ionax bend⸗ pigen. serer h für sante erun, t von Sep⸗ aus⸗ Krie⸗ deut⸗ fran⸗ Nach kam rank⸗ kranke ottes⸗ mias, Uhr; inder⸗ farrer Nahr. Uhr: lichen Uhr: Ffarrer kirche Aus⸗ ther. kon⸗ Jo⸗ Jan. onfir⸗ asge⸗ bends erten einde. 1 be⸗ Uhr. uckerel onntags gruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Hr 5 Gießen, Septuagesimä, den J. Februar 1920 9. Jahrg. Den heimkehrenden. Pfalm 126. Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Maiden Der Herr hat Großes an ihnen getan. Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. Herr, bringe wieder unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringest im Mittagslande! Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen, und kommen mit bringen ihre Garben 05 55 Psalm ist ein ergreifendes Lied Zeit. Ein Mann, der lange Zeit in da Hon gefangen war und sehnsuchts⸗ voll d er Heimat gedachte, hat es gescheit eben. Wie ist dieses alte Gotteslied in der furcht⸗ baren Kriegs eit, die hinter uns liegt, wieder lebensvolle Wirklichkeit geworden! Was viele unserer d deutschen Familien in dieser Zeit erlebt haben, ist weit über 1 1 hinausgegan⸗ 0 was in alten Tagen an Drangsalen über die Menschen gekommen ist. Jahr um Jahr waren unsere Ehegatten, Brüder und Söhne Kriegsgefange ne. sie waren von der Heimat und von den fremder Willkür untertan, es war für uns fast, als ob sie tot seien. Nun hat dieses Leid ein Ende. lich sind in der Kriegsgefanger dieser Welt geschieden, dahin tiefem Herzeleid, ohne die Lieben in der imat noch einmal gesehen und gesegnet zu haben. Auch die seelisch schwer bedrückt sein, doch wieder heim. Und wenn wir für sie gebetet haben: Herr, bringe wieder unsere Gef fangenen, wie du die Wasser wieder⸗ bringest im Mittagslande, so geht es jetzt an ihnen in Erfüllung: Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so wir sein wie die e dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein, dann wird man sagen unter den Heiden: Der Herr hat Großes an ihnen getan, des sind wir fröhlich. Wie sollen wir unsere empfangen? Geschenke können wir kaum bieten; durch unsere Reihen geht der Mangel. Viele frei⸗ nschaft aus ihnen Freuden und zieml lich dürftig, erst chieden in 1 ö N Ihren getrennt und Heimkehrenden, daß ihnen in der Heimat Herzen in 125 und Treue entge egenschl agen, in werden sie innerlich wieder gefunden und auf die schwere Zeit der Kriegsgefangenschaft zurückf chaue en wie auf einen schweren 2 Traum. Vor ihnen aber wird das Leben liegen mit einer Arbeit und seiner Freude, und diesem 8 werden sie mit Mut und. trauen entgegengehen. H. Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 20. Aus der Geschichte der Gießener Kr 1 unft. Schluß.)) e sind in der ältesten Zeit im letzten Viertel des 18. Jahrhunde erts werden sie ausführlicher und interessanter. In der ältesten Zeit beschränkt 19 5 sich darauf, die Namen der 17 iftmeister und der neu aufgenommenen Zunftge enossen 1315 verzeichnen, später re⸗ gistriert man auch die angenommenen Lehr⸗ jungen Zu allen Zeiten sind in die trocke⸗ nen Listen Notizen eingestreut, die zum Die Protokoll Teil, wie wir sehen werden, recht inter⸗ essant sind. 8 950 In alter Zeit scheint es manchmal bei den Zusammenkünften hoch hergegangen zu sein, und es mußte zur Mäßigkeit er⸗ mahnt werden. So wird folgender Beschluß protokolliert:„Annd 1709 den 18. Decemb. hat die sämtliche Zunfft beschlossen, das diesses künfftige 1/10 Jahr e Ge both nicht soll das allergeringste ve Heimkehrenden werden d aber sie kommen einen werden andere mehr trinken will, fried . hannes Heimkehrenden denn unser