rd, wäh⸗ kerzen⸗ bald mit en Auge 'r seinem ter vor ider hält deugt sich n Lieber, so feier⸗ er Hand, ter ein. er spielt und be⸗ e Freude, nen wir iheit, bis die Ehe⸗ erden.“ e Pfarr⸗ Hußmann che ordi⸗ sen. . Uunseres In dem 1 v. u. ctsonntag“ über die rdversuch ist, muß vilfe„ge⸗ Endlich 14 v. u. einsetzen Nr. ent⸗ innerung ätter sen. itten wir ng 1918, rs Land⸗ veröffent⸗ rinitatis. im Osten. Christen⸗ aus der 8 97e für die zugleich arten aus eimer.— : Kinder⸗ : Pfarr⸗ eindruckerei onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 27 Gießen, 6. Sonnt. n. Trinitatis, den II. Juli 1920 9. Jahrg. Im Code vereint. Psalm 122, 3. Jerusalem ist gebaut, daß es eine Stadt sei, da man zusammenkom⸗ men soll. Rosen blühten auf den Gräbern und im Buschwerk sangen die Vögel, als ich über den Friedhof der deutschen Stadt ging, die sich im Flußtale hinzieht und an den Berg⸗ hängen aufwärts steigt. An dem Hauptportal zieht die uralte, weit in das Land hinaus⸗ führende Straße vorüber, an der entgegen⸗ gesetzten Seite begrenzt eine niedrige Mauer den Gottesacker. Ueber diese Mauer geht der Wind, und der Blick fällt auf fruchtbares Ackerland, auf Kartoffel- und Kleeäcker. Weit dehnt sich hier die Ebene aus, bis sie allmählich zu grünen Rebenhügeln aufsteigt. Ich ging durch eine Tannenallee und suchte die Stätte, da die Opfer des großen Krieges ruhen. Freund und Feind sind nicht weit voneinander gebettet, die Fremden ruhen mehr nach der Mauer zu, daran schließt sich der Ort, wo unsere deutschen, dort in den Lazaretten verstorbenen Volksgenossen schla⸗ fen. Besonders kenntlich sind— wir befinden uns im besetzten Gebiete— die Gräber der Franzosen, sie sind mit blau⸗weiß⸗roten Ro⸗ setten und kunstvoll angefertigten Perlen⸗ kränzen geschmückt. Auf allen findet man neben dem Namen des Toten die Aufschrift: „mort pour la France“. Auf den Gräbern der Deutschen ragen Holzkreuze auf und Blumen blühen auf ihnen in bunter Fülle. Nicht weit davon liegen die Gräber der Ge⸗ fallenen des Jahres 1870/71, und dieselben Tannen rauschen über den Gräbern der Enkelsöhne. So gibt fast jede Generation ihren Tribut zu den Blutopfern, die die Politik von ihr fordert. Als ich so durch die Gräberreihen hin⸗ durchschritt, merkte ich mir einige Namen. Ich las:„John Dearn, Romanow Tscher⸗ kasow, Angelo Franreschini, Pierre Morin“. Einige Schritte weiter steht auf einem Grabe: „Pionier Kurt Wöhe aus Nürnberg.“ Also der Engländer, der Russe, der Italiener, der Franzose und der deutsche Jüngling aus der Hauptstadt des Frankenlandes, sie ruhen dicht nebeneinander. Friedlich sind die, die sich einst sso heiß befehdeten, zueinander gesellt, kein Wort des Streites, kein Schlacht⸗ ruf dringt mehr in ihre Gruft, nur der Wind flüstert in den Bäumen, und die Menschen, die dort auf und ab wandeln, 7 2 7 sprechen mit gedämpfter Stimme. Aber auch in der Welt, in der die erlösten Seelen der Kämpfer nun weilen, hört man nichts mehr „„. von Kampf und Neid, von Haß und Völker⸗ sturm. Nicht nur war einst das irdische Jerusalem eine Stadt, da die zwölf Stämme des Volkes Israel zusammenkamen, auch das himmlische Jerusalem, die Gottesstadt, ist der Ort, an dem die, die hienieden von⸗ einander getrennt waren, in Freude und Frieden zusammenkommen und allen Erden⸗ haß vergessen. Es wäre gut, wenn die Menschen unserer Tage, wenn namentlich auch unsere Gegner öfters einmal nach den Soldatenfriedhöfen gehen wollten. Da würden sie sich einmal fragen, ob es vor Gott recht ist, so viel Jammer und Leid über die Menschheit zu bringen. Man sagt oft, daß Kampf und Krieg ein Volkstum erhielten. Heißt