bhannes⸗ ufnahme 1 gemeinde zur Zeit jedesmal tatt. In he Eröff⸗ ber statt, ber. und die ie in der gegeben ung ge⸗ Oktober instalten, ier trägt. rinitatis. istenlehre atthäus⸗ Pfarr⸗ irche für t Ramge. Christen⸗ emeinde: nachmit⸗ nst: Pfr. hr: Ver⸗ chen Ju⸗ ohannes⸗ i n. Gastwirt hauptver⸗ richt des Sommer⸗ Werner, e, über: t? 3. Be⸗ . Werbe⸗ itag, den rziergang sch vorm. Sommer. nausflug 8 Uhr, ßamilien⸗ nd Licht⸗ Die An⸗ unserer ngeladen. 8/ Uhr, es Herrn minalfall 1 eindruckerei 1 höheren Macht abhängig; onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. Gießen, I8. Sonnt. n. Trinitatis, den 3. Gktbr. 1920 9. Jahrg. Durch zum Licht. Psalm 23, 4. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. „Jetzt müssen wir durch großes Dunkel hindurch, in der Verworrenheit eines uns noch unbekannten Schicksals. Wir stehen im Dunkel und wir müssen hindurchkommen. Jetzt nicht stehen bleiben im Dunkeln! Vor⸗ sichtig tastend wollen wir hinausstreben und wollen nach dem Lichte suchen. Das deutsche Volk will bestehen, doch nicht sein Wille geschieht— das deutsche Volk muß bestehen, ob es will oder nicht. Dies ist von einer es wird seine Bestehungsform aus sich selbst finden, nach seiner Wesensart, die es sich ja auch nicht selbst gegeben hat, die es tragen muß ulld nach der es immer handeln muß.“ Mit diesen Worten mahnt der greise Altmeister deutscher Kunst, der fromme Maler Hans Thoma, zum Aushalten. Und er deutet an, woher uns die Kraft zum Kampf durch Nacht zum Licht kommt. Wer sich klar wird über die furchtbare Not der Zeit, der muß eigentlich verzweifeln an der Möglichkeit, einen Ausweg zu finden, der uns wieder emporführt zum Licht. Kein Mensch kann da 3 helfen, kein Volk der Erde steht uns ehrlich bei, alle wollen sie möglichst viel Nutzen ziehen aus unserem Unglück und uns gar vernichten. Wer in dieser Welt Trost und Poffnung sucht, der muß zuschanden werden. Es gibt nur ein Licht, das leuchtet in diese Dunkelheit hinein, aus der Ewigkeit herüber: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibet, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf en ich hoffe.“. Jetzt erweist und bewährt es sich so recht, was wir an der Religion haben, und in tiefster Seele empfinden wir ihre Tröstung: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mix, dein Stecken und Stab trösten mich.“ So wahr ein Gott im Himmel lebt, wird das Licht über die Finsternis, wird der Heilige über die Hölle siegen, wird unser deutsches Volk aus Nacht zum Licht wiederum . emporsteigen, wenn es nur seinen Gott und sich selbst nicht aufgibt. Vor hundert Jahren hat der alte getreue Ernst Moritz Arndt seine Stimme erhoben, die wir heute noch hören sollen:„Und sollet in Einmütigkeit und Friedseligkeit erkennen, daß ihr einen Gott habet, den alten, treuen Gott, und daß ihr ein Vaterland habet, das alte treue Deutschland.