von den nen. Und ffens Ja⸗ porf. ie Gesell⸗ soll noch, eterin zur hlt hatte. vergangen es war sinnierte Er hatte ne Kunst⸗ Steffens die Kir⸗ lemal be⸗ die Buden en erwar⸗ rend, die doppelt so zater, der er sie ist nnisvoll,“ * glaube, tag, kom⸗ Marktplatz Sie kön⸗ stürzt das u werden Endlich Jakob hat „Männ⸗ nd blauen „Mutter, in's nicht hr!“ Und e Mutter llung der „ Mutter, kauft, soll t du das, folgt.) ate. s 8 Uhr, onfirmier⸗ : Pfarr⸗ ö 9½ Uhr: 11 Uhr: de: Pfar⸗ igs 8 Uhr, onfirmier⸗ rer Bech⸗ r, zugleich sse d.— e für die eld. teindruckerei onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 18 Gießen, Rogate, den 9. Mai 1920 9. Jahrg. Der letzte Feind. 1. Kor. 15, 26. Der letzte Feind, der auf⸗ gehoben wird, ist der Tod. Leben heißt ringen mit Schwierigkeiten. Man hat die Erdenwallfahrt schon oft mit einer Wanderung über ein breit gelagertes Hochgebirge verglichen: Hat man eine Ge⸗ birgskette überwunden, so türmt sich eine zweite steilere und höhere vor den Blicken auf. Jede neue Schwierigkeit, die vor uns auftaucht, erregt in uns Sorge, oft auch Furcht. Das fängt schon in der Kindheit an. Der Gedanke an die Schulprüfungen, denen es entgegengeht und von deren Ausgang oft die Gestaltung des ganzen späteren Le⸗ bens abhängt, bewirkt, daß das Kind in seiner Fröhlichkeit und Harmlosigkeit gestört wird. Die Notwendigkeit, zu irgendeinem Zeitpunkte aus dem Elternhause zu scheiden, legt sich wie ein dunkler Schatten auf das Gemüt des Heranwach enden. Was man in der eigenen Jugend durchgemacht hat, wiederholt sich, wenn man selber Kinder hat, alle Nöte erlebt man da zum zweiten Male, und neue kommen hinzu. Durch Krankheits- und Todesfälle, an Sorgen und Särgen, wie Gustav Frenssen sagt, vorüber, schreitet man hinein in das Alter. Aber eine Erfahrung machen ale, nämlich die, daß sie alle Nöte mit Gottes Hilfe über⸗ winden. Das, was von weitem gesehen, Schrecken erregte, verliert seinen Schrecken, sobald man es dicht vor Augen hat. Die letzte Not oder, wie Paulus so treffend sagt, der letzte Feind ist der Tod. Sollen wir mit diesem Feinde nicht dieselbe Er⸗ fahrung machen wie mit den Feinden, die wir vorher überwunden haben? Pau us be⸗ jaht diese Frage: der letzte Feind, der auf⸗ gehoben wird, ist der Tod. Und das Leben bejaht diese Frage. Wir finden Tausende, denen der Tod zuletzt durchaus kein Schreck nis mehr ist. Sie überwinden ihn wie einst das Scheiden aus dem i alle Verluste und Enttäuschungen des Le⸗ bens, sie überwinden den Tod durch Jesus, der das ewige Leben in die Welt gebracht hat. 5 H. B. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Fießen. 23. Gießener Familienleben in drei Generationen. (Fortjetzung. 5 Jakob Pistor hat in seinem Leben viel Leid erfahren. Er war dreimal verheiratet. Di⸗ Elternhause, wie haben, die Tochter des Kastenmeisters Georg Melchior Becker. Mit ihr wurde Pistor am 14. Oktober 1813 ehelich verbunden, sie starb am 22. Februar 1814, also vier Monate nach der Hochzeit, im Alter von 19 Jahren. In zweiter Ehe verheiratete sich Pistor am 1. Oktober 1815 mit Marie Lynker, die am 14. März 1819, 33 Jahre alt, starb. Vier Jahre später ging er mit Luise Müller, der Tochter eines Hofrates aus Broich an der Ruhr, die dritte Ehe ein, die schon nach sechs Jahren durch den Tod des Ehemannes zu Ende ging. Emil Pistor, der am 24. Ok⸗ tober 1816 geboren ist, stammt also aus der zweiten Ehe seines Vaters. Zu Beginn des Jahres 1813 scheinen sich die späteren Ehegatten Jalob Pistor und. Eleonore Pistor, geb. Becker, noch ziemlich fremd gegenübergestanden zu haben; denn noch sehr gemessen klingt, wenn wir in dem mehrfach erwähnten Stammbache eden: „Laß die Jahre schnell wie Ströme eilen, wahre Freundschast störet keine Zeit; ihre Freuden, Bester, sie verweilen, es sind Freuden für die Ewigkeit. Gießen, den Aten Februar 1813. Zum freundscha tlichen Andenken schrieb dieses Ihre Freundin Eleonore Becker.