aunt. In nkeit war in erster d zu sein, enden zu lllgemein⸗ chen. Daß in, braucht en ihm in den harten stitgegeben, gehandelt d dir den sollst. In auch als be Kirchen⸗ auß, be⸗ Kirchen⸗ „verdient rrzen zum eres evan⸗ h die ein⸗ gt, die er imlung in id Kirche“ hat. Möge anne noch zirksamkeit bilate. gs 8 Uhr, onfirmier⸗ Pfarrer : Pfarrer inderkirche rer Mahr. 3 8 Uhr: schen Ver⸗ t: Pfarrer ags 8 Uhr, 'onfirmier⸗ Pfarrer r: Pfarrer 11 Uhr: e. Pfarrer yr: Bibel⸗ 1 15 igung am Wartburg⸗ mstag den (Kirchstr., e Musik“. rche: Fa⸗ of. D. Dr. )e Darbie⸗ ors sowie der Ge⸗ der Musi⸗ llen Mit⸗ teindruckerei onntags gruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Hr. 17 Gießen, Cantate, den 2. Mai 1920 9. Jahrg. Leichtsinn. 1. Mose 25, 31—33. Jakob sprach: Verkaufe mir heute deine Erstgeburt. Esau ant⸗ wortete: Siehe, ich muß doch sterben; was soll mir denn die Erstgeburt? Jakob sprach: So schwöre mir heute. Und er schwur und verkaufte also Jakob seine Erstgeburt. Wen kann man als einen ernsten Men⸗ schen bezeichnen? Nur den, der die Wirklich⸗ keit mit scharfem Auge erkennt und darnach sein Leben einrichtet. Esau war kein ernster Mensch, um eines Linsengerichtes willen verkaufte er seinem Bruder sein Erstgeburts⸗ recht! Er hatte kein Auge dafür, daß er in einer Anwandlung des Augenblicks ein großes Gut aus den Händen gab, ein Gut, das ihm später hätte sehr dienlich sein können. An ihm finden wir die typischen Merkmale des Leichtfinns: Unbesonnenheit, Augenblicksstimmung, Mangel an richtiger Einschätzung der Wirk ichleit und an Selbst⸗ beherrschung. Zum Leichtsinn gehört auch eine übel angebrachte Gutmütigkeit. Mit Recht sagt der Volksmund: Gutmütigkeit ist ein Teil der Lieder ichkeit. Man findet den Leichtsinn besonders bei jungen Menschen. Sie denken nicht an die Zukunft, versäumen ihre Berufsausbildung, streuen Geld, wenn sie es haben, mit vollen Händen aus. Ein Zug des Leichtsinns geht jetzt durch unser Volk. Wie ernst unsere finanzielle und wirtschaltliche Lage ist, er⸗ fassen die wenigsten. Man ist damit zu⸗ frieden, daß die Notenpresse arbeitet, und macht Projekte, als ob wir unerschöpfliche Goldreserven hätten. Nur rücksichtsloser Ernst und schar e Erfas ung der Wirklichkeit kann uns vor dem gänzlichen Zusammen⸗ bruche retten. Am verhängnisvollsten ist der Leichtsinn auf religiösem Gebiete. Die m isten Men⸗ schen machen sich nicht klar, daß das Gericht Gottes in der Zukunft auf sie wartet, daß das Freudenleben der Erde, das für un er Volk längst lein Freudenleben mehr ist, ein⸗ mal ein Ende nimmt. Ein ernster Mensch ist der, der in Gott die Krast sucht, um über das Leid der Welt und ihre Ver änglichkceit Herr zu werden, der sich von Jesus auf den Weg des ewigen Lebens leiten läßt und täglich an das Wort denkt: Schickt das Herze da hinein, Wo ihr ewig wünscht zu sein. H. B. —— Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 23. Gießener Familienleben in drei Generationen. (Fortsetzung.) In Erstaunen setzt uns hier, daß das Be⸗ gräbnis schon frühmorgens um 5 Uhr statt⸗ fand. Aber noch im 19. Jahrhundert be⸗ stand lange Zeit die Sitte, die Toten in früher Morgenstunde, um 6, 7 oder 8 Uhr, zu bestatten, während man jetzt hierzu fast durchweg Nachmittagsstunden wählt. Im übrigen ist diese Rechnung sehr interessant, allerdings für die Menschen der Gegenwart nicht ohne weiteres klar und verständ ich. Der Verfasser hat es deshalb mit lebhaftem Danke begrüßt, daß Herr Ratsdiener i. R. Karl Moll ihm hierüber bereitwillig Aus⸗ kunft gegeben hat. Herr Moll weiß