bährte ch auf, er und ls die , mir e, de r, und aß ich de ge⸗ folgt. Feste, n Ton. Hohn, te. Feste, ihn, 5 Lohn r Ehre, bole: rkrone [täre, dole, ne! rn. daß, Glocken nlichen heim⸗ simä. eim. 2 Uhr: Uhr: einde: dfarrer abends tierten teinde. 8 7½8 weib⸗ Uhr: gs 11 einde: 6 Uhr: Bibel⸗ kontag ereini⸗ ugend 8. Fe⸗ Zeichte = und An⸗ jeder ruckerei onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Ur, 6 Gießen, Sexragesimä, den 8. Februar 1920 9. Jahrg. Christliche Hoffnung. Brief des Apostels Paulus an die Römer 5, 5. Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. 5 In dem noch erhaltenen, vermutlich in Cassel aufbewahrten Bibeleremplar, das Landgraf Philipp der Großmütige während seiner Gefangenschaft in den Niederlanden benützte, sind von der Hand des Fürsten viele Stellen, die ihm in der schweren Zeit seiner Gefangenschast Trost gaben, mit rotem Stift angestrichen, so auch die Stelle: Hoff⸗ nung aber läßt nicht zu Schanden werden. Das ist so recht ein Wort für die gegen⸗ wärtige Zeit. Vielen im Lande ist jetzt allerdings jede Hoffnung entsunken. Fremde Hand im Vaterland, dieses Wort, das man einst in den traurigen Zeiten des Rhein⸗ bundes geprägt hat, ist wieder an Deutsch⸗ land wahr geworden. Landesteile, die man in jahrzehntelanger Arbeit zu germanisieren versuchte, werden vom Deutschen Reiche ab⸗ getrennt, die Teuerung und Preissteigerung droht uns schier zu ertöten, und das Dun⸗ kelste, Furchtbarste dieser Tage ist die For⸗ derung unserer Gegner, daß unsere Regie⸗ rung ihnen deutsche Männer zur Bestrafung für angebliche Kriegsvergehen ausliesere. Kann man angesichts solcher Tat fachen noch Hoffnung haben? 5 5: Allerdings die trügerische Hoffnung, die viele jetzt in sich tragen, ist vom Uebel. Man findet jetzt bei nicht wenigen einen Optimismus, von dem man nicht viel halten kann. Optimismus ist unter Umständen et⸗ was Eutes, er darf aber nicht zur Gedanken⸗ losigkeit und zum Leichtsinn werden. Die Menschen der Gegenwart haben sich daran gewöhnt, sich von sogenannten„machtvollen Kundgebungen“, von„flammenden Auf⸗ rufen“, von„energischen Protesten“ alles zu versprechen, und die deutsche Tatkraft scheint sich im Augenblicke hieran genügen zu lassen. Massenkundgebungen, Aufrufe und Proteste können auch ihr Gutes haben, wenn sie ein Volk zu entschiedenem Handeln stärken. Wenn einem Volke durch über⸗ mächtige Gegner aber das Hande n unmög⸗ lich gemacht ist, so sollte man lieber in der Stille bleiben; denn Weltgeschichte wird nicht in Versammlungen und mit Papier gemacht, und die Hoffnung, die man hier⸗ mit in einem Volke nährt, zerflattert rasch in ein Nichts. Man spricht jetzt von ein⸗ drucksvollen Kundgebungen beim Abschied deutscher Regimenter aus den dem Feinde überlassenen Landesteilen. Was bleibt von diesen Kundgebungen zurück? Nichts als das bittere Gefühl des schmerzlichen Ver⸗ lustes und der Stachel im Herzen: wir sind ein geschlagenes Volk. Nur die Hoffnung läßt jetzt nicht zu Schanden werden, die sich an Jesus an⸗ knüpft. Ihn hat allezeit lebendige Hoff⸗ nung erfüllt, und diese Hoffnung hat nicht getrogen. Nie in der Welt war eine Nieder⸗ lage größer als die, die Jesus auf Golgatha erlebt hat, und doch hat er in der Welt gesiegt und ist der Sieger bis auf diesen Tag durch die Kraft seiner Auferstehung. Und alle, die mit ihm innig verbunden waren, sind siegesgewiß durch das Leben gegangen. Haben wir diese Hoffnung im Herzen, so wird sie uns nicht zu Schanden werden lassen. Wir werden es erleben, daß Recht doch noch Recht bleibt, daß das gedemütigte, zertretene, in der Welt ver⸗ lästerte deutsche Volk, wenn es in der Schule der Trübsal Gottes Willen verstehen lernt, doch wieder zu Ehren kommt. Um unserer Kinder wi len dürken wir diese Hoffnung nicht aufgeben. Sie sollen einst mit leuchtenden Augen die bessere Zukunft unseres Volkes sehen und es er⸗ leben, daß in der Welt deutsches Wesen wieder zu Ehren kommt. H. B. