sogar Geld damit verdiente. Im Schrank der kleine Soldat, der, wenn man neben an der Kurbel dreht, auf die Trommel schlägt, ist ein Werk von ihm; für unsern Karl schnitzte er ihn, als er noch bei uns war, ehe er von der Ma⸗ ruschka geheiratet wurde.. ich ihn an⸗ sehe, muß ich immer lachen. Das gutmütige Schlitzaugengesicht taucht dann vor mir auf, und eine Stimme sagt ergebungsvoll, aber voll befriedigt:„Maruschka will so. 0 (Fortsetzung folgt.) Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 23. Gießener Familienleben in drei Generationen. (Fortsetzung.) 10. October. Da wir das Vergnügen genießen wollten, den Weg von Maintz, in das Rhein⸗Gau auf der Wasser Diligence zu machen, so hatten wir uns abends vorher, einen Nachen gemiethet, der uns am frühen Morgen nach Maintz fahren sollte, um diese Diligence ein⸗ zuhohlen, welche regelmäßig um 6 Uhr mor⸗ gens abfährt. Um 2 Uhr bestiegen wir den Kahn der schön gesternte Himmel, das feyer⸗ liche Dunkel um uns her, das Klappern der Rheinmühlen, und das sanfte Wogen des Schiffchens auf dem ruhigen Strohme war geeignet, angenehme Gefühle bey uns zu erwecken. Kaum waren wir 50 Schritte vom Ufer, als mit höllischer Stimme uns wurde: Wer da! Wir mußten eiligst zum Ufer zurück, wo denn die Dou⸗ aniers unsere Pässe verlangten, als sie nun diese zu ihrem Aerger in Ordnung fanden, so setzten wir ungestört unsere Wasser-Fahrt fort. Die sanften Bewegungen des Schiff- chens ließen mich bald in einen tiefen Schlaf sinken, als ich erwachte, befanden wir uns gerade dem Einfluß des Mains, in dem Rhein gegenüber. Es war ein herrl ich überraschender Anblick für mich. Die alte ehrwürdige Festung lag prachtvoll vor mir. Ein Wald von Segeln schwamm am Ufer, hin und wieder belebten kleine Nachen den Strohm. Das ganze Ufer wimmelte von Arbeitern, welche neue Werke aufführten. Rechts auf lieblichen Rebenhügeln blinkte Hochheim, und das aus den Ruinen wieder emporgestiegene Kostheim spiegelte sich in den Wellen. Fürchterliche Bollwerke, mit ihren Verwüstung drohenden Schlünden sahen trotzig von den Anhöhen herab, jetzt legte unser Schiffer an, und wir eilten nach der Stadt. Glücklich kamen wir über die erste Zugbrücke durch, als wir an der zweyten Wache vorbeigingen, verlangte man unsere Pässe mit der Erklärung, daß sie erst auf 92 dem Bureau untersucht und dann unter⸗ eine Rebenflur. Anmuthige Hügel und Th schrieben werden müßten, welches nicht eher zwischen welche versteckt hin und wiede als 9 Uhr geschehen könne. Alle unsere eine alte Burg hervorblickte, wechselten mit- Bitten und unsere Gründe dagegen waren einander ab. Majestätisch erhebt auf der umsonst, wir mußten unsern schönen Plan äufersten Spitze des Gebürges der Nieder⸗ aufgeben und mit Leidwesen die Diligence wald sein Haupt, mahlerisch wallt der Gemein ohne uns abfahren sehen. Nachdem wir auf schönste der deutschen Ströhme(zwischen... Borns Caffee Hauß einige Tassen assel diesen Rebengefilden hin, und sein klarer( Fr. 24 geschlürft, so suchten wir unsern kurzen Wasserspiegel erhebt die Anmuth dieser Aufenthalt so gut als möglich zu benutzen. Wir bestrichen die Stadt durch viele enge krumme Gassen, kamen indessen auf einen schönen breiten Platz, worauf das Militär in militärischen Uebungen unterrichtet wurde. (Dieser Platz war der Schloßveg; auf dem das neue e steht. D. Red.) Die große Bleiche, die schönste Straße in Maintz zeignet sich durch eine Menge von ansehn⸗ lichen im modernen Geschmack gebauten Ge⸗ bäude aus. Das Ohngefähr brachte uns in die Nähe des Gebäudes, worin eine große Vergantung von Kolonial Waaren statt⸗ fand, welche für Rechnung der französischen Regierung gehalten wurde. In einem großen, sehr schönen Saal befanden sich eine Menge Kaufleute aus allen Theilen von Frankreich und Deutschland. Auf einer Erhöhung im Saal standen die französischen Commissaires, wo denn zwey Gensdarmes die Gebote der Kaufleute deutsch und fran⸗ zösisch ausriefen. Caffee wurde in Por⸗ tionen à 2 bis 3000 Pfund für 3 Fr. 60 Ct. p. Cilogram vergantet, wovon indeß noch der Continental Import