“ mit den 116 ern bei Gravelotte. Von Berthold Ebel. Bearbeitet und herausgegeben von Dr. Karl Esselborn. (Schluß.) Plötzlich quoll es aus einer durch eine Schlucht gebildeten Vertiefung massen⸗ haft hervor, ein furchtbares Feuer faßte, flankierend von Amanvillers her, die Gardebataillone; diese stutzten, die vorderen fielen ins Feuer, dann machte alles kehrt und ging im Laufschritt ein paar hundert Schritte zurück. Jetzt erst sah man die zahl⸗ reichen Verluste. Garde⸗Kavallerie versuchte, zwischen uns und der Garde vorzugehen, kam aber nicht weit vorwärts. Das Feuer, auch gegen uns, nahm nun wieder an Heftigkeit zu. Plötzlich erhielt Oberleutnant Kißner“), der, während alles andere kniete, fast immer auf seinen Säbel gestützt ge⸗ standen und durch sein Fernglas gesehen hatte, halb herumgewendet, einen Schuß durch die Seite. Mit den Worten:„Ich bin verloren!“ sank er ins Knie. Gegen sechs Uhr rückte die Garde zum zweiten Male vor. Der Oberst befahl nun auch unser Avancieren. Sprungweise, sehr bald in einem Schwarm, ward nunmehr etwa dreihundert Schritte vorgegangen, wo⸗ bei wir viele Verluste hatten. Die Artillerie, die uns jetzt über den Eisenbahneinschnitt auch nachfolgte, feuerte uns so nahe über den Köpfen weg, daß wir den Luftdruck der sausenden Granaten dicht über uns spür⸗ ten. Die Franzosen gingen zurück. Bei dem nächsten Sprunge kamen wir mit Teilen des 1. Infanterie-Regiments zusam⸗ men. Der diesem Regiment angehörende Leutnant Anton“*) wurde hier in einem kleinen Graben mit Buschwerk durch die Brust geschossen. Da die Franzosen zurück⸗ gingen, kamen wir immer noch nicht zur Anwendung unserer Waffen; die Entfer⸗ nungen waren zu groß. Infolge der Verluste hatten sich die Reihen bei den verschiedenen * Kurt Dietrich Georg Kißner, geboren zu Worms am 5. Februar 1840, erlag einige Tage darauf(26. August) seinen Wunden. *) Fr. Kurt Aug. Anton, geb. zu Wald⸗ Michelbach 6. April 1847, gestorben als Oberleutnant a. D. zu Leipzig, 3. Juni 1884. — 154— Sprüngen bereits sehr gelichtet, und alle schierten nun in einem Ravin rechts von Kompagnien, das erste Infanterie⸗Regiment dem Eisenbahnhäuschen auf. Dort standen und das zweite Jäger-Bataillon lagen durch- bereits anderweitig gesammelte Reste des einander. Alles schwenkte nunmehr mehr Bataillons, so daß die Kompagnie nun rechts gegen Amanvillers zu. In diesem wieder auf 150 Mann kam. Augenblicke führte General major von Wit⸗ Das Bataillon marschierte nunmehr tich gesammelte Reste aller Kompagnien, längs der Bahn hinter dem Bois de la etwa 200 Mann, tambour battant, un⸗ Fusse in die erste Reservestellung zurück gefähr 200 Schritte rechts hinter uns in Dort wurde bewakiert. Man sagte, wir der Richtung nach dem Bahnwärterhäus- hätten einen großen Sieg erfochten. chen vor, das von den Franzosen, die von. Müdigkeit besiegte bald Hunger und dort aus bei unserem ersten Vorgehen den Durst. Die Abspannung folgte der Auf⸗ Bahneinschnitt und das Wäldchen flankiert regung der ersten Schlacht nach. Alles hatten, nun bereits lange 17 war. schlief, wo es gerade Platz fand, in der Wir avancierten n bis auf gleiche Höhe kalten Nacht auf dem feuchten Boden. Gegen mit dem Häuschen. Dann wurde das wei- zwei Uhr nachts erwachte ich forstdurch⸗ 8 Vorgehen aufgegeben und gefammelt. schauert. Einige Leute hatten sich ein mehr Denn es waren nur noch sehr wenige Leute