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 21. Noch einmal der Scharfrichter Nord. Im vorigen Jahre veröffent ichten wir im„Sonntagsgruß“(Nr. 39) einen Artikel über die Scharfrichtersfamilie Nord. In drei Generationen sind Vertreter dieser Fa⸗ milie in Gießen Scharfrichter gewesen. Im Jahre 1787 gab die hiesige Fürstliche Re⸗ gierung dem Jakob Nord, dem Sohne des im Jahre 1765 verstorbenen Scharfrichters Johann Jakob Nord, eine Legitimation, die er augenscheinlich brauchte, wenn er nach außerhalb berufen wurde, um seines traurigen Amtes zu walten. Der Freund⸗ lichkeit des Herrn Lehramtsa sessors Julius Walther verdanken wir eine Abschrist dieser Legitimation, sie hat folgenden Wortlaut: „Der Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Ludwigen, Landgrafen zu Hessen, Fürsten zu Hersfeld, Grafen zu Catzenelnbogen, Diez, Ziegenhain, Nidda, Hanau, Schaumburg, Isenburg und Bü⸗ dingen p., Ihro Ru sisch⸗Kai er ichen Maje⸗ stät bestellten General⸗Feld⸗Marschallen des St. Andreas⸗ und Königlich Preußischen schwarzen Adler-Ordens-Rittern p. p. Unsers gnädigen Fürsten und Herrn! Wir seiner Hochfürstlichen Durchlaucht zu dahiesig Fürstlicher Regierung verordnete Geheimer Rath, Regierungs⸗Direktor, Ge⸗ heime- und Regierungs⸗Räthe urkunden und bekennen hiermit, demnach bey Uns Jacob Nord, des verstorbenen Nachrichters ältester Sohn dahier, um ein Certisicat wegen seiner Aufführung und übrigen Ersordernissen zu einem Scharfrichter⸗Dienst geziemend nach⸗ gesucht, und Wir dann den Suchenden zu referiren um so weniger Anstand gefunden, als vorgesagter Nord sich nicht nur bishero gut aufgeführet, sondern auch von einer berühmten Scharfrichters-Familie abstam⸗ met, die nicht nur hier, sondern auch an andern Gerichts⸗Stellen das Scharfrichter⸗ Amt mit Beyfall während dem ganzen Se⸗ culo bekleidet hat, auch gedachter junge Nord für seine Person Stärke und Hardiesse genug besitzet, um einen Missethäter durch das Schwerd hinzurichten, immaßen Wir also ein solches hierdurch attestiren und dieses Certificat hiermit ertheilen, also und dergestalt, daß vorbemeldeter Jacob Nord sich dieses Attestat zu seiner Legitimation bedienen kann. Urkundlich des hierauf gedruckten Fürst⸗ lichen Regierungs⸗Insiegel. Gießen, den 17. January 1787. Fürstlich⸗Hessische Regierung daselbst.“ Zum Amte eines Scharfrichters gehörte in alter Zeit allerdings Hardiesse, d. h. Kühn⸗ heit; denn die Verbrecher wurden nicht durch das Fallbeil, das bekanntlich eine Errungen⸗ schaft der französischen Revolution ist, hin⸗ gerichtet, sondern durch das Schwert. Sonst ernten Künstler in der Welt Beifall; dieser Jakob Nord hat sich als Scharfrichter Bei⸗ fall erworben. Urgroßtantens Raritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Fortsetzung.) „Sie holte ihren Vater und zeigte ihm die leere Schüssel. Er nickte befriedigt und versuchte mit einigen englischen Brocken mir klar zu machen, daß ich bald gesund sein werde. Er holte dann allerlei Näpfchen herbei und Stücke weißer