en Lieben ten, konn⸗ sen respek⸗ schachtung. ißte aller ein. Tage⸗ den Lieben Heimkehr und Zei⸗ en. Hier Kantine, bst, Brot, lig kaufen litten wit Bein schon 1 ll auch in einer Ge rieges ge— halb zu örigen zazaretten dung Er⸗ en. isonntag, die Hin⸗ llenen. / Uhr: Ihr: Kin⸗ Pfarrer Zecker.— 7½ Uhr: ännlichen Don⸗ 7½ Uhr: eiblichen ags 9½ Vor⸗ e Lukas⸗ Abends 8 Uhr: — Mon ½ Uhr; eiblichen Fried⸗ rassistent Fried⸗ olph. ent, fin⸗ Sgottes⸗ Abend⸗ von den ndrucherei S onntagsgruß Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen Nr. 48 Gießen, J. Advent, den 30. November 1919 8. Jahrg. Advent in schwerer Zeit. Evangelium des Lukas 4, 18. Der Geist des Herrn ist bei mir,... er hat mich ge⸗ sandt,... zu heilen die zerstoßenen Herzen, zu predigen den Gefangenen, daß sie frei und ledig sein sollen. Nie hat sich das deutsche Volk im ganzen Verlaufe seiner Geschichte in so bedrängter Lage befunden als in diesen Tagen. Was uns vordem als unmöglich erschien, ist zur Wahrheit geworden: wir sind in die Gewalt fremder Völker geraten, haben unsere Frei⸗ heit und Selbständigkeit verloren, sind ver⸗ armt und werden noch mehr verarmen, Un⸗ zufriedenheit, Mißmut, Verzweiflung haben uns erfaßt, und was das verhängnisvollste ist, viele unter uns wagen nicht mehr, auf eine bessere, lichtere Zukunft zu hoffen. In dieser Lage kommt zu uns wie ein Licht, das durch finstere Nacht wandert, die Adventsbotschaft, daß Jesus gesandt ist, zu heilen die zerstoßenen Herzen. Unsere Her⸗ zen sind zerstoßen durch die schweren Er⸗ lebnisse der letzten fünf Jahre. Enttäuschung, Todesleid, harter Druck haben uns seelisch mehr oder minder aus dem Gleichgewichte gebracht. Heilung von diesen Erschütterungen können wir nur durch Gott finden, nur durch seinen Sohn Jesus Christus, der die Gottes⸗ kräfte in die Welt gebracht und uns den Mut gegeben hat, unter den Leiden dieser Zeit auf die göttliche Herrlichkeit zu schauen. Möchte die Adventszeit des traurigen Jahres 1919 diese Kräfte wieder in uns lebendig machen! Aber auch das andere Wort der Ver⸗ heißung ist jetzt ein rechtes Trostwort, daß Jesus gekommen ist, zu predigen den Ge⸗ fangenen, daß sie frei und ledig sein sollen. Der Heiland hat, als er dieses Wort des alten Propheten Jesaia auf sich anwandte, es in erster Linie geistig gedeutet. Denen, die gefangen sind durch Trübsal, Leid, Schuld, Sünde und andere schwere Erleb⸗ nisse, wollte er aufhelfen, er wollte ihre Seelen frei und froh machen, indem er ihnen das Reich Gottes brachte, in dem Friede und Freude lachen. Aber sicherlich hat er dieses Wort auch in der ursprünglichen Be⸗ deutung verstanden. Jesaia dachte, als er es sprach, an die Gefangenen, die am Euphrat und Tigris freudlose Tage verbrachten, und hoffte, daß sie mit Gottes Hilfe bald wieder in die Heimat kommen würden. Wir härmen uns in diesen Wintertagen um Hundert⸗ tausende unserer Volksgenossen, die der Krieg in die Gewalt des Feindes gebracht hat. Könnten wir nur irgend etwas für ihre Befreiung tun, so würden wir im Mühen und Wagen über manche trübe Stunde hin⸗ wegkommen, daß wir aber zur Ohnmacht verurteilt sind, macht uns bittere Stunden. So bleibt uns