das ein Volkstum erhalten, wenn ein Volk zwei Millionen seiner Tüchtigsten und Mu⸗ tigsten dem Zerstörungswerke der Maschinen⸗ gewehre und großen Schiffsgeschütze aus⸗ liefert? Warum fehlt es uns jetzt so sehr an idealer Gesinnung, an entschiedener Hinwen⸗ dung zum Guten? Weil die, die zu unseren Führern geboren waren, in der Champagne, in Flandern und in Polen schlafen. Gott lasse aus dem Blut und den Tränen des Weltkrieges eine neue Menschheit erstehen, die fleißig sei zu guten Werken und es lerne, Frieden zu halten; denn die Frucht der Ge⸗ rechtigkeit wird gesäet im Frieden denen, die den Frieden halten. H. B. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 24. Eine Erinnerung an das dritte mittelrheinische Turnfest und das Gesangfest des Deutschen Sängerbundes am 17., 18. und 19. August 1862 in Gießen. (Schluß.) Auf dem Festplatz in Oswaldsgarten be⸗ fanden sich an den Seiten noch zwei Musik⸗ tribünen und ein Pavillon für die fürst⸗ lichen Gäste, sowie verschiedene Wirtschafts⸗ zelte, trotzdem erwies sich der Platz als ausreichend. Nachdem der Zug dort ange⸗ kommen und sich seiner ganzen Länge nach entwickelt hatte, bildete er einen Kreis, in welchem der zweite Sprecher des Turn⸗ vereins, Herr Hofgerichtsadvokat Baist, mit passenden Worten das Preisturnen einleitete. Im ganzen wurde sehr schön geturnt und hervorragende Leistungen mit Bravos aus⸗ gezeichnet. Rings um die Geräte, an denen die Preisturner arbeiteten, hatten sich die übrigen Turner im Kreise gelagert und ver⸗ folgten den Wettkampf mit größter Aufmerk⸗ — 106— samkeit. Mit einbrechender Dunkelheit be⸗ wegte sich der Zug zurück in die Festhalle, die sich jedoch als viel zu klein erwies, ob⸗ wohl sie eine ungeheure Menge Menschen fassen konnte. Es begaben sich daher viele in den Leibschen Saal, wo ebenfalls ein Musikchor spielte, oder sie zerstreuten sich in die verschiedenen Lokale der Stadt, welche schon von morgens bis in die späte Nacht von munteren Gesellschaften überfüllt waren. Am nächsten Morgen nach der Tages⸗ reveille und während die Turner in den Straßen der Stadt oder Umgebung sich er⸗ gingen und allerlei Kurzweil trieben oder privatim auf dem Turnplatz übteu, wurde im Leibschen Saale der Turntag abgehalten. Auf diesem wurde unter anderem beschlossen, daß derjenige Turner, welcher den ersten Preis erringen würde, auf Kosten des Bun⸗ des zu dem demnächst stattfindenden Deut⸗ schen Turnfest nach London sowie zu dem mächstjährigen Allgemeinen deutschen Turn⸗ fest nach Leipzig entsandt werden solle.— Gleichzeitig mit dem Turntage wurde der Sängertag im Buschschen Garten abgehalten; auch dort wurden wichtige Bestimmungen getroffen, die jedoch fast nur innere Bundes⸗ angelegenheiten betrafen. Der Festzug, welcher sich am Montag vom Seltersberg herab durch die Stadt nach dem Festplatz bewegte, erhielt eine besondere Zierde durch die Teilnahme der Festjung⸗ frauen sowie einer Schar kleiner Mädchen in weißen Kleidern und rosaroten Schärpen, die sich um den„Sinnspruch der Turner: „Frisch, frei, fröhlich, fromm“ gruppierten. Der Festzug war außerordentlich ansprechend, aus allen Fenstern regnete es wieder Blu⸗ men und winkten Tücher, und es erschallte Gut Heil ohne Unterlaß. Auf dem Festplatz angekommen, umschloß der Zug zuerst den ganzen Raum, worauf dann die Freiübun⸗ gen, welche vorher eingeübt waren, unter der Leitung des Turnwarts Rübsamen statt⸗ fanden. Die präzise und exakte Ausführung dieser Uebungen, von mehreren tausend Tur⸗ nern vorgenommen, machte auf das zu⸗ schauende Publikum sichtlich einen bewälti⸗ genden Eindruck. Nach den