“ Aber bereits am 3. September des ge⸗ nannten Jahres verlobten sich die beiden miteinander und schon am 11. Oktober, also einen Tag, bevor die Schlacht bei Leipzig begann, fand abends um 6 Uhr durch Pro⸗ fessor und Pfarrer Diefenbach die Trauung statt. Es war ein sehr kurzer und durch die Zeltereignisse schwerer Eh stand, den die bei⸗ den jungen Leute miteinander führt n. Im Namen und Auftrage seine Schwie ermutter trägt Jakob Pistor in das mehrfach er⸗ wähnte Hausbuch ein:„Novbr. 2. Rückten die ersten Russen hier ein, ich b kam zwölf Mann ins Quartier, die uns sehr quälten. Während den 6 Tagen, als diese hier waren, haben sie mir mehr als 1 Ohm Brandwein getrunken.“. Nach den Russen kam ein noch viel schlim⸗ merer Gast nach Gießen, das war der Fleck⸗ typhus, damals Nerven fieber oder Spitalpest genannt. Schon im Oktober hatte diese Krank⸗ heit in Sachsen furchtbare Verheerungen angerichtet, sie kam mit den fliehenden Fran⸗ zosen nach Mainz und verbreitete sich rasch in ganz Westdeutschland. In Mainz allein erlagen bis Mai 1814 23 000 Menschen erste Ehegattin war, wie wir schon erwähnt dieser Krankheit.— In dem Weltkriege, — 0 den das deutsche Volk von 1914 bis 1919 zu führen hatte, drohte diese Seuche von Osten her nach Deutschland vorzudringen. Es ist ein nicht genug zu rühmendes Verdienst der medizinischen Wissenschaft, dieses Vordrin⸗ gen verhindert zu haben. Wie bekannt, so sind hauptsächlich die Läufe die Träger der Bazillen, und die Entlausungsanstalten haben im Interesse der Volksgesundheit eine sehr wichtige Arbeit verrichtet. Dieser Krank⸗ heit ist Eleonore Pistor, geb. Becker, zum Opfer gefallen. Am 10. Februar 1814 be⸗ gann ihr Leiden und am 22. Februar, abends zwischen 9 und 10 Uhr, entschlief sie im Alter von 29 Jahren und 28 Tagen. Der tiefbetrübte Ehemann widmete ihr in dem Hausbuche seines Schwiegervaters den Nach⸗ ruf:„Ruhe sanft, gutes Weib, du hast mich in den 3 Monaten unseres glücklichen Ehe⸗ standes aufrichtig geliebt, und ich habe deine Liebe mit den nehmlichen Gefühlen erwie⸗ dert. Ruhe sanft, bis daß der große Tag der Vergeltung erscheint, wo wir uns wieder⸗ sehen und unseren heiligen, nur ach zu früh zerrissenen Bund erneuern.“ Jakob Pistor war ein geistig sehr reg⸗ samer Mensch, der sich, wie wir schon er⸗ wähnt haben, eine gute Bildung angeeignet hatte. Er hatte auch eine regsame Phantasie, war ein Mensch von starker Empfindung und patriotischem Fühlen. In einer Zeit, in der es um den Verkehr noch viel schlechter stand, wie das heute der Fall ist, hat er öfters Reisen unternommen, und nicht etwa nur Geschäftsreisen, sondern Reisen, auf denen er die Natur auf sich wirken ließ, das Leben und Treiben der Menschen beobachtete und sich heiterem, edlen Lebensgenusse hingab. Unter seinen nachgelassenen Papieren findet sich die Beschreibung einer Fußreise, die Pistor mit zwei Freunden Busch und Frech nach der Bergstraße, der Rheinpfalz, dem heutigen Rheinhessen und dem Rheingau ge⸗ macht hat. Leider ist diese Reisebeschreibung nicht mehr