Leinwand, die er daraus bestrich. Leise versuchte er dann, mich umzudrehen, wobei ihm die Kleine behilflich war. Ich bemerkte jetzt erst, daß ich einen regelrechten Verband trug, der allem Anschein nach jetzt erneuert werden sollte. So gut ich konnte, half ich mit und bemerkte an den befriedigten Zügen meiner Wirte, daß die Wunde auf dem Rücken zu ihrer Zufriedenheit aussehen mußte. Das frische Pflaster wurde aufgelegt, und ich sank erschöpft auf mein Lager zurück, doch blieben mir heute die Sinne klar. Ich sah mich nun in dem sonderbaren Raum um. Es war eine Art Gewölbe, das mit den un⸗ glaublichsten Dingen angefüllt war. Es standen Säcke, Kisten, Truhen umher, deren 22 Inhalt man nur ahnen konnte, dazwischen Stücke von Metall und Porzellan, Haufen alter Kleider und Tücher. Kurz, daß das Ganze eine Diebeshöhle der schlimmsten Art war, wurde mir, je klarer ich denken konnte, um so wahrscheinlicher.“ „Auf einer großen Kiste, meinem Lager gegenüber, bemerkte ich meine zwei Chine sinnen. Die eine kleiner, die andre größer, gerade wie ich sie immer im Fieber gesehen hatte. Sie schienen zu lächeln und sich mit mir meiner fortschreitenden Genesung zu erfreuen. Ich mußte sie immer ansehen;: denn ich konnte mich noch nicht viel be⸗ wegen, und die langen Stunden schlichen gar langsam dahin, je gesünder ich wurde. Die kleine Samariterin saß wohl manchmal bei mir, und wir redeten durch Zeichen mit⸗ einander, aber dann verschwand sie wieder, und ich blieb mit meinen zwei Chinesinnen allein. Das Dämmerlicht des Raumes be⸗ günstigte die phantastischen Vorstellungen meines Kopfes, und ich bildete mir oft ein, es gehe eine Veränderung mit den steifen Porzellangesichtern vor. Sie grinsten, sie brummten, je nachdem wie ich gerade in hoffnungsfreudiger oder in hoffnungsloser Stimmung war.“ „Es waren Wochen vergangen, und ich fühlte mich eigentlich jetzt ganz wohl. Ich aß zum Entzücken Gettas Riesenportionen und hatte wiederholt versucht, in dem Raum hin⸗ und herzugehen, ein Unternehmen, das bei meiner Größe in dem niedrigen Gewölbe nicht ohne Schwierigkeit war.“ Hei dieser Gelegenheit hatte ich freilich auch entdeckt, daß ich Gefangener war. Die einzige Tür, die ins Freie führte, war von Eisen und wohl verwahrt und verschlossen. Meine Barschaft war bis auf wenige Heller verschwunden, aber meine Uhr und Kette, die hatten sie mir wunderbarer Weise ge⸗ lassen. Meinen eigentlichen Wirt hatte ich tagelang nicht zu Gesicht bekommen. Er hatte ab und zu nach meiner Wunde ge⸗ sehen, jetzt, da das nicht mehr nötig war, überließ er mich ganz der Fürsorge seines Töchterleins. Ich grübelte oft, was nun wohl mit mir werden würde. Ich war gänzlich mittellos, unser Schiff war längst weg, wie sollte das Abenteuer überhaupt enden?“ „Eines Abends kam Gettas Vater zu mir und suchte mir durch Gesten und mangelhaftes Englisch klar zu machen, daß ich fort müsse. Er war sehr aufgeregt. Es schien etwas besondres vorgefallen zu sein. Ich erklärte ihm, ich sei bereit, und fragte ihn bei dieser Gelegenheit nach einer großen Summe Geldes, die ich im Leibgurt einge⸗ näht getragen hatte. Er behauptete, nichts davon zu wissen. Darauf verlangte er, daß ich mir die Augen verbinden ließe, was ich auch nach einigem Zögern schließlich tat, nachdem ich noch einen letzten Blich meinem Gefängnis, wo ich so viele Wochen ü irgenk mir 1 trog der it zukeh stecher Chine Kapit nahm lange mein Kame scholl vorn ich m Selb! D zählu 2 nom! sie z ischen pPausen 