rauchendes als wärmendes Feuer von grü⸗ zur Stelle. Viele waren abgekommen, andere nem Holze angezündet und saßen oder zurückgeblieben, 115 andere tot oder ver⸗ schliefen darum herum. Ich schob mich gleich⸗ wundet. Das feindliche Feuer war ebenfalls lalls heran. Bald kam auch der Bataillons⸗ erloschen. Die Schlacht brannte aus an kommandeur und setzte sich dazu. Kein Wort dieser Stelle. Heftiger tobte jetzt uur noch wurde 9570 0 alles starrte gedanken⸗ der Kampf bei St. Privat, desgleichen hörte voll in die trüb flackernde Flamme. So er⸗ man jetzt erst den furchtbaren Kanonendonner warteten wir den kommenden Tag. von Gravelotte her. 5 dene e ee ein Die Chronik des Gießener Ratsdieners orporal versuchten einen einzelnen Fran⸗ zosen, der 300 Meter entfernt in einer Philipp Moritz Moll(1857— 1840). Schlucht sich, anscheinend verwundet,(Fortsetzung.) herumtrieb, zu fangen; doch ohne Erfolg, Am 25. August(1838) ist der Ludwigs⸗ denn der Mann entsprang sehr behende. brunnen, früher Jughardsbrunnen, zuerst Später erschien der Bataillonsadjutant gesprungen, wobey H. Kirchenrath Engel und versammelte als Aeltester, was von den eine Rede hielt. Kompagnien noch zur Stelle war. Es wur⸗(Ueber die Feier der Eröffnung des Jug⸗ den von der 6., 7. und 8. Kompagnie etwa hardsbrunnens hat Herr Heinrich Hoch⸗ 17 Mann gesammelt, darunter von der stätter sen. im Jahrgang 1919 des„Sonn⸗ Kompagnie ungefähr 50 bis 60 Mann. tagsgrußes“, Nr. 20, das Nähere berichtet. Von der 5. Kompagnie waren außer Vize- Ein Zeitungsbericht meldet, daß Kirchenrat feldwebel Goldmann“ fast keine dabei. Dr. Engel bei der Brunnenweihe gehaltvolle Ab und zu fielen noch einzelne Schüsse Worte gesprochen habe. Zugegen waren auch in der Front und selbst von rückwärts. Beim Polizeirat Zulehner und der Bürgermeister, Sammeln wurde noch ein Mann ver- der den Arbeitern dankte. Hierauf verrich⸗ wundet. Man vermutete, daß es Kranken- teten diese„ihr übliches Gebet“ und zogen träger wären, die die Gewehre Verwun⸗„mit fliegenden Fahnen“ ab. Auch Wilhelm deter abschössen, und schrie, es sollte auf⸗ Egid Nebel gedenkt in seinen Aufzeichnun⸗ gehört werden. Da es in der nächsten Um- gen, die wir in der vorigen Nummer schon gebung bereits ziemlich still geworden war, erwähnt haben, dieser Einweihung und er⸗ hallten die Rufe unheimlich aus dem Bois zählt folgendes:„Auf dem Seltersberg hatte de la Eu zurück. Bei der bereits einge- man unter der Erde eine Brunnenleitung tretenen Dämmerung war nichts mehr zu von etlichen hundert, Schritten Länge her⸗ erkennen. gestellt, deren Wasser aus einer Röhre Während das brennende St. Privat zur sollte. Als das Kunstwerk vollendet war, Linken leuchtete und etwa um 8¼ Uhr veranstaltete der Schöpfer desselben, ein an⸗ laute Hurrarufe von dort herübertönten, gehender Bergmann, Namens Königer, eine erhob sich zur Rechten plötzlich das Ge⸗ feierliche Einweihung. Ich sehe noch den wehrfeuer von neuem zu nie geahnter Hef- kleinen Zug der Arbeiter in Bergmanns⸗ tigkeit. Es war das vergebliche Ringen tracht, fast ebenso viele Musikanten voran, der 3. dee ee um Aman⸗ sich über den