Land ist arm und buch ein: Aber rio haben wir Ein Jubiläum, nehmlich die werden. Als einig und allein auff öhr⸗Tag(Wahltag), wann der junge Zunff stme ister seinen Imbiß giebt, so sollen die Zunfftmeister der Zunfft 3 Gul ten zum besten geben als 2 Gul ten den ersten Tag und Gulten den anderen Tag e beym Johannes Geboth sollen gleichfal die Zunfftmeister der Zunfst 1 Gul lten, Zum besten geben, wann beydes verzehret soll der Zunfftmeister auffglobben und es der Bru⸗ derschafft ansagen, 1 5 einer oder der so soll ein jeder von seine m Ge lt geben was ihm beliebet. Zu mehrerer Beglaubnis hat sich sämtliche Zunfft eicenbant unterschreiben. Gott Riodtsch, ältester Zuuf ftmeister. Jo Verdrieß, jüngster Zunfftmeister. 1 Im Jahre 1/38 schrieb der Zunftmeister Johann Ludwig Verdrieß in das Zunft⸗ „In diessem Jahre im Februa⸗ sie sollen merken, daß sie in unserer Liebe fünfzigjährige Regierung unseres durchlauch⸗ und Fürsorge geborgen sind. Merken die tigsten Landesfürsten Ernesti Ludovici er 8 lebt, welches mit der größten Solennitet und Illumination sowohl aller publiquen als privaten Gebäuen gantz prächtig ist ge⸗ seyert worden.“ Ueber das Ableben dieses Fürsten schreibt Verdrieß im Jahre darnach: „In diessem Jahr sind Ihro Hochfürstliche Durchlaucht unser gnädigster Landesherr Erust Ludwig höchstselig verstorben.“ Im Jahre 1740 verzeichnet er:„In diessem Jahr sind Ihro Römisch Kaiserliche Ma⸗ jestät Carl der VI., die Kayßerin von Ruß⸗ landt, der Römische Pabst und Ihre Königl. Majestät in Preußen also in einem Jahr 4 gekrönte Häupter gestorben.“ Lange Zeit fehlen im Zunftbuche von nun an derartige chronikalische Aufzeichnungen. Erst im Jahre 1778 schreibt Johann Wen⸗ nemar Tasché wieder:„1778, den 15. Ja⸗ muary hat die löbliche Kramerzunft über die Geburt des durchlauchtigsten Printzen Ludwig XI., wodurch unsere Frau Erb⸗ Printzen Hochfürstliche Durchlaucht sindt er⸗ freut worden ihre Freudenäußerung durch einen Tantz auf dem Rathaus an den Tag geleget, wobey zugleich die ledigen Zunft⸗ brüders Söhne und Töchter mit zugegen gewefen. Die Gesundheiten des gantzen hoch⸗ fürstlichen Hauses sindt aus denen Zunfft⸗ becher durch beständiges Vivat und Trom⸗ peten Schall getrunken worden und hat dieses Fest des Morgens mit dem an⸗ brechenden Tag sich geendiget.“ Man sieht hieraus, daß man schon vor 140 Jahren es verstand, Feste zu feiern. Martin Bücking, gebürtig aus Alsfeld, augenscheinlich ein sehr rühriger Kaufmann, der im„Giesser Anzeigungsblättchen“ oft inseriert hat— er betrieb ein Geschäft mit Kolonialwaren— war 1803 Zunftgenosse geworden. Im Jahre 1816 wurde er zum älteren Zunftmeister erwählt und im darauf folgenden Jahre wiedergewählt. Von seiner Hand stammt der Eintrag:„In den Jahren 1816, 1817 stieg die Theuerung aller Le⸗ bensmittel zu einer bis dahin unerhörten Höhe. Weitzen wurde im Durchschnitt ge⸗ zahlt mit f. 30 das Achtel, das Korn galt lang f. 20 bis 22, Gerste f. 18 und der Hafer f. 9. Im Verhältnis zu den Früchten stiegen auch alle übrigen Lebensmittel.“ In der von uns veröffentlichten Chronik Johann Henrich Schaffstädts war besonders interessant die Schilderung des Reforma⸗ tionsfestes des Jahres 1817. Diese Jubi⸗ läumsfeier scheint damals in Gießen bedeu⸗ tenden Eindruck gemacht zu haben; denn auch Bücking gibt im Zunftbuche eine Beschrei⸗ bung dieses Festes. Seine Beschreibung hat folgenden Wortlaut: „Den Z1ten Octob. u. ten Novbr. 