ganz erhalten, es fehlen Seite 1 bis 12 des Manusfkripts, das dann auch wieder mit S. 80 abbricht. Aus dem Manu⸗ skripte ist das Jahr der Wanderung nicht zu ersehen, diese muß jedoch vor dem Jahre 1814 gemacht worden sein; denn Pistor er⸗ wähnt, daß die Franzosen das linke Rhein⸗ ufer im Besitz haben, so spricht er von den Douaniers, den französischen Zollbeamten, wir werden diese Wanderung, da sich in der Beschreibung kein Hinweis auf die kriegeri⸗ schen Ereignisse der Jahre 1812 und 1813 findet, ungefähr in die Jahre 1808 bis 1811 zu setzen haben. Die Beschreibung gibt ein schönes Bild von Land und Leuten, macht uns hin und wieder auf Geschäftsverbindun⸗ gen aufmerksam, die damals von Gießen aus sich nach der Rheingegend erstreckten, und ist in einer fesselnden Form abgefaßt, so daß sie hier mitgeteilt werden soll. Das Frag⸗ ment setzt da ein, wo die drei jungen Wan⸗ derer nach Bickenbach an der Bergstraße gekommen sind, und hat folgenden Wortlaut: „In Bickenbach einem freundlichen Dorf 3 Stunden von Darmstadt machten wir bey dem Inspektor Pistor einen Besuch, und nahmen ein Frühstück bey ihm ein. Ange⸗ nehme Rückerinnerungen der vor 7 Jahren in diesem Hause geno senen Freuden, dran⸗ gen in meine Seele, den Wünschen des In⸗ spektors und seiner guten Gattin, wenigstens über Mittag dazubleiben, mußten wir ent⸗ sagen, und eilten nun dem schönen Dorfe Zwingenberg hin, ½ Stunde weiter liegt Auerbach, woselbst der Großherzog des Som⸗ mers gewöhnlich residiert. Sein daselbst be⸗ findliches Schloß, ist nicht sehr groß, aber niedlich gebaut, und liegt sehr romantisch am Fuße des Melibocus in einem engen Thale. Neben dem Schloß ist eine Mineralquelle. Vor ihm erhebt sich eine Anhöhe, worauf man durch schlängelnde Wege oben zu einer Eremitage gelangt. Hier genießt man einen herrlichen, überraschenden Ausblick. Eine weite fruchtbare, mit Dörfern überfähte Ebene, begränzt zur Linken von der schönen Bergkette, in deren dunklen Grün seiner Buchen hin und wieder Ruinen von Schlössern, Ueberbleibsel der räuberischen Ritter der grauen Vorzeit, hervorblicken. Im Hintergrunde erblickt man den Rhein, welcher nicht wenig diese Naturschönheiten erhöhet. Nachdem wir einige Zeit unsere Augen an diesem herrlichen Anblick geweidet, verfolgten wir die schöne mit Nußbäumen gezierte Chaussee. In Bensheim einem schö⸗ nen Städtchen, fanden wir alles in voller Thätigkeit in der Weinlese. Fröhliche Winzer mit ihren schwerbeladenen Kobeln auf den Buckeln, wimmelten in den Straßen. Eine Menge Karren mit Trauben beladen kamen aus den Weinbergen an und eilten wieder zurück. Ein fröhlicher Gesang, hin und wieder mit Musik begleitet, ertönte aus den Schen⸗ len. Dies alles war ein neues Schauspiel für mich. Ungerne verließen wir dieses Städt⸗ chen, das ich unserem Butzbach ähnlich fand. Die Sonne schien sehr heiß, und langsam schritten wir Heppenheim zu. Dank seh es den singenden Winzerrinnen, die uns in Menge begegneten und unsern heftigen Durst mit ihren köstlichen Trauben stillten. So erreichten wir Heppenheim, ein ebenfalls niedliches Städtchen. Auch dieses war bald im Rücken, und das wegen der Güte seines Weins so geachtete Lautenbach(Laudenbach' lag vor uns. Das dasige Gewächs ist das vorzüglichste der Bergstraße. Auch zieht man hier viel Taback, und alle Häuser waren bis unter das Dach damit behangen. Ein gutes Bauers Mütterchen mußte hier unsern Durst mit einem Topf heißer Milch laben. Die Chaussee hatte sich nun ganz