Freiübungen begann das Riegenturnen, dessen Anblick bei der Beweglichkeit der Massen ebenfalls zur Bewunderung hinriß. Die noch anwesenden Sänger hatten den Zug nach dem Turnplatz noch mitgemacht, begaben sich aber von da, unter Vorantritt eines Musikkorps nach der Festhalle, wo sie ihre Spezialchöre im Bei⸗ sein zahlreicher Zuhörer mit großem Beifall sangen. Nach Beendigung des Riegenturnens schlossen die Turner auf ein gegebenes Signal einen Halbkreis um den Pavillon, auf dem die Festjungfrauen sich versammelt hatten, um die Verkündigung der Preise sowie die Preise selbst, bestehend aus Eichen⸗ kränzen und Gedenktafeln, aus schöner Hand in Empfang zu nehmen. Es gelangten im ganzen fünfzig Preise zur Verteilung, davon errang Gießen, mit Einschluß des ersten Preises, sieben. Dieses überaus günstige Re⸗ sultat hatte der Verein hauptsächlich der Unermüdlichkeit und Hingabe seines Turn⸗ warts zu verdanken, der wie kein anderer es verstand, seine Schüler anzufeuern und sie für ihre Aufgaben tüchtig zu machen. Er war kein Meister der Rede, seine Worte waren kurz und etwas barsch, aber er war ein Mann der Tat, so daß der Sprecher eines auswärtigen Turnvereins(Schaum⸗ weinfabrikant Förster von Hochheim a. M.), der in einer Ansprache auf dem Bankett ihn kennzeichnen und seine Verdienste hervor⸗ heben wollte, sagte:„Ihr Gießener Turner, ihr wißt gar nicht, was ihr an eurem Rüb⸗ samen habt, ich will es euch sagen, ihr habt einen Edelstein.“ Der Erringer des ersten Preises, Hermann Hanstein, wurde kurz darauf zum Deutschen Turnfest nach London entsandt, dort errang er zugleich mit einem anderen Gießener, namens Zentgraf, der damals in London als Kaufmann in Stellung war und die gleiche Zahl Punkte erwarb, wieder den ersten Preis und ebenso im Jahre darauf auf dem Allgemeinen Deutschen Turnfest in Leipzig. Das war eine Zeit voller Ehren für den Gießener Verein. Hanstein wanderte dann später nach Amerika aus und ist vor etwa zwei Jahren als Professor an der Hochschule in Chicago gestorben. War der erste und zweite Festtag ein solcher für Erwachsene, so sollte der dritte hauptsächlich der Jugend gewidmet sein. Vormittags fand ein Schauturnen im Leib⸗ schen Saale statt, und nachmittags bewegte sich ein langer Zug männlicher und weib⸗ licher Jugend unter Vorantragung der für die Wettspiele bestimmten Preise, mit Fah⸗ nen und Musik nach dem Philosophenwald, woselbst in bekannter Weise ein Jugendfest abgehalten wurde. Eine große Menge Turner hatten sich dem Zuge angeschlossen und ver⸗ folgten mit lebhaftem Interesse die Uebungen und Spiele der Jugendlichen. Die Wirtschaft in der Festhalle war dem Vater Lenz vom Felsenkeller übertragen worden. Dieser leitete den ungeheuren Be⸗ trieb mit einer bewundernswerten Umsicht und Ruhe, dirigierte mit Geschick die große Schar der Kellner und Küchenleute und sorgte für alles aufs beste, so daß nicht die geringste Stockung vorkam und keinerlei Beschwerde oder Unzufriedenheit bekannt wurde, darum sei auch ihm hier in Ehren gedacht. Ein unliebsames Vorkommnis, das damals lebhaft besprochen wurde, möge noch Er⸗ wähnung finden; es geschieht nicht in der Absicht, alte Geschichten auszugraben, son⸗ dern nur, um die damaligen Zustände und den Geist der Zeit in eine schärfere Beleuch⸗ tung zu rücken. Vor ihrer Kneipe auf der Hanstein, ein Sohn des Reallehrers Dr. Mäusburg mania“ bei ein großes trauernde mit einer worin die S diger Einig war, die ihr vorenthalten fiel der Pol nung des strierten dag handlungen versitätsricht pier überkle Schluß des! Trotz diese den Zwische gemein schör Teilnehmern lassen und rung für sein Y Urgroß Von Von nun musiziert. F die andern wert, gelebt Die alte „Was ist en Ein bißchen. Aber so kur nie gesehen. Wort, dann nie, dann jubelt und in die spät wimmert un unendliches quält habe. Fridolin mit all der seele entspri und Fühler sein übrige Schattendase herum ist ve Geliebte, so⸗ Das Seelen jetzt, es zeh ohnehin nic Er hustet* sammen. 