nichts übrig, als Gott unser Leid zu klagen und mit den Juden in alter Zeit beten: Herr, bringe wieder unsere Ge⸗ fangenen, wie du die Bäche wiederbringest im Mittagslande! Aber auch der Weg bleibt uns offen, daß wir auf den hoffen, der einst in der Fülle der Zeit seinem Sohne den Auftrag gab, zu predigen den Gefangenen, daß sie frei und ledig sein sollen. H. B Die pflege des Familienfinns. Von Dr. Karl Esselborn. Die Familienforschung ist eine verhältnis⸗ mäßig junge Wissenschaft. In den letzten fünfzehn Jahren ist für ihre Pflege, nament⸗ lich auch, soweit es sich um bürgerliche Fami⸗ lien handelt, sehr viel geschehen. Auch von medizinischer Seite. Anregend und bahn⸗ brechend wirkte das Werk Robert Som⸗ mers über„Familienforschung und Ver⸗ erbungslehre“(1908). Ein wichtiges Hilfs⸗ mittel erstand in der 1909 erschienenen uno bereits in zweiter Auflage vorliegenden „Familiengeschichtlichen Quellenkunde“ von Eduard Karl Heinrich Heyden⸗ reich. Zeitschriften entstanden wie die „Familiengeschichtlichen Blätter“ und die „Frankfurter Blätter für Familien⸗ geschichte“. In rund fünfundzwanzig Bänden liegt vor das„Genealogische Handbuch bür⸗ gerlicher Familien“. Für Hessen läßt sich die Pflege der Familiengeschichte insbesondere angelegen sein die von Wilhelm Diehl herausgegebene„Hessische Chronik“. Im Zu⸗ sammenhang mit dem„Genealogischen Hand⸗ buch bürgerlicher Familien“ wird von Ober⸗ pfarrer Hermann Knodt in Schlitz ein „Hessisches Geschlechterbuch“ geplant und vorbereitet. Andere deutsche Gaue planen Aehnliches, so in Franken unter Leitung des Würzburger Bibliothekars Friedr. Wil⸗ helm Pfeiffer. Diese Bestrebungen gehen in die Zeit vor der Revolution zucück. Man hatte richtig erkannt, daß„die Pflege bewußten Geschlechtersinns nicht mehr als Liebhaberei Einzelner gelte“, sondern daß „sie im Blick auf die deutsche Zukunft eine vaterländische Pflicht geworden sei“. Bereits Wilhelm Heinrich Riehl hatte es ausgesprochen, daß„Geschichtslosigkeit in der Familie Geschichtslosigkeit in Staat und Ge⸗ sellschaft erzeuge“. 8 gezeigt! Nationales Fühlen wurde oft als „nationalistisch“ gebrandmarkt und im Tau⸗ mel weltbürgerlichen Verbrüderungsrausches dem verwerflichen und dem deutschen Emp⸗ finden durchaus fremden Chauvinismus gleichgesetzt. Für solche gibt es kein non pos- sumus: sie können alles, nachdem einmal alles Vaterländische und damit auch die Ehre über den Haufen geworfen worden ist. Keine Ehrfurcht gebietet Halt vor sinnlosem Ein⸗ reißen und Zerstören, und die, die vorgeben, Neues aufzubauen, sehen sich schließlich statt auf einer Baustelle auf einem Trümmerhau⸗ fen, unfähig, die zerstörte Ordnung wieder⸗ herzustellen, und verrannt in eine Sackgasse. Wie lange es aber dauern mag, bis sich dieser Weg endgültig als ungangbar und ziellos erwiesen hat, ist nicht abzusehen. Die Erfah⸗ rung ist eine gute Lehrerin, eine geduldige, aber auch eine unerbittliche. Der gärenden und flutenden Bewegung gegenüber müssen feste Pfeiler das beharrende Element darstellen, soll nicht alles in den chaotischen Wirbel hinabgerissen werden. Diese Aufgabe fällt dem Bürgertum zu, das zu Beginn der Bewegung, zermürbt