dem Gebürge genahet, das bis in die äußersten Spitzen mit Reben bepflanzt war, zwischen Weinbergen führte uns nun der Weg hin, und unsere Augen konnten nicht genug die schöne Natur, welche il gespendet rung des wir stre Kräfte al 8 Uhr ke in der. dann ei (Laudenb gessen m Urgr V Lachen glaube, d lein, das ins Hau Die 9 dem Kir wie in di Jeder l. anständig männleir So hat's der ließe „Nun in der sich nicht Geschichte „Aber darüber,“ S „du hast ist oft in merke di leer ist, 10. „Wie siehr aus vor Ent; beim R Elfenbein lich dem lag er 1 lichen G. leicht ze der irdisc die Groß lächelnd chen mi daß wir zählen» abend, d und alle vor dem Schauspi Tag war schienen, Ecken der zen Lett lichkeiten zur Mit. Bergstraße 'ortlaut: chen Dorf u wir bey such, und in. Ange⸗ 7 Jahren den, dran⸗ des In⸗ benigstens wir ent⸗ en Dorfe iter liegt des Som⸗ use bst be⸗ roß, aber intisch am en Thale. ralquelle. „worauf zu einer tan einen ck. 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Lachend schüttelt diese den Kopf:„Ich glaube, die Kraft besaß nur das erste Männ⸗ lein, das bringt die Dukaten dem Steffen ins Haus.“ Die Mutter behielt recht. Nie ist auf dem Kirmeßmarkt so viel gelacht worden, wie in diesem Jahr. Steffens Geschäst blüht. Jeder lacht, jeder findet es nicht ganz anständig, aber jeder kauft ein Dukaten⸗ männlein und bringt es mit nach Haus. So hat's der Vater auch gemacht, die Kin⸗ der ließen ihm keine Ruhe. „Nun sitzt das Männlein jahraus jahrein in der Familie, aber die Dukaten haben sich nicht vermehrt,“ schließt die Tante die Geschichte. „Aber gelacht haben wir auch schon oft darüber,“ bemerkte der kleine Karl. „Ja,“ antwortet sinnend die alte Tante, „du hast recht, Junge, und gesundes Lachen ist oft im Leben wertvoller als Gold. Das dir. Wenn auch dein Beutel mal leer ist, verlerne das Lachen nicht!“ 10. Das Mädchen mit den flüchtigen Füßen. „Wie vom Zuckerbäcker, Großtante, er sieht aus wie von Zucker,“ so jubelten wir vor Entzücken, als Großtante eines Tages beim Räumen einen kleinen geschnitzten Elfenbeinfächer zu Tag förderte und feier⸗ lich dem Raritätenschrank einverleibte. Da lag er nun graziös ausgebreitet am zier⸗ lichen Griff das blaßrosa Band, das, schon leicht zerschlissen, von der Vergänglichkeit der irdischen Dinge erzählte. Sinnend schaute die Großtante darauf nieder, und wehmütig lächelnd sprach sie vor sich hin:„Das Mäd⸗ chen mit den flüchtigen Füßen“. Ohne daß wir lange quälten, fing sie an zu er⸗ zählen von einem schwülen, heißen Juli⸗ abend, da die Seiltänzer im Dorf waren und alles sich hindrängte auf den Platz vor dem alten Rathause, um das seltene Schauspiel zu genießen. Schon früh am Tag waren die grünen Wagen im Dorf er⸗ schienen, und bald darauf hatten an allen Ecken der Gassen Plakate mit großen schwar⸗ zen Lettern von den bevorstehenden Herr⸗ lichkeiten erzählt. Ein feierlicher Umzug zur Mittagsstunde hatte die Spannung er⸗ . höht. Voraus der Harlekin mit der Schellen⸗ kappe, dann das schwarze Roß, das vorher keuchend den Berg herauf das fahrende Heim der Künstler mühsam gezogen hatte, aber jetzt mit roter silberbetreßter Schabracke und einem großen Schellenbaum sein heraus⸗ geputzt war. Auf seinem Rücken ein kleines zierliches Mädchen, das sich ängstlich fest⸗ klammerte. Das bleiche Gesichtchen sah furchtsam unter dem schwarzen Lockenge⸗ ringel hervor, zwei spindeldürre Aermchen kamen aus dem schäbigen weißen Fähnchen zum Vorschein, und trotzdem hatte die Kleine