über die Zustände in Alt⸗Gießen trefflich Bescheid; denn er ist mit dem Leben unserer Stadt innig verwachsen. Sicher ist er, der am 29. Juni das 81. Lebensjahr vollenden wird, jetzt der Senior unter den Beamten der Stadt Gießen. Seit 1862 steht er im Dienste der Stadt und ist auch jetzt, obwohl er pen⸗ sioniert ist, noch für unser Gemeinwesen tätig. Aber auch von seinen Vorfahren her — Großvater und Vater waren beide Rats⸗ diener, jener seit 1802, dieser seit 1832— steht er mit der Stadt in inniger Verbin⸗ dulkg. Auf seinen Angaben vorzugsweise fußen die nachfolgenden Erläuterungen zu Johann Melchior Pistors Aufstellung der Kosten, die bei dem Begräbnisse seines Schwiegervaters entstanden waren. Hiernach bekam der Pfarrer für eine Be⸗ erdigung einen Gulden, der Opfermann oder Kirchendiener 30 kr. Auch der Magister oder Stadtschullehrer bekam 30 kr. Ob im Jahre 1793 noch Schulkinder unter der Führung eines Lehrers bei den Begräbnissen gesungen haben, kann zunächst nicht sest⸗ gestellt werden; Tatsache aber ist, daß die Lehrer an der Stadtschule noch in den 1860er Jahren für ihr Mitgehen im Leichen⸗ zuge eine Gebühr bekamen. Der Leichen⸗ wagen befand sich noch in der ersten Zeit des 19. Jahrhunderts in einem Raume, der zum Universitätsgarten(jetzt Botanischer Garten) gehörte, und der Universitäts⸗ gärtner hatte ihn instand zu halten und für jedes Begräbnis in Ordnung zu bringen. Der erwähnte Raum war der vormalige landgräfliche Marstall, der quer über der heutigen Landgrafenstraße stand. Der sonderbare Ausdruck„vor die 2 paar⸗ ten“ ist aus dem Französischen Zu erklären; kaire part de quelque chose à quelqu'un heißt jemanden etwas mitteil en. Die„Paar⸗ ten“ waren die Männer, die in einer Zeit, da man Familienereignisse noch nicht in den Tageszeitungen veröffentlichte, von Haus Haus gingen und das Begräbnis 137 5 Nicht geringe Schwierigkeiten machte auch die Bezeichnung„sticem träger“. Nach dem „Oberhessischen Wörterbuch“ von Crecelius bedeutet„Sticke“ so viel wie Stütze. Hier half Herr Moll weiter. In ganz alter Zeit wurden, wie das jetzt noch in manchem Dorfe geschieht, auch in Gießen die Toten nach dem Gottesacker nicht gefahren, sondern getragen. Unterwegs mußten die Träger natürlich manchmal rasten, alsdann wurde der Sarg auf Stützen gestellt. Auf dem Lande tragen oft Zwei Knaben, einer vor, einer hinter dem Sarge, Stühle, auf die die Träger ihre Last niedersetzen. So hatte man auch in Gießen, wie Pistor schreibt, die „sticem träger“, die neben dem Sarge ein⸗ hergingen. Man behielt sie noch bei, als man die Toten längst nach dem Friedhofe fuhr, mithin Stützen nicht mehr nötig hatte. Noch nach der Mitte des 19. Jahrhunderts gingen die„Stickenträger“ ohne Sticken neben dem Sarge einher. Ueberhaupt werden die Be⸗ gräbnisse heute viel einfacher gestaltet als in alten Zeiten. Auffallend ist, daß Pistor keine Marschälle erwähnt, vermutlich sind die„Paarten“ mit den späteren Marschällen identisch. Die Marschälle eröffneten den Leichenzug, gewöhnlich waren es zwei, ver⸗ mögende Familien bestellten vier oder gar sechs Marschälle. In der Regel fungierten als solche die Handwerker, die im Hause, dem der Tote angehörte, beschäftigt waren so Ofenputzer, Schneider, Schuhmacher, Bar⸗ bier, unter keinen Umständen taten hier Bäcker und Metzger mit. Auch die Kirchen⸗ diener wurden gern als Marschälle ver⸗ wendet. Nach den den Zug eröffnenden Mar⸗ schällen kam der Geistliche, dann kamen wieder Marschälle. Sie trugen einen manns⸗ hohen Marschallstab, an dem ein langer