durch die Entbehrungen und Nervenerschütterungen vier langer Kriegsjahre, nicht die Kraft ge⸗ funden hat, ihr Einhalt zu gebieten, wenig⸗ muß neue Kraft suchen. Wie in der grie⸗ chischen Sage Antäos durch die Berührung mit seiner Mutter Gäa(Erde) neue Kraft erhielt, so muß auch das Bürgertum aus dem engen Zusammenhang mit der heimatlichen Erde, mit der Heimgt, neue Lebenskraft schöpfen. Das Bindeglied zwischen dem Ein⸗ zelnen und der Heimat bildet die Familie. Die Pflege des Familiensinns, die Beschäf⸗ tigung mit der Familiengeschichte ist ein wirksames Mittel, um dem völligen Zerfall unserer bürgerlichen Gesellschaft entgegenzu⸗ arbeiten und ihm Einhalt zu tun. Daher verdienen die Bestrebungen, wie sie in den Geschlechterbüchern zu Tage treten, die weit⸗ gehendste Förderung. Sie sind von der größ⸗ ten praktischen Bedeutung und können sie immer noch in erhöhtem Maße erhalten. Zur Weckung und Hebung des Familien⸗ sinns in weitesten Kreisen ist ein jüngst als 26. und 27. Band der„Bücher der Rose“ erschienenes Werk berufen:„Wolfs, Ge⸗ schichten um ein Bürgerhaus“ ist es betitelt. Wilhelm Langewiesche, der Ver⸗ leger, ist zugleich der Verfasser. Im Herbst 1916 begonnen, im Frühjahr 1918 vollendet und im Sommer desselben Jahres konnte es infolge der Papiernot erst im Herbst 1919 auf Kriegspapier gedruckt— erscheinen. Dieses zweibändige Werk ist nicht stens so lange, als der äußere Friede noch nicht wiederhergestellt war. Das Bürgertum N f h 190 Wie verhängnisvoll Geschichtslosigkeit in Staat und Gesellschaft werden können, hat das seir der Novemberrevolution verflossene Jahr, wohl das traurigste und schmachvollste in der ganzen deutschen Geschichte, deutlich das erste, das sein Verfasser in der genannten Sammlung veröffentlicht hat. Bereits in Jahre 1916 ist er mit dem prächtigen Buche „Jugend und Heimat, Erinnerungen einz Fünfzigjährigen“ hervorgetreten, ohne seinen Namen zu nennen, der jedoch aus dem Ganzen zu erraten war. In den neuen Werk hat er sich nun offen als Ver⸗ fasser des früheren bekannt. Bei dem ersten Werke schwebte ihm die Hoffnung vor,„daß der eine oder andre Leser durch dieses Buch angeregt werde, selber nach eigener Art auf⸗ zuschreiben, was er im alten Deutschland ge⸗ sehen und erlebt hat, in dem Deutschland. das jetzt, da das neue geboren wird, zu ver⸗ ö sinken beginnt und doch nicht vergessen wer den soll“. Welcher Art das neue Deutschlam und wie unglücklich es sein werde, das konnt er nicht ahnen. Ob bei dieser Entwicklung der Dinge seine Anregung von vielen befolgt wurde und noch wird, ist zweifelhaft, wem auch jedenfalls zu wünschen ist, daß es fleißig geschehe. Jedenfalls hat er gezeigt, wie jede Leben genug des Mitteilenswerten umfaßt, auch wenn es keine Ereignisse von welt erschütternder Bedeutung in sich birgt, vor⸗ ausgesetzt nur, daß der Mitteilende zu er⸗ zählen versteht. Solche Erzählungen wären geeignet, eine Familienüberlieferung zu be⸗ gründen, die sich zu einem Baum auswachsen würde,„der über ganze kommende Geschlech⸗ ter seinen schützenden Schatten breitete“ Dann würde auch nicht mehr die Familteen⸗ chronik fehlen, die nach Rie hl„in jeden