etwas besonderes an sich, und wenn man sie einmal gesehen hatte, so konnte man sie nicht wieder vergessen. Ein roh aussehender Mann trieb ab und zu mit einem Stock die Mähre an, wenn das Tempo gar zu langsam wurde. Gleichzeitig rief er der Kleinen ein paar barsche Worte zu, worauf sie Kußhändchen nach rechts und links aus⸗ teilte, und der Harlekin einer Blechtrompete einige Mißtöne entlockte. Das war Anita, die Königin der Luft, das Mädchen mit den flüchtigen Füßen— so stand es auf 255 Programm an allen Gassenecken zu esen. Die Dorfbewohner waren zum größten Teil auf dem Felde, denn das Korn wurde geschnitten. Um so größeres Interesse brach⸗ ten die Alten und die jüngste Dorfjugend den Vorbereitungen der Künstler entgegen. Das Seil wurde vom Rathaus zum gegen⸗ überliegenden Dorfkrug gespannt, und mit Schaudern dachten die Zuschauer daran, wie hoch der Sturz auf das harte Pflaster des Rathausplatzes sein würde, wenn einer der Künstler das Unglück hätte, auszugleiten. Die kleine Anita saß auf dem Prellstein der Straße und vergnügte sich, indem sie den leichten Sand, der zum oberflächlichen Schutz unter dem Seil auf die Pflastersteine aus⸗ gebreitet wurde, langsam durch die Finger laufen ließ. Der grüne Wagen mit dem kleinen Schornstein, dem leichte Rauchwolken ent⸗ strömten, bildete für die Kinder den reiz⸗ vollsten Anziehungspunkt. Selbst der Duft von Seifenbrühe, Suppe und sonst noch aller⸗ hand Mischgerüche, die ihm entströmten, fand unser ungeteiltes Entzücken, und der Wunsch, auch in solchem fahrenden Haus zu wohnen, wurde in den Kinderherzen wach. Eine keifende Alte, angetan mit einem zersetzten roten Rock und einem karierten Umschlagtuch, unter dem das schmutzige Hemd hervorlugte, streckte jetzt den grauen Wuschelkopf zur Türe heraus und jagte uns fort. Sie fürchtete den Blick des Publi⸗ kums hinter die Kulissen, weil dies die Illusion am Ende vermindern konnte. Jetzt kam Anita langsam angeschlendert, mit Grazie ging sie an uns vorbei, uns in un⸗ kindlicher Weise scheinbar nicht beachtend, und doch schossen aus den Augenwinkeln Blicke der schärfsten Beobachtung. Sie fühlte sich uns gegenüber als Königin der Luft. Die Mittagsglocke rief uns nach Hause, was nicht verhinderte, daß wir sobald als möglich wieder zur Stelle waren. Das Bild hatte sich kaum verändert, nur die Vorbereitungen schienen jetzt fertig. Die Truppe bestand aus dem Harlekin, aus Anitas Vater, der wegen seines barschen Wesens uns wenig gefiel, aus Anita selber und aus der alten Großmutter, die wir nur flüchtig im Wagen gesehen hatten. Das Mädchen mit den flüchtigen Füßen blieb den ganzen Nachmittag unsichtbar, teils um die Spannung zu erhöhen, teils um sich wohl für den Abend auszuruhen. Um acht Uhr sollte die Vorstellung vor sich gehen. Die Glanznummer des Abends „die Königin der Luft fährt einen goldenen Wagen über das Seil“ lockte auch wirklich Jung und Alt herbei. Trotz aller Müdigkeit nach der schweren Feldarbeit versammelte sich das ganze Dorf auf dem Platze, der jetzt mit einigen Papierlaternen festlich er⸗ leuchtet war. Die Honoratioren des Dorfes hatten sich auch eingefunden, und an den Fenstern des Wirtshauses stand Kopf an Kopf. Es war ein wundervoller Sommer⸗ abend, die Linden rings um den Platz dufteten süß und die bunten Papierlaternen beleuchteten magisch das alte stattliche Rat⸗ haus mit seinen schönen Formen. Mit Trompetenstößen leitete der Harlekin die Vorstellung ein, und der Vater Anitas, Senor