schwarzer Flor befestigt war, desgleichen trugen sie am rechten Arm und am Hute einen Flor. Auf dem Leichenwagen fuhr der Wagenführer und der eee teur, auch Leichenwagendecker genannt, der mit dem Pfarrer und dem Totengräber im Kirchenbuche das über die Bestattung auf⸗ genommene Protokoll ere Die Ausgaben für Wein, Branntwein, Kaffee, Wecke und Bretzeln we isen darauf hin, daß in der alten Zeit in Gießen in gewissem Sinne die unschöne Sitte eines Leichenimses— im Vogelsberg spricht man vom„Flennes“— bestand. Der Kutscher, der die Pferde fuhr, bekam am Sterbe⸗ hause ein Glas Wein und einen Weck, die Schreiner, die das Einsargen besorgten, wur⸗ den in gleicher Weise regaliert. Ja, die Marschälle 11955 die Teilnehmer sogar in ein Wirtshaus ein, dort wurden sie be⸗ wirtet, natürlich auch mit a koholischen Ge⸗ tränken: wenn dann der Pfarrer im Sterbehause erschien, so wurden sie vom Marschall herbeigeholt. Man kann sich den⸗ ken, daß alsdann mancher nicht gerade in trauriger Stimmung war. Nicht in allem war die alte Zeit eine gute Zeit.— In vielen aus Gießen stammenden Nieder⸗ schristen werden die krie gerischen Ereignisse des Jahres 1796 erwähnt. Hierüber schreibt Johann Melchior Pistor:„1796, d. 1. July hatten wir die Kaiserliche hier in der Statt liegen, d. 7. ditto Kamen die Franzosen und nahmen unser Statt ein. D. 4. Sept. kamen aber die Kai erliche wieder und jag⸗ ten die Feind auf die Flucht, sie worffen aber 2 nehmliche Thag noch Karttaschen (Fartätschen, in die Statt, da es an ver⸗ schiedene Orthe gebrandt hat, als hinter dem Stockhaus ist ein Stall abgebrandt, der Feind zog sich auf die Hart, woh er sich hinlaagert. D. 9. Sept. beschof. en sie uns den gantzen Thag die Stadt allwoh wir viel ausgestanten haben, d. 10. Sept. nachts zwischen 11 et 12 Uhr nahmen sie die Flucht und verließen die haart.“ Allmählich ist Pistor ein alter Mann geworden, seine Kinder verheirateten sich, er kann die Geburt von Enkelkindern in sein Hausbuch eintragen. Ueber die Ver⸗ heiratung seiner Tochter Maria Sophiz schreibt er:„1809 d. 26. Oct. hat sich meine Tochter mit H. Justus Müller co⸗ pollieren lassen, und ihre Zeugen sind ge⸗ wesen H. Friedrich Eckstein und mein Sohn Jacob Pistor und ihre Wohnung habe ein⸗ genommen als Gastwirt Zum goldnen Löwen auf dem Neuenweg.“ In späteren Jahren besaß Justus Müller das Gasthaus„zum Einhorn“. Ueber die Taufe des Stiefenkels Emil, den viele der heute lebe nden Gießener 10 ge⸗ kannt habe n. macht der Großvater folgende Angaben:„D. 10. November 1816 habe ich meinem Sohn Jacob Pi stor ein Kind aus der Tauff gehoben, ein Söhnl ein mit seiner Schwiegermutter a) Elisabetha Beckern, b) Johann Melchior Pistor, dessen wir ihm den namen mitgetheilt haben Joh. Carl Julius Emill.“ Johann Melchior Pistor erlebte das Leid, seinen einzigen Sohn Jakob im rüstig⸗ sten Mannes zalter in das Grab sinken zu sehen. Er selbst erreichte ein hohes Alter, er starb am 27. September 1833 im Alter von 78 Jahren und wurde durch den Pfarrer (den 1 8 Geheimen Kirche nrat) Dr. Engel schon einen Tag nach seinem Hinschei⸗ den zu Grabe gebracht. 33 Jahre zuvor hatte er seinem damals 12jährigen Sohne das bekannte, jetzt bei dem deutschen Volke ganz in Ver cgessenheit und Veracht eng geratene Wort Höltys in das Stammbuch geschrieben: „Ueb immer Treu und Redlichkeit Bis an dein kühles Grab Und Von Eine geschriebe „Die Die Dru Brat Dies f Gießen Am gl Schwestet lieblicher dahin.