Bürgerhause, in welchem man lesen und schreiben kann, angelegt werden sollte“, Wird in„Jugend und Heimat“ auf Grund der Erinnerungen des sich nicht nennenden Verfassers die Erinnerungswelt eines in Jahre 1866(in Rheydt) geborenen Westfalen dargestellt, so in„Wolfs“ die ganze Gedan⸗ kenwelt, die Geschicke und Erlebnisse einer industriellen Bürgerfamilie aus derselben Gegend während zweier Menschenalter, von Jahre 1800 bis zur Mitte der 50er Jahre, In buntem Wechsel ziehen Personen, An⸗ schauungen, Erfindungen, Kämpfe vor dem Auge des Lesers vorüber. Die im ersten Bande erzählten Ereignisse spielen sich in Schatten der gewaltigen Persönlichkeit Na⸗ poleons ab, die im zweiten vor Bismarck Aufgang. Auf diese Weise wird das Wer im besten Sinn ein anregendes und unter⸗ haltendes Geschichts⸗ und Geschichtenbuch. Gz ist gewissermaßen eine Fortsetzung von„Ju⸗ gend und Heimat“, das mit dem Läuten der deutschen Siegesglocken im Jahre 1871 be⸗ ginnt, in rückwärtiger Richtung. Das zusam⸗ menfassende Band all der bunten Bilder i die Geschichte der Familie Wolf. Geschlechter kommen und gehen. Oft wirft 1 eine im Aussterben begriffene Generation auf gesetzt, das zarte Gemüt einer heranwachsenden, von der sie ein Abstand von zwei Menschenaltern und länger trennt. In der Erinnerung an die längst entschwundene Jugend lebend, läßt sie freilich diese vor d Juger weit 6 sinn. Grab um se wenn hat, d im G sie m dringl schenst Stadt in ft Vo An um ha wollte Im L auch g in das Am port v Blaye 20. Jo in Hol gestell. 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G von„Ju⸗ zäuten der 1871 be⸗ as zusam⸗ Bilder ist Oft wirkt ration auf nden, von chenaltern ing an die d, läßt sie . diese durch ihre Erzählungen noch einmal bak waren in der Kantine zu kaufen; andere vor dem geistigen Auge der ihr lauschenden Sachen zu kaufen, war verboten. Die Ar⸗ Jugend erstehen. Das erweckt in dieser, so⸗ weit Empfänglichkeit dafür besteht, Familien⸗ sinn. Dann sinkt die alte Generation ins Grab und lebt nur noch in der Erinnerung, um schließlich auch darin zu verschwinden, wenn sich nicht zufällig eine Feder gefunden hat, die die Kunde von ihr festhält. So ist im Grunde die Geschichte jeder Familie, sei sie nun aufgezeichnet oder nicht, eine ein⸗ dringliche Predigt über das allgemeine Men⸗ schenschicksal: Wir haben hier keine bleibende Stadt 1 Meine Erlebnisse in französischer Url egsgefangenschaft. Von Ober⸗Telegraphenleitungsau'seher Heinrich Wagner⸗Gießen. (Fortsetzung.) An Kaisers Geburtstag mußten wir schon um halb acht Uhr abends zu Bett gehen, man 5 J gestellten Leute wurden zu Arbeitskomman⸗ wollte so eine patriotische Feier verhindern. Im Laufe des Monats Januar wurden wir auch geimpft, jeder bekam vier Einspritzungen in das linke Schulterblatt. Am 31. Januar kam ich mit einem Trans⸗ port von etwa 200 Mann nach der Festung Blaye in der Gironde, wo ich bis zum 20. Januar 1916 verblieb. Hier kamen wir in Holzbaracken zu liegen, die sehr leicht her⸗ gestellt waren, auf dem Fußboden war keine Bedielung. Als Lagerstätten hatten wir dop⸗ pelte Pritschen, die obere war 1,20 Meter über der unteren angebracht, die untere lag lag 