Lukas, wie er sich nannte, bestieg das Seil. Er war in rosa Trikot mit grünem Sammethöschen und Stiefelchen mit goldnen Troddeln gar herrlich. Das finstre Wesen war der größten Liebens⸗ würdigkeit gewichen, und nach rechts und links flogen die Kußhände, namentlich da⸗ hin, wo die Dorfschönen frisch gewaschen und mit spiegelblanken Wasserscheiteln stan⸗ den und kichernd die Hände unter die Schür⸗ zen steckten. Er ging gewandt auf dem Seil hin und her, machte einige Sprünge, stand auf einem Bein und stieg dann mit Grandezza wieder herunter, tüchtig bellatscht von dem dankbaren Publikum. (Fortsetzung folgt.) Von der Genesung. Haben wir nicht alle die Ueberzeugung, daß ein kranker Zug durch die ganze Weit geht, wir mögen hinschauen wohin wir wollen? Am schmerzlichsten aber trifft es uns, zu sehen, daß dieser Zug so stark unser einst so blühendes Vaterland ergriffen hat. Wer hätte da nicht den Wunsch, helsend diese große Not zu lindern, Zeit und Kräfte dem Volk zu widmen, das zugrunde gehen muß, wenn es sich von dem uutbeisvosten Zwang nicht frei macht, um zu den Quellen 72 zurückzukehren, aus denen allein Zufrieden⸗ heit und inneres Glück zu schöpfen ist? Wir wissen aber, daß unser Bemühen umsonst sein muß, wenn alle die irregeleiteten Seelen nicht selbst trachten, den Heimweg zu finden ins Vaterhaus, aus dem Wirrsal der Irrwege, aus der Gottentfremdung, die wie eine tödliche Krankheit weite Schich⸗ ten ergriffen hat. Und doch können wir helfen, indem wir sie im Gebet an unser Herz schließen und vor Gottes Thron brin⸗ gen, dem einzigen Helfer. Kürzlich gab mir ein Vers aus dem 80. Psalm so viel Trost, daß ich ihn vielen bekümmerten Seelen sagen möchte, es ist der Vers: Gott, tröste uns, und laß leuch⸗ ten dein Angesicht, so genesen wir. Viel ließe sich darüber sagen, aber ich denke, ein jeder findet den Trost darin, dessen er bedarf in dieser Zeit tiefster Not. Du, der du unaussprechlich liebst, hörst unser Herz nie flehen, ohn' daß du ihm die Hoffnung gibst Amen, es soll geschehen! Baronin R. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 9. Mai. Rogate. Kollekte für die evangelischen Gemeinden im Ausland. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde: Pfarrer Becker.— Vormittags 9¼ Uhr: Psarrer Mahr.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Pfarrer Mahr. In der Johanneskirche Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 9½% Uhr: Pfarcer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Vibel⸗ besprechung im Johannessaal. Montag den 10. Mai: Im Johannessaal, abends 8 Uhr: Vor⸗ trag des Piaarr ers Claußen-Judenburg über „Auf evangelischem Vorpossen in Steier⸗ mark“, veranstaltet durch den Evang. Bund. Donnerstag den 13. Mai(Himmelfahrtstag), In der Stadtkirche. Vormittags 9¼ Uhr: Pfarrer Mahr. In der Johanneskirche. Pfarrer Bechtolsheimer. In der alten Friedhofskapelle: Nachmittags 2 Uhr: Pfarrassistent Dr. Bingel. Vorm. 9½ Uhr: Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühb'schen Universitäts⸗Vuch⸗ und Steindruckerel R. Lange, Gießen. Psalm 10 und getan Es gil mürrisch, Blickes wider, ü sache lie sind, un daraus; Augen fi meinen i etwa ein außergen werden, ist, ausb Unzufrie Wer seinem g Gottes. Schlafe Pflichttre treibt ein keit. Wei Freie ge Blütenb: Vögel ve Schöpfer und Ge spruch e ein erhe wohnt, Die Ger kommen sich gen Gottes b Straße des Chr ist der was sein gern eig der Psal lobe den Geschick 23. Gi 0 Der gebracht hohlte von seir vother indessen