1817 wurde auf Befehl des Grosherzogs das dritte Reformationsfest im gantzen Land auf eine gleichförmige Art gefeiert. Am 30. Octob, verkündigte ein Stunden langes Ge⸗ läute mit allen Glocken den morgenden Festtag. In der mit Blumen und grünen Zweigen geschmückten Burgkirche sprach des Morgens Superindent Buff nach Anleitung des vorgeschriebenen Textes über die Wohl⸗ thaten, welche die Reformation über die Welt verbreitet habe, und am Nachmittag Pro⸗ fessor Diefenbach über denselben Gegenstand. Der te Novber war zum Schulfest be⸗ stimmt. Morgens 10 Uhr zog die Schul⸗ jugend, mit grünen Kräntzen geschmückt, auf das Rathhauß, und angeführt von einigen Geistlichen, und deren Lehrern, unter Musick, dem Gesang passender Lieder, durch die Hauptstraße nach einer Anhöhe auf der öst⸗ lichen Seite vor der Stadt. Hier war mehrere Tage vorher ein Platz geebnet und mit Eichen und mehreren Linden beplanzt wor⸗ den. Um die Eiche bildeten die Kinder einen Kreis, in dessen Mitte die Lehrer über die Wichtigkeit des Tages, und über die Noth⸗ wendigkeit sprachen, diese Bäume unverletzt der Nachkommenschaft zu erhalten. Nach diesen Feierlichkeiten zogen die Kinder wieder in die Stadt, wo sie mit Brezeln und Wein erquickt und die fleißigsten unter ihnen mit Büchern beschenkt wurden. Der Abend dieser Tage war der Fröhlichkeit gewidmet. Tie Kaufmannschaft versammelte sich zu einem Balle, wobey ein Lied zum Lobe Luthers angestimmt wurde.“ Im Jahre 1820 wurde Georg Philipp Gail, obwohl der damals erst ein junger Mann von 34 Jahren war, zum älteren Zunftmeister erwählt, ein Beweis, wie sehr der tüchtige Mann damals schon bei seinen Mitbürgern in Ansehen stand. Es heißt da in dem Buche:„1820, den 21. Februar wurde die Kehr(Kör⸗Wahl) gehalten. Herr Georg Philipp Gail wurde zum älteren und Herr Wilhelm Stein zum jüngeren Zunftmeister gewählt.“ Ein früher nieder⸗ geschriebenes Protokoll besagt:„Als Herr Georg Philipp Gail am 30. April 1817 in die Zunft aufgenommen wurde, war der⸗ selbe schon seit 5 Jahren als Bürger und Tabacksfabrikant dahier etablirt, es wurde also von Großherzoglicher Hofkammer dahier verordnet, daß er im Jahr 1813 als in die Zunft recipirt eingeschrieben werden sollte.“ Gail hatte wie so mancher andere intelli⸗ gente Bürger seiner Zeit, wie Bücking und Schaffstädt, ein lebhaftes Verständnis dafür, wie interessant es für die Nachwelt ist, von den Vorgängen und Zuständen der ver⸗ gangenen Zeit Kunde zu haben. Somit hat auch er ausführliche chronikalische Aufzeich⸗ nungen in dem Zunftbuche niedergelegt. Er schreibt im Jahre 1820:„In diesem Jahre wurde Herr Carl Silbereisen von Homburg vor der Höhe d. 5. October in die Zunft aufgenommen. Als Merkwürdigkeit verdient hier gemeldet zu werden, daß 1. in diesem Jahr die neue Kaserne von dem Militär be— zogen worden ist, 2. erhielten wir in diesem Jahr unter dem 17ten December die neue Landesverfassung, bey Erscheinen derselben [wurde die Bürgerschaft in große Freude versetzt, gemein den 3. Vorstar wurde, zum L. Tafel gespeist noch eine g. außerd ein gr. Bürge gehen, vielen, verfass Ursach durch Ihnen In Merkn folgen hung Die l gekleid kirche, gehalt lirche der 2 licher zug d Schlä 3 31 Stim in di nung scheid selbst der E W man werke man hiera frühe noms Befre auch wurd Selie aufge als späte war chen! C Zun hier „An gedit Soh ch des leitung Wohl⸗ e Welt Pro⸗ stand. t be⸗ Schul⸗ kt, auf inigen Nusick, ch die er öst⸗ nehrere mit t wor⸗ reinen er die Noth⸗ verletzt Nach wieder Wein ihnen Abend hidmet. ich zu 1 Lobe Philipp junger älteren ie sehr seinen eißt da pebruar 1. Herr älteren ingeren nieder⸗ 5 Herr 817 in ar der⸗ er und wurde dahier in die sollte.