40 em über dem Fußboden. Auf jeder Pritsche lagen zehn Mann, jeder hatte einen 60 em breiten Raum. Als Unterlagen dien⸗ ten geflochtene Strohmatratzen, zum Zu⸗ decken hatten wir eine Decke. Bis dahin hatten wir noch keine Unterkleider gebraucht, nun aber wurde uns die Kälte bei dem spärlichen Lager unerträglich. Wir legten uns aneinander wie die Heringe, bei jeder Wendung mußten die anderen folgen. Auf diesem harten Lager konnte man es kaum ö 0 ö eine halbe Stunde aushalten, auf einer Seite it 9 0 ersten Gefangenen im August 1914 sehr zu liegen. So hatte ich mir in kurzer Zeit Kopf⸗ rheumatismus und ein Zahnleiden zu⸗ gezogen, was mich fast das ganze Jahr 1915 plagte. Zwei Zähne mußte ich mir dort von dem deutschen Zahntechniker Jung aus Ham⸗ burg ziehen lassen. Als ich vier Wochen in Blaye war, hatte ich dann auch Unterkleider, eine Decke und ein Kopfkissen da, die mir noch lange gute Dienste leisteten. Tags über war es Ende Februar und Anfang März schon ziemlich heiß, und wir konnten uns im Freien von der Sonne wärmen lassen. Das Essen war hier sehr dünn und unzureichend, und der Hunger war bei den Gefangenen kein seltener Gast. So war man denn meistens auf die Pakete aus der Heimat an⸗ gewiesen. Milch, Käse, Butter, Brot und Ta⸗ beitsabteilungen waren in dieser Zeit noch recht klein, da ja fast lauter Verwundete da waren, die nur zu den Reinigungsarbeiten innerhalb des Lagers herangezogen wurden. Am 25. Februar wurden die ersten Ampu⸗ tierten ausgetauscht. Auch gingen im Fe⸗ bruar und März Transporte nach Afrika ab. Die ersten Transporte waren mit List nach Afrika gebracht worden. Es wurde Anfrage gehalten, wer in den Weinbergen arbeiten wollte, wozu sich auch 200 bis 250 Mann meldeten. Es war jedem für den Tag 1 Frs. 50 Centimes versprochen worden. Der Transport wurde zusammengestellt und in einem Schiff ging es die Gironde aufwärts nach Bordeaux. Daselbst gesellten sich noch 500 Mann dazu, ein größerer Dampfer nahm alle auf. Jetzt konnte jeder erraten, wohin die Fahrt ging. Im März begann die Klassifizierung der Verwundeten, und die einigermaßen her⸗ dos eingeteilt. Unteroffiziere wurden noch nicht zur Arbeit herangezogen. Am ersten Osterfeiertage zogen wir aus von Baracke 5 nach der Baracke 1. Am 13. April erhielten wir Strohsäcke anstatt der harten Stroh⸗ matratzen, dadurch wurde unser Lager er⸗ träglicher. Etwa vier Wochen später kam ich in Baracke 3 zu liegen. Allgemein wurden die Gefangenen alle 3—4 Wochen durchein⸗ ander geworfen. Die Wasserversorgung war in Blaye sehr schlecht. Das Wasser für die Küche wurde in Fässern herbeigeholt, und zwar auf einem Handkarren. Zum Waschen waren Fässer aufgestellt, die täglich nach⸗ gefüllt wurden, das Wasser reichte aber bei weitem nicht aus. Daher kam es, daß in kurzer Zeit das Lager mit Ungeziefer über⸗ füllt war, Insektenpulver mußte zur Ver⸗ tilgung mitwirken. Im allgemeinen verlief dieses Jahr für mich ruhig. Der Komman⸗ dant war ein menschenfreundlicher Mann und ließ die Gefangenen ziemlich in Ruhe, nur einige französische Sergeanten übten ihre Wut an ihnen aus. Dagegen waren die schlecht daran. Sie lagen bis spät in den November