gegeben wer⸗ den mußte. Von hier begaben wir uns auf die Schiffsbrücke. Diese schöne Brücke ruht auf Pontons, welche in gleicher Entfernung voneinander liegen, sie ist so breit, daß zwey Wagen gemächlich nebeneinander her fahren können, und doch noch Platz genug für die Fußgänger bleibt, außerdem ist sie mit einem hölzernen Geländer versehen. Kommt ein Schiff, welches durchfahren will, so wer⸗ den auf französischer 8105 mehrere Pon⸗ tons weggenommen, und dadurch eine Durch⸗ fahrt geöffnet, welches mit unglaublicher Schnelligkeit hergehet. Mit Vergnügen weil⸗ ten wir eine halbe Stunde am Ufer und sahen der geschäftigen Thätigkeit der Schiffer zu, machten nachdem eine Promenade nach Kastel hin und eilten dann zurück aufs Bureau, wo man uns ohne weitere Um⸗ stände die Pässe unterschrieb. Eiligst ver⸗ ließen wir diesen Ort, wo so mancher edle Deutsche sein theures Blut vergossen hat. Als wir eine Stunde hinter Maintz die Anhöhe erstiegen, welch ein herrlicher An⸗ blick begrüßte uns, das schöne Rheingau lag in seiner ganzen Pracht vor uns. Eine große Kette von Gebürgen wälzte sich am rechten Rheinufer hin, eine zahllose Menge von Dörfern, und einzelnen Höfen prangten im dunklen Grün der Reben, welche in terrassen⸗ ähnlichen Abstufungen allmählich vom Ufer hin in die äußersten Spitzen der Berge sich wanden. Der ganze Rhein Gau schien nur gegen zu stämmen. schönen Landschaft. Der heitere Himmel und der Anblick di er mahlerischen Natur, welch, wie von einem Zauberpinsel dahingez eichnet,* in ihrer ganzen Anmuth vor uns lag, er⸗ 1 regte die angenehmste Stimmung in uns. Wir erreichten jetzt ee ein! schönes Dorf, welches am Abhang der An- Evang. Me von si einen? Und a U höhe liegt, ein trefflicher rother Wein wird daselbst erziehlt. Nach einer halben Stunde Ruhe in diesem Ort näherten wir uns allmählich dem Rhein⸗Thal. Auf schließt, an seinem Fuß liegt Kempten. Fürchterliche Felsen Massen türmten sich jetzt auf einander, und schienen sich quer durch den Strohm hin seinen Fluten ent: Wüste Burgen blickten düster von den äußersten Felsen Spitzen herab, und selbst der Rhein veränderte seine lachende Eylande in Gefahr drohende Klip ⸗ pen, welche allenthalben kühn aus seinem Rüdesheim gegenüber schlängelte sich Bingen, ein munteres Städt⸗ chen, am Ufer hin. Im weißen Roß, einem wegen seiner schönen Bewirthung zu emp⸗ fehlenden Gasthauß schlugen wir unser Nacht- Forts folgt. Bette hervorragten. lager auf. 5 l Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 13. Juni, 2. nach Trinit. In der Stadtzirche. 8, zugl. Chrisfeniehe 4 für die Neukonfirmierten aus der Markus⸗ gemeinde: Pfr. Becker.— 9½: Pfr. Mahr, — 11: Kinderkirche für die Matthäusge⸗ meinde: Pfr. Mahr. In der Johanneskirche. 8, zugl. lehre für die Neukonfirmierten Johannesgemeinde: Pfr. Ausfeld. Pfr. Bechtolsheimer. 11585 für die Lukasgemeinde: Pfr. Bechtolsheimer. Abends 8: Bibelbesprechung hannessaal: Pfr. Ausfeld. aus der Im Kontemanpen fal(Liebigstraße 1 1 . Nachm. 2 Taubstummengottesdienst: Bechtolsheimer. ee Arbeiterverein. Sonntag den 13. Juni, 9½: samer Kirchgang Jozanneskirthe Gemein⸗ Wartburg⸗verein. Waldwanderung. Führer: Eckel, gall, W. Schön. Abmarsch nachm. 2 vom Heim. Abends 8 Vortrag: Pfr. Becker. beyden. N Seiten drängten sich die Gebürge nahe ans Ufer; und Rüdesheim, der schönste Ort in Rheingau, prangte mit seinen schönen Ge⸗ bäuden am rechten Gestade. Jetzt erreichten wir den Rochus Berg, welcher das Thal Christen- Kinderkirche im Jo- Nachti⸗ Die Son den westn en, 6 rosarot gef men. Am Hoch und Straßen rat legene Mi unbewegt, das grüne einem absen klang, es abend den ein Hund, vereinzelte rauscht ein so spät no daß man aber allme die Dunkel Frische un Feldern he Das ist Stunde, d sinnt, den Gott für s Schutz für Leben erb Abendstille in lautem wenn sich 7 drängt ha Einsamkeit an einen Ort. Hier Vater all Freude au Gethsemar den entg haben wi! Zeit. Unf Zerrisse 15 die Not friedlos, Abend all gibt unser Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universttäts⸗Buck und Steindruckerel 1 9 R. Lange, Gießen.