“ noch Kin 3. A Jakob schon m. seiner Ii Er schri gewandt, keit, sig auszudri hiesige? dem Kar Jugend uns sein enkelin? Buch if weise be tale und da mitei urteilen, Pistors, Einträge und 180 Friede vernehm „W᷑̃ Sick Dar Mei Karl schreibt: „Wen sammen das allg werden mein He Von „F. Abe an den 30 Um Aus d in allem 1 Nieder⸗ Freignisse * schreibt 3 1. July zer Statt 1 ranzosen 4. Sept. nd jag⸗ worffen rttaschen an ver⸗ hinter andt, der her sich sie uns woh wir t. nachts . 2 sie die Mann ten sich, dern in die Ver⸗ Sophin hat sich iller co⸗ sind ge⸗ in Sohn abe ein⸗ n Löwen Jahren 5„zum mil, den noch ge⸗ folgende habe ich ind aus it seiner Beckern, wir ihm h. Carl bte das rüstig⸗ nken zu lter, er ter von Pfarrer at) Dr. zinschei⸗ or hatte ne das ke ganz zeratene jrioben: it 67 Und weiche keinen Finger breit Von Gottes Wegen ab.“ Eine Seite weiter steht in diesem Buche geschrieben: „Dich übereile keine That, Die du einst must bereuen, Drum wer ein gut Gewissen hat, Braucht nie den Tag zu scheuen. Dies schreibt zum Andenken Deine treue Mutter Johannetta Carolina Pistorin. Gießen, d. 12. April 1800.“ Am gleichen Tage widmete die elfjährige Schwester dem Bruder das Wort:„Immer lieblicher rausche die Quelle deines Lebens dahin.“ Dergleichen Verse schreiben heute noch Kinder einander in das Album. 3. Aus dem Leben des Kauf⸗ manns Jakob Pistor. Jakob Pistor, den wir im vorstehenden schon mehrfach erwähnt haben, hat sich in seiner Jugend eine gute Bildung angeeignet. Er schrieb im späteren Leben eine klare, gewandte Handschrift und besaß die Fähig⸗ keit, sich schriftlich in anziehender Form auszudrücken. Wie es scheint, so hat er das hiesige Pädagogium besucht und sich dann dem Kaufmannsstande gewidmet. Von seiner Jugend und seinen Jugendfreunden berichtet uns sein Stammbuch, das heute seine Ur⸗ enkelin Fräulein Paula Georgi besitzt. Dieses Buch ist für die damalige weise bemerkenswert. Pathetische, sentimen⸗ tale und moralisch uche te Verse wechseln da miteinander ab. Der Datierung nach zu urteilen, 1 n es zunächst Mit chüler Jakob Pistors, d ie sich bier verewigten, die meisten Einträge stammen aus den Jahren 1800 und 1801. Friedrich Cellarius aus Erda läßt sich da vernehmen: „Wenn die Lahn einst rückwärts fließet, Sich nicht mehr ins Meer ergießet, Dann hör' unsres Glückes Lauf, Mein und deine Freundschast auf.“ Karl Goedke, augenscheinlich aus Gießen, schreibt: „Wenn Himmel sammenstürzen, Berge in Thäler sich walzen, das allgemeine Band der Natur zerreißt, so werden doch jene Fesseln nicht springen, die mein Herz an das deinige ketten.“ Von Bernhard Frech rührt der Eintrag: „Fröhlicher macht zwar das Glück, Aber weiser macht der Schmerz.“ G. C. Colonius aus Hohensolms erinnert an den Vers Gellerts: „Je minder sich der Kluge selbst gefällt, Um desto mehr schätzt ihn die Welt.“ Aus dem Jahre 1810 stammt der Eintrag: Anschauungs⸗ vergehn, Welten zu⸗ „Gestern verging und heute verstreicht, Rosen heut blühend, sind morgen verbleicht. Freuden, was seid ihr? Ein glänzender Schaum. Leben— was bist du?— Ein flüchtiger Traum. Seinem Freunde Pistor widmet dieses zur freundschaftlichen Erinnerung F. L. Höster⸗ reich.“ In seltsamem Kontrast zu diesen elegischen Worten steht ein kurzes, aber tatenfrohes und lebensmutiges Wort, das Hösterreich, der offenbar„Hand! mggesläse⸗ ner“ war, anfügt, dieses Wort lautet näm⸗ „Es blühe die Handlung!