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Diese Inschrift miß⸗ fiel der Polizei, und sie befahl die Entfer⸗ nung des Bildes. Die Studenten demon⸗ strierten dagegen und erreichten durch Ver⸗ handlungen mit dem Senat und dem Uni⸗ versitätsrichter, daß die Inschrift mit Pa⸗ pier überklebt und das Bild sofort nach Schluß des Festes entfernt werde. Trotz dieses und einiger ganz unbedeuten⸗ den Zwischenfälle hatte das Fest einen un⸗ gemein schönen Verlauf, der wohl bei allen Teilnehmern den besten Eindruck hinter⸗ lassen und jedem eine angenehme Erinne⸗ rung für sein ganzes Leben bereitet hat. Heinrich Hochstätter sen. Urgroßtantens Raritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Fortsetzung.) Von nun an wird jeden Donnerstag musiziert. Fridolin lebt nur an diesem Tage; die andern zählen nicht. Sie sind's nicht wert, gelebt zu werden. 5 Die alte Mutter schüttelt oft den Kopf. „Was ist nur in den Jungen gefahren?“ Ein bißchen sonderlich, das war er immer. Aber so kurios, nein, so hat sie ihn noch nie gesehen. Er spricht oft tagelang kein Wort, dann plötzlich ist er aufgeräumt wie nie, dann greift er zur Geige, und es jubelt und singt auf dem Instrument bis in die späte Nacht hinein. Ein andermal wimmert und klagt es daraus hervor, als ob unendliches Weh und Leid den Geiger ge⸗ quält habe. Fridolin liebt, er liebt zum erstenmal mit all der Leidenschaft, die einer Künstler⸗ seele entspringen kann. Sein ganzes Denken und Fühlen gipfelt nur in dieser Liebe, sein übriges Leben ist nur seelenloses Schattendasein. Die ganze Welt um ihn herum ist versunken, nur seine Geige und die Geliebte, sonst gibt es für ihn nichts mehr. Das Seelenleben war nie reger bei ihm wie jetzt, es zehrt den übrigen Körper mit den ohnehin nicht starken Kräften langsam auf. Er hustet viel und fällt täglich mehr zu⸗ sammen. Kommt dann die Zeit, die ihn zur Geliebten führt, so spannt sich alles an, geistig und körperlich. Er ist munter wie nie zuvor, wird witzig und geistreich, die anfängliche Scheu ist überwunden, und Agathe schaut oft verwundert in die leben⸗ sprühenden Augen, die dann beim Abschied wieder matt und glanzlos zu ihr aufsehen. Und sie, Agathe? Sie liebt den Geiger, nur den Geiger, der losgelöst vom Men⸗ schen ihr seine Seele gibt und so rückhaltlos zu ihr spricht, wie nie ein andrer zu ihr sprechen wird. Das fühlt das Mädchen, ohne es sich eigentlich bewußt zu werden. Sie musizieren auch zusammen, doch ist er ihr weit überlegen. Es werden ein, zwei Stücke gespielt, dann ist das Komteßchen müde und ruht sich aus, und Fridolin spielt weiter, spielt seine ganze Seele, gibt rück⸗ haltlos dem Grafenkind alles, was er fühlt und was er zu geben hat. Sie steht in seinem Bann, bis er den Bogen sinken läßt, dann hat er für sie wieder jeden Reiz verloren, und achselzuckend geht sie scheinbar zur Tagesordnung über. Daß trotzdem ein Seh⸗ nen in ihr liegt, daß auch sie die Zeit des Musizierens herbeiwünscht, darüber ist sie sich selbst nicht klar. Doch einmal, es war ein herrlich klarer Septemberabend, Altweibersommer flog schon in der Luft, und klar und rein zogen die Geigentöne durchs offene Fenster hinaus in den herbstlich blühenden Garten. Da preßte ein enges, wehes Gefühl die Brust der jungen Hörerin.