Lindenplatz bewegen, an der villers. Dann lagerte sich allgemach Toten- Spitze Engel im Ornate, welcher geladen stille über das weite Leichenfeld. Wir mar⸗ war, die Festrede zu halten und dem Brun⸗ nen zu Ehren des Großherzogs den Namen Wemil Goldmann, geboren zu Bieden⸗ Ludwigsbrunnen beizulegen. So viel ist 95 am 22. April 1852, gestorben zu gewiß, daß er wegen dieser Brunnentaufe Darmstadt als Oberstleutnant a. D. am viel zu leiden hatte, weil das Wasser am 24. Oktober 1908. folgenden Tage aufhörte zu laufen und die böse We weihung worden, stube hin lich vorl ein Anh genannte den Vor anders: nens am getroffen ihm— Komman effektvoll mische n dröhnend Quelle v künstliche brachte. kundig 90 Großherz bekanntli⸗ war. Als Dankvisit machte, d herzog so platzte:, Darauf hawwe beweist de Engel in fach auf zeuge des daß der S Verfasser Den 6 Bruder a wieder fo Den 8. Am 13 Am 13 bruch der ein Torti straße und alter Zeit Freiheitss Stadtpfor gemacht h Stunden „Die Gri an der N noch eine dem kleine sche n Hau Straße ar ten sich m mauern d späteren U pflasterun, beseitigt.“ Am 4. Ludwig H Am 9. Gnade, de schts von standen este des nie nun * nunmehr S de la zurück. gte, wir n. Gegen orstdurch⸗ ein mehr von grü⸗ ßen oder ich gleich⸗ taillons⸗ ein Wort gedanken⸗ e. So er⸗ g. sdieners 1847). Ludwigs⸗ en, zuerst th Engel des Jug⸗ ich Hoch⸗ 5s„Sonn⸗ berichtet. Kirchenrat gehaltvolle baren auch ermeister, if verrich⸗ ind zogen Wilhelm fzeichnun⸗ mer schon g und er⸗ berg hatte nenleitung änge her⸗ er Röhre ndet war, n, ein an⸗ riger, eine noch den ergmanns⸗ en voran, n, an der geladen em Brun⸗ en Namen viel is innentaufe Vasser am n und die — 155— böse Welt behauptete, daß es bei der Ein⸗ weihung gelaufen, sei dadurch bewerkstelligt worden, daß man es oben in die Brunnen⸗ stube hineingeschüttet habe.“ Den handschrift⸗ lich vorliegenden Aufzeichnungen Nebels ist ein Anhang beigefügt, der von einem nicht genannten Verfasser herrührt. Dieser erzählt den Vorgang bei der Brunnenweihe etwas anders:„Bei der Einweihung des Brun⸗ nens am Seltersberg war die Verabredung getroffen worden, daß die Röhre bis das von ihm— gemeint ist Engel— gegebene Kommandowort geschlossen bleiben und dann effektvoll hervorsprudeln sollte. Das Ko⸗ mische war nun, daß, als das gewaltig dröhnende„Sprudele, Quelle“ erscholl, die Quelle versagte und nicht sprudelte, bis erst künstliche Nachhilfe das Wunderwerk zustande brachte. Die Geschichte war stadt- und land⸗ kundig geworden und bis zu den Ohren des Großherzogs Ludwig III. gedrungen, der bekanntlich für Mutterwitz sehr empfänglich war. Als nun einige Zeit darauf Engel seine Dankvisite wegen eines empfangenen Ordens machte, da trat diese Geschichte dem Groß⸗ herzog so plastisch vor Augen, daß er heraus⸗ platzte:„Sprudelt denn nun die Quelle?“ Darauf Engel:„Ja, Königliche Hoheit, wir hawwe'r dazu verholfe.