5 das en Art onnte, Lager Chine größer, esehen ch mit ng zu sehen: el be⸗ en gar . Die al bei mit⸗ vieder. sinnen es be⸗ lungen ft ein, steifen en, sie ade in sloser nd ich [. Ich tionen Raum n, das sewölbe freilich r. Die ar von hossen. Heller Kette, ise ge⸗ itte ich n. Er de ge⸗ 3 war, seines 5 nun h war längst rhaupt ter zu t und n, daß t. Es u sein. fragte großen einge⸗ nichts r, daß ießlich Blick Vochen 23 lang schwer gelitten und meinen beiden doch vom Karl, daß er sich erkenntlich hat Chinesenpuppen zugeworfen hatte. Ich mußte doch schließlich einmal aus dem ver⸗ fluchten Loch herauskommen, und trotzdem tat es mir in diesem Augenblick beinahe leid, es zu verlassen.“. „Man führte mich jetzt vorsichtig einige Stufen nach oben, dann wieder herunter und schließlich eine ganze Weile kreuz und quer, so daß ich wirklich unmöglich hätte zurück⸗ finden können. Dann nahm mir eine Hand. die Binde von den Augen. Ich stand einen Augenblick verwirrt, da drückte mir ein Mensch ein großes Paket in die Arme, ich hörte den Namen Getta und stand allein im Dunkel der Nacht auf der Straße. Das schwere Etwas, das man mir in die Hand gelegt hatte, ließ mich zu mir kommen. Ich riß die Umhüllung ab und fand die beiden Chinesinnen. Getta, die meine Vorliebe für die Puppen kannte, hatte sie mir zum An⸗ denken an meine Haft mitgegeben. Da stand ich nun ohne Geld, wildfremd in der Stadt, von der ich wirklich keinen guten Eindruck bekommen hatte, mit zwei chine⸗ sischen Porzellanpuppen im Arm.“ „Was tun?— Ich überlegte nicht lange Ich tastete mich, dem Lichterschein folgend zum Hafen hinunter in der stillen Hoff⸗ nung, daß ich dort von fremden Schiffen irgendeinen Kameraden finden würde, der mir weiter helfen könnte. Diese Hoffnung trog nicht. Ich traf einen Landsmann an, der im Begriff war, auf sein Schiff zurück⸗ zukehren, das früh am Tag wieder in See stechen wollte. Er nahm mich samt meinen Chinesinnen mit an Bord. Nachdem der Kapitän meine Geschichte vernommen hatte, nahm er mich mit in See, und nach monate⸗ langer Hin⸗ und Herfahrt gelang es mir, mein altes Schiff wieder zu erreichen. Die Kameraden hatten mich längst tot und ver⸗ schollen geglaubt. Für mich hieß es, von vorn anfangen; denn die Chinesinnen hatte ich mit meinen ganzen Ersparnissen bezahlt. Selbst für Götzenbilder war das teuer.“ Damit endete der Vielgereiste seine Er⸗ zählung. Die Götzenbilder wurden dankend ange⸗ nommen, mit scheuer Ehrfurcht, obgleich sie zwei Scheusäler waren, schön befunden und in die gute Stube auf den Glasschrank gestellt. Jedenfalls hatte der Karl recht, daß es harmlose Götzen waren; denn sie haben nie wversucht, vom Schrank herunterzusteigen. Sie standen unbeweglich jahraus jahrein und sahen impertinent aus mit ihren Schlitz⸗ augen, so lange ich es mir denken kann. Aber manchmal verdrehen sie die Augen, und daran merkt man, was man vor sich hat. Ganz geheuer ists nicht mit ihnen, es sind halt Götzenbilder, und dazu ge⸗ stohlene. Mein Vater selig hätte sie viel⸗ leicht doch nicht nehmen sollen, aber sie haben keinem was getan, und schön wars zeigen wollen.— „Und was ist denn aus dem Karl nach⸗ her geworden?