“ intelli⸗ ng und dafür, ist, von r ver⸗ mit hat ufzeich⸗ egt. Er 1 Jahre omburg Zunft erdient diesem itär be⸗ diesem ie neue erselben Freude versetzt, welches Veranlassung zu einer all⸗ gemeinen Illumination hiesiger Stadt auf den 3. Christfeiertag gab, welche durch den Vorstand der Bürgerschaft veranstaltet wurde, es wurden außerdem im Gasthaus zum Löwen viele Arme an einer öffentlichen Tafel durch freywillig gesammelte Beyträge gespeist, und von diesen Beyträgen blieb noch so viel Ueberschuß, daß auch noch eine große Anzahl gekleidet werden konnte, außerdem war noch Abends im Einhorn ein großes patriotisches Essen, woran Leute aus allen Ständen theilnahmen und waren an Zahl 91 Persohnen, während dem Essen wurden viele auf die Veranlassung der Feyer sich beziehende Toaste ausgebracht. Möchte die Hoffnung, die jeder jetzt lebende gute Bürger in seinem Herzen hegt, in Erfüllung gehen, daß unsere Nachkommen bey den vielen Jubiläums, die die gegebene Landes⸗ verfassung zu begrüßen haben möchte, immer Ursache hätten, sich ihrer zu freuen und durch sie so glücklich werden als wir es Ihnen wünschen.“ Im Jahre 1821 schreibt Gail:„Als Merkwürdigkeit in diesem Jahr verdient folgendes bemerkt zu werden: 1. Einwei⸗ hung der neuen Stadtkirche ant 29. July. Die heiligen Gefäße wurden durch weiß gekleidete Mädchen von der alten Burg⸗ kirche, wo bisher nur allein Gottesdienst gehalten worden war, nach der neuen Stadt⸗ kirche getragen, nach diesen folgte ein Zug der Bürgerschaft unter Voraustritt sämt⸗ licher Geistlichkleit und Stadtobrigkeit. 2. Ab⸗ zug der Garnison nach Worms wegen einer Schlägerei mit den Studenten d. 14. May. 3. Zum erstenmahl Bürgermeisterwahl durch Stimmenmehrheit der Bürgerschaft der neuen in diesem Jahr erschienenen Gemeindeord⸗ nung zufolge.“ Es spricht für Gails Be⸗ scheidenheit, daß er nicht erwähnt, daß er selbst bei dieser Wahl zum Bürgermeister entschlossen dem der Stadt Gießen erwählt wurde. Wenn es hieran nicht Schuld tragen, sie wurden früher einfach nicht in die Zünfte aufge⸗ nommen. Die neue Zeit, die nach den Befreiungskriegen angefangen hat, brachte auch hier eine Aenderung. Im Jahre 1815 wurde der erste Jude— er hieß Jonas Seligmann Meyer— in die Kramerzunft aufgenommen. Ihm folgte in der Zunft als der zweite Glaubensgenosse ein Jahr später Aaron Ziegelstein nach. Auch dieser war wie seine Inserate im„Wochenblätt⸗ chen“ beweisen, ein rühriger Geschäftsmann. Einige Einträge über Lehrlinge, die die Zunftgenossen angenommen haben, seien hier noch wiedergegeben. So lesen wir: „Anno 1796 sind folgende Lehrjungen auf⸗ gedingt worden: Carl Conrad Schepper, Sohn des sel. H. Christian Schepper, ge⸗ heute bemängelt wird, daß man verhältnismäßig sehr wenige Hand⸗ werker unter den Juden findet, so muß man in das Auge fassen, daß die Juden 18 wesenen Pfarrers in Rettert, als Lehrjung bei H. Conr. Balthasar Busch. Dieser Lehr⸗ jung ist nur eine kurze Zeit geblieben, nach derselben aber wieder weggegangen, also hat derselbe seine Lehrjahre nicht ausge⸗ halten. Johann Friedrich Christian Heusser, Sohn des H. Schulmeister in Nochern, als Lehrjunge bey Rathschöpf Hast. Dieser ist ohngefähr 2 Jahre drauf von seinem H. Prinipal echappirt.“ Im Jahre 1813 lesen wir:„In diesem Jahr sindt aufgedüngt worden Heinrich Beisenherz, dessen Herr Vatter Pfarrer in Fronhausen Amt Bat⸗ tenberg als Lehrling auf 4½ Jahr bey Herrn Martin Bücking den 17. Merz 1814 ist aus der Lehr entwichen. Carl Ludwig Jacob von Otterberg dessen Herr Vatter ist Koch bey dem Graf von Stollberg hat sich in die Lehre begeben auf 4 Jahre bey Herrn Balthasar Noll den 19. Merz 1814.