“ Diese Anekdote beweist deutlich, wie so mancherlei, das man Engel in späterer Zeit nachgesagt hat, ein⸗ fach auf Erfindung beruht. Nebel, der Augen⸗ zeuge des Vorgangs war, weiß nichts davon, daß der Sprudel versagt habe, der unbekannte Verfasser erzählt diese heitere Geschichte.) Den 6. September Abends kam mein Bruder aus der Fremde und am 10. ist er wieder fortgereist. Den 8. Oktober das erste Feuer im Ofen. Am 13. November einen tollen Hund. Am 13. November der Anfang zum Ab⸗ bruch der Stadtpforte.(Die Stadtpforte war ein Torturm, der da stand, wo die Markt⸗ straße und die Neustadt zusammenstoßen. In alter Zeit wurden Uebeltäter, die eine kurze Freiheitsstrafe zu verbüßen hatten, auf die Stadtpforte gesetzt, auch Knaben, die Unfug gemacht hatten, kamen auf einige Tage oder Stunden dorthin. Herr Hochstätter schreibt: „Die Grundmauern der alten Stadtpforte an der Neustadt waren nach deren Abbruch noch eine Reihe von Jahren sichtbar. Auf dem kleinen Plätzchen vor dem jetzt Benner⸗ schen Hause sowie auf der anderen Seite der Straße am jetzt Frensdorfschen Hause lehn⸗ ten sich mächtige Basaltblöcke an die Grund⸗ mauern dieser Häuser an. Erst bei einem späteren Umbau derselben und bei einer Neu- pflasterung der Straße wurden sie ganz beseitigt.“ Am 4. 4. December Morgens 1 Uhr starb Ludwig Hilgardt, Drechsler. 1839. Am 9. Januar kam die Nachricht von der Gnade, daß die Gefangenen frei kommen sollten, welche auch am anderen Tag los kamen und auf den 19. ein Abendessen ins Buschengarten gehalten wurde.(Es handelt sich hier um politische„Verbrecher“. Be⸗ kanntlich hatten sich in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Hessen geheime Gesellschaften gebildet, die auf eine Abände⸗ rung der sehr mangelhaften und hinter den Erwartungen der Kämpfer von 1813 bis 1815 zurückgebliebenen Staatsverfassung hinzielten. Diesen Verbindungen gehörten zumeist akademisch gebildete Männer und Bürger städtischer Gemeinwesen an. Unter ihnen steht an erster Stelle der Rektor Weidig aus Butzbach, früher Pfarrer in Obergleen, der im Gefängnis zu Darmstadt 1837 ein sehr tragisches Ende gefunden hat. Der Dich⸗ ter Georg Büchner entzog sich durch eine eilige Flucht der Verhaftung. Andere Män⸗ ner, die an diesen Bestrebungen beteiligt waren, wurden zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt. Aus Gießen bzw. aus der Nähe von Gießen stammten folgende Angeschul⸗ digten: Kandidat der Kameralwissenschaft Schmitt, stud. pharm. Clemm aus Lich, Küfermeister Schneider, Schlossermeister Hirschfeld, Bäcker Kämmerer, Hofgerichts⸗ advokat Bansa. Dem Gesetze nach mußten diese Männer verurteilt werden, aber es war ein Zeichen von der Einsicht der da⸗ maligen Regierung, daß man die Verurteil⸗ ten begnadigte. Daß man sie in Gießen in so auffallender Art feierte und ihnen zu Ehren ein Festessen veranstaltete, beweist, daß sie sich großer Wertschätzung erfreuten. Ihr Bestreben war im Grunde auf nichts anderes gerichtet, als auf ein einiges starkes Deutschland. Im ganzen waren es 26 An⸗ geklagte, die damals begnadigt wurden, nach⸗ dem sie vorher zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt worden waren. Unter ihnen waren auch Pfarrer Flick von Petterweil und Rektor Heß aus Butzbach, beiden wurde bei ihrer Begnadigung bedeutet, daß sie nicht wieder in ihre Aemter eingesetzt werden sollten. Ob man nicht