“ fragte ich dazwischen. „Ja, der ist wieder hinausgegangen und ist was ganz Hohes geworden. Ich glaube, Kapitän haben sie ihn genannt. Er hat ein ganzes Schiff unter sich gehabt, und seiner alten Mutter hat er öfters Geld geschickt. Sie hat aber bis zuletzt bei uns gewaschen, obgleich sie's nicht mehr nötig hatte, aber sie meinte, der Frau Försterin ihre Wäsch, die sollt' nicht von einer andern verdorben werden. Und als die Ursel ge⸗ storben war, da ist der Herr Kapitän mit zur Leich gegangen in Uniform, ganz golden. Das war eine feine Leich. Rührung laut geweint, als er einen Kranz, so groß wie ein Wagenrad, aufs Grab gelegt hat. Nur schad', daß es die Ursel nicht mehr sehen konnt“, die Ehr hätt ihr gut getan. Auch die Götzenbilder haben mitgeweint sel⸗ bigesmal, ich hab's ganz deutlich gesehen. Als das Totenglöckchen angefangen hat zu läuten, sind die Schlitzaugen immer kleiner geworden, und als ich vom Kirchhof heim⸗ gekommen war, da waren sie wieder größer. Ja, weißt du, es ist nicht so ganz richtig mit den Chinesinnen, ich hab's euch ja schon immer gesagt!“ 4. Bastian Meyer aus Kinzig. „Ach, Tante, das entzückende Nähkäst⸗ chen, das könntest du mir schenken,“ so bettelte ich, und Tante Luise sagte:„Ja, 10 vermache ich dir einmal, wenn ich terbe.“ „Aber du hast es doch erst vorgestern der Elsa vermacht“, schmollte ich. „Wann stirbst du denn, Tante?“ fragte Karlchen harmlos.„Stirbst du bald?“ Tante Luise lacht. „Ja, das könnte euch passen! Nein. vorläufig lebe ich noch, aber das Näh⸗ kästchen bekommst du, und damit basta.“ „Ach, Tante, es geht doch nicht wie mit dem Kanarienvogel? Den hast du mir auch vermacht, und jetzt ist er vor dir gestorben.“ i Es war eine Eigentümlichkeit der Tante Luise, ihre Sachen zu vermachen, einmal, zweimal, zehnmal, jedesmal jemand anderm. Das bewußte Nähkästchen war aus Elfen⸗ bein, mit Gold eingelegt und mit Email⸗ farben bemalt. Im Innern rot ausgepol⸗ stert, barg es in dem denkbar kleinsten Raum die unglaublichsten Dinge: Spiegelchen, Riechfläschchen, ein goldnes Fingerhütchen, Nadeln in allen Größen, ein zierliches Scherchen mit Alabastergriffen, Wachsstöck⸗ chen und Garnwickel, Nagelpolierer und Ohrlöffelchen, kurz alles, was eine Dame der damaligen Zeit auf Reisen in der Post⸗ kutsche brauchen konnte. Es war ein über⸗ aus geschmackvolles Stück, und der, der es geschenkt, mußte ein Mann von auserlese⸗ nem Geschmack gewesen sein. Alles hat vor 1 11 1 0 2 „Denn ein Er war es doch, gelt Tante?“ versenken; denn, verliert nicht eine jede Damit brachten wir die schon schmun⸗ zelnde Alte zum Reden. Die Geschichte er⸗ zählt sie gern, die war ja aus der eignen Jugend, da sie achtzehn Jahre alt war, und von dieser Zeit erzählen alle Frauen gern. Ja, damals, da hing einem der Himmel noch voller Baßgeigen! Die sind einstweilen heruntergekommen und haben gebrummt, tüchtig gebrummt. Aber das glaubt man nicht, wenn man jung ist und lieblich an⸗ zuschauen, so wie wir beide waren, die Base Lina und ich. An jenem Morgen, da wir mit der Postkutsche nach Gießen zur Tante Christine fahren sollten, da war uns der Himmel blauer als blau, und wer uns gesagt hätte, daß er einmal anders sein könnte, den hätten wir hell ausgelacht. Wir sahen aber auch niedlich aus in unsern braunen Baregekleidern mit den grasgrünen Mänteln und rosa Seidenkapuzen, ganz wie Schwestern, eine wie die andre. So hatten wir es uns gewünscht. Linas Mutter war es gewesen, die die Herrlichkeiten besorgt hatte für ganze vierzig Gulden.