„Wir wollen ein bißchen zusammen hinaus!“ bat sie Fridolin, der mur zu gern folgte. Die Schmidtin war heute beurlaubt. Man hatte allmählich die Eti⸗ kette etwas lockerer werden lassen. Der Dorf⸗ schulmeister war ja auch nicht so ernst zu nehmen. Wie zwei Kinder zogen sie aus, die über⸗ mütige Komtesse und der glückliche Fridolin. „Wir wollen auf die Immortellenhöhe, da ist es jetzt so schön, alles gelb!“ schlug Agathe vor, als sie am Ende des Parkes angelangt waren. Der kleine Hügel in der Nähe war bald erreicht. Er bot heute abend einen wahrhaft malerischen Anblick. Mit blutroten Streifen ging die Sonne im Hin⸗ tergrund unter, davor lag die mit den gelblichen graziösen Blütchen ganz bedeckte Anhöhe, die sich aus bläulich schimmernden Edeltannen abhob. Aufatmend standen die beiden still. Man sah in den Abend hinein, der mit herbstlich kühlem Dunst heraufkroch. „Ach, wie ist es schön hier!“ rief Agathe aus,„und jetzt müssen wir fort!“ Da war es gesprochen, das grausame Wort. Die Welt schien einen Augenblick stille zu stehen. Als ob ein Herzschlag aussetzte, so war es zwischen den beiden Menschenkindern. Doch schon ist die Stimmung verflogen. Ein leises Gefühl der Neugierde läßt Agathe nach ihren Begleiter hinsehen.„Gott, wie ist er hilflos und ungewandt, er ist doch in unsern Kreisen ganz unmöglich,“ denkt sie bei sich. Lachend kniet sie inmitten der blühenden Immortellen und fängt an, einen Büschel nach dem andern zu pflücken.„Helfen Sie mir, Fridolin, ich will einen Kranz machen,“ befiehlt sie übermütig. Da beginnt eine lustige Jagd. Sie sucht die schönsten Blüten⸗ büschel ihm immer vorwegzunehmen. Kaum hat er sie mit seinen kurzsichtigen Augen — 108— Kommode. Da stand es, als Fridolin nach einigen Tagen aufstand und wieder Schule entdeckt, so schnappt die kleine Hand sie ihm weg. Die Hände berühren sich. Wie ein elek⸗ trischer Strom geht es durch ihn hin, und einen Augenblick durchblitzt ihn der toll⸗ kühne Gedanke:„Halte sie fest, nur einmal ganz fest!“ Hat Agathe seine unwillkürliche Bewegung verstanden, sucht sie sich selbst dem Zauber zu entreißen? „Mein Verlobter kommt morgen von seiner Weltreise zurück, da soll der Kranz über die Türe,“ erklärt sie plötzlich kalt und trocken. Da würgt Fridolin mühsam hervor:„Ich dachte, um Ihrer toten Mutter Bild, das immer Immortellen bekränzen.“ Mitleidig schaut sie ihn an.„Wie kann ein Mensch sich so verändern? Verfallen sieht der Aermste aus, ganz verfallen, elend wie ein Sterbender,“ und zögernd sagt das n„Ja, er soll um meiner Mutter i 45 Der Abend ist da. Es dunkelt schon stark, da gehen zwei schweigende Menschenkinder heim. Fröstelnd sehen beide dem Kerzen⸗ schein entgegen, der durch den dunkeln Park leuchtet. Sie betreten das Schloß, und Fri⸗ dolin packt seine Geige fest unter den Arm, vor ihm steht das junge Weib, den Arm voll Immortellen, im roten Kleid. Unwillkürlich steigt ihr Bild von jenem Sommerabend in ihm auf, als sie in seinen Garten kam. Da⸗ mals war es eine weiße Lichtgestalt mit Wiesenblumen geschmückt.„Es ist Herbst geworden!“ denkt er. Da reicht ihm Agathe ein Sträußchen Immortellen.„Gute Nacht,“ sagt sie leise,„bis morgen!“ „Morgen,“ denkt er stumpf, morgen.„Ach ja, er soll ja zum Spielen kommen, zum hielt. Davor lag ein Brief. Er bricht ihn auf. Das war der Abschied! Sie war ab⸗ gereist, ein freundlicher Dank und Gruß war alles, was für ihn übrig blieb. (Fortsetzung folgt.) Kleine Mitteilungen. Vom 29.