auch in diesem Punkte später hat Milde walten lassen, kann ich nicht feststellen. Wie man sich damals mißliebiger Staats⸗ bürger entledigte, zeigt der Fall des Gürtlers Karl Zeuner aus Butzbach, ihm wurde Be— gnadigung zugestanden für den Fall, daß er nach Amerika auswandere. Unter den politi⸗ schen Opfern dieser schweren Jahre befand sich auch Fritz Reuter, der in„Ut mine Festungstid“ über den Grund seiner sieben⸗ jährigen Festungshaft schreibt:„Dat weit de leiw Gott! Stahlen und nahmen heww 4ik nicks, ok nich lagen und bedragen.“) In dem Monat Januar 1839 hat Advocat Welker ein Wagen Holz für 42 Gulden erkauft. Demm 24. Februar war die Lahn so groß als sie einmal war. Dem 28. April war im Buschischen Gar⸗ ten das erste Bürgerliche Conzert. * — 156— Am 1. Mai hatten wir das erste Gewitter, welches bei Leihgestern einen Mann er⸗ schlug und ein Wolkenbruch gefallen. Am 6. Mai waren 4 in einem Tag be⸗ graben. (Hier hat sich Moll geirrt, am 6. Mai 1839 wurden nur 3 Personen beerdigt, nämlich Johannette Herbert, geb. Will, Ehe⸗ frau des Gemeinderatsmitgliedes und Gast⸗ wirtes Ludwig Herbert, alt 40 Jahre, Anna Margaretha Kannegießer, geb. Böcker, Witwe des Korporals Christian Kannegießer, alt 64 Jahre, und Magdalena Elisabetha Lotz, geb. Dick, Witwe des Sergeanten Johannes Lotz, alt 72 Jahre. Moll wußte übrigens sonst um die Verstorbenen, bzw. Beerdigten gut Bescheid, da er in seiner amtlichen Eigen⸗ schaft faͤst regelmäßig bei den Beerdigungen zugegen war und nachher mit dem Pfarrer und einer zweiten Urkundsperson das Pro⸗ tokoll unterschrieb.) Am 22. Juli wurde das erste Kind dem Pfarrer Simon in dem neuen Trauerwägel⸗ chen begraben.(Es handelte sich hier um den dreizehnjährigen Otto Georg Erich Hein⸗ rich Karl Simon.) Am 25. Juli Abends holten die Stu⸗ denten vier Gefangene vom Catzer und den 26. rückten schon vierzig Dragoner von Butzbach hier ein, den 28. wurden die ersten Studenten ins neue Arresthaus gebracht, Mittwoch, den 31. zogen die Dragoner wieder ab.(Ueber diesen Zwischenfall be⸗ richtete die Darmstädter Zeitung, es hätten sich landsmannschaftliche Verbindungen po⸗ litisierend gezeigt, was durch Disziplinar⸗ statuten verboten war. Einige seien in den Karzer gekommen, darauf hätten am 25. Juli, abends 8 Uhr Studenten den Karzer ge⸗ sprengt und einen Polizeioffizianten miß⸗ handelt. Da Gießen von 1821 bis 1868 keine Garnison hatte, so mußten in der⸗ gleichen Fällen immer die Butzbacher Dra⸗ goner einspringen.) Samstag den 3. August war die Eröff⸗ nung des Loosischen Felsenkellers. Am 30. Oktober erhenkte sich Metzger Adolf Schmitt. 1840. Den 19. Januar hörte ich, daß meine Schwester in Friedberg krank sei, den 20. machte ich hin, und es war nicht wahr. Den 25. Januar starb mein Schwager Heinrich Deubel in Wieseck und wurde be⸗ graben den 26. Mittags 1 Uhr. Am 23. Februar Abends zwischen neun und zehn Uhr erschoß der Student Herz⸗ berger seines Bruders Frau und sich selbst. Am 5. Merz lief man mit Schlittschuhen auf der Lahn. Am 12. Abends 7 Uhr wurden beerdigt zwei Studenten Namens v. Müller, wohnte bei Spengler Habenicht, der andere Sieg⸗ fried von Darmstadt wohnte bei Frau Rent⸗ amtmann Bott mit Facklen. (Ueber diesen Vorgang gibt der Artikel „Eine bemerkenswerte studentische Leichen⸗ feier“ von Dr. Karl Esselborn in Nr. 11 dieses Jahrgangs unseres Blattes ausführ- lichen Bescheid. Die„Darmstädter Zeitung“ schrieb damals:„Gießen, den 11. März. Gestern starben dahier in Folge nervöser Fieber zwei hoffnungsvolle Studenten. Jedermann fürchtete schon in den letzten Tagen für ihr Leben.