“ Eine später hinzugefügte Bemerkung meldet: „ist aber aus der Lehre nach Verlauf ger Jahre entwichen.“ Daß Lehrjungen kurz Meister„echappieren“, soll auch heute noch zuweilen vorkommen. In der alten Zeit scheint es gerade den Pfarrerssöhnen an der rechten Beharrlich⸗ keit gefehlt zu haben. Vermutlich haben die „Echappierten“ es im Studium nicht weiter gebracht als im Kaufmannsstande. Mit dem Jahre 1826 brechen die Ein⸗ träge in diesem Zunftbuche ab. Da sich in dem Buche noch einige leere Seiten finden, so scheint es, als ob man ein Zunft⸗ buch überhaupt nicht mehr geführt habe. Offiziell hat die Zunftordnung in Hessen im Jahre 1867 ihr Ende erreicht, in Wahr⸗ heit führten die Zünfte schon von ungefähr 1815 an ein Scheindasein; denn die neue Zeit war einer Einengung des Handwerkes und Gewerbes in eine so fest geschlossene und schwer bewegliche Ordnung nicht mehr günstig. H. B. Urgroßtantens Raritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Fortsetzung.) „Ich ging gedankenlos drauf zu und be⸗ dachte im ersten Augenblick nicht, daß ich in einer völlig fremden Stadt war, deren Hafenviertel mit Recht so verrufen war. Blindlings tappte ich darauf los, nur von dem Gedanlen beseelt, du bist mal wieder an Land und frei bis morgen abend. Da ich Durst verspürte, sah ich mich endlich nach einer passenden Gelegenheit um, ihn zu stillen. Ein rotes Licht schien mir den Weg zu weisen. Ich folgte seinem Schein und trat in eine niedrige Tür, nicht ahnend, daß ich in eine der gefährlichsten Chinesen⸗ spelunken geraten war. Die feindseligen Blicke und Gesten der wenigen anwesenden langzöpfigen Eingeborenen ließen mich zwar gleich nichts Gutes ahnen, und ich über⸗ legte, ob ich umkehren sollte. Doch trotzig 4 dachte ich:„jetzt grade nicht!“ und setzte derzukehren. Wie lange das so währte mich an eines der zierlichen Bambustisch⸗ weiß ich nicht. Eines Tages wachte ich auf, chen und verlangte laut ein Glas Whisky. fühlte mich seltsam wohl und munter und Der Wirt, der Typus eines verschlagenen verspürte so etwas wie Hunger. Als die Gelben, sah mich mit den Schlitzaugen von kleine Getta, so rief sie ihr Vater, mir der Seite an, spie vor mir aus und ver⸗ später eine Art Reissuppe brachte, da weigerte mit kurzer verächtlicher Handbe⸗ schlürfte ich sie mit Behagen hinunter, und wegung das Gewünschte. Zornig sprang ich auf, schlug mit der Faust auf den Tisch, daß er hoch sprang und wollte mir Genug⸗ tuung verschaffen, als ich mich auch schon von hinten von vier bis sechs Chinesen⸗ fäusten gepackt fühlte und trotz wütender Die Zeit der Schmach verbietet frohe Feste, Gegenwehr zu Boden geworfen wurde. Ich Nicht jauchzend mehr erklingtder Glocken Ton. verspürte gleichzeitig einen entsetzlichen Vom Westen gellt siegreicher Feinde Hohn, Schmerz im Rücken, dann schwanden mir Der Henker in der Weltbeglücker Geste. die e„„ 5 In Trümmer liegt des Reiches stolze Feste, „Als ich wieder erwachte, befand ich Errichtet von Germanias größtem Sohn, mich im Halbdunkel, so daß ich erst meine Geschleift von Toren, die auf Feindes Lohn Augen langsam daran gewöhnen mußte, die Vertrauend, opferten dahin das Beste: Dinge, die mich umgaben, zu unterscheiden. N e dicken Matte auf. Der deutschen Stärke strahlende Symbole: B, jede Bewegung verursachte mir Das Volksheer und die deutsche Kaiserkrone die gräßlichsten Schmerzen. Stöhnend fiel ee 1 8 1. 5 ich wieder zurück, als ich versucht hatte, Der Weltverbrüderung errichten sie Altäre, mich aufzurichten. Wie lange ich so schon 5 7 5 falschen Priestern tanzend um Idole, lag, dazu fehlte mir jede Berechnung. Mich Als ob auf Erden ewiger Friede wohne! ihre befriedigte Gebärde sagte mir, daß ich wohl zum erstenmal ihr diese Freude ge⸗ macht hatte.