“ Wer gerne wissen will, wie Jakob Pistor aussah, der nehme den„We gweiser durch die Universitätsstadt Gi ßen und ihre Umgehung zur Hand, den die Verlagsbuchhandlung Emil Roth im Jahre 1907 zum Unive kätsjubiläum herausgegeben hat. Daselbst ist S. 319 ein Bild wiedergegeben, das den Gießener Bieler zum Urheber hat und das die drei Freunde Jakob Pistor, Johann Wil⸗ helm Stein und Johann Gerhard Taschs, alle drei Kaufleute aus Gießen, darstellt, wie sie sich im Januar 1823 auf der Badenburg zusammengefunden haben. Die Badenburg scheint vor hundert Jahren ein beliebter Ausenthaltsort gewesen zu sein. Unter den Papieren Jakob Pistors befindet sich ein Ge⸗ dicht, in dem ein gewisser Fr. Schmidt dieses Anwesen besingt. Da lesen wir die Verse: „Romantisch und einsam gelegen, Geschaffen zum heitern Genuß, Schauts freundlich auf Dörfer und Wegen Vom Hügel herab in den Fluß. Doch alles weicht N Zeiten, So auch dieses nicht feste Schloß; Statt Rittern und webrbafte Leuten Birgts Freude nur noch in dem Schoß.“ (Fortsetzung folgt.) Urgroßtantens Raritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Fortsetzung.) So fanden ihn, das Messer des Marko im Rücken, halbtot am andern Tag die Waldhüter, als sie früh morgens zur Ar⸗ beit gingen. Es war höchste Zeit, daß ihm Hilfe wurde. Die Zigeunerbande war inzwischen über alle Berge. Die Spuren ihrer Wagenräder wiesen nach Norden. Marietta war ver⸗ schwunden, die wilde Mutter hatte ihr zar⸗ tes Kind in die Ferne entführt, wähnend, daß nur in der freien Ungebundenheit ein Glück blühen könne, und nicht überlegend, daß auch des Vaters Blut sich bei dem unglücklichen Mädchen geltend machte. Die Bande der Zigeunerbaronin wurde von nun an in der Gegend nie mehr gesehen. Spät abends brachte der alte Kantor meinem Vater 192 eine schöne Ta⸗ bakspfeife, die er auf Fritzens Tisch ge⸗ funden hatte. Wer sie hingelegt hatte, wußte niemand. Es war das Andenken an die Zigeunerbaronin, und das sollte ihm, wie er sagte, aus dem Haus. Fritz lag mehrere Tage in hohem Wund⸗ fieber und genaß erst nach Wochen. Die Pfeife aber blieb bei uns; denn die Alten hielten es für besser, die Wunde erst ver⸗ narben zu lassen. Doch nach Jahr und Tag, als Fritz längst ein wohlbestallter Medikus war, zeigte ihm mein Vater die Pfeife und überreichte sie ihm als sein Eigentum. Er legte sie jedoch lächelnd in Vaters Hände zurück mit den Worten:„Be⸗ haltet sie, Gott schütze das arme Halb⸗ zigeunermädel, die kleine Marietta!“ 9. Das Dukaten männlein. „Es ist ein unanständiges Ding, sage ich euch, und ihr sollt nicht immer davon anfangen.“— Ja, zu der Geschichte von dem Dukatenmännlein mußte Tante Luise schon ganz besonders gut gelaunt sein, sonst war sie ihr nicht fein genug. Das Dukaten⸗ männlein stand ganz hinten, verdeckt von andern Herrlichkeiten. Es hatte auch Grund, sich zu verstecken; denn es befand sich eben wirklich nicht in der Lage, sich vor den Menschen zu zeigen. Kurzum, das Du⸗ katenmännlein war gerade bei der überaus löblichen Arbeit, seinem Namen Ehre zu machen. Tante Luise aber fand das un⸗ anständig, wir Kinder ja eigentlich auch, aber wir freuten uns trotzdem darüber, und eine Geschichte hatte es auch. Nachdem wir lange genug gequält hatten, brachten wir die heute gut aufgelegte Alte zum Erzählen: Es war an einem schönen Sommerabend, da saß unser Großvater mit andern Herren am Stammtisch im„Bären“ und trank seinen Abendschoppen. Das heißt, heute trank er deren zwei; denn es war sehr heiß, und überdies war ein fremder Gast am Tisch, ein zugereister Künstler, der so fein zu erzählen wußte, daß selbst die best⸗ gezogenen Hausväter heute länger blieben und das häusliche Donnerwetter riskierten. „Sie sind doch ein nettes Völkchen, diese Künstler,“ so dachte heute manch trockne Philisterseele.