—31. Juli findet in Gießen der 1. ordentliche Vertretertag der deutschen evangelischen theologischen Fachschaften statt, in denen die Studierenden der evangelischen Theologie zusammengeschlossen sind. Wesent⸗ liche Verhandlungsgegenstände sind: Die Organisationsfrage, die wirtschaftliche und wissenschaftliche Notlage, die Frage der Re⸗ form des theologischen Studiums. Die Ta⸗ gung ist öffentlich für alle in Studium und Beruf stehende Theologen. An einem noch näher zu bestimmenden Tage ist ein Kirchen⸗ konzert in der Stadtkirche vorgesehen. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 11. Juli, 6. nach Trinitatis. Stadtkirche. Vorm. 8, zugl. Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markus⸗ gemeinde: Pfr. Becker.— 9½: Pfr. Mahr. — 11: Kinderkirche für die Matthäus⸗ gemeinde: Pfr. Mahr. Johanneskirche. Vorm. 8, zugl. Christen⸗ lehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde:Pfarrassistent Ramge.— 9¼: Pfr. Bechtolsheimer.— 11: Kinder⸗ kirche für die Lukasgemeinde: Pfr. Bech⸗ tolsheimer.— Abends 8 Uhr: Bibelbe⸗ sprechung im Johannessaal: Pfr. Becker. * Wartburg⸗ Verein. Spielen vor dem Herrn Verlobten; und er sieht sich im Geist, wie er kommt, wie Agathe ihn, den ganz Weltfremden, dem weitgereisten jungen Herrn zeigt:„Der hat mich inzwischen getröstet,“ und wie dieser dann, hell auflachend, entgegnet:„Dann hätte ich ja noch lange wegbleiben dürfen!“ Und bitter lacht Fridolin vor sich hin. Mutter ist außer sich, als ihr Junge heim⸗ kommt. Er ist so bleich. Was hat er nur? Natürlich im Herbstabendnebel herumlaufen mit seiner empfindlichen Lunge, das taugt nichts. Er muß gleich zu Bett und Flieder⸗ tee trinken. Sie kennt das schon. Wie wohl tun Fridolin die sanften Mutterhände, ob⸗ gleich sie rauh von der Arbeit sind. Wie können sie lind sein und sanft zufassen! Er läßt alles mit sich geschehen wie ein hilf⸗ loses Kind. In der Nacht stellt sich Fieber ein. Fri⸗ dolin spricht anhaltend von Immortellen und Mutter weiß sich keinen Rat. Erst als der Morgen graut, wird der Patient ruhiger und schläft ein. Als die Alte den Sonntags⸗ rock fein säuberlich bürstet, da findet sie in der Tasche das Immortellenbüschelchen und steckt es in die kleine Groschenvase auf der Sonntag, den 11. Juli, abends 8 Uhr, im Markussaal: Familienabend. Musikalische Darbietungen(Frl. Zimmer, Herr Lehrer Fritzel— Frl. G. Kühn, Herr stud. phil. 1 und Schattenbilder(Volkslied, Mär⸗ hen). Der am Donnerstag den 24. Juni ver⸗ anstaltete und sehr schön verlaufene„Kammer⸗ musikabend“ brachte uns einen Reingewinn von 655 Mk., die wie folgt verteilt wurden: für einen Wohltätigkeitszweck 100 Mk., an den Blaschor für ein neues Bariton 120 Mk, für Liederbücher im Gem. Chor 80 Mk, für die Turn⸗ und Spielabteilung 50 Mk. Der Rest von 305 Mk. ist für Heizung und Licht im kommenden Winter vorgesehen.— Allen, die zum Gelingen dieses Abends bei⸗ getragen haben, ganz besonders den Aus⸗ führenden, die sich in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt hatten und den Pro⸗ grammverkäuferinnen und»verkäufern an dieser Stelle herzlichen Dank. * Evang. Arbeiterverein. Sonntag, den 11. Juli, 9½ Uhr: Ge⸗ meinsamer Besuch des Gottesdienstes(Stadt⸗ kirche). 5 Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buck⸗ und Steindruckerel R. Lange, Gießen. Gemein — Nr. 28 Ein Röm. 12, geduld Gebet! Der 19. innerungst Jahrhunde zösische Kr und die p die Deutsc Volke Eur wir die Begeisterun Schlacht b die Krieg ihrer Tru manches dachte mar Jahres, a gefühle hir Preis geb erst die 50 Nun ist en nun gilt fi ist eine Kl, Weinen. 2 stolzen R Verganger zeit zu Ka den, nun! in diesen in Stücke bezeichnun Organism gelöst. In dies. 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