„Eine teure Ausstaffierung“, brummte zwar mein guter Vater darob, aber es war auch für die Reise mach der Stadt, und seine Schwester hatte geschrieben, daß sie mit den Nichten Staat machen wolle. Da mußte schon ein übriges geschehen. l (Fortsetzung folgt.) von der Crübsal. Ist auch der Weg verborgen, Der heim mich führen soll, Bin dennoch ohne Sorgen, Den Führer kenn' ich wohl. Wohl noch nie hatten wir so viel Ursache, mit schweren Sorgen den kommenden Tagen entgegenzusehen. Wenigstens ergeht es mir so, als ich im Rückblick auf mein langes Leben mir sagen muß: Noch nie stand die Sorge um Familie und Vaterland so drohend da, wie eben jetzt, noch nie pochte der Hunger so stark an Vieler Tür, noch nie war die Beschaffung von Kleidung und Wärmemitteln so erschwert und eine Ab⸗ hilfe so aussichtslos. Zu all diesen äußeren Nöten tritt noch eine andere große, die Seelennot. Blicken wir um uns, so werden wir sehen, daß all das Hasten und Jagen nach Zerstreuung nur die innere Leere vergessen machen soll, das Fehlen des Stützpunktes, des Haltes, der in dieser Zeit allgemeinen Zerfalls so notwendig ist. Es fehlt die innere Samm⸗ lung, die Stille, die wir uns schaffen müssen, um die Unrast zu bannen. Wie eine denlenswerte Ermutigung emp⸗ fand ich da kürzlich das Bibelwort: Einer trage des andern Last. Versuchen wir doch, uns recht in den Sinn dieses Wortes zu Last durch gemeinsames Tragen an Schwere? Könnten wir nicht mancher einsamen lieben Seele die innere Not, die Vereinsamung er⸗ leichter, indem wir Mittel und Wege such⸗ ten und fänden, mit ihr in Berührung zu kommen? Wie einst Hiob in seiner größten Trübsal sich all des empfangenen Guten erinnerte, so sollen auch wir jetzt all des einst uns Beschiedenen mit Dankbarkeit ge⸗ denken und damit auch andern das Bei⸗ spiel geben, ein Gleiches zu tun. Gemein⸗ sam wollen wir danken, hoffen, beten, ringen und uns den zum Führer nehmen, der unser aller Leid und Weh kennt und allein uns davon befreien kann. Ich folge dir, mein Führer, auf der Bahn, Da du mich führst zum Ziel. Die Welt erwählt in ihrem blinden Wahn Sich falscher Führer viel. Ich bleibe dir ergeben, Nur ewig dir geweiht, Dir folg' ich nach im Leben, Dir nach in Ewigkeit. Baronin R. Kleine Mitteilungen. In unseren Opferstöcken findet sich eine Menge von Kriegsnotgeld, das von aus⸗ wärts stammt und das man hier nicht unterbringen kann. Wer für die Armen und Kranken unserer Gemeinden oder für kirchliche Zwecke etwas opfern will, der möge doch Geld einlegen, das hier im Kurse ist. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 8. Februar. Sexagesimä. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 9½ Uhr! Pfarrer Becker.— Vorm. 11. Uhr: Kinder⸗ kirche für die Markusgemeinde: Pfarrer Becker.— Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Dr. Bingel.— Montag den 9. Februar abends 8 Uhr: Vereinigung der konsirmier⸗ ten weib ichen Jugend der Markusgemeinde. — Dienstag den 10. Februar nachm. 4 Uhr: Frauenmissionsverein. In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr: Pfarrer Aus eld.— Vorm. 11 Uhr: Kinder⸗ kirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Abends 6 Uhr: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer. Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Lulas⸗ und Johannesge⸗ meinde. Die Gemeindepfarrer erbitten vor⸗ herige Anmeldung.— Abends ½8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde.— Mon⸗ tag den 9. Februar abends /8 Uhr: Ver⸗ einigung der konfirmierten weiblichen Ju⸗ gend der Lukasgemeinde.— Freitag den 13. Februar abends ¼8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen. Aufl. mit gehöl zutre schen nun würd gesch serer führe Woh ruin durd daß lichke Gott Gru Jah des wen! ihn o i die bei in d