„Windbeutel, ja natürlich, das sind sie alle; denn sie denben in so vielem anders, als es doch vorschriftsmäßig und allgemein üblich ist— aber nette Wind⸗ beutel, und der, der heute am Stammtisch weilte, war einer der allernettesten. Die Stimmung wurde immer besser. Ein Witz⸗ chen jagte das aͤndre, man spricht von Dukaten⸗ und Goldregen und wünscht sich schließlich ein Dukaten männlein, das stets bei der Arbeit bliebe. Uebermütig verspricht der junge Mann, eines zu besorgen, läßt sich ein Stückchen Brot geben, und, ehe man es sich versieht, hat er ein Männ⸗ lein geknetet, das—— das tut, was sonst nur ganz kleine Kinder öffentlich tun dürfen. Der bomische Gesichtsausdruck des Männleins brachte alles zum Lachen, der 68 Jubel wurde so groß, daß selbst von den Nachbartischen die Leute herbeikamen. Und alle lachten, am meisten der Steffens Ja⸗ kob, der beste Holzschnitzer im Dorf. Es wurde noch gelacht, als die Gesell⸗ schaft heimwärts zog, ja mancher soll noch. gelacht haben, als er seiner Gebieterin zur Besänftigung die Geschichte erzählt hatte. Doch soll es einigen dann schnell vergangen sein, das Lachen nämlich; denn es war sehr spät geworden. Einer lachte nicht mehr, der sinnierte bloß und fühlte nach der Tasche. Er hatte das achtlos liegen gebliebene kleine Kunst⸗ werk eingesteckt. Das war der Steffens Jakob. Einige Monate später, da kam die Kir⸗ meßzeit, und Kirmeßmarkt ist allemal be⸗ sucht gewesen. Da schlugen sie die Buden auf, die Kinder halfen und standen erwar⸗ tungsvoll davor, der Dinge harrend, die da kommen sollten. „Steffens Bude wird diesmal doppelt so groß als sonst,“ bemerkte mein Vater, der damals dreizehnjährig war.„Aber sie ist noch ganz leer,“ setzte er hinzu. „Ja, der Jakob tut ganz geheimnisvoll,“ bestätigte sein Schwesterlein,„ich glaube, er hat eine Ueberraschung.“ 5 Am andern Morgen, Kirmeßsonntag, kom⸗ men die Kinder jubeln vom Marktplatz hergestürzt, atemlos vor Lachen. Sie kön⸗ nen sich kaum helfen, eines überstürzt das andre. Es ist erst nicht klug zu werden aus der verworrenen Erzählung. Endlich kommts heraus: der Steffens Jakob hat seine ganze Bude voll Männlein.„Männ⸗ lein, Mutter, mit roten Hosen und blauen Röckchen, aus Holz geschnitzt, aber, Mutter, denke dir nur— nein, man kann's nicht laut sagen, komm, Mutter, ins Ohr!“ Und lachend prustend bekommt es die Mutter erzählt, wie verfänglich die Stellung der Männlein ist. „Dukatenmännlein nennt er sie, Mutter, und jeder, der solch Männlein kauft, soll stets Dukaten bekommen. Glaubst du das, Mutter?“(Fortsetzung folgt.) Uirchliche Anzeigen. Sonntag den 2. Mai. Cantate. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ tin aus der Matthäusgemeinde: Pfarr⸗ assistent Dr. Bingel.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Becker.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfar⸗ rer Becker. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Lukasgemeinde: Pfarrer Bech⸗ tolsheimer.— Vormittags 9 Uhr, zugleich Militärgottesdienst: Pfarrer Ausse d.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld. Verantwortlich: Pfarrer Bechto lsheim er. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen. Gem —— Nr. I — 1. Kor. geh Leben Man h einer 2 Hochgeb birgsket zweite auf. I. auftaud Furcht. Der Ge es ent. oft die bens 0 seiner! wird. Zeitpu legt sic Gemüt der ei wiederl hat, al Male, Krankl Särger schreite eine daß si winden Schreck sobald Die sagt,! wir n fahrun wir vi jaht d gehobe bejaht denen nis m das alle 2 bens, der de hat. Gesch 23. 0 Ja erfahr erste