“(Fortsetzung folgt. Nach dem Friedensschluß. peinigte zuerst der Gedanke an unser Schiff Darmstadt, 18. Januar 1920 Mein Urlaub war sicher längst vorbei. Ich Karl Esselbor! . l N 90 elborn. mußte fort. Nochmals versuchte ich hoch 15 zu k vergebens je Anstren⸗ 1 24452 zu kommen, aber vergebens. Die Anstren⸗ Kleine Mitteilungen. gung ließ mich abermals das Bewußtsein verlieren; denn als ich wieder erwachte, war ich nicht mehr allein in dem Raum. Kleine weiche Händchen legten mir etwas Kühles auf die Stirne, und ich erkannte g. 9. . N kehrender Kriegsgefangener geschie ein Kind von etwa zehn bis zwölf Jahren, ende Kriegsgefangener geschieht. das neben mir am Boden kniete. Ein Mirchli 5 leiser Ausruf, den es ausstieß, als ich die Kirchliche Anzeigen. Augen aufschlug, lockte eine zweite Gestalt Sonntag den 1. Februar. Septuagesimä. Wir machen darauf aufmerksam, daß, wenn in den nächsten Wochen die Glocken der Johanneskirche zu ungewöhnlichen unden läuten, dies zur Begrüßung heim⸗ 1 herbei, die ich im Dämmerlicht nur schwach Kollekte für das Hessische Krüppelheim. unterscheiden konnte und erst später als den Gottesdienst. Wirt der Kneipe erkannte. Wie ich eigent⸗ adtkirche. Vormittags 9½ Uhr: lich hierher gekommen, habe ich nie erfahren. Pfarrer 2 Vormittags 11 Uhr: Er verstand nur wenig englisch, und die Kinderkirche für die Matthäusgemeinde: Kleine konnte sich mit mir überhaupt nur Pfarrer Mahr. Abends 6 Uhr: Pfarrer durch Zeichen verständigen. Genug, sie Becker. Montag den 2. Februar, abends hatten mich, als ich von Messerstichen durch⸗ ½8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten bohrt, für tot liegen blieb, hierher gebracht.“ männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. „Anfangs nahm ich alles stumpfsinnig— Donnerstag den 5. Februar, abends! 8 hin, wie es war; denn das Fieber nahm Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib⸗ namentlich abends meine Sinne gefangen. lichen Jugend der Matthäusgemeinde. Ich sah dann Gestalten mannigfacher Art, In der Johanneskirche. Vorm. 9/ Uhr: doch immer wieder erschienen mir zwei chine⸗ Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 sische Figuren, die mich ansahen, bald ernst, Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: bald heiter, bald drohend, bald lächelnd. Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 6 Uhr: Sie schienen auf mich zuzuschreiten mit hoch Pfarrer Ausfeld.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ erhobenen Händen, als ob sie mir etwas besprechung im Johannessaal.— Montag bringen wollten. Dann riß der Gedanken⸗ den 2. Februar, abends 8 Uhr: Vereini⸗ faden gewöhnlich ab. Ich tobte und raste gung der konfirmierten männlichen Jugend dann, und alles um mich her schien sich zu der Lukasgemeinde.— Sonntag den 8. Fe⸗ drehen, bis die kleine zierliche Pflegerin bruar findet im Abendgottesdienst Beichte mit ihrem Schüsselchen mit Wasser kam und heiliges Abendmahl für die Lukas⸗ und und linde kühle Händchen sich auf die bren⸗Johannesgemeinde gemeinsam statt. An⸗ nende Stirn legten. Das Fieber ließ dann meldungen vorher bei dem Pfarrer jeder nach, um am nächsten Abend geradeso wie⸗ Gemeinde erbeten. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei N. Lange, Gießen. Des deutschen Volkes reinen Schild der Ehre, In Cassel Landg seiner benütz viele seiner Stift nung Das wärtic allerd Hand einst bunde land in jal versuc getren droht kelste, derun gewöh Kund rufen zu ve schein zu le und? wenn