hinein in Zelten, ohne Decken und ohne Stroh auf blanker Erde. Gesunde, Kranke und Verwundete lagen durcheinan⸗ der, und unsere Sanitäter durften keine Hand anlegen, Verbandsstoffe waren weg⸗ genommen worden. Nur in dunkler Nacht konnten die Sanitäter ihren verwundeten Kameraden beistehen, täglich starben Leute. In unserem Lager war auch eine Bibliothek eingerichtet worden, und so beschäftigten wir uns mit Lesen und Kunstschnitzereien. Im Frühjahre wurden die Arbeitskommandos vergrößert, so daß zuletzt nur noch die Kran⸗ ken für die Lagerarbeiten zurückblieben. Auch die Briefpost ging zeitweise sehr langsam, man mußte mitunter 8—10 Wochen darauf r 2. — 192— warten. Es wurden viele Gegenmaßnahmen 6, hier war ich Barackenchef. Als ich wieder angeordnet. Pakete erhielt man durchschnitt⸗ lich nach dre Wochen, viele kamen so an, daß der Inhalt teilweise fehlte, andere auch gar nicht. In diesem Lager wurden auch Ge⸗ sangsabteilungen und Musikkapellen gedul⸗ det, ebenso Theateraufführungen, was später alles verschwand. Im Herbste wurden am Tage auch einige Posten durch deutsche Un⸗ teroffiziere ersetzt, so an Mauerdurchgängen und auf dem Festungswalle. Auch Unter⸗ richtskurse wurden eingerichtet, jedoch wurde diesen Veranstaltungen im Winter 1915/16 ein Ende gemacht. Transportweise ging es nach anderen Arbeitsdepots, so wurden innerhalb vier Wochen von den 800 Mann 400 bis 500 Mann wegtransportiert. Was noch zurückblieb, mußte arbeiten. Im Laufe des Jahres war noch ein neues Lager mit 58 Baracken eingerichtet worden, das aber keine Gefangenen aufnahm. Etwa drei bis vier Kommandos von je 40 bis 50 Mann arbeiteten im Steinbruch, am Güterbahnhof und in Fabriken der Stadt. Die Invaliden mußten die Reinigungs⸗ und Küchenarbeiten machen. Die, die sich krank meldeten, durften nicht in der Baracke bleiben, sie hatten ein Aufenthaltszimmer bei der Infirmerie(La⸗ zarett). Am 20. Januar 1916 kam ich zum erstenmal auf ein Arbeitslager nach La Pal⸗ lice, wo ich 10 Tage verblieb, um dann als arbeitsunfähig wieder nach Blaye zurückzu⸗ kehren. Die Hafenarbeiten waren im Anfang zu schwer für mich. Nun war seit dem 20. Januar 1916 ein neuer Kommandant nach Blaye gekommen, und zwar ein richtiger Deutschenhasser. Kein Mensch im Lager hatte mehr Ruhe. Der Kommandant ließ Straßen aufbrechen, Steine und Sand herantragen, alle mußten arbeiten, sogar die Lahmen. Wer ihm ohne Arbeit in den Weg kam, wurde eingesperrt und mußte jeden Tag, mit 40 Pfund Steinen im Tornister, unter Bewachung sechs Stun⸗ den marschieren. Sonntags mußten diese Leute mit dem Gepäck auf dem Rücken Steine klopfen. Zu Anfang des Jahres 1915 wurde für die Evangelischen alle drei Wochen Gottesdienst abgehalten, das hörte 1916 ganz auf. Das Kaufen in der Kantine wurde ganz eingeschränkt bis auf Brot, Butter und Ta⸗ bak. Die Gefangenen waren in drei Kom⸗ pagnien eingeteilt, von denen die dritte Kom⸗ pagnie zumeist arbeiten mußte. Niemand konnte ohne Erlaubnis eines französischen Sergeanten mit einem Kameraden aus einer anderen Kompagnie verkehren; denn an jedem Zwischengang stand ein französischer Posten, der jeden Gefangenen, der sich nicht in der