“ Auch durch diese Notiz wird die Annahme widerlegt, daß diese Studenten, deren gut erhaltenes Grab⸗ denkmal auf dem Alten Friedhofe, gleich rechts vom Haupteingang, zu finden ist, im Zweikampf gefallen seien.)“ Fortsetzung folgt., Uleine Mitteilungen. Das Kirchenkonzert, das der Organist Fritz Schink aus Berlin und die Konzert- und Oratoriensängerin Klara Weber aus Augs⸗ burg am 2. Oktober, abends 8 Uhr, in der Stadtkirche veranstalten, hat den Charakter einer Erntedankfeier. Zum Vortrage kommen u. a.„Präludium und Fuge in E-Moll“ von J. S. Bach,„Laudate Dominum“ von Mozart,„Melodie und Toccata aus Werk 59“ von Max Reger, sowie Lieder von Friedemann Bach, F. Mendelssohn, Franz Schubert. Das Textprogramm kostet 2.50 Mk. und ist für alle Plätze gültig. Der Verkauf erfolgt durch die Musikalienhandlung Busch am Lindenplatz sowie abends am Haupt⸗ eingang der Stadtkirche. * Es sei heute schon darauf aufmerksam gemacht, daß die feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichtes am 10. Oktober stattfindet, in der Stadtkirche um ½10 für die Markus⸗-, um 6 für die Matthäus⸗ gemeinde, in der Johanneskirche um 10 gemeinde. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 3. Okt., 18. nach Trinitatis. In der Stadtkirche. Vormittags 9¼ Uhr: Pfarrer Mahr.— Nachmittags 2 Uhr feiert die Kinderkirche der Matthäusgemeinde Erntedankfest, wozu alle Gemeindeglieder eingeladen werden.— Donnerstag, den 7. Oktober, abends 8 Uhr: Gemeindever⸗ sammlung für Männer und Frauen der Markusgemeinde im Gemeindesaal, Kirch⸗ straße 9. In der Johanneskirche. Vorm. 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Bibelbesprechung im Johannessaal: Pfarr⸗ assstistent Ramge.— Mittwoch, den 6. Ok⸗ tober, abends 8 Uhr: Männervereinigung der Johannesgemeinde im Johannessaal.— Freitag, den 8. Oktober, abends ½8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Johannesgemeinde im Johannessaal. Am Sonntag, dem 10. Oktober, beginnen in beiden Kirchen die Abendgottesdienste wieder(um 6 Uhr). Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buck⸗ und Steindruckerei N. Lange, Gießen. für die Johannes⸗, um 6 für die Lukas⸗ Geme Nr. 40 Psalm 3 allez Die M und Alln der vor häufig, an etwas wundern, sagt einn Viertelstu mehr an Jeder ten an u der Gotte und Dan begleitet den Tag. stumpfen lichkeit f eigenen Kleinen wahrt, de liches Lel dem Urq er im schaut. E dem Kur sinnig an geht. Die den Stau Seelenleb herabgedr schließlich Nachtseite empfindet göttlichen Weltschm Menschen Hätten Walten Wundern bewahrt, Gegenwa finden u und Ank reichlich! anbetende Denn gesucht h schützende Wie ar Nebel de Sonnenst, zu sehen des Ande hand in