Begleitung eines Korporals befand, zurückwies. Zum Spazierengehen stand uns nur ein schmaler Weg von etwa 60 Meter Länge zur Verfügung, und dieser Weg war kaum passierbar. Ich wanderte, wie ich schon angegeben habe, von Baracke 5 nach Baracke 1, von da nach Baracke 3, dann nach Baracke von La Pallice zurückkam, wurde ich in die Baracke 9 verlegt. Von diesem Zlitpunkte an wurde ich beim Straßenbau als Aufseher einer Arbeitsabteilung beschäftigt. (Fortsetzung folgt.) Kleine Mitteilungen. Daß die große kirchengegnerische Propg⸗ ganda, wie sie u. a. in Thüringen und Reuß besonders eifrig betrieben wird, bei der Be⸗ völkerung wenig Anklang findet, beweist ein Beispiel aus Gera. Im Bezirk der Trini⸗ tatiskirche, dem größten der Stadt, nehmen von 262 Ostern zur Schulentlassung kom⸗ menden Kindern 253, das sind 96 ¼ Proz, am kirchlichen Konfirmandenunterricht teil Nur 5 Knaben und 4 Mädchen, wesentlich aus Dissidentenfamisien stammend, bleiben auf Wunsch der Eltern demselben fern. Auch in den anderen Pfarrbezirken der Stadt dürfte das zahlenmäßige Verhältnis ein ähn⸗ liches sein. Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 30. November. 1. Advent Kollekte für die Kirchenkasse. Gottesdienst. In der Stadtkerche. Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Becker. Beichte und Feier des heill⸗ gen Abendmahls für Matthäus- und Mar⸗ kusgemeinde. Anmeldungen werden von den Gemeindepfarrern vorher erbeten.— Vor⸗ mittags 11¼ Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarrer Becker. Abends 5 Uhr: Pfarrer Mahr.— Montag den 1. Dezember, abends 7½ Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend det Markusgemeinde.— Dienstag den 2. De⸗ zember, nachmittags 4 Uhr: Frauenmis⸗ sionsverein(Kirchstr. 9). In der Johanneskirche. Vormittags 9½ Uhr(zugl. Mil.⸗Gsd.): Pfarrer Ausfeld, Beichte und Feier des heiligen Abendmahls für Lukas⸗ und Johannesgemeinde. Anmel⸗ dungen werden von den Gemeindepfarrern vorher erbeten.— Vormittags 11¼ Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Abends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends ½8 Uhr: Ver⸗ einigung der konfirmierten männlichen Ju⸗ gend der Johannesgemeinde.— Montag den Dezember, abends ½8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend det Lukasgemeinde.— Freitag den 5. Dezember, abends ½8 Uhr: Vereinigung d. konfirmier⸗ ten weibl. Jugend der Johannesgemeinde. An den kommenden Sonntagen werden in den Abendgottesdiensten für die einzelnen Gemeinden Abendmahle gehalten, und zwar in der Stadtkirche am 2. Advent für die Markusgemeinde, am 3. Advent für die Matthäusgemeinde; in der Johan⸗ neskirche am 2. Advent für die Johan⸗ nesgemeinde, am 3. Advent für die Lukgs⸗ gemeinde. Anmeldungen werden von den Gemeindepfarrern vorher erbeten. Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und? Verlag der Brühl'schen Universttäts- Bus- und Steindrückere R. Lange, Gießen. 6 der Wor vom die Unte stehe schla! wart nicht aber krieg Güte word euro bens! sind gepri Auf senkt, Art Meer gestec word. Städ dertte Schu Kalib und! festig. und baun Engl. Flug; Schif Völke geben gebra N Hung stoffer und wiede seinen der Tatsa